P – Park

Paglia, Via in Rom

(→Adressen)
Via della Paglia 14/c (rechts von der Kirche S. Maria in Trastevere)

Palazzo (Palast)

Siehe beispielsweise unter „Tribunale“, „Carlo San“, „Canonica“

Palästina

OR Nr. 1 vom 08.01.2016, S. 1
Grundlagenvertrag zwischen Vatikan und Palästina tritt in Kraft

Mit Jahresbeginn 2016 ist der Grundlagenvertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat Palästina in Kraft getreten. Beide Seiten bestätigten schriftlich, dass das im Juni unterzeichnete Abkommen mit den jeweiligen Rechtsbestimmungen vereinbar sei. Der 32 Artikel umfassende Vertrag kam nach 6-jährigen Verhandlungen zustande und regelt das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und den staatlichen Behörden in den Palästinensergebieten. Zugleich soll er eine friedliche Verhandlungslösung im palästinensisch-israelitischen Konflikt fördern. Der Heilige Stuhl erkennt damit erstmals in einem offiziellen Dokument den Staat Palästina.
Der palästinensische Aussenminister Riad Al-Malki und sein vatikanischer Amtskollege Erzbischof Paul Richard Gallagher unterzeichneten den Grundlagenvertrag am 26. Juni 2015 im Vatikan. Gallagher betonte damals, er hoffe, dass das Abkommen einen Anstoss bilde, „den lange andauernden israelisch-palästinensischen Konflikt, der weiterhin auf beiden Seiten Leiden verursacht, definitiv zu beenden.“ Der Vertrag könne zudem ein Modell für andere arabischen Staaten mit islamischer Mehrheit sein, so Gallagher.
Das israelische Aussenministerium reagierte darauf mit Kritik. Der Grundlagenvertrag gefährde die Chancen eines Friedensabkommens und rücke direkte bilaterale Verhandlungen noch weiter in die Ferne. Israel werde die einseitigen Entscheidungen nicht akzeptieren, da dise „die vitalen Interessen des Staates Israel und den einzigartigen historischen Status des jüdischen Volkes und Jerusalems“ nicht berücksichtigten.
Das Abkommen geht auf eine Grundsatzerklärung zwischen dem Vatikan und der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO aus dem Jahr 2000 zurück. Zwischen Israel und dem Vatikan ist bislang trotz mehr als 20-jähriger Verhandlungen kein Grundsatzvertrag zustande gekommen.

Pallium

(Pallien) →Kleider →Lämmer →Agnes-Lämmer, auch unter „Bischof“
Schulterbinde

OR Nr. 6 vom 06.02.2015, S. 2
Papst ändert Überreichung des Palliums an neue Erzbischöfe

Papst Franziskus ändert das Verfahren zur Verleihung des Ehrenzeichens an neu ernannte Erzbischöfe, des sogenannten Palliums (lat. Schulterbinde). Künftig wird der Papst den neuen Leitern einer Kirchenprovinz die Wollstola, nicht mehr am Hochfest Peter und Paul am 29. Juni persönlich umlegen, sondern nur noch überreichen, wie der Päpstliche Zeremonienmeister Msgr. Guido Marini im Gespräch mit Radio Vatikan erläuterte. Die eigentliche Auferlegung soll dann bei einer Zeremonie in den Erzdiözesen durch den jeweiligen Apostolischen Nuntius erfolgen. „Die Bedeutung dieser Änderung liegt darin, die Verbindung der Metropolitan-Erzbischöfe mit ihren Ortskirchen mehr hervorzuheben. So haben mehr Gläubige die Gelegenheit, an diesem für sie bedeutsamen Ritus teilzunehmen, auch die Bischöfe der Suffragandiözesen“, sagte Marini. Mit einem Brief vom 12. Januar 2015 hatte er die Nuntiaturen über die Änderung unterrichtet. In dem Schreiben betont er auch, Papst Franziskus wolle mit dieser Geste den Gedanken der Synodalität unter den Bischöfen unterstreichen. – Vom kommenden 29. Juni an werden demnach die Erzbischöfe wie gewohnt mit dem Papst konzelebrieren und am Ritus der Segnung der Pallien teilnehmen. Anschliessend empfingen sie „in einfacherer und privater Form vom Papst das für sie bestimmte Pallium“, so Marini. Der bisher gepflegte Ritus behalte so „seine Gesamtheit und Tiefe“. Es handle sich um eine bereichernde und keine aushöhlende Geste. – Das Pallium symbolisiert die besondere Treue und Verbundenheit der Metropoliten mit dem Bischof von Rom. Seit Mitte des 9. Jahrhunderts waren die Erzbischöfe verpflichtet, sich das Pallium vom Papst zu erbitten. Gefertigt werden die weissen, mit 6 gestickten Kreuzen versehenen Pallien aus der Wolle zweier Lämmer, die der Papst am Fest der Heiligen Agnes am 21. Januar segnet.

OR Nr. 27 vom 8. Juli 2016, S. 7
Traditionelle Überreichung der Pallien

Der 29. Juni, Peter und Paul, ist in Rom nicht bloss ein Hochfest, sondern auf gewisse Art auch ein Volksfest. Die beiden Apostelfürsten sind die Patrone der Ewigen Stadt. Seit jeher segnet der Papst zu diesem Fest das Pallium, also eine weisse Wollstola, die über dem Messgewand getragen wird und eine besondere Verbindung zwischen dem →Metropolitan-Erzbischof und dem →Apostolischen Stuhl bekundet. In diesem Jahr waren es 22 Würdenträger, denen die Wollstola zugedacht war.

Pantheon, Rom

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Die bekannte Öffnung des Pantheons (9 m), dem einzigartigen Kuppelbau aus der Antike, wo die Harmonie des Kreises Stein geworden ist (27 n. Chr. eingeweiht, durch den Schwiegersohn Augustus‘, Agrippa, gestiftet). Das Pantheon ist den „Allgöttern“ oder den „Allerheiligsten Göttern“ geweiht, was Papst Bonifatius IV. anscheinend falsch verstand und am 1. November 609 das Fest „Allerheiligen“ einführte. Die Kuppel entspricht der Hälfte einer Kugel vom Durchmesser von 43,30 Metern. – Der einfallende Regen (oder Schnee) wird am Boden durch Siphons aufgefangen.

Papamobil

(Standarte: Dreieck gelb/weiss mit Papstwappen im weissen Teil)

Als Papamobil (Auto des Papstes, verkürzt aus dem italienischen Papa [Papst] und [auto]mobile = Auto, werden die Kraftfahrzeuge bezeichnet, die Papst Johannes Paul II. bei zahlreichen öffentlichen Auftritten benutzte bzw. dessen Nachfolger Benedikt XVI. benutzt.

Derzeit gibt es etwa 60 Papamobile (alle mit der Autonummer SCV 1 [Stato della Città del Vaticano]). Bei Auslandreisen wurden sie zugeführt und für eine nächste Reise im gleichen Land behalten. Auf diesen Reisen sitzt neben dem Papst der Ortsbischof und der Papstsekretär. Bei den Audienzen auf dem Petersplatz sitzt hinter dem Papst nur der Sekretär. Auf dem Trittbrett hinten zeitweise abwechslungsweise stehend der Kommandant der Gendarmerie oder der Schweizergarde. Als Bodyguards links und rechts wachen je 4 – 6 Gendarmen und Schweizergardisten. Die Schweizergardisten werden für diese Aufgabe in der Schweiz im Bundesrats-Sicherheitsdetachement ausgebildet (Auto-, Helikopter-, bei Mann-Nahschutz).

Geschichte
Die Papstautos sind im Lateranmuseum ausgestellt.

Das erste Automobil des Papstes für Pius X. heisst „Bianchi 20“ und wurde von Mailänder Damen gespendet. Es wurde von ihm aber nie benutzt. Das Auto, das als erstes benutzt wurde, heisst „Isotta Fraschini 8 a“. Pius XI. verwendete 1928 einen „Citroen C Lictoria 6“ (Lictoria wurde von Mussolini gewünscht.) Das nächste war ein „Fiat 525 N“. Darauf ein „Grahan Paige“. Mit ihm gelangte der Papst Pius XI. zum ersten Mal ausserhalb des Vatikans. Von nun an gibt es nur noch eine Marke: „Mercedes“.
→ Auto

Papst

Der Papst ist:

  1. Bischof von Rom
  2. Statthalter Jesu Christi
  3. Nachfolger des Apostelfürsten
  4. Oberhaupt der Gesamtkirche
  5. Primas von Italien
  6. Erzbischof und Metropolit der Kirchenprovinz Rom
  7. Souverän des Staates der Vatikanstadt (SCV)
  8. Diener der Diener Gottes (Auf „Patriarch des Abendlandes“ soll Benedikt XVI. verzichtet haben.)

HK, S. 72:
Papa, vom griechischen „pappas, ist ein ehrwürdiger, liebevoller Name für Vater, der im Osten schon lange für sämtliche Bischöfe gebraucht wurde, nun aber im Westen nur noch vom Bischof von Rom. Er hat in Rom alle Gewalt in der Hand: die Legislative, die Exekutive und die Judikative.

Der Titel des Bischofs von Rom. Nach katholischer Lehre Stellvertreter Christi und Nachfolger des Petrus. Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Bis ins 9. Jahrhundert musste der Papst bei seiner Wahl kein Priester sein. Heute schon. Ist er noch nicht Bischof, muss er sofort nach der Annahme der Papstwahl zum Bischof geweiht werden. Nach dem Konklavereglement von Johannes Paul II. müsste der Gewählte also bereits die Diakons- und Priesterweihe empfangen haben. →Petrus

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan:
Der Papst ist also zwar Bischof von Rom, aber nicht Bürger von Rom. Wenn Roms Bürgermeister wie gewöhnlich zu Jahresbeginn seinen Höflichkeitsbesuch macht, dann beklagt sich der Papst zwar üblicherweise über den Verkehr, die schlechte Luft und die Zustände an der Peripherie, aber er tut das als benachbartes Staatsoberhaupt, nicht als Bürger, geschweige denn als Untertan.

