Gk–Gz

Glaubenskongregation

Derzeitige Leitung: Kardinal William Levada, Amerikaner, ab 02.07.2012: Kardinal Gerhard Müller, Deutscher (nach 5 Jahren nicht mehr ernannt). Juli 2017: neu:
EB Luis Francisco Ladaria Ferrer, Spanier
Palazzo del S. Uffizio 11. Sekretariat: 06 698 846 26
Ort: zwischen Petersplatz und Porta Cavalleggeri, auf italienischem Boden, aber auf vatikanischem Hoheitsgebiet.

Ehemaliger Präfekt dieses Dikasteriums (Kongregation): Kardinal Joseph Ratzinger, der gegenüber der ersten Kaserne der Schweizergarde auf italienischem Boden in vatikanischem Hoheitsgebiet wohnte, zum Arbeitsplatz vorerst auf italienischem Boden marschierte, den vatikanischen Petersplatz überquerte, um dann auf italienischem Boden in vatikanischem Hoheitsgebiet zu arbeiten.

Aus Hans Küng, Erkämpfte Freiheit, Piper, 2002, ab Seite 487:
Der neuralgische Punkt jeder Kurienreform ist die Reform, ja manche meinen gar Abschaffung des „Heiligen Offiziums“, das als Inquisition bekanntlich eine jahrhundertelange fatale Geschichte hat, sich aber seit der Antimondernistenkampagne Anfang des 20. Jahrhunderts stolz den Titel „suprema“, „oberste“ Kongregation der Kurie zugelegt hat (WA: Sie wird heute noch im Organigramm zuerst erwähnt.), das eigentliche Machtzentrum des Vatikans. Ueber seine Einflussmöglichkeiten macht sich auch der katholische Durchschnittskleriker kaum eine Vorstellung: Denn ohne Sanctum Officium läuft im Vatikan gar nichts:

Es ist zuständig für alle Angelegenheiten der Glaubens- und Sittenlehre – und was gehört da im Vatikan nicht dazu? Es arbeitet in absoluter Geheimhaltung und kann jede Entscheidung einer anderen Kongregation (WA: Es sind noch 8 weitere.) annullieren, blockieren, abändern, durch eine neue ersetzen.

Es kontrolliert ganz direkt die mächtigsten Ministerien, an deren Spitze ausschliesslich Mitglieder des Sanctum Officium stehen. Das vatikanische „Pentagon“: alles in allem notorisch engstirnige Männer, den Stellvertreter ebenfalls im Sanctum Officium Sitz haben und deren theologische Berater alle aus einer, nämlich der römisch-katholischen Schule stammen. (WA: Jeder Minister hat mindestens 2 – 3 Einsitze in anderen Ministerien in den sogenannten Dikasterienkonferenzen.)

Diese schon über 400 Jahre alten „geistlichen“ Sicherheitsbehörde (Glaubenskongregation) verdankt die katholische Kirche die bekannten katastrophalen Fehlentscheide: vom Fall Galilei und dem chinesischen Ritenstreit über die Indizierungen (auf den Index setzen) der bedeutendsten Denker Europas (Descartes, Kant, Sartre usw.) und die Verurteilung von Religionsfreiheit und Menschenrechten bis zum Fall Teilhard de Chardin, dem Verbot der französischen Arbeiterpriester und den schonungslosen Theologensäuberungen unter Pius X. und Pius XII. (→Päpste).

Keine Übertreibung also: Wie das KGB im ehemaligen Sowjetimperium sich als „Schwert und Schild der Partei“ zur Sicherung der Herrschaft verstanden hat, so verstand sich +Kardinal Ottaviani nach einer Selbstaussage verniedlichend als „der alte Carabiniere (Polizist) der Kirche“, der mit seiner Organisation für die Sicherung der ideologischen Ordnung („die katholische Wahrheit“) in der Kirche zu sorgen hatte.

Die vatikanische Geheimpolizei überwacht soweit wie möglich das wissenschaftliche und kulturelle Leben, die wichtigen Stellen des kirchlichen Apparates und die diplomatischen Vertretungen im Ausland, ist zuständig auch für die „Zölibatsfälle“. Das Sanctum Officium hat geheimen direkten Zugriff auf Nuntiaturen, Bischöfe und Ordensobere in allen Nationen. Tagtäglich empfängt der Chef der Glaubenslehre von überall her „die allergeheimsten Informationen“, um auf sie tagtäglich in allergeheimster Weise zu reagieren.

Die Verfahrensweisen des Offiziums widersprechen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen (10.12.1948).  →Vatikan, Seite 2, Altbundeskanzler H. Kohl

S. 490: Wie die politische Polizei des Sowjetimperiums, die ihren verhassten Namen verschiedentlich änderte (Tscheka, GPU, NKWD, MGB, seit 1954 KGB), faktisch über dem Recht steht, so auch die vatikanische; auch die Congregatio Sancti Officii Romanae et Universalis  Inquisitionis änderte den Namen (schlicht Sanctum Officium, später dann Kongregation für die Glaubenslehre), behielt aber die Methode bei. Dieser schon über 400 Jahre alten „geistlichen“ Sicherheitsbehörde verdankt die katholische Kirche die bekannten katastrophalen Fehlentscheide: vom Fall Galilei und dem chinesischen Ritenstreit über die Indizierungen (Verdacht erregenden Umstand) der bedeutendsten Denker Europas (Descartes, Kant, Sartre usw.) und die Verurteilung von Religionsfreiheit und Menschenrechten bis zum Fall Teilhard de Chardin, dem Verbot der französischen Arbeiterpriester und den schonungslosen Theologensäuberungen unter Pius X. und Pius XII.

Keine Übertreibung also: Wie das KGB sich als „Schwert und Schild in der Partei“ zur Sicherung der Herrschaft versteht, so verstand sich auch Kardinal Ottaviani nach einer Selbstaussage verniedlichend als „der alte Carabiniere (Polizist) der Kirche“, der mit seiner Organisation für die Sicherung der ideologischen Ordnung („die katholische Wahrheit“) in der Kirche zu sorgen hatte. Auch die vatikanische Glaubenspolizei überwacht soweit wie möglich heute das wissenschaftliche und kulturelle Leben, die wichtigen Stellen des kirchlichen Apparates und die diplomatischen Vertretungen im Ausland, ist zuständig auch für die „Zölibatsfälle“. Das Sanctum Offizium hat geheimen direkten Zugriff auf Nuntiaturen, Bischöfe und Ordensobere in allen Nationen. Tagtäglich empfängt der Chef des „Heiligen Offiziums“ von überall her „die allergeheimsten Informationen“, um auf sie tagtäglich in allergeheimster Weise zu reagieren. Bischöfe, Ordensobere und Nuntien haben dem obersten Glaubenswächter und „seinem Heiligen Büro“ („Politbüro“) unbedingten Gehorsam zu leisten. Und zwar unter dem Siegel des „Geheimnisses des Heiligen Offiziums“, das mit der höchsten Exkommunikationsstufe geschützt ist, von dessen Verletzung allein der Papst persönlich Absolution erteilen kann. So sichert man sich auf „geistliche“ Weise die Macht.

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 104:
Im Sant’Uffizio arbeiten seit 4 Jahrhunderten die gut 100 Leute von der Kongregation für den Glauben und setzen in den üblichen Bürozeiten fest, was im Denken richtig ist und was falsch, was im Handeln eines Christenmenschen gerade noch geht und was völlig unmöglich ist. Hier wird auch der Index der verbotenen Bücher geführt. Im Untergeschoss stehen die Regale mit den Werken der Ketzer, von den Schriften Luthers bis zu den jüngsten Editionen feministischer Theologie, lateinamerikanischer Befreiungstheologen oder den Büchern von Hans Küng. Dessen Kollege aus Tübinger Tagen, der jetzige Papst, eilte jahrelang jeden Morgen zu diesem Portal, stets zur gleichen Zeit, die Baskenmütze auf dem Haarschopf und in der Rechten eine offenbar schon aus der Zeit der Kirchenväter stammende Aktentasche. Seit dem Umbau 1912 gibt es keine Gefängniszellen mehr im Hl. Offizium. In dem Kerker des Palastes wurde zwischenzeitlich eine →Mosaizistenwerkstatt  untergebracht. – Im Erdgeschoss sitzen ausserdem die Kollegen von der Ritus-Kongregation. Die 6 Kardinals-Appartements im 4. Stock sind naturgemäss sehr begehrt, zumal es nicht weit bis nach draussen ist. Es gibt auch noch kleinere Dienstwohnungen für die Prälaten der Kongregation.

Hans Küng, Ist die Kirche noch zu retten? Seite 222:
Doch verfährt sie immer noch nach ihren mittelalterlichen Grundsätzen – einer der Gründe, warum der Vatikan der Europäischen →Menschenrechtskonvention von 1950, die auf einem Mindestniveau die Einhaltung der Menschenrechte gewährleisten soll, nicht beitreten darf. Trotz einer schliesslich neu formulierten und erstmalig veröffentlichten Verfahrensordnung – der Glaubenskongregation im Unfehlbarkeitsstreit abgerungen – gilt noch immer: Das Verfahren gegen einen Verdächtigen oder Angeklagten ist geheim. Niemand weiss, wer die Informanten sind. Ein Kreuzverhör von Zeugen oder Gutachtern findet nicht statt. Akteneinsicht wird nicht gewährt, so dass eine Kenntnis der Vorverhandlungen verhindert wird. Ankläger und Richter sind identisch. Appellation an ein unabhängiges Gericht ist ausgeschlossen, beziehungsweise nutzlos.

