R

Radio EWTN

Kath. Wochenzeitung Nr. 15 vom 13.04.2012

WEWN, der Radiosender des weltweit grössten katholischen Fernsehsenders EWTN (Eternal Word Television Network), feiert sein 20-jähriges Bestehen. Am 7. März 1992 war der Radiosender, gegründet ebenso wie EWTN von der Franziskanerklarissin Mutter Angelica (Angelica Rizzo PCPA, *20.04.1923 in Canton, Ohio, +27.03.2016), erstmals „on air“ gegangen. Das berichtet der National Catholic Register.

Inzwischen hat der Sender EWTN 187 Partnerunternehmen. EWTN-Radio erreicht über 130 Millionen Zuhörer. Von den 35 regionalen Radiomärkten der USA kann EWTN-Radio in 19 empfangen werden. „Wahrscheinlich wäre heute niemand von uns Mitarbeitern der katholischen Radios hier, ohne Mutter Angelica und ihr Engagement, Programmgestaltung über Satelliten für jeden bereitzustellen, der eine AM- oder FM-Radiostation starten kann“, berichtet Douglas Shermann, Präsident der Zweiggesellschaft Immaculate Heart Radio. Ein Ausbau der Stationen erfolgt laufend. „Wir haben zwei Aufgaben: in den Himmel zu kommen und so viele Menschen wie möglich mitzunehmen“, bringt es Mitarbeiter Philip Rivers, Quarterback bei den San Diego Chargers, auf den Punkt. „Eine einfache Radiostation hat Einfluss auf Millionen.“

Erzbischof Joseph Naumann von Kansas City sagt: „ Ich denke, der Herr stattet uns in diesem Augenblick mit diesem sehr machtvollen und effektiven Mittel aus, um unser Volk zu erziehen. Ich betrachte katholisches Radio als das effektivste Mittel zur Erwachsenenbildung, das ich habe.“ Es sei ein sehr niederschwelliger Zugang für Menschen, die nicht mit dem Glauben vertraut sind.

EWTN-Fernsehen im Internet: EWTN, dann leavestream

Radio Vatikan

Tel. Administration: 06 698 838 22, Deutsches Programm: 06 698 841 01. 400 Mitarbeiter, Stand Anfang 2014.

Radio Vatikan ist ein internationales Radioprogramm des Heiligen Stuhles (also nicht des Staates), das die Aufgabe hat, über die Tätigkeiten des Vatikan, der römisch-katholischen Kirche und allgemein über andere Kirchen zu berichten sowie die katholische Lehre weiterzutragen.

Der erste Rundfunksender wurde im Vatikan (in den Gärten unterhalb des Johannes-Turm) am 12.02. 1931 eingeweiht von Guglielmo Marchoni und Pius XI. (1922-39). 1957: Einweihung von Santa Maria di Galeria: ~20 km nördlich von Rom mit riesigem Mastenareal für Mittel- und Kurzwellensendungen grösserer Reichweite (Parzellenbesitzer: Universität Gregoriana bzw. Vatikan).

Die Direktion verwaltet im Vatikan mit Sendebüros vor der Engelsburg, Piazza Pia. Die Produktion befindet sich im Palazzino Leone XIII in den vatikanischen Gärten, oberhalb des Adlerbrunnens. Die Leitung des Senders ist an die Jesuiten übertragen.

Übersicht über die Programme und Sendesprachen (in 47 Sprachen weltweit, Stand 2007):

Kanal 1
Radio Vaticana „One-O-Five“: Italienisch, Französisch, Englisch und Spanisch

Kanal 2
Deutsch (Nachrichten 16 Uhr), Arabisch, Tschechisch, Kroatisch, Esperanto,
Französisch, Englisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Slowakisch, Slowenisch,
Spanisch, Ungarisch

Kanal 3
Albanisch, Arabisch, Armenisch, Weissrussisch, Bulgarisch, Esperanto, Philippinisch,
Französisch, Englisch, Lettisch, Litauisch, Rumänisch, Russisch, Skandinavisch,
Ukrainisch

Kanal 4
Amharisch, Chinesisch, Französisch (Afrika), Japanisch, Hindi, Englisch (Afrika),
Englisch (Indien), Swahili, Malealam, Portugiesisch (Afrika), Somalisch, Spanisch,
Tamilisch, Tigri, Vietnamesisch

Kanal 5
Deutsch (Magazin ab 18 Uhr), Arabisch, Französisch, Englisch, Italienisch

Sendungen in Deutsch täglich fest: 16.00 Uhr, 20.20 Uhr, 6.20 Uhr: 5885 kHz, 7190 kHz, 7250 kHz.
Im Internet 24 Stunden lang: www.radiovaticana.de

OR vom 29. Mai 2009:
Radio Vatikan, seit 78 Jahren der Sender des Papstes, will sich künftig auch über Werbung finanzieren. Das teilten der Generaldirektor P. Federico Lombardi SJ und der Verwaltungschef Alberto Gasbarri bei einer Pressekonferenz mit. Das Projekt, das am 6. Juli 2009 beginnen soll, gilt den Angaben zufolge vorerst nur den UKW-Kanal 105. Die auf Mittel- und Kurzwelle verbreiteten Programme in etwa 40 unterschiedlichen Sprachen seien nicht betroffen. Als erster wird der italienische Energiekonzern Enel Werbespots in fünf Sprachen ausstrahlen.

OR Nr. 7 vom 18.02.2011:
Der Generaldirektor von Radio Vatikan, P. Frederico Lombardi SJ, kündigte einen neuen Dienst namens „Vatican Tic“ an. Dieses System auf der Internetseite des Senders biete eine Kalender- und Suchfunktion für Termine des Papstes und liste alle veröffentlichten Beiträge dazu auf. „Vatican Tic“ könne leicht mit der neuen Informationsseite des Vatikan verbunden werden, die derzeit vom Päpstlichen Rat für die sozialen Kommunikationsmittel entwickelt werde, erklärte P. Lombardi.

Via Kurzwelle, Satellit und Internet verbreitet Radio Vatikan regelmässige Sendungen in 45 Sprachen. Zu jährlich knapp 150 Live-Übertragungen von Papstzeremonien kommen ein nachrichtlich-kulturelles Programm sowie Liturgiesendungen und Musik.

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 123:
Oben auf dem Monte Vaticano angekommen, weht der Wind schon heftiger, und karger Fels stösst sich an der Viale della Radio aus der Parklandschaft, Ein gewaltiges, metallenes Kreuz reckt sich in den Himmel (WA: in der Zwischenzeit mehrere Anlagen, Mai 2011). Es ist die Sendeanlage von Radio Vatikan.

Am 12. Februar 1931 um 16.49 Uhr war überall auf der Welt eine Stimme zu hören, es war die Stimme des Papstes Pius XI. (1922-39), und sie war allgegenwärtig, klar und klug. Das Wunder war allerdings nur einem Bologneser Bauernsohn namens Guglielmo Marconi zu verdanken, dem Erfinder des Radios – und Konstrukteur des Senders „Radio Vatikan“: „Indem wir uns von diesem Ort aus als Erster“, so sprach der Papst, „der wunderbaren Erfindung Marconis bedienen dürfen, wenden wir uns an die ganze Welt und an alle Menschen. Wir verkünden ihnen mit den Worten der Heiligen Schrift: Höret o Himmel, was ich zu sagen habe. Die Erde hörte die Worte aus meinem Munde. O höret alle Völker.“ Auf Kurzwelle, Meter-Band 19,84 und 50,26 m.

Marconi selbst erklärte, nicht weniger ergriffen: „Die elektrischen Wellen werden in alle Welt, durch den Raum Sein Wort des Friedens und des Segens tragen. Rund 20 Jahrhunderte lang hat der Pontifex Roms die Welt das Wort Seines Göttlichen Lehramtes hören lassen. Aber dies ist das erste Mal, dass Seine lebendige Stimme gleichzeitig auf der ganzen Erdoberfläche wahrgenommen werden kann. Mit der Hilfe Gottes, der so viele geheimnisvolle Kräfte der Natur der Menschheit zur Verfügung stellt, konnte ich dieses Instrument erbauen, um den Gläubigen der ganzen Welt den Trost der Stimme des Heiligen Vaters zu spenden.“

Die erste Sendeanlage stand in dem kleinen Gebäude gegenüber des Collegio Etiopico. Dann, im Jahr 1936, zog die päpstliche Sternwarte um ins dunkle Castel Gandolfo, und in der Palazzino Leo XIII. (1878-1903) – benannt nach dem ersten Papst, der je eine Schallplatte besprach – wurden Räume frei. Das Gebäude ist eingefasst von den letzten Resten der alten Leonischen Mauer und ist von weitem an seinem Rundturm mit dem Sendemast darüber zu erkennen.

Zunächst wurde über einen Kurzwellensender von 15 Kilowatt in alle Welt gesendet. Während des 2. Weltkrieges war „Radio Vatikan“ die einzige unabhängige Stimme im Bereich der Achsenmächte (WA: Jeweils am Freitagabend von 19.10 bis 19.25 Uhr strahlte damals „Radio Beromünster/Schweiz“ die von Prof. Jean Rudolf von Salis unzensierte Sendung „Weltchronik“ zum aktuellen Weltgeschehen aus.). Die französische Résistance transkribierte (Sprach- oder Schriftumwandlung) die Sendungen und verbreitete sie. Goebbels drohte des Öftern mit der Erstürmung des Vatikans, falls der Sender sich nicht mässigte (WA: Warnungen von Goebbels auch an die Schweiz). Im Januar 1940 nahm das „Ufficio Informazioni“ seinen Dienst auf, ein Informationsbüro, das bis 1946 1,2 Millionen Suchmeldungen (oder 12’105 Stunden Sendezeit) von Familien ausstrahlte.

Seit jeher beginnt das Programm mit dem Glockenschlag von St. Peter und dem Satz „Laudetur Jesus Christus“ – „Gelobt sei Jesus Christus“.

