Fahne Gardekommandant Graf (Gardefahne)

Fahne des Gardekommandanten der Päpstlichen Schweizergarde

oberst-graf    Oberst Christoph GRAF

Mit jedem Kommandantenwechsel in der Päpstlichen Schweizergarde im Staat der Vatikanstadt wechselt die Kommandantenfahne (Gardefahne). Der neue Kommandant hat sie bei seinem Antritt auf eigene Rechnung anzuschaffen. Die Fahne ist wohl deshalb berühmt, weil sie unter anderem in der Mitte das Familienwappen des Kommandanten trägt und die neuen Gardisten auf sie Treue und Gewissenhaftigkeit schwören. So hat Oberst Christoph Graf im Februar 2015 eine seiner ersten Amtshandlungen  an die Hand genommen. Dessen Vorarbeiten und Ziele sind nachfolgend festgehalten.

Ähnlich dem Kommandantenwappen kann man die spanische Staatsflagge vergleichen, wo das Herzschild das Familienwappen des regierenden Hauses Bourbon-Anjou zeigt. Im blauen Streifen der Flagge des Fürstentums Liechtenstein ist ein goldener kronenähnlicher Fürstenhut des Hauses Liechtenstein zu sehen.

Reglement der Kommandantenfahne der Päpstlichen Schweizergarde

Das Reglement (Artikel 3) beschreibt die Gardefahne der Päpstlichen Schweizergarde wie folgt: „Die Fahne der Schweizergarde ist durch ein weisses Kreuz in vier Felder geteilt, von welchen das erste das Wappen des amtierenden Papstes und des vierte dasjenige von Papst Julius II. dem Gründerpapst, zeigt, beide auf rotem Grund; das zweite und dritte Feld zeigen die Farben des Korps, nämlich blau, rot und gelb. Auf dem Schnittpunkt des Kreuzes befindet sich das Wappen des Kommandanten.“

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Bild Heimgartner: neue Kommandantenfahne von Oberst Graf (April 2015)

Masse und Material der Kommandantenfahne (Gardefahne)

Grösse: 2,2 auf 2,2 m. Die Fahne ist quadratisch wie die Flagge des Staates der Vatikanstadt und der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Fahnen von Schweizer Regimentern in fremden Diensten erreichten im 16. und 17. Jahrhundert gar eine Seitenlänge von 250 cm und mehr. Zur Grösse der neuen Gardefahne von 2,2 auf 2,2 m: die schmalste Hausbreite in Basels Altstadt, es ist das Haus „zum Kernenbrot 1349“ am Spalenberg 28, misst auch 2,20 Meter.

Der Stoff ist mit Längs- und Querfaden gewoben. Es ist Damast, ein Gewebe, bei dem sich kett- und schusssichtige Partien abwechseln, wodurch es möglich wird, figürliche Muster aller Art einzuweben. Damast wurde zuerst in China produziert. Sein Gebrauch verbreitete sich über Indien, Persien und Syrien auf der Seidenstrasse bis nach Europa hinein. Während des 12. Jahrhunderts wurde der in Damaskus produzierte Stoff so populär, dass er den Stadtnamen erhielt (arabisch „dimasq“, s mit Brevezeichen).

Das Muster in der Kommandanten-Fahne besteht aus Granatäpfeln und Disteln. Der Granatapfel mit seinen zahlreichen Kernen ist ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit, aber auch für Macht. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation (800 – 1806) nannte diesen Apfel Reichsapfel. Er symbolisierte auch das Vorhandensein der Schöpfung in Gottes Hand bzw. der Vorsehung und ist in der katholischen Kirche ein Symbol für Jesus. Man nennt den Granatapfel einen essbaren Edelstein: Prall mit Saft, wohlschmeckend und „schönmachender Liebesfrucht“. Er ist Namensgeber für den scharlachroten Halbedelstein Granat und der explodierenden Granate. „Aussen eins, innen tausend und eins?“ Das türkische Rätsel hat die Antwort: „Ein Granatapfel“. – Der Reichsapfel aus Gold, mit Goldfiligran gefertigt und mit Edelsteinen und Perlen besetzt (siehe Google: Reichsapfel), wurde dem König oder Kaiser während der Krönungszeremonie mit Krone und Zepter überreicht.

