Fa bis Fer

Fahne/Flagge des Vatikans

→ Nationalfahne


Beschreibung: zwei senkrechte Felder (gelb/gold und weiss/silber). Im weissen Feld das Emblem des Heiligen Stuhles. →Heraldik des Vatikans (1)

Fahne des Schweizergarde-Kommandanten

Sie unter dem Register „Fa bis Fi“ das Unterregister „Fahne Gardekommandant“

Fahnen und Farben, Päpstliche

Ulrich Nersinger, Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof, Seite 166
Auch : → Gelb – weiss

Monarchien (blau). Der Vatikanstaat fehlt.

  1. Mit dem Beginn des 10. Jh. tauchen Bezeichnungen auf wie Fahne des heiligen Petrus, Fahne des Apostolischen Stuhles, Fahne des Papstes oder Römische Fahne.  Das älteste Fahnensymbol der Päpste dürften die Schlüssel Petri sein. Im 10. Jahrhundert führten die päpstlichen Truppen im Kampf gegen die Sarazenen ein Banner mit den Schlüsseln, die „Petrusfahne“, mit sich.
  2. Berühmt waren die mit dem Abzeichen der Schlüssel ausgestatteten Soldaten Papst Gregors IX. (di Segni, 1227-41), die von ihren Zeitgenossen als „Clavesignati – Schlüsselsoldaten“ bezeichnet wurden.
  3. Zur Fahne von Innozenz III. (1198-1216) merkte Carl Erdmann in seinem 1931 erschienenen Artikel „Das Wappen und die Fahne der Römischen Kirche“ an: Die Farbenzusammenstellung, das weisse Kreuz auf rotem Grund, ist kein Zufall. Denn das gleiche Abzeichen fand sich seit dem Ende des 12. Jahrhunderts auf den Fahnen des Kaisers, mit denen er zu Felde zog und Belehnungen seiner Anhänger in Italien ausführte. Die Fahnen kaiserlicher und päpstlicher Truppen, die sich oft genug bekämpften, waren also in der Hauptsache gleich, nur dass die päpstlichen noch als weiteres Emblem die Schlüssel enthielten. Das kann nicht ohne Absicht gewesen sein. Die Papstfahne mit dem Kreuz und den Schlüsseln bringt den Gedanken der Zweischwertertheorie zum Ausdruck: die höchste geistliche und weltliche Gewalt liegen vereint in der Hand des Papstes.
  4. Mit dem Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert taucht ein weiteres Fahnenzeichen auf, das conopoeum – im deutschen Sprachraum oft als „Basilikenschirm“ bezeichnet. Es ist ein Baldachin in der Form eines grossen Zeltschirmes, der in Rom bei feierlichen Papstprozessionen mitgeführt wurde. Dem Conopoeum liegt wohl der Gedanken an das Zelt Gottes, das tabernaculum, zu Grunde, das im Alten Testament die Stiftshütte und danach in den liturgischen Büchern des Christentums entsprechend der Typologie des Hebräerbriefes die Kirche bezeichnet. – Auf Fahnen wurde und wird das Conopoeum in der Regel rotgelb gestreift dargestellt.
  5. Eine grosse Schwierigkeit in der kirchlichen Flaggenlehre ergibt sich dadurch, dass von den Päpsten drei verschiedenartige Fahnen benutzt wurden: ihre eigene, die der Päpstlichen Staaten und das Banner der Kirche, das einen speziellen Rang einnimmt. Seit der Karolingerzeit (ab 7. Jahrhundert) – vielleicht schon früher – besass die Kirche ein Banner, das ihre geistliche Oberheit über den ganzen Erdkreis symbolisch darstellte. Im 27. Gesang seiner „Göttlichen Komödie“ spielt Dante Alghieri auf das Banner der Heiligen Römischen Kirche an: er sprach von den Schlüsseln Petri. – Das Tuch des Banners war stets von roter Farbe (→ Heraldik) und mit goldenen, sechszackigen Sternen übersät. Die übrige Gestaltung des Banners wechselte, es zeigte abwechselnd die Gestalt des heiligen Petrus, alleine oder zusammen mit dem heiligen Paulus, die gekreuzten Petrusschlüssel, zunächst mit einem weissen Kreuz darüber, später dann mit der Tiara und schliesslich mit dem rotgelben Conopoeum. Ulrich Nersinger, Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof, Seite 339: Foto mit dem Banner der Kirche: Paul VI. erteilt nach der Besitzergreifung des Laterans (10.11.1963) den Apostolischen Segen. Im Hintergrund das Banner der Heiligen Römischen Kirche.
  6. Die Bewohner der Ewigen Stadt konnten das Banner der Kirche vor allem immer dann erblicken, wenn ein neugewähltes Oberhaupt der katholischen Kirche mit der Tiara, der dreifachen Papstkrone, gekrönt wurde. Zog der Papst zu Beginn seines Pontifikates zum Lateran, um dort feierlich von Kirche und Palast Besitz zu ergreifen, ritt ihm der Bannerträger mit dem Vexillum Sanctae Romanae Ecclesiae voran. Das gleiche bei den Fronleichnamsprozessionen.
  7. Noch für mehr als 400 Jahre besitzen wir für den Gebrauch der verschiedenen Fahnen keine klare Linie. Immer wieder wurden einzelne Fahnensymbole ausgetauscht und miteinander verbunden. Päpstliche Galeeren an Seeschlachten: eine Fahne mit dem Bildnis der Apostelfürsten oder eine, die das Kreuz Jesu Christi zeigte. Generalkapitäne zu Lande gegen kaiserliche Truppen oder das Heer des französischen Königs: persönliche Fahne des Papstes mit dessen Familienwappen oder das Banner mit dem Conopoeum und den gekreuzten Schlüsseln. Flagge auf der Engelsburg: einmal mit der Tiara, ein ander Mal mit den Schlüsseln Petri.
    Siehe jetzt → Gelb – weiss
  8. 17.09.1825: Allen Schiffe des Staates, der Handelsflotte und der Fischereiboote wird eine neue Flagge vorgeschrieben: unterteilt in 2 Felder, gelb und weiss, in der Mitte die von der Tiara überkrönten gekreuzten Schlüssel Petri.
  9. 1831: Als erstes Militärkorps der Päpstlichen Staaten übernahm die Guardia Civica (Bürgermiliz) Gelb und Weiss in ihrer Fahne, aber diagonal.
  10. 1848/49: Guardia Civica und Milizia Urbana werden zusammengelegt. Sie übernehmen Gelb und Weiss, diesmal horizontale Farbdarstellung.
  11. 1853: Als erste reguläre Einheiten der päpstlichen Armeen begannen die Regimenter der Infanterie in ihren Fahnen Gelbweiss zu führen.
  12. 1860: Es folgte das corps d’elite des Kirchenstaates (französische Zuaven).
  13. Nach dem Jahre 1870 (der Kirchenstaat existiert nicht mehr) kam es häufig zum Streit um die gelbweisse Fahne des Papstes. Wurde sie in katholischen Ländern zum Empfang eines päpstlichen Legaten aufgezogen, protestierte regelmässig der Botschafter Italiens gegen das Hissen der Flagge.
  14. 11.02.1929: Lateranverträge. Im Grundgesetz (legge fondamentale) wird die Flagge des neuen Staates der Vatikanstadt wie folgt umschrieben: 2 vertikale getrennte Felder, einem gelben nächst der Fahnenstange sowie einem weissen, das die Tiara mit den gekreuzten Schlüssel trägt. Sie wird als Hoheitszeichen eines ausländischen Staates anerkannt und erfreut sich des Rechtschutzes seitens des italienischen Staates (Italienisches Strafgesetzbuch, Art. 299).

