Ma – Mi

Malteser-Orden (Ritterorden)

OR Nr. 22 vom 1. Juni 2012, S. 6, Bernhard Hülsebusch:
(Zusammenfassung WA)

Der Malteserorden heute – Verteidigung des Glaubens, Krankenpflege, Erste Hilfe
„Was ist denn bloss S.M.O.M.“? Zahllose Pilger und Touristen, auch aus dem deutschsprachigen Raum, lernen in der italienischen Hauptstadt zwar schnell, dass → Autos mit dem Kennzeichen SCV (Stato della Città del Vaticano) aus dem Vatikan kommen – aber  S.M.O.M. auf dem Nummernschild gibt ihnen Rätsel auf. Nun, das Kürzel steht für „Sovrano Militare Ordine di Malta“. Also für ein eigenständiges Völkerrechtssubjekt mit Sitz in Rom. Der Malteserorden – ein Phänomen ohnegleichen.

Souverän, jedoch indirekt vom Papst abhängig – eine kleine katholische Wahlmonarchie ohne Land -, aber mit diplomatischen Beziehungen zu 104 Staaten und mit medizinisch-humanitären Aktivitäten in 120 Ländern: der S.M.O.M. ist ein einzigartiges Gebilde. Er betreibt Krankenhäuser, Ambulatorien, Altersheime, und er leitet Corps von Freiwilligen für „Erste Hilfe“. Die spezielle Abteilung „Malteser International“ steht den Opfern von Naturkatastrophen sowie bewaffneten Konflikten bei. Über ein Sonderkomitee kämpfen die Malteser auch gegen die Leprakrankheit, die in manchen Gebieten der Dritten Welt leider noch immer nicht ausgemerzt ist.

Kurzum, ein sehr vielfältiges Panorama. In seiner „Hauptstadt“ Rom besitzt der Ritterorden zwei Anwesen mit exterritorialem Status: Palazzo Magistrale in der zentralen Via Condotti (gegenüber Bulgari) – und die historische Villa Magistrale auf dem Aventinhügel, konkret: an der schönen „Piazza dei Cavalieri di Malta“ (Guckloch!). Diese von einem Park umgebene Villa, in der die Malteserritter u. a. ihren „Grossmeister“ wählen (→Anticamera), ist (obschon indirekt) auch ein Touristenattraktion. Denn durch das Schlüsselloch ihres Tores öffnet sich ein Postkartenblick auf den Petersdom!

Als „Regierungssitz“ des S.M.O.M. dient der Palazzo in der Via Condotti (Luxus-Einkaufsstrasse). Rechnet man Ritter und Damen zusammen, hat dieser Orden jetzt weltweit 13’500 Mitglieder. Der prominenteste Ritter ist Benedikt XVI., der vor 14 Jahren als Kurienkardinal in den Orden trat. Der Orden hat 3 Kategorien:

  • „Professritter“: 1. Kategorie. Durchwegs Männer (meist Adelige), die die Gelübde
    der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams ablegen.
  • Für die Angehörigen der 2. Klasse genügt die Verpflichtung zu einem wahrhaft  christlichen Leben.
  • Auch die 3. Kategorie soll sich zu den christlichen Idealen bekennen und sich  besonders dem Kranken- und Sozialdienst widmen – in dieser Klasse“ finden  auch Frauen Aufnahme.

„Grossmeister“ kann freilich nur ein Aristokrat aus den Reihen der Professritter werden. Er wird auf Lebenszeit gewählt, seine Wahl muss vom Papst bestätigt werden. Seit 2008 amtiert der Engländer Fra’ Matthew Festing als Grossmeister. Er wird, wie ein Kardinal, mit „Eminenz“ angeredet.

Seit Mitte des 20. Jahrhundert erlebt der in mehrere Priorate sowie 47 Landesverbänden gegliederte, traditionsreiche Orden, der sich hauptsächlich durch staatliche Zuschüsse finanziert, einen deutlichen Strukturwandel. Denn sowohl die Zahl der Mönche wie auch der Adeligen ging rapide zurück. Die meisten Mitglieder sind nun Laien, die sich der christlichen Caritas widmen. Eine Verpflichtung also zur tätigen Nächstenliebe. Der Orden ist weiterhin ein Ritterorden, auch wenn die Mehrzahl der Mitglieder nicht mehr aus Adelskreisen stammt. Zugelassen werden nur Personen „von unumstrittener Moralität und religiöser Praxis“ – Personen, die sich Verdienste um die Kirche und den Orden erwarben.

Mitarbeiter in vielen Ländern:

80’000 im Kranken- und Sozialdienst „trainierte“ Freiwillige sowie rund 20’000 Ärzte, Sanitäter, Pfleger.

Niederlassungen im deutschen Sprachraum:

  • In Österreich befindet sich ein Malteserhaus St. Elisabeth in Wien, dazu vielerlei Hilfen für Alte und Kranke, darunter auch Aids-Patienten. Im „Malteser Hospitaldienst Austria“ (MHDA) sind 1’200 Freiwillige aktiv – vornehmlich bei der medizinischen Versorgung von betagten und behinderten Menschen.
  • Weit massiver als in Österreich ist der Malteser-Einsatz in Deutschland:

Was der Orden leistet, nötigt wahrlich Respekt ab: Er betreibt 8 Krankenhäuser, 22 Altenheime, 27 Wohnheime für Jugendliche und Drogenabhängige sowie 8 Häuser für Asylanten.. Im Jahre 2009 betreuten die Mitarbeiter/innen des deutschen Malteserverbandes fast 8’000 todkranke Menschen. Nicht zu vergessen ist die von Maltesern geleistete Erste Hilfe bei Massenveranstaltungen, z. B. bei den Gottesdiensten während des Papstbesuches 2011 in Deutschland.

Der Malteserorden ist nebst den Rittern vom Heiligen Grab von Jerusalem ein Päpstlicher Ritterorden. Der administrative Sitz der Ritter vom Heiligen Grab befindet sich an der Via della Conciliazione 29, Rom, wo sich zugleich ihr Hotel ****Columbus befindet. (→Vatikan, Papstbote, Adressen Conciliazione links)

OR Nr. 26 vom 28. Juni 2013, S. 3
Malteser-Orden Schweiz feierte sein 900-Jahr-Jubiläum

Über 100 Ritter und Damen des Malteserordens Schweiz sowie über 50 Mitglieder des Malteser Hilfsdienstes trafen sich am 22. und 23. Juni 2013 in Schwyz zu ihrem Jahrestreffen. Der Anlass stand laut Medienmitteilung ganz im Zeichen des 900-Jahr-Jubiläums dieses religiösen Laienordens, der weltweit zahlreiche Spitäler und Altenheime unterstützt. – Die Jubiläumsfeierlichkeiten begannen mit einem Vortrag über die erste Ordensregel des Malteserordens, die der zweite Grossmeister Raymond de Pury um 1120 geschrieben hat. Aus diesem Anlass wird die älteste noch erhaltene Abschrift der Regel aus dem Jahre 1253, die sonst im Staatsarchiv des Kantons Aargau aufbewahrt wird, im Bundesbriefmuseum in Schwyz ausgestellt. Am Sonntag fand in der Pfarrkirche St. Martin in Schwyz der Festgottesdienst statt, dem der Churer Weihbischof Marian Eleganti als Hauptzelebrant vorstand. Beim Gottesdienst wurden auch neue Mitglieder in den Orden aufgenommen. Künftige Ritter und Damen werden jeweils durch den Delegationsvorstand vorgeschlagen. Über eine Aufnahme entscheidet letztlich der Grossmeister des Ordens mit Unterstützung des souveränen Rates. Präsident der „Helvetischen Assoziation des Souveränen Malteser Ritter- und Hospitalordens“ ist Gilles de Weck. Heute gehört der Malteserorden zu den bedeutendsten weltweit tätigen Hilfsorganisationen. Weltweit gehören dem Oden rund 13’500 Ritter und Damen an.  Der Orden ist im Jahre 1113 von Papst Paschalls II. anerkannt worden.

WA, 8. November 2014
Kardinal Raymond Leo Burke wird Kardinalpatron des Malteser Ordens

Der Amerikaner Burke zeigte sich an der Bischofssynode im Oktober 2014 äusserst unglücklich über die Diskussionen und Abstimmungen. Als Bewahrer der Kirche bete er für all die Verwirrungen, die stattgefunden hätten. Er rief unter anderem die Gläubigen auf, an Papst Franziskus zu schreiben. Ihn bat er, die Themen der Bischofssynode 2014 an der nächsten Bischofssynode 2015 nicht mehr zu behandeln. Nun wurde er „abgesetzt“ und wird Kardinalpatron des Malteser Ordens, d. h. dessen geistlicher Führer mit Hauptsitz an der Via dei Condotti 68 (Strasse der Gemeindeärzte) in Rom (Palazzo di Malta). Vor seiner „Absetzung“ präsidierte Burke als Präfekt den Obersten Gerichtshof der Apostolischen Signatur (Abteilung) der katholischen Kirche (Palazzo della Cancelleria, Piazza della Cancelleria 1, Rom). Er kann mit seinem neuen Amt nicht mehr an der Bischofssynode 2015 teilnehmen.

Kirche heute 7/2017, Februar,  S. 2
Krisenmanager für Malteserorden

Nach dem Konflikt zwischen dem Vatikan und den Maltesern hat Papst Franziskus den angekündigten Sonderbeauftragten für den Orden ernannt: Er betraute den vatikanischen Innenminister Giovanni Angelo Becciu mit dieser Aufgabe, wie der Vatikan bekanntgab. Becciu solle ein Versöhnung unter den Ordensmitgliedern fördern, heisst es in einem Brief des Papstes an den Innenminister. Zugleich beauftragte Franziskus den italienischen Kurienerzbischof mit einer „spirituellen und moralischen Erneuerung“ der Malteser. Der vatikanische Innenminister soll bis zur Wahl eines neuen Grossmeisters der Malteser im Amt bleiben.

Gleiche Seite: Wer sind die Malteser?
Nach der Eroberung von Rhodos durch die Osmanen fand der Johanniterorden auf Malta eine neue Heimat und bewahrte, nun als Malteserorden, seine Souveränität. Der Malteserorden ist einerseits ein geistlicher Ritterorden, dessen oberste Rangklasse dem Papst Armut, Keuschheit und Gehorsam gelobt, andererseits hat der Orden den Status eines Völkerrechtssubjekts. Ursprung des Johanniterordens ist ein Hospital mit karitativen Aufgaben für Pilger, das im 11. Jahrhundert in Jerusalem gegründet worden war und nach dem ersten Kreuzzug (1096-99. Papst Urban II.: 1097 Eroberung von Nizäa/Türkei, 1099: Erstürmung von Jerusalem)als eigene Gemeinschaft grössere Unabhängigkeit erlangt hatte. Auf Rhodos entstand später ein eigenständiger Ritterstaat der Johanniter.

Mario, Monte in Rom

Hügelzug nördlich vom Vatikanstaat

OR Nr. 21 vom 28. Mai 2010:
Papst Benedikt XVI. wird am 24. Juni 2010 die nach einem Unwetterschaden restaurierte Marienstatue auf dem römischen Hügel Monte Mario besuchen und segnen. Anschliessend wird er im nahe gelegenen Dominikanerinnenkloster „Santa Maria del Rosario“ mit den Klausurschwestern zusammentreffen. Die neun Meter hohe vergoldete Statue war im vergangenen Oktober während eines schweren Gewitters umgestürzt und in drei Teile zerbrochen. Sie ist ein Werk des jüdischen Künstlers Arrigo Minerbi und war 1953 von der römischen Bevölkerung zum Dank für die weitgehende Verschonung ihrer Stadt vor Bombardierungen im 2. Weltkrieg gestiftet worden.

Marta, Santa, im Vatikan (Hotel)

Von Papst Leo XIII. im Jahre 1884 gegründet: ehemaliges Kloster von Schwestern vom heiligen Karl, dann Hospiz für Kranke. Später Gästehaus, man sagt zum Heiligen Jahr 1900. Mit genügendem Vitamin B war der Zugang für Pilgergruppen immer möglich. Gästehaus geführt von den französischen St. Vinzenz-Schwestern (Töchter von der Barmherzigkeit des hl. Vinzenz von Paul; im Jahre 2004: seit 120 Jahren). Anlässlich dieses Jahrestages zelebrierte Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano in der Hauskapelle des vatikanischen Gästehauses „Santa Marta“ eine Eucharistiefeier. In der Predigt sprach Kardinal Sodano den Schwestern seine Anerkennung aus für ihr Wirken seit dem Pontifikat von Leo XIII. Er erinnerte auch an die schweren Jahre zur Zeit des 2. Weltkrieges, als jene Botschafter in Santa Marta Aufnahme fanden, deren Länder die diplomatischen Beziehungen mit Italien abgebrochen hatten.- Die Schwestern sorgen dort für eine familiäre und angenehme Atmosphäre.

Ab 1990 Umbau des rechten Hauses zu einem „****Gross-Hotel“, Domus Sanctae Marthae genannt. Bezugsbereit ab Herbst 1996 mit 108 Suiten und 23 Einzelzimmern bei 5 Etagen. Johannes Paul II. erlebte 1978 die Hitze-Strapazen der 2 Konklave, deshalb die Idee eines „Hotels“. Jetzt sind vor allem Mitarbeitende, die beim Vatikanstaat oder Heiligen Stuhl tätig sind (Euro 1’000.00/Monat/Vollpension) und reisende Kardinäle/Bischöfe untergebracht. Beim Konklave werden die wahlberechtigten Kardinäle am ersten Tag nach dem Tode des Papstes für die Hotelsuiten ausgelost. Wenn weitere Plätze frei sind, erhält das „Hilfspersonal“ des Konklaves (die da z. B. sind: Sekretär des Kardinalkollegiums, Zeremonienmeister und 2 Zeremoniare, 2 Ordensleute der Päpstlichen. Sakristei, einige Ordenspriester verschiedener Sprachen für die Beichte, 2 Ärzte, Hilfspersonal für Sauberkeit, Bedienung usw.) die Zimmer zugeteilt.

Architekt ist der Amerikaner Louis D. Astorino. Die Baukosten für das neue Haus sollen etwa 20 Millionen Dollar betragen. Schutzpatronin der Gebäude  ist die hl. Martha aus Bethanien. Sie ist unter anderem Schutzpatronin der Hauswirtschaft, der Gastwirte, Hoteliers und Krankenhausverwalter. Das Domus führt eine Gastronomie, kleine Verkaufsläden und Geschäfte, die persönliche Dienstleistungen anbieten, wahrgenommen durch die Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe vom hl. Vinzenz von Paul.

Man weiss, dass der neu gewählte Benedikt XVI. nach seiner Wahl am 19.04.2005 noch im Domus Sanctae Marthae über Nacht mit den Kardinälen verblieb.

Im offiziellen Telefonbuch 2004/05 des Vatikans wird unterschieden:
–      Ospizio Santa Marta (östliches Haus, Altbau)
–      Domus Sanctae Marthae (****-Hotel, westlicher Neubau, H-Form)
Pilgergruppen sind anscheinend nicht mehr erwünscht. Siehe aber die mindestens 10 Hotels des Vatikans (unter „Exterritoriale Gebiete“).

