Heraldik des Vatikan (1)

Staat der Vatikanstadt und Heiliger Stuhl
Heraldik (Wappenkunde) und Vexillologie (Fahnen- und Flaggenkunde) hinter den Vatikanmauern

Mit Ableitungen zu Uniformen und Fahnen der Gendarmerie des Vatikanstaates und der Päpstlichen Schweizergarde des Heiligen Stuhles

Erste Frage zu weltbekannten Farben

An der Generalversammlung der Sektion der Region Basel der Ex-Gardisten vom 17.01.2004 ergaben sich mit dem Fahnenentwurf (Das Wort ‚Fahne‘ stammt vom Althochdeutschen ‚fano‘ und bedeutet ein Stück Stoff.) im Nachhinein zwei Fragen. Die erste habe ich mit dem Artikel in der Exgardisten-Zeitschrift Nr. 79, Seiten 18 und 19, zu klären versucht. Namhafte Fachleute halfen damals, das richtige Medici-Wappen (Wappen stammt von  Waffen) zur Schweizergarde-Geschichte bzw. zu ihrer Uniform (Tracht) zu finden und es heraldisch auszuwerten (siehe unten). Dazu die heraldische Darstellung der Medici-Farben (gelb-rot-blau).

medici-wappen WappenFarben1
Kriegsführende Herren liebten es, ihre Soldaten einigermassen einheitlich zu kleiden. So auch Papst Julius II. della Rovere (1503-1513, Gründer der Garde), dessen Schweizergardisten in die divisa gekleidet waren, vermutlich in den Farben Blau und Gelb, die Farben der Rovere-Familie. Die Farben wurden später wiederholt geändert. Unter Leo X. Medici (1513-1521), Nachfolger von Julius, war die Tracht in den Medici-Farben Gelb, Rot und Blau. Beim darauffolgenden Papst Adrian VI. (1522/23) in den Farben Grün-Weiss-Gelb, bei Paul III. (1534-1549) in Blau-Gelb, bei Paul IV. in den Farben Weiss und Rot. Nach und nach verlor sich der Brauch, und die in der Tracht der Päpstlichen Schweizergarde vorherrschen-den Farben blieben das Gelb, das Rot und das Blau der Medici (nach Paul M. Krieg, ehemaliger Gardekaplan, in „Die Schweizer-garde in Rom“, 1960, Seite 431). Die Medici-Farben gelb (gold), rot und blau  erklären das Familien-Wappen: gold-gelber Schild, 5 feuerrote Kugeln (italienisch ‚palle‘, der Kriegsruf der Medici), eine blaue Kugel mit den 3 goldenen Lilien des französischen Königwappens, 1465 von Ludwig XI. an die Medici verliehen (als Gnadenzeichen besonderer Gunst oder als Begünstigungswappen bezeichnet). Die heraldische Reihenfolge der Medicifarben erklärt sich so: zuerst die Schildfarbe, dann die Farben im Schild in der Reihenfolge ihrer flächenmässigen Grössen (nach den Heraldikern Josef Melchior Galliker, Luzern und Dr. Günter Mattern, Liestal sowie  nach Beat Meier, Staatsarchiv Basellandschaft, Liestal). Siehe auch Nachtrag von Dr. Ernst Dreyer am Schlusse von →“Heraldik des Vatikan (3)“. – Zur Zeit ist das Goldgelb der Gardeuniform ein sogenanntes „Sonnengelb“.

Sieben Staaten, d. h. Andorra, Ecuador, Kolumbien, Moldawien, Rumänien, Tschad und Venezuela (siehe Google unter „Flags of the world“ und Hinweise am Schlusse dieser Abhandlung) führen in ihren Flaggen (Das Wort kommt erst seit Anfang des 17. Jahrhunderts vor.) die Primärfarben gelb, rot und blau, aber nie in der Abfolge der Medici-Familienfarben. Aufgepasst also, wer die Medici-Farben horizontal, vertikal oder geflammt positioniert; der könnte ungewollt die Flagge eines dieser erwähnten Länder schaffen. Erwähnt sei, dass  die Provinzflagge von Nord-Holland die Farbenabfolge gelb-rot-blau aufweist (ab 22.10.1958). Rechtsklagen wegen Farbkonflikten kennt man hier  bis heute nicht. – Ebenso erwähnt sei die nordfriesische Flagge in den Farben gelb-rot-blau, offiziell am 11.11.2004 durch das Friesisch-Gesetz, § 5, anerkannt, die öfters mit dem nordfriesischen Wappen zu sehen ist.

