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Radio EWTN International

Kath. Wochenzeitung Nr. 15 vom 13.04.2012

WEWN, der Radiosender des weltweit grössten katholischen Fernsehsenders EWTN (Eternal Word Television Network), feiert sein 20-jähriges Bestehen. Am 7. März 1992 war der Radiosender, gegründet ebenso wie EWTN von der Franziskanerklarissin Mutter Angelica (Angelica Rizzo PCPA, *20.04.1923 in Canton, Ohio, +27.03.2016), erstmals „on air“ gegangen. Das berichtet der National Catholic Register.

Inzwischen hat der Sender EWTN 187 Partnerunternehmen. EWTN-Radio erreicht über 130 Millionen Zuhörer. Von den 35 regionalen Radiomärkten der USA kann EWTN-Radio in 19 empfangen werden. „Wahrscheinlich wäre heute niemand von uns Mitarbeitern der katholischen Radios hier, ohne Mutter Angelica und ihr Engagement, Programmgestaltung über Satelliten für jeden bereitzustellen, der eine AM- oder FM-Radiostation starten kann“, berichtet Douglas Shermann, Präsident der Zweiggesellschaft Immaculate Heart Radio. Ein Ausbau der Stationen erfolgt laufend. „Wir haben zwei Aufgaben: in den Himmel zu kommen und so viele Menschen wie möglich mitzunehmen“, bringt es Mitarbeiter Philip Rivers, Quarterback bei den San Diego Chargers, auf den Punkt. „Eine einfache Radiostation hat Einfluss auf Millionen.“

Erzbischof Joseph Naumann von Kansas City sagt: „ Ich denke, der Herr stattet uns in diesem Augenblick mit diesem sehr machtvollen und effektiven Mittel aus, um unser Volk zu erziehen. Ich betrachte katholisches Radio als das effektivste Mittel zur Erwachsenenbildung, das ich habe.“ Es sei ein sehr niederschwelliger Zugang für Menschen, die nicht mit dem Glauben vertraut sind.

EWTN-Fernsehen im Internet: EWTN, dann leavestream

Radio Gloria (Schweiz)

Kath. Wochenzeitung Baden 37/2018 September, S. 11
Radio Gloria – 10 Jahre katholisches Radio für die Schweiz

(…) Nach dem rudimentären Beginn läuft seit dem 13. Mai 2008 – dem Fatimatag – das Vollprogramm vom Studio im Kloster Baldegg (Kt. Luzern) und bereichert die Medienlandschaft in der Deutschschweiz und im Wallis mit einem informativen und unterhaltsamen katholischen Programm: Gottesdienste und Gebetsstunden, Lebenshilfe-Sendungen, Katechesen, Familiensendungen, Kinder- und Jugendsendungen, Nachrichten aus Kirche und Welt. Radio Gloria will die modernen Medien (Digitalradio, DAB+, Satellit, Kabelnetz, Internet) für dire lebendige, inspirierende und hoffnungsvolle Botschaft Christi benützen. Pfr.-Adm. Daniel Bühlmann, Geistlicher Begleiter von Radio Gloria.

Radio Vatikan (neu: Vatican News)

Tel. Administration: 06 698 838 22, Deutsches Programm: 06 698 841 01. 400 Mitarbeiter, Stand Anfang 2014.

Radio Vatikan ist ein internationales Radioprogramm des Heiligen Stuhles (also nicht des Staates), das die Aufgabe hat, über die Tätigkeiten des Vatikan, der römisch-katholischen Kirche und allgemein über andere Kirchen zu berichten sowie die katholische Lehre weiterzutragen.

Der erste Rundfunksender wurde im Vatikan (in den Gärten unterhalb des Johannes-Turm) am 12.02. 1931 eingeweiht von Guglielmo Marchoni mit den ersten lateinischen Worten von Pius XI. (1922-39). 1957: Einweihung von Santa Maria di Galeria: ~20 km nördlich von Rom mit riesigem Mastenareal für Mittel- und Kurzwellensendungen grösserer Reichweite (Parzellenbesitzer: Universität Gregoriana bzw. Vatikan).

Die Direktion verwaltet im Vatikan mit Sendebüros vor der Engelsburg, Piazza Pia. Die Produktion befindet sich im Palazzino Leone XIII in den vatikanischen Gärten, oberhalb des Adlerbrunnens. Die Leitung des Senders ist an die Jesuiten übertragen.

Übersicht über die Programme und Sendesprachen (in 47 Sprachen weltweit, Stand 2007):

Kanal 1
Radio Vaticana „One-O-Five“: Italienisch, Französisch, Englisch und Spanisch

Kanal 2
Deutsch (Nachrichten 16 Uhr), Arabisch, Tschechisch, Kroatisch, Esperanto,
Französisch, Englisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Slowakisch, Slowenisch,
Spanisch, Ungarisch

Kanal 3
Albanisch, Arabisch, Armenisch, Weissrussisch, Bulgarisch, Esperanto, Philippinisch,
Französisch, Englisch, Lettisch, Litauisch, Rumänisch, Russisch, Skandinavisch,
Ukrainisch

Kanal 4
Amharisch, Chinesisch, Französisch (Afrika), Japanisch, Hindi, Englisch (Afrika),
Englisch (Indien), Swahili, Malealam, Portugiesisch (Afrika), Somalisch, Spanisch,
Tamilisch, Tigri, Vietnamesisch

Kanal 5
Deutsch (Magazin ab 18 Uhr), Arabisch, Französisch, Englisch, Italienisch

Sendungen in Deutsch täglich fest: 16.00 Uhr, 20.20 Uhr, 6.20 Uhr: 5885 kHz, 7190 kHz, 7250 kHz.
Im Internet 24 Stunden lang: www.radiovaticana.de

OR vom 29. Mai 2009:
Radio Vatikan, seit 78 Jahren der Sender des Papstes, will sich künftig auch über Werbung finanzieren. Das teilten der Generaldirektor P. Federico Lombardi SJ und der Verwaltungschef Alberto Gasbarri bei einer Pressekonferenz mit. Das Projekt, das am 6. Juli 2009 beginnen soll, gilt den Angaben zufolge vorerst nur den UKW-Kanal 105. Die auf Mittel- und Kurzwelle verbreiteten Programme in etwa 40 unterschiedlichen Sprachen seien nicht betroffen. Als erster wird der italienische Energiekonzern Enel Werbespots in fünf Sprachen ausstrahlen.

OR Nr. 7 vom 18.02.2011:
Der Generaldirektor von Radio Vatikan, P. Frederico Lombardi SJ, kündigte einen neuen Dienst namens „Vatican Tic“ an. Dieses System auf der Internetseite des Senders biete eine Kalender- und Suchfunktion für Termine des Papstes und liste alle veröffentlichten Beiträge dazu auf. „Vatican Tic“ könne leicht mit der neuen Informationsseite des Vatikan verbunden werden, die derzeit vom Päpstlichen Rat für die sozialen Kommunikationsmittel entwickelt werde, erklärte P. Lombardi.

Via Kurzwelle, Satellit und Internet verbreitet Radio Vatikan regelmässige Sendungen in 45 Sprachen. Zu jährlich knapp 150 Live-Übertragungen von Papstzeremonien kommen ein nachrichtlich-kulturelles Programm sowie Liturgiesendungen und Musik.

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 123:
Oben auf dem Monte Vaticano angekommen, weht der Wind schon heftiger, und karger Fels stösst sich an der Viale della Radio aus der Parklandschaft, Ein gewaltiges, metallenes Kreuz reckt sich in den Himmel (WA: in der Zwischenzeit mehrere Anlagen, Mai 2011). Es ist die Sendeanlage von Radio Vatikan.

Am 12. Februar 1931 um 16.49 Uhr war überall auf der Welt eine Stimme zu hören, es war die Stimme des Papstes Pius XI. (1922-39), und sie war allgegenwärtig, klar und klug. Das Wunder war allerdings nur einem Bologneser Bauernsohn namens Guglielmo Marconi zu verdanken, dem Erfinder des Radios – und Konstrukteur des Senders „Radio Vatikan“: „Indem wir uns von diesem Ort aus als Erster“, so sprach der Papst, „der wunderbaren Erfindung Marconis bedienen dürfen, wenden wir uns an die ganze Welt und an alle Menschen. Wir verkünden ihnen mit den Worten der Heiligen Schrift: Höret o Himmel, was ich zu sagen habe. Die Erde hörte die Worte aus meinem Munde. O höret alle Völker.“ Auf Kurzwelle, Meter-Band 19,84 und 50,26 m.

Marconi selbst erklärte, nicht weniger ergriffen: „Die elektrischen Wellen werden in alle Welt, durch den Raum Sein Wort des Friedens und des Segens tragen. Rund 20 Jahrhunderte lang hat der Pontifex Roms die Welt das Wort Seines Göttlichen Lehramtes hören lassen. Aber dies ist das erste Mal, dass Seine lebendige Stimme gleichzeitig auf der ganzen Erdoberfläche wahrgenommen werden kann. Mit der Hilfe Gottes, der so viele geheimnisvolle Kräfte der Natur der Menschheit zur Verfügung stellt, konnte ich dieses Instrument erbauen, um den Gläubigen der ganzen Welt den Trost der Stimme des Heiligen Vaters zu spenden.“

Die erste Sendeanlage stand in dem kleinen Gebäude gegenüber des Collegio Etiopico. Dann, im Jahr 1936, zog die päpstliche Sternwarte um ins dunkle Castel Gandolfo, und in der Palazzino Leo XIII. (1878-1903) – benannt nach dem ersten Papst, der je eine Schallplatte besprach – wurden Räume frei. Das Gebäude ist eingefasst von den letzten Resten der alten Leonischen Mauer und ist von weitem an seinem Rundturm mit dem Sendemast darüber zu erkennen.

Zunächst wurde über einen Kurzwellensender von 15 Kilowatt in alle Welt gesendet. Während des 2. Weltkrieges war „Radio Vatikan“ die einzige unabhängige Stimme im Bereich der Achsenmächte (WA: Jeweils am Freitagabend von 19.10 bis 19.25 Uhr strahlte damals „Radio Beromünster/Schweiz“ die von Prof. Jean Rudolf von Salis unzensierte Sendung „Weltchronik“ zum aktuellen Weltgeschehen aus.). Die französische Résistance transkribierte (Sprach- oder Schriftumwandlung) die Sendungen und verbreitete sie. Goebbels drohte des Öftern mit der Erstürmung des Vatikans, falls der Sender sich nicht mässigte (WA: Warnungen von Goebbels auch an die Schweiz). Im Januar 1940 nahm das „Ufficio Informazioni“ seinen Dienst auf, ein Informationsbüro, das bis 1946 1,2 Millionen Suchmeldungen (oder 12’105 Stunden Sendezeit) von Familien ausstrahlte.

Seit jeher beginnt das Programm mit dem Glockenschlag von St. Peter und dem Satz „Laudetur Jesus Christus“ – „Gelobt sei Jesus Christus“.

1957 liess der Papst auf einem extraterritorialen Acker, der dem „Collegium Germanicum et Hungaricum“ gehörte, 18 km von Rom entfernt, bei Santa Maria di Galeria eine grosse Sendeanlage bauen. Eine Drehantenne auf dem Gelände ist über 100 m hoch. Mit den Kurzwellensendern sind alle Teile der Welt erreichbar, die Mittelwellenprogramme sind bei Dämmerung oder Dunkelheit in fast ganz Europa zu hören. Nach jahrelangen Protesten der Anwohner über Elektrosmog wurde 2007 die Ausstrahlung eines Teils der Mittelwellensendungen auf eine Sendeanlage von Radio Montecarlo verlagert.
→Amtssprache

Kirche heute 26/2012 Juni, S. 2:
Radio Vatikan geht ins Netz

Nach 80 Jahren Nachrichtenvermittlung durch das Medium Radio, wird Radio Vatikan seine Nachrichten in Zukunft vermehrt durch das Internet vermitteln. Zum 1. Juli 2012 stellt der Sender den Grossteil seiner Übertragungen durch das Radio ein und setzt stattdessen auf neue Kommunikationstechnologie, insbesondere auf das Internet. Der Sender halbiert zur Jahresmitte seinen Output. Radiosendungen für Amerika und Europa werden eingestellt und nur noch Richtung Afrika und Asien gesendet. Im Internet sind die Nachrichten von Radio Vatikan in 40 Sprachen und 13 Alphabeten zu lesen.

OR Nr. 25 vom 22. Juni 2012, S. 7 (…)
Das vatikanische Übertragungszentrum in Santa Maria di Galeria nördlich von Rom halbiert ab Jahresmitte seinen Output und sendet künftig praktisch nur noch Richtung Afrika und Asien. Das spart dem Papstradio Energiekosten. Es spart zudem Frequenzgebühren und reduziert den Elektrosmog.

Im deutschen Sprachraum werde Radio Vatikan bedeutend häufiger über Internet gehört als über Kurzwelle, sagte der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, P. Bernd Hagenkord SJ.

OR Nr. 29 vom 20. Juli 2012, S. 12, Dr. Christine Grafinger:
Zum 75. Todestag von Guglielmo Marconi, dem Erfinder der modernen Telekommunikationssysteme und Erbauer der ersten Radiostation im Vatikan (oberhalb des äthiopischen Kollegiums)

Der italienische Naturwissenschaftler Guglielmo Marconi leistete mit seinen Experimenten einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der modernen Kommunikationssysteme (Radio und Fernsehen). Für seine Forschungen wurde er am 10. Dezember 1909 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Er starb am 20. Juli 1937 an den Folgen eines Schlaganfalls. (…)

Für seine Verdienste erhielt Marconi zu Lebzeiten 12 Ehrenbürgerschaften, 16 Ehrendoktorate und 25 weitere Auszeichnungen höchsten Ranges. Nach einem Schlaganfall am 19. Juli 1937 verstarb er am Morgen des folgenden Tages. Der angesehene Erfinder erhielt ein Staatsbegräbnis, und nach der Fertigstellung des Mausoleums am Familiensitz der Villa Griffone bei Bologna wurde sein Leichnam 1941 dorthin überführt.

Sein Bildnis zierte von 1990 bis zur Einführung des Euro (01.01.2001) den 2000-Lire-Schein. Im Jahre 1938 wurde der Ort Sasso Bolognese in Sasso Marconi umbenannt. Der Flughafen von Bologna trägt auch den Namen Marconi und in Rom wurde eine Universität ihm zu Ehren eingerichtet („Università degli Studi Guglielmo Marconi“). Im Jahre 2009 wurde in Ancona ein Museum zur Erinnerung an den berühmten italienischen Erfinder eröffnet. In Würdigung seiner Leistungen tragen ausserdem der Asteroid (1332) Marconia und ein Mondkrater auf der Rückseite des Mondes seinen Namen.

OR Nr. 42 vom 16.10.2015, S. 4
Radio Vatikan bietet seine Informationen ab 9. Oktober 2015 auch auf Koreanisch an. Diese  sind auf der Webseite des Papstsenders unter kr.radiovaticana.va  abrufbar. Ein Hörprogramm sei derzeit nicht vorgesehen, teilte der Sender mit. Gestaltet wird der Internetauftritt von einer koreanischen Ordensfrau. Das Vorhaben sei seit längerer Zeit geprüft worden und hatte mit dem Papstbesuch in Südkorea im August 2014 neuen Auftrieb erhalten. Die dortige Kirche gilt als besonders dynamisch, etwa 11 % der Südkoreaner sind katholisch. Mit der koreanischen Abteilung unterhält Radio Vatikan nun insgesamt 39 Sprachabteilungen, die in über 40 Sprachen senden.

OR Nr. 8 vom 26.02.2016, S. 4
Neuer Interims-Chef bei Radio Vatikan

Zum Monatsende scheiden der Intendant wie der Verwaltungsdirektor von Radio Vatikan, Jesuitenpater Federico Lombardi (73) und Alberto Gasbarri (70), aus ihren Ämtern aus. Verantwortlicher Leiter des Senders wird ab 1. März 2016 „ad interim“ Giacomo Ghisani, bislang Chef der Abteilung für internationale Zusammenarbeit. Nicht betroffen von dieser Verfügung ist das Amt Lombardis als Leiter des vatikanischen Presseamtes.

Die katholische Nr. 1 im Internet: domradio.de
Mit Gottesdiensten und Auslegung des Evangeliums vom Tage.

OR Nr. 49 vom 08.12.2017, S. 3
Das vatikanische Mediensekretariat und die italienische Vatikanbotschaft werden mit einer grossen Veranstaltung am 15. Dezember 2017 des vor 80 Jahren verstorbenen Radiopioniers und Physik-Nobelpreisträgers Guglielmo Marconi (1874-1937) gedenken. Marconi hatte auch bei der Gründung von Radio Vatikan im Jahre 1931 Pate gestanden.

OR Nr. 49 vom 08.12.2107, S. 4
Radio Vatikan und das römische Gefängnis Rebibbia arbeiten zusammen: In der Adventszeit strahlt der Sender täglich eine 6 Minuten lange Bibelauslegung von Strafgefangenen aus. An dem Projekt mit dem Titel „Il Vangelo dentro“ (Das Evangelium drinnen“) beteiligen sich 11 Insassen der Haftanstalt.

Kirche heute 19/2018, S. 3
Die Schweizer Stimme bei Vacitan News (Radio Vatikan)

Mario Galgano (38) ist in Schwyz geboren und aufgewachsen. Der Historiker war Informationsbeauftragter und Sprecher der Schweizer Bischofskonferenz. Seit 2006 ist er die Schweizer Stimme des deutschsprachigen Programms von Radio Vatikan, das 2017 in Vatican News umgewandelt wurde. Galgano ist verheiratet und hat zwei Töchter.
Bei Vatican News sind laut Galgano 650 Personen angestellt. Damit sei das Medienunternehmen der zweitgrösste Arbeitgeber sowie der grösste Budgetposten im Vatikan (WA: dem Heiligen Stuhl zugeteilt). Radio Vatikan sendet in 40 Sprachen, 7 davon wurden im Rahmen der Reform der vatikanischen Medien bereits in Vatican News überführt (deutsch, italienisch, englisch, französisch, spanisch, portugiesisch un polnisch). Die Medienreform ist nach der Wirtschafts- und  Finanzreform die zweite Etappe der Kurienreform des Papstes. sys

Webseiten, Adressen →Internet

Rangordnungen in der röm. kath. Kirche

→ Papstbasiliken

Räte, Päpstliche (11): Adressen

Organe mit fördernden Funktionen. Vorsteher: Präsident

    ♦ Piazza di San Calisto Nr. 16 (Trastevere, links von der Kirche S.
.   Maria in  T
rastevere):

1. Päpstlicher Rat „Cor Unum“, Tel. 06 698 871 76
2. Päpstlicher Rat für die Kultur, Tel. 06 698 938 11
3. Päpstlicher Rat für die Familie, Tel. 06 698 872 43 (Juli 2016: wird
.   umstrukturiert)
4. Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden, Tel. 06 698 799 00
5. Päpstlicher Rat für die Laien, Tel. 06 698 871 94
6. Päpstlicher Rat für die Migranten u. Menschen unterwegs, Tel. 06 698
.   871 16

    ♦ Piazza Pio XII. Nr. 10 (links, Richtung Petersplatz):

7. Päpstlicher Rat für die Interpretation von Gesetzestexten, Tel. 06 698
.  840 08

    ♦ Via della Conciliazione Nr. 3 (rechts, Richtung Petersplatz):

8. Päpstlicher Rat für die Pastoral im Krankendienst, Tel. 06 698 831 38

♦ Via della Conciliazione Nr. 32/34 (rechts, Richtung Peterspl.) bzw. Via
.  dell’Erba 1:

9.   Päpstlicher Rat für den interreligiösen Dialog, Tel. 06 698 843 21
10. Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Tel. 06 698
.     847 94

♦ Via della Conciliazione Nr. 5 :

11. Päpstlicher Rat für die sozialen Kommunikationsmittel, Tel. 06 698
.    851 27
.    (erscheint im Organigramm des OR 30/31 vom 29.07i.2016 nicht
.    mehr; dafür als Institution das „Kommunikationssekretariat“ mit
.    Fernsehen, Radio;
.    Zeitung OR, Verlagsbuchhandlung, Presseamt, Druckerei,
.    Fotoservice,
.    Internet-Dienst)

Via della Conciliazione , gegründet im Jahre 2010:

12. Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung in der
.     säkularisierten  westlichen Welt

Man kann behaupten, dass sich keine einzige Kongregation (Regierungsorgan),  kein einziger Päpstlicher Rat (mit fördernder Funktion) noch die drei Gerichtshöfe des Heiligen Stuhles auf dem Gebiet des Staates der Vatikanstadt befinden, wohl aber alle auf vatikanischem Hoheitsgebiet.

OR Nr. 43 vom 26.10.2012, S. 3:
Der Vatikan regelt die Zuständigkeiten für den Kulturbereich neu. Die bislang eigenständige Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche wird zu einer Abteilung des Päpstlichen Rates für die Kultur, wie der Präsident des Päpstlichen Rates, Kardinal Gianfranco Ravasi, in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung des Osservatore Romano ankündigte. Die Umstrukturierung erfolge zum 3. November 2012. Zweck seien die Bündelung der Kompetenzen sowie Synergieeffekte.

→Conciliazione →Adressen (5 Dateien)  →Kongregationen  →Organigramm

Rauchverbot im Vatikan

Es wird gehandhabt wie in Italien in Mensen, Museen, Banken, Post (öffentliche Gebäude). Es gilt seit 1. Juli 2002. Das Gesetz gilt auch in vatikanischen Dienstfahrzeugen.

