Pir – Pz, Q

Pius XII., Eugenio Pacelli

Hansjakob Stehle, Geheimdiplomatie im Vatikan, Seite 202:

Eine Momentaufnahme aus Rom, Juni 1941, kurz bevor Hitlers Armeen in der Sowjetunion einfielen. Sie ist aufgezeichnet von dem katholischen Dichter Reinhold Schneider. Der Berliner Bischof Konrad Graf von Preysling, der am 17. Januar 1941 brieflich in Rom angefragt hatte, ob der Papst nicht einen Appell zugunsten der verfolgten Juden erlassen könne, hatte dem Dichter, der Widerstandskreisen nahestand, eine Privataudienz bei Pius XII. vermittelt. Der Dichter war – so schreibt er – von der Begegnung mit dem Papst tief erschüttert: Der Pontifex schien ihm „nur noch Amt“ zu sein, durchgeistigt, ins Aussergewöhnliche erhoben. „Ein Mensch wie ein Lichtstrahl“, den die Trauer beschwerte. „Hinter ihm düstere Nacht.“

Aus der literarischen Umschreibung Reinhold Schneiders und aus anderen Informationen erfährt man, dass der Dichter es wagte, Widerspruch gegen die Haltung des Papstes anzumelden; Hoffnung auch auf einen „Wandel von innen“ auszusprechen; dass er den „fast vernichtenden“ innerkirchlichen Widerspruch zwischen dem Petrusamt und der Freiheit, zwischen Gehorsam und Gewissen zur Sprache brachte. Und was antwortete der Papst? Er blickte empor: „Aber die Macht!“

Reinhold Schneider mied nach dieser Audienz bis an sein Lebensende die „Ewige Stadt“. Zwei Jahrzehnte nach ihm gelangte ein anderer Dichter und Moralist, der Protestant Rolf →Hochhuth, nicht viel weiter als bis Grottaferrata, wo der seltsame Alois Hudal (siehe „Skandale?“) seine verbitterten letzten Jahre verbrachte – jener Bischof, der von einer Versöhnung der Hitlerbewegung mit der Kirche einmal die Rettung vor Bolschewisten, Juden und Liberalen erhofft hatte, der dann Juden vor ihren Mördern, später Mörder vor ihren Richtern retten half, indem er für sie Rot-Kreuz-Pässe besorgte … Nur wenn er über den Pacelli-Papst sprach, der ihn einst angeregt, dann wieder fallengelassen hatte, kam Hudal die „caritas“ (Nächstenliebe) etwas abhanden … Und so entstand Rolf Hochhuth „Stellvertreter“, das Bild eines eisigen Skeptikers, eines Papstes, der sich – eins mit der Institution, die er verkörpert – nicht mehr den Luxus von Gefühlen erlaubt, sondern nur kalt und nüchtern, mit selbstbewusstem Hochmut politisch kalkuliert: Hitlers Verbrechen dürfen nicht verurteilt werden, damit Deutschland für den Westen „verhandlungswürdig“ bleibt, damit die Front gegen den Osten nicht zusammenbricht …

Der moralische Aufschrei des Hochhuth-Schauspiels hat Anfang der 60er-Jahre als heilsamer Schock auf die Selbstbestimmung der Papstkirche gewirkt; Archive in Deutschland und im Vatikan wurden geöffnet. Nach der strahlenden Pacellilegende, die Hochhuth zerstören half, kann heute auch seine finstere als überwunden gelten. Dieser Papst, der sich nach aussen zuweilen als übermenschliches Orakel stilisierte, war durch die politische Welt, in der er lebte, durch diesen „furchtbarsten und verwickeltsten aller Kriege“ – wie er ihn nannte – tief verunsichert, verängstigt, entmutigt.

AS, Vatikanistan, S. 330:
Natürlich gibt es auch eine Art Giftschrank in der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen, wo die heiklen Causae liegen. Zum Beispiel diejenige jenes Pius XII., der das schöne sienagelbe Gebäude 1950 erbauen liess und sich die erwähnte Kongregation im 3. Stock befindet (Piazza Pius XII.). Seit 40 Jahren läuft das Seligsprechungsverfahren für Pius XII., geb. Eugenio Pacelli. Weshalb so lange? Wie Pacelli doppelt Pech gehabt hat in seinem Leben. Er wurde Papst, als auf Erden die Hölle los war, Hitler über den Kontinent herrschte, Stalin wütete und der Kirchenstaat einem megalomanischen (grössenwahnsinnigen) Hitler-Vasallen ausgeliefert war, der sich Duce nennen liess. Da war es schwer, Papst zu sein. Dann – zweites Pech – kam 1963 in der Berliner Schaubühne ein 7-Stunden-Stück zur Uraufführung. Es hiess „Der Stellvertreter“ und war geschrieben von einem Lektor bei Bertelsmann, der gerade eine Million Mal die Werke von Wilhelm Busch verkauft hatte: Rolf Hochhuth (siehe „Hudal“). Die 3 Monate Sonderurlaub für den Bestseller hatte er genutzt, ein Stück über das Schweigen von Pius XII. zum Holocaust zu schreiben.

Der Stellvertreter wurde nicht nur ein Welterfolg. Er ist bis heute das einzige Theaterstück, das auch im Himmel Wirkung hatte. Sozusagen. Denn das Bild eines kaltherzigen, diplomatisch lavierenden Papstes, dem das Überleben seines Hofstaates wichtiger war als das Leiden der Juden, ist seit dem Stellvertreter nicht mehr aus den Köpfen herauszubekommen. Für die einen ist Pacelli „Hitlers Papst“ (John Cornwell, Daniel Goldhagen), für die anderen ist er ein Held und „Defensor Civilitatis“ (so steht es in Stein gehauen am Pius-XII.-Platz gleich vorm Petersplatz). Jedenfalls ist es bislang unmöglich gewesen, die Tore zum Himmel für Pacelli auf- und den üblichen Seligsprechungsprozess abzuschliessen. Seit 40 Jahren wird durchleuchtet und abgeklopft, bewogen und gezögert, werden Expertenvoten eingezogen und Nachuntersuchungen verlangt.

Erscheinungsbilder Pius‘ XII.
Eine Zusammenfassung aus den Dokumentationen dieser Homepage (WA)

  • Papst Pius XII. Pacelli zeigte sich unter folgenden Erscheinungsbildern: Hygienomanie (Gesundheitspflege-Wahn): Nach Begrüssungen und Kontakten zu Beginn der Audienzen im Petersdom begab sich der Papst hinter den Thron, wo er sich die Hände wusch. Nach der Rückkehr in seine Privatwohnung hatte die Haushälterin, Sr. Pascalina (nach eigenen Angaben in ihrem Buch „Ich durfte ihm dienen“, 1982, Verlag Neumann) ihm die Hände und den Papstring mit Alkohol zu waschen. Er sorgte sich um seine medizinische Betreuung (wie Churchill und Tito).
  • Haphephobie (Angst, berührt zu werden): Händekontakt mit Personen drosselte er auf ein Minimum. Ein unerfahrener, junger Schweizergardist trat ihm in Castel Gandolfo bei einer Audienz mit spanischen Mädchen, die auf den Papst zudrängten, rückwärts auf einen seiner Schuhe. „Sie dummer Schweizer“ war seine sofortige Reaktion. Nach der Audienz hat sich  ein Prälat im Namen des Papstes im Schweizersaal beim Gardisten (F.S. in T.) entschuldigt.
  • Insektenphobie (krankhafte Angst vor schädlichen Insekten): Die Gärtner hätten seinen Spazierweg in den vatikanischen Gärten mit dem chemischem Mittel DDT zum Vernichten schädlicher Insekten einsprühen müssen. (WA: Von keinem ehemaligen Gardisten habe ich je etwas davon gehört, haben sie ihn doch in den Gärten bewacht.). Der Papst hätte eine Fliegenpatsche mitgetragen (Furcht vor Mücken als Überträger von Krankheiten).
  • Seine Phobien hätten sich in eine Art Mani (Besessenheit) gesteigert.

Katholische Wochenzeitung 44/2016 November, Seite 10, Autor unbekannt
Kardinal Saraiva: „Papst Franziskus könnte Pius XII. noch heute seligsprechen“

„Wenn Papst Franziskus wollte, könnte er Pius XII. noch heute seligsprechen, das geschieht aber nicht, weil jüdische Kreise entschieden dagegen sind.“ Dies sagte Kardinal José Saraiva Martins in einem Interview der portugiesischen Online-Tageszeitung „Farodi Roma“. In diesen Interview „enthüllt“ der portugiesische Purpurträger die „wahren Hintergründe“, weshalb das Seligsprechungsverfahren für den Papst nicht vom Fleck kommt. Auszug:

  • Am 8. November 1965 gab Papst Paul VI. in der 8. Session des Zweiten Vatikanischen Konzils die Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens bekannt, ungeachtet der öffentlichen Kontroversen wegen des seit Februar 1963 auf zahlreichen Bühnen aufgeführten „christlichen Trauerspiels“ von Rolf →Hochhuth: „Der Stellvertreter“.
  • Doch dann wird es stiller um das Seligsprechungsverfahren. Hochhuths Stück löst Kritik an der Haltung von Pius XII. zur nationalsozialistischen Judenverfolgung aus. Seither lautet die Frage: Hat Pius XII. zur Verfolgung geschwiegen? Dem halten Historiker und die Kirche entgegen, dass der Papst keineswegs geschwiegen und Tausende von Juden durch sein direktes Eingreifen das Leben gerettet hat.
  • 1980 erhob Johannes Paul II. Pius XII. zum Diener Gottes.
  • 1993 kam es zur Unterzeichnung eines bilateralen Abkommens zwischen dem Heiligen Stuhl und Israel, das 1994 zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen führte.
  • Um die Frage der laufenden öffentlichen Anklagen zu klären, und auch auf jüdisches Drängen hin, stimmte Papst Johannes Paul II. 1999 der Errichtung einer katholisch-jüdischen Historikerkommission zu.
  • Eine andere jüdisch-katholische Historikerkommission arbeitete in einem besseren Klima des gegenseitigen Vertrauens und erstellte eine Wanderausstellung, die das negative Bild über Pius XII. korrigieren sollte.
  • 2007 schienen die Historiker den Weg zur Seligsprechung geebnet zu haben. In jenem Jahr empfahl die zuständige römische Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Pius XII. den „heroischen (heldenmütigen, verherrlichten) Tugendgrad“ zuzuerkennen.
  • 2009 folgte Papst Benedikt XVI. diesem Votum. Dann brach eine neue, an Fakten desinteressierte Anklagewelle gegen Pius XII., die Kirche und Benedikt XVI. herein. Scharfe Kritik hagelte es am „deutschen Papst“ von der jüdischen Gemeinde in Rom und von internationalen jüdischen Organisationen. Mit Bildern des angeblichen „Hitlerjungen“ Joseph Ratzinger – sie zeigten ihn in Wirklichkeit als Luftwaffenhelfer – wurde international Hetze betrieben. Benedikt XVI. zog es daraufhin vor, die beabsichtigte Seligsprechung zurückzustellen. Statt dessen ordnete er eine neuerliche Überprüfung aller Archivbestände an. Eine Verlegenheitslösung, um zu signalisieren, dass es besser sei, auf einen günstigen Augenblick für die Seligsprechung zu warten.
  • „… die russische Propaganda unterstützt“. Zu jener Zeit, von 1998-2008, war Kardinal Saraiva Martins Präfekt der Heiligsprechungskongregation, und daher direkt mit dem Fall betraut. Auf die Frage, warum Pius XII. auch 59 Jahre nach seinem Tod und 51 Jahre nach Eröffnung des Verfahrens noch nicht seliggesprochen sei, antwortete der Kardinal: „Juden waren und sind entschieden gegen die Seligsprechung von Pius XII., weil sie ihn für einen Nazifreund halten, das aber ist eine Geschichtsfälschung“. Es würde genügen, so der Kardinal, die erste Enzyklika „Summi pontificatus“ von 1939 zu lesen, in der Pius XII. „so klar gegen“ den Nationalsozialismus und jede Form von Totalitarismus „Stellung genommen hat, dass Goebbels sie als <sehr aggressiv gegen uns> bezeichnete.“ „Um seine Seligsprechung zu vermeiden, haben die Juden zuerst die russische Propaganda unterstützt, die vom Stück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth von 1963 vertreten wurde, die dann mit einem Film neu aufgegriffen wurde, und schliesslich haben sie ihren Botschafter beim Heiligen Stuhl direkt in den Vatikan geschickt, um alles zu blockieren und nicht zuzulassen, dass die Kirche ihre Arbeit tut.“ (…)