Die Regelunterschiede zwischen der Heraldik (Wappenkunde/Wappenkunst) und der Vexillologie (Fahnen- und Flaggenkunde) fliessen in dieser Abhandlung ein.

Zweite Frage zur Heraldik im Vatikan

Wie sehen offiziell das Wappen (la stemma) des Staates der Vatikanstadt, das Emblem (l’emblema) des Heiligen Stuhles, die Fahne/Flagge (la bandiera) und das Siegel (il sigillo) des Staates der Vatikanstadt aus?

Welche heraldischen und vexillologischen Ergebnisse hat dies auf Uniformen (Trachten) und Fahnen/Flaggen?

Mit der Vertiefung dieser Abhandlung müssen die Strukturen des „Vatikans“ auffallen. Er besteht aus zwei Rechtsträgern: dem Heiligen Stuhl als Organ der römisch-katholischen Weltkirche und der Regierung des Staates der Vatikanstadt (Governatorat). Beiden „Regierungen“ steht der gleiche absolute Monarch vor, der Papst.

Mithilfe eines Vortrages von Giovanni Lajolo über den Vatikan, damals Aussenminister des Heiligen Stuhles, können seine Ausführungen in ein →Organigramm gestellt werden:

Oberes Organigramm des Vatikans

(„Vatikan“: Heute Allgemeinbegriff für zwei Körperschaften)

 Heraltik Oberes Organigramm des Vatikan

1Rat der Kardinäle und Bischöfe mit Papst als Souverän. Leitung: Kardinalstaatssekretär.  Mitglieder:  9 Präfekten und die Präsidenten der 12 Räte (keine Laien).

2Neues Grundgesetz des Vatikanstaates vom 26. November 2000, Artikel 14, lautet:

„Der Präsident der Päpstlichen Kommission des Staates der Vatikanstadt (Governatorat) kann sich aus Sicherheits- und polizeilichen Gründen neben der Gendarmerie des Vatikanstaates der Hilfe der Päpstlichen Schweizergarde bedienen.“

Etwas Spezielles: Völkerrecht und Vatikan

Aus diesem Organigramm und den Erklärungen vom damaligen Titularerzbischof Lajolo ergeben sich:

  1. Der Heilige (Apostolische) Stuhl (ohne Land und Bürger) ist das Subjekt der völkerrechtlichen Beziehungen. Er  unterhält zur Zeit 180 akkreditierte Botschafter bzw. diplomatische Beziehungen (Stand Juli 2013).
  2. Der Stato della Città del Vaticano (SCV, Staat der Vatikanstadt) garantiert völkerrechtlich die Unabhängigkeit des Heiligen (Apostolischen) Stuhles gemäss den Lateranverträgen vom 11. Februar 1929.
  3. Die Römische Kurie ist ein Werkzeug in der Hand des Papstes, um die Geschäfte der Gesamtkirche zu vollziehen. Dabei ist das Päpstliche Staatssekretariat das General- oder Zentralsekretariat des Papstes, das im Jahre 1487 eingeführt wurde und am 28. Juni 1988 unter Johannes Paul II. neue Strukturen erhielt.
  4. Das Governatorat ist Sitz der Staatsregierung des Staates der Vatikanstadt (Sitz im Governatoratspalast hinter dem Petersdom). Die weltliche Leitungsgewalt hat der Kardinalstaatssekretär inne. Sein Stellvertreter ist der Vorsteher der Päpstlichen Kommission, der Kardinalspräsident (Regierungspräsident). Generalrat und Staatsräte helfen bei der Ausarbeitung von Gesetzen. 7 italienische Laien beraten.
  5. Alle Mitglieder dieser Kommission werden vom Papst für 5 Jahre ernannt. Nur einmal war der Regierungspräsident des Vatikanstaates unter Papst Pius XI. (1922-39) ein Laie in der Person von Marchese Camillo Sarafini, „Governatore“ genannt. Schon Pius XII. ernannte dafür eine Päpstliche Kommission. Die obersten bzw. wichtigsten Funktionen des Staates der Vatikanstadt sind durch (meistens italienische) Priester besetzt. Der Heilige Stuhl hingegen ist auf Kaderstufe international besetzt (alles Priester).
  6. Generalsekretär und Vizegeneralsekretär des Staates der Vatikanstadt haben bei der Kardinalskommission beratende Stimme.
  7. Das Gendarmeriekorps (mit italienischen Bürgern) ist dem Staat der Vatikanstadt und die Päpstliche Schweizergarde (mit Schweizer Bürgern) dem Heiligen Stuhl unterstellt (Staatssekretariat, 1. Sektion).