Alexander Smoltczyk:
Seit Juli 2002 ist im Vatikan ein Rauchverbot in Kraft, es gilt für Büros und Dienstwagen. Zuwiderhandlungen werden mit Euro 30 bestraft. Die katholische Morallehre hat Rauchen nie als Sünde definiert. Der Katechismus warnt lediglich vor „Nikotinsucht“. Noch Papst Pius IX. (1846-78) hatte 1863 in Trastevere eine Zigarrenfabrik bauen lassen, die lateinische Inschrift ist noch heute über dem Eingang an der Piazza Mastai (zwischen Viale Trastevere und dem Tiber, im Tiberknie) zu lesen: “PIUS IX.OFFICINAM NICOTIANIS FOLIIS ELABORANDIS A SOLO EXTRUXIT. ANNO MDCCCLXIII“. Die Tabakfabrik existiert immer noch. Einer seiner Vorgänger, Benedikt XIV. (1740-58), war selbst ein fanatischer Raucher und schaffte im Kirchenstaat die Tabaksteuer ab. Jüngere Forderungen von Nichtrauchergruppen, das gesamte Staatsgebiet zur tabakfreien Zone zu erklären, hat der Vatikan bislang abgelehnt.
→Drogen

Rechtsordnung, vatikanische

→Strafgesetz

Rechtsquellen von Italien
→Staat der Vatikanstadt, kursiv

Rechtsträger/Rechtskörper des Vatikan
→Begriffe Körperschaften (Nebenregister)

Reformierte Christen/Reformation

→Christen, Reformierte Christen, Reformation 
→Austritte aus der Kirche
→Evangelische Kirche

Reingewinne Hl. Stuhl, Staat der Vatikanstadt

→Buchstaben Fa-Fz, Nebenregister „Finanzen, Resultate …
→Buchstaben Fa-Fz, Finanzen Hl. Stuhl und Staat der Vatikanstadt

Reiseführer Rom

OR Nr. 14 vom 8. April 2016, S. 14
Online-Reiseführer durch 2000 Jahre Religion und Kultur in Rom

  • Das römische Kultur- und Tourismusministerium hat einen Online-Reiseführer zum Heiligen Jahr herausgegeben. Er führt auf 20 Routen durch 2000 Jahre Kirchen- und Kulturgeschichte der Ewigen Stadt. Entlang dieser Touren werden insgesamt 354 Sehenswürdigkeiten in kurzen Texten auf Italienisch und Englisch vorgestellt. Beigefügt sind jeweils Smartphone-taugliche Strassenkarten. Auch ein Plan zur Bewältigung der Touren mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist abrufbar. Die Routen durch die 20 Jahrhunderte seien meist gut an einem Tag zu Fuss zu schaffen, heisst es in der Einführung.
    Beispiele von Rundgängen:
  • Erste Route ist den Stadtpatronen Petrus und Pauls gewidmet. Sie führt auf 18 Etappen von der Via Appia mit der Sebastians-Katakombe und der Kirche Quo Vadis zum Marmertinischen Kerker, wo Petrus der Überlieferung nach eingesperrt war, und schliesslich zum über seinem Grab errichteten Petersdom. Ziele des Rückwegs sind die Basilika St. Paul vor den Mauern und die Kirche Tre Fontane, wo Paulus enthauptet wurde.
  • Zweiter Rundgang. Thema: frühchristliche Märtyrer. Kolosseum, Circus Maximus, Basilika der Heiligen Cäcilia.
  • Weitere Route: sie verbindet Kirchen, die über oder in heidnischen Tempeln entstanden sind: Pantheon, Santa Maria in Aracoeli auf dem Kapitol, San Clemente.
  • Andere Touren führen um die Mauern Roms, zu den Obelisken der Stadt, ihren Brunnen, den historischen Gärten oder auch verehrten Ikonen und Bildern.
  • Ein Gang zeigt Bauten und Monumente, die in Heiligen Jahren entstanden sind oder dort eine besondere Rolle spielten: etwa den Ponte Sisto, den Papst Sixtus IV. zum Heiligen Jahr 1475 über den Tiber bauen liess und den Fluchtkorridor vom Vatikan zur Engelsburg, den Alexander VI. zum Jahre 1500 fertigstellte.
  • Auch das Rom Michelangelos, Berninis, Goethes oder Canovas lässt sich entdecken.
  • Originell ist etwa die Tour der Tierfiguren, die bei der Kapitolinischen Wölfin beginnt und vorbei am Pferd Mark Aurels zum Elefanten-Obelisken und den Brunnen der Schildkröten, der Delfine, der Bienen und der Frösche führt.
  • Die Tour der „1’000 Religionen in Rom“ umfasst 16 Etappen, und schliesst den nicht-katholischen Friedhof, die Kirchen verschiedener christlicher Gemeinschaften, das jüdische Viertel, die Grosse Moschee und den Buddhistischen Tempel ein.

Reisen des Papstes

Der Papst reist

  1. Als Staatsoberhaupt des Staates der Vatikanstadt (staatlich). Der Vatikanstaat garantiert völkerrechtlich die Unabhängigkeit des Hl. Stuhles (Lateranvertrag vom 11.02.1929)
  2. Als Völkerrechtssubjekt selbst bzw. als Inhaber des Hl. Stuhles, der nichtstaatliches Subjekt der völkerrechtlichen Beziehungen ist.
  3. Als Oberhaupt der röm. kath. Weltkirche (religiös, Pilger)

OR Nr. 48 vom 01.12.2017, S. 4
Die Leitung der angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft Alitalia traf am Sonntag vor dem Abflug nach Myanmar kurz mit Papst Franziskus zusammen. Das hochdefizitäre Luftfahrtunternehmen, das die Päpste seit Jahrzehnten für ihre Reisen nutzen, steht zum Verkauf.

Reiterprozessionen zum Lateran, Rom

Ulrich Nersinger, Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof, Seite 315:

Die Reiterprozession, die von St. Peter (oder in späteren Zeiten vom Quirinal) zum Lateran zog, war ein feierliches Geschehen, das eine reiche Symbolik in sich trug. Der Papst ritt bei dieser Kavalkade (Reitertrupp-Zug) auf einem weissen Pferd. Dass schon unter Papst Gregor dem Grossen (509-04) dieses Reittier einen festen Platz in den feierlichen Prozessionen des Papstes besass, bezeugt der erste Ordo Romanus. Die Päpste dürften es im Sinne der imitatio Imperii vom römischen Kaiser übernommen haben.

Das päpstliche Pferd sollte möglichst candissimus (glänzend weiss), ein weissgeborenes, d. h. ein *Albino sein. Das Sonnenross des Helios (griech. Sonnengott) und das Staatspferd des römischen Kaisers waren von weisser Farbe. Für die Begründung der Farbe „Weiss“ wurden auch biblische Stellen herausgezogen. Bei der Verklärung Christi „wurden seine Kleider weiss wie Schnee“. – Die Engel bei der Auferstehung und Himmelfahrt Christi trugen weisse Gewänder. – In der Geheimen Offenbarung des Johannes steht Weiss für die vollkommene Reinheit, den Sieg und die ewige Herrlichkeit. – „Dann sah ich den Himmel offen, und siehe, da war ein weisses Pferd, und der, der auf ihm sass, heisst ‚der Treue und Wahrhaftige’, berichtet Kapitel 19, Vers 11. usf.

Goldene Glöckchen und Schellen, die das Papstpferd schmückten, waren im byzantinischen Hofzeremoniell auszumachen, sie wurden jedoch auch mit dem Festornat des alttestamentarischen Hohenpriesters in Verbindung gebracht. – „Sie machten Glöckchen aus reinem Gold und befestigten die Glöckchen zwischen den Granatäpfeln am Saum des Mantels, ringsum zwischen den Granatäpfeln ein Glöckchen und ein Granatapfel abwechselnd ringsum am Saum des Mantels für den Dienst, wie es der Herr dem Mose befohlen hatte“ (Ex 39, 25-26).

Zum Besteigen des Pferdes benutzte der Papst eine kleine, dreistufige hölzerne Treppe, die mit rotem Stoff bespannt war. Beim Aufsteigen wurde dem Papst der Steigbügel vom höchsten der anwesenden Fürsten gehalten. Das Reiten auf einem weissen Pferd war in der Ewigen Stadt allein dem Papst vorbehalten, nur in ganz seltenen Fällen wurde es Personen als Privileg oder besondere Auszeichnung zugestanden, so als der Papst dem römischen Fürsten Don Marcantonio nach dem Sieg bei der Seeschlacht von Lepanto (1571) einen Triumph nach antiker Weise gewährte.

Wenn auch der Papst als einziger bei der Kavalkade einen auf eine besondere Art geschmückten Schimmel ritt, so waren doch noch andere weisse Pferde in der Prozession zu erblicken: 12 reiterlose Pferde, die rote, goldbordierte Decken trugen und von 12 Familiaren des Papstes geführt wurden – die Pferde standen symbolisch für die 12 Apostel. – Bis zum Beginn des 16. Jahrhundert lief ein weiterer Schimmel in der Kavalkade (Reiterzug) mit, das sogenannte Hostienross, auf dem das Allerheiligste Altarssakrament mitgeführt wurde.

*WA: Einem Albino, einem weiss geborenen Pferd, fehlen die Pigmente, d. h. die Farbstoffe. Es hat weisses Haar und rote Augen. Es ist nicht widerstandsfähig.

Reklamefrei (Vatikan)

Das ganze Gebiet des Staates der Vatikanstadt war bis im Frühjahr 2010 reklamefrei, bis in den linken Kolonnaden an zwei Orten grosse Reklameflächen für italienische Elektrokonzerne prangten. Im September 2010 waren die Reklameflächen wohl noch da, aber ohne Reklame.

Religion, allgemein

BaZ vom 4. Juli 2012, S. 5, SDA:
Religion lässt Individuen kalt – erhitzt jedoch die politische Debatte

Bern. Punkto Religion wächst in der Schweiz eine Kluft: Ihre Bedeutung im Privaten schrumpft, während sie als Zankapfel in Politik und Medien bedeutsamer wird. Zu diesem Schluss kommt das Nationale Forschungsprogramm „Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft“ (NFP 58) in seinem Schlussbericht.

Religion werde in den Medien, aber auch auf dem Schulhof und in der Politik oft zur Abgrenzung der „einheimischen“ von „fremden“ Gruppen benutzt, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) in einem Communiqué schreibt. Dies geschehe häufig im Zusammenhang mit gewalttätigem Handeln oder stereotypen Wahrnehmungen von Migranten.

Religion als „Privatsache“
Im Gegensatz dazu griffen einzelne Menschen immer seltener auf die traditionelle Religion zurück, schlossen die Forschenden, die für das NFP 58 die Religionslandschaften der Schweiz in 28 Projekten durchleuchtet hatten. Die grossen christlichen Kirchen verloren immer mehr Mitglieder und besonders unter den Jüngeren gelte Religion als „Privatsache“.

Trotz der Säkularisierung erführen manche Religionsgemeinschaften Zulauf, schreibt der SNF. Sie hätten zwar wenige, aber hoch engagierte Mitglieder, die eine konservative Lebensführung propagieren. „Diese Heterogenität (Ungleichartigkeit) verschärft das Verhältnis zwischen stark Religiösen und Religionsdistanzierten“, zitiert die Mitteilung Christoph Bochinger, Präsident der Leitungsgruppe des NFP 58.

Daher gelte es, den respektvollen Umgang zwischen den verschiedenen Gruppen zu fördern, sagt Bochinger. Die Leitungsgruppe empfiehlt deshalb den Behörden auf allen Ebenen, mehr für die Gleichstellung der religiösen Gruppierungen zu tun. Auch die neuen Gemeinschaften sollten bei politischen Aushandlungen berücksichtigt werden – aber ebenso säkuläre (weltliche) Gruppen wie die Freidenker. 

OR Nr. 42 vom 20.10.2017, S. 3
Wertschätzung anderer Religionen und Kulturen

Der Vatikan hat Hindus zur Achtung kultureller Vielfalt aufgerufen. Pluralismus und Verschiedenheit als Bedrohung für die Einheit zu sehen, führe zu Intoleranz und Gewalt, heisst es in einem am 16.10.2017 veröffentlichten Grusswort zum n hinduistischen Diwali-Fest. Unterschiedliche soziale, kulturelle und religiöse Praktiken und Bräuche müssten wertgeschätzt werden. Dazu gehöre auch, das „unveräusserliche Recht“ anderer anzuerkennen und auszuüben. Um eine friedlichere und harmonischere Gesellschaft zu schaffen, müsse man über blosse Toleranz hinausgehen, schrieb der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, in dem Grusswort.
→Schweiz    →Christen

Religionsfreiheit

Kath. Wochenzeitung Nr. 11 vom 16. März 2012:

Vatikan sieht wachsende religiöse Diskriminierung weltweit

70 % der Weltbevölkerung leben in Staaten mit stark eingeschränkter Religionsfreiheit.
Mehr als 2,2 Milliarden Menschen werden nach vatikanischen Angaben gegenwärtig weltweit an der freien Ausübung ihrer Religion gehindert. Dabei handle es sich um einen steigenden Trend, sagte der Vertreter des Heiligen Stuhles bei den Vereinigten Nationen in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, vor dem UN-Menschenrechtsrat. Zugleich habe die Gewalt gegen Christen in Afrika, Asien und dem Nahen Osten stark zugenommen. Dort sei die Zahl der Anschläge zwischen 2003 und 2010 um 309 % gestiegen. Christen seien jedoch keineswegs die einzigen Opfer. (…)

Der Vatikanvertreter verurteilte jede Form von religiös motiviertem Terrorismus und hob den Betrag der Religionen für den Frieden hervor. Religion sei keine Bedrohung, sondern eine Ressource für die Gesellschaft.

Kath. Wochenzeitung 38/2017 September, S. 11
US-Justizministerium an Höchstgericht: Religionsfreiheit schützen

In einer Stellungnahme im Fall eines christlichen Bäckers Jack Phillips pocht das Justizministerium auf die Einhaltung der Religionsfreiheit. Phillips hat sich 2012 geweigert, eine Torte für eine „Hochzeit“ Homosexueller anzufertigen. (Damit vollzieht die Regierung Trump eine Kehrtwendung um 180 Grad gegenüber der Haltung der Obama-Administration, vom Staatsterror gegen gläubige Christen zum Einsatz für die Religions- und Gewissensfreiheit. Red. KWZ)
Das Justizministerium der USA hat eine Stellungnahme zu Gunsten des christlichen Bäckers Jack Phillips aus Lakewood (Colorado) an den Obersten Gerichtshof übermittelt. Phillips war verurteilt worden, weil er sich geweigert hatte, eine Torte für die „Hochzeit“ eines homosexuellen Paares zu backen.
Im Gegensatz zu vielen Meldungen hat Phillips sich nicht prinzipiell geweigert, Homosexuelle zu beliefern. Er hat ihnen andere Produkte aus seiner Bäckerei angeboten. Er ist verurteilt worden, weil er es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, extra für eine „Hochzeit“ Homosexueller eine besondere Torte zu machen. Phillips war nach seiner Verurteilung gezwungen, einen Bereich seiner Geschäftstätigkeit einzustellen. Es ist ihm nun nicht mehr möglich, spezielle Torten entsprechend den Wünschen seiner Kunden herzustellen. Seine Bäckerei hat deshalb 6 ihrer 10 Mitarbeiter gekündigt. (…)

Religionslos

→Austritte in der Kirche

Reliquien

OR Nrn. 51/52 vom 22.12.2017, S. 3
Vatikan definiert Regeln zum Umgang mit Reliquien

Der Vatikan hat den kirchlichen Umgang mit Reliquien präzisiert. Dazu veröffentlicht die zuständige Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse eine zehnseitige Instruktion, die sich in erster Linie an Bischöfe richtet. Sie soll helfen, die Echtheit von Reliquien sicherzustellen und den Umgang mit ihnen zu klären. So etwa ist eine eigene vatikanische Genehmigung erforderlich, um den Leichnam eines Verstorbenen, der selig- oder heiliggesprochen werden soll, Gliedmassen zu entnehmen. Strengstens verboten bleiben der Verkauf und der Handel mit Reliquien. Im Kirchenrecht von 1983 regelt dies canon 1090.
Reliquien – vom lateinischen „reliquiae“ abgeleitet – sind wörtlich „Überreste“. Gemeint sind die sterblichen Überreste von als heilig verehrten Personen. Weiter gefasst fallen darunter aber auch Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände der Betreffenden oder Marterwerkzeuge sowie Dinge, die beispielsweise mit den Gebeinen eines Heiligen im Berührung kamen.
Die neue vatikanische Instruktion mit dem Titel „Die Reliquien in der Kirche: Echtheit und Aufbewahrung“ erklärt im einzelnen, wie Bischöfe kirchenrechtlich korrekt mit Bitten zur Anerkennung von Reliquien umgehen sollen. Zudem regelt sie, was bei der Aufbewahrung, Entnahme und Überstellung von Reliquien zu beachten ist.  Der Bischof, so die Instruktion, ist in diesen Dingen letztverantwortlich – allerdings stets in Absprache mit der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. So dürfen Reliquien von Seligen und Heiligen nur dann öffentlich zur Verehrung ausgestellt werden, wenn die kirchlich Verantwortlichen dies genehmigt haben und ihre Echtheit garantiert.
In ihrer Einführung erläutert die Instruktion weiter den Unterschied zwischen Primär- und Sekundarreliquien. Primäre Reliquien sind die Leichname von Seligen und Heiligen, Körperteile von diesen oder die Asche ihrer verbrannten Körper. Als Sekundärreliquien hingegen gelten kleinere Körperteile oder Objekte, die unmittelbar von ihnen berührt oder benutzt worden sind. Auch sie sollen in würdiger Weise und mit religiöser Ehrfurcht aufbewahrt und behandelt werden, „um jeden Anschein von Aberglauben oder Schacherei (abwertend für feilschend‘) zu vermeiden“.
Entsprechend müsse mit den sterblichen Überresten von Menschen umgegangen werden, für die ein Heilig- oder Seligsprechungsverfahren im Gang sei. Bis zu einer Entscheidung im Verfahren dürfen diese sterblichen Überreste allerdings nicht zur öffentlichen Verehrung ausgestellt werden.
Die jetzt vorgelegte Instruktion ersetzt einen Anhang der Instruktion „Sanctorum Mater“ („Mutter der Heiligen“) von 2008. Diese Richtlinie zu Seligsprechungsverfahren erinnerte an bestehende Normen und wollte juristische Abläufe zwischen dem Vatikan und den Bischöfen verbessern. Das Papier gab damals im Wesentlichen zwei unter Papst Johannes Paul II. verabschiedete Bestimmungen zu Seligsprechungen aus dem Jahr 1983 wieder.

Renaissance-Zeit

→Papstkinder

Renten, vatikanische

→Pensionen

Restaurants im Vatikan

→Verpflegung
Ein Restaurant/Pizzeria mit Selbstbedienung findet man in den vatikanischen Museen.
Arbeiter/Angestellte des Vatikans benutzen hie und da die Kantine der Garde für einen Weintrunk mit Faustbrot, sonst steht ihnen die eigene Mensa für die Mittagsverpflegung bei der Piazza Rita offen.

Restaurationspolitik der röm. kath. Kirche

HK, Ist die Kirche noch zu retten? S. 27:

Es erstaunt immer wieder, wie auch säkulare Zeitgenossen, die sich nicht der Kirche zugehörig fühlen, und ästhetisierende (nach den Gesetzen des Schönen urteilen) Intellektuelle sich blenden lassen von wieder verstärkter barocker Prachtentfaltung und von medienwirksamen liturgischen Inszenierungen, womit man in Rom eine starke Kirche und einen unangefochtenen Papst zu demonstrieren versucht. Doch kann aller sakrale Prunk nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Restaurationspolitik Johannes Pauls II. und Benedikts XVI. aufs Ganze gesehen gescheitert ist. Alle päpstlichen Auftritte, Reisen und Lehrdokumente vermochten die Auffassungen der meisten Katholiken in kontroversen Fragen nicht im Sinne römischer Doktrin zu verändern. Und selbst päpstliche Jugendtreffen, besucht vor allem von konservativen charismatischen Gruppierungen und gefördert von traditionalistischen Organisationen, konnten weder die Kirchenaustritte bremsen noch mehr Priesterberufe wecken.
→Unterregister „Päpste, wahlweise … (Benedikt XVI., Johannes Paul II.)

Restaurierungswerkstätten Vatikan/Italien

OR Nr. 23 vom 10.06.2016, S. 4
Restaurierungswerkstätten des Vatikan und Italiens unterzeichnen ein Abkommen

Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Restaurierungswerkstätten des Vatikan und Italiens wird seit kurzem in einem eigenen Abkommen geregelt. Am 31. Mai 2016 unterzeichneten der Direktor der Vatikanmuseen, Antonio Paolucci, und die Direktorin der Fachhochschule für Konservierung und Restaurierung (ISCR), Gisella Caponi, ein Dokument, das neben gemeinsamen Leitlinien für die wissenschaftliche Forschung einen Erfahrungs- und Informationsaustausch sowie die Ausarbeitung von theoretischen und praktischen Regelungen vorsieht, unter besonderer Berücksichtigung der planmässigen Konservierung und des Umweltmonitoring (Dauerbeobachtung der Umwelt). Ausserdem sollen Studenten des ISCR ein Praktikum in den Vatikanischen Museen absolvieren, während Fachleute aus dem Vatikan  an den Spezialisierungskursen des ISCR teilnehmen können.
Bisher fanden die  Beziehungen zwischen den beiden Restaurierungswerkstätten, die in die Gründungszeit des ISCR (1939) zurückreichen, auf informeller Ebene statt. Im von deutschen Truppen besetzten Rom liess 1944 der damalige Direktor des ISCR, Cesare Brandi, die modernen Geräte in den Vatikan bringen, um sie vor Beschädigung oder Beschlagnahmung zu schützen. In der Folgezeit waren gegenseitig Beratung und Zusammenarbeit üblich. Die seit 2008 dem italienischen Ministerium für Kulturgüter und Tourismus unterstellte Restaurierungswerkstatt, die sich in Trastevere befindet, geniesst international einen sehr guten Ruf.
Dasselbe gilt für die Einrichtung des Vatikan, wo 59 fest angestellte Restauratoren mit verschiedenen Spezialisierungen tätig sind (Fresko, Leinwand- und Tafelmalerei, Stein, Metall, Papier, Stoff, ethnographische Objekte). Hinzu kommen 43 Fachleute mit befristeten Arbeitsverträgen in den aktuell durchgeführten Projekten wie der Galerie der Landkarten, der Fresken in der Scala Santa, dem Konstantinsaal. Weitere 66 Freiberufler arbeiten an unzähligen kleineren Aufträgen für Kunstwerke der Sammlungen. Diese ansehnliche Zahl von Arbeitskräften (168) wird von den 11 Spezialisten der Abteilung „Wissenschaftliche Forschungen“ unter der Leitung von Prof. Ulderico Santamaria fachlich begleitet. Die Restaurierungswerkstätten des Vatikan haben ein durchschnittliches Jahresbudget von über 2 Millionen Euro.

Risorgimento (Wiedergeburt) Italiens

OR Nr. 40 vom 08.10.2010

Die letzten Jahre und Tage der alten Kirchenstaates von 1867-70.
(Risorgimento, die italienische Einigungsbewegung im 19. Jahrhundert;
il risorgimento (ital. die Wiedergeburt, das Wiederaufblühen)

Im Kampf um das weltliche Herrschaftsgebiet des Papstes
Der Kirchenstaat hisst die weisse Flagge

Auch wenn der Kirchenstaat seit 1860 auf ein Fünftel seiner Grösse geschrumpft war, blieb er den Anhängern eines geeinten Italiens ein Dorn im Auge. Das savoyische Königshaus aber war durch internationale Konventionen gebunden und konnte sich nicht offiziell des päpstlichen Territoriums bemächtigen. Man musste zu anderen Mitteln greifen. Der Plan war es, den Kirchenstaat zu destabilisieren. Giuseppe Garibaldi und seine Freischärler sollten hierzu das Nötige tun. Stände das „Patrimonium Petri“ in Aufruhr, würde Italien dem Papst „zu Hilfe“ eilen und die Ruhe wiederherstellen. Ein Plebiszit (Volksabstimmung) würde folgen, das den Willen des Volkes kundtäte, in die italienische Nation aufgenommen zu werden – und der Papst wäre seiner weltlichen Sorgen entledigt gewesen.

