E

Ehe, gleichgeschlechtliche

OR Nr.  40 vom 3. Oktober 2014, S. 3
Rom. Italiens Bischöfe haben ihre Ablehnung einer staatlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften bekräftigt. Die Bischofskonferenz distanzierte sich von dem Versuch der italienischen Regierung, solchen Paaren die Möglichkeit einer Eheschliessung zu geben, heisst es in einer Mitteilung der Bischofskonferenz. Ministerpräsident Matteo Renzi hat einen Gesetzesentwurf mit der rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften nach deutschem Vorbild angekündigt.

bz BASEL vom 7. Oktober 2014, S. 5, von Rinaldo Tibolla
Die schweizerische Bundesrätin Sommaruga will keine schwulen Eltern

Leihmutterschaft. Zwei Gerichte haben bei Paaren, welche eine Leihmutterschaft im Ausland beansprucht haben, die Elternschaft anerkannt. Das Bundesamt für Justiz ist sicher in einem Fall nicht einverstanden. – An der Tagung für ein modernes Familienrecht in der Schweiz warf Justizministerin Simonetta Sommaruga diesen Sommer die Frage auf, ob das Zivilgesetzbuch den heutigen Realitäten noch gerecht wird. Das Recht, sagte sie, müsse jene schützen, die den Schutz am meisten nötig hätten – die Kinder! Dem ihr unterstellten Bundesamt für Justiz wird nun der Vorwurf gemacht, dass es genau auf dieses Credo nicht achte. Das Bundesamt hat Ende September Beschwerde gegen ein Urteil des St. Galler Verwaltungsgerichtes eingereicht. Dieses hatte im August zwei Männer als Väter eines Kinder anerkannt, welches in den USA von einer Leihmutter ausgetragen worden war. – Wie die „Zentralschweiz am Sonntag“ schrieb, prüft das Bundesamt nun auch bei einem ähnlichen Fall im Kanton Zug den Weiterzug ans Bundesgericht. In der Schweiz sind Leihmutterschaften verboten. Viele Paare gehen deshalb ins Ausland. Kritik gegenüber dem Vorgehen des Bundes äusserte in der „Zentralschweiz am Sonntag“ Andrea Büchler, Rechtsprofessorin an der Universität Zürich. Das Kindeswohl müsse oberste Priorität haben. Für das Kind sei die rechtliche Anerkennung der Beziehung zu seinen wichtigsten Bezugspersonen von fundamentaler Bedeutung. Das habe auch das St. Galler Verwaltungsgericht festgestellt. „Offensichtlich lässt sich das Bundesamt von allgemeinen rechtspolitischen und generalpräventiven Erwägungen leiten“, wird Büchler zitiert. Das Bundesamt als „realitätsfremd“ bezeichneten die Schweizer Lesben- Gay-, Bisexuellen- und Transmenschen, kurz LGBT-Dachverbände. Die Lebensrealität des Kindes werde mit der Beschwerde nicht anerkannt.

Sicherheit für die Kantone. Der Zürcher FDP-Ständerat und Arzt, Felix Gutzwiller, Mitglied der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK), hält den Weiterzug des St. Galler Urteils ans Bundesgericht für „durchaus nachvollziehbar“. Solange es in der Schweiz keine Spielregeln zur Leihmutterschaft gebe, müsse geklärt sein, was mit jenen passiere, die ins Ausland gingen. „Ein Urteil des Bundesgerichtes gibt den Kantonen in der Handhabung von solchen Fällen eine gewisse Sicherheit“, sagte Gutzwiller auf Anfrage. Das Bundesamt wolle aber auch ein Signal an jene Paare senden, welche sich den Gang ins Ausland überlegen. Die Umgehung des Schweizer Rechts lohne sich nicht.

bzBASEL vom 07.10.2014, S. 7, von Renzo Ruf, Washington
USA: Homo-Ehe ist mit einem Schlag in 30 von 50 Bundesstaaten legal

Der Oberste Gerichtshof der USA hat es gestern Montag abgelehnt, sich in den laufenden Rechtsstreit um die Legalität von homosexuellen Eheschliessungen einzuschalten. Ohne Begründung lehnte es die Verfassungsrichter ab, sich zu 7 hängigen Klagen zu äussern. Damit machte der Supreme Court von einem seiner Vorrechte Gebrauch: Das höchste Gericht Amerikas kann autonom darüber entscheiden, ob es sich in rechtlich oder politisch heikle Fälle einmischen will. Wenn weniger als 4 der 9 Richter eine Intervention befürworten, haben die Urteile der Vorinstanz Bestand. Das ist – in diesem Fall – eine gute Nachricht für schwule und lesbische Amerikanerinnen und Amerikaner. Denn dank diesem Entscheid wird die Eheschliessung von Homosexuellen nun in 11 weiteren US-Bundesstaaten  legalisiert – darunter auch in konservativen Staaten wie Utah, Wyoming, Oklahoma im Westen und West Virginia und South Carolina im Süden des Landes. Homo-Ehen sind nun in 30 der 50 Bundesstaaten plus im Hauptstadtbezirk District of Columbia legal. Einige Staaten reagierten umgehend auf den Richterspruch, der keiner war. Virginia begann bereits gestern Nachmittag, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen. Konservativere Staaten werden wohl noch einige Tage zuwarten, bis ein Bundesrichter ihnen – mit Verweis auf den Instanzenweg – Beine macht. Rechtsexperten reagierten höchst überrascht auf den Entscheid des Supreme Court. Allgemein war damit gerechnet worden, dass sich die Verfassungsrichter in der laufenden Sitzungsperiode mit der Verfassungsmässigkeit von Verboten für Homo-Ehen befassen werden. Nachdem sie voriges Jahr in Leiturteilen angedeutet hatten, dass eine Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Amerikanerkinnen und Amerikanern nicht zulässig ist. Sowohl Gegner als auch Anhänger der Homo-Eheschliessungen hatten eine Intervention des Supreme Court befürwortet mit Hinweis auf den rechtlichen Flickenteppich, der Implikationen auf Steuererklärungen, Pensionszahlungen oder Besuchsrechte in Spitälern hat. Die Richter schreckten nun aber vor dieser Rechtsdebatte zurück.

