Corazzieri, die Staatspräsidenten-Gardisten Italiens

in Bearbeitung

Die Corazzieri, die Staatspräsidenten-Gardisten der Republik Italien

Die Geschichte der Kürassiere (heute als Vollkürass mit Brust- und Rückenpanzer) des italienischen Staates, kurz die Corazzieri des Präsidenten genannt, geht auf die Anfänge des alten Piemonts zurück. Sie begann im 14. Jahrhundert und ist rund 120 Jahre älter als diejenige der Päpstlichen Schweizergarde im Vatikanstaat. Damals gehörte das Piemont dem Herzogtum Savoyen. Es hatte 252 Jahre als allererste und beste Gardeabteilung eine Kompagnie Schweizer im Dienst. Ihre Nachfolge trat 1831 eine Kompagnie Carabinieri an; sie übernahm die Aufgaben der Schweizer. Diese Kompagnie Carabinieri wurde im Verlaufe der Geschichte das „Reggimento Carabinieri“ des Königs. Auch heute noch ist diese Truppe die Erste. sie nennt sich „Die erste Spezialeinheit der italienischen Carabinieri“, zählt 250 Mann und erfüllt ihre Aufgaben auf dem Quirinal Roms. Sämtliche  Carabinieri der Republik gelten heute als Polizeieinheit des italienischen Staates und sind  dem Militärministerium zugeteilt.

Während eines damaligen möglichen Rundganges im ersten Stock des Quirinalspalastes ist mir in jedem Raum ein Corazziere in der „mezza gala“ begegnet. Diese Gardisten  lösen mit ihrer Grösse und Ausstattung bei den Besuchern Bewunderung aus und werden noch und noch fotografiert. Da ich die Absicht hatte, eine Abhandlung über diese Präsidentengarde zu erstellen, fragte ich im Hof des Palastes den dort im Ordnungsdienst stehenden Corazziere, wie ich meine Vorhaben am besten anstellen könne. Ich erwähnte, dass diese Arbeit für die Zeitschrift der ehemaligen päpstlichen Schweizergardisten gedacht sei. Seine Reaktion zwang mich als ehemaliger Gardist zu Demut: „Ah, si, le Guardie Papaline“ („Ach, ja, die kleinen päpstlichen Gardisten“). Ich musste ihm zustimmen; er hatte mindestens die Grösse von 1,90 Meter.

Die grundlegende Ausbildung dieser Gardisten umfasst die Ausbildung zum Personen- und Objektschutz, die Arbeit zu Pferd und mit dem Motorrad. Es sind ausgesprochene Pferdenarren. Mit der Ausbildung zur Einsatztruppe  sind die Corazzieri für die Sicherheit des Präsidenten und seinem Amtssitz, der ab 1583 von Papst Gregor XIII. Boncompagni als Sommerresidenz bezogen wurde, verantwortlich.

Nach Dekret Art. 2,4 der Aufnahmebedingungen muss der Eintretende wohlgebaut und mindestens 1,90 Meter gross sein, Offiziere auch kleiner. Der Aspirant, der vorher die  normale Carabinieri-Schule besucht hat, muss für den Gardeeintritt eine ausgezeichnete Lebensführung, Vertrauenswürdigkeit, eine sehr gute Leistungsfähigkeit, eine Schulbildung von mindestens acht Jahren und die militärische Grundausbildung der Armee von mehreren Monaten vorweisen können. Die ausgewählte Person muss sich einer harten Ausbildungszeit von mindestens drei Monaten unterziehen (Stand 1997).

Zu den heutigen Leib-Garden allgemein

Welche geschichtlichen Hintergründe haben eigentlich die Leibgarden?  Zuerst sei die Prätorianergarde der römischen Kaiser erwähnt, die von Kaiser Augustus 27 v. Chr. ins Leben gerufen und von Kaiser Konstantin Ende des Jahres 312 n. Chr. mit gleichzeitiger Schleifung ihrer Kaserne (heute östlich des Hauptbahnhofes Termini) aufgelöst wurde. Diesen Garden mussten  die Sicherheit des Kaisers  garantieren. Viele Kaiser benutzten sie aber als Machtinstrument. Sie konnten, wenn es ihnen notwendig erschien, mit ihr drohen, erpressen oder töten. Sie dienten auch als Kaisermacher und Kaisermörder (vergl. Stöwer, Die Prätorianer, Verlag Langen Müller). 