1957 liess der Papst auf einem extraterritorialen Acker, der dem „Collegium Germanicum et Hungaricum“ gehörte, 18 km von Rom entfernt, bei Santa Maria di Galeria eine grosse Sendeanlage bauen. Eine Drehantenne auf dem Gelände ist über 100 m hoch. Mit den Kurzwellensendern sind alle Teile der Welt erreichbar, die Mittelwellenprogramme sind bei Dämmerung oder Dunkelheit in fast ganz Europa zu hören. Nach jahrelangen Protesten der Anwohner über Elektrosmog wurde 2007 die Ausstrahlung eines Teils der Mittelwellensendungen auf eine Sendeanlage von Radio Montecarlo verlagert.
→Amtssprache

Kirche heute 26/2012 Juni, S. 2:
Radio Vatikan geht ins Netz

Nach 80 Jahren Nachrichtenvermittlung durch das Medium Radio, wird Radio Vatikan seine Nachrichten in Zukunft vermehrt durch das Internet vermitteln. Zum 1. Juli 2012 stellt der Sender den Grossteil seiner Übertragungen durch das Radio ein und setzt stattdessen auf neue Kommunikationstechnologie, insbesondere auf das Internet. Der Sender halbiert zur Jahresmitte seinen Output. Radiosendungen für Amerika und Europa werden eingestellt und nur noch Richtung Afrika und Asien gesendet. Im Internet sind die Nachrichten von Radio Vatikan in 40 Sprachen und 13 Alphabeten zu lesen.

OR Nr. 25 vom 22. Juni 2012, S. 7 (…)
Das vatikanische Übertragungszentrum in Santa Maria di Galeria nördlich von Rom halbiert ab Jahresmitte seinen Output und sendet künftig praktisch nur noch Richtung Afrika und Asien. Das spart dem Papstradio Energiekosten. Es spart zudem Frequenzgebühren und reduziert den Elektrosmog.

Im deutschen Sprachraum werde Radio Vatikan bedeutend häufiger über Internet gehört als über Kurzwelle, sagte der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, P. Bernd Hagenkord SJ.

OR Nr. 29 vom 20. Juli 2012, S. 12, Dr. Christine Grafinger:
Zum 75. Todestag von Guglielmo Marconi, dem Erfinder der modernen Telekommunikationssysteme und Erbauer der ersten Radiostation im Vatikan (oberhalb des äthiopischen Kollegiums)

Der italienische Naturwissenschaftler Guglielmo Marconi leistete mit seinen Experimenten einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der modernen Kommunikationssysteme (Radio und Fernsehen). Für seine Forschungen wurde er am 10. Dezember 1909 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Er starb am 20. Juli 1937 an den Folgen eines Schlaganfalls. (…)

Für seine Verdienste erhielt Marconi zu Lebzeiten 12 Ehrenbürgerschaften, 16 Ehrendoktorate und 25 weitere Auszeichnungen höchsten Ranges. Nach einem Schlaganfall am 19. Juli 1937 verstarb er am Morgen des folgenden Tages. Der angesehene Erfinder erhielt ein Staatsbegräbnis, und nach der Fertigstellung des Mausoleums am Familiensitz der Villa Griffone bei Bologna wurde sein Leichnam 1941 dorthin überführt.

Sein Bildnis zierte von 1990 bis zur Einführung des Euro (01.01.2001) den 2000-Lire-Schein. Im Jahre 1938 wurde der Ort Sasso Bolognese in Sasso Marconi umbenannt. Der Flughafen von Bologna trägt auch den Namen Marconi und in Rom wurde eine Universität ihm zu Ehren eingerichtet („Università degli Studi Guglielmo Marconi“). Im Jahre 2009 wurde in Ancona ein Museum zur Erinnerung an den berühmten italienischen Erfinder eröffnet. In Würdigung seiner Leistungen tragen ausserdem der Asteroid (1332) Marconia und ein Mondkrater auf der Rückseite des Mondes seinen Namen.

OR Nr. 42 vom 16.10.2015, S. 4
Radio Vatikan bietet seine Informationen ab 9. Oktober 2015 auch auf Koreanisch an. Diese  sind auf der Webseite des Papstsenders unter kr.radiovaticana.va  abrufbar. Ein Hörprogramm sei derzeit nicht vorgesehen, teilte der Sender mit. Gestaltet wird der Internetauftritt von einer koreanischen Ordensfrau. Das Vorhaben sei seit längerer Zeit geprüft worden und hatte mit dem Papstbesuch in Südkorea im August 2014 neuen Auftrieb erhalten. Die dortige Kirche gilt als besonders dynamisch, etwa 11 % der Südkoreaner sind katholisch. Mit der koreanischen Abteilung unterhält Radio Vatikan nun insgesamt 39 Sprachabteilungen, die in über 40 Sprachen senden.

OR Nr. 8 vom 26.02.2016, S. 4
Neuer Interims-Chef bei Radio Vatikan

Zum Monatsende scheiden der Intendant wie der Verwaltungsdirektor von Radio Vatikan, Jesuitenpater Federico Lombardi (73) und Alberto Gasbarri (70), aus ihren Ämtern aus. Verantwortlicher Leiter des Senders wird ab 1. März 2016 „ad interim“ Giacomo Ghisani, bislang Chef der Abteilung für internationale Zusammenarbeit. Nicht betroffen von dieser Verfügung ist das Amt Lombardis als Leiter des vatikanischen Presseamtes.

Die katholische Nr. 1 im Internet: domradio.de
Mit Gottesdiensten und Auslegung des Evangeliums vom Tage.

Rangordnungen der Kirchen

→ Papstbasiliken

Räte, Päpstliche (11): Adressen

Organe mit fördernden Funktionen. Vorsteher: Präsident

    ♦ Piazza di San Calisto Nr. 16 (Trastevere, links von der Kirche S. Maria in 
      Trastevere):

1. Päpstlicher Rat „Cor Unum“, Tel. 06 698 871 76
2. Päpstlicher Rat für die Kultur, Tel. 06 698 938 11
3. Päpstlicher Rat für die Familie, Tel. 06 698 872 43 (Juli 2016: wird umstrukturiert)
4. Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden, Tel. 06 698 799 00
5. Päpstlicher Rat für die Laien, Tel. 06 698 871 94
6. Päpstlicher Rat für die Migranten und Menschen unterwegs, Tel. 06 698 871 16

    ♦ Piazza Pio XII. Nr. 10 (links, Richtung Petersplatz):

7. Päpstlicher Rat für die Interpretation von Gesetzestexten, Tel. 06 698 840 08

    ♦ Via della Conciliazione Nr. 3 (rechts, Richtung Petersplatz):

8. Päpstlicher Rat für die Pastoral im Krankendienst, Tel. 06 698 831 38

♦ Via della Conciliazione Nr. 32/34 (rechts, Richtung Peterspl.) bzw. Via dell’Erba 1:

9. Päpstlicher Rat für den interreligiösen Dialog, Tel. 06 698 843 21
10. Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Tel. 06 698 847 94

♦ Via della Conciliazione Nr. 5 :

11. Päpstlicher Rat für die sozialen Kommunikationsmittel, Tel. 06 698 851 27
(erscheint im Organigramm des OR 30/31 vom 29.07i.2016 nicht mehr; dafür als
Institution das „Kommunikationssekretariat“ mit Fernsehen, Radio Zeitung OR,
Verlagsbuchhandlung, Presseamt, Druckerei, Fotoservice, Internet-Dienst)

Via della Conciliazione , gegründet im Jahre 2010:

12. Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung in der säkularisierten
westlichen Welt

Man kann behaupten, dass sich keine einzige Kongregation (Regierungsorgan),  kein einziger Päpstlicher Rat (mit fördernder Funktion) noch die drei Gerichtshöfe des Heiligen Stuhles auf dem Gebiet des Staates der Vatikanstadt befinden, wohl aber alle auf vatikanischem Hoheitsgebiet.

OR Nr. 43 vom 26.10.2012, S. 3:
Der Vatikan regelt die Zuständigkeiten für den Kulturbereich neu. Die bislang eigenständige Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche wird zu einer Abteilung des Päpstlichen Rates für die Kultur, wie der Präsident des Päpstlichen Rates, Kardinal Gianfranco Ravasi, in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung des Osservatore Romano ankündigte. Die Umstrukturierung erfolge zum 3. November 2012. Zweck seien die Bündelung der Kompetenzen sowie Synergieeffekte.

→Conciliazione →Adressen (5 Dateien)  →Kongregationen  →Organigramm

Rauchverbot

Es wird gehandhabt wie in Italien in Mensen, Museen, Banken, Post (öffentliche Gebäude). Es gilt seit 1. Juli 2002. Das Gesetz gilt auch in vatikanischen Dienstfahrzeugen.

Alexander Smoltczyk:
Seit Juli 2002 ist im Vatikan ein Rauchverbot in Kraft, es gilt für Büros und Dienstwagen. Zuwiderhandlungen werden mit Euro 30 bestraft. Die katholische Morallehre hat Rauchen nie als Sünde definiert. Der Katechismus warnt lediglich vor „Nikotinsucht“. Noch Papst Pius IX. (1846-78) hatte 1863 in Trastevere eine Zigarrenfabrik bauen lassen, die lateinische Inschrift ist noch heute über dem Eingang an der Piazza Mastai (zwischen Viale Trastevere und dem Tiber, im Tiberknie) zu lesen: “PIUS IX.OFFICINAM NICOTIANIS FOLIIS ELABORANDIS A SOLO EXTRUXIT. ANNO MDCCCLXIII“. Die Tabakfabrik existiert immer noch. Einer seiner Vorgänger, Benedikt XIV. (1740-58), war selbst ein fanatischer Raucher und schaffte im Kirchenstaat die Tabaksteuer ab. Jüngere Forderungen von Nichtrauchergruppen, das gesamte Staatsgebiet zur tabakfreien Zone zu erklären, hat der Vatikan bislang abgelehnt.
→Drogen

Rechtsordnung

→Strafgesetz

Rechtsquellen von Italien
→Staat der Vatikanstadt, kursiv

Rechtsträger/Rechtskörper des Vatikan
→Begriffe Körperschaften (Nebenregister)

Reformierte Christen/Reformation

→Christen     →Austritte aus der Kirche

Reiseführer

OR Nr. 14 vom 8. April 2016, S. 14
Online-Reiseführer durch 2000 Jahre Religion und Kultur in Rom

