Ma bis Md

Malteser-Orden (Ritterorden)

  Flagge des Malteser-Ordens

OR Nr. 22 vom 1. Juni 2012, S. 6, Bernhard Hülsebusch:
(Zusammenfassung WA)

Der Malteserorden heute – Verteidigung des Glaubens, Krankenpflege, Erste Hilfe
„Was ist denn bloss S.M.O.M.“? Zahllose Pilger und Touristen, auch aus dem deutschsprachigen Raum, lernen in der italienischen Hauptstadt zwar schnell, dass → Autos mit dem Kennzeichen SCV (Stato della Città del Vaticano) aus dem Vatikan kommen – aber  S.M.O.M. auf dem Nummernschild gibt ihnen Rätsel auf. Nun, das Kürzel steht für „Sovrano Militare Ordine di Malta“. Also für ein eigenständiges Völkerrechtssubjekt mit Sitz in Rom. Der Malteserorden – ein Phänomen ohnegleichen.

Souverän, jedoch indirekt vom Papst abhängig – eine kleine katholische Wahlmonarchie ohne Land -, aber mit diplomatischen Beziehungen zu 104 Staaten und mit medizinisch-humanitären Aktivitäten in 120 Ländern: der S.M.O.M. ist ein einzigartiges Gebilde. Er betreibt Krankenhäuser, Ambulatorien, Altersheime, und er leitet Corps von Freiwilligen für „Erste Hilfe“. Die spezielle Abteilung „Malteser International“ steht den Opfern von Naturkatastrophen sowie bewaffneten Konflikten bei. Über ein Sonderkomitee kämpfen die Malteser auch gegen die Leprakrankheit, die in manchen Gebieten der Dritten Welt leider noch immer nicht ausgemerzt ist.

Kurzum, ein sehr vielfältiges Panorama. In seiner „Hauptstadt“ Rom besitzt der Ritterorden zwei Anwesen mit exterritorialem Status: Palazzo Magistrale in der zentralen Via Condotti (gegenüber Bulgari) – und die historische Villa Magistrale auf dem Aventinhügel, konkret: an der schönen „Piazza dei Cavalieri di Malta“ (Guckloch!). Diese von einem Park umgebene Villa, in der die Malteserritter u. a. ihren „Grossmeister“ wählen (→Anticamera), ist (obschon indirekt) auch ein Touristenattraktion. Denn durch das Schlüsselloch ihres Tores öffnet sich ein Postkartenblick auf den Petersdom!

Als „Regierungssitz“ des S.M.O.M. dient der Palazzo in der Via Condotti (Luxus-Einkaufsstrasse). Rechnet man Ritter und Damen zusammen, hat dieser Orden jetzt weltweit 13’500 Mitglieder. Der prominenteste Ritter ist Benedikt XVI., der vor 14 Jahren als Kurienkardinal in den Orden trat. Der Orden hat 3 Kategorien:

  • „Professritter“: 1. Kategorie. Durchwegs Männer (meist Adelige), die die Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams ablegen.
  • Für die Angehörigen der 2. Klasse genügt die Verpflichtung zu einem wahrhaft  christlichen Leben.
  • Auch die 3. Kategorie soll sich zu den christlichen Idealen bekennen und sich  besonders dem Kranken- und Sozialdienst widmen – in dieser Klasse auch finden auch Frauen Aufnahme.
      Halskreuz des Ehren- und Devotions-Ritters
    Grossmeister“ kann freilich nur ein Aristokrat aus den Reihen der Professritter werden. Er wird auf Lebenszeit gewählt, seine Wahl muss vom Papst bestätigt werden. Seit 2008 amtiert der Engländer Fra’ Matthew Festing als Grossmeister. Er wird, wie ein Kardinal, mit „Eminenz“ angeredet.

Seit Mitte des 20. Jahrhundert erlebt der in mehrere Priorate sowie 47 Landesverbänden gegliederte, traditionsreiche Orden, der sich hauptsächlich durch staatliche Zuschüsse finanziert, einen deutlichen Strukturwandel. Denn sowohl die Zahl der Mönche wie auch der Adeligen ging rapide zurück. Die meisten Mitglieder sind nun Laien, die sich der christlichen Caritas widmen. Eine Verpflichtung also zur tätigen Nächstenliebe. Der Orden ist weiterhin ein Ritterorden, auch wenn die Mehrzahl der Mitglieder nicht mehr aus Adelskreisen stammt. Zugelassen werden nur Personen „von unumstrittener Moralität und religiöser Praxis“ – Personen, die sich Verdienste um die Kirche und den Orden erwarben.

Mitarbeiter in vielen Ländern:

80’000 im Kranken- und Sozialdienst „trainierte“ Freiwillige sowie rund 20’000 Ärzte, Sanitäter, Pfleger.

Niederlassungen im deutschen Sprachraum:

  • In Österreich befindet sich ein Malteserhaus St. Elisabeth in Wien, dazu vielerlei Hilfen für Alte und Kranke, darunter auch Aids-Patienten. Im „Malteser Hospitaldienst Austria“ (MHDA) sind 1’200 Freiwillige aktiv – vornehmlich bei der medizinischen Versorgung von betagten und behinderten Menschen.
  • Weit massiver als in Österreich ist der Malteser-Einsatz in Deutschland:

Was der Orden leistet, nötigt wahrlich Respekt ab: Er betreibt 8 Krankenhäuser, 22 Altenheime, 27 Wohnheime für Jugendliche und Drogenabhängige sowie 8 Häuser für Asylanten.. Im Jahre 2009 betreuten die Mitarbeiter/innen des deutschen Malteserverbandes fast 8’000 todkranke Menschen. Nicht zu vergessen ist die von Maltesern geleistete Erste Hilfe bei Massenveranstaltungen, z. B. bei den Gottesdiensten während des Papstbesuches 2011 in Deutschland.