Der Orden der Barmherzigen Brüder, der in Granada gegründet wurde, hat als Emblem (Erkennungszeichen) einen Granatapfel mit Kreuz. Möglicherweise ist diese spanische Stadt auch nach dem Granatapfel benannt; die umliegende Landschaft ist heute noch ein wichtiges Anbaugebiet.

Das zweite Muster ist die Distel, in der Heraldik eine gemeine Figur und gehört, wie die Rose und die Lilie, zu den bekanntesten Wappenblumen. Gemeine Figur heisst, dass die Distel ein Darstellungselement zur Gestaltung des Wappenschildes als Bestandteil eines Wappens sein kann.

Jedoch wird das Muster seit dem Jahre 1512 als Julius-Damast (reine Seide) bezeichnet. Warum? Die ersten 12 Orte der Eidgenossenschaft und verbündete, zugewandte Orte eroberten mit Truppen der Republik Venetien das Herzogtum Mailand (Schlacht bei Pavia am 18. Juni 1512). Papst Julius della Rovere, der Nutzniesser daraus, schenkte den Eidgenossen dafür ein geweihtes Schwert, einen Fürstenhut und zwei Banner. Er nannte sie „Beschützer der Freiheit der Kirche“. Alle Orte und Verbündete beschenkte der Papst dazu mit einem Seidenmast-Banner (mit Reichsapfel- und Distelmotiv). Sie gelangten zuerst an die Tagsatzung in Baden und anschliessend in die Stiftskirche Einsiedeln. Wer eines der wenig übriggebliebenen Banner sehen will: Nidwaldner Banner, Rathaus Stans/CH:
www.nidwaldner-museum.ch/sammlung/juliusbanner/32
Dazu: An der  Ausstellung „1515 Marignano“ im Landesmuseum Zürich im Jahre 2015 gab es zu diesem Thema Details: Julius II. (Kriegerpapst) hätte das geweihte Prunk-Schwert vor der Schlacht abgegeben. Mit der Bezeichnung „Beschützer der Freiheit der Kirche“ hätte er die Eidgenossen geadelt. Kardinal Schiner (der Walliser Kriegsberater von Julius II. und Leo X.) hätte den Vorschlag gemacht, alle Orte und Verbündete mit einem Seidenmast-Banner zu beschenken. An dieser Ausstellung ist das Julius-Banner des Standes Uri zu sehen. Es misst 2 auf 1,75 m und normalerweise im Regierungsratsaal in Altdorf vorzufinden.

Die Vignette (im Schnittpunkt des Kreuzes) mit dem Graf-Familienwappen wurde mit einem nähmaschinenähnlichen Gerät teilweise auf die Luzerner Fahne (geteilt von Weiss und Blau) ziergestickt (Lorraine-Stickerei). Siehe mehr unter „Vignette“.

Das weisse Kreuz

Es ist ein durchgehend weisses Kreuz und teilt die Fahne in vier Felder. Das weisse Kreuz, bei den Eidgenossen in fremden Diensten (Reisläufer genannt) auf ihren (geflammten) Fahnen anzutreffen, erinnerte sie an ihre Heimat, aber auch, auf fremder Erde für eine fremde Sache zu kämpfen (nach Dr. G. Mattern). Die Fahne, die dieses Zeichen trug, bedeutete für diese kriegserprobten Männer ein Stück Schweiz und stärkte zugleich ihr Zusammengehörigkeitsgefühl und ihren Willen, die schweizerische Militärtugenden hochzuhalten: Treue und Ehre. Diese Tugenden werden die Angehörigen der heutigen Päpstlichen Schweizergarde, davon sind besonders die Ehemaligen überzeugt, weiterhin hochhalten.
In diesem Zusammenhang ist die Devise (Wahlspruch der militärischen Einheit) zu erwähnen, die fast nur im Kreuz erscheint. Beispiele dazu sind:

Feld 1

In einem Rossstirn-Schild in Rot ist das Wappen des amtierenden Papstes Franziskus Bergoglio (Jesuit): zwei Schlüssel, der linke in Gold/gelb, der rechte in Silber/weiss. Zwischen den Schlüsselbärten die Mitra (unten offen wie im vorhergehenden Anrig-Fahnen und bei der Tiara in Feld 4) mit zwei langen Bändern (vittae). Zwischen den Raiden (Köpfen) das Papstwappen Franziskus‘ in Blau: die Sonne in Gold, in ihr die Buchstaben IHS (Iesum Habemus Socium; wir haben Jesus als Gefährten). Auf dem H das Krückenkreuz. Unterhalb der Buchstaben drei schwarze Nägel. Sie bedeuten Armut, Keuschheit und Gehorsam. Unten rechts ein achtzackiger Stern in Gold (Maria) und links in Gold eine Narde (Josef), die wohlriechende Nutz- und Heilpflanze (Öle und Salben) aus dem Himalaya. Sie erscheint im Alten Testament im Hohelied, im Neuen Testament (Joh 12,3) werden Jesus in Bethanien die Füsse mit Nardenöl gesalbt.

Auf der Graf-Fahne blieben im Papstwappen von Franziskus aus:

  • Der Halbrund-Schild (jetzt der Rossstirn-Schild)
  • Die roten, kurzen Mitrabänder (jetzt lange weisse, die sich links und rechts im  Schlüsselkopf durchschlängeln, bestückt mit je vier griechischen Kreuzen). Diese roten, kurzen Bänder auf rotem Hintergrund könnte man mit einem weissen Rand bordieren/abgrenzen.
  • Schlüsselköpfe und -bärte sind im Original-Franziskuswappen einfacher gestaltet.
  • Der Wahlspruch MISERANDO ATQUE ELIGENDO (mit Erbarmen und Erwählen)  ist, als erster Wahlspruch in der Geschichte der Papstwappen überhaupt, nicht berücksichtigt. Er bezieht sich auf die Berufung Matthäus‘ zum Apostel (siehe das Bild von Caravaggio in der französischen Nationalkirche S. Luigi dei Francesi hinter dem Navonaplatz, Rom). – Nach vexillologischem Standpunkt sollte eine Fahne weder Zahlen noch Buchstaben enthalten.

Feld 4

Feld 4 zeigt das Papstwappen von Julius II. della Rovere (Eiche) im Rossstirn-Schild. Es wurde von den vorangehenden Fahnen übernommen: das Feld in Rot, das Schild in Blau mit goldener Eiche. Ihre Konturen wurden verstärkt (erste Änderung gegenüber Vorgänger-Fahnen) und den Konturen des Franziskus-Papstwappens in Feld 1 gleichgestellt. Papst Julius II. gilt als Gründer der Päpstlichen Schweizergarde.

 Felder 2 und 3

Seit der Kommandantenfahne von Jules Repond, angefertigt im Jahre 1914 von den Benediktinerinnen des Klosters Maria-Rickenbach in Niederrickenbach NW, sind Feld 2 und 3 gleich geblieben: Feld 2 zeigt die Medicifarben in fünf Querbalken  in der Abfolge blau-gelb-rot-gelb-blau, das Feld 3 hingegen in der Abfolge rot-gelb-blau-gelb-rot (Beide Abfolgen können sich die Heraldiker nicht erklären.). Jetzt erscheint das Feld 2 in der gleichen Abfolge wie Feld 3 (zweite Änderung). Damit wird das weisse Kreuz besser positioniert. – Das Medici-Wappen in Gold zeigt 5 rote und eine blaue Kugel (mit drei Lilien). Es liefert die Farben (Tinkturen) für die Felder 2 und 3. Übrigens war das Wort „Palle“ (italienisch „Kugel“) der Schlachtruf der Medici.

Beide Änderungen verletzen das Gardereglement (Artikel 3) nicht.