Fahrprüfungen des Staates der Vatikanstadt SCV

Fahrprüfungen für Motorrad, Auto, Bus, Lastwagen, nicht aber für Motorboot (→ Schifffahrtsreglement SCV). Fahrschule in Rom. Die theoretische und praktische Prüfung findet  im Vatikan mit einem einzig vorhandenen SCV-Experten statt. Der Fahrausweis ist in allen Ländern gültig.

Familie

Grossfamilie Zimmermann mit 13 Kindern (2012)

OR Nr. 42 vom 21.10.2011:
Die Familie – ein unantastbares Heiligtum

Papst Benedikt XVI. hat dazu aufgerufen, bessere Voraussetzungen für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen. Es bedürfe eines neuen „harmonischen Zusammenspiels“ zwischen beiden Bereichen, sagte der Papst vor Teilnehmern einer internationalen Konferenz über die katholische Soziallehre. Der heilige Vater forderte die Wirtschaft auf, die Interessen und den Schutz der Familie als Keimzelle der Gesellschaft stets zu berücksichtigen. Jede Familie sei ein „unantastbares Heiligtum“ und stelle eine eigne Hauskirche dar. Die dreitägige Konferenz wurde von der Stiftung „Centesimus Annus – Pro Pontifice“ organisiert und stand unter dem Titel „Familie, Unternehmen: Mit neuen Formen der Solidarität die Krise überwinden“. Anlass der Tagung war die Veröffentlichung der Sozialenzyklika „Centesimus Annus“ von Papst Johannes Paul  II. vor 20 Jahren am 1. Mai 1991.

Kirche heute 45/2014 Oktober, S. 2
Kultur des Provisoriums bedroht Familien

Ehe und Familie leiden nach den Worten von Papst Franziskus unter einer nie dagewesenen Krise. Nie zuvor sei das Ideal der christlichen Familie solchen Angriffen ausgesetzt gewesen wie heute, sagte Franziskus bei einem Treffen mit Mitgliedern der Schönstattbewegung im Vatikan. Dies sei „traurig und schmerzhaft“.  In seinen Antworten auf Fragen der Teilnehmer kritisierte der Papst eine „Kultur des Provisoriums“, die die Bindungsfähigkeit unter den Menschen zerstöre und unter der vor allem die Kinder gescheiterter Ehen zu leiden hätten.

Kirche heute 16/2016 April, S. 1, Regula Vogt-Kohler
Kirche und Familie: Unterscheiden statt urteilen
Papst Franziskus wirft einen liebevollen Blick auf die moderne Familie

Die Familie, wie sie sich in der Realität des 21. Jahrhunderts präsentiert, steht im Zentrum von „Amoris Laetitia“ (AL), dem Schreiben von Papst Franziskus zur Familiensynode. Die Doktrin bleibt unverändert, doch Ton und Sprache haben sich verändert. Spielraum gibt es für wiederverheiratete Geschiedene.
„Amoris Laetitia (Freude der Liebe) – der Titel des rund 200 Seiten dicken Lehrschreibens, das Papst Franziskus im Nachgang der beiden Bischofssynoden zu Ehe und Familie verfasst hat, ist zugleich Programm. Um Liebe geht es nicht nur in Ehe und Familie, liebevoll ist auch der Ton, in dem der Pontifex schreibt. Weg von einem unerreichbaren Ideal hin zur Wirklichkeit de Alltags: Das ist der Fokus (Brennpunkt) von Franziskus. Das schliesst einen an die Kirche gerichteten Aufruf zur Selbstkritik ein: Eine übertriebene Idealisierung der Ehe, weit weg von der konkreten Situation und den tatsächlichen Möglichkeiten der realen Familien, habe die Ehe nicht erstrebenswerter und attraktiver gemacht, sondern das völlige Gegenteil bewirkt ()AL 36).
„Amoris Laetitia“ preist die Liebe in Ehe und Familie in allen ihren Facetten. Das Lob der Liebe umfasst auch die Sexualität. „Wir glauben, dass Gott das frohe Geniessen des Menschen liebt“, hält der Papst fest (AL 149). Und Liebe sei mehr als ein Gefühl. Liebe müsse in dem Sinn verstanden werden, den das Wort „Liebe“ im Hebräischen habe, nämlich „Gutes tun“.
„Amoris Laetitia“ rüttelt jedoch nicht an den kirchlichen Normen. Vielmehr plädiert Papst Franziskus für Barmherzigkeit, für „Unterscheidung“ durch Berücksichtigung der besonderen Umstände im Einzelfall. „Wenn man die zahllosen Unterschiede der konkreten Situation … berücksichtigt, kann man verstehen, dass man von der Synode oder von diesem Schreiben keine neue, auf alle Fälle anzuwendende generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art erwarten durfte“, schreibt der Papst (AL 300).
„Amoris Laetitia“ hält am Prinzip der Unauflöslichkeit der Ehe fest, auch wenn Franziskus einräumt, dass es Situationen gibt, in denen eine Trennung unvermeidlich ist. Ein Entgegenkommen gibt es für die wiederverheirateten Geschiedenen. Es sei wichtig, sie spüren zu lassen, dass sie Teil der Kirche und keineswegs exkommuniziert seien, schreibt Franziskus (AL 243). „Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums! Ich beziehe mich nicht nur auf die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, sondern auf alle, in welcher Situation auch immer sie sich befinden“, heisst es in AL 297. „Die Priester haben die Aufgabe, die betroffenen Menschen entsprechend der Lehre der Kirche und den Richtlinien des Bischofs auf dem Weg der Unterscheidung zu begleiten. In diesem Prozess wird es hilfreich sein, durch Momente des Nachdenkens und der Reue eine Erforschung des Gewissens vorzunehmen“, führt Franziskus aus (AL 300).
Eine Absage erteilt der Papst der kirchlichen Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und der →Genderideologie, welche die anthropologische (Anthropologie = Wissenschaft vom Menschen und seiner Entwicklung) Grundlage der Familie aushöhle.

