Feu bis Fi

Feuerwehr des Vatikans

Alarm: Tel. Nr. 112 oder 06 698 844 44, Servizio: 06 698 836 66

Päpstliche Schweizergarde im Vatikan

Belvedere-Hof links, wenn man von S. Anna kommt. Gegründet im Jahre 1810.
Berufsfeuerwehr mit eigener Uniform; rund 15 Berufsleute.  Bescheidener Park, kleine Feuerwehrautos, bedingt durch die Tore Zecca und Hofeingänge bis Damasushof (Palastbrand wäre verheerend). Feuerwehrarbeit: Museums- und Domkontrollgänge, besonders dort, wo tagsüber Tausende von Touristen und Pilger den Vatikan auf- und heimgesucht haben. Weitere Aufgaben sind: Verirrte Tiere erlösen, bespritzen der Audienzteilnehmer im Hochsommer auf dem Petersplatz, Autos abschleppen. Bei Grossbrand ist die vatikanische Feuerwehr auf die Stadtfeuerwehr Roms angewiesen.

Es befinden sich unzählige Rauchmelder im Vatikan und rund 150 Hydranten (Thomas J. Reese, Im Inneren des Vatikan: 500 Hydranten).

Feuerwehrlokal mit Stangen vom Schlafzimmer zu den Autos für das Pikett. Ein sehr altes grosses Auto mit Drehleiter ist vorzufinden. Es kommt aber nicht durch bei Zecca oder Damasushof… aber recht gutes Material. Der Aspirant für den eidg. dipl. Fachmann für Sicherheit und Bewachung (alles Schweizergardisten) macht bei der vatikanischen Feuerwehr die entsprechende praktische Ausbildung.

Wie meisterte man früher das Feuer im Vatikan? In den 80er-Jahren des 18. Jahrhunderts brach in der Wohnung des Staatssekretärs Kardinal Pallavicini Feuer aus, das rasch die darüberliegenden Bodenräume erfasste. Die ganze Schweizergarde eilte zum Löschen herbei, wurde aber erst tief in der Nacht Herr der Lage. Der Kardinal dankte jedem Gardisten mit einem Brief und beigelegten 18 scudi. Der Maggiordomo schickte der Garde 75 Brote und 97 Liter Wein.

Eine zweite Feuersbrunst ereignete sich am Abend des 1. November 1903 in der Wohnung des Präfekten der Vatikanischen Bibliothek. Auch hier kämpften die Schweizergardisten tatkräftig gegen das Feuer, wobei Gardist Alex Murmann wegen seines Mutes und seiner Kaltblütigkeit auf Veranlassung von Oberst Meyer von Schauensee die Verdienst-Medaille Benemerenti erhielt.
www.feuerwehr-weblog.de/archives/2006/02/die_feuerwehrfa_1.html

OR 17 vom 24.04.2009: Die vatikanische Feuerwehr beteiligt sich ebenfalls an den Rettungsarbeiten im italienischen Erdbebengebiet (Erdbeben vom 6. April 2009 in L’Aquila).  Acht Mann der Brandwache des Papstes sind in den Abruzzen im Einsatz. Es sei eine Frage der Pflicht, dass angesichts des Notstands auch die vatikanische Feuerwehrmannschaft Hilfe leiste, sagte Sicherheitschef Domenico Giani. Die Lösch- und Rettungstruppe des Papstes zählt insgesamt 26 Mann, die mit Blick auf den Petersdom teilweise Spezialausbildungen für die Bergung aus hohen Gebäuden absolviert hat.

OR Nr. 43 vom 23.10.2009 (Ulrich Nersinger):
Eine Feuerwehr des Kirchenstaates bestand bereits seit dem Jahre 1810. Sie ist in dem von den Soldaten Napoleons besetzten Roms nach dem Vorbild der „Sapeurs Pompiers“ von Paris entstanden. Nach der Rückkehr des Papstes in die Ewige Stadt und der Wiedererrichtung der Päpstlichen Staaten im Jahre 1815 behielt Pius VII. (Chiaramonti, 1800-23) die Feuerwehr bei, wandelte sie in eine militärische Einheit um und verfügte ihre Eingliederung in die päpstliche Armee. Papst Leo XII. (della Genga, 1823-29) unterstellte die „Vigili del Fuoco“ 1827 dem „Monsignor Governatore di Roma“ und entzog sie damit der Befehlsgewalt der militärischen Autoritäten des Kirchenstaates. Was Disziplin und Ränge anging, behielt das Korps seinen militärischen Charakter.

In den Palästen des Vatikans und des Quirinals befanden sich die beiden zahlenmässig stärksten Abteilungen des Korps. Kleinere Einheiten waren unter anderen bei der Ponte Sant’Angelo, der Kirche Sant’Ignazio (hinter Palazzo Pamphili, Piazza Venezia) und im Palazzo Gaetano stationiert. Bei allen grösseren öffentlichen Veranstaltungen in der Ewigen Stadt hatten Abteilungen des Korps „ex officio“ anwesend zu sein. Die Feuerwehrleute wurden auch zu jeder Theater- und Opernaufführung entsendet. In Rom, aber auch in Bologna und Ancona, wo ebenfalls päpstliche Feuerwehrleute stationiert waren, bewiesen sich die „Vigili Pontifici“ nicht nur im Löschen von Bränden, sondern sie brillierten auch durch die Erfindung neuer Löschgeräte und der Herausgabe richtungsweisender Fachliteratur. In Rom brachten Apparate und Sicherheitsvorrichtungen neue Standards und riefen in ganz Europa Bewunderung hervor. – Von dem Leistungsstand ihrer Feuerwehr überzeugten sich die Päpste durch Feuerwehrübungen und –präsentationen im Vatikan. Das Interesse der Römer an diesen öffentlichen Veranstaltungen war so gross, dass der Zutritt durch Eintrittskarten geregelt werden musste.

Nach der Einverleibung des Kirchenstaates in das Königreich Italien blieb die im Vatikan stationierte Einheit der „Vigili del Fuoco“ in verkleinertem Umfang bestehen. Erst im Jahre 1941 entschloss sich Pius XII. (Pacelli, 1939-58), den „Corpo dei Vigili del Fuoco“ neu zu ordnen. Im Krieg fielen Bomben auf den Vatikan („Der Exgardist“ Nr. 52, ab Seite 93, Alexander Good. →Bomben). Durch den schnellen und professionellen Einsatz der päpstlichen Feuerwehr konnten Brände und der Einsturz von Gebäuden verhindert werden. In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stellte das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) an die Vigili hohe Anforderungen. Der Umbau von St. Peter zur Konzilsaula erzwang ständige Kontrollen der gewaltigen Tribünen, die für die Teilnehmer errichtet wurden.

Neuregelung für die “Vigili“: 2002 ordnete der Papst die vatikanische Feuerwehr der neugeschaffenen „Direktion der Sicherheitsdienste und des Zivilschutzes“ zu. Anwerbung und Ausbildung der Vigili wurden neu geregelt sowie Unterkünfte und Büroräume modernisiert. Die Ausrüstung der Feuerwehr wurde im Laufe der Jahre immer wieder auf den neuesten Stand gebracht – nicht selten durch Geschenke. So übergaben am 28.10.1998 oberösterreichische Feuerwehrleute ihren vatikanischen Kollegen ein neues Fahrzeug. Im November 2005 erhielt Papst Benedikt XI. von DaimlerChrysler Italia einen neuen Löschwagen überreicht, der sich besonders für die engen und verwinkelten Wege der Vatikanstadt eignet. In der Kaserne des Korps befinden sich die zentralen Alarmanlagen des Apostolischen Palastes, die mit allen Nebengebäuden wie den Vatikanischen Museen, der Bibliothek, dem Vatikanischen Geheimarchiv, der Druckerei und der Audienzhalle verbunden sind. Das besondere Augenmerk der Feuerwehr gilt St. Peter. Jeden Abend, nach der Schliessung der Basilika, unterziehen zwei Feuerwehrleute unter Mitwirkung der „Sampietrini“, der Arbeiter der Dombauhütte von St. Peter, das Gotteshaus einer eingehenden Überprüfung. Auch der Brandschutz in den exterritorialen Gebieten des Vatikanstaates obliegt der Kontrolle durch das Korps. Bei kleineren und mittleren Bränden vertraut man im Vatikan auf die Fähigkeit der eigenen Feuerwehr. Für grössere Brände liegt im Governatorat des Vatikanstaates ein Katastrophenplan bereit, der auch den Einsatz italienischer Feuerwehrkräfte mit einschliesst.  Die Statistik zeigt, dass im Jahr im Vatikan kaum mehr als zwei Brände zu verzeichnen sind (Paolo De Angelis, Offizier der Vigili del Fuoco), aber über 600 andere Einsätze im Jahre 2008 bis Ende September.

Die vatikanische Feuerwehr ist der hl. Barbara anvertraut zusammen mit dem hl. Leo IV., der im Jahre 847 beim Brand des Borgo, das Viertel unterhalb des Einganges St. Anna, dem Feuer durch eine Segensgeste Einheit geboten hatte (→Stanzen Raffael, Fresko).  Im Jahre 2008 wurden neu in das Korps aufgenommene Feuerwehrmänner erstmals öffentlich vereidigt.

AS, Vatikanistan, S. 131:
Im Belvedere-Hof ist linker Hand neben dem Osttor auch das vatikanische Feuerwehrkorps zu finden, in Tag- und Nachtbereitschaft. 12 päpstliche Feuerwehrleute und 2 Gruppenführer unter dem Kommando eines Offiziers, allesamt ausgebildet in der zentralen Schule Roms für Brandbekämpfung. 2 Feuerwehrleuten ist die Aufgabe zugeteilt, nach Schliessung der Peterskirche mit Leitern ausgerüstet nachzuschauen, ob sich nicht jemand hinter den Monumenten versteckt hat oder Sprengsätze hinterlegt. Die Ausrüstung besteht aus 3 Feuerwehrautos, einem Abschleppwagen und 2 Leiterfahrzeugen, eine ausgefahren 30 m lang, die andere 12 m. Dazu kommen elektrische Geräte, Pumpen, Gasdetektoren, Schaumlöscher und tragbare Löschgeräte. Die erste hydraulische Pumpe wurde schon unter Pius VII. (1800-23) zu Beginn des 19. Jahrhunderts hier getestet und gesegnet. In der Feuerwehrkaserne befindet sich auch die zentrale Alarmanlage, die mit allen Nebengebäuden verbunden ist.

