Päpste, ihre Pontifikate: K bis Z, wahlweise

Nachweise

 


Leo I.

der Grosse
aus Tuszien

440-461

 

Alb = Päpste, Albatros-Verlag; AS = Alexander Smoltczyk, Vatikanistan; HK = Hans Küng, Ist die Kirche noch zu retten?/Erkämpfte Freiheit/Erlebte Menschlichkeit; JE = Jürgen Erbacher, Der Vatikan, das Lexikon; Kirche heute, kath. Pfarrblatt Basel; OR = L’Osservatore Romano; Katholische Wochenzeitung Schweiz,  u. a. m.

HK, Ist die Kirche noch zu retten? S. 74:
Er ist ein solider Theologe und Jurist, ein eifriger Prediger und Seelsorger und ein fähiger Staatsmann, welcher „der Grosse“ genannt wird. Ihm haben die Historiker als erstem den Titel „Papst“ im eigentlichen Sinn beigelegt. Eine Nachfolge Petri durch den Bischof von Rom sieht Leo in einem (gefälschten) Brief des Papstes Klemens an den Herrenbruder Jakobus in Jerusalem: Demzufolge habe Petrus in einer letzten Verfügung Klemens zu seinem alleinigen legitimen Nachfolger gemacht.

Als erster römischer Bischof schmückt Leo sich mit dem Titel des heidnischen Oberpriesters „Pontifex Maximus“ (oberster Priester), den der byzantinische Kaiser gerade abgelegt hatte. – So erfolgreich Leo der Grosse mit seiner römischen Theologie und Politik im Westen ist, so wenig Akzeptanz findet er in der – noch immer viel gewichtigeren – Kirche des Ostens. Eklatant (aufsehenerregend) zeigt sich dies in seiner bitteren Niederlage auf dem 4. Ökumenischen Konzil von Chalkedon (451): Seinen 3 Legaten wird der beanspruchte Vorsitz glatt verweigert.

Als erster römischer Bischof wird Leo in der Peterskirche begraben.

GEOEPOCHE Nr. 10, S. 172:
Der Erste Pontifex Maximus (Brückenbauer)
Leo wird im Jahre 440 gewählt – in schwierigen Zeiten: Die Völkerwanderung bedroht das weströmische Reich, und die Kirche streitet um den rechten Glauben. In diesen Wirren beansprucht Leo I. so deutlich wie keiner seiner 44 Vorgänger die Führung über die Christenheit.

Tatsächlich überträgt der weströmische Kaiser Valentinian III. dem Papst im Jahr 445 die Gerichtshoheit in allen Provinzen des Westens. Leo nutzt die Vollmacht, nennt sich fortan Pontifex Maximus – wie die alten römischen Kaiser – und beauftragt die weltlichen Behörden, die Anhänger innerkirchlichen „Irrlehren“ zu verfolgen. Dann nimmt er an einer kaiserlichen Gesandtschaft teil, die 452 den Hunnenkönig Attila in Norditalien zur Umkehr bewegt. Als 3 Jahre später die Vandalen vor den Toren Roms stehen, erreicht der Papst in Verhandlungen, dass bei der Plünderung der Stadt die Einwohner am Leben gelassen werden.

Auch in theologischen Fragen beansprucht Leo höchste Autorität: Mit einem Lehrbrief nimmt er 449 Stellung in einem Streit, der in der Kirche seit langem herrscht. Es geht um die wahre Natur Christi. Leo vertritt die Lehre von der paradoxen (sonderbaren) Einheit der Person Christi in 2 Naturen: Jesus vereine in sich unvermischt und unzertrennlich die göttliche und die menschliche Natur. 451 setzt sich sein Konzept durch: „Petrus hat durch Leo gesprochen“, jubeln die Versammelten des Konzils von Chalcedon. Noch im Tod verteilt Leo seinem Führungsanspruch Ausdruck: Er hat als erster Papst verfügt, neben dem Grab Petri bestattet zu werden.

Alb S. 53:

Leo VIII.
Römer
963- 965

HK S. 83: Als Laie gewählt. Er erhielt an einem Tag alle Weihen: eine Vorgehensweise, die bis zum neuen Codex Iuris Canonici 1983 legitim war. (WA: Universi Dominici Gregis von 1996/J.P.II., Kapitel 7, 88: „Wenn der Gewählte hingegen noch nicht Bischof ist, so soll er sogleich zum Bischof geweiht werden“.) Papstabsetzungen und Papsteinsetzungen, Päpste und Gegenpäpste, mordende und ermordete Päpste waren auch weiterhin keine Seltenheit.

Leo X.

Medici Giovanni
1513-21
Florenz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Leo XI.

1. April 1605 bis
27. April 1605
Florentiner

Ein Mann, der so geldgierig war, dass er Kardinalshüte versteigerte. Ein florentinischer Arzt wurde von 5 Kardinälen gedungen, um ihn mit Gift zu töten, das ihm in den Anus eingeführt werden sollte unter dem Vorwand, seine Hämorrhoiden zu behandeln. Die Verschwörung wurde entdeckt, und ihr Anführer. Kardinal Alfonso Petrucci, mit einem karmesinroten Seidenstück stranguliert.

HK S. 111: Er wurde mit 13 Jahren Kardinal, liebte vor allem die Kunst, genoss das Leben und konzentrierte sich auf den Erwerb des Herzogtums Spoleto für seinen Neffen Lorenzo. Er nahm 1517 jenes epochemachende Ereignis gar nicht richtig wahr, das dem universalen Anspruch des Papstes nun auch im Westen ein Ende bereiten sollte: Ein unbekannter deutscher Augustinermönch, der einige Zeit zuvor ein paar Monate in Rom gewesen war und der sich als treuer Katholik verstand, veröffentlichte als Professor für Neues Testament zu Wittenberg (Schlosskirche) 95 kritische Thesen gegen den Ablassgrosshandel für die im Bau befindliche sündhaft teure neue Peterskirche: Martin Luther.  Der von Leo X. aus dem Handels- und Bankhaus der Medici zur Finanzierung des Neubaus der Peterskirche eingeleitete Ablasshandel war unmittelbar Anlass für Martins Luthers Thesen.
→Finanzen

Englisch Andreas, Franziskus, S. 285: Der Vatikan hat so viele Päpste erlebt, die niemals auf die Idee gekommen wären, barmherzig zu sein. Man denke etwa an Leo X., den Medici-Papst, der so viel Geld verprasste, dass er Ablassbriefe verkaufen musste.

YouTube CH; Der Reichtum der Kirche ist Blutgeld
Leo X. verkaufte 39 neue Kardinalsämter und holte sich dafür 511’000 Dukaten bzw. heute 66 Millionen Euro. Er verkaufte Kardinalshüte zu 10’000 bis 30’000 Golddukaten bzw. heute 1,3 Millionen Euro.

Sein Pontifikat dauerte lediglich 27 Tage. Während dieser Zeit bemühte er sich, das kaiserliche Heer zu unterstützen, das in Ungarn gegen die Türken kämpfte. Er verstarb wenige Tage nach einem Sturz vom Pferd, auf dem Weg zu seiner Krönung im Lateranpalast.  →Reiterprozession

Leo XIII.
Pecci Vincenzo

1878-1903
Carpineto Romano

Er war bei der Wahl eine Überraschung; er lebte wenig in Rom und für viele eine unbekannte Grösse. Er gab die erste der päpstlichen Sozial-Enzykliken heraus, „Rerum Novarum“. Nach seiner Wahl weigerte er sich, den üblichen Segen „Urbi et orbi“ zu erteilen, eine Geste, die von den Römern übel aufgenommen wurde. – Leo XIII. war ein geschickter Diplomat.

HK, S. 147: Leo XIII., der aufgeschlossenere Nachfolger des Unfehlbarkeitspapstes Pius’ IX., nahm die Unfehlbarkeit nicht in Anspruch. Er beendete den „Kulturkampf“ mit dem Deutschen Reich und anderen Ländern und korrigierte Roms negative Haltung zur Moderne, zu Demokratie und liberalen Freiheiten. Jetzt nicht mehr für den sozial rückständigen Kirchenstaat verantwortlich, veröffentlichte er – fast ein halbes Jahrhundert. nach dem Kommunistischen Manifest – die längst überfällige Sozialenzyklika „Rerum novarum“ (1891). Aber gegen Ende seines Pontifikates wurden rückschrittliche Tendenzen sichtbar; vor allem in Massnahmen gegen die moderne Exegese.
→Finanzen

Leo XIII. gilt als Initiator der heutigen Papstsegen, z. B. für Hochzeiten, Erstkommunion usf. (siehe unter „Almosenamt“)

Wikipedia, Conrad Ferdinand Meyer
Bei der Thronbesteigung von Leo XIII. brach im Schweizergarde-Quartier des Vatikan beinahe eine kleine „Revolte“ aus: Leo XIII.  hielt anfänglich das Antrittsgeschenk der Gardisten zurück. Dies veranlasste den Schweizer Schriftsteller Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) zu folgendem Gedicht:

Alte Schweizer
Sie kommen mit dröhnenden Schritten entlang
den von Raffaels Fresken verherrlichten Gang
in der puffigen alten geschichtlichen Tracht,
als riefe das Horn sie zur Murtener Schlacht.

„Herr Heiliger Vater, der Gläubigen Hort,
so kann es nicht gehen und so geht es nicht fort.
Du sparst an den Kohlen, Du knickerst am Licht
– an deinen Helvetiern knausre du nicht!

Wann den Himmel ein Heiliger Vater gewann,
ergibt es elf Taler für jeglichen Mann.
So galts und so gilts von Geschlecht zu Geschlecht
– wir pochen auf unser historisches Recht!

Herr Heiliger Vater, du weisst, wer wir sind!
Bescheidene Leute von Ahne zu Kind!
Doch werden wir an den Moneten gekürzt,
wir kommen wie brüllende Löwen gestürzt!

Herr Heiliger Vater, die Taler heraus!
Sonst räumen wir Kisten und Kasten im Haus…
Potz Donner, und Hagel und höllische Pfuhl!
Wir versteigern dir den Apostolischen Stuhl!“

Der Heilige Vater bekreuzt sich entsetzt
und zaudert und langt in die Tasche zuletzt
– da werden die Löwen zu Lämmern im Nu,
„Herr Heiliger Vater, jetzt segne uns du!“

Marcellus II.
Cervini

1555,
22 Tage
 

 

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Martin V.
Oddo Colonna, Römer,
1417-1431, Ende des
Grossen Kirchen-schismas, gewählt
während des
Konzils von Konstanz

Bei Kelly heisst es: Wenige Wahlen haben so ehrgeizige Hoffnungen geweckt wie die von Marcellus … Er schien der Oberhirte zu sein, nachdem die krisengeschüttelte Kirche lechzte … Er kürzte die Ausgaben für seine Krönung auf ein Minimum, reduzierte Umfang und Kosten seines Hofstaates … Schon nach 22 Tagen im Amt, von rastloser Tätigkeit und der Last der Verantwortung ausgezehrt, versagte seine schwache körperliche Verfassung, und er starb an einem Schlaganfall. Er hätte noch 5 Tage bis zu seinem 54. Geburtstag gebraucht.