  • Das römische Kultur- und Tourismusministerium hat einen Online-Reiseführer zum Heiligen Jahr herausgegeben. Er führt auf 20 Routen durch 2000 Jahre Kirchen- und Kulturgeschichte der Ewigen Stadt. Entlang dieser Touren werden insgesamt 354 Sehenswürdigkeiten in kurzen Texten auf Italienisch und Englisch vorgestellt. Beigefügt sind jeweils Smartphone-taugliche Strassenkarten. Auch ein Plan zur Bewältigung der Touren mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist abrufbar. Die Routen durch die 20 Jahrhunderte seien meist gut an einem Tag zu Fuss zu schaffen, heisst es in der Einführung.
    Beispiele von Rundgängen:
  • Erste Route ist den Stadtpatronen Petrus und Pauls gewidmet. Sie führt auf 18 Etappen von der Via Appia mit der Sebastians-Katakombe und der Kirche Quo Vadis zum Marmertinischen Kerker, wo Petrus der Überlieferung nach eingesperrt war, und schliesslich zum über seinem Grab errichteten Petersdom. Ziele des Rückwegs sind die Basilika St. Paul vor den Mauern und die Kirche Tre Fontane, wo Paulus enthauptet wurde.
  • Zweiter Rundgang. Thema: frühchristliche Märtyrer. Kolosseum, Circus Maximus, Basilika der Heiligen Cäcilia.
  • Weitere Route: sie verbindet Kirchen, die über oder in heidnischen Tempeln entstanden sind: Pantheon, Santa Maria in Aracoeli auf dem Kapitol, San Clemente.
  • Andere Touren führen um die Mauern Roms, zu den Obelisken der Stadt, ihren Brunnen, den historischen Gärten oder auch verehrten Ikonen und Bildern.
  • Ein Gang zeigt Bauten und Monumente, die in Heiligen Jahren entstanden sind oder dort eine besondere Rolle spielten: etwa den Ponte Sisto, den Papst Sixtus IV. zum Heiligen Jahr 1475 über den Tiber bauen liess und den Fluchtkorridor vom Vatikan zur Engelsburg, den Alexander VI. zum Jahre 1500 fertigstellte.
  • Auch das Rom Michelangelos, Berninis, Goethes oder Canovas lässt sich entdecken.
  • Originell ist etwa die Tour der Tierfiguren, die bei der Kapitolinischen Wölfin beginnt und vorbei am Pferd Mark Aurels zum Elefanten-Obelisken und den Brunnen der Schildkröten, der Delfine, der Bienen und der Frösche führt.
  • Die Tour der „1’000 Religionen in Rom“ umfasst 16 Etappen, und schliesst den nicht-katholischen Friedhof, die Kirchen verschiedener christlicher Gemeinschaften, das jüdische Viertel, die Grosse Moschee und den Buddhistischen Tempel ein.

Reisen des Papstes

Der Papst reist

  1. Als Staatsoberhaupt des Staates der Vatikanstadt (staatlich). Der Vatikanstaat garantiert völkerrechtlich die Unabhängigkeit des Hl. Stuhles (Lateranvertrag vom 11.02.1929)
  2. Als Völkerrechtssubjekt selbst bzw. als Inhaber des Hl. Stuhles, der nichtstaatliches Subjekt der völkerrechtlichen Beziehungen ist.
  3. Als Oberhaupt der röm. kath. Weltkirche (religiös, Pilger)

Reiterprozession zum Lateran

Ulrich Nersinger, Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof, Seite 315:

Die Reiterprozession, die von St. Peter (oder in späteren Zeiten vom Quirinal) zum Lateran zog, war ein feierliches Geschehen, das eine reiche Symbolik in sich trug. Der Papst ritt bei dieser Kavalkade (Reitertrupp-Zug) auf einem weissen Pferd. Dass schon unter Papst Gregor dem Grossen (509-04) dieses Reittier einen festen Platz in den feierlichen Prozessionen des Papstes besass, bezeugt der erste Ordo Romanus. Die Päpste dürften es im Sinne der imitatio Imperii vom römischen Kaiser übernommen haben.

Das päpstliche Pferd sollte möglichst candissimus (glänzend weiss), ein weissgeborenes, d. h. ein *Albino sein. Das Sonnenross des Helios (griech. Sonnengott) und das Staatspferd des römischen Kaisers waren von weisser Farbe. Für die Begründung der Farbe „Weiss“ wurden auch biblische Stellen herausgezogen. Bei der Verklärung Christi „wurden seine Kleider weiss wie Schnee“. – Die Engel bei der Auferstehung und Himmelfahrt Christi trugen weisse Gewänder. – In der Geheimen Offenbarung des Johannes steht Weiss für die vollkommene Reinheit, den Sieg und die ewige Herrlichkeit. – „Dann sah ich den Himmel offen, und siehe, da war ein weisses Pferd, und der, der auf ihm sass, heisst ‚der Treue und Wahrhaftige’, berichtet Kapitel 19, Vers 11. usf.

Goldene Glöckchen und Schellen, die das Papstpferd schmückten, waren im byzantinischen Hofzeremoniell auszumachen, sie wurden jedoch auch mit dem Festornat des alttestamentarischen Hohenpriesters in Verbindung gebracht. – „Sie machten Glöckchen aus reinem Gold und befestigten die Glöckchen zwischen den Granatäpfeln am Saum des Mantels, ringsum zwischen den Granatäpfeln ein Glöckchen und ein Granatapfel abwechselnd ringsum am Saum des Mantels für den Dienst, wie es der Herr dem Mose befohlen hatte“ (Ex 39, 25-26).

Zum Besteigen des Pferdes benutzte der Papst eine kleine, dreistufige hölzerne Treppe, die mit rotem Stoff bespannt war. Beim Aufsteigen wurde dem Papst der Steigbügel vom höchsten der anwesenden Fürsten gehalten. Das Reiten auf einem weissen Pferd war in der Ewigen Stadt allein dem Papst vorbehalten, nur in ganz seltenen Fällen wurde es Personen als Privileg oder besondere Auszeichnung zugestanden, so als der Papst dem römischen Fürsten Don Marcantonio nach dem Sieg bei der Seeschlacht von Lepanto (1571) einen Triumph nach antiker Weise gewährte.

Wenn auch der Papst als einziger bei der Kavalkade einen auf eine besondere Art geschmückten Schimmel ritt, so waren doch noch andere weisse Pferde in der Prozession zu erblicken: 12 reiterlose Pferde, die rote, goldbordierte Decken trugen und von 12 Familiaren des Papstes geführt wurden – die Pferde standen symbolisch für die 12 Apostel. – Bis zum Beginn des 16. Jahrhundert lief ein weiterer Schimmel in der Kavalkade (Reiterzug) mit, das sogenannte Hostienross, auf dem das Allerheiligste Altarssakrament mitgeführt wurde.

*WA: Einem Albino, einem weiss geborenen Pferd, fehlen die Pigmente, d. h. die Farbstoffe. Es hat weisses Haar und rote Augen. Es ist nicht widerstandsfähig.

Reklamefrei

Das ganze Gebiet des Staates der Vatikanstadt war bis im Frühjahr 2010 reklamefrei, bis in den linken Kolonnaden an zwei Orten grosse Reklameflächen für italienische Elektrokonzerne prangten. Im September 2010 waren die Reklameflächen wohl noch da, aber ohne Reklame.

Religion

BaZ vom 4. Juli 2012, S. 5, SDA:
Religion lässt Individuen kalt – erhitzt jedoch die politische Debatte

Bern. Punkto Religion wächst in der Schweiz eine Kluft: Ihre Bedeutung im Privaten schrumpft, während sie als Zankapfel in Politik und Medien bedeutsamer wird. Zu diesem Schluss kommt das Nationale Forschungsprogramm „Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft“ (NFP 58) in seinem Schlussbericht.

Religion werde in den Medien, aber auch auf dem Schulhof und in der Politik oft zur Abgrenzung der „einheimischen“ von „fremden“ Gruppen benutzt, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) in einem Communiqué schreibt. Dies geschehe häufig im Zusammenhang mit gewalttätigem Handeln oder stereotypen Wahrnehmungen von Migranten.

Religion als „Privatsache“
Im Gegensatz dazu griffen einzelne Menschen immer seltener auf die traditionelle Religion zurück, schlossen die Forschenden, die für das NFP 58 die Religionslandschaften der Schweiz in 28 Projekten durchleuchtet hatten. Die grossen christlichen Kirchen verloren immer mehr Mitglieder und besonders unter den Jüngeren gelte Religion als „Privatsache“.

Trotz der Säkularisierung erführen manche Religionsgemeinschaften Zulauf, schreibt der SNF. Sie hätten zwar wenige, aber hoch engagierte Mitglieder, die eine konservative Lebensführung propagieren. „Diese Heterogenität (Ungleichartigkeit) verschärft das Verhältnis zwischen stark Religiösen und Religionsdistanzierten“, zitiert die Mitteilung Christoph Bochinger, Präsident der Leitungsgruppe des NFP 58.

Daher gelte es, den respektvollen Umgang zwischen den verschiedenen Gruppen zu fördern, sagt Bochinger. Die Leitungsgruppe empfiehlt deshalb den Behörden auf allen Ebenen, mehr für die Gleichstellung der religiösen Gruppierungen zu tun. Auch die neuen Gemeinschaften sollten bei politischen Aushandlungen berücksichtigt werden – aber ebenso säkuläre (weltliche) Gruppen wie die Freidenker. 
→Schweiz    →Christen

Religionsfreiheit

Kath. Wochenzeitung Nr. 11 vom 16. März 2012:

Vatikan sieht wachsende religiöse Diskriminierung weltweit

70 % der Weltbevölkerung leben in Staaten mit stark eingeschränkter Religionsfreiheit.
Mehr als 2,2 Milliarden Menschen werden nach vatikanischen Angaben gegenwärtig weltweit an der freien Ausübung ihrer Religion gehindert. Dabei handle es sich um einen steigenden Trend, sagte der Vertreter des Heiligen Stuhles bei den Vereinigten Nationen in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, vor dem UN-Menschenrechtsrat. Zugleich habe die Gewalt gegen Christen in Afrika, Asien und dem Nahen Osten stark zugenommen. Dort sei die Zahl der Anschläge zwischen 2003 und 2010 um 309 % gestiegen. Christen seien jedoch keineswegs die einzigen Opfer. (…)

Der Vatikanvertreter verurteilte jede Form von religiös motiviertem Terrorismus und hob den Betrag der Religionen für den Frieden hervor. Religion sei keine Bedrohung, sondern eine Ressource für die Gesellschaft.

Religionslos

→Austritte in der Kirche

Renaissance-Zeit

→Papstkinder

Renten

→Pensionen

Restaurant

→Verpflegung
Ein Restaurant/Pizzeria mit Selbstbedienung findet man in den vatikanischen Museen.
Arbeiter/Angestellte des Vatikans benutzen hie und da die Kantine der Garde für einen Weintrunk mit Faustbrot, sonst steht ihnen die eigene Mensa für die Mittagsverpflegung bei der Piazza Rita offen.