Aus „1300 Jahre Rom“ von Dr. iur. H. Nauer, 1997, S. 41

70 vor Christus: Das Konsulat hatte Pompeius mit Unterstützung des populären, aber charakterlosen Marcus Licinius Crassus erworben, der unter Sulla zum reichsten Mann Roms mit einem auf 370 Millionen Sesterzen (nach Küntzel rund 2 Milliarden Franken Kaufkraft) geschätzten Vermögen geworden war. Crassus, der ebenfalls 70 zum Konsul gewählt wurde, hielt sich eine 500 Mann starke Feuerwehr, die aber erst eingriff, wenn die Eigentümer des brennenden Hauses und der vom Feuer gefährdeten Nachbarliegenschaften ihm ihre Objekte zu Spottpreisen verkauft hatten. So wurde Crassus zum Eigentümer ganzer Quartiere. Er liess die Häuser durch sein eigenes Baugeschäft erstellen und zu hohen Preisen vermieten, was ihm nicht nur ein ungeheures Einkommen, sondern auch einen entsprechenden politischen Einfluss verschaffte.

20060216 Feuerwehr mit Gartisten Foto Stefan Meier 042

Ein Angehöriger der vatikanischen Feuerwehr hält Schweizergardisten einen Fachvortrag. Sie bereiten sich während der Gardezeit auf  das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis „Sicherheitsfachmann“ vor.

OR Nr. 46 vom 15.11.2019, S. 2
Papst segnet neues Löschfahrzeug für vatikanische Feuerwehr

Vatikanstadt. Vor Beginn der Generalaudienz hat Papst Franziskus ein neues Löschfahrzeug für das vatikanische Feuerwehrkorps gesegnet. Dabei sprach er auch ein Gebet für die 3 italienischen Feuerwehrmänner Matteo Gastaldo, Marco Triches und Antonio Candido, die in der Nacht vom 4. auf den 5. November 2019 bei einer Explosion in der norditalienischen Provinz Alessandria ums Leben gekommen waren.
Das neue Löschfahrzeug ist unter anderem für die Unterstützung der Luftambulanz bestimmt. Diese nutzt den innerhalb des Vatikans gelegenen Hubschrauberplatz bei Notfalleinsätzen für die vatikanische Kinderklinik „Bambino Gesù“ in Rom (Gianicolo).
Ausgestattet ist das Fahrzeug mit einer Doppelkabine und mit 6-Gang-Schaltgetriebe. Es verfügt über einen 550-LiterLöschwasser- und einen 50-Liter-Schaummitteltank. Das Löschmittel kann über einen Wasserwerfer abgegeben werden, der auf dem Fahrerhaus montieret ist. Das Löschfahrzeug ist eine Spende des Münchener Fahrzeugherstellers MAN Truck & Bus an die vatikanische Feuerwehr.

Film(othek) und Kino des Vatikans

OR Nr. 46 vom 13.01.2009

Palazzo S. Carlo. Filmothek als Teil des Päpstl. Rates für die sozialen Kom- munikationsmittel, gegründet von Papst Johannes XXIII.  am 16.11.1959.

Hochinteressante Sammlung von Dokumentar- und Spielfilmen quer durch die Geschichte der laufenden Bilder. Auch ein selten genutzter Kinosaal, der früher eine Kapelle war, gehört dazu: mit 56 ziegelroten Lederfauteuils (seit der technischen Generalüberholung von 2005). Hinter dem Sametvorhang befindet sich ein milchweisser Lederthron für den Papst. Eigentlich findet man alle Filme vor, auch die, die man nicht vermutet. Steven Spielberg z. B. schickt Kopien aller seiner Filme. Grundbestand ist aber das Material zu Papst- und Kirchengeschichte. Stunde für Stunde ist z. B. das II. Vatikanische Konzil dokumentiert.  Heute befinden sich 7’800 Filme in der Datenbank. Mindestens 1’000 warten noch auf die Aufnahme. Lagerräume: vatikanische Tiefgaragen. Der älteste Film stammt aus dem Jahre 1896.

Kath. Missionare haben in den 50- und 60er-Jahren  in entlegenen Erdteilen gefilmt. Hier ist alles davon vorzufinden.

Kinosaal: In der Kapelle des Palazzo San Carlo (rechts neben S. Marta).
2009: Frau Claudia di Giovanni, Filmspezialistin daselbst.

Basler Zeitung vom 8. August 2012, S. 34:
„Quo Vadis*-Filmrolle von 1924 im Vatikan entdeckt

Vatikanstadt. Im Vatikanischen Filmarchiv ist die Kopie einer frühen Verfilmung des Romans „Quo Vadis“ von Henryk Sienkiewicz aufgetaucht. Es handelt sich um eine deutsch-italienische Produktion von Gabriellino D’Anunzio und Georg Jacoby aus dem Jahre 1924. Der Stummfilm war bisher nicht katalogisiert, wie Kathpress unter Berufung auf die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ am Dienstag berichtete. Er sei mit anderen hochentzündlichen Zelluloidrollen lange Zeit bei tiefen Temperaturen gelagert worden, nun müsse das rare Fundstück auf sicheres Material übertragen werden, hiess es. Das vatikanische Filmarchiv wurde 1959 von Papst Johannes XXIII. (1958-63) eingerichtet, um Filme über das Kirchenleben und künstlerisch bedeutende Werke aufzubewahren. Der Bestand umfasst mehr als 7’000 Filme. SDA

Kirche heute  33/2013, S. 9 von Petra Lorleberg

Zeichentrickfilm über Papst Franziskus – Projekt der Neuevangelisierung

Der in bisher 15 Sprachen verfügbare Kurzfilm wurde erst vor zwei Tagen online gestellt und erweist sich in manchen Sprachen bereits als Renner – Die christliche Botschaft wird prägnant zum Zuschauer transportiert. Der Zeichentrickfilm „Treffen Sie Papst Franziskus! (In 4 Minuten)“ führt in Leben und Lebensziele von Papst Franziskus ein. In humorvoller und prägnanter Art wird das Leben von Jorge Mario Bergoglio/Papst Franziskus geschildert. Dabei werden gleichzeitig Kerngedanken der christlichen Botschaft zum Zuschauer transportiert: www.kathtube.com/player.php?id=31808 

OR Nr. 48/49 vom 29.11.2019, S. 3
Das Kino der Päpste wird 60 Jahre alt

Vatikanstadt. Zum 60-jährigen Bestehen des vatikanischen Filmarchivs startet Online-Portal „Vatican News“ eine Kurzvideo-Reihe mit dem Titel „Das Kino des Papstes“. Die sechsteilige Serie soll die Bedeutung der „Filmoteca Vaticana“ verdeutlichen, die am 16.11.1959 auf Wunsch des heiligen Papstes Johannes XXIII. (1958-1963) gegründet wurde. Die Sammlung im Palazzo San Carlo im Vatikan umfasst mehr als 8’000 Filme, insbesondere solche mit religiösem Bezug. Die älteste Aufnahme zeigt Papst Leo XIII. in den Vatikanischen Gärten und stammt aus dem Jahre 1896. Wenige Monate zuvor hatten die Brüder Lumière die ersten Filme überhaupt gedreht.
In der ersten Episode ist die Szene mit Papst Leo XIII. ebenso zu sehen wie etwa Aufnahmen aus einem Film über das Konklave im Jahre 1939 – dem historisch ersten filmischen Einblick in die im Vatikan und der Sixtina laufenden Vorbereitungsarbeiten auf eine Papstwahl. Gezeigt wird unter anderem auch der „Kinosaal“ des Filmarchivs im Herzen des Vatikans, der regelmässig für Filmpräsentationen – manchmal auch im Beisein der Päpste – genutzt wird.
Link zum Video mit deutschen Untertiteln:
www.youtube.com/watch?v=MP76WJ8Ak44

Finanzaufsichtsbehörde, Vatikanische (AIF)

OR Nr. 24 vom 13. Juni 2014, S. 6

Der Papst ernannte zu Ratsmitgliedern der vatikanischen Finanzaufsichtsbehörde (für 5 Jahre): Dr. Maria  Bianca Farina, Geschäftsführerin von „Poste Vita“ und „Poste Assicura“ (Italien); Dr. Marc Odendall, Verwalter von wohltätigen Stiftungen und Finanzberater für den philantropischen Bereich (Schweiz); Joseph Yuvaraj Pilay, Vorsitzender des Rates der Konsultoren des Präsidenten der Republik Singapur (Singapur); Dr. Juan C. Zarate, „senior advisor“ beim Zentrum für strategische und internationale Studien (Csis) sowie Professor für Jura an der Harvard-Universität (Vereinigte Staaten von Amerika);
der Heilige Vater bedankte sich bei dieser Gelegenheit bei: Prof. Claudio Bianchi, Prof. Avv. Marcello Condemi, Prof. Graf Giuseppe Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto, Avv. Francesco De Pasquale, Dr. Cesare Testa.
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat Dr. Tommaso Di Ruzza zum Vizedirektor „ad Interim“ der Finanzaufsichtskommission ernannt. Dr. Di Ruzza war bisher Mitarbeiter der Behörde.

