Fa bis Fi

Fahne/Flagge des Vatikans

→ Nationalfahne

Fahne des Schweizergarde-Kommandanten

Sie unter dem Register „Fa bis Fi“ das Unterregister „Fahne Gardekommandant“

Fahnen und Farben, Päpstliche

Ulrich Nersinger, Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof, Seite 166
Auch : → Gelb – weiss

  1. Mit dem Beginn des 10. Jh. tauchen Bezeichnungen auf wie Fahne des heiligen Petrus, Fahne des Apostolischen Stuhles, Fahne des Papstes oder Römische Fahne.  Das älteste Fahnensymbol der Päpste dürften die Schlüssel Petri sein. Im 10. Jahrhundert führten die päpstlichen Truppen im Kampf gegen die Sarazenen ein Banner mit den Schlüsseln, die „Petrusfahne“, mit sich.
  2. Berühmt waren die mit dem Abzeichen der Schlüssel ausgestatteten Soldaten Papst Gregors IX. (di Segni, 1227-41), die von ihren Zeitgenossen als „Clavesignati – Schlüsselsoldaten“ bezeichnet wurden.
  3. Zur Fahne von Innozenz III. (1198-1216) merkte Carl Erdmann in seinem 1931 erschienenen Artikel „Das Wappen und die Fahne der Römischen Kirche“ an: Die Farbenzusammenstellung, das weisse Kreuz auf rotem Grund, ist kein Zufall. Denn das gleiche Abzeichen fand sich seit dem Ende des 12. Jahrhunderts auf den Fahnen des Kaisers, mit denen er zu Felde zog und Belehnungen seiner Anhänger in Italien ausführte. Die Fahnen kaiserlicher und päpstlicher Truppen, die sich oft genug bekämpften, waren also in der Hauptsache gleich, nur dass die päpstlichen noch als weiteres Emblem die Schlüssel enthielten. Das kann nicht ohne Absicht gewesen sein. Die Papstfahne mit dem Kreuz und den Schlüsseln bringt den Gedanken der Zweischwertertheorie zum Ausdruck: die höchste geistliche und weltliche Gewalt liegen vereint in der Hand des Papstes.
  4. Mit dem Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert taucht ein weiteres Fahnenzeichen auf, das conopoeum – im deutschen Sprachraum oft als „Basilikenschirm“ bezeichnet. Es ist ein Baldachin in der Form eines grossen Zeltschirmes, der in Rom bei feierlichen Papstprozessionen mitgeführt wurde. Dem Conopoeum liegt wohl der Gedanken an das Zelt Gottes, das tabernaculum, zu Grunde, das im Alten Testament die Stiftshütte und danach in den liturgischen Büchern des Christentums entsprechend der Typologie des Hebräerbriefes die Kirche bezeichnet. – Auf Fahnen wurde und wird das Conopoeum in der Regel rotgelb gestreift dargestellt.
  5. Eine grosse Schwierigkeit in der kirchlichen Flaggenlehre ergibt sich dadurch, dass von den Päpsten drei verschiedenartige Fahnen benutzt wurden: ihre eigene, die der Päpstlichen Staaten und das Banner der Kirche, das einen speziellen Rang einnimmt. Seit der Karolingerzeit (ab 7. Jahrhundert) – vielleicht schon früher – besass die Kirche ein Banner, das ihre geistliche Oberheit über den ganzen Erdkreis symbolisch darstellte. Im 27. Gesang seiner „Göttlichen Komödie“ spielt Dante Alghieri auf das Banner der Heiligen Römischen Kirche an: er sprach von den Schlüsseln Petri. – Das Tuch des Banners war stets von roter Farbe (→ Heraldik) und mit goldenen, sechszackigen Sternen übersät. Die übrige Gestaltung des Banners wechselte, es zeigte abwechselnd die Gestalt des heiligen Petrus, alleine oder zusammen mit dem heiligen Paulus, die gekreuzten Petrusschlüssel, zunächst mit einem weissen Kreuz darüber, später dann mit der Tiara und schliesslich mit dem rotgelben Conopoeum. Ulrich Nersinger, Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof, Seite 339: Foto mit dem Banner der Kirche: Paul VI. erteilt nach der Besitzergreifung des Laterans (10.11.1963) den Apostolischen Segen. Im Hintergrund das Banner der Heiligen Römischen Kirche.
  6. Die Bewohner der Ewigen Stadt konnten das Banner der Kirche vor allem immer dann erblicken, wenn ein neugewähltes Oberhaupt der katholischen Kirche mit der Tiara, der dreifachen Papstkrone, gekrönt wurde. Zog der Papst zu Beginn seines Pontifikates zum Lateran, um dort feierlich von Kirche und Palast Besitz zu ergreifen, ritt ihm der Bannerträger mit dem Vexillum Sanctae Romanae Ecclesiae voran. Das gleiche bei den Fronleichnamsprozessionen.
  7. Noch für mehr als 400 Jahre besitzen wir für den Gebrauch der verschiedenen Fahnen keine klare Linie. Immer wieder wurden einzelne Fahnensymbole ausgetauscht und miteinander verbunden. Päpstliche Galeeren an Seeschlachten: eine Fahne mit dem Bildnis der Apostelfürsten oder eine, die das Kreuz Jesu Christi zeigte. Generalkapitäne zu Lande gegen kaiserliche Truppen oder das Heer des französischen Königs: persönliche Fahne des Papstes mit dessen Familienwappen oder das Banner mit dem Conopoeum und den gekreuzten Schlüsseln. Flagge auf der Engelsburg: einmal mit der Tiara, ein ander Mal mit den Schlüsseln Petri.
    Siehe jetzt → Gelb – weiss
  8. 17.09.1825: Allen Schiffe des Staates, der Handelsflotte und der Fischereiboote wird eine neue Flagge vorgeschrieben: unterteilt in 2 Felder, gelb und weiss, in der Mitte die von der Tiara überkrönten gekreuzten Schlüssel Petri.
  9. 1831: Als erstes Militärkorps der Päpstlichen Staaten übernahm die Guardia Civica (Bürgermiliz) Gelb und Weiss in ihrer Fahne, aber diagonal.
  10. 1848/49: Guardia Civica und Milizia Urbana werden zusammengelegt. Sie übernehmen Gelb und Weiss, diesmal horizontale Farbdarstellung.
  11. 1853: Als erste reguläre Einheiten der päpstlichen Armeen begannen die Regimenter der Infanterie in ihren Fahnen Gelbweiss zu führen.
  12. 1860: Es folgte das corps d’elite des Kirchenstaates (französische Zuaven).
  13. Nach dem Jahre 1870 (der Kirchenstaat existiert nicht mehr) kam es häufig zum Streit um die gelbweisse Fahne des Papstes. Wurde sie in katholischen Ländern zum Empfang eines päpstlichen Legaten aufgezogen, protestierte regelmässig der Botschafter Italiens gegen das Hissen der Flagge.
  14. 11.02.1929: Lateranverträge. Im Grundgesetz (legge fondamentale) wird die Flagge des neuen Staates der Vatikanstadt wie folgt umschrieben: 2 vertikale getrennte Felder, einem gelben nächst der Fahnenstange sowie einem weissen, das die Tiara mit den gekreuzten Schlüssel trägt. Sie wird als Hoheitszeichen eines ausländischen Staates anerkannt und erfreut sich des Rechtschutzes seitens des italienischen Staates (Italienisches Strafgesetzbuch, Art. 299).

Fahrprüfungen des Staates der Vatikanstadt SCV

Fahrprüfungen für Motorrad, Auto, Bus, Lastwagen, nicht aber für Motorboot (→ Schifffahrtsreglement SCV). Fahrschule in Rom. Die theoretische und praktische Prüfung findet  im Vatikan mit einem einzig vorhandenen SCV-Experten statt. Der Fahrausweis ist in allen Ländern gültig.

Familie

OR Nr. 42 vom 21.10.2011:
Die Familie – ein unantastbares Heiligtum

Papst Benedikt XVI. hat dazu aufgerufen, bessere Voraussetzungen für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen. Es bedürfe eines neuen „harmonischen Zusammenspiels“ zwischen beiden Bereichen, sagte der Papst vor Teilnehmern einer internationalen Konferenz über die katholische Soziallehre. Der heilige Vater forderte die Wirtschaft auf, die Interessen und den Schutz der Familie als Keimzelle der Gesellschaft stets zu berücksichtigen. Jede Familie sei ein „unantastbares Heiligtum“ und stelle eine eigne Hauskirche dar. Die dreitägige Konferenz wurde von der Stiftung „Centesimus Annus – Pro Pontifice“ organisiert und stand unter dem Titel „Familie, Unternehmen: Mit neuen Formen der Solidarität die Krise überwinden“. Anlass der Tagung war die Veröffentlichung der Sozialenzyklika „Centesimus Annus“ von Papst Johannes Paul  II. vor 20 Jahren am 1. Mai 1991.

Kirche heute 45/2014 Oktober, S. 2
Kultur des Provisoriums bedroht Familien

Ehe und Familie leiden nach den Worten von Papst Franziskus unter einer nie dagewesenen Krise. Nie zuvor sei das Ideal der christlichen Familie solchen Angriffen ausgesetzt gewesen wie heute, sagte Franziskus bei einem Treffen mit Mitgliedern der Schönstattbewegung im Vatikan. Dies sei „traurig und schmerzhaft“.  In seinen Antworten auf Fragen der Teilnehmer kritisierte der Papst eine „Kultur des Provisoriums“, die die Bindungsfähigkeit unter den Menschen zerstöre und unter der vor allem die Kinder gescheiterter Ehen zu leiden hätten.

Kirche heute 16/2016 April, S. 1, Regula Vogt-Kohler
Kirche und Familie: Unterscheiden statt urteilen
Papst Franziskus wirft einen liebevollen Blick auf die moderne Familie

Die Familie, wie sie sich in der Realität des 21. Jahrhunderts präsentiert, steht im Zentrum von „Amoris Laetitia“ (AL), dem Schreiben von Papst Franziskus zur Familiensynode. Die Doktrin bleibt unverändert, doch Ton und Sprache haben sich verändert. Spielraum gibt es für wiederverheiratete Geschiedene.
„Amoris Laetitia (Freude der Liebe) – der Titel des rund 200 Seiten dicken Lehrschreibens, das Papst Franziskus im Nachgang der beiden Bischofssynoden zu Ehe und Familie verfasst hat, ist zugleich Programm. Um Liebe geht es nicht nur in Ehe und Familie, liebevoll ist auch der Ton, in dem der Pontifex schreibt. Weg von einem unerreichbaren Ideal hin zur Wirklichkeit de Alltags: Das ist der Fokus (Brennpunkt) von Franziskus. Das schliesst einen an die Kirche gerichteten Aufruf zur Selbstkritik ein: Eine übertriebene Idealisierung der Ehe, weit weg von der konkreten Situation und den tatsächlichen Möglichkeiten der realen Familien, habe die Ehe nicht erstrebenswerter und attraktiver gemacht, sondern das völlige Gegenteil bewirkt ()AL 36).
„Amoris Laetitia“ preist die Liebe in Ehe und Familie in allen ihren Facetten. Das Lob der Liebe umfasst auch die Sexualität. „Wir glauben, dass Gott das frohe Geniessen des Menschen liebt“, hält der Papst fest (AL 149). Und Liebe sei mehr als ein Gefühl. Liebe müsse in dem Sinn verstanden werden, den das Wort „Liebe“ im Hebräischen habe, nämlich „Gutes tun“.
„Amoris Laetitia“ rüttelt jedoch nicht an den kirchlichen Normen. Vielmehr plädiert Papst Franziskus für Barmherzigkeit, für „Unterscheidung“ durch Berücksichtigung der besonderen Umstände im Einzelfall. „Wenn man die zahllosen Unterschiede der konkreten Situation … berücksichtigt, kann man verstehen, dass man von der Synode oder von diesem Schreiben keine neue, auf alle Fälle anzuwendende generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art erwarten durfte“, schreibt der Papst (AL 300).
„Amoris Laetitia“ hält am Prinzip der Unauflöslichkeit der Ehe fest, auch wenn Franziskus einräumt, dass es Situationen gibt, in denen eine Trennung unvermeidlich ist. Ein Entgegenkommen gibt es für die wiederverheirateten Geschiedenen. Es sei wichtig, sie spüren zu lassen, dass sie Teil der Kirche und keineswegs exkommuniziert seien, schreibt Franziskus (AL 243). „Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums! Ich beziehe mich nicht nur auf die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, sondern auf alle, in welcher Situation auch immer sie sich befinden“, heisst es in AL 297. „Die Priester haben die Aufgabe, die betroffenen Menschen entsprechend der Lehre der Kirche und den Richtlinien des Bischofs auf dem Weg der Unterscheidung zu begleiten. In diesem Prozess wird es hilfreich sein, durch Momente des Nachdenkens und der Reue eine Erforschung des Gewissens vorzunehmen“, führt Franziskus aus (AL 300).
Eine Absage erteilt der Papst der kirchlichen Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und der →Genderideologie, welche die anthropologische (Anthropologie = Wissenschaft vom Menschen und seiner Entwicklung) Grundlage der Familie aushöhle.

