Z

Zeitenrechnung im Römischen Jahr

→Römisches Jahr (Jahr, Monat, Tag) unter „R“, Nebenregister

   Sonnenfinsternis vom 14. März 190 v. Chr.

Zeitung „L’Osservatore Romano“ des Hl. Stuhles 

(Der Römische Beobachter)

Am 1. Juli 1861, wenige Monate nach der Ausrufung des Königreiches Italien (17.03.1861) erschien in Rom die erste Nummer des L’Osservatore Romano (im Jahre 2011: 150 Jahre her). Ziel: Verteidigung des Kirchenstaates.

Durch das Risorgimento (italienische Einheits- und Freiheitsbewegung) fühlte sich das Papsttum unter Pius IX. in seiner Unabhängigkeit stark bedroht und benutzte die Zeitung als Kampforgan gegen antikirchliche Kräfte. Besonders nachdem Augusto Baviera 1866 Chefredaktor geworden war, wurden Attacken gegen die Repräsentanten des liberalen Staates geritten, kam es zu antisemitischen Ausfällen und wurde gegen die Freimaurerei gewettert.

1938 kritisierte das Blatt die Diskriminierung der Juden in NS-Deutschland. Nach der deutschen Besetzung der Benelux-Staaten prangerte Papst Pius XII. die militärischen Übergriffe an. Durch Faschisten kam es sogleich am nächsten Tag zu Übergriffen auf das Blatt. Zeitungsbündel wurden öffentlich verbrannt sowie Käufer bedroht.

Heute erscheinen folgenden Ausgaben:

  • Tagesausgabe in Italienisch
  • Wochenausgaben in Französisch (seit 1949), Englisch (1968), Spanisch (1969), Portugiesisch (1969) Deutsch (1971),
  • Monatsausgabe in Polnisch
    In 20 Weltsprachen

Deutschsprachige Ausgabe seit 8. Oktober 1971. Ab 3. Januar 1986 wurden der Druck, der weltweite Vertrieb und das Marketing an den Schwabenverlag nach Deutschland verlegt. Das Blatt wird in Deutschland von der Deutschen Bischofskonferenz bezuschusst, da es sich nicht selbst tragen kann.
→Amtssprache

Für die Mitarbeiter des Governatorats gibt es die alle 2 Monate erscheinende Hauspostille All’ombra del Cupolone („Im Schatten der Kuppel“), ein 8-seitiges und sehr staatstragendes Hochglanzblatt mit einer Witzseite und vielen Fotos von alten Männern mit ulkigen Hüten.

OR Nr. 2 vom 14.01.2011:
Seit Ende 2010 bietet die deutsche Wochenzeitung des L’Osservatore Romano einen besonderen Service an. Auf der eigenen Homepage www.osservatore-romano.de stellt die Redaktion in einem 10-minütigem Hörbeitrag die jeweils aktuelle Wochenausgabe vor. Der Leser wird über thematische Schwerpunkte der Ausgabe informiert und hat die Möglichkeit, einige Ausschnitte aus den Ansprachen und Predigten des Papstes zu hören.

OR Nr. 16/17 vom  22.04.2011:
Zum Beginn des 7. Pontifikaljahres von Benedikt XVI. lanciert der L’Osservatore Romano seine neue Medienpräsenz. Mit der Ausgabe vom 19.04.2011 begann die Aktivität der neuen Website www.osservatoreromano.va  Die Texte der italienischen Tagesausgabe können bereits am Vorabend des Ausgabetages gelesen werden, noch bevor die Zeitung in die Kioske ausgeliefert worden ist. Auch die weiteren Sprachausgaben werden nach und nach über ein elektronisches Abonnement bezogen werden können.

Deutsche Ausgabe:
Chefredaktorin: Astrid Haas (Stand Juni 2013)

E-Mail: ed.tedesca@ossrom.va
Tel. 0039 06 69 89 94 30

Osservatore Romano Nr. 23 vom 8. Juni 2012, S. 3:
Zum ersten Mal in seiner 150-jährigen Geschichte wird der „L’Osservatore Romano“ ab heute an jedem letzten Donnerstag des Monats eine eigene Frauenbeilage veröffentlichen. Vier farbig illustrierte Seiten, die mit Leidenschaft und sanfter Entschlossenheit von einigen Kolleginnen erarbeitet und betreut werden, sollen den Blick der Zeitung des Heiligen Stuhles für die Themen „Frauen – Kirche – Welt“ weiten.

Kath. Wochenzeitung Nr. 35 vom 31.08.2012, S. 2:
Vatikanzeitung erscheint jetzt auch in den USA

Die Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“ erscheint seit dieser Woche auch in den Vereinigten Staaten. Die englischsprachige Wochenausgabe des Papstblattes werde jetzt auch im katholischen Verlag „Our Sunday Visitor“ im Bundesstaat Indiana gedruckt, teilte der Vatikan mit. Zwischen 1998 und 2011 hatte die „Cathedral Foundation“ in Baltimore die Auflage für den nordamerikanischen Markt produziert.

Die Redaktion der englischen Ausgabe wie die aller übrigen Spracheditionen hat ihren Sitz im Vatikan unter dem gleichen Dach wie die italienische Tagesausgabe des „Osservatore Romano“. Neben dieser italienischsprachigen Tageszeitung kommt der „Osservatore Romano“ als Wochenausgabe auf Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Portugiesisch sowie als polnischsprachige Monatsausgabe heraus. Die spanischsprachige Ausgabe wird sowohl im Vatikan wie auch in Peru, Mexiko und in Spanien gedruckt, die Englische in Rom, in den USA wie in Indien. Dort wird das Blatt seit 2008 zudem in die Landessprache Malayalam übersetzt, um die 6 Millionen Katholiken im Bundesstaat Kerala über Papst und Vatikan zu informieren. Der Druck der deutschsprachigen Ausgabe war 1986 komplett nach Deutschland verlegt worden. (kipa/cic/ak)

OR Nr. 1 vom 06.01.2017, S. 1
Der Osservatore Romano startet eine eigene Argentinien-Ausgabe

Die vatikanische Zeitung ist nun erstmals in einer Argentinien-Ausgabe erhältlich. „Durch die Tageszeitung des Heiligen Stuhles können die Tätigkeiten des Papstes direkt verfolgt werden“, schreibt Franziskus selbst dazu in einem handschriftlichen Brief, der auf der Titelseite abgedruckt ist. Er freue sich über die Ausgabe in seinem Heimatland, schreibt der Papst und richtet sich auch an die Leser: „Bitte, vergesst nicht für mich zu beten.“
Die erste nationale Ausgabe der Zeitung sei eine „bedeutende Neuheit in der Geschichte des Heiligen Stuhles“, betonte der Direktor unserer Zeitung, Giovanni Maria Vian in einem Beitrag. Neue Wege geht die Zeitung auch bei der Bestellung eines Protestanten – Marcelo Figueroa – zum Chefredakteur. Der Bibelwissenschaftler, der als Vertrauter von Papst Franziskus gilt, bezeichnete den Schritt als „Zeichen der Offenheit und Grosszügigkeit“ des Papstes sowie als Signal an den interreligiösen und interkulturellen Dialog in Argentinien und Südamerika. (…)
Die argentinische Ausgabe des „Osservatore Romano“ umfasst 16 Seiten. 9 davon sind die im Vatikan produzierte, bereits bisher erscheinende spanische Wochenausgabe, 5 hingegen beziehen sich auf Argentinien. Von der am 30. Dezember 2016 erschienenen Erstausgabe wurden 37’000 Stück aufgelegt und teilweise den grossen Tageszeitungen des Landes beigelegt. Vorerst sind auch für Januar und Februar Sonderausgaben geplant, ehe man ab März in den wöchentlichen Erscheinungsrhythmus  übergehen will.