OR Nr. 10 vom 10. März 2017, S. 4
Wichtige Dokumente zu Pius XII. wiederentdeckt

Papst Pius XII. hat laut dem römischen Komitee für Pius XII., dem „Comitato Papa Pacelli“, 1943/44 mehreren tausend Juden systematisch Schutz geboten. Bei einer Veranstaltung im Kloster Santa Maria sopra Minerva legten Historiker und Vatikanmitarbeiter auf Grundlage vor kurzem wiederentdeckter Dokumente in vatikanischen und römischen Archiven den Einsatz des Pacelli-Papstes während des Zweiten Weltkrieges für die Juden der Stadt Rom dar.
Das Symposium trug den Titel „Pius XII.  – Die ‚Schwarze Legende‘ geht bald zu Ende“. Anlass war der 78. Jahrestag der Wahl von Eugenio Pacelli (1876-1958) zum Papst am 2. März 1939 und dessen Krönung am 12. März 1939 auf der Loggia des Petersdoms.
Der Präfekt der Apostolischen Signatur, Kardinal Dominique Mamberti, betonte, dass Pius XII. die Kirche „in einer sehr komplizierten Zeit“ geleitet und „sehr viel für den Frieden“ unternommen habe. Vor allem habe er die Kirche in die Moderne geführt.
Zusatz aus „Kath. Wochenzeitung CH“, 11/2107 März, S. 14, Auszug:
Postulator des Seligsprechungsprozesses: P. Anton Witwer Jesuit, Österreicher. Über 4’000 Juden in Klöstern versteckt. Wie Radio Vatikan berichtete, wurden laut „Comitato Papa Pacelli“ etwa zwei Drittel aller Juden Roms dank der Hilfe von Pius XII. vor den Nazi-Schergen gerettet. Über 4’000 Juden seien damals in über 235 Klöstern und kirchlichen Einrichtungen in Rom untergebracht – sprich versteckt – worden. In weiteren 160 vatikanischen Einrichtungen hätten ebenfalls viele Juden Zuflucht gefunden. Weitere 1’600 Juden seien damals von einer mit dem Vatikan verbundenen Organisation in Sicherheit gebracht worden. Es handelte sich um die „Organisation für die Hilfe an jüdische Auswanderer – Delasem“, die vom Vatikan im Geheimen finanziert wurde.
Kardinal Mamberti: „Das wahre Gesicht des Pacelli-Papstes ist also vollkommen anders als jenes, das die „Schwarze Legende“ über ihn verbreiten wollte.“ Mit „Schwarzer Legende“ meinen Kardinal Mamberti und auch die Organisationen der Konferenz das Bild von Pius XII., das der deutsche Schriftsteller Rolf →Hochhut in den 1960er-Jahren in seinem Werk „Der Stellvertreter“ vermittelte.
Autor der Studien, die die neuesten Zahlen zu Pius XII. und zur Rettung der römischen Juden nennt, ist der italienische Diakon Domenico Oversteyns. Er sagte gegenüber Radio Vatikan, dass das „falsche Bild“ über Pius XII. ursprünglich von der sowjetischen Propaganda verbreitet worden sei. Diese habe bereits vor dessen Tod 1958 damit angefangen, die „Stille des Papstes“ während der Nazi-Zeit „anzuprangern“. Damals habe diese antipäpstliche Propaganda noch wenig Rückhalt gefunden, „weil man das Engagement und die Friedenstexte des Papstes kannte und noch vor Augen hatte“. Oversteyns: „Pius XII. hat die Juden Roms bereits vor dem 16. Oktober 1943 gerettet (damals fand eine massenhafte Verhaftung von Juden statt. Anm.), indem er um die Hilfe von 48 Klöstern bat. Er rief auch weitere Klöster auf, ihre Tore für die verfolgten Juden zu öffnen. Insgesamt gibt es mindestens 198 direkte Eingriffe von Pius XII., der die Freilassung von oder die Hälfte für Juden und Deportierte erbat. Allein bei jener schrecklichen Verhaftungswelle wurden daraufhin 60 Menschen befreit“.
Laut dem österreichischen Jesuitenpater Anton Witwer, ist der Weg zur Seligsprechung einfacher geworden. Im Interview mit Radio Vatikan sagte er: „Der heroische Tugendgrad wurde bereits bestätigt, jeder Gläubige kann ihn somit ins Gebet aufnehmen. Was noch fehlt für die Seligsprechung, ist aber das Wunder. Damit dies geschieht, müssen wir Pius XII. in unsere Gebete aufnehmen. Er ist wahrlich eine eindrückliche Persönlichkeit gewesen, und zwar nicht nur als Papst. Er hat als Mensch in tiefgründiger Weise die Nächstenliebe und die Liebe zu Gott gelebt“.

→Deutscher Friedhof     →Päpste, Pius XII. (Teilporträts über Päpste)

Piusbrüder

Basler Zeitung vom 25. Oktober 2012, S. 12:
Bischof von Piusbrüdern ausgeschlossen

Menzingen (ZG). Die erzkonservative Piusbruderschaft hat den umstrittenen britischen Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson ausgeschlossen. Dieser habe sich seit mehreren Jahren von der Führung und Leitung der Bruderschaft entfernt. Das teilte gestern das Generalhaus der Traditionalisten in Menzingen mit. Anfang Oktober 2012 hätten der Generalobere der Piusbrüder, Bernard Fellay, und sein Rat dem Briten eine letzte Frist eingeräumt, sich unterzuordnen. Williamson lenkte nicht ein und forderte hingegen Fellay zum Rücktritt auf. Das führte nun zum Schlussstrich unter die monatelangen Auseinandersetzungen. SDA/DPA

OR Nr. 44 vom 2. November 2012, S. 3:
Der Vatikan will den traditionellen Piusbrüdern im derzeitigen Einigungsprozess eine längere Frist für die Beantwortung der vorgelegten Dokumente einräumen. Mit Blick auf die bereits 30-jährige Trennung habe man Verständnis, wenn die Aufarbeitung des jüngsten Dialogs einige Zeit brauche, heisst es in einer Mitteilung der zuständigen Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ vom 27. Oktober 2012. Der gegenwärtige Diskussionsstand sei die Frucht eines dreijährigen theologischen Dialogs mit 8 Expertenkonferenzen, heisst es in dem Dokument.

Kirche heute 16/17 2017 April, S. 2
Piusbrüder dürfen kirchlich trauen

Papst Franziskus kommt der von Rom getrennten traditionalistischen Piusbruderschaft einen weiteren Schritt entgegen: Deren Ortsbischöfe dürfen künftig ehewillige Paare kirchlich trauen. Die Ehe werde dann auch von der katholischen Kirche kirchenrechtlich anerkannt.  Wie bei  der schon früher erteilten Beichtvollmacht gehe es um „das Ziel, die Priesterbruderschaft des heiligen Pius X. (→P – Park, Päpste K – Z) in die volle Gemeinschaft der Kirche zurückführen“, heisst es in dem am 4. April 2017 veröffentlichten Schreiben von Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Ludwig Müller an die Bischofskonferenzen weltweit.

Polizei Italienische beim Vatikan

(Carabinieri)
Italienisches Amt für Öffentliche Sicherheit beim Vatikan: unter den rechten Kolonnaden, vorne

Nach den Lateranverträgen von 1929 ist Italien für die Sicherheit auf dem Petersplatz und rund um den Vatikan verantwortlich. Petersplatz beispielsweise Tag und Nacht (nachts mit 2 Polizeiautos, Platz aber abgesperrt ab 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr), von italienischen Carabinieri belegt. Der nicht abreissende Strom von Gläubigen und Touristen, die Tag für Tag die grösste Kirche der Welt besuchen, werden von dieser italienischen Polizei beim Vatikan kontrolliert durch: Torsonden rechts vorne unter den Kolonnaden für den Dombesuch, Torsonden in der Mitte beider Kolonnaden für die Audienzen bzw. links für den Vatikanbesuch, z. B. für einen Besuch der Gärten.

Dieses Amt beschäftigt sich auch mit anderen Angelegenheiten wie Aufenthaltsgenehmigungen für ausländische Ordensleute für das italienische Staatsgebiet und ist in besonderer Weise für die Sicherheit des Heiligen Vaters zuständig, wenn sich dieser auf italienischem Staatsgebiet aufhält. Im Nahschutz des Jeeps auf dem Petersplatz erscheinen sie nicht mehr, dafür in grosser Anzahl hinter den Audienzbesuchern zwischen den endenden Kolonnaden am Platze Pius XII.

Diese Carabiniere werden auch genannt als Generalinspektion der Staatlichen Polizei beim Vatikan. Beim Attentat auf Johannes Paul II. war damals der Bodyguard Francesco Pasanisi der Leiter dieser Generalinspektion. Er fiel als aktivster und wirksamster Bodyguard nach den Schüssen auf.

Wer gehört alles zu den Schutzengeln der Italiener? Generalinspektion der italienischen Polizei beim Vatikan, der Polizeichef im jeweiligen Stadtviertel, der Kommandant der Kompagnie der Carabinieri von Sankt Peter und der Leiter des Verkehrsamtes im Polizeipräsidium. →Justiz
Auch meistens zuständig für die vielen Straftaten auf Vatikanboden.
→ Strafrecht

OR Nr. 5 vom 30.01.2015, S. 4
Dank für Sicherheit auf dem Petersplatz

Papst Franziskus hat der italienischen Polizei gedankt, die für die Sicherheit auf dem Petersplatz und in der Umgebung des Vatikans zuständig ist. Zum Jahresbeginn zeichneten sich „am Horizont auch Schatten und Gefahren ab, die der Menschheit Sorge bereiteten“, sagte er im Blick auf die Pariser Attentate beim traditionellen Neujahrsempfang für das zuständige Sicherheits-Inspektorat. Aber als Christen „dürfen wir nicht den Mut sinken oder uns verstören lassen“, sagte der Papst. Geführt wird die italienische Dienststelle zum ersten Mal in ihrem 70-jährigen Bestehen von einer Frau, von Maria Rosaria Maiorino. Sie richtet im Namen ihrer Polizistinnen und Polizisten ein Grusswort an den Papst. Franziskus würdigte in seiner Ansprache den Einsatz der italienischen Polizisten für die Stätten, die von grösster Bedeutung für den Glauben und das Leben Millionen Pilgern seien. „Viele Menschen, die das christliche Herz Roms besuchen, wenden sich direkt an euch. Jeder kann sich von eurer Präsenz und eurer Arbeit unterstützt und geschützt fühlen“, sagte der Papst. Die Polizeichefin verwies ihrerseits auf den umfangreichen Einsatz ihrer Dienststelle im vergangenen Jahr.

OR Nr.  3 vom 20.01.2017, S. 4
Papst Franziskus hat dem italienischen Sicherheitsinspektorat beim Vatikan für dessen Arbeit gedankt. „Ihr seid in gewisser Weise die ‚Schutzengel‘ des Petersplatzes, sagte er am Freitag, 13.01.2017, bei der traditionellen Neujahrsaudienz für die Polizisten. Die Herausforderungen der hohen Pilgerzahlen zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit und der verstärkten Sicherheitsanforderrungen in jüngerer Zeit seien von der Polizei erfolgreich gemeistert worden, so der Papst. Nach dem Anschlag von Berlin hatte Italiens Polizei die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Vatikan zu Weihnachten und Neujahr erheblich verstärkt. – Die Gruppe der Audienzteilnehmer wurde angeführt von Polizei-Chefin Rosaria Maiorino. Sie hat als erste Frau diesen Posten inne.

OR Nr. 4 vom 27.01.2017, S. 9
Danke für die mühevolle Arbeit und grosse Opfer
Ansprache von Papst Franziskus am 13.01.2017

Herr Polizeipräsident, Herr Präfekt Bellesini, liebe Mitarbieter und Polizeibeamte!
Auch in diesem Jahr freue ich mich besonders, euch zum gegenseitigen Austausch der Glückwünsche zum neue Jahr, das vor kurzem begonnen hat, zu begegnen. An alle richte ich meinen herzlichen Gruss, insbesondere an Frau Maria Rosaria Maiorino, der ich für ihre freundlichen Worte danke. Ich begrüsse die Mitarbeiter des Sicherheitsinspektorats beim Vatikan sowie die anderen Leiter und Beamte der Polizei und die Seelsorger unter der Leitung des nationalen Koordinators.
Einem jedem von euch möchte ich meine Anerkennung und meine aufrichtige Dankbarkeit zum Ausdruck bringen für euren grossherzigen Dienst, der nicht frei von Schwierigkeiten und Gefahren ist. Ich weiss, dass ihr Gefahren ausgesetzt seid. Ihr seid in gewissem Sinne die „Schutzengel“ des Petersplatzes. Denn täglich überwacht ihr dieses besondere Zentrum der Christenheit und andere Orte, die zum Vatikan gehören, mit grossem Diensteifer, Professionalität und Pflichtbewusstsein. Und besonders in letzter Zeit habt ihr Sachkenntnis und Mut bewiesen, indem ihr euch vielen Herausforderungen und verschiedenen Gefahren gestellt und euch grossherzig für die Straftatenvorbeugung eingesetzt habt. So habt ihr den Zugang der Pilger zur Basilika ebenso wie zu den Begegnungen mit dem Nachfolger Petri sicher gemacht. Für all das danke ich euch sehr! Ich danke euch: Das sind keine Worte, sondern es kommt von Herzen: danke! Ich kenne die Mühe eurer Arbeit und die Opfer, die ihr täglich auf euch nehmt. Ihr sollt wissen, dass ich euch sehr wertschätze und oft mit aufrichtiger Dankbarkeit an euch und eure wertvolle Arbeit denke. (…)

Pönitentiarie, Apostolische

Einstiges Ablassamt

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 118:
Duden: Pönitent, veraltend für Büssender, Beichtender. Pönitenz, veraltend für Busse, Bussübung. Pönitenziar, veraltend für Beichtvater

Das einstige Ablassamt, welches Martin Luther so in Rage versetzte, die Apostolische Pönitentiarie, ist der oberste Gnadenhof der katholischen Kirche (dem Hl. Stuhl zugehörig) für den inneren Bereich und hat immer noch alle Hände voll zu tun. Die Richter hier sind für alle Konflikte aus dem Gewissensbereich zuständig. Wenn ein Priester das Beichtgeheimnis gebrochen hat, wenn ein traditioneller Bischof Priester ohne Zustimmung des Papstes weiht, dann kommt die Causa zu den Richtern der Pönitentiarie. Jeder Gläubige kann eine Eingabe an den Gerichtshof machen, zu jeder Zeit und in jeder Sprache und völlig kostenfrei. Das ist so geregelt, weil die Fälle in der Regel besonders heikel sind. Die Richter können laut der Konstitution von 1988 („Pater Bonus“) Gnade gewähren, von Sünden und Beugestrafen lossprechen, von geheimen Ehehindernissen oder Eiden dispensieren. Die Pönitentiarie kann Gelübde umwandeln, Verpflichtungen aus frommen Stiftungen oder sonstigen Arten von Verpflichtungen neu regeln, Schenkungen aufheben, Ablässe gewähren oder ungültige Amtsübertragungen für nichtig erklären. Den Vorsitz dieser Verfahren führt der „Kardinal-Grosspönitentiär“. Er ist der einzige Kardinal, dem das Recht zusteht, auch während des Konklaves die versiegelte Post aus dem Gerichtshof zu empfangen.
→Anticamera →Organigramm,   siehe auch: Ablassamt

Pontifex Maximus

Don Antonio Tedesco, Ein Spaziegang durch den Vatikan, 2007, Edition KAPPA:
Das Brückenbauen galt bei den alten Römern als herausragende Leistung. Der Brückenbauer hiess Pontifex. Den Titel Pontifex Maximus, höchster Brückenbauer (oberster Wächter), trugen jedoch die Priester. Ihre Aufgabe war es, eine Brücke zwischen den Göttern und den Menschen zu schaffen. Und so wird auch der Papst bezeichnet: Pontifex Maximus ist ein römischer Titel, den der Papst noch heute als Zusatz trägt. Er baut die Brücke zwischen Gott und den Menschen. Papst Leo I. (440-461) trug diesen Titel zuerst, aber:

P.P. = Pastor Pastorum; Der Hirte der Hirten. Unterschrift der Päpste, z. B.
Johannes Paul II. PP
Franziskus unterschreibt nur mit seinem Namen.
Beim römischen Kaiser:  Marc Aurel PP (Pater Patriae; Vater des Vaterlandes).