Der Malteserorden ist nebst den Rittern vom Heiligen Grab von Jerusalem ein Päpstlicher Ritterorden. Der administrative Sitz der Ritter vom Heiligen Grab befindet sich an der Via della Conciliazione 29, Rom, wo sich zugleich ihr Hotel ****Columbus befindet. (→Vatikan, Papstbote, Adressen Conciliazione links)

St. Vogler, Mitteilungsblatt 31.08.2017: Der Malteser-Orden  besitzt zahlreiche Immobilien und grosse Ländereien. In Italien ist der Malteserorden der grösste Getreideproduzent, unterhalten werden auch Tabakfelder und grosse Weingüter. Der Orden gliedert sich in 3 Stufen; Normalsterbliche findet man im zweiten oder dritten Stand.

OR Nr. 26 vom 28. Juni 2013, S. 3
Malteser-Orden Schweiz feierte sein 900-Jahr-Jubiläum

Über 100 Ritter und Damen des Malteserordens Schweiz sowie über 50 Mitglieder des Malteser Hilfsdienstes trafen sich am 22. und 23. Juni 2013 in Schwyz zu ihrem Jahrestreffen. Der Anlass stand laut Medienmitteilung ganz im Zeichen des 900-Jahr-Jubiläums dieses religiösen Laienordens, der weltweit zahlreiche Spitäler und Altenheime unterstützt. – Die Jubiläumsfeierlichkeiten begannen mit einem Vortrag über die erste Ordensregel des Malteserordens, die der zweite Grossmeister Raymond de Pury um 1120 geschrieben hat. Aus diesem Anlass wird die älteste noch erhaltene Abschrift der Regel aus dem Jahre 1253, die sonst im Staatsarchiv des Kantons Aargau aufbewahrt wird, im Bundesbriefmuseum in Schwyz ausgestellt. Am Sonntag fand in der Pfarrkirche St. Martin in Schwyz der Festgottesdienst statt, dem der Churer Weihbischof Marian Eleganti als Hauptzelebrant vorstand. Beim Gottesdienst wurden auch neue Mitglieder in den Orden aufgenommen. Künftige Ritter und Damen werden jeweils durch den Delegationsvorstand vorgeschlagen. Über eine Aufnahme entscheidet letztlich der Grossmeister des Ordens mit Unterstützung des souveränen Rates. Präsident der „Helvetischen Assoziation des Souveränen Malteser Ritter- und Hospitalordens“ ist Gilles de Weck. Heute gehört der Malteserorden zu den bedeutendsten weltweit tätigen Hilfsorganisationen. Weltweit gehören dem Oden rund 13’500 Ritter und Damen an.  Der Orden ist im Jahre 1113 von Papst Paschalls II. anerkannt worden.

WA, 8. November 2014
Kardinal Raymond Leo Burke wird Kardinalpatron des Malteser Ordens

Der Amerikaner Burke zeigte sich an der Bischofssynode im Oktober 2014 äusserst unglücklich über die Diskussionen und Abstimmungen. Als Bewahrer der Kirche bete er für all die Verwirrungen, die stattgefunden hätten. Er rief unter anderem die Gläubigen auf, an Papst Franziskus zu schreiben. Ihn bat er, die Themen der Bischofssynode 2014 an der nächsten Bischofssynode 2015 nicht mehr zu behandeln. Nun wurde er „abgesetzt“ und wird Kardinalpatron des Malteser Ordens, d. h. dessen geistlicher Führer mit Hauptsitz an der Via dei Condotti 68 (Strasse der Gemeindeärzte) in Rom (Palazzo di Malta). Vor seiner „Absetzung“ präsidierte Burke als Präfekt den Obersten Gerichtshof der Apostolischen Signatur (Abteilung) der katholischen Kirche (Palazzo della Cancelleria, Piazza della Cancelleria 1, Rom). Er kann mit seinem neuen Amt nicht mehr an der Bischofssynode 2015 teilnehmen.

Kirche heute 7/2017, Februar,  S. 2
Krisenmanager für Malteserorden

Nach dem Konflikt zwischen dem Vatikan und den Maltesern hat Papst Franziskus den angekündigten Sonderbeauftragten für den Orden ernannt: Er betraute den vatikanischen Innenminister Giovanni Angelo Becciu mit dieser Aufgabe, wie der Vatikan bekanntgab. Becciu solle ein Versöhnung unter den Ordensmitgliedern fördern, heisst es in einem Brief des Papstes an den Innenminister. Zugleich beauftragte Franziskus den italienischen Kurienerzbischof mit einer „spirituellen und moralischen Erneuerung“ der Malteser. Der vatikanische Innenminister soll bis zur Wahl eines neuen Grossmeisters der Malteser im Amt bleiben.

Gleiche Seite: Wer sind die Malteser?
Nach der Eroberung von Rhodos durch die Osmanen fand der Johanniterorden auf Malta eine neue Heimat und bewahrte, nun als Malteserorden, seine Souveränität. Der Malteserorden ist einerseits ein geistlicher Ritterorden, dessen oberste Rangklasse dem Papst Armut, Keuschheit und Gehorsam gelobt, andererseits hat der Orden den Status eines Völkerrechtssubjekts. Ursprung des Johanniterordens ist ein Hospital mit karitativen Aufgaben für Pilger, das im 11. Jahrhundert in Jerusalem gegründet worden war und nach dem ersten Kreuzzug (1096-99. Papst Urban II.: 1097 Eroberung von Nizäa/Türkei, 1099: Erstürmung von Jerusalem) als eigene Gemeinschaft grössere Unabhängigkeit erlangt hatte. Auf Rhodos entstand später ein eigenständiger Ritterstaat der Johanniter.