OR Nr. 3 vom 20.01.2017, S. 4
Italienische Wochenausgabe des Osservatore Roman mit neuer Aufmachung

Die Vatikanzeitung erscheint mit einer überarbeiteten italienischen Wochenausgabe. Ziel des Relaunchs (Lancierung, neue Verbreitung) sei die Erschliessung neuer Leserkreise und Themenbereiche, sagte Erzbischof Angelo Becciu, Leiter der Sektion für Allgemeine Angelegenheiten im Staatssekretariat, bei der Vorstellung am 10. Januar 2017 im Vatikan.
Der „Osservatore Romano bleibe Sprachrohr des Papstes, wolle aber dem Stil von Franziskus Rechnung tragen, so Becciu. Geplant seien dementsprechend eine stärkere Öffnung gegenüber Nichtglaubenden und katholischen Laien und neue inhaltliche Akzente auf Ökologie und Friedensarbeit, den Dialog der Religionen und Kulturen sowie Frauenfragen.
Erzbischof Becciu bekannte sich bei der Gelegenheit zum Fortbestand der klassischen Printausgabe. Auch im Internetzeitalter zögen es noch viele vor, die Zeitung „im Sessel und mit einer Tasse Kaffee in der Hand“ zu lesen. Reform bedeute zwar, die Kräfte zu rationalisieren und zu sparen, aber auch Neuigkeiten Raum zu geben, die die öffentliche Meinung bewegen können.
Die erneuerte italienische Wochenausgabe erscheint jeweils donnerstags mit 24 Seiten mit inhaltlichen Schwerpunkten: Vatikanisches, Weltgeschehen, Kultur und Religion. Ergänzend gibt es neue Rubriken, in denen auch Nichtkatholiken das Wort erhalten. Die frühere Monatsbeilage des italienischen „Osservatore“ mit dem Titel „Donne – Chiesa – Mondo“ erscheint seit Mai 2016 als eigenständiges Magazin für weibliche Spiritualität.

OR Nr. 24 vom 16.06.2017, S. 4
In Rom wurde eine neue Wochenausgabe des „Osservatore Romano“ für Panama vorgestellt. Der Erzbischof von Panama, José Domingo Ulloa Mendieta, unterstrich, dass im Hinblick auf den Weltjugendtag, der 2019 in dem mittelamerikanischen Land stattfinden wird, insbesondere die Jugendlichen angesprochen werden sollen. Zusammen mit den bereits in Lateinamerika (Argentinien, Mexiko und Peru) gedruckten Ausgaben bekräftigt die neue Wochenausgabe den Einsatz für eine grössere Verbreitung der Worte des Papste.

OR Nr. 51/52 vom 21.12.2018, S. 3
Andrea Monda neuer Direktor unserer Zeitung

Vatikanstadt. Am 18.12.2018 hat Papst Franziskus den Schriftsteller und Essayisten Andrea Monda (52) zum neuen Direktor der Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“ („Der Beobachter Roms“) ernannt. Er wird Nachfolger des bisherigen Direktors Giovanni Maria Vian (66), dem der Titel eines „emeritierten Direktors“ verliehen wurde. Der 1966 in Rom geborene Journalist hat 2 Studienabschlüsse, einen in Jura, den anderen in Religionswissenschaften. Monda wirkte bisher als Religionslehrer in Rom und dozierte über Christentum und Literatur an den Päpstlichen Universitäten des Lateran und der Gregoriana. (…)

OR Nr. 3 vom 18.01.2019, S. 3
Vatikanstadt. Die Tagesausgabe von L’Osservatore Romano ist ab sofort mit einem eigenen offiziellen Auftritt auch auf der Bilderplattform Instagram vertreten. Unter dem Profil „@osservatoreromano“  sind als erste Posts ein (seitenverkehrtes) historisches Foto von Martin Luther Küng vor dem Petersdom zu finden, ein Porträt des vor 20 Jahren gestorbenen italienischen Liedermachers Fabrizio De André sowie 2 Titelseiten der italienischen Ausgabe.

bz BASEL vom 27.03.2019, S. 11, Dominik Straub, Rom
Journalistinnen treten zurück

Vatikanzeitung. Das weibliche Team der Frauenbeilage des „L’Osservatore Romano“ tritt zurück. Es hatte über Missbrauch an Nonnen berichtet – und geriet unter Druck.
„Lieber Franziskus, wir werfen das Handtuch, weil wir uns von einem Klima des Misstrauens und der schleichenden De-le-gi-ti-mie-rung umgeben fühlen.“ Das schreibt Lucette Scaraffia, die Gründerin und Leiterin des monatlich erscheinenden Frauenbeilage der Vatikanzeitung. Zusammen mit der 70-jährigen Historikerin Scaraffia verlassen auch alle übrigen 10 Mitarbeiterinnen die Redaktion von „Donne Chiesa Mondo („Frauen, Kirche, Welt“). Die Beilage war vor 7 Jahren unter Papst Benedikt gegründet worden und genoss innerhalb der Vatikanmedien grosse Unabhängigkeit. (..)
Ein Skandal nach dem anderen. Scaraffia hatte in der vatikanischen Frauenzeitschrift wiederholtf heisse Themen aufgegriffen. So berichtete die Beilage auch über Ordensfrauen, die als Haushälterinnen von Kurienprälaten ausgebeutet werden. (…)

OR Nr. 14 vom 05.04.2019, S. 4
Mitteilung unseres Direktors Andrea Monda (wegen dem Abgang der Journalistinnen)

Ich nehme die freie und autonome Entscheidung von Frau Prof. Scaraffia zur Kenntnis, ihre Zusammenarbeit mit dem „L’Osservatore Romano“ abzubrechen und ihre Leitung der Beilage „Frauen-Kirche-Welt“ als beendet zu betrachten.
Verbunden mit unseren besten Wünschen danken wir ihr herzlich für die mit grossem Engagement und in aller Freiheit geleistete wertvolle Arbeit der letzten Jahre.
In diesen wenigen Monaten seit meiner Ernennung zum Direktor habe ich Prof. Scaraffia und der Gruppe der Frauen in der Redaktion die gleiche absolute Autonomie und völlige Freiheit garantiert, die die monatliche Beilage von Anfang an ausgezeichnet hat, und habe mich in keiner Weise in die Erstellung der monatlichen Beilage der Zeitung eingemischt. Ich habe mich darauf beschränkt, meinen geschuldeten Beitrag (bei der Anregung von Themen und Personen, die eventuell einbezogen werden könnten) anzubieten – zur freien Abwägung durch Frau Prof. Scaraffia und die Redaktion der Beilage. (…)

Zigaretten-Laden im Vatikan

(im vatikanischen Bahnhof)

Alle gängigen Marken, auch Tabak, Zigarren, Stumpen. Sehr preiswert.
⇒ Ab 01.01.2018 kein Verkauf mehr im Vatikanstaat.

OR Nr. 46 vom 17.11.2017, S. 4
Von Beginn des kommenden Jahres 2018 an werden im Vatikan keine Zigaretten mehr verkauft. Der Heilige Stuhl könne sich nicht an Geschäften beteiligen, die eindeutig die Gesundheit von Menschen schädigen, heisst es in einer entsprechenden Erklärung des Vatikansprechers Greg Burke vom 09.11.2017.

Zölibat  (der, das)

Der Zölibat bezeichnet die Ehelosigkeit der Priester in der römisch-katholischen Kirche. Das Wort entstammt dem Lateinischen: caelibatus = Ehelosigkeit. Der Zölibat lässt sich aus der Bibel nur indirekt ableiten und wird dabei im Wesentlichen auf die Ehelosigkeit Jesu zurückgeführt.

Obwohl die „Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen“ schon in der frühen Kirche hoch geschätzt war, wurde sie für die römische Kirche erst mit dem Zweiten Laterankonzil (1139) verpflichtend – auf dem Höhepunkt des Investiturstreites (Bezeichnung für den im 11. Jahrhundert zwischen Papst Gregor VII. und König Heinrich VIII. über die Frage der Investitur [Belehnung mit einem Kirchenamt und der Belehnung weltlicher Güter und Rechte] der Bischöfe und Äbte ausgebrochenen Konflikt). Das Zweite Vatikanische Konzil bestätigte 1965 die Zölibatspflicht. Sie wird heute vor allem als ein Verzicht verstanden, der den Priester für Gott und die Menschen in besonderer Weise öffnen soll.

