Kreuzzüge – die Geschichte

Die Kreuzzüge

Hans Küng, Ist die Kirche noch zu retten? S. 103

Gewaltbereitschaft und Kreuzzugsmentalität:
Auch die orthodoxen Kirchen des Ostens waren in die allermeisten politisch-militärischen Konflikte der weltlichen Macht mitverwickelt und haben Kriege vielfach theologisch legitimiert, manchmal geradezu inspiriert. Doch findet sich nur im westlichen Christentum jene Theorie rechtmässiger Gewaltanwendung zur Erreichung geistlicher Zwecke, die schliesslich den Einsatz von Gewalt auch zur Ausbreitung des Christentums erlaubten.

Ein besonders drastisches Beispiel ist die Rückeroberung („Reconquista“) Spaniens unter dem Patronat des Apostels Jakobus, des „Maurentöters“ („Matamoros“).

So kam es nun gegen alle altkirchlichen Traditionen zu Bekehrungskriegen, Heidenkriegen, Ketzerkriegen, ja, auch Kreuzzügen. Schon Gregor VII. (1073-85, Italiener) beschäftigte sich intensiv mit dem Plan eines grossen Feldzuges nach Osten, den er persönlich als Feldherr anführen wollte, um den römischen Primat auch in Byzanz durchzusetzen und das Schisma zu beenden. Und 10 Jahre nach Gregors Tod kam es aufgrund des Aufrufs Papst Urbans II. (Papst von 1088-99, Franzose) tatsächlich zum Ersten Kreuzzug. Ein heiliger Krieg gegen die Ungläubigen im Zeichen des siegreichen Kreuzes – leider ein typisches Phänomen im Rahmen des römisch-katholischen Paradigmas. Die Kreuzzüge galten als Angelegenheit der ganzen (westlichen) Christenheit. Und weil der Papst als Sprachrohr Christi persönlich dazu aufgerufen hatte, galten sie als von Christus selbst gebilligt. Da sie freilich ohne Versorgungsbasis über Tausende von Meilen und unter unbeschreiblichen Strapazen meist durch Feindesland führten, wären sie ohne echte religiöse Begeisterung, Leidenschaft, oft beinahe Massenpsychose, nicht möglich gewesen.

→Päpste, Innozenz III.
→Orden

Sie sind allgemein die im Mittelalter von der Kirche propagierten oder unterstützten Kriege gegen „Heiden, Ungläubige“ (z. B. in Livland) oder Häretiker, Ketzer (z. B. Albigenser) zur Ausbreitung bzw. Wiederherstellung des christlichen Glaubens, vor allem aber die vom Ende des 11. bis zum Ende des 13. Jahrhunderts unternommenen Züge der abendländischen Christenheit zur Eroberung des Heiligen Landes nach Vorderasien und Nordafrika zur Befreiung der hl. Stätten von islamischer Herrschaft. Die Kreuzzüge waren nicht nur religiös, sondern auch politisch und wirtschaftlich motiviert. Anlass war die Eroberung Palästinas 1071 durch die unduldsamen türkischen Seldschuken.

7 Kreuzzüge, der erste veranlasst durch Papst Urban II. (Papst von 1088–99) auf der Synode zu Clermont-Ferrand im Jahre 1095:

1. Kreuzzug:         1096 bis 1099, Urban II. 1088-99
1097 Eroberung von Nizäa (Türkei)
1099 Erstürmung Jerusalems am 15.07.1099

2. Kreuzzug:        1147 – 1149, Eugenius III. 1145-53
Grund: Edessas (Griechenland) wurde durch die Seldschuken erobert. Der Kreuzzug scheiterte bereits durch Kleinasien.

3. Kreuzzug:        1189 – 1192, Clemens III. 1187-91,  Coelestin III. 1191-98
Grund: Einnahme Jerusalems durch Sultan Saladin 1187. Waffenstillstand mit Saladin: Die Küste von Tyros bis Jaffa verblieb den Christen, freier Zugang für friedliche Pilger nach Jerusalem

4. Kreuzzug:        1202 – 1204, Innozenz III. 1198-1216
Letzter allgemeiner Kreuzzug, der das Heilige Land nicht erreichte: Eroberung und Plünderung Konstantinopels. Errichtung eines Lateinischen Kaiserreiches von 1204 – 61.

5. Kreuzzug:         1228 – 1229, Gregor IX. 1227 – 41
(auf Drängen von Gregor IX.)
Kaiser Friedrich II. erhielt durch Vertrag mit Sultan Elkamil die Städte Jerusalem, Bethlehem und Nazareth. Sie gingen 1244 wieder verloren.

6. Kreuzzug:          1248 – 54, Innozenz IV. 1243-54
Ludwig IX., der Heilige von Frankreich, eroberte 1249 Damiette in Ägypten, geriet aber mit seinem ganzen Heer in Gefangenschaft.

7. Kreuzzug:           1270,  Sedisvakanz von 1268-71
Von Ludwig IX. unternommen. Fahrt nach Tunis, wo der König starb. 1291: Eroberung der letzten christlichen Besitzungen in Palästina durch die Muslime.

Ausser diesen wurden noch viele kleinere Züge unternommen. Auf Veranlassung eines französischen Hirtenknaben auch ein

Kinderkreuzzug:        1212,  Innozenz III., 1198-1216
Kreuzzug von mehreren Tausend zehn- bis fünfzehnjährigen deutschen und französischen  Kindern. Nach grossen Verlusten auf dem Marsch wurden die Kinder in Marseille verladen, in Palästina gefangengenommen und als Sklaven verkauft.

1291 ging Akka, der letzte Besitz der Kreuzritter, verloren:
Akka (Acca, Accon, Akkon), Stadt in Israel mit rund 50’000 Einwohnern. Der Hafen an der Bucht von Akka nördlich gegenüber von Haifa ist versandet. Das alte Akka (lat. Colonia Ptolemais) war 1191 – 1291 Hauptsitz der Kreuzfahrer.

(Päpste in Avignon: 1309 – 76)