Papst Franziskus Bergoglio  wohnt im ersten Stock des Domus Sanctae Marthae.

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 109:
Das Domus Sanctae Marthae wurde einerseits gebaut, damit beim Konklave nicht immer 10 prostataschwache Kardinäle vor der Toilette anstehen müssen. Aber es gab noch einen anderen Grund. Viele junge Priester wohnten damals in den sündigen Vororten Roms. Oft anonym, in Jeans, und ausgesetzt den von Pier Paolo Pasolini beschriebenen Versuchungen der Borgate. „Mit dem Bau von Santa Marta wurden 100 Priester den Gefährdungen des anonymen Lebens entzogen“, sagt ein Kurialer. Und fügt hinzu, dass manch ein Priester sich möglichst schnell wieder eine Bleibe ausserhalb des Vatikans sucht, um nicht ständig kontrolliert zu werden. Die Appartements sind von klösterlicher Schlichtheit: Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Bad. Das alles für 1’000 Euro im Monat, Halbpension. Dafür sind alle Zimmer – zum anfänglichen Erstaunen vieler Erstbesucher – mit einem Bidet ausgestattet. Aber es kommen eben auch viele Frauen zu den Symposien der Akademien und Räte. Ein hochrangiger deutscher Diplomat musste das Hotel verlassen, nachdem er mit seinem Adventskranz fast das ganze Gebäude in Brand gesetzt hätte. Er wohnte dann zur Miete abseits des Borgo.

Englisch Andreas, FRANZISKUS, S. 146
Papst Johannes Paul II. war nach seinem Amtsantritt klar, dass sich die Zahl der Kardinäle in Zukunft nicht verringern würde. Er wollte daher um jeden Preis verhindern, dass sich die chaotischen Zustände, die während der beiden Konklave im Jahre 1978 herrschten, wiederholen würden. Dafür musste Platz für die Kardinäle geschaffen werden. Im Vatikan gab es nur ein Gebäude, das sich als angemessene Unterkunft  für die Kardinäle eignete, das ehemalige Hospiz „Papst Leo XIII. Pecci“. Auf dem Gelände links neben dem Petersdom (WA: im Anschluss an die Sakristei) hatten hier vorher mittelalterliche Gebäude gestanden. Nach dem Untergang des Kirchenstaates liess Leo XIII. (Pontifikat 1878-1903) ab 1884 an deren Stelle ein Krankenhaus errichten. Das Hospiz leistete gute Dienste während der Choleraepidemie in Rom 1893. Ab 1991 liess Papst Johannes Paul II. die ganze Seite des Komplexes am sogenannten Perugia-Eingang (WA: bewacht durch die Gendarmerie) im Vatikan umbauen, auch das ehemalige Krankenhaus. Ihm blieb keine andere Wahl, als das ehemalige Hospiz „Leo XIII. Pecci“ zu einem regelrechten Hotel umzubauen. Im „Domus Sanctae Marthae“ entstanden 105 Suiten und 26 Einzelzimmer.
Seinen Namen erhielt das Hotel von der überfleissigen Martha der Bibel. Im Lukasevangelium 10, 38 heisst es dazu: „Sie zogen weiter, und er [Jesus] kam in ein Dorf. Eine Frau namens Martha nahm in freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hiess. Maria setzte sich dem Herrn zu Füssen und hörte seinen Worten zu. Martha aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen.“
Wer das Privileg hat, dieses Hotel zu besuchen, spaziert  in den exklusiven und in der überfüllten Grossstadt Rom kaum vorstellbar menschenleeren Teil des Vatikans (Eingang Glaubenskongregation, siehe „Eingänge“). Auch wenn nicht gerade ein Konklave stattfindet, ist das Haus heiss begehrt. Angestellte der Kurie, die für einen überschaubaren Zeitraum nach Rom kommen oder noch keine feste Bleibe gefunden haben, wohnen hier. Eine automatische Türe öffnet sich gleitend am Haupteingang, und der Besucher steht vor der Büste Johannes Pauls II., die die beiden Treppenaufgänge zu beachten scheint, die links und rechts nach unten führen zur langen Theke der Rezeption. Dort, wie auch im Rest des Hotels, arbeiten die fleissigen Nonnen des Ordens der „Töchter der Barmherzigkeit des San Vincenzo de Paoli“. Der Orden war 1617 von Vincenzo de Paoli gegründet worden, um Arme und Kranke zu Hause zu versorgen. Heute hat der Orden 2’275 Häuser, in denen etwa 20’000 Ordensfrauen leben. Das berühmteste ist natürlich das Kardinalshotel „Domus Sanctae Marthae.
In diesem Haus herrscht geradezu peinliche Stille. Es ist dem Vatikan gelungen, die Stadt Rom und ihre Menschen wirkungsvoll auszusperren. Ich habe noch nie jemanden hier laut lachen hören. Die Frauen an der Rezeption sind übrigens völlig unschuldig an der lebensfeindlichen Atmosphäre. Ich habe Stunden meines Lebens damit verbracht, an der Rezeption herumzustehen und auf jemanden zu warten. Zunächst legen die jungen Frauen ein unnahbares frommes Gehabe an den Tag. Wenn man sie provoziert und etwas sagt wie: „Muss das frustrierend für eine Frau sein, in einem riesigen Hotel voller Single-Männer zu arbeiten, die aber leider alle irre fromm sind“, so ignorieren sie einen zunächst und schauen pikiert (ein wenig beleidigt) zur Seite. Aber weil sie nun mal Römerinnen sind und deswegen ein sehr spitzes Mundwerk haben, antworten sie irgendwann so etwas wie: „Von wegen fromme Männer, die klauen die Handtücher, und manche nehmen sogar die Bettwäsche mit. Ein paar von ihnen prellen die Zeche, und wenn du sie erwischst, sagen sie halt, dass sie ganz vergessen haben zu zahlen.“
Neben der Rezeption des Hotels befindet sich das Fernsehzimmer, das schon zu normalen Zeiten trist aussieht, aber während des Konklaves noch deprimierender wirkt, weil dann das Essentielle fehlt, das den Raum zum Fernsehzimmer macht: der Fernseher. Der wird dann weggeräumt, weil er dazu benutzt werden könnte, Kontakt mit der Aussenwelt aufzunehmen.
Die Eingangshalle mit den überdimensionierten Bildern Marias verspricht nicht gerade Charme, schlimmer wird es aber im Speisesaal. Der hat die Anmutung eines exklusiven Leichenschauhauses und verscheucht jedes Gefühl von Behagen. Die Öffnungszeiten sind auch nicht gerade kundenorientiert: Frühstück gibt es von 7.30 bis 8.45 Uhr, Mittagessen von 13 bis 14 Uhr, das Abendessen von 19.30 bis 20.30 Uhr. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand gern länger im dem Restaurant bleibt als zu Essen unbedingt nötig.
Am Ende der Eingangshalle liegt der Internet-Point, der aus Anlass des Konklaves natürlich abgebaut wird.
Daneben befindet sich die  Kapelle, und die ist wirklich eine Überraschung. Denn ein kuscheliges Hotel bauen konnte der Architekt ganz sicher nicht, aber von Kapellen verstand er etwas. Die Kapelle soll den Eindruck eines Zeltes vermitteln, das die Juden in der Wüste aufgeschlagen haben, und das Konzept geht tatsächlich auf. Es ist eine der schönsten modernen Kapellen, die ich kenne. Daneben erstreckt sich eine kleine Terrasse, auf der man sich wunderbar an der Sonne wärmen kann, sie ist mein Lieblingsort im Vatikan.
Leise surren die Fahrstühle hinauf zu den vier Etagen, auf denen die Zimmer liegen. Wer eine der 105 Suiten für die Dauer des Konklaves bekam oder mit einem der 26 Einzelzimmer vorliebnehmen musste, wurde ausgelost. Die Flure sind so ungewöhnlich dunkel, dass man schon sehr gute Laune haben muss, um nicht in Schwermut zu verfallen, wenn man sie durchschreitet. Hinter den braunen Nussholztüren der Zimmer ist dann endgültig Schluss mit jeder Form von Behaglichkeit. Das kleine Arbeitszimmer wirkt durch die kalten, dunklen Marmorböden feindselig und düster, die dunklen Möbel und der Schreibtisch lassen den Eindruck entstehen, dass hier der geeignetste Ort ist, um sein Testament zu Papier zu bringen. Das Schlafzimmer – es gibt natürlich nur relativ breite Einzelbetten – sieht so aus, dass jeder Pauschalurlauber den Raum wegen seiner deprimierenden Atmosphäre laut schreiend verlassen würde. Eigentlich kann man es sich nur als das perfekte Sterbezimmer vorstellen, falls man die Form wahrend abtreten möchte. Immerhin ist das Bad modern und funktional eingerichtet. Eine Minibar gibt es aber ebenso wenig wie einen Fernseher, dafür liegen immer Rosenkränze bereit für den Fall, dass man ihn zu Hause vergessen hat, was den Kardinälen während eines Konklaves wohl kaum passieren dürfte.
Dass irgendjemand auch nur einen Tag länger als nötig im Hotel der Kardinäle bleibt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Zwar bieten einige Zimmer immerhin einen Blick auf den Park, wer aber Pech hat, schaut auf die grosse Strassenkreuzung an der Porta Cavalleggeri. Ich war jedes Mal zutiefst erleichtert, wenn ich wieder draussen war.

Mauer, Berliner

Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl, „Rund um den Vatikan“, Homepage vom 06.08.2012:
Ein Stück deutscher Geschichte im Vatikan
Standort in den Vatikanischen Gärten: vor der Gärtnerei, rechts der Pinakothek

Schon seit Jahren halb versteckt und kaum bekannt steht ein Bruchstück der Berliner Mauer in den vatikanischen Gärten. Dieses Stück deutscher Geschichte stammt aus Berlin Mitte. Der Bau der Mauer teilte die Gemeinde Sankt Michael in zwei Teile. Die Sankt-Michaels-Kirche befand sich im Osten, während ein grosser Teil der Gemeinde dem Westen der Stadt angehörte. Die Mauer verlief hinter der Kirche und versperrte den Blick auf diese aus dem Westteil der Stadt.

Im Jahre 1986 schuf der in Berlin lebende Künstler Yadegar Asisi an genau dieser Stelle ein illusionäres (sinnestäuschendes) Bild, welches die Durchlässigkeit der Mauer demonstrieren sollte. Durch die Skizzierung der Kirchenwand auf dem Fragment scheint die Mauer nicht existent und die Sicht auf das Bauwerk unverstellt.

Nach dem Fall der Mauer wurde das Bruchstück 1990 von dem Italiener Marco Piccininni ersteigert, der es 1994 dem Vatikan schenkte.

OR Nr. 45 vom 7. November 2014, S. 6, Winfried König
Johannes Paul II. und die Berliner Mauer (…)

In diesen Tagen jährt sich zum 25. Mal der Fall der Berliner Mauer. Ohne Zweifel war dieses Ereignis durch die politischen Entwicklungen in verschiedenen Ländern des Warschauer Pakts mitverursacht. In diesem Zusammenhang tritt immer wieder die Frage auf, welche Rolle dem polnischen Papst Johannes Paul II. bei diesem historischen Geschehen zukommt. Kein geringerer als der Friedensnobelpreisträger und ehemalige polnische Präsident Lech Walesa behauptete 2009 in einem Fernsehinterview, dass Papst Johannes Paul II. zu 50 % zum Mauerfall beigetragen hat. Eine genaue Überprüfung dieser Aussage wird wohl erst möglich sein, wenn in einigen Jahrzehnten die vatikanischen Archive für sein Pontifikat geöffnet werden. Immerhin lassen sich schon jetzt gewisse Schlüsse über die Einstellung Johannes Paul II. zum damaligen Geschehen aus seinen verschiedenen öffentlichen Äusserungen ziehen. Nicht zuletzt die Grussworte an seine polnischen Landsleute im Rahmen der Generalaudienzen liefern uns hierzu eine interessante Quelle.
(Papst Johannes Paul II. im Jahre 1996 mit Helmut Kohl, Kardinal Lehmann und dem damaligen Regierenden Bürgermeister Berlins, Eberhard Diepgen, am Brandenburger Tor)

OR Nr. 46 vom 14.11.2014, S. 1
Nach dem Angelus vom 9. November (von Papst Franziskus):

Liebe Brüder und Schwestern! Vor 25 Jahren, am 9. November 1989, fiel die Berliner Mauer, die lange die Stadt zweigeteilt hat und Symbol für die ideologische Spaltung Europas und der ganzen Welt gewesen ist. Der Mauerfall ereignete sich plötzlich, doch er wurde durch den langen und mühsamen Einsatz vieler Menschen ermöglicht, die dafür gekämpft, gebetet und gelitten haben, einige bis zum Opfer ihres Lebens. Unter diesen hat der heilige Papst Johannes Paul II. eine Hauptrolle gespielt.
(WA: An diesen 3-tägigen Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalles, die ich vom 07. bis 09.11.2014 miterlebte, haben weder die Bundeskanzlerin Merkel, Bundespräsident Gauck, der Regierende Bürgermeister Berlins Wowereit noch die  Berliner Tageszeitungen eine Hauptrolle des Papstes hierzu erwähnt noch ihm dafür gedankt. Gorbatschow, den Bürgerrechtler/innen und der riesigen Menge Mutiger der ehemaligen DDR wurde gedacht und gedankt.)

Mauer, Passetto di Borgo in Rom (Geheimgang)

→Geheimgang

Mauer, Leonische

Papst Leo IV. (847-55) war es, der mit dem Mauerbau angefangen hatte, mitten im 9. Jahrhundert, weil auch er schon Angst hatte vor den Arabern. Bis dahin hatten sich selbst Barbaren vom Nimbus (Ansehen, Ruf) des Apostelnachfolgers einschüchtern lassen. Die Sarazenen ihrerseits sahen dafür keinen sonderlichen Anlass und plünderten 846 n. Chr. fröhlich die päpstlichen Kirchen St. Paul und St. Peter. Es musste etwas geschehen, und schon Papst Leo hatte durchaus die Absicht, eine Mauer zu errichten. Für den Bau wurden zur Strafe sarazenische Kriegsgefangene eingesetzt (neben römischen Handlangern, die auch nicht viel besser bezahlt wurden). Der Papst hatte die Stadtviertel, Vorstädte, Klöster und befestigte Landgüter der Umgebung zu freiwilligen Aufgabe verdonnert, jeweils einen Teil der Festungsmauer hochzuziehen. Als alles fertig war, schenkte Papst Leo der Mauer zum Dank seinen edlen Namen. Am 27. Juni 852 wurde die somit genannte „Leonische Mauer“ mit einer Prozession von Bischöfen, Ordensleuten und Prälaten eingeweiht. Sie liefen einmal ringsum im Rechteck, von der Engelsburg durch die Porta Angelica den Vatikan-Hügel hinauf und dann über den Gianicolo-Hügel zurück zum Tiberufer. “Leostadt“, Città Leonina: Den letzten Rest des Originalbaus sieht man noch in den Vatikanischen Gärten, gleich neben dem Hubschrauber-Landeplatz.