Denn nicht die Wahrheitsfindung ist Ziel des Verfahrens, sondern die bedingungslose Unterwerfung unter die mit der Wahrheit stets identische römische Lehre, kurz: „Gehorsam“ gegenüber „der Kirche“ nach der bis heute gebrauchten Formel „humiliter se subiecit“, „er hat sich demütig unterworfen“. Solcher Gehorsam will schon früh gelernt sein: Nach dem neuen kirchlichen Gesetzbuch sind die Alumnen in Priesterseminaren „so zu bilden“, dass sie, von der Liebe zur Kirche Christi erfüllt, dem Papst als Nachfolger Petri in demütiger und kindlicher Liebe ergeben sind…“ (Kanon 245 § 1). Dazu passt dann der von jedem Bischof vor Amtsantritt geforderte Treueid gegenüber dem Papst (Kanon 380), normalerweise im Rahmen der Bischofsweihe abzulegen.

Die Macht des Chefs der Glaubenskongregation ist noch immer gewaltig und besonders von Bischöfen und Theologen gefürchtet. Ihm steht der gesamte kuriale Apparat zur Verfügung. Es ist ihm ein Leichtes, direkt an jede der päpstlichen Nuntiaturen in aller Welt zu gelangen, um den Repräsentanten des Papstes zu einer Intervention bei einer Bischofskonferenz, einer Regierung oder eben auch gegen einen Einzelnen zu veranlassen. Er kann auch jeden der rund 5’000 Bischöfe in aller Welt direkt anschreiben, um gegen ihn oder gegen einen seiner Theologen, Seelsorger oder Ordensleute vorzugehen. Und dies alles geräuschlos und von der Öffentlichkeit völlig unbeobachtet, oft ausdrücklich „sub secreto pontificio“, unter der hohen Geheimhaltungsstufe des Sanctum Officium. Nur so konnte ja auch die jahrzehntelange weltweite Vertuschung klerikaler Sexualmissbrauchsfälle funktionieren.

HK, Erkämpfte Freiheit, S. 564:
Erst zum feierlichen Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils, am 6. Dezember 1965, veröffentlicht Paul VI. (→Päpste) das Motu proprio (aus eigenem Antrieb) „Integrae servandae“: Mit der Reform des Sanctum Officium wird hier der erste gewichtige Schritt einer Kurienreform vollzogen, deren Gesamtkonzeption dann mit der apostolischen Konzeption „Regimini Ecclesiae“ 1967 sichtbar werden wird.

S. 565: Und was geschieht jetzt mit diesem Sanctum Officium? Der Germaniker Hermann Schwedt, früher selbst Mitarbeiter, analysiert im Berichtsband „Studientag Bistum Aachen“ präzis: Das „Sicherheitsamt“ des katholischen Glaubens wird von Paul VI. degradiert zu einer normalen Kongregation der römischen Kurie, mit einem Kardinal als Präfekten und einem neuen Namen „Kongregation für die Glaubenslehre“. Und dies soll nicht mehr nur für die „Sicherung“ des Glaubens, sondern vor allem für die „Förderung“ des Glaubens zuständig sein. Dabei soll die Kongregation Bücher nicht mehr (wie in CIC Canon 247 festgelegt) „verbieten“ (prohibere), sondern nur noch „missbilligen“ (reprobare). Damit ist so ganz nebenbei, zunächst kaum bemerkt, der Index der verbotenen Bücher faktisch abgeschafft worden, ohne dass der Papst dies freilich klar ausspricht.

S. 566: Die Zurückdrängung des ungebührlichen Einflusses des Sanctum Officium (dessen Mitglied ex officio auch Montini viele Jahre war) ist nur ein Teil der Kurienreform. Die zentrale Massnahme wird 1967 publiziert werden: die Erhebung des „päpstlichen Staatssekretariats“, in welchem Montini durch Jahrzehnte buchstäblich sein Zuhause hatte, zum vatikanischen „Superministerium“.
→Missbrauchsfälle

BaZ vom 3. Juli 2012, S. 6, DPA:
Deutscher Bischof wird oberster Glaubenshüter

Rom/Regensburg. Papst Benedikt XVI. hat den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zum neuen Präfekten der einflussreichen Glaubenskongregation ernannt. Dies teilte der Vatikan gestern mit. Der 64 Jahre alte Geistliche wird damit zum obersten Glaubenshüter der katholischen Kirche. Müller ist unter Theologen hoch angesehen. Er gilt aber auch als Hardliner im Klerus.

OR Nr.  27 vom 6. Juli 2012, S. 3:
Bischof Gerhard Müller neuer Präfekt der Glaubenskongregation

Vatikanstadt. Papst Benedikt XVI. hat den aus Altersgründen eingereichten Rücktritt von Kardinal William Joseph Levada (76) als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Präsident der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ sowie der Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission angenommen. Zu seinem Nachfolger in allen Ämtern hat er den Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller (64), nach Rom berufen und ihn gleichzeitig in den Rang eines Erzbischofs erhoben.

Die Kongregation für die Glaubenslehre ist die älteste und in dogmatischen Fragen höchste vatikanische Kurienbehörde. 1542 unter Papst Paul III. als „Kongregation der Römischen und Universalen Inquisition“ ins Leben gerufen, solle sie nach der Reformation den katholischen Glauben rein erhalten, Glaubensverstösse untersuchen und gegebenenfalls bestrafen. 1908 wurde die Inquisitions-Kongregation zum „Heiligen Offizium“. Im Mittelpunkt steht die Sektion für Lehrfragen. Dort werden theologische Veröffentlichungen auf ihre Vereinbarkeit mit der katholischen Lehre untersucht.

Geleitet wird die Behörde mit ihren rund 30 Mitarbeitern von einem Präfekten. Dies war von 1981 bis 2005 Joseph Kardinal Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI. Danach stand ihr der US-Kardinal William Joseph Levada vor. Seit dem 2. Juli 2012 ist der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller der neue Präfekt der Behörde.

Daten von Erzbischof Gerhard Müller:

  • geboren am 31. Dezember 1947 in Mainz-Finthen
  • Abitur am Willigis-Gymnasium in Mainz
  • mehrere Jahre in der Jugendarbeit seiner Heimatpfarrei St. Martin Mainz-Finthen
  • Studium der Philosophie und Theologie in Mainz, München und Freiburg i. Br.
  • Assistent an der Katholisch-Theologischen Fakultät Mainz
  • 1978 zum Priester geweiht
  • in drei Pfarreien Kaplan bis zur Habilitation im Jahre 1985
  • 1977 Promotion bei Kardinal Lehmann mit der Arbeit über den  evangelischen
    Theologen Dietrich Bonhoeffer zum Doktor der Theologie
  • Die Habilitation im Fach Dogmatik und ökumenische Theologie  über
    die „Gemeinschaft und Verehrung der Heiligen“ im Jahre 1985 erfolgte bei
    Kardinal Lehmann
  • 1986 Lehrstuhl für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilian-Universität  in München

OR Nr. 47 vom 21. November 2014, S. 3

Der Heilige Vater hat bei der Kongregation für die Glaubenslehre ein neues Gremium von Kardinälen und Bischöfen eingerichtet, das die Untersuchung von Missbrauchsfällen und anderen „schwerwiegenden Delikten“ beschleunigen soll.  Die aus 7 Personen bestehende Gruppe behandelt künftig Einsprüche gegen Entscheidungen der Kongregation. Dies soll die monatliche Sitzung der Glaubenskongregation entlasten, die zuvor damit befasst war.