Über die Frage, ob Benedikt XVI. Joseph Ratzinger noch oder nicht mehr oder wie auch immer Deutscher ist, ob er also den Bundestag wählen darf und Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall hat – über all das gab es im Oktober 2005 eine kleine Anfrage im Bundestag. Der bündnisgrüne Katholik Hans-Christian Ströbele vermutete, nach § 25 des Staatsangehörigkeitsgesetzes habe Joseph Ratzinger seine Staatsbürgerschaft verloren, weil er eine andere angenommen habe. Die Bundesregierung prüfte und entschied: Nein, der Papst ist Deutscher, mit allen Rechten und Pflichten (wenn auch fiskalisch freigestellt). Denn er habe den vatikanischen Pass ja nicht beantragt, sondern aufgrund seines Amtes erhalten: „Falls das Recht eines anderen Staates vorsieht, dass mit der Berufung in eine bestimmte Funktion automatisch kraft des Gesetzes der Erwerb seiner Staatsangehörigkeit verbunden ist, würde es nach deutschem Recht an dem in § 25 Abs. 1 des Staatsangehörigkeitsgesetzes für den Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit geforderten Merkmal „auf seinen Antrag fehlen.“ Nach geltendem Recht verliere nur derjenige die deutsche Staatsangehörigkeit, der einen Antrag auf eine andere stelle. Im Falle des bayrischen Papstes sei die vatikanische Staatsangehörigkeit „rein funktionsbezogen und provisorisch.“ So sei auch die Zusendung von Briefwahlunterlagen völlig in Ordnung. Auch wenn Benedikt XVI. von seinem Wahlrecht nicht Gebrauch gemacht habe, mit dem Hinweis, ein Papst wähle nicht.“

Als Souverän hat auch der Papst Status der Exterritorialität. Er wird immer als auf seinem Territorium anwesend betrachtet, egal wo er sich gerade befindet. Selbst im Oval Office wäre Benedikt XVI. völkerrechtlich gesehen bei sich zu Hause. Und selbst wenn er dort die Privatfotos des US-Präsidenten oder goldene Löffel einpacken würde, könnte ihm nichts passieren: Ein Papst ist der Gerichtsbarkeit jedes anderen Staates entzogen. Er ist sakrosankt (unverletzlich) und unantastbar. Würde er einen Mord begehen, wäre allein das Jüngste Gericht juristisch zuständig.

Hans Küng, Erkämpfte Freiheit, S. 497:
Anlässlich eines Vortrags vor Bischöfen im belgischen Kolleg am 23. Oktober 1963 (Rom, Zweites Vatikanisches Konzil) fragte ich Kardinal Suenens unter vier Augen, warum er denn den Papst ausgenommen habe (Thema: Arbeitsaltersgrenze für Bischöfe 75 Jahre). Ist am „heiligen Stuhl“ Kleben heiliger als das Kleben an anderen Stühlen? Seine Antwort ist entwaffnend: Ohne diese Ausklammerung des Papstes käme ganz bestimmt keine Mehrheit für eine Altersgrenze zustande. Weder Suenens noch ich ahnen damals, dass uns einmal ein Pontifikat von bald 25 Jahren beschert sein würde von einem Papst, der meint, er (und kein anderer) „müsse“ auch noch als schwerkranker und behinderter Mann die Kirche ins 3. Jahrtausend führen. Ob man nicht zumindest dann an eine Altersgrenze auch für den Papst denken müsste, wenn dieser die ja auch im Kirchenrecht Kanon 332 § 2 festgeschriebene Möglichkeit des freiwilligen Rücktritts vom Amt nicht wahrnimmt?

Prof. Dr. Josef Imbach, Vortrag am 15. Januar 2013, Reinach BL:

Alle ersten 35 Päpste sind heiliggesprochen worden, nicht wegen ihrer Leistungen, sondern wegen des „höchsten Amtes“.

Kath. Wochenzeitung 5/2013 Januar, S. 14:
Salzburg – das Reich des halben Papstes

Salzburg war einst die zweitgrösste Erzdiözese der Welt nach dem Vatikan. Noch beim Ersten Vatikanischen Konzil 1809 begrüsste Papst Pius IX. den Salzburger Erzbischof Maximilian Joseph Ritter von Tarnóczy-Sprinzenberg mit den Worten: „Seht, da kommt der halbe Papst, der selbst Bischöfe machen kann.“ Bis ins frühe 19. Jahrhundert waren dem Erzbistum die Suffraganbistümer Regensburg, Freising, Passau und Brixen sowie vier Eigenbistümer unterstellt: Gurk, Chiemsee, Seckau und Lavant. Dort konnte der Erzbischof ohne Zustimmung von Papst und Kaiser geistliche und weltliche Hoheit walten lassen, was zu dem Titel „halber Papst“ führte. Dieses Recht ging erst mit dem Konkordat 1934 verloren.

Kirche heute 20/2013 Mai, S. 2

… Papsttitel? Für das Papsttum sind im Laufe der Geschichte viele Titel entstanden, die meist einen Aspekt des Amtes besonders betonen. Zu allererst ist der Papst „Bischof von Rom“. Das betont Franziskus seit seinem Amtsantritt am 13. März 2013. So gehört er zum Kollegium aller Bischöfe, in dem er den Vorsitz hat. Das päpstliche Jahrbuch nennt als weitere Titel „Stellvertreter Jesu Christi“, ein Titel, der früher auch Bischöfen zukam. Dann ist der Papst „Nachfolger ds Apostelfürsten“ (Petrus).. „Souverän des Staates der Vatikanstadt“ und „Diener der Diener Gottes“. So nennen Päpste sich seit Gregor dem Grossen (um 600). Auch „Papst“, abgeleitet vom lateinischen papa ist natürlich ein Titel. Er wurde ursprünglich für Äbte, Bischöfe und Patriarchen verwendet, mit der Zeit blieb dieser Titel aber dem Bischof von Rom vorbehalten. as. – Der Papst unterschreibt nach seinem Namen mit P.P., d. h. Pastor Pastorum, der Hirte der Hirten.
→Papstrücktritt

Geld an Papst überweisen
→Bank des Vatikans

Mariastein März/April 2016, S. 56, P. Lukas Schenker
Franck Damour: Der schwarze Papst

Der Mythos von der „geheimen Macht“ der Jesuiten. Hinter dem sogenannten „Schwarzen Papst“ steht natürlich der Generalobere der Gesellschaft Jesu. (…)

OR Nr. 22 vom 02.06.2017, S. 2
Erstmals Ausstellung über 1500 Jahre Papstgeschichte in Europa

Mannheim. Erstmals rückt eine kulturgeschichtliche Ausstellung die Entwicklung des Papsttums und damit verbunden die Geschicke ganz Westeuropas von den Anfängen bis zum 16. Jahrhundert in den Mittelpunkt: Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen zeigen bis Ende Oktober ihre Sonderausstellung „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt – Antike, Mittelalter, Renaissance“.
Im Zeughaus-Museum sind auf 2’500 Quadratmetern und 3 Etagen etwa 330 Exponate wie antike Statuen, mittelalterliche Prachthandschriften oder kostbare Papstgewänder aus dem Vatikan und anderen internationalen Museen zu sehen. Ein Drittel der Ausstellungsstücke stammt aus dem Vatikan. (…)

→Pius XII. →Päpste (Teil-Porträts über vereinzelte Päpste)
→Konstantinische Schenkung, HK

Papstbasiliken (Maior und minor, auf der ganzen Welt)

Ulrich Nersinger, Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof, S. 144:

Am 11.12.2006 informierte der Erzpriester von St. Paul vor den Mauern, Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo, die Medien über die Auffindung des Sakophargs des Völkerapostels. Am Rande der Pressekonferenz teilte der Kardinal mit, dass die römischen Patriarchalbasiliken in Papstbasiliken umbenannt würden. Grund dafür sei der Verzicht Benedikts XVI. auf den Titel eines „Patriarchen des Abendlandes“. Im Vatican-magazin kommentierte Armin Schwibach die Entscheidung des Papstes: „Der römische Pontifex als Nachfolger Petri ist, so Johannes Paul II. am 25.01.1983, der ‚Vorsitzende der universalen Gemeinschaft der Liebe’. Als solcher schützt er die legitimen Unterschiede in der einen universalen Kirche und wacht darüber, dass all das, was partikular ist, der Einheit nicht nur schadet, sondern ihr vielmehr dient’; dieser Vorsitz ist ein Vorsitz göttlichen Rechts und nicht durch den Menschen, Umstände oder besondere Örtlichkeiten bestimmt oder mit anderen Orten, Territorien oder partikularen kirchlichen Realitäten vergleichbar.“

In Rom besitzen 5 Kirchen aufgrund ihrer grossen historischen Bedeutung den Rang einer  Basilika maior:

  1. San Giovanni in Laterano (St. Johannes im Lateran)
  2. San Pietro in Vaticano (St. Peter im Vatikan)
  3. Santa Maria Maggiore (Gross St. Marien)
  4. San Paolo fuori le mura (St. Paul vor der Mauern) und
  5. San Lorenzo fuori le mura (St. Laurentius vor den Mauern)

Die Lateranbasilika ist die päpstliche Hauptkathedrale, die anderen 4 Gotteshäuser gelten als Co-Kathedralen des römischen Bischofs. Ihre Vorzugsstellung tritt vor allem in einem Heiligen Jahr zu Tage; ihr Besuch war für die Gewinnung des Jubiläumsablasses zwingend vorgeschrieben – mit Ausnahme von San Lorenzo verfügen sie alle über eine „Heilige Pforte“.