Kirche heute 16/2016 April, S. 3, Auswahl Regula Vogt-Kohler
Der Papst baut Brücken zwischen Ideal und Wirklichkeit

„Amoris Laetitia“ hat begeisterte, wohlwollende, aber auch kritische und enttäuschte Reaktionen ausgelöst. Papst Franziskus bewegt sich auf seinem Weg der Barmherzigkeit zwischen radikalen Forderungen nach Reformen einerseits und dem starren Festhalten an bestehenden Normen andererseits. Kardinal Lorenzo Baldisseri, Generalsekretär der Bischofssynode, und der Wiener Kardinal Christoph Schönborn stellten am 8. April 2016 „Amoris Laetitia“ vor. Nicht alle teilen ihre Freude. Einige Stimmen:
Jean-Marie Lovey, Schweizer Bischofskonferenz: Das Fehlen von Urteilen, die „Unterscheidung“ und die Seelsorge der kleinen Schritte, das sei relativ neu und wunderbar. Für die Verwirklichung dieser Unterscheidung gelte es Kriterien zu entwickeln. Dies werde eine Aufgabe der Familienseelsorge in den Bistümern und der Schweizer Bischofskonferenz.
Josef Annen, Regionaler Generalvikar für die Kanton Zürich und Glarus: „Papst Franziskus schlägt eine Brücke zwischen Ideal und Wirklichkeit und stösst damit die überfällige Überwindung der Kluft zwischen lehramtlicher Idealvorstellung und gelebter Alltagsrealität an.“
Martin Grichting, Generalvikar des Bistums Chur: „Der innere Zusammenhang zwischen der Wahrheit des Glaubens und der daran gebundenen Unterscheidung im Einzelfall muss auch in der Ehe- und Familienpastoral der Zukunft immer gewahrt bleiben. Andernfalls läuft die Seelsorge auf einen Subjektivismus (philos. Denkrichtung, nach der das Subjekt für die Geltung der Erkenntnis entscheidend ist) hinaus, der Offenbarung und Kirche überflüssig macht.“
Franz Kreissl, Leiter des Pastoralamtes im Bistum St. Gallen: „Papst Franziskus gelingt es in seiner verständlichen und lebensnahen Sprache, auf die alltäglichen Schwierigkeiten von Menschen in Partnerschaft und Familie einzugehen, ohne das Ideal einer verlässlichen Partnerschaft zu verwässern.“
Urban Federer, Abt des Klosters Einsiedeln: „Papst Franziskus sieht nicht nur das Ideal, sondern auch den Alltag und die konkreten Sorgen von Familien und Menschen in Partnerschaften. Er will dabei die Wirklichkeit anschauen, wie sie ist, und ruft auf zu einer ‚verantwortungsvollen persönlichen und pastoralen Unterscheidung der je spezifischen Fälle‘.“ Die den „Hirten der Kirche“, ob Priester oder Laien, übertragene Verantwortung sei viel grösser, als dies in lehramtlichen Texten bisher der Fall war.
Allianz „Es reicht!“ Der Prozess müsse weitergehen, auch in der Schweiz. Die Allianz werde sich dafür einsetzen, dass auf allen Ebenen synodale Prozesse initiiert (eingeleitet) würden.
Monika Hungerbühler, Co-Leiterin Dekanat Basel-Stadt: „Ich bin gespannt, ob und wie sich die vom Papst gelebte und empfohlene Barmherzigkeit auf all die Menschen auswirken wird, die in einer wie auch immer gearteten „irregulären Situation“ leben. Ebenso gespannt bin ich auf „die verschiedenen Interpretationen einiger Aspekte der Lehre oder einiger Schlussfolgerungen“. Als Co-Leiterin des Dekanats Basel-Stadt wünsche ich mir eine solche Weise des gemeinsamen „Kirchen-Seins“.

bz BASEL vom 09.04.2016, S. 7, Dominik Straub, Rom
Was Franziskus wirklich wollte

Nach einer ersten, flüchtigen Lektüre des nachsynodalen Schreibens „Amoris Laetitia“ könnte man zum Schluss kommen: Papst Franziskus ist eingeknickt und ganz auf der Linie der konservativen Bischöfe eingeschwenkt, die schon an den beiden Familiensynoden den Ton nagegeben hatten. Die Ehe bleibe unauflöslich, Homosexualität eine Sünde, und auch Verhütung ist weiterhin nicht gottgefällig.
Doch dieser Eindruck täuscht. Zwar hat Franziskus die geltende Lehre nicht umgekrempelt. Das war aber auch nicht ernsthaft zu erwarten. Dem Papst geht es um etwas anderes. Er will keine andere Lehre, sondern eine andere Haltung der Kirche: Er fordert Respekt und Mitgefühl auch für Gemeindemitglieder, die vom Pfad der katholischen Tugend abgewichen sind. Er will eine Kirche, die sich um die Sünder, die Armen, die Zweifler und Verzweifelten kümmert. Er will die verirrten Schäfchen nicht verurteilen, sondern sie in die Herde zurückführen.
Moralische Gesetze seien keine Felsblöcke, „die man auf das Leben von Menschen wirft“, heisst es im päpstlichen Schreiben – ein völlig neuer Ton im Vergleich zu seinen Vorgängern. Franziskus lässt es aber nicht bei einem neuen Ton bewenden, sondern er öffnet auch inhaltliche, für die Praxis wichtige Spielräume: So sollen künftig die Ortsbischöfe entscheiden können, ob und unter welchen Bedingungen wieder  verheiratete Geschiedene am kirchlichen Leben und an den Sakramenten teilnehmen können. Die Konservativen hätten sich garantiert etwas anderes gewünscht.
Im Grunde „legalisiert“ der Papst damit letztlich eine Praxis, die in vielen Diözesen ohnehin üblich ist: Die Hostie wird selten verweigert. Und für die meisten betroffenen Paare scheint es sich ebenfalls nicht um ein besonders dringliches Problem zu handeln. „Ich wünschte, ich hätte Tausende Leute vor der Türe, die schreien: ‚Wir wollen Kommunion, wir wollen wieder in die Kirche!‘ Ich wünschte, die machten das, aber das tun sie nicht“, betonte der New Yorker Erzbischof und Kardinal Timothy Dolan.

Schweiz am Sonntag vom 24.04.2016, Ausland, S. 11, Fabienne Riklin
Revolution im Kleingedruckten. Das Schreiben „Amoris Laetitia“ von Papst Franziskus hat Sprengkraft. Zur Kommunion für wieder verheiratete Geschiedene sagt er: „Ja. Punkt“.

Beinahe 300 Seiten lang ist das Dokument „Amoris Laetitia“ von Papst Franziskus. Zweieinhalb Jahre nach der Ankündigung einer Bischofssynode zum Thema Familie liegt es seit ein paar Tagen vor. Zwar hatte Franziskus empfohlen, das Lehrschreiben nicht hastig zu lesen, doch die Meinungen waren schnell gemacht: Es ändere sich wenig und auch der argentinische Papst halte an Dogmen fest.
Die brisanteste Stelle versteckt sich ganz hinten im Dokument in den Fussnoten. Insbesondere der erste Satz unter der Nummer 351 ist bedeutend. Er ist Türöffner für wieder verheiratete Geschiedene zu den Sakramenten: „In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein. Deshalb erinnere ich die Priester daran, dass der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herrn. Gleichermassen betone ich, dass die Eucharistie nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein grosszügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen ist.“
Nun ist es heraus. Die Geschiedenen, die in einer neuen Verbindung leben, sind Teil der Kirche. Das Kommunionsverbot für wieder verheiratete Geschiedene gilt „nicht mehr absolut“. Das kommt einer Revolution gleich. Insbesondere, weil Papst Franziskus auf dem Rückflug von der Flüchtlingsinsel Lesbos noch nachdoppelte. Auf die Frage einer Journalistin des „Wall Street Journal“, ob wieder verheiratete Geschiedene nun tatsächlich zur Kommunion gehen dürfen, sagte er: Ja. Punkt.“ (…)

Katholische Wochenzeitung 24/2017 Juni, S. 4
Papst: Familien sind „wertvollster Schatz“ Europas

Aus Sicht von Papst Franziskus sind Familien der wertvollste Schatz“ Europas. Die Familie bilde eine „wesentliche Zelle der Gesellschaft“. Nach wie vor sei dies die „angemessenste Struktur“ und ein Garant für das Gesamtwohl der Menschen, das zur Weiterentwicklung nötig sei, sagte er bei dem Treffen mit katholischen Familienverbänden. (cic) (…)

→Bischofssynode

Familien im Vatikan

Die da sind: Gärtnermeister, langjährige Angestellte, Kommandant und Stellvertreter der Gendarmerie, Familien der Schweizergarde: ab Korporalsgrad bis Oberst. Es wohnen wenige Familien im Vatikan. Wird eine Familie aufgelöst, wird die Wohnung nicht mehr durch eine andere Familie  „ersetzt“. Dies gilt nicht für das Schweizerquartier, wo zzt. (Juni 2012) der nördliche Offizierstrakt aufgestockt wird. Tendenz: Fallen Familien-Wohnungen der Bürokratie zum Opfer, sind die Vatikanstellen angehalten, ausziehenden Familien in Rom eine vatikaneigene Wohnung zur Verfügung zu stellen.

Die Familien haben eine bescheidene Wohnungsmiete, aber normale Kosten für Gas, Strom, Wasser usf. zu bezahlen.

OR Nr. 3 vom 22.01.2016, S. 3
Weitere Flüchtlingsfamilie im Vatikan

Bei der neuen Flüchtlingsfamilie handelt es sich um eine alleinstehende Mutter mit 3 Kindern aus dem ostafrikanischen Eritrea. Das jüngste Kind sei erst wenige Monate alt. Für ihre 2 weiteren Kinder, die sich derzeit noch in einem Flüchtlingslager in Äthiopien befänden, bemühe sich die katholische Gemeinde Sant’Egidio um eine Ausreise nach Italien.
→ Einwohner/innen

Fassade der Peterskirche

Vatikan - Stato della Città del Vaticano

Fassade der Peterskirche von Carlo Maderno, Capolago TI, 7 Jahre daran gebaut bis Ende 1614; 117 m breit, rund 50 m hoch (kleinstes Fussballfeld:
90 x 45 m; 4’050 m2)

AS, Vatikanistan, S. 258, Inschrift an der Fassade:

IN  HONOREM  PRINCIPIS  APOST  –  PAULUS V   BURGHESIUS ROMANUS  –  PONT  MAX   AN   MDCXII   PONT   VII

ZU EHREN DES APOSTELFÜRSTEN  –  PAUL V. RÖMISCHER BÜRGER  –
PAPST IM  JAHR 1612 IM SIEBTEN JAHR SEINES PONTIFIKATS
(korrigiert WA)

Dieser Paulus V. war, wie an der Fassade falsch beschrieben, nicht Römer, sondern ursprünglich  Provinzler aus Siena (* 1550, + 1621, Papst vom 16.05.1605 bis 28.01.1621, rund 16 Jahre Papst). Das ist krasse Public Relations (PR, Öffentlichkeitsarbeit). Die Inschrift ist eine der dreistesten Werbeaktionen des Jahrtausends und eine der erfolgreichsten dazu. →Päpste

Hans Küng, Ist die Kirche noch zu retten? S. 69:
(WA: zur Bezeichnung „IN HONOREM PRINCIPIS APOST“ [olorum])
Andererseits von einem Aufenthalt und Martyrium des Petrus in Rom zeugen schon der „Klemensbrief“ um 96 sowie die Briefe von Ignatius von Antiochien. Diese Tradition ist also alt und vor allem konkurrenzlos. Selbst in Antiochien, wo ein Aufenthalt des Petrus bezeugt ist, erhebt man keinen Anspruch auf sein Grab. Ein Grab des Petrus unter der jetzigen vatikanischen Basilika liess sich archäologisch nicht verifizieren (durch Überprüfen die Richtigkeit bestätigen. Siehe „Petrusgrab“). Auch gibt es kein zuverlässiges Zeugnis dafür, dass Petrus – im Vergleich zum perfekt griechisch sprechenden römischen Bürger Paulus ein ungebildeter jüdischer Fischer namens Simon – der Kirche von Rom je als Oberhaupt oder „Episkopos“ vorstand. Er war Sprecher von Jesu Jüngerkreis, aber alles andere als ein „Apostelfürst“. Der monarchische Episkopat wurde in Rom ohnehin relativ spät eingeführt. Um 160 errichtete man Gedenkmale für Petrus und Paulus, der vermutlich ebenfalls in Neros Christenverfolgung umgebracht wurde. Die Gräber der beiden Hauptapostel sind der ausschlaggebende Grund für eine bestimmte Vorrangstellung der Kirche Roms.

Deutsche Pilgerzeitung Sommer 2012, Nr. 18, S. 2, von Natalie Nordio:
Wer eigentlich ist Paulus Burghesius?
Anmerkung zu einer Inschrift, die keinem Audienzteilnehmer entgeht

Da sitzt man nun auf einem der unbequemen und ziemlich hässlich-grauen Plastikstühle und lauscht den Worten des Papstes, der leicht erhöht auf dem sogenannten Sagrato-Platz (Kirchenplatz) genommen hat. Unweigerlich fällt der Blick auf die Fassade der Petersbasilika, die sich majestätisch hinter dem Pontifex erhebt. Über der „Loggia delle Benedizioni“, dem Balkon, von dem aus die Päpste den Segen „Urbi et orbi“ spenden, prangt in grossen Lettern die Inschrift: „IN HONOREM PRINCIPIS APOST PAULUS V BURGHESIUS ROMANUS PONT MAX AN MDCXII PONT VII“. Zu Deutsch: „Zu Ehren des Apostelfürsten und Römers Paul V. Borghese, Pontifex maximus, im Jahre 1612 und im siebten seines Pontifikats“. Doch wer war dieser Paulus V. Burghesius eigentlich, der sich hier dermassen präpotent (veraltet für „übermächtig“, österreichisch für „überheblich, aufdringlich“) verewigt hat?