Die persönlichen Garden von Herzögen oder Fürsten im Mittelalter, aus dem die Corazzieri ihren Ursprung haben, dienten zum Schutze ihres Vorgesetzten. Beliebt waren sie auch als kleine, wendige Spezialeinheit im Kriege. Für solche Dienste wurden Schweizer Söldner gesucht, damals als Haudegen gehandelt.  Emanuele Filiperto, der erste Herzog Savoyens und beispielsweise auch der Gründerpapst der Schweizergarde, Julius II. della Rovere, holten sich im Jahre 1573 bzw. 1506 Eidgenossen an den Hof.

Heutige Garde in konstitutionellen Monarchien – etwa in Grossbritannien oder den Niederlanden – pflegen u. a. Repräsentationsaufgaben. Bei der Päpstlichen Schweizergarde im Vatikanstaat sind neben Repräsentations- und Kontrollpflichten auch polizeiliche Funktionen und seit Jahren umfassender Personen-und Objektschutz gefragt.

Dasselbe gilt heute für Garden grosser Demokratien wie etwa in Frankreich oder in unserem Falle in Italien. Diese Garden symbolisieren m. E. auch immer noch die überkommene, verfassungsmässige Ordnung des jeweiligen Staates. Ihre  glänzenden militärischen, ja verwegenen Erscheinungen können den Eindruck erwecken, alles im Lande sei wohlgeordnet und tadellos, wie die auf Hochglanz daherkommenden Kürassiere mit bestechenden Uniformen, das temperamentvolle, zuverlässige  Pferd auf dem Römer Quirinal einbezogen.

Die Vorgeschichte und der Anfang der Corazzieri

Die Grafschaft Savoyen kam 1033 mit Burgund an das Heilige Römische Reich. Im 11. Jahrhundert kam das Piemont dazu, das 1414 Herzogtum wurde.

Es mag um die Schlacht  bei Sempach (1386) gewesen sein, als Amadeo VII. (1383-1391), der rote Graf genannt, weil er sich gerne rot kleidete, eine Garde aus Bogenschützen zusammensetzte. Sie rekrutierte sich nur aus Savoyarden, angeführt von einem Hauptmann. Ihre Aufgabe bestand darin, den Grafenpalast innen aus aussen zu bewachen. Die unmittelbare Sicherheit wurde Schildknappen übertragen. Der spätere Amadeo VIII. (1353-1451, der Friedfertige), erster Herzog von Savoyen, schuf 1430 das erste Gardereglement.

Auf der anderen Seite hatte Emanuele Filiberto, Kommandant einer spanischen Armee in Flandern, ebenso eine persönliche Leibgarde, eine Kompagnie aus Bogenschützen. Die Brustrüstung einer Bogenschützengarde aus dem 16. Jahrhundert ist im Museum der Corazzieri in Rom zu sehen. Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts verlor diese Rüstung als Verteidigung an Bedeutung und wurde nach und nach nur noch zu Paraden getragen. Es war genau zu der Zeit, als die Päpstliche Schweizergarde im Jahre 1506 gegründet wurde. Filibertos 50  Bogenschützen waren zu Pferd. Diese Garde war sehr erfolgreich in der Schlacht von San Quintino, in der die Franzosen eine Niederlage einstecken mussten. Eine Gabel-Hellebarde aus dieser Schlacht ist im Königlichen Museum in Turin aufbewahrt.