Kirche heute 46/2014 November, S. 2
Urner Pfarrer segnet Frauenpaar

Wendelin Bucheli, katholischer Pfarrer von Bürglen im Kanton Uri/CH hat vor Kurzem in der Dorfkirche einer Partnerschaft zweier Frauen den Segen gegeben. Als ihn die beiden Bewohnerinnen von Bürglen darum ersucht hätten, habe er sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, sagte Bucheli gegenüber dem „Urner Wochenblatt“. Die jüngste Bischofssynode habe ihn in seiner Entscheidung bestärkt. „Heutzutage werden Tiere, Autos und sogar Waffen gesegnet. Warum soll man nicht auch ein Paar segnen, das seinen Weg gemeinsam mit Gott gehen möchte?“, sagte Bucheli.

bz BASEL vom 09.02.2015, S. 9, von Reto Legena
Lesben-Paar gesegnet: Pfarrer muss gehen
Bürglen: Urner Pfarrer quittiert Dienst auf bischöfliches Geheiss

Der Pfarrer von Bürglen (Kanton Uri/CH), der im Herbst 2014 ein lesbisches Paar gesegnet hatte, muss auf bischöfliches Geheiss seinen Dienst quittieren. Das für Uri zuständige Bistum Chur bestätigte gestern einen Bericht der „NZZ am Sonntag“ zum Pfarrer von Bürglen. Die Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares sei aufgrund der katholischen Lehre nicht möglich, hiess es. Nach Rücksprache mit dem Churer Bischof Vitus Huonder rufe Bischof Charles Morerod den Pfarrer zurück ins Bistum Lausanne, in dem dieser geweiht worden sei. – Bischof Huonder sei „dankbar“ für diesen Schritt. Er habe den Pfarrer gebeten, seine Demission einzureichen. „Sein Dienst im Bistum Chur soll spätestens im Sommer 2015 zu Ende gehen“, heisst es in einer Mitteilung.
Die Segnung reiflich überlegt. Der Pfarrer hatte nach der Segnung zum „Urner Wochenblatt“ gesagt, er habe sich den Schritt reiflich überlegt. Heutzutage würden Tiere, Autos und sogar Waffen gesegnet. Warum solle nicht auch ein Paar gesegnet werden können, das den Weg gemeinsam mit Gott gehen möchte? Der Geistliche hatte vor der Segnung der beiden Frauen das Pfarreiteam, den Kirchenrat und den Pfarreirat informiert. Dieser befasste sich an einer Sitzung mit dem Thema und sprach sich im Grundsatz dafür aus.  (…)

bz BASEL vom 29.04.2015, Inland, S. 5
Bürglen UR: Bucheli darf bleiben, aber keine Homo-Paare mehr segnen

Der katholische Pfarrer der Urner Gemeinde Bürglen segnet keine homosexuellen Paare mehr und darf dafür im Amt bleiben: So sieht die Einigung aus, die der katholische Geistliche und sein Vorgesetzter, der Churer Bischof Vitus Huonder, getroffen haben. Beide Parteien gaben gestern die Einigung im Fall Bürglen bekannt, der in der katholischen Schweiz und darüber hinaus Wellen geworfen hatte. (…) SDA

BaZ KOMPAKT vom 26. Mai 2015, S. 5
Zeitenwende in Irland: Referendum zur Homo-Ehe wird deutlich angenommen

Dublin. Ein klares Ja für die Homo-Ehe: Die Iren haben in einem Volksentscheid für die Gleichstellung homosexueller Paare gestimmt. Die Befürworter erreichten nach amtlichen Angaben eine deutlicher Mehrheit von etwa 62 %. Die erzkatholische Insel ist damit das erste Land, das die Homo-Ehe per Referendum einführt. Zeitenwende, Revolution oder einfach ein „glücklicher, glücklicher Tag“ – die Menschen in Dublin, die den Ausgang des Referendums feierten, waren begeistert. Die Verkündung des Ergebnisses ging im Zentrum der irischen Hauptstadt in ohrenbetäubendem Jubel unter. Die Feierstimmung war bestens, denn das Ergebnis hatte sich früh abgezeichnet. Spontan stimmten die Menschen die Nationalhymne an. – Stolz, Irin zu sein. „Es ist berauschend, die Atmosphäre ist elektrisierend“, sagte der 27-jährige Paul Bonass unter einem grossen silbernen „Yes“-Ballon. Eine junge Frau namens Amanda sagte, sie sei „absolut überglücklich, überwältigt, verblüfft, so stolz, Irin zu sein“. Der 60-jährige Peter Lynch erinnerte an das Leid Homosexueller in Irland: „Ich bin 60. Die ersten 40 Jahre meines Lebens war ich ein Krimineller. Die nächsten 20 Jahre ein Bürger zweiter Klasse. Ein aussergewöhnlicher Tag.“ – Der Triumph des Ja-Lagers bedeutet für Irland eine Zeitwende: Bis 1993 stand Homosexualität in Irland noch unter Strafe. Seit 4 Jahren können Schwule und Lesben ihre Partnerschaften zwar eintragen lassen, eine wirkliche Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren blieb ihnen aber bisher verwehrt. – Bei dem Referendum waren rund 3,2 Millionen Irinnen und Iren wahlberechtigt. Sie konnten am Freitag über eine Verfassungsänderung abstimmen, wonach Ehen künftig unabhängig vom Geschlecht geschlossen werden dürfen. 37,9 % votierten dagegen. Die Beteiligung an dem Referendum lag bei 60,5 %. Ministerpräsident Enda Kenny hatte wie alle grossen Parteien für die Homo-Ehe geworben, während die katholische Kirche dagegen Sturm lief. Doch mehrere Skandale um Kindesmissbrauch haben den Einfluss der einst in Irland übermächtigen Institution schwinden lassen. SDA

Kirche heute 26/2015, S. 2
Homo-Ehe bewegt weltweit

Nach dem irischen Ja zur Homo-Ehe bewegt das Thema auch andere Länder. 38 christliche, muslimische und jüdische Religionsführer in Australien äusserten in einem Schreiben an Premierminister Tony Abbott ihre „tiefe Sorge“ über eine parlamentarische Initiative zur Einführung der Homo-Ehe. Die Mehrheit der US-Amerikaner ist für eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare: 57 % würden einen solchen Schritt begrüssen, 39 % sind dagegen. Damit hat sich das Verhältnis von Befürwortern und Gegnern in den vergangenen 10 Jahren praktisch umgekehrt, wie aus einer Umfrage des Pew Research Centers hervorgeht.

bz BASEL vom 27.06.2015, S. 11, von Renzo Ruf, Washington
Homo-Ehen dürfen nicht verboten werden

USA: Die Eheschliessung gleichgeschlechtlicher Paare darf laut dem höchsten Gericht nicht mehr verboten werden. Mit 5 zu 4 Stimmen hat der Supreme Court in Washington entschieden, dass ein Verbot von gleichgeschlechtlichen Ehen gegen die Gleichbehandlungsklausel in der US-Verfassung verstosse. In der Praxis bedeutet dies: Die Behörden sämtlicher 50 Bundesstaaten (und des Hauptstadtbezirks Washington) müssen gleichgeschlechtliche Paare trauen und bereits geschlossene Ehen anerkennen. Zuletzt hatten sich 14 Bundesstaaten geweigert, Schwule und Lesben zu trauen oder ihre Ehe anzuerkennen. Religiösen Institutionen hingegen ist es weiterhin erlaubt, solche Trauungen mit Hinweis auf die Religionsfreiheit zu verweigern. Der Entscheid des Supreme Court ist höchst umstritten. Sämtliche 4 konservative Richter, die sich vom linksliberalen Flügel des Gerichts überstimmt sahen, meldeten sich mit separaten Stellungnahmen zu Wort. Diese fielen scharf aus. So schrieb Antonin Scalia, der Rechtsausleger des Gerichtes: Das Urteil, formuliert durch den Zentristen Anthony Kennedy, habe nichts, aber auch gar nichts mit Rechtsprechung zu tun, sondern sei ein politischer Entscheid, der die Gewaltentrennung missachte. „Das ist eine Bedrohung für die Demokratie.“ Bereits fordern daher prominente Republikaner die Verabschiedung eines Verfassungszusatzes – in dem festgeschrieben würde, dass es Sache der 50 Bundestaaten sei, Eheschliessungen von gleichgeschlechtlichen Paaren zu erlauben oder zu verbieten. Besonnene Konservative allerdings lehnen ein solches Vorgehen ab, auch mit Verweis auf aktuelle Umfragen. Tatsächlich haben die USA in der letzten Generation einen gewaltigen Prozess durchgemacht. Noch Mitte der Neunzigerjahre sagten 68 % der Amerikaner, die Eheschliessungen von Homosexuellen sollten nicht mit traditionellen Ehen gleichgestellt werden. Letzten Monat war diese Gruppe gemäss dem Meinungsforschungs-Institut Gallup auf 37 % geschrumpft.

