Km bis Kz

Kniebank, Knieschemel

→Talamo

Knigge im Kirchenraum

→Etikette im Kirchenraum

Kohl Helmut, Alt-Bundeskanzler Deutschlands

→Vatikan

Kokain

bz BASEL vom 25.03.2014
Kokain für den Vatikanstaat

Der deutsche Zoll hat eine an den Vatikan adressierte Kokain-Lieferung abgefangen. Das Rauschgift sei in verflüssigter Form in 14 Kondome verpackt gewesen, berichtete die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf einen Zollbericht. Ein Sprecher des  Bundesfinanzministeriums bestätigte gestern den Bericht, demzufolge Beamte am 19. Januar am Leipziger Flughafen 340 Gramm der Droge mit einem Schwarzmarktwert von 40’000 Euro aus Südamerika sichergestellt haben. Ein konkreter Empfänger war demnach nicht angegeben, sondern die Poststelle des Vatikans. Der deutsche Zoll übergab die Drogen einem Polizisten des Vatikanstaates in Rom,. Die Falle schnappte indes bislang nicht zu: Niemand versuchte, das Paket abzuholen. Die deutschen Ermittler gehen den Angaben zufolge inzwischen davon aus., dass der unbekannte Empfänger einen Tipp bekommen hat und die Aktion verraten wurde. (SDA)

Kollegien (collegio) im Vatikan-Telefonbuch

Im Vatikan-Telefon-Buch aufgeführt
* mit Vatikan-Telefonnummern und alle nachfolgend erwähnten Kollegien im Telefonbuch selber

  1. Collegio Americano del Nord (Gianicolo)
  2. Collegio Beda
  3. *Collegio Cardinalizio
  4. *Collegio degli avvocati Concistoriali
  5. *Collegio degli avvocati della Santa Sede
  6. *Collegio dei Padri Penitenzieri Lateranensi
  7. *Collegio dei Padri Penitenzieri Vaticani
  8. *Collegio Etiopico (Vatikanische Gärten)
  9. Collegio di S. Monica (Erzbischof +van Lierde, alt Generalvikar war hier zur Kriegszeit Rektor und rettete Juden)
  10. *Collegio Missionario „Mater Ecclesia“ di Propoganda Fide“, Castel Gandolfo
  11. Collegio S. Paolo Apostolo, Via di Torre Rossa 40
  12. Collegio S. Pietro Apostolo, Viale Mura Aurelia 4
  13. Collegio Pontificio Pio Romena, Gianicolo
  14. Collegio Russo di S. Teresa del Bambin Gesù, Via Carlo Cattaneo
  15. Collegio Pontificio di S.Giosafat, Gianicolo
  16. Collegio S. Giovanni Damasceno, Via Carlo Emanuele
  17. Collegio S. Roberto Bellarmino
  18. *Collegio Teutonico di Santa Maria in Camposanto
  19. *Collegio Urbano „de Propoganda Fide“ , Via Urbano VIII.

Kolonnaden

Lateinisch: columna = Säule

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 105:
Im linken Kolonnadentrakt auf der Höhe des Sacratos (Kirchplatz), befinden sich die Vatikanische Verlagsbuchhandlung, der offizielle Verlag des Hl. Stuhles sowie der Sitz des Vatikanfernsehens CTV (Centro Televisivo Vaticano).

Die frömmste Buchhandlung der Welt (jährliche Besucherzahl: 450’000) hat ihre Vorläufer in einer Zeit kurz nach der Erfindung des Buchdrucks. Sixtus V. hatte im 16. Jahrhundert erstmals die Idee, eine „Vatikanische Druckerei“ zu gründen. Denn wenn man bestimmen will, was drinsteht, ist es besser, man druckt sich seine Bücher selbst. Die „Libreria Editrice Vaticana“ verlegte u. a. die dramatischen Werke von Karol Wojtyla (Der Laden des Goldschmieds) und besitzt die Rechte an Aufführungen und Verfilmungen. Der Verlag behält sich die endgültige Kontrolle über alle Übersetzungen und Ausgaben vor. Der Katalog des Hauses kann im Internet konsultiert werden (www.vatican.va).

Seit Längerem ist der Buchladen auch im Online-Geschäft aktiv (www.paxbook.com). Gläubige und Staunende aus aller Welt können einen elektronischen Einkaufswagen mit einem Rosenkranz aus echten Rosenblättern bestücken oder mit der CD „Abbà Pater“, auf der Johannes Paul II. das Vaterunser singt.
→ Briefmarken      > Petersplatz

Kolosseum

Kirche heute April 2012 (kh/wikipedia)
Aus Kriegsbeute finanziert

Nach einer neueren Rekonstruktion der Bauinschrift wurde das Kolosseum aus der Beute des jüdischen Krieges finanziert, unter anderem mit dem im Jahr 70 geplünderten Goldschatz des Tempels von Jerusalem. Die zwischen 72 und 80 n. Chr. erbaute Arena war rund 400 Jahre lang in Betrieb. Rund 50’000 Besucher fanden im Kolosseum Platz. Rund 80 Eingänge ermöglichten es den Zuschauern, direkt zu ihren Plätzen zu gelangen. 4 Eingänge blieben den damaligen VIPs vorbehalten. Ihnen stand ein eigens abgesichertes Podium am Rand der Arena zu Verfügung.

188 m lang, 156 m breit. Hätte einmal  Platz im Petersdom (Petersdom einschliesslich Vorhalle: 187 m lang). Oder 3mal Platz im ehemaligen Circus Maximus (Rennbahn 580 x 79 m, ganzer Circus: ca. 620 x 150 m). St. Jakob-Stadion in Basel gut über 30’000 Plätze.

OR Nr. 14 vom 04.04.2014, S. 3
5,6 Millionen Besucher im Kolosseum

Das Kolosseum in Rom ist die mit Abstand meistbesuchte eintrittspflichtige Kulturstätte Italiens: 2013 kamen mehr als 5,6 Millionen Besucher in das antike Amphitheater, 8 % mehr als im Vorjahr, wie das Ministerium für die Kulturgüter berichtete. An 2. Stelle legen demnach die archäologischen Ausgrabungen in Pompeji mit knapp 2,5 Millionen Gästen. In Rom belegte 2013 die Engelsburg mit rund 900’000 Personen den 2. Platz, gefolgt von der Kunstsammlung Galleria Borghese mit 500’000 Besuchern. Das Kolosseum, das römische Wahrzeichen, wird derzeit mit dem Geld eines italienischen Unternehmens für 25 Millionen Euro restauriert. Die Stadt Rom könnte nach eigenen Angaben die finanziellen Mittel dafür nicht selbst aufbringen.

OR Nr. 28 vom 15. Juli 2016, S. 3
Aussenrestaurierung des Kolosseums abgeschlossen

Die Aussenrestaurierung des römischen Kolosseums ist nach 3 Jahren abgeschlossen worden. Italiens Kulturminister Dario Franceschini lobte das Projekt bei einer Präsentation als ein gelungenes Beispiel für die private Finanzierung öffentlicher Kulturprojekte. Für die Reinigung und Sanierung des Amphitheaters hatte der Chef eines grossen Modekonzerns, Diego Della Valle, 25 Millionen Euro bereitgestellt. Ministerpräsident Renzi nannte die Pflege solcher Sehenswürdigkeiten einen Beitrag zur Identität Europas.
Im Zuge der Arbeiten, die im Oktober 2013 begannen, war die von Abgasen, Witterungseinflüssen und Flechtenbewuchs angegriffene Travertinverkleidung des Kolosseums gereinigt worden. Abgelöste Teile wurden befestigt, frühere Ausbesserungen mit ungeeigneten Materialien rückgängig gemacht. Weiter wurden neue schmiedeeiserne Absperrgitter montiert.
Die mit der Sanierung einhergehenden Untersuchungen brachten auch einige Funde zutage – etwa ein 60 cm hohes Relief eines Gladiatoren, das vermutlich noch aus der Bauzeit des Amphitheaters von 72  bis 80 stammt. Ebenfalls entdeckt wurde ein Christus-Relief vom Ende des 14. Jahrhunderts, das einer religiösen Bruderschaft zugeordnet werden konnte.
In einem nächsten Schritt soll bis 2018 das Innere des Amphitheaters erneuert werden. Dazu stehen laut Kulturminister Franceschini 18 Millionen Euro bereit. Unter anderem soll das Hebewerk rekonstruiert werden, mit dem in der Antike Requisiten und Tierkäfige aus dem Untergeschoss in die Arena transportiert wurden. Es sei geplant, das Kolosseum in Zukunft auch für Kulturveranstaltungen zu nutzen.
Der Restaurierung vorausgegangen war eine Kontroverse um die mögliche Nutzung des Kolosseums durch den Sponsor für Werbezwecke. Franceschini sagte mit Blick darauf, es sei „viel zu viel Zeit vertan“ worden. Als Beleg für das Potenzial privater Kulturfinanzierung verwies er auf Spenden von insgesamt 100 Millionen Euro, die seit einer Einführung von Steuervergünstigungen für kulturelle Zuwendungen zusammengekommen seien. Der Unternehmer Della Valle hob die wirtschaftliche Bedeutung des Erhalts von Kulturerbe hervor, etwa im Blick auf den Tourismus.
Ministerpräsident Renzi sagte unter Anspielung auf den Brexit, der Abschluss dieser Restaurierungsphase falle in „die dunkelsten Tage Europas“. Europa werde nur zu retten sein, wenn man sich wieder dem „Europa der Seele“ zuwende. Italien mit seinen Kulturschätzen wolle dazu beitragen, den Kontinent „wieder sich selbst sein zu lassen, ausgehend von seiner Identität und seinen Werten“, sagte Renzi.

Kolumbusritter

Der Papst dankt Kolumbusrittern für Ihre Arbeit

Papst Franziskus hat die sozial-karitative Arbeit der Kolumbusritter gewürdigt. Die vor allem in den USA verbreitete Laien-Vereinigung präge Generationen katholischer Männer im Geist der Kirche, heisst es in einem von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone im Namen von Papst Franziskus veröffentlichten Schreiben. Anlass ist die 131. Generalversammlung des Ordens, die vom 6. bis 8. August im US-amerikanischen San Antonio stattfand. In herausragender Weise machten die Kolumbusritter katholische Männer zu Hütern der Schöpfung und der göttlichen Ordnung in der Welt. Papst Franziskus ermutigte die Mitglieder, ihre Arbeit für die Verbreitung des Evangeliums auch in Zeigen eines schnellen sozialen und kulturellen Wandels energisch fortzusetzen. Er rief dazu auf, „die authentische Natur der Ehe zu bezeugen, die Heiligkeit und unverletzliche Würde des menschlichen Lebens und die Schönheit und Wahrheit menschlicher Sexualität“, so das Schreiben. Jeder gläubige Laie habe eine besondere Verantwortung für die Mission der Kirche. De Lehren des Evangeliums bezeichnete der Papst als das Fundament einer geordneten Gesellschaft.

OR Nr. 42 vom 18.10.2013, S. 4

Der Papst empfing den Grossritter der Kolumbusritter, Prof. Carl A. Anderson, am 10. Oktober 2013, auch am 16.02.2017.

Kommunikation

Telekommunikation

OR  Nr. 20 vom 21.05.2010:
Der Vatikan erhält eine neue Kommunikations-Infrastruktur zur Telefon-, Daten- und Videoübermittlung. Das Governatorat des Kleinstaates hat mit der italienischen Telecom einen entsprechenden Dreijahresvertrag abgeschlossen, der ihr ein neues IP-Netz und dessen Wartung zusichert. Die neue Infrastruktur sieht Glasfaserkabel von 400 Kilometern Länge vor, die die Büros innerhalb des Vatikanstaates mit seinen exterritorialen Einrichtungen verbinden und eine Geschwindigkeit von 10 Gigabytes erlauben. Das neue Netz ersetzt die bisherige Anlage und ermöglicht damit Standards der jüngsten Generation.

OR Nr.  5 vom 1. Februar 2013, S. 4:
Der Vatikan baut seine mobilen Kommunikationsangebote weiter aus: ab sofort ist die seit einigen Monaten für Smartphones kostenlose „Radio Vatikan“-App auch auf deutsch verfügbar. „Wir gehen einen weiteren Schritt in Richtung modernes Multimediaradio“, teilte der Papst-Sender auf seiner Website mit. Die App hält laut Radio Vatikan drei zentrale Angebote bereit: Zum einen kann man nun via Handy „Radio Vatikan“ jederzeit auch auf deutsch live hören – zu den üblichen Sendezeiten der deutschsprachigen Programme, also um 16 Uhr (Nachrichtenjournal) und um 20.20 Uhr bzw. 6.20 Uhr (Magazinsendung). Unter „Agenda“ informiert die App über Papstveranstaltungen oder Ereignisse im Vatikan, unter „Related Articles“ bietet sie nun erstmals auch Beiträge der deutschsprachigen Redaktion. Der dritte Teil „News“ bietet aktuelle Beiträge und wird mehrmals am Tag aktualisiert.

OR Nr. 1 vom 3. Januar 2014, S. 2
Mit Hilfe von McKinsey Kommunikation moderner und effizienter

McKinsey erhielt von der aus internationalen Fachleuten und vatikanischen Vertretern bestehenden Kommission zur Berichterstattung über wirtschaftliche und administrative Angelegenheiten den Auftrag, sie bei der Erstellung eines „Gesamtplanes zur Organisation der Kommunikationsmittel des Heiligen Stuhles“ zu beraten. Ziel des Projekts sei es, der Kommission nützliche Hinweise für Empfehlungen an Papst Franziskus zu geben. McKinsey werde hierbei eng mit den Verantwortlichen der betreffenden vatikanischen Einrichtungen zusammenarbeiten, so die Pressemitteilung des Heiligen Stuhles. Über eine effizientere Strukturierung der auf mehrere Einrichtungen verteilten vatikanischen Medienarbeit wurde schon seit längerem nachgedacht. Konkrete Pläne gab es bislang jedoch nicht. Zugleich hat die Kommission die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG engagiert, um die Buchhaltung aller vatikanischen Einrichtungen an internationale Standards anzugleichen. Die Vergabe beider Aufträge sei nach einer Ausschreibung erfolgt, wie der Vatikan hervorhob.

OR Nrn. 30/31 vom 29. Juli 2016, S. 6
Statt des Päpstlichen Rates für die soziale Kommunikation (Via della Conciliazione, früher Palazzo S. Carlo im Vatikanstaat), der wegfällt, erscheint im Organigramm das Kommunikationssekretariat. Präfekt: Msgr. Dario Edoardo Viganò. Sekretär: Msgr. Lucio Adrián Ruiz. (unter: 2 vatikanische Sekretariate)
Das Kommunikationssekretariat besteht aus den folgenden Medieneinrichtungen:
Vatikanisches Fernsehzentrum (CTV), Radio Vatikan, L’Osservatore Romano (Tageszeitung), Vatikanische Verlagsbuchhandlung (LEV), Presseamt des Hl. Stuhles, Vatikanische Druckerei, Vatikanischer Fotoservice, Vatikanischer Internet-Dienst

Kommunion

Katholische Wochenzeitung Baden 18/2017 Mai, S. 14
USA: Bischof ersucht Gläubige, die Kommunion kniend zu empfangen

Die äussere Haltung des Kniens unterstützt die innere Haltung der Demut gegenüber Gott, betont Bischof Robert Morlino. Er, Bischof der Diözese Madison (US-Bundesstatt Wisconsin), hat alle Angehörigen seines Bistums ersucht, die Kommunion kniend in den Mund zu empfangen. Damit soll die Ehrfurcht vor der realen Gegenwart Christi in der Eucharistie verstärkt zum Ausdruck gebracht werden, sagte Morlino bei der Christmesse.
Die äussere Haltung des Kniens unterstütze die innere Haltung der Demut gegenüber Gott, ergänzt Brent King, Direktor der Öffentlichkeitsarbeit der Diözese Madison. Die Bitte seines Bischofs sei keine strikte Vorgabe. Niemandem würde die Kommunion verweigert, wenn er sie in die Hand empfangen wolle, fügte er hinzu.
In die Liturgie habe sich leider eine „Geschäftigkeit“ eingeschlichen, bedauert Bischof Morlino. Jeder habe das Bedürfnis, irgendetwas zu tun. Die *“actuosa participatio“ („tätige Teilnahme“), die das Zweite Vatikanische Konzil vorgeschlagen habe, werde häufig missverstanden. Es gehe nicht um Aktivität, sondern um die innere Teilnahme am Geheimnis der heiligen Messe. Die Gegenwart Gottes in der Eucharistie solle die Menschen mit Ehrfurcht und Staunen erfüllen. Leider seien viele Teilnehmer zu beschäftigt, um sich darauf zu konzentrieren, sagt Morlino.
*1963: „Bei dieser Erneuerung der Liturgie sollen Texte und Riten so geordnet werden, dass sie das Heilige, dem sie als Zeichen dienen, deutlicher zum Ausdruck bringen, und so, dass das christliche Volk sie möglichst leicht erfassen und in voller, tätiger und gemeinschaftlicher Teilnahme mitfeiern kann.“

Konfessionslos

→Austritte in der Kirche

Kongregationen (9 an der Zahl)

(→Adressen Piazza Pio XII.)
Keine einzige Kongregation (Ministerium, Dikasterium) liegt auf vatikanischem Staatsgebiet, aber alle auf vatikanischem Hoheitsgebiet in der Stadt Rom. Der Vorsteher wird Präfekt genannt.