Gleichgeschlechtliche Ehe

Siehe unter „Ehe, gleichgeschlechtliche“

Glocken des Petersdomes, Vatikanstaat

Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Petersdom):
Die 6 Glocken hängen hinter dem linken obersten Fenster der Frontfassade des Petersdoms, unterhalb der Uhr (Glockenturm), wobei nur 3 Glocken* sichtbar sind. Die  6 Glocken heissen:

  • die grösste Glocke, Campanone*, in der Mitte und
  • daneben die beiden kleinsten Glocken*, Campanella seconda und
    Campanella prima.
  • Dahinter befinden sich die übrigen 3 Glocken: Campanoncino,
    Campana della Rota und Campana della Predica. Die Läuteordnung der 6 Domglocken unterscheidet zwischen dem rhythmischen Anschlagen per Hammerwerk (a doppio) und dem schwingenden Läuten (a slancio). Vor der Elektrifizierung der Läuteanlage 1931 wurden das Anschlagen und das Läuten von Hand ausgeführt.
  • Der Uhrschlag erfolgt auf den 3 Glocken im Schallfenster (6, 5 und 1) unterhalb des Zifferblattes. Die Viertelstunden werden mit den beiden kleinen Campanelle geschlagen, worauf jeweils die Anzahl der angebrochenen Stunde auf der grössten, der Campanone nachgeschlagen wird (seit Papst Franziskus nachts kein Uhrschlag mehr). Nach den päpstlichen Segen Urbi et orbi an Weihnachten und Neujahr, nach dem Angelus am Hochfest Peter und Paul (29. Juni) und nach der Wahl eines neuen Papstes läuten alle 6 Glocken – a slancio (mit Schwung).
  • Nach dem Angelusgebet an Festen und Hochfesten (zirka 12.15 Uhr) läuten alle Glocken a slancio, ausser den 2 Grössten. Beim Tod eines Papstes läutet die grosse Campanone a slancio.
    Die 6 Glocken:

Nr.   Name                                             Gussjahr          unterer Ø           Masse
1      Campanone                                      1785                231 cm
.       9’000 kg ~
2     Campanoncino Benedettina               1725               177,4 cm
.      3’765 kg
3     Campana della Rota                          13. Jh.            136,4 cm
.      1’735 kg
4      Campana della Predica                     1893               108,7 cm
.       850 kg
5      Campanella prima: Pia                      1932                 74,4 cm
.        280 kg
6      Campanella secondada:                    1825                 73,9 cm
.       260 kg (Clementina)

In den vatikanischen Gärten (oberhalb des ersten Gebäudes des vatikanischen Rundfunks, unmittelbar neben dem Lieblingsplatz von Papst Johannes XXIII. Roncalli) befindet sich die im Jahre 1999 von Marinelli, anlässlich des Jubiläumsjahres 2000, gegossene „Grande Campana del Giubileo. Die rund 5 Tonnen schwere Glocke ist starr aufgehängt und kann gebeiert (beiern = mit dem Klöppel läuten) werden.

Schweiz am Sonntag, 12.01.2017, S. 7, Ricardo Tarli
Berner Kirchen: Hat ihr letztes Stündlein geschlagen?

Lokalpolitiker will alle Geläute nachts zum Schweigen bringen: Die Friedenskirche im Berner Mattenhofquartier sorgt für Unfrieden. Stein des Anstosses: die Turmuhr. Zu jeder Viertelstunde, Tag und Nacht, erklingen aus dem Kirchturm kräftige Glockenschläge. „Das laute Gebimmel raubt mir den Schlaf“, klagt eine langjährige Anwohnerin, die anonym bleiben will. „Die Schläge sind eine Qual, vor allem in der Nacht. Das Einschlafen fällt mir schwer, und ich werde auch aus dem Schlaf gerissen.“
Die Schlafstörungen hätten bei ihr sogar zu gesundheitlichen Beschwerden geführt, erzählt die Bernerin. Sie leide unter Herzrasen und Ohrensausen. und habe sich deswegen in ärztliche Behandlung begeben müssen. Die Frau ist nicht die einzige Anwohnerin, die unter den nächtlichen Glockenschlägen leidet. Wie die „Schweiz am Sonntag“ erfahren hat, liegen dem Polizeiinspektorat bereits mehrere Beschwerden zur Friedenskirche vor.
Robert Ruprecht, Präsident des Kirchengemeinderates, kann die Reklamationen von Anwohnern nur bedingt nachvollziehen: „2012 wurde eine elektronisch gesteuerte Schlagreduktion eingebaut. Seither schlägt die Turmuhr nachts leiser.“
Alle Glocken sollen schweigen: Stadtrat Marcel Wüthrich (48) will die Störung der Nachtruhe durch Glockenschläge nicht länger hinnehmen. (…) Mit einem parlamentarischen Vorstoss will der Vertreter der Grünen Freien Liste (GFL) im Berner Stadtparlament nun erreichen, dass nachts (22 bis 7 Uhr morgens) keine Kirchenuhr mehr schlagen darf, und zwar auf dem gesamten Stadtgebiet. (…)
Bei Streitigkeiten wegen der Störung der Nachtruhe durch Kirchenglocken sind im vergangenen Jahr 2 Entscheide mit Signalwirkung gefällt worden. Laut einem Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichtes darf die reformierte Kirche in Wädenswil nachts nur noch stündlich schlagen. So auch im Fall der reformierten Kirche in Worb: Die Polizeidirektion des Kantons Bern entschied, dass nachts nur noch der Stundenschlag erlaubt ist. Die Entscheide, die mit der ETH-Studie begründet werden, sind noch nicht rechtskräftig. Sie sind an die nächsthöhere Instanz, im Fall Wädenswil an das Bundesgericht weitergezogen worden. Mit einem Entscheid des obersten Schweizer Gerichts wird bis Mitte Jahr 2017 gerechnet. Seit 2013 schwiegen in Winterthur nachts die Glocken der katholischen Kirchen – nach zähen Verhandlungen mit einigen Anwohnern.

Gleiche Ausgabe, Seite 19, Fabienne Riklin
Viertelstunden-Schlag hat ausgebimmelt. Die Nachricht: In Bern sollen die Kirchenglocken zwischen 22 Uhr und 7 Uhr schweigen. Anwohner und Politiker haben einen entsprechenden Vorstoss lanciert.
Der Kommentar: Was dem einen vertrautes Traditionsgut sein mag, ist für den anderen akustischer Terror: das nächtliche Gebimmel. Um Viertel nach einmal, um halb zweimal, um Viertel vor dreimal, zur vollen Stunde viermal, dazu der Stundenschlag. Kirchenglocken kennen vielerorts keine Nachtruhe. Einen kirchlichen Hintergrund hat der Schlag zur Stunde und zur Viertelstunde nicht. Dieses Geläut ruft weder zum Gebet noch zu einer Hochzeit auf. Sondern stammt aus der Zeit des Mittelalters, als der Grossteil der Bevölkerung keine Uhr hatte und vom Schlag des Kirchturms abhängig war. Allerdings besitzen heute alle entweder eine Uhr, ein Handy oder einen Wecker, um die Zeit abzulesen. Wer braucht da noch den Klang der Turmuhr?
Die Liste der Streite rund um den nächtlichen Glockenschlag wird lang und länger. Es fragt sich: Was ist wertvoller, Nachtruhe oder Tradition? Generell braucht es nicht mehr Regeln im Umgang mit Lärm, sondern eher Toleranz. Spielende Kinder, krähende Gockel, sommerliche Gartenfeste oder auch Kuhglocken mittels Rechtsstreit verbieten zu wollen, ist der falsche Weg.
In der aufgeheizten Diskussion ums Kirchengeläut ist ein gutschweizerischer Kompromiss zielführend. Gewisse Gemeinden haben sich bereits geeinigt. Dort schlägt es nur zur vollen Stunde, auf das viertelstündliche Dingdong wird verzichtet. So wird die Tradition gewahrt, und die Anwohner können besser schlafen.
(WA: Bei einem 2-wöchigen Aufenthalt im Juli 2016 im Vatikanstaat ist aufgefallen, dass die Glocken von St. Peter nachts ausgeschaltet sind. Einem Gardisten sind diese Viertelstunden-Schläge äusserst bekannt: sie geben die Korpszeit an.)

Glockengiesserei, Päpstliche

OR Nr. 52 vom 19. Dezember 2014, S. 6
Zu Besuch in der Päpstlichen Glockengiesserei Marinelli in Agnone/Molise

„Einen Tropfen Bronze im Blut hat bei uns jedes Familienmitglied“, Armando Marinelli sagt es natürlich im Scherz. Doch symbolisch betrachtet stimmt das. Die „Päpstliche Glockengiesserei Marinelli“ im Städtchen Agnone im süditalienischen Molise besteht seit dem 14. Jahrhundert, als eine der ältesten und renommiertesten der Welt, immer von derselben Familie betrieben. Päpstlich darf sie sich auf Geheiss von Pius XI. seit 1924 nennen. „Wir sind auch die einzigen mit Papstwappen auf den Glocken“, erklärt Armando Marinelli. Er ist stolz darauf, zusammen mit seinem Bruder Pasquale als erste Generation des dritten Jahrtausends die Glockengiesserei der Familie weiterzuführen. – Auf 830 m ü. M. liegt Agnone, umgeben von herrlichen Wäldern. Einmalig ist und bleibt die Glockentradition. Diese sind nicht nur aus Bronze wie bei Marinelli. Es gibt sie im Kleinformat aus Schokolade und als Schreibtischzierde, aus Kuchen oder Käse geformt. Längst gibt es natürlich auch Marinelli-Glocken, die den Päpsten Benedikt XVI. Ratzinger und Franziskus Bergoglio gewidmet und mit deren Wappen geschmückt sind. Auch der UNO-Sitz in New York hat eine. Im Museum „Johannes Paul II. Wojtyla“ in der Giesserei, 1997, eingerichtet, sind unter den zahlreichen Reproduktionen von Glocken, die Marinelli weltweit liefert, auch solche, die es nicht mehr gibt. 30’000 Besucher lassen sich hier jährlich herumführen.
Siehe unter „Hoflieferant, Päpstliche“