Klaus Schelle, Das Konstanzer Konzil, ab S. 85
Oddo Colonna, (*1368-1431) wurde am 11. November 1417 einstimmig zum Papst gewählt und nannte sich Martin V. Seine Wahl beendete das Grosse Kirchenschisma. In das verwahrloste Rom kam er erst 1420 mit Hilfe eines Condottiere (Söldnerführer). Die Reformation der Kirche hat er nicht vorangetrieben.
S. 89: Nun musste noch ein Ort für das Konklave bestimmt werden, denn das Münster von Konstanz war dafür nicht geeignet. Man entschied sich für das grosse, vor noch nicht langer Zeit gebaute Kaufhaus (am See), das bis zum heutigen Tag, wenn auch fälschlich, das „Konzilsgebäude“ genannt wird. Der obere Saal des Kaufhauses wurde in 53 Einzelzimmer umgebaut, das Gebäude im Umkreis streng abgesperrt. Aus dem Kreis fürstlicher und adeliger Personen der 5 Nationen ernannte man besondere Aufseher. Die Essenträger mussten jedes Mal eine genaue Kontrolle auf verbotene Korrespondenz durch eine Kommission von Ärzte und Geistlichen über sich ergehen lassen. Jedes einzelne Brot wurde zerschnitten. Jedes Weinbehältnis im Licht geprüft. Aber natürlich gab es auch bei all diesen Sicherheitsmassnahmen die verbotenen Kontakte zur Aussenwelt, gewisse Gespräche, und wenn es sein musste, auf dem Abort. – Von den insgesamt 26 Kardinälen waren 3 abwesend, ein Franzose und 2 Italiener. So bestand das Wählerkollegium aus insgesamt 53 Angehörigen (eine fast revolutionäre Neuerung wurde in der Wahlordnung geschaffen: Neben den Kardinälen traten je 6 Prälaten aus den 5 Konzilsnationen, insgesamt also 30, zur Wahl). Als die 53 am Montag, dem 8. November 1417, ins Kaufhaus einzogen, und als die an/deren Konzilsväter in feierlicher Prozession um das Haus zogen und „veni creator Spiritus“ sangen, da wagte eigentlich noch niemand zu hoffen, dass sich der Heilige Geist mit seiner Erleuchtung rasch auf die Konklavisten herabsenken werde. – Die Franzosen hatten sich naturgemäss Hoffnungen gemacht, man werde den Kardinal d’Ailly wählen. War er nicht der grosse Kirchenlehrer seiner Zeit, hatte er sich nicht führend auf dem Konzil hervorgetan? Die Engländer wollten Henry Beaufort wählen lassen. Hatte er nicht das Konzil aus einer aussichtslos scheinenden Situation herausgeführt? War er nicht ein hervorragender, tatkräftiger Kirchenfürst? – Aber das nutzte alles nichts. Die Italiener waren sich einig. Sie hatten die absolute Mehrheit, aber das reichte zunächst noch nicht. Franzosen und Spanier wehrten sich noch und gaben erst nach, als die anderen drohten, sie vor aller Welt als die Feinde der kirchlichen Einheit blosszustellen. Die hart geführten Verhandlungen gelangten nach einer überraschend kurzen Zeit von nur 3 Tagen zu einem Ergebnis: gewählt wurde Oddo Colonna, der zu Beginn des Konklaves durchaus nicht unter den aussichtsreichsten Kandidaten gesehen wurde.
Der noch nicht 50-Jährige entstammte dem berühmten römischen Geschlecht, das seinen Stammbaum bis auf die Römer zurückführte (Columna = die Säule), das immer zu den Ghibellinen (im Mittelalter die kaiserliche [Hohenstaufen-]Partei in Italien, im Gegensatz zu der päpstlichen, den Guelfen, dt. Welfen) zählte und manchen fürchterlichen Streit mit den Päpsten ausgefochten hatte. Der neue Papst war der uneheliche Sohn von Agapito Colonna und seiner Geliebten Caterina Conti. Die uneheliche Geburt wurde aber nicht als ein besonderer Makel angesehen. Oddo Colonna war unter Urban VI. Protonotar (Notar der päpstlichen Kanzlei) geworden und im Jahre 1405 von Innozenz VII. zum Kardinaldiakon von San Giorgio in Velabro ernannt worden.
Als die einstimmige Wahl mit den traditionelle Worten „Habemus papam“ verkündet wurde, erhob sich in Konstanz ein unbeschreiblicher Jubel. Als erster erschien Kaiser Sigismund zum Fusskuss und Glückwunsch. Gekrönt wurde der neue Papst, der den Namen Martin V. annahm, am 21. November 1417, wobei er nach kanonischem Recht zunächst die fehlende Bischofsweihe erhalten musste. Ehe dem neuen Papst die Tiara aufgesetzt wurde, trat ein Kardinal nach altem Brauch mit einem wergumwickelten langen Stab (Werg = Flachs-, Hanfabfall) an den Thron, entzündete das Werg und sprach: „Heiliger Vater, so vergeht die Herrlichkeit der Welt!“
Ein feierlicher Umzug durch die Stadt schloss sich an, voraus die Kardinäle, dann der Papst auf einem Schimmel, der Kaiser zu seiner Seite, die Zügel führend, wie es der Brauch vorschrieb, und hinterher die weltlichen Fürsten. – Und noch ein alter Brauch bei Papstwahlen wurde eingehalten. An einem vorher festgelegten Platz warteten die Juden von Konstanz, um dem Papst die Thora zu überreichen und um Bestätigung der Schutzbestimmungen der früheren Päpste zu bitten. Sigismund nahm die Rolle und sagte: „Mosis Gesetze sind recht gut; keiner von den Unseren soll sie verachten. Ihr aber, Ihr wollt sie nicht verstehen und wollt sie nicht befolgen, wie es sich gebührt“. Der Papst, der die Rolle nicht anrührte, sagte kurz: „Gott möge die Binde von Euren Augen nehmen, damit sie das Licht erfahren können“. Nichts anderes war gewollt, nichts anderes erwartet.
Die Abschlussversammlung des Konzils fand am 22. April 1418 statt. Es wurde vereinbart, den Beschlüssen gemäss in 5 Jahren wieder zusammenzutreten.  Dann zog der feierliche Zug aus der Stadt, voraus 12 mit Scharlachtuch bedeckte Pferde, dahinter 4 von Rittern getragene Kardinalshüte, dann der Papst, zur Seite wieder Sigismund, den Zaum des Pferdes führend, auf der anderen Seite der Hohenzoller. Alle Glocken von Konstanz läuteten, als der Zug sich auf der Strasse nach Gottlieben bewegte.
Für einen Colonna-Papst kam natürlich nur Rom als Sitz in Frage. Avignon schied von vornherein aus, mit dieser Stadt war die Kirchenspaltung zu sehr verbunden. Aber Martin V. war realistisch genug, um einzusehen, dass ihm vom Kirchenstaat kein Stück gehörte. Rom wurde von den Truppen der verschiedenen Condottieri (Söldnerführer) besetzt und geplündert. So wandte er sich über Schaffhausen und Genf zunächst nach Mailand., Er war Pragmatiker genug, zu sehen, dass der prachtvolle Einzug in die Hauptstadt der Lombardei nichts daran änderte, dass der Papst ein Fürst ohne Land war. Es sollte noch 2 Jahre dauern, bis er die Ewige Stadt betreten konnte.
Drei hehre Ziele hatte sich das Konzil gesetzt. Die Causa unionis wurde gemeistert, die 3 Papstprätendenten (Anspruch auf das Papstamt) abgesetzt und ein neuer, ein einziger Papst gewählt. In der zweiten Frage, der causa reformationis, hat das Konzil vollkommen versagt. Ausser einigen Absichtserklärungen, frommen Ermahnungen und der Denkschrift der Kommission ist überhaupt nichts herausgekommen. Selbst vom konziliaren Gedanken, der doch in Konstanz übermächtig schien, blieb nichts als die Absichtserklärung, sich in 5 Jahren wieder zu einem Konzil zu versammeln. Das Schlimmste war wohl die Lösung der dritten Fragen, die causa fidei. Das Konzil begnügte sich damit, die Lehren von Wyclif zu verdammen und Magister Johannes Hus zu verbrennen. Welch entsetzliche Folgen sich daraus in den nächsten Jahren nicht nur für ganz Böhmen, sondern für weite Teile Mitteleuropas ergeben würden, das ahnten wohl nur wenige( Hussitenkriege: 1419 bis 1434 bzw. 1439, ausgehend vom Gebiet des Königreiches Böhmen. Über 35 Schlachten und 5 Kreuzzüge).
S. 115: Martin VI. tat alles, um das Zustandekommen eines Reformkonzils zu sabotieren. Unter seiner Herrschaft nahmen die in Konstanz angeprangerten Missbräuche in der kirchlichen Hierarchie eher noch zu. Aber alle Machenschaften nützten nichts. Die deutschen Reichsfürsten waren zu der Einsicht gelangt, die Hussitenkriege seien nur durch Verhandlungen auf einem Konzil zu beenden. Im November 1430 fand man einen Anschlag am Vatikan, der Papst und Kardinäle als Ketzer mit Absetzung bedrohte, wenn sie sich dem Konzil verweigerten. Er ernannte noch Cesarini zu seinem Legaten für das Konzil, da traf ihn am 20. Februar 1431 der Schlagfluss. Sein Tod hat ihn wahrscheinlich vor der schmählichen Absetzung durch das Konzil bewahrt.

Nikolaus I.
Römer
858 – 867

Alb S. 78:  Es kann sein, dass Nikolaus I. der erste Papst war, der gekrönt wurde. In San Clemente gibt es ein Bild, das das Begräbnis des heiligen Cyrillus darstellt. Darauf ist eine Gestalt, möglicherweise Nikolaus wiedergebend, die ein mit Edelsteinen geschmücktes Diadem (kostbarer Stirnreif) trägt. Nikolaus war eine seltsame, kraftvolle Mischung aus Idealismus und politischem Realismus. Im November 867 starb er. Er hatte eine ungeheure moralische Autorität besessen, aber viel davon war seiner starken Persönlichkeit zuzuschreiben. Er war der einzgie Papst nach Gregor I., dem die Nachwelt den Beinamen der Grosse gab. Bald aber sollten in Rom wieder Spaltungen aufbrechen, die den Status eines Bischofs dieser Stadt auf den absoluten Tiefpunkt brachten.

OR Nr. 1 vom 6. Januar 2017, S. 12
Konstanz. Ausstellungen, aufwendige Stadtführungen und die Erinnerung an die einzige Papstwahl auf deutschem Boden: Mit dem „Jahr der Religionen“ will die Bodenseeregion 2017 an das Konstanzer Konzil (1414 – 1418) erinnern und gleichzeitig Brücken zu aktuellen politischen Debatten bauen. Papst Martin V. steht 2017 im Mittelpunkt. Er wurde am 11. November 1417 am Bodensee zum Papst gewählt. Damals erklangen aus dem Fenster des Kaufhaues am Hafen die berühmten Worte „Habemus Papam!“ In dem Konklave wurde das knapp 40-jährige Schisma der westlichen Kirche beendet und Europa geeint. Nie zuvor und niemals danach wurde nördlich der Alpen ein Papst gewählt.

Paul II.
Barbo
1464-71

Er schied nach dem Genuss von „zwei grossen Melonen“ dahin, wobei der Verdacht auf Gift bestand. Er wurde von seinen Kardinälen seiner Homosexualität wegen nur „Unsere liebe Frau des Mitleids“ genannt.

Paul III.
Farnese
Alessandro

1534-49
Canino (Viterbo)

Persönlich ganz Renaissance-Mensch mit Kindern und Enkeln als Kardinälen, führte eine gewisse Wende herbei (Rehabilitation nach der Reformation): zuerst Berufung von fähigen und tief religiösen Führern der Reformparteien ins Kardinalskollegium, dann Bestätigung des neuartig weltlichen Elite-Ordens „Compañia de Jesús“ des Ignatius von Loyola, der Jesuiten, schliesslich (fast 3 Jahrzehnte nach Ausbruch der Reformation und nur 2 Jahre vor Luthers Tod)  Eröffnung des Konzils von Trient (1545-63).

Krüger/Wallraff, Luthers Rom, 2010, S. 25
Wir werden ihm später in Rom wieder begegnen: als einem der mächtigsten Politiker und klügsten Gelehrten der Kapitale und dann vor allem als Papst Paul III. – dem der längste und vielleicht glanzvollste Pontifikat eines an Höhepunkten reichen Jahrhunderts vergönnt war. Wenn wir ihn in Rom als grossen Diplomaten auf internationaler Bühne sehen, als Kirchenreformer und Initiator des tridentinischen Konzils, als Bauherrn des Palazzo Farnese und Auftraggeber Michelangelos, der für ihn das Fresko des „Jüngsten Gerichts“ in der Sixtinischen Kapelle anfertigte, wenn wir an seinem prächtigen Grabmal direkt in der Apsis der Peterskirche stehen, dann tun wir gut daran, uns an seine Wurzeln zu erinnern (WA: aus bescheidenen Verhältnissen), die ihn geprägt haben und die er sein Leben lang nicht vergass.

Paul IV.
Carafa Gina Pietro
1555-59 Capriglia (Avellino)
Er brachte es mittags auf 20 Gänge.
Paul V.
Camillo Borghese
1605-21, Römer/Siena

Er wollte gegen die Republik Venedig noch einmal mit Bann und Interdikt (Verbot kirchlicher Amtshandlungen als Strafmassnahme der kath. Kirchenbehörde) das mittelalterliche Paradigma von Kirche mit päpstlichem Hoheitsanspruch durchsetzen. In seinem Pontifikat fiel der erste Galilei-Prozess.

WA: An der Fassade der Peterskirche prangt sein Name als Römerbürger, obwohl er aus Siena kam. Er bezeichnet hier den Bau des Domes zu Ehren des Apostelfürsten, obwohl Petrus, so Hans Küng, nie Apostelfürst war. →Fassade

Fassadeninschrift an der Petersdom-Fassade:

IN HONOREM PRINCIPIS APOST- PAULUS V BURGHESIUS ROMANUS – PONT  MAX  AN  MDCXII PONT  VII

ZU EHREN DES APOSTELFÜRSTEN – PAUL V. RÖMISCHER BÜRGER – PAPST IM JAHR 1612 IM SIEBTEN JAHR SEINES PONTIFIKATS

Paul VI.
Giovanni Baptista Montini,
1963-78,
von Concesio
(Brescia),
seliggesprochen am 19.10.2014

→Pille

Entscheidungsunfähigkeit. Überzeugter Demokrat aus der Familientradition heraus (HK). Sein Wahlspruch: In nomine Domine – Im Namen des Herrn.

HK, S. 156: Johannes XXIII. wurde abgelöst vom ernsthaften, aber schwankenden („Hamlet“) und letztlich doch aufgrund seiner ganzen Karriere kurial und nicht konziliar denkenden Montini-Papst Paul VI.

Damit war klar: Jenes römische System, das im 11. Jahrhundert mit der Gregorianischen Reform durchbrach (→Päpste, Gregor VII. Hildebrand) und das dem Papst und seiner Kurie eine Alleinherrschaft in der Kirche zuschrieb, wurde wie schon einmal durch das Konzil von Konstanz (1414-18) so auch wieder durch das Zweite Vatikanum (1962-65) erschüttert, aber nicht beseitigt. Stillschweigend wurde in Kauf genommen, dass das absolutistische römische Regierungssystem von den orthodoxen Kirchen des Ostens ebenso wie von den Kirchen der Reformation und vielen nachdenklichen Katholiken strikt abgelehnt wurde.