Einer andere Bedeutung lag darin, dass sie für den Fall und die Dauer des Schismas den grossen Lateinischen Patriarchen als deren eigene Kirchen in Rom, dem rechtlichen und tatsächlichen Zentrum der Gesamtkirche, zugewiesen waren – daher die Bezeichnung als Patriarchalbasiliken:

  • die Laterankirche dem Papst (in Eigenschaft als Patriarch des Abendlandes)
  • St. Peter dem Patriarchen von Konstantinopel
  • Gross St. Marien dem Patriarchen von Antiochien
  • St. Paul vor den Mauern dem Patriarchen von Alexandria und
  • St. Laurentius dem Patriarchen von Jerusalem

Ausserhalb der Ewigen Stadt besitzen 2 Kirchen in Assisi den Rang von Basilicae maiores:

  1. die Doppelkirche des Heiligen Franziskus und
  2. die Portiunkula-Kirche S. Maria degli Angeli

Die Basilicae minores in aller Welt (neu 2010: Barcelona, sagra familia) besitzen gegenüber den grossen Basiliken eine niedere liturgische Rangstufe und verfügen über weniger Vorrechte, stehen aber jeder nichtprivilegierten Kirche an Titel und Rang voran.

Der Heilige Stuhl zeichnete „mit dem Ehrentitel einer Basilika“ nur wirklich bedeutsame Gotteshäuser aus, mögen sie Kathedralen bzw. Kollegiatskirchen sein oder nicht, ohne so sehr auf die Grösse und Monumentalität des Baues zu sehen … Ehrwürdiges Alter, berühmte Geschichte, bedeutsame Rolle in der Kirchengeschichte eines Landes, künstlerische Architektur oder Ausstattung pflegen gefordert zu werden. – Zu den äusseren Insignien einer Basilica minor gehörten das conopaeum (auch padiglione oder ombrellino genannt), ein zeltartiger, rotgelb gestreifter Schirm aus Seide, und das tintinabulum, ein Glöckchen an einem Holzgestellt mit dem Wappen der Kirche. Beide wurden in Prozessionen mitgeführt. Üblich war auch, das päpstliche Wappen über dem Eingang zur Kirche anzubringen.

Die ältesten Basilicae minores befinden sich in der Ewigen Stadt; zu ihnen zählen u. a.:

– Santa Croce in Gerusalemme
– San Sebastiano an der Via Appia
– Santa Maria in Trastevere
– San Lorenzo in Damaso
– Santa Maria in Cosmedin
– Santi XII Apostoli und
– San Pietro in Vincoli

Über Jahrhunderte ging man mit der Verleihung des Titels „Basilica minor“ an Kirchen ausserhalb Roms äusserst sparsam um. Noch im 19. Jahrhundert. waren es nur wenige Gotteshäuser, denen die Päpste diesen Rang zuerkannten. Es wurden erhoben:

– Loreto
– Kirche bei der Grotte von Lourdes
– Pompej
– Vierzehnheiligen Franken
– Marienthal Elsass

Bis im Jahre 1975 wurden 1’056 Kirchen zu päpstlichen Basiliken erhoben, davon 841 in Europa, 183 in Amerika, 5 in Afrika, 25 in Asien und 2 in Ozeanien. Von 1975 bis 1987 wurden weitere 134 Kirchen in diesen Rang erhoben (90 in Europa, 37 in Amerika, 1 in Afrika, 5 in Asien und 1 in Ozeanien).

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Kassettendecke in Santa Maria Maggiore (Gross-Marien). Sie wird Giuliano da Sangallo zugeschrieben und wurde mit dem ersten Gold ausgelegt, das Kolumbus aus Amerika mitbrachte. Die Kirche besitzt einen prächtigen Kosmatenfussboden (siehe unter „Kosmaten“).

Wikipedia, Basilica maior

Als Basilicae maiores  (Singular Basilica maior) werden die sechs ranghöchsten römisch-katholischen Kirchen bezeichnet. Vier davon stehen in Rom, zwei in Assisi. Alle anderen Kirchen, die den Titel einer Basilika führen, sind Basilicae minores. Die vier päpstlichen Basiliken in Rom sind:

  1. die Lateranbasilika San Giovanni in Lateran, die Erzbasilika (S. Johannes im Lateran)  Patriarchalbasilika seit 4. Jr., Weihe 4. Jh. Erzbasilika, „Mutter und Haupt aller  Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises
  2. der Petersdom San Pietro in Vaticano (St. Peter im Vatikan)
    Patriarchalbasilika seit 451, Weihe um 324, heutige Kirche 1506-1626 erbaut)
  3. San Paolo fuori le Mura (St. Paul vor den Mauern)
    Patriarchalbasilika seit 4. Jh., Weihe um 324, erbaut bis 20. Jh.
  4. Santa Maria Maggiore (Gross St. Marien)
    Patriarchalbasilika seit 4. Jh., Weihe 5. Jh.
    Die beiden weiteren Basilicae maiores in Assisi sind:1.  Die Basilika San Francesco, seit 1756 Basilica maior
    .    Weihe 1253

    2.  Basilika Santa Maria degli Angeli, seit 1906 Basilica maior
    .    erbaut 1569-1679

Die 4 Basiliken in Rom tragen auch den Titel „Papstbasilika (Basilica papale), sie wurden, als Papst Benedikt XVI. 2006 als Symbol der Ökumene und Einheit der Kirche den Titel eines Patriarchen des Westens niederlegte, umtituliert (vorher waren sie Patriarchalbasilika). Wie die kleineren Basiliken führen die Basilicae maiores den Padiglione, einen kegelförmigen Seidenschirm und das Tintinnabulum im Wappen. Der Padiglione diente ursprünglich zum Schutz der Priester und Kantoren bei Prozessionen; das Tintinnabulum ist eine kleine Glocke. Das Wappen einer Basilicae maior unterscheidet sich von dem einer Basilicae minor darin, dass der Padiglione bei den Hauptbasiliken gold-purpur gestreift ist. – Die 6 Basilicae maiores beherbergen in ihrem Inneren einen Papstthron und einen Papstaltar (altare papale), an dem nur der Papst, oder in Ausnahmefällen Bischöfe mit päpstlicher Genehmigung, die Heilige Messe feiern dürfen. Die 4 römischen Papstbasiliken haben zudem eine Heilige Pforte. Diese Pforten werden in einem eigenen Ritus vom Papst oder dessen Beauftragten  nur für die Dauer eines (ausserordentlichen) Heiligen Jahres geöffnet und spielen eine wichtige Rolle im Ablasswesen bei der Gewährung von vollkommenen Ablässen. (WA: Beim Heiligen Jahr der Barmherzigkeit 2015/16 ist neuerdings ein Billett für die Begehung der Heiligen Pforte in St. Peter nötig.)

Wikipedia, Basilica minor

Basilica minor (kleinere Basilika) ist seit dem 18. Jahrhundert ein besonderer Ehrentitel, den der Papst einem bedeutenden Kirchengebäude verleiht. Die Verleihung eines Titels „Basilica minor“ bezweckt „die Stärkung der Bindung der einzelnen Kirchen an den römischen Bischof und soll die Bedeutung dieser Kirche für das Umland hervorheben“. Die Gebäude und Fahnen einer Basilica minor können die gekreuzten Schlüssel tragen, wie sie auf dem Papstwappen zu finden sind. Der Padiglione, ein gelb-rot gestreifter kegelförmiger Seidenschirm, der ursprünglich zum Schutz der Priester und Kantoren bei Prozessionen diente, und das Tintinnabulum, eine liturgische Glocke, sind als Insignien einer Basilica minor nicht mehr obligatorisch. (lateinisch „Tinnitus“ = Klingeln, Geklingel,“tintinnabulum“ = Klingel, Schelle)
Das Verfahren zur Erlangung des Titels einer Basilica minor regelt heutzutage insbesondere die Acta Domus ecclesiae de titulo basilicae minoris der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung (Piazza Pio XII Nr. 10) vom 9. November 1989. Mit der Titelverleihung sind gewisse Forderungen verbunden: „personelle und bauliche Ausstattung für eine vorbildliche Feier der erneuerten Liturgie und für häufigen Predigt- und Beichtdienst. An der Basilika sind die Insignien des Papstes anzubringen, die petrinisch-päpstlichen Feste feierlich zu begehen, in der religiösen Bildungsarbeit die römischen Verlautbarungen zu studieren und zu verbreiten. – Weltweit tragen zurzeit 1’639 Kirchen den Titel Basilica minor (Stand 30. Juni 2011), 554 davon allein in Italien. Insbesondere werden bedeutende Wallfahrtskirchen mit diesem Titel ausgezeichnet. Eine Basilica minor erkennt man an einem angebrachten Papstwappen des amtierenden oder verleihenden Papstes über einem Portal oder an einer anderen markanten Stelle. Höheren Ranges als eine Basilica minor ist der Titel Basilica maijor, der den sechs ranghöchsten römisch-katholischen Gotteshäusern vorbehalten ist, von denen sich vier in Rom und zwei in Assisi befinden.

Päpste, Länge der Pontifikate

→Pontifikate

Papstkinder

siehe Nebenregister „Papstkinder“

Päpstliche Familie

→Päpstliche Wohngemeinschaft

Päpstliches Haus

(→Register)
OR vom 19.09.2008
Vom Päpstlichen Hof (Hofstaat) zum Päpstlichen Haus:

1968 erliess Paul VI. das Motu proprio „Pontificalis Domus“
→Telefonbuch →Ehrentitel Adel, schwarzer

Der Päpstliche Hof – heute „Päpstliches Haus“ genannt – scheint einzigartig auf dieser Welt zu sein; kein anderer „Hof“ vermag ein höheres Alter und Ansehen aufzuweisen, keiner hat so sehr die historische und kulturelle Dimension Europas mitgeprägt. Seine Anfänge reichen bis in das 4. Jahrhundert zurück. Die Geschichte der „Aula Pontificia“ begann am Lateran, er lebte im „Exil“ von Avignon ein kurzes Intermezzo (1309-76) und fand seit der Rückkehr der Päpste nach Rom im Vatikan und im Quirinal ihre Fortsetzung.