Piazza Pio XII.:
vor dem Petersplatz
links (Palazzo
Popilei)
Nr. 10 1 Kongregation für die Bischöfe

Nr. 10
2 Kongregation für die Selig- und Heiligsprechsprozesse, 3. Stock, normale Büroöffnungszeiten, Tel. 0039 06 698 842 42
Nr. 10  3 Kongregation für die Gottesdienste und Sakramentsordnung
Piazza Pio XII.:
Rechts vor dem Petersplatz,
Palazzo S. Paolo
Nr. 3
 4 Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens
Nr. 3  5 Kongregation für den Klerus
Nr. 3
 6 Kongregation für das katholische Bildungswesen (für die Studieneinrichtungen)
Piazza del S. Uffizio
Links neben Petersplatz
 7 Kongregation für die Glaubenslehre Kongregation für den Ritus (Keller, ausgelagert)
Via della Conciliazione, 32/34
Rechte Seite, Richtung Petersplatz
 8 Kongregation für die orientalischen Kirchen
Palazzo di Propaganda Fide
Piazza di Spagna, 48
 9 Kongregation für die Evangelisierung der Völker
Tel. 06 698 791 23

→ Räte   →Calisto     →Erste Homepageseite/Vatikan/Postbote  →Organigramm

Konklave

Cum clave = unter Schlüssel

Konklave Sitzplätze Rena

Vorbereitungen zum Konklave in der Sixtinischen Kapelle

Prof. Dr. Josef Imbach, Vortrag am 15. Januar 2013, Reinach BL:

Längstes Konklave von 3 Jahren Dauer in Viterbo. Am 1. September 1271 haben 17 Kardinäle einen gewissen Visconti gewählt. Er war kein Priester und während seiner Wahl in Palästina. Er nannte sich Gregor X.

Konklave Ofen Rena

Schwarzer oder weisser Rauch aus diesem Ofen

OR Nr. 12 vom 22. März 2013, S. 11
Das kürzeste und das längste Konklave

Das bislang kürzeste Konklave, das am 31. Oktober 1503 Julius II. della Rovere (1503-13) wählte, dauert nur wenige Stunden. Auch 1939 erfolgte die Wahl von Pius XII. gleich am ersten Tag. Papst Johannes Paul II. wurde 1978 nach zwei Tagen und insgesamt 8 Wahlgängen bestimmt. Benedikt XVI. 2005 ebenfalls am zweiten Tag, aber bereits im 4. Wahlgang. Bei Franziskus klappte es am 2. Tag im 5. Wahlgang. – Die längste Papstwahl der Kirchengeschichte dauert rund 3 Jahre. Nach dem Tod von Papst Clemens IV. am 29. November 1268 konnten sich die 18 Kardinäle, die sich kurze Zeit später im Bischofspalast von Viterbo zur Papstwahl versammelten, erst am 1. September 1271 auf einen Kompromiss verständigen. Die einen wollten einen Italiener, die anderen einen Franzosen. Gewählt wurde ein Aussenstehender: Tedaldo Visconti. Er nahm den Papstnamen Gregor X. an.

HK, Erlebte Menschlichkeit, S. 663
Konklave 2013 und Wahl eines Überraschungskandidaten

(…) Die italienischen Kardinäle haben schlechte Karten wegen des schlechten Rufes der vorwiegend italienischen Kurie, und die Italienische Bischofskonferenz torpediert schliesslich ihren eigenen Kandidaten, den Kardinal-Erzbischof von Mailand, Angelo Scola, durch eine voreilige Gratulation zu seiner Wahl. Dies führt zu einer gemeinsamen Frontstellung der auswärtigen Kardinäle gegen Kurie und Italiener. Einer dieser Auswärtigen hält auf dem Arbeitstreffen der Kardinäle unmittelbar vor dem Konklave eine kurze programmatische Rede, die faktisch ein Gegenprogramm zum Kurs Papst Benedikts skizziert. Es ist ein gewisser Kardinal Bergoglio aus Buenos Aires, der schon im Konklave vor 8 Jahren eine Anzahl Stimmen erhalten hat. Und siehe da: Schon im fünften Wahlgang wird am 13. März 2013 ebendieser Erzbischof von Buenos Aires, Kardinal Jorge Mario Bergoglio, als erster Lateinamerikaner und erster Jesuit zum neuen Papst gewählt!

Konservierung (Fixation eines [Papst-]Leichnams)

Nach Dr. Hugo Kurz, Konservator, Anatomisches Institut der Universität Basel, 2002

Was ist eine Konservierung (Fixation)?

– Umwandlung organischer Stoffe
– statt Blut eine Antifäulnis-Flüssigkeit
– Organe nicht entfernen
– Metallsarg mit Dampfdruck, Giftstoffen/Gas, die dem Körper nicht schaden
– Sarg ohne Luft

Zur Erhaltung eines Körpers (Mumifikation, Konservierung) muss man gegen die Grundfäulnis vorgehen. Jegliche Mikroorganismen müssen abgewehrt bzw. vermieden werden. Mikroorganismen (Luft: Bakterien, Pilzbefall, Insektenfrass) dürfen organisches Gewebe (der ganze Körper ist auf Eiweiss aufgebaut) nicht zerstören. Anorganisches Gewebe sind Knochen, Zähne. Der Körper hat 60 % Wasser. Die Totenmaske muss so schnell wie möglich erstellt werden.

Formaldehyd ist eigentlich Gas. Formalin allein ergäbe nur einen Graustich des Körpers. Um das zu verhindern, braucht es noch Substanzen, die das Durchdringungsvermögen verbessern bzw. verstärken. Magen und Darmtrakt verfaulen blitzschnell. Damit die rosarote Haut erhalten bleibt, wird Arsen injiziert.

Fixation auf lange Zeit (Vorgang)

  1. Sofortiges Reinigen des Körpers mit Warmwasser (Desinfektionsmittel).
  2. Mit Spritze durch Mund und Rachen warmes Wasser einspritzen. Materien aus Magen und den Gedärmen durch After ausspülen.
  3. Grosse Menge Spiritus vini durch Magen und Gedärme fliessen lassen, damit die Wässrigkeit entnommen wird.
  4. Arterien und die grossen Venen öffnen. Blut sofort ausfliessen lassen, solange es noch flüssig ist. Dann warmes Wasser einfliessen lassen, bis es klar und rein ausfliesst. Blut muss sofort entfernt werden, sonst verfärbt sich der Leichnam grau.
  5. Spiritus vini nachfliessen lassen.

Formalin-Fixation

Kopf:
40%ige Formalinlösung durch die Karotiden (Schlagadern) injizieren

Körper:
10%ige Formalinlösung injizieren. Rund 8 Liter in Schenkelarterie, Punktionen in die Leibeshöhlen, den Magen-Darmtrakts, die Harnblase und die Brusthöhlen

Geschlossener Metallsarg
(siehe Metallsarg von Papst Johannes XXIII., +1963, im Petersdom beim Hieronymus-Altar, vorne rechts vor dem Querschiff)

Er soll die Verdunstung des Formalindehyds und die Eintrocknung der Leiche verhindern. Zusatz von Sublimat, Zinkchloryd oder Karbol. Diese Zusätze verhindern Insektenfrass, Wachstum von Fäulniskeimen und Schimmelpilz nach vollständigem Verdunsten des Formaldehyds.

Dr. Hugo Kurz:
Mumifikation (seltener für Mumifizierung): Der Leichnam wird mit Natrium-Chlorit (Salz) bedeckt. Die Körperflüssigkeit wird aus dem Körper gezogen. Der Körper wird so getrocknet. Die Fixation (Konservierung) ist eine Umwandlung organischer Stoffe. Eine Fixationsflüssigkeit ersetzt das Blut. Die Organe werden nicht entfernt.

John Cornwell, Wie ein Dieb in der Nacht, 1988, Zsolny
Nach dem Tod von Johannes Paul I. Luciani, September 1978, Zusammenfassung

In Italien darf der Leichnam erst 24 Stunden nach dem Tode einbalsamiert werden. – Am 29.09.1978 war Papst Johannes Paul I. von 12..00 bis 19.00 Uhr im Sala Clementina (Papstpalast) aufgebahrt (gestorben am 28.09.1978, ungefähr um 23.00 Uhr). Staatspräsident Pertini erwies als Erster dem verstorbenen Papst die Ehre. – Von 19.00 bis 03.00 Uhr (8,5 Stunden) hierauf erfolgte die Einbalsamierung. Dabei waren vier Professoren und die Brüder Ernesto und Arnaldo Signoracci (Präparatoren), die schon bei Johannes XXIII. und Paul VI. mitgeholfen hatten. Nachher kam der Leichnam in die Sala dei Forconi (Predigersaal).  Der Leichnam blieb 3 bis 4 Tage dort. Nach Cornwell erfolgte die hygienische Präservierung ohne Entnahme der Organe, der Eingeweide und des Blutes:

Ein Bildhauer fertigte die Totenmaske an. Die Zersetzung muss an den Weichteilen des Gesichtes kontrolliert werden (nach Dr. Kurz eher im Bauchbereich). Dem Leichnam können Gase entweichen („Explosionen“). Nach Dr. Kurz ist das ein normaler Vorgang; man isst. Die Gallenblase ist aggressiv.

Der Franziskanerorden, der Wächter des päpstlichen Leichnams.

5.Tag JPII SPietro I Foto Stefan Meier k

Aufbahrung von Papst Johannes Paul II. im Petersdom, April 2005

Schad Martha, Gottes mächtige Dienerin, 2007, S. 236, Punkt 148
Galeazzi-Lisi, Dans l’ombre et das la lumière de Pie XII, S. 245

Galeazzi-Lisi (WA: eigentlich Augenarzt) selbst sah sich als den Arzt des Papstes schlechthin, den er bis zu seinem Tode ärztlich betreute. Er verschweigt in seiner Biografie über Papst Pius XII. Pacelli völlig, dass er bereits 1956 als Archiatra (Hofarzt. Das lat. Wort Archiater ist der Ursprung des deutschen Wortes Arzt.) entlassen wurde, wie das immer wieder zu lesen ist. „In Wirklichkeit wurde er nicht entlassen, sondern nie mehr zum Papst vorgelassen, da dieser ihn nicht mehr sehen wollte.“ So P. Peter Gumpel SJ, Rom (ab 1954 Repetitor am Germanicum in Rom. Seit 1983 Relator im Seligsprechungsprozess von Pius XII.). Der Grund dafür war eine  „Persönlichkeitsveränderung“ und Gerüchte über immense Spielschulden. Doch Galeazzi-Lisi brachte es fertig, am Sterbebett des Papstes zu erscheinen. Dies führte zu einem Skandal. Der völlig verschuldete Galeazzi-Lisi machte Fotos vom sterbenden Papst und verkaufte diese für viel Geld an Fotoagenturen. Beim toten Papst wollte der Arzt eine neue Methode der Einbalsamierung anwenden. Dabei werden die inneren Organe im Körper belassen (WA: wie heute). Doch bei der damals herrschenden Hitze (Todestag Pius‘ XII.: 9. Oktober 1958, Castel Gandolfo) verweste der Körper so rasch, dass die Organe beim Zersetzungsprozess mit einem lauten Geräusch zerplatzten. Während der Aufbahrung im Petersdom verfärbte sich das Gesicht grau, dann grün und purpurrot. Die Nase des Toten wurde schwarz und fiel vor der Beisetzung ab.

Konstantin, Kaiser, der Grosse (272 – 337)

Konstantinsbild mit Zwischentönen (Constantinus I. der Grosse, Flavius Valerius)
Kirche heute 48/2013 November, S. 5, Regula Vogt-Kohler

Theologieprofessor Martin Wallraff über Konstantins Religionspolitik:
Kaiser Konstantin war nicht der Machtpolitiker, für den Religion nur Mittel zum Zweck ist, aber auch kein überzeugter Christ. Zu diesem Schluss gelangt Martin Wallraff in einer differenzierten Darstellung des spätantiken Herrschers, der vor 1700 Jahren im Mailänder Toleranzedikt Religionsfreiheit für alle verkündete.

Als römischer Soldat im Jahre 306 den jungen Feldherrn Konstantin zum Kaiser erhoben, und er danach um die Macht kämpfte, war das Christentum einer von mehreren Kulten im Römischen Reich. Etwa 10 % der Bevölkerung seien Christen gewesen, sagte Martin Wallraff. Für die Millionenstadt Rom heisst das, dass es immerhin 100’000 Christen gab. Wallraff sprach von einer „Minorität, deren Existenz niemand mehr ignorieren konnte“. 311 verkündete der todkranke Kaiser Galerius das Ende der Christenverfolgung. 312 kam es bei der Milvischen Brücke (lat. Pons Milvius) zur Entscheidungsschlacht zwischen Konstantin und Maxentius, dem Konkurrenten um die Herrschaft im Westen (28. Oktober 312).

Darstellungen aus dem 4. und 5. Jahrhundert verwoben den militärischen Sieg Konstantins mit einer Lichtvision in Kreuzform und einer Bekehrung des Kaisers vom Heiden zum Christentum zu einer Einheit, die aber der historischen Quellenkritik nicht standhält. Die Vision hatte Konstantin bereits 2 Jahre zuvor, und ein zeitgenössischer Propagandatext, der davon berichtet, erwähnt keinerlei christliche Motive. Zudem sei die Deutung als religiöser Konflikt falsch, die beiden Kontrahenten hätten eine ähnliche religiöse Politik, jene der sanften Duldung der Christen, verfolgt, führte Wallraff aus. Und vor allem: Eine Bekehrung von Konstantin sei zu keinem Zeitpunkt nachzuweisen, betonte der Professor für Kirchen- und Theologiegeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Basel bei seinem Vortrag im Pfarreiheim von St. Marien in Basel. Konstantin wurde erst 337 kurz vor seinem Tod getauft, die Beisetzungsfeierlichkeiten hätten aber sehr wenig Christliches gehabt.

Die Religionspolitik Konstantins sei dadurch geprägt, dass religiöse und politische Motive einander ständig überschnitten hätten. Einen wichtigen Meilenstein setzte Konstantin 313 mit der Mailänder Vereinbarung, in der er mit Licinius, seinem Kaiserkollegen im Osten, die Grundlagen einer gemeinsam verfolgten Politik festlegte, zu der auch Religionsfreiheit und die Rückgabe kirchlicher Güter gehörten.  Die Religionsfreiheit galt nicht nur für die Christen, sondern für alle. Die Freiheit sei aber nicht Selbstzweck gewesen, betonte Wallraff. Die Ausübung musste zum Wohl des Staates sein, „… damit die höchste Gottheit uns die gewohnte Huld und Gnade erweisen könne“, heisst es.

Konstantins Ziel sei es gewesen, die bestehenden Strukturen der christlichen Kirche für Staat und Religion nutzbar zu machen, hielt Wallraff fest. Zu seiner Enttäuschung musste dann aber der Kaiser feststellen, dass das Christentum gar nicht so einheitlich war. So gab der Arianische Streit (Ist der in Jesus Christus inkarnierte [fleischgewordene] Logos göttlich, gottähnlich oder anders als Gott, nämlich geschöpflich?) den Anlass für das erste allgemeine Konzil der Kirchengeschichte, zu dem Kaiser Konstantin 325 nach Nicäa (heute Iznik/Türkei) lud.