Die Medici-Farben könnten in Feld 2 und 3 so dargestellt werden, dass sie heraldisch besser vertreten werden können: drei Querbalken in Gelb, Rot und Blau. Der Heraldiker (der Wappenkundige) hat dabei einzuwenden, dass bei Feld 3 silber/weiss (das Weiss des Kreuzes) und gold/gelb (der erste Querbalken in Feld 3) aufeinanderstossen würden. Beide Farben sind Metalle und dürfen nicht nebeneinander liegen. Der Vexillologe (der Fahnen- und Flaggenkundige) hingegen ist der Auffassung, dass heute alles etwas grosszügiger ausgelegt werde. Die Flagge des Staates der Vatikanstadt (in Gold/gelb und Silber/weiss) sei das beste Beispiel dazu. – Diese Lösung mit den drei Balken gäbe der Fahne ein neues Aussehen, ohne Verletzung des Reglementes.  Der Entscheid fiel dann doch auf die bis jetzt gültige Darstellung der Farben, entgegen dem spürbaren Änderungsgedanken des modern eingestellten Kommandanten.

Die Vignette im Zentrum des weissen Kreuzes

Gardefahne Vollwappen Graf

Rolf Kälin fecit
(Sponsoring by Exgardisten-Sektion Region Basel)

Die Vignette zeigt ein Vollwappen, d.  h.

  • den halbrunden roten Schild mit den Schildfiguren (Familienwappen Graf)
  • den Helm
  • den Helmwulst (unmittelbar oberhalb des Helmes)
  • die Helmzier (die drei Straussenfedern darüber)
  • und die Helmdecke („Verzierungen“ rund um Helm und Schild)
  • umrahmt von einem grünen Lorbeerkranz mit roten Beeren

Drei Kommandanten hatten bis jetzt in der von Repond geschaffenen Kommandantenfahne (auch Gardefahne genannt) ein Vollwappen, er selber (1910-21), Alois Hirschbühl (1921-35) und Georg von Sury d’Aspremont (1935-42). Das Gegenteil wäre ein reines Familienwappen, wobei Schildfiguren möglich sind. In den beiden letzten Familienwappen (Elmar Mäder, Daniel Anrig) steht ein Helm oberhalb des Familienwappens. Andere zeigen Verzierungen wie in der Fahne von Robert Nünlist (1957-72) oder in der Fahne von Franz Pfyffer von Altishofen (1972-82).

Heraldischer Kurz-Beschrieb der Vignette

Schild
In Rot nebeneinander eine aufrechte linksgewandte goldene Hirschstange und eines silberne Pflugschar.

Helmzier
Ergänzt ist das Schild mit der Helmzier, auf rot-goldenem/rot-silbernem Wulst drei Straussenfedern in den Tinkturen Gold/Rot/Silber sowie rot-goldenen und rot-silbernen Helmdecken.

Luzerner Fahne
Das Wappen überdeckt die Luzerner Fahne, welche von Silber und Blau geteilt ist.

Lorbeerkranz
Das Vollwappen wird umrahmt von einem grünen Lorbeerkranz mit roten Beeren.

Die Schildfiguren im Grafwappen zeigen Hirschstange und Pflugschar (siehe das Originalwappen „Graf“ des Staatsarchivs Luzern bei Google: „Familienwappen Graf von Pfaffnau“).

Die Familien Graf von Pfaffnau, Altbüron, Dagmersellen, Schötz und Triengen (alle Kanton Luzern) haben ihr Wappen nicht konkret geführt. Es wurde um 1950 flächendeckend vom Amt Entlebuch LU zugeführt. Die Hirschstange, auch Hirschhorn genannt, sei im Familienwappen  Graf, so die Heraldiker, zu wenig schlank, ohne Schwung und Stil und hätte keine Struktur für ein natürliches Hirschgeweih. Das jetzige goldene Halbgestänge vom Hirschgeweih mit vier Enden und verzierter Hirschaale (kleeblattartiger Grind) liegt in der künstlerischen Freiheit des Heraldikers und hat grosse Ähnlichkeit mit den Hirschstangen des Hauses Württemberg. Im Lande Württemberg führen 90 Gemeinden und 8 Kreise eine oder mehrere Hirschstangen in ihren Wappen. Die Hirschstange deutet auf die Jagd und den Wildreichtum. Sie ist ein modernes Sinnbild für eine intakte Natur.