In den romverbundenen Ostkirchen (orthodoxe) gilt der Zölibat nur für Bischöfe.

Kirche heute 15/2011:
Australische Priester gegen Zölibat

Mehr als 70 % Priester der römisch-katholischen Kirche Australiens sprechen sich gegen den Pflichtzölibat aus. Dies geht aus einer anonym durchgeführten Umfrage hervor, an der sich 542 Priester beteiligten. Generell vertraten viele Priester die Meinung, der Vatikan sei abgehoben, Bischöfe seien ungenügende Manager und die Zukunft der Kirche gebe Anlass zu grosser Sorge. Viele klagten über eine grosse Arbeitslast und zu wenig Mitspracherecht. Dies berichtet die Online-Ausgabe des „Sydney Morning Herald“.

Basler Zeitung vom 8. Juni 2011, Seite 20:
Für Frauenpriestertum – gegen Pflichtzölibat.

Zusammenfassung WA. Die Behörden der Römisch-Katholischen Kirchen von Basel-Stadt und Baselland (Schweiz) sollen verpflichtet werden, sich für den Zugang der Frau zum Priesteramt und für die Abschaffung des Pflichtzölibats einzusetzen. Das verlangen zwei Volksinitiativen, die dem Zustand ein Ende setzen wollen, dies „mit dem sehr eidgenössischen Mittel der Volksinitiative“, wie CVP-Grossrat und Konrektor Gymnasium, Oswald Inglin, an der gestrigen Pressekonferenz erklärte.

So sollen die katholischen Kirchenverfassungen von Basel-Stadt und Baselland mit einer Bestimmung ergänzt werden, die den Kirchenräten und Synoden der beiden Landeskirchen Beine macht. Ein klarere Verfassungsauftrag, sich für die Abschaffung des Pflichtzölibats und die Zulassung der Frauen zum Priesteramt stärker zu machen. Für Anita Lachenmeier, Nationalrätin der Grünen und Mitglied des basel-städtischen Initiativkomitees, ist klar, dass mit diesen Initiativen die Gleichstellung in der Kirche nicht von heute auf morgen eingeführt wird. Laut Monika Hungerbühler, Theologin und Leiterin der Frauenstelle der Römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt, soll mit den beiden gleichlautenden Initiativen die 1995 vom damaligen Papst Johannes Paul. II. unterbundene Diskussion über das Thema Frau und Priestertum „neu angekurbelt werden“. – „Der Ausschluss der Frauen vom Priestertum steht dem Neuen Testament diametral entgegen“, erklärte die Bibelwissenschaftlerin Helene Schüngel-Straumann. Und Oswald Inglin, für den der heutige Zustand „im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel schreit“, zeigte sich überzeugt, „dass unsere Kirche viel an Glaubwürdigkeit und vielleicht auch an Gläubigen zurückgewinnen kann, wenn sie Priester und Priesterinnen hat“.  – Für das Zustandekommen der Initiativen braucht es in Basel-Stadt 700 und in Baselland 1’000 Unterschriften.
www.kirchliche-gleichstellung.ch

Hans Küng, Ist die Kirche noch zu retten? S. 101:
Eine Kirchenleitung zölibatärer Männer setzte im 11. Jahrhundert das Eheverbot für alle Priester der westlichen Kirche durch. In den östlichen Kirchen bleibt der Klerus, von den Bischöfen abgesehen, verheiratet und ist deshalb viel volksnaher in das gesellschaftliche Gefüge eingepasst. Dagegen erscheint der zölibatäre Klerus des Westens vor allem durch seine Ehelosigkeit vom christlichen Volk total abgehoben: ein eigener dominierender sozialer Stand, der aufgrund höherer sittlicher „Vollkommenheit“ dem Laienstand grundsätzlich übergeordnet und nur dem Papst völlig untergeordnet ist.

Unter dem Einfluss der Mönche Humbert und Hildebrand forderte Rom damals in einer Art von „Panmonarchismus“  vom gesamten Klerus unbedingten Gehorsam, Ablehnung der Ehe und gemeinsames Leben. Wütende Massenproteste des Klerus gegen das Eheverbot, besonders in Oberitalien und in Deutschland, waren die Folge. Hildebrand inszenierte als Gregor VII. den Boykott des verheirateten Klerus durch die Laien. Es kam zu widerlichen Treibjagden auf Priesterfrauen in den Klerikerhäusern. Seit dem 2. Laterankonzil von 1139 gelten Priesterehen als von vornherein ungültig, alle Priesterfrauen als Konkubinen (abwertend für Geliebte), ja, →Priesterkinder sollen als unfreie Sklaven zum Kirchenvermögen geschlagen werden. Von da an also gibt es im Westen ein allgemein verpflichtendes Zölibatsgesetz, das jedoch in der Praxis bis zur Reformationszeit selbst in Rom nur bedingt eingehalten wird.

Hans Küng, Ist die Kirche noch zu retten? S. 231:
Priestern und Bischöfen die Ehe erlauben

Begründung: Jesus und Paulus haben Ehelosigkeit für den Dienst an den Menschen zwar exemplarisch vorgelebt, aber dem Einzelnen diesbezüglich die volle Freiheit gewährt. Petrus und die übrigen Apostel waren in ihrem Dienst verheiratet. Ehelosigkeit kann vom Evangelium her nur als frei ergriffene Berufung (Charisma) und nicht als allgemein verbindliches Gesetz vertreten werden. Jesus spricht nur an einer Stelle von der (freiwilligen) Ehelosigkeit: „Wer es fassen kann, der fasse es“, nicht: der muss es fassen. Auch ist bezeugt, dass Jesus das Haus des Petrus besuchte und dessen kranke Schwiegermutter heilte (Mt 8,14). Paulus hat sich entschieden gegen diejenigen gewendet, die schon damals die Ansicht vertraten, „dass es für einen Mann gut sei, keine Frau zu berühren“: Wegen der Versuchungen zur Unzucht soll jeder Mann eine Frau und jede Frau ihren Mann haben“ (1 Kor 7,1f). Nach dem neutestamentlichen Ersten Brief an Timotheus soll „der Bischof Mann nur einer (nicht: keiner) Frau sein“ (3,2).

Dies blieb durch viele Jahrhunderte für Bischöfe und Presbyter selbstverständlich und hat sich im Osten auch bei den mit Rom unierten Kirchen, wie in der ganzen Orthodoxie, zumindest für die Priester bis heute durchgehalten. Das römische Zölibatsgesetz aber widerspricht dem Evangelium und der alten katholischen Tradition. Es widerspricht aber auch der Erklärung der Menschenrechte (siehe dort), zu denen das Recht eines jeden Menschen auf Ehe gehört.

HK, S. 599:
Pflichtzölibat und Enzyklika „Sacerdotalis coelibatus“ (1967). Diese bemüht sich in empörender Weise die höchsten Wahrheiten des Evangeliums, um gerade das nicht beweisen zu können, was zu beweisen wäre: dass eine nach dem Evangelium sinnvolle freie Berufung zur Ehelosigkeit von der Kirchenleitung zu einem verpflichtenden Gesetz gemacht werden dürfe, das die Freiheit aufhebt.

