Fk bis Frauen2011

Flagge/Fahne des Vatikans 

→Nationalfahne

Flora im Vatikan 

→Fauna

Floreria des Vatikans  

(Tel. Administration: 06 698 832 01)
→Unterhalt

OR Nr. 49 vom 04.12.2009:
Floriere = Ausschmücker, die Floreria ist dem Governatorat unterstellt.  – Gegen Ende des 14. Jahrhunderts ist zum ersten Mal ein „Magister floreriae apostolicae“ erwähnt. Das Büro der Florieri ist im Damasushof. (Jürgen Erbacher, Der Vatikan, Das Lexikon, S. 29)

  • Aufgaben:
    Logistische Vorbereitung der Audienzen und der liturgischen Feiern
    in der Vatikanbasilika, auf dem Petersplatz, in den päpstlichen Basiliken
    Roms und in der Vatikanischen Audienzhalle sowie aller Audienzen,
    die im Apostolischen Palast stattfinden. (Hauptaufgabe)
  • Verantwortlich für die Ausstattung der vatikanischen Wohnungen mit
    Möbeln, die gestiftet wurden. Von der Wohnung des Papstes bis zu
    den Wohnungen der Kardinäle, Bischöfe und der Prälaten der Kurie.
    Verantwortlich für die notwendige Pflege der Einrichtungen dieser
    Wohnungen. Einrichten bedeutet auch restaurieren. Dazu dienen drei →Werkstätten:
  1. Werkstatt für Polster- und Näharbeiten, in der Wohnraumeinrichtungen,
    Stühle und Sessel fertiggestellt und repariert sowie die Paramente
    genäht und die grossen Bühnen für die liturgischen Feiern vorbereitet
    werden.
  2. Werkstatt für Kunsttischlerei und Möbelrestauration
  3. Vergoldungswerkstatt
  • Abteilung der Ausstatter, das Personal, das für die Organisation der
    Ausstattung mit den Objekten zuständig ist. Diese Tätigkeit besteht im
    Wesentlichen aus Transportarbeiten und ist äusserst anstrengend, da
    verschiedene, zum Teil sehr schwere Möbel sowie die ganze
    Ausstattung für die Vorbereitung der liturgischen Feiern transportiert
    werden müssen. Bei einigen Anlässen müssen allein 30’000
    Stühle transportiert werden.

Insgesamt hat die Floreria 38 Mitarbeiter. In den Werkstätten arbeiten 6 Polsterer,  6 Tischler, 3 Vergolder und 3 Näherinnen.

Papstwohnung von Benedikt XVI.: Nach über 25 Jahren waren natürlich tiefgreifende Restaurierungs- und Modernisierungsarbeiten sowohl der Repräsentationsräume als auch der privaten Räumlichkeiten erforderlich.

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 118:
Die Floreria ist dem Zeremonienmeister unterstellt. Der Grossbetrieb sorgt für die Ausstattung der Räumlichkeiten und führt das Inventar über alle Möbel, Statuen, den Hausrat, das Besteck und die Blumenvasen des Heiligen Stuhles. Jedes Jahr sind etwa 40 Grossmessen in St. Peter, 6 Freiluftmessen auf dem Petersplatz und 13 ausserhalb, eine Heiligsprechung, knapp 90 Privataudienzen des Papstes und ebenso viele Grossaudienzen in der Halle „Paul VI.“ auszustatten. Dazu über 40 Treffen mit Staatschefs und etliche Sonderwünsche von Kardinälen und Kurialen für ihre Wohnungen und Büros.

Flotte, Päpstliche

Seeschlacht von Prevesa (28.09.1538) mit päpstlichen Truppen

OR vom 18.02.2011, Nr. 7, Ulrich Nersinger

Zu den Opfern der Kriegszüge Bonapartes gehörten auch die Päpstlichen Staaten. 1798 requirierte der Korse die Flotte des Papstes für seinen Feldzug nach Ägypten und führte sie damit ihrer vollständigen Vernichtung zu:

  1. Trauriger Zustand der Päpstlichen Kriegsmarine im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts. Vorher Expeditionen bis hin nach Nordafrika. Jetzt: Aktionsradius auf die Gewässer vor der Küste des Kirchenstaates. Die wenigen Galeeren waren nur 5 Monate im Jahr, überwiegend während des Sommers, einsatzbereit. Eine eigene Marineschule gab es nicht mehr. Die Bewaffnung der Schiffe reichte gerade für Einsätze gegen Piratenschiffe, war jedoch nicht für einen Kriegseinsatz konzipiert; sie waren hoffnungslos veraltet.
  2. Als im Mai 1796 eine kleine Flotte von 5 Barbareskenschiffen vor der päpstlichen Küste auftauchte, waren es die Geschütze von Torri Chiarucchia und Santa Marinella, die mit ihrem Feuer die Schiffe in die Flucht schlugen – und nicht die Galeeren des Papstes. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, begann man, neue Schiffe in England und Malta zu bestellen. Der Grundstein für einen notwendigen Neuanfang war gelegt. Zu Beginn des Jahres 1798 konnte dem Papst gemeldet werden, dass man erfolgreich dabei sei, Disziplin und seemännisches Können wieder auf den einstigen Stand zu bringen.
  3. Doch alles Bemühen, alle Anstrengungen des Generalkommandos kamen zu spät Die politischen Ereignisse, die folgten, verhinderten die erwartete, nunmehr möglich erscheinende Realisierung des ehrgeizigen Marineplans. Der Februar 1798 läutete das Ende einer einst ruhmreichen Flotte ein. Nach der Einnahme Roms liess Napoleon Bonaparte die Päpstliche Marine seiner eigenen Flotte einverleiben. Die Schiffe des Papstes brauchte der Korse für seinen geplanten Ägyptenfeldzug; sie sollten zum Transport der Truppen und als Eskorte des Konvois dienen. Nach der fast kampflosen Einnahme des Ordensstaates Malta am 12. Juni segelte der Korse mit „seinen“ Schiffen in Richtung Ägypten.
  4. In der berühmten Schlacht von Aboukir, vor der Küste Alexandria und auf den Flussarmen des Nils focht die ehemalige Flotte des Papstes mit und ging so ihrer vollständigen und sinnlosen Vernichtung entgegen. „Die Offiziere in alle Winde zerstreut, die Mannschaften bis auf den letzten Bootsjungen gefallen, die Schiffe zur Gänze zerstört, die Fahne auf immer eingeholt, eine lange Tradition zerbrochen – meine Geschichte ist zu End“, klagte der Dominikaner Alberte Guglielmotti in den letzten Zeilen seiner „Geschichte der Päpstlichen Marine“.
  5. 1802 „entschädigte“ Napoleon Papst Pius VII. (1800-23) mit zwei neuen Schiffen, mit der „San Pietro“ und der „San Paolo“. – Nach dem Wiener Kongress und der Restituierung (Wiedereinsetzung) der Päpstlichen Staaten (1815) wurde von den Päpsten eine neue Marine aufgebaut, die bis 1870 bestehen sollte. Sie verfügte über nur wenige Schiffe und wurde äusserst selten in Seegefechte verwickelt: sie erlangte jedoch noch einmal weltweiten Ruhm durch Alessandro Cialdi (1807-82), einen begnadeten Ingenieur und Nautiker. Zu den maritimen Bravourstücken des letzten Kommandanten der Päpstlichen Marine gehörte – Ironie der Geschichte – eine Expedition nach Ägypten (1840/41), bei der er als erster Europäer der Neuzeit mit dem Flaggschiff des Papstes 1’164 km den Nil hinaufsegelte, bis zur Insel Philae bei Assuan, dem antiken Syene.
    →Schifffahrtsreglement

Flüchtlinge

→Migranten

Flugzeuge des Vatikans  

→Helikopter

Foto-Service des Vatikans

Servizio fotografico (Bilderdienst des Osservatore Romano), Via Pellegrino, freier Eingang St. Anna. Jede öffentliche Tätigkeit des Papstes, auch Privataudienzen, werden durch den Hoffotografen (früher Arturo Mari (50 Jahre lang, seit 9. März 1956) fotografiert und archiviert. Alle Fotos können hier gekauft werden. Auch im Internet teilweise gestellt unter: https://www.photo.va/index.php

Franziskus, Papst

Franz von Assisi: Paupertas (Armut), Humilitas (Demut), Simplicitas (Schlichtheit)

Franz von Assissi, 1181-1226. Hier das älteste noch zu Lebzeiten entstandene Bild. Fresko im Sacro Speco in Subiasco.

Lebenslauf: Jorge Mario Bergoglio wid am 17. Dezember 1936 in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires (spanisch: gute Lüfte) als Sohn piemontesischer Immigranten geboren: Sein Vater Mario ist als Buchhalter bei der Eisenbahn angestellt, während seine Mutter, Regina Sivori, sich um den Haushalt und die Erziehung der 5 Kinder kümmert. Nachdem er ein Diplom als Chemietechniker erworben hat, entscheidet er sich für den Weg des Priestertums und geht in das Diözesanseminar von Villa Devoto, einem Stadtteil im Westen von Buenos Aires. Am 11. März 1958 tritt er in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Seine humanistischen Studien vervollständigt er in Chile und erwirbt 1963, nach seiner Rückkehr nach Argentinien, den Abschluss in Philosophie am Kolleg San José in San Miguel. Von 1964 bis 1965 ist er Professor für Literatur und Psychologie im Kolleg der Immaculata von Santa Fé, und 1966 unterrichtet er dieselben Fächer im Kolleg San Salvador in Buenos Aires.  Von 1967 bis 1970 studiert er Theologie und schliesst dieses Studium ebenfalls am Kolleg San José ab. Am 13. Dezember 1969 wird er von Erzbischof Ramón José Castellano zum Priester geweiht. Von 1970 bis 1971 setzt er seine Ausbildung in Alcalá de Herrares in Spanien fort, und am 22. April 1973 legt er die Ewige Profess bei den Jesuiten ab. Wieder in Argentinien, wird er Novizenmeister in Villa Barilari in San Miguel, Professor an der Theologischen Fakultät, Konsultor der Jesuitenprovinz und auch Rektor des Kollegs. Am 31. Juli 1973 wird er zum Provinzial der Jesuiten in Argentinien gewählt, ein Amt, das er 6 Jahre lang innehat. Anschliessend nimmt er seine Tätigkeit im universitären Bereich wieder auf und wird von 1980 bis 1986 Rektor des Kollegs San José und auch Pfarrer von San Miguel 1985 geht er nach Deutschland, um seine Dissertation fertigzustellen. Anschliessend schicken ihn seine Oberen in das Kolleg San Salvador in Buenos Aires und später als geistlichen Begleiter und Beichtvater in die Jesuitenkirche der zentralargentinischen Grossstadt Córdoba. Es ist Kardinal Antonio Quarracino, der ihn als engen Mitarbeiter wieder nach Buenos Aires holt. Und so ernennt ihn Johannes Paul II. am 20. Mai 1992 zum Titularbischof von Auca und Weihbischof in Buenos Aires. Am 27. Juni empfängt er die Bischofsweihe durch Kardinal Quarracino. Als Motto wählt er „Misarando atque eligendo“, und in das Wappen fügt er das Christogramm IHS ein, Symbol der Gesellschaft Jesu. Er wird sofort zum  Bischofsvikar des Bezirks Flores ernannt, und am 21. Dezember 1993 wid ihm auch die Aufgabe des Generalvikars der Erzdiözese anvertraut.

