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Laien

In der katholischen Kirche unterscheidet man seit dem 3. Jahrhundert die nichtgeweihten Christen als „Laien“ von den geweihten Christen, den Klerikern (Bischöfe, Priester, Diakone). Der Begriff leitet sich vom griechischen „laikós“ (dem Volk zugehörig) ab. Im Laufe der Geschichte gestaltete sich die Unterscheidung zunehmend als Trennung und die Laien galten als auf Leitung und Belehrung durch die Kleriker angewiesen. Erst seit dem Ende des 19. Jahrhundert und besonders im 20. Jahrhundert setzte sich die Einsicht durch, dass die Laien eigenständig Mitverantwortung in der Kirche und für ihre Aufgaben tragen: bei der Weitergabe des Glaubens in Lehre und Verkündigung, bei der Mitgestaltung der Liturgie und des kirchlichen Lebens und im sozialen Engagement. Trotz offener Fragen zum Verhältnis von Klerikern und Laien hat sich die Stellung der Laien in der Kirche seitdem entscheidend verbessert. Es kam sogar zur Gründung kirchlicher Laien-Vertretungen, wie etwa in Deutschland das Zentralkomitee deutscher Katholiken (ZdK).

OR Nr. 25 vom 2. Juni 2016, S. 3
Laien sollen stärker unterstützt werden

Papst Franziskus hat von der Kirche eine bessere Unterstützung für Laien gefordert. Es gebe viele katholische Nichtgeistliche „guten Herzens“, die sich gern dem „Dienst des Evangeliums“ widmen würden, „wenn sie einbezogen, wertgeschätzt und mit Zuneigung von Seite der Priester und kirchlichen Institutionen begleitet würden“, sagte er am 17. Juni 2016 bei einer Audienz für den Päpstlichen Laienrat. „Wir bauchen Laien, die etwas riskieren, die sich die Hände schmutzig machen, die keine Angst davor haben, auch mal einen Fehler zu machen, die vorwärtsgehen“, so Franziskus weiter. Die Kirche brauche Laien „mit einer Zukunftsvision, nicht eingeschlossen in die kleinen Dinge des Lebens“. Der Heilige Vater dankte dem Laienrat zudem für seine bisherige Arbeit, die auch darin bestanden habe, die Laien zum Einsatz für die Verbreitung ihres Glaubens anzuspornen.
Franziskus empfing den seit fast 50 Jahren bestehenden Rat, der zu seiner Vollversammlung in Rom zusammengetreten ist, zum letzten Mal. Aufgrund der Kurienreform wird er zukünftig in eine neue Grossbehörde integriert.

Kirche heute 14/3017 März, S. 2
Erzbistum München setzt Laien ein

Das Erzbistum München und Freising will neue Modelle der Leitung von Pfarreigemeinden erproben. Ab Herbst diesen Jahres sollen in den 3 Seelsorgeregionen des Erzbistums Teams aus haupt- und ehrenamtlichen Laien dafür eingesetzt werden, kündigte Kardinal Reinhard Marx am Montag in München an. Als Grundlage dient das 2013 initiierte Projekt „Pastoral planen und gestalten“. Damit solle auf den Rückgang an Priestern und pastoralen Mitarbeitern reagiert werden. Das Projekt findet bundesweit Beachtung, weil viele katholische Bistümer vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

OR Nr. 43 vom 27.10.2017, S. 4
Kardinal Filoni hat den Einsatz von Laien für die Verbreitung des christlichen Glaubens gewürdigt. Er verwies auch auf die Jugendlichen als Hoffnungsträger für die Mission. Sie seien die ersten, die grosszügig auf den Ruf der Kirche antworten könnten. Der Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker äusserte sich anlässlich der Vorstellung der Papstbotschaft zum „Sonntag der Weltmission“ im Vatikan.

Lämmer, Segnung am 21. Januar

OR Nr. 4 vom 29.01.2010:
Lämmersegnung am liturgischen Festtag der hl. Agnes

Papst Benedikt XVI. hat am 21. Januar 2010 zwei Lämmer gesegnet, aus deren Wolle das Pallium für die Metropoliten-Erzbischöfe gewebt wird. Die kleine Zeremonie in der Urban-Kapelle des Apostolischen Palastes erfolgte traditionsgemäss am liturgischen Festtag der heiligen Agnes, einer römischen Märtyrin aus dem 3. Jahrhundert Die Verbindung mit den Lämmern leitet sich von der Namensähnlichkeit mit dem lateinischen „agnus“ (Lamm) her.

OR Nr. 4 vom 28.01.2011:
Antworten von Sr. Hanna Pomnianowska von der Ordensgemeinschaft der „Heiligen Familie von Nazareth“

Wie lange sorgt Ihre Gemeinschaft schon für die Vorbereitung der Lämmer?
Unsere Gründerin, die sel. Franciszka Siedliska, hat 1884 damit begonnen.

Was geschieht, wenn die Lämmer bei Ihnen ankommen?
Jedes Jahr am 20. Januar bringen uns die Trappisten von „Tre Fontane“ die beiden Lämmer. So bald sie angekommen sind, bringen wir sie in das oberste Stockwerk unseres Hauses, wo wir eine grosse Terrasse mit einer Waschküche haben. Sie können sich denken, dass die ganze Gemeinschaft an ihnen Freude hat, besonders die jüngeren Schwestern. Als erstes werden die Lämmer gewaschen. Wir stellen sie in einen Waschtrog und entfernen vorsichtig  den Schmutz mit Kinderseife. Auf diese Weise wird ihre Wolle strahlend weiss. Dann trocknen wir sie. Früher wurde das mit Tüchern gemacht. Jetzt mit einem Fön. Wir achten sehr darauf, dass ihre Wolle nicht feucht bleibt, denn sie sind klein und könnten krank werden. Daher wird der Raum gut geheizt. Nach dem Trocknen kommen sie in eine mit Stroh ausgelegte Wanne, die mit Tüchern zugedeckt wird, damit sie sich nicht erkälten. Wir geben ihnen Heu zu fressen, und so sind sie bereit, die Nacht in der Waschküche zu verbringen.

Wie werden sie geschmückt?
An nächsten Morgen, dem Festtag der hl. Agnes, legen wir ihnen eine Art Umhang über den Rücken. Bei einem Lamm ist dieser rot, zum Gedenken an das Martyrium der Heiligen, beim anderen weiss, zum Gedenken an ihre Jungfräulichkeit. Auf beiden Umhängen befinden sich drei Buchstaben: auf einem „s.a.v.“ für „Sant’Agnese vergine“ (heilige Jungfrau Agnes) und auf dem anderen „s.a.m.“, also „Sant’Agnese martire“ (heilige Märtyrerin Agnes). Dann winden wir 2 Blumenkränze- einen roten und einen weissen – und setzen sie ihnen auf den Kopf. Wir schmücken auch ihre Ohren mit Schleifen. Nach dieser Art „Einkleidung“ kommt jedes der beiden Lämmer in einen Korb. Wir sind gezwungen, sie anzubinden, um zu verhindern, dass sie weglaufen. Einmal habe ich nämlich gesehen, wie ein Lamm aufsprang und vom Altar weglief. Damit sind die beiden Tiere fertig für die Zeremonie.

Was geschieht dann?
Gegen 9 Uhr morgens kommen einige Mitarbeiter der Lateranbasilika zu uns und bringen die beiden Lämmer nach Sant’Agnese fuori le mura an der Via Nomentana. Dort angekommen, werden sie am Altar der Heiligen mit dem überlieferten Ritus gesegnet. Nach Beendigung der Zeremonie in der Basilika Sant’Agnese fahren einige „Sediari Pontifici“ die beiden Lämmer mit einem Kleintransporter in den Apostolischen Palast, wo sie zum Papst gebracht werden.

Ist Ihre Gemeinschaft auch beim Ritus im Vatikan anwesend?
Zwei unserer Mitschwestern – gewöhnlich feiern sie das Jubiläum ihrer Ordensprofess – bekommen Einlass in die Kapelle „Urban VIII.“ (1623-44), wo sie in Anwesenheit des Papstes persönlich der Zeremonie beiwohnen.

OR Nr. 4 vom 27.01.2017, S. 3
Zwei Lämmer beim Papst

Papst Franziskus hat am Samstag, 21.01.2017, im Vatikan Besuch von 2 Lämmern bekommen. Die beiden Tiere wurden ihm zum Gedenktag der heiligen Agnes präsentiert. Aus der weissen Wolle der jungen Schafe wird traditionell das sogenannte Pallium, ein Schulterumhang für neue Erzbischöfe, gefertigt. Franziskus strich den Agnes-Lämmern in der Kapelle Urbans VIII. im Apostolischen Palast über ihr Fell und betrachtete sie lächelnd. Zuvor waren die Tiere in der römischen Kirche Sant’Agnese gesegnet worden.
Das Pallium ist eine weisse Wollstola mit aufgestickten schwarzen Kreuzen. Es wird vom Papst und den Erzbischöfen, die zugleich Leiter von Kirchenprovinzen sind, während der Liturgie über dem Messgewand getragen. Die neu ernannten Metropolitan-Erzbischöfe erhalten das Pallium traditionell am 29. Juni vom Papst, dem römischen Patronatsfest Peter und Paul.
Agnes ist eine römische Märtyrerin aus dem 3. Jahrhundert, die der Überlieferung nach als junges Mädchen während einer Christenverfolgung in Rom den Tod auf dem Scheiterhaufen fand. Die Verbindung mit den Lämmern leitet sich von der Namensähnlichkeit mit dem lateinischen Wort „agnus“ (Lamm) her. Die Herstellung der Pallien obliegt den Benediktinerinnen der Kirche Santa Cecilia im römischen Stadtteil Trastevere.

