Ba bis Ban

Baby

Kinderfürsorgezentrum (dispensario) im Vatikan, unweit des Einganges Perugino

Bäder im alten Rom

Bahnhof im Vatikan

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In den Lateranverträgen von 1929 schenkte Italien dem Vatikan als sichtbares Zeichen der Staatshoheit den Bahnhof, erbaut von Architekt Giuseppe Morno (Architekt von Pius XI.). Der Bahnhof weist eine eigene Schönheit und Monumentalität auf. Im Innern befindet sich ein Ehrensaal, reich an wertvollem Marmor. Die Aussenseite ist aus Travertinstein mit zwei Flach-Basisreliefs, die den Propheten Elias auf dem Feuerwagen und das Wunder des Fischfangs darstellen. Die Reliefs sind Werke des Bildhauers Edoardo Rubino. Der Bahnhof ist mit Marmorsäulen und Bronzevasen geschmückt.

Der Bahnhof wurde 1930 eingeweiht. Die vatikanische Bahnlinie ist (war) an die italienische Eisenbahn angeschlossen und dient(e) ausschliesslich dem Güterverkehr. Italien stellt(e) Loks, Wagen und Personal. Zum ersten Mal fuhr ein Personenzug von diesem Bahnhof ab, als anlässlich des bevorstehenden Zweiten Vatikanischen Konzils Johannes XXIII. die erste Wallfahrt nach Loreto und Assisi unternahm (14.10.1962). Auch Johannes Paul II. hat die Bahn  benutzt. Nächste italienische Haltestelle: S. Pietro. Bei der Haltestelle Cesano wurden Gleise gebaut für die Verbindung nach Santa Maria di Galeria (Mittel- und Kurzwellensender Radio Vatikan).

Assisi, 24. Januar 2002: An jenem Tag fuhr vom vatikanischen Bahnhof aus ein Friedenszug los: sieben Waggons mit 250 Reisenden. Seit vielen Jahren war der Papst nicht mehr mit dem Zug gereist. Das letzte Mal, im November 1979, hatte Johannes Paul II. Wojtyla sich mit dem Zug zum Depot der Staatlichen Eisenbahnen nach Roma-Salario begeben, um dort zum Tag der Eisenbahner eine Messe zu feiern. Seither hatte der Zug mit der Aufschrift „Staat Vatikanstadt“ am Prenestino-Park (dort, wo die Eisenbahnlinie aus Florenz vor dem Campo Verano südlich davon vorbeifährt,  auf seinen nächsten Einsatz gewartet.

Der Güterverkehr ist seit 2002 aufgehoben. Er wird jetzt mit Camions sichergestellt, die beim Eingang Vicolo del  Perugino (Bedienung durch die Gendarmerie SCV) in den Vatikan gelangen. Inzwischen wurde diese Regel aufgehoben. Das Bahnhofgebäude wurde restauriert. Es beherbergt jetzt ein Kleider- und ein Elektrofachgeschäft (bei Führungen offen). Mit der üblichen vatikanischen Tessera kann bis zu 30 % billiger und steuerfrei eingekauft werden gegenüber Stadtgeschäften. Auf 2 Etagen findet man ein breites Sortiment an Schweizer Uhren, Damenunterwäsche, Elektronik, Parfums, aber keine Tabakwaren seit 2017. →Kleidergeschäft

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan:
Das Schienennetz beträgt 1,2 km, wovon nur ein kleiner Teil, knapp 200 m, auf dem Staatsgebiet liegt. Lokomotivführer sind angehalten, vor der Ankunft eine Klingel an der Mauer zu bedienen, um Einfahrt zu begehren.

Dito, Seite 110:
Das Bahnhofgebäude selbst ist mit seinen Säulen und Pilastern nicht ohne Weiteres als solches zu erkennen, was aber nicht weiter schlimm ist, weil statt Fahrkartenschalter und Wartesaal ohnehin das Magazzino hier eingezogen ist, die Edelboutique des Vatikans. An der Vorderfront sind zu beiden Seiten eines von Engeln getragenen Wappens Pius’ XI. zwei Basisreliefs zum Thema „Biblische Reisen“ zu sehen, links Christus und die Apostel im Fischerkahn Petri, rechts die Auffahrt des Propheten Elias im feurigen Wagen in den Himmel. Der Bahnhof wurde nach den Lateranverträgen vom italienischen Ministerium für öffentliche Arbeiten gebaut, um den Vatikanstaat mit dem römischen Stadt-Bahnhof S. Pietro zu verbinden und damit an die Bahnlinie zum Hauptbahnhof Roma Termini oder nordwärts Richtung Genua. Der Bahnhof war als Repräsentationsraum gedacht, für die Ankunft hoher Staatsgäste oder die Abreisen des Papstes. Deswegen die prachtvoll, dem Streckennetz nicht unbedingt entsprechende Ausstattung mit 8 monolithischen Säulen aus dem Marmor der Versilia-Steinbrüche und den Lampen aus Muranoglas. Die erste Lokomotive kam im März 1932 zu einer Probefahrt in den Vatikan gerollt. Doch übergeben wurde die Anlage erst 1934, und noch bis 1969 sollte es dauern, bis auch die eisenbahnerische Oberaufsicht auf die Regierung des Papstes überging. Der Plan, einen eigenen Pontifikalzug bauen zu lassen, ein Papamobil auf Schienen, wurde nie verwirklicht. – Der Güterverkehr dagegen ist bis heute durchaus beträchtlich. 14 % des Warenimports werden über die Schiene abgewickelt, und 4,8 % des Exports (meist Müll und Schutt). – In den Lateranverträgen wurde ein kleines Gebiet vor Bahneintritt in den Vatikan für Bahnarbeiten vorgesehen, ohne es aber zum Hoheitsgebiet des Vatikans zu erklären. Die Bahn muss zuerst die Brücke des Jasmintales (Gelsomino) passieren, um in den Vatikan zu gelangen.

OR Nr. 20 vom 20.Mai 2011:
Der historische Bahnhof des Vatikanstaates wird am 21. Mai 2011 für einige Stunden wieder für Reisende geöffnet. Zum 60-jährigen Bestehen von Caritas Internationalis fahre ein Zug vom Kirchenstaat bis nach Orvieto, teilte die Hilfsorganisation mit. In der 100 km nördlich von Rom gelegenen Stadt findet vom 22. bis 27. Mai 2011 die 19. Generalversammlung des katholischen Wohlfahrtsverbandes statt.

Kirche heute 27-29/2013 Juni
Papst empfängt 250 Kinder

Am Sonntag, 23. Juni 2013, wurden am Bahnhof des Vatikans 250 Kinder von Papst Franziskus empfangen. Die zwischen 6 und 10 Jahre alten Kinder kamen mit einem Sonderzug aus Mailand, Florenz und Bologna. Sie stammen überwiegend aus sozial schwierigen Verhältnissen und viele von ihnen aus Einwanderfamilien. Der Besuch fand aufgrund einer Initiative der staatlichen Eisenbahn Italiens und des päpstlichen Kulturrates statt.
→Bomben

Man beachte in dieser Homepage das Foto vom September 2012 unter dem Register „Schweizergarde“, Unterregister „Geschichte der Päpstlichen Schweizergarde“. Hier werden Eisenbahnwagen nach wie vor ein- und ausgeladen.

OR Nr. 24 vom 13.06.1990, S. 5
Die Eisenbahn im Vatikan (…)

Vom Bahnhof der italienischen Staatsbahnen (FS) Roma S. Pietro führt seit 1929 eine 0,626 km lange, nicht elektrifizierte Strecke bis zu den Leonischen Mauern, die den Vatikan umschliessen. Ein 16,7 m breites Rolltor versperrt hier eine ungehinderte Durchfahrt. Kurz vor diesem Tor überquert das Gleis einen 120 m langen, hohen Viadukt, dessen 10  Pfeiler wegen des weichen Untergrunds bis zu 25 m in die Erde versenkt werden mussten. Das Rolltor in der Mauer, über dem ein Wappen zu sehen ist, wird nur bei Zugfahrten geöffnet. Auf dem Gelände des Vatikans selbst umfassen die Bahnanlagen neben 861 Meter Gleisen und mehreren Weichen ein im Barockstil gehaltenes Empfangsgebäude, das mit seiner Marmorverkleidung zu den schönsten Europas, vielleicht sogar der Welt, zählt. Man vermeint, vor einem Palast zu stehen, nicht aber vor einem Bahnhof. Die Bahnhofgeleise enden in einem Tunnel unter den vatikanischen Gärten. Alle eisenbahntechnischen Anlagen werden von den italienischen Eisenbahnen unterhalten, wofür vom Vatikan ein „Anerkennungsbetrag“ zu zahlen ist. In den 1929 abgeschlossenen Lateranverträgen sind hierfür 500 Lire jährlich vorgesehen. – Wenn der Papst mit der Eisenbahn verreisen möchte, fährt er natürlich von hier ab. Die italienische Staatsbahnen sind in so einem Fall verpflichtet, einen Sonderzug zur Verfügung zu stellen und für dessen bevorzugte Abfertigung und Sicherheit zu sorgen.

Geschichte der Eisenbahn im Kirchenstaat

Regierungszeit von Pius IX. Mastai-Ferretti (1846-78)
In ihr fällt auch die Erschliessung Italiens durch die Eisenbahn. Pius IX. nahm an der Einweihung einer Eisenbahnbrücke über den Tiber ausserhalb Porta Portese teil. Der 1860 übergebene Thronwagen ist noch vorhanden. Er steht im Museum Palazzo Braschi in Rom. Der Architekt Emile Trelat, Professor an der Kunstakademie Paris, hat ihn entworfen. Im Inneren befanden sich 3 Abteile, ein Vorzimmer, ein Schlafzimmer und ein Salon, in dem auf erhöhtem Podest der Thronsessel stand. Aussen war der Thronwagen mit gold- und silberüberzogenen Ornamenten geschmückt, die folgende Darstellungen zeigten: Alle 3 Salonwagen, die eine Gesamtmasse von 50 Tonnen aufweisen, wurden kaum benutzt.

7. Juli 1856 (1859)
An diesem Datum konnte die erste Strecke des damaligen Kirchenstaates zwischen Rom und Frascati eröffnet werden. Es ist die „Pia-Latina“. 1859 folgte die „Pia Centrale“ von Rom in den Norden nach Civitáveccchia. Die Strecken wurden von Eisenbahngesellschaften betrieben.  Der Papst erhielt als Geschenk 3 Salonwagen.

27. Februar 1862
Aus den Regierungsjahren Pius IX. ist noch eine Begebenheit bekannt. Anlässlich der Eröffnung der Strecke Rom – Velletri am 27.02.1862  wollte er mit seinem Salonzug fahren. Er hatte sich davon viel Freude versprochen. Doch die Leibärzte rieten dem Papst wegen dessen angegriffenem Gesundheitszustand von dieser Fahrt ab. Im Auftrag des Heiligen Vaters benutzte nun der Erzbischof Prinz von Hohenlohne  den Thronwagen, um Lokomotive und Wagen des Eröffnungszuges zu segnen.

2. Oktober 1929
Im Artikel 6 des Lateranvertrages vom 11. Februar 1929 verpflichtete sich der italienische Staat, den Bahnhof „Citta del Vaticano“ mit einer Zuführungsstrecke vom Bahnhof Roma S. Pietro zu bauen. Die Übergabe der fertiggestellten Bahnanlagen an die vatikanischen Behörden erfolgte am 02.10.1929 in feierlicher Form. Anlässlich des Vertragsabschlusses zwischen dem Vatikan und dem italienischen Staat beabsichtigten die Staatsbahnen, dem Papst einen Salonzug in stahlblauer Farbe, geschmückt  mit dem päpstlichen Wappen, zu schenken. Die ersten 4 Wagen sollten wie folgt gestaltet sein: Wagen 1: grosser Empfangssaal, Wagen 2: Kapelle mit Sakristei, Wagen 3: Arbeitsraum und Schlafraum des Papstes sowie ein Begleiterabteil, Wagen 4: Speisewagen mit Küche. Es blieb aber beim guten Vorsatz und heute ist die Beschaffung eines Salonzuges für den Papst kein Thema mehr, weder für den Vatikan noch für den italienischen Staat.