Keine Überraschung ist es, als er am 3. Juni 1997 zum Koadjutor des Erzbischofs von Buenos Aires ernannt wird. Weniger als 9 Monate später, nach dem Tod von Kardinal Quarracino, wird er am 28. Februar 1998 dessen Nachfolger als Erzbischof, Primas von Argentinien und Ordinarius für die in Argentinien lebenden Gläubigen des orientalischen Ritus, bis zu jenem Zeitpunkt ohne eigenen Ordinarius. 3 Jahre später, im Konsistorium vom 21. Februar 2001, kreiert ihn Johannes Paul II. zum Kardinal und weist ihm die Titelkirche „San Roberto Bellarmino“ zu.

Am 13. März 2013 wird er im 5. Wahlgang zum Papst gewählt und nennt sich Franziskus. Der neue Papst beherrscht ausser seiner Muttersprache Spanisch auch Italiensich, Deutsch, Englisch und Französisch.  Vermutlich kann er auch Portugiesisch verstehen und lesen. 265. Bischof von Rom.

Kirche heute 14/2013 März, S. 2
Bergoglios Rolle in der Militärdiktatur

Der Zürcher Historiker und Argentinien-Experte Alexander Hasgall appelliert an den neuen Papst, sich zu seiner Rolle während der Periode der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 zu äussern. Bergoglio habe damals zu einer breiten Schicht von Kirchenvertretern gehört, die am Anfang den Militärputsch begrüssten und diesen mit christlichen Ideen verbanden, sagte Hasgall gegenüber der deutschen Zeitung „Zeit“. Bergoglio wurde im Zusammenhang mit der Entführung zweier Jesuitenpatres während der Militärdiktatur vorgeworfen, die beiden indirekt den Militärs ausgeliefert zu haben.

OR Nr. 13 vom 29. März 2013, S. 1
Zwei Brüder beten gemeinsam

Historisches Treffen zweier Päpste – Papst Franziskus besucht emeritierten Papst Benedikt XVI. in Castel Gandolfo. Es war ein Treffen, wie es wohl noch keines in der 2000-jährigen Geschichte der katholischen Kirche gab: Ein Papst trifft auf seinen Vorgänger, und dieser ist freiwillig aus dem Amt geschieden und lebt nicht in Gefangenschaft. (…)

Katholische Wochenzeitung 14/2013 April
Lombardi: Papstname lautet Franziskus und nicht Franziskus I.

Erstmals seit dem Jahr 913 wurde jetzt ein neuer Papstname eingeführt. Der Papst heisst Franziskus und nicht Franziskus I.: Das hat Vatikansprecher P. Federico Lombardi vor internationalen Journalisten klargestellt.  Als Jesuit hätte Kardinal Jorge Bergoglio auch den Namen Ignatius wählen können. Dass er sich gerade nicht für den Namen des jesuitischen Ordensgründers entschieden habe, bringe auch die Intention (Absicht) der Jesuiten zum Ausdruck, nämlich „im Dienst der gesamten Kirche zu stehen“, so Lombardi. Erstmals seit dem Jahre Juli 913 (Papst Lando [auch Landonde], 8 Monate im Amt) sei jetzt ein neuer Papstname eingeführt worden. Allerdings könne dies nur gesagt werden, wenn die Wahl des Doppelnamens „Johannes Paul“ im Jahre 1978 nicht als Namenseinführung gerechnet werde. (…)

Kirche heute 21/22 2013 Mai, S. 2

Hans Küng lobt Papst. Der katholische Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng ist vom Stil des neuen Papstes überrascht. „Er bittet um das Gebet des Volkes, bevor er es selber segnet, bezahlt seine Hotelrechnung, fährt mit den Kardinälen gemeinsam im Autobus, wäscht jungen Strafgefangenen, sogar einer Muslimin, die Füsse“, schreibt Küng in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung. Zugleich ruft der Theologe Franziskus zu einer Erneuerung der Kirche auf. Wenn der Papst Reformen angehe, werde er weit über die Kirche hinaus breite Zustimmung finden, meint Küng. Andernfalls werde die Reform der Kirche von unten kommen, auch ohne Billigung der Hierarchie.

OR Nr. 28 vom 12. Juli 2013, S. 9

Enzyklika LUMEN FIDEI (Das Licht des Glaubens) von Papst Franziskus (Vorarbeit von Papst Benedikt XVI.) an die Bischöfe, an die Priester und Diakone, an die gottgeweihten Personen und an alle Christgläubigen über den Glauben, veröffentlicht am 12. Juli 2013. (> Benedikt XVI.; Englisch Andreas, Seite 314)

Kirche heute 30-32/2013 Juli, S. 2
Ein Lehrschreiben der vier Hände

In seiner ersten Enzyklika „Lumen fidei“ (Licht des Glaubens) fordert Papst Franziskus dazu auf, den Glauben in den konkreten Dienst der Gerechtigkeit, des Rechts und des Friedens zu stellen. Christen sollten für Menschenwürde, Schutz von Ehe und Familie, Achtung der Schöpfung sowie für Frieden und gerechte Regierungsformen eintreten. Dazu sei es erforderlich, das Licht des Glaubens wiederzugewinnen. Franziskus bezeichnete die Enzyklika als ein Lehrschreiben der vier Hände, weil er auf Vorarbeiten von Benedikt XVI. zurückgegriffen hatte.

Katholische Wochenzeitung Nr. 33/2013 August, S. 4
„Widersprüchliche Erwartungen an Franziskus“ von Prälat Dr. Martin Grichting, Chur

Wer kirchenpolitisch etwas auf sich gibt, hat derzeit grosse Erwartungen an Papst Franziskus. Er solle die Kurie reformieren und weiter internationalisieren sowie die Kirche „dezentralisieren“. Das II. Vatikanische Konzil wünschte schon die Reform  der Kurie („Christus Dominus“ [CD] 9). Viel ist da seither geschehen. Und es könnte noch mehr sein, was zu begrüssen wäre. Denn das Ziel einer reformierten Kurie soll ja eine effizientere Kurie sein. Schwächt eine Reform die Kirche? – Im Gegenteil. Das II. Vatikanische Konzil wünschte schon die Internationalisierung der Kurie (CD 10). Viel ist seither geschehen. Und es könnte noch mehr sein, was zu begrüssen wäre. Denn Mitarbeiter aus aller Welt bringen spezifische Kenntnisse mit, so dass im Vatikan sachkompetenter entschieden werden kann. Schwächt einer Internationalisierung die Kurie? – Im Gegenteil. Das II. Vatikanische Konzil wünschte schon – um diesen unpassenden Begriff zu verwenden – die „Dezentralisierung“ der Kirche  (CD II). Viel ist da seither geschehen. Und theoretisch könnte es noch mehr sein. Ob es zu begrüssen wäre? Die Stellung der Bischöfe wurde seit dem letzten Konzil schon sehr gestärkt. Nicht immer haben sie ihre Kompetenzen aber dann auch wahrgenommen. Denn Kompetenzen sind nur angenehm, wenn man damit Zückerchen, nicht aber Kakteen verteilen kann. Und so wurden dann auch in den letzten 50 Jahren viele heisse Kartoffeln an die Bischofskonferenz oder gleich nach Rom weitergeschoben. Wer eine effizientere und internationalere Kirche fordert, wünscht eine stärkere Kurie. Wer mehr Kompetenzen für die Ortskirchen fordert, wünscht stärkere Bischöfe. Es sei denn, die versteckte Agenda sei, vermehrte Kompetenzen der Bischöfe seien an nationale oder lokale Gremien weiterzugeben. Effizienter wäre das aber nicht, wie man aus der Erfahrung mit Gremienarbeit weiss. Und internationaler wäre es auch nicht, sondern eher nationalkirchlicher. Franziskus ist angesichts solch widersprüchlicher Erwartungen nicht zu beneiden. Er kann unser tägliches Gebet wahrlich brauchen.

OR Nr. 40 vom 04.10.2013, S. 4

Rund 2’000 Briefe aus aller Welt erhält Papst Franziskus jeden Tag. Die Zahl der Sendungen sei seit seiner Wahl vor gut einem halben Jahr ständig gestiegen, sagte der Vizedirektor des vatikanischen Presseamtes, P. Ciro Benedettini. Die Absender kommen demnach aus allen Alters- und Berufsgruppen. Sie bäten sowohl um materielle Hilfe als auch um moralischen Beistand und aufbauende Worte. „Fast alle fügen ihre Telefonnummer hinzu in der Hoffnung, dass der Papst sie anruft“, berichtete der Pater.