Gerade das farbenprächtige Zeremoniell trug entscheidend zum äusseren Erscheinungsbild des Heiligen Stuhles bei, das zweite vatikanische Konzil (196– 65) wünschte Reformen für die katholische Kirche. Daraus entstand eine Kommission für eine Reform des Päpstlichen Hofstaates. Daraus entstand am 28.03.1968 „Pontificalis Domus“. Sie passte sich den Gegebenheiten der Zeit an und stimmte sich auf die wirklichen Verhältnisse ab. Papst Paul VI.: „Unser alter wohlverdienter Hof von jetzt soll nur noch den ursprünglichen und angesehenen Namen „Päpstliches Haus“ (Pontificalis Domus/Casa Pontificia) tragen“.

„Zukünftig gilt kein einziges Amt als erblich“. Damit wurde der Tradition der römischen Aristokraten ein Ende gesetzt. Den Einfluss des päpstlichen Adels drängte der Papst fast gänzlich zurück. Keine der Verpflichtungen im Päpstlichen Haus erforderte mehr den Nachweis der Nobilität. Viele Aufgaben, die im Vatikan anfielen, wurden zusammengelegt, die Bezeichnungen hierfür modernisiert. So fanden sich die „Geheimkapläne, Ehrengeheimkapläne, Geheimkleriker, die Gewöhnlichen Kapläne und Türhüter mit der roten Rute“ als „Kleriker der Päpstlichen Kapelle“ wieder. Aus den „Präfekten der Apostolischen Sakristei“ wurde der „Generalvikar Seiner Heiligkeit für die Vatikanstadt“ und der „Magister des Heiligen Apostolischen Palastes wurde der „Theologe des Päpstlichen Hauses“. – Die geistlichen Ehrentitel wurden drastisch reduziert, sollten aber verbleiben, um verdienstvolle Geistlichen aus aller Welt auszuzeichnen und enger an den Heiligen Stuhl zu binden.

Die Mitglieder des Päpstlichen Hauses werden durch den Papst für fünf Jahre ernannt, Verlängerung möglich. Alle Dienste im Päpstlichen Haus enden mit dem Eintreten der Sedisvakanz des Apostolischen Stuhles; jedoch führen die betreffenden Personen ihre Obliegenheiten weiter.

Es folgten weitere Reform-Dekrete. In den Jahren 1969 und 1970 wurde die Kleidung der geistlichen Würdenträger einer nicht unerheblichen Vereinfachung unterzogen. Die Laiendignitäre hatten schon 1968 von prunkvollen Uniformen, dem römischen Patriziergewand und der spanischen Hoftracht Abschied nehmen müssen. Im September 1970 ordnete der Papst an, die Ehrengarde (Nobelgarde der Adeligen) und die Palatingarde (Bürger Roms) aufzulösen. Die Gendarmerie (Bürger Italiens) wurde in eine zivile Polizeieinheit umgewandelt (Corpo di Vigilanza, Aufsichtsbehörde). Die Schweizergarde blieb unverändert.

Einige wenige Entscheide der im Jahre 1968 erfolgten Reformen wurden in den vergangenen Jahren überdacht und modifiziert. Die „Sediari“ (Italiener trugen den Papst zu Zwölft auf dem Stuhl) erhielten wieder eine ihren Dienstverpflichtungen angemessene Kleidung und eine eigens für sie geschaffene Amtskette. Ebenso durften die Angehörigen der päpstlichen Musikkapelle (Italiener) ihre schlichte dunkelblaue Kleidung durch eine farbenprächtigere Uniform ersetzen. Das Corpo di Vigilanza (Italiener) wurde im Februar 2002 umbenannt. Es trägt heute die Bezeichnung „Corpo della Gendarmeria S.C.V. und erhielt 2008 eine neue Uniform. Bei besonders feierlichen Anlässen legen sie seit September 2008 wieder die Galauniform der alten Päpstlichen Gendarmerie an (geschlossene, schwarze Jacke. Blaue, mit schwarzen Doppelstreifen verzierte Hose, weisse Handschuhe und dem napoleonischen Zweispitz). →Nersinger Ulrich, Soldaten des Papstes, 1999.

Mitglieder des Päpstlichen Hauses: Es besteht aus zwei Körperschaften, aus der Päpstlichen Kapelle (Cappella Pontificia oder Papale) und der Päpstlichen Familie (Famiglia Pontificia).

Zur Päpstlichen Kapelle gehören:
Persönlichkeiten aus allen Stufen des Gottesvolkes, Kleriker und Laien sowie die Familiaren des Papstes. Sie nehmen an den feierlichen religiösen Handlungen teil, die vom Papst selbst oder in seinem Beisein vollzogen werden (z. B. Übernahme des obersten Hirtenamtes, Seligsprechungen, Kanonisationen, öffentliche Konsistorien). Neben dem Kardinalskollegium und hohen geistlichen Würdenträgern der Römischen Kurie werden zu ihr u. a. auch die Generaläbte der Chorherren- und Mönchsgemeinschaften, die Generaloberen der Bettelorden, Domherren der römischen Basiliken und die Pfarrer der Stadt Rom gezählt. Unter den Laienmitgliedern sind die Konsistorialadvokaten anzutreffen.

Zur Päpstlichen Familie gehören:
Geistliche und Laien, die den Papst in seiner Funktion als Haupt des Apostolischen Stuhles oder als Souverän des Staates der Vatikanstadt unterstützen. Die Laien haben bei feierlichen nichtreligiösen Zeremonien (Besuche von Staatsoberhäuptern, Ministerpräsidenten und Aussenministern, Überreichung von Beglaubigungsschreiben der an den Heiligen Stuhl entsandten Botschafter) Ehrendienste zu leisten. Zu den geistlichen Mitgliedern der Päpstlichen Familie werden die Inhaber der päpstlichen Ehrentitel gerechnet: die Apostolischen Protonotare, die Ehrenprälaten und die Kapläne Seiner Heiligkeit. Als Laienmitglieder fungieren Autoritäten, die in der Administration des Vatikanstaates tätig sind, ferner die Päpstlichen Thronassistenten, der Kommandant der Schweizergarde, der Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und jene, die Aufgaben in der unmittelbaren Umgebung des Papstes versehen, so die Edelleute Seiner Heiligkeit (Gentiluomini di Sua Santità) und die Attachés der Päpstlichen Vorzimmer (Addetti di Anticamera) und der Dekan der Sediari.

Die Leitung des Päpstlichen Hauses ist der Prefettura della Casa Pontificia anvertraut: Titularbischof (Präfekt), sein Stellvertreter nennt sich Reggente, dazu Beamte und das nötige Personal. Für Ehren- und Sicherheitsdienste bei den Feierlichkeiten des Päpstlichen Hauses werden die Schweizergarde, das Gendarmeriekorps und die Musikkapelle der Vatikanstadt herangezogen.

Der Präfekt assistiert dem Heiligen Vater sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Apostolischen Palastes. Er lädt die Angehörigen des Päpstlichen Hauses zu Anlässen ein. Die Präfektur regelt den ordentlichen und ausserordentlichen Dienst in den Vorzimmern der päpstlichen Gemächer. Sie bereitet die Besuche des Papstes in der Stadt Rom und innerhalb Italiens vor und ist für ihre Durchführung verantwortlich. Papstvisiten im übrigen Ausland werden gemeinsam mit dem Päpstlichen Staatssekretariat organisiert.

OR Nr. 2 vom 15.01.2010 (Ulrich Nersinger):
Die „Konstantinische Wende“ zu Beginn des 4. Jahrhunderts brachte der Kirche und insbesondere dem Bischof von Rom eine privilegierte Stellung im Römischen Reich ein. Der Sitz des Papstes am Lateran wurde der „Aula Imperialis“, dem kaiserlichen Hof, nachempfunden. Schon der „Liber Pontificalis“ erwähnt in der Lebensbeschreibung Julius’ I. (337-352) verschiedene Würdenträger der „Aula Papalis“, des Päpstlichen Hofes. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Ämter am Hof des römischen Pontifex immer zahlreicher. Mit der Zeit begann der Papst, gewisse Dignitäten (Würden) auch ehrenhalber zu verleihen. Mit ihnen wollte er Klerikern und Laien in und ausserhalb Roms seine besondere Wertschätzung bezeugen und sie enger an den Apostolischen Stuhl binden. →Bischöfe →Orden

Vor der Reform des Päpstlichen Hofs im Jahre 1968 wurden Priester durch die Ernennung zu Apostolischen Protonotaren und Päpstlichen Hausprälaten oder mit der Aufnahme in die verschiedenen Klassen der Geheimen Geistlichen Kammerherren, der Geheimkapläne und der Geheimkleriker des Papstes geehrt. Auch sie erhielten bestimmte Privilegien zugesprochen wie beispielsweise den Gebrauch eines Tragaltars und eine violette Gewandung. Den Apostolischen Protonotaren war bei bestimmten Gelegenheiten sogar das Tragen einer weissen Mitra gestattet. Einige dieser geistlichen Ehrentitel wurden auf Lebenszeiten verliehen, andere nur für die Dauer der Regierungszeit des Papstes, der die Verleihung ausgesprochen hatte – wobei jedoch die Möglichkeit gegeben war, nach dem Ableben des Papstes für das neue Pontifikat um eine Bestätigung des Titels anzusuchen. 1968 wurden die geistlichen Ehrentitel auf drei Stufen reduziert: auf die

– der „Apostolischen Protonotare“
– der „Ehrenprälaten Seiner Heiligkeit“ und
– der „Kapläne Seiner Heiligkeit“

→Ehrentitel

Am alten römischen Hof versahen katholische Laien als „Geheime Kammerherren mit Degen und Mantel“ verschiedene Aufgaben. Sie trugen eine imposante Kleidung, das „costume di tipo spagnolo“, die spanische Hoftracht. Dieses Gewand schmückte ein dreigliedriges Kollier, das die Tiara, die Krone des Papstes, und die gekreuzten Schlüssel Petri zeigte. Die weltlichen Kammerherren waren in mehrere Klassen unterteilt, von denen die höheren dem Adel vorbehalten waren. In einige Rangklassen wurden auch Männer berufen, die ausserhalb der Ewigen Stadt („extra urbem“) ihren Wohnsitz hatten.

