S

Sampietrini

Angestellte der Fàbbrica di San Pietro. Stellen sind (noch) erblich. →Floreria

San Apollinare

(→Adressen San Apollinare)

San Calisto

(→Adressen San Calisto)

San Giovanni in Laterano, Rom 

(→Adressen San Giovanni in Laterano)
Piazza di S. Giovanni in Laterano, 4

Santa Marta, Casa, im Vatikan

Siehe unter „Marta, Santa, im Vatikan“

San Paolo fuori le mura, Rom

(Glockenturm)
Don Antonio Tedesco, Ein Spaziergang durch den Vatikan, 2007, edition KAPPA:

Der Obelisk auf dem Petersplatz wurde von Ägypten (Heliopolis) mit einem extra gebauten Riesenschiff  (das grösste vermutlich der Antike) nach Ostia gebracht. Der 25 m lange und riesenschwere Obelisk wurde, damit er auf dem Transport nicht brach (grosser Wellengang) in Linsen gebettet. In Ostia blieb das grosse Transportschiff, zuerst Museumsstück, dann wurde es später an Ort und Stelle versenkt. Genau dort errichteten die Römer einen Leuchtturm. Der war so schön, dass man dem Glockenturm von S. Paolo fuori le mura das Aussehen nach diesem Leuchtturm gab.
→ Obelisk auf dem Petersplatz

San Pellegrino, Vatikanstaat

→Pellegrino, San

Scavi  („Grotten“ des Vatikans)

Necropoli Vaticana (unterirdischer Friedhof, Katakombe)
Öffnungszeiten: 9 – 12; 14 – 17 Uhr, Tel. 06 698 853 18, 713 30
Telefax 06 698 855 18, einstündige Führungen in verschiedenen Sprachen. Mit Petrusgrab.

Sediari

Pfarreien des Vatikans

Segen, Apostolischer

Jürgen Erbacher, Der Vatikan, Das Lexikon, S. 39
Der Apostolische Segen oder auch Päpstliche Segen erteilt der Papst in feierlicher Form „Urbi et orbi“ (der Stadt und dem Erdkre3is) oder in einfacher Form bei Audienzen. Er ist mit einem Ablass verbunden. Diözesanbischöfe und andere Vorsteher von Teilkirchen können ihn gemäss dem Euchiridion indulgentiarum (Gesamtverzeichnis aller gültigen Ablässe) dreimal im Jahr erteilen. Priester dürfen ihn nur Sterbenden spenden. Der Apostolische Segen und der damit verbundene Ablass können bei entsprechender Disposition des Empfangenen seit 1967 auch über das Radio und seit 1985 auch über das Fernsehen empfangen werden. Erstmals wurde von Papst Bonifaz VIII. (1294 – 1303) zum Heiligen Jahr 1300 ein Päpstlicher Segen gespendet. Clemens VII. (1523 – 1534) verband ihn erstmals mit einem Ablass.

Segen, Papst-  (Bestellungen)

→Almosenamt

Seilschaften

Siehe unter „Korruption“

Seligsprechung von Johannes Paul II.

am 1. Mai 2011
Kommentar von Roman Arens, Rom, im internationalen Teil der Basler Zeitung vom 2. Mai 2011:

Schwankendes Schiff auf altem Kurs
Wem und wann die katholische Kirche jemanden selig oder heilig spricht, ist ihre interne Sache. Sie muss allerdings auch gewärtigen, dass von solchen Promotionen Signale nach aussen ausgehen und dass davon ihr ohnehin angeschlagenes Ansehen tangiert wird. Das Zeichen, das die Seligsprechung des polnischen Papstes gibt, ist eindeutig: nahtlose Kontinuität und keine Experimente. Karol Wojtylas Appell, „habt keine Angst“, missachtet die Kirche unter Joseph Ratzinger selber am meisten.

Bis ins Mark getroffen durch den Pädophilieskandal (Papst selbst sagt: unermessliches Ausmass) und gebeutelt durch die Säkularisierung der Gesellschaft und durch Relativierung in Glaubens- und Lebensfragen, reagiert sie verschreckt und regressiv (rückschrittlich) in ihrer Krise. Sie hat den Mut verloren, den ihr das reformfreudige Zweite Vatikanische Konzil zur Hand gegeben hatte. Sie hat auch ihr weltpolitisches Profil verspielt, das der politische Papst aus Polen geschärft hatte.

Medienpapst Johannes Paul II. wusste sich, seine Botschaften und sein Leiden an den Folgen eines Attentats perfekt zu vermarkten – bis weit über seinen Tod hinaus. Die Kritik an seiner teils autoritären, teils lässig-desinteressierten Kirchenführung, an seinem Personalentscheidungen (nicht nur in Chur), an seiner Abneigung gegen Reformkräfte und an der Vertuschung der Skandale in der Priesterschaft – all dies hat seiner volkstümlichen Verehrung keinen Abbruch getan. „Papa Wojtyla“ ist in der kollektiven Erinnerung als der Papst des Friedens, der sozialen Gerechtigkeit und des interreligiösen Dialogs haften geblieben.

Der rastlose Menschenfreund Johannes Paul II. konnte die Krise seiner Kirche überdecken. Nicht so Benedikt XVI., der distanzierte Theologieprofessor auf dem Stuhl Petri. Er versucht nun in einer schwierigen Situation, das schwankende Schiff der Kirche auf altem Kurs zu halten. Da kam die prächtige Inszenierung der gestrigen Seligsprechung gerade recht. korrespondenten@baz.ch

Relativierung = in eine Beziehung bringen
22. Oktober, Gedenktag für den Seligen Johannes Paul II. Es war der Tag im Jahre 1978, als er das Hirtenamt übernahm. Dieser Tag gilt nur für das Bistum Rom und die Bistümer in Polen.

NB   Ein Seligsprechungsprozess kostet mehrere 100’000.00 Euro (HK)
→Päpste, Johannes Paul II., separates Register
Heilig- und Seligsprechungen

Servizio fotografico (Fotodienst des Vatikans, Bestellungen)

→Fotodienst

Sexualität

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 197:

Eine der Wahrheiten über den Vatikan geht so: Innerhalb der Kurie verlaufen die entscheidenden Grenzen nicht zwischen Konservativen und weniger Konservativen. Auch nicht zwischen Staats-Sekretariat und päpstlichen Büros, geschweige denn zwischen Opus Dei und Jesuitenorden. Die entscheidende Trennungslinie ist die zwischen Gay und Hetero. Das ist bisweilen zu spüren, wenn eine Personalentscheidung des Papstes ungewohnt gallig kommentiert wird oder wenn wieder ein Geistlicher aus dem Gebüsch im Park der Villa Borghese gezogen wird, wie vor gar nicht langer Zeit (2007) bei einer Polizeikontrolle am Transvestitenstrich. Der Betroffene sass übrigens am nächsten Morgen wieder an seinem Schreibtisch, als wäre nichts gewesen. Was zu der ersten Einsicht führt: Für alles, was extra muros (ausserhalb der Mauern) passiert, gelten andere Gesetze als innerhalb der Mauern. Draussen wird ziemlich viel verziehen.

Es gibt durchaus einen Monsignore im engeren Umfeld des Papstes, der mit einem jungen Priester zusammenlebt, den er selbst zur Berufung gebracht hat. Darauf angesprochen, wird nur gesagt: Ich fördere ihn, und keiner stellt weitere Fragen.

Problematischer war schon der Fall eines Bischofs, der dafür bekannt war, den Schweizergardisten nachzustellen. Doch auch seine Karriere schadete das keineswegs, und so lebt er inzwischen als hoher Kirchenfürst in den USA. Man muss ja nicht immer mit dem Römerbrief unterm Arm herumlaufen: „Ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung.“ (Röm I,27).

Unvergessen hinter den Mauern ist auch der tiefe Fall jenes Bischofs, der vor einigen Jahren tot aus einem Schwulenrestaurant in der Via della Madonna del Riposo getragen wurde. Der Name des Lokals: „Zu den zwei Päpsten“.

„Du darfst dich einmal mit einer Nutte erwischen lassen, beim zweiten Mal fliegst du.“ So formulierte ein französischer Kurienfunktionär die Regel. Er war gerade zuvor aufgefallen, als eine in Leder bekleidete Dame namens Cynthia ihn im Borgo mit Küssen begrüsste. „Zumindest wissen jetzt alle, dass ich hetero bin“, sagte er einem Freund.

Apropos l’amour. Im Mai 1974 fand man ein eminentes Mitglied des Kardinalskollegiums, den Jesuiten Jean Daniélou, tot in einer Pariser Wohnung auf. Der 69-jährige Kardinal war als konservativ bekannt und hatte diverse Traktate zur Sexualmoral verfasst, die Wohnung gehörte der 24jährigen Mademoiselle Mimi Santoni, einer eminenten Nachtclub-Stripperin. Zunächst hatte die Kurie verbreiten lassen,  Daniélou sei beim Besuch von Freunden plötzlich verstorben. Dann hiess es, er habe Mimi nur die Beichte abnehmen wollen. Ungeklärt blieb, weshalb er grössere Summen Geldes bei sich hatte.

„Ich bin immer wieder überrascht, wie viel man sich moralisch leisten kann. Die sexuelle Tendenz ist sehr hoch. Unverzeihlich ist allein, wenn ein Fehlverhalten innerhalb der Mauern praktiziert wird“, sagt G. H., ein langjähriger Vatikanist.

Das war der Fehler jenes Prälaten, der im Oktober 2007 suspendiert wurde. Der 60-jährige Monsignore Tommaso St. war mit versteckter Kamera gefilmt worden, wie er mit einem 16jährigen Strichjungen über Sadomaso und die Frage sprach, ob es wirklich eine so schwere Sünde sei, wenn sie jetzt „Sache machten“. Als sich der Junge auf dem Sofa (im Vatikan) ausstrecken ließ, sagte Monsignore: „Du bist sehr süß“. – „Grazie“, sagte der Junge. „Du bist so süss“, präzisierte der Geistliche, der ein hohes Amt in der Kongregation für den Klerus innehat. „Danke, danke“, sagte der Junge, „aber du bist bei mir, um zu sündigen gegen Gott“. – „Ich empfinde es nicht als Sünde“, antwortete daraufhin der Prälat, um wenig später das Treffen abzubrechen: „Wir machen nicht, weil ich sehe, dass du voreingenommen bist. Ich bringe dich zum Aufzug. Wenn jemand dich anhält, sagst du nichts zu niemandem, okay? Ruf mich an, wenn du willst. Was bist du für ein guter Junge!“ Ganz so gut auch wieder nicht, denn der 16-Jähige war im Auftrag des unabhängigen TV-Senders „La 7“ unterwegs und mit Mikro und Kleinstkamera ausgestattet. Nachdem die Sendung „Exit“ am 01.10.2007 ausgestrahlt wurde, war der Geistliche vom Dienst suspendiert worden. – Der Prälat hatte den Prostituierten über einen Chat-Room kennengelernt und sich per Handy verabredet, am Sonntag: „Dann werden wir uns vergnügen“, ist zu hören. Er holte den Jungen mit seinem Auto ab. Auf der Fahrt erzählt er, wie einfach es sei, in Rom homosexuelle Bekanntschaften zu machen, und wie hilfreich ein Priesterkragen dabei sei. Er selbst habe ein Jahr lang eine Affäre mit einem sizilianischen Jungen gehabt. Priesterfreunde von ihm hätten „Geschichten mit Jungs“. Dann fragte er den Jungen, ob er mit ihm Liebe machen wolle. Im Vatikan.
(Tommaso St. las jeden Morgen um 7 Uhr die Messe in St. Anna. Regelmässig die Mittagsmesse auf „Telepace“, dem grossen katholischen Fernsehsender, und war Kolumnist auf der sehr offiziösen Website „Petrus“ (www.petrus.it)

Aber all dies sind gewiss Ausnahmen. Der gemeine Bewohner des Vatikans lebt keusch und zölibatär.

bz BASEL vom 2. November 2015, S. 9
16- bis 18-Jährige gehen immer häufiger ins Puff

Immer öfter suchen 16- bis 18-Jährige Sex bei Prostituierten. Mehrere Genfer Bordelle berichten von mindestens 10 Kunden pro Woche – in der Ferienzeitz sind es noch mehr. Ein Sexualmedizinexperte der Genfer Universitätsspitäler bestätigt diesen Trend. Bei Wochenstatistiken machten minderjährige Kunden zwischen 16 und 18 Jahren bis zu einem Viertel der Kunden aus, berichtet ein Genfer Salonbetreiber der Zeitung „Le Matin Dimanche“. Spital-Arzt Francesco Bianchi-Demicelli erstaunt es nicht. Auch wenn es schwierig sei, dieses Phänomen quantitativ zu erfassen, sei ein Trend hin zu immer häufigeren Bordellbesuchen von Minderjährigen erkennbar. Ein Grund dafür sei die Sexualisierung der Gesellschaft, sagt Binachi-Demicelli der Westschweizer Zeitung. Die von Medien und Pornos vermittelten Inhalte seien oft total künstlich. Sie tragen dazu bei, dass junge Männer unrealistische Erwartungen und einen falschen Glauben an die Sexualität hätten. Die Folgen seien nicht unmittelbar spürbar, sagt Bianchi-Demicelli. In einer langen Beziehung, wenn Lustprobleme auftreten könnten, könnten diese überhöhten Vorstellungen von Sex aber zum Problem werden. (SDA)

→Homosexualität   →Eheannullierungen  →Päpste   →Skandale?
→Missbrauchsfälle →Papstkinder   →Vergewaltigungen

Sexualkunde-Unterricht

Kirche heute 12/2012 (März)

Eltern sollen bei Lehrern und Behörden intervenieren
Schweizer Bischöfe nehmen Stellung zum Sexualkunde-Unterricht in öffentlichen Schulen

Sexualkunde-Unterricht in der Schule sei ohne Zweifel nützlich und trage gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung, doch die Hauptverantwortung in diesem Bereich liege bei den Eltern. Das schreiben die Schweizer Bischöfe in einer Mitteilung vom 7. März 2012. Eltern sollten deshalb intervenieren, wenn sie mit der Sexualerziehung in der Schule nicht einverstanden sind (siehe Sexkoffer Basel-Stadt).