OR Nr. 44 vom 1. November 2013, S. 9
Buchtipp

Rom. Ein neues Buch über die Rolle des heutigen Papstes während der argentinischen Militärdiktatur berichtet über zahlreiche Rettungen von Regimegegnern durch den damaligen Jesuitenprovinzial Jorge Mario Bergoglio. „Es wurden sicherlich mehr als 100 Personen von ihm gerettet“, betonte der Journalist und Autor Nello Scavo bei der Präsentation in Rom. Sein Buch „La lista di Bergoglio“ („Die Bergoglio-Liste“) führt rund 20 Zeugenaussagen über diese Hilfsaktionen auf. „Er hat unter Gefahr für das eigene Leben und das eigene Ansehen gehandelt“, so Scavo. Nach seinen Recherchen knüpfte Bergoglio ein regelrechtes Netz zur Untersuchung Verfolgter. Mittelpunkt war demnach das „Colegio Maximo San José“ des Jesuitenordens in San Miguel, wo Bergoglio Menschen versteckte und sie vor Mitbrüdern als Seminaristen ausgab. Seine Verbindungen habe er auch dazu genutzt, um Menschen zur Flucht ins Ausland zu verhelfen. Der damalige Kardinal Bergoglio selbst sagte 2010 in einem Interview, er habe sich während der Diktatur für mehrere bedrohte Seminaristen und Priester eingesetzt. Dabei habe er auch mit den Junta-Führern General Jorge Videla und Emilio Massera gesprochen.

Kirche heute 48/2013 November, S. 2
Papst arbeitet an Umweltenzyklika

Nach Aussagen des argentinischen Senators Fernando Pino Solaras arbeitet Papst Franziskus an einer Enzyklika über Umweltschutz. Nach einem Zusammentreffen mit dem Kirchenoberhaupt meinte der Politiker gemäss der Tageszeitung „Clarin“, er hätte mit dem Papst einen ausführlichen und tiefgreifenden Dialog über die Umweltzerstörung in ihrem Land und in der Welt geführt. Franziskus habe ihm dabei mitgeteilt, er bereite ein Lehrschreiben zu dem Thema vor. Laut Solaras drehte sich das Gespräch auch um die Zusammenarbeit Argentiniens mit dem US-Ölkonzern Chevron, welcher für schwere Umweltschäden im Amazonasgebiet verantwortlich gemacht wird.

Katholische Wochenzeitung Nr. 48/2013 November, S. 4
Papst verschenkt Rosenkränze als „geistliche Medizin“

Papst Franziskus hat den Teilnehmern seines sonntäglichen Mittagsgebets kleine Schachteln mit Rosenkränzen geschenkt. Es handle sich um eine „geistliche Medizin“, die er zum Abschluss des „Jahres des Glaubens“ allen Gläubigern empfehle, sagte er auf dem Petersplatz. Franziskus schloss sich damit einer bislang vor allem in Polen durchgeführten Initiative an, die vom neuen vatikanischen Almosenbeauftragten, dem polnischen Erzbischof Konrad Krajewski, gefördert wird. An den Ausgängen des Petersplatzes überreichten ehrenamtliche Helfer den Teilnehmern des Mittagsgebetes mehrere Tausend weisse Perlenrosenkränze in einer arzneimittelähnlichen Verpackung. Auf einem Beipackzettel sind in vier Sprachen – Italienisch, Spanisch, Englisch und Polnisch – entsprechende Gebrauchsanweisungen für das Gebet vermerkt.

Kirche heute 52/2013 Dezember, S. 2
Franziskus ist „Person des Jahres“

Die „Time Magazine“ hat Papst Franziskus zur „Person des Jahres“ gekürt. In nur 9 Monaten habe der neue Papst „ins Zentrum der wichtigen Debatte unserer Zeit“ gesetzt, unter anderem um Wohlstand und Armut, die Rolle der Frau oder die Versuchungen der Macht, heisst es in einer Würdigung. Laut dem Vatikansprecher P. Frederico Lombardi habe einer der bekanntesten Pressestimmen jemanden gewürdigt, der weltweit für religiöse Werte stehe und effektiv Frieden und mehr Gerechtigkeit einfordere.

OR Nr. 1 vom 3. Januar 2014, S. 2
Besucherzahlen haben sich verfünffacht

Papst Franziskus zieht die Menschenmengen an: Die Zahl der Teilnehmer an den wöchentlichen Generalaudienzen auf dem Petersplatz hat sich seit seiner Wahl gegenüber dem Vorjahr mehr als verfünffacht. Das geht aus den statistischen Angaben hervor, die der Vatikan zu Jahresende veröffentlicht. Demnach wurden für die 30 Generalaudienzen mit Papst Franziskus seit dem 27. März 2013 insgesamt 1’548’000 Eintrittskarten ausgegeben. Der Durchschnitt liegt damit bei gut 50’000 Besuchern je Generalaudienz. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch weit höher liegen. Die kostenlosen Eintrittskarten sind nur für den Zugang auf den Petersplatz oder in die Audienzhalle erforderlich. Die Menschen, die den Generalaudienzen von Orten ausserhalb der Kolonnaden des Petersplatzes aus folgen, werden nicht erfasst.

OR Nr. 1 vom 3. Januar 2014, S. 6
Die Pfarren Roms bei den Frühmessen mit dem Papst

Papst Franziskus will im kommenden Jahr die Pfarren Roms zu seinen Frühmessen ins vatikanische Gästehaus Santa Marta einladen. Ab Januar 2014 könnten sich Gruppen einzelner Gemeinden mit etwa 25 Personen über die Pfarrer der Diözese für eine Messe mit dem Heiligen Vater  anmelden, teilte das Vatikanische Presseamt mit. Da der Heilige Vater nicht alle Pfarren seiner 2,5-Millionen-Diözese persönlich besuchen könne, wolle er ihnen die Möglichkeit geben, dass wenigstens eine Abordnung jeder Pfarrei an seinen Messen teilnehmen könne.

OR Nr. 2 vom 10. Januar 2014, S. 3
Papst ist ein Geschenk Gottes an der Kirche

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat Papst Franziskus ein „Geschenk Gottes an der Kirche“ genannt. „Seine unkomplizierte Art, auf Menschen zuzugehen, seine erfrischende Weise, den  Glauben zu leben und beherzt den Dialog zu suchen – gerade auch mit all jenen, die fragen und zweifeln und suchen -, soll uns nicht nur dankbar werden und staunen lassen, sondern Ansporn sein, es ihm gleichzutun“, sagte der Erzbischof am Silvesterabend im Freiburger Münster. Zollitsch äusserte zugleich die Erwartung, dass der im Mai 2014 geplante Besuch von Franziskus im Heiligen Land dort Hoffnung auf Frieden schenken könne. (…)

Umfrage von Papst Franziskus
siehe unter „Diözese“

OR Nr. 12 vom 21.03.2014, S. 6
Eine Kirche wie Salz und Pfeffer

Wien. Als ein „Geschenk des Heiligen Geistes an unsere Kirche“ hat die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gerda Schaffelhofer, die Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Papst bezeichnet. Mit der Wahl sei „ein Ruck durch die Weltkirche gegangen“. Franziskus stellt in den Augen Schaffelhofers für die Kirche „Salz und Pfeffer“ dar: „Salz, das dafür sorgt, dass der schale Geschmack von gestern kund vorgestern verschwindet; Pfeffer, wenn er mit unbeirrbarer Deutlichkeit das beim Namen nennt, was die Kirche heute braucht und für das sie heute stehen muss.“ Diese neue Würze tue der Kirche gut und es fänden wieder jene an der Kirche Geschmack, „die sich längst anderen Gewürzmischungen und esoterischen Düften zugewandt haben“.

OR Nr. 18 vom 2. Mai 2014, S. 2
Papst Franziskus dankte für Glückwünsche zum Namenstag

Papst Franziskus hat sich für zahlreiche Glückwünsche aus aller Welt zum Osterfest und zu seinem Namenstag bedankt.  „Ich erwidere diese Wünsche aufs Herzlichste“, sagte er bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz. Wie seine Vorgänger feierte Franziskus seinen Namenstag am Festtag seines Geburtspatrons, des heiligen Georg (Jorge). Dessen liturgisches Fest wird am 23. April begangen. Der Namenstag des Papstes ist für die Vatikanangestellten traditionell arbeitsfrei. Der Nationalfeiertag des Staates der Vatikanstadt ist der jeweilige Tag der Papstwahl, bei Franziskus der 13. März (2013). Siehe „Nationalfeiertag“.

Katholische Wochenzeitung Nr. 23/2014 Juni, S. 11
Feministische Theologin über Papst: „Kein Grund zum Jubeln“

Elisabeth Schüssler Fiorenza im „Kathpress-Gespräch: Papst will „Theologie der Frau“, die auf überholtes Frauenbild verweist – Feministische Theologie nach wie vor gefragt, aber problematische Abspaltung von gesellschaftlicher Frauenbewegung. – Vor einer überzogenen Papstbegeisterung im Blick auf die Reformvorhaben von Papst Franziskus hat die katholische Theologin Schüssler gewarnt. Gerade im Blick auf die Frage der Frauen in der Kirche sehe sie keine wirkliche Aufbruchssignale, so die deutschstämmige Theologin und an der „Harward-Universität“ lehrende Zentralfigur der theologischen feministischen Bewegung in den USA.

Kirche heute 27/2014 Juni, S. 2
Franziskus exkommuniziert Mafiosi

Mit einem flammenden Appell zum Kampf gegen die Mafia hat Papst Franziskus seinen Besuch im süditalienischen Kalabrien beendet. „Dieses Böse muss bekämpft und entfernt werden; wir müssen ihm Nein sagen“, forderte der Papst im Abschlussgottesdienst in Cassano all’Ionio, vor mehr als 200’000 Menschen. Die Mitglieder der kalabrischen Mafia , der Ndrangheta, seien „exkommuniziert“, weil sie die „Strasse des Guten“ verlassen hätten.

OR Nr. 30/31 vom 25. Juli 2014, S. 4

Papst Franziskus hat mit der langjährigen Tradition gebrochen, für den Vatikan ein Kaffee- und Tafelservice von Villeroy & Boch anzunehmen. Wahrscheinlich hänge es mit der grossen Bescheidenheit zusammen, mit der dieser Papst ausgestattet ist, sagte der Aufsichtsratschef Wendelin von Boch-Galhau gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“.

Konklave 2005
Siehe unter dem Register „Päpste, ihre Pontifikate: A – G wahlweise, dort unter Benedikt XVI.“
Jorge Mario Bergoglio hätte an diesem Konklave im dritten Wahlgang 40 Stimmen erhalten und anschliessend erklärt, er würde eine Wahl nicht annehmen.