Kath. Wochenzeitung Baden CH 17/2017 April, S. 4, Anian Wimmer
Vatikan befiehlt offenbar Matthew Festing, ehemaliger Grossmeister, nicht nach Rom zur Wahl bei Maltesern zu kommen.

Erzbischof Angelo Becciu, der päpstliche Sonderbeauftragte für den Souveränen Malteserorden, hat Fra‘ Matthew Festing, ehemaliger Grossmeister des Ordens, angewiesen, nicht nach Rom zu kommen zur Wahl seines Nachfolgers; das berichtet der Vatikanist des „National Catholic Register (NCR), Edward Pentin.
Der NCR hat auch das Schreiben vom 15. April 2017 veröffentlicht, in dem das Reise-Verbot ausgesprochen wird. Darin schreibt Erzbischof Becciu, dass viele im Orden „den Wunsch ausgesprochen“ hätten, dass Fra‘ Festing am 29. April 2017 nicht zur Wahl kommen möge, weil sie fühlten, dass dies „Wunden wieder aufreissen“ könnte und eine Rückkehr zur Harmonie nach dem Streit Anfang des Jahres über die Entlassung und dann Wieder-Einsetzung von Freiherr Albrecht von Boeselager als Grosskanzler unmöglich wurde.
Der Erzbischof sagte, er habe „diese Entscheidung mit dem Heiligen Vater besprochen“ und dass Festing deshalb als „Akt des Gehorsams“ nicht nach Rom reisen sollte – so Pentin weiter. Der Vatikanist bewertet diese Nachricht als überraschend, weil Quellen im Orden zufolge Festing, der auf Anweisung von Franziskus im Januar zurücktrat, weiterhin sehr beliebt sei und sogar wiedergewählt werden könnte. Der Papst habe zudem bereits gesagt, dass er eine Wiederwahl Festings akzeptieren würde, so Pentin weiter; somit werteten einige Mitglieder des Ordens das Reiseverbot als Versuch, Einfluss auf die Wahl eines neuen Grossmeisters zu nehmen.

OR Nr. 18 vom 05.05.2017, S. 4
Malteser wählen Statthalter

Rom. Der Malteserorden hat einen neuen Statthalter des Grossmeisters gewählt. Wie der Orden bekanntgab, wählte der grosse Staatsrat den 72-jährigen Italiener Fra‘ Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto. Er soll ein Jahr im Amt bleiben und die Aktivität des Ordens im diplomatische, sozialen und humanitären Bereich koordnieren. Dalla Torre wurde 1944 in Rom geboren und lehrte an der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom Altgriechisch. Mitglied des Ordens wurde er im Jahre 1985.

Stand Juli 2017, Malteser Orden:
Grossmeister: Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto (bis 29.04.2018)
Kardinalpatron: Raymond Leo Kardinal Burke
Grosskomtur: Fra‘ Ludwig Hoffmann von Rumerstein
Grosskanzler: Albrecht von Boeselager

OR Nr. 47 vom 24.11.2017, S. 3
Diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Malteserorden

Die Bundesrepublik Deutschland und der Souveräne Malteserordern haben am 15.11.2017 in Rom offiziell diplomatische Beziehungen aufgenommen, um ihre Kontakte zu intensivieren. Am Sitz des Ordens auf dem Aventin-Hügel in Rom unterzeichneten Aussenminister Sigmar Gabriel und Grosskanzler Albrecht von Boeselager ein entsprechendes Abkommen. Insbesondere für die Arbeit in internationalen Krisengebieten seien die diplomatischen Beziehungen mit der Bundesrepublik wichtig, weil Deutschland einer der bedeutendsten Unterstützer des Ordens sei, erläuterte von Boeselager. Auf die Arbeit der bekanntesten Einrichtung des Ordens in Deutschland, den Malteser-Hilfsdienst (MHD), werde der neue Status jedoch keine konkreten Auswirkungen haben.
Deutschland ist der 107. Staat, mit dem der Malteserorden diplomatische Beziehungen unterhält; bisher hatte er schon einen Vertreter in Berlin. Mit Österreich bestehen bereits seit 1957 diplomatische Beziehungen, mit der Schweiz hingegen keine. Die Vertretung Berlins beim Malteserorden wird aller Voraussicht nach die Vatikanbotschaft übernehmen.

Kirche heute 19/2018, S. 2
Reform bei Maltesern braucht Zeit

Der Reformprozess innerhalb des Malteserordens wird nach Einschätzung von Grosskanzler Albrecht von Boeselager über 2019 hinaus andauern. Eine genaue Vorhersage sei schwierig, sagte der Aussenminister der Malteser im Interview der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Altenahr. Ein Thema sei die künftige Rolle der Professritter. Sie bilden den sogbenannten Ersten Stand des Ordens und üben viele Leitungsfunktionen aus. Von Boeselager widersprach der Darstellung, wonach bei der Reformdebatte Kritiker und Unterstützer von Papst Franziskus einander gegenüberstünden. „Ich würde es eher so formulieren: Es gibt solche, die Angst haben, dass das traditionelle Proprium (Identität) verloren geht, und solche, die neue Wege suchen.“

Kirche heute 20/2008 Mai, S. 2
Malteser wählen neuen Grossmeister

Der Malteserorden hat Fra‘ Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto (73)  zu seinem neuen Grossmeister auf Lebenszeit gewählt. Dalla Torre hatte zuvor als Statthalter die Gemeinschaft nach einer schweren Leitungskrise übergangsweise seit dem 29. April 2017 geführt. Der letzte Grossmeister, der Brite Matthew Festing (68), war Anfang 2017 auf Druck von Papst Franziskus zurückgetreten. Vorausgegangen waren Turbulenzen an der Spitze des Ordens, die zeitweilig den Deutschen Albrecht Freiherr von Boeselager (68) sein Amt als Grosskanzler kosteten; er ist inzwischen rehabilitiert.