Die Geheimen Kammerherren und Ehrenkammerherren mit Degen und Mantel blieben nach den Reformen des Jahres 1968 im Amt, jedoch mit verändertem Namen und vereinfachter Kleidung. Sie leisten ihre Dienste heute als „Edelleute Seiner Heiligkeit“ (Gentiluomini di Sua Santità) und werden aus allen Schichten des katholischen Volkes berufen. Ihre Ernennung gilt auf Lebenszeit. Sie tragen bei allen Feierlichkeiten einen schwarzen Frack mit den ihnen zukommenden Ordensdekorationen; von ihrem alten Gewand behielten sie die dreigliedrige Kette mit den päpstlichen Insignien bei. Die Edelleute Seiner Heiligkeit gehören der „Päpstlichen Familie“ an.

Päpstliche Räte (deren 12)

Siehe unter O, Unterregister: Organigramm „Vatikan“, Kader, Heraldik

Papstpalast im Vatikan

(Palazzo Apostolico; Apostolischer Palast)

Vatikan - Stato della Città del Vaticano
Papstpalast von Süden her gesehen: 2. Stock: Kardinalstaatssekretär, 3. Stock: Empfangsräume für Privataudienzen,
4. Stock: Papstwohnung. Ober- und unterhalb der Papstwohnung die Mezzanins (schwarze, kleine Fenster. Siehe dort).

Mezzanin Zeichnung kk

 

Wohnung1 Papst III. Stock Rena

AS, Vatikanistan, S. 136:

Der Papstpalast ist ein von diversen Baumeistern fabriziertes Ungetüm, architektonisch kaum zu entschlüsseln, im Laufe der Jahrhunderte zusammengestückelt, geflickt wie die Altstadtbauten in Neapel. Vom Obelisken aus betrachtet, sieht die Rückseite der Sixtinischen Kapelle mit dem antennenartigen Blitzableiter darauf aus wie eine Brandmauer in Kreuzberg. Auch die Farbe des Palazzo Nuovo, der kastenförmige Palast rechts, wo der Papst wohnt, ist nur als mietshausgrau zu beschreiben.

Sixtus V. (1585-90) gab den Bau 1587 bei Domenico Fontana in Auftrag, zusammen mit der Bibliothek. Ein massiver, quadratischer Block mit grossem Innenhof (dem Cortile Sisto V.). Gegenüber, auf der anderen Seite vom Damasus-Hof, steht der alte Teil des Palastes, vom Obelisken her gut an den gläsernen Loggien zu erkennen. Die Räume und Vorbauten wurden von Bramante und Raffael für Papst Julius II. (della Rovere, 1503-13) gebaut. Raffaels Säle (die Stanzen) gehören heute genau wie das Schlafzimmer des Borgia-Papstes Alexander VI. (1492-1503) zum Museumsrundgang. Im Ostflügel dagegen, zum Quadratblock hin, sind die Büros des Staatssekretariates untergebracht, der Regierungsapparat des Papstes. 200 Angestellte der Innen- und Aussenabteilung des Staatssekretariates arbeiten hier im 2. und 3. Stock (→Kurie, das Leben an der Kurie). Und alle unter dem Segen der Fresko-Madonna „Mater Ecclesia“, von weither zu sehen und nachts beleuchtet. Auf der Terrasse hinter der Madonna stehen die Angestellten des Staatssekretariates, rauchen eine Zigarette und haben dann einen der schönsten Blicke Roms.

Der Verbindungsflügel zwischen altem und neuem Palast wurde von Gregor XIII. (1572-85) in Auftrag gegeben und ebenfalls mit Loggien im Stil von Raffael und Bramante versehen. Bis zu Zeiten von Pius IX. (1846-78) waren die Loggien noch nicht verglast und damit noch offener. Dann setzte die Luftverschmutzung aber den Fresken so sehr zu, dass der Glaser gerufen werden musste.

Im ersten Stock des Palazzo Nuovo residieren der Präfekt des päpstlichen Hauses und darüber in der 1. Loggia der zweite Mann im Vatikan, der Staatssekretär. Die 2. Loggia wiederum ein Stockwerk höher (das dritte) ist der repräsentative Bereich des Papstpalastes, den jeder x-beliebige Staatschef und jede Königin zu Gesicht bekommen, wenn sie rechtzeitig angemeldet zu Besuch kommen. Die Räume beginnen mit der Sala Clementina (dem Ruhm von Clemens VIII. [1592-1605] verschrieben) und endet mit der Privatbibliothek des Papstes, wo die hohen Persönlichkeiten empfangen werden (Seite Petersplatz). In der 3. Loggia (4. Stock) sind die Privaträume des Papstes und seiner Mitarbeiter(innen), die ihre Räume im oberen →Mezzanin haben.

Der apostolische Palast hat 12’523 Fenster, 1’400 Räume. Grundfläche: 35’000 Quadratmeter. Siehe „Dachgarten“ des apostolischen Palastes.
→Papstwohnung Vatikan - Stato della Città del Vaticano

Papstpalast vom Norden her gesehen (mit 4 Stockwerken)

Papstpalast Sala Regia Rena k

Papstpalast: Sala Regia (Königssaal). Erste Türe links: Abgang Königstreppe (Scala Regia); zweite Türe links: Eingang zur Sixtinischen Kapelle. Erste Türe rechts: Abgang zum Hof des Marschalls (Maresciallo); 2. Eingang rechts, offen: Eingang zum Herzogssaal (Sala Ducale). Hinter dem Fotografen: Kapelle Paolina

Papstrücktritt

Im c. 332 § 2 CIC heisst es: „Zur Gültigkeit ist verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, dass er von irgendwem angenommen wird.“ c. 335 CIC: „…völlige Behinderung des Bischofsstuhls.“ c. 412 CIC: „Der bischöfliche Stuhl gilt als behindert, wenn der Diözesanbischof wegen Gefangenschaft, Ausweisung, Exil oder Unfähigkeit an der Wahrnehmung seines Hirtendienstes gehindert wird, sodass er nicht einmal in der Lage ist, schriftlich mit den Diözesanen in Verbindung zu treten.“

Jede Papst kann freiwillig zurücktreten gemäss Kirchenrecht Kanon 332 § 2. Albanos-Verlag, Päpste: Im Verlaufe der Kirchengeschichte haben 54 Päpste (alle Obedienzen [Gehorsamkeiten] berücksichtigt) abgedankt, verzichtet oder sind sonstwie abgesetzt worden. – Es gab bis jetzt 41 Gegenpäpste.

Prof. Dr. Josef Imbach, Universität Bonaventura (Franziskaner) Rom
Vortrag vom 15.01.2013, Reinach BL:

4 rechtmässige Päpste, die bis jetzt zurückgetreten sind:

Pontianus

Pontifikat vom 21. Juli 230 bis 28. September 235 (Rücktritts-Tag). Warum? Hippolytus (217 bis 235, Gegenpapst?) hatte Anspruch auf das Amt. Pontianus trat in Gefangenschaft zurück.

Benedikt IX.

Er war 3-mal Papst. Das erste Mal von 1032 bis 1044. Das zweite Mal vom 10. März 1045 bis 1. Mai 1045 (52 Tage). An diesem Datum hat er das Papsttum an Gregor VI. verkauft. Das dritte Mal regierte Benedikt von 1047 bis 1048 (8,5 Monate).

Coelestin V. del Morrone

Am 13. Dezember 1294 hat er abgedankt als bisher einziger Papst, der ohne Druck zurücktrat. Coelestin hat auf Amt und Titel verzichtet. Fünfmonatige Amtszeit. Er fühlte sich als einfacher Mönch mit der Aufgabe überfordert. Ob er wirklich freiwillig zurücktrat oder doch von seinem Umfeld gedrängt wurde, ist nicht eindeutig zu klären. Ähnlich verhält es sich mit den sonst noch Aufgeführten:

Gregor XII. Correr, 1406-1415, abendländisches Schisma

Am 4. Juni 1415 hat er während des Konzils von Konstanz abgedankt. Damals regierten 2 Gegenpäpste und der rechtmässige Papst. Nach der Abdankung wurde Gregor Legat in Afrika. Bei seiner Wahl zum Papst hatte er zugesichert zurückzutreten, wenn dadurch das Schisma beendet werden könnte. Das Konzil von Konstanz 1415 fand dafür eine Lösung.

Benedikt XVI. Ratzinger:
Fünfter
Amtsverzicht eines rechtmässigen Papstes (freiwillig)

11. Februar 2013 kündigt Benedikt XVI. anlässlich eines Konsistoriums seinen freiwilligen Rücktritt auf 28. Februar 2013, 20.00 Uhr an. Dauer seines Pontifikats: 19. April 2005 bis 28. Februar 2013. Grund: seine körperlichen Kräfte seien massiv zurückgegangen. Er wird an diesem Tag um 17.00 Uhr per Helikopter nach Castel Gandolfo fliegen und dort einige Wochen verbleiben, um nachher in den Vatikan zurückzukehren. Neben dem Frauenkloster in den Vatikanischen Gärten werden inzwischen Wohnräumlichkeiten für ihn bereitgestellt. (Rücktrittsrede unter: →Päpste, ihre Pontifikate, A – G, wahlweise; „Benedikt XVI.“)

HK, Erlebte Menschlichkeit, S. 661

(…) Aber von diesem Recht auf freien Rücktritt (als rechtmässiger Papst) hatte bisher nur ein Papst, der genannte Coelestin V., Gebrauch gemacht im Jahre 1294. Das war vor 700 Jahren.