Dr. iur. Heinrich Nauer, 1300 Jahre Rom, 1967, Orell Füssli, S. 114 (…)
… In dieser allgemeinen Verwirrung rief Galerius (Kaiser Galerius Gaius Valerius Maximianus, 250 – 311) eine Konferenz in Carnuntum (bei Wien) ein, an der Diocletian, Maximian und Galerius teilnahmen. Maximian musste auf die Macht verzichten, Maxentius wurde zum Staatsfeind erklärt und Gaius Flavius Valerius Licinianus Licinius, ein Adoptivsohn Diocletians, zum Augustus ernannt. Da Maximian die ihm auferlegte Ruhe nicht ertrug und die Truppen gegen seinen Schwiegersohn Constantin aufzuwiegeln versuchte, wurde er schliesslich gefangen und hingerichtet. Dies benützte Maxentius als Vorwand zum Kampf gegen Constantin. 311 starb Galerius an einem Krebsleiden, nachdem er auf dem Totenbett ein Toleranzverdikt (Toleranzurteil) erlassen hatte (keine Verfolgungen mehr). – Indessen stand Maxentius mit einer Armee in Rom. Er hatte dort herrliche Bauten erstellen lassen, darunter die Basilica Nova, das grösste gedeckte Bauwerk des Altertums. Die Basilika diente gesellschaftlichen und geschäftlichen Zwecken und war auch Gerichtshof. Maxentius war ein lasterhafter und eigensüchtiger Tyrann.  Um ihn zu beseitigen, zog Constantin mit seinen Truppen aus Britannien, Germanien und Gallien über die Alpen nach Rom, wo sich Maxentius mit 170’000 Mann zu Fuss und 18’000 Reitern verschanzt hatte. Constantin verfügte über 90’000 Mann Infanterie und 8’000 Mann Kavallerie. Beim Pons Mulvius (Ponte Milvio) kam es zur Schlacht; trotz der zahlenmässigen Überlegenheit wurde das Herr von Maxentius geschlagen; bei der Flucht brach die Brücke, wobei Maxentius  ertrank. Vor der Schlacht soll Constantin eine Vision gehabt haben, worin er aufgefordert wurde, das Christuszeichen auf den Schilden seiner Soldaten anzubringen. Unverzüglich folgte er der Weisung und liess die Schilde seiner Soldaten mit X, dem griechischen Zeichen für CH (Christus) versehen. Auf dem Helm des Kaisers wurde ein liegendes griechisches CH (also ein liegendes X) und ein griechisches R (CHRistus) angebracht. Bei der Vision sah der Kaiser die Worte: „in hoc signo vinces“ (in diesem Zeichen wirst Du siegen).
Am 29. Oktober 312 zog Constantin als Befreier und Friedensbringer in Rom ein. Der Senat weihte ihm die Bauten des Maxentius, ernannte ihn zum Maximus Augustus der Welt und bewilligte ihm mit seinem Heer einen Triumphzug durch den von Maxentius begonnenen Triumphbogen (den heutigen Constantinsbogen neben dem Kolosseum), der allerdings erst 315 fertiggestellt wurde. Constantin verzichtete zur Bestürzung des Senates auf den Zug zum Kapitol, wo nach altem Brauch der triumphierende Feldherr den Göttern zu opfern hatte.
Zu den ersten Taten von Constantin nach dem Einzug in Rom gehörte die Errichtung von christlichen Kirchen. So überliess er den Palast, der ursprünglich der Reederfamilie Laterani und später Constantins Gattin Fausta gehört hatte, dem Bischof von Rom zur Errichtung einer Kirche. Mit der Basilika San Giovanni in Laterano erhielten die Christen in Rom ihre erste Kirche. Bis 1305 blieb der Lateran Sitz der Päpste. – Nach 16 Jahren Kampf hatte Constantin die Alleinherrschaft im Westen erlangt (totius orbis Imperator). Erst jetzt erhielt das Christentum im ganzen Reich die Gleichberechtigung mit allen anderen Bekenntnissen. Nun suchte Constantin die zerrissene Kirche zu einigen. So berief er in der kaiserlichen Residenz von Nicaca, einem Ort am Hellespont, rund 100 km von Konstantinopel, ein Konzil ein, an dem unter seinem Vorsitz 300 Bischöfe teilnahmen. Die Beschlüsse von Nicaca blieben lange Zeit für die Kirche verbindlich. – 337 starb Constantin unerwartet. Auf dem Sterbebett liess er sich taufen. Er wurde in der Apostelkirche in Konstantinopel beigesetzt.

OR Nr. 5 vom 03.02.2107, S. 5, Claudia Kock
Konstantin (334-337): Alleinherrschaft und „Konstantinische Wende“ (…)

Der „Steinbruch Konstantin“ bot mancherlei Möglichkeiten für spätere Generationen, sich zu bedienen. Dieses Urteil des Althistorikers Manfred Clauss bringt das Dilemma zum Ausdruck, vor dem man steht, wenn es darum geht, ein kurzes Portrait des ersten christlichen Kaisers zu zeichnen: Die Quellenlage ist widersprüchlich, die Sekundärliteratur umfasst ganze Bibliotheken. Konstantin ist legendenumrankt und wurde über Jahrhunderte hinweg für machtpolitische Zwecke instrumentalisiert.
Bei Kaiser Konstantin verschmelzen die beiden Themen – das römische Kaisertum und das Christentum – zu einem: Konstantin war der erste christliche Kaiser. Er war in einer Welt aufgewachsen, in der das Kaisertum mit paganen (im Heidentum) religiösen Funktionen verbunden war. Der Kaiserkult hatte die religiöse Überhöhung des Kaisertums noch gefördert. Diese Mentalität konnte Konstantin nicht einfach ablegen; sie prägte sein Selbstverständnis als Herrscher.
Konstantin hatte vor der Schlacht an der Milvischen Brücke eine Erscheinung gehabt, die er als göttliche Offenbarung verstand, der er seinen Sieg gegen Maxentius zuschrieb und in der er den Gott der Christen erkannte. Wir wissen nicht, was genau passierte, aber wir wissen, dass es für Konstantin persönlich ein einschneidendes Erlebnis war. Da Eusebius von Caesarea, der darüber berichtet, sagt, dass Konstantin selbst es ihm erzählt habe, gibt es keinen Grund, an der Echtheit des Ereignisses – zumindest als inneres Erleben Konstantin – zu zweifeln.
Den offiziellen Weg in der Gemeinschaft der Kirche über Umkehr, Reue, Busse und öffentliches Bekenntnis des Glaubens ist Konstantin nie gegangen und hat wohl auch nie an einer Eucharistiefeier teilgenommen. Zwar liess er sich taufen, jedoch erst auf dem Sterbebett. Wieweit Konstantin den christlichen Glauben verinnerlicht hat, wissen wir nicht. Einige Punkte in seiner Biographie werfen ernsthafte Fragen auf. So heisst es, Konstantin habe noch im Jahr 326 seine Frau Fausta und seinen Sohn Crispus ermorden lassen. Der heidnische Schriftsteller Zosimos schreibt Konstantins Hinwendung zum Christentum sogar erst seiner Reue über die Tat zu, was jedoch chronologisch nicht haltbar ist. Auch gibt es immer wieder Bezüge Konstantins zum Sonnengott Sol, etwa in seiner Münzprägung. Andererseits taucht auch das Christus-Monogramm auf seinen Münzen auf; ein besonders beeindruckendes Exemplar ist ein Silbermedaillon, das in Ticinum, dem heutigen Pavia, geprägt wurde und auf dem auf Konstantins Helm deutlich das Christus-Monogramm zu sehen ist.
Um 326 war Konstantins Mutter, die heilige Helena, in das Heilige Land gereist, wo sie die Stätten der Geburt und der Auferstehung Christi besuchte und der Überlieferung zufolge das Kreuz Christi fand. Hier veranlasste Konstantin den Bau der Geburts- und der Grabeskirche. In Rom liess er unter anderem über den Gräbern der Apostel den altes Petersdom und die Basilika Sankt Paul vor den Mauern errichten sowie die Laterankirche und förderte ausserdem den Kirchenbau im ganzen Römischen Reich. Auch die älteste Kathedralkirche Deutschlands, der Dom zu Trier, ist eine konstantinische Gründung. Konstantins gewaltigstes Bauvorhaben wurde jedoch im alten Byzanz umgesetzt, das er als Konstantinopel zur neuen, christlich geprägten Hauptstadt des Reiches machte.
Konstantin stand in direktem Kontakt mit verschiedenen Bischöfen und nahm Anteil an den innerkirchlichen Entwicklungen. Sein welthistorisch bedeutendster kirchenpolitischer Beitrag war die erstmalige Einberufung eins Ökumenischen Konzils: des Konzils von Nizäa im Jahre 325, an dem unter dem Vorsitz Konstantins selbst zahlreiche Bischöfe aus allen Teilen des Römischen Reiches teilnahmen.
Ebenfalls von Konstantin stammt ein Gesetz, das es untersagt, Verbrecher im Gesicht zu brandmarken, da das menschliche Gesicht „Abbild der himmlischen Schönheit“ sei. Die Gladiatoren schaffte Konstantin zwar nicht ab, verbot jedoch die Verurteilung von Verbrechern zum Gladiatorenkampf. Er sorgte auch für eine humanere Behandlung der Sklaven: In kaiserlichem Besitz befindliche Sklavenfamilien durften nicht mehr auseinandergerissen werden, die – vorher zulässige – Tötung eins Sklaven wurde von nun als  Mord geahndet, und Kleriker bekamen die Möglichkeit, Freilassungen von Sklaven vorzunehmen. In der Ehegesetzgebung hob Konstantin unter anderem die rechtliche Benachteiligung unverheirateter Menschen auf und erschwerte die Ehescheidung. Bis in unsere Zeit hinein besteht ein weiteres konstantinisches Gesetz: die Sonntagsruhe am „ersten Tag der Woche“, dem Tag nach dem jüdischen Sabbat, der nach dem parlamentarischen Kalender mit dem römischen „dies solis“ zusammenfiel. Seit 1976 ist der Sonntag der letzte Tag der Woche (→Römisches Jahr, Nebenregister unter R).
Während der Einfluss des Christentums im Römischen Reich durch Kaiser Konstantins Politik und Gesetzgebung zunahm, gab es weiter im Osten bereits den ersten christlichen Staat: Trdat III. hatte in den ersten Jahren des 4. Jahrhunderts im Kaukasusstaat Armenien das Christentum zur Staatsreligion erklärt.
Zu Beginn des Jahres 337 erkrankte Kaiser Konstantin in Nikomedia schwer. Er liess sich von Bischof Eusebius von Nikomedia taufen und starb am Pfingstfest 337. Sein Leichnam wurde nach Konstantinopel überführt und in der Apostelkirche beigesetzt, zwischen den Stelen (Grabsäulen) der 12 Apostel. Als „apostelgleich“ wird Kaiser Konstantin bis heute in der orthodoxen Ostkirche verehrt. In der katholischen Kirche ist Konstantins Todestag, der 21. Mai, zwar als Namenstag vermerkt, er wurde jedoch nie unter die Heiligen erhoben und erfährt keine liturgische Verehrung.
Als „Scharnier“ zwischen den beiden grossen Perioden  der Geschichte des alten Christentums, „den ersten drei und jenen Jahrhunderten, die auf das Konzil von Nizäa von 325, das erste ökumenische Konzil, folgen“, wie Papst Benedikt XVI. es ausdrückte, hatte die „Konstantinische Wende“ die Grundlagen für das christliche Europa geschaffen.

Konstantinische Schenkung

Siehe →Kirchenstaat

HK, Ist die Kirche noch zu retten? S. 72:
Keine „Konstantinische Schenkung“ fand statt, wohl aber eine Verlagerung der Hauptstadt von Alt-Rom nach Neu-Rom am Bosporus durch Kaiser Konstantin. Und zugleich die Wanderung der germanischen Völker, die schliesslich im Jahre 410 zur erstmaligen Eroberung des unbesiegten „ewigen Rom“ führte. Diese beiden Entwicklungen schufen im Westen ein Machtvakuum. Die römischen Bischöfe des 4. und 5. Jahrhunderts nutzten dieses zielstrebig und machtbewusst, um ihre Amtsbefugnisse in Richtung eines universalen Herrschaftsprimats auszuweiten.

Nur in Stichworten sei erwähnt, was, wiewohl ohne biblisches und theologisches Fundament, doch per viam facti in das bis heute gültige Kirchenrecht einging:

  • Rom erklärt sich zur allgemeinen Appellationsinstanz (Bischof Julius in der
    Mitte des 4. Jahrhunderts mit falscher Berufung auf das Konzil von Nikaia).
  • Das Felsenwort aus Mt 16,18, (Du bist Petrus der Fels ..), rein juristisch
    verstanden, wird jetzt für Machtansprüche bemüht und das Wort vom
    „Apostolischen Stuhl“ („Sedes apostolica“) exklusiv für Rom in Anspruch
    genommen, wie wenn es keine anderen apostolischen Sitze gäbe
    (Bischof Damasus im 4. Jahrhundert).
  • Der römische Bischof nennt sich jetzt „Papst“: „Papa“, vom griechischen
    „pappas“, ist ein ehrwürdiger, liebevoller Name für Vater, der im Osten schon
    lange für sämtliche Bischöfe gebraucht wurde, nun aber im Westen nur noch
    vom Bischof von Rom. Seine eigenen „Statuta“ nennt er kurzerhand
    „apostolische“. Zugleich wird der römische Amts- und Kanzleistil
    übernommen: auf Anfragen von Bischöfen erfolgen nur knappe „Decreta“
    und „Responsa“ (Bischof Siricius, Ende des 4. Jahrhunderts).
  • Jede wichtige Angelegenheit soll nach ihrer Behandlung auf einer Synode
    dem römischen Bischof zur Entscheidung vorgelegt werden (Bischof Innozenz zu Beginn des 5. Jahrhunderts)
  • Jede weitere Appellation ist ausgeschlossen; die Entscheidungen des
    römischen Bischofs sind letztverbindlich (Bischof Bonifaz im 5. Jahrhundert).

So begann der bis heute anhaltende Prozess der römischen Monopolisierung von Titeln und Rechtsansprüchen, die ursprünglich vielen Kirchen und Bischöfen gehörten (zuerst nur Ansprüche).

HK, S. 78: Konstantinische Schenkung: Eine schon im 5./6. Jh. frei erfundene Legende von einem Papst Silvester bildete im 8. Jahrhundert die Grundlage für diese höchst einflussreiche Fälschung. Ihr zufolge habe Kaiser Konstantin dem Papst Silvester Rom und die Westhälfte des Reiches überlassen, ihm die kaiserlichen Insignien und Gewänder (Purpur) und einen entsprechenden Hofstaat gestattet, ja, ihm den Primat über alle anderen Kirchen, besonders die von Antiochien, Alexandrien, Konstantinopel und Jerusalem verliehen. Und was war die historische Wahrheit? Tatsächlich hatte Konstantin dem Bischof von Rom nur den Lateranpalast und die von ihm gebauten Lateran- und Petersbasilika überlassen

Konzile   (I und II, Vatikanische)

HK, S. 141: Am 20.09.1870 marschierten italienische Truppen ungeniert in Rom ein. Und eine römische Volksabstimmung sprach sich in überwältigender Mehrheit gegen den Papst aus. Das wegen des deutsch-französischen Krieges abgebrochene Konzil fand keine Fortsetzung. Im Episkopat und in den Theologischen Fakultäten aber brach der Widerstand gegen das Unfehlbarkeitsdogma bald zusammen. Als letzter beugte sich auch der Tübinger Konzilienhistoriker und Bischof von Rottenburg, Carl Joseph Hefele. Der sich jetzt bildenden Alt- oder Christkatholischen Kirche wollte er sich nicht anschliessen.

books.google.ch/books?isbn=3825880885 …,
Zweites Vatikanisches Konzil, Ende oder Anfang. GoogleBücher – Ergebnisseiten. Alfred E. Hierold

Artikel von Pater Wolfgang Seibel SJ, Berater (Sekretär) von Pius XII., Auszug:

Pius XI. (1922-39) frug am 2. Oktober 1923 alle Bischöfe nach ihrer Meinung, ob das abgebrochene 1. Vatikanische Konzil von 1870 (wegen des deutsch-französischen Krieges) wieder aufgenommen werden sollte. Die Antworten waren in ihrer Mehrheit positiv, man äusserte aber häufig Bedenken wegen der noch ungelösten Römischen Frage (Papst ohne völkerrechtliche Sicherheit und Land). Vom Konzilsplan war jedoch schon seit 1925 nicht mehr die Rede.

Pius XII. (1939-58) beauftragte am 4. März 1948 den damaligen Assessor des Hl. Offiziums, Alfredo Ottaviani mit den Vorbereitungsarbeiten zu einem Konzil. Es sollten Themen gesammelt und Kommissionen für erste Sondierungen errichtet werden, unter strengster Geheimhaltung. Die Arbeiten waren schon ziemlich gediehen, als der Papst im Januar 1951 das Projekt aufgab. Bei seinem hohen Alter von damals, 75jährig, habe er, wie er gelegentlich bemerkte, nicht mehr die Kraft für ein solches Unternehmen. Das müsse sein Nachfolger machen (Pius XII. am 9.10.1958  mit 82 Jahren gestorben).