OR Nr. 19 vom 11.05.2018, S. 4
Der Sonderbeauftragte für den Malteserorden, Kurienerzbischof Giovanni Becciu, bleibt auch nach der Wahl des neuen Grossmeisters im Amt. Der „Weg der geistlichen und juristischen Erneuerung“ des Ordens sei noch nicht abgeschlossen, heisst es in dem am 4.  Mai 2018 veröffentlichten Schreiben von Papst Franziskus an seinen Delegierten. Becciu behalte seine Vollmachten, bis die Reform hinreichend abgeschlossen sei. Der neue Grossmeister, Fra‘ Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sangiunetto, war am 3. Mai auf Lebenszeit vereidigt worden.

OR Nr. 26 vom 29.06.2018, S. 4
Der neue Grossmeister des Malteserordens, Fra‘ Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto, stattete Papst Franziskus am 22. Juni 2018 seinen Antrittsbesuch ab. Der Souveräne Malteserorden ist ein eigenes Völkerrechtssubjekt und unterhält diplomatische Beziehungen zu 107 Staaten.

OR Nr. 34 vom 24.08.2018, S. 5, Bernhard Hülsebusch
(…) Zu Piranesis Lebzeiten (18. Jahrhundert, Architekt von Papst →Clemens XIII. [1758-1769) regierten die Ritter bekanntlich in Malta – und zwar sehr erfolgreich. Sie bauten eine exzellente Flotte auf, die sich beim Kampf gegen die Türken bewährte. Nach dem Grossmeister Fra‘ Jean de la Valette ist Maltas Hauptstadt La Valletta benannt. Und das vom Orden errichtete grosse Spital wurde vorbildlich.
Im 18. Jahrhundert allerdings ging es politisch und militärisch mit dem Orden bergab. 1798 besetzte Napoleon die Insel Malta und vertrieb die frommen Ritter. Erst 1834 konnte der Orden seinen Sitz in Rom etablieren. Ohne territoriale, weltliche Macht konzentrierten sich die Malteser, wie man sie nun allgemein nannte, ganz auf Krankenhilfe und karitative Tätigkeit.
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts erlebte der Orden, der sich hauptsächlich durch die Vergütung seiner Leistungen im Gesundheits- und Sozialdienst finanziert, einen deutlichen Strukturwandel. Denn die Zahl der Adligen ging rapide zurück. „Wir sind zwar weiterhin ein Ritterorden“, betont Ajroldi, „aber die meisten unserer rund 13’500 Mitglieder, Ritter und Damen, sind nun gut katholische Bürgerliche, die sich der Caritas widmen.“ ‚Grossmeister‘ kann freilich nur ein Adliger aus der obersten Ordens-Kategorie werden, welche die monastischen Gelübde ablegt. Zur grossen Effizienz der Malteser tragen ausser den Mitgliedern auch die Mitarbeiter in 120 Ländern bei: 80’000 Freiwillige sowie 42’000 professionelle Helfer – vor allem Ärzte und Krankenpfleger. Grossen Respekt nötigen zum Beispiel die vom Malteser-Hilfsdienst geleisteten Dienste ab.
Im Mai 2018 wählte das Spitzengremium der Malteser, der Grosse Staatsrat, den italienischen Adligen Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto zum neuen Grossmeister des Ordens. Schon vor Bekanntgabe wurde Papst Franziskus über das Wahlergebnis informiert. Danach erhielten untere anderem die Regierungen jener 107 Staaten Kenntnis, zu denen der Orden (im Range eines Völkerrechtssubjekt) diplomatische Beziehungen unterhält. Unterdes legte Fra‘ Giacomo Dalla Torre in der Kirche Santa Maria am Aventin seinen Eid als Grossmeister ab, woraufhin er das goldene Kollar umgehängt bekam. Der neue Grossmeister, versteht sich, erhielt viele Glückwünsche aus aller Welt. So auch vom Prominentesten aller Malteserritter: dem emeritierten Papst Benedikt XVI., der einst – damals Kurienkardinal – in den Orden aufgenommen wurde.
Die Villa Magistrale an der Via Condotti (sie führt zum Piazza di Spagna) kann nur mit Sondergenehmigung besichtigt werden. Auskunft darüber erteilt das Informationsamt des Malteserordens, Tel. 0039 06 675 812 50 Die erwähnte Kirche Santa Maria am Aventin ist die Prioratskirche des Malteserordens, nicht öffentlich, und ist im Park des Grossmeisters auf dem Aventin gelegen.

OR Nr. 27 vom 05.07.2019, S. 4
Der Grossmeister des Malteserordens, Fra‘ Giacomo Dalla Torre del Tempio Sanguinetto, unterrichtete den Papst über die humanitäre Hilfsarbeit weltweit, diplomatische Ziele des Ordens und die laufende innere Reform. Die Krise in Venezuela, Hilfe für Flüchtlinge sowie für die kolumbanische Bevölkerung wie auch die Lage im Nahen Osten seien besonders Thema gewesen, teilte der Orden   im Anschluss an die private Begegnung mit. Der Souveräne Malteserorden ist dem Heiligen Stuhl unterstellt und zugleich ein eigenes Völkerrechtssubjekt. Derzeit unterhält der Orden diplomatische Beziehungen zu mehr als 100 Staaten; darunter zu Österreich und seit Ende 2017 auch zu Deutschland.