Verhängnisvoll für die Zeit nach dem Konzil waren die konziliaren Tabuisierungen. So durfte über die Priesterehe nicht einmal diskutiert werden. Ebensowenig wurde diskutiert über Ehescheidung und eine Neuordnung der Bischofsernennungen, über Kurienreform und vor allem das Papsttum selbst. Zu Gunsten einer verständnisvolleren Lehre über Geburtenregelung (Empfängnisverhütung) erfolgten an ein und demselben Tag 3 Interventionen gewichtiger Kardinäle. Doch sofort wurde die Diskussion von Paul VI. unterbunden – die Angelegenheit (wie auch die Frage der konfessionell gemischten Ehen) an eine päpstliche Kommission verwiesen. Diese entschied später gegen die traditionelle römische Lehre, wurde aber vom Papst selber überspielt: 1968 mit der Enzyklika „Humanae vitae“. Ohne viel Erfolg: Seit der Einführung der Pille vor einem halben Jahrhundert haben weltweit wie bekannt über 200 Millionen  Frauen diese Methode der Verhütung angewandt, die ausgerechnet von zwei guten Katholiken (John Rock und Pasquale De Felice) auf den Weg gebracht worden war.

Zum 1. Mal nach dem Konzil (1962-65) hatte so ein Papst wieder in vorkonziliar-autoritärer Weise unter völliger Missachtung der vom Konzil feierlich beschlossener Kollegialität der Bischöfe allein eine Entscheidung getroffen – und zwar in einer gerade auch für die Kirche der priesterarmen Kontinente Lateinamerika, Afrika und Asien hochwichtigen Frage, deren Diskussion er auf dem Konzil selbst verboten hatte: die Zölibatsenzyklika „sacerdotalis coelibatus“. Eine nach dem Evangelium völlig freie Berufung zur Ehelosigkeit wird von Papst Paul VI. erneut abgelehnt und unter Berufung auf dasselbe Evangelium ein die Freiheit unterdrücktes Gesetz verteidigt.

Es ist offenkundig: Trotz der Impulse des Konzils war es in dieser nachkonziliaren Zeit nicht gelungen, die autoritäre institutionell-personelle Machtstruktur der Kirchenleitung im Geist der christlichen Botschaft entscheidend zu verändern: Papst, Kurie und die meisten Bischöfe verhielten sich bei allen unumgänglichen Wandlungen weithin vorkonziliar-autoritär; aus dem Konzilsprozess schien man wenig gelernt zu haben. In Rom wie in anderen Kirchengebieten blieben Persönlichkeiten an den Schalthebeln geistlicher Macht, die sich mehr am Machterhalt und dem bequemen Status quo als an ernsthafter Erneuerung im Geist des Evangeliums und an der Kollegialität interessiert zeigen.

Nach wie vor berief man sich in allen möglichen kleinen und grossen Entscheidungen auf den Heiligen Geist und angeblich von Christus gegebene apostolische Vollmachten. Wie sehr, wurde allen klar, als Paul VI. 1968 die Kirche mit einer weiteren verhängnisvollen Enzyklika in jene Glaubenswürdigkeitskrise stürzte, die seither anhält; eben jene Enzyklika „Humanae vitae“ gegen empfängnisverhütende Mittel. Diese Enzyklika stellt den ersten Fall in der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts dar, bei dem die breite Mehrheit von Volk und Klerus dem Papst in wichtiger Sache den Gehorsam verweigerte. Dabei handelt es sich doch nach römischer Auffassung faktisch um eine „unfehlbare“ Lehre des „ordentlichen“ (alltäglichen) Lehramtes von Papst und Bischöfen (gemäss Art. 25 der Kirchenkonstitution des Konzils). Ähnlich geschah es später bei der von Johannes Paul  II. ebenfalls ausdrücklich als „unfehlbar“ erklärten fatalen Verwerfung der Frauenordination für Zeit und Ewigkeit.

HK, Erkämpfte Freiheit, S. 435:
Freiherr Ludwig von Hertling SJ, Professor in Kirchengeschichte an der Gregoriana Rom, praktizierte als seine Spezialität ein Zahlenspiel (und Examensfragen) mit Papstnamen. Und eines seiner „Forschungsergebnisse“ war: „Omnes Papae cum numero sexto erant papae infelices – Alle Päpste mit der Zahl 6 waren unglückliche Päpste.“ – P. von Hertling indes hatte auf Wunsch des Vatikans einen Artikel für die Ausgabe des Osservatore Romano zur Wahl des kommenden Papstes (1963) geschrieben und darin seine These von der Nummer 6 entfaltet. Diese Seiten des Osservatore waren bei der Wahl schon gedruckt. Und so enthielten die nach der Wahl auf dem Petersplatz verkauften Exemplare auch diesen Artikel – bis man die Peinlichkeit bemerkte und das Ganze ohne Hertlings Beitrag neu druckte. – Wie unglücklich dieser Papst Paul VI. tatsächlich werden sollte, hat damals niemand ahnen können.

S. 438, HK: Papa Montini – vielleicht der einzige Papst des 20. Jahrhunderts, der im weitesten Sinne ein „Intellektueller“ genannt zu werden verdient.

S. 440, HK: Er verpasst nach seiner Wahl geradezu eine historische Chance für eine Kurienreform:

  • Kardinal Suenens, Primas von Belgien, als neuer Staatssekretär (hat den 82-jährigen Amleto Cigognani belassen)
  • Kardinal König, Erzbischof von Wien, als neuen Präfekten des Sanctum Offiziums (hat Kardinal Ottaviani belassen)
  • Kardinal Léger, Erzbischof von Montreal, neuer Chef der Bischofskongregation
  • Kardinal Silva Henriquez, Erzbischof von Santiago de Chile, Chef einer Kongregation für die Laien
  • Erzbischöfe, die im Konzil Format gezeigt haben: Elchinger von Strasbourg, für die Studienkongregation (Kardinal Pizzardo belassen), Eugene D’Souza von Bhopal/Indien für die Missionskongregation „Propaganda Fide“, Denis Hurley von Durban/Südafrika für „Justitia et Pax“
  • Kardinal Bea als Chef des Einheitssekretariats muss nicht ersetzt werden

Ist Giovanni Montini Wahlkapitulationen (Absprachen) eingegangen? Montini bestätigt auch den Generalsekretär des Konzils, Erzbischof Pericle Felici (seinen früheren Gegner). Dieses Generalsekretariat entwickelt sich rasch zur zentralen Schaltstelle für die Manipulationen des Konzils: Felici, Cicognani und Ottaviani arbeiten bestens zusammen.

Dies ist leider das Hamletartige an diesem Papst: Er möchte und möchte doch nicht. Er zögert und blockiert durch seine Personalernennungen gerade jene Kurienreform, die er zwar wünscht, aber zugleich fürchtet. Denn: Montini, schon immer zur Ängstlichkeit neigend, hat wirklich Angst: vor den vatikanischen Potentaten (Machthabern) und Cliquen, seinen früheren Kollegen, denen er viel verdankt und die auch mit einem Papst nicht immer gnädig umgehen – solange er sie machen lässt.

OR Nr.  39 vom 28.09.2012, S. 39, Christa Langen-Peduto:
(Ausstellung in der Engelsburg: Einige Päpste von 1300- 2000)
Eigentlich wirkt er ziemlich ungehobelt, ein grob geformter Sitz, weder Stuhl noch Sessel, und dann auch noch aus simplem Polystyrol-Kunststoff. Doch längst ist er Museumsstück, obwohl erst 39 Jahre alt. Derzeit prunkt das Thermoplastding im letzten Saal der bis 8. Dezember dauernden Ausstellung „I Papi della Memoria“ (sinngemäss „Erinnerungswürdige Päpste) in der antiken Engelsburg in Rom. Der italienische Künstler Pericle Fazzini (1913-87) schuf den Sitz 1973 sozusagen aus dem Stegreif für Papst Paul VI., in dessen Auftrag er die heutzutage allen Rompilgern bekannte gigantische Skulptur „Auferstehung“ in der Nervi-Audienzhalle modellierte. Dafür war dem Bildhauer die kleine Kirche „San Lorenzo in Piscibus“, gelegen hinter der Auffahrtsstrasse Via della Conciliazione zum Petersplatz, als Atelier zur Verfügung gestellt worden. Er liess dort riesige Mengen Polystyrol hinschaffen, mit denen er das Modell der Skulptur schuf. Ein bequemer Polystyrol-Stuhl für Papst Paul VI.  Papst Paul VI. kam oft dorthin, verharrte still in einer Ecke stehend und sah dem Künstler bei der Arbeit zu. Stühle gab es nicht in der Kirche. Und so kam Fazzini eines Tages die Idee, für den Pontifex diesen provisorischen Polystyrol-Stuhl zu formen, damit er nicht länger stehenbleiben musste. Paul VI., so wird erzählt, empfand ihn als äusserst bequem. Und auch der Künstler selbst benützte ihn schliesslich oft. (…)

Kath. Wochenzeitung Nr. 44/2012, November
Seligsprechung von Paul VI. schon 2013?

„La Stampa“: Am 11. Dezember wird der Fall Kardinälen und Bischöfen der Kurienbehörde zur Entscheidung vorgelegt.

In Rom verdichten sich die Hinweise auf eine baldige Seligsprechung von Papst Paul VI. (1963-78). Papst Benedikt XVI. werde seinen Vorgänger voraussichtlich im Jahr 2013, 50 Jahre nach dessen Papstwahl, zur Ehre der Altäre erheben, schreibt die italienische Tageszeitung „La Stampa“. Auch aus der Diözese Breschia verlautete, es gebe Fortschritte im Seligsprechungsverfahren. Die Heimatdiözese Pauls VI. hatte das Seligsprechungsverfahren auf diözesaner Ebene geführt. Die vatikanische Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse wollte sich zu diesen Berichten nicht offiziell äussern.

Die Theologen der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse haben die Akten geprüft und ein positives Votum abgegeben, wie die in Turin erscheinende „La Stampa“ schreibt. Möglicherweise erkenne Papst Benedikt XVI. seinem Vorgänger noch vor Weihnachten den heroischen Tugendgrad zu, die entscheidende Etappe auf dem Weg zur Seligsprechung. Am 11. Dezember 2012 werde der Fall den Kardinälen und Bischöfen der Kurienbehörde zur Entscheidung vorgelegt. Ihre Zustimmung gilt als „sehr wahrscheinlich“.

Auch für das notwendige Wunder, das auf Fürsprache des Kandidaten gewirkt worden sein muss, gibt es laut den Berichten bereits einen aussichtsreichen Fall. Es handle sich um einen heute 16 Jahre alten Jungen aus Kalifornien, der im Mutterleib von einer diagnostizierten Hirnschädigung geheilt worden sei. Das Seligsprechungsverfahren für Paul VI. war 1992 eröffnet worden.

OR Nr. 1 vom 4. Januar 2013, S. 1:

Papst Paul VI. wird bald seliggesprochen. Bei einer Audienz für den Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Angelo Kardinal Amato, stimmte Papst Benedikt XVI. 24 Dekreten für Erhebungsverfahren zu. Darunter ist auch jenes, das Papst Paul VI. den heroischen Tugendgrad zuerkennt. Das Seligsprechungsverfahren des aus dem norditalienischen Brescia stammenden Konzilspapstes (1963-78) ist damit einen entscheidenden Schritt vorwärts gekommen. Vor einer offiziellen Seligsprechung ist noch der Nachweis einer Wunderheilung auf seine Fürbitte hin erforderlich.

OR Nr. 20 vom 16.05.2014, S. 4
Papst Paul VI. wird am 19. Oktober 2014 seliggesprochen. Am 9. Mai hat Papst Franziskus den Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal Angelo Armato SDB, in Audienz empfangen und bei dieser Gelegenheit die Kongregation autorisiert, einige Dekrete zu promulgieren, u. a.: ein Wunder auf Fürsprache des Dieners Gottes Paul VI. (Giovanni Battista Montini), Papst, geboren am 26.09.1897 in Consio (Italien), gestorben am 06.08.1978 in Castel Gandolfo (Italien).
Kirche heute 21/2014 Mai, S. 2: (…) Das Wunder: Nach Medienberichten soll sich dabei um eine unerklärliche Heilung eines Kindes im Mutterleib handeln, die 2001 in den Vereinigten Staaten festgestellt wurde. Ärzte hatten demnach für das Kind starke Gehirnschäden diagnostiziert. Eine Abtreibung habe die Mutter jedoch abgelehnt. Stattdessen wandte sie sich im Gebet an Paul VI.

Kirche heute 44/2014 Oktober, S. 4, Johannes Schidelko, Kipa
Prophet und Zauderer; am 19.10.2014 wurde der Konzilspapst Paul VI. Montini seliggesprochen.
Bei einer Festmesse zum Abschluss der Bischofssynode hat Papst Franziskus den Konzilspapst Paul VI. zum neuen Seligen proklamiert. Ein bewusst gewählter Termin: Paul VI. hatte die Weltbischofssynode als feste Einrichtung der katholischen Kirche installiert. – Franziskus ehrte einen Kirchenmann, den Zeitgenossen vielfach geschmäht und als „Pillenpapst“ abgekanzelt hatten. Paul VI. (1963-78) ist der vierte Papst des 20. Jahrhunderts, der zur Ehre der Altäre erhoben wurde. Paul VI. hat den Grundstein für neue Ökumene gelegt und zeichnet sich aus durch prägende Friedens- und Sozialenzykliken. (…)

Katholische Wochenzeitung 44/2014 Oktober, S. 11
Die Reliquie des neuen Seligen Papst Paul VI.