bz BASEL vom 22.07.2015, S. 7
Gerichtshof für Menschenrechte: Italien soll Homo-Ehe anerkennen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Italien zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aufgefordert. Es verstosse gegen das Menschenrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens, wenn homosexuelle Partnerschaften rechtlich nicht anerkannt würden, urteilte der Gerichtshof in Strassburg. Geklagt hatten drei schwule italienische Paare. Ihnen muss Italien jetzt pro Person 5’000 Euro Entschädigung zahlen und Rechtskosten erstatten. Italien ist eines der wenigen EU-Länder, in denen gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht anerkannt sind. Die sozialdemokratisch geführte Regierung von Matteo Renzi will keine Homo-Ehe, dafür aber bis Jahresende die eingetragene Lebenspartnerschaft durchsetzen. Bisher scheiterten die Pläne aber am Protest der Opposition und der katholischen Kirche, die in Italien traditionell starken Einfluss hat. Die Richter in Strassburg sind der Auffassung, dass die derzeitige Rechtslage Homosexuellen zu wenig Schutz biete und nicht verlässlich genug sei. In den wenigen italienischen Gemeinden, in denen eine Eintragung der Beziehung möglich sei, habe dies rein symbolischen Wert. „In Ermangelung der Ehe ist die Option einer nicht ehelichen oder eingetragenen Partnerschaft der angemessenste Weg für gleichgeschlechtliche Paare wie die Beschwerdeführer, damit ihre Beziehung legal anerkannt wird“, heisst es in dem Urteil des Gerichtshofes für Menschenrechte weiter. (SDA)

Katholische Wochenzeitung Baden CH, 29/2015 Juli, S. 9
Kardinal Müller übt Grundsatzkritik am Ja zur „Homo-Ehe“

Mit klaren Worten hat der Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, Gerhard Kardinal Müller, sich in die Debatte um die „Homo-Ehe“ eingeschaltet. Das Ja der Iren zur gleichgeschlechtlichen Ehe bedeute eine „Diskriminierung des Ehebundes von Mann und Frau und somit eben auch der Familie“, sagte Müller der Würzburger Zeitung „Die Tagespost“. Der Kardinal beglückwünschte all jene, „die ihre Knie nicht gebeugt haben vor den Götzen der Selbsterschaffung und Selbsterlösung, die uns zielsicher in die Selbstzerstörung führen werden – wie andere politische Ideologien auch“. Die Mehrheit sage zudem nichts über die Wahrheit aus. „Die Wahrheit wird sich durchsetzen, wenn auch unter grossen Opfern!“, zeigte sich Müller überzeugt. (…)

Katholische Wochenzeitung Baden/CH, 34/2015 August, S. 6
„Homo-Ehe“ entspricht nicht kirchlichem Eheverständnis

Kardinal Koch über die bevorstehende Bischofssynode auf dem Hintergrund von parlamentarischen Vorstössen zur Legalisierung der „Homo-Ehe“ in der Schweiz.
Die im Herbst bevorstehende Bischofssynode zu Ehe und Familie darf nach Ansicht des schweizerischen Kurienkardinals Kurt Koch nicht auf Einzelthemen wie beispielsweise den Umgang mit homosexuellen Paaren reduziert werden. „Für die katholische Kirche versteht es sich von selbst, dass homosexuell orientierten Menschen mit dem gleichen Respekt begegnet werden muss wie anders orientierten Menschen“, sagte der vatikanische Ökumene-Minister der schweizerischen „Sonntags-Zeitung“. – Doch das zentrale Problem der Synode bestehe darin, „dass für den katholischen Glauben die Ehe zwischen einer Frau und einem Mann besteht und ein Sakrament ist und deshalb eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft mit der Ehe nicht gleichgestellt werden kann“, so Koch weiter. Das Thema sei gleichwohl wichtig. „Aber die Synode muss sich auch den grossen Problemen der Armut und der grossen Not von so vielen Familien stellen, die auf der Flucht sind.“ – Allgemein warnte der Kurienkardinal vor einer unkritischen Anpassung an den Zeitgeist. Selbstverständlich müsse die Kirche den gesellschaftlichen Wandel ernst nehmen und sich mit ihm auseinandersetzen. Zugleich gelte es aber ebenso klar zu prüfen, „was mit dem christlichen Glauben kompatibel (übereinstimmen) ist und was nicht. Es sind nicht alle Entwicklungen in der heutigen Gesellschaft bereits deshalb gut, weil sie stattfinden.“

bz BASEL vom 21.12.2015, S. 6
Slowenen stimmen gegen Homo-Ehe

Die Slowenen haben sich am Sonntag in einem Referendum gegen gleichgeschlechtliche Ehen ausgesprochen.  Die Gegner des Gesetzes, das solche Verbindungen erlaubt, erhielten mehr als die gesetzlich notwendige Zahl von 342’000 Stimmen. Die Opposition und die Katholische Kirche hatten die Abstimmung erzwungen. Sie war von ihnen auch zu einem Misstrauensvotum gegen die Regierung von Miro Cerar erklärt worden, die Ehen von Homosexuellen ermöglich hatte. (SDA)

Schweiz am Sonntag, 24.01.2016, S. 12
Italien demonstriert für die Homo-Ehe

Rom. In gegen 100 Städten Italiens haben gestern Kundgebungen für die Einführung eingetragener Partnerschaften stattgefunden. Eine Million Menschen sollen auf der Strasse gewesen sein, sagten die Veranstalter dem „Corriere della Sera“. Sie unterstützten damit einen Gesetzesentwurf, über den nächste Woche im Senat beraten wird. Sie schwenkten Regenbogenfahnen und Wecker, mit denen sie Italien mahnten, endlich aufzuwachen. Italien ist das letzte der grossen westeuropäischen Länder, das homosexuelle Paaren keinerlei rechtliche Verbindung erlaubt. (FB)

Katholische Wochenzeitung Baden CH, 12/2016 März, S. 11
„Una Sancta Catholica“ gegen Segnung von Homo-Paaren