Englisch Andreas; Franziskus, 2015, S. 85
Papstrücktritte

Die Historiker haben rasch herausgefunden, dass Gregor XII. (Pontifikat 1406-1415) der letzte Papst war, der zurücktrat. Diese Einschätzung ist aber allein schon deshalb umstritten, weil Gregor XII. nicht wirklich zurücktrat, sondern am 4. Juli 1415 abgesetzt wurde zugunsten seines Nachfolgers Martin V. Den einzigen wirklichen Rücktritt in der langen Geschichte der Päpste erlebte die Kirche am 13. Dezember 1294, damals dankte Coelestin V. ab, der lediglich von Juli bis Dezember 1294 als Papst amtierte. Dieser mittelalterliche Vorgänger des deutschen Papstes Benedikt gab ebenfalls gesundheitliche Ursachen sowie den Wunsch, wieder als Einsiedler zu leben, als Grund seines Rücktrittes an. Auch er schien am Verwaltungsapparat des Heiligen Stuhles gescheitert zu sein, denn er erklärte, dass ihm die Erfahrung fehle, um mit der Kurie in Rom zurechtzukommen. Ob Joseph Ratzinger Papst Coelestin V. als ein Vorbild sah, wird wohl sein Geheimnis  bleiben. Dass er diesen Papst, der den Mut zum Rücktritt fand, besonders verehrte, steht ausser Frage. Benedikt XVI. demonstrierte am 28. April 2009 in L’Aquila, wie wichtig ihm dieser später heiliggesprochene Papst ist. Am 6. April des Jahres hatte ein katastrophales Erdbeben verheerende Schäden in der Abruzzenstadt angerichtet und 302 Menschen in den Tod gerissen. Auch die Kathedrale Santa Maria di Collemaggio, in welcher der Glassarg Coelestins V. aufbewahrt wurde, erlitt durch das Erdbeben schwere Zerstörungen. Als Benedikt XVI. drei Wochen später L’Aquila und seine geschundenen Einwohner besuchte, betete er auch vor dem Sarg Coelestins. Er entschloss sich an diesem Tag am Sarg seines zurückgetretenen Vorgängers, dem einst der Dichter Dante wegen ihm unterstellter Feigheit an die Pforten der Hölle wünschte, zu einer einzigartigen Geste, die damals niemand wirklich verstand. Er schenkte dem toten Papst sein Pallium.

Seite 278:
Der einzige Papst der Geschichte, der wirklich abgedankt hat und nicht aus dem Amt gedrängt worden ist, war Papst Coelestin V. Als er das am 13. Dezember 1294 tat, hoffte er auf eine freundschaftliche Behandlung durch seinen Nachfolger. Der dachte aber nicht daran, ihm diesen Gefallen zu tun. Als am 24. Dezember 1294 Coelestins V. Nachfolger Bonifatius VIII. gewählt wurde, hatte der nichts Eiligeres zu tun, als seines Vorgängers habhaft zu werden. Der versuchte zu fliehen, was ihm aber nicht gelang. Die Schergen Bonifatius‘ VIII. erwischten ihn. Pietro di Morrone – so der eigentliche Name Coelestins V. – musste bis zu seinem Tod im Jahre 1296 in einer Zelle sitzen. Empört über Bonifatius VIII., weigerten sich die Franziskaner damals, ihn anzuerkennen. Also von wegen nettes Mittagessen zwischen Coelestin und Bonifatius, ein freundschaftliches Treffen zwischen zwei Päpsten kannte die Geschichte bisher nicht.
Siehe „Englisch Andreas, Franziskus“

Papstwahl

Wer kann zum Papst gewählt werden? Bis heute hörte man öfters den Hinweis, alle katholischen Männer ab dem 35. Altersjahr könnten im Konklave gewählt werden. Dies passierte z. B. Leo VIII. (963-965), der als Laie gewählt wurde und drei Weihen an einem Tag erhielt: Diakon-, Priester- und Bischofsweihe. Das ist seit 1983 nicht mehr möglich, weil im Codex Iuris Canonici eine entsprechende Änderung erfolgte (HK, Ist die Kirche noch zu retten, S. 83).

Gegen eine Wahl eines Laien spricht auch Nr. 88 der Apostolischen Konstitution Universi Dominici Gregis: „Wenn der Gewählte hingegen noch nicht Bischof ist, so soll er sogleich zum Bischof geweiht werden.“ Nr. 89: „Wenn der Gewählte noch nicht Bischof ist, erfolgen Huldigung und die Bekanntgabe erst, nachdem er feierlich zum Bischof geweiht worden ist.“

Folgerung: Es können nur Männer mit Diakons- und Priesterweihe zum Papst gewählt werden, wenn ihnen die Bischofsweihe fehlt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Konklave
Im Februar 2013 erliess Benedikt XVI. Ratzinger das apostolische Schreiben „Normis nonnullas“. ln ihm änderte er kurz vor dem Wirksamwerden seines Amtsverzichts als Papst Bestimmungen bezüglich der Sedisvakanz und des Konklaves. Demnach gilt nun, dass die in Konklave versammelten Kardinäle nach dem 34. Wahlgang eine Stichwahl zwischen den beiden bis dato führenden Kardinäle vornehmen können, wobei diese ihr aktives Stimmrecht verlieren. Auch bei dieser Stichwahl ist weiterhin eine Zweidrittelsmehrheit erforderlich.

Heiner Geissler, Was müsste Luther heute sagen? Seite 108/109
(Nach der unmittelbaren der Wahl von Papst Franziskus)

Schon bei seiner Amtseinführung, wie Paul Vallely und andere sie schildern, setzte Franziskus Zeichen. Im Umkleidebereich neben der Sixtinischen Kapelle wird jeder neu gewählte Papst vom päpstlichen Zeremonienmeister empfangen, um entsprechend neu eingekleidet zu werden. Hierfür sind Papstgewänder in drei verschiedenen Grössen auf einer Stange aufgereiht, und rote Papstschuhe stehen in fünf verschiedenen Grössen in mit Seidenpapier ausgeschlagenen Kartons bereit. Dem neuen Papst wird zu den Papstgewändern vom Zeremonienmeister das mit Hermelinfell besetzte traditionelle festliche Schultermäntelchen aus rotem Samt – die Mozetta – gereicht. Papst Benedikt XVI. war ein Fan dieser Papstmoden (→ Benedikt XVI.). Er trug gerne violette Chormäntel, blaue Messgewänder und zur Frühlingssaison pilzartige weisse Oster-Mozetta, wie man sie seit den Tagen von Paul VI. nicht mehr gesehen hatte. Benedikt XVI. entdeckte auch das gestreifte päpstliche Schultergewand wieder, das man als Fanon kennt, und eine, wie Paul Vallely schreibt, etwas groteske Mütze, genannt Camauro, die ins 12. Jahrhundert zurückdatiert. (→ Kleider)

Als der neugewählte Papst in den Einkleideraum zum päpstlichen Zeremonienmeister Monsignore Guido Marini geführt wurde, reichte ihm dieser die hermelinbesetzte Mozetta. Franziskus soll zu ihm gesagt haben: „Nein, danke, Monsignore, die Faschingzeit ist vorbei.“ Er sagte wohl eher, ich möchte lieber nicht. Er lehnte auch das mit Juwelen besetzte goldene Pektoralkreuz (auf der Brust getragen) ab und hängte sich ein einfaches zinnfarbenes schwärzliches Kreuz um, das er getragen hatte, seit er Bischof von Argentinien war. Ebenso wies er die päpstlichen Manschettenknöpfe zurück. Als ihm die roten Schuhe präsentiert wurden, schaute er auf seine schäbigen schwarzen Schuhe hinunter. „Diese sind mir recht“, meinte er.

Papstwappen

(→Organigramm →Tiara →Organigramm Vatikan, Kader, Heraldik)

Es setzt sich in der Regel zusammen aus: der Tiara (Papstkrone), die als Zier in der Mitte aufgesetzt ist. Darunter folgen zwei sich kreuzende Schlüssel, jeweils in silberner (vom Betrachter aus gesehen links) und goldener (rechts, entgegen dem Staatswappen und dem Emblem des Hl. Stuhles, →Organigramm). Die Schlüssel als Symbol des Petrus des Stellvertreters Jesu Christi auf Erden. Die Schlüsselbärte weisen in der Negativdarstellung ein Kreuz auf. Auf der Schnittfläche der sich kreuzenden Schlüssel ist ein von Amtszeit zu Amtszeit wechselnder Schild zu sehen, dessen Symbole in heraldischen Farben den Wahlspruch des jeweiligen Papstes widerspiegeln sollen. Der jeweilige Papst legt diese Symbole zu Beginn seines Pontifikates fest. Meistens entstammen sie aus seinem bisherigen Bischofswappen. Unterhalb des Wappens kann der Wahlspruch des Papstes angegeben sein, z. B. Totus tuus (Ganz der Deine) bei Papst Johannes Paul II. Im Laufe der Jahrhunderte unterlag das Papstwappen in seiner Struktur kaum einer Veränderung. Da die Tiara nicht mehr getragen wird, führt Benedikt XVI. als erster Papst eine Mitra und das Pallium im Wappen, das er auch immer trägt. Siehe auch das Papstwappen hinter dem Petersdom, angefertigt von den vatikanischen Gärtnern.

Bisherige Wappen:

Franziskus   13.03.2013 Papstwahl

Flammende Sonne mit IHS (Iesum Habemus Socium; Wir haben Jesus als Gefährten), Stern (achtzackig) und Narde mit Blüten, blaues Wappenschild. Wahlspruch: Miserardo atque eligendo.

Benedikt XVI.   19.04.05-28.02.13

Freisinger Mohr, Korbiniansbär, Jakobsmuschel

Johannes Paul II.   16.10.78 – 02.04.05

Schildblau mit goldenem, nach rechts verschobenem Kreuz, im vierten Quadranten ein goldenes M für Maria

Johannes Paul I.   26.08.78 – 28.09.78

Markuslöwe des Patriarchen von Venedig (wie Johannes XXIII.) über sechs Bienenstöcken mit drei Sternen

Papstwohnung

(→Dachgarten)
4. Stock im Papstpalast, auf der Höhe der 3. Loggia: sie ist 3-stöckig*.