Kirche heute 36/2014 August, S. 2
Rücktritt ist für Franziskus eine Option (nach eigener Wahl)

Papst Franziskus hat erneut seine Absicht bekundet, im Fall nachlassender Kräfte wie sein Vorgänger Benedikt XVI. als Papst zurückzutreten. Benedikt XVI. habe den Schritt hin zu den emeritierten Päpsten vollzogen. „Vielleicht gefällt das einigen Theologen nicht, aber ich denke, dass der emeritierte Papst keine Ausnahme ist, sondern nur nach vielen Jahrhunderten der erste“, sagte Franziskus anlässlich der Pressekonferenz auf dem Rückflug von Korea. Im gegebenen Moment werde er „beten und dasselbe tun“ wie Benedikt XVI. Aus seiner Sicht sei die Figur des emeritierten Papstes heute bereits „eine Institution“, ähnlich wie der emeritierte Bischof.

Katholische Wochenzeitung Nr. 36, 05.09.2014, S. 5
Kardinal Brandmüller: Begeisterung um Papst ist oberflächlich

„Das ist oberflächlich. Wäre diese Beziehung eine religiöse, wären die Kirchen voll“ – Gegen Abschaffung des Zölibats und Frauenpriestertum: „Wir beziehen bezüglich des Glaubens klare Grenzen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke“. Der emeritierte deutsche Kardinal Walter Brandmüller (85) hält nichts viel von der Begeisterung um Papst Franziskus: „Das ist oberflächlich. Wäre diese Bewegung eine religiöse, wären die Kirchen voll“, sagte der ehemalige Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften im Interview mit der Hamburger Zeitschrift „Zeit Geschichte“. (…)

Englisch Andreas, FRANZISKUS, S. 242
Papst Franziskus, Sohn des peronistischen Argentiniens

Mir fiel an Bergoglio auf, dass dieser Mann so jugendlich wirkte in seinem Verhalten, obwohl er damals, 2007, schon 71 Jahre alt war. Dennoch blitzte in diesen Gespräch immer noch dieser Junge aus dem Stadtteil Flores in Buenos Aires durch. Er hatte eine glückliche Kindheit gehabt.  In Europa hätte es kein gutes Vorzeichen bedeutet, am 17. Dezember 1936 geboren worden zu sein. Als Dreijähriger hätte er die Schrecken des Zweiten Weltkrieges erfahren, wäre er wie sein Vorgänger Karol Wojtyla in Polen geboren worden. (…)
S. 143: Sein Vater Mario Bergoglio war 1928 vor dem Faschismus in Italien geflohen, um in Buenos Aires ein bescheidenes Leben als Buchhalter bei der Eisenbahn zu führen, zusammen mit seiner Frau Regina Maria, geborene Sivorio. Neben Jorge Mario haben sie noch vier weitere Kinder. (…)
Noch etwas beeindruckte mich an ihm. Jorge Mario Bergoglio war ein Mann, ein richtiger Mann. Selbst wenn er seine Priestergewänder anlegte, bewegte er sich wie ein Mann, er sprach wie ein Mann, er schimpfte wie ein Mann. Im Vatikan gibt es eine Unmenge von Kardinälen und Bischöfen, die ihr Geschlecht mit der Entscheidung, Priester zu werden, abzulegen scheinen. Manche mögen homosexuelle Tendenzen haben, andere werden zu etwas Geschlechtlosem, eine Art Wesen, das mit einem Mann nichts mehr zu tun hat. Joseph Ratzinger hatte dieses Problem gehabt. Nach dem Krieger Karol Wojtyla, der ein ganzer Kerl gewesen war, schienen die Zeremonienchefs ein leichtes, wesenloses Engelchen geschaffen zu haben. Ratzingers Zeremonienmeister Guido Marini beriet ihn zweifellos schlecht. Diese ständigen Spitzenumhänge machten den Papst, manchmal ohne dass er es wollte, aber auch ohne dass er es merkte, fast ein wenig lächerlich. Das schlimmste Bild in dieser Hinsicht, an das ich mich erinnere, war die Weihe eines Altars in Washington. In einer Art Spitzenrock rieb Ratzinger den Altar mit geweihtem Öl ein und wirkte dabei wie die nette alte Omi, die den Tisch putzte. Es war peinlich, und selbst den glühenden Anhängern Ratzingers ging das zu weit (Hans Küng: Prunk und Plunder, was Ratzinger vorzeigt). (…)
S. 244: Dass dieser Mann, Jorge Mario Bergoglio, eine Freundin gehabt hatte in der Zeit, als er noch als Chemiker gearbeitet hatte, glaube ich sofort. Auch dass er in seiner Jugend Tango getanzt hatte und noch heute gerne Tangomusik hört. (…)
S. 249: Berufung zum Dienst an Gott. Für Jorge Mario Bergoglio ist die Enttäuschung über Juan Domingo Perón (Präsident Argentiniens) ein Einschnitt. Als dieser auf Konfliktkurs mit der Kirche geht, wendet sich Bergoglio von ihm ab. Bergoglio sucht jetzt nach einem anderen Weg für das gleiche Ziel, das Perón erreichen wollte: soziale Gerechtigkeit. Bergoglio glaubt, dass dies der Weg Gottes sein kann. Wo in seinem Herzen die Hoffnung auf eine gerechtere Welt lodert, zieht jetzt Gott ein. War es nicht ein Mann aus Nazareth, der sagte, dass die selig sind, die nach Gerechtigkeit dürsten?
Die Entscheidung, Priester zu werden, wird 1957 auch durch einen persönlichen Schicksalsschlag beeinflusst: Jorge Mario Bergoglio erleidet eine schwere Lungenentzündung. Die Ärzte entschliessen sich damals zu einem aus heutiger Sicht völlig überflüssigen Schritt und entfernen einen Teil der entzündeten rechten Lunge. Heute hätten ein paar Antibiotika das Problem gelöst. Ein Priester wird gerufen, der Eingriff ist lebensgefährlich. Er erklärt dem 21-Jährigen, dass es um Leben und Tod geht. Die Operation gelingt, und Bergoglio ändert sein Leben. Seine Mutter wird erklären, dass er Medizin studieren will. Beim Aufräumen seines Zimmers findet sie lauter theologische Bücher und stellt Jorge zur Rede. Er erklärte ihr, dass er tatsächlich Arzt werden wolle, aber Arzt für die Seelen.

OR Nr. 1 vom 08.01.2016, S. 4
Karlspreis für Papst Franziskus

Papst Franziskus erhält den Aachener Karlspreis. Den Rückschlägen und dem dramatischen Vertrauensverlust in der EU setze er eine „Botschaft der Hoffnung“ entgegen, erklärte das Karlspreisdirektorium in Aachen. Die Preisverleihung findet in Rom statt, der Termin sei noch offen. – Das Direktorium würdigte den Papst auch dafür, dass er Botschaften und Zeichen für Frieden, Verständigung, Barmherzigkeit, Toleranz, Solidarität und die Bewahrung der Schöpfung setze. (…)

Englisch Andreas, Franziskus, 2015, S. 320
Den Pomp des Fürstenhofes des Papstes wirft Franziskus mit einer energischen Geste auf den Müllhaufen der Geschichte. Johannes Paul II. hatte das Amt des Papstes zwar revolutioniert und näher an die Gläubigen herangerückt, aber an dessen aristokratischer Ausrichtung festgehalten. Karol Wojtyla hatte sein Leben lang aus seiner Hochachtung für die Königshäuser in Polen und vor allem in Österreich-Ungarn, in deren Armee sein Vater gekämpft hatte, keinen Hehl gemacht. Joseph Ratzinger hatte schon in seiner Zeit in Deutschland ein enges Verhältnis zu mehreren Fürstenfamilien, vor allem zu den Thur und Taxis in Regensburg und der Adelsfamilie Borghese in Rom, gepflegt.
Doch der Lateinamerikaner Bergoglio bricht mit dieser über tausend Jahre alten Tradition der Päpste, die sich als Könige und Oberhäupter der Kirchenfürsten aufführten. (…) Ein Papst, der sich wie ein König gebärdet, will Bergoglio nicht sein. Die pompöse Kleidung, die sich Papst Benedikt XVI. umhängen liess, lehnt er kategorisch ab.

Katholische Wochenzeitung Baden CH, 45/2016 November, S. 11
Papst ruft Päpstliches Familien-Institut zu Neuorientierung auf

Papst Franziskus hat das römische „Institut Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie“, das als Denkfabrik der traditionellen kirchlichen Morallehre gilt, zu einer Neuorientierung aufgerufen. Die an der Lateran-Universität angesiedelte Einrichtung müsse „die nötige Öffnung der Intelligenz des Glaubens für die seelsorgerische Aufgabe des Nachfolgers Petri unterstützen“, sagte er am Donnerstag in einer Audienz für die Angehörigen des Instituts im Vatikan.
Eine theologische Lehre, die sich nicht am Ziel der Glaubensverkündigung und der Seelsorge der Kirche orientiere, sei ebenso undenkbar wie eine Seelsorge, die den Schatz der Offenbarung und der Tradition nicht würdige, so der Papst weiter. Es gehe darum, auf lehrmässiger und seelsorgerischer Ebene die Wahrheit und Schönheit des Schöpfungsplans Gottes für die heutige Zeit zu lesen und zu interpretieren.
Päpstlich verordneter Richtungswechsel? Offizieller Anlass der Audienz war die Eröffnung des Akademischen Jahres. Dass der Papst persönlich eine Ansprache dazu hält, ist sehr ungewöhnlich. Im Umfeld der beiden Bischofssynoden über Ehe und Familie hatten sich Vertreter des Instituts wiederholt ablehnend zu Veränderungen oder Weiterentwicklungen  der kirchlichen Morallehre geäussert. Im August hatte der Papst den vormaligen Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Familie, Erzbischof Vincenzo Paglia, zum neuen Grosskanzler des Instituts ernannt. Beobachter deuteten diese Personalie als von Franziskus verordneten Richtungswechsel.
Das 1981 von Johannes Paul II. gegründete Institut hat neben seinem Sitz in Rom rund ein Dutzend weitere Niederlassungen auf allen Kontinenten. (cic)

OR Nr. 1 vom 06.01.2017, S. 2
2016 fast 4 Millionen Gläubige bei Veranstaltungen mit Papst Franziskus im Vatikan

Fast 4 Millionen Menschen sind in diesem Jahr zu Papst Franziskus in den Vatikan gekommen. Zu Papstaudienzen, liturgischen Feiern sowie zum Angelus oder Regina Coeli-Gebet kamen insgesamt 3’952’140 Teilnehmer, wie aus einer vom  Vatikan veröffentlichten Statistik hervorgeht.
Mit 168’000 nahmen demnach im September die meisten Pilger an liturgischen Feiern mit Franziskus teil. Grund war die Heiligsprechung von Mutter Teresa in jenem Monat. Im März zogen die Osterfeierlichkeiten besonders viele Menschen an: 165’000 Teilnehmer an liturgischen Feiern mit dem Papst zählte der Vatikan in diesem Monat insgesamt. Neben 43 Generalaudienzen gab es 2016 zusätzlich 11 Papstaudienzen zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit sowie mehrere Sonderaudienzen.
Bei den von der Präfektur des Päpstlichen Hauses ermittelten Zahlen handelt es sich um Annäherungswerte, die ausschliesslich Papst-Veranstaltungen im Vatikan betreffen. Pastoralbesuche in Rom sowie die Reisen von Franziskus führt die Statistik nicht auf.