Basler Zeitung Nr. 12 vom 13.01.2012:
Pflichtzölibat abschaffen und Priesterinnen einsetzen

Basler Katholiken reichen Initiative für Gleichstellung in der Kirche ein.
Auch heute noch ist die Gleichstellung in der römisch-katholischen Kirche strukturell unmöglich. Doch das soll sich ändern. In Basel-Stadt und Baselland sind gestern gleichlautende Volksinitiativen eingereicht worden, mit denen das Priesteramt für Frauen und die Abschaffung des Pflichtzölibats gefordert werden. Die beiden Initiativkomitees sind sich allerdings im Klaren darüber, dass es kaum gelingen wird, mit den zwei Gleichstellungsinitiativen auf der Ebene der Kantonalkirche in der katholischen Weltkirche von heute auf morgen eine Reform zu bewirken und jahrhundertealte innerkirchliche Rechtssätze über Bord zu werfen. So war denn auch von „einem ersten wichtigen Schritt in einem langen Prozess“ die Rede.

Kirche heute 39/2013 September, S. 2
Debatte über Zölibat ist möglich

Der zukünftige vatikanische Staatssekretär Piero Parolin hält gemäss der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ eine Debatte über die verpflichtende Ehelosigkeit von Priestern für möglich. Der Zölibat sei kein Dogma der Kirche, man könne darüber diskutieren und über einige Änderungen nachdenken. Neben der Treue zum Willen Gottes und zur Geschichte der Kirche sei Offenheit für die Zeichen der Zeit nötig.

Kirche heute 22/2014 Mai, S. 2
Frauen wollen Pflichtzölibat aufheben

24 Frauen aus ganz Italien haben Papst Franziskus in einem Offenen Brief gebeten, den Pflichtzölibat für katholische Priester abzuschaffen. Sie wollten die „Mauer des Schweigens und der Gleichgültigkeit durchbrechen“, der sie jeden Tag begegneten, schreiben die Frauen, die nach eigenen Angaben alle eine Beziehung zu einem Priester oder Ordensmann haben oder hatten. Der Brief, der mit Vornamen und Kürzeln unterzeichnet ist, wurde am 17. Mai 2014 vom Internetportal „Vatican Insider“ publik gemacht. Papst Franziskus hat in seinem Pontifikat wiederholt die Priester aufgefordert, den Zölibat in überzeugender Weise zu leben.

Gabriella Loser Friedli, Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat, 2014
Präsidentin des Vereins der vom Zölibat betroffenen Frauen (Zöfra)

Seite 36: von Richard Friedli, ehemals Professor für Missions- und Religionswissenschaften an der Theologischen Fakultät Fribourg, 1992 von der Fakultät ausgeschlossen, nachdem seine Beziehung zu Gabriella Loser bekannt wurde:

Wie in manchen Konstellationen habe ich mich auch in dieser Lebensphase (Schwangerschaftsabbruch) vom Reflex tragen lassen, es werde schon irgendwie gehen. Ein solches Prinzip ist kein Ausdruck von Verantwortung und Leadership (Führung). Noch dramatischer ist das unkontrollierte Trinken in Stresssituationen. Seither haben mich geduldige Begleitungen und kompetente Therapien wieder wach, belastungsfähig, zugriffig und kreativ werden lassen. Manche Situationen und Reaktionen können als typische Formen „ekklesiogener Neurose“ („kirchlicher psychischer Störung“) interpretiert werden. Aus der heutigen Sicht erlaube ich mir eine ergänzende Diagnose: Der Pflichtzölibat fördert bei vielen Priestern – internationale Fach- und Therapiestellen sprechen von 80 % Betroffenen unter dem Klerus – „Lüge als Lebensstil“. Davon macht das theologisch verschieden gewichtete Keuschheitsgelübde der Ordensleute keine Ausnahme. In dieses Lügennetz werden oft auch Frauen verstrickt, die mit Priestern zusammenarbeiten oder verbunden sind. Der Dichtegrad von „priesterlicher Lüge“ ist variabel. Das Kontinuum (Stetiges) reicht von alltäglichen Notlügen über die Lüge als Lebensentwurf bis zur institutionalisierten (feste, starre Gewohnheit/Wiederholung) Lüge. Individuelle „Notlügen“ dienen als Mittel, um sich im Dickicht der alltäglichen Pflichten „durchzuwursteln“: mit Terminen schummeln, Sitzungen vorschieben, seelsorgerliche Hilfe oder spirituelle Exerzitien anbieten, an Workshops teilnehmen, gemeinsame Ferien buchen… Unter sozialer „Lüge“ als Lebensentwurf können verschiedene Formen von Doppelleben subsumiert (untergeordnet) werden: der Tag als Pfarrer und der Abend und die Nacht als Familienvater. Die Woche in der Pfarrei und das Wochenende im Ferienhaus mit der Frau. Praktisch gelebte Polygamie (Mehr-, Vielehe). Nightclubs als Zufluchtsort. Ganz zu schweigen von der Pädokriminalität (auf Kinder gerichteter Sexualtrieb Erwachsener), die von manchen Priestern und Ordensleuten praktiziert wurde und noch wird.

Seite 154 (Frau Gabriella Loser Friedli):
Interkulturelle Beziehungen zu Priestern. Die Leitung der römisch-katholischen Kirche engagiert Priester aus Afrika, Lateinamerika, Asien und Osteuropa – mit Argumenten wie „umgekehrte Mission“ und „Kulturaustausch“ -, um die fehlenden einheimischen Priester zu ersetzen. Eine trügerische Lösung. Natürlich können ausländische Priester die Schweizer mit Sakramenten versorgen. Aber fehlende Sprach- und Kulturkenntnisse erschweren die Arbeit, auch das Selbstverständnis dieser Priester. Priester aus Polen etwa haben oft ein vorkonziliares Gottes-, Kirchen- und Menschenbild – und dementsprechend Probleme mit Frauen im kirchlichen Dienst. Einer Beziehung sind sie aber oft nicht abgeneigt. In schweiz-afrikanischen Beziehungen erwacht meist nach kurzer Zeit der Kinderwunsch. Die Frauen denken, ein Kind als Zeichen für den Wunsch nach einer langjährigen Partnerschaft, für den Afrikaner hingegen ist ein Kind, ein Bub vor allem, Beweis seines Mannseins. Eine Schwangerschaft ist deshalb in der Regel eine Katastrophe. Die Angst, deswegen die Schweiz verlassen zu müssen, verleitet zu massivem Druck auf die Frau. Priester, die hier ihr Amt verlieren, verlieren auch die Aufenthaltsbewilligung und damit jede Möglichkeit, ihre Familie in der Heimat finanziell zu unterstützen. Frauen werden zum Schweigen gezwungen, zum Schwangerschaftsabbruch gedrängt. Tun sie es nicht, verlässt der Priester sie – und findet eine neue Freundin. Die Frauen wiederum fühlen sich für die Schwangerschaft schuldig, wollen den Geliebten nicht gefährden und schützen ihn. Treiben entweder ab oder übernehmen die Verantwortung für das Kind allein. Dieselben Priester verkünden dann lauthals, kein Problem mit dem Pflichtzölibat zu haben. Das stimmt irgendwie auch, selbst wenn es nicht der kirchlichen Vorstellung entspricht.  – Ein wieder anderes Verhalten finden wir oft bei sehr frommen polnischen Priestern. Bei ihnen geht es vor allem um Beziehungen, die parallel oder kurz hintereinander stattfinden, sozusagen von einer Frau zur anderen, vorzugsweise verheirateten. Sobald es verbindlich wird, setzt sich der Mann ab. Die Erfahrung zeigt: Je frömmer der Priester, desto mehr Frauen, gleichzeitig, hintereinander, manchmal überschneidend. – Haben ausländische Priester mehr Probleme mit dem Pflichtzölibat? Wahrscheinlich nicht, denn es kommen eher jüngere Männer in die Schweiz. Bei ebenso vielen einheimischen jungen Priestern ergäbe sich vermutlich eine ähnlich hohe Zahl, die den Pflichtzölibat nicht so leben, wie die Amtskirche dies will. Aber die Begleitung kulturell gemischter Paare ist aufwendiger, vielschichtiger, komplizierter.