Im Dezember hatte der Churer Bischof Vitus Huonder den Sexualkunde-Unterricht in der Schweiz in einem Interview in der „NZZ am Sonntag“ scharf kritisiert und gefordert, dass Eltern ihr Kind für dieses Fach dispensieren lassen können. Der Sexualkunde-Unterricht dürfe nur dann in der Schule stattfinden, wenn er dem religiösen Glauben der Eltern als den Erziehungsberechtigten „nicht fundamental“ widerspreche.

„Der Unterricht über die menschliche Sexualität gehört zu den Aufgaben der Schule, sie soll darauf nicht verzichten“, hatte darauf der Basler Bischof Felix Gmür in einem Interview mit der „SonntagsZeitung“ gesagt. Die Eltern würden in der Erziehungsaufgabe von der Schule unterstützt und ergänzt.

Katholische Wochenzeitung Baden CH, 15/2015 April, S. 14
Sexualterror in der Schule

Die Trauma-Therapeutin Tabea Freitag berichtete in dem SWR-Interview vom 14.05.2014, wie sie in ihrer Tätigkeit Menschen begegnete, die im Schulunterricht „mit vielfältigen sexuellen Praktiken detailliert konfrontiert wurden“. Sie hätten „darauf sehr verstört, irritiert und schambesetzt reagiert.“ Betroffene würden denken, sie seien „nicht normal“ als vermeintlich einzige, die davon nicht wüssten. Es sei eine „Verletzung des Schamgefühls“, wenn „so explizit die verschiedensten Praktiken und Präferenzen (Vorzüge) sehr ausführlich vorgestellt würden“. „Im Grunde ist es eine sexuelle Belästigung für Schüler, denn kein Arbeitnehmer würde es dulden, in dieser Weise von seinem Chef und von Kollegen belästigt zu werden“. T. Freitag entlarvte treffend das „Ziel der dekonstruktivistischen Sexualpädagogik“: „Erklärtes Ziel ist die Auflösung der Geschlechterpolarität von Mann und Frau“, jeder solle „die Wahl haben, zu welchem Geschlecht er gehören will“. Das soll schon Grundschülern vermittelt werden, dass sie ihre eigene Identität in Frage stellen und reflektieren (zurückblenden), ob ihr Junge oder Mädchen-Sein nicht nur anerzogen wurde“. Das ist in einigen Stichworten Gender-Erziehung, die die Bischofskonferenz Polens in ihrem Hirtenbrief von 29.12.2013 kritisiert. (…)

Katholische Wochenzeitung Baden CH 19/2015, Mai, S. 4
Petition gegen den ideologischen Terror im Sexualunterricht Schweiz

Mit Ihrer Unterschrift können Sie jetzt mithelfen, unsere Kinder vor den zweifelhaften Thesen und Zielen ideologischer Sexualpädagogen zu schützen: https://www.openpetition.eu/ch/petition/online/schluss-mit-zweifenhafter-sexualpadagogik. Unterschreiben Sie jetzt. (…)

M-Magazin MM32 vom 08.08.2016, S. 41
MM31 Familie; Inkognito gebären, Leserbriefe

Es ist wichtig, dass jede Frau sicher verhüten kann. Daher sollte die Langzeitverhütung (Spirale, Implantat, Dreimonatsspritze) gratis sein. Zusätzlich sollte es auch Aufklärung für alle Frauen und Männer geben und in der Schule als Pflichtfach eingeführt werden.
A. St. via www.migrosmagazin.ch

Die Frage ist doch: Wieso braucht es heute Babyklappen? Vor 20 Jahren gabs in jedem Restaurant, in jeder Disco oder Bar einen Kondomautomaten. Während meiner Schulzeit hatten wir eine Stunde pro Woche Aufklärung inklusive Verhütung und einen Besuch bei der Gynäkologin. Dies im Berner Oberlande und nicht in einer Grossstadt. Keine meiner Mitschülerinnen wurde ungewollt schwanger  oder einer wurde ungewollt Vater. Einziger Vorteil heute: die Pille danach.
M. B. via www.migrosmagazin.ch

Unbedingt soll es die vertrauliche Geburt geben – oder noch besser: Die wirklich anonyme Geburt! Wenn eine Frau anonym bleiben will, ist die Hürde der vertraulichen Geburt immer noch zu hoch, und ihr bleibt „nur“ das Babyfenster.

Sexuallehre, christliche

Kath. Wochenzeitung Nr. 10 vom 9. März 2012:
Aufruf: Schweizer Bischöfe sollen christliche Sexuallehre verteidigen

HLI-Schweiz (Human Life Internationale) fordert die Bischöfe in einer Online-Petition auf, „mit einer Stimme“ gegen eine heimlich vorangetriebene unchristliche Sexualerziehung an Schulen aufzutreten. Gegen einen drohenden obligatorischen schulischen Sexualkundeunterricht auf Basis des Gender-Mainstreamings aufzutreten. HLI beklagt die uneinigen Stellungnahmen kirchlicher Gremien. Auch sollen Eltern ein Dispensationsrecht von der schulischen Sexualerziehung zugestanden werden.

Dieser Aufruf kann online unterzeichnet werden unter (bevorzugt durch Schweizer): http://www.human-life.ch/schulsexualerziehung-sprecht-mit-einer-Stimme.html

Sixtinischer Chor

(Cappella Musicale Pontificia „Sistina“)
Administration: Via del Monte della Farina 64 (S. Andrea della Valle, links hinten), Tel. 0039 06 880 83 46, Fax 0039 06 681 31 275, E-Mail: info@cappellamusicalepontificia.va

Die Cappella Sistina ist der Chor des Petersdomes. Er ist Teil aller Feiern wie Heilige Messe oder Vesper. Mit Bubenstimmen. Maestro Direttore ist zzt. ein Monsignore.

Zu den Chormeistern zählten bekannte Personen wie Giovanni Pierluigi da Palestrina und Domenico Scarlatti. Letzter Kastrat des Chores war Alessandro Moreschi (1858-1922)
→Internet, Tonbandaufnahme (Kastrat = in der Jugend entmannte Sänger mit knabenhafter Sopran-Alt-Lage; sie spielten in der Oper des 17. und 18. Jahrhunderts neben den Primadonnen eine beherrschende Rolle. Pius X. hat die Entmannung für den Kirchengesang verboten).

Vatikanistan, Alexander Smoltczyk:
Der Chor der Sixtinischen Kapelle geniesst ausserhalb der Mauern Weltruhm, innerhalb der Mauern ist er dagegen unter dem Signum ‚il getto vaticano’ bekannt, der vatikanische Kater. Zu einer Verstimmung zwischen Kurie und dem Sixtinischen Chor kam es 1970, als die Musiker drohten, statt der Vatikanhymne die Internationale zu spielen, um angemessene Gehälter durchzusetzen.

Der ehemalige, langjährige Direktor des Sixtinischen Chores, Msgr. Domenico Bartolucci mit buschigem Kopf, wurde im November 2010 zum Kardinal ernannt (ohne Bischofsweihe möglich, aber Diakon- und Priesterweihe als Voraussetzung. Wie bei der Papstwahl, wenn der Gewählte die Bischofsweihe noch nicht hat).

OR Nr. 43 vom 28.10.2011:
Der Chor der Sixtinischen Kapelle will sein musikalisches Repertoire auf zeitgenössische geistliche Kompositionen ausweiten. „Dieser Schritt ist notwendig, um zu verhindern, dass die päpstliche Musikkapelle zu einem Museumsstück wird“, sagte der Leiter des Chors, Don Massimo Palombella. Künftig seien auch die bedeutenden zeitgenössischen geistlichen Werke aus Grossbritannien, Frankreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten Bestandteil des Repertoires. Ein Notenbuch mit Werken von Gabriel Fauré (1845-1924), Maurice Duruflé (1902-1986), Charles Villiers Stanford (1852-1924) und Morten Lauridsen (geb. 1943) befindet sich nach Angaben des Chorleiters gegenwärtig in Vorbereitung.

OR Nr. 19 vom 11. Mai 2012, S. 2:
Päpstlicher Chor sang erstmals in England

Der Chor des Papstes sang erstmals auf englischem Boden. Am 6. Mai 2012 gab die „Cappella Musicale Pontificia Sistina“ ein Konzert in der Londoner Westminster Abtei. Der ungewöhnliche Gast-Auftritt war eine Frucht der Apostolischen Reise von Papst Benedikt XVI. nach Grossbritannien im September 2010. Zudem diente er nach Angaben des Chores der Vorbereitung eines ebenso prominenten Gegenbesuches: Zum katholischen Hochfest Peter und Paul Ende Juni ist der berühmte anglikanische „Westminster Abbey Chor“ zu einem gemeinsamen Konzert mit der „Sistina“ im Vatikan eingeladen. Das ökumenische Konzert im Vatikan soll weltweit übertragen werden. Nach Angaben des Chores ist es das erste Mal in seiner mehr als 500-jährigen Geschichte, dass das Ensemble gemeinsam mit einem anderen konzertiert.

OR Nr. 34 vom 23. August 2013, S. 6
Postkartenserie „500 Jahre Cappella Giulia“

Der Chor begeht in diesem Jahr sein 500. Gründungsjahr. Er ist nach dem Gründer Papst Julius II. benannt, der ihn am 19. Februar 1513 mit der Konstitution „In altissimo militantis Ecclesia“ offiziell einrichtete.

bz BASEL vom 30. September 2015, erster Teil
Chor veröffentlicht erste Studioaufnahme

Bislang ist die Sixtinische Kapelle in Rom vor allem für die Fresken Michelangelos bekannt. Nun gibt es aus dem 1483 geweihten heiligen Saal auch etwas fürs Ohr. Unter dem Titel „Cantate Domino“ erscheint erstmals eine Studioaufnahme (Produzent: Deutsche Grammaphon) des Chors der Sixtinischen Kapelle als CD. Leiter der „Cappella Sistina: Massimo Palombella. (SDA)

OR Nr. 19 vom 13.05.2016, S. 12
Vatikanischer Sixtina-Chor auf Konzertreise in Ostdeutschland

Der Päpstliche Chor der Sixtinischen Kapelle ist Mitte Mai 2016 auf einer Konzertreise durch Ostdeutschland. Den Auftakt macht am 17. Mai um 20.00 Uhr ein Geistliches Konzert in der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale unter Schirmherrschaft von Erzbischof Heiner Koch, wie die Erzdiözese Berlin bestätigte. Am 18. Mai um 20 Uhr folgt ein Konzert in der Wittenberger Kirche St. Marien, der Predigtkirche des Reformators Martin Luther (1483-1546). Schirmherr ist Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff. Am 19. Mai tritt der Sixtinische Chor nach Angaben des römischen Veranstalters „Fondazione Pro Musica e Arte Sacra“ auch in Dresden auf. Demnach gestaltet er ab 18 Uhr einen ökumenischen Gottesdienst in der Frauenkirche zusammen mit deren Chor. Der Diözesanadministrator von Dresden Meissen, Andreas Kutschke, und der evangelische Landesbischof Carsten Rentzing stehen der Feier gemeinsam vor.
Die Deutschlandtour setzt die unter Papst Benedikt XVI. begonnenen ökumenischen kirchenmusikalischen Initiativen fort. Der Chor gastierte in den vergangenen Jahren unter anderem bereits in London, Oxford und Moskau.