Governatorat des Staates der Vatikanstadt

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(Verwaltung des Staates der Vatikanstadt, hinter dem Petersdom)
Generalsekretariat: Tel. 06 698  831 58, siehe „Organigramm“

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 117:
Das mächtige  „Weisse Haus“ im  Kirchenstaat: Die Verwaltungszentrale sieht aus wie ein grösseres Franziskanerseminar und war auch einmal eines. Im Governatoratspalast laufen die Verwaltungsstränge des ganzen Reiches zusammen, vom zentralen Rechnungsamt über die Ämter für Briefmarken, Handel bis hin zur Leitung der päpstlichen Sternwarte. Gleich am Eingang ist bereits das Wappen Benedikts marmorn in den Fussboden eingelassen, die Gänge sind hell und mit all dem Marmor und den Säulen durchaus herrschaftlich. Anders als in anderen Kanzlerämtern ist der zentrale Raum eine Kapelle, aus der auch während der Bürozeiten Choräle und Messeklänge zu hören sind. – Das Governatorat ist ein durch wundersam sprudelnde Quelle für Posten und Pöstchen. Um Luther zu zitieren: „Wer mag des Papstes und der Kardinäle Gesinde zählen. Es ist ein solch Gewürm und Geschwärm in dem Rom, und alles sich päpstlich rühmt, dass zu Babylon nit ein solches Wesen gewesen ist. Es sein mehr denn 3’000 Papstschreiber allein. Wer will die anderen Amtleute zählen, da ja der Ämter so viele sind, dass man sie nicht zählen kann.“

Das Governatorat wird vom Präsidenten der Kardinalskommission (Ministerpräsidenten) geführt. Auch dieser Regierung (im Gegensatz zum Hl. Stuhl als erster Rechtsträger des Vatikans) stehen an wichtigen Stellen Priester vor. Nur Pius XI. (→Päpste) kannte einen Laien-Gouverneur (Camillo Sarafini), der jeden Tag zum Papst musste.

Das Governatorat (il Governatorato) ist die Gesamtheit aller Verwaltungseinheiten, durch welche der Präsident, unterstützt durch den Generalsekretär und den Vizegeneralsekretär (Kardinal und Bischöfe), die ausführende Gewalt im Vatikanstaat ausübt.

Der Staat der Vatikanstadt steht unter den Autorität des Heiligen Stuhles. Dieser Staat ist unterteilt in Direktionen und Zentralämter, nämlich:

9 Direktionen:

  1.  Staatsbuchhaltung: Direzione della Ragioneria dello Stato
  2. Allgemeine Dienste: Direzione di Servizi Generali (Warendurchfuhrdienst,    Motorfahrzeugdienst, Floreria: Gestaltung der Räume und Örtlichkeiten für    Audienzen, Gottesdienste usw.)
  3. Sicherheits- und Zivilschutzdienst: Direzione di Siccureza e Protezione Civile    (Gendarmerie, Feuerwehr)
  4. Gesundheit und Hygiene: Direzione di Sanità ed Igiene (Apotheke)
  5. Museen: Direzione dei Musei (sämtliche Monumente und Kunstschätze des    Vatikans: Verwaltung)
  6. Technische Dienste: Direzione dei Servizi Tecnici (Unterhalt Liegenschaften,     Baudienst, Werkstätten- und Installationsdienst)
  7. Telekommunikation: Direzione delle Telecomunicazioni (Post, Telegraf, Telefon),  Informatik
  8. Wirtschaftsdienste: Direzione dei Servizi Economici (An- und Verkauf von     Lebensmitteln: Annona, und andere Waren, z. B. Benzin, andere Kraftstoffe, C+C für Grosseinkäufe, z. B. durch Klöster)
  9. Päpstliche Villen: Direzione delle Ville Pontifice (Gärten Castel Gandolfo, Bauernhof mit Verkauf der Landwirtschaftlichen Produkte)

7 Zentralämter

(Sie unterstehen direkt dem Präsidenten, welcher durch den Generalsekretär und den Vizegeneralsekretär unterstützt wird)

  1. Juristisches Amt: Ufficio Giuridico
  2. Personalamt: Ufficio del Personale (Fragen hinsichtlich der Beschäftigten des
    Governatorats, Aus- und Weiterbildung)
  3. Standes-, Einwohnermelde- und Notariatsamt: Ufficio dello Stato Civile,
    Anagrafe e Notariato (Geburts-, Ehe- und Sterberegister. Verzeichnis der
    Staatsbürgerschaften, Aufenthaltsbewilligungen. Private und Öffentliche
    Urkunden)
  4. Briefmarken- und Münzamt: Ufficio Filatelico e Numismatico. Sorgt für die
    Herstellung und Herausgabe von Münzen und Briefmarken und für deren
    Vermarktung unter den Sammlern. Führt ein besonderes Briefmarken- und
    Münzmuseum, welches alle seit 1929 – dem Gründungsjahr des
    Vatikanstaates – herausgegebenen Münzen und  Briefmarken umfasst.
  5. Amt für die Informatiksysteme: Ufficio Sistemi Informativi. Betreut alle
    Informatikeinrichtungen des Governatorats. Es beschafft und verarbeitet
    ausserdem Daten und Informationen, welche die Tätigkeit des Vatikanstaates
    betreffen.
  6. Staatsarchiv: Archivio di Stato. Es protokolliert und archiviert sämtliche
    Korrespondenzen der Päpstlichen Kommission und der verschiedenen
    Verwaltungseinheiten.
  7. Pilger- und Touristenamt: Ufficio Pellegrini e Turisti. Im Braccio di Carlo Magno,
    Petersplatz links. Es erteilt Informationen an die Pilger und Touristen der
    Vatikanstadt. In Zusammenarbeit mit den anderen Einrichtungen und
    Behörden des Hl. Stuhles für die Pilgerbetreuung. Obwohl sie keine
    spezifischen Aufgaben für das Governatorat erfüllt, untersteht ihm die
    Vatikanische Sternwarte (Specola Vaticana) mit Sitz in der Päpstlichen
    Sommerresidenz in Castel Gandolfo.
    → Sternwarte

Um die Ausgaben für den Gesundheitsdienst der Beschäftigten des Heiligen Stuhles und des Vatikanstaates sowie ihrer Familienangehörigen zu decken, wurde im Jahre 1954 ein Fonds für den Gesundheitsdienst (Fondo Assistenza Sanitaria) als eine gegenüber den Verwaltungen des Heiligen Stuhles und des Vatikanstaates unabhängige Anstalt errichtet.
→ Pensionsfonds

Für den Staat der Vatikanstadt (Stato della Città del Vaticano) arbeiteten 1’795 Angestellte (Jahr 2007), davon (im Jahre 2002) etwa 70 Priester und Ordensleute: rund
180  Mitarbeitende in Büros
250  Mitarbeitende in Museen
380  in der Technik (Floreria = Bereitstellung der Audienzräume, Gottesdienste usw.)
140  Gendarmen
130  in der Wirtschaft (Supermarkt, Bekleidungsgeschäft, Elektrofachgeschäft,
.       Pilgerlauben)

Für den Hl. Stuhl (die „Verwaltung“ der Weltkirche) arbeiteten im Jahre 2007 weltweit 2’748 Mitarbeitende. Insgesamter Apparat SCV und Hl. Stuhl: 4’543 Angestellte im Jahre 2007.  →Angestellte      →Kapelle im Governatorat

Im Governatorat bezieht man auch die →Autoschilder´.

Gräber unter St. Peter

Rund 2 Dutzend Gräber befinden sich in den zugänglichen Wegen unter St. Peter. Ueber 160 Papstgräber sind in St. Peter.

Graffiti im Vatikan

Graffiti sind auf vatikanischem Staatsgebiet nicht vorzufinden, auch nicht an den Vatikanmauern (innen und aussen). Stand Mai 2011. Noch Plakate noch Werbung ist gestattet.

Gregorianischer Kalender

→Römisches Jahr

Grenzlegung des Vatikanstaates

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan:

Zuständig für die ehemalige Grenzlegung 1929:
–  Für Italien: „Gazzetta Ufficiale“ der Republik Italien,
–  Für den Heiligen Stuhl: „ACTA  APOSTOLICAE SEDIS“
Problem: unterschiedliche Kartierungen der Grenze

Es musste damals sehr schnell gehen. Die Geometer zeichneten ihre Karten auf den letzten Drücker, hektisch und in einer einzigen Nacht, damit das Konkordat endlich verkündet werden konnte. Da  kann es schon zu Fehlern kommen. Der Konkordatstext war nie als heilige Schrift gedacht. Die umstrittenen Gebiete liegen dort, wo der Mauergang Passetto an der Porta Angelica die Vatikanmauern trifft. Der dortige Kiosk des Osservatore Romano liegt auf einem keilförmigen Gelände, das von beiden Staaten zu ihrem jeweiligen Hoheitsgebiet gerechnet wird.

Grenze total 3,420 km lang gemäss Lateranvertrag vom 11.02.1929. Staatsgebiet 850 x 1’045 m gross.