Restaurationspolitik

HK, Ist die Kirche noch zu retten? S. 27:

Es erstaunt immer wieder, wie auch säkulare Zeitgenossen, die sich nicht der Kirche zugehörig fühlen, und ästhetisierende (nach den Gesetzen des Schönen urteilen) Intellektuelle sich blenden lassen von wieder verstärkter barocker Prachtentfaltung und von medienwirksamen liturgischen Inszenierungen, womit man in Rom eine starke Kirche und einen unangefochtenen Papst zu demonstrieren versucht. Doch kann aller sakrale Prunk nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Restaurationspolitik Johannes Pauls II. und Benedikts XVI. aufs Ganze gesehen gescheitert ist. Alle päpstlichen Auftritte, Reisen und Lehrdokumente vermochten die Auffassungen der meisten Katholiken in kontroversen Fragen nicht im Sinne römischer Doktrin zu verändern. Und selbst päpstliche Jugendtreffen, besucht vor allem von konservativen charismatischen Gruppierungen und gefördert von traditionalistischen Organisationen, konnten weder die Kirchenaustritte bremsen noch mehr Priesterberufe wecken.
→Unterregister „Päpste, wahlweise … (Benedikt XVI., Johannes Paul II.)

Restaurierungswerkstätten Vatikan/Italien

OR Nr. 23 vom 10.06.2016, S. 4
Restaurierungswerkstätten des Vatikan und Italiens unterzeichnen ein Abkommen

Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Restaurierungswerkstätten des Vatikan und Italiens wird seit kurzem in einem eigenen Abkommen geregelt. Am 31. Mai 2016 unterzeichneten der Direktor der Vatikanmuseen, Antonio Paolucci, und die Direktorin der Fachhochschule für Konservierung und Restaurierung (ISCR), Gisella Caponi, ein Dokument, das neben gemeinsamen Leitlinien für die wissenschaftliche Forschung einen Erfahrungs- und Informationsaustausch sowie die Ausarbeitung von theoretischen und praktischen Regelungen vorsieht, unter besonderer Berücksichtigung der planmässigen Konservierung und des Umweltmonitoring (Dauerbeobachtung der Umwelt). Ausserdem sollen Studenten des ISCR ein Praktikum in den Vatikanischen Museen absolvieren, während Fachleute aus dem Vatikan  an den Spezialisierungskursen des ISCR teilnehmen können.
Bisher fanden die  Beziehungen zwischen den beiden Restaurierungswerkstätten, die in die Gründungszeit des ISCR (1939) zurückreichen, auf informeller Ebene statt. Im von deutschen Truppen besetzten Rom liess 1944 der damalige Direktor des ISCR, Cesare Brandi, die modernen Geräte in den Vatikan bringen, um sie vor Beschädigung oder Beschlagnahmung zu schützen. In der Folgezeit waren gegenseitig Beratung und Zusammenarbeit üblich. Die seit 2008 dem italienischen Ministerium für Kulturgüter und Tourismus unterstellte Restaurierungswerkstatt, die sich in Trastevere befindet, geniesst international einen sehr guten Ruf.
Dasselbe gilt für die Einrichtung des Vatikan, wo 59 fest angestellte Restauratoren mit verschiedenen Spezialisierungen tätig sind (Fresko, Leinwand- und Tafelmalerei, Stein, Metall, Papier, Stoff, ethnographische Objekte). Hinzu kommen 43 Fachleute mit befristeten Arbeitsverträgen in den aktuell durchgeführten Projekten wie der Galerie der Landkarten, der Fresken in der Scala Santa, dem Konstantinsaal. Weitere 66 Freiberufler arbeiten an unzähligen kleineren Aufträgen für Kunstwerke der Sammlungen. Diese ansehnliche Zahl von Arbeitskräften (168) wird von den 11 Spezialisten der Abteilung „Wissenschaftliche Forschungen“ unter der Leitung von Prof. Ulderico Santamaria fachlich begleitet. Die Restaurierungswerkstätten des Vatikan haben ein durchschnittliches Jahresbudget von über 2 Millionen Euro.

Risorgimento

OR Nr. 40 vom 08.10.2010

Die letzten Jahre und Tage der alten Kirchenstaates von 1867-70.
(Risorgimento, die italienische Einigungsbewegung im 19. Jahrhundert;
il risorgimento (ital. die Wiedergeburt, das Wiederaufblühen)

Im Kampf um das weltliche Herrschaftsgebiet des Papstes
Der Kirchenstaat hisst die weisse Flagge

Auch wenn der Kirchenstaat seit 1860 auf ein Fünftel seiner Grösse geschrumpft war, blieb er den Anhängern eines geeinten Italiens ein Dorn im Auge. Das savoyische Königshaus aber war durch internationale Konventionen gebunden und konnte sich nicht offiziell des päpstlichen Territoriums bemächtigen. Man musste zu anderen Mitteln greifen. Der Plan war es, den Kirchenstaat zu destabilisieren. Giuseppe Garibaldi und seine Freischärler sollten hierzu das Nötige tun. Stände das „Patrimonium Petri“ in Aufruhr, würde Italien dem Papst „zu Hilfe“ eilen und die Ruhe wiederherstellen. Ein Plebiszit (Volksabstimmung) würde folgen, das den Willen des Volkes kundtäte, in die italienische Nation aufgenommen zu werden – und der Papst wäre seiner weltlichen Sorgen entledigt gewesen.

Der Einfall der Freischärler Garibaldis in das „Patrimonium Petri“ und die Bresche bei der Porta Pia

  • „O Roma o Morte“ – entweder Rom oder den Tod gab Giuseppe Garibaldi als Devise  für den Feldzug
  • Zigtausende von Freiwilligen kämpfen: rote Hemden, deshalb „Camicie rosse“,  Rothemden
  • 29. September 1867: erste Freischärler drangen in den Kirchenstaat ein. Sieg ging an die Päpstlichen
  • Dann aber drangen immer mehr Garibaldis ein, 12’000 bis 15’000 Mann
  • Auch Rom wurde von revolutionären Unruhen nicht verschont: Petarden und Orsini- Bomben (Vorläufer heutiger Handgranaten) gegen öffentliche Gebäude und Kleriker. Die Serritori-Kaserne beim Vatikan ging in die Luft. Nur 24 Regimentsmusiker und zahlreiche Zivilisten sterben. Die Kompanien waren vorher ausgerückt.

Ernste Lage

  • Ende Oktober 1867: Monterotondo fiel in die Hände der Freischärler
  • 3. November 1867: 3’000 Päpstliche verlassen die Ewige Stadt unter General Hermann Kanzler (1822-89, Waffenminister des Kirchenstaates) Richtung Monterotondo
  • Dazu kamen 2’000 Mann vom französischen Expeditionskorps auf Befehl von Kaiser Napoleon III.
  • 03.11.1867, 13.00 Uhr. Man traf auf 7’000 Freischärler. Die Päpstlichen siegten
  • Garibaldi vor Ende der Schlacht flieht mit ein paar Tausend Mann
  • 7. Januar 1868: Garibaldi: „Mentana ist für mich ein zweites Aspromonte gewesen;  dort wurde ich am Fuss verwundet, bei Mentana im Herzen
  • 3 Jahre ohne militärische Auseinandersetzungen für den Kirchenstaat
  • 1870: Es bricht der deutsch-französische Krieg aus. Napoleon III. zieht seine Truppen aus Rom ab (5. und 19. August)
  • 20. August 1870: General Hermann Kanzler erstellt dem Papst Rapport über die mehr  als 13’000 Mann des Päpstlichen Heeres, bestehend aus:
    1’688 Gendarmen, 669 Squadraglieri (ehemalige Briganten unter dem Kommando der Gendarmerie)  Brigant: frühere italienische Bezeichnung für Strassenräuber, dann 1’675 Jäger, 1’075  Linieninfanteristen, 2’901 Zuaven, 1’262 Scharfschützen, 1’410 Mann der Antibes-Legion, 533 Dragoner, 852 Artilleristen,  ein 127-köpfiges Pionierkorps, 120 Angehörige der Versorgungstruppen, 97 Mann der Disziplinarkompagnie, 126  Sanitäter sowie mehrere 100 Mann starke Veteranen- und Reserveeinheiten römi-
    scher Freiwilliger. Zudem besass der Kirchenstaat eine kleine Flotte; eine Pirokorvette  „Immacolata Concezione“ und einige bewaffnete Dampfschiffe: 7 Offiziere und 150  Matrosen schützten die Küste von Civitavecchia und machten die Schifffahrtskontrolle
    über den Tiber.

Päpstliche Order

  • 2. September 1870: Sieg der deutschen Heere bei Sedan: Sturz des französischen  Kaiserreiches.  Das Königreich nutzte die Gunst der Stunde: Viktor Emanuel II.  erklärte die Septemberkonvention von 1864 für nichtig.
  • 11. September 1870: Viktor Emanuel II. liess seine Truppen in den Kirchenstaat einmarschieren. Der Papst verlangte, dass man für ihn nicht bis zum letzten Mann kämpfe.  60’000 Italiener gingen gegen die Päpstlichen vor.
  • 20. September 1870 am Morgen: Bersaglieri schlugen nach mehrstündigem Gefecht eine Bresche in die römische Stadtmauer, wenige Meter rechts vom Eingang an der  Porta Pia. Befehl vom Papst: Feuer einstellen und weisse Flagge hissen
  • Wenige Stunden später: Der päpstliche Waffenminister begab sich zur Villa Torlonia,  wo die italienische Armeeführung ihr Quartier aufgeschlagen hatte
  • Die Kapitulationsurkunde sah die Auflösung aller militärischer päpstl. Formationen vor, ausser der Palastgarden des Papstes: Nobelgarde, Palatingarde, Schweizergarde. Sie sollten ihren Dienst  innerhalb der vatikanischen Mauern ausüben dürfen. Ferner gestattete Italien den Fortbestand einer Kompagnie der Päpstlichen Gendarmerie zum
    Schutz des Papstes.
  • Mit der Unterschrift von General Hermann Kanzler hörte die Armee des
    Kirchenstaates und folglich auch der Kirchenstaat selber auf zu existieren.
    → Römische Frage

Rom

OR Nr. 35 vom 03.09.2010:
Der Petersdom ist laut einer internationalen Erhebung das beliebteste Gratis-Touristenziel in Europa. In der Liste sind auch das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau, der sizilianische Vulkan Ätna, die Ausgrabungen von Ostia antica bei Rom und der Canale Grande in Venedig aufgeführt. Der römische Vizebürgermeister Marco Cutrufo sieht im Spitzenplatz für Sankt Peter eine weitere Bestätigung für Rom. Zugleich verweist er darauf, dass sich von den jährlich rund 12 Millionen Besuchern der italienischen Metropole etwa 97 Prozent ausschliesslich in der Innenstadt aufhielten.