Englisch Andreas, Franziskus, 2015, S. 117
Der Zölibat

(…) Von Anfang hatte die katholische Kirche eigentlich kein Problem mit dem Sex, solange Frauen und Männer zusammen ins Bett gehen. Das berühmteste Beispiel ist Petrus: Der Mann, auf den sich alle Päpste als dessen Nachfolger beziehen, war nämlich selbstverständlich verheiratet. Daran gibt es nicht den geringsten Zweifel, denn Jesus heilte seine Schwiegermutter. Im Matthäusevangelium 8, 14 heisst es: „Jesus ging in das Haus des Petrus und sah, dass dessen Schwiegermutter im Bett lag und Fieber hatte. Da berührte er ihre Hand, und das Fieber wich von ihr.“ – Die ersten Päpste waren sicher auch verheiratet. Das Gelübde der Ehelosigkeit von Priestern wird erst nach 1000 Jahren Christentum verbindlich. Im Jahr 1022 ordnete Papst Benedikt VIII. zusammen mit dem Kaiser an, dass Geistliche nicht mehr heiraten dürften. Im Wesentlichen geht es um Materielles: Geld, Sachwerte, Immobilien. Auf dem Sterbebett entscheidet sich immer wieder mancher Gläubiger, dass es nicht schaden kann, Gott mit einem konkreten Geschenk an seine Kirche milde zu stimmen, bevor man ins Jenseits gelangt. Also überlässt er Haus und Hof oder auch nur ein Schwein oder einen Acker dem Pfarrer, damit der eifrig für ihn bete. Der Kirchenmann wiederum verteilt seinen Besitz auf seine zahlreichen Kinderschar. Das passt natürlich Mutter Kirche nicht, und die kommt auf eine simple und radikale Idee: Wenn man den Pfarrern den Sex verbietet, dann können sie keine Kinder mehr zeugen, die den Besitz der Kirche verprassen. Sofern das klappt, bleibt der Kirche dann eine Menge Geld und Sachwerte. Das Keuschheitsgelübde zahlt sich also aus – so einfach war das.

Kath. Wochenzeitung 9/2017 März, S. 12
Zölibat ist „radikaler Gegenentwurf“

Kommentar in „Augsburger Allgemeinen“: „Wenn ein Priester nur so etwas sein soll wie ein Dienstleiter, der Familienfeiern ausrichtet und auch mal ein bisschen Lebensberatung im Angebot hat … dann braucht es in der Tat keinen Zölibat.“
Dann wird die Berufung zum Beruf und das geistliche Leben zum Job. Dies stellt Markus Günther, der Chefredaktor der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“, im Kommentar: Warum der Zölibat so wichtig ist“ fest. Damit liesse sich zwar immer noch Grosses leisten, aber es werde dann „die ganzheitliche Glaubensexistenz, die vollständige Hingabe an Gott und die Menschen, das geistliche Leben als Ermutigung für alle“ nicht mehr geben. (…)

Kirche heute 39/2018 September, S. 5
Es braucht die Abschaffung des Zölibats

Zu: „Die Wallfahrt sichern – und die Mönche entlasten“ (Projekt „Mariastein 2025“), in „Kirche heute“ 37/2018:
Wenn „Mönche entlastet“ werden, sollen – übrigens auch andere Pfarrherren – sowie vor allem für eine „Zukunft“ von Wallfahrtsort und Kloster braucht es die Abschaffung des Zölibats. Dieses ist doch – im rechtlichen Sinne – nichts anderes als ein so genannter Knebelvertrag. Im Arbeitsrecht würde ich es auch eine Kündigungssperre nennen und sogar eine lebenslängliche (!) bei einem Zölibat. Ich würde meinen, das heutige Kirchenrecht würde vor dem schweizerischen beziehungsweise weltlichen Gericht gar nicht stand halten. Kommt hinzu, dass das Zölibat auch frauendiskriminierend ist, da eine Frau sich nicht in einen Geistlichen verlieben darf, beziehungsweise sollte. Zudem, wenn ebenso Frauen zur Priesterin geweiht werden könnten, gäbe es möglicherweise keinen Pfarrermangel, und die klösterliche Zukunft wäre wohl gesichert.
André Müller, früherer Ministrantenchef, ehemaliger Kirchgemeinderat, Basel

Kath. Wochenzeitung Baden 38/2018 September, S. 9
Zölibat effizientester Weg, um die Säkularisierung (Verweltlichung) zu überwinden

Zölibat: Frage der evangelischen Radikalität – Eine dem Priestertum immanente /Notwendigkeit. Eine fulminante Stellungnahme des ehemaligen Präfekten der Kleruskongregation, Kardinal Piacenza von 2011.
(…) Der Zölibat als kostbares Geschenk Gottes an seine Kirche und als Zeichen des Reiches, das nicht von dieser Welt ist.
(…) Nicht von jenen einschüchtern lassen, die den Zölibat nicht verstehen und die die kirchliche Disziplin ändern möchten.
(…) Die Frage betrifft also die Qualität des Glaubens. Eine Gemeinschaft, die keine besondere Wertschätzung für den Zölibat hätte -, welche Erwartung des Reiches oder welche eucharistische Spannung können sie leben?
Wir dürfen uns also nicht von jenen bedingen oder einschüchtern lassen, die den Zölibat nicht verstehen, und die die kirchliche Disziplin ändern oder jedenfalls einen Spalt weit aufreissen möchten. Ganz im Gegenteil, wir müssen das begründete Bewusstsein wiedergewinnen, dass unser Zölibat die Mentalität der Welt herausfordert, indem er deren Säkularität und deren Agnostizismus (Fragen nach dem Sinn des Lebens seien nach Gott unlösbar) in Krise bringt und indem er durch die Jahrhunderte immer neu ruft, dass es Gott gibt und Er präsent ist.

Kirche heute 44/2108 November, S. 9
Augsburg: Zwei frühere evangelische Pfarrer empfingen Priesterweihe

Der Augsburger Bischof Zdarsa weihte am 28.10.2018 in der Rektoratskirche „St. Sebastian“ zwei Diakone zu Priestern. Beide früheren Pfarrer sind verheiratet und haben Dispens des Papstes vom Zölibat erhalten.
Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa hat am Sonntag, 28.10.2018, zwei Diakone zu Priestern geweiht. In einem feierlichen Pontifikalgottesdienst (von einem Bischof oder Prälaten [Monsignore] gehaltene feierliche Messe) um 14.30 Uhr in der Rektoratskirche „St. Sebastian“ in Augsburg haben Diakon André Schneider und Diakon Andreas Theurer das Sakrament der Priesterweihe empfangen:
André Schneider (44), verheiratet, vier Kinder. Heimat-Pfarrei: Dompfarrei „Zum Heiligen Herzen Jesu“, Augsburg. Ab November 2018: Kaplan in der Pfarreigemeinschaft „Heilig Geist“/“Zwölf Apostel“ in Augsburg-Hochzoll
Andreas Theurer (51), verheiratet, zwei erwachsene Söhne. Heimat-Pfarrei: „St. Gabriel“, Deuringen. Ab November 2018: Kaplan in der Pfarreiengemeinschaft Göggingen-Inningen und – wie bisher – als Referent im Institut für Neuevangelisierung tätig.   →Priester

Kath. Wochenzeitung Baden 45/2018 November, S. 6, Claudia Sperlich
Was am Katholizismus so klasse ist: Der Zölibat!