OR Nr. 1 vom 06.01.2017, S. 16
Auch Papst Franziskus hat kurz vor Weihnachten eine kleine Shoppingtour unternommen: Seinen freien Tag am Dienstag in der Woche vor Weihnachten nutzte er, um in einem Orthopädiefachgeschäft unweit des Vatikans ein Paar Schuhe zu kaufen. Bei der Gelegenheit segnete er ein Kreuz, hinterliess einige handschriftliche Grussworte und liess sich zusammen mit der Belegschaft zur Erinnerung an den Besuch fotografieren.

OR Nr. 2 vom 13.01.2017, S. 8
Wien/Vatikanstadt. Das neue „Franziskus-Spital in Wien startet mit dem Segen des Papstes: Franziskus habe anlässlich der Errichtung des neuen Ordensspitals, das mit 1. Januar seinen Betrieb aufnahm, Glück und Segenswünsche übermittelt, teilte das „Franziskus-Spital“ mit. Dieses neue Wiener Spital ist das Ergebnis einer Fusion zweier Ordenshäuser – dem Krankenhaus St. Elisabeth im Bezirk Landstrasser (Hauptstrasse 4 a) und dem Hartmannspital in Margareten (Nikolsdorfer G 26-36). Das gemeinsame Haus hat eine 300-jährige bzw. 150-jährige Tradition in Wien. Zum Start des neuen Ordensspitals übermittelte der Apostolische Nuntius, Erzbischof Peter Zurbriggen, den Apostolischen Segen von Papst Franziskus. Gerichtet ist er an die Orden der beiden Trägerinnen, die Franziskanerinnen von der christlichen Lieben und die Elisabethinnen Linz/Wien, weiters an die Patienten, Pflegekräfte sowie die Mediziner des neuen Hauses.

Katholische Wochenzeitung Baden CH, 3/2017 Januar, S. 3
Kein „Franziskus-Effekt“ in Deutschland – Austrittszahlen bleiben hoch

Der Passauer Bischof Stefan Oster hat sich in einem Interview mit dem BR (Bayrischen Rundfunk) selbstkritisch zum Angebot der Kirche geäussert. „Wir neigen dazu, die Kerninhalte unseres Glaubens nicht mehr deutlich zu sagen.“ Oster kritisierte, dass es in vielen Predigten zu sehr um  Ethik gehe. Das Auftreten von Papst Franziskus würdigt der Bischof, einen „Franziskuseffekt“ bei der Kirchenzugehörigkeit gäbe es jedoch nicht. Die Zahlen bei den Kirchenaustritten seien in der Zeit von Franziskus gleichbleibend hoch. Die Gesellschaft erlebe laut Oster derzeit eine tiefe Verunsicherung. Er macht dafür auch den Verlust von Glauben verantwortlich. „Wir erleben einen fortwährenden Rückgang von gläubiger Praxis“. Man halte sich an „allem Möglichen“ fest, wenn „Fundamente des Glaubens in einer ursprünglich christlich geprägten Gesellschaft“ wegbrächen.

OR Nr. 7 vom 17.02.2017, S. 4
P. Lombardi: Franziskus fühlt sich von Benedikt XVI. unterstützt

Papst Franziskus fühlt sich nach Worten des früheren Vatikansprechers P. Federico Lombardi von seinem Vorgänger Benedikt XVI. in vielfältiger Weise unterstützt. Dazu gehörten neben seiner Präsenz und seinem Gebet die gelegentlichen Treffen und Besuche, die Telefonate sowie die vielen Zeichen der Freundschaft, des Respekts und der geistlichen Verbundenheit. Lombardi, der seit einem halben Jahr die vatikanische Stiftung „Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.“ leitet (März 2010: allein Tantiemen von Euro 2,4 Millionen aus den über 130 Ratzinger-Büchern auf dieses Konto überwiesen. →Nuzzi), äusserte sich zum 4. Jahrestag von dessen überraschendem Amtsverzicht am 11. Februar 2013 gegenüber Radio Vatikan.
Der freiwillige Amtsverzicht von Benedikt XVI. (2005-2013) sei und bleibe eine ganz ungewöhnliche Geste (Gebärde), die inzwischen freilich zu einer schönen Normalität geworden sei, so Lombardi. Der emeritierte Papst halte sich strikt an sein damaliges Versprechen, zurückgezogen zu leben und sich dem Gebet und der Meditation für Kirche und Papst zu widmen.
Auch nach seinem Rücktritt von seinen vatikanischen Medienämtern treffe Lombardi gelegentlich mit Benedikt XVI. zusammen. Er erlebe ihn geistig und intellektuell vollkommen heil und präsent. Allerdings liessen die körperlichen Kräfte in seinem Alter von fast 90 Jahren nach. „Man begegnet einem alten Menschen, der mit dem Verlauf der Zeit etwas gebrechlich geworden ist, der geistig voll da ist und den zu treffen eine riesige Freude bereitet“, so P. Lombardi im Interview mit Radio Vatikan.

bz BASEL vom 30.06.2017, S. 7, Dominik Straub, Rom
Dem Papst droht ein Bumerang

Zunächst gilt auch für Kardinal George Pell (→Missbrauchsfälle), was für alle Angeschuldigten gilt: die Unschuldsvermutung. Dennoch wird der „Fall Pell“ zu einer immer grösseren Belastung für Papst Franziskus. Auf dem Spiel steht nichts weniger als seine Glaubwürdigkeit bei der Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester. Also der Affäre, die der katholischen Kirche in den letzten Jahrzehnten am meisten zugesetzt hat.
Schon die Ernennung Pells zum mächtigen vatikanischen Finanzchef hatte bei Opferverbänden Irritationen ausgelöst: Die Vertuschungsvorwürfe an die Adresse des ehemaligen Erzbischofs von Sydney waren damals, im Jahre 2014, längst bekannt. Inzwischen hat Pell selber eingeräumt, dass die von ihm jahrelang geleitete Kirche in Australien bei der Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs durch Kirchenmänner „schreckliche Fehler“ begangen habe.
Kein Papst  vor Franziskus hat den Missbrauch wortgewaltiger verurteilt. Der Argentinier hat eine vatikanische Sonderkommission eingesetzt und ein eigenes Tribunal versprochen, vor dem die fehlbaren Priester zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Doch die Situation hat sich seit dem Pontifikat von Benedikt XVI. nicht wirklich verbessert. Die Sonderkommission  hat in den ersten 4 Jahren ihres Bestehens nur dreimal getagt. Dass der Papst umgehend verlauten liess, er glaube den Unschuldsbeteuerungen seines australischen „Rangers“, scheint vor diesem Hintergrund zumindest unvorsichtig. Sollte Franziskus‘ Vertrauter und Top-Mitarbeiter schuldig gesprochen werden, werden die Vorwürfe, der Papst lasse es bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bei Lippenbekenntnissen bewenden, neue Nahrung erhalten. Es droht ein Bumerang – wie man weiss eine australische Erfindung.

OR Nr. 27 vom 07.07.2017, S. 4
Im Vatikan hat die Sommerpause begonnen. Papst Franziskus bleibt zwar in seiner Wohnung im Gästehaus Santa Marta, aber er reduziert sein Arbeitspensum. Den ganzen Juli wird mittwochs keine Generalaudienz stattfinden. Die Morgenmessen in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses Santa Marta entfallen in den Monaten Juli und August. Allein das sonntägliche Angelusgebet auf dem Petersplatz bleibt als fester Termin bestehen. Die Generalaudienzen nimmt Franziskus Anfang August in der vatikanischen Audienzhalle wieder auf. Mit den Frühmessen beginnt er ab Mitte September, im Anschluss an die Reise nach Kolumbien, die vom 6. bis 11. September stattfinden wird.

OR Nr. 29 vom 21.07.2017, S. 4

Papst Franziskus hat jüngst an seiner Zimmertür im Vatikangästehaus ein „Beschweren verboten!“-Schild angebracht. Den ironischen (feiner Spott) Warnhinweis bekam er Mitte Juni bei einer Generalaudienz von einem Psychologen geschenkt, wie italienische Medien berichteten. „Hör auf, dich zu beschweren und handle, um dein Leben zum Besseren hin zu verändern“, ist weiter auf dem Schild zu lesen.

OR Nrn. 30/31 vom 28.07.2017, S. 4
Die offizielle Pontifikatsmedaille zum fünften Pontifikat von Papst Franziskus zeigt auf der Vorderseite das Wappen des Papstes (WA: Franziskus will seinen Kopf nicht mehr auf Medaillen noch auf Geld) und auf der Rückseite im Hintergrund ein Boot mit Flüchtlingen, während vorne am Strand jemand einem von ihnen, der Christus ähnelt, die Hand entgegenstreckt. Die Künstlerin des Werkes ist Mariangela Crisciotti.