Hans Küng, Erkämpfte Freiheit, S. 137:
Volksprediger Pater Riccardo Lombardi SJ. Er führte nach dem 2. Weltkrieg in  verschiedenen italienischen Städten höchst populäre „Radiokreuzzüge“ durch. Er verfolgte eine Reform der Kirche von unten. Mit der Unterstützung von Papst Pius XII., die dieser ihm am 10. Februar 1952 durch eine grosse Ansprache an die Gläubigen von Rom zum Ausdruck gebracht hat, soll zuerst die Stadt Rom und dann die Kirche und die Welt überhaupt auf breiter Front erneuert werden. Lombardi erkennt hinter der von Pius XII. und seinen Macht- und Prachtmanifestationen glänzend dargestellten römischen Fassade die tiefe Krise der Kirche. Was wir (im Germanikum) freilich nicht wissen und was erst nach Lombardis Tod 1979 durch den „Vaticanista“ Giancarlo  Zizola aufgrund von Lombardis Privataufzeichnungen bekannt werden wird: dass Lombardi es zunächst mit der direkten Reform der Kirche von oben versuchte – aber damit gescheitert ist. Schon 1948 nämlich, am Tag nach dem mit seiner Hilfe errungenen grossen Wahlsieg der Democratia Cristiana über die Kommunisten (05.05.1948), hatte Lombardi Pius XII. in einer Privataudienz in geradezu apokalyptischen (Weltende) Tönen beschworen, der Kirche in ihrer Krise einen umfassenden Plan von Reformen sowohl der vatikanischen Behörden wie der Bischöfe, des Klerus und der Orden und schliesslich des Laientums zu verordnen.

Tatsächlich beauftragte der Papst Lombardi mit der Ausarbeitung eines umfassenden „Projekts zur Erneuerung der Kirche“. Abgesprochen mit dem Jesuitengeneral und anderen Beratern, wurde dem Papst schon im August 1948 ein 60seitiger Vorschlag sehr konkreter Reformschläge übermittelt, gipfelnd in einem Konzil.

Johannes XXIII. (1958-63). Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils: 11. Oktober 1962, 4 Konzilsperioden.

Vater-Wolf-Heft Nr. 98, Fastenzeit 2011, Red. Vizepostulator Max Syfrig, alt Pfarrer von Neuenkirch, S. 16:
Aus dem Geistlichen Tagebuch von Papst Johannes XXIII. (1958-63), S. 349 f.:

„Ohne zuvor daran gedacht zu haben, habe ich in einem ersten Gespräch mit meinem Staatssekretär am 20. Januar 1959 die Worte: ökumenisches Konzil, Diözesansynode und Neufassung des kirchlichen Gesetzbuches ausgesprochen, ohne je zuvor daran gedacht zu haben – und entgegen allen meinen Ahnungen und Vorstellungen über diesen Punkt.

Der erste, der von diesem meinem Vorschlag überrascht wurde, war ich selbst, denn niemals hatte mir jemand einen Hinweis dazu gegeben. Und ich muss sagen, dass mir dann alles in der unmittelbaren und kontinuierlichen Entwicklung ganz selbstverständlich erschien.

Nach drei Jahren gewiss mühevoller, aber auch glücklicher und ruhiger Vorbereitung sind wir nun am Fuss des heiligen Berges angelangt. Der Herr möge uns helfen, um alles zu einem guten Ende zu führen.“
→Päpste, Paul VI.

Kirche heute, 5/2012:
Ausstellung Zweites Vatikanisches Konzil

In Rom wird diese Woche (Ende Jan. 2012) eine Ausstellung über das 2. Vatikanische Konzil (1962-65) eröffnet. In der Ausstellung sind nach Angaben der vatikanischen Tageszeitung unter anderem, handschriftliche Dokumente von Johannes XXIII. zur Vorbereitung der Konzilsankündigung zu sehen. Tag der Konzilsankündigung war der 25. Januar 1959 (Ankündigung des Konzilsbeginns: 2. Februar 1962). Die Ausstellung dauert bis zum 24. November 2013. An diesem Tag endet das Themenjahr „Jahr des Glaubens“, welches dieses Jahr im Oktober beginnt. Ausstellungsort: S. Paolo fuori le mura (Pinakothek), wo das Konzil angekündigt wurde (im Kapitelsaal).

Kirche heute, 12/2012 (März):
Was heute ist, wäre nicht ohne das Konzil
Helmut Krätzl, emeritierter Weihbischof von Wien, Augenzeuge des Vaticanums, sprach in Luzern über „Ein Konzil, das Zukunft hat“.

Vor 50 Jahren wirkte er während der ersten Session des Zweiten Vatikanischen Konzils als Stenograf, später wurde er Weihbischof in Wien. Am 1. März 2012 sprach der mittlerweile 82-jährige Helmut Krätzl in Luzern kritisch und doch hoffnungsvoll vom Konzil und seiner spannungsvollen Wirkungsgeschichte.

Träume genügen nicht. Man muss, wie der heilige Josef, aufwachen und etwas tun, erklärte Weihbischof Krätzl auf die Frage, ob er noch Kirchenträume hege. Ja, er hoffe, dass noch vieles, was das Konzil angerissen habe, weitergehe.

Dass allerdings der Papst und die Glaubenskongregation in der Interpretation der Konzilsbeschlüsse ganz auf Kontinuität setzen, also alles aus der Tradition erklären, findet Krätzl „entsetzlich“. Denn beispielsweise das Verhältnis zu andern Religionen habe sich mit dem Konzil radikal geändert. Gäbe es jetzt ein neues Konzil, würde es, so meint Krätzl, die Korrektur des Zweiten Vaticanums bringen.

Geradezu töricht aber sei es, dem Konzil die Schuld für die gegenwärtigen Probleme der Kirche zuzuschieben. Die Gesellschaft sei nach der 68-erRevolution eine andere. Allerdings herrschte auch zur Zeit des Konzils in der Welt eine andere Stimmung, „damals in der Kennedy-Zeit.“ Im letzten Jahrhundert, nach 9/11, herrsche Pessimismus vor. Die Kirche habe zu wenig Mut. Ihre Rolle als dominante Sinngeberin habe sie verloren, in der neuen Situation der Konkurrenz finde sie sich noch nicht zurecht. Statt sich ihrem Dienst an der Welt zu widmen ziehe sie sich in sakrale Räume zurück. (…)

Die Kurie wollte das Konzil nicht. Sie versuchte zu bremsen, wo sie nur konnte. (…)

Kirche heute 40-42/2012 September, S. 2:
Was ist ein Konzil?

Seit Ende des 2. Jahrhunderts kamen die Bischöfe einer Region jeweils zu „Konzilien“ zusammen, wenn sie Fragen des Glaubens oder der Kirchenordnung gemeinsam regeln mussten. Die Form der Versammlungen war immer stark von der jeweiligen Versammlungskultur geprägt. Als erstes ökumenisches, also die ganze damals bekannte Welt betreffendes Konzil gilt jenes von Nicäa im Jahr 325. Wirklich aus der ganzen Welt kamen die Konzilsväter – alle Bischöfe der katholischen Kirche – aber erstmals 1962 zum Zweiten Vatikanischen Konzil, das sich in Verfahrensfragen stark an parlamentarische Regeln anlehnte. Die Frage, ob ein Konzil über dem Papst oder der Papst über dem Konzil steht, blieb viele Jahrhunderte umstritten. Das gegenwärtige Kirchenrecht sagt, dass das Bischofskollegium zusammen mit dem Papst Träger der höchsten Gewalt in der Kirche ist. Aber nur der Papst kann ein Konzil einberufen und seine Beschlüsse genehmigen.

OR Nr. 41vom 12. Oktober 2012, S. 1:
Dokumentarfilm über das Konzil

Vatikanstadt. Der Vatikan hat einen Dokumentarfilm zum 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) produziert. Die 12-stündige Dokumentation zeige bislang unveröffentlichte Aufnahmen, teilte der Präsident des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, Erzbischof Claudio Maria Celli, bei der Vorstellung der Produktion im Vatikan mit. Für die Dokumentation seien insgesamt 200 Stunden Filmmaterial aus den Beständen der vatikanischen Filmothek gesichert worden, sagte der Erzbischof laut Radio Vatikan. Es handele sich um eine Gemeinschaftsproduktion des Vatikanischen Medienrates und einer italienischen Produktionsgesellschaft.

Das Zweite Vatikanische Konzil wurde am 11. Oktober 1962 von Papst Johannes XXIII. eröffnet. Es zählt zu den bedeutendsten Ereignissen der katholischen Kirchengeschichte im 20. Jahrhundert. Der Film enthält den Angaben zufolge zudem 14 Interviews mit Kardinälen, Patriarchen und Bischöfen über Wahrnehmung und Folgen des Konzils. Unter den Befragten sei auch der frühere Privatsekretär von Johannes XXIII., der fast 97 Jahre alte Erzbischof Loris Francesco Capovilla. Auf diese Weise habe man der Versuchung entgehen wollen, ein rein glorifizierendes Bild zu vermitteln. Eine Kurzfassung des Films war am 11. Oktober 2012 im italienischen Fernsehen RAI zu sehen.
→ Bischofssynode

OR Nr. 2 vom 11.01.21013, S. 3:
Einberufungsbulle des Konzils erscheint als Faksimile

Vatikanstadt. Zum Konzilsjubiläum gibt das Vatikanische Geheimarchiv ein Faksimile der Einberufungsbulle des Zweiten Vatikanums von Papst Johannes XXIII. heraus. Die wertvolle Reproduktion des Schreibens mit dem lateinischen Titel „Humanae salutis“ erscheint zusammen mit einem historischen Kommentar in einer Auflage von 10’000 Exemplaren. Der von Bischof Sergio Pagano, dem Präfekten des Vatikanischen Geheimarchivs, verfasste Kommentar ist in 5 Sprachen erhältlich, darunter auch auf deutsch.

Kirche heute 13/2014 März, S. 2
Zufrieden über Panorthodoxes Konzil 2016

Der vatikanische Ökumenenminister Kardinal Kurt Koch hat die Entscheidung für ein Panorthodoxes Konzil begrüsst. Nach langen Vorbereitungen hatten die in Istanbul versammelten Oberhäupter der orthodoxen Teilkirchen letzte Woche den Beschluss für das Konzil 2016 bekanntgegeben. „Wenn die orthodoxen Kirchen untereinander zu mehr Einheit finden, wird dies für den ökumenischen Dialog mit unserer katholischen Kirche nur dienlich und förderlich sein“, sagte Koch gegenüber der Presseagentur Kipa

Kirche heute 41-43/2014 Oktober, S. 4
Detailreiche Erinnerung an die Ereignisse des Konzils Vaticanum II (1962-65)

Der Konzilsblog folgt der Spur, die das Vaticanum II einschlug. Mit täglichen Erinnerungen beleuchtet ein Theologenteam aus der Schweiz die Diskussionen am Konzil vor 50 Jahren und zeigt so seine Dynamik auf. Wer den Beiträgen auf www.konzilsblog.ch folgt, kann die Resultate des Vaticanums II besser verstehen.

Konzil, orthodoxes

Kirche heute 35/2015 August, S. 2

Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel hat alle zum Patriarchat gehörenden Bischöfe zu einer Versammlung nach Istanbul einberufen, um die Vorbereitungen des seit 1961 geplanten, jedoch immer wieder verschobenen Panorthodoxen Konzils voranzutreiben. Das Treffen hätte historischen Charakter. Er wäre das erste Treffen von orthodoxen Bischöfen aus aller Welt seit dem II. Konzil von Nicäa im Jahre 787. Wegen der zahlreichen ungelösten Streitpunkte gibt es allerdings Zweifel, ob der Zeitplan für das Konzil eingehalten werden kann.

OR Nr. 23 vom 10. Juni 2016, S. 3
Katholiken beten für Panorthodoxes Konzil

Der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen lädt zum Gebet für das Panorthodoxe Konzil auf Kreta ein. Am Samstag, 11. Juni 2016, soll in der Päpstlichen Basilika Sankt Paul vor den Mauern für ein Gelingen des ersten Konzils der orthodoxen Kirche seit mehr als 12 Jahrhunderten gebetet werden. Der Päpstliche Rat unter der Leitung von Kurienkardinal Kurt Koch erklärte, dies sei Ausdruck der „spirituellen Nähe der katholischen Kirche zur orthodoxen Kirche“. Auch für die Ökumene sei ein erfolgreiches Konzil wichtig.
Unter dem Leitwort „Er rief alle zur Einheit“ sollen vom 19. bis 26. Juli rund 350 Bischöfe der griechisch-orthodoxen Kirchenfamilie aus aller Welt auf Kreta zu ihrer „Grossen und Heiligen Synode“ zusammenkommen. Es handelt sich um die erste derartige Zusammenkunft der heute 14 selbstständigen („autokephalen“) Kirchen in der Neuzeit. Panorthodoxe Synoden früherer Jahrhunderte waren deutlich kleiner und regional begrenzt.

OR Nr. 26 vom 01.07.2016, S. 1
Orthodoxe Kirche beendet Konzil auf Kreta

Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Sankt-Peter-und-Paul-Kathedrale in Chania ist am Sonntag, 26. Juni 2016, das Konzil der Orthodoxie in Kreta zu Ende gegangen. In einer „Botschaft“ fassten die Vertreter von 10 eigenständigen orthodoxen Kirchen ihre Anliegen zusammen. Dazu gehören die Einheit der Orthodoxie, die Sorge um verfolgte Christen und die Religionsfreiheit, aber auch die Öffnung der Orthodoxie für Fragen der modernen Welt, etwa das Verhältnis zur Wissenschaft oder die Bemühung um Umweltschutz. 4 orthodoxe Kirchen waren nicht zum Konzil gekommen, darunter die russisch-orthodoxe, zu der mehr als die Hälfte aller orthodoxen Christen gehören.

Konzil von Konstanz, Vorgeschichte

Siehe unter „Päpste, ihre Pontifikate H – J; Johannes XXIII. Cossa und Martin V. Colonna“

Körperschaften des „Vatikan“

Begriffe Körperschaften  (Register)

Korrespondenzstil im Vatikan

Gianluigi Nuzzi, Seine Heiligkeit, ab Seite 292 italienisch, ab Seite 334 deutsch:

292/334, Schlusssatz:
Der Nuntius von Deutschland an Msgr. Peter B. Wells, Staatssekretariat, am 23.05.2011:

Voglia gradire  l’espressione del mio cordiale  ossequio, con cui mir confermo della Signoria  Vostra  dev.mo in Xo.

Mit aufrichtiger Hochachtung verbleibe ich ergebenst in Christo +Jean-Claude Périsset

293/335, Schlusssatz:
Dino Boffo, ehemaliger Chefredakteur des Avvenire an den Privatsekretär des Papstes, am 06.01.2010:

Col più devoto ossequio

Mit ergebenster Hochachtung Dino Boffo

294/335, Schlusssatz:
Dino Boffo an den Privatsekretär des Papstes, am 06.01.2010:

Con ciò voglia, Monsignore, scusarmi per l’incomodo e considerarmi come Suo

Damit bitte ich Sie, Monsignore, mir die Unannehmlichkeiten, die ich Ihnen bereite, nachzusehen, und verbleibe als der Ihre Dino Boffo

298//340, ganzer Brief:
Riservato, A Monsignore Georg Gänswein
Busso per una seconda volta, e mi scuso. Conto di non disturbare oltre. Col più devoto e grato ossequio

Vertraulich, An Monsignore Georg Gänswein
Ich klopfe ein zweites Mal an und bitte um Entschuldigung. Ich rechne damit, Sie nicht noch einmal belästigen zu müssen. In ergebenster und dankbarster Hochachtung. Ihr ergebenster Dino Boffo

302/343, Einleitungs- und Schlusssatz:
Dino Boffo an Kardinal Angelo Bagnasco, Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz, 02.09.10:

Eminenza, vorrei tanto che Lei mi avesse davanti e potesse avvertire tutta la mia desolazione.

Non parole per scusarmi con Lei, che è persona e Vescovo a ci voglio molto bene, e che mi dispiace non sa quanto disturbare in questo modo.

Eminenz, ich wünsche, vor Ihnen zu stehen, so dass Sie mich in meiner ganzen Betrübnis sehen könnten.

Mir fehlen die Worte, um mich bei Ihnen zu entschuldigen, bei Ihnen, den ich als Menschen und Bischof herzlich verehre und den auf diese Weise zu belästigen mir unsagbar leid tut. Ihr ergebenster Dino Boffo

304/346, Schlusssatz:
Carlo Maria Viganò, Generalsekretär des Governatorats, an seine Heiligkeit, am 27.03.2011:

Pongo nelle mani di Vostra Santità questa mia lettera che ho indirizzato al‘ Em.mo Cardinale Segretario di Stato, perché me disponga secondo il Suo augusto volere, avendo come mio unico desiderio il bene della Santa Chiesa di Cristo.

Con sinceri sentimenti di profonda venerazione, di Vostra Santità

Ich gebe Eurer Heiligkeit auch den Brief zu Händen, den ich an den hochwürdigsten Kardinalstaatssekretär adressiert habe, damit Sie nach Ihrem erlauchten Willen darüber verfügen. Mir ist nur am Wohl der Heiligen Kirche Christi gelegen.