Ein ziemlich schlauer Fuchs, könnte man salopp sagen. Auf dessen Konto nicht nur die Gründung der ersten Bank Roms, der „Banco di Santo Spirito“ geht, sondern der so ganz nebenbei auch als Vater und Begründer der vatikanischen Geheimarchive gilt. Damit nicht genug, sorgte er mit dem Ausbau des „Acqua Paolo“ genannten Aquädukts für eine grosse Verbesserung der Wasserversorgung im römischen Stadtzentrum. Wer sich auf den Gianicolo-Hügel begibt, der wird neben der wunderschönen Aussicht auf Rom auch auf die mächtige Brunnenanlage aufmerksam, die zu der Wasserleitung gehörte und auf der unverkennbar wieder einmal Paulus V. zu lesen ist. Dass Paul V. zur  Errichtung dieses Wasserspiels seinen Architekten Befehl gegeben hatte, sich doch mal den Kaiserforen nach passendem Baumaterial umzusehen, und dieses in Form des dortigen Minervatempels auch gefunden wurde, verleiht seinem Curriculum einmal mehr einen bitteren Beigeschmack. Frei nach dem Prinzip „Wo gehobelt wird, da fallen Späne“ musste sich der antike Tempel für die Ideen und Wünsche des neuen Herrschers von Rom opfern. Warum denn nach Carrara gehen, wenn der schönste, strahlend weisse Marmor bereits fertig behauen direkt vor der Haustür liegt, hatte sich Paul V. wohl gedacht.

Mit der Fassade des Petersdoms, die im Jahre 1614 fertig gestellt wurde und der die Verlängerung des Langhauses zur heutigen Form des lateinischen Kreuzes voranging, folgte Paul V. nicht nur den Richtlinien des Trienter Konzils, sondern auch seinem ganz persönlichen Wunsch, ein wichtiger Teil der Baugeschichte der Petersbasilika zu sein. Was ihm, man bedenke die Inschrift auf der Fassade, gelungen sein dürfte. Michelangelo hätte sich aufgrund der Umbauten mit Sicherheit im Grabe umgedreht, verdecken doch das verlängerte Langhaus und die mächtige Fassade fast zur Gänze seine Kuppel. Aber darum scheint sich Paul V. nur wenig geschert zu haben.

www.damals.de/de/16/Das-Glueck-der-Borghese
Die Karriere einer Adelsfamilie im päpstlichen Rom. Das Glück der Borghese.
Von Prof. Dr. Volker Reinhardt

Mehr als eine Milliarde Fernsehzuschauer waren Zeugen des Skandals. Über der Aussegnung des alten und der Einsetzung des neuen Papstes schwebte, penetrant (aufdringlich) wie ein ungebetener Gast, ein anderer Pontifex maximus: „Paul V Burghesius Romanus“ prangt auf dem vorspringenden Mittelstück der Peterskirchenfassade – exakt dort, wo man eine Inschrift zu Ehren des heiligen Petrus, des Begründers des Papsttums, erwarten sollte. Dieser jedoch ist marginalisiert (ins Abseits geschoben), ganz an den zurückgesetzten linken Rand verbannt. Dass hier etwas aus dem Gleichgewicht geraten war, vermerkten schon zeitgenössische Spottverse. Ihr Tenor: Wer sich so penetrant ins Blickfeld drängt, muss es verzweifelt nötig haben. Und so war es auch: faktengestützte Hochstapelei. – Paul V., der 1612 den anstössigen Text in Auftrag gab, war in der Tat „Romanus“, das heisst in Rom geboren als Camillo Borghese, doch kein Römer im eigentlichen Wortsinn. Sein Vater Marcantonio Borghese (1504-1574), ein überaus erfolgreicher Jurist und als solcher im Europa der sich allmählich ausbildenden Basisbürokratien überall heiss begehrt, war gerade rechtzeitig aus Siena, der Stammheimat der Familie, an den Tiber übergesiedelt, um seinen Sohn dort 1552 das Licht der Welt erblicken zu lassen. In Siena gehörten die Borghese zu den einflussreichsten Familien, doch standen sie, gemessen an Besitz und vor allem Prestige, weit unter den vornehmen Adelssippen vom Rang der Piccolomini oder Salimbeni. (…)

Fauna und Flora im Vatikan

Vatikanistan, Alexander Smoltczyk, S. 39:

Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich im Vatikan eine reiche Fauna geschaffen. Aus Ostia eingewanderte Möwen umkreisen die Kuppel des Petersdoms. Ein dem Papst geschenktes grünes Papageienpärchen (Papagallo Monaco) war so fruchtbar und mehrte sich, dass seine Nachkommen mittlerweile in allen römischen Parks anzutreffen sind. Die Papageien-Nester in den Bäumen des Vatikans seien in ihrem Volumen, so der zuständige Tierarzt des römischen Zoos, nur mit Bauten in Südamerika zu vergleichen.

Auch die Population von etwa 80 Katzen, alle schwarz wie der Teufel und besonders häufig in den Nischen hinter den Museen zu beobachten, geht auf einen Stammkater zurück. Rambo hiess das Tier. Er lief den Gardisten zu, wurde ihr Maskottchen und starb erst 2006, im abrahamschen Katzenalter von 18 Jahren. Rambo muss von gewaltiger Potenz und Lebenslust gewesen sein. Im Jahre 2007 wurden sämtliche Vatikankatzen eingefangen und, unter Aufsicht des römischen Zooarztes, mit einem Chip versehen. Ein Grossteil der Kater wurde kastriert.

Meldepflichtig im Vatikan sind allein Hunde, zurzeit gibt es 5 (2008). Eine kürzliche Bestandesaufnahme  im Petersdom übrigens ergab dort ein Bestiarium  von 67 verschiedenen Tierarten, wenn auch allesamt aus Stein gehauen, vom Schwein des heiligen Antonius des Grossen bis zum Einhorn der Reinheit und den Bienen der Barberini.   → Tiere

OR vom 23.10.2009, Nr. 43:
Neues Buch erschienen: Barlo jr., Nik/Scaccioni, Vinzenzo, Die Vatikanischen Gärten, Edizione Musei Vaticani, Verlag Schnell & Steiner, Vatikanstadt/Regensburg, 2009, 240 Seiten, 211 Illustrationen, 1 Grundriss, € 49,90

Die Vatikanischen Gärten, eine einzigartige Oase der Stille und Erholung. Sie nehmen fast die Hälfte des Staatsgebietes ein. Unvergesslich wird ein Spaziergang durch die Vatikanischen Gärten erst dank der unzähligen Pflanzen und Blumen, die aus aller Welt hierher gebracht wurden, z. B. Sternjasminbögen, Felsengarten mit Kakteen, japanische Kirschbaumallee usf. Im neuen Buch werden die Anfänge des Gartens im  13. Jahrhundert bis hin zu den gartenbaulichen Massnahmen der vergangenen Jahre beschrieben. Ein eigenes Kapitel ist dabei dem kleinen Nutzgarten des Klosters „Mater Ecclesia“ (→ Kloster) gewidmet, in dem Klausurschwestern gemäss den strengen Regeln der biologischen Landwirtschaft Obst und Gemüse für den päpstlichen Haushalt anbauen. – Im Jahre 2001 fanden die ersten wissenschaftlichen Bestandesaufnahmen und Katalogisierung der vatikanischen Flora statt, in der rund 100 botanische Familien, 380 Gattungen, 340 Arten und über 6’900 Exemplare in messbarer Grösse verzeichnet sind. Der Leser erfährt hierbei, dass neben der einheimischen Flora, die mit den typischen Spezies der „Macchia Mediterranea“ vor allem im „Boschetto“, einem kleinen Laubwald,  und im Bereich um die Casina Pius’ IV. vertreten ist, in den Vatikanischen Gärten auch eine grosse Zahl exotischer Pflanzen aus klimatisch sehr unterschiedlichen Gegenden der Welt wächst. Viele dieser Pflanzen kamen als Geschenk für die Päpste nach Rom.

OR vom 08.01.2010:
Eine weisse Amsel in den Gärten des Papstes. Es gibt ein Exemplar (albinotische und leuzistische Amsel) im Französischen Garten hinter der Lourdesgrotte. – Die schwarzen Amseln sind eine der grössten Vogelarten in den Gärten.

Vatikangärten: In einigen Brunnen wurden in der Vergangenheit Forellen, Hechte, Flussbarsche und Karpfen gehalten. Im Galeerenbrunnen gab es ein Becken, das dazu diente, den Fisch für den Papst frisch zu halten. Später wurde das Becken unter die „Casina Pio IV“ verlegt. Bis vor 4 Jahren wurden die Fische, die an den Papst verschenkt wurden, dort gehalten (Zeit von Johannes Paul II.)  Am vergangenen 16. Juli 2009 sind in diesem Brunnen 10 Wasserschildkröten (Rotwangenschmuck-Schildkröten) im Alter zwischen 7 und 10 Jahren ausgesetzt worden. Diese Schildkröten sind auch in den Mosaiken über dem Brunnen dargestellt, die von den Grotesken (d. h. in den fantastisch geformten Tier- und Pflanzenverzierungen der Antike und der Renaissance) in der Domus Aurea des Kaisers Nero inspiriert sind.

Im Klippenbrunnen (hinter dem Governatorat) gab es in der Vergangenheit keine Fische. Vor einiger Zeit sind dort Goldfische der Spezies Carassius auratus L. eingesetzt worden. Dann gibt es die gemeinen Erdkröten der Spezies Bufo bufo L. Auch Amphibien, von denen jedes Weibchen im Mai bis zu 10’000 schwarze Eier in den Brunnen ablegt. Daneben gibt es einige grüne Wasserfrösche der Gattung Rana esculenta L. sowie Ringelnattern, ungiftige Schuppenkriechtiere der Spezies Natrix Natrix L., die eine  Länge von bis zu 120 cm erreichen können.  → Fischzucht

Man findet u. a. folgende Pflanzen: Frauenhaarfarn, Elefantenohr, Aronstabgewächs, Zypergras, Rohrkolben,  Igelkolben,  Laichkraut (aus dem Braccianersee hierher gelangt), Seerose.
→Tiere   →Fischzucht   →Viehzucht   →Brunnen   →Blumen- und Gemüsegarten

Feiertage  im Vatikan

→ Nationalfeiertag

Feminismus

Siehe unter „Frauen“

Ferienorte des Papstes

Johannes Paul II.: Introd im Aostatal. Abgeschiedene Residenz „Les Combes“ des Salesianerordens. Der Papst hält sich dort normalerweise 10 bis 14 Tage ab Mitte Juli auf. Anschliessend begibt er sich nach Castel Gandolfo bis ungefähr Mitte /Ende September.

Fernsehsender, katholische (CTV, K-TV, EWTN)

Centro Televisivo Vaticano CTV

Das CTV, das Fernsehzentrum des Vatikans, wurde 1983 eingerichtet und ist seit 1996 eine voll an den Heiligen Stuhl angeschlossene Einrichtung. Hauptziel des CTV ist es, zur universalen Verkündung des Evangeliums beizutragen, indem mit den Fernsehbildern die Pastoralmission des Papstes und die Handlungen des Heiligen Stuhls dokumentiert werden (Satzung vom 01.06.1998).

Die wichtigsten Dienstleistungen, die das CTV anbietet, sind Direktübertragungen, tägliche Berichterstattungen, Produktionen und Archivierung.

Direktübertragungen: Das CTV zeichnet pro Jahr etwa 130 Ereignisse im Vatikan (Angelusgebete, Generalaudienzen, andere Veranstaltungen  oder Feiern) vollständig auf. Dazu die Reisen des Papstes.

Tägliche Berichte: Das CTV zeichnet täglich die öffentlichen Handlungen des Hl. Vaters und die wesentlichen Veranstaltungen auf, die am Heiligen Stuhl stattfinden.

Produktionen: Zahlreiche Dokumentarfilme wurden in den letzten zehn Jahren über das Pontifikat von Johannes Paul  II., Benedikt XVI., den Vatikan und die römischen Basiliken vom CTV produziert.

Archiv: Das CTV führt in eigens dafür ausgestatteten feuchtigkeits- und temperaturkontrollierten Räumen eine Videothek mit über 10’000 Kassetten mit etwa 4’000 Aufnahmestunden mit Bildern aus dem Pontifikat von Johannes Paul II. und Benedikt XVI.: eine umfassende Dokumentation seit 1984.

Direktion: Via Pellegrino, Vatikanstadt. Aufnahme- und Arbeitsräume: Piazza Pia
(→ Conciliazione). Sitz: siehe gleich nachfolgend

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 107:
Im Kolonnadentrakt links, gegenüber dem Sacrato, befindet sich nebst der Verlagsbuchhandlung des Hl. Stuhles der Sitz des Vatikan-Fernsehens CTV (Centro Televisivo Vaticano).  Das Papstfernsehen CTV wurde 1983 durch das Dekret „Ex audientia Sanctissimi“ von Johannes Paul II. ins Leben gerufen, eine der ersten Handlungen des Medien-Papstes. Der Sender untersteht dem Kardinalstaatssekretär, finanziert sich aber selbst, grösstenteils durch Verkauf von Exklusivbildern an weltliche Sender. Die Crew des CTV ist in der Regel da, wo auch der Papst gerade ist. Auf Reisen hat sie das Monopol an den wirklich spannenden Bildern. (WA: Wichtige Fernsehsendungen des CTV empfängt man über den deutschsprachigen K-TV-Sender.)

OR Nr. 44 vom 1. November 2013, S. 8
30 Jahre CTV

Vatikanstadt. Papst Franziskus hat in seiner Botschaft an den Direktor des Vatikanischen Fernsehzentrums, Msgr. Dario Edoardo Vigano, die Arbeit des vatikanischen Fernsehzentrums CTV zu dessen 30-jährigen Bestehen gewürdigt. Die 1983 von Johannes Paul II. gegründete Medieneinrichtung betreibt keinen eigenen Kanal, sondern stellt Fernsehsendern Aufnahmen gegen ein Entgelt zur Verfügung oder bietet ihnen Direktübertragungen an. Es zeichnet nach eigenen Angaben jährlich etwa 130 Ereignisse im Vatikan auf, etwa Angelusgebete, Generalaudienzen und Gottesdienste des Papstes. Zudem begleitet das CTV den Papst auf seinen Reisen in die ganze Welt.

