Fahne Gardekommandant Graf (Gardefahne)

Gardefahne des Kommandanten der Päpstlichen Schweizergarde 

   Oberst Christoph Graf  

Mit jedem Kommandantenwechsel in der Päpstlichen Schweizergarde im Staat der Vatikanstadt wechselt die Kommandantenfahne (Gardefahne). Der neue Kommandant hat sie bei seinem Antritt auf eigene Rechnung anzuschaffen. Die Fahne ist wohl deshalb berühmt, weil sie unter anderem in der Mitte das Familienwappen des Kommandanten trägt und die neuen Gardisten auf sie Treue und Gewissenhaftigkeit schwören. So hat Oberst Christoph Graf im Februar 2015 eine seiner ersten Amtshandlungen  an die Hand genommen. Dessen Vorarbeiten und Ziele sind nachfolgend festgehalten.

(Ähnlich dem Kommandantenwappen kann man die spanische Staatsflagge vergleichen, in der das Herzschild das Familienwappen des regierenden Hauses Bourbon-Anjou steht. Im blauen Streifen der Flagge des Fürstentums Liechtenstein ist ein goldener, kronenähnlicher Fürstenhut des Hauses Liechtenstein zu sehen.)

Reglement der Kommandantenfahne der Päpstlichen Schweizergarde

Das Reglement 2006 (Artikel 3) beschreibt die Gardefahne der Päpstlichen Schweizergarde wie folgt: „Die Fahne der Schweizergarde ist durch ein weisses Kreuz in vier Felder geteilt, von welchen das erste das Wappen des amtierenden Papstes und des vierte dasjenige von Papst Julius II. dem Gründerpapst, zeigt, beide auf rotem Grund; das zweite und dritte Feld zeigen die Farben des Korps, nämlich gelb, rot und blau. Auf dem Schnittpunkt des Kreuzes befindet sich das Wappen des Kommandanten.“

Neue Kommandantenfahne von Oberst Graf (fertig erstellt im April 2015).
Das weisse Kreuz teilt die Fahne in die Felder 1 und 2 (oben) und 3 und 4 (unten) und erhält damit die Bedeutung einer schweizerischen Soldaten-(Söldner-)Fahne des 17./18. Jahrhunderts.

Masse und Material der Kommandantenfahne (Gardefahne)

Grösse: 2,2 auf 2,2 m. Die Fahne ist quadratisch wie die Flagge des Staates der Vatikanstadt und der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Fahnen von Schweizer Regimentern in fremden Diensten erreichten im 16. und 17. Jahrhundert gar eine Seitenlänge von 250 cm und mehr. Beispiel: Eine geflammte Fahne (ab dem 17. Jh.) aus dem Regiment von Johann Viktor von Besenval (1721-1791) hatte eine Höhe von 260 cm und eine Breite von 277 cm: Ordonannzfahne des 76. Regimentes Besenval (Bösenwald) in französischen Diensten, von ihm geführt von 1729-1739. Das Regiment wurde 1677 ins Leben gerufen, aufgelöst im Jahre 1792. Besenval stammte aus einer Solothurner Patrizierfamilie.

Zur Grösse der neuen Gardefahne von 2,20 auf 2,20 m: die schmalste Hausbreite in Basels Altstadt, es ist das Haus „zum Kernenbrot 1349“ am Spalenberg 28, misst  2,20 Meter in der Breite!

Der Stoff ist mit Längs- und Querfaden gewoben. Es ist Damast, ein Gewebe, bei dem sich kett- und schusssichtige Partien abwechseln, wodurch es möglich wird, figürliche Muster aller Art einzuweben. Damast wurde zuerst in China produziert. Sein Gebrauch verbreitete sich über Indien, Persien und Syrien auf der Seidenstrasse bis nach Europa hinein. Während des 12. Jahrhunderts wurde der in Damaskus produzierte Stoff so populär, dass er den Stadtnamen erhielt (arabisch „dimasq“. – Seidendamast gab es meistens aus oberitalienischer Produktion ab dem 15. Jahrhundert (nach Dres. Dreyer und Mattern).

Zweifarbiger Damast mit deutlich erkennbaren, abgestuften Stichen

Das Muster in der Kommandanten-Fahne besteht aus Granatäpfeln und Disteln. Der Granatapfel mit seinen zahlreichen Kernen ist ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit, aber auch für Macht. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation (800 – 1806) nannte diesen Apfel Reichsapfel. Er symbolisierte auch das Vorhandensein der Schöpfung in Gottes Hand bzw. der Vorsehung und ist in der katholischen Kirche ein Symbol für Jesus.  – Man nennt den Granatapfel einen essbaren Edelstein: Prall mit Saft, wohlschmeckend und „schönmachender Liebesfrucht“. – Er ist Namensgeber für den scharlachroten Halbedelstein Granat und die explodierende Granate. –  „Aussen eins, innen tausend und eins?“ Das türkische Rätsel hat die Antwort: „Ein Granatapfel“. – Der Reichsapfel aus Gold, mit Goldfiligran gefertigt (sehr feingliedrig) und mit Edelsteinen und Perlen besetzt (siehe Google: Reichsapfel), wurde dem König oder Kaiser während der Krönungszeremonie mit Krone und Zepter überreicht (Reichsapfel mit Reichskrone, Reichskreuz und Mauritiusschwert als Insignien des Heiligen Römischen Reiches in der Schatzkammer der Hofburg in Wien zu finden).
                    