→Telefonbuch (Titel)    →Päpste, Leo I., siehe auch unter „PP“

Pontifikate der Päpste (verschiedene Daten)

→Päpste

Kürzeste Pontifikate Stephanus II., 3 Tage: 23.03.752 bis 25.03.752, Beginn des Kirchenstaates (1118 Jahre lang existierte der Kirchenstaat). Sitz des Kirchenfürsten (Papst, Oberhaupt) auf dem Quirinal.




Urban VII., 13 Tage, 15. – 27.09.1590
Cölestin IV., 17 Tage, 25.10. – 10.11.1241
Silvester III., ein Gegenpapst, 22 Tage, 20.01.-10.02.1045
Marcellus II., 23 Tage, 09.04.-01.05.1555
Damasus II., 24 Tage, 17.07.-09.08.1048, Verdacht auf Ermordung
Längstes Pontifikat Pius IX., 31 J. 8 M., 16.06.1846 bis 07.02.1878, il nono, vom Quirinal in den Vatikan gezogen (Gefangener des Vatikans), Grab in San Lorenzo, Rom. Man sagt, es sei der unbeliebteste Papst gewesen. Mit 54 Jahren gewählt, mit 86 Jahren verstorben
In jungen Jahren gewählt Johannes XII., 955-63, im Alter von 10 Jahre gewählt, im Alter von 18 Jahren gestorben: am 04.12.963 abgesetzt.
Benedikt IX., 1032-44, im Alter von 15 Jahren gewählt, im Alter von 27 Jahren gestorben: 3 x Papst. Zuletzt verzichtet. Verstorben am 17. Juli 1048.
Im hohen Alter gewählt Clemens III., 1187-91, im Alter von 81 Jahren gewählt, im Alter von 85 Jahren gestorben
Callixtus III., 1455-58, im Alter von 80 Jahren gewählt, im Alter von 83 Jahren gestorben
Clemens X., 1670-76, im Alter von 80 Jahren gewählt, im Alter von 86 Jahren gestorben
Ältester Papst   Leo XIII., 1810-1903, im Alter von 93 Jahren verstorben. Drittlängstes Pontifikat: 25 J. 5 M., mit 68 Jahren gewählt
Johannes Paul I. (Luciani) 33 Tage, an 11. Stelle bei den kürzesten Pontifikaten
Johannes Paul II. (Wojtyla) 26 J. 5 M., an 2. Stelle bei den längsten Pontifikaten
% 55 Päpste regierten unter einem Jahr = 20,91 %, d. h. jeder 5. Papst; 32 Päpste regierten 15 Jahre und mehr = 12,16 %, d. h. jeder 8. Papst.
Gegenpäpste total 41
Abgedankt, verzichtet
oder sonst wie abgesetzt
54 Päpste (Die illustrierte Geschichte der Päpste, 1980, Albatros)
Benedikt XVI. (Ratzinger) *16.04.1927
Mit 78 Jahren gewählt
Franziskus  (Bergoglio) *1936, Buones Aires
Mit 77 Jahren gewählt
263. Nachfolger. 264. rechtmässiger Papst, gemäss „Die illustrierte Geschichte der Päpste“, Albatros-Verlag, 1980, gewählt am 19.04.2005.
Amtsverzicht am 28.02.2013. →Päpste, ihre Pontifikate, A-G
264. Nachfolger Petri, 265. rechtmässiger Papst, gewählt am 13. März 2013. Siehe unter →Franziskus

→Papstgeschichte (separates Register)
→Nationalfeiertag (separates Register)

Pornographie

Katholische Wochenzeitung Nr. 22 vom 30. Mai 2014, S. 9
Erlöst – zehn wahre Geschichten über die Bekehrung von Pornographie zur Reinheit

Speziell durch das Internet hat sich die Pornographie zu einem der grössten Übel unserer Zeit entwickelt. Die apostolische Arbeit auf diesem Gebiet hat besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika im Laufe der letzten Jahre grosse Fortschritte gemacht. Der in den Kalifornien lebende Australier Matt Fradd hat sich, nach eigener leidvoller Erfahrung mit dem Konsum von Pornographie , der Aufklärung verschrieben und bereist das ganze Land, um Männern und Frauen, die mit Pornographie zu kämpfen haben, einen Ausweg aufzuzeigen. Jüngst veröffentlichte Fradd ein kompaktes Büchlein mit dem Titel „Delivered“ („Erlöst“), das zehn wahre Geschichten über die Bekehrung von Pornographie zur Reinheit beinhaltet. Mit Matt Fradd sprach Brandon Vogt, dem wir für die Erlaubnis zur Übersetzung des folgenden Interviews danken. (…)

Katholische Wochenzeitung 41/2016 Oktober, S. 6
Erzbischof Chaput über die Folgen von Pornographie und Promiskuität (Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern)

In den letzten Jahrzehnten haben sexuelle Promiskuität, Untreue und Pornographie merkbar zugenommen. Die negativen Auswirkungen auf Ehen, Familien, auf die Gesellschaft und die Politik werden jetzt sichtbar, sagt der Erzbischof von Philadelphia. Menschen, die nicht bereit seien, ihre Begierden zu beherrschen, würden von diesen beherrscht und bald von jemand anderem regiert. Wer zu schwach sei, in einer Beziehung treu zu sein, sei auch zu schwach, um frei zu sein. Das sagte Charles Chaput, der Erzbischof von Philadelphia, an der katholischen Universität „Notre Dame“, an der er zu einem Gastvortrag eingeladen war.
Über kurz oder lang würden diese Menschen sich bereitwillig einem Staat unterwerfen, der ihren Narzissmus (übersteigerte Selbstliebe) und ihre Unreife mit seinen eigenen Formen sozialer Kontrolle kompensieren würde. Wir würden heute zunehmend in einer dysfunktionalen (funktional gestörten) Kultur frustrierter und verletzter Menschen leben, die unfähig seien, in dauerhaften Beziehungen zu leben, Opfer zu bringen und ihre eigenen Probleme zu erkennen.
Eine wesentliche Ursache für diese Entwicklung sieht  Erzbischof Chaput in der signifikanten (bedeutsamen) Zunahme von Promiskuität, Untreue, sexueller Gewalt und dem Konsum von Pornographie. Diese würden Ehen und Familien ebenso zerstören wie geistliche Berufungen. Als Priester habe er diese dramatische Entwicklung über 5 Jahrzehnte im Beichtstuhl miterlebt, sagt Chaput.
Die Auswirkungen auf Gesellschaft und Politik würden nun sichtbar. Die Wahrheit über die menschliche Sexualität sei, dass die angesprochenen Verhaltensweisen verheerende Folgen für die Persönlichkeit der Betroffenen hätten. Diese Menschen seien dann viel weniger bereit und in der Lage, Kinder zu erziehen, eine funktionierende Familie zu gründen und die Tugenden zu entwickeln, die sie zu reifen, mündigen und selbständigen Personen machen würden, warnt Erzbischof Chaput.

Post des Staates der Vatikanstadt

Post und Telegraf: Tel. 06 698 834 06

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

  • 30. Juli 1929 Der Postdienst im Vatikan wird durch den Governeur, Marchese Camillo Serafini, eingerichtet.
  • 1. August 1929 Das vatikanische Postamt nimmt seinen Dienst auf.
    Am gleichen Tag erscheinen die ersten vatikanischen Briefmarken,
    bestehend aus 15 Werten*.
  • Der Postdienst des Kirchenstaates wurde nach modernen Gesichtspunkten 1816/17 organisiert.
  • Am 1. Juni 1929 tritt der vatikanische Postdienst dem Universalen Postdienst U.P.U. bei.
  • Ab 1. Januar 1852 erfolgt die Ausgabe von eigenen „Freimarken“. Mit den Lateranverträgen von 1929 gilt eine Neuregelung der vatikanischen Post. Die Briefmarken-Serien der Päpste gelten unter den Philatelisten als begehrte Motive. *Die erste Serie mit 15 Werten von Enrico Federici gestaltet, zeigt auf den ersten sieben Werten die Tiara mit den gekreuzten Schlüsseln, auf den übrigen Werten das Bild von Pius XI.
  • 15. September 1874: Beitritt zur Internationalen Organisation für die Postpolitik.

Der Brief mit Vatikanmarken kann nur im Vatikan aufgegeben werden. Briefe mit italienischer Marke nur in Italien. Der Vatikan lässt eigenes Euro-Geld prägen, das unter Sammlern bleibt.

Sämtliche Briefe und Pakete (Priority, Economy, Einschreiben) leitet die vatikanische Post unsortiert in die Schweiz (mit Flugzeug normalerweise gleichen Abends), aber ohne die Sendungen mit Vatikan- oder Italien-Adressen. Der Grund liegt darin, dass im Vatikan zu wenig Briefpostsendungen aufgegeben werden, als dass sich der Aufbau eines eigenen internationalen Auswechslungsamtes lohnen würde. Die Briefe gelangen ins Briefzentrum Zürich, Pakete nach Basel oder an den Flughafen Zürich-Kloten. Die Schweizer Post sortiert und spediert weiter. Dies auch für weitere 36 Länder (z. B. für Albanien, Argentinien, Bulgarien, Brasilien, Chile, China usf.), die nicht mit allen anderen Staaten Beziehungen pflegen. – Der Staat der Vatikanstadt zahlt diesen Offentransit.

Mediendienst Schweizerische Post, 058 341 21 96

Römerinnen, Römer und Kenner, die von diesem Offentransit wissen, bedienen sich sehr gerne der Vatikanpost.

Es befinden sich zwei Postämter links und rechts des Petersplatzes. Zur Hauptpost gelangt man über den Eingang S. Anna. Im Vatikan werden je Einwohner/in und Jahr die meisten Poststücke versandt (2’200 Stück). Im Vergleich: In den USA sind es 660, in Italien 109 je Jahr (wikipedia).

OR vom 13.11.2009:
Jährlich werden etwa 250’000 kg Post vom Vatikan in die ganze Welt versandt, 60’000 kg kommen im Kleinstaat an und 50’000 kg beträgt das Gewicht der vatikaninternen Poststücke, die regelmässig verteilt werden müssen.

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 197:
1851 hatte der Kirchenstaat die Briefmarke eingeführt, damals noch im Verbund mit der Postliga Oesterreich-Italien. Mit den Lateranverträgen 1929 verpflichtete sich Italien, die postalischen Dienste mitzubetreuen. Pius XI. (1922-39) war der erste Papst, dessen Gesicht je auf einer Briefmarke seines Staates erschien. Das „Amt für Briefmarken und Münzen“ (Ufficio filatelico e numismatico) beauftragt Künstler mit Entwürfen und kontrolliert die Ausführung und den Druck in der italienischen Staatsdruckerei. Das gleiche Amt hält Kontakt mit internationalen Postverwaltungen, Briefmarkenverbänden, Philatelie-Fachblättern und Markenhändlern, wenn neue Serien herausgegeben werden. Sammler können die neuen Marken in kleinen Mengen im vatikanischen Postamt kaufen oder, gegen Vorauskasse, auf dem Postwege und übers Internet (order.ufn@scv.va) bestellen. Die meisten Serien, es sind etwa 10 im Jahr, werden in einer Auflage von 300’000 Stück gedruckt. Die Briefkästen der „Poste Vaticane“ sind himmelblau und werden am Sonntag nicht geleert und an kirchlichen Feiertagen schon gar nicht.

OR Nr. 14 vom 8. April 2011:
Die Vatikanpost hat zum 1. April 2011 ihre Tarife erhöht. Gestiegen sind vor allem die Preise für die Zustellung per „posta prioritaria“ ausserhalb Italiens. Viele Rompilger und Italiener nutzen diese Einrichtung des Kirchenstaates.

OR Nr, 17 vom 28.04.2017, S. 9
Die Vatikanpost hat zum 90. Geburtstag von Benedikt XVI. eine Sonderbriefmarke herausgegeben.  Das Postwertzeichen mit dem Nennwert von 0,95 Euro zeigt den emeritierten Papst in betender Haltung. Auf dem Rand steht „90. Geburtstag des emeritierten Papstes Benedikt XVI.“ Der Block mit 4 Marken zeigt zudem eine Begegnung mit Papst Franziskus, der seinen Vorgänger umarmt.
→Briefmarken

PP (P.P.)

P.P. bedeutet: Pastor Pastorum, d. h. der Hirte der Hirten. Der Papst stellt diese zwei P neben seine Unterschrift: Benedikt XVI. PP – Papst Franziskus verzichtet darauf. – Bei den römischen Kaisern hiessen diese zwei PP „Pater Patriae“, Vater des Vaterlandes. „Pontifex maximus“ (lat. Oberster Priester/Wächter) meint den obersten Wächter des altrömischen Götterkults. Diese Bezeichnung übernahmen die römischen Kaiser, später die Päpste.

Predigten

OR Nr. 8 vom 20.02.2015, S. 4
Vatikan will gegen langweilige Predigten vorgehen

Der Vatikan will gegen „langweilige Predigten“ vorgehen. Dazu veröffentlichte er einen Leitfaden für Priester, der Vorgaben und Ratschläge für ihre Vorbereitung und Gestaltung in Gottesdiensten enthält. Für viele Gläubige entscheide heute eine interessante oder langweilige Predigt über die Qualität des gesamten Gottesdienstes, sagte der Präsident der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kardinal Robert Sarah, bei der Vorstellung des sogenannten „homiletischen Direktoriums“. Der Leitfaden habe das Ziel, die Predigten zu verbessern, so Kardinal Sarah. Eine ideale Länge für Predigten gibt es nach Ansicht Sarahs nicht. Sie hänge vom jeweiligen Kulturkreis ab, sagte der aus dem westafrikanischen Guinea stammende Kardinal. „In westlichen Ländern sind 20 Minuten zu viel. In Afrika hingegen reichen sie nicht aus“, erklärte Sarah. Weil die Gläubigen dort oft von weit her zu den Gottesdiensten kämen, könne die Predigt nicht nur 10 oder 15 Minuten dauern. – Papst Franziskus hat die Predigt in seinem Lehrschreiben ‚Evangelii gaudium‘ als „Prüfstein, um die Nähe und die Kontaktfähigkeit eines Hirten zu seinem Volk zu beurteilen“, bezeichnet. Es sei traurig, dass Priester und Gläubige hierbei jedoch oft leiden müssen, „die einen beim Zuhören, die anderen beim Predigen“. – Der Vatikan bekräftigt in dem rund 150-seitigen Leitfaden zugleich die geltende kirchliche Lehre, wonach Laien nicht in Messfeiern predigen dürfen. Der Leitfaden ist bisher nur auf Italienisch und Englisch erhältlich. Er soll jedoch von diversen Bischofskonferenzen auch in andere Sprachen übersetzt werden. Inhaltlich enthalte das Dokument keine Neuerungen, sondern fasse die geltende Lehre und päpstliche Äusserungen zu dem Thema zusammen, hiess es weiter bei der Pressekonferenz. In dem homiletischen Direktorium geht es vor allem um die richtige Einbettung der Predigten in den liturgischen Kalender und die Festzyklen der katholischen Kirche.