„Ich lebe aufgrund eines Gelübdes zölibatär. Ich bin glücklich. Dass einige Menschen mich für komplett verrückt halten, war schon vorher so. Zum Glück ist mir diese gelegentlich geäusserte Meinung nicht mehr besonders wichtig.“
Ich wünschte mir aber, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau aber, und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt,; sie will ihrem Mann gefallen. Die sage ich zu eurem Nutzen: nicht um euch eine Fessel anzulegen, vielmehr, damit ihr euch in echter Weise und ungestört immer an den Herrn haltet (1Kor 7,32-35).
Paulus ist nicht „ehefeindlich“: er sagt ja im gleichen Kapitel, dass die Ehe grundsätzlich gut, ja eine Gnadengabe (ebenso wie der Zölibat) ist. Er ist auch nicht „leibfeindlich“: er  sagt ja, dass die Eheleute einer über den Leib des anderen „verfügen“, dass sie sich einander nicht entziehen sollen. Er sieht nur sehr klar, dass ein Mensch in einer Partnerschaft den Kopf nicht in dem gleichen Masse frei für Gott hat wie ein zölibatär lebender.
Zölibat: immer um Gottes willen! Bei jeder Form christlichen zölibatären Lebens geht es immer um den Einen: Zölibat um Gottes willen! Zölibatär Lebende verachten Ehe und Sexualität nicht, sondern sie verzichten aus Liebe zu Gott auf Partnerschaft und Sexualität, um dem Herrn zu dienen. (…)
Der priesterliche Zölibat im Vierten Jahrhundert eingeführt. Der priesterliche Zölibat – also das, woran alle zuerst denken, wenn sie „Zölibat“ hören – wurde im Vierten Jahrhundert eingeführt, im Siebten Jahrhundert teilweise aufgeweicht und erst im Hochmittelalter verpflichtend. Erfunden hat das Hochmittelalter ihn nicht, es gab ihn ja längst. (…)

Kath. Wochenzeitung Baden 46/2018 November, S. 4, Stefan Fleischer
Der „Pflichtzölibat“ – Disziplin oder Überlieferung?

Wenn hier vom „Pflichtzölibat“ die Rede ist, so meint dies jenes Versprechen der Ehelosigkeit, das in der lateinischen Kirche die Priester bei ihrer Weihe ablegen. Der Begriff hat einen schlechten Beigeschmack von Zwang. Doch darauf können wir hier nicht eingehen.
Einfach vom Zölibat zu sprechen aber würde den Rahmen weit spannen, denn es gibt auch Zölibatsversprechen, welche nicht an die Priesterweihe gebunden sind, sondern zum Beispiel im Rahmen der Ordensgelübde, oder als ein freier persönlicher Entscheid einzelner abgelegt werden. Um jedoch vom Kleriker-Zölibat zu sprechen, müsste zuerst der Begriff „Kleriker“ genauer definiert werden.
Meist werden heute als „Geburtsstunde des Pflichtzölibats“ in der lateinischen Kirche die Beschlüsse des zweiten Laterankonzils von 1139 angegeben. Unbestritten ist aber, dass es bereits früher entsprechende Regelungen gab. Der früheste bekannte diesbezügliche schriftliche Beschluss ist Kanon 33 des Konzils (andere sprechen von einer Synode) von Elvira aus dem ersten Jahrzehnt des 4. Jahrhunderts (300-310), welche ein vollkommenes Verbot des ehelichen Verkehrs für Bischöfe, Priester und Diakone, das heisst für alle Kleriker, welcher im Altardienst stehen, enthält.
Ein solcher Beschluss ist dann auch in den „Codes Canonum Ecclesiae Africanae“ enthalten, welcher von den Afrikanischen Konzilien Ende des 4. Jahrhunderts (390-399) herausgegeben wurde. Eine frühere päpstliche Bestätigung findet sich in einem Schreiben aus dem Jahr 395 von Papst Sisicius an Bischof Himerius von Tarragona.
Trotz dieser und vieler anderen Erwähnungen durch alle Jahrhunderte halten viele Kirchenrechtler daran fest, dass diese disziplinarischen Vorschriften erst im Mittelalter definitiv und allgemein verbindlich erklärt worden seien. Alles andere seien rein regionale Vorschriften und/oder mehr oder weniger unverbindliche Empfehlungen gewesen. Andere jedoch sprechen davon, dieser Zölibat sei bereits lange vor dem Konzil von Elvira Allgemeingut der Kirche gewesen. Aus den Verhandlungen zu den „Codes Canonum Ecclesiae Africanae“ ist die Aussage des Bischofs Genetius überliefert, welcher sein Votum abschloss mit den Worten: „… damit so, was die Apostel gelehrt haben und was ein alter Brauch bewahrt hat, auch wir behüten.“ Das weise auf eine Überlieferung aus apostolischer Zeit hin.
Dieser Streit kann hier nicht entscheiden werden. Doch fällt dem aufmerksamen Beobachter auf, dass es sich dabei im Grunde genommen um einen Streit darüber handelt, ob dieser „Pflichtzölibat“ nun einfach eine Vorschrift der Disziplin ist, oder ob sie zur apostolischen Überlieferung zählt und demzufolge nicht so leicht abgeändert oder gar aufgehoben werden kann. Dass die Zölibatsgegner die erste Variante vertreten, ist nur logisch. Dass aber auch überzeugte Zölibatsbefürworter dieser These anhaben, erscheint auf den ersten Blick komisch. Eine apostolische Überlieferung würde doch den Wert und damit die Berechtigung dieser Verpflichtung bedeutend erhöhen. Doch was die beiden Thesen unterscheidet, ist die Begründung für diese Verpflichtung. Wir haben gesehen, dass für die frühe Kirche der „Dienst am Altar“ das entscheidende Kriterium war. Davon wird heute nicht mehr gesprochen, sondern nur noch vom „Vorbild Jesu“ und vom „hohen Zeugnischarakter einer solchen Lebensweise“ und so weiter.
Hier müssen wir nun doch noch auf die Lösung der Ostkirche zu sprechen kommen. Es steht uns nicht zu, diese zu beurteilen oder gar zu verurteilen. Tatsache aber ist, dass sie mit ihrem Entschluss von jenem Grundsatz einer allenfalls existierenden apostolischen Überlieferung abgewichen ist, welcher besagt, dass ALLE „Diener des Altares“ von einem solchen vollkommenen Verbot betroffen sind. Der Beschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils, den Ständigen Diakonen wieder einzuführen und diesen dann von der Zölibatspflicht zu befreien, stellt nun genau einen solchen Bruch mit dieser Überlieferung dar. Deshalb tritt nun  auch bei den Befürwortern des „Pflichtzölibats“ die Überlieferung in den Hintergrund  zu Gunsten einer Bewertung dieser Vorschriften als disziplinarische Regel. Dass man mit einer solchen Sichtweise auch in der Frage der „viri probati“ („bewährte Männer“) ein Hindernis aus dem Weg räumt, könnte dabei auch eine Rolle spielen.
Aus diesen Überlegungen geht hervor, dass die ganze Zölibatsdiskussion heute irgendwie am eigentlichen Streitpunkt vorbeiredet. Die Frage ist doch, ob der Zölibat integrierender Bestandteil der Berufung zum „Gebet und zum Dienst am Wort“ ist oder nicht – zur Feier der Liturgie und zu Verkündigung würde man heute sagen – wie Petrus die Aufgabe des Apostelamtes definiert (vgl. Apg 6,4).