Mario, Monte, südlich von Rom

Hügelzug nördlich vom Vatikanstaat

  Der weisse Bau rechts Mitte: Aussenministerium der Republik Italien

OR Nr. 21 vom 28. Mai 2010:
Papst Benedikt XVI. wird am 24. Juni 2010 die nach einem Unwetterschaden restaurierte Marienstatue auf dem römischen Hügel Monte Mario besuchen und segnen. Anschliessend wird er im nahe gelegenen Dominikanerinnenkloster „Santa Maria del Rosario“ mit den Klausurschwestern zusammentreffen. Die neun Meter hohe vergoldete Statue war im vergangenen Oktober während eines schweren Gewitters umgestürzt und in drei Teile zerbrochen. Sie ist ein Werk des jüdischen Künstlers Arrigo Minerbi und war 1953 von der römischen Bevölkerung zum Dank für die weitgehende Verschonung ihrer Stadt vor Bombardierungen im 2. Weltkrieg gestiftet worden.

Marta, Santa, in der Vatikanstadt (Hotel/Domus)

Das Domus Sanctae Marthae, Kardinalshotel genannt, weil während der Papstwahl die Kardinäle und das Bedienstpersonal hier untergebracht sind, in H-Form gebaut. Hinter dem Palast ist die Kapelle und die Vatikanmauer versteckt. Rechts der unbekannte Vatikan-Eingang ‚Perugino‘ (Gendarmerie).

Von Papst Leo XIII. im Jahre 1884 gegründet: ehemaliges Kloster von Schwestern vom heiligen Karl, dann Hospiz für Kranke. Später Gästehaus, man sagt zum Heiligen Jahr 1900. Mit genügendem Vitamin B war der Zugang für Pilgergruppen immer möglich. Gästehaus geführt von den französischen St. Vinzenz-Schwestern (Töchter von der Barmherzigkeit des hl. Vinzenz von Paul; im Jahre 2004: seit 120 Jahren). Anlässlich dieses Jahrestages zelebrierte Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano in der Hauskapelle des vatikanischen Gästehauses „Santa Marta“ eine Eucharistiefeier. In der Predigt sprach Kardinal Sodano den Schwestern seine Anerkennung aus für ihr Wirken seit dem Pontifikat von Leo XIII. Er erinnerte auch an die schweren Jahre zur Zeit des 2. Weltkrieges, als jene Botschafter in Santa Marta Aufnahme fanden, deren Länder die diplomatischen Beziehungen mit Italien abgebrochen hatten.- Die Schwestern sorgen dort für eine familiäre und angenehme Atmosphäre.

Ab 1990 Umbau des rechten Hauses zu einem „****Gross-Hotel“, Domus Sanctae Marthae genannt. Bezugsbereit ab Herbst 1996 mit 108 Suiten und 23 Einzelzimmern bei 5 Etagen. Johannes Paul II. erlebte 1978 die Hitze-Strapazen der 2 Konklave, deshalb die Idee eines „Hotels“. Jetzt sind vor allem Mitarbeitende, die beim Vatikanstaat oder Heiligen Stuhl tätig sind (Euro 1’000.00/Monat/Vollpension) und reisende Kardinäle/Bischöfe untergebracht. Beim Konklave werden die wahlberechtigten Kardinäle am ersten Tag nach dem Tode des Papstes für die Hotelsuiten ausgelost. Wenn weitere Plätze frei sind, erhält das „Hilfspersonal“ des Konklaves (die da z. B. sind: Sekretär des Kardinalkollegiums, Zeremonienmeister und 2 Zeremoniare, 2 Ordensleute der Päpstlichen. Sakristei, einige Ordenspriester verschiedener Sprachen für die Beichte, 2 Ärzte, Hilfspersonal für Sauberkeit, Bedienung usw.) die Zimmer zugeteilt.

Architekt ist der Amerikaner Louis D. Astorino. Die Baukosten für das neue Haus sollen etwa 20 Millionen Dollar betragen. Schutzpatronin der Gebäude  ist die hl. Martha aus Bethanien. Sie ist unter anderem Schutzpatronin der Hauswirtschaft, der Gastwirte, Hoteliers und Krankenhausverwalter. Das Domus führt eine Gastronomie, kleine Verkaufsläden und Geschäfte, die persönliche Dienstleistungen anbieten, wahrgenommen durch die Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe vom hl. Vinzenz von Paul.

Man weiss, dass der neu gewählte Benedikt XVI. nach seiner Wahl am 19.04.2005 noch im Domus Sanctae Marthae über Nacht mit den Kardinälen verblieb.

Im offiziellen Telefonbuch 2004/05 des Vatikans wird unterschieden:
–      Ospizio Santa Marta (östliches Haus, Altbau)
–      Domus Sanctae Marthae (****-Hotel, westlicher Neubau, H-Form)
Pilgergruppen sind anscheinend nicht mehr erwünscht. Siehe aber die mindestens 10 Hotels des Vatikans (unter „Exterritoriale Gebiete“).

Papst Franziskus Bergoglio  wohnt im ersten Stock des Domus Sanctae Marthae.

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 109:
Das Domus Sanctae Marthae wurde einerseits gebaut, damit beim Konklave nicht immer 10 prostataschwache Kardinäle vor der Toilette anstehen müssen. Aber es gab noch einen anderen Grund. Viele junge Priester wohnten damals in den sündigen Vororten Roms. Oft anonym, in Jeans, und ausgesetzt den von Pier Paolo Pasolini beschriebenen Versuchungen der Borgate. „Mit dem Bau von Santa Marta wurden 100 Priester den Gefährdungen des anonymen Lebens entzogen“, sagt ein Kurialer. Und fügt hinzu, dass manch ein Priester sich möglichst schnell wieder eine Bleibe ausserhalb des Vatikans sucht, um nicht ständig kontrolliert zu werden. Die Appartements sind von klösterlicher Schlichtheit: Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Bad. Das alles für 1’000 Euro im Monat, Halbpension. Dafür sind alle Zimmer – zum anfänglichen Erstaunen vieler Erstbesucher – mit einem Bidet ausgestattet. Aber es kommen eben auch viele Frauen zu den Symposien der Akademien und Räte. Ein hochrangiger deutscher Diplomat musste das Hotel verlassen, nachdem er mit seinem Adventskranz fast das ganze Gebäude in Brand gesetzt hätte. Er wohnte dann zur Miete abseits des Borgo.