Presse

→Medien

Priester

(Bischöfe, Priester, →Ordensfrauen und –männer, →Katholiken). Auch unter „Diakone“
Sämtliche Zahlen aus dem L’Osservatore Romano, deutsche Ausgabe (OR)

Bischöfe (→Kardinäle, →Bischöfe)

2009: von 4’946 Bischöfen in 2’936 Diözesen und kirchlichen Verwaltungsbezirken auf 5’002 gestiegen (um 1,13%)

Priester

Bis zum Jahre 2000 war die Anzahl Priester stets rückläufig. Jetzt registriert man eine Zunahme:

Ende 2000: 405’178 Priester
Ende 2006: 407’262 Priester
Ende 2007: 408’024 Priester
Ende 2008: 409’166 Priester
Ende 2009: 410’953 Priester
Ende 2010: 412’236 Priester
Ende 2012: 414’313 Priester

2000 – 2008: Zahl der Priester:

In Europa: um 7,5 % weniger mit rund 193 000 Priestern
In Afrika: um 31,09 % auf rund 35 000 Priester

Priester: 1999 bis 2009:
Zahl der Priester steigt weltweit, in Europa deutlicher Rückgang:

Weltweit um 1,4 % gestiegen
Europa: um 9 % zurück
Weltweit: 275’542 Weltklerus, 135’051 Ordensmänner. Wachstum Weltpriester 4 %, Ordenspriester gingen um 3,5 % zurück.

Nordamerika 1999 – 2009: Weltpriester um 7 % zurück, Ordenspriester um 21 % zurück. Europa 9 % weniger Priester.
Grösster Priestermangel herrscht nach wie vor in Afrika und Lateinamerika.

46,5 % aller Priester kommen aus Europa. 29,9 % aus Nordamerika. Afrika 8,9 % und Asien 13,5 %. Ozeanien 1,2 %

Priester im Jahre 2010:
OR Nr. 11 vom 16. März 2012:

Die Zahl der Priester in der Weltkirche ist insgesamt abermals leicht gestiegen, im Jahre 2010 um 1’643 auf nunmehr 412’236. In Europa blieb sie hingegen weiterhin rückläufig. Hier gab es 2010 insgesamt 905 Priester weniger als im Vorjahr. Mehr Priester wirkten vor allem in Asien (1’695) sowie in Afrika (76).

2010: Ordenspriester: Im Jahr 2010 wurden 135’227 Ordenspriester registriert

Priester im Jahre 2012:
OR Nr. 23 vom 6. Juni 2014, S. 3

Die Zahl der katholischen Priester weltweit steigt weiter leicht an. 2012 gab es auf allen Kontinenten 414’313; das sind rund 900 mehr als im Vorjahr und 2 % mehr als 2005. Das Wachstum verlangsamte sich jedoch; von 2011 auf 2012 war noch ein Zuwachs von 5’000 Priestern verzeichnet worden. – Europa verzeichnet demnach einen deutlichen Rückgang. Zwischen 2005 und 2012 sank die Zahl der Priester hier um 6 %, die der Priesteramtskandidaten um 13,2 %.  Den grössten Zuwachs gab es in diesem Zeitraum in Afrika (24 %) und Asien (20 %).
Siehe unter  „Diakone“

OR Nr. 8 vom 25.02.2011:
Kontinuierlich zugenommen hat in den vergangenen Jahren auch die Zahl der katholischen Priester. Zur Jahrtausendwende gab es 405’178 Diözesan- und Ordenspriester, 2009 waren es 410’593. Dabei steht einem Anstieg in Afrika und Asien ein prozentualer Rückgang in Europa und Amerika gegenüber.

OR Nr. 8 vom 25.02.2011:
Zur Ausbildung eines Priesters gehört nach den Worten des Papstes mehr als die akademische Bildung. Junge Priester sollten immer auch zugleich seelsorgerliche Aufgaben übernehmen, sagte der Papst bei einer Audienz für die Mitglieder des philippinischen Priesterkollegs in Rom.

OR Nr. 4 vom 27. Januar 2012:
Priester sollen nach den Worten von Papst Benedikt XVI. über eine solide kulturelle und wissenschaftliche Ausbildung verfügen. Die intellektuelle und rationale Dimension sei wesentlich für den christlichen Glauben, sagte er bei einer Audienz im Vatikan für die Seminaristen und jungen Priester des Collegio Capranica. Ein intensives und dauerhaftes Studium fördere die Entwicklung einer gefestigten Persönlichkeit.

OR Nr. 7 vom 17.02.2012:
Priester muss Gemeinschaftsstifter sein

Papst Benedikt XVI. hat Priester und Ordensleute an ihre Verpflichtung anderer Menschen gegenüber erinnert. Die Nächstenliebe sei „der entscheidende Antrieb“, der sie zu Gemeinschaftsstiftern unter den Menschen mache, heisst es in der veröffentlichten Botschaft des Papstes zum Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Die Beziehung der „Gottgeweihten“ zur christlichen Gemeinde bezeichnet der Papst als „lebenswichtig“.

Kath. Wochenzeitung Nr. 18 vom 4. Mai 2012, S. 8:
Deutschland: Leichter Anstieg der Priesterweihen

In der Katholischen Kirche in Deutschland fehlen weiterhin neue Priester. 2011 wurden in Deutschland 108 Männer geweiht. Das waren 12 mehr als beim bisher niedrigsten Stand 2010 (96), aber weniger als in den Jahren davor, wie das Zentrum für Berufungspastoral der Deutschen Bischofskonferenz am 25. April 2012 in Freiburg mitteilte. 2000 waren beispielsweise 185 und 2009 noch 130 Priester geweiht worden. Den Angaben zufolge begannen im vergangenen Jahr in Deutschland 186 Männer ihre Ausbildung zum katholischen Priester für Bistümer und Orden, dies entspricht einem leichten Plus von 9 im Vergleich zum Vorjahr, ist aber weniger als in den Jahren vor 2009. Bundesweit bereiten sich damit derzeit 912 Männer auf ihre Priesterweihe vor. Diese Zahl entspricht genau dem Vorjahr. Insgesamt sind in Deutschland rund 15’000 katholische Geistliche tätig.

OR Nr. 20 vom 18. Mai 2012:
Audienz für das Spanische Kolleg St. Josef in Rom anlässlich des 50jährigen Bestehens. Die besondere Ausbildung der Priester ist oberste Priorität der Kirche (Titel). Ansprache von Benedikt XVI. am 10. Mai 2012

Katholische Wochenzeitung 22. März 2013/12, S. 10
Immer mehr junge Australier wollen Priester werden

Australiens Priesterseminare verzeichnen einen deutlichen Zuwachs an Kandidaten. Ungeachtet negativer Schlagzeilen stieg die Zahl der Einschreibungen von 235 im Jahr 2007 auf 350 im vergangenen Jahr, wie der australische Sender ABC News berichtete. Der Rektor des Seminars Queenland, Tony Randazzo, sagte, seine Einrichtung sei stärker ausgelastet als vor zwei Jahrzehnten. „Junge Leute haben das Evangelium auf eine neue Weise angenommen“, sagte Randazzo dem Sender. Die Missbrauchsfälle, die während der Amtszeit von Benedikt XVI. aufgebrochen seien, hielten junge Männer offenbar nicht von einem Leben für die katholische Kirche ab Die Interessenten für den Priesterberuf zeigen eine „wirklich solide Überzeugung“, so der Rektor.

OR Nr. 28 vom 12. Juli 2013, S. 2
Priester und Ordensleute sollen die Armut vorleben

„Es tut mir weh, wenn ich einen Priester oder eine Nonne in einem luxuriösen Auto sehe. So etwas geht nicht“, so die Worte von Papst Franziskus vor den Seminaristen, Novizinnen und Novizen aus aller Welt am Samstagabend, 6. Juli 2013,  in der vatikanischen Audienzhalle. Die Kirche soll nach seinen Worten stärker auf die Menschen zugehen. „Ich will eine Kirche, die missionarischer ist. Ich will keine schweigende Kirche“, rief der Papst den jungen Gästen zu. Er hielt sich nicht an das vorbereitete Redemanuskript, sondern sprach frei.

Katholische Wochenzeitung 23/2014 Juni, S. 11
Alois Glück, junge Priester und „anregende“ Frauenpredigten

In einem Interview meint der Präsident des ZDK, derzeit würden immer mehr junge Männer vom Priestertum angezogen, die „ins überhöhte Selbstverständnis des Würdenträgers“ zurückfallen und „klerikal-autoritäre Verhaltensmuster“ lebten. Wörtlich meinte Glück: „Manche bringen es zum Beispiel fertig, Frauen aus den Altarräumen zu verweisen, in einer Zeit, in der die Bischofskonferenz in einer Studientagung und anderen Aktivitäten den Frauen neue Aufgaben in der Kirche eröffnet.“ Glück meinte in diesem Zusammenhang auch, dass „viele der Predigten“, die er in den letzten Jahren anregend“ fand, von Frauen gehalten wurden. Er möchte, dass hier das Kirchenrecht geändert werde.

OR Nr. 41 vom 10.10.2014, S. 4
Der Heilige Vater hat die Bischöfe dazu ermahnt, ihre angehenden Priester sorgfältiger auszuwählen. Weil sie dringend Priester bräuchten, akzeptierten einige Bischöfe auch ungeeignete Kandidaten, die schon aus anderen Priesterseminaren oder Ordenshäusern verwiesen worden seien, sagte der Papst am 3. Oktober 2014 vor Mitgliedern der vatikanischen Kleruskongregation. Er forderte die Bischöfe auf, eingehend zu prüfen, ob ein Kandidat gesund sei und sich in einem seelischen Gleichgewicht befinde. Die Versuchung, jeden Bewerber, der sich vorstelle, ungeprüft ins Priesterseminar aufzunehmen, sei ein Übel für die Kirche. Dieser Fehler führe in vielen Bistümern  zu grossen Problemen, erklärte Franziskus. Zugleich forderte der Papst alle Katholiken auf, Männer, die eine Berufung zum Priesteramt verspürten, stärker zu fördern und aufmerksamer zu begleiten.

OR Nr. 47 vom 21. November 2014, S. 4

Priester dürfen sich nach den Worten von Papst Franziskus niemals als blosse Kirchenfunktionäre verstehen. Dies führe zu klerikaler Erstarrung und zur Entfernung von den Gläubigen, heisst es in einer Botschaft des Heiligen Vaters an die italienische Bischofskonferenz. „Nur wer sich zu einem guten Hirten formen lässt, findet in seiner Dienstbereitschaft Ganzheit, Frieden und Kraft“, so Franziskus. Er appellierte an die Bischöfe, diesen Geist bei den Priestern ihrer Diözesen zu fördern., Anlass der Botschaft war die ausserordentliche Generalversammlung der italienischen Bischöfe in der umbrischen Stadt Assisi.

Katholische Wochenzeitung Baden/CH, 47/2014 November, S. 4
Zusammenbruch des Diözesanklerus in Frankreich – mit Lichtblick

Zahlen sind weder traditionalistisch noch modernistisch, sondern Fakten, die zur Kenntnis zu nehmen sind. In Frankreich gibt es derzeit nur mehr 14’000 Diözesanpriester. Ungefähr die Hälfte von ihnen ist älter als 75. Das bedeutet, dass die Lage dramatisch ist. Eine Pfarrei zu leiten, verlangt bereits einen grossen Einsatz. In Frankreich ist es „normal“ geworden, dass ein Pfarrer sich um ein Dutzend Pfarreien zu kümmern hat. Eine regelmässige Zelebration des heiligen Messopfers ist unmöglich. In den meisten Pfarreien wird nur gelegentlich zelebriert. In der Diözese Langres muss sich jeder Priester um durchschnittlich 50 Pfarreien kümmern. Kurzum eine geistliche Katastrophe, die fast resignieren lässt.  Entmutigen können auch die Zahlen der Priesterweihen. 2009 wurden in Frankreich lediglich 89 Diözesanpriester geweiht. Viel zu wenig, um die Abgänge durch Todesfall auszugleichen. Diese Zahlen scheinen wie ein Frontbericht mit den Verlustmeldungen einer Armee. Man könnte weinen. – Glücklicherweise kommen von den Priesterseminaren der Tradition gute und ermutigende Nachrichten. Die traditionsverbundenen Gemeinschaften und Diözesen haben Nachwuchs. Mehr noch: Ihre Seminare sind voll. Es ist daher zu hoffen, dass weitere Seminare more antiquo (nach älterer Sitte)  eröffnet werden. Es besteht keine Gefahr, dass sie leer bleiben, da es in der gläubigen Jugend ein starkes Interesse an der Tradition gibt.

OR Nr. 1/2 vom 9. Januar 2015, S. 3
2014 wurden 26 katholische Seelsorger getötet

Weltweit sind 2014 insgesamt 26 katholische Priester, Ordensleute und Mitarbeiter in der kirchlichen Seelsorge getötet worden. Das sind drei mehr als im Vorjahr, wie der vatikanische Pressedienst Fides mitteilte. Die meisten von ihnen wurden demnach wie in den vergangenen Jahren Opfer eines Überfalls oder Raubs, vor allem in Lateinamerika. Mehr als die Hälfte der Opfer entfällt auf Amerika (14), gefolgt von Afrika (7) und Asien (2). In Europa kam 2014 ein Priester gewaltsam zu Tode. Unter den 26 Getöteten waren 17 Priester, ein Ordensmann, sechs Ordensfrauen, ein Priesterseminarist und ein Laienmitarbeiter. Ungewiss bleiben laut Fides weiterhin die Schicksale von drei im Kongo verschleppten Augustinerpatres, des 2013 in Syrien entführten italienischen Jesuiten Paolo Dall’Oglio sowie des im Juni in Herat in Afghanistan verschleppten Ordensmannes Alexis Prem Kumar.