Petersplatz (schmaler Streifen, rechts neben der Kolonnade)

Territorium der Vatikanstadt, Sicherheitsagenden an italienische Sicherheitskräfte delegiert. →Petersplatz  →Polizei italienische
Der schmale Streifen (ca. 3 m breit und 60 m lang) entlang der Aussenseite der rechten    (d. h. nördlichen) Kolonnade Berninis ist nach den Lateranverträgen italienisches Territorium  und unterliegt der italienischen Jurisdiktion. Diese Tatsache wurde von einer gemischten Kommission, die bis 1932 tagte und welche die technischen Details der Verträge präzisierte, bestritten. Da diese Kommission jedoch von italienischer Seite nicht mit hochrangigen Juristen beschickt wurde und darüber hinaus nur beratende Funktion innehatte, wird die Rechtliche Relevanz dieses Standpunktes von Italien nicht anerkannt. Vatikanisches Telefonbuch 2004/2005: Vatikankarte. Sie zeigt eine Staatsgrenze, die von der ersten Gardekaserne direkt zur Kolonnade verläuft. Dieses streitbare Gebiet von  3 m Breite und 60 m Länge wäre nach dieser Karte also Vatikan-Staatsgebiet. Der „italienische“ Kiosk wäre demnach auf Vatikangebiet, d. h. den Schweizer Blick könnte man im Vatikan kaufen, auch alle italienischen Tageszeitungen und die deutsche Tageszeitung „BILD“.

Glaubenskongregation  

Sie liegt auf italienischem Territorium bzw. vatikanischem Hoheitsgebiet, steht jedoch im    Besitz des Hl. Stuhles und geniesst exterritorialen Status. Sie untersteht nicht der italienischen Jurisdiktion. San Salvator in Ossibus. Pius XI. wollte den Palast der Glaubenskongregation in den Lateranvertrag einverleiben, ohne Erfolg.   →Kirchen SCV

Campo Santo

Hier spricht man von der letzten Einheit des Heiligen Römichen Reiches Deutscher Nation, gar vom deutschen Hoheitsgebiet. Auf alle Fälle liegt der Campo auf italienischem, nicht auf vatikanischem Staatsgebiet, möglich aber auf vatikanischem Hoheitsgebiet. Der Campo Santo wird aber vom Staat der Vatikanstaat verwaltet. Auch hier kursieren zwei Grenzen vom linken Braccio-Ende zur Mauer des Campo Santo bzw. eine gradlinig vom Braccio bis zur Sakristei. Ebenso verschiedene Grenzlinien von der südwestlichen Grenze des Campo durch die Audienzhalle zur Mauerecke des Vatikanstaates. Auch hier wollte Pius XI. die ganze Parzelle in den Lateranvertrag einverleiben.

Audienzhalle Paul VI.

Auch hier gilt dasselbe. Der vordere Teil der Audienzhalle hingegen liegt auf Vatikanboden. Die Grenze verläuft vom vorderen südlichen Eck des deutschen Friedhofs durch die Audienzhalle zur südlichen Vatikanmauer. Nur liegen hier drei Grenzvorschläge vor, die durch die Audienzhalle verlaufen. Aber immer sitzt der Papst auf vatikanischen Staatsgebiet.

Bahnhof  

Südlich des Vatikanbahnhofs, also ausserhalb der Mauern, wurde möglicherweise ein gewisses Gebiet dem Heiligen Stuhl zur Verfügung gestellt als exterritoriale Besitzung auf  italienischem Boden zur Versorgung des Bahnhofs. Möglicherweise deshalb, weil in einer  Karte der Gazzetta Ufficiale von 1929 dieses Gebiet nicht berücksichtigt wurde. Heute fällt  dies nicht mehr ins Gewicht, weil der Bahnhof für Güter nicht mehr viel in Betrieb ist. Fast  alle Waren werden mit Camions über den Vatikan-Eingang Perugino zugeführt.

Via Porta  Angelica

Strasse vom Passetto zum Piazza Risorgimento. Beim Bau 1929 wurde die Mauer etwas zurückgenommen, und zwar beginnend im letzten Drittel der Gendarmerie-Kaserne bis  zu Beginn des Piazza Risorgimentos. Hier ist sie rund 1,5 m zurück. Das Territorium vor der  zurückgenommenen Mauer ist Vatikanstaat.
→Grenzen, auch unter „Päpste, Pius XI.“

Grösse des Vatikanstaates

Vatikanstadt (also rund um den Petersdom): 0,44 km2  bzw. 44 ha/440’000 m2. Im Kanton Basellandschaft sind die Gemeinden Oltingen, Dittingen und Wintersingen genau gleich gross (reine Siedlungsflächen).
Im Kanton Luzern gilt dasselbe für die Gemeinde Greppen. Der Vatikanpalast (Papstpalast) umfasst allein 55’000 m2 mit 20 Innenhöfen.

Grösse des Staates der Vatikanstadt mit dem Hl. Stuhl zusammen:  ~1,14 km2  bzw. 114 ha (nicht gesichert). Im Vergleich zu einer Schweizer Gemeinde: Leimbach im Wynental/AG hat beispielsweise die gleiche Fläche (Gemeindefläche).

Hl. Stuhl: →Castel Gandolfo, die Sommersitz mit Palast und Garten (0,55 km2), dann Kirchen/Gebäude usf. in und um Rom (0,15 km2), Hl. Stuhl total 0,70 km2 (nicht gesichert), entspricht der Siedlungsfläche von Röschenz (0,71). Santa Maria di Galeria (über 40 ha, Radio Vatikan) nicht mitgerechnet.

Der Vatikanstaat ist kleiner als die US-Botschaft in Bagdad, aber grösser als das Bundeskanzleramt in Berlin. Mit Sicherheit ist er einer der wichtigsten Tuffsteinhügel der Welt. Umrahmt mit einer 3,420 km langen Mauer (ohne Graffiti, Plakate oder Werbung). Vatikanstaat: 850 m x 1’045 m gross.

Das Eidgenössische Schwing- und Älperfest 2016 in Estavayer le Lac, der urchigste Grossanlass der Schweiz, benötigte eine Grösse von 90 ha Land, um die Arena, Grosszelte, sonstige Zelte, Verkaufsstände und den Parkplatz unterzubringen. Das ist etwas mehr als 2mal die Fläche des Vatikanstaates.

Grotten unter der Peterskirche  

→Krypta

Grundgesetz des Vatikanstaates

Neues Grundgesetz vom 22. Februar 2001 am Fest Kathedra Petri: Ersetzt dasjenige vom  7. Juni 1929 (Pius XI.). (Lateranverträge 11.02.1929)
Neues Grundgesetz: 20 Artikel, 3 ½  A4-Seiten gross.

Inhalt:
Die Verfassung besteht ausschliesslich aus einem organisatorischen Teil und nicht aus einem organisatorischen und programmatischen Teil, wie allgemein üblich. Die Verfassung besteht aus 20 Artikeln, die folgende Aspekte regeln:

  • Artikel 1 des Grundgesetztes vereint die Gewalten der Legislative,
    Exekutive und Judikative in der Person des Papstes als Souverän
    des Vatikanstaates
  • Artikel 2 regelt die auswärtigen Beziehungen und setzt zu diesem
    Zweck das Staatsekretariat ein
  • Die Artikel 3 – 14 behandeln die Legislative und die Exekutive, die
    im Namen des Papstes durch eine  Kardinalskommission ausgeübt
    werden
  • Die Artikel 15 – 19 behandeln die Judikative. Dabei wird ein
    Revisionsrecht eingeräumt und dem Papst das ausschliessliche
    Begnadigungsrecht zugesprochen
  • Artikel 20 definiert die Staatsymbole des Staates der Vatikanstadt

Besonderheiten:

  • Die Apostolische Konstitution „Universi Dominici Gregis“ regelt die Zeit
    während der Vakanz des Heiligen Stuhles und die Neuwahl des Papstes
  • Die Apostolische Konstitution „Pastor Bonus“ regelt die Zuständigkeiten
    innerhalb der Kurie

Der Tag der Verkündung der Verfassung und der Tag des Inkrafttretens sind symbolisch gewählt:

  • Der 26. November 2000 als Tag der Verkündung war im kirchlichen Kalender das
    Christkönigsfest. Damit sollte die Souveränität Jesu Christi betont werden,
    von dem der Papst seine eigene Souveränität ableitet.
  • Der 22. Februar ist der Tag des kirchlichen Festes Kathedra Petri, an dem die
    katholische Kirche der Übernahme des Bischofsamtes von Rom durch Petrus
    gedenkt. Die Lateranverträge wurden  an  einem 11. Februar im Jahre 1929
    unterschrieben. Dieser Tag ist Unabhängigkeitstag im Vatikanstaat.
    Siehe  → Nationalfeiertag