Jürgen Erbacher, Der Vatikan, das Lexikon, S. 87
Cappella Musicale Pontificia „Sistina“

Die Päpstliche Musikkapelle, ein reines Vokalensemble, kein Orchester, übernimmt in der Regel die musikalische Gestaltung der liturgischen Feiern des Papstes. Bereits in frühester Zeit  gab es am Hof des Papstes einen Chor zur Gestaltung der Liturgien. Diese Schola Cantorum bekam ihre erste feste Struktur als dauerhafte Einrichtung unter Papst Gregor I. (590-604). Er richtete bereits eine Musikschule für Knaben ein, die bei den Liturgien die Sänger unterstützen. Während der Zeit der Päpste im Exil in Avignon riss die Tradition der Cappella ab. Erste Anfänge gab es zwar nach der Rückkehr der Päpste nach Rom unter Papst Gregor XI. (1370-1378). Papst Sixtus IV. (1471-1484) führte schliesslich eine umfassende Reorganisation durch.
Der Sixtinische Chor wurde der persönliche Chor des Papstes. Von diesem Zeitpunkt an wird er Cappella Sistina genannt. Der Name verweist zum einen auf den Papst, der sie in der neuen Form ins Leben gerufen hat, zum anderen auf die Tatsache, dass nur dieser Chor in der Sixtinischen Kapelle singen durfte. Zu den bekannten Mitgliedern gehörten unter anderem im 16. Jahrhundert der Komponist Giovanni Pier Luigi da Palestrina sowie im 20. Jahrhundert Domenico Bartolucci.
Der Sixtinische Chor ist ein Männer- und Knabenchor. Er setzt sich zusammen aus 20 erwachsenen Sängern und rund 35 Knaben, den sogenannten „pueri cantores“. Die Knaben erhalten eine Gesangsausbildung in einem eigenen Kolleg. Dieses umfasst die letzten beiden Jahre der Elementarstufe sowie die Mittelschule des italienischen Schulsystems. Zusätzlich zu den normalen Unterrichtseinheiten erhalten die Knaben spezielle Kurse in Gesang und Musiklehre. Die Kandidaten werden jährlich unter den Schülern in Rom und den umliegenden Orten ausgewählt. Nach einem Vorbereitungsjahr dürfen sie als Pueri Cantores (Kindersänger) im Chor mitsingen.
Sitz des Chores ist in einem Gebäude nahe des Largo Argentina im historischen Zentrum Roms. Neben der Gestaltung der päpstlichen liturgischen Feiern begibt sich der Chor regelmässig auf Konzertreisen ins In- und Ausland. Der Chor ist der Präfektur des →Päpstlichen Hauses zugeordnet. Die musikalische Gestaltung der Zeremonien erfolgt in enger Abstimmung mit dem Päpstlichen Zeremonienmeister.

Kirche heute 8/9 2017, Februar, S. 2
Neues Online-Portal für Kirchenmusik

Das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) startet ein neues Online-Portal zur Kirchenmusik. Es solle über die aktuelle Situation des kirchenmusikalischen Lebens informieren, teilte der Deutsche Musikrat mit. Das MIZ ist eine Einrichtung des Musikrats. „Kirchenmusik ist nicht nur Teil der kirchlichen Verkündigung, sie prägt darüber hinaus unsere Bildungs- und Kulturlandschaft“, sagte der Präsident des Deutschen Musikrates, Martin Maria Krüger. Mit dem neuen Angebot will das MIZ die Musik und die Musikpraxis der grossen in Deutschland vertretenen Religionen in ihrer gesamten Bandbreite abbilden und ihre gesellschaftliche Bedeutung unterstreichen.

OR Nr. 10 vom 10.03.2017, S. 1
Papst will moderne Sakralmusik ohne Banalitäten (Alltäglichkeiten)

Papst Franziskus fordert eine modernere Sakralmusik. Diese müsse „vollständig in die künstlerischen und musikalischen Ausdrucksformen der Moderne eingebettet sein“, sagte er am 4. März 2017 im Vatikan. Kirchenmusiker müssten die Worte Gottes in Gesänge, Klänge und Harmonien übersetzen, die „die Herzen unserer Zeitgenossen zum Klingen bringen“, so Franziskus weiter. Das vielfältige Erbe der Vergangenheit sei ohne „nostalgische oder archäologische Vision“, zu pflegen. Zugleich beklagte der Papst, dass die Liturgie durch eine unbesonnene Modernisierung bisweilen banalisiert werde.
Franziskus äusserte sich vor Teilnehmern eines Kongresses des Päpstlichen Kulturrates über Sakralmusik. Anlass war die Veröffentlichung des Schreibens „Musicam sacram“ von Papst Paul VI. vor 50 Jahren, am 5. März 1967.
„Die Begegnung mit der Moderne und die Einführung der Alltagssprache in die Liturgie hat gewiss viele Probleme sprachlicher, formaler und musikalischer Art mit sich gebracht“, sagte Franziskus weiter. Bisweilen überwiege eine „gewisse Mittelmässigkeit, Oberflächlichkeit und Banalität“, die den Gottesdiensten ihre Schönheit und Eindringlichkeit raube. Gut ausgebildete Kirchenmusiker könnten einen bedeutenden Beitrag zur nötigen „Erneuerung der Sakralmusik, vor allem in qualitativer Hinsicht“ leisten.

OR Nr. 27 vom 07.07.2017, S. 9
Tölzer Knabenchor zu Gast im Vatikan

Der Tölzer Knabenchor hat für den Papst gesungen. Auf Deutsch erklang am 29. Juni 2017 auf dem Petersplatz zur Gabenbereitung der Schluss der Bach-Mottete „Singet dem Herrn ein neues Lied“ (BWV 225): „Lobet den Herrn in seinen Taten, lobet ihn in seiner grossen Herrlichkeit! Alles, was Odem hat, lobe den Herrn, Halleluja (Ps 150).
Gemeinsam mit dem Chor der Sixtinischen Kapelle gestalteten die jungen Sänger aus München nicht nur den Gottesdienst am Patronatsfest Peter und Paul, sondern gaben am Abend zuvor auch ein Konzert in der Sixtinischen Kapelle. Auf dem Programm standen Werke der protestantischen und katholischen Kirchenmusik. Der Gastauftritt des international bekannten Tölzer Knabenchors stand im Zeichen des ökumenischen Reformationsgedenkens. Der Chor der Sixtinischen Kapelle singt seit 2012 regelmässig mit nichtkatholischen Eesembles, darunter waren neben dem Thomanerchor aus Leipzig und dem Kammerchor der Dresdner Frauenkirche aus dem deutschen Sprachraum bereits der orthodoxe Chor des Moskauer Patriarchats sowie die Chöre der Kathedralen von Winchester und Canterbury. „Die Kunst ist ein privilegierter Weg des ökumenischen Dialogs, weil hier eine tiefe Einheit bewahrt worden ist, die auch heute fruchtbare Berührungspunkte findet“, so der Leiter des Chores der Sixtinischen Kapelle, Msgr. Massimo Palombella.

Sixtinische Kapelle

Vatikan - Stato della Città del Vaticano

Sixtinische Kapelle im Vatikan: Anblick von Westen

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Sixtinische Kapelle vom Dach des Petersdomes fotografiert:
Masse der Kapelle: 40 m lang, 13 m breit und 26 m hoch. 1484 eingeweiht.
Sie entspricht dem sagenhaften Tempel des Königs Salomon von Jerusalem.
115 überlebensgrosse Figuren an der Decke, 394 Figuren an der Altarwand.

Virtueller Besuch:
http://www.vatican.va/various/cappelle/sistina_vr/index.html

Kirche heute 45/2012, November, Johannes Schidelko/kipa:
Ein Highlight der Kirchen- und Kunstgeschichte

Vor 500 Jahren beendete Michelangelo die Arbeit an den Deckenfresken in der Sixtinischen Kapelle

Mehr als 5 Millionen Menschen (WA: 5 Mio. x € 12 = 60 Mio. € Bruttoeinnahmen) besuchen jährlich die Sixtinische Kapelle im Vatikan. Der Rummel lässt die religiöse Rolle des Sakralbautes als Wahlort der Päpste oft vergessen. Am 31. Oktober 2012 feiert die Sixtina ein Jubiläum. Vor 500 Jahren präsentierte Michelangelo die fertiggestellten Deckenfresken

Die am Vorabend von Allerheiligen 1512 enthüllten Deckengemälde stellen die Anfänge der Welt- und der Heilsgeschichte dar. Eingebettet in eine Scheinarchitektur und umgeben von Propheten und Sibyllen zeigen die Fresken in einem ersten Teil die Erschaffung der Welt, die Scheidung von Licht und Finsternis, die Erschaffung der Sterne und den Geist Gottes, der über den Wassern schwebt. In drei weiteren Bildern folgt die Schöpfung des Menschen mit der weltberühmten Darstellung der Erschaffung des Adams, der Eva und der Vertreibung aus dem Paradies. Dazu kommen Szenen aus dem Leben des Noahs, sein Opfer und die Sintflut.

Begonnen hatte das Projekt mit einer Intrige. Neider des Bildhauers Michelangelo Buonarroti, darunter sein Berufskollege Bramante, empfahlen ihn Papst Julius II della Rovere für die Neugestaltung der Kapellendecke. Sie erwarteten, dass Michelangelo, der als Maler kaum Erfahrungen hatte, sich gründlich blamieren würde. Michelangelo konnte sich dem Auftrag des Papstes nicht widersetzen – und erledigte ihn praktisch im Alleingang. Der Künstler schickte die aus Florenz hinzugezogenen Kollegen bald wieder nach Hause und liess sich nur von einem Farbenmischer unterstützen.

Michelangelo habe sich darüber beklagt, dass der Papst ihn zur Hast angetrieben habe, schrieb der Biograf Giorgio Versari (1511-74). Julius II habe sogar gedroht, ihn vom Gerüst zu werfen, wenn er nicht bald fertig werde. „Worauf denn Michelangelo unverzüglich das Fehlende vollendete, das restliche Gerüst wegnahm und am Morgen von Allerheiligen, als der Papst in der Kapelle die Messe las, sein Werk zur Befriedigung der ganzen Stadt aufdeckte.“

Als das Deckenfresko der Sixtina in den 1980er-Jahren gereinigt wurde, gab es viel Bewunderung und Beifall, aber auch Entsetzen und Kritik. Die zuvor düsteren Fresken waren auf einmal hell und bunt, zu grell und poppig, wie mancher meinte. Erst als auch die übrigen Teile der Kapelle, insbesondere das „Jüngste Gericht“, vom Schmutz und Kerzenruss der Jahrhunderte gesäubert wurden, relativierte sich das Bild. Denn auch in diesem Spätwerk Michelangelos strahlten nun das originale Ocker, Blau, Hellgrün und Gelb wieder auf, und es bot sich das Bild eines einheitlichen Kapellenensembles.

Verbessert werden soll im Jubiläumsjahr die Beleuchtung, verlautet aus dem Vatikan. Gedanken macht man sich über die Belastung durch die ständig steigenden Besucherzahlen. Gefahr droht vor allem von dem aufgewirbelten Staub und der Feuchtigkeit durch Schweiss und Ausdünstungen. Die Kapelle hat eine ausgefeilte Klima- und Luftfilteranlage, die allerdings auf 3 Millionen Besucher jährlich ausgelegt war.

Daten der Deckenfresken:
Grösse 520 m2, 343 Figuren, Beginn: 10. Mai 1508, Fertig erstellt am 31. Oktober 1512, Dauer der Malerei: 4 Jahre, 5½  Monate

OR Nr. 44 vom 2. November 2012, S. 3:
Am 31. Oktober 2012 hat die Sixtinische Kapelle, die mehr als 5 Millionen Menschen jährlich besuchen, ein Jubiläum begangen: Vor 500 Jahren stellte Michelangelo die Deckenfresken fertig und präsentierte sie seinem begeisterten Auftraggeber Papst Julius II. della Rovere (1503-13) und der Stadt Rom. Den Fresken, die die Anfänge der Welt und der Heilsgeschichte darstellen, fügte Michelangelo 25 Jahre später mit dem „Jüngsten Gericht“ ein zweites Meisterwerk hinzu. Weitere Fresken zeigen Szenen aus dem Leben des Noah, sein Opfer und die Sintflut.

OR Nr. 45 vom 9. November 2012, S. 8, Antonio Paolucci:
500 Jahre strahlendes Licht (WA: Auszüge)

Jedes Jahr betreten mindestens 10’000 Personen/Tag die Sixtinische Kapelle, mit Spitzen bis zu 20’000 in der touristischen Hochsaison (Tageseinnahmen zwischen Euro 120’000 bis 240’000). Die Sixtinische Kapelle ist die unwiderstehliche Attraktion, Wunschobjekt, unverzichtbares Ziel für die internationale Museumsbevölkerung, für die Nomaden des sogenannten Kulturtourismus.

Decke: mehr als 1’000 m2 Fresken, gemalt in übermenschlicher Anstrengung Jährlich 5 Millionen Besucher/innen.

OR Nr. 45 vom 9. November 2012, S. 1:
Die „Missa Anno Santo“ von Georg Ratzinger in der Sixtinischen Kapelle

Vatikanstadt. Der Päpstliche Chor der Sixtinischen Kapelle unter der Leitung von Don Massimo Palombella wird am 11. November – in privater Form in der Sixtinischen Kapelle – die „Missa Anno Santo“ aufführen, die vom Apostolischen Protonotar Georg Ratzinger komponiert wurde. Das gaben die Organisatoren des „Festival Internationale di Musica e Arte Sacra“, das vom 2. bis zum 13. November 2012 zum 11. Mal stattfindet, bekannt.