Mit aufrichtigen Gefühlen tiefster Verehrung, Eurer Heiligkeit ergebenster Sohn + Carlo Maria Viganò

306/347, ganzer Brief:
Von Dr. Bruno Vespa an den Privatsekretär des Papstes, am 21.12.011. Fernsehstar:

Caro Monsignor Georg, (Anrede in Handschrift)
anche quest’anno, mi permetto di farLe avere a nome della mia famiglia una piccola somma a disposizione della Carità del Papa.
Auguro a Sua Santità e a Lei, caro Don Giorgio, di trascorrere un sereno Natale e un nuovo anno di proficua missione
Allegato assegno NT Unicredit Banca di Roma

Lieber Monsignor Georg,
auch in diesem Jahr erlaube ich mir, Ihnen im Namen meiner Familie eine kleine Summe für die Wohltätigkeit des Papstes zur Verfügung zu stellen.
Ich wünsche Seiner Heiligkeit und Ihnen lieber Don Giorgio, frohe Weihnachten und ein für Ihre Mission erfolgreiches neues Jahr. Ihr Bruno Vespa
Beiliegend nicht übertragbarer Check der Unicredit Banca di Roma
In Handschrift:
PS: Wann könnten wir eine Begegnung mit dem Heiligen Vater erhalten? Ich melde mich diesbezüglich im Neuen Jahr.

307/348, Adresse und Schlusssatz:
Von Giovanni Bazoli, Aufsichtsratsvorsitzender der Bank Intesa Sanpaolo an den Privatsekretär, im Dez. 2011:
Sua Eccellenza Reverendissima Mons. Georg Gänswein, Segr. Santo Padre, ROMA

Mi è gradito  porgerLe, in questa occasione, i più fervidi auguri, insieme al mio deferente saluto

Seiner Exzellenz dem hochwürdigsten Mons. Georg Gänswein, Sekr. Heiliger Vater, ROM

Damit verbunden entbiete ich die besten Wünsche und grüsse ehrerbietig
(Beilage: Check von Euro 25’000.00)

308/349, Schlusssatz:
Vom Privatsekretär des Papstes an Dr. P. Cipriani, Generaldirektor des Instituts für die Werke der Religionen, am 09.12.2011:

Ringraziando per la Sua cortese disponibilità, La saluto cordialmente

Mit Dank für Ihre freundliche Unterstützung grüsse ich Sie herzlich D. Georg Gänswein, Privatsekretär Seiner Heiligkeit Benedikt XVI.
(mit der Bitte um Überweisung einer bestimmten Geldsumme [€ 20’000.00 und € 5’000.00] an die Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung mit einem budgetierten Saldo per 31.12.2012 von € 925’000.00, Seite 329).

315/357,  Betreff und Schlusssatz:
Vom Direktor der Gendarmerie des Vatikanstaates an den Substituten des Staatssekretariats, am 10.12.2009:

Appunto per l’Ecc.mo Mons. Sostituto della Segreteria di Stato

Mi valgo volentieri della circostanza  per rinnovarLe i miei sentimenti di sincero affetto, confermandomi dell’Eccellenza Vostra Reverendissima, IL DIRETTORE

Bericht für den hochw. Mons. Substitut des Staatssekretariats

Gern nutze ich den Anlass, um Ihnen erneut meine aufrichtige Zuneigung zu bekunden, als ergebenster Diener Eurer Exzellenz, Der Direktor Giani

322/364, Schlusssätze:
Von Staatssekretär Tarcisio Bertone an Dionigi Tettamanzi, Erzbischof von Mailand, am 24.03.2011:

Profitto volentieri dell’occasione per trasmettere a Lei, Eminenza, ed agli altri illustri Membri dell’Istituto il benedicente saluto di Sua Santità.

Unisco anche l’espressione drei miei personal deferenti ossequio e mi confermo di Vostra Eminenza Reverendissima dev.mo neu Signore

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um Ihnen, Eminenz, und den anderen hoch angesehenen Mitgliedern des Instituts den Segensgruss Seiner Heiligkeit zu übermitteln.

Ich füge meine persönliche ehrerbietige Hochachtung hinzu und empfehle mich Eurer Eminenz ergebenst im Herrn

333/378, Adresse und Schlusssatz:
Vom Direktor der Gendarmerie des Vatikanstaates an den Privatsekretär des Papstes:

Rev.mo Mons. Georg Gänswein, Segretario Particolare di Sua Santità, Appartemento Privato

Profito della circostanza per inviarLe i sentimenti del più devoto, grato ed affettuoso ossequio, IL DIRETTORE

Hochw. Mons  .Georg Gänswein, Privatsekretär Seiner Heiligkeit, Privatwohnung

Ich nutze die Gelegenheit und sende Ihnen meine ergebensten, dankbaren und herzlichen Grüsse. Giani

Korruption

→Finanzen. Auch unter „Englisch Andreas, Franziskus“

Gianluigi Nuzzi, Seine Heiligkeit, Die geheimen Briefe aus dem Schreibtisch von Papst Benedikt XVI., 2012, Piper München (Auszüge)
Ab Seite 68: Bertone entlässt den Prälaten (WA: Erzbischof Carlo Maria Viganò, Generalsekretär des Governatorats), der im Vatikan Ordnung schaffen sollte. – Viganò, ein lombardischer Prälat mit brüskem Charakter und einer direkten Art, tritt für Strenge und Transparenz ein und hat in der Vergangenheit in der vatikanischen Diplomatie gedient. Im Juli 2009 hat ihn Benedikt XVI. zum Generalsekretär des Governatorats gekürt, jener Behörde, die sämtliche Anschaffungen (von Benzin bis zu Lebensmitteln), die Auftragsvergabe und die kostspieligen Umbauarbeiten des Vatikans verwaltet. Viganò ist besorgt. Aus drei Gründen:

  1. Beim Ordnen der Finanzen und bei den Ausgaben einer Behörde, die für die Wirtschaft des Vatikans zentral ist, hat er allzu viele Feinde gemacht. Abstriche bei Geschäften und Ausgaben bedrohten etablierte Gleichgewichte und Privilegien.
  2. Die Feinde, die Geschäfte und Vorteile verlieren, verständigen sich auf eine Revanche
  3. Dritter Grund ist ein Artikel, der anonym im „Il Giornale“ erschien und der unwahre Behauptungen und Unterstellungen enthält. Der nicht genannte Verfasser stellt Viganò ins Abseits, wirft ihm eine „sodanianische Gesinnung“ (nach dem Ex-Staatssekretär Angelo Sodano) und eine Strategie vor, die „von den meisten als feindlich gegenüber den von Benedikt XVI. eingeleiteten Veränderungen gesehen werden“.

Seite 69: „In diesen Krisenzeiten“, so der Artikel weiter, „ist es Viganò nicht gelungen, den staatlichen Finanzen Flügel zu verleihen. Vor aller Augen verzögert sich die Restaurierung von Berninis Kolonnaden, weil sich keine Financiers finden oder besser gesagt, weil derjenige, der sie auftreiben soll, in seiner Aufgabe versagt“. Die unleugbare Wahrheit sieht dagegen so aus, dass Viganò Kardinal Giovanni Lajolo, den Präsidenten des Governatorats, entscheidend darin unterstützt hat, in wenigen Monaten die Bilanzen des Vatikans aus tiefroten in die schwarzen Zahlen zu bringen. – Der Schluss des Artikels liest sich wie ein Verbannungsurteil in Abwesenheit: „Es ist bereits eine neue Figur im Gespräch, die die Rolle des Sekretärs des Governatorats übernehmen soll, wobei der gegenwärtige in einen eher notariellen und nicht operativen Aufgabenbereich ausserhalb der römischen Kurie versetzt werden soll, falls er nicht per Gnadenakt an die Spitze der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhles gesetzt wird“. Diese Vorhersage deckt sich mit Gerüchten und Indiskretionen, von denen Viganò Kenntnis erlangt hat, wonach er schon „abgesetzt“ worden und für andere Aufgaben vorgesehen sei.
Seite 70: 22. März 2011: Sitzung mit Kardinal Bertone, Staatssekretär, der Viganò mitteilt, dass er schon 3 Jahre früher aus dem Amt als Generalsekretär scheiden müsse. Warum? Er soll für Spannungen in der Behörde verantwortlich sein. Viganò präsentiert Bertone die Haushaltspläne für das neue Jahr und zeigt auf, dass sein strenger Konsolidierungskurs Früchte getragen hat. Dank einer Sanierung ohne Rücksichten weisen die Konten neuerdings Überschüsse aus. Bertone lässt sich nicht beeindrucken und verabschiedet ihn. – Viganò wird klar, dass sein Traum, Kardinal zu werden und den Posten des Präsidenten Lajolo einzunehmen, nun ausgeträumt ist, obwohl Bertone ihm das Kardinalbirett versprochen hat.
Seite 71: Erzbischof Viganò schreibt 2 geharnischte Briefe, wie man sie in der Kirchengeschichte noch nie gelesen hat. An Bertone: „Misstände müssen beseitigt und saniert werden. Ein Entwurf der Bilanz 2010 ersehen Sie in der Beilage: Überschuss von € 34’451’797.00 gegenüber einem Fehlbetrag von € 7’815’183.00 aus dem Vorjahr, das ergibt einen Kapitalzuwachs von € 42’266’980.00 innerhalb eines Jahres. Es liegen schwerwiegende Verleumdungen gegen mich und mein Werk vor“.
Seite 73: 550’000 Euro für die Krippe. Der zweite Brief geht an den Papst. Viganò warnt ihn, dass seine Versetzung das Säuberungswerk zum Stillstand brächte, mit dem gegen „zahlreiche Praktiken der Korruption und des Amtsmissbrauchs, die sich seit Langem eingenistet haben“,  vorgegangen werde. Erstmals prangert ein Prälat unverblümt die zahlreichen Praktiken der Korruption an und bricht mit diesem Wort ein bislang herrschendes Tabu im Vatikan.
Seite 74: Viganò erhält am 4. April 2011 eine Audienz beim Papst und bringt einen vertraulichen zusammenfassenden Bericht, in dem er ins Detail geht, Vorwürfe der Pflichtvergessenheit und Günstlingswirtschaft formuliert:
Seite 75: „Als ich am 16. Juli 2009 das Amt im Governatorat übernommen habe, war ich mir der Risiken, die ich dort einging, sehr wohl bewusst. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich mit einer so desaströsen (katastrophalen) Lage konfrontiert würde. Ich habe den Kardinalstaatssekretär bei mehreren Gelegenheiten darauf hingewiesen und ihm deutlich gemacht, dass ich es aus eigener Kraft nicht schaffen würde: Ich brauchte seine ständige Unterstützung. Die Finanzen des Governatorats, die schon durch die weltweite Krise stark angeschlagen waren, verschlechterten sich durch Verluste von über 50 bis 60 %, auch durch die Unerfahrenheit derer, die sie bewirtschaftet hatten. Um Abhilfe zu schaffen, hatte der Kardinalpräsident die Leitung der beiden Staatsfonds faktisch einem Finanz- und Wirtschaftsausschuss überantwortet, der aus einigen Grossbankiers bestand. Aber die vertraten dann mehr ihre als unsere Interessen. So verursachten sie beispielsweise im Dezember 2009 bei einer einzigen Transaktion für uns einen Verlust von über 2,5 Millionen Dollar. Ich meldete die Angelegenheit dem Staatssekretär und der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten, die die Existenz des genannten Ausschusses übrigens als illegal ansieht. Während meiner ständigen Teilnahme an ihren Sitzungen habe ich versucht, dem Vorgehen der Bankiers Einhalt zu gebieten, und musste ihnen zwangsläufig häufig widersprechen. Über die Tätigkeit des Ausschusses kann Professor Gotti Tedeschi gut Bericht erstatten“. – Viganò legt Ratzinger die Missstände dar, die in der Leitung des Governatorats allenthalben auftauchen, und verweist auf die signifikantesten (bedeutsamsten) Einsparungen, so auf die von 850’000 Euro beim Unterhalt der Vatikanischen Gärten. Mit der Summe konnte das Wärmekraftwerk erneuert werden, das sämtliche Gemächer und Büros des Zwergstaates beheizt.
Seite 76: „Die Leitung der Buchhaltungsverwaltung des Staates sowie das Amt für Philatelie und Numismatik waren in einem erbärmlichen Zustand: Die jeweiligen Direktoren waren entmachtet, das Personal untereinander zerstritten. Mein Vorgänger verhandelte gewöhnlich mit dem Funktionär, der ihm am sympathischsten war, unter vollständiger Missachtung der Kommandokette, nach der die Verantwortlichkeiten und Aufgaben hierarchisch strukturiert sind. Von Korruptionspraktiken am stärksten betroffen war die Führung der Technischen Dienstleistung: Aufträge wurden immer an dieselben Firmen vergeben, und dies zu Preisen, die doppelt so hoch waren wie ausserhalb des Vatikans üblich. Unsere Techniker und Arbeiter waren vollständig demotiviert, weil die Arbeiten, anstatt von ihnen, mit exorbitanten (übertriebenen/gewaltigen) Kosten von externen Unternehmen ausgeführt wurden usw. Ein Reich, das in kleine Domänen unterteilt war: internes Bauwesen, externes Bauwesen, eine chaotische Führung der Magazine, ein unvorstellbarer Zustand, der im Übrigen allen in der Kurie bekannt war. Ich versuchte in weniger als eineinhalb Jahren mit grosser Mühe und trotz des Boykotts derer, die wohl seit Jahrzehnten die Macht kontrollierten, die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Ich habe die Verwaltung der Vatikanischen Gärten aus dem Departement der Technischen Dienstleistungen ausgegliedert und die Verantwortlichkeit Signor Luciano Cecchetti übertragen, der an den päpstlichen Villen wirkte. In knapp einem Jahr war so eine Einsparung von 850’000 Euro zu erzielen“.
Der streitbare Erzbischof Viganò berichtet von jeder Art Behinderung. Auch hebt er Benedikt XVI. gegenüber hervor, dass diese „Sanierungsarbeit erst am Anfang steht“. Sie werde von Leuten, die erkennbar Privilegien und Interessen schützen, „häufig offen behindert und bisweilen eindeutig boykottiert“.
Seite 77: Viganò hat für die letzten Jahre spektakuläre Erfolge vorzuweisen: Die Kosten für vergebene Aufträge haben sich fast halbiert – eine Trumpfkarte für ihn -, wobei ein Posten nach dem anderen gekürzt und bei jeder einzelnen Ausgabe Einschnitte vorgenommen worden sind. Ein Beispiel unter vielen: Hatte die Krippe auf dem Petersplatz 2009 noch gut 550’000 Euro gekostet, so wurden für das Jahr 2010 nur noch 300’000 Euro veranschlagt. – Auch wurden die „Sicherheitsstandards im Staat und den päpstlichen Villen verschärft, in denen sich mysteriöse Diebstähle ereignet hatten“. – „Erreicht wurde all dies dank konstanter Bemühungen, die Korruption, die Privatinteressen und die Misswirtschaft zu eliminieren (ausschalten), die in den verschiedenen Verwaltungen weit verbreitet sind. Kein Wunder also, dass gegen mich eine Pressekampagne und Aktionen angestossen wurden, um mich bei den Vorgesetzten in Misskredit zubringen und zu verhindern, dass ich die Nachfolge von Präsident Lajolo antrete, wie ja inzwischen auch mein Ende als ausgemacht gilt“.
Seite 83: Der eigentliche Drahtzieher in der Affäre
 Viganò soll Marco Simeon gewesen sein, der dem Schreiben nach „Il Giornale“ die inoffiziellen Mitteilungen zugespielt habe, aber vor allem seit 2002 ein besonderer Schützling und Liebling Kardinal Bertones ist. Der 33-jährige Sohn eines Tankwarts aus Sanremo geht im Vatikan ein und aus, ausgestattet mit einem Universitätsabschluss in Jura in seiner ligurischen Heimatstadt.
Seite 86: Papst Benedikt XVI. trifft seine Entscheidung und macht Viganòs Entsendung in die USA offiziell. Die förmliche Mitteilung stammt vom 2. Juli 2011; noch am gleichen Tag händigt Bertone dem Erzbischof brevi manu die Ernennungsurkunde aus. Viganòs Versetzung wirbelt gewaltigen Staub auf und sorgt für grossen Unmut.
Seite 96: Im November 2011 bezieht Erzbischof Carlo Maria Viganò die Nuntiatur in Washington. Auf seinem Schreibtisch findet er Probleme vor, wie er sie im Vatikan zurückgelassen hat. Er muss Finanzen in Ordnung bringen und solides Wirtschaften durchsetzen. Die Gruppe meines Informanten beobachtet, wie es mit dem neu ernannten Diplomaten weitergeht. Für ihn ist diese böse Überraschung wie ein Hohn. Es ist bestimmt nicht angenehm für einen gründlichen, korrekten, unnachgiebigen und vor allem verbitterten Mann, wenn er wieder Finanzprobleme und Korruption bekämpfen soll, wo man ihn doch gerade deshalb aus Rom entfernt und in eine Art „goldenes Exil“ geschickt hat, weil er die Misswirtschaft im Vatikan frontal angegangen ist. Auf dem Schreibtisch des Diplomaten liegen kritische Problemfälle, die er sofort und ohne einen falschen Schritt bewältigen muss. Viganò hat in seiner glanzvollen diplomatischen Laufbahn viel erlebt, sich aber nie in einem Wirbelsturm behaupten müssen, wie er jetzt über die Finanzen der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten hinwegfegt: Die Prozesse um die pädophilen Priester zeitigen drastische wirtschaftliche Folgen.
Siehe jetzt unter „Missbrauchsfälle“
→Finanzen, erfolgreicher Jahresabschluss 2010 unter Viganò.