Landwirtschaftsbetriebe des Vatikan

Siehe unter „Bauernhöfe des Vatikan“

Lante, Villa in Rom

(Villa Lante, Finnische Botschaft beim Hl. Stuhl)
OR Nr. 37 vom 17.09.2010:
Villa Lante: Sommer-Refugium unter dem Stern der Medici-Päpste

Der sommerlichen Hitze im Rom des 16. Jahrhundert und dem Mangel an kühlen Rückzugsorten verdankt eine der besterhaltenen römischen Renaissance-Villen ihre Entstehung, die heutige Villa Lante. Baldassarre Turini, Datarius (Das Amt der römischen Kurie zur Verleihung der dem Papst vorbehaltenen, aber nicht im Konsistorium verliehenen Pfründen.) Papst Leos X. (1513-21, Giovanni de’ Medici) und ursprünglich aus der toskanischen Kleinstadt Pescia stammend, beklagte sich 1514 in einem Brief über ebendiese Zustände in der Stadt und zog wenig später die Konsequenzen daraus: Er kaufte ein Grundstück auf dem damals vorstädtischen Hügel Gianicolo und liess ab 1518 dort sein privates sommerliches Refugium bauen.

Dass Turini (Jurist) ausgerechnet auf dem Gianicolo einige Hektar der damals zumeist für Weinbau und landwirtschaftlichen Gärten genutzten Fläche für seine Villa kaufte, ist aber wohl kein Zufall: Der Standort bietet neben einem traumhaften Blick über die Stadt einerseits, anderseits Blick zum Villenviertel an der Via della Lungara am Tiberufer und nicht zuletzt zum Vatikan und zu den Albaner-Bergen.

An der Stelle, an der die heutige Villa Lante steht, soll der sagenumwobene zweite römische König Numa Pompilius begraben liegen (715 – 672 v. Chr.). Er baute die Menschenopfer ab. Er legte den Januar/Februar an den Anfang des Jahres. Er verteilte das Ackerland unter die Bauern und schuf für Handel und Handwerk 12 Zünfte. Er hinterliess ein wohlgeordnetes Gemeindewesen.)  Da Pompilius nicht verbrannt werden wollte, wurde er im Sarkophag auf dem Gianicolo begraben. →Geschichte Italien – Kirche

Bau der Villa: Giulio Romano, Schüler Raffaels. Der Schüler wollte im Geiste Raffaels mit der Villa Lante ein Gesamtkunstwerk schaffen, in dem sich Architektur, Bildhauerei und Malerei zu einem stimmigen Bild vereinen, in einer Reminiszenz (Erinnerung) an die Antike. Turini nimmt nicht nur Bezug auf die römische Antike, vielmehr zeigt er seine Verehrung gegenüber den beiden Medici-Päpste Leo X. und Clemens VII. (1523-34), z. B. wird dargestellt, wie die Amtszeit Leos X. das Goldene Zeitalter nach Rom zurückbringt. Turini war mit ihm befreundet. Turini wohnte nicht in der Villa, er nutzte sie als Rückzugsort. Nach seinem Tod wich dieser intellektuelle Geist für mehrere Jahrhunderte. aus der Villa.

Geschichte:

  • Nachfolger Julio vermietet an den französischen Botschafter
    Georges d’Armagnac
  • 1551 Verkauf an die Familie Lante. Mehr als 250 Jahre in ihrer
    Hand.  Familie  aus Pisa.  Erweiterte den  Garten. Wenig
    Veränderungen. Haus behielt weitgehend ihr ursprüngliches
    Erscheinungsbild
  • Fam. Lante: Haus nicht als Wohnhaus. Sie residierte auf der
    Piazza St. Eustacchio.
  • Verkauf: 1817 an Camillo Filippo Borghese (mit Schwester von
    Napoleon verheiratet)
  • 1837 Verkauf an die Gründerin eines kath. Ordens, die Französin
    Madeleine Barrat, Sr. Magdalena: Mädchenheim: schulische
    Erziehung von Mädchen und jungen Frauen: Mädchenpensionat
  • 1887: Verkauf an den deutschen Archäologen Wolfgang Helbig.
    Seine Frau: die russische Prinzessin Nadine Schahawskoy.
    Nach 350 Jahren kehrte der Intellekt zurück.
  • Heute für nordische Kultur Finnlands: Institut Finnlands in Rom
    und die Finnische Botschaft beim Heiligen Stuhl (Botschafter zzt. in
    Bern, er vertritt dort auch die Schweiz. Stand Juli 2017)
  • 1950: Villa Lante geht an das Institut, das jeden Tag von 9 – 12
    zugänglich ist.

Neben den verschiedenen Fresken und Stuckarbeiten im Inneren des Gebäudes ist die Loggia ein Herz- und Prunkstück der Villa Lante.

OR Nrn. 30/31 vom 28. Juli 2017, S. 5, Bernhard Hülsebusch (…)
Der schönste Ausblick auf Rom – Die Villa Lante auf dem Gianicolo – ein Meisterwerk der Renaissance

Sie gehört zu den besterhaltenen Renaissance-Villen der Ewigen Stadt: Die von Giulio Romano entworfene Villa Lante. Eine Villa mit höchst bewegter Geschichte, die heute Sitz der finnischen Botschaft beim Heiligen Stuhl und des finnischen Kulturinstituts ist.
Das Anwesen befindet sich nahe dem 1895 geschaffenen imposanten Reiterdenkmal von Giuseppe Garibaldi – konkret: am sogenannten Spazierweg auf dem Gianicolo (Vatikanseite). Doch obschon dort reger Verkehr herrscht, weil zahlreiche Italiener das riesige Monument für ihren Nationalhelden sehen wollen, liegt die Villa Lante (die man Montag bis Freitag von 9 – 12 Uhr besichtigen kann) fast versteckt hinter Bäumen und Statuen.

Latein

Kath. Wochenzeitung Nr. 11 vom 16. März 2012:
Latein für Dummies

In der beliebten Serie „Für Dummies“ gibt es auch eine 350 Seiten starke Ausgabe zum Erlernen der lateinischen Sprache. Locker, gewitzt und doch genau:

Latein für Dummies, Hull, Clifford A./Perkins, Steven R./Barr, Tracy – übersetzt von Tina Kaufmann, 349 Seiten, Softcover, 10 Abb., Euro 20,50

Leseprobe aus dem Buch auf KATHTUBE:
http://www.kathtube.com/player.php?id=25812
Für Bestellungen aus der Schweiz: buch-schweiz@kath.net
Aus Österreich und Deutschland: buch@kath.net

OR Nr. 48 vom 30. November 2012, S. 3:
Päpstliche Latein-Akademie hat ihre Arbeit aufgenommen

Vatikanstadt. Die neue Päpstliche Akademie zur Pflege der lateinischen Sprache hat ihre Arbeit aufgenommen. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone überreichte ihrem Präsidenten Ivano Dionigi sowie einem Dutzend weiterer Mitglieder im Vatikan die Ernennungsurkunden. Dionigi ist Professor für lateinische Literatur und gegenwärtig Rektor der Universität Bologna. Sekretär der Einrichtung ist der italienische Salesianerpater Roberto Spataro. Die weiteren Mitglieder sind überwiegend italienische Altphilologen. Die Veranstaltung war über Twitter auch in lateinischer Sprache angekündigt worden: „Hodie una cum Ivano Dionigi novam aperiemus academiam pontificiam latinitatis“, schrieb Kardinal Gianfranco Ravasi, der Präsident des Päpstlichen Rats für die Kultur. Benedikt XVI brachte seine guten Wünsche in einer Botschaft zum Ausdruck. Er hoffe, dass die Akademie eine „nutzbringende und fruchtbare Aktivität“ entfalte, um die lateinische Sprache zu fördern, heisst es in dem Schreiben, das von Kardinal Bertone verlesen wurde. Dieses kulturelle Erbe müsse an die kommenden Generationen weitergegeben werden. Der Papst hatte die Akademie am 10. November 2012 ins Leben gerufen. Sie soll nach seinem Willen dem Rückgang der Lateinkenntnisse unter Priestern und Gläubigen entgegenwirken.

OR Nr. 50 vom 12. Dezember 2014, S. 6
Latein ist doch keine tote Sprache: Der lateinische Twitter-Kanal von Papst Franziskus hat die Marke von 300’000 Nutzern überschritten. Damit haben die Tweets von @pontifex  in der Sprache Cäsars mehr Abonnenten als die deutsche (226’000) und die arabische Version (165’000).