OR Nr. 5 vom 30.01.2015, S. 4
Heiliger Stuhl, 21. Januar 2015

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin ernannte Dr. Tommaso Di Ruzza, Vizedirektor „ad interim“ der Finanzaufsichtsbehörde AIF (Autorità di informazione finanziaria), zum Direktor der Behörde. Er übernimmt damit die Nachfolge des Schweizers René Brülhart, der im November 2015 zum Präsidenten der AIF aufstieg.

bz BASEL vom 28.11.2017, S. 21, Stephan Schuppli
Das gute Gewissen des Vatikans

René Brülhart, Finanzcontroller des Vatikans. Der Leiter der Vatikan-Finanzinformationsbehörde sprach in Basel. Ein kurzes, spannendes Referat. Seit gut 5 Jahren arbeitet René Brülhart (45) in Rom,  an einer der illustersten Adressen im Vatikan. Dort leitet er die Finanzinformationsbehörde AIF. Brülhart ist direkt dem Papst unterstellt. Seine Aufgabe ist und war es, die Vatikanbank, das Istituto delle Opere di Religione (IOR), wieder auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Dies, nachdem das Institut während Jahrzehnten mit Schwarzgeldskandalen und Intrigen Schlagzeilen machte.
Gestern Abend erzählte Brülhart vor der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft aus der Praxis eines Managers, der funktionsbedingt gleichzeitig Spürhund und Jurist sein muss. Und sicher ein guter Diplomat. Als er damals zum Vatikan geholt wurde, habe er sich zuerst einmal monatelang ein Bild machen müssen, was diese Organisation war, was sie ausmachte, wer die Kunden waren. Es herrschte vollkommene Intransparenz (Undurchsichtigkeit).
Nicht nur Freude gemacht. Bis Ende 2010 gab es im Vatikan keine Gesetzgebung gegen die Geldwäscherei. Da hatte man in relativ kurzer Zeit viel Arbeit geleistet, sagte Brülhart. „Wir gingen ‚back to the roots‘ und haben transparent gemacht, was eigentlich Sinn und Zweck des IOR ist.“  Selbstredend unterstützte der Papst, besonders der aktuelle, die Reorganisation des IOR. Sowohl der damalige Generaldirektor und dessen Stellvertreter mussten den Hut nehmen. Geldwäscherei-Verdachtsmeldungen gab es zunächst praktisch keine. 5 Jahre später gab es 1’000. Ausserdem trennte sich die Bank von rund einem Fünftel der Kunden. „Dadurch machte man sich nicht nur Freunde“, meinte er in einem Ausflug von Sarkasmus (beissendem Spot).
Das IOR ist nicht besonders gross. Es werden 5,5 bis 6 Milliarden Euro verwaltet, so viel wie eine kleine Regionalbank. Die heutigen Strukturen erlauben es nur ausgewählten Personen, eine Kundenbeziehung mit dem IOR einzugehen. Kunden sind vorab Geistliche oder Finanzverantwortliche von kirchlichen Institutionen wie Klöster und Orden, Nonnen, Mönche sowie Mitarbeiter des Vatikans. Das IOR beschäftigt rund 110 Mitarbeiter und verdient sein Geld mit Vermögensverwaltungen und Anlagen. Kredite vergibt es nicht.
Das IOR gehört dem Euroraum an, es muss also auch gewissen Normen (wie etwa die gegen die Geldwäsche) übernehmen. Das IOR unterliegt der Länderprüfung, weil der Vatikan, beziehungsweise die Bank von der EU als Hochrisiko-Institut angeschaut wird. Gleichwohl muss sie sich nicht dem ganzen Banken-Reglement der EU, ein enormer Papierberg, unterwerfen. „Wir wären da überfordert und hätten 100 Juristen anstellen müssen.“ Die Bank habe aber versprochen, im Prinzip die EU-Regeln zu befolgen.

OR Nr. 49 vom 07.12.2018, S. 4
Der Vatikan tritt dem Europäischen Zahlungsraum SEPA ei. Demnach vereinfachen sich ab 2. März 2019 bargeldlose Zahlungen über die Grenze, wie aus einer Mitteilung des vatikanischen Presseamtes vom 30.11.2018 hervorgeht. Der Europäische Zahlungsverkehrsausschuss in Brüssel hat der Ausweitung zugestimmt. Der Chef der vatikanischen Finanzaufsicht, René Brülhart, sprach von einem „sehr positiven Zeichen“. Der Anschluss an das SEPA-Verfahren erleichtere und harmonisiere den Zahlungsverkehr und unterstreiche die Bemühungen des Heiligen Stuhles um Finanztransparenz.

Neue Zürcher Zeitung vom 03.10.2019
Medien: 5 Suspendierungen nach Razzia im Vatikan

Unter den 5 Personen ist auch der Direktor der Finanzaufsicht des Vatikans, einer2010 gegründeten Einrichtung, die die Geldflüsse im Vatikan überwachen soll. Anlass der Durchsuchungen sind angeblich Immobiliengeschäfte im Ausland.
(afp) Nach einer Razzia im Vatikan sind laut einem Medienbericht 5 Mitarbeiter suspendiert worden, darunter der Direktor der Finanzaufsicht AIF. Anlass der Durchsuchungen seien Immobiliengeschäfte im Ausland, hauptsächlich in der britischen Hauptstadt London gewesen, berichtete das italienische Magazin „L’Espresso“ am Mittwoch in seiner Onlineausgabe.
Der Vatikan selbst bestätigte lediglich die Beschlagnahme von „Dokumenten und elektronischen Geräten bei der Finanzaufsicht des Vatikan.
+L’Espresso“ veröffentlichte am Mittwoch Daten der Vatikanpolizei mit Fotos und Titeln der „vorsichtshalber Suspendierten“. Darunter sind auch AIF-Direktor Tommaso Di Ruzza und der Chef der Informations- und Dokumentationsabteilung im Staatssekretariat, Mauro Carlino. (…)

bz Schweiz am Wochenende vom 05.10.2019, Ausland, S. 9, D. Straub, Rom
Warum der Papst einen Mafia-Jäger engagiert

Giuseppe Pignatone soll dem Pontifex helfen, die jüngsten Finanzskandale im Vatikan aufzuklären. Diesbezüglich hatte der Papst bislang gar kein glückliches Händchen. Papst Franziskus greift durch: Zur Aufklärung des jüngsten Skandals im Kirchenstaat holt er sich den 70-jährigen Giuseppe Pignatone an seinen Hof. Der Sizilianer ist einer der profiliertesten und erfolgreichsten Mafia-Jäger Italiens und war im vergangenen August nach jahrelanger Karriere im Dienst der Justiz pensioniert worden. (…)

Neue Zürcher Zeitung vom 10.12.2019, Wirtschaft 27,  M. Gyr, D. Bachmann
Die fragwürdige Anlagepolitik des Vatikans

Eine Affäre verschafft Einblick in das Finanzgebaren des Heiligen Stuhles – wo bis vor kurzem ein Schweizer als Aufseher waltete. Die Investitionen in eine Londoner Luxusimmobilie endete für den Heiligen Stuhl mit einem Verlust in dreistelliger Millionenhöhe. Der mutmasslich Verantwortliche wurde nicht etwa zur Verantwortung gezogen, sondern zum Kardinal befördert (Becciu).

OR Nr. 50 vom 13.12.2019, S. 3
Der Papst ernannte am 27.11.2019 zum Präsidenten der Vatikanischen Aufsichtsbehörde AIF: Dott. Carmelo Barbagallo, bisher bei Italienischen Zentralbanken in der Finanzaufsicht sowie Berater für die Beziehungen zum Single Supervisory Mechanism und für die Bekämpfung von Geldwäsche.

Finanzen: Heiliger Stuhl und Staat der Vatikanstadt

→Peterspfennig

Zusammenstellung der Jahresabschlüsse
(aus den jeweiligen L’Osservatore Romano, deutsch)

Jahr                      Heiliger Stuhl                                 Staat der Vatikanstadt

2006                 +  2,4 Mio Euro Gewinn                 +  21,8 Mio Euro Gewinn

2007                 –   9,1 Mio Euro Verlust                  +    6,7  Mio Euro Gewinn

2008                 –   0,9 Mio Euro Verlust                   –   15    Mio Euro Verlust

2009                 –   4    Mio Euro Verlust                   –     8    Mio Euro Verlust

2010                 +  9,9 Mio Euro Gewinn                  +   21,1 Mio Euro (Viganò)

2011                 –  14,9 Mio Euro Verlust                  +   21,8 Mio Euro Gewinn

2012                 +   2,18 Mio Euro Gewinn                +  23,08 Mio Euro Gewinn

2013                 –   24,5 Mio Euro Verlust                  +  33 Mio Euro Gewinn

2014                 –   25,6 Mio Euro Verlust                  +  63,5 Mio Euro Gewinn

2015                 –   12,4 Mio Euro Verlust                  +  59,9 Mio Euro Gewinn

2016

2017

2018

Jahresabschlüsse der Vatikanbank IOR: siehe unter „Bank des Vatikans“

G. Nuzzi, Seine Heiligkeit, ab S. 68:
Korruption in den heiligen Hallen. Bertone entlässt den Prälaten, der im Vatikan Ordnung schaffen soll.