OR Nr. 21 vom 27.05.2016, S. 12
Schlechte Akustik

Die Sixtinische Kapelle stellt die Sänger nach Massimo Palombella, Leiter des ältesten Chores der Welt, die „Cappella Sistina“, vor Probleme. Insbesondere, wenn der Raum leer sei, gebe es einen sehr langen Nachhall. Bei CD-Aufnahmen seien deshalb Teppiche ausgelegt worden. „Das hat die Sache deutlich verbessert.“
Palombella trat mit Blick auf das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 am Mittwochabend, 18. Mai 2016, mit seinem Chor in der Wittenberger Marienkirche auf, in der Martin Luther die erste Messe in deutscher Sprache feierte. Am Donnerstag folgte ein Auftritt in der Dresdner Frauenkirche.
Der Chorleiter sieht darin auch einen Auftrag des Papstes im Sinne der Ökumene. „Der Papst ist überzeugt, dass wir mit unserer Musik eine Atmosphäre der Einheit schaffen können zwischen Katholiken, Anglikanern, Orthodoxen und Protestanten“, sagte er.

Sistina Foto Stefan Meier k

Die Päpstliche Schweizergarde in der Sixtinischen Kapelle, vor dem Jüngsten Gericht von Michelangelo

OR Nr. 43 vom 24.10.21014, S. 2
Sixtinische Kapelle mit neuer Beleuchtung und Belüftung

Die Sixtinische Kapelle im Vatikan erhält zum Monatsende Oktober 2014 ein neues Belüftungs- und Beleuchtungssystem. Die bisherige Anlage sei nicht auf die Zahl von inzwischen fast 6 Millionen Besuchern pro Jahr angelegt, betonte der Generaldirektor des Vatikanischen Museen, Antonio Paoluccci, am Donnerstag, 16. Oktober 2014, vor Journalisten. Um die weltberühmten Fresken Michelangelos und weiterer Renaissance-Künstler zu schonen, müssten Temperatur und Luftfeuchtigkeit genau geregelt und der Staub sowie weitere Schadstoffe aus der Luft herausgefiltert werden. Die neue Lichtanlage sorge für eine energiesparende und gleichmässige Beleuchtung des Raums. – Die neuen Anlagen werden 20 Jahre nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten an der Sixtinischen Kapelle in Betrieb genommen. 1994 hatte sich der Sakralraum, in dem auch Papstwahlen stattfinden, nach langjährigen Arbeiten in völlig neuen Farben gezeigt. In den zuvor von Kerzenruss verdunkelten Gemälden, insbesondere Michelangelos „Jüngstem Gericht“, waren wieder Details zu erkennen. Jedoch hatte die Restaurierung damals auch Kritik ausgelöst; nicht alle waren mit dem neuen Raumeindruck zufrieden. Die Kritik sei im Nachhinein widerlegt worden, betonte jetzt der Generaldirektor der Vatikanischen Museen. Die Arbeiten an der Cappella Sixtina stellten das vermutlich bedeutendste Restaurierungsprojekt des 20. Jahrhunderts dar.

OR Nr. 45 vom 7. November 2014, S. 3
Die neue Beleuchtungsanlage in der Sixtinischen Kapelle wurde erstmals  der Öffentlichkeit präsentiert. Hunderte Journalisten erlebten am Mittwochabend, 29.10.2014, die Malereien Michelangelos in einer bisher einmaligen Farbenpracht und Präzision.

OR Nr. 24 vom 17. Juni 2016, S. 3
In der mexikanischen Hauptstadt Mexiko-Stadt ist ein Nachbau der Sixtinischen Kapelle eröffnet worden. Besucher können das weitgehend originalgetreue Gebäude noch bis zum 30. Juni besichtigen, wie mexikanische Medien berichten. Nach Angaben der Stadtregierung von Mexiko-Stadt ist die Replik (vom Künstler selbst angefertigte Nachbildung eines Originals) auf dem Platz der Republik 22 Meter hoch, 67 Meter lang, 28 Meter breit. Im Inneren zeigen den Angaben zufolge rund 2,7 Millionen Digitalfotografien die weltberühmten Fresken Michelangelos. Es sei das erste Mal, dass der Vatikan die Genehmigung für einen Nachbau der Sixtinischen Kapelle erteilt habe, so die Initiatoren des Projekts.

OR Nr. 28 vom 15. Juli 2016, S. 2
Nachbau der Sixtinischen Kapelle begeistert Mexikaner

Mexiko-Stadt. Ein Nachbau der Sixtinischen Kapelle in der mexikanischen Hauptstadt erfreut sich grosser Beliebtheit. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Notimex kamen seit Anfang Juni bereits über 500’000 Besucher in das weitgehend originalgetreue Gebäude. Wegen des grossen Andranges erwägen die Organisatoren, die Ausstellung nun bis Ende August zu verlängern.
Laut Angaben der lokalen Verwaltung ist die Replik auf dem Platz der Republik 22 Meter hoch, 67 Meter lang und 28 Meter breit. Im Inneren zeigen den Angaben zufolge rund 2,7 Millionen Digitalfotografien die weltberühmten Fresken Michelangelos. Es sei das erste Mal, dass der Vatikan die Genehmigung für einen Nachbau der Sixtinischen Kapelle erteilt habe, so die Initiatoren des Projekts.

OR Nr. 21 vom 27. Mai 2016, S. 12
Schlechte Akustik, Abschnitt 2

Auch die Sixtinische Kapelle (wie der Petersdom) stellt die Sänger nach Palombellas Angaben (Leiter des Sixtinischen Chores) vor Probleme. Insbesondere, wenn der Raum leer sei, gebe es einen sehr langen Nachhall, so der Chef des Chores, der als ältester Chor der Welt gilt. Bei CD-Aufnahmen seien deshalb Teppiche ausgelegt worden. „Das hat die Sache deutlich verbessert.“

Skandale?

26.02.2010, Kath. Wochenzeitung:
  Bischof Simone Statizzi: keine Kommunion an geoutete Homosexuelle.
→Homosexualität

– Basler Zeitung vom 20. Juni 2010:
Rom. In Italien ist nun auch noch ein Kardinal in den Sog von Ermittlungen gegen einen römischen Bauunternehmer geraten. Die Staatsanwaltschaft von Perugia ermittle gegen den heutigen Erzbischof von Neapel, Crescenzio Sepe, wegen schwerer Korruption, berichteten gestern italienische Medien. Dabei gehe es um undurchsichtige Immobiliengeschäfte, mit denen der heutige 76-jährige mindestens 2,5 Millionen Euro verdient haben soll. Passiert sein soll dies zwischen 2001 und 2006, als Sepe Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker war.  – WA: Sepe war der grosse Manager für das Heilige Jahr 2000. Ich sah bei einer Fernsehsendung, wie ihm der polnische Papst beim Abschlussgottesdienst  beim Kniefall ein paar Mal lobend auf seine linke Hand schlug, die Sepe auf der rechten Lehne des Stuhles hielt, um seine Arbeit auf diese Art zu würdigen.   →Kurie, Leben an der Kurie (Sepe)

– BaZ vom 22. Juni 2010:
„Spiegeltrinker“. So beschreiben Mitarbeiter von Bischof Walter Mixa die Tatsache, dass er seinen Alkoholpegel den ganzen Tag über hoch halten musste. Ein erst jetzt bekannt gewordenes Vatikan-Dossier soll detailliert all die angeblichen Schwächen von Walter Mixa beschreiben. „Der Papst hat natürlich eine Entscheidung zum Rücktritt Walter Mixas auf der Basis von Informationen getroffen. Woher er diese bekommen hat, ist jedoch zweitrangig“, erklärte Vatikansprecher Padre Federico Lombardi gestern.  –
Dr. Walter Mixa hält Vorträge beim k-tv Fernsehsender in Gossau (Stand Juli 2014, WA). Siehe dort.
→Deutsche Kirche

– BaZ vom 25. Juni 2010:
Razzia in Brüsseler Erzbistum. Brüssel. Bei Ermittlungen wegen Missbrauchs von Kindern und Besitzes von Kinderpornografie hat die Polizei gestern Büros im bischöflichen Palast des Erzbistums Brüssel-Mechelen durchsucht. Dabei wurde auch das Büro des im Januar zurückgetretenen Kardinals Godfried Danneels durchsucht. Der Computer des Ex-Vorsitzenden der belgischen Bischofskonferenz wurde beschlagnahmt. Laut dem Fernsehen VRT sind die Durchsuchungen Teil von Ermittlungen, bei denen es darum geht, ob die katholische Kirche über die Missbrauchsvorwürfe Bescheid wusste.

Badische Zeitung, 27.04.2010, →Deutsche Kirche, Schluss

Bank IOR, →Bank, Verstoss gegen das Geldwäschegesetz (Internet)
BaZ, 23.09.2010 (Dominik Staub, Rom), Vatikanbank steht unter Verdacht  →Bank

  • Deutscher Friedhof, Bischof Hudal Alois
  • Deutscher Friedhof, Rolf Hochhuth
  • Deutsche Kirche (Weltbild-Verlag)
  • Pius XII., Hudal/Hochhuth
  • Unvorstellbares Ausmass: OR Nr. 51/52  vom 24.12.2010  Jahresrückblick vor der Römischen Kurie. Die Erschütterung der Kirche durch den Missbrauchsskandal bildete den thematischen Schwerpunkt im traditionellen Jahresrückblick von Papst Benedikt XVI.  vor den Kardinälen, Bischöfen und Prälaten der Römischen Kurie. Angesichts des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Priester rief der Papst zu einer eingehenden Erneuerung der Kirche auf. Vor dem Hintergrund des unvorstellbaren Ausmasses der Fälle müsse sich die Kirche fragen, welche Fehler  sie gemacht habe. In der Vorbereitung der Priesteramtskandidaten müsse alles unternommen werden, um künftig zu verhindern, dass jungen Menschen „unter dem Deckmantel des  Heiligen“ schwerwiegende Verletzungen zugefügt werden.

–   Magazin BaZ Nr. 43/2010, Michael Meier: Kurienkardinal Kurt Koch
    →Koch Kurt

–  Hans Küng, Ist die Kirche noch zu retten? Seite 164:
Vasallentreue (Lehnsmann im Mittelalter) schien bei Johannes Paul II. alles Versagen und Vergehen zu entschuldigen. In erschreckender Weise wird dies deutlich bei den Skandalen um den Gründer und jahrzehntelangen Leiter der Legionäre Christi (L.C., gegründet 1941), den Mexikaner P. Marcial Maciel Degollado, ein besonderer Schützling  von Johannes Paul  II. Der strengläubige Katholik und Verteidiger des Zölibats führte ein gut getarntes Doppelleben. Mit den beiden wohlhabenden Frauen Blanca Gutierrez Lara und Norma Hilda Banos hatte er intime Beziehungen, aus denen 3 Kinder hervorgingen. Aber mit ihrer und anderer finanzieller Hilfe konnte der polnische Papst bei seinen Mexiko-Reisen rechnen. So erklärt sich, warum Karol Wojtyla die erste Auslandreise Anfang 1979 nach Mexiko unternahm und noch 4 weitere Mexiko-Reisen folgten, immer von Maciel begleitet und in diesem offiziell streng laizistischen Land  (weltanschauliche Richtung, die die radikale Trennung von Kirche und Staat fordert) geschickt als Jubelreisen organisiert. Doch es sind nun bereits 30 Jahre her, dass die ersten Anschuldigungen gegen Maciel nach Rom drangen:

  • 1976 gingen die ersten Klagen an Papst Paul VI.
  • 1978 wurde Karol Wojtyla zum Papst gewählt, der schon bald die von seinem Vorgänger ermöglichte erleichterte Dispens vom Zölibat wieder aufhob
  • In seinem Interview-Buch von 2010 „Licht der Welt“ räumt der damalige Chef der Glaubenskongregation, jetzt Papst Benedikt XVI. ein, dass die zuständigen vatikanischen Kongregationen „sehr langsam und spät“ auf den Missbrauchsskandal reagiert hätten. Kein Wunder, zumal Fotos zeigen, wie der schon greise J. P. II. Maciel öffentlich auf der Stirn segnet. Und bereits todkrank begrüsste der Papst noch am 15. März 2005 vom Fenster ausdrücklich die Legionäre Christi auf dem Petersplatz (im Vatikan wegen ihrer Finanzkraft „Millionäre Christi“ genannt). Erst in den letzten Tagen des Papstes  leitete Kardinal Ratzinger eine neue Untersuchung gegen Maciel ein, und schon am 26. Mai 2005, 5 Wochen nach seiner Wahl, ordnete er als Papst den Rückzug Maciels aus der Öffentlichkeit an und entliess ihn aus der Leitung des Ordens. Aber ein Jahr später verzichtete die Glaubenskongregation ausdrücklich auf ein kirchenrechtliches Verfahren gegen den Schurken – aus gesundheitlichen  Gründen. (Legionäre Christi: 800 Priester, 2’500 Seminaristen in 22 Ländern:
    →Gruppierungen).