Der katholische Fernsehsender EWTN (Eternal Word Television Network)

Dieser Fernsehsender wurde 1981 von der Franziskanerklarissin Mutter Angelica in Birmingham (Alabama/USA) gegründet. Mit 200 Dollar, viel Gottvertrauen und von vielen belächelt, begann Mutter Angelica mit der Fernseharbeit in der Garage eines Klosters. Heute ist EWTN der weltweit grösste katholische Fernsehsender und erreicht mit seinen regional je unterschiedlichen Programmen in englischer, spanischer, deutscher und französischer Sprache mehr als 200 Millionen Haushalte in 140 Ländern auf allen Kontinenten. Als Multimedia-Organisation betreibt EWTN einen eigenen Radiosender und bietet einen umfangreichen Internet-Service an. – In Deutschland hat die gemeinnützige EWTN-TV gGmbH im Juli 2000 die Arbeit aufgenommen. Heute können bereits mehr als 17,5 Millionen TV-Haushalte, das sind rund 36 Millionen Menschen, im deutschsprachigen Europa EWTN empfangen. Darüber hinaus bietet EWTN sein Programm als Live-Stream im Internet an und kann regional im Kabel empfangen werden. Frequenz: 12460 MHz, Satellit Astra 19,2 ° Ost.

OR Nr. 28 vom 15. Juli 2016, S. 4
Der Vatikan erhält einen eigenen Kanal für terrestrisches Digitalfernsehen (nicht über Kabel oder Satellit). Die zuständige Regulierungsbehörde beim italienischen Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung stellt dafür eine Übertragungskapazität von 4 Megabit pro Sekunde zur Verfügung und garantiert, dass mindestens 70 % der Bevölkerung landesweit von den päpstlichen Programmen erreicht werden. Bei der Frequenzvergabe handelt es sich um die vertraglich vereinbarte Gegenleistung dafür, dass der Vatikan 2009 auf mehrere VHF- und UKW-Kanäle seines Radiosenders verzichtete, um die Einführung des terrestrisches Digitalfernsehens in der Region Latium zu ermöglichen.

Feuerwehr des Vatikans

Alarm: Tel. Nr. 112 oder 06 698 844 44, Servizio: 06 698 836 66

Päpstliche Schweizergarde im Vatikan

Belvedere-Hof links, wenn man von S. Anna kommt. Gegründet im Jahre 1810.
Berufsfeuerwehr mit eigener Uniform; rund 15 Berufsleute.  Bescheidener Park, kleine Feuerwehrautos, bedingt durch die Tore Zecca und Hofeingänge bis Damasushof (Palastbrand wäre verheerend). Feuerwehrarbeit: Museums- und Domkontrollgänge, besonders dort, wo tagsüber Tausende von Touristen und Pilger den Vatikan auf- und heimgesucht haben. Weitere Aufgaben sind: Verirrte Tiere erlösen, bespritzen der Audienzteilnehmer im Hochsommer auf dem Petersplatz, Autos abschleppen. Bei Grossbrand ist die vatikanische Feuerwehr auf die Stadtfeuerwehr Roms angewiesen.

Es befinden sich unzählige Rauchmelder im Vatikan und rund 150 Hydranten (Thomas J. Reese, Im Inneren des Vatikan: 500 Hydranten).

Feuerwehrlokal mit Stangen vom Schlafzimmer zu den Autos für das Pikett. Ein sehr altes grosses Auto mit Drehleiter ist vorzufinden. Es kommt aber nicht durch bei Zecca oder Damasushof… aber recht gutes Material. Der Aspirant für den eidg. dipl. Fachmann für Sicherheit und Bewachung (alles Schweizergardisten) macht bei der vatikanischen Feuerwehr die entsprechende praktische Ausbildung.

Wie meisterte man früher das Feuer im Vatikan? In den 80er-Jahren des 18. Jahrhunderts brach in der Wohnung des Staatssekretärs Kardinal Pallavicini Feuer aus, das rasch die darüberliegenden Bodenräume erfasste. Die ganze Schweizergarde eilte zum Löschen herbei, wurde aber erst tief in der Nacht Herr der Lage. Der Kardinal dankte jedem Gardisten mit einem Brief und beigelegten 18 scudi. Der Maggiordomo schickte der Garde 75 Brote und 97 Liter Wein.

Eine zweite Feuersbrunst ereignete sich am Abend des 1. November 1903 in der Wohnung des Präfekten der Vatikanischen Bibliothek. Auch hier kämpften die Schweizergardisten tatkräftig gegen das Feuer, wobei Gardist Alex Murmann wegen seines Mutes und seiner Kaltblütigkeit auf Veranlassung von Oberst Meyer von Schauensee die Verdienst-Medaille Benemerenti erhielt.
www.feuerwehr-weblog.de/archives/2006/02/die_feuerwehrfa_1.html

OR 17 vom 24.04.2009: Die vatikanische Feuerwehr beteiligt sich ebenfalls an den Rettungsarbeiten im italienischen Erdbebengebiet (Erdbeben vom 6. April 2009 in L’Aquila).  Acht Mann der Brandwache des Papstes sind in den Abruzzen im Einsatz. Es sei eine Frage der Pflicht, dass angesichts des Notstands auch die vatikanische Feuerwehrmannschaft Hilfe leiste, sagte Sicherheitschef Domenico Giani. Die Lösch- und Rettungstruppe des Papstes zählt insgesamt 26 Mann, die mit Blick auf den Petersdom teilweise Spezialausbildungen für die Bergung aus hohen Gebäuden absolviert hat.

OR Nr. 43 vom 23.10.2009 (Ulrich Nersinger):
Eine Feuerwehr des Kirchenstaates bestand bereits seit dem Jahre 1810. Sie ist in dem von den Soldaten Napoleons besetzten Roms nach dem Vorbild der „Sapeurs Pompiers“ von Paris entstanden. Nach der Rückkehr des Papstes in die Ewige Stadt und der Wiedererrichtung der Päpstlichen Staaten im Jahre 1815 behielt Pius VII. (Chiaramonti, 1800-23) die Feuerwehr bei, wandelte sie in eine militärische Einheit um und verfügte ihre Eingliederung in die päpstliche Armee. Papst Leo XII. (della Genga, 1823-29) unterstellte die „Vigili del Fuoco“ 1827 dem „Monsignor Governatore di Roma“ und entzog sie damit der Befehlsgewalt der militärischen Autoritäten des Kirchenstaates. Was Disziplin und Ränge anging, behielt das Korps seinen militärischen Charakter.

In den Palästen des Vatikans und des Quirinals befanden sich die beiden zahlenmässig stärksten Abteilungen des Korps. Kleinere Einheiten waren unter anderen bei der Ponte Sant’Angelo, der Kirche Sant’Ignazio (hinter Palazzo Pamphili, Piazza Venezia) und im Palazzo Gaetano stationiert. Bei allen grösseren öffentlichen Veranstaltungen in der Ewigen Stadt hatten Abteilungen des Korps „ex officio“ anwesend zu sein. Die Feuerwehrleute wurden auch zu jeder Theater- und Opernaufführung entsendet. In Rom, aber auch in Bologna und Ancona, wo ebenfalls päpstliche Feuerwehrleute stationiert waren, bewiesen sich die „Vigili Pontifici“ nicht nur im Löschen von Bränden, sondern sie brillierten auch durch die Erfindung neuer Löschgeräte und der Herausgabe richtungsweisender Fachliteratur. In Rom brachten Apparate und Sicherheitsvorrichtungen neue Standards und riefen in ganz Europa Bewunderung hervor. – Von dem Leistungsstand ihrer Feuerwehr überzeugten sich die Päpste durch Feuerwehrübungen und –präsentationen im Vatikan. Das Interesse der Römer an diesen öffentlichen Veranstaltungen war so gross, dass der Zutritt durch Eintrittskarten geregelt werden musste.

Nach der Einverleibung des Kirchenstaates in das Königreich Italien blieb die im Vatikan stationierte Einheit der „Vigili del Fuoco“ in verkleinertem Umfang bestehen. Erst im Jahre 1941 entschloss sich Pius XII. (Pacelli, 1939-58), den „Corpo dei Vigili del Fuoco“ neu zu ordnen. Im Krieg fielen Bomben auf den Vatikan („Der Exgardist“ Nr. 52, ab Seite 93, Alexander Good. →Bomben). Durch den schnellen und professionellen Einsatz der päpstlichen Feuerwehr konnten Brände und der Einsturz von Gebäuden verhindert werden. In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stellte das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) an die Vigili hohe Anforderungen. Der Umbau von St. Peter zur Konzilsaula erzwang ständige Kontrollen der gewaltigen Tribünen, die für die Teilnehmer errichtet wurden.

Neuregelung für die “Vigili“: 2002 ordnete der Papst die vatikanische Feuerwehr der neugeschaffenen „Direktion der Sicherheitsdienste und des Zivilschutzes“ zu. Anwerbung und Ausbildung der Vigili wurden neu geregelt sowie Unterkünfte und Büroräume modernisiert. Die Ausrüstung der Feuerwehr wurde im Laufe der Jahre immer wieder auf den neuesten Stand gebracht – nicht selten durch Geschenke. So übergaben am 28.10.1998 oberösterreichische Feuerwehrleute ihren vatikanischen Kollegen ein neues Fahrzeug. Im November 2005 erhielt Papst Benedikt XI. von DaimlerChrysler Italia einen neuen Löschwagen überreicht, der sich besonders für die engen und verwinkelten Wege der Vatikanstadt eignet. In der Kaserne des Korps befinden sich die zentralen Alarmanlagen des Apostolischen Palastes, die mit allen Nebengebäuden wie den Vatikanischen Museen, der Bibliothek, dem Vatikanischen Geheimarchiv, der Druckerei und der Audienzhalle verbunden sind. Das besondere Augenmerk der Feuerwehr gilt St. Peter. Jeden Abend, nach der Schliessung der Basilika, unterziehen zwei Feuerwehrleute unter Mitwirkung der „Sampietrini“, der Arbeiter der Dombauhütte von St. Peter, das Gotteshaus einer eingehenden Überprüfung. Auch der Brandschutz in den exterritorialen Gebieten des Vatikanstaates obliegt der Kontrolle durch das Korps. Bei kleineren und mittleren Bränden vertraut man im Vatikan auf die Fähigkeit der eigenen Feuerwehr. Für grössere Brände liegt im Governatorat des Vatikanstaates ein Katastrophenplan bereit, der auch den Einsatz italienischer Feuerwehrkräfte mit einschliesst.  Die Statistik zeigt, dass im Jahr im Vatikan kaum mehr als zwei Brände zu verzeichnen sind (Paolo De Angelis, Offizier der Vigili del Fuoco), aber über 600 andere Einsätze im Jahre 2008 bis Ende September.

Die vatikanische Feuerwehr ist der hl. Barbara anvertraut zusammen mit dem hl. Leo IV., der im Jahre 847 beim Brand des Borgo, das Viertel unterhalb des Einganges St. Anna, dem Feuer durch eine Segensgeste Einheit geboten hatte (→Stanzen Raffael, Fresko).  Im Jahre 2008 wurden neu in das Korps aufgenommene Feuerwehrmänner erstmals öffentlich vereidigt.

AS, Vatikanistan, S. 131:
Im Belvedere-Hof ist linker Hand neben dem Osttor auch das vatikanische Feuerwehrkorps zu finden, in Tag- und Nachtbereitschaft. 12 päpstliche Feuerwehrleute und 2 Gruppenführer unter dem Kommando eines Offiziers, allesamt ausgebildet in der zentralen Schule Roms für Brandbekämpfung. 2 Feuerwehrleuten ist die Aufgabe zugeteilt, nach Schliessung der Peterskirche mit Leitern ausgerüstet nachzuschauen, ob sich nicht jemand hinter den Monumenten versteckt hat oder Sprengsätze hinterlegt. Die Ausrüstung besteht aus 3 Feuerwehrautos, einem Abschleppwagen und 2 Leiterfahrzeugen, eine ausgefahren 30 m lang, die andere 12 m. Dazu kommen elektrische Geräte, Pumpen, Gasdetektoren, Schaumlöscher und tragbare Löschgeräte. Die erste hydraulische Pumpe wurde schon unter Pius VII. (1800-23) zu Beginn des 19. Jahrhunderts hier getestet und gesegnet. In der Feuerwehrkaserne befindet sich auch die zentrale Alarmanlage, die mit allen Nebengebäuden verbunden ist.

Aus „1300 Jahre Rom“ von Dr. iur. H. Nauer, 1997, S. 41

70 vor Christus: Das Konsulat hatte Pompeius mit Unterstützung des populären, aber charakterlosen Marcus Licinius Crassus erworben, der unter Sulla zum reichsten Mann Roms mit einem auf 370 Millionen Sesterzen (nach Küntzel rund 2 Milliarden Franken Kaufkraft) geschätzten Vermögen geworden war. Crassus, der ebenfalls 70 zum Konsul gewählt wurde, hielt sich eine 500 Mann starke Feuerwehr, die aber erst eingriff, wenn die Eigentümer des brennenden Hauses und der vom Feuer gefährdeten Nachbarliegenschaften ihm ihre Objekte zu Spottpreisen verkauft hatten. So wurde Crassus zum Eigentümer ganzer Quartiere. Er liess die Häuser durch sein eigenes Baugeschäft erstellen und zu hohen Preisen vermieten, was ihm nicht nur ein ungeheures Einkommen, sondern auch einen entsprechenden politischen Einfluss verschaffte.

20060216 Feuerwehr mit Gartisten Foto Stefan Meier 042

Ein Angehöriger der vatikanischen Feuerwehr hält Schweizergardisten einen Fachvortrag. Sie bereiten sich während der Gardezeit auf  den eidgenössischen Fähigkeitsausweis „Sicherheitsfachmann“ vor.