Belvedere-Bastion am Piazza Risorgimento: Entwurf von Antonio da Sangallo d. J., Architekt von Paul III. (1534-49).

Der letzte Teil der Mura Vaticana (St. Anna bis Risorgimento) wurde erst nach dem Konkordat mit Benito Mussolini fertiggestellt, im Jahre 1929 unter Pius XI. (1922-39). Sein Wappen befindet sich in der Via di Porta Angelica. Die Mauer wurde etwas zurückgestellt, sodass etwa 1,5 m vor der Mauer noch dem Vatikan gehören (Staatsgebiet). WA: kurz vor Ende der Gendarmerie-Kaserne (genau auf Höhe Porta Angelica Nr. 11) ist die Mauer langsam zurückgezogen, sodass sie bei der Piazza Risorgimento angelangt, ca. 1,5 m zurückversetzt ist (Porta Angelica Nr. 15; Botschaften Boliviens und Libanons beim Hl. Stuhl).

Vatikanmauer an der Via Porta Angelica:

Vatikanmauer an der Via Portal Angelica

Maulwurf im Vatikan

→Päpstliche Wohngemeinschaft

Medien

Kirche heute 27-29/2010, Juni
Journalist berät Vatikan

Der Vatikan lässt sich künftig von dem US-amerikanischen Journalisten Greg Burke in Medienfragen das vatikanische Presseamt mit. Burke soll die Arbeit vom vatikanischem Presseamt und Staatssekretariat koordinieren. Der 52-jährige arbeitet gegenwärtig in Rom als Vatikan-Korrespondent für Fox News und war früher für die US-amerikanische Zeitschrift „Time“ tätig. Wann Greg Burke, welcher der katholischen Gemeinschaft „Opus Dei“ angehört, seine Arbeit aufnehmen wird, ist noch unbekannt.

OR Nr. 23 vom 5. Juni 2015, S. 4
Zur Reform der Vatikanmedien

Vatikanstadt/London. Die Medienarbeit des Vatikans soll nach dem Willen einer Expertengruppe umfassend modernisiert und umstrukturiert werden. Dazu gehören eine Aufwertung des Presseamtes, die Koordination der bislang selbständigen Medienabteilungen, eine neue Leitungsstruktur, mehr Gewicht auf Online-Medien und eine Vernetzung mit katholischen Medien und Pressestellen weltweit. Entsprechende Vorschläge legte der Leiter einer von Papst Franziskus eingesetzten Reformkommission, der frühere BBC-Aufsichtsratschef Lord Chris Patten, bei einer Veranstaltung in London vor. Deutlich aufgewertet werden soll das Presseamt des Heiligen Stuhles, das nach dem Urteil Pattens derzeit „unterbesetzt“ und unter „riesigem Druck“ ist. Diese Schnittstelle, die unter anderem für die Verbreitung offizieller Erklärungen, für Akkreditierungen und Pressekonferenzen zuständig ist, müsse seine Dienste „in einem angemessenen Spektrum von Sprachen“ und mit der nötigen Ausstattung für einen 24-stündigen Medienbetrieb anbieten können. Patten wandte sich indessen gegen Kürzungen im vatikanischen Medienbudget von knapp 70 Millionen Euro wie auch gegen eine Reduzierung der mehr als 600 Medienmitarbeitenden. Man solle das Geld „besser ausgeben, jedoch nicht unbedingt weniger ausgeben“. Die jetzige Ressourcenverteilung sei „eher von historischen als aktuellen strategischen Überlegungen“ bestimmt. So flössen rund 85 % der vatikanischen Medienausgaben in den Sender „Radio Vatikan“ und die Zeitung „L’Osservatore Romano“. Demgegenüber seien der vatikanische Fernsehdienst und soziale Medien zwar professionell, aber unterfinanziert. (…)

OR Nr. 25 vom 19. Juni 2015, S. 4
Zusammenführung der vatikanischen Medien in ein Dikasterium („Ministeramt“)

Künftig werden die vatikanischen Medieneinrichtungen in einer Behörde zusammengefasst. Die Zusammenführung soll unter Wahrung des Personalbestandes innerhalb von 4 Jahren erfolgen, teilte der Pressesprecher des Heiligen Stuhles, P. Federico Lombardi, als ein Ergebnis der Konferenzrunde des Kardinalrates für die Kurienreform (K9-Rat), der in der vergangenen Woche tagte, mit. Das aus 9 Kardinälen bestehende Beratergremium habe über die Berichte der verschiedenen Untersuchungskommissionen beraten und dem Papst vorgeschlagen, „in den nächsten Monaten“ ein solches Dikasterium zu gründen und die entsprechenden Ernennungen vorzunehmen, so der Sprecher. – In der neuen Behörde sollen 9 Einrichtungen zusammengefasst werden. Diese sind die vatikanische Druckerei, die Zeitung „L’Osservatore Romano“, die vatikanische Verlagsbuchhandlung, Radio Vatikan, das Presseamt des Heiligen Stuhles, der Päpstliche Medienrat, das Vatikanfernsehen CTV, das Internet-Büro und der Fotoservice des Osservatore Romano. – Der K9-Rat hatte am Dienstag, 9. Juni 2015, über den Medienbereich diskutiert. Der Leiter der im April vom Papst gegründeten Kommission für die Vatikanmedien, Msgr. Dario Edoardo Viganò (promovierter Kommunikationswissenschaftler), hatte die Kardinäle insbesondere über den Bericht der „Vatican Media Commission“ unter Lord Chris Patten informiert. Die vatikanischen Medieneinrichtungen arbeiten derzeit selbstständig. Patten hatte in seinem teilweise veröffentlichten Bericht bemängelt, dass dadurch unnötige Doppelarbeit entstehe.

OR Nr. 26 vom 3. Juli 2015, S. 4
Zur Errichtung des neuen Kommunikationssekretariates

In Bezug auf das Apostolische Schreiben in Form eines Motu proprio mit dem Titel „Der aktuelle Kommunikationskontext“ vom 27. Juni 2015, mit dem der Papst das Sekretariat für Kommunikation errichtet hat, ernannte er:

  • zum Präfekten des Kommunikationssekretariates: Msgr. Dario Eduardo
    Viganò, Direktor des Vatikanischen Fernsehzentrums;
  • zum Sekretär: Msgr. Lucio Adrián Ruiz, Büroleiter des vatikanischen
    Internetdienstes;
  • zum Generaldirektor: Dr. Paolo Nusiner, Generaldirektor der Zeitung der
    Italienischen Bischofskonferenz Avvenire;
  • zum stellv. Generaldirektor: Dr. Giacomo Ghisani, Leiter der
    Abteilung für internationale Beziehungen und juristische Angelegenheiten
    bei Radio Vatikan sowie Mitglied des Verwaltungsrates des
    Vatikanischen Fernsehzentrums.

OR Nr. 22 vom 03.06.2016, S. 3
Papst berät mit Behördenleitern über Medienreform

Papst Franziskus hat die Leiter der vatikanischen Behörden am 30. Mai 2016 zu einer „Kabinettssitzung“ einberufen. Thema des mit den Präfekten  der Kongregationen und Präsidenten der Päpstlichen Räte war die Reform des vatikanischen Mediensektors. Referiert habe zu diesem Thema der Präfekt des neuen Mediensekretariates, Msgr. Dario Edoardo Viganò.
Das 2015 von Papst Franziskus geschaffene Mediensekretariat soll die bislang getrennten vatikanischen Aktivitäten auf diesem Sektor bündeln. Unter seinem Dach sind ausser dem Sender Radio Vatikan etwa die Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“, das Fernsehzentrum CTV und das Nachrichtenportal vatican.va. angesiedelt. Die Reform ging bislang etwas schleppend voran. Viganò hatte ihren Abschluss bis 2018 in Aussicht gestellt.

Kirche heute 30-32/2016 Juli, S. 2
Erstmals eine weibliche Sprecherin

Der Vatikan hat erstmals eine weibliche Pressesprecherin. Papst Franziskus ernannte am 11. Juli 2016 die spanische Hörfunk-Journalistin Paloma Garcia Ovejero zur stellvertretenden Leiterin des vatikanischen Presseamtes. Die 40-jährige ist Nachfolgerin des US-Amerikaners Greg Burke (56), den Franziskus zum neuen Leiter des Presseamtes anstelle des mit fast 74 Jahren in den Ruhestand getretenen Pater Federico Lombardi berufen hat.

Medizinische Versorgung im Vatikan

Im Palazzo Belvedere (Eingang S. Anna) sind Ärzte rund um die Uhr anwesend. Es sind aber keine Operationen möglich. Es gibt also kein Spital im Vatikan. Das „Vatikanspital“, mindestens für den Papst, ist das Gemellispital auf dem Monte Mario. Der Vatikan hat mit verschiedenen Stadtspitälern Roms Verträge. Ein Operationszimmer aber, einzig für den Papst (von Paul VI. eingerichtet), befand sich im 3. Stock des Papstpalastes. Benedikt XVI. genügte anscheinend eine einfache Zahnarztpraxis.

Zutritt zur medizinischen Versorgung bzw. Ambulatorium bzw. Apotheke haben Bürger/innen und Einwohner/innen SCV, auch Arbeitnehmer/innen SCV. Es ist in speziellen Fällen möglich, dass sich Römer/innen untersuchen lassen und gegen Rezept in der Vatikanapotheke Medikamente beziehen können.

OR Nr. 18 vom 3. Mai 2013, S. 3
Vatikanische Ärzte behandeln Kinder in Vietnam

Vatikanstadt. Das vatikanische Kinderkrankenhaus „Bambino Gesù“ (Gianicolo) weitet seine Hilfsangebote für Kinder in Vietnam aus. Die Klinik ha gemeinsam mit dem Kinderkrankenhaus „National Hospitel for Pediatrics“ in Hanoi ein intensivere Zusammenarbeit bei der Behandlung von 2’000 Kindern mit Missbildungen im Genitalbereich und an den Urinwegen sowie mit Nierenversagen vereinbart. Das Projekt solle gewährleisten, dass die Betroffenen fachgerecht untersucht würden. Zudem solle es chirurgische Eingriffe und eine Dialyse (Blutwäsche) ermöglichen. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden medizinischen Einrichtungen besteht schon seit einigen Jahren. Ärzte des vatikanischen Krankenhauses seien in dieser Zeit bereits 20 Mal nach Hanoi geflogen, um Fortbildungsprogramme für einheimische Ärzte durchzuführen, berichtet der vatikanische Pressedienst Fides.
Siehe auch →Ambulatorium   →Gewerkschaften

Mensa (Verpflegungsstellen im Vatikan)

Siehe →Verpflegungsstelle

Menschenrechte

bz Basellandschaftliche Zeitung vom 24.09.2007, Hans Küng:
Der Vatikan war bis heute nicht in der Lage, die Menschenrechts-Erklärung des Europarates zu unterzeichnen, wiewohl man in Rom sonst immer daran interessiert ist, bei internationalen Konferenzen und Abmachungen beteiligt zu werden.

Hätte der Vatikan die Menschenrechtserklärung unterzeichnet, müssten ganz andere Normen bei Verfahren gegen Oppositionelle innerhalb der Kirche eingehalten werden. Dazu gehören vor allem solche wichtige Punkte wie die Frage des rechtlichen Gehörs, der Akteneinsicht usw., kurz alles, was Rom beispielsweise mir die ganze Zeit verwehrt hat. WA: Siehe dazu der Basellandschaftliche Gerichtsentscheid im Falle Koch/Sabo (Sommer 2007) zugunsten Pfarrer Sabos. Ihm wurde das rechtliche Gehör beim Bischof nicht zugestanden, was das Gericht missbilligte.

Hans Küng, Erkämpfte Freiheit, S. 493:
Die Verfahrensweisen der Glaubenskongregation widersprechen den „Allgemeinen Erklärungen der Menschenrechte“ durch die Vereinten Nationen (10.12.1948). Artikel 10: „Jedermann hat in voller Gleichheit das Recht auf eine faire und öffentliche Untersuchung durch ein unabhängiges und unparteiisches Gericht zur Beurteilung seiner Recht und Pflichten und jeglicher gegen ihn gerichteten Anschuldigung.“ Und Artikel 11.1: „Jedermann, der eines strafbaren Vergehens angeklagt ist, hat das Recht, als unschuldig betrachtet zu werden, bis seine Schuld bewiesen ist, nach dem Gesetz in einem öffentlichen Verfahren, in dem er alle zu seiner Verteidigung notwendigen Rechtsmittel hatte.“

HK, Ist die Kirche noch zu retten?, S. 221:
Erst die Aufklärung räumte mit den Barbarismen (Inquisition, Häresie) der Folter und des Feuertodes für Ketzer auf. Aber die römische Inquisition besteht unter verändertem Namen („Sanctum Officium“, „Kongregation für die Glaubenslehre“) und mit psychischen Foltermethoden weiter und verfügt heute über digitale Registriermethoden. Doch verfährt sie immer noch nach ihrem mittelalterlichen Grundsatze – einer der Gründe, warum der Vatikan der Europäischen Menschenrechtskonvention von 1950, die auf einem Mindestniveau die Einhaltung der Menschenrechte gewährleisten soll, nicht beitreten darf.
Diffamierungen →Päpste, Johannes Paul II.

OR Nr. 40 vom 5. Oktober 2012, S. 4:
Der Vatikan hat die internationale Gemeinschaft zu einem wirksameren Schutz der Menschenrechte aufgefordert. Diese dürfe sich nicht nur darauf beschränken, von Staaten ein demokratisches Zustandekommen von Gesetzen zu verlangen, sondern müsse auch inhaltliche Anforderungen an die Gesetzgeber stellen, heisst es in einer Rede von Erzbischof Dominique Mamberti, Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten, bei der 67. UNO-Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York.  Die unveräusserliche Würde und der Wert jedes Menschen dürften durch kein Gesetz, keine soziale Übereinkunft und kein internationales Abkommen in Frage gestellt werden, so der Erzbischof.
→“Ehe, gleichgeschlechtliche“

Messe, Heilige

Katholische Wochenzeitung 30-32 2014, Juli, S. 10
Kardinal Tagle: „Guten Morgen“ in der heiligen Messe überflüssig

Begrüssungen wie „Guten Morgen“ haben in der heiligen Messe keinen Platz. Dies sagte Kardinal Luis Antonio Tagle, der Erzbischof von Manila, in seiner Predigt zu Fronleichnam. Grussformeln dieser Art seien überflüssig, selbst wenn sie einer guten Absicht entspringen würden. Dies berichtete die Online-Ausgabe von CBCP, dem Nachrichtendienst der katholischen Bischofskonferenz der Philippinen. „Ich sehe keinen Bedarf für „Guten Morgen“ und ähnliche Begrüssungsformeln, wenn Gottes reale Gegenwart in der heiligen Eucharistie genügt“, sagte er wörtlich. Die im Messbuch vorgesehene Begrüssung mit „Der Herr sei mit Euch“, sei ausreichend, fügte der Kardinal hinzu. Er forderte die Priester in seiner Diözese auf, die liturgischen Vorgaben einzuhalten. Jeder könne „Guten Morgen“ sagen, aber die Grussformel „Der Herr sei mit Euch“ sei nur in der heiligen Messe zu hören und sei deshalb von besonderer Bedeutung.