Granatapfel, geschlossen                     Silberdistel
und im Schnitt

Der Orden der Barmherzigen Brüder, der in Granada gegründet wurde, hat als Emblem (Erkennungszeichen) einen Granatapfel mit Kreuz. Möglicherweise ist diese spanische Stadt auch nach dem Granatapfel benannt; die umliegende Landschaft ist heute noch ein wichtiges Anbaugebiet.

Das zweite Muster ist die Distel, in der Heraldik eine gemeine Figur und gehört, wie die Rose und die Lilie, zu den bekanntesten Wappenblumen. Gemeine Figur heisst, dass die Distel ein Darstellungselement zur Gestaltung des Wappenschildes als Bestandteil eines Wappens sein kann.

Das Muster wird jedoch seit dem Jahre 1512 als Julius-Damast (reine Seide) bezeichnet. Warum? Die ersten 12 Stände der Eidgenossenschaft, dazu Länder, Städte und Zugewandte Orte eroberten mit Truppen der Republik Venetien das Herzogtum Mailand (Schlacht bei Pavia am 18. Juni 1512). Papst Julius II. della Rovere, der Nutzniesser, schenkte den Eidgenossen dafür ein geweihtes Schwert, einen Fürstenhut und zwei Banner. Er nannte sie „Beschützer der Freiheit der Kirche“. Alle Stände, Länder, Städte und Verbündete beschenkte der Papst dazu mit einem Seidenmast-Banner (mit Reichsapfel- und Distelmotiv). Diese etwa 40 Juliusbanner, Paradestücke feinster Stickereien ( Dres. Dreyer und Mattern), gelangten zuerst, organisiert durch den Reisläuferwerber Kardinal Schiner, an die Tagsatzung in Baden und anschliessend in die Stiftskirche Einsiedeln. Wer eines der wenig übriggebliebenen Banner sehen will: Juliusbanner, Rathaus Stans/CH:
www.nidwaldner-museum.ch/sammlung/juliusbanner/32

Der zweigeteilte Urstand Unterwalden mit Obwalden und Nidwalden führte nur ein Banner, jenes von Obwalden. Bei gemeineidgenössischen Feldzügen zogen die Nidwaldner hinter dem Obwaldner Banner her. So waren die Nidwaldner ohne „Juliusbanner“ aus dem Pavierzug heimgekehrt.  Die Nidwaldner schlugen nun den Obwaldnern ein Schnippchen, indem sie im Dezember 1512 direkt in Rom ein Papstbanner erlangten (Dr. Alois Odermatt).

Dazu zu diesem Thema: An der  Ausstellung „1515 Marignano“ im Landesmuseum Zürich im Jahre 2015 gab es  Details: Julius II., hier Kriegerpapst genannt, hätte das geweihte Prunk-Schwert vor der Schlacht abgegeben. Mit der Bezeichnung „Beschützer der Freiheit der Kirche“ hätte er die Eidgenossen geadelt. Kardinal Schiner (der Walliser Kriegsberater von Julius II. und Leo X.) hätte den Vorschlag gemacht, alle Orte und Verbündete mit einem Seidenmast-Banner zu beschenken. An dieser Ausstellung war das Julius-Banner des Standes Uri zu sehen. Es misst 2 auf 1,75 m und normalerweise im Regierungsratsaal in Altdorf vorzufinden.
Beispiel Juliusbanner von Rapperswil: zwei goldene statt rote Rosen. Das Zwickelbild oben links stellt die Taufe Jesu dar:

Die Vignette (im Schnittpunkt des Kreuzes) mit dem Graf-Familienwappen wurde mit einem nähmaschinenähnlichen Gerät teilweise auf die Luzerner Fahne (geteilt von Weiss und Blau) ziergestickt (Lorraine-Stickerei). Siehe mehr unter „Vignette“.