Katholische Wochenzeitung Baden 23/2017 Juni, S. 14 (sys)
Zitat: „Latein war eine heilige Sprache, ein sakraler Vorgang“
von Peter von Matt, emeritierter Professor für Neuere Deutsche Literatur:

„Man hat gemeint, man wird attraktiv, wenn man das Lateinisch abschafft, aber man hat keine neue sakrale (den Gottesdienst betreffende) Sprache gefunden, sondern ein totes Deutsch. Wen störte das früher, dass man Latein nicht verstand? Das war eine heilige Sprache, ein sakraler Vorgang, n dm man partizipierte.
Als Ministrant sagte ich treu Messetexte auf wie „Ad Deum, qui laetificat juventutem meam“. Was das bedeutete, wusste ich nicht. Wenn mir jemand „Zu Gott, der meine Jugend erfreut hat“, übersetzt hat, sage mir das als Kind nichts. Aber das Ritual fand ich spannend, seine archaische (altertümliche) Wirkung, dieser verdichtete Sinn, der Geborgenheit vermittelte. Natürlich kann man nicht mehr zum Latein zurück. (Warum eigentlich nicht? Red. KWZ) Aber dass Spiritualität auch ein Problem der Sprache ist, sollte man begreifen.“

Lateranbasilika (S. Giovanni in Laterano) in Rom

9. November: Weihetag der  Basilika. Offizielle  Bischofskirche  des  Papstes.  Sie  trägt den  Ehrentitel „Omnium urbis et orbis ecclesianum mater et caput“ – Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises. Darum ist sie ranghöchste Papst-Basilika. Ihr voller Name lautet: Erzbasilika des Allerheiligsten Erlösers, des Heiligen Johannes des Täufers und des Heiligen Johannes des Evangelisten am Lateran.

OR vom 20.11.2009:
Die Lateranbasilika hat eine neue Homepage: www.vatican.va, dann ein Link zu Informationen über Geschichte und Archäologie, Kunstschätze und aktuelle Veranstaltungen der Basilika. Unter anderem können Besucher auch einen virtuellen Rundgang durch die Kirche, das Baptisterium und den prachtvollen Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert unternehmen (zzt. nur auf Italienisch).

HK, Ist die Kirche noch zu retten? S. 69:
Die Gräber der beiden Hauptapostel Petrus und Paulus sind der ausschlaggebende Grund für eine bestimmte Vorrangstellung der Kirche Roms. Doch deswegen ist Rom keineswegs „die Mutter aller Kirchen“, wie noch heute die pompöse Aufschrift auf der Lateranbasilika, der ursprünglichen römischen Bischofskirche, suggeriert: „Caput et mater omnium ecclesiarum urbis und orbis – Haupt und Mutter aller Kirchen der Stadt und des Erdkreises“? Nein, Haupt und Muttergemeinde der ersten Christenheit ist unbestritten nicht Rom, sondern Jerusalem. Und apostolische Gründungen sind völlig unabhängig von Rom verschiedene Kirchen des Ostens wie: Antiochien, Ephesus, Thessaloniki, Korinth … Darauf legen diese Kirchen bis heute Gewicht.

Lateranvertrag vom 11.02.1929

Abschluss zwischen dem „Vatikan“ (Kardinalstaatsekretär Pietro Gasparri unter Pius IX.) und Italien (Ministerpräsident Benito Mussolini), abgeschlossen im Lateranpalast:

Gelöst wurde damit die Römische Frage nach der völkerrechtlichen Basis der kath. Kirche und damit eng verbunden, die Frage nach dem Verhältnis von Kirche und Staat in Italien.

Territoriale Geschichte der Kirche unter →Kirchenstaat, seine Geschichte (Register). Hier findet man die Römische Frage, die Entstehung des Staates der Vatikanstadt und die Beschreibung des Tages der Ratifizierung vom 7. Juni 1929 bei Kardinal Gasparri im Staatssekretariat mit Mussolini zusammen. Hier überbrachte der damalige Finanzminister Mosconi die Abfindung (Apanage), nämlich:

  1. 750 Millionen Lire mit Check (damaliger Tageskurs gemäss Schweizer Nationalbank Bern:100 Lire = SFr. 27.1825; d. h., 750 Millionen Lire ergaben damals: SFr. 203’868’750.00) in bar.
  1. Eine Urkunde für 1 Milliarde italienische 5-%-Staatstitel  (damaliger Wert  SFr. 271’825’000.00)
  2. Ganze Abfindungssumme (Lire 1,750 Milliarden)  an den Vatikan damals, umgerechnet in SFr.: 475’693’750.00 oder zwischen 80 bis 90 Millionen Golddollars, damals ein Vermögen sondergleichen.

Durch Geschick des ersten Direktors Bernardino Nogara vermehrte sich das Ursprungsvermögen im Jahre 1952 auf 11,5 Milliarden Dollar; es war der zweitgrösste Staatsschatz nach den USA. Nach Agostini/Radio SRF1 vom 27.12.2016: 13 Milliarden CHF.

Der lange Tisch, auf dem die Verträge zum Abschluss kamen, steht im Museum des Laterans.

18.02.1984: Revision des Konkordates: Kardinalstaatsekretär Agostino Casaroli und Ministerpräsident Bettino Craxi unterschreiben das neue Konkordat, z. B. ist die kath. Religion in Italien nicht mehr Staatsreligion.

→Kirche, ihre territoriale Geschichte (Ablauf der Ratifizierung)

Plan Abamelek k

Lateranvertrag: Papst Pius XI. Ratti wollte bei Mussolini das Geldstück und das Brötchen (schwizerdütsch: de Batze ond s’Weggli): Er verlangte einen direkten Zugang zum Mittelmeer und den ganzen Park „Villa Doria Pamphili“ mit Zugang über den Park „Abamelek“ (beide Parks hier auf der Karte unten links). Ebenso den Wunsch, den Friedhof Campo Santo und  den Palast der Glaubenskongregation einzuverleiben. Mussolini ging auf keinen Wunsch ein. Siehe „Grenzlegung des Vatikanstaates“.

Kath. Wochenzeitung  Nr. 16 vom 22.04.2011 (kurz vor der Seligsprechung J.P. II):
Verlust des Kirchenstaates „ein riesiger Segen“ für die Kirche

Papstbiograph George Weigel: Papst Johannes Paul II. bewies die Effektivität der moralischen Waffen, welche Leo XIII. anfing zu entwickeln, bei ihrem Einsatz gegen den Kommunismus.
„Ein riesiger Segen für die Katholische Kirche“. So bezeichnete der amerikanische Papstbiograph George Weigel im Zusammenhang mit den Feiern zum 150jährigen Bestehen des Staates Italien den Verlust den Kirchenstaate im Jahr 1870.

Schlüsselfigur der nachfolgenden Entwicklung war laut Weigels Kommentar, der in der „National Review Online“ veröffentlicht wurde, Papst Leo XIII. (1878-1903). „Statt sich wie ein verdriesslicher, enteigneter, italienischer Kleinadliger zu benehmen, hat er die Moderne auf seine eigene markante Art in den Dienst genommen. Damit hat er das Fundament gelegt für neue Weisen, das Papstamt auszuüben. Er durchdachte die Herausforderungen der politischen Moderne und des modernen säkularen Staates in einer Reihe von Enzykliken. Auch wenn der literarische Stil dieser Enzykliken eher zum Hockbarock tendiert, sind es die Gedanken des Papstes wegen ihrer Treffsicherheit doch wert, dass man sie auch heutzutage durchackert.“

Ohne den Verlust des Kirchenstaates und die dadurch ausgelösten Weichenstellungen durch Leo XIII. hätte man wohl nicht die Leistungen von Papst Johannes Paul II. gesehen, „der Schlüsselfigur des Zusammenbruchs des Europäischen Kommunismus“, folgerte Weigel.

„Johannes Paul II. hat die moralischen Waffen angewendet, welche Leo anfing zu entwickeln, und bewies beim Zur-Strecke-bringen einer der grössten Tyranneien der menschlichen Geschichte ihre einzigartige Effektivität.  Der Sieg der Freiheit über den Kommunismus hat natürlich viele Urheber. Doch die Historiker des Kalten Krieges urteilen, dass das Schlüsselmoment des Dramas, welches in die Revolution von 1989 mündete, in jener ersten Pilgerreise von Johannes Paul II. in seine polnische Heimat im Juni 1979 war. Und dies wurde zu einem nicht kleinen Teil möglich durch den Sieg italienischer Säkularisten über Pius IX. in den Jahren 1861 bis 1870“.