Der Einfall der Freischärler Garibaldis in das „Patrimonium Petri“ und die Bresche bei der Porta Pia

  • „O Roma o Morte“ – entweder Rom oder den Tod gab Giuseppe Garibaldi als Devise  für den Feldzug
  • Zigtausende von Freiwilligen kämpfen: rote Hemden, deshalb „Camicie rosse“,  Rothemden
  • 29. September 1867: erste Freischärler drangen in den Kirchenstaat ein. Sieg ging an die Päpstlichen
  • Dann aber drangen immer mehr Garibaldis ein, 12’000 bis 15’000 Mann
  • Auch Rom wurde von revolutionären Unruhen nicht verschont: Petarden und Orsini- Bomben (Vorläufer heutiger Handgranaten) gegen öffentliche Gebäude und Kleriker. Die Serritori-Kaserne beim Vatikan ging in die Luft. Nur 24 Regimentsmusiker und zahlreiche Zivilisten sterben. Die Kompanien waren vorher ausgerückt.

Ernste Lage

  • Ende Oktober 1867: Monterotondo fiel in die Hände der Freischärler
  • 3. November 1867: 3’000 Päpstliche verlassen die Ewige Stadt unter General Hermann Kanzler (1822-89, Waffenminister des Kirchenstaates) Richtung Monterotondo
  • Dazu kamen 2’000 Mann vom französischen Expeditionskorps auf Befehl von Kaiser Napoleon III.
  • 03.11.1867, 13.00 Uhr. Man traf auf 7’000 Freischärler. Die Päpstlichen siegten
  • Garibaldi vor Ende der Schlacht flieht mit ein paar Tausend Mann
  • 7. Januar 1868: Garibaldi: „Mentana ist für mich ein zweites Aspromonte gewesen;  dort wurde ich am Fuss verwundet, bei Mentana im Herzen
  • 3 Jahre ohne militärische Auseinandersetzungen für den Kirchenstaat
  • 1870: Es bricht der deutsch-französische Krieg aus. Napoleon III. zieht seine Truppen aus Rom ab (5. und 19. August)
  • 20. August 1870: General Hermann Kanzler erstellt dem Papst Rapport über die mehr  als 13’000 Mann des Päpstlichen Heeres, bestehend aus:
    1’688 Gendarmen, 669 Squadraglieri (ehemalige Briganten unter dem Kommando der Gendarmerie)  Brigant: frühere italienische Bezeichnung für Strassenräuber, dann 1’675 Jäger, 1’075  Linieninfanteristen, 2’901 Zuaven, 1’262 Scharfschützen, 1’410 Mann der Antibes-Legion, 533 Dragoner, 852 Artilleristen,  ein 127-köpfiges Pionierkorps, 120 Angehörige der Versorgungstruppen, 97 Mann der Disziplinarkompagnie, 126  Sanitäter sowie mehrere 100 Mann starke Veteranen- und Reserveeinheiten römi-
    scher Freiwilliger. Zudem besass der Kirchenstaat eine kleine Flotte; eine Pirokorvette  „Immacolata Concezione“ und einige bewaffnete Dampfschiffe: 7 Offiziere und 150  Matrosen schützten die Küste von Civitavecchia und machten die Schifffahrtskontrolle
    über den Tiber.

Päpstliche Order

  • 2. September 1870: Sieg der deutschen Heere bei Sedan: Sturz des französischen  Kaiserreiches.  Das Königreich nutzte die Gunst der Stunde: Viktor Emanuel II.  erklärte die Septemberkonvention von 1864 für nichtig.
  • 11. September 1870: Viktor Emanuel II. liess seine Truppen in den Kirchenstaat einmarschieren. Der Papst verlangte, dass man für ihn nicht bis zum letzten Mann kämpfe.  60’000 Italiener gingen gegen die Päpstlichen vor.
  • 20. September 1870 am Morgen: Bersaglieri schlugen nach mehrstündigem Gefecht eine Bresche in die römische Stadtmauer, wenige Meter rechts vom Eingang an der  Porta Pia. Befehl vom Papst: Feuer einstellen und weisse Flagge hissen
  • Wenige Stunden später: Der päpstliche Waffenminister begab sich zur Villa Torlonia,  wo die italienische Armeeführung ihr Quartier aufgeschlagen hatte
  • Die Kapitulationsurkunde sah die Auflösung aller militärischer päpstl. Formationen vor, ausser der Palastgarden des Papstes: Nobelgarde, Palatingarde, Schweizergarde. Sie sollten ihren Dienst  innerhalb der vatikanischen Mauern ausüben dürfen. Ferner gestattete Italien den Fortbestand einer Kompagnie der Päpstlichen Gendarmerie zum
    Schutz des Papstes.
  • Mit der Unterschrift von General Hermann Kanzler hörte die Armee des
    Kirchenstaates und folglich auch der Kirchenstaat selber auf zu existieren.
    → Römische Frage

Basler Zeitung vom 22.07.2017, Thema. S. 3, Markus Sommer
Das grosse Unglück (der italienischen Einigung 1861)
Italien ist seit langem ein einheitliches Land, aber ohne grossen Erfolg. Man hätte es besser nicht geeinigt.

(…) Ebenso schädlich wirkte die neue Einheitswährung, die Lira, die für den Norden passte, für den Süden dagegen zu stark war – und dessen Abstieg beschleunigte. Der Süden verarmte – und seine Bewohner sollten nie mehr auf die Beine kommen. Stattdessen verliessen sie ihre wunderschöne Heimat in Scharen, weil es für sie hier keine Zukunft mehr gab.
In den beiden letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wanderten Millionen von Süditalienern und Sizilianern aus: nach Amerika, nach Argentinien, Brasilien oder nach dem französischen Algerien – und kehrten nie mehr zurück.
Aufstand der Räuber. Die italienische Einigung erinnert in manchem an ähnliche Integrationsbemühungen einer anderen Organisation, die wir in der Gegenwart erleben. Hier wie da waren die Folgen fatal. Was nicht zusammengehörte, wurde von oben zusammengefügt – ohne dass die Betroffenen allzu viel dazu zu sagen gehabt hätten.
In Süditalien wehrten sich die Menschen – und  noch Jahre nach der Einigung herrschte hier ein Bürgerkrieg, woran sich kaum jemand erinnert. „Piemont ruft Italien“, protestierte ein Historiker aus dem Süden, „aber führt Krieg gegen Italiener, weil es in Wahrheit nicht Italien machen will – es will Italien verschlingen.“ Rebellen kämpften gegen Regierungstruppen, Beamten wurden getötet und Richter massakriert, wer aus dem Norden kam, lebte gefährlich. Weil dieser Aufstand so gar nicht ins Bild des heroischen Risorgimento passte, der „Wiederauferstehung“ (Duden: Wiederaufblühen, Wiedergeburt), wie die nationalistische Geschichtsschreibung die italienische Einigung verklären sollte, wurde dieser Bürgerkrieg einfach in „il brigantaggio“ umbenannt – als ob die meisten Rebellen gewöhnliche Kriminelle gewesen wären. Aus den Geschichtsbüchern ist er damit verschwunden.
Fünf Jahre dauerten die Unruhen an, Tausende kamen um. Bevor Graf Cavour (Premierminister, 1810-1861) selber starb – wenige Monate nach der formellen Gründung des neuen Königreiches Italien im Jahre 1861 -, hatte er seinem König versprochen, dafür zu sorgen, dass die Einheit auch im „korruptesten und schwächsten Teil Italiens „, das heisst in Süditalien, durchgesetzt werde. Wenn nötig mit Gewalt, meinte er, da es besser sei, einen „Bürgerkrieg“ zu führen, als den „irreparablen Schaden“ („nicht wiederherstellbaren Schaden“) eines Zerfalls des jungen Einheitsstaates hinzunehmen. Cavours Nachfolger setzten sogleich um, was ihr Vorbild empfohlen hatte: Man wurde brutal.
Ein Te Deum für König Francesco. Im August 1861 strömten die Bewohner von Pontelandolfo, einem grossen Dorf in der Nähe von Neapel, auf die Strassen, um eine Gruppe von sogenannten Briganten freudig zu begrüssen, vor lauter Euphorie (Hochgefühl) töteten sie dabei einen Steuereintreiber und sangen in der Kirche ein Te Deum für ihren ehemaligen König Francesco, den die Piemontesen ins Exil verfrachtet hatten. Als eine kleine Truppe der Regierung aufkreuzte, um nach dem Rechten zu sehen, wurde diese von bewaffneten Bauern ebenfalls umgebracht. Doch die italienisch-piemontesischen Behörden, die angeblich das grässliche Königreich beider Sizilien befreit hatten, schlugen ohne Verzug zurück: Das Dorf wurde dem Boden gleichgemacht und alle männlichen Bewohner wurden an die Wand gestellt und erschossen. Insgesamt starben am Ende 400 Leute, Männer und Frauen.
Bella Italia. Wären die Italiener nicht gesegnet mit der grössten Kultur, dem besten Essen und einer der schönsten Landschaften der Welt: Sie lebten in der Hölle, die ihnen ihre Politiker jeden Tag aufs Neue einrichten.

Rom, Altes, Das Leben zur Zeit Kaiser Trajans (98-117 n. Chr.)

Alberto Angela, Ein Tag im Alten Rom, Goldmann, 2011
Ein Tag im Alten Rom zur Zeit Kaiser Trajans (98 – 117 n. Chr.) mit Seitenangabe. Auszüge

15   Trajan um 115 n. Chr.: Grösste Ausdehnung des Römischen Reiches. Entfernung der Grenzen 10’000 km. Länge der Grenzen: 1/4 des Erdumfangs (rund 10’000 km)
Damalige Bevölkerung des Reiches: gleichviel wie insgesamt China, USA und Russland nach der damaligen Weltpopulation
Bevölkerung des Römischen Reiches: 50 Millionen (wie heute Italien)
Zur Zeit Trajans: 150’000 – 190’000 Soldaten, 30 Legionen. Dazu kommen die Hilfstruppen aus den Provinzen. Soldaten und Hilfstruppen total 300’000 bis 400’000.
Damaliges Rom vergleichbar heute mit New York oder London. Zur Trajanszeit hatte Rom 1,5 Millionen Einwohner.

22   Rom in Zahlen zur Trajanszeit:
40 Triumphbögen; 12 Foren; 28 Bibliotheken; 12 Basiliken; 11 grosse Thermen und fast 1’000 öffentlichen Bäder; 100 Tempel; 3’500 Statuen berühmter Männer in Bronze und 160 von Gottheiten in Gold oder Elfenbein, zu denen noch 25 Reiterstatuen hinzukommen; 15 ägyptische Obelisken; 46 Lupanare (Bordelle); 11 Aquädukte und 1’352 Strassenbrunnen; 2 Arenen für Wagenrennen (die grösste, der Circus Maximus, fasst beinahe 400’000 Zuschauer); 2 Amphitheater für Gladiatorenkämpfe (das grösste, das Kolosseum, bietet Platz für 50’000 bis 70’000 Zuschauer); 4 Theater (das grösste, das Theater von Pompeji, verfügt über 25’000 Plätze); 2 grosse Naumachien (künstlich angelegte Seen, auf denen Seeschlachten inszeniert wurden); 1 Stadion für athletische Wettkämpfe (das Stadion des Domitian mit 30’000  Plätzen). Rom: 1/4 mit Vegetation; 50 Hektar Grünflächen. Das Alte Rom ist eine grüne Stadt (84).

38  Für Tresorüberwachung im Haus steht extra ein Sklave, ein artriensis

54  In den frühen Morgenstunden wäscht sich fast niemand. Nachmittag Gang in die Thermen (Bäder)

63  Frühstück in Rom: Es fehlen Kaffee (Äthiopien) und Kakao (Südamerika). Beim Essen wirft man alle Resten auf den Boden. Sklaven reinigen.

64  Zähne putzen: Zahnstocher vorne mit gebogener Spitze, hinten mit Löffel (Ohren reinigen). Vornehme Ausführung mit Silber. Reinigung der Zähne mit Urin.

69  Sumpfgebiete im damaligen Rom: Kolosseum, Forum Augustus (neben Trajansforum), heute nach wie vor mit Krebskolonie.

71  Höhle des Palatins: Wölfin zog Romolus und Remus auf (ein Mythos). Aber: Spuren uralter Hütten mit den ersten Einwohnern Roms.

74  Sonnenuhr-Obelisk der Römer: heute auf dem Montecitorio vor dem Parlamentsgebäude. Zeigt Stunde/Tage. Zeit: kein genaues System

86  Die heutigen Häuser in der Via dei Cappellari (Campo dei Fiori) zeigen eine gewisse Übereinstimmung mit denjenigen des Alten Roms.

89  Auf 26 Mietkasernen (insulae) kommt ein traditionelles Haus.

93  Insulae: Inschriften nach dem Eingang wie heute

95  In den Insulae: fahrbares Kohlebecken. Es ist dort, wo man sich aufhält.

96  Insulae: Bronzeofen als Küche. Man stellt ihn hin, wo Bedarf ist. Das Essen wird aber  oft von einer Taverne bezogen.

96  Nur bei Banketten liegt man zum Essen. Beim normalen Essen sitzt man wie wir.

97  Im 1. Stock einer insulae wohnen fast nur wohlhabende Familien zur Miete.

98  Wer in der insulae oben wohnt, ist ein Schlucker. Keine Lifte. Viele Brände entstehen  durch Kohlebecken und Öllampen.

100  Miete in der insulae 4 x höher als auf dem Land. Ein Verwalter zieht die Miete für die obersten Stockwerke ein. Der Eigentümer verlangt Miete für die Beletage.

101  Untermieter: je höher man in der Insulae wohnt, desto höher die Miete.

104  Insulae: oben Sklaven, Hilfsarbeiter, Strassenkehrer, Lastenträger, Handwerker. In der Mitte der insulae: Verwaltungsangestellte. 1. Stock: Leute mit viel Geld: Unternehmer, Kaufmänner, Baulöwen

105  Entleeren von Urin und Extrementen aus Gebäudefenstern ist strafbar.

106  Küche und Latrinen sind beieinander. Grund: Wasser. Nach dem Nero-Brand: Wasser muss obligatorisch im Hause sein.

109  Die Behausungen sind im Normalfall ohne Bad/WC, fliessendes Wasser und Küche. Man muss sich alles ausser Haus behelfen.

112  Nach dem Nero-Brand wurden die Strassen verbreitert. Dies war durch Spekulanten schwer zu halten.

117  Eine Familie, die einen Laden im Parterre bewirtschaftet, schläft im Laden (tabernae) auf dem Hängeboden.

119  Die Frau trägt immer die Schlüssel zu Hab und Gut der Familie. Überall in Rom findet man den Phallus, selbst bei Anhängern.

123  Kaiser Domitian versuchte per Gesetz, Frisöre, Händler, Köche und Schlachter von den Strassen zu bringen. Vergebens.

124  Arbeitszeit in Rom: von Sonnenaufgang bis Mittag. Das waren rund 6 Stunden. Nachher ging man in die Thermen. Ausnahmen: Frisöre, Antiquitäten-Händler.

128  Der Weihrauch ist desinfizierend und hat antibakterielle Wirkung.  So waren vor den Toren der heiligen Plätze (nur für Priester zugänglich) stets Gläubige, zum Teil Kranke. Dazu kommt, dass die Tempel schmutzig und voller Bakterien sind. Der Weihrauch ist willkommen.

128  In den Saturnalien, d. h. am Ende der Herbstaussaat (2. Hälfte Dezember) fanden ausschweifende Feste statt. Hier kannte man den Rollentausch: Die Herren servieren, die Sklaven geniessen die Freiheit.

132  Importierte Götter der Römer: Iris, eine ägyptische Göttin. Mithras aus Persien. Hier haben Stiere auch eine symbolische Bedeutung. Der Mithraskult war „Hauptkonkurrentin“ des Christentums.

133  Der Gott des Mithraskultes, der Christen, Horus und Buddha haben am 24./25. Dezember Geburtstag. Grund: Am 21. Dezember ist Sonnenwende.

133  Kaiser Trajan schafft 115 n. Chr. die Religionsfreiheit für Christen, Juden, Mithras-Verehrer (altiranischer Lichtgott), Isis (altägyptische Göttin), Kybele (phrygmische Göttin aus Nordwestkleinasien), Jupiter (höchster römischer Gott), Juno (höchste römische Himmelsgöttin), Minerva (römische Göttin des Handwerks, der Weisheit und der Künste) ab. Niemand wird wegen seines Glaubens diskriminiert.

139  Die drei Namen der Römer, z. B. Publius Sulpicius Peregrinus:
Publius                           Praenomen (Vorname)
Sulpicius                        Nomen gentilicum: erweiterter Familienname. Etliche
.                                     Familien nennen sich so. Er umfasst manchmal tausende
.                                     Menschen.
Peregrinus (Fremder,    Cognomen: Name, mit dem man angeredet wird.
Ausländer)                     Beschreibt die charakterlichen und körperlichen
.                                     Eigenschaften, z. B. Rufus der Rote, Brutus der Dumme,
.                                     Cicero mit der Warze. Calvus der Kahle, Naso die Grossnase,
.                                     Dentatus der Gezähnte, Cincinnatus der Lockenköpfige.
.                                     Auf die heutige Zeit ausgelegt:
.                                     Hans Müller der Grosse: Er wird mit „Grosser“ gerufen.

141  Kinderspiele im Alten Rom: Nüsse schiessen, Blinde Kuh, auf Stöcken reiten, Kreisel, Bockspringen. Versteck spielen. Puppen kleiden.

142  Erwachsenenspiele im Alten Rom: micatio, d. h. Finger werfen. Wie viele geschlagene Finger von beiden sind es? Münzenwerfen (navia aut capita):Kopf oder Zahl. Gerade oder ungerade (par impar). Steinchen in der Hand erraten. Spielhöllen: Würfel spielen und Geldwetten sind verboten. Sie sind möglich im Kolosseum und im Circus Maximus. Die staatliche Kontrolle ist sehr selten.

145  Kaiser Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) ist spielsüchtig. An einem Tag verliert er zirka Euro 400’000. Besuchern in seinem Palast schenkt er einen Beutel mit 25 Silberdenaren zum Spielen.

147  Ehescheidungen sind zur Zeit Trajans akzeptiert.

148  Es gibt unterschiedlichste lateinische Dialekte.

149  In der Schule lernt man 23 Buchstaben des Latein (heute im Deutschen 26).

150  Die römische Erziehung sieht körperliche Züchtigungen vor. Die Schule findet meistens in einfacher Form an der frischen Luft statt. Kinderarbeit ist in der altrömischen Gesellschaft nichts Verwerfliches. Die Kinder reicher Eltern müssen nicht arbeiten und gehen weiter zur Schule. Ab dem 12. Jahr besuchen sie Privatschulen.

152  Die Grundschullehrer, Strassenlehrer genannt, sind auf der Stufenleiter ganz unten zu finden, man nennt sie  „indimagistri, litteratores“.

153  In der Antike liest man laut, auch wenn man alleine ist. Die stille Lektüre findet man später nur in Klöstern.

154  In der ganzen Antike hat es nie zuvor so viele Menschen gegeben, die lesen, schreiben und rechnen konnten.

160  Altes Rom, Zahlen deuten mit den Händen: mit der linken Hand von null bis hundert, mit der rechten die Hunderter und Tausender. Mit den Körperteilen über 10’000 (ans Herz fassen mit der rechten Hand z. B. ergibt 300’000). Zahl 1: mit der linken Hand alle Finger aneinander ausstrecken ausser Kleinfinger, dieser angewinkelt in die Handballe. Daumen abgewinkelt.

162  Kühe, Ochsen, Stiere und Pferde sind kleiner gewachsen im Vergleich zu heute.

168  Die Öl-Amphoren fassen 70 Liter Öl, leer wiegen sie 30 kg. Weil sie mit Öl vollgesogen sind, kann man sie nicht mehr verwenden. Es sind Einwegflaschen der Antike und landen am rechten Tiberhafen, wo sie sich auftürmen. Daraus ergibt sich der heutige Monte Testaccio. Die Amphoren stammen meistens aus Andalusien.

169  Wie geschieht der Transport der Waren? Grosse Schiffe, z. B. mit 10’000 Amphoren geladen, werden auf hoher See gelöscht, mit mittleren Schiffen bis zum Hafen von Ostia (von Trajan) gefahren, zwischengelagert und dann auf Boote und Kähne geladen. Zwei Ochsen ziehen sie einzeln den Tiber aufwärts. Es gibt keine Ware der Antike, die nicht irgendwann auch nach Rom gelangt wäre.

170  150’000 bis 170’000 Familien Roms sind auf Rationen des Staates angewiesen. Sie erhalten gratis Brot, Mehl, Öl, Gemüse, Fleisch.

172  In Rom begegnet man Menschen aus der gesamten antiken Welt. Es ist so gut wie unmöglich, in Roms Strassen geradeaus zu laufen (Menschen, Menschen, die sich bewegen).

173  In Rom erkennt man die Frauen sofort an ihren bunten Kleidern und den Parfümwolken.

174  Es gehen nicht alle zu Fuss. Manche sitzen auf Mauleseln

175  Es ist tagsüber verboten, Pferdewagen zu benutzen, ausser die Vestalinnen (Priesterin der Vesta, römische Göttin des häuslichen Herdes). Vornehme Römerinnen werden auf Tragsesseln (sellae) oder Sänften von Sklaven getragen.

176  Rom ist die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten: Rassen, Religionen, Moden, rege Geschäftstätigkeit, verschwenderisches Leben. In allen anderen Städten ist dies unbekannt. Rom ist aber auch die Stadt des Profits, der Ausbeutung und der Gewalt, Korruption, des Betruges, umgeben von mehr als einer Million Menschen.

178  Wo sind die stillen Orte Roms? Kaiserliche Gärten, Marsfeld mit seinen Plätzen, Tempel, geweihte Stätten, Portikus (Säulenhallen). Man kann tatsächlich noch Lustwandeln.

179  Rom ist nicht nur die Stadt aller Waren, sondern auch der Künste (das Meiste aus Griechenland geholt).

182  Man trägt Schirme gegen die Sonne, nicht gegen den Regen. Die Etrusker waren vor 2600 Jahren die Vorgänger: Schirm aus Seidentuch, das Gestell aus Knochen. Die Männer  tragen dunklen Teint (draussen), die Frauen sind hell (im Haus, es ist Statussymbol). Deshalb wird der Schirm wichtig.

183  Die Römer sind klein gewachsen. S. 186: Im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr.  kennt man folgende Masse: Männer ∅ 1,65 m gross, Frauen Ø 1,55 m gross. Gewicht: Männer Ø 65 kg, Frauen Ø 49 kg. Im Jahre 1930 findet man fast das gleiche Resultat:  immer noch Ø 1,67 m. Heute ist der Europäer Ø 1,76 m gross, die Europäerin Ø 1,64.  Der Italiener Ø 1,75 m, die Italienerin Ø 1,62 m.

184  60 Prozent der Namen der Einwohner Roms sind griechisch, nicht lateinisch. Griechisch spricht man weit in den Nahen Osten. Die Sklaven bekamen griechische Namen.

188  Die Lebenserwartung war bei den Männern 41, bei den Frauen 29 (Kindbett-Tod).

189  Kindersterblichkeit: 42 % männlich, 34 % weiblich, Tod unter 10 Jahren. Bei den 20- bis 30-Jährigen 18 % männlich, 25 % weiblich (Tod vielfach im Kindsbett).

190  Der Gutbesitzer hatten mehr Karies als seine Sklaven (zuckerreiche Ernährung).

192  Die „Immigranten“ waren ein echtes Problem. Durch sie blühte die Bauspekulation. Die Mieten erhöhten sich um das 4fache.