Das weisse Kreuz

Es ist ein durchgehend weisses Kreuz und teilt die Fahne in vier Felder. Das weisse Kreuz, bei den Eidgenossen in fremden Diensten (Reisläufer oder Söldner genannt) auf ihren geflammten Fahnen anzutreffen, erinnerte sie an ihre Heimat, aber auch, auf fremder Erde für eine fremde Sache zu kämpfen. Die Fahne, die dieses Zeichen trug, bedeutete für diese kriegserprobten Männer ein Stück Schweiz und stärkte zugleich ihr Zusammengehörigkeitsgefühl und ihren Willen, die schweizerische Militärtugenden hochzuhalten: Treue und Ehre (Dr. G. Mattern). Diese Tugenden werden die Angehörigen der heutigen Päpstlichen Schweizergarde, davon sind besonders deren Ehemalige überzeugt, weiterhin hochhalten. (Die Erklärung für Reisläufer: abgeleitet  von „Reisige“, „reise“ aus dem Mitteldeutschen bedeuten sie „kriegerischer Auszug, Kriegszug“)

In diesem Zusammenhang ist jene Devise (Wahlspruch der militärischen Einheit) zu erwähnen, die öfters im Kreuzbalken erscheint, beispielsweise in der Fahne der ersten Kompanie der Hundert-Schweizer in französischen Diensten, gegründet  im Jahre 1496: EA EST FIDUCIA GENTIS (SO IST DIE TREUE DIESES VOLKES).

Mit dem weissen Kreuz wird die Fahne zu einer Militärfahne, so auch die Fahne der Päpstlichen Schweizergarde. Aufgepasst: Die Garde wird beim Heiligen Stuhl als „militärisches Korps“ und nicht als „kleinste Armee der Welt“ bezeichnet. Siehe unter:
www.affentranger-werner.ch/page_id=1284 

Feld 1

Wo befindet sich der Ort von Feld 1? Er befindet sich in der oberen Ecke, nahe der Stangenspitze. Diese Fläche wird Obereck genannt. In diesem Obereck  befindet sich der Bildschmuck. Der Schmuck wird Eckquartier oder bei religiösen Motiven Zwickelbild genannt und ist der Ehrenplatz einer Fahne. (Dres. Dreyer und Mattern). Alle Juliusbanner trugen Zwickelbilder.
          Papstwappen von Franziskus

In einem Rossstirn-Schild in Rot ist das Wappen des amtierenden Papstes Franziskus Bergoglio (Jesuit) zu erkennen: zwei Schlüssel, der linke in Gold/gelb, der rechte in Silber/weiss. Zwischen den Schlüsselbärten die Mitra mit zwei langen Bändern (vittae). Zwischen den Raiden (Köpfen) das Papstwappen Franziskus‘ in Blau: die Sonne in Gold, in ihr die Buchstaben IHS (Iesum Habemus Socium; wir haben Jesus als Gefährten).

Auf dem H das Krückenkreuz oder Hammerkreuz genannt, Es ist als gemeines Kreuz mit Querbalken, den Krücken (Griff, Gehstock), an den vier Enden versehen. Unterhalb der Buchstaben drei schwarze Nägel. Sie bedeuten Armut, Keuschheit und Gehorsam. Unten links (aus der Sicht des Betrachters) ein achtzackiger Stern in Gold (Maria) und rechts in Gold eine Narde (Josef), die wohlriechende Nutz- und Heilpflanze aus der Familie der Baldriangewächse  (Öle und Salben) aus dem Himalaya. Sie erscheint im Alten Testament im Hohelied. Im Neuen Testament (Joh 12,3) werden Jesus in Bethanien die Füsse mit Nardenöl gesalbt.

Auf der Graf-Fahne blieben im Papstwappen von Franziskus aus:

  • Der Halbrund-Schild (jetzt steht der Rossstirn-Schild)
  • Die roten, kurzen Mitrabänder (jetzt lange weisse, die sich links und rechts im  Schlüsselkopf durchschlängeln, bestückt mit je vier griechischen Kreuzen). Diese roten, kurzen Bänder auf rotem Hintergrund könnte man mit einem weissen Rand bordieren/abgrenzen.
  • Schlüsselköpfe und -bärte sind im Original-Franziskuswappen einfacher gestaltet.
  • Der Wahlspruch MISERANDO ATQUE ELIGENDO (mit Erbarmen und Erwählen)  ist, als erster Wahlspruch in der Geschichte der Papstwappen, nicht berücksichtigt. Er bezieht sich auf die Berufung Matthäus‘ zum Apostel (siehe das Bild von Caravaggio in der französischen Nationalkirche S. Luigi dei Francesi in der Nähe des Navonaplatzes in Rom):
       Berufung Matthäus‘
  • Nach heraldisch/vexillologischem Standpunkt sollten Wappen und Fahnen weder Zahlen/Ziffern noch Buchstaben enthalten.

Feld 4

         Papstwappen Julius II.

Feld 4 zeigt das Papstwappen von Julius II. della Rovere (Rovere = Eiche) im Rossstirn-Schild. Es wurde von den vorangehenden Fahnen übernommen: das Feld in Rot (hier weiss statt rot), das Schild in Blau mit goldener Eiche. Ihre Konturen wurden verstärkt  und den Konturen des Franziskus-Papstwappens in Feld 1 gleichgestellt. Papst Julius II. gilt als Gründer der Päpstlichen Schweizergarde und sein Familienwappen trägt die Farbe blau und das Metall gold (blau/gelb).