Nur ein falsches Verständnis von Barmherzigkeit könne Priester dazu verleiten, homosexuelle Paare zu segnen. Wahre Barmherzigkeit wiese den Sünder zurecht, schreibt die Laieninitiative „Una Sancta Catholica“.
Die katholische Laieninitiative „Una Sancta Cathmolica“ hat eine Stellungnehme zum Projekt „Homosexuellenseelsorge“ der Frankfurter Stadtkirche veröffentlicht. Unter dem Titel „Seid Salz – nicht Zucker – der Erde“ warnt sie vor fehlendem Sündenbewusstsein und einem falschen Verständnis von Barmherzigkeit gegenüber Homosexuellen. Das Bistum Limburg erarbeitet derzeit nach Angaben von Ansgar Wucherpfennig, dem Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen, ein Ritual für die Segnung Homosexueller. „Wer die Segnung homosexuell empfindender Paare propagiert, der erweckt zwangsläufig den Eindruck, dass die Kirche auch deren sexuelle Handlungen segnet. Das hat sie von Anfang an eben nicht getan und sie wird es heute und in Zukunft nicht tun, weil es nicht in ihrer Macht steht“, heisst es wörtlich in der Stellungnahme.
Nur ein „falsch verstandenes Barmherzigkeits-Konzept“ könne Priester zu Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare verleiten. Dem Vorbild Jesu folgend, sei es Aufgabe der Priester, den Sünder zu lieben, die Sünde aber klar zu benennen und zu verurteilen. Zu den 7 geistigen Werken der Barmherzigkeit gehöre „ausdrücklich die Zurechtweisung der Sünder“, erinnert „Una Sancta Catholica“. Barmherzig sei also, wer einen Sünder zurechtweise, unbarmherzig sei, wer ihm nicht den Weg aus der Sünde und zu Gott weisen wolle, heisst es in der Stellungnahme weiter.

bz BASEL vom 31.01.2017, S. 11
Norwegen: Homosexuelle können nun kirchlich heiraten

Schwule und Lesben in Norwegen können sich von diesem Mittwoch an auch in der Kirche das Ja-Wort geben. Die Synode der norwegischen Kirche verabschiedete am Montag in Trondheim eine Liturgie, die die kirchliche Trauung von homosexuellen Paaren möglich macht. 89 von 112 Mitgliedern votierten für den Vorschlag, Zuvor hatte das Kirchenparlament im vergangenen Jahr für die Homo-Ehe vor dem Traualtar gestimmt. (SDA)

Schweiz am Sonntag vom 01.07.2017, S. 11 Ausland, Chr. Reichmuth
Der Bundestag gibt sein Ja-Wort. Das deutsche Parlament stimmt der Homo-Ehe zu

In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause beschloss der Deutsche Bundestag Historisches: 393 Abgeordnete des links-grünen Lagers sagten Ja zur Ehe für alle; 236 waren dagegen. 4 enthielten sich der Stimme. Damit stimmten auch mindestens 75 Parlamentarier der CDU/CSU-Fraktion zu. Nachdem Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) das Ergebnis bekannt gegeben hatte, gab es Freudentränen, und aus der Fraktion der Grünen regnete es bunte Konfetti in den Plenarsaal. Lins-Grün feierte den Durchbruch für die Homo-Ehe im Parlament. Der Grünen-Abgeordnete Volker Beck freute sich: „Die Phase der Toleranz ist beendet, die Epoche der Akzeptanz kann heute beginnen.“
Der Entscheid bedeutet, dass gleichgeschlechtliche Paare in Zukunft genauso heiraten und Kinder adoptieren dürfen wie ein heterosexuelles Paar. (…)

→Familie       →Frauen

Ehe und Misch-Ehe

Kirche heute 38/2011:
Unser Anliegen sind nicht Traumhochzeiten

Der Vaduzer Erzbischof Wolfgang Haas will katholische Trauungen auf der Burgkapelle Gutenberg in Balzers im Fürstentum Liechtenstein nicht zulassen. Die renovierte Kapelle auf der Burg Gutenberg hätte Hochzeitspaare auf das Balzner Wahrzeichen locken sollen. Haas stützt sich auf das Kirchenrecht: Dieses schreibe vor, dass Ehen von Katholiken in der eigenen Pfarrkirche zu schliessen seien, mit Erlaubnis auch in einer anderen katholischen Kirche oder Kapelle. „Die Norm soll eben sichtbar machen, dass es sich um Feiern der kirchlichen Gemeinschaft handelt“, betont Haas. „Unser Anliegen sind nicht Traumhochzeiten oder Romantikveranstaltungen, sondern die verantwortungsbewusste Mithilfe zur Erreichung dauerhafter ehelicher Beziehungen mit dem Segen Gottes und der Kirche.“

Kath. Wochenzeitung  Nr. 17 vom 16.09.2011:
Meisner: Ehe repräsentiert unaufkündbare Hingabe Christi an die Kirche

Der Kölner Kardinal zu den Aussagen von Erzbischof Zollitsch: „Die Unauflöslichkeit der Ehe gilt für alle Stände und für alle Repräsentanten der Gesellschaft.“ Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner hat auf Anfrage des Domradio Köln zu den Aussagen von Erzbischof Robert Zollitsch Stellung genommen. Zollitsch hatte in einem Interview gesagt, er erwarte noch zu seinen Lebzeiten Veränderungen im Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen, da dies eine Frage der „Barmherzigkeit“ sei. Kardinal Meisner betonte zuerst, dass „der Erzbischof von Freiburg das Interview gegebenen hat und nicht der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Als Vorsitzender und „Sprecher“ der Bischöfe müsste er sich ja „des Konsens der Bischöfe vergewissern“. Meisner mahnte hier die Medien, in der Berichterstattung richtig zwischen dem Erzbischof von Freiburg und dem DBK-Vorsitzenden zu differenzieren, um Irritationen zu vermeiden.

Als Betroffenen führte Zollitsch Bundespräsident Christian Wulff an. „Er ist für mich ein Katholik, der seinen Glauben lebt und darunter leidet, wie die Situation ist. (Im Hinblick auf den Papstbesuch im September 2011). – Meisner sagte zum Inhalt der Aussage von Zollitsch: „Ich kann nur ganz schlicht folgendes sagen. Die Ehe ist und bleibt unauflöslich (siehe „Eheannullierungen“ nachfolgend)“. Dies sei keine Marotte der Kirche. Er erwähnte in diesem Zusammenhang, dass die Kirche ganz England verloren habe, weil sie gegen Heinrich VIII. (1509-47) an der Unauflöslichkeit der Ehe festgehalten hat. Weil der Papst seine Eheannullierung ablehnte (das Oberhaupt der Kirche könnte es, meinte er), gründete er die Anglikanische Kirche und leitete als Oberhaupt die Eheannullierung selber ein.