Kirche heute 16/2016 April, S. 3, Auswahl Regula Vogt-Kohler
Der Papst baut Brücken zwischen Ideal und Wirklichkeit

„Amoris Laetitia“ hat begeisterte, wohlwollende, aber auch kritische und enttäuschte Reaktionen ausgelöst. Papst Franziskus bewegt sich auf seinem Weg der Barmherzigkeit zwischen radikalen Forderungen nach Reformen einerseits und dem starren Festhalten an bestehenden Normen andererseits. Kardinal Lorenzo Baldisseri, Generalsekretär der Bischofssynode, und der Wiener Kardinal Christoph Schönborn stellten am 8. April 2016 „Amoris Laetitia“ vor. Nicht alle teilen ihre Freude. Einige Stimmen:
Jean-Marie Lovey, Schweizer Bischofskonferenz: Das Fehlen von Urteilen, die „Unterscheidung“ und die Seelsorge der kleinen Schritte, das sei relativ neu und wunderbar. Für die Verwirklichung dieser Unterscheidung gelte es Kriterien zu entwickeln. Dies werde eine Aufgabe der Familienseelsorge in den Bistümern und der Schweizer Bischofskonferenz.
Josef Annen, Regionaler Generalvikar für die Kanton Zürich und Glarus: „Papst Franziskus schlägt eine Brücke zwischen Ideal und Wirklichkeit und stösst damit die überfällige Überwindung der Kluft zwischen lehramtlicher Idealvorstellung und gelebter Alltagsrealität an.“
Martin Grichting, Generalvikar des Bistums Chur: „Der innere Zusammenhang zwischen der Wahrheit des Glaubens und der daran gebundenen Unterscheidung im Einzelfall muss auch in der Ehe- und Familienpastoral der Zukunft immer gewahrt bleiben. Andernfalls läuft die Seelsorge auf einen Subjektivismus (philos. Denkrichtung, nach der das Subjekt für die Geltung der Erkenntnis entscheidend ist) hinaus, der Offenbarung und Kirche überflüssig macht.“
Franz Kreissl, Leiter des Pastoralamtes im Bistum St. Gallen: „Papst Franziskus gelingt es in seiner verständlichen und lebensnahen Sprache, auf die alltäglichen Schwierigkeiten von Menschen in Partnerschaft und Familie einzugehen, ohne das Ideal einer verlässlichen Partnerschaft zu verwässern.“
Urban Federer, Abt des Klosters Einsiedeln: „Papst Franziskus sieht nicht nur das Ideal, sondern auch den Alltag und die konkreten Sorgen von Familien und Menschen in Partnerschaften. Er will dabei die Wirklichkeit anschauen, wie sie ist, und ruft auf zu einer ‚verantwortungsvollen persönlichen und pastoralen Unterscheidung der je spezifischen Fälle‘.“ Die den „Hirten der Kirche“, ob Priester oder Laien, übertragene Verantwortung sei viel grösser, als dies in lehramtlichen Texten bisher der Fall war.
Allianz „Es reicht!“ Der Prozess müsse weitergehen, auch in der Schweiz. Die Allianz werde sich dafür einsetzen, dass auf allen Ebenen synodale Prozesse initiiert (eingeleitet) würden.
Monika Hungerbühler, Co-Leiterin Dekanat Basel-Stadt: „Ich bin gespannt, ob und wie sich die vom Papst gelebte und empfohlene Barmherzigkeit auf all die Menschen auswirken wird, die in einer wie auch immer gearteten „irregulären Situation“ leben. Ebenso gespannt bin ich auf „die verschiedenen Interpretationen einiger Aspekte der Lehre oder einiger Schlussfolgerungen“. Als Co-Leiterin des Dekanats Basel-Stadt wünsche ich mir eine solche Weise des gemeinsamen „Kirchen-Seins“.

bz BASEL vom 09.04.2016, S. 7, Dominik Straub, Rom
Was Franziskus wirklich wollte

Nach einer ersten, flüchtigen Lektüre des nachsynodalen Schreibens „Amoris Laetitia“ könnte man zum Schluss kommen: Papst Franziskus ist eingeknickt und ganz auf der Linie der konservativen Bischöfe eingeschwenkt, die schon an den beiden Familiensynoden den Ton nagegeben hatten. Die Ehe bleibe unauflöslich, Homosexualität eine Sünde, und auch Verhütung ist weiterhin nicht gottgefällig.
Doch dieser Eindruck täuscht. Zwar hat Franziskus die geltende Lehre nicht umgekrempelt. Das war aber auch nicht ernsthaft zu erwarten. Dem Papst geht es um etwas anderes. Er will keine andere Lehre, sondern eine andere Haltung der Kirche: Er fordert Respekt und Mitgefühl auch für Gemeindemitglieder, die vom Pfad der katholischen Tugend abgewichen sind. Er will eine Kirche, die sich um die Sünder, die Armen, die Zweifler und Verzweifelten kümmert. Er will die verirrten Schäfchen nicht verurteilen, sondern sie in die Herde zurückführen.
Moralische Gesetze seien keine Felsblöcke, „die man auf das Leben von Menschen wirft“, heisst es im päpstlichen Schreiben – ein völlig neuer Ton im Vergleich zu seinen Vorgängern. Franziskus lässt es aber nicht bei einem neuen Ton bewenden, sondern er öffnet auch inhaltliche, für die Praxis wichtige Spielräume: So sollen künftig die Ortsbischöfe entscheiden können, ob und unter welchen Bedingungen wieder  verheiratete Geschiedene am kirchlichen Leben und an den Sakramenten teilnehmen können. Die Konservativen hätten sich garantiert etwas anderes gewünscht.
Im Grunde „legalisiert“ der Papst damit letztlich eine Praxis, die in vielen Diözesen ohnehin üblich ist: Die Hostie wird selten verweigert. Und für die meisten betroffenen Paare scheint es sich ebenfalls nicht um ein besonders dringliches Problem zu handeln. „Ich wünschte, ich hätte Tausende Leute vor der Türe, die schreien: ‚Wir wollen Kommunion, wir wollen wieder in die Kirche!‘ Ich wünschte, die machten das, aber das tun sie nicht“, betonte der New Yorker Erzbischof und Kardinal Timothy Dolan.