Nach dem Frieden im April 1559 wurde  Herzog Filiberto das Piemont zugeteilt. Er verstärkte die Ehrengarde 1560 mit einer Kompanie von Büchsenschiessern, die zu Pferd waren. Eine Büchse ist ein Gewehr mit einem gezogenen Lauf für Kugelpatronen. 1586 gründete Emanuele Filiberto eine Spezialabteilung, die aus adligen Savoyanern und Piemontesen zusammengesetzt wurde. Sie war modern bewaffnet und zu Pferd. 1573 wurde sie jedoch aufgelöst. An deren Stelle trat 1579 eine Kompanie katholischer Schweizer. Inzwischen gehörte Filiberto das ganze Piemont ausser Saluzzo und Montferrato. Zu dieser zeit setzte sich seine Leibgarde wie folgt zusammen: eine Kompanie Bogenschützen zu Pferd, eine Kompanie von Gewehrschützen, teils zu Fuss, teils zu Pferd, und eine Kompagnie von Schweizer Reisläufern. Diese drei Abteilungen waren in den folgenden Jahrhunderten das Grundgerüst aller Garden mit wenigen Änderungen. Die Schweizer wurden erst im Jahre 1831, also nach 252 Jahren, aus den savoyischen Diensten entlassen. Die drei Abteilungen hatten folgende Aufgaben:

  • die Bogenschützen waren zuständig für die Ehrendienste und Begleitungen der Souveränen und Prinzen im Frieden wie im Krieg
  • die Gewehrschützen wachten im Inneren der königlichen Paläste
  • die Schweizer bewachten das Äussere der Sitze

Die Hauptaufgabe dieser drei Abteilungen war also der Dienst am Hof, auch der Dienst gegenüber fremden Persönlichkeiten, die sich am Hof einquartierten. Diese Politik der drei Aufgaben hat der Vatikan bis 1971 gepflegt, aber mit vier Garden.

Mit der Thronfolge von Herzog Carlo Emanuele I. verblieben die drei Leibgarden, die sich besonders im Oktober 1590 im  Kriegszug gegen Genf heldenhaft auszeichneten. Zwölf Medaillen an Gardisten sind im Staatsarchiv in Turin aufbewahrt. Im Jahre 1607 taucht zum ersten Mal der Name „Corazzieri“, zu deutsch „Kürassiere“ auf. Es sind  Reiter mit leichtem Oberkörper-Panzer (Kürass). Die Leibgarde  bestand aus einem Hauptmann, einem Statthalter, einem Fahnenträger, einem Trompeter, einem Hufschmied, einem Fourier, einem Strohträger und 40 Kürassiere. 

Die bewegte Geschichte der Corazzieri bis heute

Ich erwähne nur die wichtigsten Ereignisse dieser über 350-jährigen Geschichte, Vorgeschichte eingeschlossen:

  1. Im Jahre 1639 wurde zu den Bogen- und Gewehrschützen, Kürassieren und Schweizern eine neue Kompagnie gegründet, die Kompagnie der Luftschützen. Da diese Truppe schwarze Röcke trug, wurde die Schwarze Garde der Madama Reale genannt. Christina von Frankreich, Frau von Herzog Viktor Amadeus I. hatte die Regentschaft über Savoyen-Piemont.
  2.  Unter Vittorio Amadeo II., ab 1684 Regent, taucht zum ersten Mal die Bezeichnung „Leibgarde“ auf: alle seine vier Kompagnien wurden als Leibgarde bezeichnet und alle Abteilungen bekamen die gleiche Uniform. Die vierte, die bis jetzt die Kompagnie der Luftschützen zeichnete, wurde die 4. Kompagnie Leibgarde der Türwächter, die nun das Innere der Paläste bewachte. Die Schweizer gehörten nicht zu diesen vier Kompagnien. Später kamen unter dem König von Sardinien noch die Kompagnie der Jagdaufseher der königlichen Besitze.
  3. Vittorio Amadeo II. stellt ab 1710 nur Gardisten nach gewissen körperlichen Massstäben und moralischen Tugenden ein. Er erhält 1720 Sardinien zugesprochen und wird dessen erster König.
  4. Im 17. und 18. Jahrhundert folgte die ganze Garde jeweils dem König und hatte verschiedene Schlachten zu überstehen (z. B. Orbassano, Turin). Die Leibgarde erhielt die Befehle immer direkt vom  König.
  5. Vittorio Amadeo III. ordnete sein Heer neu. Vorbild war ihm das preussische Militär von Friedrich II, das damals an das Beste galt.
  6. Die französische Revolution brachte Mühe und Sorgen für die damaligen Leibgarden. Teils waren sie im Piemont, teils auf Sardinien, weil sich der abgedankte König auf diese Inseln zurückzog. Die Leibgarde ging an die provisorische französische Regierung über wurde „Schwadron der piemontesischen Karabinieri“ genannt. Nach der Revolution kehrte Vittorio Emanuele I. 1814 ins Piemont zurück. Er führte die Monarchie und das Militärwesen ein, so, wie sie vor 16 Jahren bestanden hatte, also auch die Leibgarden und die Schweizerkompagnie. Neu gründete er das Königliche Karabinieri-Korps, um die öffentliche Ordnung zu garantieren, zur Verteidigung der guten Untertanen des Königs und für die Strafausführung der Verbrecher. Im Heer hatte dieses Korps eine Vorreiterrolle, kam aber hinter die Liebgarde.
  7. 1831 wurde die Schweizerkompagnie durch Carlo Alberto aufgelöste, ebenso die beiden Kompagnien der Königlichen Gardisten zu Hof und alle Kompagnien, bis auf eine,  der Leibgarde.
  8. Vittorio Emanuele II. passte 1849 das Militärwesen an die neue Staatsordnung an. Nach 250 Jahren wurde die Kompagnie der Jagdaufseher aufgelöst. Die 1. Kompagnie bliebt fest in Turin für Ehren- und Überwachungsdienste. Die Truppe der Carabinieri unterstand dem Hauptquartier des Königs und diente ausschliesslich zum Schutze des Königs. Im Jahre 1860, als die Vereinigung Italiens bevorstand, wurde in Neapel eine 2. Kompagnie ins Leben gerufen, um den Dienst an diesem Sitz ebenfalls zu garantieren. 1861 wurde das Carabinieri-Korps dem Heer unterstellt. Zwei Monate später wurde Vittorio Emanuele II. zum König von Italien ausgerufen.
  9. In den folgenden Jahren wurden die Leibgarden aufgelöst. Die Aufgaben der Palastüberwachung und die Begleitung des Königs gingen gänzlich an die Königliche Palastleibgarde und das Karabiniers-Korps über, das zuerst seinen Sitz in Turin, später in Florenz hatte.
  10. Die Gründung des Schwadrons der Karabiniers-Gardisten des Königs erfolgte am 7. Februar 1868, als durch die Verordnung des Kriegsministers ein Ehrengeleit von 80 Carabinieri zu Pferd anlässlich der Hochzeit der Prinzessin Margaretha von Savoyen mit Prinz Umberto in Florenz Dienst leisteten. Diese 80 Mann wurden nicht mehr aufgelöst und versahen den Dienst am Königlichen Palast. Es wurde darauf geachtet, dass diese Carabinieri-Gardisten nicht nur durch körperliche Kraft und ansehnliche Statur auffielen, sondern eine solide, moralische Grundhaltung und eiserne Disziplin mitbrachten.
  11. Diese Truppe erhielt im Laufe der Zeit verschiedene Namen: Kürassiere, Ehrengarde Ihrer Majestät, Gardistentruppe Ihrer Majestät oder Carabinieri-Gardisten Ihrer Majestät.  Letzte Bezeichnung hatte bis zur Auflösung der Monarchie im Jahre 1946 bestand.
  12. Als der Königliche Hof im Jahre 1871 von Florenz nach Rom übersiedelte, wurde die Königliche Gardistenkompagnie aufgelöst . Ein Teil der Karabiniers-Gardisten siedelte nach rom um, wo bereits eine Schwadron Karabiniers-Gardisten gegründet wurde. Seit dieser Zeit ist der Quirinal der Sitz der Carabinieri-Gardisten, im Volksmund immer als Corazzieri bezeichnet.
  13. In diese Zeit fallen zwei Attentate, das eine am 17. November 1878 (ein gewisser Passanante versucht, König Umberto I. in Neapel zu erdolchen), das andere am 14. März 1912 (Erfolgloses Attentat auf   König Vittorio Emanuele II. in Rom).
  14. Das Jahr 1878 brachte für die Corazzieri ein neues Uniformenreglement, das im Grossen und Ganzen bis heute Bestand hat.
  15. Im 1. und 2. Weltkrieg trugen die Corazzieri eine Kriegsuniform. Auch sie mussten zum Teil an die Front und hatten Tote zu beklagen. Verschiedene Gardisten waren Piloten. Zu erwähnen ist der Partisanenanschlag in der Via Rasella in Rom während der Besetzung der Stadt durch die Deutschen. Der Corazziere Calcedonio Giordano gehörte dem Widerstand an und zu jenen, die in den Höhlen von Ardeatine ausserhalb Roms ermordet wurden. Die ganze Schwadron der Corazzieri hat sich nach dem 8. September 1943 dem Widerstand angeschlossen.
  16. Mit der Ausrufung der italienischen Republik, der Abdankung des Königs Umberto II. im Jahre 1946 und der Wahl des ersten Präsidenten der Republik fiehl den Corazzieri zum Vaterland zu. Die Schwadron wurde jetzt Liebgarde des Staatspräsidenten und dem Militärministerium unterstellt.
  17. Im Jahre 1978 erhielt die Schwadron eine Standarte. Im Jahre 1990 wurde das Kommando zahlen- und aufgabemässig erweitert. Die Schwadron erhielt den Rang eines Regimentes. Am 24. Dezember 1992 erhielten die Corazzieri folgende Zusammensetzung:
    – Eine Abteilung Kommando
    – Die Schwadrone für Ehren- und Sicherheitsdienst
    – eine Abteilung für die Sicherheit
    – Gesundheitswesen, Tierarztwesen und eine AdministrationDer Bestand von 250 Mann wurde beibehalten. Die Corazzieri sehen ihre Aufgabe als Dienst für den Staatspräsidenten, als Zeichen der Einheit der Nation und als Aufseher und Garant der Konstitution.Ausser dem Vorrecht auf Ehrendienste haben die Corazzieri die Aufgabe, die Sicherheit im Innern des Quirinalpalastes oder dem jeweiligen Unterkunftsort des Präsidenten zu garantieren, ebenso seine Transfers. Für die Zeremonien besonderer Feierlichkeiten erscheinen die Gardisten zu Pferd und in Galauniform. Dienste sind auch auf dem Motorrad zu absolvieren. 