Das entscheidende Treffen zwischen Kardinal Tarcisio Bertone und Carlo Maria Viganò findet am Dienstag, dem 22. März 2011, statt. Viganò, ein lombardischer Prälat mit brüskem (barschem/schroffem) Charakter und einer direkten Art, tritt für Strenge und Transparenz ein und hat in der Vergangenheit in der vatikanischen Diplomatie gedient. Im Juli 2009 hat ihn Benedikt XVI. zum Generalsekretär des Governatorats gekürt, jener Behörde, die sämtliche Anschaffungen (von Benzin bis zu Lebensmitteln), die Auftragsvergabe und die kostspieligen Umbauarbeiten des Vatikans verwaltet. (…)

Erzbischof Viganò ist überzeugt, dass die Erfolge seiner Arbeit im Governatorat unstrittig und unanfechtbar seien. Allein die Zahlen der Bilanz seien eindeutig und  widerlegten sämtliche boshaften Behauptungen und lancierten Fehlinformationen. Aber dem ist nicht so:

Zur vollständigen Widerlegung des Inhalts von besagtem Artikel übermittelte ich Ihnen den Entwurf der Bilanz des Governatorats von 2010. Er weist einen Überschuss von 34’451’797.00 Euro gegenüber  einem Fehlbetrag von 7’815’183.00 Euro aus dem Vorjahr aus, also einen Kapitalzuwachs von 42’266’980.00 Euro innerhalb eines Jahres. (…)

Es läuft, auch mit Beteiligung des oben genannten Finanz- und Wirtschaftsausschusses, ein Versuch, diese Bilanz zu manipulieren, um die positiven Ergebnisse des ersten Jahres meiner Geschäftsführung zu verschleiern. De Paolis ist darüber auf dem Laufenden. Erreicht wurde all dies dank konstanter Bemühungen, die Korruption, die Privatinteressen und die Misswirtschaft zu eliminieren, die in den verschiedenen Verwaltungen weit verbreitet sind. (…)
→Krippe

S. 98:
Viganò: Wir erwogen Einschnitte in speziellen problematisch erscheinenden Bereichen, so bei den Gärten, denen eine umsichtige Leitung fehlte. Es geht weniger um Unregelmässigkeiten als vielmehr um eine fehlende Systematisierung des Kostenmanagements: Wir konnten in einem Jahr die Hälfte, glaube ich, von den bislang üblichen Ausgaben einsparen und so 700’000 Euro für eine gar nicht vorgesehene Massnahme einsetzen: für die Erneuerung des Wärmekraftwerkes.

OR Nr. 28 vom 12. Juli 2007:

2006:  Heiliger Stuhl

Reingewinn 2,4 Mio Euro = rund CHF 4 Mio:
Einnahmen Euro 227,8 Mio
Ausgaben   Euro 225, 4 Mio = Reingewinn Euro 2,4 Mio

Einnahmen:
1. von der „Vatikanbank“: IOR = Istituto per le Opere  di Religione
2. Peterspfennig Peter und Paul: 102 Mio Dollar = CHF 122 Mio
3. Kapitalrenditen aus Anlagen und Immobilienbesitzen
4. Ortskirchenbeitrag gemäss can. 1271 CIC: 24 Mio Euro = CHF 30 Mio

2006: Staat der Vatikanstadt
Reingewinn 2006: Euro 21,8 Mio = rund CHF 36 Mio

Einnahmen:

  1. Museen (durchschnittlich 13’500 Besucher/innen je Tag zu Euro 14,
    Jahreseinnahmen über 90 Mio CHF), Münzen, Briefmarken, Souvenirs,
    Medaillons, Publikationen.
    Kapitalrendite (Staat oder Hl. Stuhl). Abfindung 1929: 91,7 Mio Dollar
  2. Institut IOR (Vatikanbank)

L’Osservatore Romano, deutsche Ausgabe, 18.07.2008:

2007: Heiliger Stuhl

Einnahmen: 236,7 Millionen Euro, Ausgaben: 245,8 Millionen Euro, Verlust: 9,1 Millionen Euro. Die Kosten konnten leicht gesenkt werden, von 126,2 Mio Euro auf 125,4 Mio Euro. Zu berücksichtigen sind dabei die dringend notwendig gewordenen Restaurierungsarbeiten an den Gebäuden der Kongregation für die Evangelisierung der Völker bei der Piazza di Spagna und der Kongregation für die Glaubenslehre (links des Petersplatzes).

Bei den Veranlagungen konnte der Hl. Stuhl 2007 nur mehr einen Überschuss von 1,4 Mio Euro erzielen. Im Jahr zuvor waren es noch 13,7 Mio Euro gewesen. Als Hauptursache für das schlechte Ergebnis wird der plötzliche und drastische Kursverlust des US-Dollars angegeben. Im Immobiliensektor stieg der Überschuss von 32,3 Mio Euro auf 36,3 Mio Euro. Auf diese Weise konnten notwendige Arbeiten bei den vermieteten Immobilien finanziert werden.

Personalkosten Hl. Stuhl: höchster Anteil der Ausgaben. Im Jahre 2007 waren insgesamt 2’748 Personen (→ Angestellte) beschäftigt, 44 mehr als im Jahr zuvor. Unter ihnen 778 Priester, 333 Ordensleute und 1637 Laien. Die Personalkosten betrugen insgesamt 102,5 Mio Euro (je Tag € 280’000).

Der Hl. Stuhl erhielt 2007 u. a. eine anonyme Einzelspende von Euro 14,3 US-Dollar (9 Mio  Euro).

Peterspfennig 2007: 79,8 Mio US-Dollar (50 Mio Euro). An erster Stelle bei den Gebern stehen die USA mit 18,7 Mio Dollar (11,72 Mio Euro). An zweiter Stelle folgen Italien mit 8,6 Mio  US-Dollar und dann Deutschland mit 4 Mio US-Dollar. In der Sparte „Beiträge der Diözesen für die kirchliche Zentralverwaltung“ trugen die deutschen Diözesen mit 9,3 Mio US-Dollar am meisten bei.

2007: Staat der Vatikanstadt

Überschuss von 6,7 Millionen Euro

OR vom 10. Juli 2009: Wirtschaftskrise belastet den Haushalt

2008: Heiliger Stuhl

Der Heilige Stuhl verzeichnet 2008 in seiner finanziellen Bilanz einen Verlust von rund einer Million Euro. Der für die Wirtschaftsfragen zuständige Kardinalsrat erinnerte in diesem Zusammenhang an die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise.

253,9 Millionen Euro Einnahmen
254,8 Millionen Euro Ausgaben    (Personalkosten: der grösste Ausgabenposten)
    0,9 Millionen Euro Verlust

2008: Staat der Vatikanstadt

Verlust von rund 15 Millionen Euro. Keine anderen Bilanzzahlen im OR.

Dafür waren unter anderem hohe Investitionen im Kommunikationsbereich  ausschlaggebend. Ausserdem investierte der Vatikan 2008 in die Restaurierung der Cappella Paolina, die Basilika St. Paul vor den Mauern sowie der Vatikanischen Bibliothek. Personalkosten: der grösste Ausgabenposten.

Der sogenannte Peterspfennig, ein Spendenfonds für die karitativen Aufgaben des Papstes, erzielte im vergangenen Jahr 55,5 Millionen Euro an Zuwendungen. Aufgrund des durch die Wirtschaftskrise veränderten Spendenverhaltens der Einzelnen sei es insgesamt zu einem leichten Rückgang der Zuwendungen gekommen. Die grössten Beiträge für den Peterspfennig stammen aus den USA, Italien und Deutschland.

OR Nr. 29 vom 23. Juli 2010:

2009: Heiliger Stuhl

Rund 250 Mio Einnahmen
Rund 254 Mio Ausgaben
Rund    4 Mio Verlust

Der grösste Teil der Ausgaben entfiel laut Kardinalsrat für Wirtschaftsfragen auf die päpstlichen Dikasterien sowie die Kommunikationsmittel, besonders Radio Vatikan. Wie aus der Aufstellung weiter hervorgeht, brachte der sogenannte „Peterspfennig“ dem Heiligen Stuhl im vergangenen 2009 umgerechnet rund 63,2 Mio Euro ein. Die grössten Spendenbeträge seien aus den Vereinigten Staaten, Italien und Frankreich gekommen. Gemessen an der Katholikenzahl seien zudem die Zuwendungen aus Japan und Südkorea besonders hoch gewesen. Aus den Bistümern flossen weitere 24,9 Mio Euro.  Zudem erhielt der Heilige Stuhl im vergangenen 2009 von der Vatikanbank IOR 50 Mio Euro zur Finanzierung seiner Aufgaben.

2009: Staat der Vatikanstadt

Verlust von rund 8 Mio Euro.

Dies seien rund 7,5 Mio Euro weniger als im Vorjahr. – Die Reduzierung sei vor allem durch Sparmassnahmen erreicht worden, teilte der Kardinalrat mit. Grosse Ausgabenposten seien der Ausbau der Kommunikations-Infrastrukturen sowie die Restaurierungsarbeiten an den Kolonnaden des Petersdoms und an den römischen Basiliken gewesen.

OR Nr. 27 vom 8. Juli 2011:

2010: Heiliger Stuhl

Euro 245,2 Mio Einnahmen
Euro 235,3 Mio Ausgaben
Euro    9,9 Mio Reingewinn

Der Heilige Stuhl hat 2010 eine Haushaltsbilanz mit leichtem Gewinn vorgelegt. Damit hat sich der positive Trend des Jahrs 2009 fortgesetzt, der bereits die negativen Folgen der Finanzkrise von 2008 abfangen konnte. Aus dem Haushalt werden die ordentlichen und ausserordentlichen Ausgaben der römischen Kurienbehörden und der päpstlichen Auslandvertretungen (Nuntiaturen)  bestritten. Den grössten Teil bildeten Personalkosten für die 2’806 Angestellten des Heiligen Stuhles – gegenüber 2’762 im Jahr zuvor.

2010: Staat der Vatikanstadt

Euro 255,9 Mio Einnahmen
Euro 234,8 Mio Ausgaben
Euro  21,1 Mio Reingewinn

Dazu hätten vor allem die gestiegenen Besucherzahlen in den Vatikanischen →Museen beigetragen. (WA: nein, die rigorose Führung durch Erzbischof Viganò führte dazu. Siehe unter „Korruption“. Viganò schlägt dort für 2010 einen Überschuss von € 34’451’797.00 gegenüber einem Fehlbetrag von € 7’815’183.00 aus dem Vorjahr, also einen Kapitalzuwachs von € 42’266’980.00 innerhalb eines Jahres heraus.)