Leben/Arbeiten in der Monarchie „Vatikan“

(in einem Hofstaat)

→Kurie, das Leben an der Kurie
→Papstwohnung
→Päpstliche Wohngemeinschaft
→Telefonbuch Vatikan
→Korrespondenzstil im Vatikan
→Nuzzi

Hans Küng in der bz vom 24.09.2007:
Viele Amtsträger der Kirche sind blind dafür, dass sie im Widerspruch zum Evangelium handeln. Man kümmert sich – und das gerade im Vatikan – vorwiegend um Fragen der Macht und der Durchsetzung bestimmter dogmatischer und disziplinärer Vorschriften, aber wenig darum, was Jesus täte, wenn er zurückkäme. — // Autokennzeichen des Vatikanstaates: SCV = Se Christo lo Vedesse … Wenn Christus das sehen würde … Vi Cacciarebbe Subito … er würde euch sofort fortjagen.

Arbeitszeit: 6 x 6 Stunden die Woche als Normalfall (mindestens für die Priester). Laien könnten sich so organisieren, dass der Samstag frei ist. Überstunden beim Priester werden nicht ausbezahlt. Er muss sie voranmelden.

Die meisten Schwarzarbeiter kommen aus dem Vatikan: Priester in Schwarz und tatsächliche Schwarzarbeiter. Der italienische Staat z. B. verliert wegen Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung über 150 Milliarden Euro im Jahr (Stand 2012, BaZ).
→National-Feiertag

John Cornwell, Wie ein Dieb in der Nacht, Seite 381:
Während der Wochen, in denen ich mit Dutzenden von Vatikanbeamten sprach (WA: Tod von Johannes Paul I. 1978 Albino Luciani) habe ich festgestellt, dass die gesundheitlichen wie arbeitsbezogenen Schwierigkeiten von Johannes Paul I. in den vier Wochen seiner Herrschaft allgemein bekannt waren. Don Diego Lorenzi (Privatsekretär dieses Papstes) erklärte mir: „Der Vatikan existiert nicht. Die Leute wissen nicht, was sie meinen, wenn sie vom ‚Vatikan’ sprechen.“ Und doch verbreitet sich jede Information, jedes Gerücht oder Geschwätz unglaublich schnell in den Fluren und Büros des Stadtstaates. Als Gesamtheit, als aussergewöhnlich auf sich selbst bezogene Gemeinschaft ist der Vatikan existent. Insassen haben den Vatikan mir gegenüber beschrieben als „Goldfischglas“, „ein Dorf von Waschweibern“, einen „Eunuchenpalast“ (Eunuche: griech. ’Betthüter’, verschnittener [zeugungsunfähiger] Mann, im Orient Haremswächter). Der ganze Vatikan, so wurde mir berichtet, „wabert (sich und her bewegen, flackern) geradezu in brillant bösartigem Klatsch“. Gleichzeitig ist niemand verantwortlich. Es herrscht durchgehend eine Atmosphäre von Kleinmütigkeit, eine Scheu, Dinge offen beim Namen zu nennen und Verantwortung zu übernehmen, geistige Niederträchtigkeit. Alle hier machen die grössten Anstrengungen, den Eindruck zu erwecken, dass sie ihre Aufgabe ordnungsgemäss erfüllen. Den schwarzen Peter weitergeben, ist im Vatikan ein beliebter Zeitvertreib.

Ich habe keine Hinweise dafür gefunden, dass der heutige Vatikan vereinzelt oder in Klüngeln Mörder, Schurken und Ganoven beherbergt. Andererseits bin ich gelegentlich auf Spuren von heiligmässigen Männern und Menschen des Gebetes gestossen. Ihre ebenfalls vorhandenen Mängel und Schwächen fallen unter die „lässlichen“ Unvollkommenheiten. Ihre Verbrechen sind nicht „Mord“, “Raub“, „Betrug“. Es sind vielmehr „Doppeldeutigkeit“, „sparsamer Umgang mit der Wahrheit“, „geistiger Vorbehalt“, „kleinlicher Ehrgeiz“, „Verzagtheit“, „Bösartigkeit“, „Zynismus“ (auf grausame, beleidigende Weise spöttisch), ein auffallender Mangel an „Güte“ und allgemeiner „Nächstenliebe“.

Während ich durch die Piazzas, Cortiles und Korridore des Vatikans ging, kam ich mir manchmal wirklich wie an Bord eines schwimmenden Palastes vor, der vom Festland des Lebens entfernt dahintrieb. Dieses Gefühl einer anderen Welt wurde noch verstärkt durch die offensichtlich vorrangige Beschäftigung mit Ritualen und religiösen Äusserlichkeiten, kasuistisch (Kasuistik: Lehre von der Anwendung sittlicher und religiöser Normen auf den Einzelfall) legalistischem (übertrieben legalem/gesetzesmässigem) Denken, dem Tragen von Roben und dem Gebrauch von altmodischen Titeln – Exzellenz, Eminenz, Euer Gnaden – Zeichen einer geistigen Trennung zwischen einer durch und durch institutionalisierten Religion und der ‚äusseren Welt’.

Lehnert, Sr. Pascalina M., Papsthaushälterin

Haushälterin und Sekretärin von Eugenio Pacelli, Pius XII.
→Pascalina

Leichnam des Papstes

→Konservierung

Leihmütter

Siehe unter „Genderismus“

Leonische Mauer

→Mauer

Liturgie

OR Nr. 46 vom 18.11.2016, S. 2
Keine Rücknahme der Liturgiereform

Papst Franziskus hat einer teilweisen Rücknahme der Liturgiereform erneut eine Absage erteilt. Es sei ein „Irrtum, von einer ‚Reform der Reform‘ zu sprechen“, sagte er in einem vor kurzem veröffentlichten Interview mit der Jesuitenzeitschrift „Civiltà Cattolica“. Er bekräftigte zugleich, dass die Feier der Messe nach dem vorkonziliaren Messbuch von 1962 eine Ausnahme bleibe. Man müsse das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) und sein Dokument zur Liturgie „Sacrosanctum concilium“ ihrem Sinn nach in die Praxis umsetzen, so der Papst.
Sein Vorgänger Benedikt XVI. habe „eine richtige und grosszügige Geste vollzogen“, sagte Franziskus mit Blick auf dessen Wiederzulassung der Alten Messe als „ausserordentlicher Form“ des römischen Ritus im Jahre 2007. Mit seiner Entscheidung sei Benedikt XVI. „einer bestimmten Mentalität verschiedener Gruppen und Einzelpersonen“ entgegengekommen, „die nostalgisch waren und sich entfernt hatten“. Dies bleibe jedoch die Ausnahme. „Deswegen sprechen wir ja auch von der ausserordentlichen Form des Ritus. Das ist nicht die ordentliche Form“, sagte Franziskus im Interview mit dem italienischen Jesuiten Antonio Spadaro.
Das Papstinterview mit dem Chefredakteur der italienischen Jesuitenzeitschrift „Civiltà Cattolica“ ist Teil des neuen 1000-Seiten-Bandes „Nei tuoi occhi è la mia parola“ (Dein Wort ist in meinen Augen; Verlag Rizzoli). Es umfasst zum grössten Teil Predigten, die der heutige Papst als Erzbischof von Buenos Aires gehalten hatte.
Das Buch, das seit 11. November 2016 im Handel ist, wurde am Tag zuvor im Vatikan von P. Spadaro, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, dem neuen Generaloberen der Jesuiten, Pater Arturo Sosa sowie dem ehemaligen Pressesprecher des Papstes, Jesuitenpater Federico Lombardi, vorgestellt.

Loggia, 3. Loggia im Papstpalast

(Papstgemächer)
→Päpstliche Wohngemeinschaft,  →Papstwohnung

Loggia III k

Grundriss der 3. Loggia (bzw. 4. Stock Papstwohnung) im Papstpalast. Rechts der eigentliche Papstpalast, links anschliessend Räume des Staatsekretariats.

Lohn (im Vatikan)

Alexander Smoltczyk, S. 91:
Lohn eines Sekretärs einer Kongregation im Range eines Erzbischofs: 3’500 Euro netto im Monat.

AS, S. 96: Lohn eines normalen Kurialen Euro 2’000/Monat, minus Euro 1’000 für Kost und Logis in Santa Marta.