Kurz zusammengefasst

Der Vatikan (Staats- und Hoheitsgebiete) kennt zwei „Säulen“: den Vatikanstaat und den Heiligen bzw. Apostolischen Stuhl. „Heiliger Stuhl“ wird in der Diplomatie bei offiziellen und bilateralen Interventionen verwendet. Das eine Organ ist die Staatsregierung, das andere die römische Kurie, die die Gesamtkirche der Katholiken „verwaltet“. Bei der römischen Kurie bleibt meistens das Kardinalstaatssekretariat als „oberstes“ Papstsekretariat  im Vordergrund. Beim Staat der Vatikanstadt (0,44 km2 gross, rund um den Petersdom gelegen) und dem Hl. Stuhl sind viele bekannte Exklaven einverleibt wie Castel Gandolfo (0,55 km2 gross) oder alle Papstkirchen Roms. Dazu haben beide Rechtsträger viele (beneidenswert gut gelegene) Parzellen mit Palästen, Verwaltungsgebäuden und Klöstern auf dem römischen Hügelzug Gianicolo und anderswo innerhalb und ausserhalb Roms gekauft, gepachtet oder geschenkt bekommen. Sie zählen zu den vatikanischen Hoheitsgebieten auf italienischem Staatsgebiet und belegen, was man vielfach liest, aber mit Vorbehalt aufzunehmen ist, mindestens einen Viertel der Stadt Rom. Der Vatikan an sich ist also nicht statisch.

Beiden Organen steht der Papst in allen drei Gewalten (gesetzgebende, vollziehende und richterliche) vor. Der Staat der Vatikanstadt steht unter der Autorität des Heiligen Stuhles.

*****

Heraldik/Vexillologie im Vatikan: vielen unbekannt

Wir haben jetzt den „Vatikan“ differenzierter beleuchtet. Und nun zur zweiten Frage! Wie sehen das Wappen, das Emblem, die Fahne und das Siegel dieser Organe  aus? Jetzt bin ich wieder auf eine kompetente  heraldische Beratung angewiesen, vor allem auch bei der Fahnen- und Flaggenkunde.

Zuerst starten wir mit dem Stato della Città del Vaticano, dem Staat der Vatikanstadt, dem, wie erwähnt, ein Regierungspräsident in der Person eines Kardinals vorsteht.

Ein selten gesehenes Staatswappen

Hat dieser Staat ein  offizielles Wappen,  wie andere Staaten auch? Ja, du erkennst es nachstehend (auch unter der www-Adresse am Schluss der Abhandlung zu finden):                                 Staatswappen

 Stemma ufficiale dello Stato della Città del Vaticano
Offizielles Wappen des Staates der Vatikanstadt
(aus: Smith/Neubecker, Wappen und Flaggen aller Nationen, Battenberg 1980, S. 57)

Wichtig: Wir beschreiben alle zutreffenden Bilder und Fahnen/Flaggen in dieser Abhandlung aus der Sicht der Leserin/des Lesers, entgegen den heraldischen Gesetzen, wo alles gegenseitig ist (Der Schildträger liest das Wappen an seiner Brust; zu vergleichen mit den Erklärungen an den Zahn- oder Augenarzt.).