OR Nr. 28 vom 13. Juli 2012:

2011: Heiliger Stuhl

Der Haushalt des Heiligen Stuhles verbucht für das Jahr 2011 ein

Minus von 14,9 Millionen Euro

Das geht aus einem Kommuniqué des zuständigen Kardinalrats hervor. Der Grund für den Fehlbetrag ergebe sich aus der negativen Entwicklung der Weltmärkte, heisst es in der Mitteilung der Kardinäle, die in der vergangenen Woche über die Bilanzen beraten hatten. Den grössten Posten im Haushalt des Heiligen Stuhles machten demnach die Personalkosten für die 2’832 Angestellten sowie die Ausgaben für die Medien aus, darunter der Sender Radio Vatikan.

2011: Staat der Vatikanstadt

Anders als der Haushalt des Heiligen Stuhles, der die Kurienbehörden und die Apostolischen Vertretungen im Ausland einschliesst, wies die Bilanz des Vatikanstaates mit seinen 1’887 Mitarbeitern

Ein Plus von 21,8 Millionen Euro aus.

Der „Peterspfennig“, den die Gläubigen in alle Welt für karitative Aufgaben des Papstes sammeln, verzeichnet dem Kommuniqué zufolge für 2011 einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 67,7 Millionen Dollar auf 69,7 Millionen Dollar. Auch der Betrag, mit dem die Diözesen der Weltkirche zur Unterstützung des Heiligen Stuhles beitragen, sei angestiegen: von 27,4 Millionen Dollar auf 32,1 Millionen Dollar. Die Vatikanbank überwies aus ihrem Gewinn dem Papst für 2011 einen Betrag von 49 Millionen Euro, heisst es im Kommuniqué.

Als besondere Einnahmequelle für den Vatikanstaat erwiesen sich die Vatikanischen Museen. Sie überschritten im vergangenen Jahr 2011 die bisher erlangte Grenze von 5 Millionen Besuchern. Die Einnahmen stiegen somit von 82,4 Millionen Euro auf 91,3 Millionen Euro.

2012: Heiliger Stuhl

Der Haushalt des Heiligen Stuhles verbucht für das Jahr 2012 einen leichten Überschuss in Höhe von 2,18 Millionen Euro. Dieser habe sich vor allem aus den Erträgen der Finanzführung ergeben, teilte der für die wirtschaftlichen Angelegenheiten zuständige Kardinalsrat. – Die grössten Ausgabeposten bildeten demnach die Personalkosten für die 2’823 Kurienmitarbeiter und die vatikanischen Medien. Absolute Zahlen über Ausgaben und Einnahmen legten die Kardinäle nicht offen. Aus Erträgen der Vatikanbank IOR seien 50 Millionen Euro in den Haushalt des Heiligen Stuhles geflossen; dieser wird von dem des Vatikanstaates getrennt geführt.

2012: Staat der Vatikanstadt

Der Haushalt für den Vatikanstaat wies für 2012 einen Überschuss von 23,08 Millionen Euro aus, eine Million mehr als im Jahr zuvor. Ein nicht unerheblicher Teil der Einnahmen stammt traditionell aus Eintrittsgeldern der Vatikanischen Museen. In dem Kleinstaat waren Ende 2012 genau 1’936 Personen beschäftigt.

2013: Heiliger Stuhl

Das Defizit im Jahre 2013 beträgt 24,5 Millionen Euro.

2013: Staat der Vatikanstadt

Im Jahre 2013 betrug das Plus 33 Millionen Euro. Haupteinnahmequelle waren hier die Vatikanischen Museen und Erlöse aus Geldanlagen.

2014: Heiliger Stuhl

Die Bilanz für das Leitungsorgan der katholischen Kirche im Jahre 2014 weist ein Minus von 25,6 Millionen Euro auf, wie der Vatikan am 16. Juli 2015 mitteilte. Haupteinnahmequelle waren demnach die Vatikanbank IOR (50 Millionen Euro) sowie die freiwilligen Abgaben der Diözesen der Weltkirche (21 Millionen). Grösster Ausgabeposten war das Personal. Die insgesamt 2’880 Angestellten kosteten dem Heiligen Stuhl 126,6 Millionen Euro. – Das Nettovermögen des Heiligen Stuhles ist laut der Mittelung um 939 Millionen Euro gestiegen. Als Grund dafür nannte der Vatikan, dass bislang ausserhalb der Bilanz geführte Vermögenswerte und Verpflichtungen berücksichtigt worden seien. Nicht erfasst sei darin jedoch weiterhin der Pensionsfonds für die vatikanischen Angestellten.

2014: Staat der Vatikanstadt

Der Haushalt des Vatikanstaates, darin enthalten ist vor allem die vatikanische Infrastruktur, verzeichnete hingegen für 2014 einen erheblichen Überschuss von 63,5 Millionen Euro. Erstellt wurden die Haushalte für 2013 und 2014 vom 2014 errichteten Wirtschaftssekretariat, das vom australischen Kardinal George Pell geleitet wird. Geprüft wurden sie laut der Mitteilung von einer externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Das Jahr 2014 sei vom Übergang zum neuen Finanzmanagement nach internationalen Standards geprägt gewesen, heisst es in der Mitteilung. Deshalb sei ein Vergleich mit den Vorjahresdaten schwierig. Grundlage seien jedoch noch die alten Prinzipien der Buchführung gewesen.

2015: Vatikan erwirtschaftet Millionenüberschuss
OR Nr. 10 vom 10. März 2017, S. 3: Heiliger Stuhl und Vatikanstaat SCV

Der Vatikan hat einen Überschuss erwirtschaftet. Die Bilanz des Heiligen Stuhles, Leitungsorgan der katholischen Kirche, schloss für das Jahr 2015 zwar mit einem Defizit von 12,4 Millionen Euro, wie das vatikanische Wirtschaftssekretariat am 4. März 2017 mitteilte. Der Vatikanstaat verbuchte in seinem getrennt ausgewiesenen Haushalt jedoch einen kräftigen Überschuss in Höhe von 59,9 Millionen Euro. Haupteinnahmequelle des Heiligen Stuhles war demnach die Vatikanbank IOR. Sie überwies 50 Millionen Euro von ihrem Gewinn. Insgesamt 24 Millionen Euro  steuerten die Diözesen der Weltkirche bei. Der Haushalt des Vatikanstaates wiederum profitierte vor allem vom Erlös der Eintrittskarten für die Vatikanischen Museen.
Der Heilige Stuhl konnte sein Defizit im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbieren. Der Überschuss des Vatikanstaates ging von 63,5 Millionen im Jahr 2014 leicht zurück.
Die Gesamthöhe der beiden Haushalte teilte der Vatikan wie in den Vorjahren nicht mit. Die Bilanzen stellten einen „wichtigen Schritt“ für die wirtschaftlichen Reformen im Vatikan dar und erhöhten die Transparenz. Die Haushalte sind demnach erstmals nach den im  Oktober 2014 von Papst Franziskus eingeführten Richtlinien für Finanzmanagement erstellt worden, die sich nach internationalen Standards richteten, teilte das Wirtschaftssekretariat mit. Die Veröffentlichung der Haushalte für 2015 hatte sich offenbar aufgrund dieser Neuerung verzögert.

OR Nr. 4 vom 20.01.2010:
Kardinäle berieten über Wirtschaftsfragen im Vatikan

Der Heilige Stuhl erwartet sich nach seiner vorläufigen Wirtschaftsbilanz für 2010 einen ausgeglichenen Etat. Auch für 2009 zeichne sich ein leicht besseres  Ergebnis ab als im Jahr davor (0,9 Mio Euro Verlust), heisst es in einer Mitteilung nach den Haushaltsberatungen der Kardinalskommission für Wirtschaftsfragen. Mit diesem positiven Trend sei trotz einem weiterhin schwierigen Gesamtbild zu rechnen. Auch der getrennte Haushalt des Vatikanstaates erlaube nach einer Neustrukturierung einen vertrauensvollen Blick in die Zukunft. Defizitär bleiben nach der Mitteilung die vatikanischen Medieneinrichtungen sowie die Kongregation für die Evangelisierung der Völker, die die Hauptlast der Kirchenfinanzierung in Entwicklungsländern trägt. Notwendig sei eine stärkere Sensibilisierung der Gläubigen zur Unterstützung kirchlicher Einrichtungen, heisst es in der Verlautbarung.

Den grössten Teil im Etat des Heiligen Stuhles machen die Gehälter der 2’668 Angestellten aus; Einsparungen im Personalbereich werden laut den Angaben durch Gehaltsanhebungen wieder wettgemacht. Auf der Gehaltsliste der Verwaltung des Vatikanstaates stehen weitere 1’884 Angestellte.

In die in der vergangenen Woche durchgeführten Beratungen schaltete sich der Mitteilung zufolge zeitweise auch Papst Benedikt XVI. persönlich ein. Geleitet wurde das Treffen der Kardinäle von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone.

OR vom 25.02.2011 Nr.  8:
Vatikan-Haushalt im Zeichen ungewisser Wirtschaftsentwicklung

Die Haushaltbilanz des Vatikanstaates und des Heiligen Stuhles für das laufende Jahr (2011) steht im Zeichen einer ungewissen Entwicklung der Weltwirtschaft. Zwar gebe es deutliche Signale für eine Erholung; die Unwägbarkeiten angesichts des globalen Wirtschaftssystems sowie der steigenden Verwaltungskosten blieben jedoch bestehen, heisst es in einem Kommuniqué. In der vergangenen Woche hatte unter der Leitung von Kardinalsstaatssekretär Tarcisio Bertone der Kardinalsrat getagt, um über organisatorische und wirtschaftliche Fragen des Apostolischen Stuhles.