Film(othek) und Kino des Vatikans

OR Nr. 46 vom 13.01.2009

Palazzo S. Carlo. Filmothek als Teil des Päpstl. Rates für die sozialen Kom- munikationsmittel, gegründet von Papst Johannes XXIII.  am 16.11.1959.

Hochinteressante Sammlung von Dokumentar- und Spielfilmen quer durch die Geschichte der laufenden Bilder. Auch ein selten genutzter Kinosaal, der früher eine Kapelle war, gehört dazu: mit 56 ziegelroten Lederfauteuils (seit der technischen Generalüberholung von 2005). Hinter dem Sametvorhang befindet sich ein milchweisser Lederthron für den Papst. Eigentlich findet man alle Filme vor, auch die, die man nicht vermutet. Steven Spielberg z. B. schickt Kopien aller seiner Filme. Grundbestand ist aber das Material zu Papst- und Kirchengeschichte. Stunde für Stunde ist z. B. das II. Vatikanische Konzil dokumentiert.  Heute befinden sich 7’800 Filme in der Datenbank. Mindestens 1’000 warten noch auf die Aufnahme. Lagerräume: vatikanische Tiefgaragen. Der älteste Film stammt aus dem Jahre 1896.

Kath. Missionare haben in den 50- und 60er-Jahren  in entlegenen Erdteilen gefilmt. Hier ist alles davon vorzufinden.

Kinosaal: In der Kapelle des Palazzo San Carlo (rechts neben S. Marta).
2009: Frau Claudia di Giovanni, Filmspezialistin daselbst.

Basler Zeitung vom 8. August 2012, S. 34:
„Quo Vadis*-Filmrolle von 1924 im Vatikan entdeckt

Vatikanstadt. Im Vatikanischen Filmarchiv ist die Kopie einer frühen Verfilmung des Romans „Quo Vadis“ von Henryk Sienkiewicz aufgetaucht. Es handelt sich um eine deutsch-italienische Produktion von Gabriellino D’Anunzio und Georg Jacoby aus dem Jahre 1924. Der Stummfilm war bisher nicht katalogisiert, wie Kathpress unter Berufung auf die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ am Dienstag berichtete. Er sei mit anderen hochentzündlichen Zelluloidrollen lange Zeit bei tiefen Temperaturen gelagert worden, nun müsse das rare Fundstück auf sicheres Material übertragen werden, hiess es. Das vatikanische Filmarchiv wurde 1959 von Papst Johannes XXIII. (1958-63) eingerichtet, um Filme über das Kirchenleben und künstlerisch bedeutende Werke aufzubewahren. Der Bestand umfasst mehr als 7’000 Filme. SDA

Kirche heute  33/2013, S. 9 von Petra Lorleberg

Zeichentrickfilm über Papst Franziskus – Projekt der Neuevangelisierung

Der in bisher 15 Sprachen verfügbare Kurzfilm wurde erst vor zwei Tagen online gestellt und erweist sich in manchen Sprachen bereits als Renner – Die christliche Botschaft wird prägnant zum Zuschauer transportiert. Der Zeichentrickfilm „Treffen Sie Papst Franziskus! (In 4 Minuten)“ führt in Leben und Lebensziele von Papst Franziskus ein. In humorvoller und prägnanter Art wird das Leben von Jorge Mario Bergoglio/Papst Franziskus geschildert. Dabei werden gleichzeitig Kerngedanken der christlichen Botschaft zum Zuschauer transportiert: www.kathtube.com/player.php?id=31808

Finanzaufsichtsbehörde, Vatikanische (AIF)

OR Nr. 24 vom 13. Juni 2014, S. 6

Der Papst ernannte zu Ratsmitgliedern der vatikanischen Finanzaufsichtsbehörde (für 5 Jahre): Dr. Maria  Bianca Farina, Geschäftsführerin von „Poste Vita“ und „Poste Assicura“ (Italien); Dr. Marc Odendall, Verwalter von wohltätigen Stiftungen und Finanzberater für den philantropischen Bereich (Schweiz); Joseph Yuvaraj Pilay, Vorsitzender des Rates der Konsultoren des Präsidenten der Republik Singapur (Singapur); Dr. Juan C. Zarate, „senior advisor“ beim Zentrum für strategische und internationale Studien (Csis) sowie Professor für Jura an der Harvard-Universität (Vereinigte Staaten von Amerika);
der Heilige Vater bedankte sich bei dieser Gelegenheit bei: Prof. Claudio Bianchi, Prof. Avv. Marcello Condemi, Prof. Graf Giuseppe Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto, Avv. Francesco De Pasquale, Dr. Cesare Testa.
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat Dr. Tommaso Di Ruzza zum Vizedirektor „ad Interim“ der Finanzaufsichtskommission ernannt. Dr. Di Ruzza war bisher Mitarbeiter der Behörde.

OR Nr. 5 vom 30.01.2015, S. 4
Heiliger Stuhl, 21. Januar 2015

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin ernannte Dr. Tommaso Di Ruzza, Vizedirektor „ad interim“ der Finanzaufsichtsbehörde AIF, zum Direktor der Behörde. Er übernimmt damit die Nachfolge des Schweizers René Brülhart, der im November 2015 zum Präsidenten der AIF aufstieg.

Finanzen: Heiliger Stuhl und Staat der Vatikanstadt

→Peterspfennig

Zusammenstellung der Jahresabschlüsse
(aus den jeweiligen L’Osservatore Romano, deutsch)

Jahr                      Heiliger Stuhl                                 Staat der Vatikanstadt

2006                 +  2,4 Mio Euro Gewinn                 +  21,8 Mio Euro Gewinn

2007                 –   9,1 Mio Euro Verlust                  +    6,7  Mio Euro Gewinn

2008                 –   0,9 Mio Euro Verlust                   –   15    Mio Euro Verlust

2009                 –   4    Mio Euro Verlust                   –     8    Mio Euro Verlust

2010                 +  9,9 Mio Euro Gewinn                  +   21,1 Mio Euro (Viganò)

2011                 –  14,9 Mio Euro Verlust                  +   21,8 Mio Euro Gewinn

2012                 +   2,18 Mio Euro Gewinn                +  23,08 Mio Euro Gewinn

2013                 –   24,5 Mio Euro Verlust                  +  33 Mio Euro Gewinn

2014                 –   25,6 Mio Euro Verlust                  +  63,5 Mio Euro Gewinn

2015                 –   12,4 Mio Euro Verlust                  +  59,9 Mio Euro Gewinn

Jahresabschlüsse der Vatikanbank IOR: siehe unter „Bank des Vatikans“

G. Nuzzi, Seine Heiligkeit, ab S. 68:
Korruption in den heiligen Hallen. Bertone entlässt den Prälaten, der im Vatikan Ordnung schaffen soll.

Das entscheidende Treffen zwischen Kardinal Tarcisio Bertone und Carlo Maria Viganò findet am Dienstag, dem 22. März 2011, statt. Viganò, ein lombardischer Prälat mit brüskem (barschem/schroffem) Charakter und einer direkten Art, tritt für Strenge und Transparenz ein und hat in der Vergangenheit in der vatikanischen Diplomatie gedient. Im Juli 2009 hat ihn Benedikt XVI. zum Generalsekretär des Governatorats gekürt, jener Behörde, die sämtliche Anschaffungen (von Benzin bis zu Lebensmitteln), die Auftragsvergabe und die kostspieligen Umbauarbeiten des Vatikans verwaltet. (…)

Erzbischof Viganò ist überzeugt, dass die Erfolge seiner Arbeit im Governatorat unstrittig und unanfechtbar seien. Allein die Zahlen der Bilanz seien eindeutig und  widerlegten sämtliche boshaften Behauptungen und lancierten Fehlinformationen. Aber dem ist nicht so:

Zur vollständigen Widerlegung des Inhalts von besagtem Artikel übermittelte ich Ihnen den Entwurf der Bilanz des Governatorats von 2010. Er weist einen Überschuss von 34’451’797.00 Euro gegenüber  einem Fehlbetrag von 7’815’183.00 Euro aus dem Vorjahr aus, also einen Kapitalzuwachs von 42’266’980.00 Euro innerhalb eines Jahres. (…)

Es läuft, auch mit Beteiligung des oben genannten Finanz- und Wirtschaftsausschusses, ein Versuch, diese Bilanz zu manipulieren, um die positiven Ergebnisse des ersten Jahres meiner Geschäftsführung zu verschleiern. De Paolis ist darüber auf dem Laufenden. Erreicht wurde all dies dank konstanter Bemühungen, die Korruption, die Privatinteressen und die Misswirtschaft zu eliminieren, die in den verschiedenen Verwaltungen weit verbreitet sind. (…)
→Krippe

S. 98:
Viganò: Wir erwogen Einschnitte in speziellen problematisch erscheinenden Bereichen, so bei den Gärten, denen eine umsichtige Leitung fehlte. Es geht weniger um Unregelmässigkeiten als vielmehr um eine fehlende Systematisierung des Kostenmanagements: Wir konnten in einem Jahr die Hälfte, glaube ich, von den bislang üblichen Ausgaben einsparen und so 700’000 Euro für eine gar nicht vorgesehene Massnahme einsetzen: für die Erneuerung des Wärmekraftwerkes.

OR Nr. 28 vom 12. Juli 2007:

2006:  Heiliger Stuhl

Reingewinn 2,4 Mio Euro = rund CHF 4 Mio:
Einnahmen Euro 227,8 Mio
Ausgaben   Euro 225, 4 Mio = Reingewinn Euro 2,4 Mio

Einnahmen:
1. von der „Vatikanbank“: IOR = Istituto per le Opere  di Religione
2. Peterspfennig Peter und Paul: 102 Mio Dollar = CHF 122 Mio
3. Kapitalrenditen aus Anlagen und Immobilienbesitzen
4. Ortskirchenbeitrag gemäss can. 1271 CIC: 24 Mio Euro = CHF 30 Mio

2006: Staat der Vatikanstadt
Reingewinn 2006: Euro 21,8 Mio = rund CHF 36 Mio

Einnahmen:

  1. Museen (durchschnittlich 13’500 Besucher/innen je Tag zu Euro 14,
    Jahreseinnahmen über 90 Mio CHF), Münzen, Briefmarken, Souvenirs,
    Medaillons, Publikationen.
    Kapitalrendite (Staat oder Hl. Stuhl). Abfindung 1929: 91,7 Mio Dollar
  2. Institut IOR (Vatikanbank)

L’Osservatore Romano, deutsche Ausgabe, 18.07.2008:

2007: Heiliger Stuhl

Einnahmen: 236,7 Millionen Euro, Ausgaben: 245,8 Millionen Euro, Verlust: 9,1 Millionen Euro. Die Kosten konnten leicht gesenkt werden, von 126,2 Mio Euro auf 125,4 Mio Euro. Zu berücksichtigen sind dabei die dringend notwendig gewordenen Restaurierungsarbeiten an den Gebäuden der Kongregation für die Evangelisierung der Völker bei der Piazza di Spagna und der Kongregation für die Glaubenslehre (links des Petersplatzes).

Bei den Veranlagungen konnte der Hl. Stuhl 2007 nur mehr einen Überschuss von 1,4 Mio Euro erzielen. Im Jahr zuvor waren es noch 13,7 Mio Euro gewesen. Als Hauptursache für das schlechte Ergebnis wird der plötzliche und drastische Kursverlust des US-Dollars angegeben. Im Immobiliensektor stieg der Überschuss von 32,3 Mio Euro auf 36,3 Mio Euro. Auf diese Weise konnten notwendige Arbeiten bei den vermieteten Immobilien finanziert werden.

Personalkosten Hl. Stuhl: höchster Anteil der Ausgaben. Im Jahre 2007 waren insgesamt 2’748 Personen (→ Angestellte) beschäftigt, 44 mehr als im Jahr zuvor. Unter ihnen 778 Priester, 333 Ordensleute und 1637 Laien. Die Personalkosten betrugen insgesamt 102,5 Mio Euro (je Tag € 280’000).

Der Hl. Stuhl erhielt 2007 u. a. eine anonyme Einzelspende von Euro 14,3 US-Dollar (9 Mio  Euro).

Peterspfennig 2007: 79,8 Mio US-Dollar (50 Mio Euro). An erster Stelle bei den Gebern stehen die USA mit 18,7 Mio Dollar (11,72 Mio Euro). An zweiter Stelle folgen Italien mit 8,6 Mio  US-Dollar und dann Deutschland mit 4 Mio US-Dollar. In der Sparte „Beiträge der Diözesen für die kirchliche Zentralverwaltung“ trugen die deutschen Diözesen mit 9,3 Mio US-Dollar am meisten bei.

2007: Staat der Vatikanstadt

Überschuss von 6,7 Millionen Euro

OR vom 10. Juli 2009: Wirtschaftskrise belastet den Haushalt

2008: Heiliger Stuhl

Der Heilige Stuhl verzeichnet 2008 in seiner finanziellen Bilanz einen Verlust von rund einer Million Euro. Der für die Wirtschaftsfragen zuständige Kardinalsrat erinnerte in diesem Zusammenhang an die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise.

253,9 Millionen Euro Einnahmen
254,8 Millionen Euro Ausgaben    (Personalkosten: der grösste Ausgabenposten)
    0,9 Millionen Euro Verlust

2008: Staat der Vatikanstadt

Verlust von rund 15 Millionen Euro. Keine anderen Bilanzzahlen im OR.

Dafür waren unter anderem hohe Investitionen im Kommunikationsbereich  ausschlaggebend. Ausserdem investierte der Vatikan 2008 in die Restaurierung der Cappella Paolina, die Basilika St. Paul vor den Mauern sowie der Vatikanischen Bibliothek. Personalkosten: der grösste Ausgabenposten.