Beschreibung (Blasierung) des Staatswappens: Auf hellem, bordeauxrotem (weinrotem) Grund zwei gekreuzte Schlüssel. Der von links nach rechts gezogene in Gelb (Gold), der andere in Weiss (Silber), der goldene über dem silbernen. Die Schlüssel werden am Kreuzungspunkte (Schlüsselkreuzung) durch eine rote Kordel gehalten. Die Enden der bordeauxroten Kordel, die aus den Schlüsselreiden (Griffen, Schlüsselring) hängen, sind am Ende mit einer bordeauroten Quaste geziert. Oberhalb der Schlüssel (je Einbart mit einem Kreuz) die Tiara. Schlüssel, Tiara und Kordel sind in der Praxis zum Teil andersfarbig oder von der Form her leicht abgeändert vorzufinden. Die zwei Bänder (vittae) der Tiara sind mit je 3 lateinischen Kreuzen versehen.

Im Mittelalter war Rot (die Tinktur) die traditionelle päpstliche Farbe (die höchste Instanz in Rot bis ins Jahr 1808). Die Päpstlichen Truppen trugen die Kokarde (das Hoheitszeichen) am Soldatenhut in den Farben Gelb und Rot (eigentlich Amarant, ein dunkles Trübrot). Ab Frühjahr 1808 in den Farben Gelb und Weiss, und zwar zuerst die Nobelgarde. Die heutige Form des Wappens ist im Grundgesetz vom 26.11.2000 festgelegt. Die Tiara und die gekreuzten Schlüssel sind mindestens seit dem 13. Jahrhundert als päpstliches Symbol in Gebrauch.

Die Schlüssel werden durch das Matthäus-Evangelium, Kapitel 16, gestützt:

Mt  16,18: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“

Mt 16,19: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“

Mit dem Vers 19 sind die zwei Schlüssel abgeleitet. Sie werden üblicherweise dem heiligen Petrus, der auf dem Petersplatz (links vor dem Sacrato, Kirchenplatz) zwei Schlüssel in den Händen hält, als Sinnbilder beigegeben. Schon früher erhielten die Päpste nach ihrer Krönung bei der Besitznahme des Laterans zwei Schlüssel, einen goldenen und einen silbernen, die nach Gaetano Moroni „die Macht zu lösen und zu binden“ darstellen sollten. – Gold und Silber (Metalle genannt) ergeben in der Heraldik die Farben Gelb und Weiss.

Anmerkung: im Papstwappen sind die Farben der Schlüssel umgekehrt.

Ein Hoheitszeichen im Vatikan?

Hat der Heilige (Apostolische) Stuhl als nichtstaatliches souveränes Subjekt ein Wappen? Nein, aber ein Emblem! Siehe bei den www-Adressen am Schluss der Abhandlung

Ein Emblem ist ein Hoheitszeichen, in der Heraldik auch Erkennungszeichen genannt:

Hoheitszeichen01

Emblema ufficiale della Santa Sede
Offizielles Emblem des Heiligen Stuhles
Beim rechten silbernen Schlüssel, der weiss gefüllt sein müsste, zwang der Hintergrund zur Wahl einer dezenten Farbe.

Beschreibung (Blasierung) des Emblems: zwei gekreuzte Schlüssel (je Einbart), der von links nach rechts gezogene in Gelb (Gold), der andere in Weiss (Silber), der gelbe über dem weissen. Oberhalb der Schlüssel die Tiara mit den zwei Bändern (vittae) und den je drei lateinischen Kreuzen in Gelb. Die quastenbesetzten roten Enden der roten Kordel werden zuerst durch die Schlüsselreiden (Köpfe)  geführt, dann um den Kreuzungspunkt geschlungen, wo beide Enden lose senkrecht (mittig) nach unten hängen. Auch hier sind die Ausführungen zum Teil leicht unterschiedlich.  Hintergrund (Tinktur) des Emblems: weiss.