HK, Ist die Kirche noch zu retten? S. 213:
Glasnost und Perestroika für die Kirchenfinanzen

Begründung: Seit dem Entstehen der römischen Kurie im 11. Jahrhundert zeigten die Päpste ein problematisches Verhältnis zum Geld. Die Reformbewegung von Cluny unterstellte ihre Hunderte von Klöstern direkt dem Heiligen Stuhl und verschaffte ihnen gewaltige Einnahmen und immensen Grundbesitz überall in Europa. Wie andere römische Bischöfe sann auch der grosse Innozenz III. stets auf neue Geldquellen und verlangte sogar von jedem Teilnehmer des 4. Ökumenischen Laterankonzils, ihm ein „Abschiedsgeschenk“ zu machen. Besonders die neue päpstliche Residenz und Kurie in Avignon (1309-77) während des Grossen Schismas erforderten Unsummen von Geld.. Deswegen wurde ein ausgeklügeltes Abgaben- und Gebührensystem entwickelt, das zum Teil bis heute beibehalten wurde. Der dann von Leo X. aus dem Handels- und Bankhaus der Medici zur Finanzierung des Neubaues der Peterskirche initiierte Ablasshandel war unmittelbarer Anlass für Martin Luthers Thesen.

An Finanzskandalen (und bescheidenen Finanzreformen) fehlte es der römischen Kurie auch in der Neuzeit nicht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte Papst Leo XIII. (1878-1903) in enger Verbindung mit der Banco di Roma die Kommission „Ad pias causas“ („für wohltätige Zwecke“) gegründet und so ein vatikanisches Engagement an den Börsen von London, Paris und Berlin möglich gemacht. Daraus ging unter Papst Pius XII. (1939-58) 1942 das „Istituto per le Opere di Religione“ (IOR: „Institut für Werke der Religion“), die eigentliche Vatikanbank hervor, die freilich höchst verborgen operierte und bis in unsere Tage auch auf der Homepage des Vatikans überhaupt nicht verzeichnet war.

Schon unter dem Pontifikat Pauls VI. (1963-78) und Johannes Pauls II. (1978-2005) aber kamen riesige Finanzskandale ans Licht. Über das dabei führende verbrecherische Trio ist viel geschrieben worden. Es sind:

  • der Amerikaner Msg. Paul Marcinkus, zum Chef des IOR und Titularbischof aufgestiegen
  • der sizilianische Mafiabankier und Geldwäscher Michele Sindona, Berater
    von Marcinkus
  • Robert Calvi, der Chef der Banco Ambrosiano, der grössten Privatbank
    Italiens, die 1987 mit einem Riesenverlust von rund 3 Milliarden Dollar
    in Konkurs ging

Der Erzbischof wurde durch den Vatikan vor der Verhaftung durch die italienische Justiz geschützt und nach einem längeren Aufenthalt im Vatikan in aller Stille in die USA abgeschoben. Der Mafiabankier endete in einem italienischen Gefängnis an einem vergifteten Espresso, entweder durch Mord oder Selbstmord. Der „Bankier Gottes“ Calvi wurde 1982 unter einer Londoner Themsebrücke erhängt aufgefunden. Deshalb fand im selben Jahr die erste italienische Untersuchung der vatikanischen Finanzen statt.

Und der Vatikan? Dort rührte niemand einen Finger zur Aufklärung der verbrecherischen Aktivitäten, aber als Hauptaktionär des Banco Ambrosiano zahlte der Vatikan „freiwillig“, ohne eine Schuld zuzugeben, 240 Millionen Dollar. Kardinal Joseph Ratzinger, seit 1981 als Chef der Glaubenskongregation im vatikanischen Machtzentrum, konzentrierte sich auf den Kampf gegen die lateinamerikanische Befreiungstheologie und leitete ein Verfahren gegen den hochverdienten brasilianischen Theologen Leonardo Boff.

Eine neue Situation entstand 2009 durch die Veröffentlichung von mehr als 4’000 Originaldokumenten: Buchungsbelege, Briefe, Aufsichtsratsprotokolle, Nummern, Konten, Bilanzen – aus dem Geheimarchiv des gewissenhaften Msgr. Renato Dardozzi (1922-2003), Beauftragter des päpstlichen Staatssekretariates für das IOR und somit in alle vatikanischen Finanzgeheimnisse eingeweiht. Er hielt sich lebenslang loyal an seine Schweigepflicht, aber sein letzter Wille lautete: „Diese Dokumente sollen veröffentlicht werden, damit alle erfahren, was hier geschehen ist.“ Aus Sicherheitsgründen in einem Tessiner Bauernhof versteckt, wurden die Dokumente nach Dardozzis Tod in Italien registriert und fotokopiert. Im Jahr 2009 wurden im Auftrag der Testamentsvollstrecker die wichtigsten davon kommentiert veröffentlicht durch den Journalisten Gianluigi Nuzzi unter dem Titel „Vaticano S.p.A.“, deutsche Ausgabe „Vatikan AG“ (Ecowin, Salzburg, 2010). Untertitel: „Ein Geheimarchiv enthüllt die Wahrheit über die Finanz- und Politskandale der Kirche.“ Seither weiss man genau Bescheid über die Verdunkelungsstrategien, Ströme von Schmiergeldern und Geheimkonten italienischer Spitzenpolitiker, insbesondere Andreottis, und anderer Prominenter.

Die Veröffentlichung war ein gewaltiger Schock für die Herren im Vatikan. Papst Benedikt XVI. und sein Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone sahen sich zum Handeln herausgefordert. Denn von dem im Mai 2009 erschienen Buch wurden in Italien in wenigen Monaten 250’000 Exemplare verkauft. Im Vatikan erfolgten daraufhin einschneidende Veränderungen: Der seit 20 Jahren amtierende Chef des IOR, Angelo Caloia, wurde vorzeitig „entlassen“, als neuer Präsident der ebenfalls Opus-Dei-nahe Ettore Gotti Tedeschi, ein Freund Bertones, eingesetzt. Der Posten eines „Prälaten“ des IOR –  Zentrum der skrupellosen Finanzoperationen – wurde abgeschafft, und der aktuelle Inhaber (früher Privatsekretär des Kardinalstaatssekretärs Sodano) als Nuntius nach Afrika verpflanzt.

S. 216: Doch politisch und juristisch folgenreich: Für den bisher so sehr auf absolute Geheimhaltung bedachten Vatikan sah sich der neue Chef des IOR, Gotti Tedeschi, gezwungen, am 29. November 2009 ein Übereinkommen zu unterzeichnen, dass der Vatikan nunmehr die in der EU geltenden Gesetze zur Verhinderung von Geldwäsche mitträgt: „Der Staat der Vatikanstadt verpflichtet sich, durch direkte Umsetzung oder gleichwertige Schritte alle zweckdienlichen Massnahmen zu treffen, damit alle einschlägigen gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften zur Verhinderung von Geldwäsche, Betrug und Fälschung von Bargeld oder bargeldlosen Zahlungsmitteln anwendbar werden. Er verpflichtet sich weiterhin, alle einschlägigen gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften im Banken- und Finanzsektor umzusetzen, wenn und insofern im Staat der Vatikanstadt ein Bankensektor geschaffen wird“. – Das Übereinkommen trat am 1. Januar 2010 in Kraft. Damit schien alles in Ordnung …

Aber was geschah? Im Oktober 2010 ging eine Nachricht durch die Medien, die im Vatikan „Bestürzung und Staunen“ auslöst: die römische Staatsanwaltschaft ermittle wegen Verdacht der Geldwäsche gegen die Vatikanbank. 23 Millionen Euro nicht deklarierte Gelder seien aus dem Vatikan auf das Konto einer italienischen Bank geflossen und deshalb beschlagnahmt worden. Gegen die neuen Verantwortlichen des IOR, Präsident Gotti Tedeschi und Generaldirektor Paolo Cipriani, wurde ein Gerichtsverfahren eingeleitet; sie wurden zum Verhör geladen. Die früher oft missbrauchte vatikanische Immunität („Wir sind ein souveräner Staat“) fand bei ihnen keine Anwendung. Sie konnten den Richtern Herkunft und Zweck der beschlagnahmten Millionen nicht befriedigend erklären. Seither behandeln die italienischen Institutionen die Vatikanbank wie eines jener obskuren (fragwürdig, verdächtig) Off-Shore-Institute , die in der Karibik oder anderswo als Steuerparadiese dienen. Der Fall liegt jetzt beim italienischen Obersten Gericht.

S. 217: Verfolgt von einem italienischen Gerichtsverfahren und bedroht von EU-Sanktionen entschlossen sich Papst Benedikt XVI. und die zuständigen Kurienleute, ihre Reform des vatikanischen Finanzwesens energisch voranzutreiben. Genau 30 Jahre sind es her, seit Kardinal Joseph Ratzinger in den innersten Zirkel der kurialen Macht eingetreten ist, und seit mehr als 5 Jahren ist er Papst – Zeit genug also, aber jetzt eilte es! Mitten in der Weihnachtszeit, am 30. Dezember 2010, kündigte der Papst in einem “Apostolischen Brief“ mit Wirkung auf den 1. April 2011 die Einsetzung einer Aufsichtsbehörde („Financial Information Authority“) und den Erlass neuer strenger Gesetze und Strafen für sämtliche Kurienorgane an (auch für die Kongregation für die Evangelisierung der Völker, die mit ihrem grossen Grundbesitz ebenfalls Objekt eines Gerichtsverfahrens ist). Ziel der päpstlichen Aktion: „die Vorbeugung und Abwehr illegaler Aktivitäten auf dem Feld des Finanz- und Währungswesens“ zu gewährleisten.

Was vor einiger Zeit vom Kreml gefordert wurde, darf doch wohl angesichts eines völlig undurchsichtigen Finanzgebarens auch von der Zentrale der katholischen Kirche erwartet werden:

  • „Glasnost“ (russ.: „Öffentlichkeit“): gerade der Vatikan sollte sich um „Transparenz“ in seinem Finanzwesen und ehrliche Information der Öffentlichkeit bemüht zeigen.
  • „Perestroika“ (russ.: „Umbau“): der Vatikan sollte sich für eine „Umstrukturierung“ des vatikanischen Finanzwesens und eine „Umgestaltung“ oder „Neuorientierung“ seiner Finanzpolitik engagieren.