Gruppierungen in der Kirche

Auch „Bewegungen, Movimenti“ genannt

Jürgen Erbacher, Der Vatikan, Das Lexikon, S. 63
Neue kirchliche Bewegungen

Bei den Bewegungen, auch Geistliche Gemeinschaften oder Bewegungen genannt, handelt es sich um Laienorganisationen, die im 20. Jahrhundert entstanden sind. Sie wollen in ihrer je eigenen Art das Christentum authentisch leben und verbreiten und setzen sich für eine Glaubenserneuerung ein. Je nach ihrer Entstehungsgeschichte können sie einen eher sozialen oder eher missionarischen Charakter aufweisen. Bei vielen Bewegungen sind neben den Laien mittlerweile auch Kleriker Mitglieder. Die Bewegungen zeichnen sich oft durch unterschiedliche Formen der Mitgliedschaft aus, von losen Sympathisanten bis zu Kommunitäten (Bruderschaften), in denen Männer oder Frauen, in der Regel getrennt, nach den Evangelischen Räten (Ehelosigkeit, Armut, Gehorsam) zusammenleben. – Ein grosser Teil der Bewegungen ist in Europa entstanden. Beim Heiligen Stuhl ist der Päpstliche Rat für die Laien (Piazza San Calisto 16, Trastevere, Rom, Tel. 06 698 871 94) Ansprechpartner für die Bewegungen. Unter Johannes Paul II. Wojtyla (1978-2005) erfuhren sie eine grosse Unterstützung. Mehrmals lud er die Mitglieder der Gemeinschaften zu grossen Treffen in den Vatikan ein. Einige Bewegungen suchen ganz bewusst die Nähe zu Mitarbeitern der Römischen Kurie bzw. Bischöfen und Kardinälen. Sie gewinnen dadurch neben den klassischen Orden auch Einfluss in der Zentrale der katholischen Kirche, zumindest aber sind sie über Vorgänge gut informiert. – Zu den Bewegungen im weiteren Sinn gehören unter anderem die Schönstattbewegung, die Fokolarbewegung, Comunione e Liberazione, der Neokatechumenale Weg und die Gemeinschaft Sant’Egidio. An der Kurie ebenfalls mit einigen Mitgliedern vertreten ist die relativ kleine Bewegung „Das Werk“. (WA: Die katholische Laienbewegung „Opus Dei“ wird hier nicht erwähnt. Die „Legionäre Christi“ seien eine Kongregation von Priestern.)

HK, Ist die Kirche noch zu retten?, S. 211:
Nicht nur die Diözesen haben grosse Nachwuchssorgen, sondern auch die Orden. Dafür hat sich nun in der römischen Kurie auf weiten Strecken ein anderes Personal breitgemacht, das man früher gar nicht kannte. Es sind dies die fundamentalistischen (kompromisslos an seinen Grundsätzen festhaltend) Bewegungen (italienisch: Movimenti), die mit dem Amtsantritt des polnischen Pontifex einen gewaltigen Aufschwung nahmen und sich auch in der römischen Kurie immer neuen Einfluss verschafft haben.

Es ist das grosse Verdienst des Journalisten und Buchautors Hanspeter Oschwald, der über eine 40-jährige Erfahrung in der Vatikanberichterstattung verfügt und sich besondere Mühe gemacht hat, gerade das schwer durchschaubare Netzwerk dieser neuen Bewegungen zu durchleuchten: „Im Namen des Heiligen Vaters. Wie fundamentalistische Mächte den Vatikan steuern“ (Heyne, München 2010). Aus vielen Hinweisen leitet Oschwald (S. 157f) eine Rangordnung der Bewegungen ab, die die grösste Macht im Apparat ausüben. Sie setzen sich zusammen aus:

  1. Opus Dei
    Reaktionäre und Traditionalisten. Sie stellen sich jedem Fortschritt entgegen und  halten an der Tradition fest. Spanische Gründung. In Spanien oft „Octopus Dei“ genannt (Der Oktopus ist eine Krake mit 8 Fangarmen, 9 Gehirnen, 3 Herzen und einem Schnabel. Kraken müssen geistig gefordert werden, damit sie sich nicht langweilen. Das Meeresraubtier lebt nur 2 Jahre und hält sich im Mittelmeerraum auf. Männlein und Weiblein vertragen sich nicht gut. Das Weiblein gebärt über 200’000 Oktopaden auf einmal.). Opus Dei als geldstarker faschistoid-katholischer Geheimbund (dem Faschismus ähnlich; antidemokratisch, Herrschaftssystem). Seine Fangarme reichen bis ins spanische Banken- und Geschäftswesen. Die Grosszahl der Minister des letzten Francokabinetts waren      Opus-Dei-Mitglieder. Der Gründer, der als eitel, arrogant und herrschsüchtig bezeichnete Spanierpriester José Maria Escrivá de Bálaguer y Albás (1902-75) wird unter Umgehung der Vorschriften in Rekordzeit schon 1992 selig und 2002 sogar „heilig“ gesprochen (HK, S. 209)
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  2. Legionäre Christi
    Finanzielle Unterstützung aus Mexiko. („Millionäre“ Christi).  Ähnlich dem Opus Dei. (→Skandale?,  →Päpste,  Johannes Paul  II.). Der Gründer, Pater Maciel, musste wegen seines Lebenswandels seines Amtes  enthoben werden.

    OR Nr. 28 vom 13. Juli 2012, S. 11:

    Rom. Der italienische Weihbischof Lorenzo Leuzzi hat im Studienzentrum der Legionäre Christi in Rom 34 Ordensmänner zu Diakonen geweiht. Die neuen Diakone stammen aus 11 verschiedenen Ländern. Heute zählt die Ordensgemeinschaft nach eigenen Angaben über 920 Priester in rund 20 Ländern.
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    OR Nr. 51/52 vom 21.12.2012, S. 3
    Italien: 44 neue Priester für die Legionäre Christi
    Rom. In Rom sind 44 Mitglieder des Ordens der „Legionäre Christi zu Priestern geweiht worden. Von den 44 Neupriestern, die am 15. Dezember 2012 in der Päpstlichen Basilika St. Johann im Lateran durch Kardinal Velasio de Paolis geweiht wurden, stammen 15 aus Mexiko, dem Ursprungsland der Legionäre. 11 kommen aus den USA, 6 aus Spanien. Im vergangenen Jahr waren 49 Kandidaten zu Priestern des Ordens geweiht worden.

    Bischofsweihe des neuen Generalsekretärs des Governatorats des Vatikanstaates, den 67-jährigen Fernando Vergez Alzaga, Legionär Christi, am 15.11.2013 durch den Papst  (OR Nr. 46 vom 15.11.2013, S. 4). –

    Regnum Christi. Der Gruppierung „Legionäre Christi“ ist die Gruppierung „Regnum Christi“ angeschlossen, ebenfalls von Marcial Maciel im Jahre 1959 gegründet. Sie wurde 2004 vom Heiligen Stuhl approbiert (zugelassen). Ihr Ziel ist der Aufbau des Reiches Christi (Laienbewegung) und sie zählt zur Zeit 40 Bildungseinrichtungen (Universitäten, Schulen). Beide Gruppierungen sind wegen ihrer aggressiven Rekrutierungsmethoden in mehreren katholischen Bistümern verboten.
    Kritiker gehen bei beiden Gruppierungen von einem pädophilen Netzwerk aus. 2009/10 fand eine ausserordentliche Visitation durch einen päpstlichen Delegaten statt. Benedikt XVI. sprach nachher von einer dringenden „Reinigung“ der Gruppierungen und von einer sofortigen Neuordnung der Ordensgemeinschaften.