Katholische Wochenzeitung 30-32 2014 Juli, S. 10
Eucharistie im Jugendlager

„Ich möchte daher diese Gelegenheit wahrnehmen, um einige Gedanken über die heilige Messfeier mit in den Urlaub zu geben. Ich mache dies nicht zuletzt, weil mir bei den Visitationen der Pfarreien auffällt, dass einige kirchliche Mitarbeiter ein distanziertes Verhältnis zur Eucharistiefeier haben und Sonntage ohne heilige Messe verbringen können. Es kann nicht sein, dass Kinder- und Jugendlager an Wochenenden ohne heilige Messe stattfinden, nicht zuletzt wegen jenen Personen, welche im kirchlichen Dienst stehen und dafür  Verantwortung tragen. Dabei müsste doch eben diese Feier der zentrale Inhalt der Evangelisierung sein, so auch in der für die Zukunft der Kirche bedeutenden Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Denn der /Höhepunkt der christlichen Initiation (Aufnahme in die Gemeinschaft) ist die Teilnahme am heiligen Messopfer und der Empfang der heiligen Kommunion.
(Bischof Vitus Huonder zum Abschluss des Studienjahres 2013/2014 an der Theologischen Hochschule Chur [kipa])

Mezzanin, das

http://de.wikipedia.org/wiki/Mezzanin

Mezzanin Zeichnung

Ein Mezzanin (von italienisch: mezzo = halb) ist ein Halb- oder Zwischengeschoss eines mehrstöckigen Gebäudes.

Das Mezzanin hat eine geringere Höhe und gegebenenfalls auch eine geringere Fläche als die Vollgeschosse des Gebäudes. Meistens befindet es sich entweder als letztes Geschoss ohne Dachschräge unter dem Dach, z. B. als Dienstbotenwohnung, oder als Zwischengeschoss zwischen Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss. – Wenn ein Mezzanin im Gebäudeinnern an einen über mehrere Geschosse gehenden Saal angrenzt, kann es mittels einer Empore an diesen angebunden werden. Aus diesem Grunde wird im Englischen die Bezeichnung „mezzanine“ vor allem auch für Emporen verwendet.

Um steuerrechtliche Bestimmungen wie die der Stockwerksteuer zu umgehen, wurde das Mezzanin beispielsweise in Wien um 1900 verwendet, um die Stockwerkszahl auf dem Papier gering zu halten. Durch Einfügen von nominalen Zwischengeschossen wie dem Halbstock, Tief- (auch Souterrain genannt) Halb- und Hochparterre und einem Mezzanin wurde die Anzahl der Geschosse erhöht, ohne die Auflagen einhalten zu müssen, die mit zusätzlichen Vollgeschossen verbunden gewesen wären. Diese Art des Bauens findet man unter anderem auch im Wiener Rathaus.

In der Schweiz hat das Mezzanin keine steuertechnische Bedeutung.

AS, Vatikanistan, S. 210:
Dem Papstbruder, Georg Ratzinger, wurde im oberen Mezzanin (3. Loggia des Papstpalastes mit Hauptstockwerk und unterem und oberem Mezzanin) eine kleine Wohnung eingerichtet, nämlich Wohnzimmer, Schlafraum und Bad. Georg Ratzinger im oberen Mezzanin wie die Sekretäre des Papstes.

Mietwohnungen in der Stadt  Rom

Über unzählige Mietwohnungen soll der Vatikan in Rom verfügen, einmal hört man von mehreren Hundert,  das andere Mal von über 3’000. Der Hauskomplex gegenüber dem Schweizerquartier (Ecke Via di Porta Angelica/Piazza Città Leonina) gehört dem Vatikan. Ehemaliger Mieter: Joseph Ratzinger. Nach seiner eigenen Aussage leben dort zzt. 7 Kardinäle und 2 Bischöfe. Sie würden keine Mieten bezahlen.
→Immobilien        →Nuzzi

Militärisches Korps

Die Päpstliche Schweizergarde wird nach der Personalordnung des Heiligen Stuhles als „Militärisches Korps“ bezeichnet. Sie ist keine Armee, und eben nicht die „Kleinste Armee der Welt“.
→Kleinste Armee der Welt unter A (Personalordnung)

Militärstrafgesetz, Schweizerisches reicht in den Vatikan

Schweizer Bürger leisten im Vatikan, also im Ausland, fremde Dienste. Das wäre nach Schweizerischem Militärstrafgesetz strafbar. Da dieses im Vatikan bezeichnete militärische Korps (nicht Armee) in der Schweiz als einfache Wachpolizei gehandelt wird, gemäss Schweizerischem Militärstrafgesetz, Art. 94, ist dieser fremde Dienst straffrei. Ein Eintritt in die Garde des Vatikans erfordert also auch nicht die Zustimmung des Bundesrates. Aber die verpassten Wiederholungskurse der Armee müssen nachgeholt werden.
→Schweizergarde

Ministrantinnen/Ministranten

KWZ Nr. 24 vom 17.06.2011:
Ministrantinnen bleiben im ausserordentlichen Ritus verboten.

Die Päpstliche Kommission „Ecclesia Die“ hat dies ausdrücklich bestätigt. Ministrantinnen bleiben in der ausserordentlichen Form der Liturgie weiterhin unerlaubt. Der Rundbrief der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentsordnung von 1994 „Notitiae 30″, welcher weibliche Messdiener erlaubt, ist nicht für die ausserordentliche Form gültig.

OR Nr. 24 vom 17.06.2011:
… Da die Liturgie in der Form von 1962 noch keine Ministrantinnen vorsah – offiziell wurden sie vom Vatikan erst 1994 bestätigt, – könnten sie in dem jetzt wieder breiter zugelassenen Ritus nicht zum Einsatz kommen.

OR Nrn. 32/33 vom 8. August 2014, S. 1

50’000 Messdiener aus den Diözesen Deutschlands, aus Österreich und Lettland nahmen an der Ministrantenwallfahrt nach Rom teil. Die bunte Gemeinschaft traf am Dienstagnachmittag, 5. August 2014, mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz zusammen. Nach dem gemeinsamen Abendgebet stellten vier Vertreter der Gruppe dem Heiligen Vater eine Frage, auf die er antwortete.

S. 3: Impulse für die Suche nach dem Glauben. „Benvenuti a Roma“ hiess es in der vergangenen Woche für insgesamt fast 50’000 Ministrantinnen und Ministranten, die an der Wallfahrt der deutschen Diözesen nach Rom teilnahmen. 25 Erzbischöfe, Bischöfe und Weihbischöfe aus Deutschland haben die Messdiener im Alter von 13 bis 18 Jahren auf ihrem Weg durch die Woche begleitet.  Auch Österreich war bei der Wallfahrt stark vertreten. Rund 1’000 Kinder und Jugendliche kamen aus der Erzdiözese Wien und der Diözese Linz. Begleitet wurden die österreichischen Ministranten vom Wiener Weihbischof Franz Scharl und dem Wilheringer Abt Reinhold Dessl. Zudem waren 50 Messdiener aus Lettland mit von der Partie. Unter dem Motto „Frei! Darum ist es erlaubt, Gutes zu tun“ begaben sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Pilgerwege, die sie u. a. zu den Apostelgräbern der heiligen Petrus und Paulus führten. Sie erlebten Impulsangebote zur Vertiefung des geistlichen Gehalts des Mottos und Gottesdienste ihrer Pfarreigruppen. Besichtigungen und Ausflüge rundeten das facettenreiche Programm in der Ewigen Stadt ab, das die in der Jugendpastoral Verantwortlichen vorbereitet hatten.

Mischehe

Siehe unter „Ehe, Misch-Ehe“

Missbrauchs-Fälle

OR Nr. 51/52 vom 24.12.2010: Unvorstellbares Ausmass
Jahresrückblick vor der Römischen Kurie. Die Erschütterung der Kirche durch den Missbrauchsskandal bildete den thematischen Schwerpunkt im traditionellen Jahresrückblick von Papst Benedikt XVI. vor den Kardinälen, Bischöfen und Prälaten der Römischen Kurie. Angesichts des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Priester rief der Papst zu einer eingehenden Erneuerung der Kirche auf. Vor dem Hintergrund des unvorstellbaren Ausmasses der Fälle müsse sich die Kirche fragen, welche Fehler  sie gemacht habe. In der Vorbereitung der Priesteramtskandidaten müsse alles unternommen werden, um künftig zu verhindern, dass jungen Menschen „unter dem Deckmantel des Heiligen“ schwerwiegende Verletzungen zugefügt werden.

HK, Ist die Kirche noch zu retten? S. 28:
Es darf nicht verschwiegen werden, dass das weltweit in Kraft gesetzte Vertuschungssystem von klerikalen Sexualvergehen gesteuert war von der römischen Glaubenskongregation unter der Leitung von Kardinal Joseph Ratzinger (1981-2005), wo schon unter Johannes Paul II. unter strengster Geheimhaltung die Fälle gesammelt wurden. Noch am 18. Mai 2001 sandte Ratzinger ein feierliches Schreiben über die schweren Vergehen („Epistula de delictis gravioribus“) an alle Bischöfe. Darin werden die Missbrauchsfälle unter das „Secretum Pontificium“ gestellt, bei dessen Verletzung man sich schwere Kirchenstrafen zuziehen kann. Dieses Schreiben wurde bisher nicht zurückgezogen.

Zu Recht fordern deshalb viele vom damaligen Präfekten und jetzigen Papst ein persönliches „Mea culpa“. Doch leider hat er in der Karwoche 2010 die Gelegenheit dafür verpasst. Stattdessen liess er sich am Ostersonntag 2010 in einer so noch nie dagewesenen peinlichen Zeremonie zu Beginn der feierlichen Messe vom Dekan des Kardinalkollegiums, Kardinal Angelo Sodano, dem früheren Staatssekretär, seine Unschuld „urbi et orbi“ attestieren. Dabei war gerade Sodano selber wegen peinlicher Verwicklungen in die öffentliche Kritik geraten. Der Papst hat die Missbrauchsfälle zwar immer wieder bedauert, zu seiner persönlichen Verantwortung jedoch hat er geschwiegen, wie auch viele Bischöfe geschwiegen haben.

HK, Ist die Kirche noch zu retten? S.34:
Das oberste Gericht der USA („Supreme Court“) lehnte den Rekurs ab, mit dem der Vatikan das Urteil eines Gerichts im Staat Oregon anfechten wollte, der Vatikan könne wegen sexueller Missbrauchsfälle, die durch Priester verübt wurden, vor Gericht gestellt, verurteilt und zur Zahlung von Strafgeldern aus den vatikanischen Finanzen verpflichtet werden. Das US-Gericht verwarf also die vatikanische Position, die sich auf die juristische Immunität eines souveränen Staates berief. Rechtsanwalt Jeff Anderson (St. Paul/Minnesota), ein höchst erfolgreicher Sammelkläger wegen Sexualmissbrauchs, dessen Tochter ebenfalls von einem Ex-Priester missbraucht worden war, erklärte, dass damit nach 8 Jahren der Verhinderung seit 2002 der Weg frei sei für eine Anklage, dass der Vatikan für seine Vertuschung der Missbrauchsfälle strafrechtlich verantwortlich sei. Demnächst soll die Klage nun gegen Kardinal Angelo Sodano, den früheren Staatssekretär und jetzigen Dekan des Kardinalskollegiums, und gegen den jetzigen Staatssekretär Kardinal Tarcisio Bertone gerichtet werden. Aber danach könne die Anklage auch gegen Papst Ratzinger erhoben werden. Denn dieser habe, wie die New York Times ausführlich berichtet, als Präfekt der Glaubenskongregation auf alle Sanktionen gegen den Priester Lawrence Murphy verzichtet, der von 1950 bis 1975 in Milwaukee rund 200 gehörlose Jungen missbraucht habe. Auch wenn der Papst als Staatsoberhaupt Immunität geniesst, so sind das in jedem Fall desaströse (verhängnisvolle, katastrophale) Aussichten.

BaZ vom 26.07.2011, S. 7 und OR Nr.  30/31 vom 29.07.2011:
Vatikan ruft Botschafter aus Irland zurück

Nach den neuen schweren Vorwürfen aus Irland wegen des Umgangs mit sexuellem Missbrauch hinter Kirchenmauern hat der Vatikan Erzbischof Giuseppe Leanza, Vatikanbotschafter in Irland, einbeslt. Nach Berichten von Radio Vatikan reagierte der Heilige Stuhl damit auf die Veröffentlichung des sogenannten Cloyne-Reports, der über die Vertuschung von Missbrauch in der katholischen Kirche in Irland informiert, und vor allem auf die nachfolgenden harschen Vorwürfe des irischen Premiers Enda Kenny. DPA
Cloyne-Report: Bericht der irischen Regierung über den Missbrauch von Minderjährigen durch Priester der Diözese Cloyne.

Hans Küng, Ist die Kirche noch zu retten? S. 233:
Die Korrelation (Wechselbeziehung) zwischen dem sexuellen Missbrauch Jugendlicher durch Kleriker und dem Zölibatsgesetz wird zwar immer wieder geleugnet, aber man kann doch die Zusammenhänge nicht übersehen. Die zwangszölibatäre und monosexuelle Kirche konnte die Frauen aus allen kirchlichen Ämtern, nicht aber die Sexualität aus dem Menschen vertreiben und nahm so, wie der katholische Religionssoziologe Franz-Xaver Kaufmann ausführt, das Risiko der Pädophilie in Kauf. Zahlreiche Psychotherapeuten und Psychoanalytiker bestätigen: Das Zölibatsgesetz verpflichte die Priester, sich jeglicher sexuellen Aktivität zu enthalten. Aber deren Impulse bleiben nun einmal virulent (ansteckend, krankheitserregend), und es bestehe die Gefahr, dass sie in eine Tabuzone abgedrängt und dort kompensiert werden. Zölibatäre Lebensformen, besonders die zu dieser hinführende, oft von zölibatären Männern dominierte, Sozialisation (häufig Internat, dann Priesterseminar) könne also pädophilen Neigungen Vorschub leisten. Verschiedene Studien zeigen, dass eine Hemmung der psychosexuellen Entwicklung bei Zölibatären häufiger auftritt als in der Durchschnittsbevölkerung. Entwicklungspsychologische Defizite und sexuelle Neigungen werden jedoch oft erst nach der Ordination bewusst. Aber sexuelle Fehlentwicklungen und Fehlverhalten werden in der katholischen Kirche systematisch verschleiert. Es bedarf einer neuen positiven Einstellung nicht nur zur Sexualität, sondern besonders zur Frau.

OR Nrn. 32/33 vom 12. August 2011:
München. Als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal gründet die katholische Kirche in München ein neues wissenschaftliches „Zentrum für Kinder- und Jugendschutz“. Das gab der Münchner Kardinal Reinhard Marx bekannt. Träger sind die Erzdiözese München und Freising und die Päpstliche Universität Gregoriana der Jesuiten in Rom. Die Einrichtung werde spätestens zu Beginn 2012 ihre Arbeit aufnehmen.