– Seite 164: Viele erinnern sich noch an das Jahr 1995, als der pädophile  Wiener Kardinal Hans Herman Groër, Nachfolger des grossen Kardinals König, von Papst Johannes Paul II.  lange Zeit gedeckt wurde, obwohl sogar die Österreichische Bischofskonferenz Groërs Schuld als erwiesen angesehen hatte (Sodano war im Vatikan auch dahinter). Der gleiche Papst hielt auch allzu lange seine Hand über einen anderen österreichischen Freund, den Bischof von St. Pölten, Kurt Krenn, der erst zurücktrat, als er aufgrund von Berichten über homosexuelle Handlungen von Seminaristen und Vorgesetzten im Priesterseminar unter allzu grossen öffentlichen Druck geraten war.

– Basler Zeitung vom 20. März 2012:
Systematischer Kindsraub im Spital
Spannische Nonnen und Ärzte handelten bis in die Achtzigerjahre mit Kindern
Von Reiner Wandler, Madrid

Es war ein lukratives und perfides Geschäft, das die spanische Nonne Maria Gómez Valbuena zusammen mit Ärzten der Madrider Geburtsklinik bis hinein in die 1980er-Jahre betrieb. Alleinstehenden Schwangeren aus sozial benachteiligtem Umfeld wurden ihre Neugeborenen weggenommen und an reiche, katholische Familien verkauft.

Die mittlerweile 80-jährige Schwester Maria schaltete Anzeigen in Zeitschriften. Alleinstehenden Schwangeren würde geholfen, hiess es da. Wer sich meldete, verlor sein Kind. Kaum aus dem Kreissaal entlassen, wurde den Müttern erklärt, das Baby sei tot zur Welt gekommen. Das Krankenhaus würde sich um die Beisetzung kümmern. Im Nachbarzimmer wartete die Käuferin und nahm den Säugling entgegen. Hohe Geldbeträge wechselten den Besitzer. Kamen einer Mutter Zweifel, ging das Krankenhauspersonal so weit, ihr einen Leichnam zu zeigen, der, so Zeugen, in einem Kühlschrank eigens für diesen Zweck aufbewahrt worden sei.

Nach jahrelangem Drängen haben die betroffenen Frauen jetzt bei Gericht Gehör gefunden. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Schwester Maria der „Entführung“. Madrid scheint kein Einzelfall. Die Initiative der Betroffenen schätzt die Zahl der Kinder, die in den Jahren der Diktatur und in den ersten Jahren der Demokratie geraubt wurden, auf bis zu 300’000. 1’500 Anzeigen  gingen im letzten Jahr bei den Gerichten ein. Mittlerweile wurden auf richterliche Anordnung 22 Gräber geöffnet. Mehrere von ihnen waren leer.

„Überall in Spanien gab es Nonnen und Ärzte, die nach dem gleichen System vorgingen“, berichtet Mar Soriano Rúiz, Gründerin der Initiative „Plattform geraubter Kinder“. (…)

– BaZ vom 25. März 2012, Seite 11, von Boris Gygax  (…)
„Ich glaubte dem Arzt, dass mein Sohn tot war“.

Die spanische Kindermafia raubte Roser und Theo Häfliger aus Aesch/BL Schweiz ein Kind – bis heute sind sie auf der Suche.

Die gebürtige Spanierin gebar einen Knaben in Barcelona (…)
„Dann kamen viel zu früh die Geburtswehen. Ich ging notfallmässig allein in die Privatklinik Clinica del Pilar. Es war mitten in der Nacht. Ich hatte ein ganz komisches Gefühl. Die Entbindungshalle war dunkel. Ausser mir und dem Arzt, Dr. Rodés, inzwischen verstorben, war niemand anwesend. Mein Baby hat gleich geweint, als ich es geboren habe. Der Arzt legte es auf einen Tisch neben dem Gebärstuhl und wollte mich weiterpflegen. Ich habe ihn dann sofort aufgefordert, sich zuerst um mein Kind zu kümmern. Es sei nicht lebensfähig, antwortete er mir. Ich bestand darauf, weil sich mein Kind ja bewegte und wie ein gesundes Bay schrie. Er blieb stur. Dann sterben ich und mein Kind halt zusammen, habe ich ihm gesagt. Ich habe ihn nicht weiter untersuchen lassen, bis er mir mein Kind zurückgab. Durch unseren Körperkontakt konnte ich mein Kind trösten, es beruhigen. Eine Nonne betrat den Raum und wollte mein Kind, meinen Sohn, unverzüglich taufen. Ich sagte ihr den Namen Ivan Häfliger Lanaspa. Ab diesem Zeitpunkt kann ich mich an nichts mehr erinnern.

Als ich am nächsten Morgen zu mir kam, war ich in einem Zimmer der Privatklinik. Ich verlangte sofort nach meinem Sohn. Man hat mir mitgeteilt, dass er in das Kinderspital San Joan de Deu gebracht wurde, weil sie in der Geburtsklinik angeblich keinen Brutkasten zur Verfügung gehabt hätten. Einen Tag später informierten mich dann die Nonnen, dass Ivan an einer Lungenkomplikation gestorben sei. Beerdigt wurde mein Sohn angeblich auf dem Friedhof San Boi in Barcelona. Ich war damals so gutgläubig. Ich habe dem Arzt vertraut. Ich meine: Wer denkt schon daran, dass sein Kind bei einer teuren und renommierten Privatklinik nicht in guten Händen sei? Zudem bin ich gläubig und es war eine katholische Klinik. Darum habe ich auch nicht mehr nachgefragt.

Vor einem Jahr sahen wir im spanischen Fernsehen eine Reportage über Kindsraub. Die Geschichten waren unserer sehr ähnlich. Speziell die Aussage einer betroffenen Mutter brachte mich dann ins Grübeln. Sie sagte, sie hätte ihr Kind nie tot gesehen. Auch ich habe Ivan nie tot gesehen, schoss es mir durch den Kopf. Ich begann in Barcelona zu recherchieren. (…)

– SonntagsBLICK Nr. 22 vom 3. Juni 2012, S. 19, Andreas Englisch:
  Feten statt Beten

Das Luxusleben des Don Luigi Maria Verzé war eines des am besten gehüteten Geheimnisses des Vatikans. Offiziell wurde er als hingebungsvoller Betreiber und Gründer des Mailänder Grosskrankenhauses San Raffaele verehrt. In Wirklichkeit führte er ein Doppelleben.

Verzé legte sich einen Privatjet zu. Und damit er den auch brauchen konnte, kaufte er ein Luxusresort (Urlaubsort) am Strand in Brasilien dazu. So häufte er Schulden an, für die das Spital geradestehen musste und bald auf einem riesigen Berg Schulden sass: 1 Milliarde Euro.

Als Don Verzé 2011 im gesegneten Alter von 91 Jahren starb, musste Kardinal-staatssekretär Bertone den Ruf des Priesters und den des Spitals retten. Der Vatikan sollte eine Milliarde Euro auf den Tisch legen. Bertone bat also die Vatikanbank IOR, das Geld bereitzustellen. Doch die Bank stellte sich quer. Und Ettore Gotti Tedeschi (→Bank), ein unendlich frommer Mann von Opus Dei, flog vor gut einer Woche unehrenhaft aus seinem Amt – vermutlich auf Betreiben von Bertone.

– DER SPIEGEL, 26.08.2012:
www.Spiegel.tv/filme/bischof-limberg-magazin/
Zusammenfassung

Bischof  Franz-Peter Tebartz-van Elst von Limburg, der vor dem Theologiestudium zuerst  Architektur studieren wollte, baut sich einen ansehnlichen Bischofssitz mit einer 13 m hohen Privatkapelle und grossem Privatgarten (für Spaziergänge), 100 m vom Limburger Dom entfernt. Im vergangenen Januar 2012 flog er mit dem Generalvikar Firstclass mit Schlafbett nach Indien und besuchte dort arme Bevölkerungsteile. Kosten des Flugtickets: Euro 3’500.00. Alles auf Kosten des deutschen Steuerzahlers.

Kirche heute 27/2014 Juni, S. 2
Limburger Domkapitel räumt Fehler ein

Das Limburger Domkapitel hat bezüglich des Bauprojekts auf dem Domberg sowie im Umgang mit dem zurückgetretenen Bischof Franz-Peter Tebatz-von Elst schwerwiegende Fehler eingestanden. „Der Glaube vieler einzelner Christen und die Glaubwürdigkeit der Kirche im Ganzen haben in den vergangenen 6 Jahren grossen Schaden genommen“, heisst es in einer Erklärung des Kapitels. Konkret bezeichnen es die Geistlichen als Fehler, die Initiative zum Bau eines Bischofshauses auf dem Domberg ergriffen zu haben. Dazu habe ihnen die rechtliche Zuständigkeit gefehlt. Zudem seien sie ihrer Rolle als Beratungs- und Kontrollgremium für den Bischof nicht im notwendigen Mass nachgekommen.

HK, Erlebte Menschlichkeit, S. 175
Kardinal Bernard Francis Law

Man kann über Kardinals Sünden schreiben über den ebenfalls gerichtlich belangten stockkonservativen Erzbischof von Boston, Kardinal Law. Er wird 1973 Nachfolger des beliebten Kardinals Richard Cushing, der mich 1963 persönlich bei meinem ersten Vortrag in den Vereinigten Staaten einem Publikum von 3’000 Zuhörern vorgestellt hatte und mein Buch „Strukturen der Kirche“ an seinen Klerus verteilen liess. Law aber wird ebenfalls von der amerikanischen Justiz verfolgt, weil er jahrelang die haarsträubenden Pädophilievergehen  von Klerikern vertuscht hat. Deshalb muss er 2002 ins römische Exil gehen. Aber in ein „dolce esilio“, wie die Kurialen sagen, denn er wird sogleich zum Erzpriester der Basilica Santa Maria Maggiore, eine der vier römischen Hauptkirchen (der allerreinsten Jungfrau Maria gewidmet!), befördert und neben anderem zum Mitglied der Bischofs-, Klerus-, Ordens- und Bildungskongregation gemacht. Die heilige römische Kurie kennt kaum Scham, sagt man in Amerika. (…)

bz BASEL vom 3. November 2015, S. 13, Dominik Straub, Rom
Zwei Vatikan-Maulwürfe verhaftet
Dokumentendiebstahl: Der nächste „Vatileaks“-Skandal erschüttert den Gottesstaat

Bei den Verhafteten handelt es sich laut einer Mitteilung des Vatikans um den 54-jährigen spanischen Monsignore Lucio Angel Vallejo Balda und um die 33-jährige Francesca Immacolata Chaouqui. Beide waren in der vom Papst zur Durchleuchtung der vatikanischen Finanzen eingesetzten Finanz- und Wirtschaftskommission Cosea tätig gewesen, Vallejo Balda als deren Sekretär. Die Cosea ist vom Papst inzwischen aufgelöst worden; die Dokumentendiebstähle müssen also vor mehreren Monaten erfolgt sein. Aber sie gingen offenbar an anderer Stelle weiter: Dieser Tage berichteten italienische Medien, dass der Computer des Vatikan-Revisors Libero Milone angezapft worden sei. – Die beiden vatikanischen Maulwürfe sind bereits am Wochenende verhaftet worden; über ihre Festnahme hat der Vatikan indessen erst gestern informiert. Vallejo Balda und Chaouqui wird vorgeworfen, vertrauliche Dokumente an die italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi und Emilio Fittipaldi weitergeleitet zu haben. Die beiden Autoren werden diese Woche (05.11.2015) zwei neue Enthüllungsbücher zum Finanzgebaren im Kirchenstaat vorstellen. Vatikansprecher Federico Lombardi betonte gestern, dass diese Bücher „Früchte eines schweren Verrats am Vertrauen des Papstes“ darstellen. „Derartige Publikationen schaffen in keiner Weise Klarheit, sondern nur Konfusion und tendenziöse Interpretationen.“ – Knapp 3 Jahre nach dem ersten „Vatileaks“-Skandal unter Papst Benedikt XVI. hat nun also auch sein Nachfolger Franziskus seine „corvi“ („Raben“), wie die Geheimnisverräter in Italien genannt werden. Unter Benedikt XVI. war es der Butler Paolo Gabriele gewesen, der vom päpstlichen Schreibtisch vertrauliche private Dokumente gestohlen hatte; in der neuen Affäre sind es 2 Mitarbeiter einer wichtigen Kommission, deren Arbeit zu einer Neustrukturierung der vatikanischen Finanzadministration und der Schaffung eines zentralen →Wirtschaftssekretariates des Heiligen Stuhles geführt hatte. Das Aufräumen der Vatikanbank IOR und der Vatikan-Finanzen war für Franziskus das dringlichste Reformanliegen nach seiner Wahl gewesen. – WAs die beiden neuen Maulwürfe mit ihren Indiskretionen bezwecken, wird man wohl erst wissen, wenn man die beiden neuen Bücher gelesen haben wird, die auf den vertraulichen Dokumenten beruhen. Sowohl Vallejo Balda als auch Chaouqui stehen dem erzkonservativen Geheimorden Opus Dei nahe. Fest steht, dass im Vatikan wie vor 3 Jahren ein erbitterter Machtkampf zwischen Reformern und Konservativen im Gange ist. Bei Benedikt XVI. galt der „Vatileaks“-Skandal als einer der Gründe, warum er als erster Papst der Neuzeit im Februar 2013 seinen Rücktritt erklärt hatte. – Während der Spanier Vallejo Balda weiterhin in Untersuchungshaft sitzt, ist seine Komplizin Chaouqui wieder entlassen worden. Die Tochter eines Ägypters und einer Italienerin war schon vor 2 Jahren ins Gerede geraten. Damals verbreitete sie das Gerücht, Benedikt XVI. leide an Leukämie – was völlig aus der Luft gegriffen war. Chaouqui bezeichnete sich in der Folge als Opfer, deren Accounts von Unbekannten gehackt worden seien.