Katholische Wochenzeitung 38/2013 September
Wenn ein Ehemann seine Frau für eine Jüngere verlässt…

HR-Sendung: „Spiegel“-Redakteur wünscht klarere Antworten der EKD zur Moral und übt scharfe Kritik an der EKD-Orientierungshilfe zu Ehe und Familie. – Mehr klare Antworten zu Fragen der Moral wünscht sich der „Spiegel“-Journalist Jan Fleischhauer von der evangelischen Kirche. Wie er in der Fernsehreihe „Horizonte“ des Hessischen Rundfunks (Frankfurt am Main) am 24. August 2013 sagte, sei es „ein Irrweg“, wenn die Kirche den Menschen nicht mehr deutlich mache, was sie für richtig halte. Wenn etwa ein 50-jähriger Ehemann seine Gattin für eine 30 Jahre jüngere Frau verlasse, sollte die Kirche sagen: „Das ist nicht anständig. Das tut man nicht.“ (…)

Katholische Wochenzeitung 30-32 2014, Juli, S. 3
Slowakische Verfassung definiert Ehe als Bund von Mann und Frau

Auch in Kroatien, Polen und Ungarn hat die klassische Ehe Verfassungsrang. Die slowakische Verfassung schliesst September 2014 in Kraft tretende Verfassungsänderung definiert die Ehe demnach ausdrücklich als Bund von Mann und Frau, wie slowakische Zeitungen berichten. Das beschlossen die Abgeordneten des Parlaments mit 102 von 128 Stimmen. Bisher definierte die Verfassung des EU-Landes die Ehe nicht näher. Es gab jedoch keine gleichgeschlechtlichen Ehen. Zuletzt hatten im Dezember 2013 die Bürger Kroatiens bei einem Volksentscheid mit grosser Mehrheit entschieden, die Ehe als Verbindung von Mann und Frau in der Verfassung festzuschreiben. Auch in Polen und Ungarn hat das klassische Ehemodell Verfassungsrang.

Schweiz am Sonntag, Nr. 41, 12.10.2014, S. 5, von Fabienne Riklin
Zeremonie ja, Kirche nein. Ritualleiter haben in der Schweiz Zulauf – besonders bei Hochzeiten (Zusammenfassung WA)

Familie und Sexualität, darüber diskutieren in diesen Tagen rund 200 Kardinäle, Bischöfe und Priester in Rom. Papst Franziskus hat sie aufgefordert, über Empfängnisverhütung, Homosexualität und Scheidung einen „ehrlichen, offenen und brüderlichen Dialog“ zu führen. Nirgends klafft eine grössere Lücke zwischen der katholischen Kirche und der Lebensrealität der Gläubigen als beim Verständnis von Liebe und Beziehung. Das zeigt sich auch am Rückgang von kirchlichen Hochzeiten. Das Versprechen der bedingungslosen Liebe, einander im Leben und bis zum Tod treu zu bleiben, wird immer seltener vor Gott abgegeben. Noch knapp 20 % der Paare lassen sich hierzulande in der Kirche trauen. Und auch die Taufen haben in den vergangenen Jahren um einen Fünftel abgenommen. „Die Sakramente verlieren an Bedeutung“, sagt Judith Albisser vom Pastoral-soziologischen Institut in St. Gallen. Passen die Liturgien der Kirche nicht mehr zu einem Menschen, werden für Feste an den Wendepunkten des Lebens häufig freie Redner, sogenannte Zeremonienmeister, engagiert. – Der neue Berufsstand hat grossen Zulauf. Die Ritualberater bedienen offenbar eine Nachfrage nach spirituellen Akten, welche die Kirche nicht mehr füllen kann. Wolfgang Weigand hat im Jahr 2000 begonnen, als Ritualberater zu arbeiten. Heute begleitet er über 40 Trauungen und etwa gleich viele Abdankungen pro Jahr. „Menschen haben für bestimmte Feierlichkeiten ein Bedürfnis nach einem zeremoniellen Rahmen, den sie sich selber nicht geben können“, sagt Weigand. Er ist freischaffender Theologe, so wie mehr als die Hälfte der rund 40 aktiven Ritualberater in der Schweiz. (…) – Eine Beobachtung, die der Theologe besonders spannend findet: Bei Trauungen verlangen jüngere Paare kirchennähere Abläufe als Paare, die bereits zum zweiten Mal heiraten oder älter sind. „Sie wollen sich vor ihren Angehörigen das Ja-Wort geben, die Ringe tauschen und die Frauen wünschen sich ein weisses Kleid“. Am häufigsten werden Ritualberater für Hochzeiten engagiert. Trauungsrituale ohne kirchlichen Segen liegen im Trend (fast ein Drittel). Eine kirchliche Trauung ist für viele keine Option mehr, da das Paar entweder konfessionslos ist oder ihnen der Bezug zur Religion fehlt.

Die ausserkirchlichen Zeremonien können ganz schön ins Geld gehen: Für Hochzeitgen empfiehlt die Website www.Ritualnetz.ch ihren Mitgliedern Honoraranforderungen zwischen 900 und 2’000 Schweizerfranken. – Die Gemeinde der Konfessionslosen hat sich seit 2000 praktisch verdoppelt. 21,4 % oder 1,7 Millionen Menschen gehören in der Schweiz keiner Religionsgemeinschaft an. Die grösste Nachfrage an Ritualberatern dürften aber distanzierte Christen und religionsinteressierte Menschen haben, ist Oliver Krüger, Religionswissenschaftler an der Universität Freiburg überzeugt.

Katholische Wochenzeitung Nr. 42 vom 17.10.2014, S. 5
25 Tipps für (katholische) Ehemänner

Katholische Ehemänner haben sich bei der Eheschliessung verpflichtet, sich ein Leben lang um ihre Frau zu bemühen. Vom amerikanischen Blogger Sam Guzman, selbst Ehemann und Vater. – Kurz vor der Bischofssynode zu Familie und Neuevangelisierung hat der katholische Blogger (Schreiber einer öffentlich geführten Webseite) Sam Guzman einen Eintrag zum Thema veröffentlicht. Wer die Berufung zur Ehe habe, habe sich dazu verpflichtet, seine Frau zu lieben. Angesichts der vielen Scheidungen seien katholische Ehepaare aufgerufen, Zeugen für Lebensfreude, Treue und Liebe zu sein, leitet Guzman seinen Beitrag ein. Vor diesem Hintergrund gibt er 25 Tips, wie man seiner Ehefrau seine Liebe ausdrücken könne. Natürlich gebe es noch viele weitere, doch entscheidend sei, die Beziehung in der Ehe ebenso zu pflegen wie vorher. – Als katholischer Ehemann sei man verpflichtet, sich sein Leben lang für seine Frau zu interessieren, für ihre Träume und Hoffnungen, ihre Ängste und Sorgen, schreibt Guzman, der für die Lebensschutzorganisation „Pro-Life Wisconsin“ arbeitet. Die Ehe sei ein Sakrament, fährt er fort. Eine gute Ehe könne uns daher geistlich bereichern und uns Gnade schenken. Je nachdem, wie man ein Sakrament empfange, erhalte man mehr oder weniger Gnaden. Das gelte auch für die Ehe.