Felder 2 und 3


Seit der Kommandantenfahne von Jules Repond, angefertigt in den Jahren 1913/1914 von den Benediktinerinnen des Klosters Maria-Rickenbach in Oberdorf/NW, sind Feld 2 und 3 bis anhin gleich geblieben: Feld 2 zeigt die Medicifarben ‚gelb/rot/blau‘ in fünf Querbalken  in der Abfolge blau-gelb-rot-gelb-blau, das Feld 3 hingegen in der Abfolge rot-gelb-blau-gelb-rot. Beide Abfolgen können sich die Heraldiker nicht erklären; man könnte hier noch die della-Rovere-Farben blau/gelb des Gründerpapstes ins Spiel bringen. – Jetzt erscheint das Feld 2 in der gleichen Abfolge wie Feld 3. Damit wird das weisse Kreuz ausgezeichnet positioniert (Heraldiker R. Kälin). – Endlich hat man das Fahnenbild symmetrisch (spiegelbildlich) gestaltet, denn für die inversen (umgekehrten) Farben der Balken gab es keinen zu respektierenden Grund, ausser der Tatsache, dass es der Erfinder der  Fahne, Dr. Robert Durrer, so gezeichnet hat (Heraldiker und Vexillologe Dr. E. Dreyer). – Das Medici-Wappen in Gold zeigt fünf rote und eine blaue Kugel (mit drei Lilien). Das Wort „Palle“ (italienisch „Kugel“) galt als Schlachtruf der Medici:
  Das Medici-Wappen seit 1465 in gelb, rot und blau 

Die Medici-Farben könnten in Feld 2 und 3 so dargestellt werden, dass sie  puristisch besser  (feiner, reiner, ohne Vorbehalt) vertreten werden könnten (Dr. E. Dreyer), nämlich mit drei Querbalken in Gelb, Rot und Blau. Der Vexillologe  (der Fahnenkundige) hat dabei einzuwenden, dass bei Feld 3 silber/weiss (das Weiss des Kreuzes) und gold/gelb (der erste Querbalken in Feld 3) aufeinander stossen würden. Beide Farben sind Metalle und dürfen nicht nebeneinander liegen. Ebenso dürfen sich die vier heraldischen Farben schwarz, rot, blau und  grün nicht neben- oder untereinander treffen. – Einige Fachleute hingegen sind der Auffassung, dass heute trotzdem alles etwas grosszügiger ausgelegt werden könnte. Die Flagge des Staates der Vatikanstadt (in Gold/gelb und Silber/weiss), der Bundesrepublik Deutschland (schwarz/rot/gelb) oder z. B. die Flaggen Ecuadors, Kolumbiens und Venezuelas (alle gelb/blau/rot) seien u. a.  beste Beispiele dazu; sie sind heraldisch falsch (→Heraldik III). – Diese Lösung mit  nur drei Balken (gelb-rot-blau) gäbe der Fahne ein neues Aussehen, ohne Verletzung des Reglementes.  Der Entscheid fiel dann doch auf die bis jetzt gültige Darstellung der Farben, entgegen dem spürbaren Änderungsgedanken des modern eingestellten Kommandanten. (Wichtig: Diese Farb- und Metall-Regeln gelten für Wappen und Fahnen/Flaggen, nicht aber für bildliche Darstellungen.)

Es sei hier darauf hingewiesen, dass alle Fahnen der ständigen Schweizerregimenter in französischen Diensten (12 Regimenter plus das vornehmste Regiment, das „gardes suisses“) geflammt waren. Dies würde geradezu einladen, die Garde- und die Sektionsfahnen der ehemaligen Gardisten mit Flammen zu versehen.

Die Vignette im Zentrum des weissen Kreuzes

Gardefahne Vollwappen GrafRolf Kälin,  Waltenschwil, fecit
(Sponsoring by Exgardisten-Sektion Region Basel)

Die Vignette zeigt ein Vollwappen, d.  h.

  • den halbrunden roten Schild mit den Schildfiguren (Familienwappen Graf)
  • den Helm
  • den Helmwulst (unmittelbar oberhalb des Helmes)
  • die Helmzier (die drei Straussenfedern)
  • und die Helmdecke (frühere „Hitzeisolierung“ rund um Helm und Schild)
  • umrahmt von einem grünen Lorbeerkranz mit roten Beeren

Drei Kommandanten hatten bis jetzt in der von Jules Repond geschaffenen Kommandantenfahne (Gardefahne genannt) ein Vollwappen; er selber (1910-21), Alois Hirschbühl (1921-35; siehe unten) und Georg von Sury d’Aspremont (1935-42). Das Gegenteil ist ein reines Familienwappen, wobei Schildfiguren oder Verzierungen möglich sind. Siehe die erste Repondfahne unter „Nachträge“ hier nachstehend.

Heraldischer Kurzbeschrieb der Vignette durch den Entwerfer

Schild
In Rot nebeneinander eine aufrechte linksgewandte goldene Hirschstange und eines silberne Pflugschar.