1951
Nach der Eröffnung der Linien „Pia Latina“ und „Pia Centrale“ erhielt Pius IX. Mastai-Ferretti 1860 einen Sonderzug. Nach einer Fahrt von Rom nach Neapel stand das Fahrzeug lange Jahre in Civitávecchia. Hier entdeckten ihn „Andenkensammler“ und plünderten ihn vollständig aus. 1951 überführten die italienischen Staatsbahnen den Thronwagen nach Rom.

1959
Im Jahre 1959 wurde vom vatikanischen Bahnhof aus die Leiche Papst Pius X. Sarto (1903-14) nach Venedig, wo er vor seiner Wahl zum Papst Erzbischof war, überführt.

4. Oktober 1962
Am 04.10.1962 unternahm Johannes XXIII. Roncalli eine Pilgerfahrt nach Loreto und Assisi und der für ihn von den italienischen Staatsbahnen zur Verfügung gestellte Salonzug, es waren die letzten Salonwagen des italienischen Königshauses, hatte Abfahrt und Rückkehr im Bahnhof des Vatikans. Die Presse bezeichnete diese Papstreise als Sensation (WA: die italienischen Staatsbahnen hingegen mit dieser kurzfristigen Anmeldung und diesem Ablauf als unerwünscht). Fast die ganze Strecke entlang säumten die Menschen die Gleise, um dem Papst zuzuwinken und in jedem Bahnhof, in dem der Zug zum Stehen kam, strömten die Gläubigen zum offenen Abteilfenster, wo Johannes XXIII. stand, ihnen zulächelte  und sie segnete.

1979, November
Papst Johannes Paul II. Wojtyla besuchte am Tag der Eisenbahner das Depot der italienischen Staatsbahnen Roma Salario  und feierte dort mit ihnen eine hl. Messe. Er benutzte die Bahnstrecke ab Vatikanstadt.

2002, Januar
Papst Johannes Paul II. Wojtyla reist ab Bahnstation Vatikanstadt mit Vertretern anderer Kirchen und Religionen zum Friedensgebet nach Assisi.

Jürgen Erbach, Der Vatikan, das Lexikon, S. 49 (…)

Im Jahre 1929 wurde der Vatikanstaat mit dem italienischen Eisenbahnnetz verbunden (ab Station Roma S. Pietro, zirka 2,5 km von der Vatikangrenze entfernt). Die dafür notwendigen Arbeiten wurden vom Ministerium für Öffentliche Bauten des italienischen Staates ausgeführt. Es musste ein Viadukt (Höhe 15 m) gebaut werden, um den Gleisanschluss zu ermöglichen, denn zwischen dem Vatikanhügel und dem nahe gelegenen Bahnhof Rom St. Peter liegt das kleine Tal Gelsomino (Jasmintal), das überbrückt werden musste. Die Arbeiten wurden im Dezember 1930 nach 18 Monaten Bauzeit abgeschlossen. Seitdem ist der Vatikanstaat über einen rund 250 m langen doppelten Schienenstrang an das italienische Eisenbahnnetz angebunden. Innerhalb des Vatikanstaates verlaufen die Schienen auf einer Länge von 370 m und enden in einem Tunnel, der zum Rangieren knapp 100 m weit in den Vatikanhügel gebaut worden ist.  Den Übergang zum vatikanischen Territorium markiert ein 35 Tonnen schweres Eisentor. – Der Bahnhof besteht aus einer zentralen Empfangshalle und flankierenden Büroräumen. Entsprechend der ursprünglichen Bestimmung als Repräsentationsgebäude wurde die Empfangshalle mit verschiedenfarbigem Marmor und 8 monolithischen Säulen aus grünem Marmor ausgestattet. Aussen wurde der 61 m lange und 21 m breite Bau mit Travertin verkleidet. Da der Vatikanstaat – bis heute – keine eigenen Züge und Waggons besitzt, stellte der italienische Staatspräsident seinen Sonderzug zur Verfügung.
Aufgrund der geringen zweckmässigen Auslastung des Bahnhofgebäudes entschied 2003 der damalige Präsident des Vatikanstaates, Kardinal Edmund Szoka, in dem Gebäude ein kleines Kaufhaus einzurichten. Dazu wurden in der knapp 19 m hohen Empfangshalle zwei Zwischendecken eingezogen, sodass eine Nutzfläche von rund 3’000 m2 entstand. Hier werden seitdem italienische und internationale Markenprodukte  angeboten – von Uhren über Kleidung bis zu Elektroartikeln. Ausserdem gibt es einen kleinen  Laden für den Verkauf von Tabak und Spirituosen. Ende 2007 wurde eine kleine Abteilung für religiöse Bedarfsartikel wie Messgewänder und liturgische Geräte eingerichtet. Wie beim vatikanischen Supermarkt Annona ist der Zugang streng reglementiert. Nur Mitarbeiter/innen des Vatikanstaates und des Heiligen Stuhles (WA: Personen auf vatikanischem Hoheitsgebiet?) sowie Angehörige der ausländischen Vertretungen beim Heiligen Stuhl und der Ordensniederlassungen in Rom dürfen im Bahnhofkaufhaus einkaufen. Aufgrund der nicht existierenden Verbrauchssteuer sind vor allem Tabak und Spirituosen sehr begehrt (WA: Einkaufssummen sind begrenzt).

OR Nr. 23 vom 5. Juni 2015, S. 4

200 Kinder von Häftlingen haben Papst Franziskus im Vatikan besucht. Unter dem Motto „Fliegen“ fuhr der „Zug der Kinder“ am Samstag, 30. Mai 2015, in den Bahnhof hinter dem Petersdom ein. Danach trafen die kleinen Passagiere, die von Familienangehörigen begleitet wurden, in der Audienzhalle den Papst. In ihren Träumen könnten die Kinder tatsächlich fliegen, ermunterte sie Franziskus. In ihrer Fantasie könnten sie ihren Eltern immer nahe sein. Fantasie, Träume und Hoffnung machten ein glückliches Herz. Es werde jedoch zu Stein, wenn man nicht auf Gott und die Botschaft Jesu höre. Bereits zum dritten Mal brachte der „Zug der Kinder“ benachteiligte Minderjährige aus italienischen Städten zum Treffen mit Papst Franziskus in den Vatikan.

OR Nr. 21 vom 27.05.2016, S. 4
Sonderzug bringt Kinder zum Papst

Der Vatikanbahnhof ist nur noch selten in Betrieb, aber am 28. Mai 2016 kommt dort ein besonderer Zug an: Er bringt rund 400 Kinder aus der Region Kalabrien direkt zum Papst. Franziskus persönlich werde sie am Bahnhof hinter dem Petersdom empfangen, teilte die staatliche italienische Eisenbahngesellschaft mit. Bereits zum vierten Mal fahren mit dem „Zug der Kinder“ benachteiligte Minderjährige aus italienischen Städten zu einem Treffen mit Papst Franziskus in den Vatikan.
Unter den Reisenden sollen dieses Jahr auch 60 Kinder eines Orchesters aus Palermo und 50 der Vereinigung „Sport ohne Grenzen“ sein. Organisiert wird der Sonderzug von der vatikanischen Einrichtung für den Dialog mit Nichtglaubenden, dem sogenannten Vorhof der Völker. Den Zug stellt die italienische Staatsbahn zur Verfügung.

OR Nr. 23 vom 09.06.2017, S. 4
Der „Frecciarossa 1000“ der italienischen Eisenbahn fährt in Vatikanbahnhof

Grosser Bahnhof im Vatikan: Rund 400 Kinder sind am Samstag, 6. Juni 2017, mit einem Sonderzug zum Papst gefahren. Für die kleinen Besucher aus dem mittelitalienischen Erdbebengebiet mit Städtchen wie Nursia, Amatrice oder Accumoli durfte der Schnellzug „Frecciarossa“ („roter Pfeil“) einen üblicherweise gesperrten Gleisanschluss nutzen, der direkt in die Vatikanischen Gärten führt. Die Aktion des Päpstlichen Kulturrates stand unter dem Motto „Kleine Reisende, grosse Botschafter, Hüter der Erde“. Es war bereits das fünfte Mal, dass der Vatikan auf diesem Weg Kindern in schweren Lebenssituationen ermöglicht, mit Papst Franziskus zusammenzutreffen.
An der Begegnung nahmen auch die Kinder der römischen Vereinigung „Sport ohne Grenzen“ teil. Als Überraschung für den Papst spielte das Jugendorchester „Maré do Amanhã“, das in einer Favela von Rio de Janeiro entstanden ist, einige Stücke aus der Heimat des Papstes, darunter den populären Tango ‚Por una cabeza‘ von Carlos Gardel.

Banda  (Musikkapellen im Vatikan)

(Musikkapellen des Vatikans)
OR Nr. 13 vom 30. März 2012; Ulrich Nersinger (…)

1. Die Musikkapelle des vatikanischen Gendarmeriekorps

Grosser Beliebtheit erfreuten sich im letzten Jahrzehnt (1860-70) des alten Kirchenstaates die Konzerte der Musikkapelle der Päpstlichen Gendarmerie. Nicht nur Römer, auch viele Touristen besuchten die musikalischen Darbietungen, die meist auf dem Monte Pincio zur Aufführung kamen. In ganz Europa, ja sogar in Übersee, genoss die Banda hohes Ansehen:

  • Reglement von 1860: „Concerto“ einer 40 Mann starken Musikkapelle unter der  Leitung eines Oberfeldwebels
  • Gegründet wurde sie 1850. Damals trugen die Gendarmen den Namen „Päpstliche Veliten“
  • Zu Fuss oder hoch zu Ross und in prächtige Uniformen gekleidet zählten sie zu den lebenden Attraktionen im weltlichen Herrschaftsgebiet des Heiligen Vaters
  • 1870: Ende des Kirchenstaates und auch Ende aller Musikkapellen des päpstlichen Heeres
  • Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfügte die Gendarmerie wieder über eine eigene 24  Mann  starke Kapelle. Wegen des Ersten Weltkrieges war ihr eine kurze Lebensdauer beschieden
  • 2007: Gründung der „Banda del Corpo della Gendarmeria dello Stato della Città del Vaticano“ und damit zur Wiederbelebung einer alten musikalischen Tradition
  • September 2008: Patronatsfest in der Sommerresidenz Castel Gandolfo mit       Vereidigung neuer Gendarmen. Musikalische Gestaltung durch die neu       gegründete Banda
  • 2009: 2000-Jahr-Feier Geburt Paulus in S. Giovanni in Laterano: im Atrium konnte die Banda überzeugen
  • November 2009: zum Fest der hl. Cäcilia (Patronin der Musik) auf dem Petersplatz: Konzert. Es erklang die von Konrad Max Kunz komponierte „Bayernhymne“
  • 9. Januar 2010: „Auslandkonzert“ in Pescara: Giornata Nazionale del Tricolore. Die Banda spielte die National-Hymnen Italiens und des Staates der Vatikanstadt
  • Juni 2010: Auf dem Platze von S. Giovanni in Laterano: vielbeachtetes Konzert zum Fest von Johannes. Unterstützt von einem prachtvollen Feuerwerkspektakel und der römischen Bevölkerung
  • März 2011: Auftritt in Norcia (Umbrien) zum Fest des hl. Benedikts
  • 18. Juli 2011: Andalo (Trentino), Wallfahrtskongress
  • Anfang September 2011: Ischia, Feierlichkeiten des hl. Giovanni Giuseppe della Croce, Patron der Insel
  • 8. Dezember 2011: Piazza di Spagna, Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens
  • Im Vatikan: Einweihung des neuen Joseph-Brunnens, Vereidigung der Gendarmen, Wechsel in der Leitung des Governatorats, Übergabe des Weihnachtsbaumes, Papst-Besuch an der Krippe (gemäss Jahresbericht spielte die Banda der Schweizergarde)
  • Die Banda steht zzt. unter dem Kommando von Giuseppe D’Amico, musikalische Leitung: Maestro Giuseppe Cimini
  • Bestand: über 100 Mann mit Besitz des Diploms eines Konservatoriums
  • Viele Angehörige der Banda kommen aus den Militärkapellen der italienischen Streitkräfte mit besonderer Genehmigung des Verteidigungsministeriums der     Republik Italien
  • Fulvio Creux, Leiter der Orchester der Finanzwache und des Heeres, schuf für die vatikanischen Gendarmen den Ordonanzmarsch „Marcia all’antica“
  • In Italien hat sich die Kapelle den Ruf eines musikalischen Botschafters des Vatikans eingebracht
  • Repertoire: Werke von Gino Bellos, Giovanni Orsomandos, Raffaele Jaconos über Verdis „Vai pensiero sull’ ali dorate“ bis zu Gounods Papsthymne
  • Die vielen Konzerte haben Fragen nach dem äusseren Erscheinungsbild der Kapelle aufkommen lassen; „nach mehr Farbe“, teilt D’Amico mit. „Wir arbeiten an Vorschlägen für eine Uniform, die sich an der alten Päpstlichen Gendarmerie orientiert“.