„Was Paolo Nicolini (Priester und Mitarbeiter der Vatikanischen Museen, Bevollmächtigter für die administrativ-wirtschaftlichen Bereiche) betrifft, kamen im Hinblick auf seine Amtsführung besonders verwerfliche Praktiken ans Licht, seit seiner Zeit an der Päpstlichen Lateranuniversität, wo nach Aussage von Monsignor Rino Pisichella Folgendes zu seinen Lasten aufgedeckt wurde: gefälschte Rechnungen und ein Fehlbetrag von mindestens 70’000 Euro. Erwiesen ist ebenso eine Gewinnbeteiligung desselben bei der Gesellschaft SRI Group von Giulio Galazzi, einem Unternehmen, das dem Governatorat gegenwärtig mindestens 2,2 Millionen Euro schuldet und das zuvor bereits den Osservatore Romano (dies bestätigte mir Don Elio Torreggiani. Der Autor) um 97’000 Euro und die APSA um weitere 85’000 Euro betrogen hat (wie mir Monsignor Domenico Calcagno versicherte. Der Autor).“

Ausdrucke und Dokumente in meinem Besitz (Viganò) belegen solche Behauptungen sowie die Tatsache, dass Nicolini im Besitz einer Kreditkarte ist, mit der er zulasten der genannten SRI Group bis zu 2’500 Euro im Monat abheben konnte.

Erzbischof Carlo Maria Viganò, geboren 16. Januar 1941 in Varese/Italien, am 16. Juli 2009 zum Generalsekretär des Governatorats des Vatikanstaates ernannt. Sehr erfolgreiche Tätigkeit. Am 19. Oktober 2011 zum Apostolischen Nuntius der USA ernannt („Goldenes Exil“).
Siehe zweites Buch von Nuzzi Gianluigi, Alles muss ans Licht, 2015: → Nuzzi, Gianluigi

OR Nr. 7 vom 17.02.2017, S. 3
Franziskus spricht vor Ordensoberen über Korruption, Missbrauchsfälle und Verweltlichung

(…) Zum Thema Kindsmissbrauch sagte Franziskus demnach: „Wenn wir nicht davon überzeugt sind, dass er eine Krankheit ist, werden wir das Problem nicht gut lösen können.“ Er mahnte zu Vorsicht bei der Aufnahme in Orden. Es müsse immer die „affektive Reife“ (gefühlsbetonte Reife) der Kandidaten sichergestellt werden. (…)
Probleme im Vatikan sprach er ebenfalls an. „Es gibt Korruption im Vatikan“, sagte er, ohne genauer darauf einzugehen. An anderer Stelle erklärte er, viele Probleme hingen mit Finanzen zusammen. „Die Probleme kommen, wenn man in die Tasche greift.“ Er denke dabei etwa an die Entfremdung von Geldern. Armut sei jedoch das „Knochenmark“ im Leben der Kirche. (…)

Kosmaten (Cosmaten)

www.romaculta.it/det/cosmaten-in-rom.html

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Kosmatenboden in der Papstbasilika S. Maria Maggiore, Rom (und zweites Bild nachstehend)

Cosmaten (oder Kosmaten) – dieses Wort steht für eine Sammelbezeichnung einer Künstler- und Handwerkerfamilie, die von etwa 1150 bis ins 15. Jahrhundert in Rom und Latium tätig war. Ihre Spezialität waren Marmordekorationen in Kirchen, mit ihren Intarsienarbeiten (Einlegearbeiten) schmückten sie Säulen, Wände, Altarschranken, Leuchter, Kirchenfussböden, Sitzbänke für die Kleriker usw.

Der Ausdruck „Cosmatenkunst“ ist also ausschliesslich auf diese Familie von Kunsthandwerkern zu beziehen, viele Mitglieder trugen den Vornamen Cosimo bzw. Cosmas. Reste „cosmatesker“ Arbeiten finden sich in mehr als 200 Bauten in Rom, in Lazio und auch an anderen Orten. Selbst der Fussboden der Sixtinischen Kapelle im Vatikan ist von den Cosmaten gelegt worden.

Die Cosmaten bedienten sich der antiken, brachliegenden Baureste, die grossteils das mittelalterliche Stadtbild prägten: Seltene Marmorsorten, rosa Granit, feuerroter oder smaragdgrüner Porphyr. Es war ein Gewerbe, das mehr Spielsinn als Kunstverständnis erforderte. Die magische Wirkung, die diese Werke auf den Betrachter ausüben, erwächst aus dem Zusammenspiel des alten, kostbaren Materials mit dem neuen mittelalterlichen Verlangen nach Ornamentik (Verzierungskunst). Die genaue Ordnung, die Klarheit der Formen und die Haltbarkeit des Materials, erzeugten im archaischen Bewusstsein die Vorstellung, dass hier ein Bereich von besonderer Sakralität  (Gottesdienst) entstanden war, eine Zone des Heiligen, die innerhalb der Kirche, einen eigenen Kultbereich bildet.

Ein römisches Beispiel für diese Technik wären die Chorschranken, der Osterleuchter und der Fussboden von San Clemente oder der Fussboden in S. Maria Maggiore.

Namen von Cosmaten: Deodato di Cosma, Giovanni Cosma, Pietro Vassalletto Senior, Pietro Vassalletto Junior.

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Krankenkasse des Vatikan

2 % vom Lohn, ob mit oder ohne Kinder. Frau darf nicht arbeiten. Arbeitet die Frau in Italien, wird sie von der vatikanischen Krankenkasse ausgeschlossen, weil  der Arbeitgeber in Italien dafür verantwortlich ist. Dazu ein weiterer Abzug vom Lohn.  →Rente

Kreuzstab des Papstes

→Kleider

Kreuzstab Benedikt XVI. k    Kreuzstab von Benedikt XVI. Ratzinger em.

Krieg: Kirchenstaat 

→Risorgimento   →Bomben

Krieg (2. Weltkrieg)

OR vom 2. April 2010 Nrn. 13/14

Der Vatikan stellte seine amtlichen Dokumente online, darunter auch die Akten des Heiligen Stuhles aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Konkret gehören zu dem neuen Projekt alle Texte der 12bändigen Reihe für die Jahre 1939 bis 1945, die ab 1965 unter Papst Paul VI. von vier Wissenschaftlern zusammengestellt und veröffentlicht worden waren. Zusammen sollen sämtliche Sammlungen der Akten des Heiligen Stuhles (ASS) und der Akten des Apostolischen Stuhles (ASS) von 1865 bis 2007 im PDF-Format verfügbar gemacht  werden. Die Dokumenten-Sammlungen finden sich auf der Vatikan-Homepage unter „testi fondamentali“ Grundreglemente.

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan:
Für den Fall eines bewaffneten Angriffs auf den Vatikan tritt das Haager Abkommen vom Mai 1954 über den Schutz von Kulturgütern in Kraft. Danach ist das gesamte Staatsgebiet unter internationalen Schutz gestellt. Das heisst nicht, dass etwa die Nato einen Aggressor militärisch vertreiben würde. Aber die internationale Gemeinschaft müsste den Vatikan inventarisieren und möglichst viele Kulturgüter rechtzeitig in Sicherheit bringen. Als letzter kriegerischer Angriff auf den Vatikan wurde im Herbst 1978 der Konflikt mit San Marino beschrieben. Die Postämter beider Zwergstaaten hatten gleichzeitig dasselbe Kunstwerk auf einer Briefmarke abbilden wollen, die „Auferstehung“ des Bildhauers Pericle Fazzini. Da das Objekt im vatikanischen Audienzsaal (ganz vorne) steht, drohte der Kirchenstaat der Regierung von San Marino mit schwerwiegenden Gegenmassnahmen. Nach mehreren hochrangigen Treffen konnte der Konflikt noch einmal abgewendet werden.

Kath. Wochenzeitung Nr. 49 vom 07.12.2012, S. 1:
Italienischer Kardinal als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt

Der frühere Florentiner Erzbischof und Kardinal Elia Dalla Costa hatte nach der Besetzung Italiens durch die Deutschen gemeinsam mit Vertretern der jüdischen Gemeinde zahlreiche Juden vor der Deportation bewahrt.

Für die Rettung hunderter Juden während der NS-Zeit ist der frühere Florentiner Erzbischof und Kardinal Elia Dalla Costa (1872-1961) als „Gerechter unter den Völkern“ anerkannt worden. Dalla Costa habe nach der Besetzung Italiens durch die Deutschen gemeinsam mit Vertretern der jüdischen Gemeinde zahlreiche italienische Juden sowie jüdische Flüchtlinge aus Frankreich und Jugoslawien vor der Deportation bewahrt, erklärte die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem zur Verleihung des Ehrentitels in Jerusalem.

Unter anderem habe der Kardinal seinen Privatsekretär und den Diözesanklerus dafür mobilisiert, Juden Zuflucht in Klöstern zu verschaffen. So habe er „eine zentrale Rolle in der Organisation und Operation eines weitläufigen Rettungsnetzwerkes“ ausgeübt, so die Gedenkstätte. Zeitweise habe Dalla Costa jüdische Flüchtlinge in seinem eigenen Palais einquartiert. Nachdem im Dezember 1943 durch einen Verrat die meisten jüdischen Untergrundkämpfer verhaftet worden seien, habe die Verantwortung für die Rettungsaktionen hauptsächlich bei Kirchenvertretern gelegen. Viele hätten ihren Einsatz mit Haft und Folter bezahlt.

Kriminalität im Vatikan

→Justiz

Krippe auf dem Petersplatz

G. Nuzzi,  Seine Heiligkeit, S. 77:

Viganò (Generalsekretär und Erzbischof des Governatorats, der hätte Ordnung schaffen sollen) hat für die letzten Jahre spektakuläre Erfolge vorzuweisen: Die Kosten für vergebene Aufträge haben sich fast halbiert – ein Trumpfkarte für ihn -, wobei ein Posten nach dem anderen gekürzt und bei jeder einzelnen Ausgabe Einschnitte vorgekommen worden sind. Ein Beispiel unter vielen: Hatte die Krippe auf dem Petersplatz 2009 noch gut 550’000 Euro gekostet, so wurden für das Jahr 2010 nur noch 300’000 Euro veranschlagt. (…)
→Finanzen

Krise der röm. kath. Kirche

HK, Ist die Kirche noch zu retten? S. 31:

Thomas von Mitschke-Collande, Director Emeritus der Unternehmensberatung McKinsey/Deutschland:

„Kirche – was nun? Die Identitätskrise der katholischen Kirche in Deutschland“.

Fünf Dimensionen des Problems greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig:

–          Die Glaubenskrise
–          Die Vertrauenskrise
–          Die Autoritätskrise
–          Die Führungskrise
–          Die Vermittlungskrise

Kath. Wochenzeitung Nr. 20 vom 18. Mai 2012:
Kardinal Brandmüller: Kirche in schwerster Krise seit der Reformation

Brandmüller in einer Predigt: Viele Katholiken legen auf Sakramente keine Werte mehr. Hunderte von Priestern bekämpfen den Glauben und die Ordnung der Kirche, selbst Gebildete sind religiös erschütternd unwissend. Predigt vom Sonntag, 29. April 2012 in Rom anlässlich des Stiftungsfestes der Studentenverbindung „Capitolina“. (…)
→Kirche  →Austritte   →Kirchenbesuche

Kritische Stimmen

→ Kirche

Kruzifixe

Kirche heute 2011:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte lässt Kruzifixe in Schulzimmern zu:

Kruzifixe in italienischen Klassenzimmern sind doch zulässig. Die Grosse Kammer des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in Strassburg hat eine anderslautende Meldung widerlegt.

k-tv Fernsehsender in Gossau

Fernsehen

Kuba

→Karfreitag

Kultur

→Rom

Kuppel St. Peter, Vatikan

→Peterskirche

Kurie, das Leben an der Kurie

(Kuriales Leben)
→Leben im Vatikan

Die Kurie wurde in ihren Grundzügen von Papst Sixtus V. (1585-90) entworfen, nach dem Trienter Konzil und lange vor dem 30-jährigen Krieg.  →Kurie, Römische

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, Seite 77:
Die Rede ist von der Kurie, dem fast allmächtigen Räderwerk im Dienste von Papst und Christenheit. Mit etwas bösem Willen kann man sich die Kurie auch als einen Hofstaat des 17. Jahrhunderts vorstellen, mit all dessen Schranzen  (Höflingen), Narren, Zeremonienmeistern, Gauklern und Eminenzen, Intrigen, Ritualen und über Jahre liebevoll gepflegten Feindschaften. Nichts ist hier wirklich einfach. Allein der Look eines Kardinals ist auf 31 Druckseiten minutiös geregelt.  →Kardinäle

Protokoll der Etikette müssen peinlich genau beachtet werden, um es nicht zum Skandal kommen zu lassen. Tatsächlich meint ein ausländischer Diplomat über sein erstes Jahr als Botschafter am vatikanischen Hof: „Die Kurie ist der letzte verbliebene klassische, zentralistische Hofstaat. Mit all den Mauscheleien (heimliches Aushandeln von Vorteilen, Geschäften), dem Gerede, den Intrigen, der Eifersucht. Jedes Wort spricht sich sofort herum. Ich bin heute sehr viel vorsichtiger in dem, was ich sage, als noch vor einem Jahr. Jeder will wissen, mit wem welcher Botschafter was besprochen hat. Der Neid und die Intrige gehen einem Kurialen noch lange nach. Man kann eben nicht um 17 Uhr das Büro verlassen und sich bei seiner Familie ausheulen oder alles vergessen. ‚Das arbeitet in einem noch lange, noch die ganze Nacht, und morgen geht es wieder los’, sagt einer.“

Für jeden Neuankömmling in der Kurie ist das Wichtigste, sich einen padrone zu suchen, der einen unter seine Fittiche nimmt. Einen Förderer, der einen nach vorne bringt. Frei schwebende Existenzen bringen nichts. Man braucht jemanden, zu dem man gehört und für den man arbeitet. Man muss 20, 30 Jahre lang erst einmal loyal sein, um vorwärtszukommen. Karrieren im Vatikan sind lang. Mancher wird erst dann etwas, wenn andere in seinem Alter längst in Rente sind.

„Die Kurie ist in weiten Teilen eine uritalienische Struktur“, sagt einer,  der seit Jahren die vatikanischen Mauern passiert. „Sie hat weitaus mehr mit den Mechanismen und Techniken florentinischen, ja neapoletanischen Hoflebens zu tun, als mit der Verwaltungshochschule Speyer. Das verstehen deutsche Geistliche erst sehr spät, wenn sie nach Rom kommen.“ Vorsicht, ausgekochte List und vor allem Geschmeidigkeit sind in der Kurie gefordert, dazu ein fein entwickeltes Gespür für Gesten und Grenzen. Es kann tödlich sein, sich  schnell profilieren zu wollen. Ein deutscher Neuling etwa machte den Fehler, zu seinem ersten Geburtstagsfest in Rom leibhaftige Kardinäle einzuladen. Er musste bald merken, wie wenig amüsiert man darüber war. Das macht man nicht. „In der Kurie“, sagt einer ihrer Kenner (der deswegen auch das Anonymat [Unbekanntheit des Namens] verlangt), „in der Kurie musst du geschmeidig sein und immer höflich. Das sind die Kardinaltugenden hier. Nie einen Streit führen, nie jemanden brüskieren oder beleidigen. Präpotenz  (Aufdringlichkeit) und Arroganz sind immer falsch.“ Anpassen ist erste Kurienpflicht.