Schweiz am Sonntag vom 24.04.2016, Ausland, S. 11, Fabienne Riklin
Revolution im Kleingedruckten. Das Schreiben „Amoris Laetitia“ von Papst Franziskus hat Sprengkraft. Zur Kommunion für wieder verheiratete Geschiedene sagt er: „Ja. Punkt“.

Beinahe 300 Seiten lang ist das Dokument „Amoris Laetitia“ von Papst Franziskus. Zweieinhalb Jahre nach der Ankündigung einer Bischofssynode zum Thema Familie liegt es seit ein paar Tagen vor. Zwar hatte Franziskus empfohlen, das Lehrschreiben nicht hastig zu lesen, doch die Meinungen waren schnell gemacht: Es ändere sich wenig und auch der argentinische Papst halte an Dogmen fest.
Die brisanteste Stelle versteckt sich ganz hinten im Dokument in den Fussnoten. Insbesondere der erste Satz unter der Nummer 351 ist bedeutend. Er ist Türöffner für wieder verheiratete Geschiedene zu den Sakramenten: „In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein. Deshalb erinnere ich die Priester daran, dass der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herrn. Gleichermassen betone ich, dass die Eucharistie nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein grosszügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen ist.“
Nun ist es heraus. Die Geschiedenen, die in einer neuen Verbindung leben, sind Teil der Kirche. Das Kommunionsverbot für wieder verheiratete Geschiedene gilt „nicht mehr absolut“. Das kommt einer Revolution gleich. Insbesondere, weil Papst Franziskus auf dem Rückflug von der Flüchtlingsinsel Lesbos noch nachdoppelte. Auf die Frage einer Journalistin des „Wall Street Journal“, ob wieder verheiratete Geschiedene nun tatsächlich zur Kommunion gehen dürfen, sagte er: Ja. Punkt.“ (…)

Katholische Wochenzeitung 24/2017 Juni, S. 4
Papst: Familien sind „wertvollster Schatz“ Europas

Aus Sicht von Papst Franziskus sind Familien der wertvollste Schatz“ Europas. Die Familie bilde eine „wesentliche Zelle der Gesellschaft“. Nach wie vor sei dies die „angemessenste Struktur“ und ein Garant für das Gesamtwohl der Menschen, das zur Weiterentwicklung nötig sei, sagte er bei dem Treffen mit katholischen Familienverbänden. (cic) (…)

Kath. Wochenzeitung Baden 38/2018 September, S. 4
Kardinal Angelo Comastri am Fest der Mutter Anna:
„Es gibt ein diabolisches Projekt gegen die Familie“

Kardinal Angelo Comastri in der „St.-Anna-Kapelle“ im Petersdom, der Pfarrkirche der Päpstlichen Pfarrei St. Anna im Vatikan am 26. Juli 2018
„Es gibt ein diabolisches Projekt gegen die Familie. Ein Projekt, das auch der Dichter Eugenio Montale erkannte, der 1970 beim Gedenken an den 25. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki sagte: „Es ist richtig, an diesen dramatischen Augenblick zu erinnern, in der Hoffnung, dass er sich nie mehr wiederholen wird. Mein Gewissen drängt mich aber, davor zu warnen, dass eine Atombombe gegen die Familie am Explodieren ist, die vielleicht noch mehr Opfer und noch mehr Wunden verursachen wird als die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki. Diese Bombe wird von den Menschen gezündet, die falsche Lebensmodelle verbreiten“. Es sind diese falschen Lebensmodelle, die leider die jungen Menschen verwirren.“

OR Nr. 50 vom 14.12.2018, S. 8
Vatikan ruft Forschungsstelle für Familien ins Leben

Vatikanstadt. Der Vatikan hat eine internationale Beobachtungsstelle für Familienfragen eingerichtet. Diese solle in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen weltweit ein umfassendes und reales Bild der Situation von Familien erarbeiten, erklärte Kurienerzbischof Vincenzo Paglia, Grosskanzler des Päpstlichen Instituts für Ehe und Familie, bei der Vorstellung am Donnerstag, 06.12.2018, im Vatikan. Die Kirche wolle basierend auf den Ergebnissen neuer Wege finden, um Familien zu stärken.
Der Vatikan kooperiert bei dem Projekt hauptsächlich mit der Katholischen Universität San Antonio de Murcia in Spanien, wo die Beobachtungsstelle auch angesiedelt ist. Massgeblich beteiligt ist zudem ein internationales Studienzentrum zur Familie in Mailand. Kooperation mit Institutionen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz gibt es bisher nicht.
Zu den Projektpartnern zählen nach Angaben des Vatikans die Comenius-Universität Bratislava sowie weitere Universitäten und Institute in Mexiko, den USA, Argentinien, Chile, Benin, Kenia, Spanien, Italien, Finnland, Tschechien und Hongkong. Hauptsächlich handelt es sich um katholische Einrichtungen. Der Direktor des internationalen Studienzentrums zur Familie in Mailand, Francesco Belletti, kündigte an, die Beobachtungsstelle wolle neben staatlichen Instituten auch Forscher anderer Konfessionen einbinden. Laut Erzbischof Paglia soll zudem der Caritas-Weltdachverband „Caritas Internationalis“ einbezogen werden.
Themen der Untersuchung sind Belletti zufolge Beziehungsarmut in Familien, aber auch strukturelle und finanzielle Armut. Eine Veröffentlichung von Ergebnissen sei für Mai 2020 und Mai 2021 geplant. Besondere Aufmerksamkeit gelte der Rolle von Frauen und Kindern sowie den Auswirkungen neuer Technologien auf die Familien.

→Bischofssynode

Familien im Vatikan

Die da sind: Gärtnermeister, langjährige Angestellte, Kommandant und Stellvertreter der Gendarmerie, Familien der Schweizergarde: ab Korporalsgrad bis Oberst. Es wohnen wenige Familien im Vatikan. Wird eine Familie aufgelöst, wird die Wohnung nicht mehr durch eine andere Familie  „ersetzt“. Dies gilt nicht für das Schweizerquartier, wo zzt. (Juni 2012) der nördliche Offizierstrakt aufgestockt wird. Tendenz: Fallen Familien-Wohnungen der Bürokratie zum Opfer, sind die Vatikanstellen angehalten, ausziehenden Familien in Rom eine vatikaneigene Wohnung zur Verfügung zu stellen.