193  Überfallgefahr in der Stadt Rom: „Es ist sehr nachlässig, zum Abendessen zu gehen, ohne vorher das Testament geschrieben zu haben.“

196  Die Sklaven auf dem Lande leben unter den allerschlechtesten Bedingungen: wenig Essen, viele Schläge, Ausbeutung bis zum bitteren Ende.

197  Wenn ein Sklave nach versuchter Flucht aufgegriffen werden konnte, ritzt man ihm „fug“ (für „flüchtig“) oder „fur“ (für „Dieb“ in die Stirn.

198   Im Alten Rom kannte man keinen Rassismus.

198  Die Sklavenhändler sind mehrheitlich Orientale. Sie sind meist verachtet.

200  Die Sklavenhändler ziehen im Schlepptau jeder marschierenden Legion hinter her.

200  Wenn sich „normale“ Menschen verschulden, werden sie Sklaven.

200  Sklaven auf dem Land leben grauenvoll. Sie werden behandelt wie Kühe oder Hunde.

201  In Privathäusern werden 5 bis 12 Sklaven gehalten. Patrizier hingegen bis 500 in der Stadt, bis 2’000 auf den Landgütern.
Es gibt auch Sklaven in „öffentlichem“ Besitz beim Kaiser, Staat und der Stadt. Die Gesamtheit der Sklaven hält die römische Wirtschaft in Gang. Sie sind keine Lebewesen, sondern „Sachen“. Ihr Besitzer darf mit ihnen machen, was er will.

202  In der Kaiserzeit, also um Christi Geburt und danach, erhalten die Sklaven nach und nach gewisse „Rechte“: Sie können mit Geld ihre Freiheit erkaufen und  Sklavenehen eingehen. Das Töten von Sklaven wird verboten.

203  Die Sklaven und Sklavinnen tragen ein Halsband um den Hals. Hier steht der Name des Besitzers.

205  Die Gesetzgebung unterstützt die Freilassungen.

206  Im Alten Rom ist Sklave zu sein wirklich das Schlimmste.

212  Im Unterschied zu heute gibt es in Rom keine Strassenschilder noch Hausnummern. Man orientierte sich anhand von Anhaltspunkten, z. B. Statuen, Brunnen, insulae, Anhöhen, bekannte Verkaufsläden, Tempel, Basiliken, Arenen, Foren.

213  Die Grabfelder der Sklaven und Freigelassenen befinden sich in der Vatikanstadt, Santa Rosa.

215  Zu den Vestalinnen, Priesterinnen der Vesta, Hüterin des Lichtes im Vestatempel. Die Auswahl erfolgte bei  Mädchen unter 10 Jahren. Dann begann ein 10jähriges Noviziat, gefolgt mit der Ausführung des Amtes, auch 10 Jahre. In den  letzten 10 Jahren bestand die Aufgabe darin, die neuen Novizinnen zu unterweisen.

215  Allgemeine Arbeiten der Vestalinnen: Opferhandlungen; bedeutendste Rituale; über bestimmte heilige Gegenstände höchster Bedeutsamkeit wachen; Jungfrau bleiben. Sie können nach 40 Jahren heiraten.

218  Als das Forum Romanum nicht mehr ausreichte, schuf man die Kaiserforen: Caesar-, Augustus-, Friedensforum von Vespasian, Nerva- und Trajansforum (das Schönste).

219  Zu Beginn des 16. Jahrhunderts befahl Papst Julius II. della Rovere, die Foren als Marmor- und Travertinbruch zu nutzen. U. a. protestierten Michelangelo und Raffael.

221  Das Forum Romanum war während der Zeit des Römischen Republik (also ab 509 bis zirka 40 v. Chr.) Schauplatz von Gladiatorenkämpfen. Unterirdisch befanden sich Korridore, auch ein hölzerner Lastenaufzug.

221  Im Forum Romanum findet die Anpflanzung von heiligen Pflanzen statt: Weinstock, Feigen- und Olivenbaum.

225  Die römischen Statuen sind bemalt; Lippen rot, Gesichter rosa, die Gewänder blau, rot  usf.

238  Die Curia, Ort der Senatsversammlungen im Forum Romanum: Wenige Orte haben die Menschheitsgeschichte so sehr beeinflusst wie der Ort der Curia.

239  Die letzte Türe des römischen Senats wurde während der Renaissance abmontiert. Sie ist jetzt in der Basilika S. Giovanni in Laterano, Rom, zu finden.

244  Die Tiere im Kolosseum: mit Pfeil und Bogen wurden Hirsche, Gazellen oder Strausse gejagt. Man weiss, dass Kaiser Commodus (180 bis 192 n. Chr., ein verworfener, beschränkter und bösartiger Mensch) sich damit vergnügte, den Straussen mit einem Schwert die Köpfe abzuschlagen. Weitere Tiere, gegen die Tierkämpferinnen und Tierkämpfer, öfters gleichzeitig, antreten mussten: Löwen, Leoparden, Bären. Auch Tiere gegen Tiere kämpften: z. B. band man einen Stier mit einem Elefanten oder zwei andere grosse Tiere mit Ketten aneinander, während Bedienstete sie mit langen Stangen anstachelten und zum Kampfe zwangen. Weitere Tiere, z. B. Tiger, Elefanten, Krokodile, Nashörner. Wegen diesen Spielen verschwanden viele Arten ganz, nicht nur wegen den Vergnügungsorten des ganzen römischen Reiches. Viele tausende Tiere überlebten den Transport weder auf Lastkarren noch in den Schiffsbäuchen.

245  Das Forenviertel, eine Welt des Luxus‘, des Marmors, der Säulen. Eine enorme Fläche für Läden, geschäftlichen Zusammenkünften und Verhandlungsplätzen.

248   Das Trajansforum: ein Wunderwerk des Imperiums mit einem der schönsten Säulengängen des Reiches.

249  Das Tranjansforum mit der Basilica Ulpia: majestätisch, königlich, golden, 170 m  lang

253  forma Urbis: der marmorne Stadtplan in Roms Katasteramt. Das Alte Rom mit 14 Bezirken zur Zeit Kaiser Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.). Zur Zeit Kaiser Konstantins (324 bis 337 n. Chr.) hat Rom 423 Strassen, 29 Hauptverkehrswege, 322 grosse Kreuzungen

255  Zur Zeit des Kaiserreiches: das Alte Rom hat 144 öffentliche Latrinen, die gebührenpflichtig sind.

256  In den Latrinen fehlt jede Privatsphäre. Sie existiert eigentlich nur für die Reichen.

257  Nur wenige haben eine Toilette zu Hause

257  Ohne Kleingeld geht man zu grossen Krügen an den Strassenecken, um das Ding zu verrichten.
259  Als Toilettenpapier benutzt man nasse Schwämme, die im bereitstehenden Wasserkanal entsorgt werden.

259  Die Strassen Roms sind leicht gewölbt. Das Regenwasser wäscht sie, von Gullys (Einlaufschacht für Strassenabwässer) aufgenommen wie heute noch in Paris). Gullys besonders verziert (Bocca della verità).

262  Die Geburten werden fast nur von Frauen begleitet, nie von männlichen Ärzten.
262  Während der gesamten Antike (und bis in die Neuzeit) ist für jede Frau die Geburt das allergrösste Risiko im Leben.
262  Auch heute noch stirbt in Afrika jede zwanzigste Frau bei einer Geburt. In den hochentwickelten Gesellschaften ist nur eine von 2’800.

265  Wenn der Vater das neugeborene Kind, das nach der Geburt vor ihm niedergelegt wird, nicht hoch nimmt, nimmt man es nicht in den Schoss der Familie auf. Die Hebamme sorgt für den Säuglingshandel (Ort des Handels: columna lactaria). Auf der  Erkennungstafel wird die Zeuger-Familie angezeigt.

266  Erkennung des Kindes? Man bricht einer Münze oder ein Medaillon, die eine Hälfte geht an das Kind, die andere an die Mutter.
266  Wer ein Kind aufzieht, kann mit ihm machen, was er will.
266  Viele Leute gehen an die Kinder-Sammelstelle, holen sich einen Säugling und verkaufen ihn.
266  Frühchen oder Behinderte werden erstickt oder ertränkt, andere landen auf der Müllhalde.

272  Ein Verurteilter erlebt auf einem Karren auf dem Weg ins Gefängnis
Demütigungen.

277  Spektakel um den Tod in allen römischen Städten. Unmenschen? Zur Verteidigung dieses Spektakels:
⇒     Die Etrusker brachten schon Menschenopfer
⇒     Die Kelten schlugen schon den Feinden die Köpfe ab
⇒     In China zur gleichen Zeit: schnelle Karriere, wenn man vielen
.       Feinden die Köpfe abschlug
⇒     In Mittelamerika verkauften die Azteker feindliche Sklaven
⇒     Die alten Eidgenossen suchten sich bei den Toten auf dem
.       Schlachtfeld das Bauchfett
⇒     Frankreich: Guillotine, England: Schafott

277  Die Hinrichtungen fanden vor aller Leute statt
277  Das Rom der Päpste: öffentliche Hinrichtungen. Auf dem Platze Campo dei Fiori landeten die Ketzer auf dem Scheiterhaufen
277  Das Rom der Päpste: An der Engelsbrücke wurde gehängt, geviertelt und geköpft
277  Das Rom der Päpste: Piazza del Popolo. Hier fanden häufig Hinrichtungen als Teil der Karnevalsfeierlichkeiten statt

278  Ab 1826  wurde im Kirchenstaat die Guillotine eingeführt

279  Altes Rom: Man liebte die Exekutionen mit Überraschungen, eine Art Spektakel. Muster nach mythologischen Mustern. Z. B. versucht der Verurteilte zu fliegen wie Ikarm und stürzt zu Tode. Auch Überraschungen mit historischem Gegebenheiten. Eine Frau spielte Pasiphe (Königin von Kreta, Tochter des Helios [Sonne]), die sich mit einem Stier paarte (Zoophilie, Sex mit Tieren)

280  „Damnatio ad gladium“, Verurteilung zum Schwert. Zwei mit Schwertern bewaffnete Verurteilte kämpfen mit dem Schwert gegeneinander

281  Tod durch das Feuer: Die Verurteilten tragen getränkte Kleider
281  Unter Kaiser Nero (54-68 n. Chr.) wurde kein einziger Christ im Kolosseum getötet. Es existierte noch gar nicht. Hinrichtungen waren wo anders: in einem Zirkus für Wagenrennen, wo heute der Vatikan steht

281  Viele Christen starben dort auf unterschiedliche Weise (von Hunden zerfleischt, gekreuzigt oder lebendig verbrannt)

281  Es gibt keinen Nachweis, dass Christen im Kolosseum ermordet wurden, aber in  Amphitheatern im ganzen Reich

283  Rom: grosse Trittsteine in den Strassen: Zebrastreifen

285  Mittagessen im popina (Gasthaus) sehr bescheiden: Brot, Eier, Oliven, Käse, Feigen. Unter den Gästen sind sowohl Männer als auch Frauen

286  Der Wein wird warm getrunken

289  In einem Lokal Sex mit einer Kellnerin zu haben, ist etwas ganz Normales und  kein Ehebruch

289  Diese „Dienstleistung“ kostet nicht mehr als ein kleiner Krug Wein (4 Euro)

290  Münzen im Römischen Reich: Aureus (aus Gold, Denar (aus
.       Silber), Sesterz (aus Bronze), Dupondius (aus Bronze), As (aus
.       Kupfer), Semis (aus Bronze), Quadrans (aus Bronze)

290  Der Sesterz ist eine Münze mittleren Wertes, mit dem man alltäglich einkauft

291  Ein Sesterz entspricht ungefähr 2 Euro

291  Preise im Alten Rom:  1 Liter Olivenöl 3 Sesterzen (6 Euro); 1 kg Brot 1/2 Sesterz (1 Euro); eine Gemüsesuppe 1/4 Sesterz (1 As) 0,50 Euro; ein Eintritt in die Therme 1/4 Sesterz (0,50 Euro); ein Maultier 520 Sesterzen (1’040 Euro); ein Sklave 1’200 bis 2’500 Sesterzen (2’400 bis 5’000 Euro); ein guter Liter Wein 2 Sesterzen (4 Euro)

291  Eine kleine Familie mit 3 Personen gibt im Tag 6 Sesterze aus (2 Euro). Ein wohlhabender Bürger hingegen 55 Sesterzen/Tag (18 Euro)

292  Auf den Münzen ist immer das Profil des Kaisers, manchmal auch das Gesicht der First Lady

293  Die grossen Thermalbäder mt den auffälligen Rauchschwaden. Es
.       ist Rauch aus gigantischen, auf Volldampf laufenden Heizkesseln,
.       die tonnenweise Holz verschlingen. Eine ungeheure Menge Holz,
.       die die Stadt, nebst den Thermen, verbraucht. Das Holz ist das
.       „Plastik“ der Antike

294  Trajansthermen: ein Wunderwerk des Ingenieurswesens, der
.       Architektur, der Kunst, wie man es in der Antike noch nie gesehen
.       hat. In der Nähe des Kolosseums: Collus Oppius
.       Die Thermen mit tepidarium (Aufwärmhalle), calidarium (Hitzehalle),
.       frigidarium (Abkühlhalle), laconicum (Schwitzbad), natatio
.       (Schwimmbecken
.       zum Entspannen und Unterhalten)

295  Der Thermeneintritt beträgt 1/4 Sesterz (0,50 Euro). Im Inneren
.       muss man jede in Anspruch genommene Dienstleistung extra
.       bezahlen, vom Bad bis zur Garderobe

296  Die Frauen sind in den Thermen zum Teil nur sehr wenig bekleidet.
.       Männer und  Frauen sind gemeinsam in den Thermen

296  Im Alten Rom kann fast niemand schwimmen. Es ist keine Sportart
.       und wird an der Schule nicht unterrichtet

296  Die Trajansthermen sind eine richtige Stadt des Vergnügens, der
.       Erholung und der Unterhaltung: eine Stadt in der Stadt

296  In den Trajansthermen befinden sich Bibliotheken mit
.       lateinischen bzw. griechischen Texten

297  Wo kommt das viele Wasser her? Ein Aquädukt (Wasserstrasse)
.       führt Wasser in die von Apollodor entworfene, kolossale
.       Zisterne (Wasserbehälter), die es heute noch gibt: 9 Kammern,
.       zwischen 30 und 40 m lang, 5 m breit. Insgesamt fassen sie
.       mehr als 7 Millionen Liter Wasser

298  Ungefähr 3’000 Menschen kann eine Therme aufnehmen

298  In den Thermen eine Art Amphitheater mit Theatervorstellungen
.       und Wettkämpfen

298  Jongleure unterhalten die Besucher mit Kunststücken

298  Die Thermen sind mit Speiserestaurants und Bordellen ausgestattet

298  Die Thermen sind eine richtige kleine Stadt

299  Die Frauen zahlen für Eintritt und Angebote mehr als die
.       Männer (Massagen, Handtücher usw.)

299  Kinder, Soldaten und Sklaven haben Gratiseintritt

300  In den Thermen ist die Nacktheit nichts Besonderes

300  Die Umkleideräume für Frauen bzw. Männer sind separat

300  Ziele der Sportplätze in den Thermen: sich fit halten,
.       Transpiration (Schweissbildung) anregen

300  Viele Frauen spielen eine Art Volleyball mit den Männern,
.       sie treiben Reifen. Die Frauen tragen Bikinis

301  Ballspiele in den Thermen: zwischen 2 Posten ist ein Seil
.       gespannt: Beach-Volleyball

302  zur Zeit Kaiser Hadrians: Geschlechtertrennung. Frauen baden
.       vom Morgengrauen bis um 13 Uhr (siebte Stunde), Männer von
.       14 bis 21 Uhr (zweite Nachtstunde)

304  Die Thermenanlagen sind so ausgerichtet, dass die Sonne
.       möglichst lange auf die beheizten Teile scheint. Die Fenster des
.       calidariums (Hitzehalle) sind doppelt verglast

307  Die Thermen sind ein Ort, wo Angenehmes mit Nützlichem (Geschäfte abschliessen) verbunden wird

307  Von der Hitzehalle in die Abkühlhalle rät man Frauen ab wegen den extremen Temperaturwechseln

308  Das frigidarium (Abkühlhalle) von Kaiser Diokletian (284-305 n. Chr.) ist heute die Kirche Santa Maria degli Angeli, zu finden in der Nähe des Hauptbahnhofes Termini, Rom

308  Der Besuch des frigidariums ist ein besonderes Erlebnis: Stimmengewirr der Männer, Frauen und Kinder, weiter Gelächter, Gekreische, Geklapper

308  Das frigidarium ist der zentrale Treffpunkt der Stadt: Termine vereinbaren, Geschäfte abschliessen, Sehen und Gesehen werden. Selbst der Kaiser ist dort anzutreffen

309  Die Thermen sind mit Krankenstation und Arzt versehen. Der Wechsel zwischen heissem und kaltem Wasser gibt Probleme

309  Viele durchlaufen die 3 Stationen zwei oder drei Mal hintereinander. Commodus (180-192 n. Chr.), Sohn von Mark Aurelius, soll den Parcours 7- bis 8mal hintereinander absolviert haben

309  Die Thermen bedeuten Infarktrisiko, Anlass zu Schwächeanfällen, Gehirnerschütterungen und Knochenbrüchen durch Hinfallen (Der Marmorboden ist nass und glatt). Sogar Hörschäden treten auf wegen zu langem Aufenthalt in der feuchten und kalten Umgebung (Seglerkrankheit)

310  Natatio, Schwimmbecken zum Entspannen und Unterhalten

310  Massagen mit Öl auf dem Marmortisch sind mit ästhetischen Gründen verbunden. Sie geben ein gewisses Wohlbefinden und beugen vor Erkältungen

311  Die Masseure sind staatliche Sklaven und arbeiten schweigend. Die Reichen bringen ihre Sklaven mit

312  Apollodor von Damaskus gilt als Architekt des Trajanforums und bringt das  Konzept für Thermen. Im Imperium gilt es als Standardmodell, so auch für die grossen Caracalla-Thermen in Rom

314  Das →Kolosseum in Rom, ehemals aus schneeweissen Travertinstufen, jeder Rundbogen mit einer Statue besetzt, ist mit einer Galerie in der  letzten oberen Reihe und mit der Arena besetzt: ein grossartiges, schneeweisses Amphitheater (griechisch amphi = rundherum, offen). Es hat unzählige Arkaden, geschmückt mit       unzähligen Wappen und bunten Bädern

315  Alle Statuen, die in jeder Arkade stehen, stellen Gottheiten als Helden, erfundene oder reale Figuren der römischen Geschichte dar. Vorzufinden ist öfters der Adler

316  115 n. Chr. erreicht das Römische Reich seine grösste Ausdehnung

316  Kaiser Vespasian (69-79 n. Chr.) beschloss, Neros „Privatgebrauch“ auf dem Gelände der Domus Aurea, das waren Paläste, Gärten, Wäldchen mit Hirschen,  künstliche Seen mit Schwänen, aufzulösen und das Amphitheater aller Zeiten zu bauen

316  Auf diesem grossen Gelände war als letzte Erinnerung Neros enormes Standbild aus vergoldeter Bronze zu sehen. Das Gesicht war einmal das des Nero, dann die Züge des Sonnengottes Helios. Das Standbild war über 30 m hoch. Es hiess bei den Römern „Nero-Koloss“. Daraus entstand „Kolosseum“. Dieser Name taucht erst im Mittelalter auf. Ursprünglich hiess das Kolosseum „Amphitheater Flavium; ein offenes, rundes Theater von Vespasian aus der Familie der Flavier

316  Neben dem Kolosseum stand eine „Kaserne“ für Gladiatoren (Ludus Magnus)

316  Das Kolosseum war über 50 m hoch mit 4 Etagen,v3 Arkadenreihen von jeweils 80 Bogen, aus 100’000 Kubikmeter Travertin aus Steinbrüchen in Albulae (Tivoli, rund 25 km von Rom entfernt). Für diese Transporte baute man extra eine Strasse mit 6 m Breite

316  Die Bauzeit des Kolosseums betrug 10 Jahre mit Arkaden (Aquädukte) übereinander, die eine stabile Konstruktion bedeuteten. Das  Kolosseum hatte 50’000 bis 70’000 Plätze

318  Die Travertinsteine sind porös mit Hohlräumen. So blieb der Eindruck, das Kolosseum sei etwas unfertig. Das gleich galt für das Marcellus-Theater

319  Der Eintritt ins Kolosseum war kostenlos. Man benötigte aber eine Art Einladung. Es war eine Karte aus Knochen mit der Arkadennummer (z. B. LV 〈55〉 und der Sitzplatz-Nummer

319  Von Verkäufern vor und im Kolosseum konnte man kaufen: Kissen für die Steinstufen, Snacks, Fladenbrote, Pinienkerne, Oliven, Pfirsiche, Zwetschgen, Kirschen usw.