Die silberne Pflugschar, die Aargauer Gemeinde Villnachern (früher Vielacker) führt sie, nebst anderen Schweizer Gemeinden,  in ihrem Wappen,  ist die Schneide des Pfluges und  ein Arbeitsgerät. Es deutet die Wichtigkeit und Verbundenheit der Landwirtschaft mit den Menschen. In der Heraldik ist sie ein Glückssymbol. Im Mittelalter herrschte der Aberglaube, man könne mit der Pflugschar bösen Zauber abwehren. Deshalb wurden im Frühling Felder- und Gemeindegrenzen umgepflügt.

Das Wappen der Familie Graf deutet auf die Berufe Jäger und Landwirt hin.

Das Vollwappen in der Oberst-Graf-Fahne im Detail

Helmdecke (die „Verzierungen“) und Helmzier (die drei Straussenfedern) sind untrennbar miteinander verbunden. Häufig finden bei der Helmzier Straussenfedern, Büffelhörner, Geweihe oder Hüte Verwendung. In der grafischen Gestaltung wird die Helmzier plastisch (mit Schatten) gezeichnet.

In bürgerlichen Wappen findet meistens der Stechhelm (14. Jahrhundert)  Verwendung (wie hier), möglich ist aber auch ein Topf- oder Kübelhelm (13. Jahrhundert).  Der Helm wird Metallfarben und plastisch gezeichnet.

Der Helmwulst dient als Übergang zwischen Helmzier und Helmdecke und wäre eigentlich heraldisch nicht vorgeschrieben. In adeligen Wappen tritt an seine Stelle oft eine Laub- bzw. Rangkrone. Neben der Laubkrone platziert man auch Blatt-, Blätter- und Blütenkronen, beim Adel oder bei Patrizierfamilien erscheint auch die Perlenkrone.

Die Helmdecke entstand wohl als Hitze-Isolierung für die Kreuzritter-Helme und wurde in ihrer Darstellung immer weiter stilisiert.

Der Schild als Hauptbestandteile des Wappens enthält die Schildfiguren (hier Hirschstange und Pflugschar), auch Heroldsstücke genannt. Der Halbrundschild im Oberst-Graf-Wappen stammt aus der Spätgotik (um 1300).

Das Wappen überdeckt die Luzerner Fahne, welche von Silber und Blau geteilt ist (Eine gehisste Luzerner Fahne hat also das weisse Feld oben.). Eine Luzerner Fahne deshalb, weil Kommandant Grafs Bürgergemeinde Pfaffnau im Kanton Luzern liegt. Das Luzerner Standeswappen ist aus dem der Stadt hervorgegangen (wie bei Zürich). Die erste Darstellung des gespaltenen Luzerner Wappens findet sich im schönen Stadtsiegel von 1386.

Das Vollwappen wird von einem grünen Lorbeerkranz mit roten Beeren umrahmt, oben und unten in Gold geschnürt. Der Lorbeerkranz steht als Symbol für eine besondere Ehre oder Auszeichnung. Schon im Perserkrieg (5. Jahrhundert v. Chr.) taucht diese Militärkrone (corona) als Auszeichnung auf. Die alten Römer führten verschiedene Kränze als Auszeichnung oder für Ranginhaber, beispielsweise die  Lorbeer-, Oliven- und Myrtenkränze. Die corona civica, eine Eichenlaubkrone, bekam der Soldat, der einem Mitbürger das Leben rettete. – Um nicht an die frühere verpönte Königsherrschaft zu erinnern (um 550 v. Chr. – 509 v. Chr.), trug der römische Kaiser einen Lorbeerkranz und keine Krone. Gaius Julius Cäsar, schon früh mit Glatze, soll immer den Lorbeerkranz getragen haben. –  Die Schweizer Generäle tragen lorbeerbekränzte Hüte.