Nach der Seligsprechung Papst Paul VI. wurde ein Reliquiar mit einem blutbefleckten Gewand des Seligen zum Altar gebracht. Im November und Dezember 1970 hatte der neue Selige eine 9-tägige Pastoralreise nach Asien und Australien unternommen. Unmittelbar nach der Landung auf dem Airport von Manila (Philippinen) stürmte der 35-jährige bolivianische Kunstmaler Benjamin y Amor Flores auf den Papst zu und versuchte ihn zu erdolchen. Das Messer des Attentäters, der ein Priestergewand trug, traf Paul VI. zweimal, in die Brust und am Hals, zwar nur oberflächlich, aber doch so, dass die Wunden bluteten. Der Begleitung des Papstes gelang es, Mendoza niederzuringen. Aus dem damaligen blutbefleckten Papstgewand wurde ein Reliquiar. Buchtip: Paul VI., Ein Papst im Zeichen des Widerspruchs; von Ulrich Nersinger, Taschenbuch.
→Finanzen

Pius II. Piccolomini
Enea

Silvio
1458-64

BaZ vom 08.11.2011 E. Billerbeck:
12.11.1459: Gründung der Universität Basel, 1460 eröffnet. Basler Konzil 1449 beendet.
19.08.1458: Neuer Papst: Pius II., in Basel bestens bekannt als Sekretär des Basler Konzils (1431- 49 im Münster, das erfolglos eine Reform der mittelalterlichen Kirche versuchte). Pius II. residierte in Mantua, wo die Basler um eine Universität baten. Mit Erfolg wie andere Städte am Oberrhein auch: Freiburg i. Br., Ingoldstadt, Trier, Mainz, Tübingen u. s. w.  Pius II. 1405 bei Siena geboren, war schon eine ungewöhnliche Gestalt: Der Poet, der jugendliche Literat mit der hocherotischen Ader wechselt vom Lebemann (2 Kinder aus flüchtigen Bekanntschaften) zum entsagenden Kirchenmann. Erst Diplomat beim Konzil in Basel, dann Gesandter des Gegenpapstes Felix V., Vertrauter des deutschen Königs Friedrichs III. und Vordenker der Humanisten in Wien, steigt er in einer Blitzkarriere ohnegleichen zum Papst auf.

OR Nr. 45 vom 07.11.1997, S. 5
2 Mitglieder der Familie Piccolomini, die den Stuhl des hl. Petrus innehatten, fanden später ihr Grab in der römischen Kirche Sant‘ Andrea della Valle am Corso Vittorio Emanuele. Am Ende des Mittelschiffes findet sich links das Grabmonument von Pius II. (1458-64), einem herausragenden Humanisten mit vielseitigen Begabungen, der sich nicht nur mit dem Ausbau seiner Heimatstadt Pienza in der Toskana ein bleibendes architektonisches Denkmal setzte. Auf der rechten Seite fand sein Neffe Pius III. (+1503) seine letzte Ruhestätte. Beide Päpste waren zunächst in St. Peter bestattet. – Die grosse Beliebtheit der imposanten Kirche Sant‘ Andrea della Valle nutzte der italienische Komponist Giacomo Puccini (1858-1954), der ein Seitenschiff als Ort der Handlung für den ersten Akt seiner berühmten Oper „Tosca“ (1900) wählte.

Pius V.
Ghislieri Antonio
1566-72, aus Bosco/Alessan-
dria, heiliggespr.

Er speiste Kaviar aus Alexandria, angerichtet vom berühmtesten Koch seiner Zeit: Bartolomeo Scappi. Pius V. schrieb Kochbücher „I segreti della Cucina“.

Ausstellung Schokoladenfabrik Cailler in Broc FR: Pius V. erlaubte den Jesuiten den Genuss der Schokolade.

Die Priesterbruderschaft St. Pius V.  (Societas Sancti Pii Sacerdotalis Quinti), abgekürzt SSPV, ist eine 1983 gegründete Gesellschaft von traditionalistischen Priestern mit Sitz in Oyster Bay Cove, New York. Diese Priester spalteten sich von der Priesterbruderschaft St. Pius X. ab, weil sie deren Haltung in liturgischen Fragen nicht teilten und zur Auffassung kamen, dass viele in der Hierarchie der römisch-katholischen Kirche nicht mehr zum katholischen Glauben stehen, sondern sich zu einer neuen, modernistischen, konziliaren Religion bekennen. Die Priesterbruderschaft St. Pius V. bestreitet die Legitimität der gegenwärtigen Hierarchie der Kirche und sieht die Möglichkeit, dass der Heilige Stuhl unbesetzt ist, dass also Sedisvakanz herrscht. Leiter der Priesterbruderschaft ist Bischof Clarence Kelly.

Pius IX.
Mastai Ferretti G., 1846-78,
Senigallia

OR: Der letzte Papst, der durch seine Reitkünste in Castel Gandolfo von sich Reden machte. Er blieb keinen einzigen Tag ruhig zu Hause. Einmal ritt er bis zum Monte Cavo (950 m ü. M.) hinauf. Es wird berichtet, dass es im Umkreis von 10 km keine Kirche oder Kapelle, keinen Adelssitz, kein Kloster, Studienhaus oder Wohltätigkeitsinstitut gegeben habe, das der Papst nicht besucht hätte. Überall wurde Pius IX. herzlich aufgenommen, besonders bei den einfachen Leuten; bei ihnen trat er in die Wohnung und schaute sogar in den Kochtopf. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte man in den Weinlokalen der Albaner Berge alte Männer von den Reitkünsten „Pio Nonnos“ schwärmen hören (von Ulrich Nersinger, OR Nr. 28 vom 15. Juli 2011).

Schon 6 Jahre vor dem Ersten Vatikanischen Konzil hatte Pius IX. eine durch und durch reaktionäre Enzyklika („Quanta cura“) veröffentlicht, begleitet von einem „Syllabus errorum modernorum“, einer „Sammlung der modernen Irrtümer“ – 80 an der Zahl. Aufs Ganze gesehen war dies eine kompromisslose Verteidigung des mittelalterlich-gegenreformatorischen Lehr- und Machtgefüges und zugleich eine allgemeine Kampfansage an die Moderne.

HK, Erkämpfte Freiheit, S. 432:
Seligsprechung am 11. September 2000 mit Johannes XXIII. zusammen (unter gewaltigem Beifall der versammelten Volksmenge, bei Pius IX. fast völliges Schweigen). Pius IX. als autoritärer Feind der Menschenrechte, Antisemiten, Egozentriker und Propagator (eigener Werber) seiner eigenen Unfehlbarkeit.

GEOEPOCHE Nr. 10, S. 177:
Pius IX., der „Unfehlbare“
In der Mitte des 19. Jahrhunderts braucht die Kurie einen Papst, der den Kirchenstaat reformiert, ihm beispielsweise eine konstitutionelle Verfassung gibt. Giovanni Maria Mastai-Ferretti, der sich gegenüber den revolutionären patriotischen Strömungen in Italien aufgeschlossen zeigt, scheint dafür der richtige Kardinal zu sein.

Doch der liberale Anschein schwindet bald: Als 1848 der Premier des Kirchenstaates von Revolutionären ermordet wird und Pius fliehen muss, wandelt er seinen Kurs. Sein Interesse gilt nun der Stärkung des Heiligen Stuhles innerhalb der Kirche und immer weniger der Reform des Kirchenstaates.

1864 verkündet er den „Syllabus“, ein Verzeichnis der „Irrtümer“ der modernen Zeit. Vom Pantheismus (Weltanschauung, nach der Gott und die Welt eins sind) über Bibelgesellschaften bis hin zum Rationalismus (Geisteshaltung, die das rationale Denken als einzige Erkenntnisquelle ansieht) verurteilt die Kirche alles an Ideen und Organisationen, was als modern oder liberal gilt.

1870 diskutiert das Erste Vatikanische Konzil über die →Unfehlbarkeit. Darüber, dass die Kirche unfehlbar ist, sind sich alle einig – doch gilt dies auch für den Heiligen Vater? Schliesslich setzt sich die Fraktion des Papstes durch: Seine lehramtliche Infallibilität (die [päpstliche] Unfehlbarkeit) wird zum Dogma. Damit erreicht die Autorität des Heiligen Vaters als Oberhaupt der katholischen Kirche ihren Höhepunkt.

Doch nur 2 Monate später verliert der Papst seine weltliche Macht, als italienische Truppen am 20. September 1870 den Kirchenstaat annektieren (gewaltsam aneignen). Pius bleibt nur nun das kleine Gebiet hinter den Leonischen Mauern – er und seine Nachfolger sind nun bis 1929 „Gefangene des Vatikans“.

Katholische Wochenzeitung Nr. 33/2013 August, S. 4
Von „Hosanna“ zum „Kreuzige ihn!“

Als im Jahr 1846 der junge Graf Giovanni Mastai-Ferretti zum Papst gewählt wurde, jubelt ganz Italien. Pius IX., wie er sich nannte, war als ein volksverbundener und gütiger Hirte bekannt, dazu als einer, der dem Fortschritt durchaus aufgeschlossen war. So betrieb er schon bald nach seinem Amtsantritt den Bau von Eisenbahnen im Kirchenstaat und sorgte für Gasbeleuchtung in den Strassen Roms. Als er gar die politischen Gefangenen in seinem Herrschaftsbereich amnestierte (begnadigte), kannte die Begeisterung keine Grenzen. Man sah den Papst schon an der Spitze der Einigungsbewegung, die ein geeintes und unahängiges Italien forderte. – Dann kam das Jahr 1848. Überall in Europa loderte die Fackel der Revolution. In Mailand und Venedig erhoben sich die Massen, um das verhasste Joch der Habsburger Monarchie abzuschütteln und sich dem neu entstehenden Italien anzuschliessen. Pius IX. schickte seine Armee an die Grenzen des Kirchenstaates, verbot ihr aber, aktiv an den Kämpfen gegen Österreich teilzunehmen. Als Vater aller Christen konnte und wollte er nicht Partei ergreifen und gegen jemanden Krieg führen. Da war es mit einem Schlag aus mit der Sympathie der Massen. Wer eben noch „Viva Pio Nono!“ geschrieen hatte, schrie nun: „Viva Pio? No, no!“ Die aufgebrachte Menge stürmte den Amtssitz des „Verräters an der italienischen Einheit“, der Papst musste nach Gaëta fliehen und konnte erst einige Zeit später wieder nach Rom zurückkehren. Innerkirchlich gab der „Dulderpapst“, wie er wegen der vielen Anfeindungen gegen seine Person genannt wurde, klar zu verstehen, dass er nicht gewillt war, das Erbe Petri zu verraten. (…)

Pius X.
Sarto Giuseppe
1903-14, Treviso
heiliggesprochen
Im Petersdom in einem
Glassarg begraben
(nach dem Eingang, links, unmittelbar nach
dem Lifteingang, erster
Altar)

Eines der umstrittensten Pontifikate seiner Zeit. Er war selbst kein Intellektueller und sah sich gleich nach seiner Wahl dem Problem gegenüber, die offenbarten Glaubenswahrheiten mit den Forderungen moderner Gelehrsamkeit zu versöhnen.

Albatros S. 207: Ordnung war die beherrschende Leidenschaft von Pius X. Er setzte sie mit geistlicher Kontrolle gleich. Politische Dinge interessierten ihn nicht sehr, sein Hauptanliegen war das spirituelle Wohlergehen der Kirche. Karriere-Diplomatie im Dienst des Vatikans wurde abgelöst durch Pastoral-Bischöfe oder durch Männer, die an der Spitze ihres Mönchsordens gedient hatten. – Er war von grosser persönlicher Frömmigkeit und förderte die Andacht der Eucharistie.

HK, S. 148: Pius X., pastoral eingestellt, sorgte für bessere Seminarerziehung und regelmässigeren Kommunionempfang der Gläubigen. Aber zugleich unterdrückte er jegliche Versöhnung der katholischen Lehre mit der modernen Wissenschaft und leitete eine antimoderne Säuberungsaktion grossen Stils ein, eine förmliche Hetzjagd auf alle, mit dem diffamierenden (verleumderischen) Etikett des „Modernismus“ belegten, Reformtheologen, besonders auf Exegeten (Bibelwissenschaftler)  und Historiker. Ein neuer Syllabus (Sammlung) der modernen Irrtümer und eine antimoderne Enzyklika (1907), ja, ein dem gesamten katholischen Klerus aufoktroyierter (aufgezwungener) seitenlanger „Antimodernisteneid“ (1910) sollte die „Modernisten“ ein für allemal ausrotten. Bei der Bespitzelung und Denunzierung (aus persönlichen, niedrigen Beweggründen anzeigen) von Bischöfen, Theologen und  Politikern half ihm eine dem heutigen Opus Dei vergleichbare kuriale Geheimorganisation („Sodalitium Pianum“). Bezeichnend die Heiligsprechung gerade dieses wahrhaftig in vieler Hinsicht „unheiligen Vaters“ durch Pius XII. im Jahre 1954.