Helmzier
Ergänzt ist das Schild mit der Helmzier, auf rot-goldenem/rot-silbernem Wulst drei Straussenfedern in den Tinkturen Gold/Rot/Silber sowie rot-goldenen und rot-silbernen Helmdecken.

Luzerner Fahne
Das Wappen überdeckt die Luzerner Fahne, welche von Silber und Blau geteilt ist.

Lorbeerkranz
Das Vollwappen wird umrahmt von einem grünen Lorbeerkranz. Neu gegenüber der vorgehenden Fahne (Anrig) sind die Lorbeerblätter zweifach in Gold gebunden und dreifach geführt. Dazu kommen neu die roten Beeren.

Die Schildfiguren im Grafwappen zeigen Hirschstange und Pflugschar:
    Das Original-Familienwappen Graf von Pfaffnau

Die Familien Graf von Altbüron, Dagmersellen, Pfaffnau, Dagmersellen, Schötz  und Triengen (alle Kanton Luzern) haben ihr Wappen nicht konkret geführt. Es wurde um 1950 flächendeckend vom Amt Entlebuch LU zugeführt. Die Hirschstange, auch Hirschhorn genannt, sei im Familienwappen  Graf, so der Heraldiker, zu wenig schlank, ohne Schwung und Stil und hätte keine Struktur für ein natürliches Hirschgeweih. Das  goldene Halbgestänge vom Hirschgeweih mit vier Enden und verzierter Hirschaale (kleeblattartiger Grind) in der jetzigen neuen Fahne liegt in der künstlerischen Freiheit des Heraldikers und hat grosse Ähnlichkeit mit den Hirschstangen des Hauses Württemberg. Im Lande Württemberg führen 90 Gemeinden und acht Kreise eine oder mehrere Hirschstangen in ihren Wappen. Die Hirschstange deutet auf die Jagd und den Wildreichtum. Sie ist ein modernes Sinnbild für eine intakte Natur.

Die Hirschstange, auch Hirschhorn, ist eine gemeine Figur (Darstellungselement) in der Heraldik.

Die silberne Pflugschar, die Aargauer Gemeinde Villnachern (früher Vielacker) führt sie nebst anderen Schweizer Gemeinden  in ihrem Wappen,  ist die Schneide des Pfluges und  ein Arbeitsgerät. Es deutet die Wichtigkeit und Verbundenheit der Landwirtschaft mit den Menschen. In der Heraldik ist sie ein Glückssymbol. Im Mittelalter herrschte der Aberglaube, man könne mit der Pflugschar bösen Zauber abwehren. Deshalb wurden im Frühling Felder- und Gemeindegrenzen umgepflügt.

Doppelschar-Kehrpflug mit Pflugkarren für Pferdezug.

Das Wappen der Familie Graf deutet auf die Berufe Jäger und Landwirt hin.

Wo liegt der Ursprung der Wappen? Im Schlachtgetümmel behinderten früher Rüstungen und Helme das Erkennen von Freund und Feind. So wurden auf die Schilde (Schutzwaffen) farbige Zeichen gemalt. Daraus entwickelten sich dann schnell die Wappen (Dres. Dreyer und Mattern). – Auf den Brustpanzer des Ritters wurden anfänglich Buchstaben, später  Farben und Wappen für seine nähere Identität gemalt, und zwar so gross, dass man sie bei Ritterspielen auf Speerwurf-Länge erkannte. Konnte der Ritter seinen Gegner anhand des Wappens nicht gut genug erkennen, soll er seinen Pferdehalter gefragt haben: „Was führt er im Schilde?“ (H. Rüegg) – Bis heute sind Wappen Identitäts- und Erkennungszeichen geblieben von Ländern, Regionen und Dörfern, von Dynastien, Familien, Firmen. Es gibt heute ein mehr oder weniger anerkanntes Wappenrecht. Danach darf jedermann sich ein eigenes Wappen schaffen oder herstellen lassen, nur sollte nicht das Wappen einer anderen Familie verwendet werden (P. Dr.  Lukas Schenker).

Das Vollwappen in der Oberst-Graf-Fahne im Detail

Helmdecke (die „Verzierungen“) und Helmzier (die drei Straussenfedern) sind untrennbar miteinander verbunden. Häufig finden bei der Helmzier Straussenfedern, Büffelhörner, Geweihe oder Hüte Verwendung. In der grafischen Gestaltung wird die Helmzier plastisch (mit Schatten) gezeichnet.

In bürgerlichen Wappen findet meistens der Stechhelm (14. Jahrhundert)  Verwendung (wie hier), möglich ist aber auch ein Topf- oder Kübelhelm (13. Jahrhundert).  Der Helm wird Metallfarben und plastisch gezeichnet.

Der Helmwulst dient als Übergang zwischen Helmzier und Helmdecke und wäre eigentlich heraldisch nicht vorgeschrieben. In adeligen Wappen tritt an seine Stelle oft eine Laub- bzw. Rangkrone. Neben der Laubkrone platziert man auch Blatt-, Blätter- und Blütenkronen, beim Adel oder bei Patrizierfamilien erscheint auch die Perlenkrone.