S. 261: Wer im Vatikan auf der Lohnliste steht, ist laut Lateranverträgen von aller Steuerlast befreit.

bz Basel vom 18.01.2014, S. 35, SZR
Bischof Felix Gmür arbeitet nicht für Gotteslohn

Bischofs-Gehalt. Der Vorsteher des Bistums Basel, Bischof Felix Gmür, bezieht ein Jahresgehalt von CHF 170’000.00. Das haben Recherchen der „Neuen Luzerner Zeitung (NLZ) ergeben. Er verdient damit um einiges mehr als sein Kollege im Bistum Chur: Vitus Huonder erhält pro Jahr CHF 95’000.000. Die Kommunikationsverantwortliche des Bistums Basel, Adrienne Suvada, erklärt diese Lohndifferenz gegenüber der „NLZ“ mit der unterschiedlichen Grösse der Bistümer.  Das Bistum Basel sei das grösste in der Schweiz und deshalb seien auch der Aufwand und die Verantwortung höher. Es gebe zudem keine Lohnliste, die schweizweit gelte. Im Vergleich zu anderen Branchen oder Bistümern im nahen Ausland, so Suvada, sei der Lohn von Bischof Gmür sogar eher gering. – Aufgegriffen hat das Thema der Löhne hoher Kirchenfunktionäre jüngst der „SonntagsBlick“ in einem Interview mit Kardinal Koch. Über CHF 200’000.00 pro Jahr können demnach kirchliche Würdenträger verdienen, was Kurt Koch kritisiert. Für Giuseppe Gracia, Medienbeauftragten des Bistums Chur, ist ein solcher Lohn nicht mit der Botschaft der Kirche kompatibel.
→Krankenkasse  →Pension

Katholische Wochenzeitung Nr. 23/2004 Juni, S. 3
Ein Bischof in Italien verdient 1’300 Euro

Der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, hat Forderungen, die Kirche des Landes müsse bescheidener werden, zurückgewiesen. „Wissen Sie, was ein Bischof verdient? 1’300 Euro (umgerechnet knapp Sfr. 1’600)“, so Bagnasco in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Samstag, 10. Mai). Das Gehalt der italienischen Geistlichen sei zudem seit 6 Jahren nicht mehr erhöht worden, ohne dass sich jemand darüber beschwert habe. „Wir können sagen, dass wir unsere Ausgaben schon überprüft haben“, so der Kardinal. Bagnasco antwortete auf eine Frage nach der Immobiliensteuer für Gebäude in kirchlichem Eigentum. In der Vergangenheit waren Vorwürfe erhoben worden, die Kirche bezahle in einigen Fällen keine Immobiliensteuer, obwohl das betreffende Gebäude hauptsächlich kommerziell genutzt werde. Daraufhin wurden die rechtlichen Vorschriften präzisiert. Die Kirche bezahle ihre Immobiliensteuer und habe dies schon immer getan, versicherte Bagnasco. Die unklaren Punkte seien mit dem italienischen Staat geklärt worden.

OR Nr. 15 vom 10.04.2015, S. 3
Vatikan und Italien unterzeichnen Steuerabkommen (…)

Personen und Institutionen mit offiziellen Wohnsitz in Italien, die ein Konto bei der Vatikanbank IOR unterhalten oder sonstige Finanzgeschäfte über den Heiligen Stuhl abwickeln, unterliegen neu einem Steuerabkommen vom 01.04.2015. Der Vatikan gibt  Informationen über solche Tätigkeiten an Italien weiter. Dies gilt nicht für die Löhne und Gehälter von Vatikan-Angestellten mit italienischer Staatsangehörigkeit; sie unterliegen weiterhin nicht der italienischen Steuerpflicht.

L’Osservatore Romano, Vatikanische Tageszeitung

→Zeitung

Lourdes-Grotte in den Vatikanischen Gärten

Nachbildung der Grotte von Lourdes (Massabielle), in der die Muttergottes im Jahre 1858 vor Mädchen Bernadette Soubirous erschien. Der Bischof von Tarbes, in dessen Bistum Lourdes liegt, hat sie Papst Leo XIII. (1878 – 1903) zum Geschenk gemacht. Über der Grotte sind Papst und Stifter in Mosaik portraitiert. Der Originalaltar aus der Grotte ist eine Gabe an Johannes XXIII. – Anlässlich der Einweihung der Grotte durch Pius X. (Giuseppe Sarto, 1903-1914) am 28. März 1905 trat zum letzten Mal ein berittenes Pikett der Nobelgarde in Erscheinung.

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 126:
Auf der Kuppe des vatikanischen Hügels erhebt sich überraschend eine Grotte. Genauer, ein dreidimensionales Simulacrum namens Lourdes-Grotte, wo die Päpste mit Vorliebe ihre nachmittägliche Andacht halten. Die Grotte ist 1902 aus Ziegel und Zement gefertigt worden und inzwischen mit Efeu sorgfaltig überwuchert, ganz im Stil der barocken Ruinenarchitektur. Sie ist eine getreue Nachbildung, finanziert durch den Ertrag einer weltweiten Unterschriftenaktion des „Giornale di Lourdes“: Die ganze Welt hat zum Bau dieser Grotte beigetragen, und die Sandkörner, die sie zusammensetzen, sind weniger zahlreich als die religiösen Akte, deren Ergebnis und lichtvolle Zusammenfassung sie ist, erklärte ein Monsignore zur Einweihung. Später wurde noch eine Miniaturkirche angefügt, ein ästhetisch wie auch baustatisch gewagtes Unterfangen mit neogotischen Verzierungen in Beton, die aber zur allgemeinen Erleichterung rasch baufällig und abgerissen wurde. In einer Nische steht, indirekt beleuchtet, die Immaculata, die kleine Statue der Jungfrau. Nur der Altar davor ist ein Original, er stand 50 Jahre lang in der Grotte von Massabielle  und wurde dem Papst 1960 vom Bischof von Lourdes geschenkt. Ansonsten wirkt alles gefälliger, kompakter, schöner als das Original in den Pyrenäen.

Am 31. Mai, zum Abschluss des Marienmonats, wird vor der Grotte eine Rosenkranzandacht abgehalten, eine der wenigen Gelegenheiten, an denen Gläubige und Neugierige ohne Passierschein in die Gärten gelangen können. Sie endet mit einer Prozession.

Lourdes-Wallfahrten des Militärs

OR vom 28. Mai 2010 Nr. 21:
Rund 20’000 Soldaten aus mehr als 60 Nationen sind vom 20. bis 23. Mai 2010 zur 52. Internationalen Soldatenwallfahrt in Lourdes unter dem Moto „Zeichen des Kreuzes – Zeichen des Lebens“ zusammengetroffen (jährlich wiederkehrend). Die deutschen Teilnehmer reisten gemeinsam mit Soldaten aus Litauen, Norwegen, England und den USA in drei Sonderzügen aus Münster, Hamburg und Nürnberg nach Lourdes. Aus Österreich kamen rund 400 Soldaten. Auch der Vatikan war mit 15 Schweizergardisten und deren Kaplan Alain Guy de Raemy vertreten. Den Abschlussgottesdienst am Sonntag, 23. Mai 2010, zelebrierte der französische Militärbischof Luc Ravel in der unterirdischen Basilika Pius X. Die weltweit grösste Pilgerfahrt für Militärangehörige geht zurück auf das Jahr 1944, als französische Soldaten erstmals gemeinsam nach Lourdes reisten. Die erste Internationale Soldatenwallfahrt fand 1958 statt. Soldaten aus ehemals verfeindeten Ländern sollten Versöhnung und Gemeinschaft erfahren.

OR Nrn. 32/33 vom 12. August 2011:
Im südwestfranzösischen Marienwallfahrtsort Lourdes wird künftig eine Reliquie des seligen Papstes Johannes Paul  II. aufbewahrt. Es handelt sich dabei um ein Fragment aus der Soutane, die der Papst beim Attentat auf dem Petersplatz vom 13. Mai 1981 trug. Der selige Johannes Paul II. hatte Lourdes mehrfach besucht: der Ort war 2004 auch Ziel der letzten 104 Auslandreisen.

Luther Martin

Kirche heute 39/2011:
Vor 500 Jahren reiste der Reformator in die Stadt der Päpste: Martin Luther in Rom. Der 31.Oktober 1517 gilt als „Geburtsstunde des Protestantismus“.

Als Martin Luther 1511 Rom besuchte, war der heutige Petersdom eine Baustelle (Baubeginn 19.04.1506). 5 Jahre zuvor hatten die Bauarbeiten für den Monumentalbau, der die konstantinische Basilika ersetzen sollte, begonnen. 1626 fand die Einweihung statt. Das kostenintensive Unternehmen wurde durch den Peterspfennig, Spenden von Gläubigen an den Heiligen Vater, und den Ablasshandel finanziert. Der Erlass von Sünden gegen Geld stand im Zentrum der Kritik durch die Reformatoren.

Im Oktober 1511 erreicht ein deutscher Augustinermönch Rom, sein Name ist Martin Luther. Welche Mission den 28 Jahre alten Priester in die Ewige Stadt führte, lässt sich heute im Detail nicht mehr ermitteln. Nur so viel steht fest: Es ging noch nicht um die Reformation, sondern nur um die Reform des Ordens.

Aufgebrochen ist Luther mit einem Mitbruder aus Wittenberg, oder, falls die Reise schon im Winter 1510/11 stattgefunden haben sollte, was einige Historiker ebenfalls für möglich halten, wäre es der Augustinerkonvent in Erfurt gewesen. Was der Reformator später über Rom, die römische Kirche und das Papsttum dachte, ist bekannt: „Sündenpfuhl“, „Hure Babylons“, „Sitz des Antichristen“. Über seinen Aufenthalt in der Stadt selbst, seiner einzigen Auslandreise überhaupt, ist hingegen nur sehr wenig überliefert.