Kath. Wochenzeitung Nr. 37 vom 14.09.2012, S. 2, I. Farinelli:
Der junge Priester mit einem Faible (Neigung, Vorliebe) für Sonnenuhren wird Papst. Von Isabella Farinelli (OR). Der mathematik- und astronomiebegeisterte Giuseppe Sarto als Konstrukteur von Sonnenuhren in den Dörfern Veneziens.

Als in Giuseppe Sarto, dem zukünftigen Papst Pius X., die Priesterberufung heranreifte und er in Venezien seine ersten Schritte als junger Priester auf dem Land tut, wurde er von einer einzigartigen Leidenschaft beherrscht: der Konstruktion von Sonnenuhren. Don Giuseppe kam 1835 in Riese in einer Familie zur Welt, die nicht reich war, aber feste Grundüberzeugungen im Hinblick auf die Arbeit und die christlichen Prinzipien hatte. In der Schulzeit zeichnete er sich insbesondere aus durch „hohe Fertigkeiten im Lösen von algebraischen und geometrischen Problemen“ sowie durch „begriffliche Klarheit und zahlreiche genaue Kenntnisse auch der mathematischen Beweise“.

Nachdem er im Alter von 23 Jahren im Dom von Castelfranco zum Priester geweiht worden war, wurde er dem Pfarrer von Tombolo, Antonio Costantini, als Kaplan zugeteilt. Hier konnte er sich trotz der vielen pastoralen und auch manuellen Arbeit – er erhält den Spitznamen „Perpetuum mobile“ – seiner weniger bekannten Tätigkeit als Konstrukteur von Sonnenuhren widmen, auch dies aus dem Geist des nützlichen Dienens heraus. „Er brachte eine von ihnen auf einer Wand des Pfarrhauses von Tombolo an“, in dem er selbst aber nicht wohnte, und andere in benachbarten Dörfern, wo sich sehr schnell sein Ruf als begnadeter Prediger verbreitete. Von ihm stammt auch die Sonnenuhr an der Kirche von Fontanaviva, unter der am 19. März 1904 eine Inschrift angebracht wurde, um an deren Urheber zu erinnern, der mittlerweile Papst Pius X. geworden war.

Man kann sich leicht vorstellen, dass seine alte Leidenschaft für die angewandte astronomische Beobachtung auch als Papst sich gut einfügte in die von seinem Vorgänger Leo XIII. vorgegebene Richtung, der unter anderem die Vatikanische Sternwarte neu begründet hatte. Auf Wunsch von Pius X. wurde 1904 Pietro Maffi an die Sternwarte berufen, und auf seinen Rat hin ernannte er 1906 den österreichischen Jesuiten Johann Georg Hagen zum Leiter, einen international bekannten und geschätzten Astronomen, der der Sternwarte eine entschieden astronomische Ausrichtung gab, die die eher meteorologische ablöste.

Man erzählt, dass sich eines Tages der Pfarrer von Fontanaviva in einer Audienz bei Pius X. beschwerte, weil seine Sonnenuhr nicht richtig funktionierte. Der Papst soll dann eine seiner schlagfertigen Antworten gegeben haben: „Damals war ich ja wohl auch noch nicht unfehlbar!“

Katholische Wochenzeitung 35/2013 August, S. 10
Zum Gedenktag von Pius X.: „Alles in Christus erneuern“

Benedikt XVI. betonte in einer Generalaudienz 2010 einige Charakterzüge des heiligen Papstes Pius X., „die auch für die Hirten und die Gläubigen unserer Zeit nützlich sein können.“ Wir zitieren: Heute möchte ich bei der Gestalt meines Vorgängers verweilen, des heiligen Pius X., und dabei einige seiner Charakterzüge hervorheben, die auch für die Hirten und die Gläubigen unserer Zeit nützlich sein können. Giuseppe Sarto, so lautete sein Name, wurde 1835 in Riese bei Treviso in einer Bauernfamilie geboren und nach dem Studium im Seminar von Padua mit 23 Jahren zum Priester geweiht. Zunächst war er Kaplan in Tombolo, dann Pfarrer in Salzano und danach Domherr in Treviso, wo er mit dem Amt des bischöflichen Kanzlers und Spirituals des Diözesan-Seminars betraut war. In diesen Jahren, in denen er reiche und umfassende pastorale Erfahrungen sammelte, bewies der zukünftige Papst jene tiefe Liebe zu Christus und zur Kirche, jene Demut und Einfachheit und jene grosse Fürsorge für die Notleidenden, die sein ganzes Leben kennzeichneten. 1884 wurde er zum Bischof von Mantua ernannt und 1893 zum Patriarchen von Venedig. Am 4. August 1903 wurde er zum Papst gewählt. Diesen Dienst nahm er zögernd an, da er sich einer so hohen Aufgabe nicht gewachsen fühlte. Das Pontifikat des heiligen Pius X. hat in der Kirchengeschichte bleibende Spuren hinterlassen und war von einem beachtlichen Reformstreben gekennzeichnet, das zusammengefasst ist in dem Motto „Instaurare omnia in Christo – Alles in Christus erneuern“.  In der Tat betraf sein Wirken verschiedene kirchliche Bereiche. Gleich zu Anfang widmete er sich der Neuordnung der Römischen Kurie, dann leitete er die Arbeiten zur Abfassung des Codex des Kanonischen Rechtes in die Wege, der von seinem Nachfolger Benedikt XV. promulgiert wurde. Ausserdem förderte er die Revision der Studien und des Ausbildungsweges der zukünftigen Priester, auch indem er mehrere regionale Seminare gründete, die mit guten Bibliotheken und qualifizierten Professoren ausgestattet waren. Ein weiteres wichtiges Feld war die Unterweisung des Gottesvolkes in der kirchlichen Lehre. (…)

HK, Erlebte Menschlichkeit, S. 61
Genau vor 100 Jahren war nämlich Pius‘ X. Enzyklika „Pascendi Dominici gregis“ („Die Herde des Herrn zu weiden“) erschienen. Dieser Papst konnte in der modernen Wissenschaft, Philosophie und Literaturkritik nicht den geringsten positiven Wert entdecken. Er fasste alle entsprechenden Bemühungen mit dem diskriminierenden Etikett „Modernismus“ zusammen und verurteilte ihre Repräsentanten: Gleichzeitig approbierte (zulassen) Pius X. die geheime Denunzianten-Organisation  „Sodalitium Pianum“ (von seinem Nachfolger Benedikt XV. fallen gelassen), oktroyierte (aufzwingen) dem gesamten katholischen Klerus einen Antimodernisten-Eid  auf und führte gegen „Modernisten“ eine richtiggehende Säuberung durch. (…)

Katholische Wochenzeitung 34/2014 August, Pfr. Willi Studer
Seite 4: Festtag vom heiligen Papst Pius X. am 21. August

Der heilige Papst Pius X. kam im Dorf Riese 1835 als Kind armer Eltern auf die Welt. Da er ausserordentlich begabt war, liess der Ortspfarrer ihn studieren. 1858 erhielt er die Priesterweihe. Er war ein ausserordentlich feinfühliger Priester und setzte sich in Treviso für alle Pfarreiangehörigen ein. Er persönlich blieb immer arm. 1884 wurde er Bischof von Mantua. Auch als Bischof blieb er ein demütiger, selbstloser „Knecht Gottes“ im Dienst an allen Menschen seiner Diözese. Papst Leo XIII. erkannte seine besonderen Qualitäten: Dieser Priester, sagte er, ist „begabt und bescheiden“. Der Papst ernannte ihn zum Patriarchen von Venedig. 1903 wurde er, gegen seine Widerstände, zum Papst gewählt. Sein Motto: „Alles in Christus erneuern!“. Pius X. blieb immer in all seiner intellektuellen Gelehrtheit  ein demütiger Hirte und vor allem ein Mann des Gebetes. Er blieb auch als Papst persönlich arm und ein grosser Wohltäter für die Armen. Den damaligen „Modernisten“ gegenüber sagte er schlicht: „Die Wahrheit ist und bleibt durch alle Zeit modern.“ Er starb am 20.  August 1914, 1954 wurde er heiliggesprochen. Papst Pius X. ist gemeinsam mit seinen heiligen Nachfolgern in dieser vor allem in Europa mancherorts religiösen Haltlosigkeit ein unbestechlicher heiliger Prophet Gottes. Gegenüber der Unverbindlichkeit verschiedener Weltanschauungen weist er gemeinsam mit seinen heiligen Nachfolgern auf den „einen Gott aller Zeiten und aller Menschen“. (…)

OR Nr. 35 vom 29.08.2014, S. 3
Kardinalstaatssekretär Parolin würdigt Reformpapst Pius X.

Vatikanstadt/Riese. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zelebrierte für den vor 100 Jahren verstorbenen Papst Pius X. (1903-14) im Marienheiligtum nahe Riese, dem Geburtsort des Papstes in der norditalienischen Region Venetien, eine Gedenkmesse. Mit seiner Energie habe Pius X. die Kirche neu entflammt und sie mit spirituellem und pastoralem Weitblick aus der Isolation geführt. Durch seine Bescheidenheit und Volksnähe beseitigte er nach Parolins Worten auch Barrieren zwischen der Amtskirche und dem Kirchenvolk. Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Säkularisierung habe Pius X. einerseits den Verlust alter kirchlicher Besitzstände hingenommen, andererseits aber deutlich gemacht, dass die Abwendung der modernen Gesellschaft von Gott ins Verderben führe. Unter Kirchenhistorikern gilt Pius X. als vielschichtige Persönlichkeit, die für einen strikten Antimodernismus wie für innerkirchlicher Reformen steht.

Katholische Wochenzeitung Baden/CH Nr. 1-2/2015 Jan. S. 6
Dr. Armin Schwibach: Der „Antimodernisteneid“  (…)

Im Jahr 1910 kam es zur Einführung des Antimodernisteneids durch das Motu Proprio „Sacrorum antistitum“ des heiligen Papstes Pius X. Sarto. Es handelt sich dabei um die lehrmässige und praktische Konsequenz der Analysen, die Pius X. in seiner denkwürdigen Enzyklika „Pascendi Dominici gregis“ über die Lehren der Modernisten vom 8. September 1907 vorgelegt hat. Der Papst fasste in diesem Lehrschreiben die Irrtümer und Hauptgefahren einer Theologie und Kulturphilosophie zusammen, in deren Mittelpunkt die Selbstbehauptung des Individuums und die Reduktion der Glaubenswahrheiten auf deren philosophische und historische Möglichkeit stand. Papst Benedikt XVI. erklärte dazu am 18.08.2010 in seiner Katechese zur Mittwochsaudienz: „Treu zu dem Auftrag, seine Brüder im Glauben zu stärken, schritt der heilige Pius X. angesichts einiger Tendenzen in der Theologie Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts mit Entschiedenheit ein, indem er den „Modernismus“ verurteilte, um die Gläubigen vor irrigen Auffassungen zu schützen und um eine wissenschaftliche Vertiefung der Offenbarung im Einklang mit der Tradition der Kirche zu fördern“.

Pius XI.           Ratti Achille
1922-39
von Desio (Mailand)

Im frühen Februar 1939 hatte der 82-jährige Pius XI. eine besondere Ansprache gegen Faschismus und Antisemitismus und das Konkordat mit Mussolini geplant. Damit hatte der Duce ein starkes Motiv, den alternden Papst zu beseitigen. Es wird erzählt, dass Pius genau 24 Stunden vor seiner geplanten Rede vor einem ausgewählten Auditorium von Bischöfen von einem gewissen Dr. Francesco Petacci eine Injektion erhielt. Abgesehen von seinen ärztlichen Pflichten im Vatikan war Petacci der Vater der Geliebten Mussolinis, des Starlets (Nachwuchs-Filmschauspielerin, Sternchen) Claretta Petacci. Die Verfechter einer Verschwörungstheorie glauben, dass Petacci dem Papst Gift injizierte, denn dieser starb am nächsten Morgen, bevor der die Rede halten konnte, deren Text übrigens nie aufgefunden werden konnte. Die Quelle dieser Information war, nach Nino Lo Bello (Vatikan im Zwielicht), das private Tagebuch des mächtigen französischen Kardinals jener Tage, Eugène Tisserant. (AS)

HK, S. 148: Pius XI., Gelehrter und Realist, löste die seit 1870 anstehende „Römische Frage“ (der Papst sitzt seit 1870 im Vatikan ohne Kirchenstaat), indem er mit dem Faschisten-Duce Benito Mussolini die Lateranverträge (1929) abschloss, in welchem der Papst auf den grossen Kirchenstaat verzichtete und sich mit dem Zwergstaat Vatikan zufrieden gab. Dieser Papst förderte einerseits den einheimischen Klerus in den Missionsgebieten, andererseits die „Katholische Aktion“ der Laien, die aber verlängerter Arm der Hierarchie bleiben sollte. – Das „Reichskonkordat“ mit Hitler-Deutschland, unmittelbar nach Hitlers Macht-Antritt 1933, verschaffte diesem eine beispiellose Aufwertung in der internationalen Öffentlichkeit. Aber die deutschsprachige Enzyklika „Mit brennender Sorge“ (1937) verurteilte die nationalsozialistische Lehre, ihre Politik und die damit einhergehenden Konkordatsverletzungen.