319  Die „Buchmacher“ zogen die „Geldspieler“ an. Es waren die Wetten als tragende Säule des ganzen Betriebes, ähnlich wie bei den heutigen Pferderennen

320  Wie kann man das Spektakel im Kolosseum beschreiben? Es herrscht eine Hysterie, ein immer weiter eskalierendes, sadistisches Vergnügen von ganz normalen Menschen, die Lust am Quälen und an Grausamkeiten  verlangen. Jeder moralische Skrupel (Bedenken) wird über Bord geworfen

323  Die Pausen werden mit Akrobaten ausgefüllt, die ihre Kunststücke in der Arena zum Besten geben

Das Kolosseum allgemein, ab Seite 324

  • Das Kolosseum ist nicht rund, sondern elliptisch. Damit mehr Platz für Zuschauer
  • Die Tribüne hat eine Neigung von 37 Grad; optimale Sicht von jedem Platz aus
  • Die Zuschauerbereiche im Kolosseum: unterer Rang (1), der Arena am nächsten, für wichtige Persönlichkeiten: Senatoren, Vestalinnen, Priester, Richter
  • Darüber (2): Bereich für die Mitglieder des Reiterordens (equites)
  • Danach (3): Bereich für Handwerksmeister, Kaufleute, Staatsgäste usw.
  • Darüber im höchsten Bereich (4). Dieser Bereich ist zusätzlich getrennt durch einen  Laufgraben: hier sitzt das Volk. Hier gibt es einen Extrabereich für Frauen, um der „Promiskuität“ („Vermischung“) vorzubeugen
  • Ganz oben (5) gibt es noch einen letzten Zuschauerbereich für das Volk (Frauen). Es ist eine Galerie aus Holz, die ums ganze Kolosseum läuft
  • Diese Bereiche zeigen die gesellschaftliche PyramideRoms: je tiefer unten man sitzt, desto bedeutender der soziale Status
  • Serviceleistungen des Kolosseums: in regelmässigen Abständen aufgestellte kleine Brunnen (um die hundert)
  • Spezialeffekte:  man wird mit parfümierter Flüssigkeiten besprüht, wie zum Beispiel mit Rosen- oder Safranwasser
  • Das Bedachungssystem des Kolosseum ist etwas ganz Besonderes: oben, rings um die Galerie sind 240 imposante Masten angebracht. Von hier hängen extrem lange Seile zu einem zentral 40 m über dem Boden stehenden Ring. Auf diesem entstandenen Spinnennetz werden wie Teppiche Segel ausgerollt. (dünne Leinen). Es entsteht ein gigantisches Dach aus Stoff, das die Zuschauer vor der Sonne schützt. In der Mitte, ähnlich wie im Pantheon, eine runde Öffnung. Total schätzungsweise 24 Tonnen, das über den Köpfen hängt: 100 kg je Mastbaum.  Bedienung von 1’000 Marinesoldaten nötig, die im Flottenstützpunkt Misenum stationiert sind
  • Arena des Kolosseum: 75 m lang, 44 m breit.. Unter der Sandschicht geht das Kolosseum noch 6 m mit unterirdischen Gängen weiter. Die Arena ist mit Holz ausgelegt, gewölbt, damit das Regenwasser abfliessen kann.
  • Was befindet sich unter der Holzfläche? Kulissen, wie bei einem Theater unserer Zeit. Spezialeffekte: kolossale Wale sind plötzlich auf der Bühne. Als sie das Maul öffneten, kamen 50 Bären heraus. Es gab auch andere Bilder wie Felsen und Wälder
  • Unter dem Sand und der Holzkonstruktion (wo sich die Spezialeffekte befinden) gab es darunter 2 unterirdische Stockwerke mit Korridoren, Treppen und Kammern, Waffen, Löwenkäfigen, Gefangenenzellen usw. Hebewinden bringen jedes erdenkliche Bühnenbild hoch. Spezielle Lastenaufzüge bringen Gladiatoren und Raubtiere in die Arena. Ein Beispiel besonderer Art: 100 Löwen können gleichzeitig in die Arena hochgezogen werden, deren Gebrüll so laut ist, dass das gesamte Publikum des Kolosseums einen Moment verstummt
  • Am Anfang gab es die unterirdischen Gänge noch nicht und mit grosser Wahrscheinlichkeit hat man zu der Zeit die Arena manchmal mit Wasser geflutet, sodass kleine Flottenkämpfe oder Pferdewagenrennen in niedrigem Wasser möglich waren
  • Die Organisation der Wettkämpfe war sehr straff. Als Kaiser Titus (79-81 n. Chr.), Nachfolger und Sohn Vespasians (69-69 n. Chr.) im Jahre 80 n. Chr. das Kolosseum einweihte, wurden 5’000 Raubtiere in 100 Tagen getötet
  • Nach dem Sieg Kaiser Trajans über die Daker (heutiges Rumänien, erster Krieg um 101, zweiter Krieg 105-106) wurde der Sieg 120 Tage lang, pausenlos, im Kolosseum gefeiert. Rund 11’000 Tiere und 10’000 Gladiatoren fanden dabei den Tod
  • 217 n. Chr. wurde das Kolosseum ein Raub der Flammen, später aber wieder aufgebaut. 441 wurde es durch ein Erdbeben zerstört, 445 wieder hergestellt. 404 sollen die letzten Gladiatorenkämpfe, 523 die letzten Tierhetzen unter Theoderich dem Grossen stattgefunden haben. Ende des 11. Jahrhunderts war das Kolosseum ein Teil der Burg der Frangipani, einer berühmten Adelsfamilie. Später diente es als Steinbruch.

328  Ein Ädil (eine Art Richter) sponsert für 3 Tage die Spiele im Kolosseum. Es kostet ihn ein Vermögen. Von Gesetzes wegen ist er dazu verpflichtet. Er wird daraus die Anerkennung und den Nutzen ziehen für seine Karriere
328  Der Sponsor, und nur er, entscheidet über Leben und Tod in der Arena
329  Zu Beginn der Spiele spielen kleine „Orchester eine triumphale Melodie
329  Zu Beginn der Spiele kommt ein Paradezug in die Arena, angeführt von zwei Liktoren, die die Wappen des Organisators der Spiele tragen
330  Es folgen Musiker mit langen Trompeten
330  Anschliessend ein Wagen mit einem grossen Schild, auf dem das
.       Wettkampfproramm abgebildet ist
330  Jetzt treten Sklaven auf, die Helme und Schwerter tragen, die Waffen der Gladiatoren
330  Dann kommen die Gladiatoren selbst und versetzen das Publikum in ein Delirium (Erregungszustand, Sinnestäuschung)

330  Man erschaudert: Über 4 1/2 Jahrhunderte kommen  hunderttausende von  Menschen im Kolosseum um
331  107 n. Chr.: 10’000 Gladiatoren kommen zur Zeit Trajans im Kolosseum um.  Es waren wahrscheinlich allesamt Kriegsgefangene
331  109 n. Chr.: Spiele 117 Tage lang: mehr als 9’800 Gladiatoren kommen um
331  113 n. Chr.: Während 3 Spieltagen kommen etwa 2’400 Gladiatoren um
331  Wenn von einer Todesrate vom 50 bis 100 Menschen im Monat ausgegangen werden kann – Verurteile und Gladiatoren, kommen wir insgesamt auf 270’000 bis eine halbe Million Menschen. Andere Schätzungen kommen viel höher, vielleicht auch sogar doppelt so hoch

331  Die Gladiatoren bleiben stehen beim Empfang, die Menge begrüsst sie mit Ovationen und sie heben die Arme, um sich zu bedanken
331  Heutzutage löst im Publikum nur noch die grossen Fussballchampions oder die prominentesten Schauspieler und Popstars solche Hysterie (gesteigerte Verhaltensweisen) aus

332  Man weiss, dass die Gladiatoren beim weiblichen Publikum überaus beliebt waren
332  Wer sind die Gladiatoren wirklich und woher kommen sie? Jeder hat seine Geschichte. Es sind Sklaven, inklusive derer, die zur Strafe für irgendein Vergehen von ihren Besitzern an die Gladiatorenschule verkauf wurden
332  Dazu kommen zum Tode verurteile Kriegsgefangene. Kaiser Nero liess angeblich 400 Senatoren und 600 Reiter gegeneinander kämpfen
332  Freie Männer  konnten auch ganz regulär Gladiator werden
332  Viele ehemalige Legionäre, auch Habenichts traten in die Arena. Abenteuer oder  Geldgier taten das seine
332  Manchmal sah man auch Frauen in der Arena, sogar solche aus guten Familien.  Kaiser Hadrian verbot als Nachfolger von Trajan diese Frauenkämpfe
333  Leute, die Schulden gemacht hatten, wurden an die Gladiatorenschule verkauft

333  Es gab unzählige Gladiatorenschulen in Rom und im gesamten Reich. Die berühmtesten und profitabelsten waren diejenigen des Kaisers
333  Die Ausbilder der Gladiatoren hiessen lanistae. Sehr unbeliebt
333  Man weiss, dass viele Gladiatoren verheiratet waren und Kinder hatten
333  Viele Gladiatoren erreichen sogar das Ende ihrer Karriere, beispielsweise ein gewisser Maximus (1. Jahrhundert n. Chr.) und gute 40 Siege erkämpfte. Diesen Gladiatoren wird der rudis verliehen, ein einfaches Holzschwert, das das Ende  ihrer Alpträume und den Beginn ihrer Freiheit bedeutet

334  Seltsam. Kein einziger Gladiator hat sich vor den Spiel-Organisator gestellt und den rituellen Satz gebrüllt: „Ave Caesar, morituri te salutant“ („Sei gegrüsst Cäsar, die Totgeweihten grüssen Dich!“). Es ist ein unhaltbares Mythos. Nur ein einziges Mal war dies vorgekommen: Vor einer naumachia, dem Schauspiel einer Seeschlacht unter Kaiser Claudius. Claudius antwortete mit einer Höflichkeits- Floskel und sagte „vielleicht“. Das wurde missverstanden. Man sah darin die Schenkung der Freiheit. Claudius korrigierte. Soldanten zwangen die Gladiatoren.      zum Kampf

334  Ein anderer Spektakel, Überraschung zu bieten, ist das von unten her Erscheinen der Gladiatoren aus den Falltüren, die vorher mit Staub bedeckt waren. Sie kommen also aus dem Nichts
335  Es gibt nicht weniger als 12 verschiedene „Typen“ von Gladiatoren, manche davon auf Pferden und Wagen: der retiarius (Netzkämpfer) kämpft gegen den secutor (Verfolger). Sie waren die beliebtesten Gladiatoren
335  Gilt es, den erfolgreichen Gladiator und die Schiedsrichtern anzufeuern, schreien die Leute Parolen, wie „Verbera!“ („Schlag zu!“), oder „iugula“! („Stich ihn ab!“) oder „Ure!“ („Mach ihn fertig!“)
335  An den Rändern der Arena spielen die Musiker weiter und untermalen besonders die entscheidenden Momente der Kämpfe

336  Anders als wir es aus Filmen kennen, trägt keiner der Gladiatoren eine Rüstung. Sie kämpfen alle mit nacktem Oberkörper. Nur die provocatores (Herausforderer, eine Unterart der Gladiatoren) tragen einen Brustschutz
336  Viele Helme sind mit Federn geschmückt, fast wie bei Indianerhäuptlingen. Heute erinnern nur noch einige Spezialeinheiten der italienischen Armee an diesen  Brauch

337  Ein Gladiator hat mehrere Möglichkeiten, um Gnade zu bitten. Er kann sich hinknien und den linken Zeigefinger hochstrecken. Er kann seinen Schild zu Boden werfen oder es mit dem Schwert hinter dem Rücken zusammenbringen – womit er dem Gegner seine schutzlose Brust zeigt
337  Der Gegner muss in dem Moment innehalten; denn die Gladiatoren sind Sklaven, sie haben nicht die Verfügungsgewalt über Leben und Tod eines Menschen. Derjenige, der die Spiele bezahlt hat, der editor, entscheidet, und niemand anders
338  Ein Gladiator fällt. Das Publikum tobt und skandiert: „hoc habet, hoc habet!“ („Jetzt hat er ihn, jetzt hat er ihn!“)

340  Anders, als man heutzutage geheimhin denkt, ist der Zeichencode mit dem nach oben oder nach unten zeigenden Daumen nicht allgemein verbreitet. Hier z. B. benutzt ihn niemand. Um über das Schicksal des Besiegten zu befinden, ruft  man laut – und verwendet bestimmte Worte: „Mitte!“ („Lass ihn frei!“) oder „iugula!“ („Stich ihn nieder!“, wörtlich: „Schneid ihm die Kehle durch!“)
340  Der Sieger nimmt seinen Helm ab und kommt sofort von herbeieilenden Jünglingen zum Zeichen seines Sieges einen Palmzweig und einen Silberteller voller Goldmünzen überreicht

341  Der Gegner liegt leblos in einem See aus Blut. Ein paar Helfer kommen – sie tragen ein spezielles Kostüm und eine Charon-Maske, und sogar ihre Haut ist mit violetter Farbe bemalt (griech. Charon: Fährmann, die Toten über den Fluss bringt).Sie machen Haken am Leichnam fest und ziehen ihn an Ketten zu der Tür, die der des Siegers gegenüberliegt, der porta libitinaria, der Tür der Libitina, der Göttin der Toten. Der Leichnam wird in einen eigens dafür vorgesehenen Raum gebracht.
341  Manchmal wird dem Toten auch Blut genommen. Gladiatorenblut ist sehr gefragt, weil man davon ausgeht, dass sich damit Krankheiten kurieren lassen wie z. B.  Epilepsie. Die Leichname werden in Massengräbern ausserhalb der Stadt geworfen
342  Zur Gladiatorentechnik: Während die Strategie des ritiarius („Netzkämpfer“, eine Unterart der Gladiatoren) darin besteht, ständig um den Gegner herumzulaufen, und dann plötzlich das Netz über ihn zu werfen, hat es der murmillo („Schwerbewaffneter“, eine Unterart der Gladiatoren) nicht leicht zu kämpfen. Er muss immer versuchen, den Gegner im Auge zu behalten. Aber sein Helm erlaubt es ihm nur, nach vorn zu sehen, nicht zu Seite
346  Ein Gladiator erleidet den Tod. Enden die Kämpfe immer so? Offenbar führte eine Niederlage in der Arena nicht allzu häufig zum Tod des Gladiators, und zwar aus verschiedenen Gründen: Zunächst deshalb, weil es sehr lange dauerte, einen Gladiator auszubilden; und ihn gleich zu verlieren, machte die jahrelange Arbeit zunichte. Ausserdem kosteten Gladiatoren Geld, und zwar  nicht nur den ihn      auszubildenden lanista (Ausbilder), sondern auch der Veranstalter der Spiele, der den Trainer für die entstandenen Kosten mehr als entschädigen musste. Es ist also nachvollziehbar, dass er nicht leichtfertig den Befehl zum Töten gibt

346  Wahrscheinlich endeten viele Kämpfe mit der ‚missio‘, also der Begnadigung des Besiegten. Und kämpfe ’sine missio‘, also bis zum bitteren Ende, waren relativ selten

347  Das Abendessen. Der späte Nachmittag. Geschäfte sind schon seit Mittag geschlossen, das Forum ist menschenleer, die Thermen, das Kolosseum und der Circus maximus (Wagenrennen) werden leer. Einwohner Roms und des  Imperiums bereiten sich auf das letzte Ereignis des Tages vor: das Abendessen
347  Man steht im Morgengrauen auf und geht kurz nach Sonnenuntergang zu Bett. Auch das Abendessen wird beendet, solange es noch nicht ganz dunkel ist (in den Strassen wird es dunkel und gefährlich)
347  Bankette gibt es aber auch, die bis tief in die Nacht dauern (die von Nero  dauerten bis Mitternacht, die von Trimalchio (protzenhafter Emporkömmling) bis in die frühen Morgenstunden
348  Der zweite Grund: Im alten Rom gibt es im Wesentlichen drei Mahlzeiten: das Frühstück (ientaculum), das Mittagessen (prandium) und das Abendessen  (cena), ausgiebig die erste, bescheiden die zweite. 9 Stunden nach dem Frühstück hat man am Abend Hunger
349  Die alten Römer veranstalten sehr häufig Bankette, die 6 bis 7 Stunden dauern
349  In erster Linie gilt es darum, hier gesellschaftliche Kontakte zu knüpfen, zu sehen  und gesehen zu werden und seinen Wohlstand bewundern zu lassen
349  Bankette sind also weniger reine Abendessen als vielmehr gesellschaftliche Ereignisse, zu denen verschiedene Delikatessen gereicht werden, wie z. B. Austern, gebratene Flamingos und Wein nach Herzenslust
350  Die Römer verbringen die meiste Zeit nicht bei Tisch und schlemmen. Dieser Mythos ist ebenso verbreitet wie falsch. Die Römer sind einfache Leute, die normalerweise nicht viel essen, sondern im Gegenteil sehr viel Wert aufs Masshalten legen
350  Es ist nicht wahr, dass die Römer die meiste Zeit bei Tisch verbringen und schlemmen
350  Natürlich gibt es Ausnahmen: Die Bankette sind elitäre (auserlesene) Veranstaltungen
352  Beim Eintritt zum Bankett ziehen die Sklaven den Gästen die Schuhe aus und waschen ihnen die Füsse mit parfümiertem Wasser
354  Die Gäste liegen auf den berühmten drei Speisesofas
355  Kaum haben sich die Gäste hingelegt, waschen ihnen zwei Sklaven mit  parfümiertem Wasser voller Rosenblüten die Hände
356  Kaum sind die Wiedergabe von lateinischen Versen durch einen gebildeten Sklaven vorbei, beginnen die Sklaven die Vorspeisen (gustus) zu servieren
356  Es folgen z. B. mit Seeigeln gefüllte Sausitzen. Ein gelungenes Bankett sieht mindestens 7 Gänge vor. Es folgen Langusten mit gefülltem Kaviar. Kamelfüsse mit einer gelben Sauce auf Safran- und Eierbasis, dann Gänsestopfleber (Foie gras), dann gefülltes Huhn, Schmorhase und Fischplatte, gefüllte Nachtigallen mit Rosenblüten
357  Ein Bankett kann bis zu 6 bis 7 Stunden dauern
357  Wie isst man all diese Gänge? Mit einem System, das in die Geschichte eingegangen ist: auf den linken Ellbogen gestützt, der auf einem Kissen ruht Mit der linken Hand hält man den Teller, und mit der rechten isst man. Die Gäste liegen einer neben dem anderen, ohne Schuhe, aber mit gewaschenen Füssen
358  Eine neuerliche Studie hat ergeben, dass es wegen der Form unserer Mägen sogar verdauungsförderlich ist, in dieser Haltung zu essen
358  Weil man keine Gabeln kennt, wird das Essen meist schon geschnitten oder in mundgerechten Portionen serviert. Man isst alles mit den Fingern
359  Ständig gehen Sklaven mit Silberkrügen voll parfümiertem Wasser zwischen den Tischgästen umher, waschen ihnen die Hände und trocknen sie mit blitzsauberen Tüchern ab
362  Das Bankett wird mit Gesprächen, Witzen, Ratespielen, sogar einer kleinen Lotterie fortgesetzt und von dezenter Hintergrundmusik begleitet. Akrobaten geben raffinierte Verrenkungs- und Balancekunststücke zum besten
363  Danach treten noch die Spassmacher auf

363  Die Küche ist nicht weit weg und wie in allen domus nicht sehr geräumig. Hier herrscht Anspannung. Das Essen muss perfekt gelingen und alle, vor allem den Hausherrn, zufriedenstellen
363  Geheimnisse der römischen Küche: Flamingos werden gerupft, gewaschen und zusammengebunden, dann in einen tiefen Topf mit leicht gesalzenem Wasser gesteckt, Dill (Gewürzepflanze) und einen Tropen Essig hinzugefügt und das ganze langsam köcheln lassen. Wenn das Fleisch zart ist, in eine grosse Schüssel legen, Mehl in den Kochsud geben und so lange rühren, bis er dickflüssig wird wie eine Sauce. Verschiedene Gewürze beifügen, den Vogel mit der Sauce übergiessen und Datteln hinzufügen.
364  Nach diesem Rezept wird Flamingo im ganzen Römischen Reich zubereitet. Und genau so kocht man Papageien
364  Wenn man das entsprechende Kleingeld hat, kann man auf dem Forum Köche samt Küchenmannschaft mieten
364  Was sind die Geheimnisse des „Küchenmagiers“? Es herrscht absolute Ordnung, die Bewegungen und Abläufe in der Küche scheinen einem ungeschriebenen Gesetz zu folgen. Die Atmosphäre ähnelt der in einem Operationssaal
365  Da es weder Tomaten noch Mozzarella gibt, hat natürlich noch niemand die Pizza erfunden. Es gibt weder Spaghetti noch die anderen Pastaarten, die sich erst im Mittelalter in Italien verbreiten werden
366  Nachtigallen mit Rosenblüten: beides in einem Wasser ruhen lassen, dann Geflügel mit Honig einreiben. Füllung mit Hack aus Innereien. Dieser Füllung gehackte Münze und Sellerie hinzufügen. Mit Marmormörser Knoblauch, Nelken, Pfefferkörner, Koriander (Gewürzepflanze) zerdrücken, Olivenöl beigeben. Und zuletzt ein Tropfen defrutum, ein Traubensaft-Konzentrat. Jetzt ist die Füllung fertig, die in den Vogel gestopft wird, dazu eine reife Pflaume. Die Vögel werden dann auf kleiner Flamme gegart und mit Rosenblätter dekoriert. Mit einer schönen Amphore Falernerwein servieren

367  Der gute Ton bei Tisch: Man isst mit den Händen und macht sie natürlich fortwährend dabei schmutzig. Alle Reste werden zu Boden geworfen: Knochen, Hummerschalen, Muscheln, Gräten usw. Es liegt alles auf dem Boden vor und unter den Sofas des Trikliniums (Essraum)
368  Gerülpst wird ausgiebig, und das wird sehr begrüsst. Rülpser sind Zeichen von Vornehmheit! Das Rülpsen gilt sogar als etwas Kultiviertes, denn laut den Philosophen folgt man dabei der Natur, und daher betrachtet man es als höchsten Ausdruck von Weisheit
368  Bei einem Bankett sind auch Fürze willkommen
368  Einer der Gäste schnippt mit den Fingern. Ein Sklave mit einem eleganten Nachttopf aus mundgeblasenem Glas eilt herbei, hebt die Toga des Gastes an und lädt ihn so dazu eine, sich in das Gefäss zu erleichtern
369  Viele Gäste stehen auf, um in ein anderes Zimmer zugehen und sich übergeben, um so im Magen wieder Platz für mehr Essen zu schaffen
369  Es ist durch aus üblich, übrig gebliebenes Essen in seine Serviette zu wickeln und mit nach Hause zu nehmen, apophoreta genannt

369  Süsses und Obst: Die Sklaven räumen die Tische ab und bestreuen den Fussboden mit rot gefärbten Sägespänen. Dies ist das Zeichen, dass der Hauptteil des Banketts abgeschlossen ist
369  Jetzt beginnt der Teil, der secundae mensae gernannt wird, zu dem Desserts und Obst serviert wird
369  Platten voller kleiner Konditormeisterwerke und ein grosses Dessert werden herbeigetragen. Im Alten Rom war Honig das Hauptsüssungsmittel
369  Der Obstgang besteht hauptsächlich aus Äpfeln, Rosinen und Feigen
370  Auf Pfirsiche undaAprikosen sind die Römer ganz wild

370  Das kleine Orchester stimmt plötzlich eine neue, sehr exotische Melodie an, und von beiden Seiten des Trikliniums erscheinen Tänzerinnen, die sich lasziv (übertrieben sinnlich) zum Klang der Kastagnetten bewegen, getanzt meistens von Frauen aus Gades (Gádiz) in Andalusien. Der Tanz ist heute zu vergleichen mit dem Flamenco
371  Der Abend kann sich noch in eine bestimmte Richtung entwickeln. Er endet nicht unbedingt mit einer Orgie, aber nirgends steht geschrieben, dass ein Bankett in eine Orgie ausarten muss
371  Dennoch ist manchmal am Ende von Banketten auch noch Raum für Sex

372  Der Goldschmuck der Römer:  Da es hier bei den Banketten um Sehen und Gesehenwerden geht, haben alle ihre schönsten Schmuckstücke angelegt
372  Die Männer tragen hauptsächlich 2 Sorten Schmuck: Anstecknadel und Ringe. Sie sehen ein bisschen aus wie Eheringe, oben auf dem Fingerrücken dicker und breiter mit einem Edelstein, einer Perle oder einem Karneol (ein rot bis bis gelblich gefärbter Schmuckstein)
372  Es sind die Frauen, die das meiste Gold zur Schau stellen.