An dem Zentrum soll in den nächsten 3 Jahren ein weltweit einsetzbares, mehrsprachiges E-Learning-Trainingsprogramm entwickelt werden. Es wird dazu dienen, kirchliche Mitarbeiter für die Prävention von Übergriffen gegen Minderjährige zu schulen. Designierter Leiter des Zentrums ist der Ulmer Kinder- und Jugendpsychiater Hubert Liebhardt. Zweites Ziel ist die Ausarbeitung eines globalen pastoralen Konzepts zur Bekämpfung von Missbrauch in Kirche und Gesellschaft.

Kardinal Marx sagte, die Kirche stelle sich mit diesem Projekt ihrer Verantwortung. Neben der Aufarbeitung erfolgter Übergriffe und der Sorge um die Opfer müsse „eine neue Kultur des Hinschauens“ etabliert werden. „Die Kirche soll ein Ort der Gewaltlosigkeit und Liebe gerade für die Kleinen und Schwachen sein – ja geradezu ein Schutzraum“, betonte der Kardinal.

Der Jesuit P. Hans Zollner, Vizerektor der Päpstlichen Universität Gregoriana, erklärte, es gehe um einen nachhaltigen Lernprozess. Er sei sehr froh, dass sich die Münchner Erzdiözese „in bemerkenswerter Weise für die Weltkirche engagiert“. Mit E-Learning könnten Weltgegenden erreicht werden, „wo es Internet gibt, aber keine Strassen“, erläuterte er die Bedeutung des Projekts.

Kirche heute 39/2011:
Jede Zahl ist ein Mensch

Das Fachgremium „Sexuelle Übergriffe in der Pastoral“ der Schweizer Bischofskonferenz zieht Zwischenbilanz. 2010 meldeten sich 146 Opfer. Viele der Übergriffe liegen Jahrzehnte zurück.

Das Jahr 2010 ist ein „Annus horribilis“ für die römisch-katholische Kirche. In verschiedenen europäischen Ländern kamen Fälle von sexuellem Missbrauch ans Licht. Im Februar 2010 wurden in der Schweiz 60 Verdachtsfälle publik. Ende März 2010 gestanden die Schweizer Bischöfe ein, das Ausmass der Situation unterschätzt zu haben, und ermutigten Opfer, sich zu melden. Nach diesem Aufruf war ein starker Anstieg der Meldungen zu verzeichnen. „Es kommen immer noch Meldungen herein, sie flachen aber etwas ab“, sagte Adrian von Kaenel, Präsident des Fachgremiums, das sich mit den sexuellen Übergriffen in der Seelsorge befasst. In den 2010 gemeldeten Fällen waren die Hälfte der Täter Weltpriester und ein Viertel Ordensmänner. Für sexuelle Übergriffe sind aber auch vier Ordensfrauen und drei Laientheologen verantwortlich. Auf Opferseite waren 80 Kinder und Jugendliche sowie 54 Erwachsene betroffen. Ein Grossteil der Übergriffe ereignete sich zwischen 1950 bis 1990. Für die Phase zwischen 1991 bis 2000 wurden neun Fälle gemeldet, 13 betreffen das letzte Jahrzehnt. Hier sei eine schnelle Reaktion nötig, sagte von Kaenel. Im Bistum Basel wurden letztes Jahr 40 Fälle gemeldet. Zahlen seien leicht kommunizierbar, doch hinter jeder Zahl stehe ein Mensch, sagte Abt Martin Wehrlen, Verantwortlicher der SBK für das Fachgremium. Entscheidend sei, dass sexueller Missbrauch kein Tabuthema mehr sei.

OR Nr. 39 vom 30.09.2011:
Treffen mit Missbrauchsopfern

Papst Benedikt XVI. ist am Freitagabend, 23. September, in Erfurt mit Missbrauchsopfern zusammengetroffen. Er sei „bewegt und erschüttert“ gewesen über das, was den Opfern und Familien angetan worden sei. Das teilte der Vatikan anschliessend in einer Erklärung mit, die von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht wurde. Das im Besuchsprogramm nicht angekündigte Treffen mit 3 Männern und 2 Frauen fand im Priesterseminar statt. Der Papst habe den Opfern, die von Priestern und kirchlichen Mitarbeitern missbraucht worden seien, „sein tiefes Mitgefühl und Bedauern“ ausgesprochen. Benedikt XVI. habe den Teilnehmern versichert, den Verantwortlichen in der Kirche sei an der Aufarbeitung aller Missbrauchsdelikte gelegen. Sie bemühten sich zudem, wirksame Massnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu fördern.

Basler Zeitung vom 17.12.2011:
Zehntausende Kinder sexuell missbraucht

Den Haag. In den Niederlanden sind seit 1945 Zehntausende Kinder in Einrichtungen der katholischen Kirche sexuell missbraucht worden. Das geht aus dem Bericht einer Untersuchungskommission hervor, der am Freitag in Den Haag vorgestellt wurde. Den Untersuchungen zufolge sollen zwischen 1945 und 1981 zwischen 10’000 und 20’000 Minderjährige unter  Missbrauch gelitten haben. Bis 2010 summiere sich die Zahl auf „mehrere Zehntausend“. Die Kinder und Jugendlichen hätten unter „leichtem, schwerem und sehr schwerem“ Missbrauch gelitten. Der Erzbischof von Utrecht bat die Opfer um Verzeihung. „Im Namen der katholischen Kirche in den Niederlanden möchte ich mich aufrichtig entschuldigen.“ Nach Veröffentlichung des Berichtes sagte er: „Das erfüllt uns mit Scham und Schmerz.“ Mindestens 800 Täter waren dem Bericht zufolge in die Missbrauchsfälle verwickelt. Heute seien noch mehr als 100 von ihnen am Leben. DPA

OR Nr. 6 vom 10.01.2012:
Konferenz über sexuellen Missbrauch

Vertreter nahezu aller Bischofskonferenzen der Welt kamen zu einer Konferenz über sexuellen Missbrauch durch katholische Kleriker zusammen. Das 3-tägige Symposium „Auf dem Weg zur Heilung und Erneuerung“ richtete sich speziell an Bischöfe und Ordensobere, wie die Organisatoren der Päpstlichen Universität Gregoriana mitteilten. Aus Deutschland nahmen der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, sowie der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, teil.

Der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, William Kardinal Levada, hat die Konferenz mit einem Vortrag eröffnet. Am Tag danach fand ein Wortgottesdienst mit einem grossen Bussakt statt, den der Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, Marc Kardinal Quellet, geleitet hat. Ziel der Konferenz sei der Austausch über Vorbeugungsmassnahmen weltweit, so die Veranstalter. Zum Abschluss wird das von der Universität Gregoriana in München eröffnete „Zentrum für Kinderschutz“ offiziell vorgestellt. Es soll in den kommenden 3 Jahren ein mehrsprachiges internetbasiertes Lernprogramm für Kirchenmitarbeiter entwickeln.

Auch ein Missbrauchsopfer aus Irland hat an dem Kongress teilgenommen. Marie Collins, die als 12-jährige während eines Krankenhausaufenthaltes missbraucht worden war, sagte vorab, dass für die Zukunft der Kinderschutz und die Einhaltung der kirchlichen Richtlinien im Umgang mit Tätern Vorrang haben sollten. Für die Opfer würde eine Vergebungsbitte der Kirchenoberen am meisten zur Heilung beitragen, so Collins. Unter den Vortragenden waren neben Kardinal Marx auch Vertreter afrikanischer und asiatischer Bischofskonferenzen. Damit wolle man zeigen, dass Missbrauch weltweit ein Thema sei, betonte der deutsche Jesuit und Psychologe, Prof. Hans Zoller, einer der Organisatoren des Treffens.

OR Nr. 12 vom 23. März 2012:
Ergebnisse und Perspektiven der Apostolischen Visitation in Irland

Die Erschütterung, die Benedikt XVI. im Hirtenbrief an die Katholiken in Irland angesichts des schrecklichen Phänomens des Missbrauchs Minderjähriger zum Ausdruck gebracht hat, und die Nähe, die der Papst wiederholt den Personen bekundet hat, die Opfer dieser von Priestern oder Ordensleuten verübten sündigen und kriminellen Akte geworden sind, wurden vom Heiligen Stuhl durch ein Dokument erneuert, das am Dienstag, dem 20. März, nach Abschluss der Apostolischen Visitation im Land veröffentlicht wurde.

Die Visitation, die vom Papst persönlich einberufen wurde, um „der durch die  tragischen Ereignisse des von Priestern und Ordensleuten verübten sexuellen Missbrauchs Minderjähriger entstandenen Situation angemessen zu begegnen, hatte im Herbst 2010 begonnen. Ihre erste Phase  wurde im Juni 2011 abgeschlossen. Das jetzt veröffentlichte Dokument enthält eine Zusammenfassung der Ergebnisse, die hervorgegangen sind aus den Visitationen der vier Metropolitan-Erzdiözesen Armagh, Dublin, Cashel und Emly  und Tuam sowie von etwa 30 Ordensinstituten und fünf Priesterseminaren: dem „Saint Patrick’s College“ in Maynooth, dem Päpstlichen Irischen Kolleg in Rom, dem „Saint Malachy College“ in Belfast, dem „All Hallows College“ in Dublin sowie dem „Milltown Institute of Theology and Philosophy“ in Dublin. Das Dokument enthält auch Weisungen des Heiligen Stuhles, die zu deren hinzukommen, die die einzelnen Dikasterien an die Verantwortlichen der Körperschaften, die der Visitation unterzogen wurden, gesandt haben. Es wird darin noch einmal betont, dass die Visitation pastoralen Charakter hatte. Einerseits habe sie zwar die Schwere der Verfehlungen belegt, die in der Vergangenheit zu unzureichendem Verständnis  und einer entsprechenden Reaktion auch von seitens der Bischöfe und Ordensoberen geführt haben, andererseits habe sie jedoch auch deutlich gemacht, dass seit den Neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entscheidende Schritte nach vorn unternommen wurden, die das Problem stärker ins Bewusstsein gerückt und tiefgreifende Veränderungen im Umgang mit ihm mit sich gebracht haben. Das Dokument kündigt auch an, dass der Heilige Stuhl und der irische Episkopat bereits mit gemeinsamen Überlegungen zur gegenwärtigen Gestaltung der Diözesen begonnen haben, um die Territorialstrukturen besser geeignet zu machen, auf die heutige Sendung der Kirche in Irland zu antworten.

Es wurde unter anderem der Wunsch zum Ausdruck gebracht, die Leitlinien, die im Dokument „Safeguarding Children“ von 2008 aufgezeigt wurden, weiter zu aktualisieren auf der Grundlage der Weisungen, die von der Kongregation für die Glaubenslehre am 3. Mai 2011 veröffentlich wurden und die regelmässig revidiert werden. (…)

Kirche heute 14/2012, März 2012:
Gemischte Reaktion auf Bericht zu Missbrauchsskandal

Die Regierung Irlands hat den vatikanischen Untersuchungsbericht zum Missbrauchsskandal in der irischen Kirche teils mit Zustimmung, teils mit Kritik aufgenommen. Familienministerin Frances Fitzgerald begrüsste laut Presseberichten den Vorsatz der Kirche, weiter mit Missbrauchsopfern in Kontakt zu bleiben. Kathleen Lynch, Staatssekretärin für Gleichberechtigung, kritisierte hingegen den internen Charakter und eine „unverständliche Sprache“ des Berichts. Der Vatikan hatte eine Zusammenfassung des internen Ermittlungsberichtes veröffentlicht. Darin werden unter anderem den Bischöfen schwere Versäumnisse vorgeworfen und Reformen bei der Priesterausbildung und der kirchlichen Rechtspraxis verlangt.

Kirche heute 16/2012, April 2012:
Von Aufbruch keine Spur

Die katholische Kirche sei durch die Missbrauchsskandale erschüttert worden, doch fehle ihr offenbar die Kraft, sich dem Geschehenen vorbehaltlos zu stellen und die Konsequenzen zu ziehen. Dies schrieb Simon Spengler, Sekretär der Kommission für Kommunikation und Medien der Schweizer Bischofskonferenz im CVP-Magazin. „Die Politik“. In der Kirche sei derzeit von Aufbruch nicht viel zu spüren, „schon gar nicht angesichts der meines Erachtens drängendsten Frage, der Rolle der Frau in dieser Kirche“, hält Spengler fest. (Quelle Kipa)

Kirche heute 21/2012, Mai 2012:
„Wer nicht sprechen kann, kann nicht hören“

Pater Klaus Mertes über seine Erfahrungen mit dem Missbrauchsskandal
Sein Brief an potenzielle Betroffene sexueller Übergriffe im Berliner Canisius-Kolleg löste im Januar 2010 eine Lawine aus. Letzte Woche sprach Jesuitenpater Klaus Merte in Basel zu „Macht, Sexualität und Kirche“ und beklagte die Herz- und Sprachlosigkeit der Kirche, wenn es um das Thema Sexualität geht. (…)

Kath. Wochenzeitung r. 25 vom 22. Juni 2012, S. 8:
Expertin: Missbrauch in Katholischer und Evangelischer Kirche gleich

Traumatherapeutin Enders: Dass sexueller Missbrauch am Zölibat liege, sei ein Mythos: „Missbrauch hat mit Zölibat wenig zu tun“ – „Leitungsvakuum“ als idealer Nährboden.

Das Problem des sexuellen Missbrauchs ist in der Katholischen und Evangelischen Kirche in Deutschland gleich gross. Auf diese ihre Beobachtung wies Ursula Enders, Leiterin von „Zartbitter“, eine Einrichtung gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen in Köln, hin, wie Radio Vatikan mit Berufung auf kipa-apic berichtet.

„Die Evangelische Kirche hat sich lange Zeit in Sicherheit gewiegt und geglaubt, <bei uns doch nicht, das liegt ja am Zölibat>“, sagte die Traumatherapeutin bei der Fachtagung „Missbrauch in Institutionen“ der evangelischen Kirche in Hamburg. Das sei jedoch ein Mythos: „Missbrauch hat mit Zölibat wenig zu tun.“

Ausserdem bezeichnete die Missbrauchsexpertin ein „Leitungsvakuum“ in evangelischen Einrichtungen als idealen Nährboden für Täter, wie die Evangelische Kirche Hamburg berichtet. In letzter Zeit würden verstärkt Fälle in Protestantischen Einrichtungen bekannt.

Enders ging auch auf allgemeine Probleme der Aufarbeitung ein. Wenn Kindern gesagt werde, sie sollten lernen, „nein“ zu sagen, würde damit den jungen Opfern die Schuld zugewiesen – dabei tragen die Erwachsenen die Verantwortung. Die Täter trügen beispielsweise oft die Masken des sozial Engagierten, des Dauerjugendlichen oder des sozial Schrägen. (kath.net/red)

Basler Zeitung vom 23. August 2012, S. 4, SDA:
Pfarrer wegen sexueller Kontakte entlassen

Aarau. Die Reformierte Landeskirche Aargau entlässt einen Pfarrer, der sexuelle Kontakte mit einer Frau hatte, die bei ihm in Seelsorge war. Der Fall hat gemäss Kirche keine strafrechtliche Bedeutung. Sie wirft dem Pfarrer vor, die Amtspflicht schwer verletzt zu haben. Dem Pfarrer werde angelastet, dass er die Verantwortung für seine berufliche Tätigkeit in der Seelsorge schwerwiegend verletzt habe, gab die Reformierte Landeskirche Aargau am Mittwoch an einer kurzfristig angesetzten Medienkonferenz bekannt.