Messe als „Gaukelspiel“: Gewohnt haben dürfte Martin Luther in der Niederlassung seines Ordens an der Porta del Popolo, dem grossen Stadttor im Norden Roms. Noch heute befindet sich in einer Seitenkapelle der Klosterkirche Santa Maria del Popolo ein Altar, an dem Luther die Messe gelesen haben soll. Jahrhundertelang – so jedenfalls will es die Tradition – hätten Priester ihn daraufhin gemieden. Mit grösster Gewissheit lässt sich sagen, dass Luther von der oberflächlichen Art der italienischen Priester, ihre Messen zu lesen, nicht allzu angetan war. Es „ekelt mich sehr, dass sie so fein rips raps die Messe halten konnten, als trieben sie ein Gaukelspiel“, schreibt er später. „Denn ehe ich zum Evangelium kam, hatte mein Nebenpfaffe schon eine Messe zu Ende gebracht und schrie mir zu: „Passa, passa, immer weg, mach Schluss“. Besonderen Eindruck hat auf den jungen Mönch die Kirche Santa Maria dell’Anima gemacht, die Anlaufstelle für Pilger aus dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. „Die deutsche Kirche ist das beste für einen deutschen Pfarrherrn“, bemerkte Luther.

Auch die Callixtus-Katakombe hat er offenbar besucht. Er berichtet jedenfalls von den Toten, die „unter der Erde schrenkicht“ liegen. Die Scala Santa, die Heilige Treppe am Lateranpalast, ist Luther auf den Knien hochgerutscht; auf jeder Stufe ein Vaterunser betend, um, wie er kurz vor seinem Tod schrieb, seinen Grossvater aus dem Fegefeuer zu erlösen. – Nur 16 Jahre nach Luthers Reise fielen Tausende Protestanten im Dienst eines katholischen Herrschers in Rom ein. Die Landsknechte Kaiser Karls V., die am 6. Mai 1527 die Stadt plünderten (Sacco di Roma), hingen teils der neuen Lehre an. „Es lebe Luther“, sollen manche von ihnen gerufen haben, als sie den Papstpalast stürmten. Knapp 130 Jahre nach dem Sacco di Roma, im Jahre 1655, feierte das Papsttum einen Triumph über den Protestantismus: Ein der prominentesten Konvertitinnen der Kirchengeschichte, die frühere Königin Christine von Schweden (1626-89), hält in Rom Einzug.

Rom-Besuch nicht Ursache der Reformation:
Diese Zeiten sind mittlerweile lange vorbei. Im Jahre 1983 besuchte Johannes Paul  II. als erster Papst die deutschsprachige evangelisch-lutherische Gemeinde in Rom, im März 2010 kam auch Benedikt XVI. in die Christuskirche. Zurück zu Luther. Hätte es ohne seinen Besuch in Rom keine Reformation gegeben? Oder wäre sie zumindest verzögert worden? Die Antwort der Historiker lautet: Nein. Die Reise nach Rom war weder Ursache noch Anlass für Luthers Abkehr von der katholischen Kirche. Luther hat den Aufenthalt vielmehr erst Jahrzehnte später vor allem in seinen „Tischrede“ zu einem Schlüsselereignis für die Reformation stilisiert. (Thomas Jansen, Kipa).
Hinweis: Jürgen Krüger/Martin Wallraff, Luthers Rom. Die Ewige Stadt in der Renaissance, Primus Verlag, Darmstadt 2010, ca. CHF 30.00.

OR Nr.  36 vom 6. September 2013, S. 9
Sammelband mit Eintragungen von Martin Luther entdeckt

Wolfenbüttel. Wissenschaftler haben in einem Band der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel bisher unbekannte Einträge aus der Hand Martin Luthers entdeckt. Sie gehören zu den ältesten erhaltenen handschriftlichen Zeugnissen des Reformators, wie die Einrichtung in Wolfenbüttel mitteilte. Die neuen Funde lieferten Belege dafür, dass der erste zeitgenössische Dichter, den Luther gelesen hat, der italienische Schriftsteller Baptista Mantuanus (1448-1516) war. Luther hatte sich vermutlich in seiner Erfurter Studienphase zwischen 1505 und 1511 mit Mantuanus‘ Werk beschäftigt.

Kirche heute 43/2013 Oktober, S. 2
Reformationsgedenken gewinnt Konturen

Man wolle den 500. Jahrestag der Reformation als ein „Fest des Glaubens“ begehen, sagte Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, an einem internationalen Kongress in Zürich. Nach Auffassung von Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, gelte es, die fundamentale Einsicht der Reformatoren, dass uns der Christusglaube ein Leben ohne Angst, ohne den inneren Zwang zur Selbstrechtfertigung und Selbstüberhöhung schenke, in den Mittelpunkt zu stellen. Der Generalsekretär des Weltkirchenrates, Olav Fykse Tvelt, rief die Kirchen der Reformation zur Selbstreflexion auf. Die oftmals untereinander zerstrittenen Kirchen sollten sich überlegen, welchen Beitrag sie zum Reformationsjubiläum liefern könnten.

OR Nr. 34 vom 21. August 2015, S. 3
Rom erhält einen Martin-Luther-Platz. Der Gedenkort für den deutschen Reformator in der Stadt der Päpste wird am 16. September 2015 eingeweiht, wie die Evangelisch-Lutherische Gemeinde in Rom mitteilte. Die künftige „Piazza Martin Lutero“ liegt unweit des Kolosseums im Park Colle Oppio (der Hügel oberhalb der Metro-Station „Colosseo“). Das Strassenschild soll den Namensgeber neutral als „deutschen Theologen“ bezeichnen.

Heiner Geissler, Was müsste Luther heute sagen? S. 87

Luther übersetzte in der Regel nicht aus der Vulgata (die Bibelübersetzung des Hieronymus) des notorischen Falschübersetzers Hieronymus, der die griechische Septuaginta zugrunde lag, sondern er übersetzte direkt aus dem Hebräischen und Griechischen. Da er „dem Volke aufs Maul schauen“ wollte, benutzte er dessen Sprache. Eine Menge Begriffe, die wir inzwischen wie selbstverständlich auch in der Umgangssprache verwenden, verdanken sich seinem Vokabular:

Feuertaufe, Bluthund, Selbstverleugnung, Machtwort, Schandfleck, Lückenbüsser, Gewissensbisse, Lästermaul, Lockvogel.

Auch viele metaphorische (übertragener Ausdruck) Redewendungen stammen aus seiner Feder, etwa so anschauliche Formulierungen wie

Perlen vor die Säue werfen – ein Buch mit sieben Siegeln – die Zähne zusammenbeissen – etwas ausposaunen – im Dunkeln tappen – ein Herz und eine Seele – auf Sand bauen – der Wolf im Schafspelz – der grosse Unbekannte.

Katholische Wochenzeitung Baden CH,  16/2016 April, S. 14
Kardinal Müller: 500 Jahre Reformation? „Für Katholiken kein Grund zum Feiern“

Das Luther-Jahr „500 Jahre Reformation“ rückt näher, und auch deutsche Katholiken drängt es, mitzufeiern. Manchen scheint gar nicht bewusst zu werden, welchen Peinlichkeiten sie sich dabei hingeben. Das Amt für Jugendpastoral der Diözese Magdeburg beispielsweise will katholische Jugendliche zusammen mit protestantischen nach Rom karren, um Papst Franziskus „mit Luther 95 Thesen und Wünsche zur Ökumene“ zu übergeben. Man muss kein Hellseher sein, um zu erahnen, dass eine so abwegige Aktion kaum Vernünftiges hervorbringen kann, von Glaubenskraft zu schweigen. (…)
Für Klarheit sorgt Kardinal Gerhard Müller, der Präfekt der römischen Glaubenskongregation. Es gebe keinen vernünftigen Grund für einen Katholiken, lässt er wissen, den Jahrestag der protestantischen Reformation zu feiern. (…)

Kath. Wochenzeitung Baden, 35/2016 September, S. 12
Papst würdigt Martin Luther

Papst Franziskus hat den deutschen Reformator Martin Luther (1483-1546) gewürdigt. Luthers Absichten seien „nicht falsch“ gewesen, wenn auch „vielleicht einige Methoden nicht richtig“ erschienen, sagte er bei seinem Rückflug von Armenien vor mitreisenden Journalisten. Der Reformator habe damals gegen eine korrupte und verweltlichte Kirche protestiert, die „kein Modell zum Nachahmen“ gewesen sei, so der Papst.
Auf die Frage eines deutschen Journalisten, ob nicht angesichts des bevorstehenden Gedenkens zum 500. Jahrestag der Reformation eine Aufhebung von dessen Exkommunikation oder eine andere Form der Rehabilitierung angebracht sei, ging Franziskus nicht ein. Der Papst reist am 31. Oktober zu einem ökumenischen Reformationsgedenken ins schwedische Lund, dem Gründungsort des „Lutherischen Weltbundes“.
Der Papst betonte zugleich, dass sich Protestanten und Katholiken über die Rechtfertigungslehre Luthers geeinigt hätten. Die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre von Vatikan und „Lutherischem Weltbund“ von 1997 bezeichnete Franziskus als eines der „reichhaltigsten und tiefsten ökumenischen Dokumente“.