2. Banda Musicale della Città del Vaticano

Vatikan - Stato della Città del Vaticano

Sie besteht seit dem 15. Oktober 1970. Hervorgegangen ist sie aus der Regimentskapelle der ehemaligen Päpstlichen Palatingarde. Papst Paul VI. hatte die Miliz römischer Bürger im September 1970 aufgelöst und ihre Banda in die offizielle Musikkapelle des Stadtstaates umgewandelt, sie auf die Hälfte ihrer einstigen Mannschaftsstärke gesetzt und der Präfektur des Päpstlichen Hauses („Event“-Management des Heiligen Stuhles) unterstellt. Die Banda versieht ihren Dienst bei den offiziellen Besuchen ausländischer Staatsoberhäupter im Vatikan und bedeutenden religiösen Anlässen, z. B. marschiert sie vor der Schweizergarde auf den Petersplatz bei den Urbi-et-orbi-Segen und spielt hier auch die Vatikanhymne.

3. Das Spiel der Päpstlichen Schweizergarde

Banda, Stephan Meier k

Seit 1890 verfügt die Schweizergarde über eine Spiel, eine Musikkapelle, deren Gründung auf den damaligen Kaplan der Garde, der Schwyzer Msgr. Johannes Baptist Marty, zurückgeht. Sie ist jedoch keine offizielle Institution des Vatikans. Das Gardespiel tritt bei der Vereidigung neuer Rekruten und gardeinternen Feiern an (Muttertag, Geburtstage, Weihnachten usf.). 1979 brachte die Luzerner Firma Gold Records eine Langspielplatte des Gardespiels auf den Markt; die Musikstücke waren in einem Studio von Radio Vatikan aufgenommen worden. Der Tonträger erwies sich als ein grosser Verkaufserfolg. 25’000 Exemplare waren in kürzester Zeit über den Ladentisch gegangen. Im April 1980 wurde dem damaligen Kommandanten, Dr. Franz Pfyffer von Altishofen, für dieses stolze Ergebnis eine Goldene Schallplatte überreicht, die jetzt in der Gästekantine zu sehen ist. Das Spiel setzt sich nur aus aktiven Gardisten zusammen (selbst Unteroffiziere und Offiziere sind dabei) und hat deshalb viele Zu- und Abgänge. Der Leiter selber ist ein Gardist und wenn man Glück hat, mit Konservatoriums-Ausbildung oder mit einem Dirigenten-Diplom des Schweizerischen Musikverbandes. Öfters wird vor der Vereidigung ein Spielführer der Schweizer Armee zugezogen. – Zu erwähnen ist hier noch der Trommler- und Pfeiferzug der Garde, der die Pfyffer-von-Altishofen-Farben trägt: gelb – schwarz – blau, die Helmfeder ist gelb-schwarz. Von den bis jetzt 35 Garde-Kommandanten (Stand Februar 2015) kamen deren 11 aus der Familie Pfyffer, die noch weitere Offiziere stellte.

Bank des Vatikans IOR 

(IOR = Istituto per le Opere di Religione; Institut für religiöse Werke)
Auskunft: Tel. 06 698 833 54, Zentrale 891, Im Turm Niccolo V. (1447-55).
→Finanzen           →Lateranvertrag (Abfindungssumme)

Reingewinn der Vatikanbank IOR (gemäss Vatikanzeitung L’OR)
2011:   20,253 Millionen Euro
2012:   86,615 Millionen Euro
2013:     2,865 Millionen Euro
2014:   69,300 Millionen Euro      (2014: 50 Mio € an den Hl. Stuhl)
2015:   16,100 Millionen Euro
2016:   36,000 Millionen Euro      (ganzer Reingewinn an den Hl. Stuhl)
2017:   31,900 Millionen Euro

Die Mauern sind so dick, dass das Telefonieren mit Handy nur draussen funktioniert. Ganz oben sind die Fenster eines äusserst ansprechenden Gästeappartements. Bank-Eingang unmittelbar hinter dem 3. Kasernentrakt des Schweizer Quartiers. Ein Zweiter im Cortile Sisto V. für Kardinäle und Bischöfe. Löhne der Vatikanangestellten werden hier überwiesen. (Zins: 2 bis 2 ½ %, Stand März 2009). Geldautomaten sind genügend im Vatikan vorhanden, auch exterritorial. Turm Niccolo V.:  26 m hoch, 13 m dicke Fundamente, 5 Etagen, einige Jahre vor der Entdeckung Amerikas gebaut.

Geschichte: Die päpstliche Konstitution vom 11.02.1887 durch Papst Leo XIII. verlangte eine Verwaltung der religiösen Werke. Sie hiess „Amministrazione per le opere di religione“, AOR. Sie war Sammlung und Verwaltungsstelle für die päpstlichen Restvermögen und die Ausgleichszahlungen, die Italien an den Vatikan zahlte. Für den Verlust des Staatsterritoriums des ehemaligen Kirchenstaates erhielt der Vatikan ab 1929 durch die Lateranverträge eine Apanage (regelmässige finanzielle Zuwendung) von 1,75 Milliarden Lire rund 85 Millionen Golddollar, die für die damalige Zeit ein Vermögen darstellte. Das alles wollte Leo XIII. zentral wissen. Die AOR war keine Bank und auch zum Teil völlig unbekannt bis zum Jahre 1942. Durch die Zahlungen aus dem Lateranvertrag und dem finanziellen Geschick des ersten Direktors Bernardino Nogara vermehrte sich das Ursprungsvermögen rasch.

27.07.1942 gründete Pius XII. das Istituto per le opere di religione IOR, 24.01.1944 dann eine echte Bank, aber keine Staatsbank.

Skandal Ende 1970: Sind das IOR, die Ambrosianabank (Roberto Calvi) und die Mafia zusammen verwickelt? Der Mord an Calvi wurde dem Vatikan angelastet. Es wird behauptet, dass die Finanzierung der polnischen Solidarnosc durch die Ambrosianabank getätigt wurde. Juristisch ist der Papst Inhaber der IOR. Erzbischof Paul Marcinkus, Direktor der IOR, (gest. Februar 2006) hätte Verbindungen mit der Mafia gehabt und Calvi Bürgschaftsbriefe verschafft. Zusammenbruch der Ambrosiana-Bank und Tod von R. Calvi (London 17.06.1982, erhängt). Grosse Krise. Die IOR bezahlte an die Gläubigerbanken rund 250 Millionen US-Dollar. Johannes Paul II. ernannte einen Wächterrat mit 5 Kardinälen, später Laien-Experten, z. B. den Schweizer Dr. Robert Studer von der alten SBG, Vorgänger von ihm war  Philipp de Weck.

Heute: Die IOR ist eigentlich nur noch Girozentrale für die römisch-katholische Weltkirche für Orden, Stiftungen und andere katholische Einrichtungen. IOR-Anteil bei 5 Bankhäusern. Einlagen 1994: rund 5 Mia US-Dollar. Nettoeinnahmen rund 40 Millionen US-Dollar. Goldreserven 1993: 47.772 Feinunzen Gold = rund 14 Millionen US-Dollar. Keine Veröffentlichungen der Bilanzen.

Aus „Das Weisse Pferd“, Ausgabe 18/98:
Die 91,7 Millionen Dollar, die der Vatikan 1929 vom faschistischen Italien als Entschädigung für die Auflösung des Kirchenstaates (1870) erhalten hatte, waren schon 1952 auf 11,5 Milliarden Dollar angewachsen, wie das Magazin Oggi schätzte – damals der zweitgrösste Staatsschatz nach dem der USA. BaZ Januar 2008: Norwegen hat den zweitgrössten Staatsfonds, nämlich US-Dollar 380 Milliarden In einigen Jahren das Doppelte.

OR vom 02.10.2009: Neuer Aufsichtsrat und Wahlen:

Prof. Ettore Gotti Tedeschi (64), Italiener, Präsident der „Satander Consumer Bank“ (entlassen Anfang Juni 2012 durch Aufsichtsrat und Kardinals-Kommission.
→ siehe nachstehend OR vom 1. Juni 2012)

  1. Dr. Ronaldo Hermann Schmitz (70), Stv., Deutscher, 1991 bis 2000 im Vorstand der Deutschen Bank (Er drohe mit seinem sofortigen Austritt, wenn Gotti Tedeschi nicht gekündigt würde.)
  2. Dr. Carl A. Anderson (58), Grossritter der Kolumbusritter, Amerikaner
  3. Dr. Giovanni De Censi (71), Italiener, Präsident der „Credito Valtellinese“
  4. Dr. Manuel Soto Serrano (69), Spanier

Prälat des Institutes: Msgr. Piero Pioppo, Generaldirektor: Paolo Cipriani, Vize: Dr. M. Tulli

www.format.at/articles/0938/525/251407/die-geschaefte-vatikan-buch-finanznet

Die dunklen Geschäfte des Vatikan
Das Buch enthüllt das Finanznetzwerk für Geldwäsche:

Vatikanbank führte geheime Konten für die Mafia.
Spitzenpolitiker Andreotti tief in Skandal verwickelt

Der Vatikan als Drehscheibe für Mafiagelder, Schmiergeldzahlungen und Steuerhinterziehung: Eine nun veröffentlichte Sammlung von 5’000 Dokumenten aus dem Innern der Vatikanbank ist eine politische Bombe.

Ende dieser Woche (August 2009) tritt, erzählen gut informierte Vatikan-Journalisten, in einer hochvertraulichen Sitzung im Innern des Vatikans die versammelte Spitze der Weissen Finanz zusammen. Eine ganze Reihe von Kardinälen, der Präsident und der innerste Kreis der Vatikanfinanzen schreiten zur Krisensitzung.  Thema des geheimnisvollen Meetings: Seit zwei Monaten untersucht eine Kardinalskommission die dunklen Seiten der Weissen Finanz. Ziel: Die Ablöse des lang gedienten Präsidenten der Vatikanbank, Angelo Caloia, sei vorzubereiten.

Brisante Dokumentensammlung: Hinter der hochnotpeinlichen Zusammenkunft stehen jüngst veröffentlichte Finanzskandale des Vatikans aus den 1990er-Jahren, die an Brisanz jeden verschwörungstheoretischen Roman schlagen. Die Zutaten der Skandalsaga sind korrupte Politiker, die Mafia, Kardinäle, das Opus Dei und mindestens 275 Millionen Euro an Mafia- und Schmiergeldern, die in den 1990er-Jahren durch Nummernkonten der Vatikanbank geschleust wurden. Offiziell waren diese Konten auf wohltätige Stiftungen gemeldet. Aufgedeckt hat den Sumpf niemand Geringerer als jener Mann, der seit den grossen Finanzskandalen der 1980er-Jahren in der Vatikanbank aufräumen sollte: Monsignore Renato Dardozzi, Mitglied des innersten Kreises der vatikanischen Hochfinanz hat über die Jahre ein geheimes Archiv von fast 5’000 Dokumenten angelegt und Stück für Stück in die Schweiz geschmuggelt.

Buch: VATIKAN AG, Gianluigi Nuzzi, 2009, ecowin
Ein Geheimarchiv enthüllt die Wahrheit über die Finanz- und Politskandale der Kirche

http://www.bluewin.ch/de/index.php/17,32004/Geldwäsche-Ermittlungen_gegen_Chef-der (21.09.10)

Geldwäsche-Ermittlungen gegen den Chef der Vatikanbank:

Wegen Verstössen gegen das Geldwäschegesetz ermittelt die Staatsanwaltschaft in Rom gegen den Chef der Vatikanbank (IOR), Ettore Gotti Tedeschi, und einen weiteren Bankmanager.

Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Dienstag berichtete, beschlagnahmten die Ermittler 23 Millionen Euro von einem IOR-Konto bei einer anderen italienischen Bank. Laut ANSA stehen Gotti Tedeschi und der Manager im Verdacht, bei Finanztransaktionen die Namen der wahren Auftraggeber verschwiegen zu haben. (…)

BaZ vom 23.09.2010, Seite 11, Dominik Staub, Rom
Vatikanbank steht unter Beobachtung

Der Vatikan bezeichnet Geldwäscherei-Ermittlungen gegen seine Bank als „Missverständnis“. Erneut ermitteln Staatsanwälte gegen die Vatikanbank IOR – diesmal möglicherweise zu Unrecht. Doch das Finanzinstitut, das in übelste italienische Skandale verwickelt war, ist in Sachen Transparenz noch lange nicht da, wo der Papst es gerne haben möchte. – Für Ettore Gotti Tedeschi war der Dienstag „der komplizierteste Tag meines Lebens“. Der Präsident der Vatikanbank IOR (Istituto per le Opere di Religione; Institut für religiöse Werke) hatte am Nachmittag von Journalisten erfahren, dass die Römer Staatsanwaltschaft gegen ihn und den Generaldirektor des IOR, Paolo Cipriani, ein Ermittlungsverfahren wegen Geldwäscherei eingeleitet und vorsorglich 23 Millionen Euro beschlagnahmt hat (BaZ von gestern). Im Visier der Justiz befindet sich ein Konto des IOR bei einer Filiale der Bank Credito Artigiano, von wo aus 20 Millionen Euro an die Frankfurter Filiale der J. P. Morgan sowie 3 Millionen zu einer italienischen Regionalbank transferiert werden sollten. Bei beiden Operationen waren weder die Begünstigten noch der Zweck der Zahlung angegeben worden, womit laut der Staatsanwaltschaft gegen das seit 2007 geltende Anti-Geldwäscherei-Gesetz verstossen wurde. (…)

BaZ vom 31.12.2010, Seite 19 Wirtschaft, Roman Arens, Rom:
Strengere Regeln für Vatikanbank

Mit einer neuen Aufsichtsbehörde will Papst Benedikt XVI. für Transparenz im Finanzwesen des Vatikans sorgen. Mit einer Anpassung an internationale Standards gegen Geldwäsche möchte der Kirchenstaat in die Weisse Liste der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Organization for Economie, Cooperation and Development) aufgenommen werden. Der Vatikan schätze die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft um juristische Instrumente gegen Geldwäsche und Finanzierung des Terrorismus, schreibt Benedikt XVI. zur Begründung der neuen Bestimmungen. Im Kirchenstaat gelten ab sofort strenge Gesetze, die bei Geldwäsche 12 Jahre Haft und bei Verbrechen wie Terrorismus 15 Jahre Haft vorsehen.

Um in die Geldgeschäfte des Vatikans und seiner Institutionen mehr Licht und Kontrolle zubringen, wird eine Finanzaufsichtsbehörde (Autorità d’informazione finanziaria, AIF) eingerichtet, die nach dem Modell der Aufsichtsbehörde in der italienischen Zentralbank organisiert ist. So sollen künftig illegale Finanztransaktionen verhindert werden, wie sie in der Vergangenheit immer mal wieder für Aufsehen sorgten. Schon seit Monaten laufen Verhandlungen zwischen dem Vatikan und der OECD über die Aufnahme in die Weisse Liste der Staaten, die sich an die Regeln der Transparenz in ihrem Finanzgebaren halten. – Die neuen unmittelbar in Kraft tretenden Normen mit Gesetzeskraft hat das Kirchenoberhaupt am gestrigen Donnerstag, 29.12.2010, in der Form eines „Motu proprio“ („aus eigenem Antrieb“) veröffentlicht, eines apostolischen Schreibens, das gewöhnlich für kirchenrechtliche und administrative Entscheidungen verwendet wird. Der Anstoss dafür ist jedoch wohl auf Druck von aussen gekommen – wegen der jüngsten Affäre, in die die Vatikanbank IOR verwickelt ist.

Dubiose Überweisungen. Seit September ermitteln römische Staatsanwälte gegen die Vatikanbank, die Überweisungen durchgeführt haben soll, ohne Absender und Empfänger zu identifizieren, wie es die italienischen Vorschriften gegen die Geldwäsche verlangt hätten. 23 Millionen Euro wurden beschlagnahmt, was von Gerichts wegen zweimal bestätigt wurde. Von seiten der Bank, die vor allem Gelder von katholischen Verbänden und Orden verwaltet, wurde jeder Vorwurf der Verwicklung zu dunklen Geschäften zurückgewiesen und darüber hinaus geltend gemacht, dass sie vatikanischen Regeln unterliege.

Hans Küng, 2011, Ist die Kirche noch zu retten? Seite 213:
Seit dem Entstehen der römischen Kurie im 11. Jahrhundert zeigten die Päpste ein problematisches Verhältnis zum Geld. Die Reformbewegung von Cluny unterstellte ihre Hunderte von Klöstern direkt dem Heiligen Stuhl und verschaffte ihnen gewaltige Einnahmen und immensen Grundbesitz überall in Europa. Wie andere römische Bischöfe sann auch der grosse Innozenz III. (1198-1216) stets auf neue Geldquellen und verlangte sogar von jedem Teilnehmer des Vierten Oekumenischen Laterankonzils, ihm ein „Abschiedsgeschenk“ zu machen. Besonders die neue päpstliche Residenz und Kurie in Avignon (1309-76)  während des grossen Schismas erforderten Unsummen von Geld. Deswegen wurde ein ausgeklügeltes Abgaben- und Gebührensystem entwickelt, das zum Teil bis heute beibehalten wurde. Der dann von Leo X. (1513-21) aus dem Handels- und Bankhaus der Medici zu Finanzierung des Neubaus der Peterskirche initiierte Ablasshandel war unmittelbar Anlass für Martin Luthers Thesen (Wittenberg an der Elbe, Kreis Halle. 95 Thesen am 31.10.1517 angeschlagen).

An Finanzskandalen (und bescheidenen Finanzreformen) fehlte es der römischen Kurie auch in der Neuzeit nicht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte Papst Leo XIII. (1878-1903) in enger Verbindung mit der Banco di Roma die Kommission „Ad pias causas“ (Für wohltätige Zwecke) gegründet und so ein vatikanisches Engagement an den Börsen von London, Paris und Berlin möglich gemacht. Daraus ging unter Papst Pis XII. (1939-58) im Jahre 1942 das „Istituto per le Opere di Religione (IOR: Institut für Werke der Religionen), die eigentliche Vatikanbank hervor, die freilich höchst verborgen operierte und bis in unsere Tage auch auf der Homepage des Vatikans überhaupt nicht verzeichnet war.

Schon unter dem Pontifikat Pauls VI. und Johannes Pauls II. aber kamen riesige Finanzskandale ans Licht. Über das dabei führende verbrecherische Trio ist viel geschrieben worden. Es sind

  • der Amerikaner Msgr. Paul Marcinkus, zum Chef des IOR und Titularerzbischof  aufgestiegen;
  • der sizilianische Mafiabankier und Geldwäscher Michele Sindona, Berater von     Marcinkus;
  • Roberto Calvi, der Chef der Banco Ambrosiano, der grössten Privatbank Italiens, die 1987 mit einem Riesenverlust von rund 3 Milliarden Dollar in Konkurs ging.

Der Erzbischof wurde durch den Vatikan vor der Verhaftung durch die italienische Justiz geschützt und nach einem längeren Aufenthalt im Vatikan in aller Stille in die USA abgeschoben. Der Mafiabankier Sindona endete in einem italienischen Gefängnis an einem vergifteten Espresso, entweder durch Mord oder Selbstmord. Der „Bankier Gottes“ Calvi wurde 1982 unter einer Londoner Themsebrücke erhängt aufgefunden. Deshalb fand im selben Jahr die erste italienische Untersuchung der vatikanischen Finanzen statt.

Und der Vatikan? Dort rührte niemand einen Finger zur Aufklärung der verbrecherischen Aktivitäten, aber als Hauptaktionär der Banco Ambrosiano zahlte der Vatikan „freiwillig“, ohne eine Schuld zuzugeben, 240 Millionen Dollar.

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 296:
Die Vatikanbank geriet bekanntlich in Schwierigkeiten (vgl. Francis Ford Coppola, „Der Pate  III“), als Ende der 1970er Mafiagelder angeblich dazu verwendet wurden, die Solidarnosc-Bewegung in Polen zu unterstützen. Der verantwortliche Banker Roberto Calvi wurde später, am 18. Juni 1982, tot in London aufgefunden, an einem Strick hängend unter der Blackfriars Bridge, der „Brücke der Schwarzen Brüder“. Am selben Tag stürzte Calvis Sekretärin aus einem Fenster der Bank in Mailand zu Tode. Die ersten Ermittlungen von Scotland Yard liefen auf Selbstmord hinaus. Seltsam nur, dass Calvi, Chef der „Banco Ambrosiano“, sich ausgerechnet eine Brücke ausgesucht hatte, die nach den Dominikanern benannt war. Und dass der 62-jährige rundliche Mann mit Ziegelsteinen in den Taschen das Gerüst einer Brücke erklommen haben soll, wozu eine ziemliche Kondition gehören würde. Spätere Autopsien ergaben, dass der Bankier vermutlich erdrosselt worden war, eine typische Mafia-Hinrichtung.

Calvis Geschäftspartner im Vatikan war der aus einem Vorort Chicagos stammende Erzbischof Casimir Marcinkus (1922-2006), der parallel noch 2 andere Fulltime-Jobs zu bewältigen hatte: Chef des Vatikanstaates und Reiseorganisator des unternehmungsfreudigsten Papstes der Geschichte. Marcinkus liess Calvi bei dessen Geschäften weitgehend freie Hand. Das war sein Fehler. Es soll gewaltige Geldtransfers an antikommunistische Kreise in Lateinamerika gegeben haben. Der Sturz des Diktators Somoza in Nicaragua und die hohen US-Zinsen liessen das Südamerikageschäft der „Banco Ambrosiano“ zusammenbrechen. In der Bilanz fehlte schliesslich eine gute Milliarde Dollar. Es war der bis dahin grösste Bankencrash der italienischen Nachkriegsgeschichte. Alle daran beteiligten Personen wurden später schuldig gesprochen und zu teils langen Haftstrafen verurteilt. Alle – ausser Erzbischof Marcinkus und 2 weiteren IOR-Mitarbeitern. Die flüchteten sich hinter die vatikanische Mauer und blieben dort unbehelligt.

Das Grundkapital des Heiligen Stuhles stammt aus dem Jahr 1929. Die Lateranverträge mit Benito „Duce“ Mussolini gestanden dem Vatikan als Entschädigung für den Verlust des alten Kirchenstaates 1 Milliarde Lire in 5prozentigen Staatstiteln zu, und 750 Millionen Lire in bar. Das waren damals 80-90 Millionen Golddollar. Von dem Geld wurden sofort der Vatikanbahnhof und ein Bürogebäude gebaut. Der Rest wurde angelegt, zu je einem Drittel in Aktien, Immobilien sowie in Gold und Devisen. Eine kluge und konservative Anlagestrategie, gemäss dem Satz Mose: „Von einem Ausländer darfst du Zinsen nehmen, von deinem Bruder darfst du keine Zinsen nehmen, damit der Herr, dein Gott, dich segnet in allem, was deine Hände schaffen, in dem Land, in das du einmarschierst, um es in Besitz zu nehmen.“ (Dtn 23,21)

Aber auch Bibelkenntnis schützt nicht vor Fehlspekulationen. So begann der Vatikan, seinen in New York aufbewahrten Goldschatz Anfang der 1990er-Jahre aufzulösen, als der Unzenpreis auf dem Tiefpunkt war. Das Vermögen des Papstes wird auf zwischen 1,2 und 12 Milliarden Euro geschätzt. – Die Vermögensverwaltung unterliegt der →APSA, der „Verwaltung des Patrimoniums des Apostolischen Stuhls“. Sie hat ihre Büro auf halber Treppe rechts hinterm Bronceportal. Die „ordentliche Abteilung“ der APSA kümmert sich um Personalabrechnungen, Gehälter, Pensionen und die Verwaltung des Immobilienparks. Das päpstliche Portfolio wird dagegen von einer „ausserordentlichen Abteilung“ betreut. Es besteht in erster Linie aus festverzinslichen Wertpapieren und nur zum Teil aus Aktien.