Katholische Wochenzeitung Baden CH, 14/2015 April, S. 9
Kirchliche Mitarbeiter, die 2014 ermordet wurden

Wie aus Informationen hervorgeht, die dem Fidesdienst vorliegen, wurden im Jahre 2014 weltweit insgesamt 26 kirchliche Mitarbeiter ermordet, 3 mehr als im Vorjahr 2013. Zum sechsten aufeinanderfolgenden Mal wurden die meisten kirchlichen Mitarbeiter in Lateinamerika ermordet. In den vergangenen 10 Jahren (2004-2013) wurden weltweit insgesamt 230 kirchliche Mitarbeiter ermordet, darunter 3 Bischöfe. Im Jahr 2014 kamen 17 Priester, 1 Ordensmann, 6 Ordensschwestern, 1 Seminarist und 1 Laie gewaltsam ums Leben: Nach Kontinenten aufgeteilt, entsteht folgendes Bild: 14 kirchliche Mitarbeiter wurden in Lateinamerika ermordet (12 Priester, 1 Ordensmann, 1 Seminarist); in Afrika wurden 7 kirchliche Mitarbeiter ermordet (2 Priester, 5 Ordensschwestern); in Asien wurden 2 kirchliche Mitarbeiter ermordet (1 Priester, 1 Ordensschwester); in Ozeanien wurden 2 kirchliche Mitarbeiter ermordet (1 Priester, 1 Laie); in Europa wurde 1 Priester ermordet. (Siehe auch „Orden“)

OR Nr. 18 vom 1. Mai 2015, S. 3

Die Zahl der Priester hat von 2011 bis 2013 unterdessen geringfügig zugenommen. 2013 stieg ihre Zahl um 0,3 % auf 415’348. Die Zahl der Katholiken weltweit blieb in diesem Zeitraum nahezu konstant und lag 2013 bei 1,254 Milliarden.

OR Nr. 20 vom 15. Mai 2015, S. 4
Der Sekretär der Kongregation für den Klerus, Erzbischof Jorge Wong, plädiert für eine Anpassung der Priesterausbildung an neue Herausforderungen. „Priester müssen das gesellschaftliche Leben begleiten und stärker auf die sich wandelnde Gesellschaft reagieren“, sagte Wong im sächsischen Schmochtitz in Deutschland. Die Seelsorger sollten in ihrem Aufgabenbereich der Motor der spirituellen wie der sozialen Entwicklungen sein. „Die gesellschaftlichen Realitäten haben sich geändert, und wir brauchen kreative und innovative Ansätze, um darauf zu reagieren“, so Wong. Er äusserte sich bei einer „Patenschaftskonferenz“ des Hilfswerkes Adveniat zur Unterstützung der Priesterausbildung in Lateinamerika.

OR Nr. 1 vom 08.01.2016, S. 3
2015 weltweit 22 katholische Seelsorger getötet

Im Jahr 2015 sind nach vatikanischen Angaben weltweit mindestens 22 katholische Priester, Ordensleute und weitere Seelsorgemitarbeiter gewaltsam ums Leben gekommen. Die meisten von ihnen wurden wie in den Vorjahren Opfer von Raubüberfällen oder versuchten Diebstahl, vor allem in Lateinamerika. 2014 starben weltweit 26 Seelsorger eines gewaltsamen Todes. In Lateinamerika wurden im zurückliegenden Jahr 8 Seelsorger getötet, in Asien 7, in Afrika 5 und in Europa 2. Im Einzelnen wurden 2015 13 Priester, 4 Ordensfrauen und 5 in der Seelsorge tätige Laien getötet. Die Statistik ist laut dem vatikanischen Pressedienst Fides jedoch unvollständig. Jenseits der registrierten Fälle gebe es zahlreiche weitere unbekannte Opfer.

OR Nr. 4 vom 29.01.2016, S. 12
Priester sollen einfach und verständlich predigen

Papst Franziskus hat Priester aufgerufen, einfach und verständlich zu predigen. „Seid keine Verkünder komplexer Doktrinen, sondern Verkünder Jesu“, sagte Franziskus bei einem Treffen mit angehenden Priestern der Päpstlichen Lombardischen Priesterseminars in Rom. Auch der Mailänder Erzbischof, Kardinal Angelo Scola, war zur Audienz anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Seminars gekommen. Franziskus betonte, Priester sollen ein einfaches Leben führen und jede Form von Weltlichkeit vermeiden. Darüber hinaus warnte der Papst davor, das Priesteramt nur unter dem Gesichtspunkt persönlicher Erfolge zu betrachten. „Ein solcher Priester sucht nur nach dem, was ihm gefällt; er wird halbherzig und ohne echtes Interesse für die Anderen.“ Als Vorbild nannte der Papst den heiligen Karl Borromäus (1538-1584), der Erzbischof von Mailand war.

Kirche heute 37/2016 September, S. 2
Mehr Priester dank Familienstärkung

Das Forum Deutscher Katholiken möchte dem Priestermangel mit einer Stärkung christlicher Familien begegnen. Es gelte, Familien zu fördern, „die ihre Kinder wieder im christlichen Geist erziehen und so neues Leben in die Kirche bringen“. Forumssprecher Hubert Gindert verteidigte den Einsatz von Priestern, die aus Indien und Afrika nach Deutschland kommen. Es sei ja nicht die Kirche als Ganzes, der die Priester ausgingen. Diese Entwicklung betreffe lediglich Westeuropa (siehe vorgehend unter „Priester“ die Zahlen). Zudem kritisierte Gindert  die Rezepte, die Medien und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gegen den Priestermangel präsentierten. ZdK-Präsident Thomas Sternberg hatte sich für eine Lockerung des Zölibats ausgesprochen. Das Forum Deutscher Katholiken versteht sich selbst als Zusammenschluss „papst- und kirchentreuer Katholiken“.

Kath. Wochenzeitung Baden CH 40/2016 Oktober, S. 6, Stefan Fleischer
Priestermangel – Was ist zu tun?

Wir hätten schnell wieder mehr als genug Priester, wenn Gott wieder in all unseren Denken, Reden und Handeln den ersten Platz einnehmen würde, wenn wir bei all unseren Forderungen – und auch sonst immer und überall – uns fragen würden: „Ist es das, was Gott will, oder ist es das, was wir Menschen wollen?“ ( vgl. Mt 16,23). Dann würden wir wiederentdecken, dass wir alle – und die berufenen Priester und Ordensleute in besonderen – hier auf Erden sind, um Gott zu dienen, dass dies und nur dies die wahre Selbstverwirklichung des Menschen ist und nur diese Haltung ein erfülltes Leben schon hier und jetzt ermöglicht, weil wir ja auch im Himmel nicht die Herren, sondern die rundum zufriedenen Diener des Höchsten sein werden.

OR Nr. 1 vom 6. Januar 2017, S. 13
Vatikanstadt. Im Jahr 2016 sind weltweit mindestens 28 katholische Priester, Ordensleute und Seelsorger gewaltsam ums Leben gekommen. Die meisten von ihnen wurden Opfer von Raubüberfällen oder versuchtem Diebstahl, vor allem in Amerika, wie der vatikanische Pressedienst Fides mitteilte. 2015 waren weltweit 22 Seelsorger eines gewaltsamen Todes gestorben. Die Zahl der getöteten Ordensfrauen verdoppelte sich 2016 im Vergleich zum Vorjahr. In Amerika wurden im Jahre 2016 12 Seelsorger getötet, in Asien 7, in Afrika 8 und in Europa einer. Im Einzelnen wurden 14 Priester, 9 Ordensfrauen, ein Seminarist und 4 in der Seelsorge tätige Laien getötet. Die Statistik ist laut Fides jedoch unvollständig; jenseits der registrierten Fälle gebe es zahlreiche weitere unbekannte Opfer.

Kirche heute 6/2017 Februar, S. 2
Kaplan mit Goldbarren geschnappt

Ein aus Indien stammender Priester, der in der Schweiz als Kaplan wirkt, wurde bei der Einreise in seine Heimat mit unverzolltem Gold erwischt. Der Kaplan hatte 300 Gramm Gold für wohltätige Zwecke mitnehmen wollen. Dies ist grundsätzlich nicht verboten, allerdings gilt es, die Zollformalitäten einzuhalten. Laut Medienberichten hatte der Priester das Gold als Schokolade getarnt. Das  Bistum Basel, wo er arbeitet, ist informiert und wartet ab, was die indischen Behörden entscheiden. Dies erklärte Bistumssprecher Hansruedi Huber auf Anfrage. Der Fall sei für das Bistum erst abgeschlossen, wenn der Kaplan wieder in der Schweiz sei und die Facts (Tatsachen) auch in schriftlicher Form vorliegen würden, heisst es in einer Stellungnahme aus Solothurn.

Kirche heute 6/2017 Februar, S. 4
Die Einsamkeit zölibatärer Priester
kath.ch im Gespräch mit einem pensionierten Priester, Sylvia Stam, kath.ch

In einem offenen Brief fordern elf 75-jährige Priester aus Köln Reformen für die katholische Kirche. Was meint ein gleichaltriger Schweizer Priester dazu? Im Gespräch mit kath.ch hält der 1966 zum Priester geweihte Rudolf Rieder fest, inwiefern er die Erfahrungen der deutschen Priester teilt und wie er das pfarreiliche Leben heute sieht.
Die deutschen Priester, 1967 geweiht, blicken zurück auf ihre Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und ihre Erfahrungen in der Praxis. Anlässlich ihres 50-Jahre-Jubiläums als Priester halten sie Reformvorschläge zu den Bereichen Ökumene, Frauenordination oder Zölibat fest.
Zölibat in Kauf genommen: Rudolf Rieder, der sein 50-Jahre-Ju7biläum im Sommer 2016 feierte, stimmt den deutschen Kollegen „in allen wesentlichen Punkten“ zu. „Wir waren Priester, die zur gleichen Zeit geweiht wurden. Davon ist gut die Hälfte heute nicht mehr im Dienst“, erzählt er mit Blick auf den letzten Punkt des Offenen Briefes, der von der Einsamkeit zölibatärer Priester spricht. „Priester zu werden, war damals der einzige Weg, um in der Kirche zu arbeiten. Viele haben den Zölibat nicht angestrebt, sondern in Kauf genommen“, sagt er unumwunden. Heute gibt es ein viel breiteres Spektrum an kirchlichen Berufen als damals.
Rieder kennt das Problem der Einsamkeit von Priestern aus seiner Tätigkeit als Regionaldekan. Den einen gelinge es besser, den anderen schlechter, mit der Einsamkeit umzugehen. „Manche fliehen in die Arbeit oder verfallen dem Alkohol.“ Entsprechend kann er hinter der Kritik der deutschen Priester am Pflichtzölibat stehen. Er selbst habe das Glück gehabt, immer in Teams zu leben und zu arbeiten, sagt er lachend. Seit seiner Pensionierung lebt er in einer fünfköpfigen Alters-WG. (…)

In der gleichen Ausgabe, S. 5: (…) Das Ausbildungszentrum St. Beat in Luzern ist das Ausbildungszentrum für Kirchliche Berufe des Bistums Basel. Gegenwärtig (Stand Februar 2017) begleitet es 15 Priesteramtskandidaten, 55 Theologinnen/Theologen und 25 Studierende am Religionspädagogischen Institut. kh

OR Nr. 10 vom 10.03.2017, S. 3
Priester brauchen ständige Selbstprüfung und Reifung

Meditation von Papst Franziskus mit den Priestern der Diözese Rom. Papst Franziskus hat bei einem Einkehrtag der Priester seiner Diözese Rom die Notwendigkeit eines ständigen Selbstprüfungs- und Reifungsprozesses im Blick auf die Gottesbeziehung und das Verhalten zum Nächsten betont. Dies müsse besonders für Seminaristen, Priester, Missionare und Bischöfe gelten, sagte Franziskus am 2. März 2017 in St. Johann im Lateran. Er zitierte dazu eine Stelle aus dem Dokument der Lateinamerikanischen Bischofsversammlung von Aparecida (2007) mit dem Begriff der „missionarischen Jünger“. (…)

OR Nr. 15/16 vom 14.04.2017, S. 3
(…) Die Zahl der Priester stieg seit 2010 zwar um 0,83 % auf 415’656, ging gegenüber 2014 aber erstmals wieder leicht zurück. Massgeblich ist laut dem Vatikan vor allem der Schwund in Europa. In den vergangenen 5 Jahren sank dort die Zahl der Geistlichen um 5,8 %; bei den Studierenden mit Ziel Priesteramt büsste Europa sogar 9,7 % ein (jetzt 18’579 Seminaristen). Afrika und Asien hingegen erlebten kräftige Zuwächse bei amtierenden Priestern (17,4 % bzw. 13,3 %); beide Kontinente stellen zudem mehr als die Hälfte (54,6 %) der 116’843 Seminaristen weltweit. (…)

Priesteramtskandidaten

2007: um 0,4 % rückläufig (115’919)
2008: von 115’919 (2007) auf 117’024 gestiegen (1 %)

2008: Während die Zahl der Priester in Europa abnimmt (ein Rückgang von 4,3 %), steigt sie in Afrika um 3,6 %, in Asien um 4,4 % und in Ozeanien um 6,5 %) an. Auf dem amerikanischen Kontinent ist die Situation gleichbleibend.

OR Nr. 8 vom 25.02.2011:
Einen Anstieg verzeichnet die Kirche auch bei den Priesteramtskandidaten: 2008 bereiteten sich 117’024 Seminaristen auf die Priesterweihe vor, im Jahr darauf 117’978.

OR Nr. 11 vom 16. März 2012: Im Jahre 2010:
Insgesamt verzeichneten die angehenden Priester eine Zunahme von 4 % gegenüber 2005 auf weltweit insgesamt 118’990 Personen. In Europa sank ihre Zahl in diesem Zeitraum jedoch um 10,4 %, in Amerika um 1,1 %.

