Orden u. Verdienstauszeichnungen des Hl. Stuhles: Zs.fass.

Orden u. Verdienstauszeichnungen des Hl. Stuhles: (Zs.fass.)

Vorerst zur

Ordenskunde (Phaleristik)

Der Ritter, die Dame
Damenauszeichnungen des Hl. Stuhles seit 1996 für Orden 3 bis 5 (siehe nachfolgend).

Mittelhochdeutsch: Reiter, franz. chevalier, ital. cavaliere (cavaliere [cav.], span. caballero. Es ist die Bezeichnung für den wehrhaften, schwer gerüsteten und in der Regel adeligen berittenen Krieger des europäischen Mittelalters.

Ab dem 11. Jahrhundert etablierten sich neben adligen Grundherren auch unfreie Hofbeamte (Ministerialen) als Ritter. Sie gingen im 13. und 14. Jahrhundert im niederen Adel auf und wurden zum Kern des Ritterstandes. Im Hochmittelalter schufen sich daneben auch die Ministerialengeschlechter selber und sogar Klöster eigene Gefolgschaften, die sich als Ritter bezeichneten. In einem feierlichen Akt mit Ritterschlag wurde man vom Herrscher oder einem anderen Adeligen zum Ritter erhoben. Ab dem 13. Jahrhundert bildeten Ritter einen erblichen Stand. Die Anerkennung als Ritter durch Eintrag (Immatrikulation) in entsprechende Adelsregister konnte teilweise noch bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein entscheidend dafür sein, ob ein Recht auf Sitz und Stimme im Landtag bestand, so etwa im Baltikum.

Der Komtur, die Komtur-Dame

(italienisch: il commendatore, der Befehlshaber)

Der Komtur war bei den geistlichen Ritterorden der Obere einer Kommende (auch Komturei, Ritterkloster). Er war Statthalter des Gross- bzw. Hochmeisters, also derjenige Ritter, dem die Güter des Ordens für Rechnung desselben zur Verwaltung anvertraut (commendare) waren. Im Weiteren übte der Komtur die Landverleihung, das Steuerwesen und die Gerichtsbarkeit aus.

In der Ordenskunde ist der Komtur üblicherweise die am Hals zu tragende vierthöchste Klasse eines (Verdienst-)Ordens. Er kann weiter differenziert werden, häufig durch Hinzufügung eines Sterns:

Komtur (Komtur-Dame) mit Stern  oder von Schwertern  (dritthöchste Klasse)

Als zweithöchste Klasse kennt man

Den Grosskreuz-Ritter bzw. die Grosskreuz-Dame

(Deutschland:  Eisernes Kreuz)

Der Kollarritter, die Kollardame

(von lat. collare, Halsband), auch römischer Kragen bzw.  scherzhaft auch Halseisen, Gipskragen oder Kalkleiste genannt. Höchste Klassen-Auszeichnung.

Es ist der ringförmige Kragen bei katholischen, lutherischen oder anglikanischen Priestern. Es ist ein Zeichen der Zugehörigkeit zum jeweiligen Klerus.

Verdienst-Orden des Hl. Stuhles:

Christusorden (eine Klasse)
Höchste Auszeichnung

14.03.1319: Stiftung des portugiesischen Christusordens. Auch der Hl. Stuhl erhielt das Recht, diesen Orden zu verleihen. Diese zwei Zweige bestehen bis heute. Auszeichnung an Staatshäupter und hervorragende Staatsmänner, z. B.:

1885 an Otto von Bismarck (bis jetzt einziger Protestant)
1963 an Bundeskanzler Konrad Adenauer

Orden vom Goldenen Sporn (eine Kl.)
Zweithöchste Auszeichnung
Malteserkreuz mit angehängtem goldenen Sporn (Mehrzahl: die Sporen)

Auf 100 Mitglieder beschränkt. Auszeichnung an Laien wie Kleriker, z. B.:

1574   an Carlo Maderno
1586   an Domencio Fontana für die Leistung der Obelisk-Verschiebung
1770   an Wolfgang Amadeus Mozart
1826   an Niccolo Paganini, Franz Liszt
1956   an Konrad Adenauer

Titel        „Cavaliere vom goldenen Sporn“
Privileg    hoch zu Pferd in eine Kirche reiten

Piusorden (fünf Klassen)
Dritthöchste Auszeichnung an Damen und Herren
Von Pius IX. am 17.06.1847 gestiftet

Achtspitziger, golden gefasster dunkelblauer Stern mit goldenen Flammen zwischen den Armen. In der Mitte befindet sich ein weisses Schild mit dem Namen „Pius IX.“ Um den Schild läuft ein goldener Rand mit der Devise „virtuti et merito“. Auf der Rückseite befindet sich die Jahreszahl MDCCCXLVII  (1847).

Fünf Klassen:

– Ritter, Dame mit Schulterband
– Grosskreuz-Ritter, -Dame
– Komtur mit Stern
– Komtur
– Ritter, Dame

Nur der Ritter, die Dame erster Klasse’  trägt den Orden an einem blauen, doppelt mit Purpur geränderten Band um den Hals, dazu einen kleinen silbernen Bruststern in gleicher Form. Die anderen Klassen erhalten den Piusorden als Brustorden.