Die Eintrittsbedingungen ins Corazzieri-Regiment

Der italienische Staatsbürger kann sich auf zei verschiedenen Wegen auf die Staatspräsidenten-Garde vorbereiten:

  • mit Alter 17  bis 26 ohne Militärdienst, 1 Jahr Carabinieri-Schule (an drei Orten in Italien),  und zurzeit 6 Monate Einführungszeit bei den Corazzieri
  • mit Alter 20 und 12 Monate absolvierten Militärdienst, sechs Monate Carbinieri-Schule: auch hier sechs Monate Einführungszeit bei den Carabiniieri, gemäss Reglement von 21. September 1987

Der Carabinieri-Rekrut, der in „periodo di esperimengto“ eintritt, könnte sier innert zwei Tagen ohne Nachteile verlassen. Im „esperimento“ wird speziell er speziell im Umgang mit Pferd, Jeep und Motorrad geschult. Diese Periode muss mit einem Examen abgeschlossen werden.

Der Anwärter muss mindestens 190 cm gross sein (über 70 % stammen aus Mittel- und Norditalien). Eine Begrenzung nach oben gibt es nicht.. Ein Vergleich: Die Carabinieri und Unteroffiziere des Staates (also nicht diejenigen der Staatspräsidentengarde) müssen mindestens 165, die Offiziere 170 und die Kavalleristen 168 cm gross sein. Die Offiziere der Corazzieri kommen aus dem Regiment der Carabinieri-Kavalleristen, die auch die offizielle Carabinieri-Schule des Staates absolviert haben. Ihre Idealgrösse sollte nicht unter 180 cm liegen.