Basler Zeitung vom 9. Oktober 2012, S. 7, SDA:
Hunderte Heimkinder in Holland missbraucht

Den Haag. Hunderte Kinder sind in niederländischen Heimen und Pflegefamilien sexuell missbraucht worden – viele von ihnen jahrelang. Das hat eine Regierungskommission in einem gestern vorgelegten Bericht über Missbrauch in staatlichen Heimen seit 1945 festgestellt. „Ministerien, Heime und Jugendämter haben beim Schutz der Kinder versagt“, sagte der Vorsitzende der Kommission. 800 Fälle von sexueller Gewalt waren bei der Kommission gemeldet worden. 42 Fälle wurden der Staatsanwaltschaft übergeben. Opferverbände wollen von den Behörden Schadenersatz fordern.

G. Nuzzi, Seine Heiligkeit, S. 97:
Bankrott der amerikanischen Diözesen (…)

Viganò hat in seiner glanzvollen diplomatischen Laufbahn viel erlebt, sich aber nie in einem Wirbelsturm behaupten müssen, wie er jetzt über die Finanzen der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten hinwegfegt: Die Prozesse um die pädophilen Priester zeitigen drastische wirtschaftliche Folgen. Seit 10 Jahren zieht sich diese Geschichte schon hin: Nach ersten Vorzeichen 2001 eskalierte 2002 die Lage in der Diözese Boston, die die Opfer pädophiler Priester mit 6,2 Millionen Dollar entschädigen muss, damit sie auf den Gang vors Gericht verzichten. 2007 gaben die Diözesen in den USA im Zuge von Einigungen und Vergleichen bereits 900 Millionen Dollar aus. Aber das war nur der Anfang. In den letzten Jahren stieg die Summe in schwindelnde Höhen. Inzwischen haben wir „4’500 Fälle von Pädophilie in der Kirche der Vereinigten Staaten“, schreibt der Vatikanexperte von La Stampa, Giacomo Galeazzi, „mit bis heute gezahlten 2,6 Milliarden Dollar an Entschädigungen“. Die Summen zerrütten die Finanzen der Diözesen. Sieben mussten wegen der Skandale Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit) anmelden. Die Diözese Milwaukee wurde einer Kommission unterstellt; die seit 2008 insolvente Diözese Fairbanks zahlte inzwischen Entschädigungen an 150 Missbrauchsopfer. (…)

Basler Zeitung vom 23. Februar 2013, S. 6, Peter Nonnenmacher:
Irlands Oberhirte soll nicht zur Wahl. Erzbischof Seán Brady ist tief in die Kindsmissbrauchsaffäre verwickelt.

Als Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt ankündigte, zog sich Kardinal Seán Brady zum Gebet zurück. Er wolle, erklärte der Erzbischof von Armagh und ranghöchste Geistliche der katholischen Kirche in Irland, erst einmal „in sich gehen“, bevor er nach Rom fliege, um an der Wahl des neuen Papstes teilzunehmen. Gefragt, ob er denn selbst als Kandidat zur Verfügung stehe, antwortete der 73-Jährige leutselig, mit dieser Möglichkeit sei ja wohl kaum zu rechnen.  Nun wollen einige seiner Landsleute aber dafür sorgen, dass Irlands Oberhirte noch nicht mal bis zu den Portalen der Sixtinischen Kapelle vordringt. So tief stecke Brady im moralischen Morast der Missbrauchsaffären der irischen Vergangenheit, dass er keinerlei Anspruch darauf habe, an einem Konklave zur Entscheidung über die künftige Kirchenführung teilzunehmen, meinen die Kritiker des Kardinals in Irland. „Ich war fest überzeugt davon, dass er es nicht wagen würde, im Vatikan noch einmal sein Gesicht zu zeigen“, hat jetzt zum Beispiel Christine Buckley, Geschäftsführerin des Aislinn-Zentrums für Missbrauchsopfer in Dublin, gegenüber der Londoner „Times“ empört erklärt. „Jemand wie er! Der Kindern ein Schweigegelübde abnahm! Und der es zuliess, dass in der gleichen Gemeinde ein Kinderschänder unbehindert sein Unwesen trieb – obwohl er davon wusste.“ – „Ich finde ebenfalls, dass er sich der Teilnahme am Konklave enthalten sollte“, meinte Patrick Walsh, der im Alter zwischen zwei und 16 Jahren in kirchlicher „Fürsorge“ kontinuierlich missbraucht wurde, und der später die Organisation „Irische Überlebende des Kindsmissbrauchs“ gründete. (…)

Basler Zeitung vom 26. Februar 2013, S. 6, Sebastian Borger, London:
„Davon hat Jesus nichts gesagt“

Schottischer Kardinal tritt nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung zurück. Kurz vor seiner Pensionierung ist der ranghöchste Katholik Grossbritanniens über Vorwürfe sexueller Belästigung gestolpert. Einen Tag nach der Veröffentlichung der Anschuldigungen durch drei amtierende sowie einen früheren Priester seiner eigenen Diözese gab der Edinburgher Kardinal Keith O’Brien (74) seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Er werde am bevorstehenden Konklave zur Wahl des nächsten Papstes nicht teilnehmen: „Die Aufmerksamkeit der Medien in Rom soll auf Benedikt XVI. und seinen Nachfolger gerichtet sein und nicht auf mich.“ (…)

Basler Zeitung vom 27.02.2013, S. 7, Frank Herrmann, Washington:
Der Kardinal soll ins Gefängnis. In Kalifornien laufen Katholiken Sturm, weil ihr Oberhirte einen Pädophilenskandal vertuschte.

Kaum war Kardinal Roger M. Mahony in Rom gelandet, liess er seinen Kritikern ein paar launige Zeilen zukommen, kurz und polemisch auf Twitter. „Irgendwer interessiert daran, deine Feinde zu lieben? Oder denen Gottes zu tun, die dich verfolgen? Wow, Jesus verlangt aber viel“, schrieb der katholische Kardinal, der mitbestimmen soll, wer die Nachfolge Papst Benedikts XVI. antritt.  Er könne sich nicht erinnern, dass die Leute jemals so urteilsfreudig, ja, selbstgerecht waren, klagte er kurz darauf in seinem Blog, „so schnell dabei, anzuklagen, zu werten, zu verurteilen“, in aller Regel auf dünner Faktengrundlage. – Von 1988 bis 2011 war Mahony Erzischof von Los Angeles, eine Stimme von Gewicht, da allein schon der beständige Zustrom lateinamerikanischer Immigranten der katholischen Kirche volle Gotteshäuser garantierte.  Weil er Hunderte Fälle von Kindsmisshandlung unter den Teppich kehrte, ist sein Ruf in der „Stadt der Engel“ gründlich ruiniert. Schubweise werden neue, schockierende Details des Skandals publik und es gibt Zeitgenossen, die Mahony am liebsten im Gefängnis sähen. Als Kardinal darf er dennoch teilnehmen am Konklave zur Entscheidung über die künftige Kirchenführung – was in Amerika eine Welle von  Protesten ins Rollen bringt. – Der Name Mahony steht wie eine Chiffre für den Missbrauchsskandal, der die katholische Kirche in den USA schwer belastet, seit vor gut einer Dekade (Zeitraum von 10 Monaten oder Jahren) die Aufdeckung begann. Erst am Samstag, wenige Stunden vor seinem Abflug nach Italien, musste der Geistliche unter Eid zu einem konkreten Fall aussagen, zur Causa Nicolas Aguilar Rivera. Der mexikanische Seelsorger soll sich 1987, während eines neunmonatigen Aufenthalts in Los Angeles, an 25 Kindern vergangen haben. Er floh über die Grenze nach Tijuana, rechtzeitig gewarnt von einem Assistenten Mahonys. (…)

bz BASEL vom 6. September 2013, S. 7, SDA
Missbräuche: Papst in Kritik

Nach der Abberufung des Vatikan-Botschafters (Nuntius) in der Dominikanischen Republik aufgrund von Missbrauchsvorwürfen gerät Papst Franziskus in die Kritik. Das Netzwerk der Überlebenden von Missbrauch durch Priester (SNAP) warf ihm vor, wie seine Vorgänger „geheim und rücksichtslos“ zu agieren. Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass Jozef Wesolowski seinen Posten bereits  am 21. August verloren hatte. Laut Medienberichten soll der Diplomat gegen Bezahlung Sex mit Jungen gehabt haben. Auch gegen einen Priester in Chile laufen Ermittlungen. Der Ire John O’Reilly vom Orden der Legionäre Christi steht seit Mittwoch unter Hausarrest. Gegen ihn und andere Mitglieder seines Ordens laufen Ermittlungen wegen des Verdachts des Kindsmissbrauchs an einer von den Geistlichen betriebenen Schule in Santiago. Die ultrakonservativen Legionäre Christi sind seit 2005 in einen Missbrauchsskandal verwickelt. Dem inzwischen verstorbenen Ordensgründer Marcial Maciel wurde vorgeworfen, mehrere Seminaristen missbraucht zu haben.

bz BASEL vom 17.01.2014, S. 7, SDA
UNO kritisiert den Vatikan

Deutliche Worte des UNO-Komitees für die Rechte des Kindes: Auch unter Papst Franziskus wage es der Kirchenstaat bislang nicht, sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche vollständig und öffentlich aufzuklären. Der Kirchenstaat weigere sich nach wie vor, die von der UNO geforderten genauen Angaben zu Umfang des Skandals und zu Tätern zu machen, bemängelten die Teilnehmer bei der ersten öffentlichen Anhörung zu diesem Thema vor dem UNO-Komitee für die Rechte des Kindes in Genf. Papst Franziskus sagte gestern in seiner Frühmesse laut Radio Vatikan, die Skandale seien „die Schande der Kirche“. Einige der Skandale hätten die Kirche gezwungen, viel Geld zu zahlen. „Und das ist gut so, wir mussten es tun.“

Kirche heute 5/2014 Januar, S. 2
Priester wegen Missbrauchs laisiert (einen Kleriker regulär oder strafweise in den Laienstand versetzt)

Der Vatikan hat 2011 und 2012, den letzten beiden Amtsjahren von Benedikt XVI.,  384 katholische Priester wegen sexuellen Missbrauchs in den Laienstand versetzt. Vatikansprecher Federico Lombardi bestätigte eine entsprechende Meldung der Nachrichtenagentur AP. Die Zahlen waren bei der Vorstellung des Kinderschutzberichtes des Heiligen Stuhles vor dem UNO-Komitee über die Rechte des Kindes in Genf bekannt geworden. Papst Benedikt XVI. habe sehr darunter gelitten, innert 2 Jahren 384 Priester zu laisieren, sagte sein Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein.

OR Nr. 4 vom 24.01.2014, S. 10
Vatikan Vorbild im Kampf gegen Missbrauch

Der Vatikan geht energisch gegen den Missbrauch von Kindern im kirchlichen Raum vor. So habe der Heilige Stuhl in der Vergangenheit sowohl innerhalb der Kirche die juristischen Richtlinien verschärft als auch die strafrechtliche Zusammenarbeit mit anderen Staaten ausgebaut, sagte der vatikanische Vertreter, Erzbischof Silvano Tomasi, bei der Vorstellung des Kinderschutzberichtes des Heiligen Stuhles vor dem UNO-Komitee über die Rechte des Kindes in Genf. Der Schutz von Kindern in kirchlichen Einrichtungen habe für den Heiligen Stuhl oberste Priorität, heisst es in dem Text. Erzbischof Tomasi nannte u. a. das E-Learning-Programm zur Vorbeugung von Missbrauch, das die Päpstliche Universität Gregoriana gemeinsam mit dem Zentrum für Kinderschutz im Erzbistum München entwickelt hat.

bz BASEL vom 08.02.2014, S. 9, SDA
UNO wirft Vatikan Vertuschung vor

Kindsmissbrauch. UNO-Experten kritisieren den Umgang des Vatikans mit den Fällen von Kindsmissbrauch. Der Kirchenstaat bezeichnet den Bericht als voreingenommen. „Der Vatikan hat den Ruf der Kirche immer wieder über die Interessen der betroffenen Kinder gestellt“, sagte die Vorsitzende des UNO-Ausschusses für die Rechte des Kindes, Kirsten Sandberg, gestern in Genf. Die Kommission fordert den Kirchenstaat in ihrem Bericht auf, Fälle von Kindsmissbrauch in der katholischen Kirche öffentlich zu untersuchen. Überführte Täter müssten umgehend der Justiz übergeben werden. (…)

Kirche heute 7/2014 Februar, S. 2
Missbrauch-Richtlinien erneuert

Die Schweizer Bischöfe haben die Richtlinien der katholischen Kirche gegen sexuellen Missbrauch erneuert. Unter dem Titel „Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld, Richtlinien der Schweizer Bischofskonferenz und der Vereinigung der Höheren Ordensoberen der Schweiz“ sind sie am 1. Februar 2014 in Kraft getreten, teilte die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) am Freitag mit. Der Geltungsbereich der Richtlinien wurde nun auf alle ausgeweitet, die in verschiedensten Bereichen im kirchlichen Umfeld wirken, zum Beispiel in der Katechese, der Jugendarbeit, in Bildung und Erziehung, Freiwilligenarbeit, Sozialarbeit, Kirchenmusik und in der Sakristei. Ausserdem würden jetzt auch Ordensgemeinschaften, religiöse Bewegungen und Gruppierungen erreicht, die nicht direkt der Aufsicht der Bischöfe unterstehen.

Kirche heute 8/2014 Februar, S. 2
Einmischung in kirchliche Lehre

Der Vatikan wehrt sich gegen Kritik des UNO-Kinderrechtskomitees (UNCRC) am Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch von Minderjährigen. Einige der am 5. Februar vom Komitee in Genf veröffentlichten Forderungen seien ein Einmischung in die kirchliche Lehre über die Würde des Menschen und in die Religionsfreiheit, heisst es in einer Stellungnahme des vatikanischen Presseamtes. Die Beurteilung sei nicht auf der Höhe der aktuellen Situation, hielt der vatikanische Vertreter beim Büro der Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Silvano Maria Tomasi, im Interview mit Radio Vatikan fest. Sie berücksichtige nicht die Massnahmen, die der Vatikanstaat und  die nationalen Bischofskonferenzen zum Schutz von Minderjährigen gegen Missbrauch längst ergriffen hätten.

Fernsehen SRF1, „Tumulte im Vatikan“, 22.55 Uhr, März 2014
In den USA wurden 16’000 Mädchen und Knaben missbraucht. Diese Zahl wurde  2002 zum ersten Mal veröffentlicht. Die katholische Kirche in den USA zahlte 3 Milliarden Dollar Schadenersatz. Die Fälle sind nicht abgeschlossen.