Lateinische Bezeichnungen im Alten Rom

18    insula, Wohnquartier
21    vigiles, Wächter
24    Peristyl/Perystilen, Innengärten, Oasen des Friedens
25    Triklinium, Speisezimmer
26    cave canem, Vorsicht vor dem Hund
27    impluvium, Wasserbecken
28    cubiculum, Schlafzimmer
29    pater familias, Hausvater
29    Tablinum, Büro des Hausvaters
34    familia, Sklaven im Besitz eines Hausherrn (5 bis 12 Sklaven)
37    Domus, Haus
38    atriensis, Sklave, der den Tresor bewacht
41    Dominus, Hausherr
42    Lararium, heilige Stätte des Hauses
44    sublicaculum, Lendenschurz
48    toga praetexta, Toga, purpurfarbene Umrandung
49    caligae, Stiefel der Legionäre mit Eisennägeln
50    palla, rechteckiger Schal der Frauen
51    matrona, ehrbare, verheiratete Frau
56    domina, Frau des Hauses
61    ornatrices, Sklavinnen
63    ientaculum, Frühstück
65    sportula, Almosen des Dominus
66    patronus, reicher und mächtiger als der Andere
66    salutatio, Empfang am Morgen
66    tablinum, Büro des Dominus
67    pater familias, Vorsteher des Hauses
72    palatium, Hügel Palatin, heute mit „Palast“
72    velarium, Zelttuch des Kolosseums mit 240 Pfosten zum Befestigen
75    solaria, winziges Ziffernblatt mit Ø von 3 cm (wie die heutigen
.       Taschenuhren).
.       Nur in Rom anwendbar und bei Sonne
76    vigiliae, Wachen
78    fullonica, Wäscherei (auch Urin zum Waschen)
80    tonsor, Barbier
80    tonstrinae, Coiffeurladen
83    insulae, Häuserriesen, 46’602 davon in Rom (2. Jahrhundert n.
.       Chr.)
84    maenianum, schmaler Balkon über die ganze Länge der insula
86    pergulae, Holzloggien an den Häusern
93    cenacula, Wohnungen, so genannt in Rom
94    triclinium, Esszimmer
107  aquarii, Wasserträger (unter den Sklaven)
107  ostiarii, Pförtner
107  scoparii, Kehrer
109  popina, eine Art Cafè und Imbissbude
110  thermopolium, Küche für alle
110  Thermen, Bade- und Vergnügungsorte. Die Bevölkerung ist also
.       immer draussen.
111  viae, Strassen zwischen 4,8 und 6,5 m Breite mit Gegenverkehr. In
.       Rom sind nur zwei vorzufinden.
.       vici, Gassen, angiportus, noch schmaler, semitae, kleine Pfade. Bei
.       letzteren kann man sich im gegenüberliegenden Haus die Hand
.       reichen.
111  clivi, Treppen
113  tabernae, Geschäfte mit „Rollläden“
118  garum, Fischsauce, von den Römern sehr geliebt
125  cella, das Allerheiligste im Tempel. Das Innere des Tempels nur für
.       Priester
129  Haruspex, Wahrsagepriester. Von den Eingeweiden von Opfertieren
.       wird wahrgesagt. Die Leber ist geeigneter Anzeiger für das
.       Schicksal.
130  Gottheiten im Alten Rom:
.       Gruppe 1: Laren (die Seelen verstorbener Vorfahren)
.       Gruppe 2: die grossen Namen des Pantheons: Jupiter (Gott des
.       Himmels, Beschützer des römischen Volkes); Juno (Gattin Jupiters,
.       Göttin der Ehe und Geburt); Minerva (Göttin der Künste, des
.       Krieges, der Intelligenz)
.       Alle Städte besitzen einen Tempel mit 3 Allerheiligsten.
131  Sistrum, Musikinstrument mit Metallstäbchen bei Prozessionen
133  dies Solis, Tag der Sonnengeburt (21. Dezember als kürzerster
.       Tag)
136  eques speculator, berittener Wachsoldat (bei Trajan sind es die
.       Prätorianer)
142  pupa, Puppe (aus Ton, Holz, Elfenbein: bewegliche Beine und
.      Arme)
144  tesserae, Würfel für Spiele
144  fritillus, Becher
150  plagosus, Prügler. Es ist der Lehrer gemeint.
150  grammaticus, Lehrer
151  Rhetor, mit 15 oder 16 Jahren erhält man einen neuen Lehrer für
.       Rhetorik
152  aulae, Säle bei mittleren und höheren Schulen
156  Forum Holitorium, Gemüsemarkt
156  Forum Roarium, Viehmarkt, Rindermarkt
162  Abakus, Rechenmaschine
162  calculi, Kugeln →Kalkül, kalkulieren
167  Monte Testaccio, Müllhalde am Tiber (aus Scherben bestehend)
167  Testaceus (heute Monte Testaccio), Anhöhe am Tiber mit zirka 40
.       Millionen Amphorenscherben
175  sellae, Tragsessel
175  lectica, Sänfte
176  chiramaxim, Handkarren
177  tabernae, Restaurant
181  bulla, Kapsel an einem Kettchen, in der kleine Glücksbringer sind
195  mangones, Sklavenhändler (unbeliebt)
198  peregrinus, Ausländer, Fremder
200  familia urbana, städtische Sklaven; familia rustica, ländliche Sklaven
201  ergastulum (Gefängnis), Raum, wo der Sklave wohnt
204  lupanar, Bordell
204  manumissio, Freilassung des Sklaven
204  atrium libertatis,Halle der Freiheit im Trajansforum. Hier werden
.       Sklaven freigelassen.
208  lanternarius, Sklave leuchtet seinem Herrn die Strasse. Der Her
.       möchte vor allem die Leute erkennen.
208  ornatrices, Kosmetik-Sklavin
212  tabellarius, Postbote
214  Liktoren. Diener eines hohen Magistraten (Liktorenbündel im
.       Kantonswappen St. Gallens)
214  Pontifex maximus, Kaiser und oberster Priester; Brückenbauer. Der
.       Papst hat diesen Titel übernommen.
216  Campus Sceleratus, Frevelfeld. Hier landen unkeusche Vestalinnen
.       in einer Höhle. Sie erhalten dazu etwas Brot und eine Öllampe und
.       werden so lebendig begraben.
217  Velabro, Bach durch versumpftes, mückenverseuchtes Forum
.       Romanum
217  Cloaca maxima, Hauptkanal Roms für Abwasser. Auffang durch
.       Tiber.
219  Campus Vaccinus, Kuhweide (in den Foren)
222  Im Forum Romanum ist die rostra vetera, die Rednertribüne, zu
.       finden.
223  Im Forum Romanum ist der Milliarium Aureum, der Endpunkt aller
.       Strassen, die nach Romführen, zu finden. Die Entfernungen sind
.       markiert.
223  Im Forum Romanum befindet sich der Umbilicus Urbis, der Nabel
.       der Stadt bzw. des Römischen Reiches.
223  Forum Romanum: Mundus. Hier berühren sich in einem Loch die
.       Ober- und Unterwelt.
224  Die Basilica, ausschliesslich weltlich genutzt durch
.       Gerichtsverhandlungen
225  actadiurna, täglich öffentliche Akten für neueste
.       Bekanntmachungen. In Rom
.       existiert keine Zeitung. Wer etwas wissen, will, geht ins Forum
.       Romanum.
226  nomenclator, Namensnenner (Sklave) neben der Sänfte. So muss
.       der Getragene nicht ständig hinausschauen.
227  aquarius, Wasserbau-Ingenieur
229  causidice, Fürsprecher. Sie kennen sich vor Gericht nicht aus.
230  centumviri, 100 Männer als Richter in der Basilica Iulia. Es sind
.       eigentlich 180.
231  Prätor, Vorsitzender der Gerichtsverhandlungen
236  laudiceni, erste Reihe im Gerichtssaal mit den Claqueuren (bezahlte
.       Beifall-Klatscher)
252  manumissio, Sklavenschaft wird beendet (Trajansforum)
253  forma Urbis, kompletter Lageplan Roms
255  conductores foricarum, Toilettenpächter
.       pecunia non olet, Geld stinkt nicht
256  archiatrus, eine Art Oberarzt
262  sedia gestatoria, Geburtsstuhl. Man gebärt sitzend im Alten Rom
265  subura, bevölkerungsreichstes Viertel Roms, hinter den kaiserlichen
.       Foren, mit vielen Buchhandlungen und Schreibsklaven
273  Damnatio ad bestias, Verurteilung zu den Bestien. Ein Urteil des
.       Richters, d. h., der Verurteilte wird den Tieren vorgeworfen
282  caupona, Hotel. Im Erdgeschoss ein Restaurant, die Zimmer sind
.       oberen Stockwerk. Mit Pferdstall
284  taberna vinaria, Weinstube
286  dolia, Tonkrüge mit Oliven oder Dinkelgrütze
288  popina, Garküche, Kneipe, Bar, mit Essen, Getränken und Musik
288  pipertum, conditum, Pfeffer und andere Aromen mit Honig, Wein
.      und heissem Wasser (Cocktail)

294  Thermen (Bäder): balnea, kleine öffentliche Bäder (Mini-Thermen)
294  laconica, Schwitzbäder, die Krankheiten vertreiben sollen
295  natatio, etwa 1 m tiefes Becken in den Thermen: zum Plaudern, zur
.       Entspannung, für ein kühles Bad in der Hitze
296  Die Thermen mit calidarium, frigidarium, ein Badekomplex,
.       umgeben von Gärten, Parkanlagen, Statuen, Brunnen und
.       Landgüter fürs Volk
299  Apodyterium, Umkleideraum in den Thermen
299  nigra aluta, Lendenschurz, getragen in in den Thermen
300  subligaculum, Wickel um Hülfte und Schamteile
300  palaestrae, Sportplätze in den Thermen
300  trochus, Reifen zum Spielen
301  Thermen: Ballspiele
.       pilapaganica, Ball mit Federn gefüllt. pilaharpasta, mit Sand
.       gefüllt. pilafollis, tierischer Darm mit Luftkammern
301  ludere expulsim, eine Art Tennis mit offener Hand, ohne
.       Schläger
301  trigan, 3 Spieler im Dreieck. Man spielt sich ohne Voranmeldung
.       die Bälle zu
301  Gymnasiarchen, ältere Männer geben Ratschläge an eingeölte
.       Kämpfer
302  adulterae, Ehebrecherinnen
303  tepidarium, Aufwärmhalle; calidarium, Hitzehalle; frigidarium,
.       Abkühlhalle. Alle drei Abteilungen haben das Ausmass einer
.       Kathedrale
305  laconicum, heissester Raum der Thermen, 60° warm. Die Luft
.       ist heiss und trocken
307  clients, Kunden, die den Dominus in den Thermen besuchen
308  capsa, Lederfutteral mit dem Papyri: Der Sklave liest seinem
.       Herrn Dokumente vor

314  Kolosseum: munera, Gladiatorenkämpfe
315  Via sandaliarius, direkte Strasse zum Kolosseum
317  Amphitheater Flavium, heutiges Kolosseum
.       Amphitheater griech.: elliptisches, meist dachloses
.       Theatergebäude mit stufenweise aufsteigenden Sitzen.
.       Flavium: Kaiser Vespasian, aus den Familien der Flavier,
.       weihte 80 n. Chr. sein Kolosseum ein
317  Ludus Magnus, Gladiatorenschule neben dem Kolosseum
320  vomitoria, abgeleitet von vomere, d. h. erbrechen. So nannte
.       man also den Auslass in die Arena „Kotzausgang“.
324  equites, Ritter. Sie sitzen im 2. Bereich des Kolosseums. Ihre Götter
.       sind Castor und Pollux
324  Ave Caesar, morituri te salutant: Sei gegrüsst Cäsar, die
.       Totgeweihten grüssen Dich. Dieser Gruss der Gladiatoren an den
.       Cäsar vor Beginn der Kämpfe ist ein Mythos
325  panem et circenses, Brot und Spiele
328  Ädil, eine Art Richter und Sponsor der Spiele
328  editor, Sponsor der Spiele im Kolosseum für einen oder mehrere
.       Tage
330  fasces, Rutenbündel (siehe Kantonswappen von St. Gallen)
330  buccinae, Trompetenspieler im Kolosseum
333  lanistae, Ausbilder der Gladiatoren, unbeliebt
333  rudis, Verleihung des Holzschwertes an erfolgreiche Gladiatoren
.       und damit die Freiheit und Ende der Alpträume
334  naumachia, Schauspiel einer Seeschlacht
334  tibiae, Trompter im Kolosseum
334  cornua, Hörner
335  provocatores, Herausforderer im Kolosseum
335  verbera! Schlag zu!
335  iugula! Stich ihn ab!
335  ure! Mach ihn fertig!
336  hoplomachus, Schwerbewaffneter
337  murmillo, ebenfalls ein Schwerbewaffneter
338  sica, kurzes Schwert
338  hoc habet! Jetzt hat er ihn!
338  thraex, Traker, eine Unterart der Gladiatoren
341  porta libitinaria, Tür der Libitina, die Göttin der Toten, wo die
.       Leichnams der Gladiatoren hinausgeschleppt werden
346  missio, Begnadigung des Gladiators
346  sine missio, keine Begnadigung

347  ientaculum, Frühstück; prandium, Mittagessen; cena, Abendessen
349  lanternarius, dieser Sänfte-Sklave wartet, bis sein Herr (nach
.       Stunden) aus dem fremden Hause zurückkehrt
352  impluvium, Regenwasserbecken  im Atrium eines römischen
.       Hauses
353  Nomenclators, Privatsekretär
354  „Klinen“ des Trikliniums (Speisezimmer mit 3 geneigten Liegen
.       [Speisesofas])
356  gustus, Vorspeisen
356  ministratores, Aufwärter beim Essen
356  mulsum, mit Honig gemischter Wein, beliebte Vorspeise
358  trulla, klassischer Suppenlöffel (die Gabel kannte man noch nicht)
358  ligula, Kinderlöfffel
358  cochlear, spitzer Löffel zum Essen von Eiern und Muscheln
361  garum, die auf römischen Banketten beliebteste Sauce
.       (vergleichbar mit dem heutigen hochwertigen Aceto Balsamico
362  lucanica, sehr beliebte Wurst aus geräuchertem Rinder- oder
.       Schweinehack
362  Foie gras, Gänsestopfleber
364  „Pullus farsilis! Lepus madidus! Patina piscium!“ ruft ein Sklave laut
.       in die Essrunde („Gefülltes Huhn! Schmorhase! Fischplatte!“)
364  magirus, „Priester der Küche“
364  archimagirus, Chefkoch mit seinen Hilfsköchen
366  defrutum, Traubensaft-Konzentrat
369  apophoreta, übrig gebliebenes Essen eines Banketts, das man nach Hause nimmt
369  secundae mensae, Dessert und Obst zum Nachgang
370  persica, Pfirsich
370  Malum persicum (lat.), persischer Apfel; zum Teil heute noch genannt in Rom und
.       in Gegenden Norditaliens
372  crotalia, Ohrringe (Creolen) oder Gehänge mit Perlen

190: Die acht grossen Probleme im Alten Rom
.       (die mit den heutigen identisch sind)

Wie Prof. Romolo Augusto Staccioli betonte, sind die Probleme, die die Einwohner des antiken Roms plagten, dieselben wie die des heutigen Roms (und aller anderen Metropolen). In fast 2000 Jahren hat sich die Situation keineswegs verändert. Die folgende Auflistung ist überraschend vertraut:

  • der Verkehr
  • der Lärm und das Chaos in Strassen und Gassen
  • die Zeit, die man braucht, um sich fortzubewegen
  • der Schmutz
  • die Wohnungsnot mit astronomisch hohen Mieten
  • die Einsturzgefahr und mangelnde Bausicherheit der Häuser
  • die unkontrollierte Zuwanderung
  • die nächtliche Unsicherheit

Altes Rom mit überfüllten Strassen: Das Alte Rom hat eine Menge „moderner“ Probleme: chaotischen (Fussgänger-)Verkehr, Verkaufsstände, die die Bürgersteige verstopfen…

Wie heute auch noch ist es nicht einfach, sich durch Rom zu bewegen. Und das trotz der im Jahre 45 v. Chr. von Caesar erlassene und bereits erwähntem Vorschrift, nach der tagsüber  nur Fahrzeuge mit öffentlichem Interesse in den Strassen zirkulieren durften und der Privatverkehr zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang verboten war. Aber wie heutzutage auch gab es auch im Alten Rom etliche Amtsinhaber und gewisse „Privilegierte“, die mit ihren eigenen Fahrzeugen unterwegs sein durften. Die Lärmbelästigung in Strassen und Gassen war ein anderes Problem. Martial (Dichter) äusserte sich folgendermassen über das tägliche Chaos: „In Rom gibt es keinen einzigen Platz, wo  man meditieren oder sich ausruhen könnte. Morgens quälen dich die Grundschullehrer, nachts die Bäcker und tagsüber das Hämmern der Kupferschmiede. Da steht der Geldwechsler und schüttet auf seinem schmiereigen Tisch Neros Münzen aus. Dort schlägt der Juwelier mit seinem glänzenden Hämmerchen auf spanisches Gold ein. Und die Fanatiker des Bellona-Kults (eine Kriegsgottheit) hören nie auf zu schreiben; der Schiffsbrüchige erzählt an einer Holzplanke geklammert seine Geschichte; der kleine jüdische Junge ist von seiner Mutter dazu abkommandiert, dich um Almosen anzugehen; der triefäugige Verkäufer preist laut seine Schwefelhölzchen an…“ Und Dichter Juvenal fragt sich: „Welches Miethaus in Rom gewährt einem Schlaf? Nur wer reich ist, darf schlafen.“ (…)

→Separate Register unter R: Römische Frage, Römisches Jahr

Rom, Tatsachen und Meinungen I

OR Nr. 35 vom 03.09.2010:
Der Petersdom ist laut einer internationalen Erhebung das beliebteste Gratis-Touristenziel in Europa. In der Liste sind auch das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau, der sizilianische Vulkan Ätna, die Ausgrabungen von Ostia antica bei Rom und der Canale Grande in Venedig aufgeführt. Der römische Vizebürgermeister Marco Cutrufo sieht im Spitzenplatz für Sankt Peter eine weitere Bestätigung für Rom. Zugleich verweist er darauf, dass sich von den jährlich rund 12 Millionen Besuchern der italienischen Metropole etwa 97 Prozent ausschliesslich in der Innenstadt aufhielten.

Stefan Ulrik, quattro stagioni:
Das eher kleine Italien besitzt mit seinen 20’000 Schlössern, 100’000 Kirchen, ungezählten Museen und archäologischen Ausgrabungsstätten mehr Kulturgüter als alle anderen Staaten der Welt zusammen. Das alles zu erhalten oder auch nur zu schützen ist fast unmöglich. Daher wirkt das Land manchmal wie ein riesiger Kultur-Selbstbedienungsladen. Seit 1970 seien 850’000 Kunstgegenstände geraubt worden, rechnen die Carabinieri vor. Nach Drogen und Waffen zähle der internationale Kunst-Schwarzmarkt zu den lukrativsten Geschäften der Welt.

Kultur-Carabinieri in Italien: Eine paar Hundert starke Spezialisten-Einheit, die sich auf die Unterstützung der 110’000 normalen Carabinieri und des übrigen Staatsapparates, auf die Polizeieinheiten anderer Staaten und auch auf Interpol stützen können. So jagen sie ziemlich erfolgreich Kunsträuber, -schmuggler und –hehler bis hinein in die Chefetagen der grossen Museen Europas und Amerikas.

OR Nr. 1 vom 06.01.2012:
Die Stadt Rom ist 2011 als Reiseziel noch beliebter geworden. Rund 11,4 Millionen Gäste kamen zwischen Januar und November in die Ewige Stadt. Das sind rund eine Million mehr als 2010 und entspricht einem Zuwachs von knapp 8,4 %. Insgesamt registrierte der Fremdenverkehrsverband der Region Latium demnach 28,4 Millionen Übernachtungen in Rom, rund 2 Millionen mehr als 2010.

Georg Ürögdi, Das Leben im alten Rom, S. 52

Rom war nicht nur die Hauptstadt der römischen Welt gewesen, sondern mehr als dies, ihre Beherrscherin. Bereits die Staatsmänner der republikanischen Zeit hatten dem römischen Volk diesen Gedanken glaubhaft gemacht.

Deutsche Pilgerzeitung, Sommer 2014, Nr. 20, S. 7
Eine Stadtrundfahrt einmal anders
Günstig und bequem geht es mit der Strassenbahnlinie 3 quer durch das antike, christliche und moderne Rom. Von Natalie Nordio