Für Laien wie Kleriker vorgesehen. Beispiele:

1956     an Aussenminister Robert Schumann, Frankreich
1994     an Kurt Waldheim, Bundespräsident von Oesterreich
2004     an Johannes Rau, Bundespräsident von Deutschland
Privilegien: keine besonderen

Gregoriusorden (drei Klassen)
Vierthöchster Orden
Von Gregor XVI. am 01.09.1831 gestiftet

Eine der höchsten Auszeichnungen an Laien. Seit 02.06.1993 auch an Frauen (Damen).

Achtzackiges, goldenes, rot emailliertes Kreuz, auf der Vorderseite des blauen Mittelschildes das Bild Gregor des Grossen. Der Orden wird an einem roten, gelb geränderten Band getragen.

Drei Klassen:

– Grosskreuz-Dame, Grosskreuz-Ritter
– Komtur (-Dame) mit Stern
– Dame und Ritter

Auszeichnungs-Auswahl ab dem Jahre 2002:

2002 an den österreichischen Innenminister Dr. Ernst Strasser (war sehr              umstritten), erste Klasse
2005 an den rheinland-pfälzischen Justizminister Otto Theisen
2006 an Prof. Robert Bachmann, Schweizer Komponist, Dirigent und Medienschaffender, zweite Klasse
2008 an Fürstin Gloria von Thurn und Taxis

Privilegien: mit dem Pferd in den Petersdom reiten (nicht praktiziertes Recht)

Silvesterorden (vier Klassen)
Fünfthöchste Auszeichnung:

1841 von Gregor XVI. gestiftet, von Pius X. 1905 erneuert. Er bezieht sich auf Silvester I. (314 bis 315).

Achtzackiges, goldenes, weiss emailliertes Kreuz auf der Vorderseite des schwarzen Mittelschildes das Bild Silvester I. Der Orden wird an einem schwarzen, dreifach rot geränderten Band getragen.

Vier Klassen:

– Grosskreuz-Dame (seit 1905), Grosskreuz-Ritter
– Komtur (-Dame) mit Stern
– Komtur
– Ritter, Dame

Viele Auszeichnungen an hier unbekannte Persönlichkeiten.

Privilegien: Sie haben das Recht,

–     sich die Silvesteruniform schneidern zu lassen und sie zu tragen

–     sich das Silvesterschwert schmieden zu lassen und es zu tragen
–     auf einem Pferd die Treppen zum Petersdom hinaufzureiten

Verdienst-Auszeichnungen des Hl. Stuhles

Verdienstkreuz „Pro Ecclesia et Pontifice“

„Für Kirche und Papst“
Höchste Verdienstauszeichnung (eine) von Leo XIII. (1878 bis 1903) am 17.07.1888 gestiftet aus Anlass seines Goldenen Priesterjubiläums.

Das Kreuz wurde in Gold, Silber und Bronze verliehen, heute in Gold. Die Gestaltung variiert von Papst zu Papst. Das Verdienstkreuz wird an der linken Brust getragen.

Für Männer und Damen gleichermassen. Sie wird – im Gegensatz zu den päpstlichen Orden – auch an Personen des Ordensstandes (z. B. an Schwestern, Brüder, Patres usw.) abgegeben.

Verdienstmedaille „Benemerenti“ (eine Auszeichnung)

„Dem, der sich verdient gemacht hat“. „Dem Wohlverdienten“

Zweithöchste Verdienstauszeichnung. Erstmals unter Pius VII. (1775 bis 1799) verliehen.

Bis zum Ende des alten Kirchenstaates (1870) diente sie ausschliesslich als Auszeichnung für Leistungen in der päpstlichen Armee. 1881 verlieh Leo XIII. allen ehemaligen päpstlichen Zuaven, die im September 1870 für die Freiheit des Heiligen Stuhles gefochten hatten, dieses Verdienstzeichen.

Ausführung: verschieden gefertigt. Sie wird aber immer an einem gelb-weissen Band an der linken Brust getragen.

Abgabe: wie bei der Pro Ecclesia et Pontifice. Pro Jahr rund 900 Auszeichnungen. In der Schweiz im Bistum Basel am meisten.

Es gibt die gleiche Auszeichnung „bene merenti“ bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, in Rumänien als Auszeichnung für Wissenschaft und Kunst, die Stadt Lübeck nennt die Gedenkmünze Bene Merenti als ihre höchste Auszeichnung und das Hohenzollernsche Fürstentum kennt die Medaille Bene Merenti des Regierenden Hauses.

Besonderheiten

Papstschwert

Es ist eine päpstliche Auszeichnung für Männer, die sich um die katholische Kirche besonders verdient gemacht haben. Das Papstschwert löste die „Goldene Rose“ ab (siehe nachstehend), die als päpstliches Ehrengeschenk nach Einführung des Papstschwertes nunmehr Frauen vorbehalten bleibt. Praxis zzt. unbekannt.