OR Nr. 13 vom 28§.03.2014, S. 4
Kommission zum Schutz der Minderjährigen vor Missbrauchsfällen

Papst Franziskus hat eine Kommission zum Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche errichtet. Von den insgesamt 8 Mitgliedern der Kommission sind 5 Laien, unter ihnen 4 Frauen.

bz BASEL vom 7. Mai 2014, S. 11
3’420 Fälle von Missbrauch in 10 Jahren

Beim Vatikan sind in den vergangenen 10 Jahren 3’420 „glaubwürdige Beschuldigungen“ von Priestern wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen eingegangen. Im Zeitraum vom 2004 bis 2013 seien 848 Priester in den Laienstand zurückversetzt und 2’572 mit anderen Strafen belegt worden, sagte Vatikanbotschafter Erzbischof Silvano Tomasi gestern in Genf. SDA

OR Nr. 40 vom 03.10.2014, S. 4
Die vatikanische Justiz hat den wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Priesterstand entlassenen ehemaligen Apostolischen Nuntius in der Dominikanischen Republik, Erzbischof Jozef Wesolowsiki, unter Hausarrest gestellt. Ihm wird zur Last gelegt, Minderjährige in kirchlichen Einrichtungen jenes Landes sexuell missbraucht zu haben. Papst Franziskus hatte ausdrücklich gefordert, derart schwerwiegende Fälle ohne Verzögerungen und mit der notwendigen Strenge zu verfolgen.

bz BASEL vom 21.03.2015, S. 17
Polen: Kirche entschädigt erstes Opfer von Missbrauchsfällen

Erstmals hat sich in Polen ein Bistum verpflichtet, ein Missbrauchsopfer eines Priesters finanziell zu entschädigen. Mit dieser Einigung endete gestern der erste Zivilprozess gegen Vertreter der Amtskirche. Bisher lehnte diese Entschädigungen ab und verwies auf individuelle Entschädigung durch die Täter. Eine Stiftung, die die Klage unterstützt hatte, sprach von einem wegweisenden Verfahren. (SDA)

bz BASEL,  nach dem 15. April 2015
Rom: Verurteilter Bischof tritt zurück

Fast 3 Jahre nach seiner Verurteilung wegen Vertuschung von sexuellem Missbrauch ist der US-Bischof Robert Finn zurückgetreten. Papst Franziskus akzeptierte den Amtsverzicht des 62 Jahre alten Bischofs von Kansas City-Saint Joseph, wie der Vatikan gestern Dienstag mitteilte. Gründe wurden nicht genannt. Finn soll die Behörden trotz des Hinweises eines Technikers nicht über einen ihm unterstellten Priester informiert haben, der Hunderte kinderpornografische Fotos auf seinem Computer hatte. Finn ist der einzige Bischof, der in den USA bisher gerichtlich für die Vertuschung von sexuellem Missbrauch zur Verantwortung gezogen wurde. Er wurde 2012 zu einer Bewährungsstrafe von 2 Jahren verurteilt, blieb aber trotz mehrfacher Rücktrittsforderungen zunächst im Amt. (SDA)

bz BASEL vom 2. Juni 2015, S. 7
Vatikan: Finanzchef in Kindsmissbrauchsskandal involviert

Der Finanzchef (WA: eigentlich Präfekt des Sekretariates für die wirtschaftlichen Angelegenheiten, früher Erzbischof von Sidney; siehe unter „Wirtschaft“) des Vatikans ist wegen Missbrauchsskandals ins Visier von Ermittlungen geraten. Eine australische Untersuchungskommission lud Kurienkardinal George Pell offiziell zu einer Anhörung. In dem Verfahren geht es um Vorwürfe des Australiers David Ridsdale, im Alter von 11 Jahren von seinem Onkel, dem katholischen Priester Gerald Ridsdale, missbraucht worden zu sein. Pell soll versucht haben, den Skandal mit Geld zu vertuschen. (SDA)

bz BASEL vom 06.06.2015, S. 7
Zwölf sexuelle Übergriffe gemeldet im letzten Jahr

Bei der katholischen Kirche melden sich weiterhin Personen als Opfer sexueller Übergriffe durch Kirchenleute. Die Bistümer registrierten 2014  12 (2013: 11) Vorfälle. Die neuen Meldungen gehen fast alle auf die Jahre 1950 bis 2000 zurück. Ein Fall datiert aus dem Jahre 2013, wie die Schweizerische Bischofskonferenz (SBK) am Freitag im Nachgang zu ihrer Versammlung in Einsiedeln SZ mitteilte. Von den 12 gemeldeten Opfern waren zum Zeitpunkt der Übergriffe 8 Kinder und 3 erwachsene Frauen. Ein Opfer war ein Jugendlicher. (SDA)

Kirche heute 26/2015 Juni, S. 2
Justizstelle für Missbrauchsvergehen

Papst Franziskus will konsequenter gegen Bischöfe vorgehen, die sexuellen Missbrauch durch Priester vertuschen. Er billigte eine Empfehlung des für die Kurienreform zuständigen Kardinalrats, wonach eine neue Gerichtssektion für solche Fälle errichtet werden soll. Dies teilte der Vatikansprecher Federico Lombardi mit. Angesiedelt ist die neue Instanz an der Glaubenskongregation. Bislang kannte das katholische Kirchenrecht keine Sanktionen für Bischöfe, die ihr Amt missbrauchten, um straffällig gewordene pädophile Priester zu schützen.

Katholische Wochenzeitung CH-Baden, 28/2015 Juli, S. 5 von Armin Schwibach
2010, das „Missbrauchsjahr“ – es war der „annus horribilis“ – gewesen. Wer damals die Entwicklung des Missbrauchsskandals beobachtete, hatte oft den Eindruck, dass sich Kirche auf Unterdrückung, Gewalt und sexuelle Perversionen (Abartigkeiten) reduzieren lässt: „Es gebe, so hiess es wie aus der Pistole geschossen, einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen katholischer Sexuallehre, Zölibat und Missbrauch“.  Aber: „In den Hintergrund geriet, dass es in nicht-katholischen Einrichtungen ähnliche Vorfälle gab. Aus dem Mitarbeiterkreis der katholischen Kirche, so der Kriminologe Christian Pfeiffer, kämen etwa 0,1 Prozent der Missbrauchstäter; 99,9 Prozent stammten aus anderen Bereichen. In den USA liegt nach einem US-Regierungsbericht für das Jahr 2008 der Anteil der Priester, die in Pädophilie-Fälle verwickelt waren, bei 0,03 Prozent.“ Die  protestantische Publikation „Christian Science Monitor“ veröffentlichte eine Studie, der zufolge die protestantischen Kirchen Amerikas in einem weit höheren Anteil von Pädophilie betroffen sind“. So weit Peter Seewald in seinem Interviewbuch mit Benedikt XVI. „Licht der Welt“ (Seite 48). (…)

Kirche heute 31-33/2015 Juli, S. 2
Erster Missbrauchsprozess

Erstmals muss sich ein ehemaliger ranghoher kirchlicher Würdenträger vor einem weltlichen Strafgericht im Vatikan wegen sexuellen Missbrauchs verantworten. Der Prozess gegen den früheren vatikanischen Botschafter in der Dominikanischen Republik, Jozef Wesolowski (66), hat am 11. Juli 2015 begonnen. Die vatikanische Staatsanwaltschaft wirft dem aus Polen stammenden Ex-Geistlichen Missbrauch mehrerer Buben und den Besitz von kinderpornografischem Material vor. Da Wesolowski wegen eines kurzfristigen Spitalaufenthaltes nicht erschien, wurde der Prozess kurz nach Eröffnung auf unbestimmte Zeit vertagt.

bz BASEL vom 08.10.2015, S. 14
Bischof wegen Missbrauch verurteilt

Ein ehemaliger englischer Bischof ist wegen des sexuellen Missbrauchs von 18 jungen Priestern zu einer Gefängnisstrafe von 2 Jahren und 8 Monaten verurteilt worden. Der heute 83-Jährige habe sie in den Jahren 1977 bis 1992 unter anderem dazu gebracht, nackt zu beten, und damit seine Position ausgenutzt, entschied ein Gericht in London. (SDA)

bz BASEL vom 02.03.2016, S. 6, Dominik Straub, Rom
„Ranger“ wird für den Papst zur Belastung

Im Kirchenstaat rumort es: Der allmächtige Finanzchef, Kardinal George Pell, wird von einem Missbrauchsskandal eingeholt.  Der kräftig gebaute und einen rustikalen Umgangston pflegende Australier Pell wird im Vatikan von allen nur der „Ranger“ (Förster)  genannt – auch vom Papst. Seit Februar 2014 ist der 74-jährige ehemalige Erzbischof von Sidney Präfekt des vatikanischen →Wirtschaftsrates und damit Herr über die Finanzen und weltlichen Besitztümer des Kirchenstaates. Papst Franziskus hatte den theologisch dezidiert konservativen Pell persönlich an die Spitze des neuen Gremiums gesetzt: Angesichts des desolaten Zustands (→Nuzzi), in dem sich die vatikanischen Finanzen bei seinem Amtsantritt befanden, brauchte er einen Mann fürs Grobe. Dafür schien der ehemalige College-Rugby-Spieler genau der Richtige zu sein. Doch nun wird der „Ranger“ von seiner Vergangenheit eingeholt. Pell musste einer australischen Untersuchungskommission Red und Antwort stehen, die sich mit dem massenhaften Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester befasst, der sich zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren zum Teil in unmittelbarer Nähe des australischen Prälaten abgespielt hatte. Dem Kurienkardinal wird in seiner Heimat schon lange vorgeworfen, von den Vergewaltigungen gewusst, sie aber nicht energisch genug verfolgt oder gar vertuscht zu haben. In der Befragung räumte Pell ein, dass die Kirche Kindesmissbrauch jahrelang heruntergespielt und „schreckliche Fehler“ begangen habe. Er versicherte indessen, er habe selber nie von irgendwelchen konkreten Taten gehört und diese vertuscht. Dass der damals höchste Geistliche Australiens trotz seiner Nähe zum Geschehen nichts Konkretes gewusst habe, wird ihm freilich je länger, je weniger abgenommen – auch in Rom. Der „Ranger“ wird zunehmend  zunehmend zur Belastung für den Papst. Zum einen werden die Befragungen durch die australische Untersuchungskommission noch die ganze Woche andauern. Zum anderen ist Pell auch anderweitig unter Beschuss. So war im Rahmen der „Vatileaks-2-Affäre“ letztes Jahr aufgeflogen, dass der Australier, der für neues, transparentes und vor allem zurückhaltendes Finanzgebaren sorgen sollte, in den ersten 6 Monaten als neuer Wirtschaftspräfekt über eine halbe Million Euro an Spesen in Rechnung gestellt hatte – unter anderem für teure Business-Class-Flüge.

Kirche heute 10/2106 März, S. 2
„Spotlight“ („Scheinwerfer“) im Rampenlicht
Aufdeckung sexueller Missbräuche in der römisch-katholischen Kirche in Boston

Das Mediendrama „Spotlight“ wurde an den Oscars gleich zwei Mal ausgezeichnet. Zum einen gewann er den Oscar für den besten Film, zum anderen erhielten der Regisseur Tom McCarthy und der Co-Autor Josh Singer die Auszeichnung für das beste Drehbuch. Als Grundlage für die Story dient die Arbeit eines Redaktionsteams des „Boston Globe“, das 2001 Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufdeckte. „Spotlight“ zeigt das Dilemma zwischen ethischem Anspruch und Loyalität zur Kirche auf, in dem sich die katholisch erzogenen Journalisten befinden.
Produktionsland: Vereinigte Staaten; Originalsprache: Englisch;  Erscheinungsjahr: 2015; Länge 128 Minuten

Kirche heute 11/2016 März, S. 2
Mehr Schutz vor Missbrauch

In der katholischen Kircher Deutschlands soll eine neue Vereinbarung dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche umfassend vor sexueller Gewalt geschützt werden. Die Vereinbarung, die zwischen dem Missbrauchsbeauftragten der Bischofskonferenz und dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung getroffen wurde, sieht „institutionelle Schutzkonzepte“ und „flächendeckende Schulungsmassnahmen“ vor. „Die katholische Kirche in Deutschland und alle ihre zugehörigen Einrichtungen sollen ein sicherer Ort für die verletzlichsten Mitglieder der Gesellschaft sein“, erklärte die Deutsche Bischofskonferenz dazu vergangene Woche in Bonn.

bz BASEL vom 16.03.2016, S. 13
Frankreich: Pädophilie-Skandal erschüttert die Kirche

Frankreichs katholische Kirche wird von einem neuen Pädophilie-Skandal erschüttert. Premierminister Manuel Valls rief den Lyoner Kardinal Philippe Barbarin, der Kindesmissbrauch durch Priester verheimlicht haben soll, auf,  seiner Verantwortung gerecht zu werden. „Ich erwarte nicht nur Worte, sondern Taten“, so Valls. Dem Kardinal und der Diözese der ostfranzösischen Grossstadt wird vorgeworfen, Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester nicht gemeldet zu haben. – Ausgangspunkt ist der Fall eines Priesters, der 1986 bis 1991 Pfadfinder missbraucht haben soll, aber erst letzten August seines Amtes enthoben wurde. Die Ermittlungen zielten darauf auf Verantwortliche der Diözese von Lyon und könnten nun auch Barbarin treffen. Am Montagabend wurde nämlich zudem bekannt, dass es eine neue Anzeige gegen Barbarin gibt. Es geht dabei um mutmassliche pädophile Taten, die ein nach wie vor in Lyon aktiver Priester in den 90er-Jahren begangen haben soll. (SDA)

Kirche heute 13/14 2016 März, S. 23, Charles Martig, kath.ch
Katholische Journalisten im Dilemma
Der mit zwei Oscars ausgezeichnete Film „Spotlight“ („Scheinwerfer“) leuchtet Kirchenskandal aus

Ein Redaktionsteam des Boston Globe deckte 2001 Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche auf (über 80). Der Film „Spotlight“ macht den Fall zum Thema und ist ein Lehrstück für Bischöfe und Journalisten. „Alle Bischöfe und Kardinäle sollten diesen Film sehen“, sagt Erzbischof Charles Scicluna von Malta, „weil sie verstehen müssen, dass Berichterstattung die Kirche retten wird, nicht das Schweigen.“ Scicluna war lange Jahre zuständig als Strafverfolger von klerikalem Kindsmissbrauch im Vatikan.  „Spotlight“ ist ebenso wichtig für Journalistinnen und Journalisten. Jeder Medienschaffende sollte diesen Film gesehen haben, denn er enthält ein ethisches Modell.
Regisseur Tom McCarthy verwendet das Genre (Art, Wesen) des spannend und sorgfältig erzählten Journalistenfilms, der im Watergate-Skandalfilm „All the President’s Man“ (1976) sein grosses Vorbild hat. „Spotlight“ geht sein Thema nicht skandalisierend an. Vielmehr zeigt er sehr genau, wie Mechanismen und Arbeitsweisen im Newsroom funktionieren, lebensnah und realistisch.
Gekonnt auf den Punkt gebracht: Das Verdienst dieses Spielfilms liegt nicht darin, dass er die Aufdeckung der Missbrauchsskandale in den USA nacherzählt, sondern wie er das tut. Der grosse Gewinn besteht darin, dass er Journalistinnen und Journalisten als moralische Subjekte zeigt, die ihre Berufsstandards haben und diese auch in schwierigen Situationen zu befolgen versuchen.
Das Rechercheteam des Boston Globe (Kugel/Erdball) heisst „Spotlight“. Der titelgebende Ausdruck „Scheinwerfer“ hat eine doppelte Bedeutung. Einerseits geht es darum, Licht in verdeckte und verborgene Geschichten zu bringen und diese aufzudecken. Der Scheinwerfer wird aber auch auf den „Kriegsschauplatz Nachrichtenredaktion“ gerichtet.
Das wird im Stil der grossen Journalistenfilme so intensiv, authentisch und mit einer derart engagierten Besetzung beleuchtet, dass man den Glauben an den guten Journalismus nicht verliert. „Spotlight“ gibt also der arg unter Druck geratenen Berufsgruppe der Medienschaffenden eine Motivation, an ihren berufsethischen Standards festzuhalten, auch wenn dies unter dem fortwährenden Spardruck in Medienhäusern sehr schwierig geworden ist. (…)