Die Unterschiede zwischen dem offiziellen Wappen des Vatikanstaates und dem offiziellen Emblem des Hl. Stuhles:

Der eine Unterschied liegt in der Kordelführung: Im Staatswappen hängen die beiden Enden einzeln aus den Schlüsselköpfen (Reiden), im Emblem hängen sie hintereinander lose vom Schlüsselkreuzungs-Punkt herunter. Zweiter Unterschied: Der Hintergrund  beim Staatswappen ist rot, beim Emblem hingegen weiss.

Stylisiertes (neu gestaltetes) Emblem des Heiligen Stuhles

das auch als  offiziell zu gelten hat:

Emblem01

Unter www.vatican.va  (Hl. Stuhl, Suche „Emblem“) erscheint dieses Emblem. Es wird z. B. von der Sezione Ordinaria des Staatssekretariats, vom L’Osservatore Romano und von der Apostolischen Nuntiatur Schweiz verwendet. Der linke Schlüssel ist gelb (goldig), der rechte darunter weiss (silbern). Die rote Kordel wird um den Kreuzungspunkt geschlungen, durch die Schlüsselreiden geführt und in der Mitte der beiden Reiden geschnürt. Die dominanten, quastenbesetzten gelben Enden hängen herunter. Weder Tiara- noch Schlüsselform noch die Tiarabänder entsprechen hier dem offiziellen Emblem. Es ist in verschiedenen Ausführungen zu sehen, die Kordelenden sind aber immer in der Mitte geschnürt. Dieses stylisierte Emblem führt die Schweizergarde seit 1959 in ihren Jahresberichten.

Wirksame Staatsflagge

Welche offizielle Fahne/Flagge führt der Staat der Vatikanstadt?

Wir kennen die bunte Schweizergardisten-Abteilung, die beim Urbi-et-orbi-Segen auf den Petersplatz marschiert. Ihr voran die Fahne des Staates der Vatikanstadt (also nicht das Emblem des Heiligen Stuhles noch die Kommandantenfahne), präsentiert vom Feldweibel (Adjutanten) der Päpstlichen Schweizergarde und begleitet von der Fahnenwache mit Schlagschwertern. Im Verlaufe des gegenseitigen An- und Abmeldens beider Abteilungen (Garde und italienische Armee)  grüssen die Kommandierenden die Fahnen.

Staatsfahne01

Bandiera dello Stato della Città del Vaticano
Fahne des Staates der Vatikanstadt
Siehe www-Adresse am Schluss der Abhandlung
Regel: Eine Flagge zieht man am Flaggenmast hoch, die Fahne ist an kurzer Stange befestigt. Die Schweizerfahne offiziell mit 26 Nägeln. Eine Flagge ist ohne Eigenwert oder bleibenden Charakter. Ihr Ursprung kommt von der Seefahrt.

Die Bestimmungen zur Fahne des Vatikanstaates werden im neuen Grundgesetz des Vatikanstaates vom 26.11.2000 in Artikel 20 festgehalten:

Die Fahne des Vatikanstaates besteht aus zwei senkrecht geteilten Feldern, ein am Fahnenmast hängendes gelbes Feld und ein weisses, das die Tiara mit den Schlüsseln darstellt. An der Spitze der Fahnenstange befindet sich eine Lanze,  die mit einer Bandrosette in den päpstlichen Farben verziert ist (zwei mit Fransen verzierte Bänder, cravatte della bandiera, in den Farben Gelb und Weiss, farbenverkehrt).