Der Vatikan ist u. a. an der italienischen Grossbank „Banca-Intesa“ beteiligt und soll Aktienpakete an General Motors, IBM und Disney besitzen. In den letzten Jahren haben sich immer wieder katholische Investmentbanker und Börsianer angeboten, beratend beizustehen.

Die Kosten eines Papstwechsels, die von Zeit zu Zeit anfallen, sind erheblich. Der Tod Johannes Paul II. im Jahre 2005 hatte Folgekosten von 7 Millionen Euro.

Jesuitenpater Thomas J. Reese: „Es gibt nicht einmal im Vatikan jemanden, der den finanziellen Aufbau aller Entitäten (Dasein im Unterschied zum Wesen eines Dinges) und ihrer monetären Beziehungen untereinander versteht. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Spitzenkräfte keinerlei finanzielle Ausbildung und daher durchweg Schwierigkeiten haben, die Rechnungsberichte zu verstehen – soweit sie sich diese überhaupt je ansehen.“

NZZ am Sonntag, 27. Mai 2012, S. 3, Patrizia Arnold, Mailand:
(Vorgängig im Artikel: Verhaftung des Kammerdieners Paolo Gabriele, →Päpstliche Wohngemeinschaft) Zufall oder Absicht? Nur wenige Stunden vor der spektakulären Festnahme war am Freitag der Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi, zurückgetreten. De Aufsichtsrat hatte ihm das Misstrauen ausgesprochen, weil er, so eine offizielle Mitteilung, nicht den „grundlegenden Anforderungen“ seines Amtes genüge.

Dabei hatte Benedikt XVI. grosse Hoffnungen in den international geschätzten Banker gesetzt. Er sollte das vatikanische Geldinstitut von seinem schlechten Ruf befreien, mit schmutzigen Finanzgeschäften viel Geld zu verdienen. Er war erst 1 Jahr im Amt, als die römische Staatsanwaltschaft Geld beschlagnahmte, das die Vatikanbank unter Umgehung von internationalen Bestimmungen transferieren wollte. Die Ermittlungen gegen Gotti Tedeschi wurden inzwischen jedoch eingestellt.

Den Skandal um Gotti Tedeschi werteten die Vatikanisten gestern Samstag als einen Beweis für den „erbitterten Machtkampf“ in der römischen Kurie. Benedikt XVI. habe seinen Hofstaat nicht mehr unter Kontrolle, kritisierten sie zusammenfassend.

Basler Zeitung vom 29. Mai 2012, S. 7, Roman Arens, Rom (…)
In der vergangen Woche wurde auch der Präsident der Vatikanbank IOR ein mit dem Papst befreundeter kultivierter älterer Herr, Ettore Gotti Tedeschi, auf ungewöhnlich brüske Weise gefeuert. Er soll Konflikte mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone gehabt haben. Gotti Tedeschi, auch Professor für Ethik und Finanzwesen, hatte sich darum bemüht, dass im Vatikan die internationalen Standards gegen Geldwäsche, dubiose Finanzgeschäfte und Terrorfinanzierung eingeführt werden sollte, um auf die sogenannte „Weisse Liste“ zu kommen,. Als Benedikt XVI. vom Sturz „meines Freundes“ Ettore erfahren habe, soll er in Tränen ausgebrochen und dann wütend geworden sein, dieses erzählt ein mutmasslich hochrangiger Maulwurf in einem Interview mit La Repubblica.

OR Nr. 22 vom 1. Juni 2012, S. 4:
Zum Rücktritt des Präsidenten der Vatikanbank

Vatikanstadt. Der Aufsichtsrat des Instituts für religiöse Zwecke (IOR) (→Bank Organigramm) hat dessen Präsidenten Ettore Gotti Tedeschi das Misstrauen ausgesprochen und eine Beendigung seines Mandats empfohlen. Gotti Tedeschi habe verschiedene wichtige Aufgaben nicht in der gewünschten Weise wahrgenommen, heisst es in einem Kommuniqué des Presseamtes des Heiligen Stuhles. Man bedauere die Entscheidung, halte sie aber zum Wohl des IOR für notwendig. Das Votum des Aufsichtsrates sei bei einer Ordentlichen Sitzung am  Donnerstag, 24. Mai, einmütig gefallen. Die letzte  Entscheidung liegt nun beim zuständigen Kardinalsrat, der über die geeigneten Schritte entscheiden werde. Es gehe jetzt darum, einen neuen Präsidenten zu finden, der sich um den Aufbau „wirksamer und breiter Beziehungen zwischen dem IOR und der Finanzwelt“ bemühe, heisst es weiter. Diese Beziehungen müssten „auf Grundlage von beiderseitigem Respekt vor international  akzeptierten Bankenstandards“ bestehen. Trotz wiederholter Mahnungen an Gotti Tedeschi habe sich die Situation des IOR in der jüngsten Zeit weiter verschlechtert. Der international renommierte Banker war 2009 an die Spitze des IOR berufen worden.

OR Nr. 30/31 vom 27. Juli 2012, S. 4:
Moneyval: Vatikan erfüllt 9 von 10 Transparenz-Standards

Vatikanstadt/Strassburg. Die Vorkehrungen des Vatikans gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung entsprechen laut unabhängigen Fachleuten des Europarats grösstenteils den internationalen Standards. Nach einem in der vergangenen Woche vom Europaratsausschuss „Moneyval“ veröffentlichten Bericht erfüllt der Vatikan 9 von 16 Transparenz-Kriterien weitgehend oder vollständig. Für  7 Kriterien erhielt er eine unzureichende Bewertung.

Im internationalen Vergleich liegt der Heilige Stuhl inklusive des Vatikanstaates mit diesem Ergebnis im Mittelfeld. Zu den Ländern mit der grössten Transparenz zählen die Vereinigten Staaten, die für 15 Kriterien ein „largely compliant“ (weitgehende Übereinstimmung) oder „compliant“ erhielten.

Moneyval ist das 1997 gegründete Europaratskomitee für Transparenz im Finanzwesen. Derzeit  unterziehen sich 30 Staaten den turnusmässigen Prüfungen durch Moneyval. Von ihnen gehören 28 dem Europarat an, hinzu kommen Israel und der Vatikan.

Der Heilige Stuhl trat Moneyval im April 2011 bei. Die Staaten werden anhand von 49 internationalen Kriterien regelmässig überprüft, ob sie wirksame gesetzliche Vorkehrungen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung treffen.

Im November 2011 und im März dieses Jahres hatten Moneyval-Fachleute die Massnahmen im Vatikan begutachtet. Ihr Prüfungsbericht war am 4. Juli 2012 von der Moneyval-Vollversammlung in Strassburg gebilligt worden.

Basler Zeitung vom 12.09.2012, S. 9:
Vatikanbank erhält Rat von einem Schweizer Experten

Rom. Der Vatikan hat einen internationalen Experten für den Kampf gegen Geldwäsche und Finanzierung von Terrorismus als Berater engagiert. Der Finanzexperte René Brülhart (40) aus Freiburg soll dem Heiligen Stuhl helfen, seine Instrumente im Kampf gegen die Finanzkriminalität zu schärfen, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi gestern in Rom mit. Mit dem erfahrenen neuen Berater wolle der Vatikan „systematisch zusammenarbeiten“ auf dem ihm empfohlenen Weg der Transparenz und Zuverlässigkeit in den Geschäften seiner IOR-Bank. DPA

Radio Vatikan: Brülhart leitete 8 Jahre lang die „Financial Intelligence Unit (FIU) von Liechtenstein, die bei Verdacht auf Geldwäsche aktiv wird. Die verbleibenden Unzulänglichkeiten der IOR sollen nun nach und nach ausgeschaltet werden. Mittelfristiges Ziel ist die Aufnahme des Vatikans in die so genannte „Weisse Liste“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

AS, Vatikanistan, Seite 295:
Dem Papst Geld zukommen lassen:

Per Kreditkarte und online (VISA, Diners, Master Card, American Express).
Kontonummer: 000 005 329 965 bei der Unicredit Banca d’Impresa (Swift UNCRIT2V). Stichwort: Peterspfennig

OR Nr. 2 vom 11. Januar 2013, S.

Im Vatikan kann nicht mehr mit ausländischen Bank- und Kreditkarten bezahlt werden. Die italienische Zentralbank hat die Nutzung elektronischer Zahlungsmittel seit Jahresbeginn vorläufig ausgesetzt. Der Sprecher des Heiligen Stuhles, P. Federico Lombardi SJ, sagte, die Verträge einiger vatikanischer Einrichtungen mit einem ihrer Finanzdienstleister seien ausgelaufen. Auch die Vatikanischen Museen akzeptieren beim Kauf von Eintrittskarten an ihren Schaltern vorläufig nur noch Barzahlung. Der Kauf von Eintrittskarten per Online kann jedoch bis auf weiteres mit Kreditkarten durchgeführt werden.  →Billette

OR Nr.  8 vom 22. Februar 2013, S. 3:

Besucher und Touristen im Vatikan können wieder bargeldlos bezahlen. Die zu Jahresbeginn auf Anordnung der Bankitalia gesperrten EC-Automaten und Kreditkarten-Terminals seien wieder in Betrieb, teilte der Pressesprecher des Heiligen Stuhles, P. Federico Lombardi, mit. Anstelle der Bankitalia, die bislang die Automaten im Vatikan aufgestellt habe, habe man eine Vereinbarung mit der Schweizer „Aduno Sa“ getroffen. Dieses Geldinstitut werde künftig den bargeldlosen Betrieb im Vatikan garantieren und abwickeln. Die „Bankitalia“ hatte der Deutschen Bank Italien zum 1. Januar die Genehmigung für deren EC-Automaten im Vatikan entzogen. Damit konnten seit Jahresbeginn im Vatikan Geldgeschäfte wie etwa der Kauf von Museumstickets nur noch in bar erfolgen. Als Begründung führte Bankitalia an, die Vorkehrungen des Heiligen Stuhles gegen Geldwäsche seien nach wie vor nicht ausreichend und entsprächen nicht den international geforderten Standards.

OR Nr. 8 vom 22.02.2013, S. 4:
Ein Deutscher leitet künftig die Vatikanbank.

Die für das „Institut für die religiösen Werke (IOR) zuständige Kardinalskommission unter dem Vorsitz von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone ernannten den deutschen Juristen und Finanzfachmann Ernst von Freyberg (54) zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrates. Er tritt an die Stelle von Ettore Gotti Tedeschi (67), dem im Mai 2012 das Vertrauen entzogen worden war. Der aus Baden-Württemberg stammende Freyberg war bis Ende 2012 Geschäftsführer von „Dafwa Corporate Advisory“, einem Corporate-Finance-Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in Frankfurt am Mai. Seither ist er für die Biohm + Voss Group in Hamburg tätig. Zudem ist er im Malteserorden engagiert und gehört der Leitung der diözesanen Berliner Pilgerstelle für Lourdes-Wallfahrten an. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende werde sich künftig exklusiv seiner Aufgabe widmen; er behalte jedoch seine Funktion als Vorstandsmitglied der Biohm + Voss Gruppe bei.

Die übrigen vier Mitglieder des Aufsichtsrates bleiben im Amt. Zu ihnen gehört der Deutsche Ronaldo Hermann Schmitz (74), ehemaliges Vorstandsmitglied der Deutschen Bank. Weiter sitzen im IOR-Aufsichtsrat der US-Amerikaner und „Supreme Knight“ der Kolumbusritter Carl A. Anderson (61), der Italiener Giovanni De Censi (74), Präsident der norditalienischen Bank Credito Valtellinese, sowie der Spanier Manuel Soto Serrano (72), vierter Vize-Vorsitzender der Santander-Bank.