Die Familien haben eine bescheidene Wohnungsmiete, aber normale Kosten für Gas, Strom, Wasser usf. zu bezahlen.

OR Nr. 3 vom 22.01.2016, S. 3
Weitere Flüchtlingsfamilie im Vatikan

Bei der neuen Flüchtlingsfamilie handelt es sich um eine alleinstehende Mutter mit 3 Kindern aus dem ostafrikanischen Eritrea. Das jüngste Kind sei erst wenige Monate alt. Für ihre 2 weiteren Kinder, die sich derzeit noch in einem Flüchtlingslager in Äthiopien befänden, bemühe sich die katholische Gemeinde Sant’Egidio um eine Ausreise nach Italien.
→ Einwohner/innen

Fassade der Peterskirche

Vatikan - Stato della Città del VaticanoFassade der Peterskirche von Carlo Maderno, Capolago TI, 7 Jahre daran gebaut bis Ende 1614; 117 m breit, rund 50 m hoch (kleinstes Fussballfeld:
90 x 45 m; 4’050 m2)

AS, Vatikanistan, S. 258, Inschrift an der Fassade:

IN  HONOREM  PRINCIPIS  APOST  –  PAULUS V   BURGHESIUS ROMANUS  –  PONT  MAX   AN   MDCXII   PONT   VII

ZU EHREN DES APOSTELFÜRSTEN  –  PAUL V. RÖMISCHER BÜRGER  –
PAPST IM  JAHR 1612 IM SIEBTEN JAHR SEINES PONTIFIKATS
(korrigiert WA)

Dieser Paulus V. war, wie an der Fassade falsch beschrieben, nicht Römer, sondern ursprünglich  Provinzler aus Siena (* 1550, + 1621, Papst vom 16.05.1605 bis 28.01.1621, rund 16 Jahre Papst). Das ist krasse Public Relations (PR, Öffentlichkeitsarbeit). Die Inschrift ist eine der dreistesten Werbeaktionen des Jahrtausends und eine der erfolgreichsten dazu. →Päpste

Hans Küng, Ist die Kirche noch zu retten? S. 69:
(WA: zur Bezeichnung „IN HONOREM PRINCIPIS APOST“ [olorum])
Andererseits von einem Aufenthalt und Martyrium des Petrus in Rom zeugen schon der „Klemensbrief“ um 96 sowie die Briefe von Ignatius von Antiochien. Diese Tradition ist also alt und vor allem konkurrenzlos. Selbst in Antiochien, wo ein Aufenthalt des Petrus bezeugt ist, erhebt man keinen Anspruch auf sein Grab. Ein Grab des Petrus unter der jetzigen vatikanischen Basilika liess sich archäologisch nicht verifizieren (durch Überprüfen die Richtigkeit bestätigen. Siehe „Petrusgrab“). Auch gibt es kein zuverlässiges Zeugnis dafür, dass Petrus – im Vergleich zum perfekt griechisch sprechenden römischen Bürger Paulus ein ungebildeter jüdischer Fischer namens Simon – der Kirche von Rom je als Oberhaupt oder „Episkopos“ vorstand. Er war Sprecher von Jesu Jüngerkreis, aber alles andere als ein „Apostelfürst“. Der monarchische Episkopat wurde in Rom ohnehin relativ spät eingeführt. Um 160 errichtete man Gedenkmale für Petrus und Paulus, der vermutlich ebenfalls in Neros Christenverfolgung umgebracht wurde. Die Gräber der beiden Hauptapostel sind der ausschlaggebende Grund für eine bestimmte Vorrangstellung der Kirche Roms.

Deutsche Pilgerzeitung Sommer 2012, Nr. 18, S. 2, von Natalie Nordio:
Wer eigentlich ist Paulus Burghesius?
Anmerkung zu einer Inschrift, die keinem Audienzteilnehmer entgeht

Da sitzt man nun auf einem der unbequemen und ziemlich hässlich-grauen Plastikstühle und lauscht den Worten des Papstes, der leicht erhöht auf dem sogenannten Sagrato-Platz (Kirchenplatz) genommen hat. Unweigerlich fällt der Blick auf die Fassade der Petersbasilika, die sich majestätisch hinter dem Pontifex erhebt. Über der „Loggia delle Benedizioni“, dem Balkon, von dem aus die Päpste den Segen „Urbi et orbi“ spenden, prangt in grossen Lettern die Inschrift: „IN HONOREM PRINCIPIS APOST PAULUS V BURGHESIUS ROMANUS PONT MAX AN MDCXII PONT VII“. Zu Deutsch: „Zu Ehren des Apostelfürsten und Römers Paul V. Borghese, Pontifex maximus, im Jahre 1612 und im siebten seines Pontifikats“. Doch wer war dieser Paulus V. Burghesius eigentlich, der sich hier dermassen präpotent (veraltet für „übermächtig“, österreichisch für „überheblich, aufdringlich“) verewigt hat?

Ein ziemlich schlauer Fuchs, könnte man salopp sagen. Auf dessen Konto nicht nur die Gründung der ersten Bank Roms, der „Banco di Santo Spirito“ geht, sondern der so ganz nebenbei auch als Vater und Begründer der vatikanischen Geheimarchive gilt. Damit nicht genug, sorgte er mit dem Ausbau des „Acqua Paolo“ genannten Aquädukts für eine grosse Verbesserung der Wasserversorgung im römischen Stadtzentrum. Wer sich auf den Gianicolo-Hügel begibt, der wird neben der wunderschönen Aussicht auf Rom auch auf die mächtige Brunnenanlage aufmerksam, die zu der Wasserleitung gehörte und auf der unverkennbar wieder einmal Paulus V. zu lesen ist. Dass Paul V. zur  Errichtung dieses Wasserspiels seinen Architekten Befehl gegeben hatte, sich doch mal den Kaiserforen nach passendem Baumaterial umzusehen, und dieses in Form des dortigen Minervatempels auch gefunden wurde, verleiht seinem Curriculum einmal mehr einen bitteren Beigeschmack. Frei nach dem Prinzip „Wo gehobelt wird, da fallen Späne“ musste sich der antike Tempel für die Ideen und Wünsche des neuen Herrschers von Rom opfern. Warum denn nach Carrara gehen, wenn der schönste, strahlend weisse Marmor bereits fertig behauen direkt vor der Haustür liegt, hatte sich Paul V. wohl gedacht.