1929 Lateranvertrag: Pius XI. wollte zum jetzigen Vatikanstaat das Gebiet der Glaubenskongregation hinzu, ebenso einen direkten Zugang zum Mittelmeer. Zudem verlangte er einen der grössten Stadtparks, „Villa Doria Pamphili“, der westlich des Hügelzuges Gianicolo liegt. Damit er einen freien Zugang dazu hätte, wollte er zusätzlich den Park „Villa Abamelek“ einfordern. Alle Forderungen hat Mussolini bekanntlich abgelehnt.
Siehe unter „Grenzlegung des Vatikanstaates“

Pius XII.
Eugenio Pacelli, 1939 bis 1958
Römer
→Castel Gandolfo
→Gärten
→Geheimarchiv
→Konservierung
 

John Cornwell: „Er hatte eine besessene Sorge um medizinische Betreuung, geradezu wie Churchill oder Tito. Angeblicher Antisemitismus (Gegner des Judentums).

AS, Vatikanistan: Pius XII. war derart von einer Insektenphobie (krankhafte Angst vor schädlichen Insekten) belastet, dass die Gärtner vor jedem Spaziergang durch die Vatikanischen Gärten die Wege und Sträucher heimlich mit DDT einsprühten. Er trug unter seiner Kleidung eine Fliegenpatsche.

Durch den furchtbarsten und verwickeltsten aller Kriege, wie er ihn nannte, war er tief verunsichert, verängstigt, entmutigt. Zuweilen nach aussen als übermenschliches Orakel stilisiert (als Gottheit Fragen beantwortet und weissagt).

Pius XII. galt als grosser Weinkenner, ging nie auf Reisen, ohne im Gewand ein Fläschchen verborgen zu halten. Er war überzeugt, dass ein Glas Rotwein täglich unablässlich für die Gesundheit, besonders für die Verdauung, sei.

Pius XII. galt als der *Uncle Scrooge in der Papstgeschichte. Er war von einer Sparsamkeit, die sich von Geiz nur schwer unterscheiden liess. Jeder von der Kurie ausgegebene Centesimo wurde sorgfältig geprüft, nur die allernotwendigsten Reparaturen in Auftrag gegeben. Pius XII. lief abends noch durch den Palast, um zu kontrollieren, ob das Licht auch überall ausgeschaltet sei. Strom kostet. „Ich kann das Geld des Heiligen Stuhles nicht verplempern“, das war seine Maxime. Unter Pius wurde auch die Regel eingeführt, Briefumschläge wieder zu verwenden, weswegen auch von der bis dahin üblichen Versiegelung in vielen Fällen abgesehen werden durfte. Auch der letzte Wille dieses Papstes ist auf die Rückseite eines mehrfach benutzten Briefumschlages geschrieben. (* Uncle Scrooge, Onkel Dagobert, Geizhals)

HK, S. 124: Wie weltfremd und unbelehrbar Pius XII. war, zeigte sich wenige Wochen am 1. November 1950: In einer Grosskundgebung auf dem Petersplatz verkündete der Papst das nicht nur Naturwissenschaftlern unverständliche – weder in der Bibel noch in den ersten christlichen Jahrhunderten bezeugte – „unfehlbare“ Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Welche unbarmherzige Theologen-Säuberung derselbe damals sehr bewunderte Pius XII. zur gleichen Zeit durchführte, habe ich in meinen Memoiren beschrieben.

Nach dem 2. Weltkrieg: Für Italien wünschte er sich die Beibehaltung der kompromittierten (blossgestellten) Monarchie und wurde in der Volksabstimmung desavouiert (in Abrede gestellt). Der römische Bürgersohn Pacelli machte als Pontifex maximus seine 3 Neffen zu „Principi“ (→Adel, schwarzer), und Giulio z. B. zum Aufsichtsratsvorsitzenden des Banco di Roma und praktizierte Nepotismus (Vetternwirtschaft) im alten Stil.

HK, S. 149: Pius war der letzte unangefochtene Vertreter des mittelalterlichen gegenreformatorisch-antimodernen Paradigmus. Auf der Linie Pius’ XI. ging er trotz  vieler Einwände höchst forsch vor bei der Definition eines  zweiten völlig unnötigen „unfehlbaren“ Mariendogmas (Maria leibliche Aufnahme in den Himmel, 1950). Zur gleichen Zeit verbot er die französischen Arbeiterpriester und erteilte den bedeutendsten, vor allem französischen, Theologen seiner Zeit Lehrverbot, darunter Teilhard de Chardin, Yves Congar und Henri de Lubac. Von Anfang an vermied er aber eine öffentliche Verurteilung von Nationalsozialismus und Antisemitismus und eine Exkommunikation der katholischen Naziverbrecher. (siehe: Hudal Alois)

Dieser ausgesprochen germanophile, vor allem juristisch-diplomatisch und nicht theologisch-evangelisch denkende Kirchendiplomat, dem Seelsorgeerfahrung fehlte, agierte nicht pastoral-menschenbezogen, sondern stets kurial-institutionenfixiert. Seit seinem Schockerlebnis als Nuntius in München („Räterepublik“ 1918) von körperlicher Berührungsangst und Kommunismusfurcht besessen, war er zutiefst autoritär und antidemokratisch eingestellt („Führerkatholizismus“). So war er geradezu prädisponiert (im Vorhinein festgelegt) für eine pragmatisch-antikommunistische Allianz mit dem totalitären (sich alles unterwerfend)  Nazismus (Nazionalsozialismus), aber auch mit den faschistischen (antidemokratischen) Regimen in Italien, Spanien und Portugal. Dem Berufsdiplomaten Pacelli, dem man gute Intentionen (Absicht, Vorhaben) nicht absprechen sollte, ging es stets um Freiheit und Macht der Institution Kirche (Kurie, Hierarchie, Körperschaften, Schulen, Vereine, freie Religionsausübung). Doch Menschenrechte und Demokratie blieben ihm sein ganzes Leben lang zutiefst fremd.

Für Pacelli, den Römer, war Rom und immer wieder Rom das neue Zion, Zentrum von Kirche und Welt. Nie zeigte er für Juden irgendwelche persönliche Sympathie, vielmehr sah er in ihnen das Gottesmörder-Volk. Als triumphalistischer Vertreter einer Rom-Ideologie betrachtete er Christus als einen Römer, sah Jerusalem als von Rom abgelöst. Von Anfang an war er daher wie die gesamte römische Kurie gegen die Gründung eines jüdisch. Staates in Palästina.

Pacelli war sich der Affinität (Ähnlichkeit) bewusst zwischen seinem eigenen autoritären (antiprotestantischen, antiliberalen, antisozialistischen und antimodernen) Kirchenverständnis und einem autoritären, das heisst faschistischnazistischen Staatsverständnis „Einheit“, „Ordnung“, „Disziplin“ und „Führer-Prinzip“ wie auf der übernatürlich-kirchlichen so auch auf der natürlich-staatlichen Ebene! Pius XII., der als Papst auch sein eigener Staatssekretär war, überschätzte masslos Diplomatie und Konkordate. Er kannte im Grund genommen nur zwei politische Ziele: Kampf gegen den Kommunismus und Kampf für die Erhaltung der Institution Kirche. Die leidige Judenfrage war für ihn eine quantité négligeable (wegen ihrer Kleinheit ausser Acht zu lassende Grösse, Belanglosigkeit). Gewiss hat er sich mit diplomatischen Demarchen  (diplomatischen Schritten) und caritativen Hilfen besonders gegen Kriegsende für die Rettung einzelner Juden oder Gruppen von Juden, vor allem in Italien und Rom, eingesetzt. In 2 Absprachen 1942/43 hat er kurz, allgemein und abstrakt das Schicksal der „unglücklichen Leute“ beklagt, die um ihrer Rasse willen verfolgt würden. Aber nie nahm dieser Papst das Wort „Jude“ öffentlich in den Mund. und wie Pacelli nicht gegen die Nürnberger Rassengesetze (1935) und das Reichsprogramm der sogenannten „Kristallnacht“ (1938) protestierte, so auch nicht gegen den italienischen Überfall auf Äthiopien (1936) und Albanien (am Karfreitag 1939) und schliesslich auch nicht gegen die Auslösung des 2. Weltkrieges durch die nazistischen Verbrecher im Überfall auf Polen am 01.09.1939.

Dass ein Protest nicht nutzlos gewesen wäre, hat der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer klar gesagt und zeigte auch der öffentliche Protest des Bischofs von Münster, Clemens August von Galen, gegen Hitlers monströses „Euthanasieprogramm“ (1941), ebenso das Eintreten der lutherischen Bischöfe Dänemarks für die Juden. Pius XII. aber vermied jeden öffentlichen Protest gegen den Antisemitismus. Wiewohl bestens orientiert, schwieg er zu den notorischen deutschen Kriegsverbrechen über all in Europa, schliesslich zum Holocaust, dem grössten Massenmord aller Zeiten. Eine bereits unter seinem Vorgänger ausgearbeitete Enzyklika gegen Rassismus und Antisemitismus hat er nicht veröffentlicht.

Wie auch immer die persönliche Schuld von Pius XII. und seine sonstigen Leistungen zu beurteilen sind: darf dieser Papst heilig gesprochen werden, wie dies die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. befürworten? Seine Heiligsprechung wäre wie die Pius’ IX. – des Feindes von Juden, Protestanten, Menschenrechten, Religionsfreiheit, Demokratie, moderner Kultur – eine vatikanische Farce (Posse, Verhöhnung) und eine Desavouierung (in Abrede stellen, blossstellen) neuerer päpstlicher Schuldbekenntnisse. „Nein, ein Heiliger ist er nicht“, sagte uns im Collegium Germanicum selbst sein treuer Privatsekretär, P. Robert Leiber, SJ, (→Konzil), und zwar noch zu des Papstes Lebzeiten „nein, ein Heiliger ist er nicht, aber ein grosser Mann der Kirche“. Mit fragwürdigen medizinischen Praktiken wollte Pius XII. sein Leben verlängern. Aber die letzten Jahre bis zu seinem Tod 1958 waren für die Kirche Jahre der Lethargie und bedrückte die Stimmung.

HK, Erkämpfte Freiheit, S. 181:
Pius XII. hat es – einer Mittelung des Postulators seiner Seligsprechung, Pater Peter Gempel SJ, im Jahre 2002 zufolge – auch mit dem Teufel zu tun gehabt (Teufelsaustreibung bei Hitler auf Distanz).

HK, Erkämpfte Freiheit, S. 231:
Nach dem Tod Pius’ XII. wird er von der italienischen Presse mit höchst kritischen Nekrologen bedacht, nachdem er vor so hochgepriesen und umschmeichelt „Pastor angelicus“ genannt wird. Pius XII. – der grösste Papst des Jahrhunderts.? Jetzt wagen manche Journalisten nach seinem Tod über den Autokraten (selbstherrlicher Mensch) Pacelli, seinen Triumphalismus (Siegesfreude), Dogmatismus (Festhalten an Lehrmeinungen und Glaubenssätzen)  und Nepotismus (Vetternwirtschaft), das zu schreiben, was sie vorher ängstlich verschwiegen haben. Ja, des Papstes geld- und ruhmgieriger Leibarzt (ein Augenarzt) „Dr. Riccardo Galeazzi Lisi“ (sein Name prangte in den 1950er-Jahren in grossen Lettern werbend an der Piazza Barberini) verkauft in schamloser Weise den Medien die von ihm höchst indiskret aufgenommenen *Fotos des verstorbenen Papstes. Dazu auch sein wenig appetitliches Tagebuch über Pacellis Agonie (Todeskampf), und schliesslich in einer Pressekonferenz die technischen Details der Einbalsamierung. Da diese misslang, muss nachts in der Peterskirche – man berichtet von einer gespenstischen Szene auf dem riesigen Katafalk unter der Kuppel Michelangelos – „korrigiert“ werden. Dass Pius’ XII. mächtige Vertraute, Madre →Pasqualina Lehnert (→Deutscher Friedhof), nach seinem Tod vom Dekan des Kardinalkollegiums, Kardinal Tisserant, sofort barsch aus dem Palast gewiesen wurde, passt zu dieser makabren Szene. (WA: Buch von Sr. Pascalina, Ich durfte Ihm dienen, Seite 193: „Er [Kardinal Tisserant] machte einen Rundgang durch die ganze Papstwohnung und sagte, er werde etwas später wiederkommen und alles versiegeln. Er erlaubte uns Schwestern, wenn wir in Castel Gandolfo alles geordnet hätten, ins Privatappartement zurückzukehren, unsere eigenen Sachen zu ordnen und so lange zu bleiben, bis wir alles geregelt hätten. Wenn wir irgendeiner Schwierigkeit begegnen sollten, dürften wir nur zu ihm kommen und uns auf ihn berufen. Immer werden wir uns dieser grossen Freundlichkeit und Güte dankbar erinnern.“ – Ein Foto von Galeazzi im erwähnten Buch von Sr. Pascalina vor Seite 129 oben: Pius XII. tot im Bett.)

Pius XII. hatte in den letzten Jahren seines Lebens sich selbst zunehmend isoliert und wurde entscheidungsunfähig. Er hatte in den letzten Jahren kaum noch Kardinals- und Kurienposten besetzt. So fanden sich von dem an sich 70-köpfigen Kollegium nur 51 Kardinäle 1958 zum Konklave ein.