Der Freiburger René Brülhart, der die Vatikanbank reformiert, über Boni, den Vorwurf von Missbrauch und Geldwäsche und Arbeiten als guten Ausgleich zum Arbeiten (…)

SonntagsZeitung vom 17. März 2013, S. 15, Sonntagsgespräch Fokus von Katja Murmann und Nadja Pastega

Der 40-jährige Freiburger, der als einer der besten Geldjäger der Welt gilt, steht derzeit im Dienst des Vatikan. Im Kirchenstaat soll er als Leiter der Finanzaufsichtsbehörde AIF die skandalumwitterte Vatikanbank reformieren, transparenter und weniger anfällig für Missbrauch, Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Terrorfinanzierung machen.

Herr Brülhart, es geht um Mafikakonten, Geldwäsche, Terrorfinanzierung und Steuerhinterziehung. Haben Sie den nötigen Rückhalt in der Kurie?“ Es gibt einen klaren politischen Willen im Vatikan, die internationalen Standards anzuwenden und möglichen Missbrauch im Finanzbereich zu bekämpfen. Da, wo es zurzeit noch eine gewisse Verwundbarkeit gibt, wird eingegriffen. Ziel ist es, ein funktionierendes Kontrollsystem zu schaffen.  In den zwei Jahren, bevor ich angefangen habe, hat man schon relativ weitgehende Massnahmen in die Wege geleitet. Jetzt geht es darum, ein effektives System aufzubauen, um mögliche Missbrauchsfälle, sei es Geldwäscherei, Korruption, Terrorfinanzierung oder Steuerhinterziehung, frühzeitig zu erkennen und die notwendigen Massnahmen zu ergreifen, wenn etwas passiert ist.“

Hat der Vatikan genug Vorkehrungen gegen den Finanzmissbrauch getroffen? Oder besteht weiterer Handlungsbedarf? „Es ist in relativ kurzer Zeit viel getan und verbessert worden. Aber ich weiss aus Erfahrung, dass es Zeit braucht, bis sich ein effizientes Abwehrsystem einspielt. Es wäre also verfehlt, zu sagen, dass heute alles perfekt sei. Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten weitere Massnahmen ergreifen, die das System stärken sollen.“

Gibt es das Steuer- und Geldwäscheparadies Vatikan? „Nein. Der Vatikan kann nicht mit Ländern wie Singapur oder den Cayman-Inseln verglichen werden – denn der Vatikan hat keinen eigenen Finanzplatz.“

bz BASEL vom 29. Juni 2013, S. 11
Keine Ruhe in Rom – neuer Eklat im Umfeld der Vatikanbank, Dominik Straub, Rom

Das „Istituto per le Opere di Religiose“ („Institut für die religiösen Werke“, IOR), wie die Vatikanbank offiziell heisst, kommt nicht zur Ruhe. Gestern sind in Rom der Bischof Nunzio Scarano (1), ein ehemaliger Agent des italienischen Inlandgeheimdienstes (2) sowie ein Broker (3) verhaftet worden. Der 61-jährige Bischof soll dem Ex-Agenten 400’000 Euro bezahlt haben, damit dieser illegal mit einem Privatjet 20 Millionen Euro von der Schweiz nach Italien brachte. Das Geld soll wiederum einem Freund des Bischofs gehört haben. Den drei Verhafteten werden Korruption, Betrug und Verleumdung vorgeworfen. (…)

In der Kurie war Bischof Scarano nur „Don 500“ genannt worden. Er hatte meist nur 500er-Noten im Portemonnaie.

OR Nr. 27 vom 5. Juli 2013, S. 10
Direktor der Vatikanbank zurückgetreten

Der Direktor der Vatikanbank (IOR) und sein Vizedirektor sind von ihren Ämtern zurückgetreten. Paolo Cipriani und Massimo Tulli hätten nach vielen Dienstjahren entschieden, dass dieser Schritt im Interesse des Geldinstitutes und des Vatikan sei, teilte das Presseamt des Heiligen Stuhles mit. Die zuständige Kardinalskommission sowie der Aufsichtsrat hätten den Rücktritt angenommen. Gleichzeitig sei der Aufsichtsratspräsident Ernst von Freyberg von der Kommission gebeten worden, die Aufgaben des Generaldirektors ad interim ab sofort zu übernehmen, heisst es in der Mitteilung. Als Vizedirektor wird mit ihm Rolando Marranci und als „chief risk officier“ Antonio Montaresi zusammenarbeiten Marranci hat bereits als „chief operating officier“ in einer bekannten italienischen Bank in London gearbeitet; Montaresi war als „chief risk officier“ und „chief compliance officier“ in mehreren Geldinstituten in den Vereinigten Staaten von Amerika tätig.

OR Nr. 27 vom 5. Juli 2013, S. 10
Chirograph (Päpstliche Verlautbarung in Briefform mit eigenhändiger Unterschrift des Papstes) von Papst Franziskus vom 24.06.2013 zur Errichtung einer Päpstlichen Kommission für die Berichterstattung über die Vatikanbank IOR. Kommuniqué des Staatssekretariates:

Der Heilige Vater hat mit Chirograph vom 24. Juni 2013 eine Päpstliche Kommission zur Berichterstattung über die IOR eingerichtet. Wie aus dem veröffentlichten Text zu ersehen ist, entspringt die Zweckmässigkeit der Einrichtung einer berichterstattenden Kommission dem Wunsch des Heiligen Vaters, die juristische Position und die Aktivitäten des Instituts näher kennenzulernen, um eine bessere Übereinstimmung desselben mit der Sendung der universalen Kirche und des Apostolischen Stuhles zu ermöglichen, dies im allgemeinen Kontext (Zusammenhang) der Reformen, deren Umsetzung auf Seiten der den Apostolischen Stuhl unterstützenden Einrichtungen zweckmässig ist.

Die Kommission hat den Zweck, Informationen über Stand und Abläufe des Instituts zu sammeln und die Ergebnisse dem Heiligen Vater vorzulegen. Wie im Chirograf spezifiziert, wird das Institut während der Arbeiten der Kommission weiterhin entsprechend dem Chirograf vom 1990 (von Papst Johannes Paul II.) tätig sein, mit dem es eingerichtet wurde, mit Ausnahme von anderslautenden Anordnungen des Heiligen Vaters. Zweck und Kompetenzen der Kommission werden im Chirograph detaillierter beschrieben.

Die Mitglieder der Kommission sind:

1.  S. Em. Raffaele Kardinal Farina, Präsident
2.  S. Em. Jean-Louis Pierre Kardinal Tauran, Mitglied
3.  S. Exz. Bischof Juan Ignacio Arrieta Ochoa de Chinchetru, Koordinator
4.  Msgr. Peer Brian Wells, Sekretär
5.  Prof. Mary Ann Glendon, Mitglied

Die Kommission wird ihre Arbeit in diesen Tagen aufnehmen. Der Heilige Vater wünscht eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Kommission und dem Institut.
→Papst Franziskus verwendet in diesem Chirograph vom 24.06.2013: …haben Wir entschieden …es sei denn, Wir erteilen anderslautende Verfügungen. …Die Kommission wird Uns …

OR Nr. 29 vom 19. Juli 2013, S. 4

Die von Papst Franziskus eingesetzte Kommission zur Berichterstattung über die Vatikanbank IOR ist zu einer ersten Sitzung zusammengetroffen. An der Sitzung im vatikanischen Gästehaus Santa Marta nahm der Papst persönlich teil. Ebenfalls anwesend waren der Vorsitzende des IOR-Aufsichtsrates, Ernst von Freyberg sowie der neue Prälat des Geldinstituts, Msgr. Battista Ricca. Die von Franziskus Ende Juni berufene Kommission aus ranghohen Kurienmitarbeitern und der US-amerikanischen Juristin Mary Ann Glendon soll Vorschläge für eine „bessere Harmonisierung“ des IOR erarbeiten.

OR Nrn. 32/33 vom 9. August 2013, S. 8
IOR hat eigene Web-Seite

Seit Mittwoch, 31. Juli 2013, ist die Vatikanbank IOR mit einer eigenen Webseite im Internet vertreten (www.ior.va). Der Aufsichtsratspräsident und Direktor ad interim, Ernst von Freyberg, erklärte Radio Vatikan gegenüber, dass dies „Teil der Bemühungen um Transparenz“ sei. Der Webseite können Informationen über Kundenumfang und Bilanzzahlen sowie Links zu den Jahresberichten der Bank entnommen werden. Die Seite erläutert aber auch die Führungsstruktur und die von der Bank angebotenen Dienstleistungen (in allen wichtigen Sprachen).

14. August 2013: www.ior.va

→Neue Zusammensetzung des Kaders per Anfang August 2013: unter dem separaten
Register „Bank des Vatikan – Organigramm“ zu finden

Eckdaten für das IOR auf einen Blick (Zahlen für das Gesamtjahr 2012):

Drittmittel unter Verwaltung (Third party Assets under Management): Euro 6,3 Mrd.
– Verwaltete Portfolios          Euro 3,23 Milliarden
–  Einlagen                            Euro 3,1   Milliarden
Eigenkapital (Equity)            Euro 0,8  Milliarden
Total verwaltete Vermögen  Euro 7,1  Milliarden
Reingewinn                          Euro 86,615 Millionen    (2011: 20,253 Millionen €)
Davon gehen 54,7 Millionen an den vatikanischen Haushalt.
Gold, Medaillen und edle Münzen: 41,3 Millionen Euro. Mit diesem Betrag könnte  man sich zum derzeitigen Kurs rund 1,3 Tonnen Gold kaufen.

Mitarbeiter                                   114
Anzahl Kunden                       18’900  (Vorjahr: 21’000)

Ab Ende 2012 bestehen hauptsächlich folgende Kunden:

  • 5’200 katholische Institutionen, d. h. dem Heiligen Stuhl verbundene Unternehmen, Ordensgemeinschaften und Diözesen (mehr als 85 % der Assets under Management)
  • 13’700 Personen: Kleriker, Mitarbeiter oder ehemalige Mitarbeiter des Vatikans mit  Gehalts- und Renten-Konten und akkreditierten Diplomaten des Heiligen Stuhles.
    Das Vermögen für Einzelpersonen beträgt rund 15 % (1,1 Mrd. Euro).

29. Dezember 2013: www.iro.va
Kardinalskommission

– Kardinal Tarcisio Bertone SDB, Präsident, a. Kardinalstaatssekretär
– Kardinal Telesphore Placidus Toppo, Erzbischof von Ranchi (Indien)
– Kardinal Jean-Lois Tauran, Präs. des Päpstl. Rates für den interrelig. Dialog
– Kardinal Domenico Calcagno, Präsident APSA
– Kardinal Odilo Pedro Scherer, Erzbischof von Sao Paolo (Brasilien)

Prälat, ernannt durch die Kardinalskommission

Msgr. Battista Mario Salvatore Ricca

Aufsichtsrat

– Ernst von Freyberg
– Ronaldo Hermann Schmitz
– Carl A. Anderson
– Antonio Maria Marocco
– Manuel Soto Serrano

Generaldirektor

Rolando Marranci

Informationen IOR per Mitte August 2013:
– Adresse: IOR, Hof Sixtus V., 00120 Vatikanstadt/Staat Vatikanstadt
-Telefon: 0030 06 698 833 54, E-Mail: info@ior.va
– Öffnungszeiten: Mo bis Fr 0800 bis 1300 Uhr, 1435 bis 1600 Uhr, Sa 0800-1200

bz BASEL vom 31.03.2014
Betrug bei Vatikanbank abgewendet

Die italienische Finanzpolizei und Vatikan-Gendarmerie haben einen geplanten Milliarden-Betrug auf Kosten der Vatikanbank verhindert. Die Beamten stoppten 2 Männer an der Pforte des Vatikans auf dem Weg zu dem Geldinstitut, wie die Nachrichtagentur Ansa am Samstagabend unter Berufung auf die Finanzpolizei berichtete. Sie beschlagnahmten falsche Schuldscheine im Wert von mehreren Milliarden Euro und Dollar. Diese wollten der US-Amerikaner und der Niederländer dem Bericht zufolge bei dem Institut deponieren. Die Männer waren nach Angaben der Vatikanbank zuvor keine Kunden. Die in der Vergangenheit von Skandalen geplagte Vatikanbank hatte zuletzt ihre Anti-Geldwäsche-Regeln verschärft und die Transparenz erhöht. SDA

OR Nr. 19 vom 9. Mai 2014, S. 3
Die Kardinalskommission zur Aufsicht über die Vatikanbank IOR – ein 5-köpfiges Gremium – will vorerst mindestens dreimal im Jahr zusammentreten. Bislang waren in den Statuten 2 Zusammenkünfte im Jahr vorgesehen. Nun sollen es grundsätzlich 3 Treffen sein, falls die Umstände dies erfordern könnten jedoch auch weitere Termine anberaumt werden. Vorsitzender der Kommission ist der spanische Kardinal Santos Abril y Castello, der Erzpriester der Päpstlichen Basilika Santa Maria Maggiore.