Mit der Fassade des Petersdoms, die im Jahre 1614 fertig gestellt wurde und der die Verlängerung des Langhauses zur heutigen Form des lateinischen Kreuzes voranging, folgte Paul V. nicht nur den Richtlinien des Trienter Konzils, sondern auch seinem ganz persönlichen Wunsch, ein wichtiger Teil der Baugeschichte der Petersbasilika zu sein. Was ihm, man bedenke die Inschrift auf der Fassade, gelungen sein dürfte. Michelangelo hätte sich aufgrund der Umbauten mit Sicherheit im Grabe umgedreht, verdecken doch das verlängerte Langhaus und die mächtige Fassade fast zur Gänze seine Kuppel. Aber darum scheint sich Paul V. nur wenig geschert zu haben.

www.damals.de/de/16/Das-Glueck-der-Borghese
Die Karriere einer Adelsfamilie im päpstlichen Rom. Das Glück der Borghese.
Von Prof. Dr. Volker Reinhardt

Mehr als eine Milliarde Fernsehzuschauer waren Zeugen des Skandals. Über der Aussegnung des alten und der Einsetzung des neuen Papstes schwebte, penetrant (aufdringlich) wie ein ungebetener Gast, ein anderer Pontifex maximus: „Paul V Burghesius Romanus“ prangt auf dem vorspringenden Mittelstück der Peterskirchenfassade – exakt dort, wo man eine Inschrift zu Ehren des heiligen Petrus, des Begründers des Papsttums, erwarten sollte. Dieser jedoch ist marginalisiert (ins Abseits geschoben), ganz an den zurückgesetzten linken Rand verbannt. Dass hier etwas aus dem Gleichgewicht geraten war, vermerkten schon zeitgenössische Spottverse. Ihr Tenor: Wer sich so penetrant ins Blickfeld drängt, muss es verzweifelt nötig haben. Und so war es auch: faktengestützte Hochstapelei. – Paul V., der 1612 den anstössigen Text in Auftrag gab, war in der Tat „Romanus“, das heisst in Rom geboren als Camillo Borghese, doch kein Römer im eigentlichen Wortsinn. Sein Vater Marcantonio Borghese (1504-1574), ein überaus erfolgreicher Jurist und als solcher im Europa der sich allmählich ausbildenden Basisbürokratien überall heiss begehrt, war gerade rechtzeitig aus Siena, der Stammheimat der Familie, an den Tiber übergesiedelt, um seinen Sohn dort 1552 das Licht der Welt erblicken zu lassen. In Siena gehörten die Borghese zu den einflussreichsten Familien, doch standen sie, gemessen an Besitz und vor allem Prestige, weit unter den vornehmen Adelssippen vom Rang der Piccolomini oder Salimbeni. (…)

Fauna und Flora im Vatikan

Vatikanistan, Alexander Smoltczyk, S. 39:

Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich im Vatikan eine reiche Fauna geschaffen. Aus Ostia eingewanderte Möwen umkreisen die Kuppel des Petersdoms. Ein dem Papst geschenktes grünes Papageienpärchen (Papagallo Monaco) war so fruchtbar und mehrte sich, dass seine Nachkommen mittlerweile in allen römischen Parks anzutreffen sind. Die Papageien-Nester in den Bäumen des Vatikans seien in ihrem Volumen, so der zuständige Tierarzt des römischen Zoos, nur mit Bauten in Südamerika zu vergleichen.

Auch die Population von etwa 80 Katzen, alle schwarz wie der Teufel und besonders häufig in den Nischen hinter den Museen zu beobachten, geht auf einen Stammkater zurück. Rambo hiess das Tier. Er lief den Gardisten zu, wurde ihr Maskottchen und starb erst 2006, im abrahamschen Katzenalter von 18 Jahren. Rambo muss von gewaltiger Potenz und Lebenslust gewesen sein. Im Jahre 2007 wurden sämtliche Vatikankatzen eingefangen und, unter Aufsicht des römischen Zooarztes, mit einem Chip versehen. Ein Grossteil der Kater wurde kastriert.

Meldepflichtig im Vatikan sind allein Hunde, zurzeit gibt es 5 (2008). Eine kürzliche Bestandesaufnahme  im Petersdom übrigens ergab dort ein Bestiarium  von 67 verschiedenen Tierarten, wenn auch allesamt aus Stein gehauen, vom Schwein des heiligen Antonius des Grossen bis zum Einhorn der Reinheit und den Bienen der Barberini.   → Tiere

OR vom 23.10.2009, Nr. 43:
Neues Buch erschienen: Barlo jr., Nik/Scaccioni, Vinzenzo, Die Vatikanischen Gärten, Edizione Musei Vaticani, Verlag Schnell & Steiner, Vatikanstadt/Regensburg, 2009, 240 Seiten, 211 Illustrationen, 1 Grundriss, € 49,90

Vatikangärten: Viale degli Ulivi, Olivenstrasse

Die Vatikanischen Gärten, eine einzigartige Oase der Stille und Erholung. Sie nehmen fast die Hälfte des Staatsgebietes ein. Unvergesslich wird ein Spaziergang durch die Vatikanischen Gärten erst dank der unzähligen Pflanzen und Blumen, die aus aller Welt hierher gebracht wurden, z. B. Sternjasminbögen, Felsengarten mit Kakteen, japanische Kirschbaumallee usf. Im neuen Buch werden die Anfänge des Gartens im  13. Jahrhundert bis hin zu den gartenbaulichen Massnahmen der vergangenen Jahre beschrieben. Ein eigenes Kapitel ist dabei dem kleinen Nutzgarten des Klosters „Mater Ecclesia“ (→ Kloster) gewidmet, in dem Klausurschwestern gemäss den strengen Regeln der biologischen Landwirtschaft Obst und Gemüse für den päpstlichen Haushalt anbauen. – Im Jahre 2001 fanden die ersten wissenschaftlichen Bestandesaufnahmen und Katalogisierung der vatikanischen Flora statt, in der rund 100 botanische Familien, 380 Gattungen, 340 Arten und über 6’900 Exemplare in messbarer Grösse verzeichnet sind. Der Leser erfährt hierbei, dass neben der einheimischen Flora, die mit den typischen Spezies der „Macchia Mediterranea“ vor allem im „Boschetto“, einem kleinen Laubwald,  und im Bereich um die Casina Pius’ IV. vertreten ist, in den Vatikanischen Gärten auch eine grosse Zahl exotischer Pflanzen aus klimatisch sehr unterschiedlichen Gegenden der Welt wächst. Viele dieser Pflanzen kamen als Geschenk für die Päpste nach Rom.