Hier die 25 Tipps von Guzman:

1. Höre ihr zu und achte auf das, was sie zu sagen hat.
2. Sei zärtlich zu ihr.
3. Überrasche sie mit Blumen.
4. Lade sie zum Essen ein (ohne Kinder).
5. Schenke ihr ein Buch, das sie sich wünscht.
6. Schreibe ihr eine kurze Nachricht, in der steht, dass Du sie liebst.
7. Wasche das Geschirr ab.
8. Erledige etwas von Deiner „Schatzi-Liste“.
9. Wenn Ihr Babys habt, wechsle die Windeln.
10. Gib ihr die Möglichkeit, sich mit ihren Freundinnen zu treffen,
.     ohne dass die Kinder dabei sind.
11. Halte ihr die Tür auf.
12. Bete mit ihr und für sie.
13. Bitte sie um Entschuldigung, wenn Du sündigst.
14. Verzeih ihr, wenn sie sündigt und sei nicht nachtragend.
15. Bitte sie um ihren Rat.
16. Finde heraus, was sie ärgert, und vermeide es.
17. Geh mit ihr einkaufen.
18. Faste für sie.
19. Hab Verständnis für ihre Ängste, tröste sie – auch wenn Du sie nicht
.     verstehst.
20. Sprich mit ihr über das Leben.
21. Mach ihr konkrete Komplimente.
22. Küsse sie in der Öffentlichkeit und vor den Kindern.
23. Halte ihre Hand.
24. Verzichte auf etwas, das Du tun möchtest, damit Du etwas tun kannst,
.     das sie sich wünscht.
25. Kritisiere nicht und beklage Dich nicht, lobe sie.

OR Nr. 48 vom 28.11.2014, S. 2
14 Religionen betonen Wert der traditionellen Ehe

Mit einem entschiedenen Bekenntnis zur traditionellen Ehe ist am 19. November 2014 im Vatikan ein interreligiöser Kongress zur Geschlechterbeziehung von Mann und Frau zu Ende gegangen. „In ihnen lebt die Menschheit. In ihnen leben die Kulturen und Glaubensbekenntnisse der Welt“, heisst es in einem gemeinsamen Schlussdokument. Die Ehe sei das wahre Fundament  für den Bau von Familien und der ganzen menschlichen Gesellschaft. „Es steht uns nicht zu, dies zu verändern. Es ist vielmehr unsere Aufgabe, dazu zu ermutigen und dies zu feiern.“ – Für den Kongress „Humanum: Internationales Interreligiöses Kolloquium über die Komplementarität von Mann und Frau“ waren Gelehrte und Geistliche aus 14 Religionen nach Rom gekommen. Die dreitägige Veranstaltung wurde unter Federführung der vatikanischen Glaubenskongregation organisiert.  Die traditionelle Ehe stehe heute einer „Armee von Ablenkungen“ gegenüber; daher würden Heiraten und Geburten weniger, heisst es im Abschlusspapier. Schuld am Niedergang von Ehe und Familie seien aber auch Armut und Krieg in der Welt. Die Religionen  hätten in der Vergangenheit nicht genug für den Schutz von Ehe und Familie unternommen. Die Glaubenskongregation bezeichnete das Kolloquium im Vorfeld als bislang einzigartige Zusammenkunft und beispielloses Signal der weltweiten Glaubensgemeinschaften für die Eintracht in existenziellen Fragen. Neben Katholiken und Protestanten, Juden und Muslimen beteiligten sich unter anderen Buddhisten, Hindus, Taoisten (chinesischer Volksglaube), Mormonen (Heilige der letzten Tage) und Sikhs (hinduistisch-muslimische Mischsekte). – Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, verwies zur Eröffnung darauf, dass sexuelle Unterschiede keine Ungleichberechtigung begründeten; die Verschiedenheit von Mann und Frau dürfe aber nicht geleugnet werden. Zugleich betonte er mit Blick auf die traditionelle Geschlechterbeziehung die Geschlossenheit der 14 Religionen, die „den grössten Teil der Menschheit repräsentieren“. Es gehöre zur Wesensgestalt des Menschen, dass Gott ihn als Mann und Frau geschaffen habe.

Kirche heute 6/2015 Januar, S. 4, kath.ch
Katholiken müssen sich nicht „wie Kaninchen“ vermehren

Papst Franziskus äusserte sich auf dem Rückflug von den Philippinen zur Familienplanung. Katholiken müssen sich nach den Worten von Papst Franziskus nicht „wie Kaninchen“ vermehren. In manchen Fällen sei es unverantwortlich, weitere Kinder zu bekommen, sagte der Papst am 19. Januar 2015 auf dem Rückflug von Manila nach Rom vor mitreisenden Journalisten. Nötig sei vielmehr eine „verantwortete Elternschaft“. – „Manche glauben, um gute Katholiken zu sein, müssten sie, entschuldigt das Wort, sein wie Kaninchen. Nein!“, sagte der Papst und bezog sich damit auf den Vorwurf, die katholische Kirche fördere durch ihre Ablehnung künstlicher Verhütungsmethoden die Armut in armen Ländern. Es gehe vielmehr um „verantwortete Elternschaft“. Eltern könnten die Zahl ihrer Kinder planen. Es gebe viele von der Kirche erlaubte Methoden, zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa den 78-jährigen. „Offenheit für das Leben“ sei zwar eine Bedingung für eine christliche Ehe, aber 3 Kinder pro Ehepaar seien ideal. (…)

bz BASEL vom 04.07.2015, S. 5 Inland, von Anna Wanner
Sterben „Ledige“ bald aus?

Zivilstand. Der Bundesrat will die Begriffe zwar vereinfachen. Bei der Reduktion von 10 auf 3 Bezeichnungen macht er aber einen Rückzieher. Ledig, verheiratet oder geschieden? Nein, so einfach ist es nicht. Die Schweiz kennt 10 verschiedene Zivilstände: zu den geläufigen gehört auch „verwitwet“. Hingegen ist eine Person „unverheiratet“, wenn die Ehe ungültig erklärt wurde oder der Ehepartner verschollen ist. Analog zur Ehe gibt es offizielle Begriffe für homosexuelle Paare: „in eingetragener Partnerschaft“ oder „aufgelöste Partnerschaft“, wobei je nach Auflösungsgrund unterschieden wird zwischen „gerichtlich aufgelöste Partnerschaft“, durch Tod aufgelöste Partnerschaft“ und „durch Verschollenerklärung aufgelöste Partnerschaft“. (…) Hans-Peter Portmann, Nationalrat FDP/ZH: Egal, welche Formen des Zusammenlebens noch kommen, die Begriffe müssen vereinfacht werden. (…)

Schweiz am Sonntag, 29.11.2015, S. 59, Leif Simonsen
Die Baselbieter Ehen halten immer länger