Englisch Andreas, FRANZISKUS, S. 146
Papst Johannes Paul II. war nach seinem Amtsantritt klar, dass sich die Zahl der Kardinäle in Zukunft nicht verringern würde. Er wollte daher um jeden Preis verhindern, dass sich die chaotischen Zustände, die während der beiden Konklave im Jahre 1978 herrschten, wiederholen würden. Dafür musste Platz für die Kardinäle geschaffen werden. Im Vatikan gab es nur ein Gebäude, das sich als angemessene Unterkunft  für die Kardinäle eignete, das ehemalige Hospiz „Papst Leo XIII. Pecci“. Auf dem Gelände links neben dem Petersdom (WA: im Anschluss an die Sakristei) hatten hier vorher mittelalterliche Gebäude gestanden. Nach dem Untergang des Kirchenstaates liess Leo XIII. (Pontifikat 1878-1903) ab 1884 an deren Stelle ein Krankenhaus errichten. Das Hospiz leistete gute Dienste während der Choleraepidemie in Rom 1893. Ab 1991 liess Papst Johannes Paul II. die ganze Seite des Komplexes am sogenannten Perugia-Eingang (WA: bewacht durch die Gendarmerie) im Vatikan umbauen, auch das ehemalige Krankenhaus. Ihm blieb keine andere Wahl, als das ehemalige Hospiz „Leo XIII. Pecci“ zu einem regelrechten Hotel umzubauen. Im „Domus Sanctae Marthae“ entstanden 105 Suiten und 26 Einzelzimmer.
Seinen Namen erhielt das Hotel von der überfleissigen Martha der Bibel. Im Lukasevangelium 10, 38 heisst es dazu: „Sie zogen weiter, und er [Jesus] kam in ein Dorf. Eine Frau namens Martha nahm in freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hiess. Maria setzte sich dem Herrn zu Füssen und hörte seinen Worten zu. Martha aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen.“
Wer das Privileg hat, dieses Hotel zu besuchen, spaziert  in den exklusiven und in der überfüllten Grossstadt Rom kaum vorstellbar menschenleeren Teil des Vatikans (Eingang Glaubenskongregation, siehe „Eingänge“). Auch wenn nicht gerade ein Konklave stattfindet, ist das Haus heiss begehrt. Angestellte der Kurie, die für einen überschaubaren Zeitraum nach Rom kommen oder noch keine feste Bleibe gefunden haben, wohnen hier. Eine automatische Türe öffnet sich gleitend am Haupteingang, und der Besucher steht vor der Büste Johannes Pauls II., die die beiden Treppenaufgänge zu beachten scheint, die links und rechts nach unten führen zur langen Theke der Rezeption. Dort, wie auch im Rest des Hotels, arbeiten die fleissigen Nonnen des Ordens der „Töchter der Barmherzigkeit des San Vincenzo de Paoli“. Der Orden war 1617 von Vincenzo de Paoli gegründet worden, um Arme und Kranke zu Hause zu versorgen. Heute hat der Orden 2’275 Häuser, in denen etwa 20’000 Ordensfrauen leben. Das berühmteste ist natürlich das Kardinalshotel „Domus Sanctae Marthae.
In diesem Haus herrscht geradezu peinliche Stille. Es ist dem Vatikan gelungen, die Stadt Rom und ihre Menschen wirkungsvoll auszusperren. Ich habe noch nie jemanden hier laut lachen hören. Die Frauen an der Rezeption sind übrigens völlig unschuldig an der lebensfeindlichen Atmosphäre. Ich habe Stunden meines Lebens damit verbracht, an der Rezeption herumzustehen und auf jemanden zu warten. Zunächst legen die jungen Frauen ein unnahbares frommes Gehabe an den Tag. Wenn man sie provoziert und etwas sagt wie: „Muss das frustrierend für eine Frau sein, in einem riesigen Hotel voller Single-Männer zu arbeiten, die aber leider alle irre fromm sind“, so ignorieren sie einen zunächst und schauen pikiert (ein wenig beleidigt) zur Seite. Aber weil sie nun mal Römerinnen sind und deswegen ein sehr spitzes Mundwerk haben, antworten sie irgendwann so etwas wie: „Von wegen fromme Männer, die klauen die Handtücher, und manche nehmen sogar die Bettwäsche mit. Ein paar von ihnen prellen die Zeche, und wenn du sie erwischst, sagen sie halt, dass sie ganz vergessen haben zu zahlen.“
Neben der Rezeption des Hotels befindet sich das Fernsehzimmer, das schon zu normalen Zeiten trist aussieht, aber während des Konklaves noch deprimierender wirkt, weil dann das Essentielle fehlt, das den Raum zum Fernsehzimmer macht: der Fernseher. Der wird dann weggeräumt, weil er dazu benutzt werden könnte, Kontakt mit der Aussenwelt aufzunehmen.
Die Eingangshalle mit den überdimensionierten Bildern Marias verspricht nicht gerade Charme, schlimmer wird es aber im Speisesaal. Der hat die Anmutung eines exklusiven Leichenschauhauses und verscheucht jedes Gefühl von Behagen. Die Öffnungszeiten sind auch nicht gerade kundenorientiert: Frühstück gibt es von 7.30 bis 8.45 Uhr, Mittagessen von 13 bis 14 Uhr, das Abendessen von 19.30 bis 20.30 Uhr. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand gern länger im dem Restaurant bleibt als zu Essen unbedingt nötig.
Am Ende der Eingangshalle liegt der Internet-Point, der aus Anlass des Konklaves natürlich abgebaut wird.
Daneben befindet sich die  Kapelle, und die ist wirklich eine Überraschung. Denn ein kuscheliges Hotel bauen konnte der Architekt ganz sicher nicht, aber von Kapellen verstand er etwas. Die Kapelle soll den Eindruck eines Zeltes vermitteln, das die Juden in der Wüste aufgeschlagen haben, und das Konzept geht tatsächlich auf. Es ist eine der schönsten modernen Kapellen, die ich kenne. Daneben erstreckt sich eine kleine Terrasse, auf der man sich wunderbar an der Sonne wärmen kann, sie ist mein Lieblingsort im Vatikan.
Leise surren die Fahrstühle hinauf zu den vier Etagen, auf denen die Zimmer liegen. Wer eine der 105 Suiten für die Dauer des Konklaves bekam oder mit einem der 26 Einzelzimmer vorliebnehmen musste, wurde ausgelost. Die Flure sind so ungewöhnlich dunkel, dass man schon sehr gute Laune haben muss, um nicht in Schwermut zu verfallen, wenn man sie durchschreitet. Hinter den braunen Nussholztüren der Zimmer ist dann endgültig Schluss mit jeder Form von Behaglichkeit. Das kleine Arbeitszimmer wirkt durch die kalten, dunklen Marmorböden feindselig und düster, die dunklen Möbel und der Schreibtisch lassen den Eindruck entstehen, dass hier der geeignetste Ort ist, um sein Testament zu Papier zu bringen. Das Schlafzimmer – es gibt natürlich nur relativ breite Einzelbetten – sieht so aus, dass jeder Pauschalurlauber den Raum wegen seiner deprimierenden Atmosphäre laut schreiend verlassen würde. Eigentlich kann man es sich nur als das perfekte Sterbezimmer vorstellen, falls man die Form wahrend abtreten möchte. Immerhin ist das Bad modern und funktional eingerichtet. Eine Minibar gibt es aber ebenso wenig wie einen Fernseher, dafür liegen immer Rosenkränze bereit für den Fall, dass man ihn zu Hause vergessen hat, was den Kardinälen während eines Konklaves wohl kaum passieren dürfte.
Dass irgendjemand auch nur einen Tag länger als nötig im Hotel der Kardinäle bleibt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Zwar bieten einige Zimmer immerhin einen Blick auf den Park, wer aber Pech hat, schaut auf die grosse Strassenkreuzung an der Porta Cavalleggeri. Ich war jedes Mal zutiefst erleichtert, wenn ich wieder draussen war.