Die Helmdecke entstand wohl als Hitze-Isolierung für die Kreuzritter-Helme und wurde in ihrer Darstellung immer weiter stilisiert.

Der Schild als Hauptbestandteile des Wappens enthält die Schildfiguren (hier Hirschstange und Pflugschar), auch Heroldsstücke genannt. Der Halbrundschild im Oberst-Graf-Wappen stammt aus der Spätgotik (um 1300).

Das Wappen überdeckt die Luzerner Fahne, welche von Silber und Blau geteilt ist. d. h. eine gehisste Luzerner Fahne hat das weisse Feld oben. Eine Luzerner Fahne deshalb, weil Kommandant Grafs Bürgergemeinde Pfaffnau im Kanton Luzern liegt. Das Luzerner Standeswappen ist aus dem der Stadt hervorgegangen (wie bei Zürich). Die erste Darstellung des gespaltenen Luzerner Wappens findet sich im schönen Stadtsiegel von 1386.

Das Vollwappen wird neu von einem grünen Lorbeerkranz mit roten Beeren umrahmt, oben und unten in Gold geschnürt. Der Lorbeerkranz steht als Symbol für eine besondere Ehre oder Auszeichnung. Schon im Perserkrieg (5. Jahrhundert v. Chr.) taucht diese Militärkrone (corona) als Auszeichnung auf. Die alten Römer führten verschiedene Kränze als Auszeichnung oder für Ranginhaber, beispielsweise die Lorbeer-, Oliven- und Myrtenkränze. Die corona civica, eine Eichenlaubkrone, bekam der Soldat, der einem Mitbürger das Leben rettete. – Um nicht an die frühere verpönte Königsherrschaft zu erinnern (um 550 v. Chr. – 509 v. Chr.), trug der römische Kaiser einen Lorbeerkranz und keine Krone. Gajus Julius Cäsar, schon früh mit Glatze, soll den ganzen Tag den Lorbeerkranz getragen haben. –  Die Schweizer Generäle tragen lorbeerbekränzte Hüte.

  Hut eines schweizerischen Korpskommandanten

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Damit hat die neue Gardefahne Graf mit Hilfe von Fachleuten (Heraldiker, Vexillologe) folgende Neuerungen/Änderungen erhalten, die das Gardereglement nicht verletzen:

  1. Das aussagekräftige Papstwappen in Feld 1 enthält  die Mitra statt die übliche Tiara (Es ist das Originalwappen von Papst Franziskus ohne Leitspruch.)
  2. Die Konturen in Feld 4 (Papstwappen von Julius II.) wurden verstärkt und denjenigen in Feld  1 gleichgestellt
  3. Die Farbbalken in den Feldern 2 und 3 sind endlich symmetrisch, d. h. in der gleichen senkrechten Abfolge
  4. Die Fahne hat in der Mitte ein ansprechendes Vollwappen. Die letzte Fahne mit Vollwappen war  diejenige von Kommandant von Sury (1935-42)
  5. Der markante Lorbeerkranz ist in Gold zweifach gebunden und die Lorbeeren dreifach mit roten Beeren geführt

Das Fahnenbild  ist nach unserer Meinung mit den 5 Neuerungen/Änderungen gut gelungen. Alle Personen, die hier mitgewirkt haben, sind mit dem Resultat sehr zufrieden.

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Das Vexillum (lat.: Fahne, Standarte) ist die Urform der heutigen Fahnen (Dr. E. Dreyer) und war bei den  römischen Kohorten und Legionsabteilungen  ein Feldzeichen. Es bestand aus den Buchstaben SPQR (Senatus Populusque Romanus; Senat und Volk von Rom) und  wurde von einem Lorbeerkranz umrahmt.  Auf dem Querholz stand normalerweise ein fliegender Adler. Der Träger eines Vexillums bei einer Zenturie (rund 100 Mann) hiess Signifer, der einer Legion (rund 20-25’000 Mann) Aquilifer (lat.: Adlerträger). Die Fahne bei einem Manipel (rund 200 Mann) hiess Signum, bei einer Kohorte (rund 500 Mann) Vexilla. Das Feldzeichen bestand nur aus Stoff.
 
Das Vexillum war ein Feldzeichen der römischen Armee, an einem Querholz hängend und lose an die Fahnenstange gebunden.

Zur Entstehung der Fahne

OLYMPUS DIGITAL CAMERAGespräch mit Oberst Christoph Graf: Resümee und erste Entscheide. An der linken Wand die fahnenlose Tragstange, die seit 1914 (Oberst Repond) mehrmals angefertigt wurde, nicht aber die Fahnenspitze, die nach Gardearchiv seit 1914 dieselbe ist. Niklaus von Flüe (der Hl. Bruder Klaus), einer der drei Gardepatrone,  ziert sie. 