Kirche heute 44/2016 Oktober, S. 2
Neue Lutherbibel an Buchmesse

Rechtzeitig zum Beginn der Feierlichkeiten zum 500. Reformationsgedenken am 3. Oktober 2016 legten Evangelische Kirche und Deutsche Bibelgesellschaft an der Frankfurter Buchmesse die „Lutherbibel 2017“ vor. Schon der Reformator hatte immer neue, verbesserte Fassungen unter das Volk gebracht. Seine Nachfolger nutzen heute die ganze Bandbreite der Publikationskanäle: Die neue Lutherbibel liegt in 14 Sprachausgaben vor, zum Beispiel für Schulen und Kirchengemeinden sowie als hochwertige Variante mit Ledereinband und Goldschnitt, aber auch in digitalen Formaten. Die komplette Hörbibel erscheint im Frühjahr.

OR Nr. 44 vom 02.11.2017, S. 3
Der Vatikan erinnert an Martin Luther zum 500. Geburtstag des Reformationsbeginns mit einer Ein-Euro-Briefmarke. Sie zeigt nicht das Konterfei (Abbild) des deutschen Reformators, sondern das Gemälde über dem Thesenportal der Wittenberger Schlosskirche. Zu sehen ist auf dem Bild aus dem 19. Jahrhundert Christus am Kreuz vor der Stadt. Links daneben kniet Luther mit der deutschen Bibel; rechts vom Kreuz Philipp Melanchthon mit dem Augsburger Bekenntnis.

Katholische Wochenzeitung Baden 46/2107 November, S. 9
Luther-Jubiläum – Seit wann feiert man eine Scheidung? Bischof Andreas Laun

„Mir fällt ein Widerspruch auf: In einem Konsenspapier zu diesem Gedenken heisst es, man sehne sich nach der Einheit – aber zugleich feiert man mit grossem Aufwand die Trennung“?
Liebe evangelische Freunde, verzeiht mir, dass ich angesichts eurer Feierlichkeiten und Jubelstimmung nur traurig war. Das möchte ich euch erklären und hoffe, dass ihr meine Trauer sogar teilen lernt: Der Titel der Salzburger „Kronenzeitung“ lautete gross und fett gedruckt: „Salzburg feiert ein grosses Fest“, darüber hiess es erklärend: „500 Jahre nach Luthers Reformation“. Ich feierte nicht und verstehe auch nicht meine katholischen Mitbrüder, Bischöfe und Priester, die bei entsprechenden Gottesdiensten sogar Festpredigten hielten.
Ich frage mich bei solchen Meldungen: Seit wann feiert man eine Scheidung? Noch dazu eine, die viel mehr Elend in die Welt brachte als eine zwischen Mann und Frau, die Kinder mitgerechnet. Dire Scheidung, die durch Luther entstand, auch wenn er das nicht wollte, führte zu grauenhaften Religionskriegen.
Auch verstehe ich nicht, warum in Salzburg von beiden Seiten ständig und schon wieder vor allem von der Vertreibung der Protestanten geredet wurde, obwohl dies doch längst besprochen worden ist und damals in ganz Europa der dumme und schlimme Satz galt: „Der Landesfürst bestimmt die Religion der Untertanen“. Damit will ich sagen: Der damalige Erzbischof hat gemacht, was man überall und auch von beiden Seiten her mehr oder weniger rigoros (sehr streng) tat. Das macht es nicht besser, aber den geklärten Punkt könnte man endlich ruhen lassen und sich dem Heute zuwenden.
Und da fällt mir ein Widerspruch auf . In einem Konsenspapier zu diesem Gedenken heisst es, man sehne sich nach der Einheit – aber zugleich feiert man mit grossem Aufwand die Trennung?
Und wenn man Einheit will – müsste man dann nicht Gräben zuschütten und nicht neue aufmachen durch Annahme von Positionen, die der katholischen Lehre radikal (extrem, gründlich) widersprechen? Positionen, die der öffentlichen Meinung schmeicheln, aber der doch gerühmten Bibel als absoluten Massstab widersprechen? (…)

Lutheraner

Ordinariat für Lutheraner?
(Kath. Wochenzeitung 9/2013 März)

Im Vatikan werde ein Ordinariates für Lutheraner, die in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zurückkehren wollen, erwogen, ähnlich der Struktur, die Papst Benedikt XVI. für die Anglikaner eingerichtet hat. Dies sagte der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, im Rahmen einer Vorstellung seines neu erschienenen Buches über die Theologie von Papst Benedikt XVI. Müller wies darauf hin, dass „die Welt der Lutheraner etwas verschieden von der Welt der Anglikaner ist, da es bei den Anglikanern immer einen Sektor gegeben hat, der dem Katholizismus näherstand“. Trotzdem hofften aber einige Lutheraner auf eine Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft mit Rom, erläuterte der Präfekt, und die Kirche sollte bereit sein, diese Lutheraner aufzunehmen.

Müller führte aus, dass die katholische Kirche den Lutheranern erlauben könnte, ihre „legitimen Traditionen, die sie entwickelt haben“, beizubehalten und doch Mitglieder der katholischen Kirche zu werden, wie dies ja auch den Anglikanern erlaubt worden ist. Nach Ansicht einiger Lutheraner habe Martin Luther keine Spaltung zwischen den Christen verursachen wollen, sondern er habe nur eine Reform der Kirche gewollt, stellte Erzbischof Müller fest. Einige Lutheraner sähen diese notwendigen Reformen mit dem II. Vatikanischen Konzil komplettiert. Er fügte hinzu, dass in seinem eigenen Geburtsland Deutschland „Protestanten dem Katholizismus nicht einfach nur entgegengesetzt seien, denn sie haben vielfach katholische Traditionen bewahrt“.

OR Nr. 39 vom 26.09.2014, S. 3
Kardinal Kurt Koch an Luther-Symposium: Spaltungen überwinden

Erfurt. Als hilfreiche Etappe auf dem Weg zu mehr Gemeinschaft zwischen Lutheranern und Katholiken hat der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch, ein internationales Luther-Symposium im Erfurter Augustinerkloster gewürdigt. Dieser Weg habe mit einer kritischen Überprüfung und Überwindung des traditionellen polemischen katholischen Bildes von Martin Luther begonnen, betonte der Kardinal in einem am Sonntagabend, 21. September 2014, zur Eröffnung der Tagung verlesenen Grusswort.  – Das Symposium dauerte bis zum 25. September. Es stand unter dem Titel „Luther – Katholizität und Reform. Wurzeln – Wege – Wirkungen“. Veranstalter waren die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt und das Paderborner Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik. Kardinal Koch hob in seinem Grusswort die ökumenische Ausrichtung der Tagung hervor, die vor allem darin zum Ausdruck komme, dass Lutheraner und Katholiken gemeinsam die Wirkungen bedenken wollen, die von Luthers Handeln ausgingen.

Katholische Wochenzeitung 45/2016 November, S. 14
Papst und Lutheraner wollen Abendmahlsfrage angehen

Papst Franziskus und Spitzenvertreter des Lutherischen Weltbundes (LWB) haben in Schweden gemeinsam an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren erinnert. Bei einem ökumenischen Gebet in der lutherischen Kathedrale von Lund forderten Franziskus und LWB-Generalsekretär Martin Junge am Montag mehr Anstrengungen für eine Überwindung bestehender Differenzen. Anschliessend unterzeichneten der Papst und LWB-Präsident Bischof Munib Younan eine Gemeinsame Erklärung. Darin fordern sie einen vertieften theologischen Dialog über Wege zu einem gemeinsamen Abendmahl. (…)

Kirche heute 46/2016, S. 2
Licht und Schatten bei Luther

Martin Luther sollte nach Worten von Bundespräsident Joachim Gauck nicht zum Heiligen gemacht werden. Dieser habe „die Heiligenverehrung ja für grundverkehrt“ gehalten, sagte Gauck an einer Veranstaltung in seinem Amtssitz Schloss Bellevue. „Wir verkennen auch die dunklen Seiten seiner Persönlichkeit nicht“, sagte Gauck weiter und nannte Luthers „Masslosigkeit in Streit und Polemik (Auseinandersetzung), seine Rechthaberei, sein Paktieren (gemeinsame Sache machen) mit der Macht auf Kosten der Bauern“ sowie seine „schlimmen antijüdischen Schriften“. Der Bundespräsident würdigte Luther zugleich als „grossen Theologen“, „Meister der Bibelauslegung“, als Prediger und „begnadeten Publizisten“, als „Übersetzer“ sowie als „Rebellen“ und Kirchenreformer.