Masseneinwanderung

→Islam

Mauer, Berliner

Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl, „Rund um den Vatikan“, Homepage vom 06.08.2012:
Ein Stück deutscher Geschichte im Vatikan
Standort in den Vatikanischen Gärten: vor der Gärtnerei, unmittelbar an der nördlichen Staatsgrenze:  Viale S. Benedetto.
    Selbst Kirchen mussten der Mauer weichen

Schon seit Jahren halb versteckt und kaum bekannt steht ein Bruchstück der Berliner Mauer in den vatikanischen Gärten. Dieses Stück deutscher Geschichte stammt aus Berlin Mitte. Der Bau der Mauer teilte die Gemeinde Sankt Michael in zwei Teile. Die Sankt-Michaels-Kirche befand sich im Osten, während ein grosser Teil der Gemeinde dem Westen der Stadt angehörte. Die Mauer verlief hinter der Kirche und versperrte den Blick auf diese aus dem Westteil der Stadt.

Im Jahre 1986 schuf der in Berlin lebende Künstler Yadegar Asisi an genau dieser Stelle ein illusionäres (sinnestäuschendes) Bild, welches die Durchlässigkeit der Mauer demonstrieren sollte. Durch die Skizzierung der Kirchenwand auf dem Fragment scheint die Mauer nicht existent und die Sicht auf das Bauwerk unverstellt.

Nach dem Fall der Mauer wurde das Bruchstück 1990 von dem Italiener Marco Piccininni ersteigert, der es 1994 dem Vatikan schenkte.

OR Nr. 45 vom 7. November 2014, S. 6, Winfried König
Johannes Paul II. und die Berliner Mauer (…)

In diesen Tagen jährt sich zum 25. Mal der Fall der Berliner Mauer. Ohne Zweifel war dieses Ereignis durch die politischen Entwicklungen in verschiedenen Ländern des Warschauer Pakts mitverursacht. In diesem Zusammenhang tritt immer wieder die Frage auf, welche Rolle dem polnischen Papst Johannes Paul II. bei diesem historischen Geschehen zukommt. Kein geringerer als der Friedensnobelpreisträger und ehemalige polnische Präsident Lech Walesa behauptete 2009 in einem Fernsehinterview, dass Papst Johannes Paul II. zu 50 % zum Mauerfall beigetragen hat. Eine genaue Überprüfung dieser Aussage wird wohl erst möglich sein, wenn in einigen Jahrzehnten die vatikanischen Archive für sein Pontifikat geöffnet werden. Immerhin lassen sich schon jetzt gewisse Schlüsse über die Einstellung Johannes Paul II. zum damaligen Geschehen aus seinen verschiedenen öffentlichen Äusserungen ziehen. Nicht zuletzt die Grussworte an seine polnischen Landsleute im Rahmen der Generalaudienzen liefern uns hierzu eine interessante Quelle.
(Papst Johannes Paul II. im Jahre 1996 mit Helmut Kohl, Kardinal Lehmann und dem damaligen Regierenden Bürgermeister Berlins, Eberhard Diepgen, am Brandenburger Tor)

OR Nr. 46 vom 14.11.2014, S. 1
Nach dem Angelus vom 9. November (von Papst Franziskus):

Liebe Brüder und Schwestern! Vor 25 Jahren, am 9. November 1989, fiel die Berliner Mauer, die lange die Stadt zweigeteilt hat und Symbol für die ideologische Spaltung Europas und der ganzen Welt gewesen ist. Der Mauerfall ereignete sich plötzlich, doch er wurde durch den langen und mühsamen Einsatz vieler Menschen ermöglicht, die dafür gekämpft, gebetet und gelitten haben, einige bis zum Opfer ihres Lebens. Unter diesen hat der heilige Papst Johannes Paul II. eine Hauptrolle gespielt.
(WA: An diesen 3-tägigen Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalles, die ich vom 07. bis 09.11.2014 miterlebte, haben weder die Bundeskanzlerin Merkel, Bundespräsident Gauck, der Regierende Bürgermeister Berlins Wowereit noch die  Berliner Tageszeitungen eine Hauptrolle des Papstes hierzu erwähnt noch ihm dafür gedankt. Gorbatschow, den Bürgerrechtler/innen und der riesigen Menge Mutiger der ehemaligen DDR wurde gedacht und gedankt.)