(*Mezzanin: halb- oder niedriges Zwischengeschoss, besonders in der Baukunst der Renaissance und des Barocks) →Mezzanin

Ambulatorium, Audienzräume, Empfangsraum, Büroräume für die Sekretäre, Arbeitszimmer des Papst (12-Uhr-Angelus am Sonntag), Schlafzimmer, Badezimmer, Umkleideraum, grosser Speiseraum, kleiner Speiseraum, Vorraum Küche, Küchenräume. – Zwischen II. und III. Stock (kleine Fenster*): Bibliotheken, Material, Geschenke an den Papst (Lagerräume).

AS, Vatikanistan, S. 151:
Die 10 Fenster der 3. Loggia (4. Stock) Richtung Petersplatz, d. h. Richtung Süden, von links nach rechts:

DCF 1.0

Schweizergardist vor dem Eingang zur Papstwohnung

Der Komplex der 3. Loggia (4. Stock) des Papstpalastes und des Staatssekretariates:

Loggia III kDie 10 Fenster der Papstwohnung Richtung Süden:

1     Flur zur Loggia
2 3  Treppenhaus
4 5  Bibliothek, Ambulatorium als Arzt- und Zahnarztpraxis eingerichtet
.      (seit Benedikt XVI.). Paul VI. hatte dort einen Operationsraum
.      eingerichtet. Er selber hatte sich einer Operation zu unterziehen.
.      Johannes Paul II. liess alles stehen.
6     kleiner Salon
7     Arbeitszimmer Sekretäre
8     Arbeitszimmer Sekretäre
9     Arbeitszimmer Papst (Angelus-Fenster)
10   Schlafzimmer Papst

Die 9 Fenster der 3. Loggia (4. Stock) Richtung  Stadt, d. h. Richtung Osten, von links nach rechts:

1 2   Schlafzimmer des Papstes
3      Bad und Klo (mit Trimmrad, Rundummassage-Düsen.
.       Fussmassage-Düse)
4 5   Wohnzimmer mit Fernseher und Klavier
6 7   Speiseraum. Das Essgeschirr ist gestiftet, eine 224-teiliges Bone-.China-
.       Porzellanservice, jedes Teil mit dem Benedikt-Wappen geschmückt.
8 9   Küche. Eine italienische Firma stiftete eine Einbauküche im TV-Kochshow-
.       Standard mit viel Edelstahl und glänzenden nachtblauen Fronten.

Päpstliche Wohngemeinschaft

Beispiel bei Benedikt XVI. Ratzinger em.:

  • Papst mit 2 Sekretären (Georg Gänswein und Alfred Xuereb), (Mezzanin-
    Zimmer oben)
  • Prof. Dr. Stampa, Deutsche (Wohnung an der Via del Pellegrino, SCV),
  • 4 italienische Schwestern der Laiengemeinschaft „Memores Domini“
    (ohne Ordenshabit, Schlafzimmer im 3. Stock, Nordseite), die den
    Haushalt machen. Sr. Manuela Camagni verunfallte im Nov. 2010 in der
    Stadt tödlich. (G. Gänswein →Kurie)
  • Paolo Gabriele, Kammerherr (persönlicher Diener des Papstes,
    Familienwohnung im Vatikan); ab Juni 2012 durch Sandro Mariotti,
    1,92 m gross, ersetzt
  • Dr. Patrizio Polisca, Herzspezialist und Leibarzt des Papstes

OR Nr. 50 vom 17.12.2010
Im Gedenken an Manuela Camagni hat Benedikt XVI. in der Cappella Paolina im Apostolischen Palast ein Seelenamt gefeiert, an dem die Mitglieder der Päpstlichen Familie sowie Angehörige und Freunde der verstorbenen Haushälterin teilgenommen haben. Der Papst hat grossen Schmerz über den Verlust seiner tödlich verunglückten Haushälterin Manuela Camagni bekundet. Die unerwartete Trennung und die Art und Weise ihres Todes haben grossen Kummer hervorgerufen, erklärte Benedikt XVI. in einer Botschaft, die bei der Totenmesse in Camagnis Heimatort San Pietro in Bagno westlich von Florenz vom Privatsekretär des Heiligen Vaters, Prälat Dr. Georg Gänswein, verlesen wurde. Die Schwester der „Memores Domini“ habe im päpstlichen Haushalt einen „diskreten“ und „wertvollen“ Dienst geleistet, hob der Papst in dem Schreiben hervor.

OR Nr. 16/17 vom 22.04.2011:
Eine neue Haushälterin für Papst Benedikt XVI. hat im Apostolischen Palast ihren Dienst angetreten. Rossella Teragnoli von der geistlichen Gemeinschaft „Memores Domini“ ist zur Unterstützung ihrer der Mitschwestern in den Vatikan berufen worden. Die neue Haushälterin war bislang in der norditalienischen Gemeinde Soresina als Sozialarbeiterin tätig. Die vier Schwestern kochen für den Papst und seine Gäste und halten dessen private Räume in Ordnung. KWZ: Die Gemeinschaft „Memores Domini“ ist ein Teil der katholischen Laienbewegung „Comunione e Liberazione“. Die Mitglieder legen keine Ordensgelübde ab und tragen keine Schwesterntracht.
→mezzanin →Gruppierungen

NZZ am Sonntag, 27. Mai 2012, S. 3, Patricia Arnold, Mailand
Diener des Papstes verhaftet

Vatikan enttarnt den Maulwurf, der den Medien vertrauliche Informationen zuspielte
Der Kammerdiener von Benedikt XVI. soll geheime Dokumente entwendet haben. Die Festnahme des engen Vertrauten des Papstes schlägt in Italien hohe Wellen.
Die Affäre um die Weitergabe von Geheimdokumenten des Vatikans an die Öffentlichkeit hat eine dramatische Wende genommen. Die Gendarmerie im Kirchenstaat nahm den päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele fest. Das bestätigte gestern Samstag (Samstag vor Pfingsten) der Vatikansprecher, Pater Federico Lombardi. Tags zuvor hatte er die Verhaftung bekanntgegeben, ohne jedoch einen Namen zu nennen. Der Papst reagierte laut italienischen Medienberichten betrübt und schockiert über diese Entwicklung.

Der 46jährige Gabriele, Katholik, aber kein Priester, gehört seit 6 Jahren zu den wenigen Vertrauten, die ungehindert Zugang zu den Privaträumen des Papstes haben. Dem Festgenommenen wirft der vatikanische Staatsanwalt (→Gerichte Staat der Vatikanstadt) vor, Geheimdokumente unerlaubt in seinen Besitz gebracht und damit die Sicherheit des Papstes gefährdet zu haben.

30 Jahre Gefängnis drohen dem Untersuchungshäftling, der vor ein vatikanisches Strafgericht gestellt wird. Gabriele, der verheiratet und Vater von 3 Kindern ist, lebt mit seiner Familie im winzigen Kirchenstaat. In seiner Wohnung fand die Gendarmerie einen Berg von fotokopierten geheimen Unterlagen, die aus dem päpstlichen Arbeitszimmer stammen sollen. Nach peinlichen Medienveröffentlichungen über Misswirtschaft und Korruption im Vatikan hatte der Papst im April 2012 eine interne Untersuchung angeordnet. Benedikt XVI. beauftragte Kardinäle damit, die sich bei ihren Nachforschungen zunächst auf das Büro um den umstrittenen Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und die Vatikanbank konzentrierten. Die Ermittlungen blieben jedoch stecken. Erst als der Papst auch Recherchen unter seinen engsten Mitarbeitern zuliess, seien die Kardinäle fündig geworden, berichteten italienische Medien.

Die Ermittlungen sind mit Gabrieles Verhaftung nicht abgeschlossen. Vermutlich hatte Gabriele Komplizen oder einen Auftraggeber. Gabriele half dem Papst beim An- und Ausziehen, servierte ihm die Mahlzeiten und begleitete den Pontifex zu allen öffentlichen Auftritten.
→Gefängnis →Vertrauliche Dokumente

OR Nr. 44 vom 2. November 2012, S. 3:
Mitteilung des Päpstlichen Staatssekretariats

In Anbetracht der Tatsache, dass gegen das am 6. Oktober 2012 gegen Paolo Gabriele ergangene Urteil keine Berufung eingelegt wurde, ist dieses Urteil rechtskräftig geworden. Im Auftrag des Gerichtsvorsitzenden hat der Kirchenanwalt heute Vormittag die Inhaftierung zur Vollziehung des Urteils verfügt. Die Anordnung wird im Laufe des Tages ausgeführt.“ Diese Erklärung wurde vom Direktor des Presseamtes des Heiligen Stuhles am Nachmittag des 25. Oktober gleichzeitig mit der Veröffentlichung der folgenden Mitteilung des Staatssekretariats herausgegeben:

Das Urteil im Prozess gegen Paolo Gabriele, das jetzt rechtskräftig geworden ist, setzt einen Schlusspunkt unter eine traurige Angelegenheit, die sehr schmerzliche Folgen hatte.

Dem Heiligen Vater wurde persönlicher Schaden zugefügt; das Recht auf Vertraulichkeit vieler Personen, die sich aufgrund ihres Amtes an ihn gewandt hatten, wurde verletzt; das Ansehen des Heiligen Stuhles und mehrerer seiner Einrichtungen wurde geschädigt; die Kommunikation zwischen den Bischöfen in aller Welt und dem Heiligen Stuhl wurde behindert, und die Gemeinschaft der Gläubigen hat Anstoss genommen. Ausserdem wurde der ruhige Arbeitsablauf der Gemeinschaft im täglichen Dienst des Nachfolgers Petri über mehrere Monate hinweg gestört.