Kath. Wochenzeitung Nr. 29 vom 20. Juli 2012:
Nach den von der Bildungskongregation am 25. Juni 2012 vorgelegten statistischen Angaben, nahm die Zahl der Priesteramtskandidaten in den vergangenen 10 Jahren in Europa um mehr als 20 % ab, wohingegen Afrika und Asien einen deutlichen Zuwachs angehender Geistlicher verzeichneten. Im Jahr 2000 gab es in Europa insgesamt 26’879 Priesteramtskandidaten, 2010 waren es 20’564. In Afrika stieg ihre Zahl im gleichen Zeitraum von 20’383 auf 26’924, in Asien von 25’174 auf 33’282. In Amerika blieb die Zahl der Priesteramtskandidaten in diesem Zeitraum in etwa konstant und lag zuletzt bei rund 36’500. In Ozeanien wuchs sie leicht an, von 923 im Jahr 2000 auf 1’060. Im Nahen Osten gab es 2010 mit 689 Priesteramtskandidaten 143 weniger als 10 Jahre zuvor. Die Daten der Bildungskongregation stammen aus dem statistischen Jahrbuch der katholischen Kirche.

OR Nr. 26 vom 29. Juni 2012, S. 3:
Neue Leitlinien zu Priesterberufungen

Der Vatikan hat angesichts des Priestermangels in Teilen der Weltkirche verstärkte Anstrengungen zur Förderung geistlicher Berufungen gefördert. Angesichts eines „besorgniserregenden Rückgangs“ der Priesterberufungen in Europa und den USA müssten vorhandene „Wachstumssignale“ besser erkannt und genützt werden, heisst es in den von der Kongregation für das Katholische Bildungswesen veröffentlichten Leitlinien. Besondere Bedeutung komme dabei dem Vorbild von überzeugenden Priestergestalten sowie katholischen Familien zu.

Kath. Wochenzeitung Nr. 29 vom 20. Juli 2012, S. 3:
Vatikan: Aufgaben von Priestern und Laien nicht vermischen

Weil Laien nach priesterlichen Aufgaben strebten oder Priester in wachsendem Umfang weltliche Verpflichtungen wahrnähmen, sagte der Präfekt der vatikanischen Bildungskongregation, Kardinal Zenon Grocholewski, im Vatikan, eine solche Vermengung der Aufgaben sei eine massgebliche Ursache für die rückläufige Zahl von Priesteramtskandidaten in Europa. Sie habe eine „Krise der priesterlichen Identität“ ausgelöst, so der aus Polen stammende Kardinal.

Grocholowski äusserte sich bei der Vorstellung neuer Leitlinien zur Förderung von Berufungen zum Priesteramt im Vatikan. Darin werden angesichts des Priestermangels in Teilen der Weltkirche verstärkte Anstrengungen zur Gewinnung neuer Geistlicher gefördert. Das 30 Seiten starke Dokument spricht von einem „besorgniserregenden Rückgang“ der Berufungen zum Priesteramt in Europa und den USA.

Grocholowski betonte einen „wesensmässigen“ Unterschied zwischen Priestern und Laien. Die Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65), dass alle Gläubigen eine Berufung hätten, bedeute keineswegs, dass das Amtspriestertum nur eine Berufung unter anderen sei. Allerdings folge daraus auch nicht, dass Priester höhergestellt oder heiliger seien als Laien, so der für die Priesterausbildung der Weltkirche zuständige Kardinal. Priester und Laien hätten jedoch eine jeweils eigene Mission innerhalb der Kirche.

Katholische Wochenzeitung Nr. 41 vom 12. Oktober 2012, S. 7:
Skandinavien: Zahl der Priesterberufungen steigt „dramatisch“

In Skandinavien gibt es derzeit einen „dramatischen Anstieg“ an kirchlichen Berufungen. Das gab die skandinavische Bischofskonferenz bei ihrer Vollversammlung in Reykjavik, der Hauptstadt von Island, bekannt. Darüber berichtete „The Tablett“. Bei einer Gesamtzahl von nur 250’000 Katholiken im gesamten skandinavischen Raum bereiten sich nach Angaben der achtköpfigen skandinavischen Bischofskonferenz derzeit 60 junge Männer auf das Priestertum vor.

OR Nr. 24 vom 14. Juni 2013, S. 12
Sorgfältigere Auswahl von Priesteramtskandidaten

Der Vatikan mahnt eine sorgfältigere Auswahl von Priesteramtskandidaten an. Seelsorgerische Engpässe dürften nicht zu einer übereilten Zulassung zum Weiheamt führen, heisst es in einem Schreiben des Präfekten für den Klerus, Kardinal Mauro Piacenza. Die Kirche brauche Priester, „aber nicht jede Art von Priestern“. Im Zweifelsfall sei es besser, sich ausreichend Zeit für eine eingehende Begutachtung zu nehmen und gegebenenfalls auch Bewerber abzulehnen, schreibt der Kardinal in einem Brief an Seminaristen in aller Welt. (..) Es gelte jedoch stets zu berücksichtigen, dass Berufungen letztlich nicht durch kirchliche Strategie, sondern durch Gott bewirkt würden. Kardinal Piacenza ist für einen grossen Teil der insgesamt mehr als 400’000 Priester der katholischen Weltkirche zuständig.

OR Nr. 16/17 vom 18.04.2014, S. 3
In der Kirche ist kein Platz für mittelmässige Priester

Papst Franziskus hat angehende Priester zu einer gründlichen Prüfung ihrer Berufung ermahnt. In der Kirche sei „kein Platz für Mittelmässigkeit, die nur dazu führt, das heilige Volk Gottes zum eigenen Vorteil zu benutzen“, sagte der Heilige Vater vor italienischen Priesteramtskandidaten im Vatikan. Wer nicht dazu bereit sei, „Stimme Gottes zu werden und unermüdlich für die Gläubigen einzutreten, sollte den Mut haben, einen anderen Weg zu wählen“, forderte der Papst.  Es sei besser, eine Berufung zu verlieren, als mit einem unsicheren Kandidaten ein Risiko einzugehen, zitierte der Heilige Vater einen Ausspruch von Pius XI.  Priesterseminare dürfen kein Rückzugsort für „psychologische Mängel“ sein, sagte Franziskus. Ebenso wenig dürften sie Refugium für jene sein, die einen Ort suchen, der sie schütze.

OR Nr. 23 vom 6. Juni 2014, S. 3

Im Jahre 2012 sank die Zahl der Priesteramtskandidaten um 13,2 % (Europa).

Katholische Wochenzeitung 43/2014 Oktober, S. 11
Enormer Run (Ansturm) auf Hochschule und Priesterseminar Heiligenkreuz/A
Zahl der Studierenden an einziger Zisterzienser-Hochschule hat sich in den letzten 15 Jahren auf 242 vervierfacht – 37 Seminaristen müssen teilweise in Wohncontainern untergebracht werden.

Enormer Run auf die Hochschule und das Priesterseminar in Heiligenkreuz (Niederösterreich): Die Zahl der Studierenden im Diplomstudium Fachtheologie an der „Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz“ – die weltweit einzige Hochschule des Zisterzienserordens – hat sich in den letzten 15 Jahren von 62 auf 242 vervierfacht. 15 Neuanmeldungen aus deutschsprachigen Diözesen und Ordensgemeinschaften verzeichnet auch das „Überdiözesane Priesterseminar Leopoldinum Heiligenkreuz“. Die Gesamtzahl von 37 Seminaristen für das beginnende Studienjahr 2014/15 „übersteigt die Kapazität von 28 Zimmern bei weitem“ und erfordere teilweise eine Unterbringung in Wohncontainern, teilte das Stift „Heiligenkreuz“ mit. (…) 37 Seminaristen kommen aus 12 verschiedenen Diözesen und neben dem Zisterzienserorden aus 7 weiteren Ordensgemeinschaften. 28 Kandidaten stammen aus dem deutschen Sprachraum, die übrigen 9 aus Indien, Nigeria, der Ukraine und Vietnam. Das Altersspektrum der sozial, kulturell und spirituell bunten Hausgemeinschaft reicht aktuell von 20 bis 52 Jahren, teilte Hochschulrektor Pater Karl Wallner mit.
Nicht mehr nur für Spätberufene. Vor 39 Jahren war das Priesterseminar vor allem für Spätberufene ohne Matura (Abitur) gegründet worden, die auf dem sogenannten „Dritten Bildungsweg“ zur Priesterweihe geführt werden sollten. Dieses Bild hat sich laut Wallner im Laufe der Zeit völlig verändert: Heute verfügen 35 der 37 Seminaristen über die Hochschulreife. Unter ihnen finden sich nach wie vor viele „Spätberufene“ aus unterschiedlichsten Berufsgruppen, wie Psychologen, Pädagogen, Verwaltungsbeamte, Krankenpfleger, Handwerker bis hin zu ehemaligen Schweizergardisten. Das Priesterseminar Leopoldinum liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hochschule, die mit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. 2007 zur Hochschule päpstlichen Rechtes erhoben worden war. Der mo0mentane Ausbau des Hochschulgebäudes soll am 30. April 2015 mit der Einweihung durch Kardinal Schönborn abgeschlossen werden.
Buchtip: Petra Lorleberg: Glaubenswege: Mein Weg im Ordensleben, Bestellmöglichkeit im kathShop.

OR Nr.  18 vom 1. Mai 2015, S. 3
Zahl der Priesteramtskandidaten weltweit rückläufig

Weltweit wollen immer weniger Männer katholische Priester werden. Die Zahl der Priesteramtskandidaten ging nach jüngsten vatikanischen Angaben von 2011 bis 2013 insgesamt um 2 % zurück. Dies bedeutet eine Trendwende gegenüber dem Wachstum der Vorjahre. Besonders betroffen sind demnach vor allem einige europäische und südamerikanische Länder. Die Ausbildung zum Priester traten hier 2013 teils mehr als 10 % weniger Kandidaten als 2 Jahre zuvor an. Eine Zunahme (1,5 %) verzeichnete Afrika. In Europa ging die Zahl der Priesteramtskandidaten von 2011 bis 2013 nach den statistischen Angaben insgesamt um 3,6 % zurück. Stark rückläufig ist sie demnach vor allem in der Tschechischen Republik (13 %) sowie in Grossbritannien (11,5 %), Österreich (10,9 %) und Polen (10 %). In Deutschland sank die Zahl der Priesteramtskandidaten in diesem Zeitraum um 7,7 %. Gestiegen ist das Interesse am Priesteramt nur in Italien (0,3 %), der Ukraine (4,5 %) und Belgien (7,5 %).  In Südamerika nahm das Interesse am Priesteramt vor allem in Kolumbien (10,5 %), Chile (11,2 %) und Peru (11,2 %) ab. Brasilien, das Land mit den weltweit meisten Katholiken, verzeichnete einen Rückgang um 6,7 %. Insgesamt ging die Zahl der Priesteramtskandidaten in Südamerika zwischen 2011 und 2013 um 7 % zurück.

Katholische Wochenzeitung 8/2016 Februar, S. 11
Von leeren und von vollen Priesterseminaren

Weihen bei der Petrusbruderschaft. Am 13. Februar 2016 wurden von Bischof Vitus Huonder von Chur in der Pfarrkirche von Gestratz (Landkreis Lindau am Bodensee) 11 Subdiakone der Priesterbruderschaft St. Petrus geweiht. Gleichzeitig spendete der Churer Bischof 15 Seminaristen im überlieferten Ritus die niederen Weihen als Ostarier (Türsteher im Römischen Reich, meist ein Sklave) und Lektoren. – 5 Seminaristen wurden zu Exorzisten (Teufelaustreiber)  und Akolythen (der Akolytát ist ein Dienst in der Liturgie der Kirche)  geweiht. Alle Geweihten bereiten sich am Internationalen Priesterseminar St. Petrus der Petrusbruderschaft (FSSP) in Wigratzbad (20 km nördlich vom Bodensee, Gemeinde Opfenbach) in der Diözese Augsburg nahe dem Bodensee auf die Priesterweihe vor. Am 20.02.2016 wurden am zweiten internationalen Priesterseminar der Petrusbruderschaft in den USA weitere 13 Subdiakone geweiht. „Es besteht daher realistische Aussicht, dass 2017  24 Neupriester für diese altrituelle Gemeinschaft geweiht werden“, so Messa in Latino. (…) Vielleicht sollte man den Heiligen Vater darauf aufmerksam machen, dass es nicht nur leere Priesterseminare, sondern auch volle Priesterseminare gibt, wenn er das nächste Mal über den Priestermangel klagt. (…)

OR Nr. 18 vom 6. Mai 2016, S. 1
Vatikan arbeitet an neuen Leitlinien für Priesterausbildung

Wien/Vatikanstadt. Die vatikanische →Kongregation für den Klerus arbeitet an neuen Leitlinien für die Priesterausbildung. Ein wichtiges Ziel sei dabei, den jeweiligen kulturellen Kontext der priesterlichen Arbeit stärker zu gewichten, sagte der Sekretär der Kongregation, Erzbischof Jorge Carlos Patron Wong, der österreichischen Zeitschrift „miteinander“. Auf diesem Gebiet habe es in der Weltkirche grosse Veränderungen gegeben. Auch die seelsorgerlichen Methoden der Kirche hätten sich gewandelt.
Vor dem Hintergrund der Missstände der vergangenen Jahre soll der neue Text zudem stärkeres Gewicht auf die Missbrauchsprävention legen. So müsse es künftig ein „fundamentales Kriterium für die Prüfung der Berufung des Priesternachwuchses sein, ob die Anwärter eine „stabile psychische Reife“ und eine „gefestigte und ausgeglichene Persönlichkeit“ aufweisen. Zugleich stehe die Kirche aber auch vor der Aufgabe, die Zahl der Berufungen zu vergrössern.
Erzbischof Wong bezeichnete es als heutige Herausforderung, „kreativ über die Identität und Sendung des Priesters nachzudenken“. Das neue Dokument werde sich darauf beschränken, einen „grossen inhaltlichen Horizont“ und eine „allgemeine Vision“ mit Orientierungen und Normen zu bieten. Ihre Ausgestaltungen, „die von der Kultur des Ortes und dem Leben der lokalen Kirchen abhängen, bleiben dem Urteil der Hirten einer jeden Nation überlassen“, so Wong.
Die bisherige Ordnung für die Priesterausbildung („Ratio Fundamentalis“) stammt aus dem Jahre 1985.