Die Fahne/Flagge des Staates der Vatikanstadt ist, wie die Fahne/Flagge der Schweizerischen Eidgenossenschaft, quadratisch. Alle übrigen 193 Staatsfahnen bzw. Staatsflaggen auf unserem Erdkreis sind im Verhältnis 1 : 2 oder 2 : 3 geschaffen, ausgenommen ist hier die Flagge Nepals mit zwei übereinander gesetzten Dreiecken (Doppelwimpel [Seitenspitzen] für Hinduismus und Buddhismus). Die Fahne/Flagge des Vatikanstaates  wird öfters nicht in quadratischer Form verwendet (sondern z. B. 1 : 2). Die quadratische Flagge ist aber de jure offizielle Flagge, während die nicht quadratische Version de facto auch offiziell gehandhabt wird und daher als anerkannte Variante angesehen werden muss. – Die quadratische Form des schweizerischen Hoheitszeichens soll auf ein militärisches Zeichen, der quadratischen Standarte, zurückgehen. – Nachzuholen ist hier die Flagge der Schweizer Hochseeschiffe, die seit 1953 rechteckig flattert. Ebenso rechteckig sollte das Schweizer Wappen bei schweizerischen Flugzeugen gemäss der Verordnung des BAZL über die Kennzeichen der Luftfahrzeuge, Art. 6, angebracht werden.

Die Flagge des Staates der Vatikanstadt ist in der gleichen Weise wie alle anderen Nationalflaggen durch Artikel 299 des italienischen Strafgesetzbuches geschützt.

1808 verschmolz Napoleon das päpstliche Heer mit dem seinen; daher benötigte Papst Pius VII. neue Farben: gelb und weiss, abgeleitet von den Schlüsseln Petri. Der Überlieferung nach gehen sie aber auf das Wappen des Kreuzfahrer-Königreiches Jerusalem zurück.

Die heutige Flagge war bis im Jahre 1929 die persönliche Flagge des Papstes. Nach Errichtung des Staates der Vatikanstadt wurde sie die Flagge des neuen Staates, offiziell gehisst am 8. Juni 1929. Am Schlusse des Artikels sind www-Namen aufgeführt, unter denen die Geschichte der Flagge nachzulesen ist. Dienen kann auch ein Artikel im „Der Exgardist“ Nr. 64, Seite 107.

Kritik eines bekannten Heraldikers

Der verstorbene Schweizer Erzbischof und Heraldiker, Bruno Bernard Heim, beklagt sich in seinem Buch „Heraldry in the catholic church“ (siehe Buchhinweis am Schluss der Abhandlung) über die offizielle Vatikanflagge. Es sei völlig unverständlich, einen silbernen (weissen) Schlüssel in einen weissen Hintergrund zu platzieren. Dieser Schlüssel gehe damit fast unter. Heim erstellte einen Vorschlag: Er bringt die päpstlichen Insignien Tiara und Schlüssel in einen roten Hintergrund und das Emblem in die Mitte der  Flagge. Es blieb anscheinend beim Vorschlag, auch bei anderen Ideen:

Kritik an der Heraltik2

Die Pontifikalen Insignien
Tiara und Schlüssel,
öfters auf demThron-
sessel des Papstes oder
darüber zu sehen, aber
zzt. nicht mit dem
Heim’schen Vorschlag.
Das Wappen des
Papsttums und der
Vatikanstadt (in der
Zentralfahne der Ex-
gardisten unten
rechts, Feld 4 in
ähnlicher Weise von
Heim).
Der Vorschlag  von Heraldiker und
Erzbischof Bruno Heim:
N
eue Staatsflagge für den Staat
der Vatikanstadt. Sie sei
heraldisch besser vertretbar.

Das offizielle Siegel (sigillo ufficiale) des Vatikanstaates

offizielle Siegel 01

Beschreibung des Siegels: Zwei Schlüssel, diesmal der rechte über den linken geführt. Die Tiara befindet sich mit den Bändern oberhalb der Schlüsselbärte.  Die Kordelenden mit den Quasten sind, eingeengt durch die Kreisform der Siegelränder, von den Schlüsselköpfen im Halbkreis nach aussen geführt. Auf dem Siegelrand die Worte: STATO DELLA CITTA DEL VATICANO. Keine Füllfarben. Dieses Siegel ist ein Wappensiegel im Gegensatz etwa zu einem Porträtsiegel.