Die Corazzieri des Präsidenten müssen mindestens acht Jahre Schulungterricht besucht haben, d. h. die obligatorischen Klassen des Staates (5 Jahre scuola elementare, 3 Jahre la terza media). Offiziere hingegen haben noch die 5 Jahre scuola superiore zu absolvieren (liceo/diplomato). Ein Universitätsabschluss (l’aurea) ist nicht erforderlich.

Das Kasernenleben der Präsidenten-Gardisten

Der Carabiniere hat Selbstverteidigung gelernt. In der Corazzieri-Kaserne sind jeden Tag mindestens 50 Männer in der Turnhalle (palestra) und stählen ihren Körper.  Die über 50 Pferde brauchen jeden Tag Bewegung; sie werden täglich in der Villa Borghese mindestens eine Stunde lang geritten. Abwechslungsweise werden die Pferde in der Reithalle trainiert. Der Tages- und Nachtdienst dauert 6 1/2 Tage mit total 38 Wochenstunden, d. h. die Arbeitszeit pro Tag beträgt 6 Stunden und 20 Minuten. Der 7.Tag ist dienstfrei. Die Ferientage liegen zwischen 20 und 45 Tagen, je nach Dienstalter.

Von den rund 250 Gardeangehörigen schlafen etwa 150 Mann in der Kaserne. Für sie gilt, je nach Dienstalter, eine Ausgangsregelung. Verheiratete wohnen in der Stadt oder Umgebung. Ledige können nach vier Dienstjahren ausserhalb der Kaserne wohnen. Das Anfangssalär beträgt 2 Millionen Lire je Monat. Essen/Unterkunft sind in der Kaserne gratis. Der Gardist erhält pro Jahr eine private Kleidung geschenkt. Nach 35 Dienstjahren geht man in Pension oder mit einem Alter von 56 Jahren.

Im Normalfall leisten gleichzeitig 20 Corazzieri in der Kaserne und 60 im Quirinalspalast Dienst, d. h. ein bis vier Stunden je Einsatz. Vor jedem Dienstantritt ist Appell. Es werden dabei u.a. geprüft: Haare, Bart, Schuhe und die ganze Uniform. Der Corazzieri hat sich weiterzubilden (istruzioni supplementari) für neue Dienstaufgaben,  Erste Hilfe, Sprachen, Körpertraining usf. 

In Italien sind die Corazzieri auch vom Sport her sehr bekannt. Nationale Grössen  sind u. a. im Reit- und Rudersport erwachsen. Einen eigenen Musikverein kennt die Garde nicht. 

Die Laufbahn des Corazziere

Der Corazziere kann in seiner Laufbahn viele Gradierungen durchlaufen. Wenn er sich für eine Gradierung bewerben will (fare il concorso, gli esami), hat er eine Prüfung zu bestehen, beispielsweise die Bewerbung für den Vicebrigadiere- oder für den Maraeschiallo-Grad. Bewirbt er sich nicht, bleibt er Corazziere und erhält, je nach Dienstalter, „geschenkte“ Gradierungen. Eine Bewerbung kann nur erfolgen, wenn eine Dienststelle frei wird. Der beste Kandidat erhält den Posten. Offiziere der Carabinierischule bewerben sich für die Berufs-Offiziers-Laufbahn.

Nach 15 und 25 Jahren erhält der Corazziere die normalen Auszeichnunen des Staates und der Armee; es sind Vedienstmedaillen. Das Regiment kennt folende Offiziere: den Kommandanten (il colonello, il comandante), der Vizekommandant (Kommandant der Schwadron-Einheiten), der Veterinär, der Mediziner, der Chef der Administration und der Gardekaplan (ein Armee-Seelsorger im Hauptberuf).

Der Corazziere hat mindestens vier Jahre Dienst zu leisten, nachher ist ein Austritt möglich. Einige wechseln wegen der Heirat, einem Berufswechsel und gehen zurück zu den Corazzieri des Staates. Auf einen Austritt warten immer etwa 10 Corazzieri des Staates. Die Wartezeit beträgt normalerweise etwa drei Jahre.