Der sogenannte Peterspfennig, ein Spendenfonds für die karitativen Aufgaben des Papstes, erzielte im vergangenen Jahr 55,5 Millionen Euro an Zuwendungen. Aufgrund des durch die Wirtschaftskrise veränderten Spendenverhaltens der Einzelnen sei es insgesamt zu einem leichten Rückgang der Zuwendungen gekommen. Die grössten Beiträge für den Peterspfennig stammen aus den USA, Italien und Deutschland.

OR Nr. 29 vom 23. Juli 2010:

2009: Heiliger Stuhl

Rund 250 Mio Einnahmen
Rund 254 Mio Ausgaben
Rund    4 Mio Verlust

Der grösste Teil der Ausgaben entfiel laut Kardinalsrat für Wirtschaftsfragen auf die päpstlichen Dikasterien sowie die Kommunikationsmittel, besonders Radio Vatikan. Wie aus der Aufstellung weiter hervorgeht, brachte der sogenannte „Peterspfennig“ dem Heiligen Stuhl im vergangenen 2009 umgerechnet rund 63,2 Mio Euro ein. Die grössten Spendenbeträge seien aus den Vereinigten Staaten, Italien und Frankreich gekommen. Gemessen an der Katholikenzahl seien zudem die Zuwendungen aus Japan und Südkorea besonders hoch gewesen. Aus den Bistümern flossen weitere 24,9 Mio Euro.  Zudem erhielt der Heilige Stuhl im vergangenen 2009 von der Vatikanbank IOR 50 Mio Euro zur Finanzierung seiner Aufgaben.

2009: Staat der Vatikanstadt

Verlust von rund 8 Mio Euro.

Dies seien rund 7,5 Mio Euro weniger als im Vorjahr. – Die Reduzierung sei vor allem durch Sparmassnahmen erreicht worden, teilte der Kardinalrat mit. Grosse Ausgabenposten seien der Ausbau der Kommunikations-Infrastrukturen sowie die Restaurierungsarbeiten an den Kolonnaden des Petersdoms und an den römischen Basiliken gewesen.

OR Nr. 27 vom 8. Juli 2011:

2010: Heiliger Stuhl

Euro 245,2 Mio Einnahmen
Euro 235,3 Mio Ausgaben
Euro    9,9 Mio Reingewinn

Der Heilige Stuhl hat 2010 eine Haushaltsbilanz mit leichtem Gewinn vorgelegt. Damit hat sich der positive Trend des Jahrs 2009 fortgesetzt, der bereits die negativen Folgen der Finanzkrise von 2008 abfangen konnte. Aus dem Haushalt werden die ordentlichen und ausserordentlichen Ausgaben der römischen Kurienbehörden und der päpstlichen Auslandvertretungen (Nuntiaturen)  bestritten. Den grössten Teil bildeten Personalkosten für die 2’806 Angestellten des Heiligen Stuhles – gegenüber 2’762 im Jahr zuvor.

2010: Staat der Vatikanstadt

Euro 255,9 Mio Einnahmen
Euro 234,8 Mio Ausgaben
Euro  21,1 Mio Reingewinn

Dazu hätten vor allem die gestiegenen Besucherzahlen in den Vatikanischen →Museen beigetragen. (WA: nein, die rigorose Führung durch Erzbischof Viganò führte dazu. Siehe unter „Korruption“. Viganò schlägt dort für 2010 einen Überschuss von € 34’451’797.00 gegenüber einem Fehlbetrag von € 7’815’183.00 aus dem Vorjahr, also einen Kapitalzuwachs von € 42’266’980.00 innerhalb eines Jahres heraus.)

OR Nr. 28 vom 13. Juli 2012:

2011: Heiliger Stuhl

Der Haushalt des Heiligen Stuhles verbucht für das Jahr 2011 ein

Minus von 14,9 Millionen Euro

Das geht aus einem Kommuniqué des zuständigen Kardinalrats hervor. Der Grund für den Fehlbetrag ergebe sich aus der negativen Entwicklung der Weltmärkte, heisst es in der Mitteilung der Kardinäle, die in der vergangenen Woche über die Bilanzen beraten hatten. Den grössten Posten im Haushalt des Heiligen Stuhles machten demnach die Personalkosten für die 2’832 Angestellten sowie die Ausgaben für die Medien aus, darunter der Sender Radio Vatikan.

2011: Staat der Vatikanstadt

Anders als der Haushalt des Heiligen Stuhles, der die Kurienbehörden und die Apostolischen Vertretungen im Ausland einschliesst, wies die Bilanz des Vatikanstaates mit seinen 1’887 Mitarbeitern

Ein Plus von 21,8 Millionen Euro aus.

Der „Peterspfennig“, den die Gläubigen in alle Welt für karitative Aufgaben des Papstes sammeln, verzeichnet dem Kommuniqué zufolge für 2011 einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 67,7 Millionen Dollar auf 69,7 Millionen Dollar. Auch der Betrag, mit dem die Diözesen der Weltkirche zur Unterstützung des Heiligen Stuhles beitragen, sei angestiegen: von 27,4 Millionen Dollar auf 32,1 Millionen Dollar. Die Vatikanbank überwies aus ihrem Gewinn dem Papst für 2011 einen Betrag von 49 Millionen Euro, heisst es im Kommuniqué.

Als besondere Einnahmequelle für den Vatikanstaat erwiesen sich die Vatikanischen Museen. Sie überschritten im vergangenen Jahr 2011 die bisher erlangte Grenze von 5 Millionen Besuchern. Die Einnahmen stiegen somit von 82,4 Millionen Euro auf 91,3 Millionen Euro.

2012: Heiliger Stuhl

Der Haushalt des Heiligen Stuhles verbucht für das Jahr 2012 einen leichten Überschuss in Höhe von 2,18 Millionen Euro. Dieser habe sich vor allem aus den Erträgen der Finanzführung ergeben, teilte der für die wirtschaftlichen Angelegenheiten zuständige Kardinalsrat. – Die grössten Ausgabeposten bildeten demnach die Personalkosten für die 2’823 Kurienmitarbeiter und die vatikanischen Medien. Absolute Zahlen über Ausgaben und Einnahmen legten die Kardinäle nicht offen. Aus Erträgen der Vatikanbank IOR seien 50 Millionen Euro in den Haushalt des Heiligen Stuhles geflossen; dieser wird von dem des Vatikanstaates getrennt geführt.

2012: Staat der Vatikanstadt

Der Haushalt für den Vatikanstaat wies für 2012 einen Überschuss von 23,08 Millionen Euro aus, eine Million mehr als im Jahr zuvor. Ein nicht unerheblicher Teil der Einnahmen stammt traditionell aus Eintrittsgeldern der Vatikanischen Museen. In dem Kleinstaat waren Ende 2012 genau 1’936 Personen beschäftigt.

2013: Heiliger Stuhl

Das Defizit im Jahre 2013 beträgt 24,5 Millionen Euro.

2013: Staat der Vatikanstadt

Im Jahre 2013 betrug das Plus 33 Millionen Euro. Haupteinnahmequelle waren hier die Vatikanischen Museen und Erlöse aus Geldanlagen.

2014: Heiliger Stuhl

Die Bilanz für das Leitungsorgan der katholischen Kirche im Jahre 2014 weist ein Minus von 25,6 Millionen Euro auf, wie der Vatikan am 16. Juli 2015 mitteilte. Haupteinnahmequelle waren demnach die Vatikanbank IOR (50 Millionen Euro) sowie die freiwilligen Abgaben der Diözesen der Weltkirche (21 Millionen). Grösster Ausgabeposten war das Personal. Die insgesamt 2’880 Angestellten kosteten dem Heiligen Stuhl 126,6 Millionen Euro. – Das Nettovermögen des Heiligen Stuhles ist laut der Mittelung um 939 Millionen Euro gestiegen. Als Grund dafür nannte der Vatikan, dass bislang ausserhalb der Bilanz geführte Vermögenswerte und Verpflichtungen berücksichtigt worden seien. Nicht erfasst sei darin jedoch weiterhin der Pensionsfonds für die vatikanischen Angestellten.

2014: Staat der Vatikanstadt

Der Haushalt des Vatikanstaates, darin enthalten ist vor allem die vatikanische Infrastruktur, verzeichnete hingegen für 2014 einen erheblichen Überschuss von 63,5 Millionen Euro. Erstellt wurden die Haushalte für 2013 und 2014 vom 2014 errichteten Wirtschaftssekretariat, das vom australischen Kardinal George Pell geleitet wird. Geprüft wurden sie laut der Mitteilung von einer externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Das Jahr 2014 sei vom Übergang zum neuen Finanzmanagement nach internationalen Standards geprägt gewesen, heisst es in der Mitteilung. Deshalb sei ein Vergleich mit den Vorjahresdaten schwierig. Grundlage seien jedoch noch die alten Prinzipien der Buchführung gewesen.

2015: Vatikan erwirtschaftet Millionenüberschuss
OR Nr. 10 vom 10. März 2017, S. 3

Der Vatikan hat einen Überschuss erwirtschaftet. Die Bilanz des Heiligen Stuhles, Leitungsorgan der katholischen Kirche, schloss für das Jahr 2015 zwar mit einem Defizit von 12,4 Millionen Euro, wie das vatikanische Wirtschaftssekretariat am 4. März 2017 mitteilte. Der Vatikanstaat verbuchte in seinem getrennt ausgewiesenen Haushalt jedoch einen kräftigen Überschuss in Höhe von 59,9 Millionen Euro. Haupteinnahmequelle des Heiligen Stuhles war demnach die Vatikanbank IOR. Sie überwies 50 Millionen Euro von ihrem Gewinn. Insgesamt 24 Millionen Euro  steuerten die Diözesen der Weltkirche bei. Der Haushalt des Vatikanstaates wiederum profitierte vor allem vom Erlös der Eintrittskarten für die Vatikanischen Museen.
Der Heilige Stuhl konnte sein Defizit im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbieren. Der Überschuss des Vatikanstaates ging von 63,5 Millionen im Jahr 2014 leicht zurück.
Die Gesamthöhe der beiden Haushalte teilte der Vatikan wie in den Vorjahren nicht mit. Die Bilanzen stellten einen „wichtigen Schritt“ für die wirtschaftlichen Reformen im Vatikan dar und erhöhten die Transparenz. Die Haushalte sind demnach erstmals nach den im  Oktober 2014 von Papst Franziskus eingeführten Richtlinien für Finanzmanagement erstellt worden, die sich nach internationalen Standards richteten, teilte das Wirtschaftssekretariat mit. Die Veröffentlichung der Haushalte für 2015 hatte sich offenbar aufgrund dieser Neuerung verzögert.

OR Nr. 4 vom 20.01.2010:
Kardinäle berieten über Wirtschaftsfragen im Vatikan

Der Heilige Stuhl erwartet sich nach seiner vorläufigen Wirtschaftsbilanz für 2010 einen ausgeglichenen Etat. Auch für 2009 zeichne sich ein leicht besseres  Ergebnis ab als im Jahr davor (0,9 Mio Euro Verlust), heisst es in einer Mitteilung nach den Haushaltsberatungen der Kardinalskommission für Wirtschaftsfragen. Mit diesem positiven Trend sei trotz einem weiterhin schwierigen Gesamtbild zu rechnen. Auch der getrennte Haushalt des Vatikanstaates erlaube nach einer Neustrukturierung einen vertrauensvollen Blick in die Zukunft. Defizitär bleiben nach der Mitteilung die vatikanischen Medieneinrichtungen sowie die Kongregation für die Evangelisierung der Völker, die die Hauptlast der Kirchenfinanzierung in Entwicklungsländern trägt. Notwendig sei eine stärkere Sensibilisierung der Gläubigen zur Unterstützung kirchlicher Einrichtungen, heisst es in der Verlautbarung.

Den grössten Teil im Etat des Heiligen Stuhles machen die Gehälter der 2’668 Angestellten aus; Einsparungen im Personalbereich werden laut den Angaben durch Gehaltsanhebungen wieder wettgemacht. Auf der Gehaltsliste der Verwaltung des Vatikanstaates stehen weitere 1’884 Angestellte.

In die in der vergangenen Woche durchgeführten Beratungen schaltete sich der Mitteilung zufolge zeitweise auch Papst Benedikt XVI. persönlich ein. Geleitet wurde das Treffen der Kardinäle von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone.

OR vom 25.02.2011 Nr.  8:
Vatikan-Haushalt im Zeichen ungewisser Wirtschaftsentwicklung

Die Haushaltbilanz des Vatikanstaates und des Heiligen Stuhles für das laufende Jahr (2011) steht im Zeichen einer ungewissen Entwicklung der Weltwirtschaft. Zwar gebe es deutliche Signale für eine Erholung; die Unwägbarkeiten angesichts des globalen Wirtschaftssystems sowie der steigenden Verwaltungskosten blieben jedoch bestehen, heisst es in einem Kommuniqué. In der vergangenen Woche hatte unter der Leitung von Kardinalsstaatssekretär Tarcisio Bertone der Kardinalsrat getagt, um über organisatorische und wirtschaftliche Fragen des Apostolischen Stuhles.

HK, Ist die Kirche noch zu retten? S. 213:
Glasnost und Perestroika für die Kirchenfinanzen

Begründung: Seit dem Entstehen der römischen Kurie im 11. Jahrhundert zeigten die Päpste ein problematisches Verhältnis zum Geld. Die Reformbewegung von Cluny unterstellte ihre Hunderte von Klöstern direkt dem Heiligen Stuhl und verschaffte ihnen gewaltige Einnahmen und immensen Grundbesitz überall in Europa. Wie andere römische Bischöfe sann auch der grosse Innozenz III. stets auf neue Geldquellen und verlangte sogar von jedem Teilnehmer des 4. Ökumenischen Laterankonzils, ihm ein „Abschiedsgeschenk“ zu machen. Besonders die neue päpstliche Residenz und Kurie in Avignon (1309-77) während des Grossen Schismas erforderten Unsummen von Geld.. Deswegen wurde ein ausgeklügeltes Abgaben- und Gebührensystem entwickelt, das zum Teil bis heute beibehalten wurde. Der dann von Leo X. aus dem Handels- und Bankhaus der Medici zur Finanzierung des Neubaues der Peterskirche initiierte Ablasshandel war unmittelbarer Anlass für Martin Luthers Thesen.