OR Nr. 46 vom 15.11.2019, S. 6
Gedenken an den Mauerfall vor 30 Jahren

Berlin. Im Ratzeburger Dom an der früheren innerdeutschen Grenze gedachten katholische und evangelische Christen am Sonntag, 09.11.2019, mit einem ökumenischen Gottesdienst das Mauerfalls vor genau 30 Jahren. Geleitet wurde die Feier von  Hamburgs Erzbischof Stefan Hesse und der evangelischen Nordkirchen-Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt. Beide würdigten den Mut der Ostdeutschen, sich gegen Unterdrückung und Unrecht der früheren DDR zustellen, und riefen auf, sich auch heute für eine freie, friedliche Gesellschaft zu engagieren.
„Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall bin ich immer noch ergriffen und begeistert von dem Mut der damaligen DDR-Bürger, mit dem sie einen ganzen Staat zu Fall gebracht haben“, sagte Erzbischof Hesse. Natürlich habe die Teilung auch Narben hinterlassen, aber genau da beginne die heutige Aufgabe. „Wir müssen uns auch nach 30 Jahren jeden Tag um Heilung und damit um die Einheit bemühen“, so der Erzbischof, dessen Diözese Hamburg, Schleswig-Holstein und den ostdeutschen Landesteil Mecklenburg umfasst.
Kühnbaum-Schmidt erinnerte an die Pogrome gegen Juden in der Nacht des 9. November 1938. Während man heute die Grenzöffnung vor 30 Jahren feiere, würden zugleich die Sicherheitsvorkehrungen vor Synagogen und jüdischen Einrichtungen verstärkt. Angesichts dessen sei es ermutigend, „dass viele Menschen in Ost und West zusammenstehen gegen Hass und Hetze, gegen Rassismus, gegen Antisemitismus, gegen Antiislamismus“, so die Bischöfin. (…)

Mauer, Passetto di Borgo in Rom (Geheimgang)

→Geheimgang

Mauer, Leonische

Leonische Mauer im Vatikangarten: an ihrem Ende die →Lourdes-Grotte, dahinter der →Johannesturm (begehrter Aufenthaltsort von Papst Johannes XXIII.)

Papst Leo IV. (847-55) war es, der mit dem Mauerbau angefangen hatte, mitten im 9. Jahrhundert, weil auch er schon Angst hatte vor den Arabern. Bis dahin hatten sich selbst Barbaren vom Nimbus (Ansehen, Ruf) des Apostelnachfolgers einschüchtern lassen. Die Sarazenen ihrerseits sahen dafür keinen sonderlichen Anlass und plünderten 846 n. Chr. fröhlich die päpstlichen Kirchen St. Paul und St. Peter. Es musste etwas geschehen, und schon Papst Leo hatte durchaus die Absicht, eine Mauer zu errichten. Für den Bau wurden zur Strafe sarazenische Kriegsgefangene eingesetzt (neben römischen Handlangern, die auch nicht viel besser bezahlt wurden). Der Papst hatte die Stadtviertel, Vorstädte, Klöster und befestigte Landgüter der Umgebung zu freiwilligen Aufgabe verdonnert, jeweils einen Teil der Festungsmauer hochzuziehen. Als alles fertig war, schenkte Papst Leo der Mauer zum Dank seinen edlen Namen. Am 27. Juni 852 wurde die somit genannte „Leonische Mauer“ mit einer Prozession von Bischöfen, Ordensleuten und Prälaten eingeweiht. Sie liefen einmal ringsum im Rechteck, von der Engelsburg durch die Porta Angelica den Vatikan-Hügel hinauf und dann über den Gianicolo-Hügel zurück zum Tiberufer. “Leostadt“, Città Leonina: Den letzten Rest des Originalbaus sieht man noch in den Vatikanischen Gärten, gleich neben dem Hubschrauber-Landeplatz.

Belvedere-Bastion am Piazza Risorgimento: Entwurf von Antonio da Sangallo d. J., Architekt von Paul III. (1534-49).

Der letzte Teil der Mura Vaticana (St. Anna bis Risorgimento) wurde erst nach dem Konkordat mit Benito Mussolini fertiggestellt, im Jahre 1929 unter Pius XI. (1922-39). Sein Wappen befindet sich in der Via di Porta Angelica. Die Mauer wurde etwas zurückgestellt, sodass etwa 1,5 m vor der Mauer noch dem Vatikan gehören (Staatsgebiet). WA: kurz vor Ende der Gendarmerie-Kaserne (genau auf Höhe Porta Angelica Nr. 11) ist die Mauer langsam zurückgezogen, sodass sie bei der Piazza Risorgimento angelangt, ca. 1,5 m zurückversetzt ist (Porta Angelica Nr. 15; Botschaften Boliviens und Libanons beim Hl. Stuhl).

Vatikanmauer an der Via Porta Angelica:

Vatikanmauer an der Via Portal Angelica
Maulwurf im Vatikan

→Päpstliche Wohngemeinschaft

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