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Gespräch mit Profi-Heraldiker Rolf Kälin: Erarbeitung der heraldischen und vexillologischen Vorschläge an den Kommandanten. Rücksprachen zu Vignette und Fahnenbild mit den Heraldikern und Vexillologen Dr. Ernst Dreyer und Dr. Günter Mattern. Auftrag zur Erarbeitung der Vignettte.

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Gespräch mit der Designerin, Frau Rosie Forrer Knechtli: materielle und zeichnerische Aspekte der neuen Fahne. Vorbereitung der Projektzeichnung im Massstab 1 : 1.

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Die Lorraine-Stickerinnen (von links) Frau Hadzere Farizi-Pajazidi und Frau Edith Bisseggger, die verantwortlich waren für die Schaffung der Vignette.

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Schlusskontrolle. Im Bild von links Frau Gerda Scherer, Abteilungsleiterin Vereinsfahnen und Paramente, und Frau Denyse Siegrist, Schneiderin, die nebst Designer/innen, Grafiker/innen, Näherinnen und Stickerinnen auch an der Entstehung der Kommandanten-Fahne beteiligt war.
Die Fabrikation bei Vereinsfahnen hat folgenden Ablauf:
Projekte zeichnen, Werkzeichnung erstellen, Werkzeichnung kontrollieren, stüpfeln (stupfen), zuschneiden, präparieren, sticken, spannen, konfektionieren, Ringe annähen: bei der Gardefahne Spezialkarabiner befestigen, bügeln, ausliefern.

Für die Kommandanten-Fahne waren sehr viele Arbeitsstunden nötig, für die Stickerei alleine nahezu 100. Die Arbeitsstunden für den Zuschnitt und das Präparieren erforderten ebenfalls überdurchschnittlichen Aufwand, da die Rapporte beim Damast (wiederholende „Zeichnung“ im Damast) respektiert werden mussten.

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Übergabe der neuen Fahne Ende April 2015. 

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Unterschrift des Kuriers Willi A. auf den Lieferschein. Damit wird der Auftraggeber Besitzer der neuen Fahne. Sie wird anderntags in einem  Koffer  in die Vatikanstadt gebracht und am 1. Mai 2015 gesegnet. Damit sei die Garde mit dem Eintritt des 111. Mitgliedes wieder vollständig, meint der neue Kommandant.

Mai 2015 © Essay von Werner Affentranger, Bottmingen BL
Quellen:
L. Mühlemann/G. Mattern, Die Fahnen der Schweiz
Dr. Emil Dreyer und Dr. Günter Mattern: Merkblätter des Bundesamtes für Zivilschutz, Sektion Kulturgüterschutz
Wikipedia
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Oberst-Graf-Fahne zum ersten Mal an der Vereidigung (6. Mai 2015)

An der Vereidigung 2015 schworen 32 Hellebardiere auf die neue Fahne, davon 24 in deutscher, 7 in französischer und einer in italienischer Sprache. Ein Schwur in Rätoromanisch blieb aus. Der allererste Schwur auf die neue Fahne und in deutscher Sprache leistete Hellebardier Renold Carlo, Bürgerort Baden (Kanton Aargau), Wohnort Langnau am Albis (Kanton Zürich), Maturand. In französischer Sprache Hellebardier Guldimann Raphaël Marc, 1994, Bürgerort Lostorf (Kanton Solothurn), Wohnort La Tour-de-Trême (Kanton Fribourg), Kaufmann. In italienischer Sprache wurde zum ersten Mal auf die neue Fahne geschworen von Hellebardier Radovinovic Marco Jago, 1990, Bürgerort und Wohnort Besazio (Kanton Tessin), Kaufmann mit Berufsmatura.

Am 6. Mai 2016 erfolgte der erste Schwur in rätoromanischer Sprache durch Hellebardier Gian Andri Arpagaus, Bürger- und Wohnort Laax (Kanton Graubünden), Kaufmann.
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Nachträge

Übersicht der Gardefahnen 1901-2015

Nachstehend eine Homepage sämtlicher Gardefahnen seit 1914 mit entsprechendem Papstwappen. Die Aufstellung hat Fehler:  Die Fahne mit dem Papstwappen von Johannes Paul I. (1978) hat nie existiert, ebenso die Fahne von Oberst Estermann (1998) nicht. – Es fehlt die Gardefahne von Oberst Graf (Stand April 2020):
https://www.fotw.info/flags/va-swis2.html#piusX.

Die Standartenfahne Pius IX. (vorzufinden in der Garde-Waffenkammer)

Für die Vereidigungen 1911 bis und mit 1913, Oberst Repond war Kommandant, wurde auf die wertvollste Fahne der Garde (Paul M. Krieg) zurückgegriffen, die von Pius IX. (1846-78) eingeweiht wurde. Einen Tag vor der Vereidigung von 1911 wurde sie von Pius X. (1903-14)  nochmals gesegnet. Auf der Vorderseite sind oben das Schweizerkreuz und ein Lorbeerkranz und im Mittelteil die Papstinsignien mit dem Rundtext „GUARDIA SVIZZERA PONTIFICIA, auf der Rückseite wiederum Kreuz und Lorbeerkranz und in der Mitte das Papstwappen von Pius IX. zu finden:

  Die Standartenfahne Pius IX.