OR Nr. 29 vom 18. Juli 2014, S. 3
Neuer Verwaltungsrat der Vatikanbank

Der deutsche Finanzexperte Clemens Boersig (65) ist neues Mitglied im Verwaltungsrat der Vatikanbank IOR. Boersig war von 2006 bis 2012 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank. Seine Ernennung erfolgt im Rahmen der kompletten Auswechslung der IOR-Führungsspitze. Neuer Chef des Institutes ist der Franzose Jean-Baptiste de Franssu (51). Ausserdem berief der Vatikan die US-Juristin Mary Ann Glendon (75) und den britischen Finanzfachmann Michael Hintze (60) in das Führungsgremium des „Instituts für die religiösen Werke“. Zwei weitere Mitglieder will der Vatikan in Kürze benennen. Dem IOR-Verwaltungsrat gehört künftig auch der Generalsekretär des Wirtschaftssekretariates (siehe dort) und frühere Papstsekretär Msgr. Alfred Xuereb (55) an, allerdings ohne Stimmrecht. Geistlicher Rat des IOR bleibt der Vatikandiplomat Prälat Battista Ricca (58), zugleich Sekretär des übergeordneten Kardinalrates für das Geldinstitut.

OR Nr. 30/31 vom 25. Juli 2014, S. 4

Die Vatikanbank IOR hat ihre Jahresbilanz 2013 am 15. Juli auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Auf der Seite www.ior.va kann die englische Version des rund 100 Seiten starken Berichtes eingesehen werden. Ende Juli soll auch die italienische Übersetzung hinzukommen. Das „Institut fürs die religiösen Werke“ hatte vor einer Woche zum zweiten Mal in seiner Geschichte eine Jahresbilanz vorgelegt. Sie wies gegenüber dem Vorjahr einen drastischen Gewinneinbruch auf. Grund dafür waren weitreichende Umstrukturierungen im Rahmen des laufenden Reformprogrammes bei der Bank.

Reingewinn Vatikanbank (in Euro) gemäss der Vatikanzeitung, deutsche Ausgabe:

2017:   31,900 Millionen
2016:   36,000 Millionen; ganzer Reingewinn an den Hl. Stuhl
2015:  16,100 Millionen

2014:  69,300 Millionen; 50 Millionen an den Hl. Stuhl
2013:    2,865 Millionen 
2012:  86,615 Millionen (davon 54,7 Mill. an den vatikanischen Haushalt)
2011:  20,253 Millionen

OR Nr. 39 vom 26.09.2014, S. 4

Der Aufsichtsrat der Vatikanbank IOR ist komplett. Der zuständige Kardinalsrat berief am 16. September 2014 den Chilenen Mauricio Larrain und den Italiener Carlo Salvatori, beide ausgewiesene Finanzexperten, in das 6-köpfige Gremium.

bz NORDWESTSCHWEIZ vom 08.12.2014, S. 5, Wolf H. Wagner, Florenz
Skandal um die „Bank Gottes“
Vatikanbank: Zwei frühere Exponenten des IOR wurden wegen Veruntreuung angezeigt.

Das Institut für Religiöse Werke (Istituto per le opere di religione), so der offizielle Name der Vatikanbank, kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Ex-Präsident Angelo Caloia sowie der langjährige Direktor des IOR, Lelio Scaletti, wurden beschuldigt, Summen in Millionenhöhe veruntreut zu haben. Caloia musste 2009 nach 20-jähriger Führung des Geldinstitutes nach der Aufdeckung dunkler Machenschaften zurücktreten.
Dubiose Immobiliengeschäfte. Die Ermittlungen gegen die ehemaligen Führungspersonen der Vatikanbank werden vom Anklagevertreter des vatikanischen Justizapparates, Gian Piero Milano (WA: seit 19.10.2013 Staatsanwalt des Gerichtes des Vatikanstaates), geleitet. Der Professor für kanonisches Recht an der römischen Universität Tor Vergata ist eigens von Papst Franziskus berufen worden, Licht in die dunklen Angelegenheiten des IOR zu bringen. Caloia und Scaletti sollen in ihrer Amtszeit mit Immobiliengeschäften Hunderte Millionen verdient haben (WA: vermutlich in Lire). Insbesondere werden die Verträge um 29 Immobilien des Vatikanbesitzes in Rom und Mailand unter die Lupe genommen. Sie sollen gewinnbringend in den Jahren 2001 bis 2008 veräussert, aber nicht ordnungsgemäss verbucht worden sein. – Die Konten der beiden Beschuldigten in der Vatikanbank – sie belaufen sich auf immerhin 16 Millionen Euro – wurden beschlagnahmt. Wie der Sprecher des Heiligen Stuhles, Pater Federico Lombardi, erklärte, sind die Ermittlungen auch auf Rechtsanwalt Gabriele Liuzzo wegen Beteiligung an den Geschäften ausgedehnt worden. (…) Caloia war Marcinkus-Nachfolger. Caloia ist im Zusammenhang mit den Skandalen um die Vatikanbank kein Unbekannter. Er übernahm die Präsidentschaft des IOR 1989, nachdem sein Vorgänger, Erzbischof Paul Casimir Marcinkus wegen des Bankrotts der Banca Ambrosiana zurücktreten musste. Papst Johannes Paul II., der lange Zeit seine Hand über Marcinkus – nicht zuletzt wegen dessen materieller Unterstützung der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc – gehalten hatte, musste sich zu diesem Schritt entschliessen, als der Skandal nach dem mysteriösen Mord am Banker Roberto Calvi in London sowie dem Tod Michele Sindonas zu sehr auf die Vatikanbank schlagen sollte. Doch mit der Berufung Caloias zum neuen Präsidenten des Geldinstitutes hatte sich keine Transparenz eingestellt. Dubiose Geldgeschäfte sowohl mit dem damaligen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti, dem Caloia weitreichende Vollmachtgen im IOR einräumte sowie zur Loge P2 Licio Gellis brachten die Vatikanbank immer wieder in die Schlagzeilen. Interne Untersuchungen wurden angestellt, ohne dass daraus jedoch Konsequenzen erfolgten. Erst die Veröffentlichung eines geheimen Archivs des Beraters des Staatssekretärs des Heiligen Stuhles, Monsignor Renato Dardozzis, führten zu Ermittlungen innerhalb des Vatikans, in deren Folge Angelo Caloia sowie der ihm nahe stehende Direktor des IOR, Lelio Scaletti, am 23. September 2009 zurücktreten mussten.
Papst Franziskus: Null Toleranz. Mit seinem Amtsantritt 2013 versprach Papst Franziskus eine Null-Toleranz-Politik gegenüber den dunklen Geschäften des IOR. Die jetzigen Ermittlungen gegen die früheren Führungspositionen dürften ein erster rechtlicher Schritt sein. Von den Tangentopoli der Neunzigerjahre (Schmiergeldzahlungen in Mailand) bis hin zu den Verbindungen verschiedener Mafia-Organisationen dürfte noch einiger Aufklärungsbedarf herrschen. Am Heiligen Stuhl ist man beruhigt, was dabei noch ans Tageslicht kommen könnte.

9. Dezember 2014, www.ior.va

Aus den Bilanzen gelesen:                  2013                 2012                  2011
Kundenvermögen                                € 5,9 Mrd.         € 6,3 Mrd.          € 6,2 Mrd.
Kundeneinlagen                                  € 1,9 Mrd.         € 2,3 Mrd.          € 2,5 Mrd.
Vermögensverwaltung                        € 3,3 Mrd.         € 3,2 Mrd.          € 2,9 Mrd.
Titelaufbewahrung                               € 0,8 Mrd.         € 0,8 Mrd.          € 0,8 Mrd.
Eigenkapital                                         € 0,7 Mrd.         € 0,8 Mrd.          € 0,7 Mrd.
Reingewinn                                         € 2,9 Mio.          € 86,6 Mio.        € 20,3 Mio.

Anzahl Kundinnen/Kunden                  17’400               18’900                21’000
Anzahl Mitarbeitende                                115                   114                     106

Kundschaft per 4. Juli 2013:
5’043  katholische Institute
12’376  individuelle Kundschaft: Kleriker, Angestellte des Vatikans
mit Lohn/Pension, Diplomaten beim Heiligen Stuhl.

Kardinalskommission der Vatikanbank per 09.12.2014:
1  Kardinal Santos Abril y Castelló, St. Maria Maggiore, Rom, Präsident
2  Kardinal Thomas Christopher Collins, Toronto
3  Kardinal Pietro Parolin, Staatssekretär, Vatikan
4  Kardinal Christoph Schönborn, Wien
5  Kardinal Jean-Louis Tauran, Präsident des Rates für Interrel. Dialog, Vatikan
6  Kardinal Josip Bozanic, Zagreb
–  Prälat: Msgr. Battista Mario Salvatore Ricca

Aufsichtsrat der Vatikanbank per 09.12.2014:
1  Jean-Baptiste Douville de Franssu, Franzose,Präsident
2  Dr. Clemens Börsig, Deutscher
3  Prof. Mary Ann Glendon, Amerikanerin
4  Sir Michael Hintze, geb. in China, Studien in Australien, wohnhaft in London
5  Mauricio Larrain, Amerikaner
6  Carlo Salvatori, Italiener
–  Sekretär ohne Stimmrecht: Msgr. Alfred Xuereb, Malteser

Generaldirektor ab 30.11.2013: Rolando Marranci
Revisoren: Mario M. Busso, Rodolfo Molinuevo Orue, Pierluigi Bernasconi

OR Nr. 8 vom 20. Februar 2015, S. 6: Neuer Leiter der Vatikanbank IOR:
Jean Baptiste de Franssu, Franzose.