Das Vexillum (lat. Fahne) der römischen Kohorten und Legionsabteilungen war ein Feldzeichen. Es bestand aus den Buchstaben SPQR (Senatus Populusque Romanus; Senat und Volk von Rom) und  wurde von einem Lorbeerkranz umrahmt.  Auf dem oberen Vexillumrand stand normalerweise ein fliegender Adler. Der Träger eines Vexillums bei einer Zenturie (rund 100 Mann) hiess Signifer, der einer Legion (rund 20-25’000 Mann) Aquilifer (lat. Adlerträger). Die Fahne bei einem Manipel (rund 200 Mann) hiess Signum, bei einer Kohorte (rund 500 Mann) Vexilla. Als einziges der römischen Feldzeichen bestand das Vexillum aus Stoff und ist daher Vorläufer heutiger Fahnen und Flaggen (vexilli).

Zur Entstehung der Fahne

OLYMPUS DIGITAL CAMERAGespräch mit Oberst Christoph Graf: Resümee und erste Entscheide. An der linken Wand die fahnenlose Stange, die bei jeder Gardefahne bis jetzt die gleiche war.

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Gespräch mit Heraldiker Rolf Kälin: Erarbeitung der heraldischen und vexillologischen Vorschläge an den Kommandanten. Auftrag zur Erarbeitung der Vignette. Rücksprachen auch mit dem Vexillologen Dr. Günter Mattern.

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Gespräch mit der Designerin, Frau Rosie Forrer Knechtli: materielle und zeichnerische Aspekte der neuen Fahne. Vorbereitung der Projektzeichnung im Massstab 1 : 1.

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Die Lorraine-Stickerinnen (von links) Frau Hadzere Farizi-Pajazidi und Frau Edith Bisseggger, die verantwortlich waren für die Schaffung der Vignette.

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Schlusskontrolle. Im Bild von links Frau Gerda Scherer, Abteilungsleiterin Vereinsfahnen und Paramente, und Frau Denyse Siegrist, Schneiderin, die nebst Designer/innen, Grafiker/innen, Näherinnen und Stickerinnen auch an der Entstehung der Kommandanten-Fahne beteiligt war.
Die Fabrikation bei Vereinsfahnen hat folgenden Ablauf:
Projekte zeichnen, Werkzeichnung erstellen, Werkzeichnung kontrollieren, stüpfeln (stupfen), zuschneiden, präparieren, sticken, spannen, konfektionieren, Ringe annähen: bei der Gardefahne Spezialkarabiner befestigen, bügeln, ausliefern.

Für die Kommandanten-Fahne waren sehr viele Arbeitsstunden nötig, für die Stickerei alleine nahezu 100. Die Arbeitsstunden für den Zuschnitt und das Präparieren erforderten ebenfalls überdurchschnittlichen Aufwand, da die Rapporte beim Damast (wiederholende „Zeichnung“ im Damast) respektiert werden mussten.

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Bei der Übergabe der neuen Fahne Ende April 2015. In der vorderen Reihe folgende Interessierte: Stefan Vogler, Präsident der Exgardisten-Sektion Zürich; Fridolin Wildhaber, Bannerträger der Sektion Region Basel, Graziano Rossi, Präsident der Sektion della Svizzera italiana (und nächster Empfänger einer neuen Fahne für seine Sektion); Philipp Baumann und Gemahlin, Zentralfähnrich; abgekehrt Karl F. Pickert, Künstler und a. Fachlehrer für bildende Kunst, Exgardist.

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Unterschrift des Kuriers Willi A. auf den Lieferschein. Damit wird der Auftraggeber Besitzer der neuen Fahne. Sie wird in einem  Koffer  in die Vatikanstadt gebracht und am 1. Mai 2015 gesegnet. Damit sei die Garde mit dem Eintritt des 111. Mitgliedes wieder vollständig, meint der neue Kommandant.