Stefan Ulrik, quattro stagioni:
Das eher kleine Italien besitzt mit seinen 20’000 Schlössern, 100’000 Kirchen, ungezählten Museen und archäologischen Ausgrabungsstätten mehr Kulturgüter als alle anderen Staaten der Welt zusammen. Das alles zu erhalten oder auch nur zu schützen ist fast unmögllch. Daher wirkt das Land manchmal wie ein riesiger Kultur-Selbstbedienungsladen. Seit 1970 seien 850’000 Kunstgegenstände geraubt worden, rechnen die Carabinieri vor. Nach Drogen und Waffen zähle der internationale Kunst-Schwarzmarkt zu den lukrativsten Geschäften der Welt.

Kultur-Carabinieri in Italien: Eine paar Hundert starke Spezialisten-Einheit, die sich auf die Unterstützung der 110’000 normalen Carabinieri und des übrigen Staatsapparates, auf die Polizeieinheiten anderer Staaten und auch auf Interpol stützen können. So jagen sie ziemlich erfolgreich Kunsträuber, -schmuggler und –hehler bis hinein in die Chefetagen der grossen Museen Europas und Amerikas.

OR Nr. 1 vom 06.01.2012:
Die Stadt Rom ist 2011 als Reiseziel noch beliebter geworden. Rund 11,4 Millionen Gäste kamen zwischen Januar und November in die Ewige Stadt. Das sind rund eine Million mehr als 2010 und entspricht einem Zuwachs von knapp 8,4 %. Insgesamt registrierte der Fremdenverkehrsverband der Region Latium demnach 28,4 Millionen Übernachtungen in Rom, rund 2 Millionen mehr als 2010.

Georg Ürögdi, Das Leben im alten Rom, S. 52

Rom war nicht nur die Hauptstadt der römischen Welt gewesen, sondern mehr als dies, ihre Beherrscherin. Bereits die Staatsmänner der republikanischen Zeit hatten dem römischen Volk diesen Gedanken glaubhaft gemacht.

Deutsche Pilgerzeitung, Sommer 2014, Nr. 20, S. 7
Eine Stadtrundfahrt einmal anders
Günstig und bequem geht es mit der Strassenbahnlinie 3 quer durch das antike, christliche und moderne Rom. Von Natalie Nordio

Wer kennt sie nicht: die „Hop-on Hop-off“ Busse, die in fast allen Grossstädten weltweit Touristen an Sehenswürdigkeiten und Monumenten vorbei kutschieren. In Rom gibt es die natürlich auch. Doch die Strassenbahnlinie 3 bietet dazu eine tolle und günstige Alternative. Gerade einmal 1,50 Euro kostet die Fahrkarte, mit der man rund 100 Minuten lang quer durch Rom fahren kann.
Startpunkt der Linie 3 in Richtung Valle Giulia ist die Porta San Paolo direkt an der Piazzale Ostiense im Stadtviertel Testaccio (Metrostation Porta S. Paolo). Das mächtige Stadttor war eines von ursprünglich 18 Toren der Aurelianischen Mauern und trug den Namen Porta Ostiensis, da man von hier aus über die gleichnamige Strasse nach Ostia kann. Kaiser Aurelian (270-275) hatte die Stadt im späten 3. Jahrhundert mit hohen, dicken Mauern umgeben. Später wies das Tor Pilgern den Weg zur nahen Basilika des heiligen Paulus. Heute beherbergen die Wachtürme ein Museum. Direkt neben dem Tor steht die Pyramide des Cestius (43. v. Chr. Prätor; seine Lebensdaten sind ungewiss). Nach der Eroberung Ägyptens zeigte sich Rom begeistert von den neuen Götterkulturen und es kam zu einer wahrhaften Ägyptomanie Der Prätor Caius Cestius Epulo liess 20 vor Christus vor den Toren der Stadt ein Grabmal aus Ziegeln und Travertin in Pyramidenform mit einer Höhe von knapp 40 Metern errichten. Später bezog Kaiser Aurelian das Mausoleum in die Mauern ein.
Von der Piazzale Ostiense fährt die Tram Nummer 3 über den Aventin-Hügel hinunter in das Murcia-Tal, in dem sich einst die grösste Rennbahn der Antike befand: der Circus Maximus (600 x 140 m, 150’000 Plätze, später gegen 250’000. Hier im 6. Jahrhundert die ersten Wettkämpfe). Legt man an der Haltestelle einen Stopp ein, so sollte man auf dem Aventin, einem der 7 Hügel, auf denen Rom gegründet wurde, neben dem berühmten Schlüsselloch, durch das man die Kuppel von Sankt Peter sieht, unbedingt der frühchristlichen Basilika der heiligen Susanna einen Besuch abstatten. Über den Caelius-Hügel, ebenso einer der klassischen Sieben, führt die Strassenbahn schnurgerade an Roms grösstem Amphitheater, dem Kolosseum vorbei. Gerade einmal 8 Jahre haben die Kaiser Vespasian (69-79) und Titus (79-81) für den Bau der knapp 50 m hohen elliptischen Kampfarena gebraucht. Während der hunderttägigen Eröffnungsspiele 80 nach Christus sollen allein 5’000 Tiere getötet worden sein.
Über den mittelalterlichen Pilgerweg, die Via Labicana, führt die Strassenbahnlinie weiter zum Lateran. Im ersten nachchristlichen Jahrhundert befanden sich hier die Gärten der Familie Laterani, die „Horti Laterani“. Doch Kaiser Nero (54-68) gefiel die Gegend so gut, dass er kurzerhand die Familie enteignete und verbannte. Im 4. Jahrhundert liess Kaiser Konstantin (306-337) hier die erste grosse Basilika errichten. Er weihte das Gotteshaus dem Erlöser. Erst im 10. und 11. Jahrhundert war die Kirche zudem noch Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten, im Italienischen „Giovanni“ geweiht worden. San Giovanni in Laterano ist „Mutter und Haupt aller Kirchen in der Stadt und des Erdkreises“, so lautet die Inschrift an der Fassade. Sie ist die einzige der grossen konstantinischen Basiliken, die innerhalb der Stadtmauern liegt, und somit Sitz des Bischofs von Rom, und das ist bekanntlich kein Geringerer als der Papst. Ein kurzer Halt lohnt sich allemal, denn das Baptisterium (Taufkapelle) hinter der Kirche und das Gebäude der Scala Santa, der heiligen Stiege aus dem Palast des Pontius Pilatus, direkt daneben, sind wirklich einen Besuch wert. Entlang der Aurelianischen Mauern bummelt die Strassenbahn gemächlich weiter in Richtung Santa Croce in Gerusalemme. Die heilige Helena soll hier nach ihrer Rückkehr aus Jerusalem in Teilen ihres Palastes im 4. Jahrhundert eine erste Kapelle errichtet haben.  Erde aus dem Heiligen Land bildete den Boden des Kirchleins. Im Mittelalter galt der Ort deshalb als so heilig, dass Frauen der Zutritt untersagt blieb. Von der Erde sieht man zwar nichts mehr, doch wird neben anderen Reliquien auch heute noch die Hälfte des Kreuz-Titulus (Titulus = mittelalterliche Bildunterschrift) in Santa Croce aufbewahrt.
Nur wenige hundert Meter weiter erhebt sich die „Porta Maggiore“, das grosse Tor. Kaiser Claudius (41-54) hatte es ursprünglich als Strassenübergang für seine Wasserleitung, die Aqua Claudia, gedient. Erst später war die Konstruktion von Aurelian (270-275) i seinen Mauerring einbezogen worden und war fortan ein Stadttor. Über stark befahrene, nicht so schöne Ecken geht die Strecke der Linie 3 weiter und erreicht nach einigen Minuten Fahrzeit die Kirche des heileigen Laurentius.
San Lorenzo fuori le Mura ist eine frühchristliche Basilika und eine der 7 Pilgerkirchen. Neben dem Grab der Heiligen Laurentius und des Erzmärtyrers Stephanus liegen 5 Päpste sowie der italienische Staatsmann Alcide de Gasperi hier begraben. Direkt neben San Lorenzo lohnt sich auch ein Abstecher auf den Campo Verano, Roms grössten Friedhof.
Über die Viale Regina Margherita, nach der italienischen Königin Margherita benannt, die zudem die Namenspatronin der beliebten Pizza ist, geht es mitten durch Roms grösste Universität „La Sapienza“ weiter ins Stadtviertel Parioli. In diesem Teil der Stadt wohnen Römer, die das nötige Kleingeld besitzen.
Einen Zoo hat Rom natürlich auch. Der „Bioparco“ – so heisst auch die Haltestelle – wurde 1908 gegründet und vollständig von dem deutschen Tierhändler Carl Hagenbeck gestaltet. Die Strassenbahnlinie 3 endet an der letzten Haltestelle unweit der Nationalgalerie für moderne Kunst direkt vor der Villa Giulia, der ehemaligen päpstlichen Residenz Papst Julius‘ III. (Ciocchi Del Monte, 1487-1555), in der sich heute das Etruskische Museum befindet. Nach einer langen Rundfahrt durch das antike, christliche und sogar zeitgenössische Rom kann man im Stadtpark der Villa Borghese die Seele noch so richtig baumeln lassen.