OR vom 08.01.2010:
Eine weisse Amsel in den Gärten des Papstes. Es gibt ein Exemplar (albinotische und leuzistische Amsel) im Französischen Garten hinter der Lourdesgrotte. – Die schwarzen Amseln sind eine der grössten Vogelarten in den Gärten.

Vatikangärten: In einigen Brunnen wurden in der Vergangenheit Forellen, Hechte, Flussbarsche und Karpfen gehalten. Im Galeerenbrunnen gab es ein Becken, das dazu diente, den Fisch für den Papst frisch zu halten. Später wurde das Becken unter die „Casina Pio IV“ verlegt. Bis vor 4 Jahren wurden die Fische, die an den Papst verschenkt wurden, dort gehalten (Zeit von Johannes Paul II.)  Am vergangenen 16. Juli 2009 sind in diesem Brunnen 10 Wasserschildkröten (Rotwangenschmuck-Schildkröten) im Alter zwischen 7 und 10 Jahren ausgesetzt worden. Diese Schildkröten sind auch in den Mosaiken über dem Brunnen dargestellt, die von den Grotesken (d. h. in den fantastisch geformten Tier- und Pflanzenverzierungen der Antike und der Renaissance) in der Domus Aurea des Kaisers Nero inspiriert sind.

   Galeerenbrunnen (Ostfront der Museen)

Im Klippenbrunnen (hinter dem Governatorat) gab es in der Vergangenheit keine Fische. Vor einiger Zeit sind dort Goldfische der Spezies Carassius auratus L. eingesetzt worden. Dann gibt es die gemeinen Erdkröten der Spezies Bufo bufo L. Auch Amphibien, von denen jedes Weibchen im Mai bis zu 10’000 schwarze Eier in den Brunnen ablegt. Daneben gibt es einige grüne Wasserfrösche der Gattung Rana esculenta L. sowie Ringelnattern, ungiftige Schuppenkriechtiere der Spezies Natrix Natrix L., die eine  Länge von bis zu 120 cm erreichen können.  → Fischzucht

Man findet u. a. folgende Pflanzen: Frauenhaarfarn, Elefantenohr, Aronstabgewächs, Zypergras, Rohrkolben,  Igelkolben,  Laichkraut (aus dem Braccianersee hierher gelangt), Seerose.
→Tiere   →Fischzucht   →Viehzucht   →Brunnen   →Blumen- und Gemüsegarten

Feiertage  im Vatikan

→ Nationalfeiertag

Feminismus

Siehe unter „Frauen“

Ferienorte des Papstes

Introd: Panorama des Dorfes. Im Bildhintergrund der Eingang zum Valsavarenche-Tal.

Johannes Paul II.: Introd im Aostatal. Abgeschiedene Residenz „Les Combes“ des Salesianerordens. Der Papst hält sich dort normalerweise 10 bis 14 Tage ab Mitte Juli auf. Anschliessend begibt er sich nach Castel Gandolfo bis ungefähr Mitte /Ende September.

Fernsehsender, katholische (CTV, EWTN, K-TV)

Centro Televisivo Vaticano CTV

Das CTV, das Fernsehzentrum des Vatikans, wurde 1983 eingerichtet und ist seit 1996 eine voll an den Heiligen Stuhl angeschlossene Einrichtung. Hauptziel des CTV ist es, zur universalen Verkündung des Evangeliums beizutragen, indem mit den Fernsehbildern die Pastoralmission des Papstes und die Handlungen des Heiligen Stuhls dokumentiert werden (Satzung vom 01.06.1998).

Die wichtigsten Dienstleistungen, die das CTV anbietet, sind Direktübertragungen, tägliche Berichterstattungen, Produktionen und Archivierung.

Direktübertragungen: Das CTV zeichnet pro Jahr etwa 130 Ereignisse im Vatikan (Angelusgebete, Generalaudienzen, andere Veranstaltungen  oder Feiern) vollständig auf. Dazu die Reisen des Papstes.

Tägliche Berichte: Das CTV zeichnet täglich die öffentlichen Handlungen des Hl. Vaters und die wesentlichen Veranstaltungen auf, die am Heiligen Stuhl stattfinden.

Produktionen: Zahlreiche Dokumentarfilme wurden in den letzten zehn Jahren über das Pontifikat von Johannes Paul  II., Benedikt XVI., den Vatikan und die römischen Basiliken vom CTV produziert.

Archiv: Das CTV führt in eigens dafür ausgestatteten feuchtigkeits- und temperaturkontrollierten Räumen eine Videothek mit über 10’000 Kassetten mit etwa 4’000 Aufnahmestunden mit Bildern aus dem Pontifikat von Johannes Paul II. und Benedikt XVI.: eine umfassende Dokumentation seit 1984.

Direktion: Via Pellegrino, Vatikanstadt. Aufnahme- und Arbeitsräume: Piazza Pia
(→ Conciliazione). Sitz: siehe gleich nachfolgend

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 107:
Im Kolonnadentrakt links, gegenüber dem Sacrato, befindet sich nebst der Verlagsbuchhandlung des Hl. Stuhles der Sitz des Vatikan-Fernsehens CTV (Centro Televisivo Vaticano).  Das Papstfernsehen CTV wurde 1983 durch das Dekret „Ex audientia Sanctissimi“ von Johannes Paul II. ins Leben gerufen, eine der ersten Handlungen des Medien-Papstes. Der Sender untersteht dem Kardinalstaatssekretär, finanziert sich aber selbst, grösstenteils durch Verkauf von Exklusivbildern an weltliche Sender. Die Crew des CTV ist in der Regel da, wo auch der Papst gerade ist. Auf Reisen hat sie das Monopol an den wirklich spannenden Bildern. (WA: Wichtige Fernsehsendungen des CTV empfängt man über den deutschsprachigen K-TV-Sender.)