Katholische Wochenzeitung Baden 46/2017 November, S. 12
„Dies würde Einheit im Glaube und im Bekenntnis zerstören“

Kardinal Müller (nicht mehr Präfekt der Glaubenskongregation) übt Kritik an Papst Franziskus, weil dieser den Bischofskonferenzen mehr Kompetenzen bei Übersetzungen geben möchte: „Die letzte Autorität im Zweifelsfall kann nicht bei den Bischofskonferenzen liegen.“
Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat sich in einer wichtigen theologischen Frage gegen Papst Franziskus gestellt. Im Interview mit der „Passauer Neuen Presse (PNP) kritisierte er die Entscheidung des Papstes, den Nationalen Bischofskonferenzen bei der Übersetzung liturgischer Texte mehr Kompetenzen zuzugestehen. (…)

Kirche heute 10/2018 März, S. 2
Der Papst hat kein Handy

Er hat über 43 Millionen Follower allein auf Twitter. Und nun das: Papst Franziskus (81) kann laut eigener Aussage mit dem Internet und modernen Kommunikationsmitteln wenig anfangen. „Internet und all diese Dinge, ich weiss nicht, wie man die benutzt“, sagte das Kirchenoberhaupt im Gespräch mit Geistlichen seines Bistums Rom. „Ich selbst weiss auch nicht, wie man (soziale) Netzwerke benutzt und solche Sachen, nicht einmal ein Mobiltelefon, ich habe keins“, erklärte Franziskus. Nicht immer gelinge es, die „Sprache der Zeit“ zu sprechen. Dann könne man aber immer noch zuhören und ein Lächeln schenken, so der Papst.

OR Nr. 8 vom 23.02.2018, S. 4
Vatikansprecher Greg Burke bestätigte, dass Papst Franziskus „mehrmals im Monat“ Opfer sexuellen Missbrauchs treffe. Er empfange sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen, höre ihnen zu und versuche zu helfen, „die schweren Wunden zu heilen“. die Begegnungen erfolgten laut Burke „im Respekt vor den Opfern und ihrem Leid“ stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

OR Nr. 11 vom 16.03.2018, S. 3
Die „Freude“ sieht Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin als den grundlegenden Charakterzug in der Amtszeit von Papst Franziskus an. Diese Freude rühre nicht von Sorglosigkeit her, „sondern aus dem Bewusstsein, von Gott geliebt zu sein“, sagte Parolin zum fünfjährigen Amtsjubiläum von Franziskus am Dienstag, 13. März 2018. Alle wichtigen Dokumente des Papstes aus Argentinien sprächen von Freude, so der Kardinal im Interviewe von „Vatican News“. Als zweiten Grundzug nannte Kardinalstaatssekretär Parolin die Barmherzigkeit als „persönliche und völlige Liebe Gottes zu all seinen Geschöpfen“. Der dritte sei die Evangelisierung, als das Bestreben der Kirche, aus sich herauszugehen und die Botschaft Jesu weiterzugeben und zu leben.

OR Nr. 12 vom 23.03.2018, S. 3
Fünf Jahre Pontifikat in Zahlen

Papst Franziskus hat auf bislang 22 Auslandreisen fast 250’000 Kilometer zurückgelegt. Das geht aus statistischen Daten hervor, die der Vatikan zum fünften Jahrestag der Papstwahl bekanntgab. Seit dem Amtsbeginn am 13. März 2013 veröffentlichte der Heilige Vater 28 Lehrschreiben, darunter zwei Enzykliken und zwei nachsydonale Apostolische Schreiben. Weiter hielt der Papst in dieser Zeit 219 Generalaudienzen und 286 Angelusgebete. Laut der Mitteilung absolvierte Franziskus 18 inneritalienische Reisen mit insgesamt 72 Ansprachen. Hinzu kommen drei private Besuche, darunter die Fahrt ins mittelitalienische Erdbebengebiet im Herbst 2016. Bei vier Konsistorien ernannte der Papst 61 neue Kardinäle, von denen 49 zur Teilnahme an einem Konklave berechtigt sind. Rund 880 Personen wurden von Franziskus heiliggesprochen. Den grössten Teil macht allerdings die Gruppe der etwa 800 „Märtyrer von Otranto“ aus. Von den rund 330 Pfarreien seiner Diözese Rom stattete Franziskus bisher 16 eine offizielle Visite ab. Fünf weitere besuchte er aus anderen Anlässen. Zudem war er in der evangelisch-lutherischen Kirche Roms, der Synagoge, der anglikanischen Kirche und der Kirche der griechisch-katholischen ukrainischen Gemeinde in Rom zu Gast.

OR Nr. 12 vom 23.03.2018, S. 3
Berlin. Ein vom deutschen Regisseur Wim Wenders gedrehter Dokumentarfilm über Papst Franziskus kommt am 14. Juni 2018 in die deutschen Kinos; in Italien läuft er bereits am 18. Mai an. In „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ begleitet Wenders das Publikum au einer persönlichen Reise mit dem Papst. Im Zentrum des Films stehen laut einer Pressemitteilung des Filmverleihs die Gedanken des Papstes. Er äussere sich unter anderem zu den Reformbestrebungen innerhalb der Kirche und aktuellen globalen Herausforderungen. Durch das visuelle Filmkonzept könnten die Zuschauer den  Papst „von Angesicht zu Angesicht“ erleben.

Katholische Wochenzeitung  Baden 13/2018 März, S. 3
Autor des papstkritischen Buches „El Papa Dittatore“ enthüllt.
Buch stammt vom Historiker Henry Sire, Mitglied des →Malteser-Ordens

Der Name des bislang unbekannten Autors des papstkritischen Buches „Il Papa Dittatore“ ist nun bekannt geworden. Hinter dem Pseudonym „Marcantonio Colonna“ verbarg sich der Historiker und Autor Henry Sire, dessen Name manchmal auch mit „H.J.A. Sire“ angegeben wird. Sire wurde 1949 in Barcelona als Sohn einer Familie mit französischen Wurzeln geboren.  Er besuchte das von Jesuiten geleitete „Stonyhurst College“ in England und studierte Geschichte am „Exeter College“ der Universität Oxford.
Sein Name wurde nun vom Verlag „Regnery Press“ bekanntgegeben,der das Buch „Il Papa Dittatore“ auf englisch in einer neuen, überarbeiteten Auflage als gebundenes Buch veröffentlichen wird. Es wird den Titel „The Dictator Pope: The Inside Story of the Francis Papacy“ tragen und am 23. April erscheinen. Bis jetzt war es nur als elektronisches Buch verfügbar. (…)
Henry Sire schrieb dieses Buch am Ende seines vierjährigen Rom-Aufenthaltes, der von 2013 bis 2017 dauerte. Während dieser Zeit lernte er viele Personen kennen, die im Vatikan leben und arbeiten, darunter Kardinäle und Mitarbeiter der Kurie sowie Journalisten, die über den Vatikan berichten.

OR Nr. 17 vom 27.04.2018, S. 3
Franziskus spendiert Eis zum Namenstag

Der Papst bei einem Mittagessen mit Bedürftigen im Vatikan

Vatikanstadt. Papst Franziskus hat zu seinem Namenstag Eis spendiert: An die Gäste der Suppenküchen, Obdachlosen-Unterkünfte und sonstigen Caritas-Einrichtungen Roms wurden im Lauf des Tages insgesamt 3’000 Portionen italienisches Speiseeis verteilt. Der Papst wollte sein Namensfest „zusammen mit den Bedürftigsten und den Obdachlosen von Rom feiern“, teilte das Apostolische Almosenamt mit. Franziskus, mit bürgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio, hat den heiligen Georg als Namenspatron, dessen Gedenktag am 23. April begangen wird.

OR Nr. 25 vom 22.06.2018, S. 1
Am Vormittag des 8. Juni 2018 empfing Papst Franziskus die Astronauten der Mission ISS 53 in Audienz, die ihm einen blauen Bordanzug überreichten, wie er in der internationalen Raumstation ISS getragen wird. Der Anzug sei aus dem gleichen Material und in der gleichen Machart wie die der ISS-Astronauten, erläuterte der italienische Astronaut Paolo Nespoli, der bereits im Oktober 2017 mit dem Papst gesprochen hatte, damals allerdings über eine Videokonferenz zwischen Vatikan und ISS.

OR Nr. 32/33 vom 10.08.2018, S. 3
Gedenkmedaille für den Frieden

Zum sechsten Amtsjahr von Papst Franziskus gibt der Vatikan eine Medaille mit einem Friedensmotto heraus. Auf dem Revers befindet sich ein Zitat des Friedensappells von Papst Pius XII. (1939-1958) zur Abwendung des Zweiten Weltkriegs: „Nichts ist verloren durch den Frieden, alles kann verloren werden durch den Krieg.“ Diese Worte aus der Radiobotschaft des Papstes vom 24.08.1939 sollen daran erinnern, dass auch ein Jahrhundert nach dem Ersten Weltkrieg (1914-18) „die Entscheidung zwischen Krieg und Frieden für alle immer noch dramatisch aktuell“ ist.
Das Sammelstück ist seit 26ö07.2018 erhältlich bei der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls des Staates der Vatikanstadt und der vatikanischen Verlagsbuchhandlung. Die von Chiara Principe gestaltete Medaille gibt es in einer Goldschatulle (30 Exemplare), Silberschatulle (1’500 Exemplare und Bronzeversion (2’000 Exemplare) sowie einer Sammelschatulle mit allen 3 Prägungen (30 Exemplare). Nach Auskunft der Vatikanbuchhandlung soll der Dreiersatz 3’100 Euro kosten, die Goldmedaille 2’800 Euro, die Silbervariante 100 Euro und die Bronzeversion 60 Euro.
Die Medaille zeigt auf der Vorderseite das Wappen von Papst Franziskus und darüber eine Taube. Auf der Rückseite befindet sich das  bekannte Friedenszitat; dazu ist allegorisch (versinnbildlicht) der Sieg des Friedens über den Krieg dargestellt. Den Frieden symbolisieren eine Mutter mit Kind sowie ein Ölzweig; für die Kriegstoten steht eine Erinnerungs-Mohnblume; Gewalt wird verbildlicht durch ein Stück Stacheldrahtzaun.