TCS Touring 12/1 Dez16/Jan17, S. 62
Lutherische Wendungen

Martin Luthers Einfluss auf die Deutsche Schriftsprache war enorm – und ist es bis heute. Folgende Redewendungen finden ihren Ursprung in seinen Schriften und Übersetzungen:

  • Über alle Berge sein
  • In den sauren Apfel beissen
  • Sich ins Fäustchen lachen
  • Perlen vor die Säue werfen
  • Mit jemandem Katz und Maus spielen
  • Wie die Faust aufs Auge passen
  • Sich etwas unter den Nagel reissen
  • Erstunken und erlogen
  • Auf Biegen und Brechen
  • Angst und Bange
  • Lügen strafen
  • Jemandem die Hölle heissmachen
  • Den Braten riechen
  • Mit dem Kopf durch die Wand
  • Alles in einen Topf werfen
  • Jemanden an der Nase herumführen
  • Feuer und Flamme sein
  • In den Hintern kriechen
  • Durch Mark und Bein gehen
  • Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr

OR Nr. 10 vom 10.03.2017, S. 3
US-Katholiken und Lutheraner rufen zu ökumenischem Dialog auf

Washington. Die katholischen und evangelischen Bischöfe der USA haben zum 500. Jahrestag der Reformation in einer gemeinsamen Erklärung das Streben nach einer Einheit der Christen bekräftigt. In dem Schreiben rufen die Bischöfe die Gemeinden auf, „mutig und kreativ, freudig und hoffnungsvoll“ im ökumenischen Dialog voranzuschreiten. In dem Dokument heisst es weiter, Katholiken und Lutheraner sehnten sich danach, „die Wunde am Leib Christi zu heilen“.
Das Dokument trägt die Unterschriften des in der US-Bischofskonferenz für den ökumenischen Dialog zuständigen Bischofs Mitchell Thomas Rozanski sowie seines Ansprechpartners auf der Seite der Lutheraner, Bischof Donald P. Kreiss. In diesem Jahr erinnern Protestanten an den Beginn der  Reformation vor 500 Jahren. Als Schlüsseldatum gilt der 31. Oktober 1517. An diesem Tag veröffentlichte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen den Ablass.

OR Nr. 10 vom 10. März 2017, S. 6
Dialog zwischen Katholiken und Lutheranern

Der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Munib Younan, fordert eine stärkere Einbindung der kirchlichen Basis in den Dialog zwischen Katholiken und Lutheranern. Nach dem ökumenischen Reformationsgedanken mit Papst Franziskus und LWB-Spitzenvertretern im schwedischen Lund sei es nun wichtig, „dass dieser Dialog nicht nur zwischen  Rom und Genf geführt wird, sondern auch die lokalen Gemeinden erreicht“, sagte  Younan in eine Gespräch mit der italienischen Tagesausgabe unserer Zeitung.
Zugleich äusserte sich Younan zuversichtlich, dass die Differenzen im Verständnis von Kirche und Amt „eines Tages“ überwunden werden könnten und ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Lutheranern möglich sein werde. Diese Fragen müssten in den kommenden Monaten angegangen werden. Auf diesem Dialog laste die „Vergangenheit eines jahrhundertelangen Schweigens“. Diese Vergangenheit könne man zwar nicht mehr ändern, sie dürfe jedoch nicht Gegenwart und Zukunft bestimmen, so Younan.

Kirche heute 16/17 2017 April, S. 2
Luther aus katholischer Sicht

Ab 13. April 2017 ist im Lutherhaus in Eisenach (Thüringen) eine Sonderausstellung mit dem Titel „Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer – Luther aus katholischer Sicht“ zu sehen. Die bis am 5. November dauernde Schau thematisiert die gemeinsamen Wurzeln, den Bruch, die polemischen Auseinandersetzungen über Jahrhunderte und die langsame Wiederannäherung in den letzten Jahrzehnten.  Ein eigener Abschnitt ist dem „Kulturkampf“ (1871-1878) gewidmet, in dem das katholische Lutherbild vor dem Hintergrund des preussisch-protestantischen Bündnisses von „Thron und Altar“ eine weitere Abwertung erfuhr. Die Schirmherrschaft haben der katholische Erfurter Bischof Ulrich Neymeyer und die evangelische mitteldeutsche Landesbischöfin Ilse Junkermann inne.

MM Migros Magazin 37 vom 11.09.2017, S. 23, Ralf Kaminski
500 Jahre Reformation: Kampf um Glaube und Macht (…)

  • Das protestantische Europa feiert dieses Jahr den Start der Reformation, die mit Martin Luther im Herbst 1517 ihren Lauf nahm. Seine Thesen führten zu Kriegen und Konflikten, lieferten aber auch einen Beitrag zur Entstehung der heutigen liberalen Gesellschaft.
    Luthers Vermächtnis: Die Reformation pflügte die Religionslandschaft in Europa um. Die meisten Protestanten leben heute jedoch in den USA, in Nigeria und China. In der Schweiz wächst indessen die Zahl der Konfessionslosen.
    Die Geschichte des Protestantismus: Martin Luthers Thesen verbreiten sich nach 1517 rasend schnell und sorgen für zahlreiche Konflikte und Kriege, auch in der Schweiz. Erst knapp 200 Jahre später anerkennt die Eidgenossenschaft Katholiken und Reformierte als gleichberechtigt. Ab 1850 sind Mischehen offiziell erlaubt, jedoch auch noch 100 Jahre später eher unüblich. Seit 1980 gibt es in der Schweiz wieder mehr Katholiken als Reformierte, die allerdings schon bald von den Konfessionslosen überholt werden könnten. Weit verbreitet ist der Protestantismus in Asien, Afrika und Nordamerika. In China wächst die Zahl der Protestanten kräftig.


    Geschichte der Reformation:  (*wichtiges Ereignis in der Schweiz)
  • 1517  Martin Luther veröffentlicht die 95 Thesen gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche
  • 1522* Erste reformatorische Schrift von Huldrych Zwingli in Zürich; Bruch mit den kirchlichen Einrichtungen
  • 1531* Im Zweiten Kappelerkrieg bekämpfen sich Reformierte und Katholiken. Zwingli stirbt dabei.
  • 1536* Johannes Calvins Hauptwerk „Istitutio Christianae Religionis“ wird in Basel gedruckt und veröffentlicht. Es wird eines der wichtigsten Bücher zur Reformation. Calvin setzt die Reformation in Gend durch.
  • 1545  Beginn der katholischen Gegenreformation.
  • ca. 1534-1590; ca. 1685-1700*  Vertreibung der (protestantischen) Hugenotten in Frankreich. Viele flüchten auch in und durch die Schweiz. Etwa 20’000 bleiben dauerhaft und prägen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes mit.
  • 1597  Das Appenzell spaltet sich in einen katholischen (Innerrhoden) und einen reformierten Teil (Ausserrhoden).
  • 1618-1648  Dreissigjähriger Krieg zwischen Katholiken und Protestanten. In den Bestimmungen des Westfälischen Friedens werden die katholische, die reformierte und die lutherische Konfession in Europa anerkannt und gleichgestellt.
  • 1712*  Nach dem Zweiten Villmergerkrieg werden im vierten Landfrieden der Eidgenossenschaft Reformierte und Katholiken als gleichberechtigt anerkannt.
  • 1794  Frankreich beschliesst im Nachgang der Revolution (vorübergehend) die Trennung von Kirche und Staat. Die ist der Startschuss für die Säkularisierung in Europa.
  • 1847*  Sonderbundskrieg. Die katholischen Kantone Luzern, Schwyz, Uri, Zug, Ob- und Nidwalden, Freiburg und Wallis wollen unter anderem ihren Glauben gegen die liberalen, mehrheitlich reformierten Kantone verteidigen. Diese jedoch gewinnen den Krieg, der Bundesstaat entsteht.
  • 1850  Mischehen zwischen den Konfessionen werden in der Schweiz offiziell erlaubt. Sie bleiben aber bis weit ins 20. Jahrhundert eher die Ausnahme.
  • 1874  In der Schweizer Bundesverfassung wird die volle Religionsfreiheit garantiert (mit Ausnahme des Jesuitenordens.)
  • 1948  Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Uno garantiert die volle Religionsfreiheit.
  • 1980  Erstmals seit Gründung des modernen Bundesstaates leben mehr Katholiken als Reformierte in der Schweiz.
  • 1997  Die Zahl der Konfessionslosen in der Schweiz erreicht erstmals 10 Prozent.

Aufteilung der Weltbevölkerung nach Religionen im Jahre 2010
11,5 %  Konfessionslos
12,6 %  Anhänger sonstiger Religionen
6,7 %  Buddhisten
13,6 %  Hindus
22,5 %  Muslime
33,1 %  Christen

Die 5 Länder mit den meisten Protestanten
1   USA mit 159,9 Millionen
2   Nigeria mit 59,7 Millionen
3   China mit 58,0 Millionen
4   Brasilien mit 40,5 Millionen
5   Südafrika mit 36,6 Millionen

Protestanten in der Schweiz
Sie sind nur noch im Kanton Bern in der Mehrheit. Anteil der evangelisch-reformierten Bevölkerung an der gesamten Wohnbevölkerung (ab 15 Jahren) im Jahre 2015:
Bern 52,1 %; Appenzell Ausserrhoden 40,1 %; Schaffhausen 36,2 %; Thurgau 33,9 %; Glarus 33,0 %; Graubünden 32,7 %; Basellandschaft 30,3 %; Zürich 29,6 %.

Luxusgeschäft im Vatikan

siehe unter „Kleidergeschäft“