Englisch Andreas, FRANZISKUS, S. 308
Der Sturm in der Bank Gottes

Der grosse Paukenschlag erfolgte am 1. Juli 2013. Seit dem Tag der Wahl von Papst Franziskus haben die Kurienkardinäle gefürchtet, dass dieser Tag kommen würde: die erste spektakuläre Festnahme eines Kurienmitarbeiters wegen illegaler Bankgeschäfte im Vatikan. Die Kardinalsversammlung, die vor der Wahl Bergoglios in der Audienzhalle „Papst Paul VI.“ tagte, hat eines klargestellt: Der künftige Papst musste auf jeden Fall dafür sorgen, dass endlich Schluss sein würde mit den nicht abreissenden Skandalen rund um die Vatikanbank IOR. Diese Forderung hätte jeder Papst erfüllen müssen, mit der Wahl von Franziskus wurde dies noch unterstrichen. Nirgendwo auf der Welt gab es einen Bischof, der sich so radikal gegen Geldverschwendung und Korruption (Bestechung)  gewendet hatte wie Jorge Mario Bergoglio. Er war der einzige der 5’000 Bischöfe weltweit, der eine eigene Abteilung für die Armen eingerichtet hatte. Wenn es überhaupt jemanden in der katholischen Kirche gab, der nicht das geringste Verständnis für Verschwendung von Geld und für illegale Bankgeschäfte hatte, dann war das Jorge Mario Bergoglio. Düster sind die Gesichter auf den Fluren des Staatssekretariates an diesem Tag, die Festnahme von Monsignore Nunzio Scarano, des Kirchenmanagers und zentralen Rechnungsprüfers der Vatikan-Verwaltung, erschüttert den Staat des Papstes. Den Kurienkardinälen ist schnell bewusst, dass es sich um mehr handelt, als dass nur einer von ihnen bei äusserst kriminellen Geschäften erwischt wurde. Papst Franziskus will eine Epoche beenden, die Epoche einer im Vatikan seit über einem Jahrtausend äusserst lieb gewordenen Regel, die besagt: Wir Kirchenfürsten sind etwas Besseres und stehen über dem Gesetz. Papst Franziskus sieht das genau anders herum. Für ihn müssen sich Kirchenmänner im Gegenteil noch korrekter verhalten, als sie es von den Gläubigen fordern. (…)
Seite 311: Für Nunzio Scarano („Don 500“ genannt, weil er immer 500er-Noten auf sich trug), einen sehr reichen Finanzjongleur aus Salerno in Süditalien, der als Spätberufener zum Manager der Kirchenverwaltung APSA (Administrazione del Patrimonio della Sede Apostolica, siehe dort) aufstieg, bedeutet das Knast. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass Monsignor Scarano mehrfach Schwarzgeld über Konten der Vatikanbank IOR laufen liess. Die Ermittlungen, die ihn schliesslich ins Gefängnis bringen, stützen sich auf den Verdacht, dass er Barvermögen von über 20 Millionen Euro, das einer befreundeten neapolitanischen Reederfamilie gehört haben soll, mit einem Privatjet schwarz über die Grenze nach Italien und in den Vatikan bringen wollte. Die Staatsanwaltschaft geht dabei einem für den Vatikan fatalen Verdacht nach, dass jahrzehntelang viele reiche Italiener die Vatikanbank IOR systematisch dazu benutzten, Gelder zu waschen, Steuern zu hinterziehen und andere illegale Bankgeschäfte zu tätigen, dies alles unter dem Deckmantel der katholischen Kirche. (…)

OR Nr. 48 vom 27.11.2015, S. 4
Papst Franziskus hat am Dienstag, 24.11.2015, der Vatikanbank (Institut für die religiösen Werke) einen Besuch abgestattet. Bei diesem Anlass ernannte er zum Generaldirektor der Einrichtung: Dr. Gianfranco Mammi, bisher Vizedirektor des Instituts.

OR Nr. 20 vom 20. Mai 2016, S. 4
Laut dem vom „Istituto per le Opere di Religione“ („Institut für die religiösen Werke“) veröffentlichten Jahresbericht lag der Nettogewinn des IOR bei 16,1 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte er 69,3 Millionen Euro betragen. Das Betriebsergebnis der Bank lag 2015 bei 42,8 Millionen Euro; im Vergleich zu 104,5 Millionen Euro im Jahre 2014. Die Bank verfolge ihre begonnene Transparenzinitiative weiter und habe im Zeitraum von Juni 2013 bis Dezember 2015 exakt 4’935 Konten geschlossen, hiess es in einer Mitteilung des IOR.

OR Nr. 24 vom 16.06.2017, S. 3
IOR schliesst wieder deutlicher im Plus

Das „Istituto per le Opere die Religione“ („Institut für die religiösen Werke/IOR“), allgemein bekannt als die Vatikanbank, hat 2016 nach einem mageren Vorjahresergebnis wieder mit einem deutlichen Gewinn von 36 Millionen Euro abgeschlossen. 2015 waren es 16,1 Millionen. Der Aufsichtsrat habe der zuständigen Kardinalskommission empfohlen, den gesamten Ertrag dem Heiligen Stuhl zuzuführen, hiess es in dem am Montag, 12. Juni 2017, veröffentlichten Jahresbericht des IOR. Die Höhe des verwalteten Kapitals betrug Ende 2016 dem Bericht zufolge nahezu unverändert 5,7 Milliarden Euro. Bei 3,7 Milliarden Euro handelte es sich demnach um Spareinlagen und Treuhandvermögen der weltweit rund 15’000 Kunden.
Zur Erlössituation wies das IOR darauf hin, das Ergebnis sei vor dem Hintergrund einer hohen Volatilität (Schwankungsbereich während eines bestimmten Zeitraumes, z. B. von Wertpapierkursen) der Märkte, politischer Instabilität aufgrund unerwarteter Wahlausgänge und eines niedrigen Zinsniveaus zustande gekommen. Die operativen Kosten sanken gegenüber dem Vorjahr erneut und betrugen 19,1 Millionen Euro (2015: 23,4 Millionen). Grund sei eine Rationalisierung der Verträge mit anderen Dienstleistern. Des Weiteren habe man im vergangenen Jahr das System interner Kontrollen konsolidiert (gefestigt) und verstärkt.

OR Nr. 22 vom 01.06.2018, S. 2
IOR veröffentlicht Jahresbericht 2017

Das „Institut für religiöse Werke“ (IOR) setzt nach eigenen Angaben seinen Konsolidierungskurs fort. So sei die Eigenkapitalquote von 64,5 % im Jahr 2016 auf 68,3 % gestiegen, teilte das Institut am 22. Mai 2018 in seinem Jahresbericht für 2017 mit. Ausserdem verstärke man die Politik, Investitionen nach ethischen (sittlichen) und nachhaltigen Grundsätzen auszurichten, heisst es on einer Erklärung der „Vatikanbank“. Gemäss dem Aufruf des Papstes in seiner Enzyklika „Laudato si'“, sich für „das gemeinsame Haus“ einzusetzen, gälten für Investitionen des IOR die Kriterien „sozialer Unternehmensverantwortung“ sowie der „Schaffung einer nachhaltigen Zukunft“. Man werde sich weiter aus Investitionen in Unternehmen zurückziehen, die Menschenrechte und Arbeitsstandards ungenügend berücksichtigten oder gar verletzten oder die sich nicht im Kampf gegen Korruption und Umweltvergehen  engagierten.
Wirtschaftlich sei das Reinergebnis von 36 Millionen Euro im Jahr 2016 zwar auf 31,9 Millionen gesunken. Im vorletzten Jahr habe es aber noch 13 Millionen aus ausserordentlichen Auflösungen von Rückstellungen enthalten, heisst  es indem Bilanzbericht. Das Gesamtvermögen der vom IOR noch betreuten 15’000 Kunden sank von 5,7 Milliarden Euro im Jahre 2016 auf 5,3 Milliarden im vergangen Jahr. Fortgesetzt worden seien auch die Bemühungen, die eigenen Kosten zu senken. Diese habe man von 19,1 Millionen Euro im Jahre 2016 auf 18,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr senken können.
Der Bilanzbericht war am 24.04.2018 vom Aufsichtsgremium einstimmig verabschiedet und vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte & Touche geprüft worden.
(Wikipedia: Deloitte Touche Tohmatsu Limited (DTTL) ist ein internationales Unternehmen der Wirtschaftsbranche in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Risk Advisory, Steuerberatung, Financial Advisory und Consulting für Unternehmen und Institutionen aus allen Wirtschaftszweigen. Sitz ist London. Mit einem weltweiten Netzwerk von Mitgliedsgesellschaften in mehr als 150 Ländern und rund 263’900 Mitarbeiter/innen erzielte Deloitte im Geschäftsjahr 2016/2017 einen Umsatz von 38,8 Milliarden US-Dollar.)

Schweizer Fernsehen, Eco, 04.06,2018, 10.55 Uhr
Der Vatikan, sein Geld und seine Probleme (Auszüge)

  • Die Vatikanbank (IOR) hatte im Jahre 2017 Kundengelder im Werte von 5,3 Milliarden Euro zu verwalten.
  • Die Vatikanbank ist in seiner Grösse vergleichbar mit der Glarner Kantonalbank (Kanton Glarus CH)
  • Der ehemalige IOR-Präsident A. Caloia musste wegen Geldwäscherei und Veruntreuung vor Gericht. Er soll die Vatikanbank um 50 Millionen Euro geschädigt haben.
  • Im Jahre 2013 erschien erstmals ein Jahresbericht der IOR.
  • Im Jahre 2017 wurden 150 verdächtige Transaktionen bei der IOR an die vatikanische Justiz angezeigt.  Im Jahre 2015 waren es über 500.
  • Der Fribourger Jurist René Brülhart, seit 6 Jahren bei der IOR um Transparenz bemüht, hat folgende Ziele: skandalfreie Vatikanbank bleiben! Was für Kunden haben wir? Welche Kunden wollen wir? Wir haben inzwischen mehr als 5’000 Kundenbeziehungen aufgelöst (ein Viertel aller Kunden).

→Nuzzi G., Erbsünde, 2018, S. 125

Von Freyberg, Präsident des IOR, am 3. Juli 2013:
Wir verwalten die Gelder des Heiligen Stuhles, der Diözesen, der männlichen und weiblichen Kongregationen, in einer Gesamthöhe von über 2 Milliarden. Diese Konten bilden unsere wichtigste Nutzergruppe. Es gibt auch Einzelpersonen, 13’000 an der Zahl; diese sind vor allem die Angestellten und Rentner des Heiligen Stuhls, des Vatikanstaates und des IOR. Dann gibt es eine Gruppe von mehr oder weniger 1’400 Personen, die nicht im engsten Sinn zu dieser katholischen Welt gehören: die diplomatischen Missionen, Diplomaten und ehemalige Diplomaten beim Heiligen Stuhl, nicht unsere, sondern die, die zu uns kommen, und es sind ehemalige Beziehungen des Heiligen Stuhles: das ist eine sehr unterschiedliche Gruppe. Da sind viele Erbschaften, ausserdem haben wir aus Gründen der Tradition diese Kundschaft. Wir verwalten mehr  oder weniger 7 Milliarden, 5 Milliarden in unserem eigenen Haushalt und 2 Milliarden von Dritten. Die Nutzer hinterlegen ihre Mittel bei uns, und wir investieren sie vor allem in Staatsanleihen und bei anderen Banken. Wir geben nur ganz wenig Kredit. Bei einer Bilanz von 5 Milliarden haben wir Kredite über nur 25 Millionen. Unsere Hauptaufgabe besteht darin, das Vermögen zu schützen, nichts weiter, daher gibt es bei uns keine Swap-Geschäfte (ausserordentliche Geschäfte) oder Hedgefonds (unterschiedliche Anlagestrategien). Es ist eine reine Tätigkeit des Vermögensschutzes. Es gibt noch einen zweiten Dienst, den wir leisten, und das ist der Zahlungsdienst, der für unsere Nutzer wichtig ist, vor allem für die Kongregationen, die viele Aktivitäten in der Welt haben.

OR Nr. 25 vom 21.06.2019, S. 3
Vatikanbank legt Jahresbericht 2018 vorVatikanstadt. Die Vatikanbank IOR setzt ihren Kondolisierungskurs nach eigenen Angaben fort. So sei die Eigenkapitalquote von 68,3 %  im Jahr 2017 auf 86,4 % gestiegen, teilte das Institut für Religiöse Werke (IOR) in seinem Jahresbericht für 2018 mit. Ausserdem habe man die Kriterien für Investitionen nach ethischen und nachhaltigen Grundsätzen verfeinert, heisst es in einer Erklärung des Instituts. So habe die Bank zum Stichtag 31.12.2018 über ein Eigenkapital nach Gewinnausschüttung von 637 Millionen Euro verfügt. Die Ausgaben sind demnach gegenüber dem Vorjahr um knapp 15 % von 18,7 auf 16 Millionen Euro gesenkt worden. Derzeit habe das IOR knapp 15’000 Kunden, die über Gesamteinlagen in Höhe von 5 Milliarden Euro verfügten.
In seiner Anlagepolitik richte sich das Geldinstitut nach Grundsätzen der katholischenSoziallehre und unterstütze etwa nachhaltige Entwicklungsprojekte in armen Ländern. Das Institut ist in den vergangenen Jahren einem längeren Reformprozess unterzogen worden. Um internationalen Finanzstandards insbesondere gegen Geldwäsche zu genügen, waren alle Konten geprüft und tausende geschlossen worden.

→Finanzen        →Finanzgeschäftsgesetz (Geldwäsche)                 →Skandale?
siehe auch:        Nebenregister „Bank des Vatikan – Organigramm“