Kath. Wochenzeitung Baden 38/2018 September, S. 3
USA: Katholische Moderatorin verlangt Rücktritt von Papst Franziskus

Erzbischof Vigano (→Missbrauchsfälle, 36/2018 September) habe mit seinen Enthüllungen der Kirche einen grossen Dienst erwiesen, schreibt die Radio- und Fernsehmoderatorin Laura Ingraham, die zu den prominentesten Konvertiten zum katholischen Glauben gehört.
Die konservative Nachrichtenmoderatorin und Autorin Laura Ingraham hat angesichts der Enthüllungen des früheren Nuntius Carlo Maria Vigano den Papst zum Rücktritt aufgefordert. „Zu wenig, zu spät von Papst Franziskus in Irland – ich stehe auf der Seite von Erzbischof Carlo Vigano. Zeit für die Laien, einen neuen Hirten einzufordern“, schrieb sie am Sonntag, 26. August 2018, auf Twitter. In ihre Twitternachricht war ein Bericht der BBC News eingebettet, der Papst Franziskus während des Besuchs im irischen Wallfahrtsort Knock zeigt. Der Papst hatte dort in einer Ansprache entschlossene Massnahmen gegen klerikalen Missbrauch verlangt, um „Wahrheit und Gerechtigkeit“ zum Durchbruch zu verhalfen. Ingraham twitterte zusätzlich einige Ausschnitte aus Viganos Stellungnahme. Der ehemalige Nuntius habe der Kirche und den Missbrauchsopfern einen Dienst erwiesen, indem er die Skandale und ihre Vertuschung aufgedeckt habe, schrieb sie.
Laura Ingraham ist 2003 in die katholische Kirche eingetreten. Sie ist häufig in den Sendungen des katholischen Senders EWTN (→Fernsehsender) zu Gast. Mit ihrer Radiosendung „The Laura Ingraham Show“ erreicht sie regelmässig ein Millionenpublikum. Sie gilt als die erfolgreichste Moderatorin einer politischen Radiosendung. Seit Oktober 2017 hat sie ihre eigene Sendung auf Fox News, „The Ingraham Angle“, in der sie mit Gästen politische Ereignisse diskutiert.

Kath. Wochenzeitung Baden 42/2018 Oktober, S. 4
Kritische Auseinandersetzung mit Papst Franziskus
Eine Buchbesprechung von Martin Bürger in kathnews.de

Seit rund zwei Monaten sieht sich das Pontifikat von Papst Franziskus neuen, geradezu gigantischen Stürmen ausgesetzt. Die Stimmung unter den Leuten und in den Medien, bis dahin oft euphorisch (mit gesteigertem Hochgefühl) gegenüber dem Papst, scheint sich ins Gegenteil umzukehren.
Das beste Indiz für einen derartigen Stimmungsumschwung dürfte die Titelgeschichte sein, die „Der Spiegel“ veröffentlicht hat: „Du sollst nicht lügen. Der Papst und die katholische Kirche in ihrer grössten Krise“.
Henry Sire, Autor des Buches „Der Diktatorpapst“, das kürzlich im Revovamen-Verlag in deutscher Sprache erschienen ist, sieht die Kirche schon seit längerer Zeit in der Krise. Nach umfänglichen Recherchen zu Papst Franziskus, der viele Jahre als Jesuit und Bischof in Argentinien gewirkt hatte, entwirf Sire, dessen Buch ursprünglich im Selbstverlag unter dem Pseudonym „Marcantonio Colonna“ veröffentlicht worden war, ein negatives Bild des regierenden Papstes. Seiner Ansicht nach wäre Jorge Mario Bergoglio nie gewählt worden, hätten die meisten Kardinäle gewusst, mit wem sie es zu tun hatten.
Die St. Gallen-Mafia. Der Autor beginnt mit einem Kapitel über die St. Gallen-Mafia, zu der Kardinäle wie Godfried Danneels gehörten, der etwa die Legalisierung der Abtreibung in seinem Heimatland Belgien befürwortete oder einen Bischof deckte, der seinen eigenen Neffen sexuell missbraucht hatte. Auch der deutsche Kardinal Walter Kaspar wird zur St. Gallen-Mafia gezählt. Henry Sire erläutert, wie die Mafia durch kirchenrechtlich illegale Absprachen vor dem Konklave dafür sorgte, dass Bergoglio zum Papst gewählt wurde. Bereits 2005 hatte man versucht, Ratzinger als Papst zu verhindern, war damals allerdings noch gehindert worden. 2013 aber konnte die St. Gallen-Mafia ihren Erfolg dann einfahren.
Fragwürdige Gestalten im Vatikan. Obwohl jedes einzelne Kapitel von „Der Diktatorpapst“ zugleich beeindruckend und erschreckend ist, sei im Rahmen dieser Buchbesprechung nur noch auf das Kapitel über die angeblichen Reformbestrebungen von Papst Franziskus hingewiesen. Die Kurienreform lässt immer noch auf sich warten. Bislang sind lediglich einige kosmetische Änderungen zu verzeichnen. Inhaltlich ist zu sagen, dass eine Reihe von Kurienmitarbeitern, die man als „gute und aufrechte Katholiken“ bezeichnen kann, entlassen und durch Gestalten ersetzt wurde, die eher fragwürdig sind. (→Kardinalsrat,   →Nuzzi Gianluigi, Alles muss ans Licht)  Auch in Sachen Finanzreform wurde den tatsächlich reformwilligen Personen immer wieder Steine in den Weg gelegt, bis hin zur Entlassung. (→Bank des Vatikans IOR)
Interessierte Katholiken werden sicher die eine oder andere Episode, die von Herny Sire geschildert wird, schon kennen. Einige bestens informierte Katholiken werden sogar mit dem Grossteil des von Sire zusammengetragenen Materials schon vertraut sein.
Der besondere Wert von „Der Diktatorpapst“ besteht jedoch darin, dass alles an einem Ort zusammengefasst wurde. Nicht länger muss man in verschiedenen Sprachen im Internet recherchieren, um an bestimmte Informationen zu kommen. Wenn der Leser auch nicht unbedingt mit jeder Schlussfolgerung des Autors übereinstimmen muss, sprechen die Fakten doch für sich – und zwar um so lauter, als sie nun einen Papst präsentieren, welcher der Kirche allem Anschein nach einen grossen Schaden zufügt.
Marcantonio Colonna; „Der Diktatorpapst“. Aus dem Innersten seines Pontifikates.
ISBN 978-3-95621-134-8, Renovamen-Verlag. Euro 16

OR Nr. 17 vom 26.04.2019, S. 3
Vatikanstadt. Papst Franziskus, mit bürgerlichem Namen Jorge – zu Deutsch Georg – heisst und somit am 23. April seinen Namenstag gefeiert hat, setzte seine Gewohnheit fort, am Georgsfest Menschen eine kleine Freude zu machen. An Jugendliche der Diözese Mailand, die auf Pilgerfahrt in Rom waren, liess er 6’000 Rosenkränze verteilen. Sie wurden im Heiligen Land aus Olivenholz hergestellt und waren ursprünglich  für den im vergangenen Januar veranstalteten Weltjugendtag in Panama  bestimmt. Anlässlich seins Namenstages hat der Heilige Vater zudem ein 20 Kilo schweres Schokoladenosterei für die Armenmensa der Caritas am römischen Bahnhof Termini gespendet.

Papstwappen: →Organigramm Vatikan, Kader, Heraldik (separates Register)
4-Minuten-Trickfilm über Papst Franziskus: →Film
Siehe auch unter „Englisch Andreas, Franziskus“ und „Nuzzi Gianluigi“

Franziskus versucht im Vatikan aufzuräumen

→Nuzzi, Gianluigi,  „Alles muss ans Licht“

    Nuzzi

Frau, erste Angestellte im Vatikan

 →Angestellte  (und nachstehend unter „Speyer“)

Frauen 

(Buch: Gudrun Sailer, Frauen im Vatikan)

16,39 % der päpstlichen Belegschaft sind Frauen (→Angestellte):
Im Vatikan arbeiten 600 Frauen, 15 % aller Mitarbeitenden, jede 7. ist eine Frau, die meisten Laien. Vatikan: gleicher Lohn für alle. Stand 2010.

2003: zum ersten Mal eine Präsidentin für eine der 10 päpstlichen Akademien: Archäologin Letizia Ermini Pani

Barbara Hallensleben in der Internationalen Theologischen Kommission

2004: US-amerikanische Juristin Mary Ann Glendon auf dem Chefsessel
der päpstl. Akademie für Sozialwissenschaften

    Mary Ann Glenden, US-Botschafterin beim Hl. Stuhl 2008/0

2004: Schwester Enrica Rosanna Untersekretärin

WA: Man muss, auch anhand des Buches von Frau Sailer deutlich hervorheben, dass die Frauen mit ansehnlichen Posten wenig oder gar keinen Einfluss auf die Kirchenpolitik haben.

Fernsehsendung BR vom 27.01.2010 und 30.05.2010:
Ergebnis dieser Fernsehsendung: solange die Frauen nicht in höheren Positionen arbeiten, solange haben sie bescheidenen Einfluss auf die Kirchenpolitik.

Erste Frau im Vatikan: Dr. Hermine Speyer, Deutsche, ehemalige Jüdin, Archäologin, Wissenschaftlerin, im Campo Santo Teutonico SCV begraben. Während des 2. Weltkrieges in den Vatikan. →Speyer

       Sr. Dr. Enrica Rosanna

Sr. Dr. Enrica Rosanna, Soziologin, Italienerin, Dozentin an der Gregoriana,  als erste Frau dort studiert und erfolgreich abgeschlossen. Untersekretärin (drittoberste Stelle im Organigramm) der Ordenskongregation seit 2004, höchste Stelle, die eine Frau im Vatikan einnimmt. Sie würde am Anfang nie ernst genommen (nur ein Schwesterchen), bis sie sage, was sie studiert habe und was sie mache. Hat Priester unter sich, selbst Monsignore. – 1 Million Ordensleute, davon 80 % Frauen (→Katholiken: Im Jahre 2008 zählte man 739’067 Ordensfrauen, rückläufig)

Angela Foschini, Italienerin, Büroleiterin Generalarchiv Dombauhütte.