Dies verlangt auch die Europäische Union in jenem, am 29.11.2009 abgeschlossenen und 2010 in Kraft getretene Abkommen mit dem Vatikan.

OR Nr. 1 vom 3. Januar 2014, S. 2

… Zugleich hat die Kommission zur Berichterstattung über wirtschaftliche und administrative Angelegenheiten die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG engagiert, um die Buchhaltung aller vatikanischen Einrichtungen an internationale Standards anzugleichen. Die Vergabe beider Aufträge (siehe „Kommunikation“) sei nach einer Ausschreibung erfolgt, wie der Vatikan hervorhob.

SRF1, Eco, 04.06.2018, 10.55 Uhr
Der Vatikan, sein Geld und seine Probleme

Geschätztes Vermögen: 12 Milliarden Euro. Zuwachs im Jahre 2014 allein: 990 Millionen Euro.
www.srf.ch/sendungen/eco/der-vatikan-sein-geld-und-seine-probleme

→Bank des Vatikans (IOR)
→Nuzzi Gianluigi, Finanzen und Wirtschaft des Vatikans

Finanzen in der Weltkirche

bz Basellandschaftliche Zeitung vom 20.12.2014, S. 7 Ausland, von Dominik Straub, Rom
Der Bettelorden ist bettelarm: Franziskaner, der Orden tätigte dubiose (zweifelhafte) Finanzgeschäfte (…)

Ordensgründer Franz von Assisi würde sich im Grab umdrehen, wenn er das wüsste: Der von ihm gegründete Bettelorden ist durch dubiose Finanzgeschäfte an den Rand des Ruins geraten. Die Führung in Rom bestätigte die Probleme – und bittet die Mitbrüder in der ganzen Welt um Hilfe bei der Deckung des Finanzlochs. In einem Brief an alle Mitbrüder zeigt sich der Generalminister des Franziskaner-Ordens, der Amerikaner Michael Perry, besorgt: Es gehe um die „finanzielle Stabilität des Ordens und seines Vermögens“. Die Schwierigkeiten seien ernst, die Schulden und die dafür aufzubringenden Zinsbelastungen beträchtlich. Man könne auch sagen: Der Orden steht am Rande eines Konkurses.
Schweizer Justiz ermittelt. Grund für den Schlamassel sind, wie Perry selber einräumt, „dubiose Finanzoperationen“. Laut italienischen Medien hat der Bettelorden, der wie kein anderer dem Armutsideal verpflichtet ist, hohe Beträge in Gesellschaften investiert, gegen die inzwischen wegen trüber Geschäfte wie Waffen- und Drogenhandel ermittelt werde. Die Schweizer Justizbehörden hätten bereits mehrere Konten mit Dutzenden von Millionen Euro, die auf den Orden zurückzuführen seien, beschlagnahmt. Als grosse Belastung hätten sich ausserdem der Kauf und die Renovierung eines luxuriösen Hotels mit Blick auf den Petersdom herausgestellt. Eine zentrale Rolle scheint der frühere Schatzmeister des Ordens, Pater Giancarlo Lati, gespielt zu haben. Der 62-Jährige hatte auch einmal eine Führungsposition bei der Skandalbank Monte die Paschi di Siena inne. Die Bank musste 2013 von der Regierung Monti wegen halsbrecherischer Derivatgeschäfte (Finanzprodukte, die von traditionellen Wertpapieren wie Aktien, Anleihen u. Ä. abgeleitet sind)  mit einem 4-Milliarden-Euro-Kredit gerettet werden. Bei dem Debakel hätten aber auch eine Reihe von ordensfremden Personen eine „massgebliche Rolle“ gespielt. Die zivile Justiz werde deshalb eingeschaltet.
(Der Franziskaner-Orden entwickelte sich zwischen 1210 und 1220 in Italien aus der Bruderschaft um Franziskus von Assisi. Die Franziskanertracht erkennt man an den graubraunen Kutten mit Kapuze. Anstelle eines Gurtes tragen die franziskanischen Ordensbrüder einen weissen Strick mit drei Knoten. Diese stehen für die Gelübde Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. – In der Schweiz zählt der Orden derzeit 25 Mitglieder in 3 Klöstern.)

Schweizerische Kirchenzeitung 27-28/2017 Juli, S. 372
500’000. – Der frühere Abt der Benediktinerabtei Montecassino muss sich wegen des Vorwurfs der Unterschlagung von 500’000 Euro vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Pietro Vittorelli (54) vor, das für das Kloster und das gleichnamige Bistum bestimmte Geld auf sein eigenes Konto umgeleitet zu haben., wie italienische Medien am 27.06.2017 berichteten.

Finanzgeschäfts-Gesetz in Kraft getreten

OR Nr. 14 vom 8. April 2011

Im Vatikan ist am 1.April 2011 das „Finanzgeschäfts-Gesetz“ in Kraft getreten, mit dem Geldwäsche und Terrorismusunterstützung verhindert werden soll. Basis des Gesetzes ist das „Motu proprio“ über „Vorbeugung und Abwehr illegaler Aktivitäten im Bereich des Finanz- und Währungswesens“, das Papst Benedikt XVI. am 30. Dezember 2010 erlassen hatte.

Darin wurde

  • die Einführung EU-konformer Standards für eine grössere Transparenz aller finanziellen und wirtschaftlichen Aktivitäten und
  • die Übernahme der internationalen Bestimmungen zur Vorbeugung unlauterer Finanzgeschäfte

festgelegt. Die neu geschaffene Aufsichtsbehörde „Autorità Informazione Finanziaria (AIF) überwacht nun die Einhaltung der Kriterien. Verstösse gegen das neue Anti-Geldwäsche-Gesetz können nun mit Geld- oder Haftstrafen geahndet werden. Das AIF kontrolliert dabei nicht nur die Vatikanbank IOR, sondern auch die Vermögensangelegenheiten anderer vatikanischer Einrichtungen. Eine AIF-Verordnung schreibt vor, dass Bargeldbeträge von 10’000 Euro und mehr nur dann über die vatikanische Staatsgrenze transportiert werden können, wenn dies angemeldet ist.

OR Nr. 28 vom 12. Juli 2013, S. 2
Vatikanische Finanzaufsicht wird Mitglied in „Egmont Group“

Der internationale Anti-Geldwäsche-Verband „Egmont Group“ hat die vatikanische Finanzaufsicht AIF als Vollmitglied aufgenommen. Die Entscheidung sei bei der Vollversammlung der Vereinigung im südafrikanischen Sun City gefallen, heisst es in einer Mitteilung. Die Aufnahme sei eine „Anerkennung für die systematischen Bemühungen des Heiligen Stuhls und des Vatikanstaates bei der Aufspürung und der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“, betonte AIF-Präsident Brüllhart in einer Erklärung. Sie ermögliche es dem Vatikan, sich noch intensiver am Kampf gegen die Finanzkriminalität zu beteiligen.

OR Nr. 34 vom 23. August 2013, S. 1
Papst erweitert Massnahmen gegen Geldwäsche im Vatikan

Papst  Franziskus dehnt sein Vorgehen gegen unlautere Finanzgeschäfte im Vatikan aus. In einem Erlass in Form eines „Motu proprio“ („Aus eigenem Antrieb“) verkündete er erweiterte Regeln im Kampf gegen Geldwäsche sowie gegen die Finanzierung von Terror und Massenvernichtungswaffen. Demnach sollen künftig die im Finanzbereich des Vatikans geltenden Gesetze auf alle Behörden und Einrichtungen des Kirchenstaates angewendet werden. Dies gelte auch für vatikanische Non-Profit-Organisationen mit eigenem Rechtsstatus. Die Kompetenzen der vatikanischen Finanzaufsichtsbehörde AIF werden erweitert. Sie ist fortan für alle vatikanischen Einrichtungen mit regelmässigen Finanzaktivitäten zuständig. Damit folge Franziskus einer Empfehlung des Moneyval-Komitees des Europarates, so der Erlass. Zusätzlich bestimmt das „Motu proprio“ die Gründung eines Komitees für Finanzsicherheit, das die Kontrollmassnahmen der zuständigen Vatikanbehörden gegen Geldwäsche, Terrorfinanzierung und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen koordinieren soll. Das Päpstliche Schreiben ergänze das „Motu proprio“ von Papst  Benedikt XVI. aus dem Jahr 2010 gegen illegale Finanzgeschäfte und zur Beachtung internationaler Normen, heisst es in dem Dokument.

OR Nr. 43 vom 25. Oktober 2013, S. 4

Der Vatikan verschärft die Kontrolle seiner Finanzgeschäfte. Es wurde ein neues Aufsichtsgremium für die Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA) eingerichtet. Deren ausserordentliche Abteilung, die sich unter anderem um die Kapitalanlagen des Vatikans kümmert und in Kontakt mit internationalen Grossbanken steht, wird künftig von einem „Supervisor Board“ überwacht. Das Gremium besteht laut Mitteilung aus bisherigen Beratern der APSA (Amministrazione del Patrimonio della Sede Apostolico).

OR Nr. 44 vom 1. November 2013, S. 3

Vatikanstadt. Der Vatikan hat seine Finanzgeschäfte transparenter gemacht. Zu diesem Ergebnis kommt die Rating-Agentur „Standard Ethics“ in ihrem veröffentlichten Länder-Rating. Darin stuft sie den Vatikan von „EE-“ auf „EE“ hoch. Der Kleinstaat habe sich internationalen Standards für Transparenz und Rechnungsprüfung angenähert, heisst es in einer Mitteilung der in London und Brüssel ansässigen Agentur. Das Rating „EE“ bedeutet, dass der Vatikan über dem Mittelfeld liegt. Die beste Bewertung „EEE“ haben nur 4 Staaten erhalten: Dänemark, Island, Norwegen und Schweden. Deutschland, Österreich und 9 weitere Staaten wurden mit „EEE-“ beurteilt.