Kath. Wochenzeitung Baden 11/2019 März, S. 4
Warum der Zölibat wichtig bleibt

Die weltliche Sexualmoral ändert sich mit jeder Generation, konstant bleibt die Kritik an der katholischen Kirche, schreibt Ross Douthat für die „New Times“.
Der Zölibat ist keine Garantie für enthaltsam lebende Priester, aber er bewahrt den Ruf Gottes, auch wenn das System korrumpiert (verdorben) ist. Geht dieser Ruf verloren, kann es leicht passieren, dass nur die Korruption übrig bleibt. Zu diesem Schluss kommt der Journalist Ross Douthat in einem Kommentar über die Angriffe auf den Priesterzölibat der katholischen Kirche.
Die antikatholische Rhetorik, aus protestantischer oder säkularer (weltlicher) Quelle, habe die katholische Kirche stets als Gegnerin einer „gesunden Sexualität“ darzustellen versucht. Die jeweils herrschende sexuelle Kultur ändere sich, die Ablehnung der katholischen Sexualmoral bleibe“ eine grosse, patriarchalische (altväterliche, ehrwürdige) Familie verstanden. Gegner der katholischen Kirche hätten sich auf die Nonnen eingeschossen, die sich der Ehe und eigenen Kindern verweigert hätten.
Etwas später, in der Viktorianischen Epoche, sei die katholische Kirche mit ihrem Weihrauch und Goldverzierungen den Calvinisten zu einladend für Homosexuelle erschienen. Als im 20. Jahrhundert die Kernfamilie mit zwei Kindern das neue Ideal war und die Überbevölkerung als grosse Gefahr gesehen wurde, warfen die Gegner der katholischen Kirche vor, zu sehr auf Fortpflanzung fixiert zu sein.
Heute, in der Zeit des sexuellen Individualismus  wird der katholischen Kirche repressive (unterdrückende) Grausamkeit vorgeworfen, die den Menschen und insbesondere den Priestern die sexuelle Erfüllung verbietet, die angeblich jeder Mensch brauche.
In dieser Kirche schlage auch der französische Journalist Frédéric Martel in seinem Buch „Sodoma – Enquète au coeur du Vatican“ (dt. „Sodom – Untersuchung im Herz des Vatikan“) vertritt er die These, dass die angeblich grosse Zahl homosexueller Geistlicher im Vatikan zeige, dass der Zölibat ein Fehler und ein Betrug sei, ebenso unnatürlich und schädlich, wie der frühere moralische Konsens die Homosexualität eingeschätzt habe.
Douthat  ist weit davon entfernt, jede Kritik an der katholischen Kirche von aussen abzulehnen. Ein Kritiker der Kirche könne Probleme manchmal leichter erkennen als ein Gläubiger, und wer Kritik ablehne, nur weil sie sich aus antikatholischen Stereotypen nähre, finde sich auf dem Weg wieder, der zu Verleugnung und Vertuschung klerikaler Missbrauchsfälle führe, schreibt er.
Gleichzeitig müsse die Tatsache, dass die „gesunde Sexualität“, die angeblich ausserhalb der Kirche zu finden sei, von jeder Generation neu definiert werden, und zu einer gesunden Skepsis gegenüber der Ansicht führen, alle Probleme der katholischen Kirche seien gelöst, wenn Rom die „unnatürlichen“ Vorschriften zu Zölibat und Enthaltsamkeit aufheben würde.
Skepsis sei insbesondere gegenüber der gegenwärtig herrschenden Sexualmoral angebracht. Sie stelle katholische Priester als unterdrückt und unglücklich dar, während sie gleichzeitig das gigantische soziale Experiment des Alterns ohne Familie hervorbringe. Sie lehne grosse Familien ab, sei aber nicht in der Lage, genügend Nachwuchs hervorzubringen, um die Bevölkerungszahl in der nächsten Generation zu erhalten.
Auf Basis dieser Alternative werde die katholische Kirche ständig aufgefordert, Praktiken aufzugeben, die in direkter Verbindung mit dem neuen Testament stehen. Dazu zähle auch der Zölibat, bezeugt durch das Leben Jesu, der harte Worte für jene übrig hatte, die aus der Familie einen Götzen machen wollen. Das scheine ein schlechter Handel zu sein, ganz unabhängig davon, wie viel in Rom geheuchelt werde, schreibt Douthat.

Kirche heute 13/2019 März, S. 2
5’000 Unterschriften gegen Pflichtzölibat

Florentina Camartin aus Brigels GR/CH will den Papst darum bitten, den Pflichtzölibat abzuschaffen. Bis am 14.03.2019 kamen 5’252 Unterschriften für ihre Petition zusammen. Auslöser war der Rücktritt des Pfarrers von Brigels, der zugab, dass er sich in eine Frau verliebt hatte, und in der Folge sein Amt aufgeben musste. Laut Camartin hätten viele Menschen im Dorf kein Problem damit gehabt, wenn der Priester die Beziehung öffentlich gelebt hätte. „Es ist wichtig, dass die Verantwortlichen in der Leitung der Kirche wissen, was viele Gläubige bezüglich Pflicht zum Zölibat denken“, sagte Camartin.

Kath. Wochenzeitung Baden 14/2019 April, S. 4
Aachener Bischof: „Wir haben einen Gläubigenmangel“

Helmut Dieser stellte sich ausdrücklich hinter den Zölibat: Dies sei „keine Erfindung von verklemmten alten Männern“, sondern eine Ursprungsform der Nachfolge Jesu.
Der Aachener Bischof Helmut Dieser hat in einem Interview mit „Rheinische Post“ eingeräumt, dass die Stimmung innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland sehr polarisiert ist. „Wir haben unterschiedliche und starke Meinungslager, die kaum noch eine Brücke zueinander finden. Wir müssen uns darum die Mühe machen, miteinander so zu reden, dass die verschiedenen Meinungen wirklich einander begegnen können“. Dieser verteidigte auch den Zölibat. Die sei „keine Erfindung von verklemmten alten Männern“, sondern „eine Lebensform, die damals im Christentum schon revolutionär war, dass man für die Sache Jesu alles aufgibt, selbst die eigene Familienplanung“. „Das ist eine Ursprungsform der Nachfolger Jesu.“ Der Bischof betonte, dass man derzeit vor allem einen Gläubigenmangel habe.

Kirche heute 22/2019 Mai, S. 5, Detlef Kissmer
Vorbild für den Zölibat der Priester war das Mönchtum

Der Kirchenhistoriker Markus Ries (Universität Luzern) erklärt die Herkunft der Zölibatsverpflichtung. Ob es um das Priesteramt geht, um die Personalsituation in der Kirche oder um die Vermeidung von sexuellen Missbrauch: Schnell ist die Diskussion beim Thema Zölibat. Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Luzern, gibt einen Überblick zur Entstehung dieser Lebensform des Klerus von der Antike bis heute.

Ab wann ist der Zölibat für Priester in der römisch-katholischen Kirche verpflichtend?
Prof. Markus Ries: Es war ein Prozess, der sich über mehrere Jahrhunderte erstreckte. Als Stichdatum wird immer das Zweite Laterankonzil (1139) genannt, weil dort die bis heute geltenden Vorschriften allgemeine erlassen wurden. Man darf den Fokus aber nicht so sehr auf dieses Datum legen, weil man damit die aktuelle Kirchenstruktur in die Vergangenheit zurückprojiziert. Den die absolute Gesetzgebungsfunktion des Bischofs von Rom hat sich erst danach so richtig etabliert. Die Wurzeln des Zölibats lassen sich hingegen bis in die Antike zurückverfolgen. Es ist ein Prozess, der sich in mehreren Stufen entwickelt hat.

Welche Stufen sind das?
Die erste Stufe zeigt sich in der Geringschätzung der zweiten Ehe. Im Timotheusbrief heisst es: „Der Bischof soll der Mann einer einzigen Frau“ (Tim 1,2), das heisst kein wiederverheirateter Witwer sein. Diese Absicht wurde im christlichen Milieu schon sehr früh vertreten.
In der zweiten Stufe wurde auch der sexuelle Kontakt von Verheirateten geringgeschätzt. Man sah es lange Zeit als nicht ideal an, wenn ein Geistlicher Familienvater war oder nochmals Vater wurde. Die Ehe passte nicht zur Vorstellung vom geistlichen Amt. Das war noch kein Verbot, sondern eine Idealvorstellung — etwa so, wie wir es heut unpassend fänden, wenn eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger in einem übermotorisierten 200’000 Franken teuren SUV (Sport Utility Vehicle, z. B. eine Luxuslimousine) durch die Strassen fährt. Die Ablehnung hat sich verstärkt und wurde am Ende zur Vorschrift.