Wer kennt sie nicht: die „Hop-on Hop-off“ Busse, die in fast allen Grossstädten weltweit Touristen an Sehenswürdigkeiten und Monumenten vorbei kutschieren. In Rom gibt es die natürlich auch. Doch die Strassenbahnlinie 3 bietet dazu eine tolle und günstige Alternative. Gerade einmal 1,50 Euro kostet die Fahrkarte, mit der man rund 100 Minuten lang quer durch Rom fahren kann.
Startpunkt der Linie 3 in Richtung Valle Giulia ist die Porta San Paolo direkt an der Piazzale Ostiense im Stadtviertel Testaccio (Metrostation Porta S. Paolo). Das mächtige Stadttor war eines von ursprünglich 18 Toren der Aurelianischen Mauern und trug den Namen Porta Ostiensis, da man von hier aus über die gleichnamige Strasse nach Ostia kann. Kaiser Aurelian (270-275) hatte die Stadt im späten 3. Jahrhundert mit hohen, dicken Mauern umgeben. Später wies das Tor Pilgern den Weg zur nahen Basilika des heiligen Paulus. Heute beherbergen die Wachtürme ein Museum. Direkt neben dem Tor steht die Pyramide des Cestius (43. v. Chr. Prätor; seine Lebensdaten sind ungewiss). Nach der Eroberung Ägyptens zeigte sich Rom begeistert von den neuen Götterkulturen und es kam zu einer wahrhaften Ägyptomanie Der Prätor Caius Cestius Epulo liess 20 vor Christus vor den Toren der Stadt ein Grabmal aus Ziegeln und Travertin in Pyramidenform mit einer Höhe von knapp 40 Metern errichten. Später bezog Kaiser Aurelian das Mausoleum in die Mauern ein.
Von der Piazzale Ostiense fährt die Tram Nummer 3 über den Aventin-Hügel hinunter in das Murcia-Tal, in dem sich einst die grösste Rennbahn der Antike befand: der Circus Maximus (600 x 140 m, 150’000 Plätze, später gegen 250’000. Hier im 6. Jahrhundert die ersten Wettkämpfe). Legt man an der Haltestelle einen Stopp ein, so sollte man auf dem Aventin, einem der 7 Hügel, auf denen Rom gegründet wurde, neben dem berühmten Schlüsselloch, durch das man die Kuppel von Sankt Peter sieht, unbedingt der frühchristlichen Basilika der heiligen Susanna einen Besuch abstatten. Über den Caelius-Hügel, ebenso einer der klassischen Sieben, führt die Strassenbahn schnurgerade an Roms grösstem Amphitheater, dem Kolosseum vorbei. Gerade einmal 8 Jahre haben die Kaiser Vespasian (69-79) und Titus (79-81) für den Bau der knapp 50 m hohen elliptischen Kampfarena gebraucht. Während der hunderttägigen Eröffnungsspiele 80 nach Christus sollen allein 5’000 Tiere getötet worden sein.
Über den mittelalterlichen Pilgerweg, die Via Labicana, führt die Strassenbahnlinie weiter zum Lateran. Im ersten nachchristlichen Jahrhundert befanden sich hier die Gärten der Familie Laterani, die „Horti Laterani“. Doch Kaiser Nero (54-68) gefiel die Gegend so gut, dass er kurzerhand die Familie enteignete und verbannte. Im 4. Jahrhundert liess Kaiser Konstantin (306-337) hier die erste grosse Basilika errichten. Er weihte das Gotteshaus dem Erlöser. Erst im 10. und 11. Jahrhundert war die Kirche zudem noch Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten, im Italienischen „Giovanni“ geweiht worden. San Giovanni in Laterano ist „Mutter und Haupt aller Kirchen in der Stadt und des Erdkreises“, so lautet die Inschrift an der Fassade. Sie ist die einzige der grossen konstantinischen Basiliken, die innerhalb der Stadtmauern liegt, und somit Sitz des Bischofs von Rom, und das ist bekanntlich kein Geringerer als der Papst. Ein kurzer Halt lohnt sich allemal, denn das Baptisterium (Taufkapelle) hinter der Kirche und das Gebäude der Scala Santa, der heiligen Stiege aus dem Palast des Pontius Pilatus, direkt daneben, sind wirklich einen Besuch wert. Entlang der Aurelianischen Mauern bummelt die Strassenbahn gemächlich weiter in Richtung Santa Croce in Gerusalemme. Die heilige Helena soll hier nach ihrer Rückkehr aus Jerusalem in Teilen ihres Palastes im 4. Jahrhundert eine erste Kapelle errichtet haben.  Erde aus dem Heiligen Land bildete den Boden des Kirchleins. Im Mittelalter galt der Ort deshalb als so heilig, dass Frauen der Zutritt untersagt blieb. Von der Erde sieht man zwar nichts mehr, doch wird neben anderen Reliquien auch heute noch die Hälfte des Kreuz-Titulus (Titulus = mittelalterliche Bildunterschrift) in Santa Croce aufbewahrt.
Nur wenige hundert Meter weiter erhebt sich die „Porta Maggiore“, das grosse Tor. Kaiser Claudius (41-54) hatte es ursprünglich als Strassenübergang für seine Wasserleitung, die Aqua Claudia, gedient. Erst später war die Konstruktion von Aurelian (270-275) i seinen Mauerring einbezogen worden und war fortan ein Stadttor. Über stark befahrene, nicht so schöne Ecken geht die Strecke der Linie 3 weiter und erreicht nach einigen Minuten Fahrzeit die Kirche des heileigen Laurentius.
San Lorenzo fuori le Mura ist eine frühchristliche Basilika und eine der 7 Pilgerkirchen. Neben dem Grab der Heiligen Laurentius und des Erzmärtyrers Stephanus liegen 5 Päpste sowie der italienische Staatsmann Alcide de Gasperi hier begraben. Direkt neben San Lorenzo lohnt sich auch ein Abstecher auf den Campo Verano, Roms grössten Friedhof.
Über die Viale Regina Margherita, nach der italienischen Königin Margherita benannt, die zudem die Namenspatronin der beliebten Pizza ist, geht es mitten durch Roms grösste Universität „La Sapienza“ weiter ins Stadtviertel Parioli. In diesem Teil der Stadt wohnen Römer, die das nötige Kleingeld besitzen.
Einen Zoo hat Rom natürlich auch. Der „Bioparco“ – so heisst auch die Haltestelle – wurde 1908 gegründet und vollständig von dem deutschen Tierhändler Carl Hagenbeck gestaltet. Die Strassenbahnlinie 3 endet an der letzten Haltestelle unweit der Nationalgalerie für moderne Kunst direkt vor der Villa Giulia, der ehemaligen päpstlichen Residenz Papst Julius‘ III. (Ciocchi Del Monte, 1487-1555), in der sich heute das Etruskische Museum befindet. Nach einer langen Rundfahrt durch das antike, christliche und sogar zeitgenössische Rom kann man im Stadtpark der Villa Borghese die Seele noch so richtig baumeln lassen.

Deutsche Pilgerzeitung Sommer 2015, Nr. 21, S. 10, nor
Römisches Verkehrs-Lotto
Wie man im Wirrwarr der Bus-Linien den richtigen Weg zu den Pilgerkirchen findet

Die Benutzung des römischen Nahverkehrs ist trotz des überschaubaren U-Bahnnetzes nichts für schwache Nerven. Die Metro besteht aus nur 2 Metrolinien, A und B, zu denen sich seit kurzem einige neue Haltestellen der grünen Linie C gesellt haben, die jedoch für die meisten Rom-Besucher ziemlich uninteressant sind. Arm an U-Bahnen, ist Rom mit Bussen umso reicher gesegnet. Gefühlte 1’000 kreuzen täglich durch das Zentrum und versuchen mehr schlecht als recht, selbst die entlegensten Winkel der Grossstadt miteinander zu verbinden. In diesem Linien-Wirrwarr als Rom-Neuling auf Anhieb die richtige zu erwischen, kommt beinahe einem Sechser im Lotto gleich. Aus Angst, sich heillos zu verfahren, verlassen sich die meisten auf gutes Schuhwerk und ihre Füsse, die sich durch die Ewige Stadt tragen sollen. Zugegeben, so sieht man in Rom wirklich am meisten.
Wen es aber ab Dezember zum Heiligen Jahr nach Rom zieht, den kann schon einmal auch im sonnigen Italien schlechtes Wetter treffen – in Rom regnet es übrigens im Durchschnitt mehr als in London -, und da ist es doch weitaus bequemer und vor allem trockener, sich motorisiert fortzubewegen. Auch diejenigen, die nicht auf den Spuren Filippo Neris (1515-1595, gründete die Weltpriester-Kongregation der Oratorianer)wandelnd zu Fuss die Strecke zu den 7 Pilgerkirchen zurücklegen wollen, immerhin rund 20 Kilometer, werden den ein oder anderen Bus und die Metro wahrscheinlich gerne in Anspruch nehmen.
Die 4 grossen Papstbasiliken sind leicht mit der Metro zu erreichen., Von der U-Bahn Haltestelle „Ottaviano“ der rote A-Linie sind es nur wenige Minuten zum Petersdom (zu Fuss rund 20 Min.). Auch die Vatikanischen Museen sind so am schnellsten zu erreichen (A-Linie, Haltestelle „Cipro“, 10 Min.). Busliebhaber bringen die Linien 40 (ab Hauptbahnhof Termini) bis Endstation „Piazza Pia“ (an der Via della Conciliazione, 5 Min. zu Fuss), und Bus 64 ab Hauptbahnhof Termini  zur Haltestelle „Porta Cavalleggeri“ (etwa 200 m vom Petersplatz, linke Seite, entfernt) zum Ziel „Vatikan“.
Santa Maria Maggiore liegt unweit des „Termini“. Von der Metro-Station „San Giovanni“ (Linie B) sind es nur wenige Meter durch die Aurelianischen Stadtmauern hindurch, und schon findet man sich direkt auf dem grossen Platz vor der Lateranbasilika wieder.
Mit der blauen B-Linie, Haltestelle San Paolo Basilica“, kommt man dagegen auf der Gegenrichtung zu Sankt Paul vor den Mauern. Nach dem Besuch der Basilika des heiligen Paulus nimmt man am besten wieder die Metro bis zur Haltestelle „Circo Massimo“. Von hier geht es mit der Busnummer 118 in Richtung Via Appia zur Kirche und Katakombe des heiligen Sebastians.
Von der Basilika San Giovanni und dem Lateran bietet sich ein kurzer Fussweg nach Santa Croce in Gerusalemme an. Vor hier empfiehlt sich eine kurze Fahrt mit der Tramlinie 3 in Richtung „Piazzale Thorvaldsen“ bis zur Haltestelle „Piazza del Verano“. Vom Platz kann man bereits die Fassade der letzten der 7 Pilgerkirchen, San Lorenzo fuori le Mura, sehen. Fahrscheine kommt man in fast jedem Tabakgeschäft oder an verschiedenen U-Bahnstationen und kann danach, ist das Ticket einmal entwertet, für 1,50 Euro 100 Minuten unterschiedliche Busse und Tramlinien nutzen, jedoch nur einmal Metro fahren. Wem diese ganze Bus-, Tram- und U-Bahn-Fahrerei zu nervig ist, sollte bei der Wahl eines Taxis immer vorher den Fahrer nach dem Preis für die zurückzulegende Strecke fragen. Zur preislichen Orientierung: eine Fahrt vom Hauptbahnhof „Termini“ bis Sankt Peter (rund 4,5 km) liegt je nach Verkehr zwischen 15 und 20 Euro, sollte der zu zahlende Preis diesen stark überschreiten, ist Vorsicht geboten (mit der Polizei drohen). nor

OR Nr. 29 vom 22. Juli 2016, S. 4
Der Kardinalvikar des Papstes für die Diözese Rom hat menschenunwürdige Zustände in einem Roma-Lager am Stadtrand angeprangert. Die Situation im Camp von Castel Romano sei „eine Schande für die Welt und einer Stadt wie Rom nicht würdig“, sagte Kardinal Agostino Vallini. „Selbst nach dem Krieg habe ich nichts Ähnliches gesehen.“ Es gebe dort Schlamm, Mäuse und armselige Baracken aus Holz, so Vallini. Die zuständigen Institutionen müssten dafür sorgen, dass das Lager keine „Mülldeponie“ werde. Wie die Bürger der Stadt müssten auch sie ihre Vorurteile gegenüber der ethnischen Minderheit überwinden. Vallini besuchte das 25 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt gelegene Lager am 12. Juli 2016 und hielt sich 3 Stunden dort auf.

bz BASEL vom 25.10.2016, S. 11, Dominik Straub, Rom
Getrübte Tafelfreuden für Rom-Pilger. Bei Kontrollen in den Römer Trattorien und Pizzerien ist jeder zweite Betrieb durchgefallen.

Über 18 Millionen Pilger haben im Heiligen Jahr bisher eine der Heiligen Pforten in Rom durchschritten – und sich danach wohl mit viel Appetit und voller Vorfreude in eine der unzähligen Trattorien und Pizzerien der Ewigen Stadt gesetzt. Hätten sie vorher den Bericht der Lebensmittelpolizei der Carabinieri gelesen, wäre ihnen der Hunger auf Pizza und Pasta womöglich vergangen: Im Rapport liest man von Schaben in der Küche, von Nagetier-Exkrementen in den Lebensmittel-Lagern, von allerlei anderen Hygieneproblemen sowie von verdorbener Ware: Insgesamt sind bei den Kontrollen 2’750 Liter Olivenöl, 2’300 Kilogramm Fleisch und 1’430 Kilogramm Fisch beschlagnahmt worden.
In allen Preisklassen. Von den bisher über 700 Gastbetrieben, die seit dem vergangenen November Besuch von den Carabinieri erhalten haben, ist jeder zweite beanstandet worden. Die allermeisten von ihnen befinden sich in der Römer Altstadt also dort, wo die Pilger und Touristen in der Regel einkehren. Die Preisklasse spielt keine Rolle: Die Kontrolleure haben sowohl in einfachen Trattorien als auch in gehobenen Restaurants Hygienemängel festgestellt. Laut dem Bericht der Lebensmittelpolizei, DDR vom „Corriere della Sera“ publik gemacht wurde, sind nach den Kontrollen insgesamt 521 Bussen im Gesamtbetrag von 660’000 Euro ausgestellt worden.
Die gute Nachricht besteht darin, dass von den Beanstandungen „nur“ die Hälfte auf Hygienemängel zurückzuführen waren. Die andere Hälfte betrifft administrative Unregelmässigkeiten wie das Nichtbeachten der Vorschriften zur Arbeitssicherheit, Baumängel, fehlende Bewilligungen – also Verfehlungen, die sich nicht direkt von dem Teller des Gastes niederschlagen. Auch bei den wegen Hygienemängeln durchgefallenen Betriebe streichen die Kontrolleure einen positiven Aspekt heraus: Nur in einem Restaurant seien die Zustände derart desolat gewesen, dass es vorübergehend geschlossen werden musste.
Kampf gegen McDonald’s. Der Vatikan hat sich zur teilweise problematischen Verpflegung der Pilger durch die Römer Gastronomie während des Heiligen Jahres nicht geäussert. Der Kirchenstaat ist derzeit an einer anderen kulinarischen Front beschäftigt: In unmittelbarer Nähe der vatikanischen Mauern, im malerischen Borgo Pio (unmittelbar neben der St. Annabar, zu Beginn der Strasse „Borgo Pio“, rund 100 m vom Vatikaneingang St. Anna entfernt), soll in wenigen Tagen ein grosses Lokal der Fast-Food-Kette McDonald’s eröffnen – das sich im Besitz des Kirchenstaates befindet. Mehrere Kardinäle haben einen besorgten Brief an Papst Franziskus geschrieben, um die Eröffnung in letzter Sekunde zu verhindern. Es geht – offiziell – um das leibliche Wohl der Gäste und – inoffiziell – um mögliche Geruchs- und Lärmimmissionen für die Kardinäle, die in unmittelbarer Nähe des Lokals wohnen. Wie der Streit ausgeht, ist noch ungewiss.

bz BASEL vom 28.03.2017, S. 8, Dominik Straub, Rom
Roms brennende Busse
Italien: Die Fahrzeuge sind so alt und vernachlässigt, dass viele während der Fahrt Feuer fangen: 500 Pannen pro Tag haben die Busse der Römer Verkehrsbetriebe. Im Durchschnitt sind die Fahrzeuge 12 Jahre alt.

Es ist, als wäre →Nero aus seiner Gruft gestiegen – nur dass der römische Gewaltherrscher, anders als damals im Jahre 64 n. Chr., diesmal nicht gleich die ganze Stadt, sondern lediglich die städtischen Verkehrsmittel abfackelt. Der letzte Bus ging am Sonntagmorgen in Flammen auf. Es war bereits der dritte seit Anfang März und der 18. in einem Jahr (jeder vierte Tag). Als Grund für das Brennen der Busse wird von den Behörden immer dasselbe genannt: „autocombustione“, also Selbstentzündung. Meistens passiert das, wenn Dieselöl oder Schmiermittel aus undichten Leitungen auf heisse Motorenteile oder den Auspuff tropfen. Nicht selten brennen die Busse vollständig aus; die verkohlten Fahrzeug-Skelette am Strassenrand wecken jeweils Assoziationen mit einem Bürgerkriegsland.
Der Fahrzeugpark der Römer Verkehrsbetreiber zählt zu den ältesten und am schlechtesten gewarteten Europas: Die Busse der Ewigen Stadt sind im Durchschnitt über 12 Jahre alt. Zum Vergleich:  Bei den Londoner Bussen liegt das Durchschnittsalter bei 8 Jahren. Im vergangenen Jahr bat die „Azienda Tranvie ed Autobus del Comune di Roma (Atac)“ 180’000 technische Pannen registriert. Das sind knapp 500 pro Tag. (…)

Schweiz am Sonntag vom 15.04.2017, S. 7, D. Straub, Rom
Gepanzerte“ Osterferien in Rom
In der Heiligen Stadt herrscht höchste Terroralarmstufe

Tausende von Polizeibeamten und Soldaten sorgen während der Osterferien für die Sicherheit des Papstes und für die Hunderttausenden von Gläubigen, die am Sonntag auf dem Petersplatz erwartet werden.
Der Karfreitagabend war für die Sicherheitskräfte die Generalprobe: Für die traditionelle Kreuzweg-Prozession in dem mit Fackeln erleuchteten Kolosseum war das Gebiet um die antike Arena abgesperrt. Die U-Bahn-Station wurde bereits am frühen Nachmittag geschlossen. Der Zugang zum Kolosseum war nur über zwei streng bewachte und mit Metalldetektoren gesicherte Eingänge möglich. An den üblichen Zugangsstrassen zur Arena standen Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge – unüberwindliche Hindernisse für Terroristen mit Lastwagen.
IS hat „Kreuzfahrer“ im Visier. „Pasqua blindata“ nennen die italienischen Medien das diesjährige höchste Christenfest in Rom, gepanzerte Ostern. Die italienischen Sicherheitsbehörden sind sich bewusst, dass sich Rom als Zentrum der Christenheit und Sitz des Papstes im Visier des radikal-islamistischen Terrors befindet. Der „Islamische Staat“ hat in seinen einschlägigen Propaganda-Medien mehrfach angekündigt, dass er den „Kreuzfahrern“ den Garaus machen und auf dem Petersdom, die schwarze IS-Flagge hissen wolle. Nach den jüngsten Terroranschlägen in London und Stockholm und eventuell in Dortmund wurde die ohnehin hohe Wachsamkeit zusätzlich verstärkt; es herrscht höchste Alarmstufe.
Die Zufahrtsstrassen zum Petersplatz, wo der Papst am Ostersonntag wie immer eine Messe lesen und dann von der Loggia des Petersdomes aus den Segen „urbi et orbi“, der Stadt und dem Weltkreis, spenden wird, sind schon zu Beginn der Karwoche abgeriegelt worden.
Scharfschützen und Spürhunde. Nicht einmal die städtischen Busse können zur riesigen Piazza Bernini fahren. Auch den Taxis ist der Zugang verwehrt. Wo keine Panzerwagen stehen, wurden Betonblöcke hingestellt, um Amokfahrten zu verhindern. Ziel der Massnahmen sei es, „die absolute Sicherheit des Heiligen Vaters und der Gläubigen zu garantieren“, erklärte der Römer Polizeipräfekt Guido Marino diese Woche, als er das österliche Sicherheitsdispositiv vorstellte.
Wie in früheren Jahren werden auf den Dächern rund um den Petersplatz Scharfschützen lauern. Neben den uniformierten Beamten werden sich unter den Gläubigen auch Dutzende Polizisten in Zivilkleidung mischen, die mit versteckten Mini-Kameras und Metalldetektoren ausgerüstet sind. Zum Einsatz kommen vor und während der Ostermesse Sprengstoff-Spürhunde und Spezialisten der Armee. Auf der Via della Conciliazione, der grossen Zufahrtsstrasse zum Petersdom, wird berittene Polizei patrouillieren, und selbstverständlich stehen an allen Eingängen zum Petersplatz und zur Basilika Metalldetektoren.
Soldaten schon am Flughafen. Die Osterfeiertage sind für die Römer Sicherheitsbehörden jedes Jahr enorm herausfordernd: Die Stadt war schon in der Karwoche voller Touristen und Pilger. Während der Osterfeiern werden in der 3-Millionen-Einwohnerstadt rund eine halbe Million Gäste erwartet. Viele von ihnen interessieren sich weniger für die Papstzeremonien als für weltliche Sehenswürdigkeiten.
Aus diesem Grunde müssen nicht nur der Petersplatz und das Kolosseum, sondern auch das Pantheon, das Forum Romanum, die Fontana di Trevi, die Spanische Treppe und unzählige andere Monumente und Kirchen zusätzlich geschützt werden. Die Touristen  und Pilger werden schon am Flughafen und an der Stazione Termini von Soldaten und Panzerfahrzeugen empfangen.

Schweizer Radio SRF 1
„Rendez-vous“ vom 24.Juli 2017, 12.30 Uhr, Korrespondent in Rom

In der Stadt Rom versickern 40 % des Trinkwassers wegen  verrosteten, maroden Wasserleitungen. Es gibt italienische Städte mit mehr Trinkwasser-Verlust.

bz BASEL vom 26.06.2017, S. 11
Rom: Stadt testet geregelten Zugang zu Trevi-Brunnen

Die Stadt Rom testet seit Dienstag einen geregelten Zugang zum Trevi-Brunnen. Damit soll die Drängelei der Touristen vor einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Ewigen Stadt vermieden werden.
Von 9 bis 24 Uhr werde die Polizei bei besonders starkem Andrang die Zahl der Besucher einschränken, teilte die Gemeinde mit. Die Testphase dauert 80 Tage, danach soll die Gemeinde entscheiden, ob die Massnahme beibehalten  wird. Zuletzt waren bereits Kontrollen verstärkt worden, da Menschen trotz strengen Verbots und einer Strafe von Euro 450 im Brunnen gebadet hatten.
Der Brunnen zählt mit dem →Kolosseum und der Spanischen Treppe zu den Wahrzeichen der italienischen Hauptstadt. Weltbekannt wurde er einst durch den Film „La dolce Vita“ (Das süsse Leben) von Federico Fellini mit der nachts im Brunnen badenden Anita Ekberg (1931-2015, Miss Schweden 1950, Schauspielerin).
Jeder Tourist, der sichergehen möchte, in die Ewige Stadt zurückzukehren, muss einem Aberglauben zufolge eine Münze über die Schulter in den Trevi-Brunnen werfen. Mit 3 Millionen Besuchern pro Jahr zählt er zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Welt. (SDA)

Platzfehler. Nach „Romero, Óscar Amulfo“ (nachstehend) folgt die Fortsetzung unter „Rom II“. Entschuldigung.

Romero, Óscar Amulfo, Erzbischof

3sat, 17. August 2012, 12.00 Uhr, Zusammenfassung WA:

Erzbischof Romero wird in der Kirche „Divina Provvidenzia“ in San Salvador während der Hl. Messe bzw. im Moment der Gabenbereitung am 23. März 1980 erschossen. Er war Seelsorger an der Seite des Volkes und kämpfte gegen die Missstände. Er wurde von einem konservativen zu einem fortschrittlichen Bischof. Seine Messen waren politische Veranstaltungen. Seine Stimme war die letzte Stimme, die den Bürgerkrieg verhindern konnte. Im Romero-Museum sind seine an diesem Tag getragenen Messgewänder ausgestellt.

Was war die Reaktion auf diese Ermordung? Es begann ein blutiger Bürgerkrieg. Die salvadorianische Armee, unterstützt von den USA, kämpfte gegen die Rebellen. Der Krieg endete mit 75’000 Toten. Seit 2009 regiert eine linke Regierung.

Die katholische Kirche hat den Erzbischof noch nicht heilig gesprochen, obwohl er dort als solcher verehrt wird. Der jetzige Bischof meint, Romero könne nicht heilig gesprochen werden, weil er von Katholiken umgebracht worden sei. Romeros Eingeweide wurden 3 Jahre nach der Beerdigung ausgegraben. Es sei ein Wunder, meint eine Ordensschwester: Die Eingeweide seien nicht beschädigt.

Der Politiker Roberto d’Abuisson, der den Schiessbefehl auf Óscar Romero gab, starb vor wenigen Jahren mit fürchterlichen Schmerzen an Krebs.

Hans Küng, Umstrittene Wahrheit, S. 537:
Unter dem neuen Papst Johannes Paul II. und seinem deutschen Glaubenshüter Joseph Ratzinger, die vereint gegen die Befreiungstheologie vorgehen, müssen sie dafür bald teuer bezahlen. Schon auf seiner ersten Lateinamerikareise in Mexiko (→Skandale? P. Marcial) im Januar 1979 kritisiert der vom sowjetischen Marxismus negativ geprägte polnische Papst heftig die Theologie der Befreiung und „desavouiert eine ganze Gruppe von Theologen, Seelsorgern und Bischöfen. (…) Ein Warnzeichen: Im Jahr darauf, am 23. März 1980 wird ein heroischer Vorkämpfer der Befreiung in Lateinamerika, der Erzbischof von San Salvador, Óscar Romero, direkt aus einem Auto heraus am Altar erschossen. Im kirchlichen Establishment (Kreis der Einflussreichen und Etablierten) grossgeworden, hatten die ungeheure Not der Menschen und die Ermordung eines Priesterfreundes sein Leben verändert und ihn zum engagierten Verteidiger der Rechte seines unterdrückten Volkes gemacht. Vom Vatikan erhielt er – wie sein sozial eingestellter Gesinnungsgenosse in Brasilien, Helder Càmara, Erzbischof von Recife, als „Kommunikationsbischof“ diffamiert – keinerlei Unterstützung. Man tut im Gegenteil alles, damit an Romeros Grab in der Kathedrale von San Salvador kein Märtyrerkult entsteht, und bei den massenhaften Selig- und Heiligsprechungen des Papstes Wojtyla bleibt dieser echte Märtyrer unberücksichtigt.