OR Nr. 47 vom 22. November 2013, S. 1
Weitere Verschärfung der Normen gegen Geldwäsche

Papst Franziskus hat die vatikanischen Normen im Kampf gegen illegale Finanzaktionen und Geldwäsche weiter verschärft. Am 18. November 2013 wurde das neue Statut für die Finanzaufsichtsbehörde AIF (Autorità Informazione Finanziaria) veröffentlicht. Es weitet die bisherigen Kompetenzen und Aufsichtsfunktionen des im Dezember 2010 gegründeten AIF auf alle Vatikanbehörden mit regelmässigen Finanzaktionen aus. Das neue Statut klärt insbesondere die Rolle und Verantwortlichkeit des Vorstands sowie der Direktion der Vatikanbank. In einem das Statut begleitenden Kommmuniqué  heisst es, das neue Statut beziehe sich u. a. auf Anregungen der im Juni 2013 neu errichteten Kommission zur Reform der Vatikanbank unter Leitung von Kurienkardinal Raffaele Farina. Der Erlass wurde jetzt – wie bereits das Gründungsstatut des AIF – durch ein Apostolisches Schreiben des Papstes in Form eines Motu proprio (mit eigenem Antrieb) verfügt.

Finanzielle und wirtschaftliche Katastrophe im Vatikan

Nuzzi, Gianluigi, Alles muss ans Licht

Finnische Botschaft beim Hl. Stuhl

 →Lante

Firmung

Firmung auf einem Altarbild des Rogier van der Weyden, 4. Jh.

Katholische Wochenzeitung 30-32 2014 Juli, S. 5, kath. net/
„Ich habe mich entschieden, bei der diesjährigen Firmung nicht dabei zu sein. Dies sind  meine Gründe …“
Pfarrer Andreas Gschwind (Bistum Basel) informierte seine Pfarrei via das Pfarrblatt des Dekanats Olten über seine Schwierigkeiten mit dem aktuellen Firmsystem:

Liebe Pfarreiangehörige
Ich habe mich entschieden, bei der Firmung nicht dabei zu sein. Dies sind meine Gründe:

  • Ich kenne die diesjährigen Firmlinge überhaupt nicht. N.N. hat die Firmlinge sicher gut vorbereitet.
  • Leider waren aber die ausserschulischen Zusammenkünfte so platziert,
    dass ich kaum an Treffen teilnehmen konnte.
  • Für Beichtgespräche ist auch keine Zeit eingeplant worden.
  • Mit wenigen Ausnahmen haben die Firmlinge an keinem Gottesdienst
    während des Jahres teilgenommen. Man sagt ihnen immer wieder, dass
    alles freiwillig sei.
  • So komme ich mir bei der Firmung vor wie ein Schirmständer neben dem
    Firmspender oder wie ein Ölgötze (Duden: stumm, unbeteiligt dasitzen),
    der stumm und dumm rumsteht und das Gefäss mit dem Öl für die Salbung  bereithält. Als Priester möchte ich Mittler der Frohen Botschaft sein und  nicht lediglich ein Zwischenhändler.

Von N.N. habe ich erfahren, dass dieses Jahr unter anderem einige Kappeler (Gemeinde Kappel in der Nähe Oltens CH) sehr uninteressiert und unmotiviert sind. Für mich ist schon lange klar, dass man die Firmung nicht mit 15 oder 16 Jahren, auch nicht mit 18 Jahren spenden sollte. Ich wäre für eine Firmung ab 20 im ganzen Bistum, wo die jungen Erwachsenen sich in ihrem Pastoralraum für den Firmkurs anmelden. – Wir kommen mit etwas, das unsere Jugendlichen in diesem Alter gar nicht interessiert. Der deutsche evangelische Theologe und Märtyrer Dietrich Bonhoeffer hat gesagt, dass wir das Evangelium erst überreichen dürfen, wenn danach gefragt wird. Aber so handeln wir ja heute gar nicht. Wir überreichen ständig, ob wir danach gefragt werden oder nicht. Und ich glaube, wenn wir ständig etwas weggeben, indem wir es immer Menschen verteilen, obwohl sie gar nicht minimal danach fragen, machen wir etwas kaputt. Wir machen sogar das Evangelium kaputt. – Noch etwas: Kürzlich war ich in einer Familie eingeladen. Nach dem Essen haben wir alle eine Lektion des Youcat-Firmkurses durchgearbeitet. Es war auch spannend für die Eltern. Das hat mir Freude bereitet.
Der Autor ist bis in den Sommer Pfarrer der Pfarreien Kappel-Böningen und Gunzgen im Bistum Basel.

Kommentar:
Pfarrer Andreas Gschwind – übrigens regelmässiger Gastreferent bei Radio Maria Deutschschweiz – bringt die Sache auf den Punkt. Was er vom Sakrament der Firmung sagt, gilt *mutatis mutandis auch für die übrigen Sakramente, die mit einem „Volksfest“ verbunden sind: Ob Taufe, Erstkommunion oder Hochzeit – nur wenige sind noch der eigentlichen Bedeutung dieser Sakramente bewusst, sondern finden es einfach schön, einen Anlass für ein Fest zu haben. Hier ist seitens der Kirche dringend eine Änderung der gängigen Praxis gefordert. Es darf nicht sein, das sich Priester zu „Schirmständern“, um mit Pfarrer Gschwind zu sprechen, degradieren lassen und die Sakramente zum Aktionspreis verschleudern. – Dass es überhaupt so weit kommen konnte, liegt an der schizophrenen (geistig-seelische Störung) Situation der Kirche im „christlichen“ Abendlandes. Man pflegt kirchliche Strukturen, die für eine flächendeckend christliche Gesellschaft angelegt, aber heute im Zeitalter der „Diktatur des Relativismus“ (Erkenntnisse sind relativ, sie gelten nicht allgemein) nur noch Fassade sind. Stolz spricht man davon, wie viele Katholiken eine Pfarrei habe, und vergisst dabei, dass diese „Katholiken“ längst stillschweigend von der Kirche Abschied genommen haben, auch wenn sie vielleicht einmal getauft worden sind und ihre Kirchensteuern bezahlen. Letzteres scheint ohnehin wichtiger zu sein als den Weg mit Jesus Christus und seiner Kirche zu gehen! Ändern kann sich dies erst, wenn alle oder zumindest viele Priester so handeln wie Pfarrer Gschwind. Dann ist es nämlich nicht mehr so einfach, die Sakramente zum Billigpreis zu erwerben. Solange man einem „sturen“ – sprich: kirchentreuen – Priester entkommen kann und in der Nachbarpfarrei einen willfährigeren findet, werden Taufen, Erstkommunionfeiern, Firmungen und Eheschliessungen auch weiterhin nach dem Giesskannenprinzip durchgeführt. Martin Meier
*mutatis mutandis. Wörtlich: nach Änderung des zu Ändernden. Die Formel wird gebraucht, wenn es sich um Vergleiche handelt und bedeutet so viel wie: den gegebenen Verhältnissen entsprechend, sinngemäss, im Vergleich zu einer anderen Sache, mit Berücksichtigung der Verschiedenheiten, mit den notwendigen Änderungen. (Nach Alfred Sellner, Latein im Alltag, 1980, VMA-Verlag, Wiesbaden)

Fischerring des Papstes

 →Kleidung

Fischzucht des Vatikans

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan:
Viehzucht, Milchwirtschaft und Weinbau sind seit Kriegsende ausgelagert worden, sodass – mit Ausnahme einer kleineren Fischzucht im „Brunnen des Sakramentes“ neben der Casina Pio IV. Während des Pontifikates von Johannes Paul II. (1978-2005) kam es zu einem Zwischenfall, als eine Gruppe deutscher Behinderter einen Goldfisch im „Brunnen des Sakramentes“ fing und ihn im Weihwasserbecken des Petersdomes aussetzte.

Vatikangärten: In einigen Brunnen wurden in der Vergangenheit Forellen, Hechte, Flussbarsche und Karpfen gehalten. Im Galeerenbrunnen gab es ein Becken, das dazu diente, den Fisch für den Papst frisch zu halten. Später wurde das Becken unter die „Casina Pio IV“ verlegt. Bis vor 4 Jahren wurden die Fische, die an den Papst verschenkt wurden, dort gehalten (Zeit von Johannes Paul II.)  Am vergangenen 16. Juli 2009 sind in diesem Brunnen 10 Wasserschildkröten (Rotwangenschmuck-Schildkröten) im Alter zwischen 7 und 10 Jahren ausgesetzt worden. Diese Schildkröten sind auch in den Mosaiken über dem Brunnen dargestellt, die von den Grotesken (d. h. in den fantastisch geformten Tier- und Pflanzenverzierungen der Antike und der Renaissance) in der Domus Aurea des Kaisers Nero inspiriert sind.

Im Klippenbrunnen (hinter dem Governatorat) gab es in der Vergangenheit keine Fische. Vor einiger Zeit sind dort Goldfische der Spezies Carassius auratus L. eingesetzt worden. Dann gibt es die gemeinen Erdkröten der Spezies Bufo bufo L. Auch Amphibien, von denen jedes Weibchen im Mai bis zu 10’000 schwarze Eier in den Brunnen ablegt. Daneben gibt es einige grüne Wasserfrösche der Gattung Rana esculenta L. sowie Ringelnattern, ungiftige Schuppenkriechtiere der Spezies Natrix Natrix L., die eine  Länge von bis zu 120 cm erreichen können.
→Brunnen   →Tiere  →Fauna und Flora

Fixierung des Papstleichnams

→Konservierung