Wie kommt es zu einer solch ablehnenden Haltung gegenüber Sexualität und Ehe?
Der Umgang mit Sexualität und Ehe ist in allen Kulturen ein sensibles Thema. Es gab schon früh christliche Sekten, die die Ehe grundsätzlich verachteten. Für sie schlossen sich Taufe und Ehe aus. Diese Gruppen sind an den Rand gedrängt worden, haben aber doch auf den Mainstream des Christentums eingewirkt

Was führte schliesslich zur Zölibatsverpflichtung?
Nach der Teilung in eine Ost- und eine Westkirche Anfang des 2. Jahrtausends entwickelte sich in der westlich-lateinischen Tradition ein christliches Ideal, das sich am Mönchtum orientierte: Die höchste christliche Lebensform ist jene des alleinstehenden Beters ohne Besitz. Diese elitäre Idee wurde auf den Klerus übertragen. Das Ideal war so beeindruckend, dass man es zur generellen Vorschrift machte. Auch die Tonsur (Haupt kahl scheren) oder das regelmässige Psalmengebet, zu dem sich Geistliche bis heute verpflichten, stammen aus dem Mönchtum.

Oft wird der Zölibat auch mit einem praktischen Grund in Verbindung gebracht: Er sollte die Aufteilung des Kirchenbesitzes auf viele Erben vermeiden…
Dies ist eher ein verstärkendes Moment, aber nicht der eigentliche Grund für die Einführung des Priesterzölibats. Denn man hätte das Problem der Erbteilungen ja auch wie die weltlichen Herrscher lösen können, etwa durch Beschränkung auf die Erstgeborenen. Auf jeden Fall hat der Zölibat bei der Vergabe geistlicher Ämter Handlungsfreiheit verschafft, da er die Möglichkeit gab, jeweils den geeignetsten Nachfolger auszuwählen. Auf diese Weise war das kirchliche Stellenbesetzungssystem allem, was man im weltlichen Bereich kannte, weit überlegen.

Wie wurde die Zölibatsverpflichtung eingehalten?
Die Tatsache, dass die Verpflichtung zum Zölibat immer wieder – namentlich bei Kirchenreformen – eingeschärft wurde, verweist darauf, dass es häufig prekär war, dieses Ideal aufrecht zu erhalten und ihm Nachachtung zu verschaffen. Man entwickelte in den einzelnen Epochen unterschiedliche Umgangsweisen damit. Im späten Mittelalter war es mehr oder weniger akzeptiert, dass Geistliche mit einer Konkubine (Beischläferin) zusammenlebten. Es hing davon ab, wie die unmittelbare soziale Umgebung darauf reagierte. Zum Teil mussten die Geistlichen dafür eine Ersatzabgabe an den Bischof zahlen. Diese Regelung prangerten die Reformatoren als Doppelmoral an. Der Umgang mit dem Zölibat wurde je nach Bischof und dessen Einstellung dazu unterschiedlich gehandhabt.

Wurde der Pflichtzölibat irgendwann ernsthaft in Frage gestellt?
Ja, wiederholt. Die Reformatoren haben den Zölibat abgelehnt. In der Aufklärung kam die Ansicht auf, dass es hinsichtlich der natürlichen Veranlagung des Menschen unvernünftig sei, zölibatär zu leben. Im 19. Jahrhundert regte sich vor allem in Süddeutschland Widerstand, wo Geistliche Antizölibatsvereine gründeten.

Und wo stehen wir heute?
Heute finden wir eine zwiespältige Situation vor. Auf der einen Seite ist der Priesterzölibat glaubwürdiges Zeugnis: Der Verzicht auf Ehe und Familie macht sichtbar, dass jemand sich ganz auf das geistliche Leben ausrichtet und sich uneingeschränkt dem kommenden Reich Gottes und Jesus Christus zur Verfügung stellt. Auf der anderen Seite steht öffentliche Wahrnehmung: Weihe und damit Priesterzölibat sind auf Lebenszeit angelegt, was den Umgang mit Aussteigern immer noch sehr schwierig macht. Betroffene Frauen sind zurückgesetzt, zu Recht fordern sie Respekt und Fairness. Hinzu kommen Unverständnis und Geringschätzung gegenüber dieser Lebensform. Es ist eine sehr belastete Situation, aus der wir fast nicht herauskommen. Wer Reformen anstrebt, geht das Risiko ein, überzeugt Glaubende und Praktizierende zu verärgern und eine weitere Spaltung zu provoziere. Wer sich gegen Reformen stellt, fördert die Entfremdung zwischen kirchlichem Ideal und gelebter Realität. Dringend gefordert ist jetzt beherztes, intelligentes und inspirierendes Handeln!

Kath. Wochenzeitung 33/2019 August, S. 5
Kardinal Francis Arinze, Präfekt der Gottesdienstkongregation, über den Zölibat

Der Zölibat sei kein Dogma und auch nicht in allen Teilen der Kirche verpflichtend, sagte der Kardinal. Er sei aber eine Praxis, für die es sehr gute Gründe gebe. Christus, der heilige Paulus, der heilige Johannes seine grosse Vorbilder für Priester, ebenso der heilige Thomas von Aquin, Robert Bellarmin, Don Bosco oder der heilige Pfarrer von Ars. Sie alle hätten zölibatär gelebt. Den Zölibat wegen des Versagens einiger Priester abzuschaffen, wäre ebenso sinnvoll wie ein  Verbot von Autos, weil einige Fahrer Unfälle verursachen würden, fuhr er fort.
Der Zölibat werde in vielen Teilen der Welt geschätzt, auch in Ländern, in denen ein Mann zwei Frauen heiraten dürfe. Er verkörpert Opferbereitschaft und eine klare Ausrichtung auf Gott, betonte der Kardinal.

→Priesterkinder                Siehe auch unter „Englisch Andreas, Franziskus“
→Frauen

Zollamt des Vatikans

(ufficio merci, vatikanischer Bahnhof)

Obwohl der Vatikan keine Zollabgaben kennt, führt er ein Zollamt. Warum? Beispiel:
Ein Vatikaneinwohner/Vatikanbürger kauft sich in der Stadt Rom ein Fernsehgerät. Damit er/sie die italienische 20 % Mehrwertsteuer nicht bezahlen muss, holt sich der Käufer/die Käuferin im vatikanischen Zollamt den Stempel, um dann beim Verkäufer in der Stadt oder sonst wo ausserhalb des Vatikans die Mehrwertsteuer zu umgehen.

Zuaven

http://de.wikipedia.org/wiki/Zuaven

  Zuaven-Offizier des Kirchenstaates (rechte Figur um 1847)

Zuaven nannten sich die Angehörigen historischer Infanterieeinheiten. Der Name geht auf den kabylischen Stamm der Zuauas im Distrikt Zuaua (Zuavia) in der algerischen Provinz Constantine zurück, die bereits zu Zeiten des Osmanischen Reiches (ab 1288) Söldnertruppen stellten, die für ihre Tapferkeit berühmt wurden.

Zu Beginn der Eroberung Algeriens stellte Frankreich am 1. Oktober 1830 ein Corps des Zouaves auf, das unter dem Befehl des Generals Clauzel stand. Der Begriff Zuave wurde bald allgemein für in Nordafrika rekrutierte Söldner gebraucht. Die Zuaven trugen auffällige, an türkisch-orientalische Trachten angelehnte Uniformen.

Im Krimkrieg (1854/55)  zeichneten sich Zuavenregimenter mehrfach aus (unter anderem bei den Schlachten von Alma, Inkerman und Malakoff) und begründeten den legendären Ruf dieser Einheiten. Dies veranlasste zeitweise auch andere Länder, wie die Päpstlichen Staaten, Zuaveneinheiten aufzustellen, die allerdings nicht aus den Nordafrikanern bestanden, sondern lediglich die bunten Trachten der französischen Vorbildern übernahmen.

Die Zuaven entwickelten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einer regulären Infanterietruppe der französischen Armee mit Elitecharakter. Zu den Zuaven-Regimentern wurde ein Grossteil der wehrpflichtigen europäischen Einwohner Französisch-Nordafrikas eingezogen, aber auch Franzosen aus dem Mutterland. Infolge der algerischen Unabhängigkeit löste man die letzten Zuaven-Einheiten 1963 auf.

Zwangs-Heirat

→Heirat