Mai 2015 © Werner Affentranger, Bottmingen BL
Quellen: L. Mühlemann/G. Mattern, Die Fahnen der Schweiz
Wikipedia
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Oberst-Graf-Fahne zum ersten Mal an der Vereidigung (6. Mai 2015)

An der Vereidigung 2015 schworen 32 Hellebardiere auf die neue Fahne, davon 24 in deutscher, 7 in französischer und einer in italienischer Sprache. Ein Schwur in Rätoromanisch fehlt noch. Der allererste Schwur auf die neue Fahne und in deutscher Sprache leistete Hellebardier Renold Carlo, Bürgerort Baden (Kanton Aargau), Wohnort Langnau am Albis (Kanton Zürich,  Maturand. In französischer Sprache Hellebardier Guldimann Raphaël Marc, 1994, Bürgerort Lostorf (Kanton Solothurn), Wohnort La Tour-de-Trême (Kanton Fribourg), Kaufmann. In italienischer Sprache wurde zum ersten Mal auf die neue Fahne geschworen von Hellebardier Radovinovic Marco Jago, 1990, Bürgerort und Wohnort Besazio (Kanton Tessin), Kaufmann mit Berufsmatura.

Am 6. Mai 2016 erfolgte der erste Schwur in rätoromanischer Sprache durch Hellebardier Gian Andri Arpagaus, Bürgerort und Wohnort Laax GR, Kaufmann.

Ulrich Nersinger, Die neue Gardefahne, www.kath.net/news/50412

Campo Santo Teutonico: Kirche Santa Maria della Pietà

(…) In dieser Kirche finden sich auch die vermutlich ältesten Darstellungen von Fahnen im Zusammenhang mit der päpstlichen Leibwache. Schon früh sicherte sich die Garde in dem Gotteshaus eine Seitenkapelle und das Begräbnisrecht auf dem angrenzenden Friedhof (16. Mai 1520). 1522 erteilte der damalige Kommandant Kaspar Roist einem Schüler Raffaels, Polidoro da Caravaggio, den Auftrag, für die Kapelle ein Fresko mit der Kreuzigung Christi zu schaffen. Der Maler stellte den Hauptmann unter dem Kreuz des Herrn dar. Rechts und links flankieren Fahnen die Szene. Bereits ein Bericht aus dem Jahre 1519 spricht von einem „vennly“ der Gardisten. Eine frühe Fahne der Schweizergarde kann man in der Sala Regia, im Königssaal des Apostolischen Palastes, betrachten. Auf einem Fresco des Malers Giuseppe Porta (1520-1575) hält ein Schweizer das mit goldenen und roten Oberstreifen und dem Papstwappen der Medici versehene Gardebanner. Marco Vecellio (1545-1611) stellte im Palazzo Ducale in Venedig auf der „Aussöhnung zwischen Klemens VII. und Karl V.“ einen Schweizergardisten mit der Gardefahne in der Hand dar. Grösse und Aussehen der Fahne wechselten immer wieder. Wurden die Farben zunächst nach jedem Pontifikat den Wappenfarben des neuen Pontifex angeglichen, so setzten sich doch im Laufe diejenigen des Hauses Medici durch. (…)

Stefan Vogler, Abhandlung „Sacco di Roma; Plünderung von Rom“

2015,  S. 19,  Die Gardefahne

(…) Die Fahne der Garde wurde, wie die Uniformen auch, im Laufe der Jahrhunderte mehrmals geändert. Unter Pius IX. (1846-1878, Mastai Ferretti) war die Fahne in drei horizontale Felder aufgeteilt. Im obersten, roten Feld waren die Tiara und die Petrusschlüssel zu sehen, auf dem mittleren Feld das Wappen der Schweizer – ein weisses Kreuz zwischen zwei Lorbeerzweigen auf rotem Grund – während das unterste gelbe Feld frei blieb. Auf der Rückseite befand sich das Wappen von Pius IX. – Während der Amtszeit Pius‘ X. (1903-1914, Sarto) wurde die Reihenfolge der Farben verändert. Neu befand sich oben das blaue Feld mit dem Papstwappen, In der Mitte das rote Feld, das frei blieb und unten das gelbe Feld mit dem Wappen des amtierenden Kommandanten. (…)