→Nuzzi Gianluigi Nuzzi, Alles muss ans Licht, Ecowin-Verlag Salzburg (ISBN 978-3-7110-0085-9/E-ISBN 978-3-7110-5146-2), CHF 31.50 (Die wirtschaftliche und finanzielle Lage des Vatikans)

→Deutsche Kirche
→Missbrauchsfälle      →Krise         →Englisch Andreas, Franziskus (Vergé)

Sklaven

YouTube vom 20. Juni 2016
Nikolaus V. (1447-55) legitimierte die Sklaverei, unterstützte und verschärfte sie. In einer Bulle von 1452 bekräftigte er, dass Sklavenhandel legal sei. Er vergrösserte damit den Reichtum der Kirche.
Gregor I. hielt Hunderte von Sklaven auf seinen Gütern. Er stimmte Gesetzen zu, wonach die Sklaven keine freien Christen heiraten durften. Sie wurden wie  Stück Vieh behandelt. Die Kirche behandelte sie wie Kirchengut, als Eigentum. Uneheliche Kinder von Priestern wurden lebenslänglich als Kirchensklaven geführt. Auch die Klöster hatten Sklaven. In Kirchenländereien arbeiteten bis ins 11. Jahrhundert Sklaven.
Luther meinte, dass Leibeigenschaft und Sklaverei theologisch gerechtfertigt seien, ebenso Sklavenhandel und Sklavenjagd.
Martin von Tours hielt 20’000 Sklaven. Ein portugiesischer König ermächtigte seine Untergebenen, Länder zu erobern, die Einwohner zu vertreiben, sie zu unterjochen und in die ewige Knechtschaft zu zwingen.
Diese sogenannte schwarze Holocaust umfasste gesamthaft zwischen 50 bis 100 Millionen Sklaven. Sklaven wurden nach Amerika gebracht, auf dem Rückweg nahm man Indianer nach Spanien mit, die dort Sklavenarbeit verrichteten.

OR Nr. 25 vom 23.06.2017, S. 5, Christa Langen-Peduto
Spartacus.  Sklaven und Sklavenhalter in Rom (Auszüge)

Er sitzt auf einem Sockel. Die rechte Hand hält den Laternengriff fest, ein Beinchen ist ausgestreckt, das andre hochgezogen. Das Köpfchen mit der Zipfelmütze ist ihm auf die Brust gesunken, die Augen sind zugefallen. Der „eingeschlafene Laternenträger“, eine 63 cm kleine Marmorstatue aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert n. Chr., war nur ein Kind, ein Babysklave im alten Rom. Der Schlaf hatte ihn überwältigt, während der stundenlang irgendwo auf seinen Herrn warten musste, um ihm später nach Hause leuchten zu können. Diese Skulptur, die zugleich eine rührende Geschichte erzählt, gehört zur Ausstellung „Spartacus. Sklaven und Sklavenhalter in Rom“, die bis zum 17. September 2017 in der italienischen Hauptstadt im Museum der Ara Pacis zu sehen ist (Lungotevere in Augusta, täglich offen von 09.30 bis 19.30 Uhr). Unter dem modernen Glasbau des berühmten Architekten Richard Meier, der dem Friedensaltar des Augustus übergestülpt wurde, entstanden im Untergeschoss Ausstellungssäle. Die Stadt Rom nutzt sie jetzt immer wieder für Ausstellungen die viele  Besucher anziehen.
Diese Schau mit ihren 250 archäologischen Funden erzählt auch mit Video- und Videobeiträgen, wie man im alten Rom mit Sklaven umging und wie sie lebten. Die Ausstellungsstücke wurden aus vielen Museen Italiens, dem Louvre in Parais, aus Madrid und Moskau herbeigeholt. Bis in unsere Zeit hinein, so wird der Besucher belehrt, gibt es immer noch 21 Millionen Menschen weltweit, die unter sklavenähnlichen Bedingungen leben müssen. Man sieht arbeitende Kinder an Industriemaschinen, kleine Mädchen als Sexsklavinnen in Thailand, nackte schwarze Bergarbeiter in Johannisburg (1957) im Südafrika der Apartheid, afrikanische Arbeiter bei Niedriglohn-Schichten in Neapel (2004), aneinander gekettete Sträflinge in Alabama (1995), die unter dem Gespött der Anwohner Strassen reparieren müssen.
Die alten Römer hatten die Sklaverei nicht erfunden – es gab sie längst. Human ging es damals, was die Sklaverei betrifft, erst recht nicht zu. Das wird in der Ausstellung in 11 Sektionen veranschaulicht. „Sieger und Besiegte“  heisst es da gleich zu Beginn. Viele Einwohner der Länder, die die Römer eroberten, wurden unabhängig von Hautfarbe und Rasse als Kriegsbeute nach Rom gebracht. Die meisten – Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen – mussten Schwerstarbeit leisten. Viele arbeiteten, von Aufsehern mit Schlägen angetrieben, Tag und Nacht in den Gold- und Silberminen der römischen Imperiums.
Die Ausstellung erzählt, wie die Sklaven Marmorblöcke heranschleppten, um einzigartige Monumente wie das Kolosseum zu bauen. Oder wie sie rund um Ron in der Landwirtschaft arbeiteten. Dabei trugen sie schwere Ketten an den Knöcheln, die bei jeder Bewegung – und erst recht im Arbeitsrhythmus – ins Fleisch schnitten. Noch heute seien an solch einer Kette DNA-Spuren zu finden. Sklaven trugen Metall-Halsbänder mit Anhänger, in den der Name ihres Besitzers eingraviert war. Kinder erhielten leichte Elfenbeinketten. Armen Eltern wurde die Möglichkeit geboten, ihre Kinder zu verkaufen. Eine andere Form war die „Schuldsklaverei“: Römer, die die beim Spiel verlorenen Summen nicht aufzubringen vermochten, konnten sie als Sklaven bei ihren Gläubigern „abarbeiten“.
Der Sklave und Gladiator Spartacus, vermutlich aus dem balkanischen Thrakien stammend, zettelte 73 v. Chr. mit weiteren Leidensgenossen einen Aufstand an und zog dann 2 Jahre lang plündernd mit ihnen durch Italien. Zeitweise waren es bis zu 70’000 Rebellen. 10 Legionen musste Rom ihnen entgegenstellen, ehe sie besiegt wurden. 6’000 Rebellen wurden gefangengenommen und entlang der römischen Strasse Via Appia gekreuzigt.
Es gab für die Sklaven sozialen Aufstieg. Je nach Leistung konnten die besten Sklaven Karriere machen. Gerade griechische Unfreie seien oft Philosophielehrer, Ärzte und Medikamentenmischer gewesen, mitunter gar Professoren, und als solche wurden sie wie Sklavenherren behandelt und konnten reich werden. Auch Theater- und Zirkusleute waren meist unfrei. Verdiente römische Sklaven durften sich nach 30 Jahren der Schufterei freikaufen. Dann waren sie sogenannte „liberti“ und konnten geachtete Normalbürger Roms werden. Die Nachkommen dieser „liberti“ durften dann auf der Sozialleiter noch höher aufsteigen – eine in der antiken Geschichte der Sklaverei einmalige Praxis. Bei den alten Griechen konnten Sklaven zwar frei werden, doch blieben sie sozial, politisch und rechtlich Ausgegrenzte.
In der Ausstellung sind Darstellungen von Sklavenmärkten im Mittelmeerbereich zu sehen, etwa auf Fresken in Pompeji. Die Abteilung „Haussklaven“ zeigt, wie privilegiert diese lebten, wie geliebt und geschätzt sie von ihren Herrinnen und Herren oft waren.
Eine ganze Abteilung ist der sexuellen Ausbeutung von Sklaven als Prostituierten gewidmet. Die elfte Sektion schliesslich befasst sich mit „Sklaventum und Religion“. Im 4. Jahrhundert wurde das Christentum Staatsreligion im immer dekadenter (verfallener) werdenden römischen Reich. Doch das bedeute keinesfalls das Ende der Sklaverei. Im Gegenteil, noch unter Kaiser Konstantin dem Grossen (gest. 337 n. Chr.) durften Unfreie nur mit Billigung ihres Herrn Christen werden, Allerdings verfügte Konstantin, dass christlich gewordene Sklaven vermehr befreit werden konnten. Er billigte gar den Bischöfen zu, den Vorsitz zu führen, wenn Freigelassene das Bürgerrecht erhielten. Rund 5 Millionen Sklaven gab es zu jener Zeit noch im Reich, etwa 10 % der Bevölkerung.

Solar-Energie im Vatikan

Sonnenenergie  →Umweltschutz

(Sonder)Botschafter der Schweiz beim Hl. Stuhl

Die Schweiz verfügt über keine eigentliche Botschaft, die die Eidgenossenschaft beim Hl. Stuhl vertreten würde. Wohl aber eine Botschaft in der Stadt Rom, die die Schweiz bei der Republik Italien vertritt. Die Schweiz hat aber seit 1994 einen Sonderbotschafter beim Heiligen Stuhl, der zzt. Botschafter in Budapest ist. Der Hl. Stuhl selbst hat eine Nuntiatur in Bern.

Enrico Portmann, Bundeshaus, 14. Oktober 2011:
Paul Widmer wird neuer Schweizer Botschafter beim Heiligen Stuhl

Er folgt auf Jean-François Kammer. Der 62-jährige St. Galler Katholik wird seinen Sitz in der Schweiz behalten. Seit 1991 gibt es einen Schweiz-Vertreter beim Heiligen Stuhl, doch erst seit 2005 handelt es sich um einen „ausserordentlichen und bevollmächtigen Botschafter.“

Kath. Wochenzeitung, Nr. 3 vom 20.01.2012:
Nach einem Treffen mit dem Papst lobte der Schweizer Botschafter im Vatikan, Paul Widmer, dessen Aussagen zum Nahen Osten und zur Finanzkrise in der Neujahrsrede. Dies meldete Radio Vatikan. (…) Widmer ist erst seit Mitte Dezember 2011 Botschafter beim Heiligen Stuhl.

Berns Vertreter im Vatikan bleibt in Bern
Basler Zeitung vom 11.03.2013, S. 6:

Bern. Die Schweiz hat keine ständige diplomatische Vertretung im Vatikan. Durch die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Staat waren die Beziehungen lange belastet. Die Annäherung erfolgte schrittweise. Seit 2011 besetzt Paul Widmer den Posten des Botschafters am Heiligen Stuhl, allerdings erledigt er diese Arbeit von Bern aus. Ende 2012 forderte zwar die Zürcher FDP-Nationalrätin Doris Fiala in einem Postulat, eine permanente Botschaft in Vatikanstadt einzurichten. Mitte Februar wies der Bundesrat den Vorstoss aber mit dem Argument zurück, die Schweiz habe bereits „sehr gute“ Beziehungen zum Kirchenstaat. Auch aus Spargründen empfiehlt die Landesregierung den Räten, den Vorschlag abzulehnen. SDA

Kirche heute 22/2014, Mai, S. 2

(…) Zu den neuen Botschaftern beim Heiligen Stuhl gehört auch der Schweizer Pierre-Yves Fux.

Schweizerische Vertretung beim Hl. Stuhl, c/o Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten, Bundeshaus West, 3003 Bern
Tel.: 0041 31 322 81 83; vertretungvatikan@eda.admin.ch

→Nuntiaturen

Sonntag

Kirche heute 25/2013 Juni, S. 2
Schutz des Sonntags

Die Schweizer Bischofskonferenz  hat sich vom 2. bis 5. Juni 2013 in Einsiedeln zur 300. ordentlichen Versammlung getroffen. Ein wichtiges Thema war der Schutz des Sonntags. Nach Überzeugung der Schweizer Bischöfe gehört der arbeitsfreie Sonntag zu den wertvollen Einrichtungen der Gesellschaft. Darüber hinaus teilten die Bischöfe mit, dass erweiterte Richtlinien zum Umgang mit sexuellen Übergriffen im kirchlichen Umfeld veröffentlicht werden, sobald der Vatikan diesen zugestimmt hat.