Kath. Wochenzeitung Nr. 10 vom 9. März 2012:
Die Debatte um Papst Pius XII. nimmt kein Ende. Während Rolf Hochhuths Zerrbild vom „Stellvertreter“, von Chrstian Stückl inszeniert, im Münchener Volkstheater seine traurige Wiedererweckung feiert, zeichnen jüngste Recherchen des amerikanischen Historikers William Doino jr. ein ganz anderes Bild des Weltkriegspapstes: Pius XII. war mitnichten der eiskalte Bürokrat, als den ihn der deutsche Skandaldramatiker karikiert. Er war vielmehr, so Doino, ein engagierter, mutiger und fürsorglicher „Freund und Retter der Juden“. (…) Dank der persönlichen Intervention von Papst Pius XII. nahm ein Schiff des Roten Kreuzes die fast verhungerten 500 jüdischen Flüchtlinge aus dem Internierungslager auf und brachte sie sicher nach Italien (Flüchtlingslager Ferramonti di Tarsia bei Cosenza in der Region Kalabrien).

Kath. Wochenzeitung Nr. 23 vom 8. Juni 2012, S. 7,
Gerhard Stumpf: Buchtip: Der Papst, der Hitler trotzte, Die Wahrheit über Pius XII. Michael Hesemann hat dieses Buch den Überlebenden des Holocaust und ihren Rettern gewidmet und ganz persönlich Pater Gampel S.J., dem Promotor im Seligsprechungsverfahren von Papst Pius XII. mit dem Motto „ut veritas vinceret“ – „Dass die Wahrheit siege“. Michael Hesemann, Der Papst, der Hitler trotzte: Die Wahrheit über Pius XII., Sankt Ulrich Verlag. ISBN 3867440646, 255 S.

Kath. Wochenzeitung 4/2013, Januar, Raymond Febes

Im Jahr 1958 kam mit „Der veruntreute Himmel“ die Verfilmung eines interessanten und tiefsinnigen Romans von Franz Werfel in die Kinos. Dieser Film ist aber auch noch aus einem anderen Grund etwas Besonderes. Hier sind Aufnahmen einer der letzten Audienzen mit Papst Pius XII. zu sehen. Als der Papst in den Petersdom getragen wird, kommt ein nicht enden wollender Jubel auf. Der Papst freut sich sichtlich darüber, den Menschen nah zu sein, er lächelt, grüsst, beugt sich zu einem kleinen Kind hin, das die Eltern ihm hin halten, und segnet es. Obwohl Pius XII. auf der Seda gestatoria sitzt, wirkt er überhaupt nicht abgehoben, sondern wendet sich liebevoll den Menschen zu.

Man spürt in diesen Aufnahmen, wie sehr Papst Pius XII. die Menschen am Herz liegen, und bestätigt wird dies nicht zuletzt auch durch das Verhalten dieses Papstes in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Was viele Zeitgenossen von Pius XII. bereits wussten, tritt heute allmählich wieder neu ins Bewusstsein, nachdem lange das Bild eines weltabgehobenen – auch bedingt durch das Theaterstück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth, der Pius XII. als eiskalten Papst präsentierte, dem die Verfolgung und Ermordung von Millionen Juden völlig einerlei gewesen ist. Man weiss heute (wieder), dass das Gegenteil der Fall war. Nur ein Beispiel von vielen: Als die römischen Juden verfolgt wurden, hat Pius XII. die Klöster der Stadt und seinen Feriensitz Castel Gandolfo als Versteck zur Verfügung gestellt. Insgesamt konnte dieser Papst rund 800’000 (achthunderttausend) Juden retten. Der Titel „Papa buono“ wurde dem Nachfolger von Pius XII., Papst Johannes XXIII., gegeben. Dies sicher zu Recht. Doch mit dem gleichen Recht kommt auch Pius XII. dieser Titel zu. Er war ein gütiger Vater und grosser Menschenfreund.

Basler Zeitung vom 15. März 2013, S. 2, Hansjörg Müller und Michael Bahnerth

Pius XII. – umstrittener Stellvertreter Christi – Zumindest für den Vatikan bleibt Pius XII. über jeden Verdacht erhaben. – Wohl kein anderer Pontifex hat eine solche Kontroverse ausgelöst wie Pius XII., Stellvertreter Christi auf Erden von 1939 bis 1958. „Hitlers Papst“ nannte der englische Historiker John Cornwell den italienischen Aristokraten, der während des 2. Weltkrieges strikt neutral blieb. Pius‘ Fürsprecher argumentieren, der Papst habe sich für Flüchtlinge und Deportierte eingesetzt. Doch zum Holocaust schwieg der Bischof von Rom. Ob er durch ein beherzteres Auftreten Schlimmeres hätte verhindern können oder ob gerade seine demonstrative Zurückhaltung es ihm ermöglichte, humanitär zu wirken, das ist die Frage, über die Verächter und Verteidiger des Papstes bis heute streiten. Den Startschuss zur Debatte hatte der deutsche Schriftsteller Rolf Hochhuth vier Jahre nach Pius‘ Tod abgegeben. In seinem Drama „Der Stellvertreter“, das im Februar 1963 in West-Berlin uraufgeführt wurde, lässt Hochhuth den fiktiven Jesuitenpater Riccardo Fontana auftreten, der den Papst im Oktober 1943, als Tausende Juden aus Rom deportiert wurden, zu einer diplomatischen Protestnote gegen die Ermordung der europäischen Juden bewegen will und dabei auf taube Ohren stösst. Pius‘ Ruf war angekratzt – in der Öffentlichkeit, nicht aber im Vatikan: 1965 eröffnete Paul VI. den Seligsprechungsprozess für seinen Vorgänger: Im Mai 2007 stimmte die Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen zugunsten des „heroischen Tugendgrades“ Pius‘, ein Entscheid, der 2009 von Benedikt XVI. bestätigt wurde. Um den Zeitgeist hat man sich im Vatikan eben noch nie wirklich gekümmert. hjm

OR Nr.  41 vom 11.10.2013, S. 3, Luigi Testa
Pius XII. kommt in die Sozialen Netzwerke

55 Jahre nach seinem Tod (am 09.10.1958) erklingt seine „Stimme“ auch auf Twitter. Das Nutzerkonto lautet, für diejenigen, die im Netz surfen, ganz einfach „Papst Pius XII.“, @SSPioXII, und geht auf die Initiative eines 26-jährigen Studenten aus Mailand zurück. (…)

Hochhuth, Der Stellvertreter, Taschenbuch 2012, S. 465

Was an seinem Auftritt in diesem Stück jenen Zuschauern, die Papst Pius XII. nur aus der Zeitung kennen, am wenigsten glaubhaft erscheinen mag, das ist – nicht erfunden; so beispielsweise die Tatsache, dass er (selbst kurz vor seinem Tode und erfüllt von seiner Christus-Vision) Schecks noch persönlich überbracht bekam. Kardinal Tardini hat das geschildert. Pacellis blumige Redeseligkeit im Stile übelster Goldschnitt-Lyrik. „Wie die Blumen unter der dicken Schneedecke des Winters …“ usw. ist wortwörtliches Zitat: statt Juden sagte Pius XII. allerdings „Polen“. Der Verfasser hätte nicht gewagt, dem Papst zu unterstellen, dass er mit solchem Geschwätz sich selbst und jene Menschengruppen, die von Hitlers Henkern verfolgt wurden, über die brutale Wirklichkeit hinwegzutrösten versuchte. Als vor einigen Jahren über die enge Zusammenarbeit zwischen Klerus und Schwerindustrie Einzelheiten in die Presse gelangten und zum Beispiel der „Spiegel“ schrieb: „Im Zweiten Weltkrieg verdiente der Orden (Jesu) mit diesem rüstungswichtigen Rohstoff (Quecksilber) auf beiden Seiten. Während die spanische Firma vorwiegend an die Alliierten und Russland lieferte, versorgten die italienischen Bergwerke die deutsche Regierung“ – da haben nicht nur viele Katholiken vergebens  auf ein offizielles Dementi gewartet. Die Angaben über den Vatikan als grössten Aktionär der Erde wurden von Rom nicht bestritten.

S. 466: Was übrigens die Handwaschungs-Szene betrifft, so muss man uns glauben, dass dieser Akt schon längst geschrieben war, als die indiskreten Memoiren des päpstlichen Leibarztes Galeazzi-Lisi in Frankreich veröffentlicht wurden, in denen die bis zum Exzess (Ausschreitung) gesteigerte Hygienomanie (Gesundheitspflege-Wahn)  Eugenio Pacellis geschildert wird. Dass Pius XII. in diesem Trauerspiel das Bedürfnis zeigt, sich die Hände zu waschen, nachdem er den aus Anlass des Abtransportes der Juden gefassten Artikel unterzeichnet hat, diese Idee zwang sich  bei der Lektüre der Rede auf, die der Heilige Vater am 2. Juni 1945, kurz nach der Vernichtung des nationalsozialistischen Regimes, vor dem Kardinalskollegium hielt. Wenn sein Leibarzt nun erzählt. dass Pius XII. sich nach jeder Audienz habe die Hände desinfizieren lassen und seinen physischen Widerwillen gegen den täglichen Kontakt mit den Pilgern eine übersteigerte Leidenschaft für Hygiene entgegengesetzt habe, so ist das nur pittoresk (malerisch), wie etwa auch die Tatsache, dass Adolf Hitler ebenfalls einen bis zur Manie (Besessenheit, Sucht) gesteigerten Drang hatte, sich die Hände zu waschen. Leider ging Hitlers Reinlichkeitsbedürfnis nicht so weit wie das des Papstes, der seinen Mund mit Chlorsäure spülte, was über Magenstörungen so heftige Anfälle wie Schluckauf hervorrief, dass sein Tod dadurch beschleunigt herbeigeführt wurde.

Kirche heute 50/2014 Dezember, S. 2
Vatikan will Archive aus NS-Zeit öffnen

Papst Franziskus hält an der von Benedikt XVI. angekündigten Öffnung der Vatikanarchive für die Zeit des Nationalsozialismus fest. In einem Interview mit der israelischen Tageszeitung „Jediot Ahronot“ sagte Franziskus, sobald die bestehenden rechtlichen und administrativen Hindernisse beseitigt seien, sollten die Bestände für Forscher freigegeben werden. Das Kirchenoberhaupt zeigte sich besorgt über das schlechte Bild, das die Welt von Papst Pius XII. (1939-58) habe. Bei den Vorwürfen an die Adresse von Pius XII. habe man übersehen, dass dieser vielen Juden während des Zweiten Weltkrieges das Leben gerettet habe.
→Geheimarchiv  →Konzil  →Skandale? (Hudal)

Sergius III.
Römer, 904-911

→Stephan III.: Sergius III. verliebte sich in die 6jährige Marozia, Tochter der legendären Pontifikal-Mätresse und Senatorin Theodora. Er liess das Kindlein zu sich kommen und noch einmal und immer wieder. Und als er selbst zum Papst Sergius III. ernannt wurde, gebar ihm die dann 15-jährige Marozia einen Sohn, den späteren Papst Johannes XI. Sergius starb 911, und Theodora gelang es, ihren Liebhaber Johannes 914 zum Papst Johannes X. zu machen, Was wiederum das Töchterchen Marozia auf den Geschmack brachte. Sie zettelte erst einen Krieg an und musste dann noch 2 Päpste vergiften, bevor sie endlich ihr Söhnchen durchs Konklave und 931 auf den Thron Petri bringen konnte. Eine der ersten Amtshandlungen des neu gewählten Papstes Johannes XI. war, die Heirat seiner eigenen Mutter zu annullieren, damit Marozia einen anderen nehmen konnte.

Marozia war die Urgrossmutter von Benedikt VIII. (1012-24) und Johannes XIX. (1024-32) und Ururgrossmutter von Benedikt IX. (1032-45).

HK, S. 82: Man denke an die Schreckensherrschaft der „Senatrix“ Marozia, welche, so wird überliefert, die Geliebte des einen Papstes (Sergius III.), die Mörderin eines zweiten (Johannes X.) und die Mutter eines dritten (ihres unehelichen Sohnes Johannes XI.) war. Diesen hielt sie in der Engelsburg gefangen, bis sie bei ihrer 3. Vermählung von ihrem ehelichen Sohn Alberich gefangengesetzt wurde, der dann 2 Jahrzehnte als „Dux et Senator Romanorum“ Rom beherrschte und dessen willenlose Werkzeuge die Päpste dieser Zeit waren.

Sixtus IV.
della Rovere Francesco, Celle I

1471-84

HK S. 110: Er soll mit der eigenen Schwester einen Sohn gezeugt haben. Der korrupte Franziskaner della Rovere, Förderer der „unbefleckten Empfängnis“ Marias, versorgte ganze Scharen von Neffen und Günstlingen auf Kosten der Kirche und erhob 6 Verwandte zu Kardinälen, darunter seinen Vetter Pietro Riario, einer der skandalösesten Wüstlinge der römischen Kurie, der schon mit 28 Jahren seinen Lastern erlag.