OR Nr. 38 vom 23.09.2016, S. 4
Papst Franziskus hat die Bischöfe zu einer sorgfältigen Auswahl von Priesteramtskandidaten ermahnt. Massgeblich seien „weder Zahlen noch die Menge, sondern nur die Qualität“, sagte er am 16. September 2016 bei einem Treffen mit kürzlich geweihten Bischöfen. Sie sollten auch ein Bewusstsein für Barmherzigkeit bewahren und diese in ihrem Dienst  „zugänglich, spürbar, persönlich erfahrbar“ machen. Die Diözesanleiter hatten in den vergangenen Tagen an einem Fortbildungskurs für neue Bischöfe in Rom teilgenommen. Mit Blick auf Bewerber für das Priesteramt warnte Franziskus vor launenhaften oder schwachen Persönlichkeiten. Wachsamkeit sei auch geboten, wenn sich ein Seminarist in Strenge flüchte: „Dahinter steckt immer etwas Schlimmes“, so der Papst. Ferner verlangte er Klugheit und Verantwortung bei der Aufnahme von Priestern aus anderen Diözesen. Es sei „eine Krankheit unserer Zeit“, dass Kleriker von einem Posten zum nächsten wechselten. Die Bischöfe hätten untereinander ein „unteilbares Kollegium“ zu bilden und sollten nicht selbst im Mittelpunkt stehen wollen.

OR Nr. 50 vom 16.12.2016, S. 3
Wichtige Begegnung von Priesteramtskandidaten mit dem Papst

Papst Franziskus hat angehende Priester vor Standesdünkeln gewarnt. „Haltet euch nicht für etwas Besseres als andere junge Leute, lernt mit allen zusammen zu sein, habt keine Angst davor, euch die Hände schmutzig zu machen“, sagte er am Samstag, 10.12.2016, im Vatikan vor Priesteramtskandidaten aus der süditalienischen Region Apulien. Wer künftig als Priester in der „Mitte des heiligen Gottesvolkes“ lebe, der müsse schon als junger Mann lernen, mit allen Altersgenossen in Kontakt zu sein, so der Papst. Priesteramtskandidaten müssten lernen, Beziehungen zu Mitmenschen zu unterhalten, um als Persönlichkeit zu reifen. Die „gefährlichste Versuchung sei der Narzissmus (übersteigerte Selbstliebe).

OR Nr. 50 vom 16.12.2016, S. 9
Vatikan reformiert Ausbildung katholischer Priester

Der Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch soll künftig weltweit fester Bestandteil der Ausbildung katholischer Priester sein. Diesem Thema müsse „grösste Aufmerksamkeit“ gewidmet werden, heisst es in aktualisierten vatikanischen Richtlinien zur Priesterausbildung („Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis“).
Es sei darauf zu achten, dass Kandidaten für das Priesteramt „in diesem Bereich nicht in ein Verbrechen oder problematisches Verhalten verwickelt gewesen sind“, heisst es in dem Dokument weiter. Der Vatikan ermahnt die Bischöfe in diesem Zusammenhang dazu, „sehr vorsichtig zu sein, wenn aus Priesterseminaren anderer Diözesen entlassene Kandidaten um Aufnahme in ihrem Seminar ersuchten.
Die Richtlinien empfehlen auch, Frauen an der Priesterausbildung in Seminaren und Universitäten zu beteiligen. Die Fähigkeit, mit Frauen in Kontakt zu stehen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, müsse in die Beurteilung des Kandidaten eingehen. Der Vatikan sieht zugleich Kurse zu Klimawandel und Umweltzerstörung für angehende Priester vor.
Das Dokument mit dem Titel „Das Geschenk der Priesterberufung“ stammt von der Kleruskongregation, die im Vatikan für die Priesterausbildung zuständig ist. die bislang gültige Fassung der Richtlinien für die Priesterausbildung stammt aus dem Jahre 1985. Die überarbeitete Version muss nun von den nationalen Bischofskonferenzen angewandt werden.
Der Vatikan bekräftigt den Ausschluss praktizierender Homosexueller vom Priesteramt sowie von Männern, die „tiefsitzend homosexuelle Tendenzen haben oder eine sogenannte homosexuelle Kultur unterstützen“. Die Richtlinien zitieren hierbei ein vatikanisches Dokument aus dem Jahr 2005.
Angehende katholische Priester sollen nach dem Willen des Vatikan zur Nutzung sozialer Medien ermuntert werden. Damit könnten sie Kontakte aufbauen und die christliche Botschaft verkünden. Sie müssten jedoch im besonnenen Umgang mit diesen Medien geschult werden.
Die Richtlinien bekräftigen zudem, dass die Entscheidung über die Zulassung eines Kandidaten zum Priesteramt in die Kompetenz des Ortsbischofs falle. Sie empfehlen den Bischöfen jedoch nachdrücklich, ein ablehnendes Urteil der Seminarleiter und Ausbilder zu akzeptieren. Die Erfahrung lehre, dass häufig sowohl die Kandidaten selbst als auch die Ortskirchen litten, wenn sich ein Bischof über das Votum der Ausbilder hinwegsetze.

OR Nr. 51/52 vom 23.12.2016, S. 11
Morgenpredigt vom 09.12.2016 von Papst Franziskus:
Echte Priester

In dieser Frühmesse gab der Papst den römischen Seminaristen 3 Heilige als Vorbilder mit auf den Weg: den heiligen Polykarp, den heiligen Franz Xaver und den heiligen Paulus auf dem Weg zu seiner Enthauptung. Franziskus forderte die angehenden Priester zudem auf, ihr Priestertum als echte Mittler zwischen Gott und seinem Volk zu leben, die auch am Kreuz von Freude erfüllt sind. Keinesfalls dürften sie Funktionäre sein: unnachgiebige, weltliche Zwischenhändler, die nur ihre eigenen Interessen vor Augen haben und deshalb unzufrieden sind. (…)
Franziskus wandte sich direkt an die anwesende Gemeinschaft des Päpstlichen Römischen Priesterseminars, an die „Seminaristen und ihre Lehrer“, und stellte die Frage, ob „es auch unzufriedene Priester gibt“. Er räumte ein, dass es sie tatsächlich gebe: „Es gibt sie, und sie tun schlecht daran, ein Leben zu führen, das sie nicht erfüllt. Einerseits finden sie keinen Frieden, aber andererseits denken sie immer an irgendwelche Pläne. Wenn sie diese allerdings in die Tat umsetzen könnten, sagen sie. ‚Nein, das gefällt mir nicht!'“ Der Grund für all das sei, dass „ihr Herz der Logik Jesu fernsteht. Daher gibt es einige unzufriedene Priester, die nicht glücklich sind. Sie beklagen sich und leben traurig vor sich hin.“ (…)

Kirche heute 52/2016 Dezember, S. 2
Kein genereller Ausschluss Homosexueller

Der Vatikan ist der Darstellung entgegengetreten, Homosexuelle seien generell vom Priesteramt ausgeschlossen. Ein Gastbeitrag in der Tageszeitung „L’Osservatore Romano“ weist eine solche Interpretation der neuen Richtlinien für die Priesterausbildung zurück. Gefordert sei vielmehr eine differenzierte Einzelfallprüfung, schreibt der US-amerikanische Theologe Louis Cameli. In den am 8. Dezember 2016 veröffentlichten Richtlinien heisst es, vom Priesteramt ausgeschlossen seien praktizierende Homosexuelle sowie Männer, die „tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine sogenannte homosexuelle Kultur unterstützen“.

Katholische Wochenzeitung Baden 30-32/2017Juli, S. 9
Russland: 1’600 orthodoxe Männer traten ins Priesterseminar ein, 5’877 Studenten bereiten sich auf die Priesterweihe vor.

Priesterinnen

bzBASEL vom 7. Mai 2014, S. 27
Kirche: Gibt es bald Priesterinnen aus Basel?

Der Bischof von Basel, Felix Gmür, hat in einem Schreiben sein Einverständnis zur Änderung der Kirchenverfassung der katholischen Landeskirche Basel-Stadt mitgeteilt. Die Änderung verlangt, dass in den Verfassungen der katholischen Landeskirchen beider Basel eine Bestimmung aufgenommen wird, welche die Kirchenbehörden verpflichtet, daran mitzuwirken, dass die römisch-katholische Kirche die gleichberechtigte Zulassung – unabhängig von Zivilstand und Geschlecht – zum  Priesteramt ermöglicht.

Kirche heute 44/2014 Oktober, S. 5, Amtliche Publikation
Ergebnis der landeskirchlichen Abstimmung vom 28.09.2014: Teilrevision der Verfassung der Römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Basel-Landschaft vom 10.02.1976 betr. die Initiative „zur Förderung der gleichberechtigten Zulassung zum Priesteramt (Kirchliche Gleichstellungsinitiative)“.

Sämtliche Kirchgemeinden (32) haben die Teilrevision angenommen. Stimmbeteiligung 28,52 %. Resultate:
Stimmberechtigte    65’771
Eingelegt                 18’760
Ungültig                       557
Gültig                       18’203
Ja                             15’936  (87,55 %)
Nein                           2’110
Leer                              157

Kirche heute 23/2016, S. 2
Priesterinnenporträts rund um Vatikan

Mit einer Fotokampagne in Vatikannähe will eine Fraueninitiative Zugang zu katholischen Weiheämtern fordern. In den römischen Vierteln Borgo und Prati, die an den Vatikan angrenzen, werden Porträts von Frauen plakatiert werden, die aufgrund ihrer Priesterweihe exkommuniziert worden sind. Dies teilte die Organisatorin Kate McElwee mit. Die Aufnahmen von Giulia Bianchi sollen die Öffentlichkeit und den Vatikan zum Gespräch über die mangelnde Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche herausfordern. Die Kampagne mit dem Motto „Einige Frauen gehorchen nicht“ und weitere Veranstaltungen finden zeitgleich mit einer offiziellen Priesterwallfahrt zum Heiligen Jahr vom 1. bis 3. Juni 2016 statt.

Kirche heute 46/2016, S. 2
Es bleibt bei Nein zu Priesterinnen

Papst Franziskus hat der Priesterweihe von Frauen in der katholischen Kirche erneut eine Absage erteilt. Zu diesem Thema sei das letzte Wort von Johannes Paul II. klar gesprochen worden, sagte Franziskus auf dem Rückflug von seiner zweitätigen Schwedenreise. Der Papst bezog sich damit auf das päpstliche Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ von 1994, in dem Johannes Paul II. (1978-2005) die Priesterweihe von Frauen in der katholischen Kirche ausschloss. Johannes Paul II. begründete dies damit, dass Jesus nur Männer zu Aposteln ernannt habe sowie mit der kirchlichen Tradition.

Priesterkinder

Fernsehsendung vom 24. März 2012, 3sat, „Priesterkinder“, 18.30 Uhr
WA: Zusammenfassung

ZöFra: Schweizerischer Verein, der sich  Priesterkindern und dessen  Väter und Mütter annimmt.
Präsidentin: Frau Gabrielle Loser Friedli, mit einem ehemaligen Priester und Professor der Universität Fribourg verheiratet, 1 Kind

In der Schweiz hat es zurzeit 164 nachweisbare Priesterkinder. Es leben zurzeit etwa 500 Frauen in einer Beziehung mit einem Weltpriester oder Ordensmann. Jeder zweite Priester kommt in Konflikt mit dem Zölibat.

Der Umgang mit einem Priester, der in einer Liebschaft lebt oder Vater ist, ist nach Aussage des Generalvikars der Diözese Lausanne-Fribourg-Genf, offener geworden. Man nähme sich der Sache konkret an und suche Lösungen.

Kirche heute 11/2013 März S. 2:
Zöfra seit 1987 aktiv.

Der Verein der vom Zölibat betroffenen Frauen Schweiz (Zöfra) müsse immer häufiger die „Geliebten“ von afrikanischen Priestern beraten und begleiten, sagte Zöfra-Präsidentin Gabriella Loser Friedli letzte Woche gegenüber dem „Tagesanzeiger“. Fast immer seien in solchen Beziehungen die Frauen die Leidtragenden. Der Verein konstituierte sich 1987. Seit seiner Gründung hat er rund 500 Frauen begleitet, die in einer Beziehung zu einem Priester standen und zum Teil nach wie vor stehen. Quelle: Kipa

Gabriella Loser Friedli, Oh, Gott! Kreuzweg Zölibat, September 2014
Anliegen und Ziele des Schweizer Vereins „Vom Zölibat betroffene Frauen“

Seite 174 (Hauptsächliche Aufgaben des Vereins):

  • Aufbau und Unterhalt eines gesamtschweizerischen Netzwerkes, das
    inzwischen über 500 betroffene Frauen sowie mehr als 1’500
    Sympathisanten umfasst.
  • Organisation regelmässiger Treffen in geschütztem Rahmen und
    persönliche  Begleitung.
  • Vertretung der Interessen der betroffenen Frauen in der katholischen
    Kirche und in der Gesellschaft.
  • Vermittlung von psychologischer, juristischer und – in beschränktem
    Rahmen –  finanzieller Hilfe. Ein besonderes Augenmerk legt die Zöfra auf
    juristische Beratung und Klärung von Verantwortungen, da die meisten
    Betroffenen Öffentlichkeit (wie z. B. Ämter und Beratungsstellen) aus
    verständlichen Gründen meiden. Sind die Lebensumstände emotional
    schwierig, fehlt oft auch der Mut, eine Situation rechtlich
    zu klären und zu sichern.
  • Förderung der Wahrnehmung der Pflichtzölibats-Problematik in einer
    breiten Öffentlichkeit und Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen.
  • Die Zöfra strebt langfristig die freie Wahl in der Frage des Zölibats für
    Priester an.  Sie verwendet sich öffentlich auch dafür, die
    Doppelbödigkeit der kirchlichen Hierarchie transparent zu machen.