Katholische Wochenzeitung Nr. 33/2013 August, S. 5 von Sylvia Stam
In unserer Welt geht es mehr als um Konsum. SONNTAG, ein Geschenk des Himmels.

Schon vor einiger Zeit haben Vertreter der „Sonntagsallianz“ ihre Argumente gegen eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten (Abstimmung vom 22.09.2013, Schweiz) vorgestellt. Sie verdienen Beachtung, denn eines ist klar: Das ist nur der Beginn einer „Salamitaktik“, die zur 24-Stunden-Konsumgesellschft führen soll – und damit geht es um eine weitere Wegstrecke auf dem Marsch in den total neoliberalen Konsum-Wahnsinn, auch am Sonntag, dem Tag des Herrn. (…)

Breites Bündnis zum Schutz des Sonntags
Das eidgenössische Parlament hatte am 14. Dezember 2012 eine Änderung des Arbeitsgesetzes beschlossen, wonach Tankstellenshops an sieben Tagen die Woche ihre Produkte rund um die Uhr verkaufen könnten. Dagegen hat die „Sonntagsallianz“, bestehend aus 27 Organisationen aus christlichen Parteien, kirchlichen Organisationen, Gesundheitsfachleuten, Gewerkschaften und Frauenorganisationen, das Referendum ergriffen. (…)

Sommerresidenz in Castel Gandolfo

Castel Candolfo

Sommervilla in den Vatikanischen Gärten mit ehemaliger Sternwarte

Oberhalb des Adler-Brunnens steht ein mittelalterlicher Turm mit darunter liegenden Villa, in der die Direktion des Vatikanischen Rundfunks arbeitet. Zwischen 1908 und 1936 war hier die Vatikanische Sternwarte, die dann nach Castel Gandolfo bzw. nach Amerika (1993) dislozierte. Die kleine Villa diente Leo XIII. (1878 – 1903) als Sommeraufenthalt, dem Papst, der am längsten im Vatikan lebte, ohne ihn je verlassen zu können.

Die Geschichte der Sternwarte:

  • zuerst befand sie sich im Längstrakt der Museen (Torre drei Ventil). Gründung 1576
  • dann im Vatikangarten ab 1908
  • dann in Castel Gandolfo (Specola Vaticana, S.I.-Patres, nach Telefonbuch 2004/05  zzt. 12 Patres dort) ab 1936
  • und schliesslich erfolgte der Auszug 1993 nach Tuscon (Arizona, USA).

Siehe →Sternwarte

Sonnenenergie (im Vatikan)

L’Osservatore Romano vom 15.06.2007
→Umweltschutz

Machbarkeitsstudie zu einer Photovoltaikanlage für die Aula Paolo VI.:
Der Vatikan setzt auf Sonnenenergie. Künftig sollen Solarzellen auf dem grossen Dach der vatikanischen Audienzhalle den Vatikanstaat mit Strom versorgen. Es sei geplant, Photovoltaik-Module mit einer Gesamtfläche von 2’000 m2 und ebenso viele Reflektoren (die die Energie vermehren) zu installieren, sagte der zuständige Leiter des Technischen Dienstes des Governatorats, dott. ing. gr. uff. Pier Carlo Cuscianna (→Telefonbuch). Mit der Solaranlage wolle der Vatikan nicht nur unabhängiger von der italienischen Stromversorgung werden, sondern auch ein Zeichen für nachhaltiges Wirtschaften setzen. Durch die jährliche Energieerzeugung  könnte ein grosser Teil des Energiebedarfs des Staates der Vatikanstadt gedeckt werden, vor allem der der Audienzhalle, die auf diese Weise vom übrigen Verbrauchernetz des Staates der Vatikanstadt unabhängig würde.

L’Osservatore Romano, 4. Juli 2008:
Papst Benedikt XVI. hat am 30. Juni den Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen, Stanislaw Tillich, mit Gattin und Gefolge in Privataudienz empfangen. Bei der Begegnung hat der Ministerpräsident dem Papst das erste von rund 2’400 Solar-Modulen übergeben, die auf dem Dach der vatikanischen Audienzhalle installiert werden sollen. Bei der Photovoltaik-Anlage handelt es sich um ein Geschenk des sächsischen Herstellers. Die Module sollen künftig bis zu 315’000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen und damit den Kohlendioxid-Ausstoss um mehr als 315 Tonnen senken. Zudem soll die Anlage auf dem fussballfeldgrossen geschwungenen Dach der 1971 eingeweihten Audienzhalle die Aufheizung des Gebäudes verringern und damit den Energiebedarf für die Klimatisierung senken. Die Installation der individuell gefertigten Module ist im September 2008 erfolgt.

Kirche heute, 10.05.2009:
Vatikan plant Rekordanlage für Solarstrom

Der Vatikan will bis zum Sommer 2009 über den Bau der europaweit grössten Solarstromanlage entscheiden. Derzeit sei eine Machbarkeitsstudie für eine Sonnenfarm auf dem über vier Quadratkilometer grossen vatikaneigenen Gelände von Santa Maria di Galeria (Sendetürme, -masten) nördlich von Rom in Arbeit, sagte der Vatikan-Ingenieur Pier Carlo Cuscianna. Die Anlage, über die bislang nur spekuliert wird, könnte eine Spitzenleistung von 100 Megawatt erzielen. Damit liessen sich nicht nur der päpstliche Kleinstaat und die Sendeanlage von Radio Vatikan in Santa Maria di Galeria mit Strom versorgen, sondern zusätzlich rund 40’000 Wohnungen.

OR vom 10. Juli 2009:
Das ganze Dach der vatikanischen Audienzhalle wurde mit Solarmodulen ausgestattet. Durch sie können pro Jahr etwa 300’000 Kilowattstunden umweltfreundlicher Strom produziert werden. (Geschenk einer Firma aus dem Freistaat Sachsen. Siehe Anfang)

OR Nr. 49 vom 10.12.2010:
Der Vatikan hat in den vergangenen zwei Jahren durch die Nutzung der Solarenergie mehr als 300 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Das Ende November 2008 in Betrieb genommene Solardach auf der Audienzhalle habe bisher mehr als 440’000 Kilowattstunden Energie gezeugt, sagte der Präsident des Governatorats der Vatikanstadt, Kardinal Giovanni Lajolo. Dies  entspreche dem durchschnittlichen Bedarf von rund 90 italienischen Haushalten.

Kirche heute 34/2013 August von Angela Borer
Ein Kirchendach, das auch das Klima schützt: Die Solaranlage auf der Ettinger Kirche produziert Ökostrom

Das kürzlich gesegnete Solardach auf der Ettinger Kirche (Kanton Basellandschaft/CH) produziert Ökostrom für etwa 15 Haushalte. Es ist die erste Solaranlage auf einer katholischen Kirche in der Region, und eine von wenigen auf einem Kirchendach in der Schweiz. Die Ettinger Kirchengemeinde hat das Süddach der römisch-katholischen Kirche an die Solargenossenschaft „Gugger-Sunne“ vermietet, welche die Photovoltaikanlage in Auftrag gegeben und auch bezahlt hat. Die Solaranlage auf dem Kirchendach ist die grösste Anlage dieser Art in der Schweiz und wurde schon am 28. März 2013 in Betrieb genommen. Ende Juni wurde sie im Rahmen des Kirchenpatronatsfestes St. Peter und Paul gesegnet. Im Monat Mai hat sie 5’305 kWh Strom produziert. Das deckt ungefähr den Stromverbrauch eines Einfamilienhauses in einem Jahr.

bz BASEL vom 21. August 2013, S. 9 von Thomas Schlittler
Grösstes Solarkraftwerk der Schweiz

Die Migros hat gestern das leistungsstärkste Solarkraftwerk der Schweiz ans öffentliche Stromnetz angeschlossen. Damit fördert der orange Riese die Umstellung auf erneuerbare Energien. Die Anlage wurde auf dem Migros-Verteilbetrieb in Neuendorf (Solothurn), unmittelbar an der Autobahn Zürich – Bern, installiert. Sie hat eine Fläche von 123 Tennisplätzen. Ein Vergleich: Der Petersplatz, 40’848 m2 gross und 1/11 des Vatikanstaates, hätte Platz für 62 Tennisplätze. Die neue Migrosanlage umfasst also den doppelten Petersplatz.

Sozialdienste, kirchliche

siehe unter „Almosenamt“

Speier, Hermine „Erminia“, Dr., erste Angestellte im Vatikan    

Speier Hermine k

Erste Angestellte im Vatikan (Angestellte von 1934-67)

Rhein-Neckar-Wiki. Hermine Speier wurde am 28.05.1898 in Frankfurt am Main geboren. Sie starb am 12. Januar 1989 in Rom (andere Lebensläufe: in Montreux/Schweiz). Sie war eine deutsche Klassische Archäologin. Sie gehört zu den bedeutendsten weiblichen Archäologen ihrer Zeit,  ebenso zu den wichtigsten Museumsarchäologen und den bedeutendsten Mitarbeitern der Vatikanischen Museen. Ihre Arbeit an archäologischen Fototheken war grundlegend.

Lebenslauf:

  • geboren am 28. Mai 1898 in Frankfurt am Main in eine wohlhabende jüdische Familie
  • Besuch der Viktoriaschule mit Matura nach privater Vorbereitung
  • 1918/19: Beginn des Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie an der Universität Frankfurt. Wechsel an die Universitäten von Giessen und Heidelberg
  • 1920: Ludwig Curtius wurde ihr wichtigster Lehrer. Wechsel zur Archäologie
  • 1925: Dissertation bei Curtius: „Die Gruppen angelehnter Figuren im V. und IV. Jahrhundert“. Sie erhielt nur deshalb nicht die Höchstnote, weil Curtius meinte, diese sei einzig Männern vorbehalten
  • 1925-28: Assistentin von Prof. Bernhard Schweizer an der Universität Königsberg
  • 1928: Curtis, der als Direktor an die Abteilung Rom des Deutschen Archäologischen Instituts berufen wurde, holte Speier nach Rom
  • Speier erhielt die Leitung des Aufbaus eines Fotoarchivs (erste archäologische Fotothekarin)
  • 1934: Sie war zu diesem Zeitpunkt auf dem Gebiet der modernen Fototheken fachlich besonders ausgewiesen. Der Generaldirektor der Vatikanischen Museen, Bartolomeo Nogara, gab Speier in seinem Museum jene neu geschaffene Stelle.
    Hermine Speier war damit die erste Frau, die eine Anstellung im Vatikan bekam. Nicht nur Papst Pius XI. gehörte zu ihren Förderern. Ihre Berufung galt nicht nur der kompetenten Archäologin, sondern war auch ein Zeichen für die Anstellung von Frauen und gegen die Entwicklung in Deutschland.
    Sie ordnete 20’000 Fotonegative aus dem Altbestand und musste auch die laufend eintreffenden neuen Bilder einordnen. Nahezu alle Bilder in Publikationen bis 1966 stammen aus der von Speier verwalteten Fotothek. Im Laufe der Zeit kamen auch Aufgaben bei der Betreuung der Antiken-Sammlung an der Seite von Magi hinzu. Hierzu gehörte etwa die Mitarbeit bei der Aufstellung der
  • 1935 von Benedetto Guglielmo dem Museum geschenkten etruskischen Sammlung. Von besonderer Bedeutung war die Einrichtung zweier Säle mit 17 originalen griechischen Bildwerken, die Speier aus der Sammlung zusammentrug. Daneben arbeitete sie an der Neueinrichtung der      Griechischen Vasensammlung und des Antiquarium Romanum.
  • Ab 1961 war sie alleinverantwortlich für die Antikensammlung. Während der deutschen Besetzung Roms wurde Speier als Jüdin bei einer Razzia verhaftet. Die Mitarbeiter des Vatikans um Pankratius Pfeiffer (→Papstbote, Conciliazione, Via Pfeiffer), Carlo Pacelli und Anton Weber, denen hunderte römische Juden ihr Leben verdankten, retteten auch Speier. Zeitweise wurde sie in Frauenklöstern   versteckt und in falschen Papieren als Religion der Katholizismus angegeben.
  • Nach dem 2. Weltkrieg konvertierte sei wirklich zum katholischen Glauben, was zu einem Bruch mit ihrer Familie führte, die aus Deutschland rechtzeitig nach Grossbritannien und in die USA fliehen konnte. Erst zu ihrer Beerdigung kam einer ihrer Brüder.
  • Sie starb am 12. Januar 1989 in Rom. Beerdigt im Campo Santo Teutonico, Vatikan. Grab: nach dem Eingang rund 15 m geradeaus, rechts, Grabsteinform entspricht romanischem Glockenturmfenster.