Deutsche Pilgerzeitung Sommer 2015, Nr. 21, S. 10, nor
Römisches Verkehrs-Lotto
Wie man im Wirrwarr der Bus-Linien den richtigen Weg zu den Pilgerkirchen findet

Die Benutzung des römischen Nahverkehrs ist trotz des überschaubaren U-Bahnnetzes nichts für schwache Nerven. Die Metro besteht aus nur 2 Metrolinien, A und B, zu denen sich seit kurzem einige neue Haltestellen der grünen Linie C gesellt haben, die jedoch für die meisten Rom-Besucher ziemlich uninteressant sind. Arm an U-Bahnen, ist Rom mit Bussen umso reicher gesegnet. Gefühlte 1’000 kreuzen täglich durch das Zentrum und versuchen mehr schlecht als recht, selbst die entlegensten Winkel der Grossstadt miteinander zu verbinden. In diesem Linien-Wirrwarr als Rom-Neuling auf Anhieb die richtige zu erwischen, kommt beinahe einem Sechser im Lotto gleich. Aus Angst, sich heillos zu verfahren, verlassen sich die meisten auf gutes Schuhwerk und ihre Füsse, die sich durch die Ewige Stadt tragen sollen. Zugegeben, so sieht man in Rom wirklich am meisten.
Wen es aber ab Dezember zum Heiligen Jahr nach Rom zieht, den kann schon einmal auch im sonnigen Italien schlechtes Wetter treffen – in Rom regnet es übrigens im Durchschnitt mehr als in London -, und da ist es doch weitaus bequemer und vor allem trockener, sich motorisiert fortzubewegen. Auch diejenigen, die nicht auf den Spuren Filippo Neris (1515-1595, gründete die Weltpriester-Kongregation der Oratorianer)wandelnd zu Fuss die Strecke zu den 7 Pilgerkirchen zurücklegen wollen, immerhin rund 20 Kilometer, werden den ein oder anderen Bus und die Metro wahrscheinlich gerne in Anspruch nehmen.
Die 4 grossen Papstbasiliken sind leicht mit der Metro zu erreichen., Von der U-Bahn Haltestelle „Ottaviano“ der rote A-Linie sind es nur wenige Minuten zum Petersdom (zu Fuss rund 20 Min.). Auch die Vatikanischen Museen sind so am schnellsten zu erreichen (A-Linie, Haltestelle „Cipro“, 10 Min.). Busliebhaber bringen die Linien 40 (ab Hauptbahnhof Termini) bis Endstation „Piazza Pia“ (an der Via della Conciliazione, 5 Min. zu Fuss), und Bus 64 ab Hauptbahnhof Termini  zur Haltestelle „Porta Cavalleggeri“ (etwa 200 m vom Petersplatz, linke Seite, entfernt) zum Ziel „Vatikan“.
Santa Maria Maggiore liegt unweit des „Termini“. Von der Metro-Station „San Giovanni“ (Linie B) sind es nur wenige Meter durch die Aurelianischen Stadtmauern hindurch, und schon findet man sich direkt auf dem grossen Platz vor der Lateranbasilika wieder.
Mit der blauen B-Linie, Haltestelle San Paolo Basilica“, kommt man dagegen auf der Gegenrichtung zu Sankt Paul vor den Mauern. Nach dem Besuch der Basilika des heiligen Paulus nimmt man am besten wieder die Metro bis zur Haltestelle „Circo Massimo“. Von hier geht es mit der Busnummer 118 in Richtung Via Appia zur Kirche und Katakombe des heiligen Sebastians.
Von der Basilika San Giovanni und dem Lateran bietet sich ein kurzer Fussweg nach Santa Croce in Gerusalemme an. Vor hier empfiehlt sich eine kurze Fahrt mit der Tramlinie 3 in Richtung „Piazzale Thorvaldsen“ bis zur Haltestelle „Piazza del Verano“. Vom Platz kann man bereits die Fassade der letzten der 7 Pilgerkirchen, San Lorenzo fuori le Mura, sehen. Fahrscheine kommt man in fast jedem Tabakgeschäft oder an verschiedenen U-Bahnstationen und kann danach, ist das Ticket einmal entwertet, für 1,50 Euro 100 Minuten unterschiedliche Busse und Tramlinien nutzen, jedoch nur einmal Metro fahren. Wem diese ganze Bus-, Tram- und U-Bahn-Fahrerei zu nervig ist, sollte bei der Wahl eines Taxis immer vorher den Fahrer nach dem Preis für die zurückzulegende Strecke fragen. Zur preislichen Orientierung: eine Fahrt vom Hauptbahnhof „Termini“ bis Sankt Peter (rund 4,5 km) liegt je nach Verkehr zwischen 15 und 20 Euro, sollte der zu zahlende Preis diesen stark überschreiten, ist Vorsicht geboten (mit der Polizei drohen). nor

OR Nr. 29 vom 22. Juli 2016, S. 4
Der Kardinalvikar des Papstes für die Diözese Rom hat menschenunwürdige Zustände in einem Roma-Lager am Stadtrand angeprangert. Die Situation im Camp von Castel Romano sei „eine Schande für die Welt und einer Stadt wie Rom nicht würdig“, sagte Kardinal Agostino Vallini. „Selbst nach dem Krieg habe ich nichts Ähnliches gesehen.“ Es gebe dort Schlamm, Mäuse und armselige Baracken aus Holz, so Vallini. Die zuständigen Institutionen müssten dafür sorgen, dass das Lager keine „Mülldeponie“ werde. Wie die Bürger der Stadt müssten auch sie ihre Vorurteile gegenüber der ethnischen Minderheit überwinden. Vallini besuchte das 25 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt gelegene Lager am 12. Juli 2016 und hielt sich 3 Stunden dort auf.

bz BASEL vom 25.10.2016, S. 11, Dominik Straub, Rom
Getrübte Tafelfreuden für Rom-Pilger. Bei Kontrollen in den Römer Trattorien und Pizzerien ist jeder zweite Betrieb durchgefallen.

Über 18 Millionen Pilger haben im Heiligen Jahr bisher eine der Heiligen Pforten in Rom durchschritten – und sich danach wohl mit viel Appetit und voller Vorfreude in eine der unzähligen Trattorien und Pizzerien der Ewigen Stadt gesetzt. Hätten sie vorher den Bericht der Lebensmittelpolizei der Carabinieri gelesen, wäre ihnen der Hunger auf Pizza und Pasta womöglich vergangen: Im Rapport liest man von Schaben in der Küche, von Nagetier-Exkrementen in den Lebensmittel-Lagern, von allerlei anderen Hygieneproblemen sowie von verdorbener Ware: Insgesamt sind bei den Kontrollen 2’750 Liter Olivenöl, 2’300 Kilogramm Fleisch und 1’430 Kilogramm Fisch beschlagnahmt worden.
In allen Preisklassen. Von den bisher über 700 Gastbetrieben, die seit dem vergangenen November Besuch von den Carabinieri erhalten haben, ist jeder zweite beanstandet worden. Die allermeisten von ihnen befinden sich in der Römer Altstadt also dort, wo die Pilger und Touristen in der Regel einkehren. Die Preisklasse spielt keine Rolle: Die Kontrolleure haben sowohl in einfachen Trattorien als auch in gehobenen Restaurants Hygienemängel festgestellt. Laut dem Bericht der Lebensmittelpolizei, DDR vom „Corriere della Sera“ publik gemacht wurde, sind nach den Kontrollen insgesamt 521 Bussen im Gesamtbetrag von 660’000 Euro ausgestellt worden.
Die gute Nachricht besteht darin, dass von den Beanstandungen „nur“ die Hälfte auf Hygienemängel zurückzuführen waren. Die andere Hälfte betrifft administrative Unregelmässigkeiten wie das Nichtbeachten der Vorschriften zur Arbeitssicherheit, Baumängel, fehlende Bewilligungen – also Verfehlungen, die sich nicht direkt von dem Teller des Gastes niederschlagen. Auch bei den wegen Hygienemängeln durchgefallenen Betriebe streichen die Kontrolleure einen positiven Aspekt heraus: Nur in einem Restaurant seien die Zustände derart desolat gewesen, dass es vorübergehend geschlossen werden musste.
Kampf gegen McDonald’s. Der Vatikan hat sich zur teilweise problematischen Verpflegung der Pilger durch die Römer Gastronomie während des Heiligen Jahres nicht geäussert. Der Kirchenstaat ist derzeit an einer anderen kulinarischen Front beschäftigt: In unmittelbarer Nähe der vatikanischen Mauern, im malerischen Borgo Pio (unmittelbar neben der St. Annabar, zu Beginn der Strasse „Borgo Pio“, rund 100 m vom Vatikaneingang St. Anna entfernt), soll in wenigen Tagen ein grosses Lokal der Fast-Food-Kette McDonald’s eröffnen – das sich im Besitz des Kirchenstaates befindet. Mehrere Kardinäle haben einen besorgten Brief an Papst Franziskus geschrieben, um die Eröffnung in letzter Sekunde zu verhindern. Es geht – offiziell – um das leibliche Wohl der Gäste und – inoffiziell – um mögliche Geruchs- und Lärmimmissionen für die Kardinäle, die in unmittelbarer Nähe des Lokals wohnen. Wie der Streit ausgeht, ist noch ungewiss.

bz BASEL vom 28.03.2017, S. 8, Dominik Straub, Rom
Roms brennende Busse
Italien: Die Fahrzeuge sind so alt und vernachlässigt, dass viele während der Fahrt Feuer fangen: 500 Pannen pro Tag haben die Busse der Römer Verkehrsbetriebe. Im Durchschnitt sind die Fahrzeuge 12 Jahre alt.

Es ist, als wäre →Nero aus seiner Gruft gestiegen – nur dass der römische Gewaltherrscher, anders als damals im Jahre 64 n. Chr., diesmal nicht gleich die ganze Stadt, sondern lediglich die städtischen Verkehrsmittel abfackelt. Der letzte Bus ging am Sonntagmorgen in Flammen auf. Es war bereits der dritte seit Anfang März und der 18. in einem Jahr (jeder vierte Tag). Als Grund für das Brennen der Busse wird von den Behörden immer dasselbe genannt: „autocombustione“, also Selbstentzündung. Meistens passiert das, wenn Dieselöl oder Schmiermittel aus undichten Leitungen auf heisse Motorenteile oder den Auspuff tropfen. Nicht selten brennen die Busse vollständig aus; die verkohlten Fahrzeug-Skelette am Strassenrand wecken jeweils Assoziationen mit einem Bürgerkriegsland.
Der Fahrzeugpark der Römer Verkehrsbetreiber zählt zu den ältesten und am schlechtesten gewarteten Europas: Die Busse der Ewigen Stadt sind im Durchschnitt über 12 Jahre alt. Zum Vergleich:  Bei den Londoner Bussen liegt das Durchschnittsalter bei 8 Jahren. Im vergangenen Jahr bat die „Azienda Tranvie ed Autobus del Comune di Roma (Atac)“ 180’000 technische Pannen registriert. Das sind knapp 500 pro Tag. (…)

Schweiz am Sonntag vom 15.04.2017, S. 7, D. Straub, Rom
Gepanzerte“ Osterferien in Rom
In der Heiligen Stadt herrscht höchste Terroralarmstufe