Das Siegel (lat. Sigillum) ist eine Form der Beglaubigung von Urkunden oder eine Sicherstellung (Verschluss) der Unversehrtheit von Gegenständen oder Behältnissen (Briefumschlag, Tür) mithilfe eines Siegelstempels oder, sphragistisch (siegelkundlich) korrekt, eines Typars, der in eine weiche, erhärtende Masse (Siegelklumpen aus Siegellack, Wachs, früher Ton usw.) gedrückt wird. Der Siegelbruch, das unberechtigte Zerstören eines Siegels, das durch eine Behörde, einen Amtsträger oder sonst dienstlich angebracht wurde, ist in Deutschland strafbar.

Dieses offizielle Siegel des Vatikanstaates ist nicht zu verwechseln mit dem eigenen Siegel des Papstes. Gemäss der Apostolischen Konstitution „Universi Dominici Gregis“ vom 22.02.1996, Kapitel II, Nr. 13 g, hat der Camerlengo das Bleisiegel, mit denen die apostolischen Schreiben versehen werden und den Fischerring des verstorbenen Papstes zu vernichten.  Ebenso werden nach seinem Tod gemäss Kapitel III, Nr. 15,  Arbeitszimmer und Privatgemächer des verstorbenen Papstes versiegelt.

Die vier Themenkreise „Staatswappen, Emblem, Flagge und Siegel“ des Staates der Vatikanstadt bzw. des Heiligen (Apostolischen) Stuhles sind damit geklärt.

                                                                   *****

Werden die heraldischen und vexillologischen  Gegebenheiten im Vatikan berücksichtigt?

Entsprechen die Gendarmerie-Uniform und die Tracht (Uniform) der Schweizergarde, gar die Sektionsfahnen der ehemaligen Schweizergardisten und deren Zentralfahne in der Schweiz  den heraldischen Vorgaben?

Rückschlüsse auf die vatikanische Gendarmerie-Uniform

Das Korps der Gendarmerie des Staates der Vatikanstadt sollte also auf seinen Uniformen das Wappen des Staates der Vatikanstadt tragen. Sie trug bis zum Ende des alten Kirchenstaates 1870 immer eine dunkelblaue Uniform. Die Päpstliche Artillerie immer türkis und die Dragoner dunkelgrün. Die jetzige Uniform der Gendarmerie, ab September 2008 getragen, ist aber in Königsblau gehalten. Auch die Vorgängerin, zum ersten Mal am 25. März 1991 eingekleidet, war in Königsblau.

Es gilt nun festzustellen, wo bei dieser nachstehenden Uniform Heraldik vorzufinden ist:

Uniform Heratik

Bild: Die jetzige Gala-Uniform des Korps der Gendarmerie des Staates der Vatikanstadt (ab September 2008), offiziell  Divisa cerimoniale   genannt.

Sie wird zu Zeremonien und bei Papstauftritten getragen. Auf der Schulter die Gradierung, hier ein „Ispettore“. Weiter die zwei Halsspiegel, oberhalb der rechten Brusttasche das Abzeichen für „Fallschirmspringer“. Oberhalb der linken Brusttasche der Stoffstab (Ribbon), der z. B. absolvierte Kurse oder die Anzahl Dienstjahre angibt. An der linken Brusttasche ist die Korpsplakette angeheftet. In der Mitte wird die Jacke durch die Korpsknöpfe gehalten.

Gendarm 1 Foto Stefan Meier 103  

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA


Arbeitsuniform
Von Frühling bis Herbst
getragen mit Patte, Hals- und Oberarm-Spiegel,  ohne Stoffstab und Korpsplakette, Gurt. Im Hochsommer ersetzt ein weisses Hemd  die Jacke.
Winteruniform (divisa invernale, auch giaccone genannt)
mit Patte, Hals- und Oberarm-Spiegel, Gurt, ohne  Korpsplakette und Stoffstab. (‚Oberarmspiegel‘ könnte modern mit  „badge“ (engl. Abzeichen] bezeichnet werden)

FORTSETZUNG siehe: Heraldik des Vatikan (2).