Schicksale in Zahlen und Statistiken fassen?
Seite 194

Zur korrekten Gewichtung des folgenden Zahlenmaterials der ZöFra sind 4 Vorgaben zu berücksichtigen:

Unvollständige Daten:
Von den Betroffenen sind nicht sämtliche Daten bekannt; diese Zusammenstellung berücksichtigt nur gesicherte Informationen. Die Kontakte sind von unterschiedlicher Dauer und Intensität (von wenigen Telefonaten oder Briefen bis zu 20 Jahren regelmässigem Austausch). Viele Frauen sind aus der Begleitphase heraus, über ihre jetzige Lebens- und Berufssituation gibt es nur bruchstückhafte Angaben. Insofern erhebt diese Statistik keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Unterschiedliches Betroffensein:
Die Art der Betroffenheit kann unterschiedlich sein. Die ZöFra begleitet

  1. Frauen, die in heimlicher Beziehung leben,
  2. Frauen, die vom Priester wegen einer anderen Frau verlassen wurden,
  3. Frauen mit Priesterkindern, deren Vater in Amt und Würde weiterarbeitet,
  4. Frauen in „geregelten“ Situationen, aber mit Männern, die unter dem Berufsverbot
    leiden,
  5. Frauen, die den Priester verlassen haben oder verlassen worden sind,
  6. Frauen, die an Mehrfachbeziehungen der Priester leiden (simultane
    [gleichzeitige] oder sukzessive [allmähliche] Polygamie [Vielehe/mehrere
    Beziehungen]),
  7. Frauen, die von Priestern sexuell missbraucht wurden,
  8. Frauen, deren Lebensgefährte gestorben ist, ohne dass jemand um die
    Beziehung wusste,
  9. Frauen, die mehrfach betroffen sind (vom Priester missbraucht, verlassen,
    ihr Kind, ihre Kinder allein erziehend).

Die ZöFra begleitet auch Eltern, Geschwister, Grosseltern betroffener Frauen, Männer und Kinder.

Vertretung nach aussen (Seite 196):
Zur ZöFra gehören auch Frauen, die mit einem Priester verheiratet sind, denen es gut geht, die aus Solidarität mitmachen und öffentlich für die Anliegen einstehen können und eine Veränderung der Zulassungsbedingungen anstreben (stellvertretende Fürsprache).

Spitze des Eisberges:
Dieses Zahlenmaterial ist nur die Spitze des Eisberges. Jede in der ZöFra engagierte Frau kennt in ihrem Umfeld Priester, die eine Liebesbeziehung leben, manchmal auch mehrere. Die Priester, mit denen wir zu tun haben, erzählen von Kollegen, die in Partnerschaft leben, aber nicht darüber reden können. Priester ohne Amt werden öfter angefragt, um für Wochenenddienste bei Kollegen einzuspringen, weil diese mit ihrer Lebenspartnerin auch mal am Wochenende etwas unternehmen möchten … Und so weiter.

Die Schicksale in Zahlen (Stand Januar 2014, S. 196):
Die ZöFra weiss bis heute von 539 betroffenen Frauen und 509 Priestern, wobei diese nicht alle durch die ZöFra begleitet wurden. Viele hatten ihre schwerste Zeit vor Bestehen der ZöFra und haben sich im Verlauf der Jahre bei uns gemeldet, entweder, weil sie immer noch am Erlebten leiden, oder aber, weil es ihnen wichtig war, dass wir von ihnen wissen. Die Differenz der Zahlen ergibt sich aus der Tatsache, dass mehrere Priester Mehrfachbeziehungen leben oder gelebt haben – der Spitzenreiter ist dabei ein polnischer Priester im Amt, der innerhalb von 6 Jahren 4 Frauenbeziehungen hatte. 11 Frauen und 54 Männer sind inzwischen verstorben. – Die Zahl der Priester teilt sich auf in 335 Weltpriester und 168 Ordenspriester, bei 6 ist unbekannt, zu welcher Gruppe sie gehören. Einige sind heute bei anderen Kirchen. 104 Priester sind im Amt. 66 davon sind ausländische Priester, die hier arbeiten. Etwa die Hälfte, nämlich 27, kommen aus Europa, die anderen 29 aus Afrika, Asien und Lateinamerika. – Knapp drei Viertel der Frauen lebten oder leben in der deutschsprachigen Schweiz, ein Viertel in der Westschweiz. Die italienische Schweiz ist mit 6 Frauen vertreten. – Die 539 Frauen haben 103 Kinder, welche gezeugt wurden, während in priesterlicher Lebenspartner in Amt und Würde war. Mindestens weitere 55 Kinder haben einen Priester als sozialen Vater – das heisst, der Priester lebte oder lebt eine heimliche Beziehung mit einer verwitweten, getrennt lebenden, geschiedenen oder alleinerziehenden Frau, die zu Beginn der Beziehung Kinder im Vorschulalter hatte. Auch diese Kinder erleben die ganze Problematik der Heimlichkeit, das Sichversteckenmüssen, die Ängste und Nöte der verbotenen Liebe vollumfänglich mit. Einige dieser Kinder wurden später adoptiert.

Ausblick (S. 197):
Zu erleben, dass immer mehr Menschen die Arbeit der ZöFra schätzen, ist erfreulich. Auch, dass immer öfter Priester den Kontakt suchen.,. Die ZöFra ist Anlaufstelle und Informationsquelle für Fachleute und Beratungsstellen (Sozialarbeit, psychologische Beratung, Suchtberatung usw.). Das spricht für Qualität der Organisation. Die kompetente Begleitung führt im besten Fall zu einer Wiedereingliederung in den kirchlichen Dienst, zu einem gelungenen Neustart oder doch wenigstens zur Qualitätsverbesserung, ob im persönlichen oder im beruflichen Leben. Wer die Not der Betroffenen kennen gelernt hat, muss sich etwas anderes wünschen als Feuerwehrübungen und Symptombekämpfungen: Notwendig ist ein radikaler Umbau der kirchlichen Strukturen. So wie bei den Betroffenen ein neuer Weg nur möglich wird, wenn sie aufrecht gehen, diffuse (verschwommene) Ängste überwinden, ehrlich, konsequent und kreativ sind, werden auch die Bischöfe, Kardinäle und letztlich der Bischof von Rom nur einen Weg finden, wenn für sie das Gleiche gilt. So wie die Einzelnen nur erfolgreich vorwärtskommen, wenn sie verzeihen und sich versöhnen können, gilt der gleiche Prozess für Bischöfe, Ordensobere und selbst den obersten Hirten der römisch-katholischen Kirche. (…)

Hoffnungszeichen (S. 201):
Am 8. September 2013 sagte der neu gewählte Staatssekretär des Vatikans, Bischof Pietro Parolin, in einem Interview der venezolanischen Zeitung „El Universal“, der Pflichtzölibat sei kein Dogma, sondern eine kirchliche Tradition, über die diskutiert werden müsse. In den Tagen und Wochen danach wurde in vielen Medien die Hoffnung ausgedrückt, dass nun endlich ernsthaft über neue Zulassungsbedingungen für das Priesteramt auf höchster Kirchenebene nachgedacht wird. Umfragen für und wider die Aufhebung des Pflichtzölibats haben Hochkonjunktur und zeigen, dass bis zu 87 % der Bevölkerung die Aufhebung wünschen. – Sollte sich in der Kirche wirklich etwas vorwärtsbewegen, wird die Vision des Herbert-Haag-Preises für „Freiheit in der Kirche“ Realität: „Das Netz ist zerrissen, wir sind frei!“

Wikipedia
Erasmus von Rotterdam, bedeutender Theologe, Philosoph, Philologe, Autor, geboren 1466/67 oder 1469 vermutlich in Rotterdam, gestorben 1536 in Basel, war Priesterkind. Seine Eltern waren der Priester Rotger Gerard und die Haushälterin des Priesters.

Schweiz am Sonntag Nr. 14 vom 10.04.20016, S. 9
Frauen von Priestern kämpfen für die Liebe

Gabriele Loser präsidiert einen Verein, der 700 Betroffenen hilft (…). Loser ist die Präsidentin des Vereins der vom Zölibat betroffenen Frauen, kurz ZöFra. Seit dessen Bestehen wächst die Zahl der Frauen, die beim Verein Hilfe suchen. stetig an. Bei der ersten Erhebung im Jahre 2003 vertrat die ZöFra 310 Frauen, heute über 700.

Kirche heute 13/13 2016 April, S. 2
Mehr vom Zölibat betroffene Frauen

Der Verein der vom Zölibat betroffenen Frauen in der Schweiz „ZöFra“ sucht Entlastung für seine Präsidentin, Gabriella Loser Friedli. An der Generalversammlung wurden entsprechende Schritte eingeleitet. Die Mitgliederzahlen des Vereins sind steigend. Dies sei unter anderem auf Beziehungen von aus dem Ausland stammenden Priestern mit Frauen zurückzuführen, sagte die „ZöFra“-Präsidentin gegenüber kath.ch. „ZöFra“ vertritt 716 Frauen; bei der ersten Erhebung im Jahre 2003 waren es 310.

→Zölibat

Prinz königlichen Geblüts (Kardinal)

(heute: „Prinz der Kirche“ als Titel für den Kardinal)

Gemäss Wiener Kongress von 1815 müssen Kardinäle nach geltendem diplomatischem Protokoll als „Prinzen königlichen Geblüts“ behandelt werden.

Wikipedia: Mit dem Titel „Prinz von Geblüt“ wurden während der französischen Monarchie alle Angehörige des königlichen Geschlechts der Kapetinger (Angehörige eines französischen Königsgeschlechts) bezeichnet, die dem Geschlecht in männlicher Aszendenz (Verwandtschaft in aufsteigender Linie) angehörten. Als Personen königlichen Geblüts kam ihnen eine Relevanz (Wichtigkeit) in der Nachfolgeregelung auf den französischen Thron zu. Weibliche Nachkommen (Prinzessinnen von Geblüt) besassen kein Nachfolgerecht.

Der „Erste Prinz von Geblüt“ galt neben dem amtierenden König und dessen Nachkommen als höchstrangiges Mitglied des Königshauses, da er das Oberhaupt der am nächsten verwandten Nebenlinie war. Ihn fiel als erstem unter allen anderen Geblütsprinzen die Nachfolgeschaft auf den Thron zu, im Falle des Erlöschens der amtierenden königlichen Familie.

Anreden:

  • Prinz des regierenden Hauses: Königliche Hoheit
  • Prinz aus herzoglichem Hause: Hoheit, Eure Hoheit
  • Prinz aus fürstlichem Hause: Durchlaucht, Eure Durchlaucht

Telefon vom 29.08.2011 mit Archivar Meier von der Schweizerischen Bischofskonferenz, Fribourg:

Die Bezeichnung „Prinz königlichen Geblüts“ für den Kardinal gibt es nicht mehr, wohl aber „Prinz der Kirche“, wie es die Heiligen Apostel tragen. Diplomatischer Titel für den Kardinal = „Seine Eminenz“. Abkürzung (nicht im Duden): S. Em.
→Kardinäle

Propaganda Fide

 (→Adressen)
Via di Propaganda 1/c

Protestanten

→Christen   →Austritte aus der Kirche

Prozessionen

→Reiterprozessionen

Prüfungen im Vatikanstaat

 →Auto   →Fahrprüfungen   →Schifffahrtsreglement

Q

Quirinal

Wachablösung auf dem Quirinal: wn.com/Dataria

bz BASEL vom 4. Juni 2015, S. 13
Rom hat eine neue Attraktion: den Quirinalspalast
Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella öffnet seinen Amtssitz dem Publikum
Von Dominik Straub, Rom

Es ist ein Bau der Superlative: Der Quirinalspalast zählt 1’200 Räume mit einer Gesamtfläche von über 110’000 m2. Damit ist er grösser als der Buckingham-Palast in London. Zusammen mit den „Gärten des Quirinals“, der schönsten Grünfläche Roms, die vollständig durch Gebäudeflügel eingefasst sind, bedeckt der Palazzo auf dem mit 57 Metern (WA: 61, 52, 60 m?) höchsten der 6 Hügel der Ewigen Stadt über 5 Hektaren Fläche. Der apostolische Palast im Vatikan nimmt sich dagegen aus wie ein Pförtnerhaus. Der Amtssitz des Staatspräsidenten konnte bisher nur an einigen Sonntagvormittagen auf Anmeldung besucht werden. Das soll sich nun ändern: Der „Quirinale“, wie die Römer den Palast kurz und bündig nennen, wird ab dem 23. Juni 2015 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, verkündete Staatspräsident Sergio Mattarella am 2. Juni, dem italienischen Nationalfeiertag. Der Palast habe „Italien durch die Geschichte begleitet und wird dies weiterhin tun – nun soll er immer mehr zum Haus aller Italiener werden“, erklärte der 73-Jährige. Der Palast wird erst seit dem Jahre 1946 als Amtssitz des Staatspräsidenten genutzt. Gebaut hatten ihn die Päpste ab dem 16. Jahrhundert als Sommersitz (WA: Gregor XIII. Boncompagni, 1573, Architekten: Domenico Fontana, Carlo Maderno, Gian Lorenzo Bernini, Ferdinando Fuga): Sie waren nicht nur von der prächtigen Aussicht auf dem Quirinalshügel angetan; sie schätzten auch die deutlich bessere und frischere Luft im Vergleich zum Vatikan, die dank einer beständigen Meeresbrise im Sommer auf dem Quirinal weht. Nachdem zunächst Napoleon die Päpste vorübergehend aus dem Quirinal verbannt hatte, kam das definitive Ende im Zuge der italienischen Einigungsbewegung, dem Risorgimento. Im Jahre 1850 (WA: 1870) musste der damalige Papst Pius IX. Mastai-Ferretti aus dem Quirinal in den Vatikan fliehen; seither hat kein Papst mehr einen Fuss in die einstige päpstliche Residenz mehr gesetzt (WA: Quirinalsbesuche von Pius XII., Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul II., Benedikt XVI.). Als im Jahre 1871 Rom zur Hauptstadt des neuen Königreiches Italien erklärt wurde, haben die Könige den Palast beschlagnahmt. Eine Entschädigung erfolgte erst unter Mussolini im Rahmen der 1929 geschlossenen Lateranverträge. Bis 1946, als die Monarchie abgeschafft wurde, war der Quirinal Sitz von 4 italienischen Königen gewesen (WA: Viktor Emanuel II. Umberto I., Viktor Emanuel III. Umberto II.: 09.05. bis 12.06.1946). In seinem Innern beherbergt der Palast eine fast unendliche Fülle an Kunstschätzen, darunter römischen Mosaiken, Fresken, Gemälde, Wandteppiche, Vasen.
Zugänglich gemacht werden den Besuchern auch die riesigen Ehren- und Festsäle, in welchen der italienische Präsident seine Staatsgäste empfängt. Der Quirinalspalast wird künftig jeden Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 09.30 bis 16 Uhr für das Publikum geöffnet sein (also ohne Montag und Donnerstag).

Alle Auskunft (Öffnungszeiten, Eintritte, Führungen) unter: palazzo.quirinale.it
Call center: 0039 06 39 96 75 57