Schweiz am Sonntag vom 05.06.2016, S. 12, ausland
Papst will Ahndung von Pädophilie

Papst Franziskus nimmt die Bischöfe im Kampf gegen sexuellen Missbrauch Minderjähriger in die Pflicht. Nicht bloss selbst begangene Übergriffe, sondern auch die Unterlassung von deren Aufarbeitung soll künftig zur Amtsenthebung führen, dekretiert (Dekretale = päpstlicher Entscheid) er in einem apostolischen Schreiben, das am Samstag veröffentlicht wurde. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes „Motu proprio“ (→Schreiben, päpstliche), ein Schreiben, das der Papst aus eigenem Antrieb aufsetzt, ohne dass er von den Kardinälen oder Beratern darum ersucht worden wäre. Laut Radio Vatikan will Papst Franziskus mit seiner Initiative die Reform der Rechtsprechung zur sexuellen Gewalt weiterführen, die sein Vorgänger Benedikt XVI. begonnen hatte. (FB)

OR Nr. 37 vom 16.09.2016,S. 4
Papst traf Vertreterinnen von Missbrauchsopfern

Papst Franziskus ist mit 2 italienischen Vertreterinnen von Missbrauchsopfern zusammengetroffen. Wie der Jesuit Hans Zollner, Mitglied der päpstlichen Kinderschutz-Kommission, bei Radio Vatikan sagte, fand die Begegnung bereits einige Tage zuvor statt.
Die beiden Frauen hätten dem Papst 2 Bücher überreicht, die sexuelle Vergehen durch katholische Geistliche thematisierten. Das eine Buch sei der Erlebnisbericht einer Italienerin, die als Jugendliche missbraucht worden sei, und die erste Publikation dieser Art in Italien. Das andere Buch handle von sexueller Gewalt gegen Ordensfrauen durch Seelsorger.
Die beiden Frauen berichteten laut P. Zollner, Franziskus habe sich in dem Gespräch betroffen gezeigt und darum gebeten, weiter auf den Laufenden gehalten zu werden. Wie sein Vorgänger Benedikt XVI. (2005-2013) begegne auch Franziskus Missbrauchsopfern mit einer „grossen persönlichen Achtsamkeit“, sagte Zollner dem Sender.
Der Jesuit Zollner, Psychologe und Leiter des internationalen Kinderschutz-Zentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana, hatte an der Jahrestagung der vatikanischen Kinderschutzkommission teilgenommen, die im März 2014 von Franziskus eingerichtet wurde. Das Treffen befasste sich unter anderem mit einem Entwurf für Kinderschutz-Leitlinien in der katholischen Kirche.
Die Vollversammlung tagte in der vergangenen Woche im Vatikan.

bz BASEL vom 15.10.2016, S. 15
Übergriffe auf Kinder: Lehrer verhaftet

Wegen sexueller Übergriffe auf Kinder ist im Tessin/CH ein Lehrer und Gemeinderat verhaftet worden. Der Angeschuldigte war in einer ungenannten Gemeinde im Luganese tätig. Neben den Übergriffen wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann auch Pornografie und den sexuellen Missbrauch Schutzbefohlener vor. (SDA)

bz BASEL vom 17.10.2016, S. 9
Argentinien: Kirche verurteilt wegen Missbrauch

Erstmals hat ein Zivilgericht in Argentinien die katholische Kirche wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Das Gericht in Buenos Aires verhängte wegen Missbrauchs eines Seminaristen 1992 durch einen Erzbischof eine Geldstrafe von umgerechnet knapp 50’0000 Franken. Die ursprüngliche Klage war bereits vor 15 Jahren eingereicht worden. Ein Strafgericht verurteilte den Erzbischof 2009 zu 9 Jahren Haft. Doch 2 Jahre später wurde das Urteil wieder aufgehoben. Im Jahr darauf starb der Erzbischof 75-jährig, ohne den ihm zur Last auferlegten Missbrauch jemals zugegeben zu haben. (SDA)

OR Nr. 43 vom 28.10.2016, S. 7
Bischöfe gehen aktiver gegen Missbrauch vor

Die katholischen Bischöfe sind im Kampf gegen sexuellen Missbrauch nach Aussage des deutschen Jesuiten P. Hans Zollner in den vergangenen Monaten „aktiver geworden“. Seit Papst Franziskus das Kirchenrecht im Juni verschärft habe, wurden Verdachtsfälle von den Bischöfen rascher an den Vatikan weitergemeldet, sagte der Leiter des Kinderschutzzentrums der Päpstlichen Universität Gregoriana in einem Interview mit der österreichischen Presseagentur „Kathpress“. „Die Botschaft ist bei den Bischöfen angekommen“, so P. Zollner. Der Psychologieprofessor ist auch Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission.
Der Papst hatte im Juni ein neues Gesetz erlassen. Danach können nun auch jene Bischöfe kirchenrechtlich belangt werden, die einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch in ihrer Diözese nicht ausreichend nachgehen. Im Extremfall kann dies bis zur Amtsenthebung führen.
Wie die neuen kirchenrechtlichen Vorgaben in der Praxis angewandt wurden, sei bislang noch nicht geklärt, sagte Zollner. Die 4 für Bischöfe zuständigen Behörden im Vatikan erarbeiteten derzeit unabhängig voneinander Kriterien. Das Fortbestehen der päpstlichen Kinderschutzkommission ist indes noch ungewiss. Es werde aber auch weiterhin eine Institution geben, die sich mit dem Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche auf Weltebene beschäftigen werde, sagte Zollner im „Kathpress“-Interview.

bz BASEL vom 02.12.2016, S. 11, Peter Stäuber, London
Fussball-Missbrauchsskandal zieht immer weitere Kreise

England: Immer mehr Ex-Fussballer berichten von sexuellen Übergriffen in ihrer Jugendzeit. In den vergangenen zwei Wochen ist der englische Fussball von einer der grössten Krisen in seiner Geschichte ergriffen worden. Immer mehr ehemalige Fussballer treten an die Öffentlichkeit und berichten von sexuellen Übergriffen, die sie als Jugendliche in ihren Klubs erlitten hatten. Mittlerweile haben über ein Dutzend regionale Polizeibehörden Untersuchungen eingeleitet, bei der kürzlich eingerichteten Hotline für potenzielle Opfer sind bereits Hunderte Anrufe eingegangen. (…)

bz BASEL vom 06.12.2016, S. 13, Bettina Mader-Stadelmann
Kirche: Über 200 sexuelle Übergriffe (gekürzt)

Schweiz: Bischöfe stellen Opfern einen Genugtuungsfonds zur Verfügung –  und planen Präventionskurse. Die Schweizer Bischöfe haben am Montag einen Fonds für die Opfer von verjährten sexuellen Übergriffen durch Priester und Ordensleute angekündigt. Er ist zurzeit mit 500’000 Franken dotiert. Zwischen 2010 und 2015 haben sich 223 Opfer gemeldet. Während 2010 im Zeichen des erstmaligen Aufrufs in der Schweiz 115 Fälle sexueller Übergriffe gemeldet wurden, waren die Zahlen in den folgenden Jahren deutlich niedriger. Der grosse Teil der gemeldeten sexuellen Übergriffe geschah in der Zeit von 1950 bis 1990. Von den 223 in den 6 Jahren gemeldeten Opfern waren zum Zeitpunkt der Taten 49 Kinder unter 12 Jahren. 23 weibliche und 56 männliche Jugendliche waren zwischen 12 und 16 Jahre alt.
200 Kirchenleute als Täter. Was die gemeldeten Täter betrifft, weist die Statistik für die vergangenen 6 Jahre ein Total von 204 Tätern auf. Davon waren 103 Weltpriester, 47 Ordenspriester oder Ordensbrüder, 11 Ordensfrauen, 5 Laientheologen oder Laientheologinnen. 6 gemeldete Täter hatten andere Berufe und zu 32 Täterinnen oder Tätern waren keine Angaben erhältlich. (SDA)

bz BASEL vom 19.01.2017, S. 9
Vatikan vertuscht noch immer Kindsmissbrauch

Der Enthüllungsjournalist Emiliano Fittipaldi wirft Papst Franziskus in einem neuen Buch vor,  nicht genug gegen den Missbrauch von Kindern und pädophile Priester zu tun. In den ersten 3 Jahren seines Pontifikats seien der Glaubenskongregation rund 1’200 „glaubhafte“ Fälle von Kindsmissbrauch gemeldet worden, sagte Fittipaldi. (SDA)

Siehe auch unter „Glaubenskongregation“, weiter das Nebenregister „Gerichte Vatikanstaat“ unter dem Buchstaben G.
→Priesterkinder          →Englisch Andreas

Missionare

OR Nr. 15 vom 10. April 2015, S. 9
Mehr als 1’000 Missionare seit 1980 getötet.

Seit 1980 sind weltweit mehr als 1’000 katholische Missionare und kirchliche Mitarbeiter wegen ihres Glaubens getötet worden. Das teilte der vatikanische Pressedienst Fides mit. Anlass dafür war der Gedenktag der Jugendbewegung der Päpstlichen Missionswerke in Italien für diese Opfer. Er wird seit 1993 jährlich am 24. März begangen, dem Jahrestag des Mordes an Erzbischof Oscar Arnulfo Romero von San Salvador am 24. März 1980. Katholiken in aller Welt gedenken an diesem Tag seines Todes. In diesem Jahr ist die Aufmerksamkeit noch grösser als sonst, da er am 23. Mai in seiner Bischofsstadt San Salvador seliggesprochen wird. – Insgesamt kamen zwischen 1980 und 2014 laut Fides 1’062 Missionare gewaltsam ums Leben. Den Statistiken zufolge wurden in der 1980er Jahren 115 Missionare ermordet; in den 1990er Jahren inklusive dem Jahr 2000 gab es 604 Opfer, davon allein 248 während des Völkermordes in Ruanda 1994. Von 2001 bis 2014 wurden 343 Missionare ermordet, davon 26 im letzten Jahr; 17 Priester, ein Ordensmann, 6 Ordensfrauen sowie ein Laie. Darüberhinaus verweist Fides auf weitere, noch unbestätigte Fälle.

(Hans Küng, Umstrittene Wahrheit, Erinnerungen, S. 535) Unter dem neuen Papst Johannes Paul II. und seinem deutschen Glaubenshüter Joseph Ratzinger, die vereint gegen die Befreiungstheologie vorgehen, müssen sie (Befreiungstheologen Lateinamerikas. WA) dafür bald teuer bezahlen. Schon auf seiner ersten Lateinamerikareise in Mexiko im Januar 1979 kritisiert der vom sowjetischen Marxismus negativ geprägte polnische Papst heftig die Theologie der Befreiung und „desavouiert eine ganze Gruppe von Theologen, Seelsorgern und Bischöfen“. So schreibe ich schon am 30. Januar 1979 in gleichlautenden Briefen an Gustavo Gutiérrez und Leonardo Boff. „Ich hoffe aber, dass Du Dich nicht entmutigen lässt. Auf meine Solidarität kannst Du Dich verlassen. Schreibe mir, wenn von hier aus irgendeine Stellungnahme zu Euren Gunsten hilfreich wäre.“ Ein Warnzeichen: Im Jahr darauf, am 23. März 1980 wird ein heroischer Vorkämpfer der Befreiung Lateinamerikas, der Erzbischof von San Salvador Oscar Romero, direkt aus einem Auto heraus am Altar erschossen. Im kirchlichen Establishment grossgeworden, hatten die ungeheure Not der Menschen und die Ermordung eines Priesterfreundes sein Leben verändert und ihn zum engagierten Verteidiger der Rechte seines unterdrückten Volkes gemacht. Vom Vatikan erhielt er – wie sein sozial eingestellter Gesinnungsgenosse in Brasilien, Helder Camara, Erzbischof von Recife, als „Kommunikationsbischof“ diffamiert (verleumdet) – keinerlei Unterstützung. Man tut im Gegenteil alles, damit an Romeros Grab in der Kathedrale von San Salvador kein Märtyrerkult entsteht, und bei den massenhaften Selig- und Heiligsprechungen des Papstes Wojtyla bleibt dieser echte Märtyrer unberücksichtigt. (…)

Misswirtschaft

Siehe unter „Korruption“

Mitarbeitende Hl. Stuhl und Vatikanstaat

→siehe Angestellte

Mittagessen der Vatikanangestellten

In einer speziellen Mensa können Vatikanangestellte das Mittagessen einnehmen: im Palazzo Industriale, Nähe Ausgang S. Rosa. Es sind zugleich auch Vatikanangestellte, die kochen. Der Essraum ist sehr gross. Mehrere Dutzend Personen, die nur über Mittag hier essen und trinken können.

Mittagsschuss auf dem Gianicolo

Lo sparo del cannone a mezzogiorno al Gianicolo

Seit 21. April 1959 kann der Mittagsschuss jeden Tag vom Gianicolo her, dem höchsten Hügelzug der Stadt Rom, wieder gehört werden. Er erinnert an die sekundengenaue Mittagszeit 12.00 Uhr. Wieso kam es zu dieser Idee?

  • Der erste Schuss über der Stadt erfolgte am 1. Dezember 1847
  • Die Stadt gehörte damals noch dem Kirchenstaat an
  • Grund des Schusses: Man wollte den Verantwortlichen der Turmuhren die
    präzise Zeit anzeigen
  • Initiator war Papst Pius IX. Mastai Ferretti (1846-78)
  • Der erste Schuss-Standort war bis 1903 die Engelsburg. Er wechselte dann auf den Monte Mario und seit dem 24. Januar 1904 befindet er sich unter der Terrasse des Gianicolos. Stiege rechts.
  • Während des 2. Weltkrieges wurde die Tradition unterbrochen und erst wieder am 21. April 1959 auf dem Gianicolo aufgenommen.
  • Bedient wird die Kanone von Artillerie-Rekruten der S.-Giovanni-in-Laterano-Kaserne. Seit einigen Jahren tragen sie am Sonntag eine spezielle, schwarze Uniform. Früher waren es Arbeiter der erwähnten Kaserne, die die Kanone bedienten.

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