  3. Comunione e Liberazione
    Politisch gewichtig. Die vier Schwestern in der Papstwohnung ohne Schwesternhabit, die für Wohnung und Küche (Benedikt XVI.) verantwortlich waren, gehören den Memores Domini an, eine Unterabteilung von Comunione e Liberazione.
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  4. Neokatechumenat
    Betont urchristliche Gemeinden. Gründer: Kiko Argüello, Privataudienz beim Papst am 05.09.2013; 05.12.2014; 04.09.2017;
    OR Nr. 30/31 vom 29.07.2016, S. 3: Die Mitbegründerin des Neokatechumenalen Weges, Carmen Hernandez, ist tot. Die Spanierin starb am 19. Juli 2016 nach schwerer Krankheit im Alter von 85 Jahren in Madrid, wie die Gemeinschaft in Rom mitteilte. Gemeinsam mit Kiko Argüello gründete Hernandez 1964 den Neokatechumenalen Weg. Sie leitete die Gemeinschaft zuletzt gemeinsam mit Argüello und dem italienischen Priester Mario Pezzi. Bei der Totenmesse in der Kathedrale von Madrid wurde ein Telegramm von Papst Franziskus verlesen, in dem er das Wirken der Verstorbenen für die Kirche würdigte.
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  5. Focolarini
    (Fokolarbewegung. Focoli = Herd, Versammlungsort), betont urchristliche Gemeinden
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    OR Nr.  25 vom 22. Juni 2012, S. 6:
    Seit dem 7. Juli 2008 ist Maria Voce Präsidentin der Fokolar-Bewegung, deren offizielle Bezeichnung „Werk Mariens“ lautet. Gegründet wurde sie 1943 von Chiara Lubich mit dem Ziel, die von Jesus gewollte Einheit unter den Menschen zu verwirklichen. Erstmals offiziell anerkannt wurde die Bewegung 1962 von Papst Johannes  XXIII., die Statuten wurden 1990 von  Papst Johannes Paul  II. approbiert (zugelassen). Das „Werk Mariens“ erhielt das seltene päpstliche Privileg, immer von einer Frau geleitet zu werden. Die auf allen Kontinenten vertretende Bewegung zählt heute über zwei Millionen Mitglieder.
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    OR Nr. 34 vom 24. August 2012:
    Internationales Jugendfestival der Fokolar-Bewegung in Budapest.
    Unter dem Motto „Brücken bauen“ lädt die Fokolar Bewegung zu ihrem grossen Jugendfestival nach Budapest. Rund 12’000 Teilnehmer aus  aller Welt werden zum Fest der katholischen Erneuerungsbewegung vom 31.08. bis 02.09.2012 erwartet.
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    OR Nr. 39  vom 28.09.2012, S. 9:
    Neuer Koordinator der Fokolar-Gemeinschaft der Bischöfe.
    Kairo. Der Erzbischof von  Bangkok, Francis Xavier Kriengsak, löst den emeritierten Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vik, in seiner Funktion als Koordinator der Gemeinschaft der Bischöfe ab, die mit der Fokolar-Bewegung in Verbindung       stehen. Die Bischöfe haben sich in Kairo getroffen, um ihre Solidarität mit den koptisch-orthodoxen Christen der Region auszudrücken, heisst es in einer Mitteilung der Bewegung. Die Präsidentin der Fokolar-Bewegung, Maria Voce, wird am 8. November in Bern an einem Podiumsgespräch mit Kurt Kardinal Koch und dem Präsidenten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, Gottfried Locher, teilnehmen.
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    OR Nr. 38 vom 20.09.2013, S. 4
    Privataudienz der Präsidentin der Fokolar-Bewegung, Maria Emmaus Voce, am 13. September 2013 bei Papst Franziskus.
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  6. Sant’Egidio
    Politisch  gewichtig  (→Anticamera, Päpstl. Rat für die Familie)
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    OR Nr. 6 vom 10.01.2012:
    Festgottesdienst der Gemeinschaft Sant’Egidio
    Mit einem Festgottesdienst in der Päpstlichen Basilika St. Johann im Lateran hat die kirchliche Gemeinschaft Sant’Egidio ihr 44. Gründungsjubiläum begangen. Die heilige Messe feierte der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, William Kardinal Levada, in Konzelebration mit rund 100 der Gemeinschaft verbundenen Kardinälen und Bischöfen aus alle Welt.
    Kardinal Levada richtete ein besonderes Grusswort an den Gründer von Sant’Egidio und heutigen italienischen Integrationsminister im Kabinett von Ministerpräsident Mario Monti, Andrea Riccardi, sowie den Präsidenten der Gemeinschaft, Marco Impagliazzo. Neben weiteren Ministern und Politikern der Stadt und Region nahmen an der Feier auch arme, alte und kranke Menschen teil, um die sich Sant’Egidio kümmert.In seiner Predigt unterstrich Kardinal Levada den Einsatz der Gemeinschaft für die Armen und für den Frieden. Er bezeichnete die 1968 im römischen Viertel Trastevere gegründete Gemeinschaft Sant’Egidio als eine der Früchte, die das vor 50 Jahren eröffnete 2. Vatikanische Konzil (1962-65) hervorgebracht habe.Die Gemeinschaft, die nach eigenen Angaben rund 60’000 Mitglieder in 73 Ländern der Welt zählt, stellte zum Jubiläum auch ihren neuen Internetauftritt unter der Adresse www.santegidio.org ins Netz.
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    März 2016: Der Sant’Egidio-Günder Andrea Riccardi erhielt am 30. März 2016 in Berlin den Humanismus-Preis 2016. – Privataudienz bei Franziskus: 3. März 2017;
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  7. Schönstattbewegung
    Sie gehört zu den neuen kirchlichen Bewegungen, die im 20. Jahrhundert entstanden sind. Sie ist eine stark marianisch geprägte Erneuerungsbewegung innerhalb der katholischen Kirche. Mit ihrer Spiritualität und Pädagogik versucht die Schönstattbewegung Wege zu zeigen für ein christliches Leben in pluralistischer Gesellschaft. Die Mitglieder dieser Bewegung engagieren sich meist in ihren Pfarreien in ganz unterschiedlichen Diensten. Ursprungsort und geistlicher Mittelpunkt der Bewegung ist Schönstatt, ein Ortsteil von Vallendar bei Koblenz/D. Informationen: www.schoenstatt.de

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  8. Das Werk, Geistliche Familie
    Die Geistliche Familie „Das Werk“ (Opus) zählt zu den Neuen Kirchlichen Bewegungen. Sie will durch ihre Arbeit zur Erneuerung und dem Aufbau der Kirche beitragen. Das Leben der Frauen- und der Priestergemeinschaft besteht aus einer Verbindung aus Kontemplation (religiöse Betrachtung), apostolischem Wirken und Mission. Am 21. August 2001 wurde „Das Werk“ als Familie desgeweihten Lebens vom Heiligen Stuhl durch die Ordenskongregation anerkannt. Einige Mitglieder arbeiten an der Römischen Kurie (u.a. Kongregation für die Glaubenslehre). Daneben sind sie in der Pilgerseelsorge in Rom und auch in Jerusalem tätig.

Hans Küng, Erkämpfte Freiheit, S. 544:
Immerhin hat das Opus Dei, diese finanzstarke, faschistoide (antidemokratische) römisch-katholische Geheimorganisation, unter Paul VI. noch keinen entscheidenden Einfluss. Doch lässt sich seine wachsende Bedeutung im Vatikan nicht übersehen. Auch Hans Urs von Balthasar (sein Bruder Dieter war Oberstleutnant der Schweizergarde) ist darüber beunruhigt (1964): „Bitte denke an die Sache mit Opus Dei: Es ist mir entscheidend wichtig zu wissen, warum es nicht mehr Institutum Saeculare ist – und ob es wahr ist, dass so viele Klagen, besonders aus Spanien, darüber in Rom vorliegen. Lattaona (der Kardinalpräfekt der Ritenkongregation) wird alles wissen, aber vielleicht erfährt man mehr bei Philippe.“ Balthasar wird eine äusserst scharfsinnige Analyse der Opus-Dei-Ideologie veröffentlichen, die sicher nicht nur vom Konkurrenzdenken – Balthasar hat sein eigenes Konzept von Laienorden – bestimmt ist.

Kath. Wochenzeitung Nr.  39 vom 28. September 2012, S. 3:
Pater Wallner: Movimenti sind heute „die“ Lebensader der Kirche

Allen diesen von Laien getragenen Erneuerungsbewegungen sei gemeinsam, dass sie nicht ausserhalb der Kirche stehen wollen, sondern gerade die Anerkennung des Bischofs, Papstes und des Lehramtes suchen.

„Movimenti“ sind heute die Lebensader der Kirche. Das sage Pater Karl Wallner bei seinem Vortrag im Rahmen der heutigen Sommerakademie im steirischen Stift Rein. Gegen den atheistischen Zweifel und die intellektuelle Not mit dem Gottglauben setzte der Rektor der Hochschule Heiligenkreuz seine Beobachtungen zur „Spiritualität der Orden und Movimenti“. So stelle er gerade unter jungen Menschen eine grosse Sehnsucht nach Spiritualität, nach Gemeinschaft und nach authentischen Lebensformen fest. Auf diese Sehnsüchte scheine die Amtskirche immer weniger passende Antworten zu haben – hingegen die Ordensgemeinschaften und die von Laien getragenen Erneuerungsbewegungen um so mehr. (…)

OR Nr. 7 vom 15. Februar 2013, S. 4:

Papst Benedikt XVI. hat die Verdienste der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio hervorgehoben. Bei der Generalaudienz am 6. Februar 2013 ermunterte er sie anlässlich ihres 45jährigen Bestehens, mit Elan die christliche Nächstenliebe insbesondere gegenüber den Schwachen und Armen zu bezeugen. An der Audienz nahmen neben mehreren tausend Besuchern aus aller Welt auch die Führungsebene von Sant’Egidio sowie mehrere Dutzend ihr nahestehende Bischöfe teil,. Sie wirkten in der vergangenen Woche bei einem Seminar in Rom zum Thema „Christen und Hirten für die Kirche von morgen“ mit.

OR Nr. 41 vom 11.10.2013, S. 3

Der Prozess der Neuordnung der Ordensgemeinschaft „Legionäre Christi“ soll im Januar 2014 abgeschlossen werden. Der von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) damit ernannte Sonderdelegat Kardinal Velasio De Paolis (78) berief den Orden für den 8. Januar 2014 zu einem ausserordentlichen Generalkapitel ein. Dabei sollten eine neue Leitung für das in die Schlagzeile geratene Institut gewählt und neue Statuten erlassen werden, meldete Radio Vatikan. De Paolis war 2010 mit der kommissarischen Leitung der Ordensgemeinschaft beauftragt worden. Am Generalkapitel sollen nach Angaben der Gemeinschaft deren Generaloberer Alvaro Corcuera Martinez del Rio, die Mitglieder des Generalrates, der Studienbeauftragte sowie die 9 Territorialleiter teilnehmen.