An Finanzskandalen (und bescheidenen Finanzreformen) fehlte es der römischen Kurie auch in der Neuzeit nicht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte Papst Leo XIII. (1878-1903) in enger Verbindung mit der Banco di Roma die Kommission „Ad pias causas“ („für wohltätige Zwecke“) gegründet und so ein vatikanisches Engagement an den Börsen von London, Paris und Berlin möglich gemacht. Daraus ging unter Papst Pius XII. (1939-58) 1942 das „Istituto per le Opere di Religione“ (IOR: „Institut für Werke der Religion“), die eigentliche Vatikanbank hervor, die freilich höchst verborgen operierte und bis in unsere Tage auch auf der Homepage des Vatikans überhaupt nicht verzeichnet war.

Schon unter dem Pontifikat Pauls VI. (1963-78) und Johannes Pauls II. (1978-2005) aber kamen riesige Finanzskandale ans Licht. Über das dabei führende verbrecherische Trio ist viel geschrieben worden. Es sind:

  • der Amerikaner Msg. Paul Marcinkus, zum Chef des IOR und Titularbischof aufgestiegen
  • der sizilianische Mafiabankier und Geldwäscher Michele Sindona, Berater
    von Marcinkus
  • Robert Calvi, der Chef der Banco Ambrosiano, der grössten Privatbank
    Italiens, die 1987 mit einem Riesenverlust von rund 3 Milliarden Dollar
    in Konkurs ging

Der Erzbischof wurde durch den Vatikan vor der Verhaftung durch die italienische Justiz geschützt und nach einem längeren Aufenthalt im Vatikan in aller Stille in die USA abgeschoben. Der Mafiabankier endete in einem italienischen Gefängnis an einem vergifteten Espresso, entweder durch Mord oder Selbstmord. Der „Bankier Gottes“ Calvi wurde 1982 unter einer Londoner Themsebrücke erhängt aufgefunden. Deshalb fand im selben Jahr die erste italienische Untersuchung der vatikanischen Finanzen statt.

Und der Vatikan? Dort rührte niemand einen Finger zur Aufklärung der verbrecherischen Aktivitäten, aber als Hauptaktionär des Banco Ambrosiano zahlte der Vatikan „freiwillig“, ohne eine Schuld zuzugeben, 240 Millionen Dollar. Kardinal Joseph Ratzinger, seit 1981 als Chef der Glaubenskongregation im vatikanischen Machtzentrum, konzentrierte sich auf den Kampf gegen die lateinamerikanische Befreiungstheologie und leitete ein Verfahren gegen den hochverdienten brasilianischen Theologen Leonardo Boff.

Eine neue Situation entstand 2009 durch die Veröffentlichung von mehr als 4’000 Originaldokumenten: Buchungsbelege, Briefe, Aufsichtsratsprotokolle, Nummern, Konten, Bilanzen – aus dem Geheimarchiv des gewissenhaften Msgr. Renato Dardozzi (1922-2003), Beauftragter des päpstlichen Staatssekretariates für das IOR und somit in alle vatikanischen Finanzgeheimnisse eingeweiht. Er hielt sich lebenslang loyal an seine Schweigepflicht, aber sein letzter Wille lautete: „Diese Dokumente sollen veröffentlicht werden, damit alle erfahren, was hier geschehen ist.“ Aus Sicherheitsgründen in einem Tessiner Bauernhof versteckt, wurden die Dokumente nach Dardozzis Tod in Italien registriert und fotokopiert. Im Jahr 2009 wurden im Auftrag der Testamentsvollstrecker die wichtigsten davon kommentiert veröffentlicht durch den Journalisten Gianluigi Nuzzi unter dem Titel „Vaticano S.p.A.“, deutsche Ausgabe „Vatikan AG“ (Ecowin, Salzburg, 2010). Untertitel: „Ein Geheimarchiv enthüllt die Wahrheit über die Finanz- und Politskandale der Kirche.“ Seither weiss man genau Bescheid über die Verdunkelungsstrategien, Ströme von Schmiergeldern und Geheimkonten italienischer Spitzenpolitiker, insbesondere Andreottis, und anderer Prominenter.

Die Veröffentlichung war ein gewaltiger Schock für die Herren im Vatikan. Papst Benedikt XVI. und sein Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone sahen sich zum Handeln herausgefordert. Denn von dem im Mai 2009 erschienen Buch wurden in Italien in wenigen Monaten 250’000 Exemplare verkauft. Im Vatikan erfolgten daraufhin einschneidende Veränderungen: Der seit 20 Jahren amtierende Chef des IOR, Angelo Caloia, wurde vorzeitig „entlassen“, als neuer Präsident der ebenfalls Opus-Dei-nahe Ettore Gotti Tedeschi, ein Freund Bertones, eingesetzt. Der Posten eines „Prälaten“ des IOR –  Zentrum der skrupellosen Finanzoperationen – wurde abgeschafft, und der aktuelle Inhaber (früher Privatsekretär des Kardinalstaatssekretärs Sodano) als Nuntius nach Afrika verpflanzt.

S. 216: Doch politisch und juristisch folgenreich: Für den bisher so sehr auf absolute Geheimhaltung bedachten Vatikan sah sich der neue Chef des IOR, Gotti Tedeschi, gezwungen, am 29. November 2009 ein Übereinkommen zu unterzeichnen, dass der Vatikan nunmehr die in der EU geltenden Gesetze zur Verhinderung von Geldwäsche mitträgt: „Der Staat der Vatikanstadt verpflichtet sich, durch direkte Umsetzung oder gleichwertige Schritte alle zweckdienlichen Massnahmen zu treffen, damit alle einschlägigen gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften zur Verhinderung von Geldwäsche, Betrug und Fälschung von Bargeld oder bargeldlosen Zahlungsmitteln anwendbar werden. Er verpflichtet sich weiterhin, alle einschlägigen gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften im Banken- und Finanzsektor umzusetzen, wenn und insofern im Staat der Vatikanstadt ein Bankensektor geschaffen wird“. – Das Übereinkommen trat am 1. Januar 2010 in Kraft. Damit schien alles in Ordnung …

Aber was geschah? Im Oktober 2010 ging eine Nachricht durch die Medien, die im Vatikan „Bestürzung und Staunen“ auslöst: die römische Staatsanwaltschaft ermittle wegen Verdacht der Geldwäsche gegen die Vatikanbank. 23 Millionen Euro nicht deklarierte Gelder seien aus dem Vatikan auf das Konto einer italienischen Bank geflossen und deshalb beschlagnahmt worden. Gegen die neuen Verantwortlichen des IOR, Präsident Gotti Tedeschi und Generaldirektor Paolo Cipriani, wurde ein Gerichtsverfahren eingeleitet; sie wurden zum Verhör geladen. Die früher oft missbrauchte vatikanische Immunität („Wir sind ein souveräner Staat“) fand bei ihnen keine Anwendung. Sie konnten den Richtern Herkunft und Zweck der beschlagnahmten Millionen nicht befriedigend erklären. Seither behandeln die italienischen Institutionen die Vatikanbank wie eines jener obskuren (fragwürdig, verdächtig) Off-Shore-Institute , die in der Karibik oder anderswo als Steuerparadiese dienen. Der Fall liegt jetzt beim italienischen Obersten Gericht.

S. 217: Verfolgt von einem italienischen Gerichtsverfahren und bedroht von EU-Sanktionen entschlossen sich Papst Benedikt XVI. und die zuständigen Kurienleute, ihre Reform des vatikanischen Finanzwesens energisch voranzutreiben. Genau 30 Jahre sind es her, seit Kardinal Joseph Ratzinger in den innersten Zirkel der kurialen Macht eingetreten ist, und seit mehr als 5 Jahren ist er Papst – Zeit genug also, aber jetzt eilte es! Mitten in der Weihnachtszeit, am 30. Dezember 2010, kündigte der Papst in einem “Apostolischen Brief“ mit Wirkung auf den 1. April 2011 die Einsetzung einer Aufsichtsbehörde („Financial Information Authority“) und den Erlass neuer strenger Gesetze und Strafen für sämtliche Kurienorgane an (auch für die Kongregation für die Evangelisierung der Völker, die mit ihrem grossen Grundbesitz ebenfalls Objekt eines Gerichtsverfahrens ist). Ziel der päpstlichen Aktion: „die Vorbeugung und Abwehr illegaler Aktivitäten auf dem Feld des Finanz- und Währungswesens“ zu gewährleisten.

Was vor einiger Zeit vom Kreml gefordert wurde, darf doch wohl angesichts eines völlig undurchsichtigen Finanzgebarens auch von der Zentrale der katholischen Kirche erwartet werden:

  • „Glasnost“ (russ.: „Öffentlichkeit“): gerade der Vatikan sollte sich um „Transparenz“ in seinem Finanzwesen und ehrliche Information der Öffentlichkeit bemüht zeigen.
  • „Perestroika“ (russ.: „Umbau“): der Vatikan sollte sich für eine „Umstrukturierung“ des vatikanischen Finanzwesens und eine „Umgestaltung“ oder „Neuorientierung“ seiner Finanzpolitik engagieren.

Dies verlangt auch die Europäische Union in jenem, am 29.11.2009 abgeschlossenen und 2010 in Kraft getretene Abkommen mit dem Vatikan.

OR Nr. 1 vom 3. Januar 2014, S. 2

… Zugleich hat die Kommission zur Berichterstattung über wirtschaftliche und administrative Angelegenheiten die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG engagiert, um die Buchhaltung aller vatikanischen Einrichtungen an internationale Standards anzugleichen. Die Vergabe beider Aufträge (siehe „Kommunikation“) sei nach einer Ausschreibung erfolgt, wie der Vatikan hervorhob.
→Bank des Vatikans (IOR)
→Nuzzi Gianluigi, Finanzen und Wirtschaft des Vatikans

Finanzen in der Weltkirche

bz Basellandschaftliche Zeitung vom 20.12.2014, S. 7 Ausland, von Dominik Straub, Rom
Der Bettelorden ist bettelarm: Franziskaner, der Orden tätigte dubiose (zweifelhafte) Finanzgeschäfte (…)

Ordensgründer Franz von Assisi würde sich im Grab umdrehen, wenn er das wüsste: Der von ihm gegründete Bettelorden ist durch dubiose Finanzgeschäfte an den Rand des Ruins geraten. Die Führung in Rom bestätigte die Probleme – und bittet die Mitbrüder in der ganzen Welt um Hilfe bei der Deckung des Finanzlochs. In einem Brief an alle Mitbrüder zeigt sich der Generalminister des Franziskaner-Ordens, der Amerikaner Michael Perry, besorgt: Es gehe um die „finanzielle Stabilität des Ordens und seines Vermögens“. Die Schwierigkeiten seien ernst, die Schulden und die dafür aufzubringenden Zinsbelastungen beträchtlich. Man könne auch sagen: Der Orden steht am Rande eines Konkurses.
Schweizer Justiz ermittelt. Grund für den Schlamassel sind, wie Perry selber einräumt, „dubiose Finanzoperationen“. Laut italienischen Medien hat der Bettelorden, der wie kein anderer dem Armutsideal verpflichtet ist, hohe Beträge in Gesellschaften investiert, gegen die inzwischen wegen trüber Geschäfte wie Waffen- und Drogenhandel ermittelt werde. Die Schweizer Justizbehörden hätten bereits mehrere Konten mit Dutzenden von Millionen Euro, die auf den Orden zurückzuführen seien, beschlagnahmt. Als grosse Belastung hätten sich ausserdem der Kauf und die Renovierung eines luxuriösen Hotels mit Blick auf den Petersdom herausgestellt. Eine zentrale Rolle scheint der frühere Schatzmeister des Ordens, Pater Giancarlo Lati, gespielt zu haben. Der 62-Jährige hatte auch einmal eine Führungsposition bei der Skandalbank Monte die Paschi di Siena inne. Die Bank musste 2013 von der Regierung Monti wegen halsbrecherischer Derivatgeschäfte (Finanzprodukte, die von traditionellen Wertpapieren wie Aktien, Anleihen u. Ä. abgeleitet sind)  mit einem 4-Milliarden-Euro-Kredit gerettet werden. Bei dem Debakel hätten aber auch eine Reihe von ordensfremden Personen eine „massgebliche Rolle“ gespielt. Die zivile Justiz werde deshalb eingeschaltet.
(Der Franziskaner-Orden entwickelte sich zwischen 1210 und 1220 in Italien aus der Bruderschaft um Franziskus von Assisi. Die Franziskanertracht erkennt man an den graubraunen Kutten mit Kapuze. Anstelle eines Gurtes tragen die franziskanischen Ordensbrüder einen weissen Strick mit drei Knoten. Diese stehen für die Gelübde Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. – In der Schweiz zählt der Orden derzeit 25 Mitglieder in 3 Klöstern.)

Finanzgeschäfts-Gesetz in Kraft getreten

OR Nr. 14 vom 8. April 2011

Im Vatikan ist am 1.April 2011 das „Finanzgeschäfts-Gesetz“ in Kraft getreten, mit dem Geldwäsche und Terrorismusunterstützung verhindert werden soll. Basis des Gesetzes ist das „Motu proprio“ über „Vorbeugung und Abwehr illegaler Aktivitäten im Bereich des Finanz- und Währungswesens“, das Papst Benedikt XVI. am 30. Dezember 2010 erlassen hatte.