Simona Turriziani und Assunta di Sante, Kunsthistorikerinnen, Leiterin Archiv St. Peter

Astrid Haas, Chefredaktorin Osservatore Romano, deutsche Ausgabe, seit 2008, Oesterreicherin

Maria Cristina Carlo-Bella, englischsprechend, Büroleiterin Dombauhütte St. Peter, Management über sämtliche Abläufe in St. Peter (Audienzen, Restaurierungen usf.) Chefin der Sampietrini, Putztruppe in St. Peter (nur Männer). Viele Leute, denen sie vorsteht. (20- bis 30’000 Besucher jeden Tag im Petersdom, 22 Frauenstatuen)

Frau Prof. Dr. Ingrid Stampa, Deutsche, beim Papst als engste Vertraute. Hat seit 1991, nach dem Ableben der Schwester vom Papst, den Haushalt geführt. Jetzt: arbeitet sie im Staatssekretariat, meistens Dolmetscherin. War früher Professorin, Dr.-Titel. Verschwiegen, diskret  Der Papst selber hat zwei Sekretäre und 4 Frauen (zölibatär)  im Haushalt. Es sind Frauen einer italienischen  Schwesternorganisation, aber ohne Ordenskleid. →Päpstliche Wohngemeinschaft

Dr. Maria Serlupi-Crescenzi, Italienerin, zuständig für Sonderführungen in den Museen und in der Sixtina.

Gudrun Seiler, Österreicherin, Journalistin beim vatikanischen Radio, von 200 Mitarbeitenden sind die Hälfte Frauen.

Silvia Correale, Postulatorin, Argentinierin, zuständig für Heiligsprechungen. Sammelt Argumente pro und contra für eine Heiligsprechung. Wird dann später von weiteren 3 Gremien geprüft.

Sr. M. Pascalina Lehnert, 29.08.1894 –  13.11.1983, Deutsche, 40 Jahre im Dienst von Pius XII., die bis jetzt einflussreichste Frau im Vatikan. „Gottesmächtige Dienerin“. Schweizergardisten mussten sie grüssen. Ihr Buch, das sie geschrieben hat: „Ich durfte ihm dienen“, Verlag Johann Wilhelm Naumann, 1982. Im Deutschen Friedhof bestattet. Wenn man aus der Campo-Santo-Kirche tritt, gleich links. Sie  starb anlässlich einer Feier zum 25. Todestag von Pius XII. in Wien. Ihre sehr hübsche Erscheinung ist in ihrem Buch vor Seite 97 zu sehen. → Päpste, Pius XII.

Kinderfürsorgestelle  (Frau als Vorsteherin)    →Filmothek  (Frau als Vorsteherin)

– 2006: 27 hauptamtliche Gärtner in den Vatikanischen Gärten: keine Frauen

OR Nr. 1 vom 07.01.2011:
Päpstliche Ernennungen zu Mitgliedern des Päpstlichen Rates „Cor Unum“:

  • Frau Laurence De La Brosse, Präsidentin der „Association Internationale des
    Charités“  (AIC)
  • Frau Henrietta T. De Villa, bisher Konsultorin des Dikasteriums
    (von 9 Ernennungen 2 Frauen)

    Henrietta T. De Villa

OR Nr. 2 vom 14.01.2011:

Päpstliche Ernennungen zu Mitgliedern des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst:

  • Sr. Maria Maurizia Giovanna Biancucci RSV, Generaloberin der Benediktiner-Schwesternkongregation „Riparatrici del Santo Volto del Nostro Signore Gesù  Christo“
  • Sr. Maria Luisa Colombo SDC von den Schwestern der Barmherzigkeit der hl.  Johanna Antida Thouret
  • Frau Maryleen J. Meehan, Präsidentin der Internationalen Katholischen
    Komitees des Krankenpersonals und der sozio-medizinischen Assistenten
    CICIA; (USA)
    (3 Frauen von 18 Ernennungen)

Päpstliche Ernennungen zu Konsultoren des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst:

  • Frau Prof. Kuo-Inn Tsou, Leiterin der Medizinischen Fakultät der Kath.
    Universität Fu Jen in Taipan (Taiwan)
  • Frau Dr. Rosa Merola, Psychologin im Gefängnis Rebibbia in Rom
    (2 Frauen von 29 Ernennungen)

AS, Vatikanistan, S. 189:
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist eine Selbstverständlichkeit auf vatikanischem Territorium und vatikanischem Hoheitsgebiet.

In der 30köpfigen Internationalen Theologenkommission, dem Thinktank des Papstes, sitzen nur 2 Frauen, die Spezialistin für orthodoxe Theologie, Schwester Sara Butler, und die deutsche Professorin für Ökumene und Dogmatik, Barbara Hallensleben. Komplett in weiblicher Hand ist – neben dem Haushalt des Papstes – nur die Telefonzentrale. Im Mai 2008 wurde die 36jährige Silvia Guidi die erste Redakteurin des Osservatore, zuständig für die Kultur. Inzwischen wurde Frau Astrid Haas Chefredakteurin der deutschsprachigen Ausgabe des Osservatore. 2004 wurde mit Schwester Enrica Rosanna die erste Frau zum „Untersekretär“ ernannt, vergleichbar dem Staatssekretär in einer weltlichen Regierung. Im Weiteren: Schwester Sharon Holland als Büroleiterin in der Ordenskongregation, sie lehrt nebenbei noch kanonisches Recht an der Gregoriana. Mary Ann Glendon ist an der Spitze der päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften. Sie hat lange Zeit in Harvard Jura gelehrt. Seit 2007 ist sie die US-Botschafterin am Heiligen Stuhl. – Die ehemalige Vize-Aussenministerin Norwegens, Janne Haaland Matlary, die jetzt Mitglied des Rates Iustitia et Pax ist. – Die US-amerikanische Ordensfrau Judith Zoebelin hat den Internet-Auftritt des Heiligen Stuhles aufgebaut, und die Italienerin Letizia Ermini Pani leitet seit 2003 die Akademie für Archäologie.

Auch die Ansprachen und Enzykliken des Papstes werden von Frauen geschrieben. Birgit Wansing, von der Schönstatt-Bewegung, wurde mit in den Papstpalast genommen. Als  legendär gilt ihre Fähigkeit, die Handschrift des derzeitigen Papstes zu entziffern, eine Fieberkurve im 3-mm-Format. Sie und die Papstvertraute Ingrid Stampa tippen die meisten Manuskripte von Benedikt XVI. ab und lesen – wenn’s Not tut  – durchaus kritisch mit.

Eine der erstaunlichsten Frauen im Vatikan sitzt in der Übersetzungsabteilung. Es ist die Österreicherin Sigrid Spath, und man könnte sie das Sprachzentrum des Papstes nennen. Die Altphilologin hat, so heisst es, seit 1970 mehr als 68’000 Seiten von Kuriendokumenten, päpstliche Ansprachen, Schreiben und Reden ins Deutsche übersetzt. Aus dem Lateinischen, Griechischen, Polnischen, Italienischen, Französischen usw., eben den gängigen Verkehrssprachen. Und das alles als – horribile dictu!- Lutheranerin. – Die Frauenpower im päpstlichen Palast beschränkt sich somit auf die Herrschaft über Kommata und Küche. Auch wenn sie in der Kurie präsenter sind als noch vor 20 Jahren, gibt es Grenzen.

Kirche heute 34/2011, August:
Mehr Frauen in der Vatikanzeitung

In der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ sollen nach Angaben des Chefredakteurs Giovanni Maria Vian Frauen „personell und thematisch“ mehr Raum erhalten. Darum habe der Hl Vater ihn persönlich gebeten. Die englische Redaktion bestehe bereits komplett aus Frauen. So etwas habe es in der Geschichte der Zeitung noch nie gegeben. Der 1861 von zwei italienischen Journalisten gegründete „Osservatore Romano“ ist seit 1885 das Mitteilungsorgan des Papstes. Zusätzlich zur italienischen Ausgabe erscheint er mittlerweile auch in 6 weiteren Sprachen. Herausgeber ist Papst Benedikt XVI.

Fernsehen BR vom 17. August 2011, 20.15 Uhr:
Erste Angestellte des Vatikans mit Vertrag, angestellt im Jahre 1934: Hermine Speier (Spini genannt), Archäologin, Deutsche und Jüdin, später konvertiert, beerdigt im Campo Santo →Deutscher Friedhof, aus Frankfurt am Main. Bis in die 1960er-Jahre sprach man nur von Klo-Frauen.

Dr. Stefania Pandozy, Italienerin, Leiterin der Restaurationszentrale im Vatikan mit 8 Mitarbeiter/innen
Und 80’000 Objekten, die auf die Restauration warten.
→Kloster

Kirche heute 39/2011:
Solidarisch in der Frauenfrage

Die Seelsorgenden des Dekanats Liestal drücken in 2 offenen Briefen ihre Solidarität mit Bischof William Morris von Toowoomba in Australien und mit dem St. Galler Bischof Martin Büchel aus, die beide die Diskussion um das Frauenpriestertum wieder eröffnen wollen. Bischof Morris sei von Rom seines Amtes enthoben worden, weil er über die Weihe verheirateter Männer und Frauen nachdenken wollte, und auch Bischof Büchel wolle die von Rom als abgeschlossen betrachtete Diskussion wieder aufnehmen. Das Dekanat schreibt: „Es geht uns um eine Kirche, in der Männer und Frauen beauftragt werden zu den Aufgaben, für die sie Fähigkeit und Talent mitbringen – unabhängig von Geschlecht, von Zivilstand oder sexueller Orientierung. Es geht uns um die grundsätzliche theologische Neubesinnung auf das Amtsverständnis überhaupt, auf die Frage, welche Strukturen und Ämter heute nötig sind, um als Kirche im 21. Jahrhundert glaubwürdig von der befreienden Botschaft Jesu von Nazareth reden zu können.“

Kath. Wochenzeitung Nr. 41 vom 14.10.2011:
Kurienkardinal: Ausschluss von Frauenpriestertum ist definitiv
Kardinal Piacenza, Präfekt der Kleruskongregation erinnert an Apostolisches Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ von Johannes Paul II.

Die Nichtzulassung von Frauen zum Priestertum in der katholischen Kirche besitzt nach Auffassung des Präfekten der vatikanischen Kleruskongregation, Kardinal Mauro Piacenza, endgültigen Charakter. Die bisweilen als „Ausflucht“ vertretene Auffassung, die kirchliche Festlegung in dieser Frage sei nur von „relativer Endgültigkeit“, sei abwegig und entbehre jeder Grundlage, sagte Piacenza in einem Interview mit der römischen katholischen Nachrichtagentur „Zenit“. – Der Kurienkardinal verwies auf das Apostolische Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ vom 22. Mai 1994. Dieses Dokument habe die Frage des Frauenpriestertums endgültig geklärt. Papst Johannes Paul II. hatte darin festgestellt, „dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“