Das nächste Bild zeigt die Rückkehr von einer Vereidigung, nämlich im Jahre 1911, 1912 oder 1913. Die Mannschaft trägt noch die ‚alte‘ Uniform, nachdem die heutige zum ersten Mal an der Vereidigung von 1915 getragen wurde. – An diesen drei Vereidigungen zwischen 1911 und 1913 wurde die Standartenfahne getragen.  – Wenn das untenstehende Bild vergrössert wird, erkennt man die vom Feldweibel getragene Standartenfahne (Schweizerkreuz, Lorbeerkranz):


Vereidigung der Päpstlichen Schweizergarde im Jahre 1911, 1912 oder 1913. Der Feldweibel trägt die Standartenfahne (also keine Kommandantenfahne) und die Mannschaft die alte Uniform, bevor sie 1914 nach den Ideen von Repond und Durrer ersetzt wurden.

  Erste Repondfahne 1914

Die Gardefahne von Oberst Jules Repond erscheint zum ersten Mal an der Vereidigung 1914 (Feld 1: Papstwappen Pius X., Löwe und Anker). Ausgearbeitet  von Heraldiker und Staatsarchivar Dr. Robert Durrer mit Hilfe von Kirchenmaler Xaver Stöckli, beide Stans, ist sie das idealisierte Muster für die Kommandanten-Nachfolger geworden und ist, wie bekannt, reglementiert. Die Fahnenspitze (Bruder Klaus) hat ebenso Durrer  entworfen, ausgeführt von einem Goldschmied Bossard, Luzern. Die Fahne gelangte  vor dem Transport nach Rom von Niederrickenbach für ein paar Tage zur Ausstellung nach Luzern. – 41 Rekruten schwörten 1914 einzeln auf die waagrecht gehaltene, neue Fahne. Diese Art des Eides geht auf die alte Tradition der Schweizer Regimenter in Fremden Diensten zurück. Vor 1914 wurde jahrhundertelang mit erhobener rechten Hand miteinander geschworen, also ohne Handschlag auf die Fahne.

Interessant erscheint die  vorangehende Gardefahne (Oberst Meyer von Schauensee, Kommandant von 1901-10) vor der heute reglementierten Repond-Fahne. Sie ist in den Medicifarben gelb, rot und blau gehalten. Im oberen Teil das Wappen von Pius X. (1903-1914), im unteren das Familienwappen Meyer von Schauensee LU. Auf sie wurde noch nicht geschworen. Interessant deshalb, weil die erste Fahne von Meyer von Schauensee in den Farben gelb-weiss-rot gehalten war. Der zuständige Papst Leo XIII. (1878-1903) war der Meinung, diese Farben würden den Kirchenstaat und die Schweiz exakt vertreten.
  Gardefahne Meyer von Schauensee

Ulrich Nersinger, Die neue Gardefahne von Oberst Graf

https://www.kath.net/news/50412

Campo Santo Teutonico: Kirche Santa Maria della Pietà

(…) In dieser Kirche finden sich auch die vermutlich ältesten Darstellungen von Fahnen im Zusammenhang mit der päpstlichen Leibwache. Schon früh sicherte sich die Garde in dem Gotteshaus eine Seitenkapelle und das Begräbnisrecht auf dem angrenzenden Friedhof (16. Mai 1520). 1522 erteilte der damalige Kommandant Kaspar Roist einem Schüler Raffaels, Polidoro da Caravaggio, den Auftrag, für die Kapelle ein Fresko mit der Kreuzigung Christi zu schaffen. Der Maler stellte den Hauptmann unter dem Kreuz des Herrn dar. Rechts und links flankieren Fahnen die Szene. Bereits ein Bericht aus dem Jahre 1519 spricht von einem „vennly“ der Gardisten. Eine frühe Fahne der Schweizergarde kann man in der Sala Regia, im Königssaal des Apostolischen Palastes, betrachten. Auf einem Fresco des Malers Giuseppe Porta (1520-1575) hält ein Schweizer das mit goldenen und roten Oberstreifen und dem Papstwappen der Medici versehene Gardebanner. Marco Vecellio (1545-1611) stellte im Palazzo Ducale in Venedig auf der „Aussöhnung zwischen Klemens VII. und Karl V.“ einen Schweizergardisten mit der Gardefahne in der Hand dar. Grösse und Aussehen der Fahne wechselten immer wieder. Wurden die Farben zunächst nach jedem Pontifikat den Wappenfarben des neuen Pontifex angeglichen, so setzten sich doch im Laufe diejenigen des Hauses Medici durch. (…)