OR Nr. 42 vom 18.10.2013, S. 4

Der Papst empfängt am 11. Oktober 2013 den Präsidenten der Fraternität von Comunione e Liberazion, Don Julián Carrón.

OR Nr. 5 vom 31.01.2014, S. 3
Am 1. Februar 2014 findet im Vatikan eine grosse Neokatechumenats-Feier mit Papst Franziskus statt. Der Heilige Vater empfängt in der Audienzhalle 10’000 Mitglieder der katholischen Erneuerungsbewegung „Neokatechumenaler Weg“ gemeinsam mit den Bischöfen, die als Stützpunkte des „Cammino“ Bedeutung habe.

OR Nr.  6 vom 07.02.2014, S. 1
Der Papst verabschiedete neokatechumenale Missionare

Papst Franziskus hat hunderte Familien der geistlichen Bewegung „Neokatechumenaler Weg“ als Missionare in die Welt ausgesandt.. Er begrüsste am 1. Februar 2014 in der Vatikanischen Audienzhalle 10’000 Mitglieder der Bewegung aus zahlreichen Ländern, darunter fast 1’000 Kinder. Unter den Anwesenden waren 414 Familien, die vor allem in nichtchristliche asiatische Länder gehen werden, um dort den christlichen Glauben zu verbreiten.  (…)

OR Nr. 10/11 vom 07.03.2014, S. 8

Papst Franziskus hat die Fokolar-Bewegung als Vorbild für das brüderliche Zusammenleben gelobt. Es sei eine gute Sache, spirituelle und pastorale Erfahrungen im Zeichen eines Charismas der Einheit zu teilen, sagte der Heilige Vater bei der Begegnung mit Bischöfen, die der geistlichen Bewegung nahestehen und zu einem Treffen nach Rom gekommen sind.

OR Nr. 29 vom 18. Juli 2014, S. 4

Papst Franziskus hat am 9. Juli 2014 den Gründer der internationalen geistlichen Gemeinschaft „Neokatechumenaler Weg“, Kiko Argüello, in Privataudienz empfangen.

OR Nr. 34 vom 22. August 2014, S. 3
Friedenstreffen von Sant’Egidio in Antwerpen

Das diesjährige internationale Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant’Egidio findet vom 7. bis 9. September 2014 im belgischen Antwerpen statt. Unter dem Motto „Frieden ist die Zukunft – Religionen und Kulturen im Dialog hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg“ soll die Erinnerung an die Geschichte mit der Verpflichtung zum Einsatz in der Gegenwart verbunden werden, teilte die Gemeinschaft in Rom mit. Das Treffen in Antwerpen soll sich nach Angaben der  Veranstalter mit den Konflikten und internationalen Spannungen beschäftigen sowie mit der Verantwortung  der Religionen und der Menschen guten Willens beim Aufbau einer solidarischen Welt.

OR Nr. 39 vom 26.09.2014, S. 4
Papst Franziskus hat den Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio, Prof. Andrea Riccardi, am 19.09.2014 in Privataudienz empfangen.

OR Nr. 39 vom 26.09.2014, S. 10
Maria Voce als Präsidentin der Fokolar-Bewegung bestätigt

Castel Gandolfo. Die Italienerin Maria Voce ist als Präsidentin der 1944 von Chiara Lubich in Trient gegründeten internationalen katholischen Erneuerungsbewegung „Focolare“ wiedergewählt worden. Neuer-Ko-Präsident ist der Spanier Jesus Moran Cepedano (56). 494 Vertreter der Fokolar-Bewegung aus allen 5 Kontinenten nahmen an der Generalversammlung teil. – Nach de Allgemeinen Statut der Bewegung muss an ihrer Spitze immer eine Frau stehen. Sie bleibt 6 Jahre im Amt und kann nur einmal unmittelbar auf die Amtszeit folgend wiedergewählt werden.

Katholische Wochenzeitung 41/2014 Oktober, S. 4
Papst würdigt Gründerin der Fokolar-Bewegung

Papst Franziskus hat die Gründerin der Fokolarbewegung, Chiara Lubich (1920-2008) aus „aussergewöhnliche Zeugin“ für den Glauben gewürdigt. Sie habe das „Charisma der Einheit“ besessen und das Evangelium Jesu zu Menschen in aller Welt getragen, sagte der Papst vor Mitgliedern der Fokolar-Bewegung im Vatikan. Lubich habe mit göttlicher Inspiration auf die Zeichen der Zeit reagiert.  Der Papst hob zudem hervor, dass etliche Geistliche, die der Fokolar-Bewegung angehörten, an der römischen Kurie arbeiteten. So profitiere die gesamte Weltkirche von der Spiritualität dieser Bewegung. – Die Italienerin Lubich hatte 1943 in Triest die Keimzelle der Fokolar-Bewegung gegründet. Der Name „Focolar“ stammt aus der italienischen Umgangssprache und bedeutet „Feuerstelle“. Die Bewegung zählt zu den sogenannten „Neuen Geistlichen Gemeinschaften“ und versteht sich als ökumenisch. Heute gehören ihr nach eigenen Angaben rund 140’000 Mitglieder in 182 Ländern an. Im vergangenen Jahr beantragte die Fokolar-Bewegung ein Seligsprechungsverfahren für Lubich. (kipa/cic/gs)

Katholische Wochenzeitung 41/2014 Oktober , S. 5
Seligsprechung von Opus-Dei-Prälat Alvaro del Portillo

Bischof Küng: „Portillo spornte zum Mitwirken an der Sendung der Kirche an“- 150’000 Pilger in Madrid. Bischof Alvaro del Portillo (1914-94), erster Nachfolger des heiliggesprochenen „Opus-Dei“-Gründers Josefmaria Escrivà de Balaguer, wurde am 27. September 2014 in seiner Heimatstadt Madrid seliggesprochen. Die Zeremonie leitete Kardinal Angelo Amato, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen. Mehr als 150’000 Pilger aus 80 Ländern wurden in Madrid erwartet, darunter auch St. Pöltens Bischof Klaus Küng sowie 300 weitere Österreicher. (…)

Das „Opus-Dei“ – zu Deutsch „Werk Gottes“ – ist heute in 65 Ländern tätig und hat 90’000 Mitglieder. Die meisten davon sind verheiratet, knapp ein Drittel davon lebt als zölibatäre Laien, weitere 1’800 gehören als Priester der „Priestergemeinschaft vom Heiligen Kreuz“ an. Als ihre Aufgabe bezeichnet es die Seelsorgeeinrichtung, durch geistige Bildung einen Weg anzubieten, um „inmitten alltäglicher Aufgaben ein frohes Christ-Sein in lebendiger und persönlicher Beziehung zu Gott zu leben“.

Kirche heute 7/8 2015 Februar, S. 23, kath.ch
Die Mutter der Fokolarbewegung auf dem Weg zur Seligsprechung

Einleitung des Verfahrens für Chiara Lubich, die 2008 verstorbenen Gründerin der Fokolarbewegung. Die Gründerin der christlichen Fokolarbewegung, Chiara Lubich, ist auf dem Weg zur Seligsprechung. Der Prozess startete am 27. Januar 2015 im Dom von Frascati (östlich Roms) mit einer Gottesdienstfeier. – Der Europarat ehrte sie 1998 mit dem Menschenrechtspreis; von der UNESCO erhielt sie 1996 den Preis für Friedenserziehung, und in London wurde sie 1977 mit dem Templeton-Preis für den Fortschritt der Religionen, dem „Nobelpreis der Theologie“, ausgezeichnet. Die Liste der Ehrungen für Chiara Lubich ist lang. Wie kaum eine andere wirkte die energisch auftretende und stets elegant gekleidete Gründerin und Präsidentin der Fokolar-Bewegung in der katholischen Kirche und darüber hinaus. (…)

OR Nr. 11 vom 13. März 2015, S. 1
„Communione e Liberazione“ auf dem Petersplatz

Geistliche Bewegungen in der katholischen Kirche dürfen nach den Worten von Papst Franziskus nie in Selbstgenügsamkeit verfallen.  Dann drohe eine engstirnige „Etiketten-Spiritualität“ und die Verwandlung in eine Art Nichtregierungsorganisation, sagte Papst Franziskus am Samstag, 7. März 2015, vor 70’000 Mitgliedern der Bewegung „Communione e liberazione“ auf dem Petersplatz. Im Zentrum der Spiritualität müssten immer Jesus und seine Botschaft stehen. (…) – Anlass der Audienz auf dem Petersplatz war das 60-jährige Bestehen von „Communione e liberazione“. Der Gründer der Bewegung war der Mailänder Priester Luigi Giussani (1922-2005). Heute wird sie vom spanischen Priester Julián Carrón geleitet.

→Opus Dei  →Universitäten   →Piusbrüder

Günstlingswirtschaft

Siehe unter „Korruption“

Güter- und Finanzverwaltung des Vatikan

→Wirtschaftliche Angelegenheiten des Vatikan