OR Nr. 44 vom 1. November 2013, S. 8
30 Jahre CTV

Vatikanstadt. Papst Franziskus hat in seiner Botschaft an den Direktor des Vatikanischen Fernsehzentrums, Msgr. Dario Edoardo Vigano, die Arbeit des vatikanischen Fernsehzentrums CTV zu dessen 30-jährigen Bestehen gewürdigt. Die 1983 von Johannes Paul II. gegründete Medieneinrichtung betreibt keinen eigenen Kanal, sondern stellt Fernsehsendern Aufnahmen gegen ein Entgelt zur Verfügung oder bietet ihnen Direktübertragungen an. Es zeichnet nach eigenen Angaben jährlich etwa 130 Ereignisse im Vatikan auf, etwa Angelusgebete, Generalaudienzen und Gottesdienste des Papstes. Zudem begleitet das CTV den Papst auf seinen Reisen in die ganze Welt.

Der katholische Fernsehsender EWTN (Eternal Word Television Network)

Dieser Fernsehsender wurde 1981 von der Franziskanerklarissin Mutter Angelica in Birmingham (Alabama/USA) gegründet (im Bild). Mit 200 Dollar, viel Gottvertrauen und von vielen belächelt, begann Mutter Angelica mit der Fernseharbeit in der Garage eines Klosters. Heute ist EWTN der weltweit grösste katholische Fernsehsender und erreicht mit seinen regional je unterschiedlichen Programmen in englischer, spanischer, deutscher und französischer Sprache mehr als 200 Millionen Haushalte in 140 Ländern auf allen Kontinenten. Als Multimedia-Organisation betreibt EWTN einen eigenen Radiosender und bietet einen umfangreichen Internet-Service an. – In Deutschland hat die gemeinnützige EWTN-TV gGmbH im Juli 2000 die Arbeit aufgenommen. Heute können bereits mehr als 17,5 Millionen TV-Haushalte, das sind rund 36 Millionen Menschen, im deutschsprachigen Europa EWTN empfangen. Darüber hinaus bietet EWTN sein Programm als Live-Stream im Internet an und kann regional im Kabel empfangen werden. Frequenz: 12460 MHz, Satellit Astra 19,2 ° Ost.

OR Nr. 28 vom 15. Juli 2016, S. 4
Der Vatikan erhält einen eigenen Kanal für terrestrisches Digitalfernsehen (nicht über Kabel oder Satellit). Die zuständige Regulierungsbehörde beim italienischen Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung stellt dafür eine Übertragungskapazität von 4 Megabit pro Sekunde zur Verfügung und garantiert, dass mindestens 70 % der Bevölkerung landesweit von den päpstlichen Programmen erreicht werden. Bei der Frequenzvergabe handelt es sich um die vertraglich vereinbarte Gegenleistung dafür, dass der Vatikan 2009 auf mehrere VHF- und UKW-Kanäle seines Radiosenders verzichtete, um die Einführung des terrestrisches Digitalfernsehens in der Region Latium zu ermöglichen.

Stand März 2018, Empfang EWTN:

Satellit
Kostenfrei mit einer digitalen Satellitenanlage.
Satellit: Astra 19,2° Ost, Kennung: EWTN kath. TV, Frequenz: 12’460 MHz, Polarisation: horizontal, Symbolrate: 27’500 KSym/s, FEC 3/4

Kabel
EWTN ist i9n einigen Regionen auch über digitales Kabel zu empfangen. Wenn dies nicht der Fall ist: Kabelbetreiber soll EWTN ins Netz einspeisen.

Internet
Das EWTN-Programm  ist 24 Stunden kostenlos im Internet auf der Homepage www.ewtn.d zu sehen.

Mobile Geräte
Die „EWTN-App“ kostenlos im Google Play Store (Android) oder im App Store (Apple) herunterladen und EWTN auf Smartphone oder Tablet anschauen.

Adressen: info@ewtn.de, www.ewtn.de

Der katholische Fernsehsender K-TV

K-TV ist ein katholischer Fernsehsender. Die Finanzierung erfolgt durch Spenden. Neben Kultur und Unterhaltung werden auch Liturgie und Lebenshilfe im Programm angeboten. Religiöse Beiträge orientieren sich an der Lehre der katholischen Kirche. K-TV sendet täglich 24 Stunden, wobei einzelne Sendungen zu unterschiedlichen Zeiten wiederholt werden. Das Programm möchte alle Altersgruppen ansprechen. Zahlreiche Ehrenamtliche tragen nach ihren Möglichkeiten zum Programm und zu dessen Verbreitung bei.

Empfang
Per Satellit:
Astra Digital: 19.2 Grad Ost, Transponder: 113, Frequenz 12,633 GHz, Polarisation: Horizontal, Symbolrate: 22.000, FEC: 5/6

Per Kabel:
Landesweit auf Programmplatz 372. Ältere Receiver finden den Sender auf Kanal 41 mit der Frequenz 634. Fragen an den regionalen Kabelbetreiber wegen einer Einspeisung.

Per Internet:
In der oberen Menüliste auf „Live Stream“ klicken. Auch mit Smartphone oder Tablet (iOS, Android, Windows) abspielen.

Adressen: info.de@k-tv.org (Deutschland),  info.ch@k-tv.org (Schweiz), info.at@k-tv.org (Österreich)

OR Nr. 38 vom 20.09.2019, S. 2
K-TV feiert 20-Jahr-Jubiläum mit Romreise

Vatikanstadt. Der kirchliche Sender K-TV (Kephas-Fernsehen) feierte in Rom sein 20-Jahr-Jubiläum. Höhepunkt war eine Begegnung der Sendeverantwortlichen mit Papst Franziskus am Rande der Generalaudienz am 11.09.2019.
Der Heilige Vater sprach gegenüber den anwesenden Geistlichen des Senders, Pfarrer Thomas Maria Rimmel und Pfarrer Paul Schuler sowie dem Geschäftsführer Johannes Hattler davon, dass „die Menschen sich oft nur noch 10 Minuten konzentrieren“ und sagte: „Macht lebendige Programme mit ansprechenden Glaubenszeugnissen“. Auf die Erläuterung, K-TV werde von Laien geführt, betonte der Papst: „Die Laien sind die  Kraft der Kirche.“ Abschliessend segnete er alle Zuschauer und Mitarbeiter von K-TV. 60 Pilger sowie Mitglieder der Geschäftsführung feierten das Jubiläum bis Freitag in Rom. Highlights der Reise waren unter anderem Gottesdienste in Santa Maria dell’Anima sowie in Santa Maria Maggiore. Die eigentliche Jubiläumsmesse zelebrierte am Mittwochnachmittag Kardinal Gerhard Ludwig Müller in der Kirche des Campo Santo Teutonico. Alle Messen wurden live auf K-TV übertragen.