Darin wurde

  • die Einführung EU-konformer Standards für eine grössere Transparenz aller finanziellen und wirtschaftlichen Aktivitäten und
  • die Übernahme der internationalen Bestimmungen zur Vorbeugung unlauterer Finanzgeschäfte

festgelegt. Die neu geschaffene Aufsichtsbehörde „Autorità Informazione Finanziaria (AIF) überwacht nun die Einhaltung der Kriterien. Verstösse gegen das neue Anti-Geldwäsche-Gesetz können nun mit Geld- oder Haftstrafen geahndet werden. Das AIF kontrolliert dabei nicht nur die Vatikanbank IOR, sondern auch die Vermögensangelegenheiten anderer vatikanischer Einrichtungen. Eine AIF-Verordnung schreibt vor, dass Bargeldbeträge von 10’000 Euro und mehr nur dann über die vatikanische Staatsgrenze transportiert werden können, wenn dies angemeldet ist.

OR Nr. 28 vom 12. Juli 2013, S. 2
Vatikanische Finanzaufsicht wird Mitglied in „Egmont Group“

Der internationale Anti-Geldwäsche-Verband „Egmont Group“ hat die vatikanische Finanzaufsicht AIF als Vollmitglied aufgenommen. Die Entscheidung sei bei der Vollversammlung der Vereinigung im südafrikanischen Sun City gefallen, heisst es in einer Mitteilung. Die Aufnahme sei eine „Anerkennung für die systematischen Bemühungen des Heiligen Stuhls und des Vatikanstaates bei der Aufspürung und der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“, betonte AIF-Präsident Brüllhart in einer Erklärung. Sie ermögliche es dem Vatikan, sich noch intensiver am Kampf gegen die Finanzkriminalität zu beteiligen.

OR Nr. 34 vom 23. August 2013, S. 1
Papst erweitert Massnahmen gegen Geldwäsche im Vatikan

Papst  Franziskus dehnt sein Vorgehen gegen unlautere Finanzgeschäfte im Vatikan aus. In einem Erlass in Form eines „Motu proprio“ („Aus eigenem Antrieb“) verkündete er erweiterte Regeln im Kampf gegen Geldwäsche sowie gegen die Finanzierung von Terror und Massenvernichtungswaffen. Demnach sollen künftig die im Finanzbereich des Vatikans geltenden Gesetze auf alle Behörden und Einrichtungen des Kirchenstaates angewendet werden. Dies gelte auch für vatikanische Non-Profit-Organisationen mit eigenem Rechtsstatus. Die Kompetenzen der vatikanischen Finanzaufsichtsbehörde AIF werden erweitert. Sie ist fortan für alle vatikanischen Einrichtungen mit regelmässigen Finanzaktivitäten zuständig. Damit folge Franziskus einer Empfehlung des Moneyval-Komitees des Europarates, so der Erlass. Zusätzlich bestimmt das „Motu proprio“ die Gründung eines Komitees für Finanzsicherheit, das die Kontrollmassnahmen der zuständigen Vatikanbehörden gegen Geldwäsche, Terrorfinanzierung und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen koordinieren soll. Das Päpstliche Schreiben ergänze das „Motu proprio“ von Papst  Benedikt XVI. aus dem Jahr 2010 gegen illegale Finanzgeschäfte und zur Beachtung internationaler Normen, heisst es in dem Dokument.

OR Nr. 43 vom 25. Oktober 2013, S. 4

Der Vatikan verschärft die Kontrolle seiner Finanzgeschäfte. Es wurde ein neues Aufsichtsgremium für die Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA) eingerichtet. Deren ausserordentliche Abteilung, die sich unter anderem um die Kapitalanlagen des Vatikans kümmert und in Kontakt mit internationalen Grossbanken steht, wird künftig von einem „Supervisor Board“ überwacht. Das Gremium besteht laut Mitteilung aus bisherigen Beratern der APSA (Amministrazione del Patrimonio della Sede Apostolico).

OR Nr. 44 vom 1. November 2013, S. 3

Vatikanstadt. Der Vatikan hat seine Finanzgeschäfte transparenter gemacht. Zu diesem Ergebnis kommt die Rating-Agentur „Standard Ethics“ in ihrem veröffentlichten Länder-Rating. Darin stuft sie den Vatikan von „EE-“ auf „EE“ hoch. Der Kleinstaat habe sich internationalen Standards für Transparenz und Rechnungsprüfung angenähert, heisst es in einer Mitteilung der in London und Brüssel ansässigen Agentur. Das Rating „EE“ bedeutet, dass der Vatikan über dem Mittelfeld liegt. Die beste Bewertung „EEE“ haben nur 4 Staaten erhalten: Dänemark, Island, Norwegen und Schweden. Deutschland, Österreich und 9 weitere Staaten wurden mit „EEE-“ beurteilt.

OR Nr. 47 vom 22. November 2013, S. 1
Weitere Verschärfung der Normen gegen Geldwäsche

Papst Franziskus hat die vatikanischen Normen im Kampf gegen illegale Finanzaktionen und Geldwäsche weiter verschärft. Am 18. November 2013 wurde das neue Statut für die Finanzaufsichtsbehörde AIF (Autorità Informazione Finanziaria) veröffentlicht. Es weitet die bisherigen Kompetenzen und Aufsichtsfunktionen des im Dezember 2010 gegründeten AIF auf alle Vatikanbehörden mit regelmässigen Finanzaktionen aus. Das neue Statut klärt insbesondere die Rolle und Verantwortlichkeit des Vorstands sowie der Direktion der Vatikanbank. In einem das Statut begleitenden Kommmuniqué  heisst es, das neue Statut beziehe sich u. a. auf Anregungen der im Juni 2013 neu errichteten Kommission zur Reform der Vatikanbank unter Leitung von Kurienkardinal Raffaele Farina. Der Erlass wurde jetzt – wie bereits das Gründungsstatut des AIF – durch ein Apostolisches Schreiben des Papstes in Form eines Motu proprio (mit eigenem Antrieb) verfügt.

Finanzielle und wirtschaftliche Katastrophe im Vatikan

→Nuzzi, Gianluigi, Alles muss ans Licht

Finnische Botschaft beim Hl. Stuhl

 →Lante

Firmung

Katholische Wochenzeitung 30-32 2014 Juli, S. 5, kath. net/
„Ich habe mich entschieden, bei der diesjährigen Firmung nicht dabei zu sein. Dies sind  meine Gründe …“
Pfarrer Andreas Gschwind (Bistum Basel) informierte seine Pfarrei via das Pfarrblatt des Dekanats Olten über seine Schwierigkeiten mit dem aktuellen Firmsystem:

Liebe Pfarreiangehörige
Ich habe mich entschieden, bei der Firmung nicht dabei zu sein. Dies sind meine Gründe:

  • Ich kenne die diesjährigen Firmlinge überhaupt nicht. N.N. hat die Firmlinge sicher gut vorbereitet.
  • Leider waren aber die ausserschulischen Zusammenkünfte so platziert,
    dass ich kaum an Treffen teilnehmen konnte.
  • Für Beichtgespräche ist auch keine Zeit eingeplant worden.
  • Mit wenigen Ausnahmen haben die Firmlinge an keinem Gottesdienst
    während des Jahres teilgenommen. Man sagt ihnen immer wieder, dass
    alles freiwillig sei.
  • So komme ich mir bei der Firmung vor wie ein Schirmständer neben dem
    Firmspender oder wie ein Ölgötze (Duden: stumm, unbeteiligt dasitzen),
    der stumm und dumm rumsteht und das Gefäss mit dem Öl für die Salbung  bereithält. Als Priester möchte ich Mittler der Frohen Botschaft sein und  nicht lediglich ein Zwischenhändler.

Von N.N. habe ich erfahren, dass dieses Jahr unter anderem einige Kappeler (Gemeinde Kappel in der Nähe Oltens CH) sehr uninteressiert und unmotiviert sind. Für mich ist schon lange klar, dass man die Firmung nicht mit 15 oder 16 Jahren, auch nicht mit 18 Jahren spenden sollte. Ich wäre für eine Firmung ab 20 im ganzen Bistum, wo die jungen Erwachsenen sich in ihrem Pastoralraum für den Firmkurs anmelden. – Wir kommen mit etwas, das unsere Jugendlichen in diesem Alter gar nicht interessiert. Der deutsche evangelische Theologe und Märtyrer Dietrich Bonhoeffer hat gesagt, dass wir das Evangelium erst überreichen dürfen, wenn danach gefragt wird. Aber so handeln wir ja heute gar nicht. Wir überreichen ständig, ob wir danach gefragt werden oder nicht. Und ich glaube, wenn wir ständig etwas weggeben, indem wir es immer Menschen verteilen, obwohl sie gar nicht minimal danach fragen, machen wir etwas kaputt. Wir machen sogar das Evangelium kaputt. – Noch etwas: Kürzlich war ich in einer Familie eingeladen. Nach dem Essen haben wir alle eine Lektion des Youcat-Firmkurses durchgearbeitet. Es war auch spannend für die Eltern. Das hat mir Freude bereitet.
Der Autor ist bis in den Sommer Pfarrer der Pfarreien Kappel-Böningen und Gunzgen im Bistum Basel.

Kommentar:
Pfarrer Andreas Gschwind – übrigens regelmässiger Gastreferent bei Radio Maria Deutschschweiz – bringt die Sache auf den Punkt. Was er vom Sakrament der Firmung sagt, gilt *mutatis mutandis auch für die übrigen Sakramente, die mit einem „Volksfest“ verbunden sind: Ob Taufe, Erstkommunion oder Hochzeit – nur wenige sind noch der eigentlichen Bedeutung dieser Sakramente bewusst, sondern finden es einfach schön, einen Anlass für ein Fest zu haben. Hier ist seitens der Kirche dringend eine Änderung der gängigen Praxis gefordert. Es darf nicht sein, das sich Priester zu „Schirmständern“, um mit Pfarrer Gschwind zu sprechen, degradieren lassen und die Sakramente zum Aktionspreis verschleudern. – Dass es überhaupt so weit kommen konnte, liegt an der schizophrenen (geistig-seelische Störung) Situation der Kirche im „christlichen“ Abendlandes. Man pflegt kirchliche Strukturen, die für eine flächendeckend christliche Gesellschaft angelegt, aber heute im Zeitalter der „Diktatur des Relativismus“ (Erkenntnisse sind relativ, sie gelten nicht allgemein) nur noch Fassade sind. Stolz spricht man davon, wie viele Katholiken eine Pfarrei habe, und vergisst dabei, dass diese „Katholiken“ längst stillschweigend von der Kirche Abschied genommen haben, auch wenn sie vielleicht einmal getauft worden sind und ihre Kirchensteuern bezahlen. Letzteres scheint ohnehin wichtiger zu sein als den Weg mit Jesus Christus und seiner Kirche zu gehen! Ändern kann sich dies erst, wenn alle oder zumindest viele Priester so handeln wie Pfarrer Gschwind. Dann ist es nämlich nicht mehr so einfach, die Sakramente zum Billigpreis zu erwerben. Solange man einem „sturen“ – sprich: kirchentreuen – Priester entkommen kann und in der Nachbarpfarrei einen willfährigeren findet, werden Taufen, Erstkommunionfeiern, Firmungen und Eheschliessungen auch weiterhin nach dem Giesskannenprinzip durchgeführt. Martin Meier
*mutatis mutandis. Wörtlich: nach Änderung des zu Ändernden. Die Formel wird gebraucht, wenn es sich um Vergleiche handelt und bedeutet so viel wie: den gegebenen Verhältnissen entsprechend, sinngemäss, im Vergleich zu einer anderen Sache, mit Berücksichtigung der Verschiedenheiten, mit den notwendigen Änderungen. (Nach Alfred Sellner, Latein im Alltag, 1980, VMA-Verlag, Wiesbaden)

Fischerring des Papstes

 →Kleidung

Fischzucht des Vatikans

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan:
Viehzucht, Milchwirtschaft und Weinbau sind seit Kriegsende ausgelagert worden, sodass – mit Ausnahme einer kleineren Fischzucht im „Brunnen des Sakramentes“ neben der Casina Pio IV. Während des Pontifikates von Johannes Paul II. (1978-2005) kam es zu einem Zwischenfall, als eine Gruppe deutscher Behinderter einen Goldfisch im „Brunnen des Sakramentes“ fing und ihn im Weihwasserbecken des Petersdomes aussetzte.

Vatikangärten: In einigen Brunnen wurden in der Vergangenheit Forellen, Hechte, Flussbarsche und Karpfen gehalten. Im Galeerenbrunnen gab es ein Becken, das dazu diente, den Fisch für den Papst frisch zu halten. Später wurde das Becken unter die „Casina Pio IV“ verlegt. Bis vor 4 Jahren wurden die Fische, die an den Papst verschenkt wurden, dort gehalten (Zeit von Johannes Paul II.)  Am vergangenen 16. Juli 2009 sind in diesem Brunnen 10 Wasserschildkröten (Rotwangenschmuck-Schildkröten) im Alter zwischen 7 und 10 Jahren ausgesetzt worden. Diese Schildkröten sind auch in den Mosaiken über dem Brunnen dargestellt, die von den Grotesken (d. h. in den fantastisch geformten Tier- und Pflanzenverzierungen der Antike und der Renaissance) in der Domus Aurea des Kaisers Nero inspiriert sind.

Im Klippenbrunnen (hinter dem Governatorat) gab es in der Vergangenheit keine Fische. Vor einiger Zeit sind dort Goldfische der Spezies Carassius auratus L. eingesetzt worden. Dann gibt es die gemeinen Erdkröten der Spezies Bufo bufo L. Auch Amphibien, von denen jedes Weibchen im Mai bis zu 10’000 schwarze Eier in den Brunnen ablegt. Daneben gibt es einige grüne Wasserfrösche der Gattung Rana esculenta L. sowie Ringelnattern, ungiftige Schuppenkriechtiere der Spezies Natrix Natrix L., die eine  Länge von bis zu 120 cm erreichen können.
→Brunnen   →Tiere  →Fauna und Flora

Fixierung des Papstleichnams

→Konservierung