Der Bund des Lebens wird im Kanton Baselland CH immer häufiger wörtlich genommen. Im vergangenen Jahr gab es noch 542 Scheidungen, wie dem Jahresbuch des Statistischen Amtes zu entnehmen ist. Im Rekordjahr 1999 gingen im Landkanton über 800 Ehen in die Brüche, seither ist die Tendenz sinkend. Das liegt nicht etwa daran, dass das Heiraten an Reiz verloren hätte. In den vergangenen 15 Jahren ist die Zahl der Eheschliessungen stabil geblieben. Im Schnitt liegt sie bei jährlich rund 1’400. Zum Vergleich: in Basel-Stadt trauen sich jährlich 800 Paare. Hier ist ein markanter Rückwärtstrend erkennbar. In den 60er-Jahren gab es in der Stadt fast dreimal mehr Eheschliessungen wie heute.
Nimmt man den Durchschnitt der Eheschliessungen und Scheidungen über die vergangenen Jahrzehnte zur Berechnungsgrundlage, werden zirka 40 % der heute geschlossenen Ehen im Baselbiet aufgelöst. In Basel-Stadt lässt sich sogar jedes zweite Paar scheiden. Das Sprichwort „was lange währt, wird endlich gut“ gilt übrigens nicht für die Beziehungen. Ein grosser Teil der Ehen im Landkanton wird nach dem 25. Ehejahr geschieden (im Jahr 2014 wurden 103 Scheidungen nach diesem Zeitpunkt vorgenommen). Gefährlich sind auch die Ehejahre 10 bis 14 mit 97 Scheidungen. Gleich 18 Mal ging im vergangenen Jahr die Ehe noch vor dem ersten Hochzeitstag zu Bruch (3,3 %). Immerhin hier haben die Stadtbewohner einen längeren Schnauf. So viele Scheidungen gab es in Basel-Stadt  noch gar nie.

bz BASEL vom 25.01.2016, S. 5, Sven Altermatt
Heiratsstrafe oder Heiratsbonus?

Steuern. Die meisten Schweizer Kantone haben die finanzielle Benachteiligung von verheirateten Paaren beseitigt. Bei der Bundessteuer gibt es sie allerdings noch immer. Wer von der CVP-Initiative (Christlichsoziale Volkspartei) wirklich profitiert:  Die Heiratsstrafe soll verschwinden. Darin sind sich Politiker von links bis rechts einig, und das Bundesgericht hat dies schon vor 30 Jahren gefordert. Sie alle wollen die finanzielle Diskriminierung von verheirateten Paaren gegenüber unverheirateten beseitigen. In den Kantonen ist die Heiratsstrafe fast überall abgeschafft. Nur noch nicht bei der Bundessteuer. Klar ist: Wird ein Ehepaar gegenüber einem Konkubinatspaar steuerlich um mehr als 10 % stärker belastet, gilt dies als verfassungswidrig. Die Ursache des Übels ist das progressive Steuersystem in der Schweiz. Je höher das Einkommen ist, desto mehr muss man prozentual davon abgeben.
Die Initiative der CVP, über die am 28.02.2016 abgestimmt wird, will die Heiratsstrafe beseitigen. Gleichzeitig definiert sie die Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft sowie als „Lebensgemeinschaft von Mann und Frau“. Die Initiativgegner sehen darin den Versuch, ein „Rückständiges Rollenmodell“ in die Verfassung zu schmuggeln. Deshalb dreht sich der Abstimmungskampf derzeit vor allem um die Ehedefinition.  (…) 80’000 Doppelverdiener-Ehepaare sind nach Schätzungen des Bundes bei der Bundessteuer noch immer schlechtergestellt als Konkubinatspaare. Gleichzeitig bleiben 620’000 Doppelverdiener-Ehepaare von der Heiratsstrafe unberührt.

Schweiz am Sonntag, 07.02.2016, S. 7, Henry Habegger, Othmar von Matt
Schweiz, Stand der Ehe: Zahlen und Fakten