Speier sind mehrere bedeutende Funde zu verdanken. Im Magazin der Antikensammlung fand sie 1947/48 einen von Phidias geschaffenen Pferdekopf vom Westgiebel des Pantheon. Weitere Studien führten anhand der Verwitterungsspuren zur Erkenntnis, das es sich um das zweite Pferd des Athena-Gespanns handelte. Sie entdeckte die beiden sogenannten antiken Aurai-Statuen, die seit der Erbauungszeit im 18. Jahrhundert als Aussenbekrönung die Sala Rotonda verzierten. Ihre immense Denkmälerkenntnis führte dazu, dass das Deutsche Archäologische Institut sie Mitte der 1950er-Jahre mit der Herausgabe der vierten Auflage von Wolfgang Helbligs „Führer durch die öffentlichen Sammlungen klassischer Altertümer in Rom“ betraute, wobei sie von Helga von Heintze unterstützt wurde. Sie erweiterte das Spektrum des Kunstführers zu den antiken Werken in Rom um verschiedene Kunstgruppen und bezog viele junge Wissenschaftler bei der Arbeit ein. Sie übersetzte auch aus dem Italienischen ins Deutsche.
→Deutscher Friedhof

Spendengelder für Kirche und Papst

G. Nuzzi, Seine Heiligkeit, S. 102:
Die Krise der Spendengelder und das Konto des Papstes

Aufgrund von Indiskretionen und der verfügbaren Dokumente lässt sich sagen, dass an jedem Audienztag (mittwochs) Spendengeldsummen zwischen 4’000 und 150’000 Euro eingehen.

Wir sind in der Lage (der Autor), die Buchhaltungsübersicht vom 1. April 2006 einzusehen („päpstliches Depot“, einem persönlichen und geheimem Fonds, in den diverse Summen fliessen). An diesem Tag wurden 50’000 Euro eingezahlt: 41’680 in bar, 6’625 in Schecks, der Rest in Fremdwährungen. Betrachten wir die Aufstellung der Gelder, verteilt auf Generalaudienzen, Privataudienzen und externe Spenden, sieht man, dass die meisten grosszügigen Gaben, die von der Peripherie ins Zentrum von Sankt Peter gelangen, von Priestern und Diözesen stammen. Zu den Wohltätern jener Tage gehören die Minoriten der Provincia Serafica dell’Umbria, das Diözesanwerk für Pilgerreisen in Lugano, das deutsche Kloster Mallersdorf, die Wallfahrtskirche Madonna della Fontana, aber auch Einzelpersonen wie Javier Echevarria, Prälat des Opus Dei, und der damalige IOR-Präsident Angelo Caloia mit 5’000 Euro in bar.

S. 103:
Hinter jeder Spende steckt eine Person mit einer erzählenswerten Geschichte. Dank der Unterlagen, die in unseren Besitz gelangt sind, können wir Caloias Spenden rekonstruieren, eines Managers der „weissen“ (katholischen) Finanz aus Mailand, der 1989 von der Leitung der Bank Mediocredito Centrale zur Vatikanbank wechselte. Er schickt am 24.April 2006 eine weitere ansehnliche Spende, diesmal in Höhe von 50’000 Euro, wie man in dem herzlichen Schreiben nachlesen kann. Der Ton ist ganz besonders ehrerbietig. Caloia bezeichnet die Summe als ein „bescheidenes Zeichen“ – wohlgemerkt 50’000 Euro:

Heiliger Vater,
die Ostertage und die erhebenden Botschaften von Ihnen, Heiliger Vater, haben unser Herz mit Freude erfüllt. Der erste Jahrestag Ihrer Berufung auf dem Stuhl Petri war für uns die Bestätigung des grossen Geschenkes, das unser Herr Jesus Christus Ihnen gemacht hat. In inniger Dankbarkeit gegenüber dem Allerhöchsten für die Gnade, an der Er uns beständig teilhaben lässt, und überglücklich bei dem Gedanken, weiterhin des Trostes Ihres väterlichen Wohlwollens teilhaftig zu werden, möchte ich Ihnen persönlich und auch im Namen der Mitarbeiter des gesamten Instituts meine tiefe Dankbarkeit und der von Herzen kommenden Wunsch ausdrücken, der Heilige Geist möge Ihnen in Ihrem erhabenen Amt stets beistehen. Empfangen Sie, Heiliger Vater, ein bescheidenes Zeichen, das Ihnen bei Ihren guten Werken helfen soll, und segnen Sie uns und unsere Familien.

S. 106:
Am Heiligen Abend treffen besonders viele Spenden ein, und der Terminkalender des Papstes, in den wir Einsicht nehmen konnten, ist dicht gefüllt. Betrachten wir den Dezember 2011, als Benedikt XVI. in seine Agenda zahlreiche Begegnungen eingetragen hat und auf seinem Tisch ansehnliche Offerten von Geistlichen und Laien aus der ganzen Welt landen. Darunter ein Brief mit einem Scheck in der Höhe von 10’000 Euro, den Bruno Vespa, der bekannteste Fernsehjournalist Italiens, am 21. Dezember für karitative Zwecke schickt. „Auch in diesem Jahr“, schreibt er, „erlaube ich mir, Ihnen im Namen meiner Familie eine kleine Summe für die Wohltätigkeit des Papstes zu Verfügung zu stellen. Ich wünsche Seiner Heiligkeit und Ihnen, lieber Don Giorgio, frohe Weihnachten und ein für Ihre Mission erfolgreiches neues Jahr.“ Dann ein paar Leerzeilen, und nach Angabe der Schecknummer und des Betrags fügt der Journalist handschriftlich hinzu: „PS: Wann könnten wir eine Begegnung mit dem Heiligen Vater erhalten? Danke.“

S. 107:
Die Geschenke oder zumindest ein Teil der milden Gaben, die der Papst empfängt, werden an die Bediensteten des Kleinstaates weitergegeben. Am Dreikönigsfest werden die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes  beschenkt, allen voran die 150 Gendarmen. „Zur Bereicherung des Fests“ regt der Chef der Gendarmerie, Domenico Giani, im Dezember 2010 an, einige der Gelder für das Treffen zu verwenden, „das in diesem Jahr durch die Anwesenheit der Kinder und Angehörigen in einem besonderen Rahmen stattfinden wird“, wie er an Padre Georg schreibt.

In den Vatikan gelangt aber nicht nur Geld, es treffen auch Sachgeschenke aller Art ein, darunter Lebensmittel: Schinken, Wurstwaren und sogar der teure, luftgetrocknete spanische Serranoschinken. Giani, der Mann für alles, bringt die wie eine Violine geformte Schachtel mit dem Schinken und andere Delikatessen, die er im Dezember 2010 direkt vom Hersteller erhält, in die päpstlichen Privatgemächer. Dabei handelt es sich um den Vater von Marisa Rodriguez, Korrespondentin des staatlichen spanischen Fernsehens TVE, der mit diesem Geschenk dem Papst huldigen möchte. Selbstverständlich liegt auch ein Brief bei. „Der Umschlag für den Heiligen Vater“, schreibt Giani in einer Begleitnotiz, „liegt in der Schachtel.“

S. 109: Millionen für die Stiftung des Papstes
Über das Gelddepot des Heiligen Vaters im IOR war bisher wenig oder nichts bekannt. Es umfasst mit Sicherheit mehrere Girokonten, darunter auch eines mit der Nummer 39887, das am 10. Oktober 2007 eröffnet wurde und für humanitäre Zwecke und theologische Studien bestimmt ist. Auf dieses Konto hat der Papst 50 % der Tantiemen seiner riesigen Buchproduktion fliessen lassen, eines Katalogs mit mehr als 130 Titeln. Die Summe ist beachtlich: Seit März 2010 wurden 2,4 Millionen Euro auf die  vatikanische Stiftung „Joseph Ratzinger Benedetto XVI“ eingezahlt. Es handelt sich um das Pendant der gleichnamigen deutschen Stiftung („Joseph Ratzinger Benedikt XVI.-Stiftung“), die im Herbst 2008 gegründet wurde, mit Sitz in München und einem Konto bei der exklusiven Privatbank Hauck & Aufhäuser, die Filialen in Luxemburg, der Schweiz und Deutschland unterhält.

Die erste Überweisung in Hohe von 290’000 Euro erfolgte vom Konto des Papstes im IOR. Die deutsche Stiftung wird von ehemaligen Schülern Ratzingers geführt und hat das Ziel, die Theologie des Papstes zu fördern, auch mit der Vergabe von Stipendien.

Der Papst schwimmt gegen den Strom. Während die Unternehmen weltweit in der Krise stecken, schreibt seine Stiftung schwarze Zahlen. Für das Jahr 2012 rechnet man mit einem Überschuss von 1,03 Millionen Euro, nicht zuletzt dank der Nettoerträge der Finanzverwaltung, die Fachleuten von Cipriani (Generaldirektor Bank IOR) anvertraut ist, und dank der Einnahmen aus Buchverkäufen in Höhe von eineinhalb Millionen Euro. Die Ausgaben sind jedoch beträchtlich. Die operativen Kosten belaufen sich auf 170’000 Euro. Hinzu kommen 100’000 Euro für eine Tagung, die alljährlich im polnischen Bydgoszcz stattfindet, sowie 270’000 Euro für den von der Stiftung vergebenen Ratzinger-Preis 2011. „Die Übersicht zeigt, dass es sich um keine arme Stiftung handelt“, sagt Gian Gaetano Bellavia, Finanzexperte und Berater diverser Staatsanwaltschaften, „sondern um eine Einrichtung, die Gewinne erwirtschaftet, mit denen sie ihre Liquidität sichert. Aus der Gesamtheit der genannten Erträge ergibt sich eine hohe finanzielle Disponibilität. Am 31. Dezember 2010 lassen die 240’000 Euro Nettobeträge eine finanzielle Disponibilität (Verfügbarkeit)  von vielen Millionen Euro erwarten.“ (…)
→Immobiliensteuer     →Peterspfennig

Spielplatz für Kinder in den Vatikanischen Gärten

Er ist neben dem Tennisplatz zu finden. Der Ein- bzw. Ausgang wird kontrolliert durch die Gendarmerie und wird erst nach Anruf geöffnet bzw. zum Öffnen frei gegebenen. Der Spielplatz ist klein gehalten.

Spital und medizinische Versorgung des Vatikans

→Medizinische Versorgung    →Apotheke   →Ambulatorium

Sport, Sportzentrum des Vatikans

→Separates Register  „Sportzentrum des Vatikans“

Das vatikanische Sportzentrum heisst „Oratorio di San Pietro“ und liegt hinter dem Vatikan an der Via Aurelia. Es gehört eigentlich dem Orden der Kolumbusritter und besteht aus 2 Fussballplätzen mit Tribünen und Mannschaftshäuschen, belegt mit Kunstrasen (daher ist der Vatikan nicht FIFA-Mitglied). Dazu können Volleyplätze, eine Basketballhalle, ein Hallenbad und Korbballplätze benutzt werden. Das ganze Zentrum mit Internat liegt auf vatikanischem Hoheitsgebiet. Hier finden u. a. die Winter-Fussball-meisterschaften des Vatikans statt. – Der Vatikan führt keine eigene Fussball-Nationalmannschaft. Daher kann Herr Trappattoni nicht Nationaltrainer sein. Kardinal Bertone führte den Kleriker-Cup ein, der hier stattfindet.

Ein Boccia-Gelände, das Johannes XXIII. für sich anlegen liess, steht seither unbenutzt in den vatikanischen Gärten.

Aus der Zeit von Pius IX. (1846-78) stammen noch 2 Billardtische, davon einer in Castel Gandolfo. Pius galt in diesem Sport als unschlagbar.

OR Nr. 40 vom 7. Oktober 2016, S. 4
Der Vatikan veranstaltete in dieser Woche eine prominent besetzte Tagung zu Sport und Glaube. Vom 5. bis 7. Oktober 2016 berieten nach Angaben des Päpstlichen Rates für die Kultur, der das Treffen im Rahmen der Heiligjahr-Veranstaltungsserie organisierte, 150 Akteure aus Sport, Gesellschaft und Religion über „Sport im Dienst der Menschlichkeit“. An der Konferenzeröffnung nahmen neben Papst Franziskus UN-Generalsekretär Ban Ki moon und der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, teil. Für den musikalischen Rahmen sorgte der chinesische Star-Pianist Lang Lang.

S.P.Q.R.

→Dolendeckel

Sprachen

→Bibel

Supermarkt im Vatikan

→Annona

Suppenstelle im Vatikan

Siehe →Verpflegungsstelle

Svizzero, Istituto … di Roma

→Istituto Svizzero di Roma

Synode

Was ist eine Synode?
Kirche heute 39/2012 September :

Ob Konzil, Zusammenkunft von Bischöfen eines ganzen Kontinents oder Parlament einer kantonalkirchlichen Körperschaft, Synode bezeichnet immer eine Versammlung, an der gemeinsam beraten wird. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nehmen an Diözesansynoden neben dem Bischof und zahlreichen Priestern auch Laien teil. Die Diözesansynode hat aber – wie auch die meist in Rom tagenden Bischofssynoden – nur beratenden Charakter. Einzig der Bischof – bei den Bischofssynoden der Papst – kann verbindliche Beschlüsse fassen. Der Begriff Synode – gemeinsamer Weg – legt nahe, dass auf diesen Versammlungen nach Einigkeit gerungen wird. Aber auch auf den Konzilien ist schlussendlich nach (meist klaren) Mehrheiten abgestimmt worden. Alois Schuler