H.K., Erlebte Menschlichkeit, Erinnerungen, S. 352
Mitten in meiner Konfrontation mit dem Vatikan um meine kirchliche Lehrbefugnis wird am 24. März 1980 der Erzbischof von San Salvador, Óscar Romero, der sich vom traditionell gesinnten Bischof zum Vorkämpfer der Befreiung Lateinamerika bekehrt hatte, direkt aus einem Auto durch die Kirchentür hindurch erschossen, während er am Altar steht. So wenig wie mein anderer Freund aus der Konzilszeit, der charismatische, sozial eingestellte brasilianische Erzbischof Helder Camara, hatte Romero von Rom die nötige Unterstützung erhalten. Kinderschänder und deren Protektoren (Beschützer) sowie andere Parteigänger werden von Papst Wojtyla zu Kardinälen gemacht und als solche im Kirchenamt gehalten, während man selbst ideologiefreie Befreiungstheologen als „Kommunistenfreunde“ denunzieren (als negativ hinstellen) darf. Bei unseren Dreharbeiten zur „Spurensuche“ stehe ich an Romeros nüchternem Grab in der Unterkirche der Kathedrale von San Salvador und stelle später fest, wie jeder Märtyrerkult von vornherein verhindert werden sollte. Prompt wird denn auch bei den massenhaften Selig- und Heiligsprechungen des polnischen Papstes dieser echte Märtyrer nicht berücksichtigt.

OR Nr. 22 vom 03.06.2016, S. 2
Franziskus würdigt Erzbischof Romero

Papst Franziskus hat den vor einem Jahr seliggesprochenen salvadorianischen Erzbischof Óscar Romero in einer Grussbotschaft als grosses Vorbild für die Christen gewürdigt. Das Beispiel des im Jahre 1980 ermordeten „Bischofs der Armen“ wirke bis heute fort, so Franziskus in dem Schreiben, das der Erzbischof von San Salvador, Jose Luis Escobar Alas, am 23. Mai bei einer Feier zum ersten Jahrestag der Seligsprechung verlas. Als junger Priester sei er damals Zeuge geworden, wie Romero von seinen Gegnern diffamiert (verleumdet) worden sei, schreibt der Papst. Romero sei aber unbeirrt seinen Weg ins Martyrium gegangen. Ein solches Beispiel gebe den Gläubigen Kraft, so Franziskus.
Erzbischof Romero, der am 23. Mai 2015 seliggesprochen wurde, war am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes von Unbekannten erschossen worden.

Katholische Wochenzeitung 22/2017 Juni, S. 11, Anian Chr. Wimmer
Der Fall der Ermordung des Seligen Óscar Romero ist neu eröffnet worden

Es ist der vermeintliche „Cold Case“, hinter dem das Martyrium eines Seligen der Kirche steckt und ein in mehrfacher Hinsicht glühendes Heiligsprechungsverfahren: der bis heute ohne Urteil gebliebene Fall der Ermordung von Erzbischof Óscar Romero.
Sein mutmasslicher Mörder wurde nie verurteilt wegen des Amnestie-Gesetzes, das Verbrechen aus der Zeit des Bürgerkrieges in El Salvador betrifft.
Vergangenes Jahr hob der Verfassungsgerichtshof des Landes das Gesetz auf. Nun können Fälle aus den Jahren 1980 bis 1992 erneut verfolgt werden. So auch der fast 40 Jahre alte Mordfall des Seligen Erzbischofs in dem gegen einen Soldaten ermittelt wird. 1993 war die Anklage gegen Alvaro S. wegen des Amnestie-Gesetzes abgewiesen worden. Er soll als Mitglied eines rechts-radikalen Todesschwadrons den Priester beim Feiern der heiligen Messe in einer Krankenhauskapelle getötet haben.
Kämpfer für Arme und gegen Ungerechtigkeit. Soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit in El Salvador führte in den 1970ern zu Demonstrationen und Aufständen gegen die Regierung. Diese versuchte, mit Todesschwadronen und anderen brutalen Repressalien (Druckmitteln) die Proteste zu unterdrücken. Von 1979 bis 1992 kämpften Pro-Regierungskräfte gegen linke Guerilla-Gruppen in einem Bürgerkrieg, der rund 75’000 Menschen das Leben kostete.
Wie viele andere Priester, sprach sich auch Erzbischof Romero gegen die unmenschlichen Vorgänge im Land aus. Zahlreiche katholische Kritiker wurden von der Regierung ins Visier genommen.
Der Selige Óscar Romero sprach sich vor allem gegen die soziale Ungerechtigkeit aus, gegen die Unterdrückung der Armen, und die brutale Vorgehensweise des Militärs.
Als ein eng befreundeter Priester und Lehrer auf dem Weg zur heiligen Messe erschossen wurde, liess sich Romero nicht einschüchtern. Im Gegenteil, seine Kritik gewann an Deutlichkeit.
Vor seiner Ermordung im Jahr 1980 waren bereits 30 Priester seiner Erzdiözese entweder umgebracht oder des Landes verwiesen worden; zahlreiche katholische Laien erlitten das gleiche Schicksal.
Heiligsprechungsverfahren.  Nicht nur der juristische Fall seiner Ermordung, sondern auch sein Heiligsprechungsverfahren, das 1993 offiziell eröffnet wurde, war jahrelang verzögert worden: Politische Motivationen und bewusst gestreute Falschmeldungen behinderten eine geregelte Bearbeitung.
Im Januar 2015 wurde der Priester und Erzbischof schliesslich von der Kongregation für die Heiligsprechungsverfahren offiziell als Märtyrer anerkannt; bereits einen Monat später stimmte Papst Franziskus seiner Seligsprechung zu.

Óscar Romero, geb. 15. August 1917, ermordet am 24. März 1980 durch die Fuerza Armada de El Salvador. Beginn des Bürgerkrieges in El Salvador.
Seliggesprochen durch Papst Franziskus am 23. Mai 2015.

OR Nr. 34 vom 25.08.2017, S. 4, Giovanni Maria Vian
Zum 100. Geburtstag von Óscar Romero am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel

Óscar Romero (1917-1980), der „Bischof der Armen“ von El Salvador, ist zwar seit 37 Jahren tot – doch seine Botschaft ist in Lateinamerika und darüber hinaus lebendig. Romero starb am 24. März 1980, erschossen am Altar auf Befehl der politisch Mächtigen. Seiner Ermordung war ein Fanal (Zeichen für Veränderungen) im heraufziehenden Bürgerkrieg zwischen Sicherheitskräften, rechten Todesschwadronen und linken Guerillagruppen. Bis 1992 kamen rund 75’000 Menschen ums Leben. Hunderttausende Pilger sowie Staatsspitzen aus ganz Lateinamerika kamen im Mai 2015 zu seiner Seligsprechung nach San Salvador.
Auf das Hochfest der Aufnahme Mariens  in den Himmel fällt der 100. Geburtstag eines der bekanntesten Christen  unserer Zeit: Óscar Romero. Der Erzbischof von San Salvador wurde 1980 im Alter von 63 Jahren ermordet, während er die heilige Messe feierte – weil er das Unrecht und die Gewalt, die das kleine mittelamerikanische Land erschütterten, angeklagt hatte: deutliche Stellungnahmen im Namen des Evangeliums. An seinem Grab betete 1985 Johannes Paul II., der 1997 die Eröffnung seines Seligsprechungsprozesses genehmigte. Dieser wurde jedoch erst 2012 wieder aufgenommen auf Beschluss von Benedikt XVI. und dann von Franziskus, und führte 2015 zu seiner Seligsprechung als Märtyrer.
Wichtig für Romero war jedoch vor allem Paul VI., der Papst, der ihn 1970 zum Weihbischof von San Salvador, 1974 zum Bischof von Santiago de Maria und 1977 zum Erzbischof der Hauptstadt ernannte. Als junger Kleriker war er in Rom gewesen, wo er am Ende der 30er- und zu Beginn der 40er-Jahre, als der Krieg bereits in vollen Gange war, an der „Gregoriana“ studiert hatte. Gerade diese römische Ausbildung gibt ihm eine traditionelle Prägung, so dass er 2 Jahrzehnte später dem Konzil mit Vertrauen auf das Lehramt folgen kann. Und der salvadorianische Priester beginnt, die offene Sichtweise von Paul VI., der das Zweite Vatikanum mit Mut und Weisheit leitet, anzunehmen. (…)
Seine erste Predigt hält der Erzbischof für einen brüderlichen Freund, den Jesuiten Rutilio Grande, der zusammen mit 2 Gläubigen, Manuel Solórzano und Nelson Rutilio Lemus, von den Todesschwadronen ermordet wurde, während er auf dem Weg war, um die Novene zum heiligen Josef zu feiern. Es war fast eine Vorahnung des eigenen Todes: „So liebt er die Kirche, stirbt mit ihnen und geht mit ihnen in den Transzendenz des Himmels ein. Er liebt sie, und es ist bedeutsam, dass Pager Rutilio Grande vom Kugelhagel getroffen zu Boden fiel, während er auf dem Weg war, um seinem Volk die Botschaft der Messe und des Heils zu bringen. Ein Priester mit seinen Bauern, mit seinem Volk unterwegs, um sich mit ihm zu identifizieren, um, mit ihm keine revolutionäre Eingebung, sondern eine Eingebung der Liebe zu leben.“
Wenige Tage später reist Romero nach Rom, um die Unterstützung zu suchen, die er vom Apostolischen Nuntius nicht mehr bekommt, und der Papst empfängt ihn sofort, ebenso wie 3 Jahre zuvor und ein Jahr später, am Jahrestag der Wahl von Paul VI.
Die ausführliche Erinnerung an diese letzte Audienz findet sich im Tagebuch des Erzbischofs: „Paul VI. hat mir die rechte Hand gedrückt und hat sie lange in seine beiden Hände genommen,  und auch ich habe mit beiden Händen die Hand des Papstes gedrückt.“ Dieser spricht lange mit ihm: „Ich verstehe Ihre schwierige Arbeit. Es ist eine Arbeit, die unverstanden sein kann und viel Geduld und Kraft erfordert. Ich weiss sehr gut, dass nicht alle so denken wie Sie; es ist schwierig, in dem Zustand, in dem Ihr Land sich befindet, einhellig zu denken; aber gehen Sie voran, mit Mut, mit Kraft, mit Hoffnung.“ Anderthalb Monate später starb Paul VI. Nicht einmal 2 Jahre später wurde Romero ermordet.

OR Nr. 10 vom 09.03.2018, S. 1
Papst Paul VI. und Erzbischof Óscar Romero bald heilig

Papst Franziskus hat am Dienstag, 6. März 2018, den Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse in Audienz empfangen. Bei der Audienz hat der Heilige Vater die Kongregation autorisiert (ermächtigt), untere anderem die Dekrete zur Heiligsprechung von Papst Paul VI. (1963-1978) und des 1980 ermordeten Erzbischofs von San Salvador, Óscar Arnolfo Romero, zu promulgieren.
Paul VI. soll Ende Oktober heiliggesprochen werden. Das gab Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Rand einer Tagung in Rom bekannt. Demnach soll die feierliche Aufnahme in das Verzeichnis der Heiligen zum Abschluss der Bischofssynode stattfinden, die vom 3. bis 28. Oktober 2018 im Vatikan zum Thema Jugend tagt.  Für Erzbischof Romero steht noch kein genaues Datum fest. Die medizinischen Berater der zuständigen Kongregation hatten am 26. Oktober vergangenen Jahres 2 Wunder auf die Fürsprache der beiden Seligen anerkannt.

OR Nr. 21 vom 25.05.2018, S. 1
Heiligsprechung von Papst Paul VI. und Erzbischof Romero am 14. Oktober 2018

Papst Paul VI. (1897-1978) und der ermordete salvadorianische Erzbischof Oscar Romero (1917-1980) werden am 14. Oktober zusammen mit vier weiteren Seligen in Rom heiliggesprochen. Das kündigte Papst Franziskus am 19. Mai bei einem öffentlichen Konsistorium mit den Kardinälen zur Abstimmung über einige Heiligsprechungsverfahren an. (…)

OR Nr. 35 vom 31.08.2018, S. 3
San Salvador/Vatikanstadt. Das Geburtshaus des salvadorianischen Märtyrer-Erzbischofs Óscar Romero (1917-1980) soll wiederaufgebaut werden. Das sagte der Weihbischof von San Salvador, Kardinal Gregorio Rosa Chávez, bei einem Gottesdienst in Ciudad Barrios, dem Heimatort des 1980 am Altar erschossenen Erzbischofs von San Salvador.

Rom, Tatsachen und Meinungen II

bz BASEL vom 22.03.2017, S. 11, Dominik Straub, Rom
Wildschwein-Plage nun auch in Rom. „Rom ist zu einem Zoo unter freiem Himmel verkommen.“ Codacons, Umwelt- und Konsumentenschutzorganisation“

Tödlicher Unfall: Nach der Toskana erlebt die Ewige Stadt eine Wildschwein-Invasion. Die Lage sei „kritisch“, sagt die Stadtregierung.,
Der Unfall ereignete sich in der vergangenen Woche. Ein Motorradfahrer stiess auf der Via Cassia mit einem Wildschwein zusammen. Das Tier war unvermittelt auf die Strasse gerannt; der 49-jährige Lenker stürzte und erlag später seinen Verletzungen. Bereits Anfang März hatte ein Autofahrer auf einer stark befahrenen Durchgangsstrasse in der Nähe des Vatikans ein Wildschwein gefilmt, das in gestrecktem Galopp vor dem Verkehr zu fliehen versuchte. In diesem Fall hatten sowohl das Tier als auch die menschlichen Verkehrsteilnehmer Schwein gehabt: Niemand war zu Schaden gekommen.
Dieser Zwischenfall und vor allem der tödliche Unfall haben den Römern gezeigt, dass die Ewige Stadt besonders in den grünen Aussenquartieren mit einer Wildschwein-Invasion konfrontiert ist. Konkrete Erhebungen zum Bestand gibt es zwar nicht, aber allein die unzähligen Videos und Fotos von Wildschweinen in der Stadt, die nun in die sozialen Medien und auf den Websites der Lokalzeitungen gepostet werden, lassen auf eine explosionsartige Vermehrung schliessen. Die Stadtregierung hat die Situation  als „kritisch“ bezeichnet.
Die Behörden wirken angesichts der Ausbreitung der Wildschweine jedoch hilflos. Eine Abschusskampagne kommt nicht infrage: Die Protestbewegung von Beppe Grillo, der Stadtpräsidentin Virginia Raggi angehört, hat sich den Tierschutz auf die Fahne geschrieben. Laut nachgedacht wird deshalb über die Sterilisierung der Wildschweine durch die Injektion eines Medikaments. Wie man sich eine solche Aktion konkret vorstellen soll, vermochte die Umweltkommission der Stadt noch nicht zu erklären. So empfiehlt die Stadtregierung den Bürgern erst einmal, „sich von den Wildschweinen fernzuhalten“ und sie im Fall einer ungewollten Begegnung „auf keinen Fall zu reizen“.
Für die Opposition sind die Schweine ein gefundenes Fressen. Die Römer Sektion des sozialdemokratischen PD von Regierungschef Paolo Gentiloni fragte sich, wie es möglich sei, dass man in einer Grossstadt wegen eines Wildschweins zu Tode kommen könne. Für die Umwelt- und Konsumentenkommission Codacons ist der tödliche Unfall „der Beweis dafür, dass die Stadt verwahrlost ist“. Codacons hat gegen die Stadtregierung eine Anzeige wegen fahrlässiger Tötung erstattet.
Letzten Sommer warens die Ratten. Der herumliegende Müll lockt nicht nur die Wildschweine an, sondern auch Ratten, Möwen und anderes Getier. Die Rattenplage von letzten Sommer ist den Römern noch in Erinnerung: Rom ist, wie Codacons kritisiert, zu einem „Zoo unter freiem Himmel“ verkommen. Bezüglich des Wildschwein-Problems steht die Stadt freilich nicht alleine da: In der Toscana liegt der Bestand bei 400’000 Tieren, von denen die Regionalregierung eigentlich 150’000 Stück zum Abschuss hatt4e freigeben wollen. Der Glaubenskrieg zwischen Jägern und  Tierschützern ist indessen noch nicht entschieden, und so harrt die Ausmerzaktion noch ihrer blutigen Umsetzung.

OR Nr. 11 vom 17.03.2017, S. 5, Bernhard Hülsebusch (…)
Das Istituto Svizzero di Roma – Stipendiaten und reger Kulturaustausch

Es ist das jüngste römische Kulturzentrum aus dem deutschsprachigen Raum: Das Schweizerische Institut – wo man gemäss der eidgenössischen Praxis natürlich auch italienisch und französisch spricht. Derzeit beherbergt es 11 avantgardeorientierte Stipendiaten. Es ist das Aushängeschild der kreativen Schweiz in Rom. Sein Standort, die Villa Maraini hat eine hochinteressante Geschichte. Auf einem kleinen Hügel im Zentrum Roms thront die herrschaftliche Villa Maraini mit reichdekorierten, lichtdurchfluteten Innenräumen. Von hier eröffnet sich ein spektakulärer Blick auf Rom.
Zu Recht stolz ist das Istituto auf seine Bibliothek mit 45’000 Büchern sowie 130 Fachzeitschriften. Das Institut hat längst eine Doppelfunktion. Einerseits nämlich fungiert es als schweizerisches Kulturzentrum in Rom – durch die Förderung der künstlerischen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen der Eidgenossenschaft und Italien. Andererseits ermöglicht es jungen talentierten Schweizern, eigene Arbeiten oder Forschungen in einem Zentrum der klassischen Kultur durchzuführen.
Der Aufenthalt dieser vom Stiftungsrat Auserwählten in der Villa Maraini dauert normalerweise ein „Anno Accademico“, also von September bis Juli des folgenden Jahres. Von den Künstlern, die sich bewerben (Höchstalter: 40), wird Erfahrung in selbstständiger Arbeit und möglichst auch nachgewiesene Teilnahme an Ausstellungen oder Performances (künstlerische Aktionen) erwartet; von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen ein abgeschlossenes Studium.
Praktische Hinweise: Istituto Svizzero di Roma ISR, Via Ludovisi 48 (Villa Maraini), Tel. 0039 06 42011271 und 42014798; media@istitutosvizzero.it
Jeden Montag Führungen durch die schlossartige Villa Maraini (Ticket: 5 Euro), Gratiseintritt zu allen Veranstaltungen des ISR.

bz BASEL vom 11.09.2017, S. 9
Gladiatoren“ aus Römer Stadtzentrum verbannt

Als Gladiatoren verkleidete Männer, die sich gegen Entgelt mit Touristen fotografieren lassen, sollen aus der Innenstadt von Rom verbannt werden. Der Staatsrat in Rom urteilte, dass eine entsprechende im Dezember erlassene Verordnung von Stadtpräsidentin Virginia Raggi rechtskonform sei. (SDA)

OR Nr. 29 vom 20.07.2018, S. 5
Was haben Füchse vor dem Kolosseum verloren? Wie gelangen Wildtiere mitten in Roms verkehrsreiches Zentrum? Die Antwort fanden vor einigen Jahren Mitarbeiter der römischen Stadtverwaltung recht schnell: durch einen grünen Korridor, der von Südosten her aus dem Umland ins Herz der Ewigen Stadt führt. Entlang der Via Appia Antica über die Caracalla-Thermen, den Circus Maximus und den Palatin-Hügel fanden die Tiere recht unbehelligt von  Autos, Bussen und Motorrollern ihren Weg.
Rom-Besucher, die der Fuchsroute in umgekehrter Richtung folgen, finden eine weitläufige Oase, nur einen Kilometer vom tosenden Stadtzentrum entfernt. Der „Regionalpark Appia Antica“ ist eine ländliche Idylle mit Zeugnissen aus 2500 Jahren römischer Geschichte.
Broschüren: Infozentrum des Parks, kurz hinter der Porta San Sebastiano. Besuch des Parks: zu Fuss oder mit dem Velo. Schräg gegenüber der bekannten Kirche „Quo vadis“ gibt es einen Fahrradverleih. Gut zu Fuss lässt sich die Valle della Caffarella erschliessen, die Niederung des Flüsschens Almone, der den alten Römern heilig war. Einstieg in den Park zu Fuss oder mit dem Velo: Kurz hinter „Qua vadis“ biegt links ein Fussweg ab.

Römische Frage 1870 bis 1929 (Papst ohne Staat)

Die Römische Frage bezeichnet den fast 60 Jahre andauernden, zu seiner Zeit ungeklärten – vor allem diplomatischen – Konflikt und den Status Roms als italienische Hauptstadt einerseits, und andererseits den staatsrechtlichen Status des Vatikan bzw. des Machtzentrums der Katholischen Kirche zwischen 1870 und 1929, nachdem der verbliebene Kirchenstaat (Latium mit Rom) am 20.09.1870 von italienischen Truppen eingenommen (via XX settembre auf dem Quirinal) und in den seit 1861 bestehenden Nationalstaat Italien (Freischärlereinheiten unter Giuseppe Garibaldi, Gründung der konstitutionellen Monarchie unter Viktor Emanuel II. und seinem ersten Ministerpräsidenten Camillo Benso von Cavour) integriert worden war** (il Risorgimento = Wiedergeburt). Seine Hauptstadt wurde zunächst von Turin nach Florenz verlegt. 03.11.1867: Garibaldi versuchte mit seinen Einheiten Rom zu erobern, jedoch erfolglos (gegen päpstliche und französische Truppen).

Am 11. Februar 1929 wurde dieser Konflikt mit den Lateranverträgen zwischen der faschistischen Regierung Italiens unter Benito Mussolini und dem Heiligen Stuhl unter Papst Pius XI. (unterschrieben hat der Staatsekretär Pietro Gasparri) beigelegt. Rom wurde dabei von der katholischen Kirche als Hauptstadt Italiens anerkannt, von der italienischen Regierung wurde dem Vatikan als Vatikanstadt die politische Unabhängigkeit und volle staatliche Anerkennung garantiert.

** Nach diesem 20.09.1870 begann die Römische Frage. Pius IX. musste vom Quirinal in den Vatikan (beide jetzt auf italienischem Staatsgebiet) und betrachtete sich als Gefangener des Vatikans. Die Urheber und Teilnehmer an der Einnahme des Kirchenstaates belegte er mit dem Bann. In der päpstlichen Bulle „non expedit“ vom 10.09.1874 verbot er italienischen Katholiken unter Androhung des Entzugs kirchlicher Privilegien sowohl die aktive als auch passive Teilnahme an demokratischen Wahlen in Italien.
→ Risorgimento

Römisches Jahr

siehe Nebenregister unter diesem Buchstaben (R)

Rota Romana (Gericht Hl. Stuhl)

→ Gerichte Hl. Stuhl

Rücktritt des Papstes

→ Papstrücktritt