Tausende von Polizeibeamten und Soldaten sorgen während der Osterferien für die Sicherheit des Papstes und für die Hunderttausenden von Gläubigen, die am Sonntag auf dem Petersplatz erwartet werden.
Der Karfreitagabend war für die Sicherheitskräfte die Generalprobe: Für die traditionelle Kreuzweg-Prozession in dem mit Fackeln erleuchteten Kolosseum war das Gebiet um die antike Arena abgesperrt. Die U-Bahn-Station wurde bereits am frühen Nachmittag geschlossen. Der Zugang zum Kolosseum war nur über zwei streng bewachte und mit Metalldetektoren gesicherte Eingänge möglich. An den üblichen Zugangsstrassen zur Arena standen Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge – unüberwindliche Hindernisse für Terroristen mit Lastwagen.
IS hat „Kreuzfahrer“ im Visier. „Pasqua blindata“ nennen die italienischen Medien das diesjährige höchste Christenfest in Rom, gepanzerte Ostern. Die italienischen Sicherheitsbehörden sind sich bewusst, dass sich Rom als Zentrum der Christenheit und Sitz des Papstes im Visier des radikal-islamistischen Terrors befindet. Der „Islamische Staat“ hat in seinen einschlägigen Propaganda-Medien mehrfach angekündigt, dass er den „Kreuzfahrern“ den Garaus machen und auf dem Petersdom, die schwarze IS-Flagge hissen wolle. Nach den jüngsten Terroranschlägen in London und Stockholm und eventuell in Dortmund wurde die ohnehin hohe Wachsamkeit zusätzlich verstärkt; es herrscht höchste Alarmstufe.
Die Zufahrtsstrassen zum Petersplatz, wo der Papst am Ostersonntag wie immer eine Messe lesen und dann von der Loggia des Petersdomes aus den Segen „urbi et orbi“, der Stadt und dem Weltkreis, spenden wird, sind schon zu Beginn der Karwoche abgeriegelt worden.
Scharfschützen und Spürhunde. Nicht einmal die städtischen Busse können zur riesigen Piazza Bernini fahren. Auch den Taxis ist der Zugang verwehrt. Wo keine Panzerwagen stehen, wurden Betonblöcke hingestellt, um Amokfahrten zu verhindern. Ziel der Massnahmen sei es, „die absolute Sicherheit des Heiligen Vaters und der Gläubigen zu garantieren“, erklärte der Römer Polizeipräfekt Guido Marino diese Woche, als er das österliche Sicherheitsdispositiv vorstellte.
Wie in früheren Jahren werden auf den Dächern rund um den Petersplatz Scharfschützen lauern. Neben den uniformierten Beamten werden sich unter den Gläubigen auch Dutzende Polizisten in Zivilkleidung mischen, die mit versteckten Mini-Kameras und Metalldetektoren ausgerüstet sind. Zum Einsatz kommen vor und während der Ostermesse Sprengstoff-Spürhunde und Spezialisten der Armee. Auf der Via della Conciliazione, der grossen Zufahrtsstrasse zum Petersdom, wird berittene Polizei patrouillieren, und selbstverständlich stehen an allen Eingängen zum Petersplatz und zur Basilika Metalldetektoren.
Soldaten schon am Flughafen. Die Osterfeiertage sind für die Römer Sicherheitsbehörden jedes Jahr enorm herausfordernd: Die Stadt war schon in der Karwoche voller Touristen und Pilger. Während der Osterfeiern werden in der 3-Millionen-Einwohnerstadt rund eine halbe Million Gäste erwartet. Viele von ihnen interessieren sich weniger für die Papstzeremonien als für weltliche Sehenswürdigkeiten.
Aus diesem Grunde müssen nicht nur der Petersplatz und das Kolosseum, sondern auch das Pantheon, das Forum Romanum, die Fontana di Trevi, die Spanische Treppe und unzählige andere Monumente und Kirchen zusätzlich geschützt werden. Die Touristen  und Pilger werden schon am Flughafen und an der Stazione Termini von Soldaten und Panzerfahrzeugen empfangen.

Romero, Oscar Amulfo, Erzbischof

3sat, 17. August 2012, 12.00 Uhr, Zusammenfassung WA:

Erzbischof Romero wird in der Kirche „Divina Provvidenzia“ in San Salvador während der Hl. Messe bzw. im Moment der Gabenbereitung am 23. März 1980 erschossen. Er war Seelsorger an der Seite des Volkes und kämpfte gegen die Missstände. Er wurde von einem konservativen zu einem fortschrittlichen Bischof. Seine Messen waren politische Veranstaltungen. Seine Stimme war die letzte Stimme, die den Bürgerkrieg verhindern konnte. Im Romero-Museum sind seine an diesem Tag getragenen Messgewänder ausgestellt.

Was war die Reaktion auf diese Ermordung? Es begann ein blutiger Bürgerkrieg. Die salvadorianische Armee, unterstützt von den USA, kämpfte gegen die Rebellen. Der Krieg endete mit 75’000 Toten. Seit 2009 regiert eine linke Regierung.

Die katholische Kirche hat den Erzbischof noch nicht heilig gesprochen, obwohl er dort als solcher verehrt wird. Der jetzige Bischof meint, Romero könne nicht heilig gesprochen werden, weil er von Katholiken umgebracht worden sei. Romeros Eingeweide wurden 3 Jahre nach der Beerdigung ausgegraben. Es sei ein Wunder, meint eine Ordensschwester: Die Eingeweide seien nicht beschädigt.

Der Politiker Roberto d’Abuisson, der den Schiessbefehl auf Oscar Romero gab, starb vor wenigen Jahren mit fürchterlichen Schmerzen an Krebs.

Hans Küng, Umstrittene Wahrheit, S. 537:
Unter dem neuen Papst Johannes Paul II. und seinem deutschen Glaubenshüter Joseph Ratzinger, die vereint gegen die Befreiungstheologie vorgehen, müssen sie dafür bald teuer bezahlen. Schon auf seiner ersten Lateinamerikareise in Mexiko (→Skandale? P. Marcial) im Januar 1979 kritisiert der vom sowjetischen Marxismus negativ geprägte polnische Papst heftig die Theologie der Befreiung und „desavouiert eine ganze Gruppe von Theologen, Seelsorgern und Bischöfen. (…) Ein Warnzeichen: Im Jahr darauf, am 23. März 1980 wird ein heroischer Vorkämpfer der Befreiung in Lateinamerika, der Erzbischof von San Salvador, Oscar Romero, direkt aus einem Auto heraus am Altar erschossen. Im kirchlichen Establishment (Kreis der Einflussreichen und Etablierten) grossgeworden, hatten die ungeheure Not der Menschen und die Ermordung eines Priesterfreundes sein Leben verändert und ihn zum engagierten Verteidiger der Rechte seines unterdrückten Volkes gemacht. Vom Vatikan erhielt er – wie sein sozial eingestellter Gesinnungsgenosse in Brasilien, Helder Càmara, Erzbischof von Recife, als „Kommunikationsbischof“ diffamiert – keinerlei Unterstützung. Man tut im Gegenteil alles, damit an Romeros Grab in der Kathedrale von San Salvador kein Märtyrerkult entsteht, und bei den massenhaften Selig- und Heiligsprechungen des Papstes Wojtyla bleibt dieser echte Märtyrer unberücksichtigt.

H.K., Erlebte Menschlichkeit, Erinnerungen, S. 352
Mitten in meiner Konfrontation mit dem Vatikan um meine kirchliche Lehrbefugnis wird am 24. März 1980 der Erzbischof von San Salvador, Oscar Romero, der sich vom traditionell gesinnten Bischof zum Vorkämpfer der Befreiung Lateinamerika bekehrt hatte, direkt aus einem Auto durch die Kirchentür hindurch erschossen, während er am Altar steht. So wenig wie mein anderer Freund aus der Konzilszeit, der charismatische, sozial eingestellte brasilianische Erzbischof Helder Camara, hatte Romero von Rom die nötige Unterstützung erhalten. Kinderschänder und deren Protektoren (Beschützer) sowie andere Parteigänger werden von Papst Wojtyla zu Kardinälen gemacht und als solche im Kirchenamt gehalten, während man selbst ideologiefreie Befreiungstheologen als „Kommunistenfreunde“ denunzieren (als negativ hinstellen) darf. Bei unseren Dreharbeiten zur „Spurensuche“ stehe ich an Romeros nüchternem Grab in der Unterkirche der Kathedrale von San Salvador und stelle später fest, wie jeder Märtyrerkult von vornherein verhindert werden sollte. Prompt wird denn auch bei den massenhaften Selig- und Heiligsprechungen des polnischen Papstes dieser echte Märtyrer nicht berücksichtigt.

OR Nr. 22 vom 03.06.2016, S. 2
Franziskus würdigt Erzbischof Romero

Papst Franziskus hat den vor einem Jahr seliggesprochenen salvadorianischen Erzbischof Oscar Romero in einer Grussbotschaft als grosses Vorbild für die Christen gewürdigt. Das Beispiel des im Jahre 1980 ermordeten „Bischofs der Armen“ wirke bis heute fort, so Franziskus in dem Schreiben, das der Erzbischof von San Salvador, Jose Luis Escobar Alas, am 23. Mai bei einer Feier zum ersten Jahrestag der Seligsprechung verlas. Als junger Priester sei er damals Zeuge geworden, wie Romero von seinen Gegnern diffamiert (verleumdet) worden sei, schreibt der Papst. Romero sei aber unbeirrt seinen Weg ins Martyrium gegangen. Ein solches Beispiel gebe den Gläubigen Kraft, so Franziskus.
Erzbischof Romero, der am 23. Mai 2015 seliggesprochen wurde, war am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes von Unbekannten erschossen worden.