OR Nr. 29 vom 18.07.2014, S. 5, Christine Grafinger (auszugsweise)
Zum 600. Geburtstag von Papst Sixtus IV. (1471-84)
Ein Papst schmückte die Ewige Stadt mit Palästen, Kirchen und Brücken

Franco della Rovere wurde am 21. Juli 1414 in Celle bei Savona in Ligurien in einer angesehenen, aber nicht begüterten Familie geboren. Den Namen della Rovere übernahm er später von einer Turiner Familie. Francesco wurde von seiner Mutter schon mit 9 Jahren in die Obhut der Franziskaner gegeben. Seine Grundausbildung in Grammatik und Rhetorik schloss er im September 1429 ab und trat mit 15 Jahren in den Franziskanerorden ein. Nach dem Abschluss des Studiums der Dialektik hielt er sich im Kloster in Chieri auf und widmete sich der Naturphilosophie, besonders der Physik des Aristoteles. Die philosophische Ausbildung schloss er nach 3 Jahren in Pavia ab und begann anschliessend seine Lehrtätigkeit, vermutlich auch in Chieri. Zwischen 1434 und 1438 war er Dozent der Theologie in Padua. Schon zu dieser Zeit fiel er seinen Oberen wegen seiner Gelehrsamkeit auf, als er sich beim Generalkapitel der Konventualen in Bologna 1435 an der Diskussion beteiligte. Während des anschliessenden Theologiestudiums unterrichtete er Bibelkunde an der Philosophischen Fakultät. Nach seiner Priesterweihe in Padua war er von 1439 – 1441 Lektor für Philosophie in Venedig. Im April 1444 erwarb er in Padua das Doktorat in Theologie und blieb dann 2 Jahre an der Universität Padua als Professor für Logik. Neben der Lehre war Francesco della Rovere bei seinen Zeitgenossen als hervorragender Prediger geschätzt. Im Jahre 1467 erfolgte die Erhebung in den Kardinalsrang durch Papst Paul II. Nach dem Tod von Paul II. (1464-71) wurde Francesco della Rovere nach mehreren Wahlgängen am 9. August 1471 zum Papst gewählt. Als Namen wählte er Sixtus, in Erinnerung an den altrömischen Märtyrerpapst Sixtus II., an dessen Festtag das Konklave begonnen hatte. – Sixtus IV. versuchte, seinen Verwandten zu gesellschaftlichem Aufstieg zu verhelfen, u. a. Pietro Riario (1447-74) und Giuliano della Rovere (1443-1513, später Papst Julius II.), sowie durch Stärkung der Allianzen zu Neapel und Mailand durch die Einheirat seiner Nichten und Neffen in diese Fürstenfamilien. – Italienische Staaten verbündeten sich, nachdem Sixtus IV. den Herzog Ercole d’Este (1431-1505) aus Ferrara vertreiben wollte zugunsten seines Neffens Girolamo, der ihn dort einsetzten wollte. Sie wollten dem Papst Einhalt gebieten. Die neapolitanischen Truppen, die Ercole gegen die Venezianer unterstützen wollten, wandten sich gegen Rom, nachdem sie am Durchzug durch Latium (Umgebung Roms)gehindert worden waren. Ausserdem verwüsteten herumstreifende Truppen der gegen den Papst gerichteten Familien Colonna und Savelli die Umgebung Roms. Die päpstlichen Truppen, die durch eine Einheit unter Roberto Malatesta (1440-82), dem Herrn von Rimini, verstärkt worden waren, konnten die Schlacht in den Pontinischen Sümpfen im Sommer 1482 für sich entscheiden. Trotz dieses Sieges blieben zahlreiche Städte Latiums in der Gewalt der Neapolitaner. Als die italienischen Städte nach 2 Jahren vom Krieg genug hatten, schlossen sie Frieden mit Venedig. Sixtus, der sich einem Sieg über Venedig einen finanziellen Gewinn erhofft hatte, verstarb am 11. August 1484 an einem Schlaganfall, der durch einen Tobsuchtsanfall am Vortrag hervorgerufen wurde. Sein Grabmal befindet sich in St. Peter. –
Gleich nach seiner Wahl bemühte sich Sixtus IV. um Reformen zur Reorganisation verschiedener Ämter, wie die für die Apostolische Kammer erlassene Ordner von 1480 und die Einrichtung der Apostolischen Datarie. Seine Sorge galt auch den Orden, vor allem bestätigte er den Konventualen deren Privilegien. Am 14. April 1482 wurde der Franziskaner Bonaventura di Bagnoregio (1217-74) heilig gesprochen. Sixtus bemühte sich um eine wirtschaftliche und kulturelle Verbesserung in Rom, vor allem in urbanistischer Hinsicht. Im Hinblick auf das Jubeljahr 1475 kündigte er im März 1472 Verbesserungen im Bereich des städtischen Lebens an. In der Folge wurden zahlreiche Kirchen in Rom renoviert, wie Santa Maria del Popolo, San Pietro in Montorio, San Clemente, SS. Nereo e Achilleo, San Sisto Vecchio. Mit tatkräftiger Unterstützung des Protektors des Augustinerordens, des Kardinals Guillaume d’Estoureville (1403-83) wurde in den Jahren 1470 bis 1483 die Kirche Sant’Agostino errichtet. Zwischen 1475 und 1483 wurde die nach ihm benannte Sixtinische Kapelle im Vatikan erbaut(Baumeister: Giovannino de‘ Dolci und Baccio Pontelli). – Sixtus IV. war Zeit seines Lebens ein grosser Verfechter der Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Er setzte alles daran, um dieser Lehre zur allgemeinen Anerkennung zu verhelfen. So publizierte er am 4. September 1483 die Päpstliche Bulle „Grave nimis“. – Ende April 1473 wurde mit Hinblick auf das bevorstehende Heilige Jahr von 1475 mit dem Bau einer neuen Tiberbrücke (Ponte Sisto, flussabwärts die vorletzte Brücke vor der Tiberinsel) begonnen. – Anlässlich eines Friedensschlusses mit Mailand und Neapel begann 1482 auf Anweisung von Papst Sixtus IV. der völlige Neubau der Kirche Santa Maria della Pace. Die Kirche liegt in der Nähe der Piazza Navona, nördlich, im Vicolo della Pace: Portikus von Pietro da Cortona, Fresken über der ersten Kapelle rechts von Raffael. Kirche am Nachmittag besuchen; das Licht fällt dann auf das Fresko. Kreuzgang von Bramante. Wunderbare Barockfassade. – Ein Gemälde von Sixtus IV., gemalt von Justus van Gent (zirka 1473-75), befindet sich im Louvre in Paris.

YouTube, 20. Juni 2016
Sixtus IV. gründete ein vornehmes Bordell für Frauen und Männer. Die Einnahmen sollten zur Finanzierung des Kriegers gegen die Türken herhalten. Bei Clemens VI. mussten die Prostituierten Steuern zahlen. Julius II. errichtete ein neues Bordell, wobei die Nachfolgepäpste es duldeten.

Stephan VII. Römer
896-97

„Kadaver-Synode“ Januar 897: Stephan VI. liess den Leichnam seines Vorgängers (Formosus) ausbuddeln und in pontifikale Gewänder kleiden, um ihn vor Gericht zu stellen. Der Angeklagte hatte nichts zu seiner Verteidigung vorzubringen, wurde also schuldig gesprochen und – nachdem man ihm zuvor die rechte Hand abgeschlagen hatte – im Tiber versenkt. – An dieser Synode nahm auch Theodora teil, die legendäre Pontifikal-Mätresse und Senatorin. Aus irgendwelchen Gründen hatte sie auch ihre 6-jährige Tochter Marozia mitgebracht. In diese verliebte sich sogleich  Kardinal →Sergius, damals 36 Jahre alt.
Siehe unter „Päpste A – G; Formosus“

Sylvester II.
von Aurillac
999-1003 Aquitanien
Gerbert 

 

 

 

Urban VI.
Bartolomeo Prignano,
Napoletaner, 1378-89

Wurde vergiftet wegen seiner angeblichen Machenschaften mit dem Teufel, und damit „Magier“ genannt wurde.

Alb S. 97: Otto III., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches wies am Ostersonntag 999 an, Gerbert zum Papst zu machen. Otto belohnte den neuen Papst mit Landschenkungen, aber das Land sollte nur sein persönliches Eigentum sein, das nach seinem Tod an das Reich zurückfiel. Das war eine ganz andere Vorstellung, als die in der legendären „Konstantinischen Schenkung“ an den ersten Papst Sylvester festgelegte, aber Sylveser II. fügte sich dem Versuch des Kaisers, das Papsttum in eine Feudalherrschaft umzuwandeln. Es nimmt kaum wunder, dass eine Schrift dieser Zeit die „Konstantinische Schenkung“ als Fälschung kritisiert und die ganze Vorstellung, es gebe einen päpstlichen Staat, angreift.   (→ Kirchenstaat, seine Geschichte)

Zu viele Leute waren betroffen von der Bedrohung der Unab- hängigkeit kirchlicher Territorien. Das Haus des Theophylactus und das des Crescentius, das eine gefördert, das andere erniedrigt von Otto, erhoben sich 1001 zum Aufruhr. Im Jahr darauf starb der Kaiser, 22 Jahre alt. 1003 starb der Papst.

Sylvester blieb mehr als Gelehrter denn als Papst in Erinnerung. Bei einem Aufenthalt im heutigen Spanien hatte er gelernt, mit arabischen Ziffern zu Rechnen, und dazu beigetragen, dass sie in ganz Europa in Gebrauch kamen. Sein Kontakt mit den Arabern brachte ihm die Kenntnis der Philosophie des Aristoteles. Er war auch Modell-Bauer, er konstruierte Geräte, um seinen Schülern den Stand von Fixsternen und Planeten verdeutlichen zu können. Seine Gelehrsamkeit war so welt- und tiefreichend, dass spätere Legenden sie der Magie oder sogar dem Teufel zuschrieben.

(siehe vorgängige Papstgeschichte bei „Gregor XI.“ von K. Schelle, Das Konstanzer Konzil, S. 10)
Nach dem Tod von Gregor XI. hatten die Franzosen im Konklave nach wie vor die Oberhand. Aber vor den Toren brüllte das römische Volk: „Romano o italiano lo volemo!“ („Einen Römer oder Italiener wollen wir!“). Die Römer glaubten einen Anspruch darauf zu haben, dass der Papst ein Römer oder doch wenigstens ein Italiener sein müsse. Schliesslich einigte sie das Kardinalskollegium auf einen Napolitaner, Bartolomeo Prignano, der als Urban VI. sein Amt antrat. – Lange dauerten die Tumulte in Rom an. Die Kardinäle erklärten nochmals feierlich, dass die Wahl ordnungsgemäss verlaufen sei. Aber der Napolitaner war undiplomatisch, er  behandelte die Kardinäle schlecht und kündigte neue Kardinalsernennungen an. Das führte dazu, dass die unzufriedenen, vor allem aber die französischen Kardinäle, abzogen und am 20. September 1378 in Fondi den hinkenden, schielenden Kardinal von Genf als Clemens VII. wählten. (/siehe dort). – Der starrsinnige Urban hatte es sich in den Kopf gesetzt, sich in die neapolitanischen Thronwirren einzumischen, um dort einen Verwandten auf den Thron einzusetzen. Die Kardinäle lehnten strikte ab, konnten ihn aber nicht aufhalten. Urbans Auftreten in Neapel erregte dort aber solchen Widerstand, dass er sich nach Nocera zurückzog, tief zerstritten mit dem neapolitanischen König Karl von Durazzo. Die bei ihm gebliebenen Kardinäle lehnten sich auf – da liess er 6 von ihnen in Ketten in eine Zisterne werfen. – Anfang 1385 stellte Urban Neapel unter das Interdikt (Verbot kirchlicher Amtshandlungen). Das war zu viel. Ein Condottiere namens Alberico, mit der Würde des Gross-Connetabels  bekleidet, belagerte Urban und setzte einen Kopfpreis von 10’000 Goldgulden aus. Ein Kopfgeld auf den Papst, das war wirklich etwas Neues! Zweifellos wäre Urban totgeschlagen worden, hätten ihn nicht genuesische Galeeren gerettet. Er schlug sich – gedeckt von seinen Soldbanden – zu ihnen durch, die gefangenen Kardinäle schleppte er in Ketten mit sich. Am 15. Dezember in Genua angelangt, liess er die Kardinäle in Säcke nähen und ertränken. Die Vorsicht gebot ihm aber, nun doch am nächsten Morgen Genua zu verlassen und in das Gebiet von Lucca zu segeln.  – Seine Lieblingsidee, Neapel zu erobern, hatte Urban nicht aufgegeben. Im August sammelte er einige tausend Söldner, aber ausbleibender Sold zerstreute die Banden wieder, und Urban kehrte nach Rom zurück, wo er Hunger und Tod,. Pest und Dreck vorfand. Es gelang dem jähzornigen Neapolitaner zwar, die aufsässigen Römer im Zaum zu halten. An weiteren Verbrechen hinderte ihn am 15. Oktober 1388 der Tod. – War Urban ein gewalttätiger, bis an die Grenzen des Wahnsinns sadistischer Papst gewesen, so war sein Nachfolger Bonifaz IX. (siehe dort) – auch er ein Neapolitaner – krankhaft geldgierig.

Urban VIII.
Barberini Maffeo
1623-44 Florentiner

Meister des Nepotismus (Vetternwirtschaft). Er liess 1632 die Knochen von Markgräfin Mathilde von Tuszien aus Mantua in den Sarkophag (erster Pfeiler im Petersdom rechts) bringen (Knochenklau).

→Papstkinder