Natürlich erzählt jede Charge gerne aus dem Innenleben des Vatikans, aber der Name darf um keinen Preis genannt werden. „Das Ideal des kurialen Funktionärs ist die graue Maus“, sagt Kardinal Walter Brandauer, alt Kanonikus des Petersdoms. „Keine Interviews, keine Artikel in Zeitschriften und sei es der Osservatore Romano. Ruhm ist keine Kategorie im Vatikan.“

Die Vereinssatzung der Kurie heisst „Regolamento Generale della Curia Romana“ und gilt in ihrer aktuellen Version seit dem 1. Juli 1999. In 146 Artikeln wird hier festgelegt, wie sich ein Kurialer zu benehmen hat und dass mehr als 10 Überstunden je Monat rechtzeitig vorher angekündigt werden müssen (Art. 49). Die Kurie ist in 10 verschiedenen Kasten aufgeteilt, genannt „Ebene“, die ähnlich durchlässig sind wie das indische Kastensystem. Untere Ebenen (1 bis 3) halten das Treueversprechen in einem Satz, fleissig zu sein, dem Papst treu zu sein und das Dienstgeheimnis zu wahren. Ab Ebene 4 wird ein Treueschwur verlangt. Ab Ebene 6 werden theologische Studien verlangt, ab 8 Lateinkenntnisse. Ab Ebene 11 beginnt das Reich der ad quinquennium (Jahrfünft), alle auf 5 Jahre ernannten Spitzenbeamten. Ab Ebene 3 wird das katholische Glaubensbekenntnis verlangt. – Jede Verletzung des Dienstgeheimnisses kann mit Entlassung bestraft werden (Art. 76). Theoretisch.

Im vergangenen Jahrhundert hat es allein 3 ernsthafte Versuche gegeben, die Kurie zu reformieren, von den Päpsten Pius X. 1908, Paul VI. 1967 und Johannes Paul II. 1988. Keiner hatte sonderlichen Erfolg. Der Vatikan funktioniert eben so wie der römische Senat in seinen besten Zeiten. Von den etwa 1’300 Angestellten der Kurie haben höchstens 150 auch etwas zu sagen. Es wird sogar behauptet, die katholische Kirche würde faktisch von 20 Männern regiert.

Alle 5 Jahre kommen die Bischöfe zum “ad limina“-Besuch in den Vatikan. Der Besuch gehört vielleicht zu dem Geheimnis, weshalb die Kurienbürokratie funktioniert. Und zwar oft besser und effizienter als die meisten Grossbürokratien der restlichen Welt. Im Vergleich zu anderen Multikulti-Bürokratien wie Unicef (Weltkinderhilfswerk der UNO) oder IOC (Internationales Olympisches Komitee) ist die römische Kurie jedenfalls ein Muster an Handlungsfähigkeit und Effizienz. „Das ist die einzige Internationale, die funktioniert „, sagte Charles Maurras 1914 zur Haltung des Vatikan im Ersten Weltkrieg.

Vatikanistan, Alexander Smoltczyk,  Seite 78:
Wie überall bei stark ritualisierten Herrschaftsformen, wie hier die Kurie, müssen Protokoll und Etikette peinlich genau beachtet werden, um es nicht zum Skandal kommen zu lassen. Tatsächlich meint ein ausländischer Diplomat über sein erstes Jahr als Botschafter am vatikanischen Hof: „Die Kurie ist der letzte verbliebene klassische, zentralistische Hofstaat. Mit all den Mauscheleien, dem Gerede, den Intrigen, der Eifersucht. Jedes Wort spricht sich sofort herum. Ich bin heute sehr viel vorsichtiger in dem, was ich sage, als noch vor einem Jahr. Jeder will wissen, mit wem welcher Botschafter was besprochen hat.

Prälat Georg Gänswein leidet besonders unter der notorischen Indiskretion der Kurie. „Es ist leider so, dass es bezüglich Ernennungen, Erarbeitung von Dokumenten, disziplinären Massnahmen etc. immer wieder poröse Stellen gibt“, sagte er einmal dem SZ-Magazin. „Das ist nicht nur ärgerlich. Darin liegt auch die Gefahr, dass von aussen bewusst Einfluss ausgeübt werden kann, der Irritationen nach sich zieht. Ein anderer Punkt: Überall dort, wo, wie in der römischen Kurie, eine internationale Besetzung am Werk ist,  gibt es unterschiedliche Mentalitäten, Arbeitsstile, Vorstellungen, Tempi und persönliche Charaktere, die aufeinandertreffen. Manchmal kann das auch zum Funkenschlag führen.“  Der Papstsekretär ist einer, der Missgunst am stärksten ausgesetzt ist. Der Vatikan muss manchmal die Hölle für ihn sein. Frei erfundene Nachreden über Besuche im Rotlichtviertel von Amsterdam wurden schon bis in die katholischen Lehrstühle Münster getragen. Gänswein spricht von „klerikalem Neid“. Man rede schlecht über ihn und verbreite, dass er sich nur in den Vordergrund stellen wolle: „Es gab, es gibt dummes negatives Gerede, teilweise wird schlichtweg gelogen. Aber darum kümmere ich mich nicht mehr“, vertraute er dem Papstbiografen Peter Seewald an. „Der Vatikan ist nun einmal auch ein Hofstaat. Und dort gibt’s Hofgeschwätz. Aber es gibt auch Pfeile, die ganz bewusst und gezielt abgeschossen werden. Ich musste erst lernen, damit umzugehen.“

AS, Seite 89: „In den mittleren und unteren Rängen der Kurie gibt als oberste Maxime: bloss nicht auffallen! Wenn man Karriere machen will, ist es angeraten, nicht gradlinig zu sein. Nur wer keine Fehler macht, wird gefördert, und nur wer nicht arbeitet, macht keine Fehler“, sagt ein Prälat der Glaubenskongregation. Seiner Erfahrung nach funktioniere Kirche nur in quasi privatisierter Form, wenn Einzelne sich für ein Projekt verantwortlich fühlen. Und sich aufopfern. Sobald Mietlinge auftreten, sagt er, entstehe ein Vakuum, in dem Kräfte der Beharrung wirkten. „Wenn etwas nicht passt, dann wird es geschoben, sagen wir. Man muss immer schieben, und dabei immer in der Position sein, sagen zu können: Ich war’s nicht.“ Es ist, mit anderen Worten, wie überall.

AS, Seite 91:
In einer Kongregation wie der des Glaubens (Glaubenskongregation), lebt man sehr anonym. Man grüsst sich im Aufzug, wechselt das Nötigste auf den Gängen und führt ansonsten ein ähnliches unauffälliges Leben wie in einem Neubaublock irgendeiner Vorstadt. „Wenn ich ein Doppelleben führten wollte“, sagt ein Bewohner des Sant’Uffizio, „wäre hier der ideale Ort. Ich kann zu jeder Nachtzeit nach Hause kommen, ohne die Schweizer passieren zu müssen. Ich habe einen Schlüssel fürs Haupttor.“ Und das Haupttor führt direkt nach draussen, nach Italien. (WA: Der Palast der Glaubenskongregation liegt auf italienischem Staatsgebiet, d. h. auf dem Hoheitsgebiet des Vatikanstaates.)

Von jedem Bürger des Vatikans, sofern er Geistlicher ist, wird erwartet, dass er einmal am Tag an der Messe teilnimmt. Wo, das bleibt ihm überlassen. – Zu viel Engagement hingegen ist völlig falsch. Nur nicht zu sichtbar sein, bloss nicht durch Exzentrizität auffallen und, wie manch ein Jugendpfarrer oder Kulturbeauftragter in Deutschland, grelle Schals tragen oder modische Schuhe. Man profiliert sich nicht, niemals. Das war der Fehler des brillanten Bischofs Crescenzio Sepe, der von Benedikt XVI.  in seiner ersten Amtshandlung in die Provinz geschickt wurde, nach Neapel als Erzbischof. Sepe hatte das Heilige Jahr 2000 organisiert. Er hatte es perfekt gemacht und auch nicht vergessen, sich immer ins rechte Licht zu setzen, und sei es mit einem ziemlich grossspurigen Gedenkstein vor dem Pilgerzentrum in der Via della Conciliazione. Ganz falsch. Man profiliert sich nicht.  Siehe aber:   →Skandale?

Wer seine Wohnung mit wertvollen Geschenken des Papstes vollstellt, muss sich auf gewisse Risiken einstellen. Pater John Magee, dem Sekretär von Paul VI., räumten Diebe die Wohnung komplett aus, als er gerade im Petersdom zum Bischof geweiht wurde. – „Natürlich ist es nicht verboten, einen Sportwagen zu fahren“, sagt Kanonikus (heute Kardinal) Brandmüller. „Aber es wäre gewiss Gegenstand von Kommentaren. Ein Porsche entspricht nicht dem klerikalen Stil. Ich fahre einen Audi  A4. Das ist die absolute Grenze.“ (WA: In den 60er-Jahren fuhr Msgr. Wüstenberg vom Staatssekretariat einen schwarzen Porsche.) Wie soll sich ausserdem ein Kurialer von seinem 2’000 Euro einen Porsche leisten können? Okay, das Benzin ist im Vatikan billig, wie sonst nur im Golfstaat Bahrain. Aber schon für Kost und Logis im Santa Marta gehen rund 1’000 Euro drauf.

Die diversen Salons, Herrenabende, Jours fixes und Zirkel sind die Nachrichtenbörsen in der Kurie. Manche sind strikt „only clerics“, andere verstehen sich als Mixed zones, wo auch Politiker, Laien, Journalisten, ehemalige Doktoranden zugelassen sind. „Da sitzt man, neben sich einen Kardinal, gegenüber ein ehemaliger Ministerpräsident, im Rücken drückt das Bücherregal, und der Wein wird aus ehemaligen Senfgläsern getrunken“, sagt ein deutscher Römer. „Aber man redet erstaunlich frei von der Leber weg. Was nicht heisst, dass man damit am nächsten Morgen alle Dienstwege kurzschalten kann.“ – Urlaube macht man sehr konventionell, fährt in die Berge, nach Bozen, Südtirol oder an den Bodensee, nimmt sich ein gutbürgerliches Hotel und geht spazieren. Standesgemäss. Niemand würde auf den Gedanken kommen, nach Australien zum Trekking zu gehen. Für den Samstag im Juli gibt es in der Nähe Roms einen Klerikerstrand, wo man unter sich ist. Die Etikette beim Grüssen sollte auch am Strand unbedingt eingehalten werden, jedenfalls vom Grüssenden.

Hans Küng, 2011, Ist die Kirche noch zu retten? Seite 207:
Aber als äussere Organisation täuscht leicht darüber hinweg, dass der Vatikan noch immer im Kern ein „Hof“ geblieben ist, der Sitz eines absolutistisch regierenden Fürsten mit mittelalterlichen, barocken und modernen Kostümen und Gepflogenheiten. Zahllos die „Höflinge“ der verschiedenen Ränge von den Reverendi und Monsignori bis zu den Exzellenzen und Eminenzen – eine männlich-zölibatäre Hofgesellschaft mit einer ganz besonderen Etikette und Atmosphäre. Und je weiter einer in die Nähe des Fürsten aufsteigt, umso mehr kommt es nicht in erster Linie auf Kompetenz und Charakter an, sondern auf die Gunst des Fürsten: er bestimmt, wer persona grata oder non grata ist. Auch auf den unteren Stufen ist der Vatikan weithin eine „Günstlingswirtschaft“. Nach Duden bedeutet dies „die Besetzung von Stellen mit begünstigten statt mit befähigten Personen“.

Dass es sich noch heute so verhält, wird bestätigt durch neuestens veröffentlichte Wikileaks-Depeschen. Aus den 729 Berichten, welche amerikanische Diplomaten an das State Departement geschickt haben (vgl. Ulrich Schwarz, „Spiegel online“ vom 14.12.2010), wird klar, wie oft sie das Funktionieren des merkwürdigen vatikanischen Hofstaates erklären mussten. Diese Kirche sei „hochgradig hierarchisch“ und doch chaotisch, so eine Depesche von 2009. Meistens „wissen nur eine Handvoll von Experten von anstehenden Entscheidungen“. Und sie würden ihrem Chef dann in der Regel einfach zustimmen. Kaum jemand traue sich, den Papst zu kritisieren oder ihm schlechte Nachrichten zu überbringen. Unabhängige Berater seien selten. Der innerste Kreis des Vatikans bestehe fast ausschliesslich aus Italienern (im Übrigen durch die Kardinalsernennungen des Jahres 2010 erheblich gestärkt), die in schwer verständlichen Kurialjargon miteinander verkehren und die modernen Medien und die Informationstechnik nicht verstehen. Selbst der Kardinalstaatssekretär spreche nicht einmal Englisch und sei ohnehin ein „Ja-Sager“.
(Benedikt XVI. sprach die Bischöfe als „Brüder“ und die Kardinäle als „Söhne“ an.)

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 207:
Das Geheimnis, weshalb sich die Kurie diese Libertinage (Liederlichkeit, Zügellosigkeit bezüglich Sexualleben) und Toleranz leistet und leisten kann, ist wohl ihre schiere Präsenz, ihre Macht des Faktischen. Im 17. Jahrhundert ist hinter den Mauern etwas gewachsen, das gegen die Schwächen ihrer Mitglieder völlig immun ist. Die Kurie ist ein System, das dazu da ist, alle Erschütterungen der Weltgeschichte zu überdauern. Kontinente können untergehen, Weltreiche verschwinden, Kometen einschlagen, die Kurie muss weitermachen. Deswegen hat sie Mechanismen entwickelt, sich abzuschotten und alle Erschütterungen auszugleichen. Sie ist ein gigantischer Stossdämpfer gegen die Zeitläufe. Alles Persönliche, alles Moderne muss abprallen an ihr. Alkoholismus, Schwulsein, Exzesse und Neiderei ihrer Mitglieder werden ausgeglichen. Diese uralte Organisation fängt alles auf. Und sie macht das gut. Deswegen darf man die Institution nicht angreifen. Die Kurie hat ein gleichbleibendes Tempo, das von aussen betrachtet als Stillstand erscheint. Was hätte im 20. Jahrhundert alles mit der Kurie passieren können? Alles ist an ihr abgeprallt. Das System hat dieses blutige, verrückte Jahrhundert völlig unbeschadet, stoisch (unerschütterlich, gleichmütig) überdauert. Nichts ist heute wirklich anders als vor 100 Jahren.
→Leben/Arbeiten in der Monarchie „Vatikan“

Kurie, personelle Besetzung

Siehe unter „Organigramm Vatikan, Besetzung Kurie, Heraldik“ (sep. Reg.)

Kurie,  Römische 

(dem Heiligen Stuhl zugehörig)
→Organigramm
Tel. 0039 06 698 839 13, III. Loggia

Sie ist ein Werkzeug in der Hand des Papstes, um die Geschäfte der Gesamtkirche zu vollziehen. Sie ist das Pendant zum Governatorat des Staates der Vatikanstadt. Jede Kongregation, jeder Rat ist ein Papstsekretariat mit spezifischem Bereich für sich.

„Oberstes“ Werkzeug der Römischen Kurie ist das Staatssekretariat, das General- und Zentralsekretariat des Papstes (1487 eingeführt, mit neuen Strukturen am 28.06.1988 versehen). Vorsitz: Kardinal-Staatssekretär. 2 Abteilungen: 1. Sektion (Innen-Ministerium der Kirche). Allgemeine Angelegenheiten. 2. Sektion (Aussen-Ministerium der Kirche). Beziehungen zu den anderen Staaten. Dem Staatssekretariat sind die Nuntiaturen und das Presseamt zugeordnet.

Die Römische Kurie umfasst des Weiteren 9 Kongregationen, 12 Päpstliche Räte, Päpstliche Kommissionen, 3 Gerichte, Päpstliche Akademien, Hochschulen, Kollegien und Institute. Weiter sonstige Organe wie das Radio und das Fernsehen.

Beim Heiligen Stuhl sind die wichtigsten Stellen international besetzt. Beim Staat der Vatikanstadt ist das Verhältnis umgekehrt. Der Vatikanstaat wird mehrheitlich durch Italiener „regiert“.

9 Kongregationen (Regierungsorgane), auch Ministerien und Dikasterien genannt

Kongregation für die Glaubenslehre, Orientalischen Kirchen, Gottesdienst und Sakramentenordnung, Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Bischöfe, Evangelisierung der Völker, Klerus, Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Katholisches Bildungswesen (für die Seminare und Studieneinrichtungen
Vorsteher: 9 Präfekten (Kardinäle)

11 Päpstliche Räte (Fördernde Funktionen)

Päpstlicher Rat für Laien, zur Förderung der Einheit der Christen (angeschlossen: Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum), für die Familie, für Gerechtigkeit und Frieden, Rat Cor Unum, Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, für die Interpretation von Gesetzestexten, für den Interreligiösen Dialog (angeschlossen:Kommission für die Beziehungen mit dem Islam, für die Kultur, für die sozialen Kommunikationsmittel (aufgelöst, neu: Kommissionssekretariat)
Vorsteher: 12 Präsidenten (Kardinäle und Erzbischöfe)

Päpstliche Kommissionen/Komitees

Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche, für sakrale Archäologie, Bibelkommission, Kommission Ecclesia Die, Theologenkommission, Komitee für die Internationalen Eucharistischen Kongresse, Komitee für Geschichtswissenschaften Vorsteher: Präsidenten (Kardinäle und Erzbischöfe)

3 Gerichtshöfe

Apostolische Pönitentiarie (Grosspönitentiar), Oberster Gerichtshof der Apostolischen Signatur (Präfekt), Gericht der Römischen Rota (Dekan).