Katholische Wochenzeitung 22/2017 Juni, S. 11, Anian Chr. Wimmer
Der Fall der Ermordung des Seligen Oscar Romero ist neu eröffnet worden

Es ist der vermeintliche „Cold Case“, hinter dem das Martyrium eines Seligen der Kirche steckt und ein in mehrfacher Hinsicht glühendes Heiligsprechungsverfahren: der bis heute ohne Urteil gebliebene Fall der Ermordung von Erzbischof Oscar Romero.
Sein mutmasslicher Mörder wurde nie verurteilt wegen des Amnestie-Gesetzes, das Verbrechen aus der Zeit des Bürgerkrieges in El Salvador betrifft.
Vergangenes Jahr hob der Verfassungsgerichtshof des Landes das Gesetz auf. Nun können Fälle aus den Jahren 1980 bis 1992 erneut verfolgt werden. So auch der fast 40 Jahre alte Mordfall des Seligen Erzbischofs in dem gegen einen Soldaten ermittelt wird. 1993 war die Anklage gegen Alvaro S. wegen des Amnestie-Gesetzes abgewiesen worden. Er soll als Mitglied eines rechts-radikalen Todesschwadrons den Priester beim Feiern der heiligen Messe in einer Krankenhauskapelle getötet haben.
Kämpfer für Arme und gegen Ungerechtigkeit. Soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit in El Salvador führte in den 1970ern zu Demonstrationen und Aufständen gegen die Regierung. Diese versuchte, mit Todesschwadronen und anderen brutalen Repressalien (Druckmitteln) die Proteste zu unterdrücken. Von 1979 bis 1992 kämpften Pro-Regierungskräfte gegen linke Guerilla-Gruppen in einem Bürgerkrieg, der rund 75’000 Menschen das Leben kostete.
Wie viele andere Priester, sprach sich auch Erzbischof Romero gegen die unmenschlichen Vorgänge im Land aus. Zahlreiche katholische Kritiker wurden von der Regierung ins Visier genommen.
Der Selige Oscar Romero sprach sich vor allem gegen die soziale Ungerechtigkeit aus, gegen die Unterdrückung der Armen, und die brutale Vorgehensweise des Militärs.
Als ein eng befreundeter Priester und Lehrer auf dem Weg zur heiligen Messe erschossen wurde, liess sich Romero nicht einschüchtern. Im Gegenteil, seine Kritik gewann an Deutlichkeit.
Vor seiner Ermordung im Jahr 1980 waren bereits 30 Priester seiner Erzdiözese entweder umgebracht oder des Landes verwiesen worden; zahlreiche katholische Laien erlitten das gleiche Schicksal.
Heiligsprechungsverfahren.  Nicht nur der juristische Fall seiner Ermordung, sondern auch sein Heiligsprechungsverfahren, das 1993 offiziell eröffnet wurde, war jahrelang verzögert worden: Politische Motivationen und bewusst gestreute Falschmeldungen behinderten eine geregelte Bearbeitung.
Im Januar 2015 wurde der Priester und Erzbischof schliesslich von der Kongregation für die Heiligsprechungsverfahren offiziell als Märtyrer anerkannt; bereits einen Monat später stimmte Papst Franziskus seiner Seligsprechung zu.

Óscar Romero, geb. 15. August 1917, ermordet am 24. März 1980 durch die Fuerza Armada de El Salvador. Beginn des Bürgerkrieges in El Salvador.
Seliggesprochen durch Papst Franziskus am 23. Mai 2015.

bz BASEL vom 22.03.2017, S. 11, Dominik Straub, Rom
Wildschwein-Plage nun auch in Rom. „Rom ist zu einem Zoo unter freiem Himmel verkommen.“ Codacons, Umwelt- und Konsumentenschutzorganisation“

Tödlicher Unfall: Nach der Toskana erlebt die Ewige Stadt eine Wildschwein-Invasion. Die Lage sei „kritisch“, sagt die Stadtregierung.,
Der Unfall ereignete sich in der vergangenen Woche. Ein Motorradfahrer stiess auf der Via Cassia mit einem Wildschwein zusammen. Das Tier war unvermittelt auf die Strasse gerannt; der 49-jährige Lenker stürzte und erlag später seinen Verletzungen. Bereits Anfang März hatte ein Autofahrer auf einer stark befahrenen Durchgangsstrasse in der Nähe des Vatikans ein Wildschwein gefilmt, das in gestrecktem Galopp vor dem Verkehr zu fliehen versuchte. In diesem Fall hatten sowohl das Tier als auch die menschlichen Verkehrsteilnehmer Schwein gehabt: Niemand war zu Schaden gekommen.
Dieser Zwischenfall und vor allem der tödliche Unfall haben den Römern gezeigt, dass die Ewige Stadt besonders in den grünen Aussenquartieren mit einer Wildschwein-Invasion konfrontiert ist. Konkrete Erhebungen zum Bestand gibt es zwar nicht, aber allein die unzähligen Videos und Fotos von Wildschweinen in der Stadt, die nun in die sozialen Medien und auf den Websites der Lokalzeitungen gepostet werden, lassen auf eine explosionsartige Vermehrung schliessen. Die Stadtregierung hat die Situation  als „kritisch“ bezeichnet.
Die Behörden wirken angesichts der Ausbreitung der Wildschweine jedoch hilflos. Eine Abschusskampagne kommt nicht infrage: Die Protestbewegung von Beppe Grillo, der Stadtpräsidentin Virginia Raggi angehört, hat sich den Tierschutz auf die Fahne geschrieben. Laut nachgedacht wird deshalb über die Sterilisierung der Wildschweine durch die Injektion eines Medikaments. Wie man sich eine solche Aktion konkret vorstellen soll, vermochte die Umweltkommission der Stadt noch nicht zu erklären. So empfiehlt die Stadtregierung den Bürgern erst einmal, „sich von den Wildschweinen fernzuhalten“ und sie im Fall einer ungewollten Begegnung „auf keinen Fall zu reizen“.
Für die Opposition sind die Schweine ein gefundenes Fressen. Die Römer Sektion des sozialdemokratischen PD von Regierungschef Paolo Gentiloni fragte sich, wie es möglich sei, dass man in einer Grossstadt wegen eines Wildschweins zu Tode kommen könne. Für die Umwelt- und Konsumentenkommission Codacons ist der tödliche Unfall „der Beweis dafür, dass die Stadt verwahrlost ist“. Codacons hat gegen die Stadtregierung eine Anzeige wegen fahrlässiger Tötung erstattet.
Letzten Sommer warens die Ratten. Der herumliegende Müll lockt nicht nur die Wildschweine an, sondern auch Ratten, Möwen und anderes Getier. Die Rattenplage von letzten Sommer ist den Römern noch in Erinnerung: Rom ist, wie Codacons kritisiert, zu einem „Zoo unter freiem Himmel“ verkommen. Bezüglich des Wildschwein-Problems steht die Stadt freilich nicht alleine da: In der Toscana liegt der Bestand bei 400’000 Tieren, von denen die Regionalregierung eigentlich 150’000 Stück zum Abschuss hatt4e freigeben wollen. Der Glaubenskrieg zwischen Jägern und  Tierschützern ist indessen noch nicht entschieden, und so harrt die Ausmerzaktion noch ihrer blutigen Umsetzung.

OR Nr. 11 vom 17.03.2017, S. 5, Bernhard Hülsebusch (…)
Das Istituto Svizzero di Roma – Stipendiaten und reger Kulturaustausch

Es ist das jüngste römische Kulturzentrum aus dem deutschsprachigen Raum: Das Schweizerische Institut – wo man gemäss der eidgenössischen Praxis natürlich auch italienisch und französisch spricht. Derzeit beherbergt es 11 avantgardeorientierte Stipendiaten. Es ist das Aushängeschild der kreativen Schweiz in Rom. Sein Standort, die Villa Maraini hat eine hochinteressante Geschichte. Auf einem kleinen Hügel im Zentrum Roms thront die herrschaftliche Villa Maraini mit reichdekorierten, lichtdurchfluteten Innenräumen. Von hier eröffnet sich ein spektakulärer Blick auf Rom.
Zu Recht stolz ist das Istituto auf seine Bibliothek mit 45’000 Büchern sowie 130 Fachzeitschriften. Das Institut hat längst eine Doppelfunktion. Einerseits nämlich fungiert es als schweizerisches Kulturzentrum in Rom – durch die Förderung der künstlerischen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen der Eidgenossenschaft und Italien. Andererseits ermöglicht es jungen talentierten Schweizern, eigene Arbeiten oder Forschungen in einem Zentrum der klassischen Kultur durchzuführen.
Der Aufenthalt dieser vom Stiftungsrat Auserwählten in der Villa Maraini dauert normalerweise ein „Anno Accademico“, also von September bis Juli des folgenden Jahres. Von den Künstlern, die sich bewerben (Höchstalter: 40), wird Erfahrung in selbstständiger Arbeit und möglichst auch nachgewiesene Teilnahme an Ausstellungen oder Performances (künstlerische Aktionen) erwartet; von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen ein abgeschlossenes Studium.
Praktische Hinweise: Istituto Svizzero di Roma ISR, Via Ludovisi 48 (Villa Maraini), Tel. 0039 06 42011271 und 42014798; media@istitutosvizzero.it
Jeden Montag Führungen durch die schlossartige Villa Maraini (Ticket: 5 Euro), Gratiseintritt zu allen Veranstaltungen des ISR.

Römische Frage 1870 bis 1929

Die Römische Frage bezeichnet den fast 60 Jahre andauernden, zu seiner Zeit ungeklärten – vor allem diplomatischen – Konflikt und den Status Roms als italienische Hauptstadt einerseits, und andererseits den staatsrechtlichen Status des Vatikan bzw. des Machtzentrums der Katholischen Kirche zwischen 1870 und 1929, nachdem der verbliebene Kirchenstaat (Latium mit Rom) am 20.09.1870 von italienischen Truppen eingenommen (via XX settembre auf dem Quirinal) und in den seit 1861 bestehenden Nationalstaat Italien (Freischärlereinheiten unter Giuseppe Garibaldi, Gründung der konstitutionellen Monarchie unter Viktor Emanuel II. und seinem ersten Ministerpräsidenten Camillo Benso von Cavour) integriert worden war** (il Risorgimento = Wiedergeburt). Seine Hauptstadt wurde zunächst von Turin nach Florenz verlegt. 03.11.1867: Garibaldi versuchte mit seinen Einheiten Rom zu erobern, jedoch erfolglos (gegen päpstliche und französische Truppen).

Am 11. Februar 1929 wurde dieser Konflikt mit den Lateranverträgen zwischen der faschistischen Regierung Italiens unter Benito Mussolini und dem Heiligen Stuhl unter Papst Pius XI. (unterschrieben hat der Staatsekretär Pietro Gasparri) beigelegt. Rom wurde dabei von der katholischen Kirche als Hauptstadt Italiens anerkannt, von der italienischen Regierung wurde dem Vatikan als Vatikanstadt die politische Unabhängigkeit und volle staatliche Anerkennung garantiert.

** Nach diesem 20.09.1870 begann die Römische Frage. Pius IX. musste vom Quirinal in den Vatikan und betrachtete sich als Gefangener des Vatikans. Die Urheber und Teilnehmer an der Einnahme des Kirchenstaates belegte er mit dem Bann. In der päpstlichen Bulle „non expedit“ vom 10.09.1874 verbot er italienischen Katholiken unter Androhung des Entzugs kirchlicher Privilegien sowohl die aktive als auch passive Teilnahme an demokratischen Wahlen in Italien.
→ Risorgimento

Römisches Jahr

siehe Nebenregister unter diesem Buchstaben (R)

Rota Romana

→ Gerichte Hl. Stuhl

Rücktritt des Papstes

→ Papstrücktritt