Der Angeklagte wurde am Ende eines Gerichtsprozesses, der mit Transparenz, Unvoreingenommenheit und unter voller Achtung des Rechts auf Verteidigung geführt wurde, für schuldig befunden. Die Verhandlung konnte die Tatsachen ermitteln; so wurde festgestellt, dass Paolo Gabriele seinen kriminellen Plan ohne Anstiftung oder Beihilfe von seiten anderer umgesetzt hat, sondern auf der Grundlage persönlicher Überzeugungen, die in keiner Weise geteilt werden können.

Die verschiedenen Mutmassungen, die über die Existenz von Komplotten oder die Beteiligung anderer Personen angestellt wurden, haben sich im Licht des Urteils als gegenstandslos herausgestellt.

Von dem Moment an, in dem das Urteil rechtskräftig wird, muss Paolo Gabriele die gegen in verhängte Haftstrafe abbüssen. Ausserdem wird gegen ihn gemäss den Vorschriften des Allgemeinen Reglements der Römischen Kurie ein Dienstenthebungsverfahren eingeleitet.

Im Hinblick auf das Strafmass besteht die Möglichkeit der Begnadigung, bei der es sich, wie mehrmals hervorgehoben wurde, um einen souveränen Akt des Heiligen Vaters handelt. Sie setzt zu Recht die Reue des Täters voraus sowie die an den Heiligen Vater gerichtete aufrichtige Bitte um Vergebung, die auch all jenen gelten muss, denen Unrecht zugefügt wurde.

Im Verhältnis zum angerichteten Schaden scheint die verhängte Strafe aufgrund der besonderen Rechtsordnung, aus der sie hervorgeht, durchaus milde und angemessen zu sein.
(Orig. ital. in OR vom 26.10.2012)

Basler Zeitung Sonntag, 11.11.2012, S. 6:
Zwei Monate Bewährung im Vatileaks-Prozess

Rom. In der Vatileaks-Affäre ist der Computertechniker Claudio Sciarpelletti (48) zu einer zweimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Tribunal des Vatikans befand ihn am Samstag der Beihilfe bei dem schweren Diebstahl von Vatikan-Dokumenten durch den bereits verurteilten Kammerdiener Paolo Gabriele, schuldig. Die Strafe wird für 5 Jahre zur Bewährung ausgesetzt, in denen sich der Programmierer keines weiteren Vergehens schuldig machen darf. DPA

Begnadigt

Kurz vor Weihnachten 2012 besuchte Papst Benedikt XVI. seinen ehemaligen Kammerdiener im Gefängnis und begnadigte ihn. Gabriele wird nicht mehr im Vatikan arbeiten können und muss mit der Familie ausziehen. WA

Nuzzi, Seine Heiligkeit, S. 25:
In den Privatgemächern Benedikts XVI.

Joseph Ratzinger beginnt den Tag zwischen 06.30 Uhr und 6.45 Uhr in der päpstlichen Wohnung im 3. Stock des Apostolischen Palastes. Nach der Körperpflege durchquert er den Korridor, der zur Privatkapelle führt, wo er um 7.30 Uhr die Messe feiert. Nach der Liturgie, gegen 8 Uhr, verharrt er mit dem Brevier noch eine Weile im Gebet, um dann, gegen 08.30 Uhr, im Speisezimmer mit seinen engsten Mitarbeitern ein kleines Frühstück einzunehmen. Bei Tisch bevorzugt er Milch, entkoffeinierten Kaffee, Brot mit Butter und Marmelade sowie gelegentlich etwas Süsses.

Um die Bedürfnisse Benedikts XVI. kümmern sich die Mitglieder der päpstlichen Familie, allen voran die Mitarbeiter in den Privatgemächern: ein Kammerdiener, eine Art Majordomus (Hausmeier, früher Paolo Gabriele, ab Juni 2012 Sandro Mariotti) sowie die der Laienvereinigung Memores Domini, einer Untergliederung von Comunione e Liberazione (Gemeinschaft und Befreiung, →Gruppierungen), angehörenden Frauen Carmela, Loredana, Cristina und Rossella, welche – als Letzte hinzugekommen – seit Dezember 2010 Manuela Camagni ersetzt. Camagni war, nachdem sie die Porta Sant’Anna, den Haupteingang des Vatikans, passiert hatte, was sie selten tat, auf der Via Nomentana von einem Auto überfahren worden. Den vier Mitarbeiterinnen entgeht kein Wunsch und keine Bemerkung des Heiligen Vaters. Dann gibt es die beiden Privatsekretäre. Der bekanntere ist der deutsche Priester Georg Gänswein, der Domvikar in Freiburg war, bevor er nach Rom kam. Hier reichte seine Tätigkeit von der Glaubenskongregation, die damals unter Ratzingers Leitung stand, bis hin zu einem Lehrstuhl für Kirchenrecht an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz (Opus Dei). Alle nennen ihn Padre oder Don Georg oder auch Don Giorgio, der am 06.01.2013 zum Bischof geweiht und als zweite Aufgabe diejenige des Präfekten des Päpstlichen Hauses übernimmt. Der zweite Sekretär ist der maltesische Priester Alfred Xuereb, Jahrgang 1958. Er stammt aus der Diözese Gozo und ist offiziell als Minutant im Staatssekretariat angestellt.

Der Lebensstil Benedikts XVI. ist geradezu klösterlich. Die privaten Momente teilt er mit wenigen Menschen. Ein typisches Beispiel dafür ist das Mittagessen. Paul VI. ging mit seinen Privatsekretären zu Tisch: Johannes Paul II. lud gerne Bischöfe und Kardinäle ein – vorzugsweise aus Polen. Benedikt XVI. ist vor allem den erwähnten Mitarbeiterinnen verbunden, welche die Mahlzeiten zubereiten, die Wohnung in Ordnung halten und immer ein Lächeln für den Papst auf den Lippen tragen. In der Regel nimmt er das Essen in ihrer Gesellschaft ein. Loredana und Carmela, beide aus Apulien stammend, wechseln sich am Herd ab und verstehen es offensichtlich, dem einfachen Geschmack des Hausherrn Genüge zu tun: mit stark gewürzten Speisen, denen es nie an Pfeffer und scharfem Paprika mangelt. Der erste Gang wird häufig mit Fisch zubereitet, etwa Pasta mit Lachs, eines der Leibgerichte des heiligen Vaters. Beim zweiten Gang bevorzugt er Fleischgerichte, die täglich ausser freitags auf den Tisch kommen. An diesem Tag gibt es nur einen Gang, meist Fischfilet mit Gemüse. Was gänzlich fehlt, sind Krustentiere oder raffinierte Speisen. Zum Abendessen werden Eintöpfe, Suppen oder eine Tasse Milch serviert. Am Karfreitag nimmt die Schlichtheit des Essen geradezu frugale (bescheidene) Züge an. Dann gibt es nicht mehr als einen Teller gekochter Kartoffeln und dazu Käse. Einen Sonderfall bilden die Süssspeisen: Sein bevorzugtes Dessert nennt der Papst scherzhaft „beschwipste Jungfrauen“; es handelt sich um eine Art weichen Muffin, der mit einigen Tropfen Alkohol getränkt ist – eine grosse Ausnahme. Denn sonst lebt der Papst nahezu abstinent, und niemals trinkt er Wein bei Tisch.

Die Schwestern (Memores) wohnen auf derselben Etage des Apostolischen Palastes wie der Papst, ihre Zimmer liegen jedoch auf der Rückseite. Hier schlafen und beten sie, hier bewahren sie ihre persönlichen Gegenstände auf. Darunter befindet sich bei Einzelnen auch die Todesanzeige von Manuela Camagni, die auf Wunsch Benedikts XVI. im Osservatore Romano erschienen ist. Es war das erste Mal, dass ein Papst in einer solchen Anzeige namentlich zeichnete.

Es gibt noch andere Frauen, die den Papst umsorgen. Da ist zunächst eine weitere Angehörige von Comunione e Liberazione. Sie ist für die nachmittägliche Physiotherapie zuständig, zu der sich der Papst ins Ambulatorium begibt. Dabei handelt es sich um eine technisch vollständig ausgestattete Praxis, die zusammen mit einem zahnärztlichen Behandlungsraum an die Stelle des alten Operationssaals im Bereich für die medizinische Versorgung des Papstes getreten ist. Des Weiteren ist die Musikprofessorin Ingrid Stampa zu nennen sowie Birgit Wansing, Ratzingers langjährige Sekretärin und einer der wenigen Menschen, die seine Handschrift noch immer fehlerfrei entziffern können. Sowohl Stampa als auch Wansing gehören der Schonstattbewegung an, die Josef Kentenich Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet hat. Birgit Wansing ist nach wie vor im Staatssekretariat beschäftigt. Ingrid Stampa hingegen ist eine der wenigen „inoffiziellen“ Beraterinnen des Papstes. Seit 1991 war sie die Haushälterin in der 300-m2-Wohnung, die Ratzinger als Kardinal an der Piazza delle Città Leonina bewohnte (auf italienischem Territorium, auf vatikanischem Hoheitsgebiet. Ein Hauswart in vatikanischer Kleidung bedient den Eingang. Der Block befindet sich gegenüber dem ersten Kasernentrakt der Schweizergarde.).

Parkhäuser im Vatikan

Erstes Parkhaus unterirdisch und oberirdisch: am Bahnhof

Zweites Parkhaus im Februar 2005 fertig erstellt: Nach fast 2-jähriger Bauarbeiten konnte ein neues Parkhaus eröffnet werden. Das Gebäude auf dem Piazzale di Santa Rosa besteht aus mehreren Ebenen mit vielen Parkplätzen, u. a. für Lastkraftwagen, und aus einem Obergeschoss, in dem künftig Büroräume des vatikanischen Autoparks untergebracht werden. Aus diesem Gebäude lässt sich über den Ausgang Santa Rosa (in die Piazza Risorgimento der Stadt Rom führend) der Vatikan verlassen. →Eingänge/Ausgänge