→Organigramm     →Staatssekretariat

Hans Küng, Ist die Kirche noch zu retten? Seite 205:
Eine päpstliche, „römische“ Kurie im eigentlichen Sinn gibt es erst seit dem 11. Jahrhundert. Mit der durch die Gregorianische Reform von oben durchgesetzten zentralistischen Kirchenregierung im lateinischen Westen war sie notwendig geworden. Heutzutage ist nicht ihre Zerstörung, wohl aber eine radikale Reform erforderlich, die vom Anspruch des Evangeliums bestimmt sein muss:

  • Verzicht auf unbiblische Ehrentitel, die entweder nur Gott oder
    Christus der  allen Christen bzw. Bischöfen zukommen: Sanctissimus
    Dominus, Beatissimus Pater, Seine Heiligkeit, Heiliger Vater, Haupt
    der Kirche, Stellvertreter Christi
    →Telefonbuch
  • Evangelische Einfachheit: Keine unrealistische Armutsromantik, aber
    Verzicht auf den aus früheren Zeiten der Petrusmacht stammenden
    Pomp und Luxus
  • Evangelische Brüderlichkeit: Verzicht auf allen absolutistischen
    Regierungsstil, den imperialen Rede- und Dekretstil, die geheimen
    Verfahren
  • Evangelische Freiheit: Förderung der Selbständigkeit der Kirchen
    und Hirtendienste nach dem Subsidiaritätsprinzip (gegen den
    Zentralismus gerichtete Anschauung: ein Einzelner löst alleine ohne
    Gruppe, eine Gruppe arbeitet alleine ohne Bistumsmitarbeitende)

Statt Günstlingswirtschaft mehr kompetentes Fachpersonal: Der Machtapparat der Curia Romana ist komplex und durchorganisiert (→Organigramm). Die äussere Form täuscht leicht darüber hinweg, dass der Vatikan noch immer im Kern ein „Hof“ geblieben ist, der Sitz eines absolutistisch regierenden Fürsten mit mittelalterlichen, barocken und modernen Kostümen und Gepflogenheiten. Zahllos die „Höflinge“ der verschiedenen Ränge – eine männlich-zölibatäre Hofgesellschaft mit einer ganz besonderen Etikette und Atmosphäre. Auch auf den unteren Stufen ist der Vatikan weithin eine „Günstlingswirtschaft“. Nach Duden bedeutet dies „die Besetzung von Stellen mit begünstigten statt mit befähigten Personen“.

Dass es sich noch heute so verhält, wird bestätigt durch neuestens veröffentlichte Wikileaks-Depeschen. Aus den 729 Berichten, welche amerikanische Diplomaten an das State Departemente geschickt haben (vgl. Ulrich Schwarz, „Spiegel online“ vom 11.12.2010) wird klar, wie oft sie das Funktionieren des merkwürdigen vatikanischen Hofstaates erklären mussten. Diese Kirche sei „hochgradig hierarchisch“ und doch chaotisch, so eine Depesche von 2009. Von der Gunst des Kirchenmonarchen abhängig sind namentlich die Hofbischöfe, deren Zahl leider durch eine Fehlentscheidung von Johannes XXIII. stark erhöht wurde. Er hatte sich von Kurialen dazu überreden lassen, sämtliche Sekretäre für Kongregationen, die bis dahin „Monsignore“ der verschiedenen Grade waren, ohne weitere Überprüfung zu Erzbischöfen zu machen.

Die vatikanische Bürokratie, die selbstverständlich auch nicht wenige fähige Mitarbeiter aufweist, könnte ohne weiteres auf die Hälfte zusammenschrumpfen, wenn man sie einerseits im Sinn des Subsidiaritätsprinzips von unnötigen Aufgaben entlastete und andererseits gerade die Spitzenpositionen mehr mit kompetenten Personen besetzte. Allerdings herrscht heute Mangel an hochqualifiziertem Nachwuchs.

HK, Ist die Kirche noch zu retten? S. 212:
An kompetentem Personal mangelt es also in der Kurie, allerdings nicht an „Karrieristen“. „Karrierismus“ in der Kurie, das rücksichtslose Streben nach Erfolg, nach einer schnellen Karriere, wurde sogar von Kardinal Joseph Ratzinger öffentlich angeprangert. Aber er hätte noch sehr viel deutlicher nennen können, was seit dem Mittelalter bis in unsere Tage hinein Kennzeichen des kurialen Systems geblieben sind: Nepotismus (Vetternwirtschaft), Begünstigung von Verwandten und Cliquenwirtschaft, Raffgier, Korruption, Vertuschung. Einen konkreten Einblick in das kuriale Leben heute mit vielen Beispielen von Missständen gibt das Buch „Via col vento in Vaticano“ („Vom Winde verweht im Vatikan“). Es wurde 1999 geschrieben vom 72jährigen (inzwischen verstorbenen) Msgr. Luigi Marinelli (Pseudonym „I Millenari“), langjähriges Mitglied der Kongregation für die Ostkirchen. Er berief sich auf 9 oder 10 Co-Autoren. Das Buch erreichte in 3 Wochen eine verkaufte Auflage von 100’000 Exemplaren. Marinelli erhielt im Jahre 2003 den Herbert-Haag-Preis „Für Freiheit in der Kirche“. In seinem Buch beschreibt er das römische System als ein verrottetes System, das auch in der Alltagsadministration dringend einer radikalen Reform bedürfte, allerdings noch mehr im vatikanischen Finanzwesen.

Kirche heute 37/2013 September, S. 2
Vatikan: Wichtige Personalentscheide

Papst Franziskus hat am 31. August wichtigste Kurienvertreter in ihren Ämtern bestätigt. Zu Ihnen gehört auch der deutsche Erzbischof Georg Gänswein, welcher weiterhin Präfekit des päpstlichen Hauses ist. Ausserdem hat Franziskus den italienischen Vatikan-Diplomaten Pietro Parolin zu seinem neuen Kardinalstaatssekretär ernannt. Parolin tritt am 15. Oktober die Nachfolge von Tarcisio Bertone an und ist fortan für die Leitung des zentralen Sekretariats, für die Koordination der Kurie sowie für die vatikanische Diplomatie zuständig. Der Posten ist das wichtigste Administrativamt. Generalsekretär des vatikanischen Governatorats wird der Spanier Fernando Vergez Alzage. Die Berufung der 32 Jahre alten Francesca Immacolata Chaouqui in die Kommission zur Neuordnung der wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhles vor 5 Wochen sorgt weiterhin für Unruhe.  →Wirtschaftliche Angelegenheiten

OR Nr. 37 vom 13.09.2013, S. 4
Diese Woche im Vatikan kurz und bündig

Papst Franziskus hat am Dienstag, 10. September 2013, die Spitzenvertreter der verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie getroffen. Er wollte mit den Leitern der vatikanischen Kongregationen und der Päpstlichen Räte eine Halbjahresbilanz seines Pontifikates ziehen.

OR Nr.  41 vom 11.10.2013, S. 2
Kurienreform ist eingeleitet

Der achtköpfige Kardinalsrat, der Papst Franziskus in Fragen der Kurienreform assistiert, hat in seinen Sitzungen als ersten konkreten Tagungspunkt den Ablauf von Bischofssynoden behandelt. Thematisch werde es bei der nächsten Synode 2015 im Vatikan um Familienseelsorge gehen, wobei unter anderem die Frage der Sakramente für wiederverheiratete Geschiedene zur Sprache kommen soll. Bereits in den nächsten Wochen müsse das Thema der nächsten Bischofssynode der Weltkirche zur gründlichen Vorbereitung zugeleitet werden. In diesem Zusammenhang habe man auch über Möglichkeiten einer effizienteren Arbeit und eines direkteren Austauschs anstelle der bislang aneinandergereihten Monologe beraten.  Am zweiten Arbeitstag wandten sich die Kardinäle den eigentlichen Fragen der Kurienreform zu – wie sollen die Behörden aufgebaut und strukturiert sein, wie das Verhältnis der Dikasterien zum Papst, wie stehen sie zueinander, wie sollte das Staatssekretariat funktionieren? Dies sei jedenfalls ein weites Themenfeld, zu dem erwartungsgemäss zahlreiche Anregungen und Vorschläge aus der Weltkirche eingetroffen seien. Weiter kam bei den Beratungen die Rolle der Laien im Vatikan zur Sprache. Es ging um den bestehenden Päpstlichen Rat für die Laien, aber generell auch um die Bedeutung und das Gewicht der Laien im Vatikan. Der Kardinalsrat setzt seine Beratungen vom 3. bis 5. Dezember 2013 fort. Ein weiteres Treffen sei für Februar 2014 vorgesehen.

HK, Erlebte Menschlichkeit, S. 582

Nach der exakten Analyse des Rom-Korrespondenten des Londoner „Tablet“, Robert Mickens, vom 17. September 2011, sind von den 126 Spitzenfunktionären in der römischen Kurie (Staatssekretariat, 9 Kongregationen, 12 päpstliche Rate, 3 Gerichte) 99, also mehr als drei Viertel, von Benedikt XVI. ernannt worden. Davon sind 47 Italiener und 12 Spanier, aber nur 5 Franzosen und 3 Schweizer. Grossbritannien und Polen haben je 2, Portugal, Slowakei, Belgien, Irland und die Niederlande haben je einen Vertreter  Ganz Nordamerika hat 10, Lateinamerika (das immerhin rund die Hälfte der Katholiken der Welt aufweist) sogar nur 5, Afrika ebenfalls 5 und Asien nur 3. Das Erstaunliche: kein einziger Deutscher findet sich unter diesen kurialen Spitzenfunktionen, Ausdruck von Ratzingers Misstrauen gegenüber seinen zumeist kritischen Landsleuten. Erst 2012 ernennt er einen Gesinnungsgenossen, den erzkonservativen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, zum Präfekten der Glaubenskongregation. Hauptverantwortlich für die Re-Italianisierung ist der deutsche Papst, unter dem sich eine kleine vorwiegend italienische Clique von Jasagern an die Hebel der Macht setzen kann, die kein Verständnis für Reformforderungen haben. (…)

Martin Werlen, Heute im Blick, Herder 2014, S. 163
Verlogenheit gibt es nicht nur zwischen den Konfessionen, es gibt sie auch im eigenen Haus. Von mehreren Kardinälen habe ich über schlimme Zustände in der Kurie gehört. In der Öffentlichkeit aber stritten sie wiederholt eine Kurienreform als unnötig ab, wie alles problemlos laufe. Die angesprochenen Skandale seien Erfindungen der Medien. Bald nach der Wahl von Papst Franziskus sagten wiederum dieselben Leute, die dringliche Aufgabe des neuen Papstes sei die Kurienreform. Leider hat die angeblich ‚christlich-humanistische Kultur‘ im Vatikan solche Haltungen stark gefördert. Wären diese Kardinäle immer sich selbst treu geblieben, wären sie leider wohl nicht Kardinäle geworden. Und so wurden selbst hervorragende Persönlichkeiten zu Windfahnen. Bleibt zu hoffen für sie selbst und für die Kirche, dass sie zu ihrer gottgeschenkten Originalität zurückfinden. Auch Papst Franziskus liegt Aufrichtigkeit am Herzen.

OR Nr. 1/2 vom 9. Januar 2015, S. 10 (…)
Die Römische Kurie und der Leib Christi
Papstschelte am 22. Dezember 2014 in der Sala Clementina, Papstpalast, beim Weihnachtsempfang der Römischen Kurie.  Folgende 15 „Krankheiten“ hat Franziskus der Kurie vorgeworfen:

1
Die Krankheit, sich „unsterblich“, immun“ oder sogar „unentbehrlich zu fühlen“ und so die notwendigen und üblichen Kontrollen zu unterlassen. Eine Kurie, die keine Selbstkritik übt, die sich nicht fortbildet, die nicht versucht, sich zu bessern, isgt ein kranker Leibt. (…)

2
Eine weitere Krankheit ist der Martalismus (von „Marta“ abgeleitet), der übertriebene Fleiss: die Krankheit derer, die sich in die Arbeit versenken und dabei unvermeidlich „das Bessere“ vernachlässigen, nämlich sich Jesus zu Füssen zu setzen.(…)

3
Es gibt auch die Krankheit der geistigen und geistlichen „Versteinerung“: die Krankheit derer, die ein Herz von Stein haben und „halsstarrig“ sind; die unterwegs die innere Gelassenheit, die Lebendigkeit und die Kühnheit verlieren, die sich hinter den Schriftstücken verstecken und „Aktenbearbeitungsmaschinen“ werden anstatt „Gottesmänner“. (…)

4
Die Krankheit der Planungswut und des Funktionalismus: wenn der Apostel alles minutiös genau plant und glaubt, dass mit einer perfekten Planung die Dinge wirklich vorankommen, er aber auf diese Weise ein Buchhalter wird oder ein Betriebswirt. (…)

5
Die Krankheit der schlechten Koordination: wenn die Glieder nicht mehr gemeinschaftlich miteinander verbunden sind und der Leib seine harmonische Funktionsfähigkeit und sein Mass verliert. Dann wird er zu einem Orchester, das nur Lärm hervorbringt, weil seine Glieder nicht zusammenspielen und keinen Gemeinschafts- und Teamgeist leben. (…)

6
Es gibt auch die Krankheit des „geistlichen Alzheimer“: das Vergessen der eigenen „Heilsgeschichte“, der persönlichen Geschichte mit dem Herrn, der „ersten Liebe“. Es handelt sich um einen festschreitenden Verfall der spirituellen Fähigkeiten, der früher oder später zu schweren Behinderungen des Menschen führt und ihn unfähig werden lässt, autonom zu handeln. (…)

7
Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit: wenn die äussere Erscheinung, die Farbe der Talare und die Ehrenabzeichen zum vorrangigen Lebensziel werden und man die Worte des heiligen Paulus vergisst: „… dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut“. Sondern in Demut schätze einer den anderen höher ein als sich selbst. (…)

8
Die Krankheit der existenziellen Schizophrenie. Es ist die Krankheit derer, die ein Doppelleben führen, Frucht der typischen Heuchelei des Mittelmässigen und der fortschreitenden spirituellen Leere, die durch Diplome und akademische Titel nicht gefüllt werden kann. (…)

9
Die Krankheit des Geredes, des Gemunkels und des Tratschs. Von dieser Krankheit habe ich schon viele Male gesprochen, aber nie genug. Es ist eine schwere Krankheit, die ganz einfach beginnt – vielleicht nur, um ein kleines Schwätzchen zu halten – und sich dann des Menschen bemächtigen, ihn zum „Unfriedenstifter“ macht. (…)

10
Die Krankheit, die Vorgesetzten zu vergöttern: es ist die Krankheit jener, die ihre Oberen hofieren in der Hoffnung, deren Gunst zu erlangen. Sie sind Opfer des Karrierismus und des Opportunismus (prinzipienloses Anpassen an die jeweilige Lage; Handeln nach Zweckmässigkeit); sie ehren Menschen und nicht Gott. (…)

11
Die Krankheit der Gleichgültigkeit gegenüber den anderen: wenn einer nur an sich selber denkt und die Aufrichtigkeit und Herzlichkeit der menschlichen Beziehungen verliert. Wenn der mit der grössten Sachkenntnis sein Wissen nicht in den Dienst der weniger sachverständigen Kollegen stellt. (…)

12
Die Krankheit der Totengräbermiene. Es ist die Krankheit der Mürrischen und Griesgrämigen, die meinen, um seriös zu sein, müsse man ein trübsinniges, strenges Gesicht aufsetzen und die anderen – vor allem die, welche man niedriger einstuft – mit Strenge, Härte und Arroganz behandeln. (…)

13
Die Krankheit des Hortens: wenn der Apostel eine existenzielle Leere in seinem Herzen zu füllen sucht, indem er materielle Güter anhäuft, nicht aus Notwendigkeit, sondern nur, um sich seiner zu fühlen. In Wirklichkeit werden wir nichts Materielles mitnehmen können, denn „das Totenhemd hat keine Taschen“. (…)

14
Die Krankheit der geschlossenen Zirkel, wo die Zugehörigkeit zum Grüppchen stärker wird als die zum Leib und – in einigen Fällen – zu Christus selbst.

15
Und die letzte Krankheit, die des weltlichen Profits, der Zuschaustellung, wenn der Apostel seinen Dienst in Macht und seine Macht in Ware verwandelt, um weltlichen Nutzen oder mehr Einfluss zu gewinnen. (…)

→Kurie, das Leben an der Kurie

Kurienreform

→Kardinalsrat C8 (K9-Rat)