Die Goldene Rose
Auch Papstrose, Tugendrose (lat. Rosa aurea)

Sie ist eine päpstliche Auszeichnung. Die Rose ist eine aus Gold geschmiedete Blüte, die mit wohlriechenden Essenzen (Balsam, Weihrauch, Weihwasser) gefüllt ist. Jährlich wurde eine  neue Rose durch einen Goldschmied im Auftrag des Papstes angefertigt, die dann am vierten Fastensonntag, dem Sonntag Lätare (Rosensonntag), einer Persönlichkeit, einem Staat oder einer Organisation verliehen wurde, die sich um die katholische Kirche besonders verdient gemacht hatte.

Eine der ersten Goldenen Rosen schenkte Papst Urban II. 1096 dem Grafen von Anjou.

Ursprünglich war die Auszeichnung Männern vorbehalten. Als sie später aber auch auf Frauen überging, nannte man sie meist „Tugendrose“. Männer wurden seit dieser Zeit mit dem Papstschwert ausgezeichnet. 1925 wurde die belgische Königin Elisabeth vom Papst mit der Goldenen Rose geehrt. Die letzte Person, die die Tugendrose erhielt, war Grossherzogin Charlotte von Luxemburg im Jahre 1956.

Papst Johannes Paul II. hat die besondere Auszeichnung an die grossen Wallfahrtsorte Tschenstochau, Loreto, Knock in Irland und an Lourdes, sein Nachfolger Benedikt XVI. an Mariazell, Aparecida (Brasilien), Altötting (am 15.08.08 durch Kardinal Meisner), an die Gottesmutter von Bonaria in Cagliari (07.09.08), am 19.10.08 an die Maria vom Rosenkranz, Pompeji vergeben.
Papst Franziskus brachte die „Goldene Rose“ am 12./13. Mai 2017 nach Fatima (Erscheinungskapelle).

→Orden (genauer Stand)

Ritterorden vom Heiligen Grab in Jerusalem (5 Auszeichnungen)

Dieser Orden kann seinen Ursprung bis in die Zeit der Kreuzzüge zurückverfolgen und hängt mit der damals entstandenen Gewohnheit zusammen, den Ritterschlag am Heiligen Grab in Jerusalem zu empfangen. Papst Alexander VI. (1492-1503) erklärte sich zum Grossmeister des Ordens und übertrug den Franziskanern in Jerusalem das Recht, in seinem Namen und dem der Römischen Kirche den Ritter schlag zu erteilen. 1994 bestimmte Johannes Paul II. die Muttergottes, die Königin von Palästina, zur Patronin des Ordens. Der Orden steht unter dem Schutz des Hl. Stuhles und durch den Kardinal-Grossmeister in Rom geleitet (Palazzo della Rovere, Via della Conciliazione). Der Lateinische Patriarch in Jerusalem ist Grossprior des Ordens.

Juristischer Sitz                            Vatikanstaat

Sitz der geistlichen Aktivitäten      Kloster neben der Kirche San Onofrio al
Gianicolo in Rom

Wappen               Das traditionelle rote fünffache Jerusalemkreuz auf silbernem Grund

Leitmotiv              Deus lo vult – Gott will es

Rangstufen          –  Ritter/Dame
–  Komtur/Komtur-Dame
–  Komtur mit Stern, Komtur-Dame mit Stern
–  Grosskreuz-Ritter, Grosskreuz-Dame
–  Kollarritter/Kollardame

Ordenskleidung

Ritter     Langer Mantel aus elfen beinweissem Tuch mit  fünffachem rotem
Jerusalemkreuz unter der linken Schulter sowie einem schwarzen Berett

Dame    Ein schwarzer Mantel mit dem fünffachen roten Jerusalemkreuz und ein
schwarzer Schleier

Souveräner Malteser Ritterorden

Oder: Souveräner Ritterorden des Hospitals vom hl. Johannes zu Jerusalem, Rhodos und Malta

Unter dem Schutz des Heiligen Stuhles

→Kreuzzüge
→Päpste, Innozenz III.

Zusammenfassung

Verdienst-Orden des Heiligen (Apostolischen) Stuhles:

1. Christusorden (1 Klasse)
2. Orden vom Goldenen Sporn (1)
3. Piusorden (5*)
4. Gregoriusorden (3)
5. Silvesterorden (4)

*1 Kollar-Ritter, Kollar-Dame
2 Grosskreuz-Ritter Grosskreuz-Dame
3 Komtur (-Dame) mit Kreuz
4 Komtur (-Dame)
5 Ritter, Dame

Verdienstauszeichnungen des Heiligen (Apostolischen) Stuhls

1. Verdienstkreuz „Pro Ecclesia et Pontifice“ (1 Klasse in Gold)
2. Verdienstmedaille „Benemerenti“ (1)

Besonderheiten

a) Ritterorden vom Heiligen Grab in Jerusalem (5)
b) Souveräner Malteser Ritterorden
c) Papstschwert
d) Die Goldene Rose

→Der Staat der Vatikanstadt kennt keine Auszeichnungen, wiewohl seine Bürgerinnen und Bürger, seine Einwohnerinnen und Einwohner oder seine Mitarbeitenden vom Heiligen Stuhl aber ausgezeichnet werden können.