  • Das Durchschnittsalter bei der Heirat variiert von Kanton zu Kanton. Frauen:  31,1 Jahre in Obwalden (am höchsten), 28,7 Jahre im Kanton Jura (am tiefsten): Am ältesten sind die Frauen bei der Erstheirat in Obwalden, am jüngsten im Kanton Jura.
  • Alter der Männer bei der Heirat: 33,5 Jahre im Kanton Nidwalden, 30,9 Jahre im Kanton Neuenburg: Am ältesten sind die Männer bei der Erstheirat in Nidwalden, am jüngsten in Neuenburg.
  • 29,6 Jahre ist eine Braut heute durchschnittlich alt, wenn sie vor den Altar tritt. 1970 waren sie in den vergangenen 140 Jahren am jüngsten, knapp 24,1 Jahre.
  • Heiraten macht dick: Der durchschnittlich Body-Mass-Indes (BMI) von verheirateten Männer liegt bei 26,3, von unverheirateten Männern bei 25,7.
  • 720 gleichgeschlechtliche Paare haben 2014 ihre Partnerschaft eintragen lassen. Insgesamt leben 6’587 eingetragene homosexuelle Paare in der Schweiz.
  • 36 % der 2014 eingegangenen Ehen waren gemischt national: 15,9 % in Appenzell Innerrhoden am wenigsten, am meisten bei 48,1 % in Genf.
  • Ohne Segen Gottes: knapp 20 % der Paare lassen sich hierzulande in der Kirche trauen. Tendenz sinkend. 1/3 der Paare, bei denen beide Partner katholisch sind, heiraten in der Kirche. 1/2 der reformierten Paare heiraten in der Kirche.
  • 20’000 Franken geben Paare in der Schweiz im Durchschnitt für das Hochzeitsfest aus. Dieser Ausbruch in Festlichkeit ist in der Schweiz ein Markt von jährlich gegen eine Milliarde Franken, sagen Schätzungen.
  • 50 % nimmt die Sex-Häufigkeit nach dem 1. Ehejahr ab. Dafür steigt die Qualität.
  • Scheidungen: 41 % lassen sich scheiden: 49 % in Genf am meisten, 22,6 % im Kanton Uri am wenigsten.
  • Anteil Geschiedener, die wieder heiraten: 49 % der Männer, 43 % der Frauen.
  • 15 Jahre sind Schweizer Paare durchschnittlich verheiratet, bis es zur Scheidung kommt. Kantonal gibt es grosse Unterschiede: Basel-Stadt nach 13 Jahren, Appenzell-Innerrhoden erst nach 22,7 Jahren.
  • Scheidungsrate in Prozenten: im Jahre 1970: 15,4, im Jahr 2010: 54,4 %.
    →Familie
Kirche heute 27-29/2016 Juli, S. 1
Wenn eine Ehe im Rückblick nie eine war
Nach Ansicht des Papstes wissen viele Heiratswillige nicht, was sie tun
Wer kirchlich heiratet, verspricht Treue „bis der Tod uns scheidet“. Doch viele wüssten nicht, was sie da sagten, meinte Papst Franziskus vor 2 Wochen bei einer Versammlung der Diözese Rom. Deshalb seien viele Ehen eigentlich ungültig. Erst letztes Jahr hat der Papst das Ehenichtigkeitsverfahren stark vereinfacht. Doch die Verneinung der Ehe als ganzer entspricht oft nicht der Erfahrung von Scheidungswilligen.
2 Jahre befasste sich die Kirche intensiv mit Fragen rund um Ehe und Familie. Noch vor der zweiten Bischofsynode vereinfachte Papst Franziskus mit einem Apostolischen Schreiben das sogenannte Ehenichtigkeitsverfahren. Seit dem 8. Dezember 2015 kann ein Einzelrichter auf Diözesanebene feststellen, dass die Ehe gar nie gültig geschlossen wurde. (…)
Katholische Wochenzeitung Baden/CH 41/2016 Oktober, S. 9, Beile Ratut
Warum die Ehe wichtig ist?
„HEUTE DIENEN Beziehungen zwischen Mann und Frau meist einem verzerrten Bild von Liebe. Meist geht es nur noch um den Affekt (Gemütsbewegung) des vereinzelten Menschen. – Warum die Ehe wichtig ist? Weil ein Mensch in dieser Welt die Erfahrung der vollkommenen und bedingungslosen Annahme machen muss. Diese ist auf der Basis des Gefühls nicht möglich.
Heute dienen Beziehungen zwischen Mann und Frau meist einem verzerrten Bild von „Liebe“. Meist geht es nur noch um den Affekt des vereinzelten Menschen; der ist eine fragwürdige Grundlage für den Aufbau einer Gesellschaft, und zu diesem Aufbau gehörte lange Zeit auch die Ehe zwischen Mann und Frau. Heute ist das nicht mehr so. Gefühle sind nicht bedeutungslos. Aber: Ein Mensch kann keinen anderen Menschen immer und zu allen Zeiten annehmen, unterstützen, achten, trösten; er kann sich nicht ständig nach ihm sehnen und in allem, was in sein Leben tritt, diesen anderen Menschen als Gefährten erleben. Er kann nicht in allem, was auf ihn einstürzt, den anderen als bedingungslos Geliebten wahrnehmen, frei von Ambivalenz (Doppelwertigkeit) und von Zweifeln. Das ist unmöglich.
Die Ehe ist eine Entscheidung, ein Willensakt, der unser Scheitern, unseren Mangel und unsere Ignoranz (Unwissenheit, Dummheit) überwindet. Was immer wir nicht vermögen, das vermögen wir, indem wir uns für eben diesen einen Menschen aus allen Erdenbürgern entschieden haben. Das macht die Ehe so besonders, weil sie die absolute Hingabe an den Geliebten ausdrückt, die über alles Gefühlte hinausgeht.
(Die Autorin ist Finnin und schreibt in deutscher Sprache. Sie studierte Wirtschaften, Literatur und Skandinavistik. Sie lebt heute mit ihrer Familie in Joutsa. Finnland und hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht.)
Katholische Wochenzeitung CH, 11/2017 März, S. 14
Weniger als 4’000 Trauungen in katholischer und reformierter Kirche
Immer weniger Katholiken und Reformierte lassen sich in der Kirche trauen. Die Kirchen hätten ihre selbstverständliche Rolle bei der Eheschliessung verloren, interpretiert das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) diese Entwicklung in seiner jüngsten Studie.
Von Jahr zu Jahr nehmen die kirchlichen Trauungen in der römisch-katholischen und der evangelisch-reformierten Landeskirche ab. Das zeigt die aktuelle Studie des SPI. Bei den Katholiken betrug die Abnahme von 2014 auf 2015 rund 5,9 %, bei den Reformierten rund 4,8 %. 2015 waren die Trauungszahlen bei den Katholiken und Reformierten fast gleich, 3’845 bei ersteren, 3’870 bei letzteren. Im Jahre 2011 unterschieden sie sich stärker. Bei den Katholiken gab es 5’147 Trauungen, bei den Reformierten 4’588.
Rückgang um ein Viertel in 4 Jahren: Über den Zeitraum von 2011 bis 2015 verringerten sich die Trauungen in der Kirche massiv. Die Reduktion bei den Katholiken betrug – weil von einem relativ hohen Niveau ausgehend – 26 %, bei den Reformierten 16 %. Im Jahre 2015 hielten sie sich – wie erwähnt – zahlenmässig die Waage. Im selben Jahr zählte das Bundesamt für Statistik rund 2,8 Millionen Katholiken und 1,7 Millionen Reformierte in der Schweiz.
Reformierte Heiratswillige entscheiden sich im Vergleich zu den Katholiken bedeutend öfter auch für die kirchliche Trauung. Im Jahr 2015 folgte bei zivil Getrauten mit mindestens einem reformierten Teil in 30 % der Fälle auch eine kirchliche Trauung. Bei den Katholiken hingegen waren es bloss 23 %.
→Familie       →Frauen

Ehenichtigkeitsverfahren (-annullierungen) der kath. Kirche

Die röm. kath. Kirche kennt nur die Ehenichtigkeitserklärung bzw. die Eheannullierung, nicht aber eine Ehescheidung. Bei einer Eheannullierung wurde nachweisbar kirchlich-sakramental nie eine Ehe eingegangen (Putativehe).

Eine nach katholischem Ritus geschlossene Ehe kann nur annulliert (nicht geschieden) werden: Was Gott verbunden, soll der Mensch nicht trennen. Sie dauert bis zum Tode eines Partners. Die Rota Romana (Ehetribunal, in der Stadt Rom), das oberste kirchliche Gericht kann nur annullieren, wenn die offizielle Erklärung, dass eine Ehe entgegen dem äusseren Anschein nie bestanden hat (Nichtigkeitserklärung für kirchlich geschlossene Ehe), vorliegt.

Die Scheidung ist ein zivilrechtlicher Akt, bei der Kirche eine kirchlich-sakramentale Annullierung. Die Kirche kennt nur das Ehesakrament, kein Scheidungssakrament. Für die Kirche bedeutet die Annullierung einer Ehe nicht, dass die Beziehung zweier Menschen verleugnet wird, sondern nur, dass sie nicht die „juristische Qualität“ einer kirchlichen Ehe erfüllt. Man nennt dies auch eine „Putativehe“ (putativ = lat. in der Rechtssprechung: vermeintlich, irrigerweise  für gültig gehalten), will heissen, dass zwei im Glauben gewesen seien, eine Ehe zu führen, die rechtlich gesehen aber keine war.

Gründe einer Annullierung bei Willensmangel (beispielsweise zum vorneherein keinen Kinderwunsch)  oder Erkenntnismangel (beispielsweise das Verständnis zur Unauflöslichkeit einer kath. Ehe fehlt):

  • prinzipielle Ablehnung von gemeinsamen Kindern
  • polygame Beziehung durch mindestens einen Ehepartner
    (Vielehe). Gegenteil: Monogamie
  • äusserer Druck auf die Eheschliessung
  • arglistige Täuschung (z. B. Verheimlichung des wahren Geschlechtes)
  • Muttersöhnchen (der Mann kann sich von seiner Mutter nicht abnabeln)
  • wenn ein Partner sich von Anfang an die Möglichkeit einer Scheidung
    vorbehält
  • wenn sich ein Partner klar vornimmt, die Treue nicht zu halten
  • Aversion gegen Sex (medizinisches Gutachten nötig)
  • psychisch bedingte Eheführungsunfähigkeit (z. B.  Spiel- oder
    Trunksucht, Bindungsunfähigkeit/ starke Ichbezogenheit, anormales
    Sexverhalten, gestörtes Verhalten oder  Abhängigkeiten bei der
    Eheschliessung)
  • fehlendes Abschätzen der Rechte und Pflichten einer EheVerfahren  (gemäss Domdekan Dr. Peter Schmid, Offizial der Diözese Basel, 28.03.2012, Brief. September 2015; siehe aber Änderungen, nachfolgend):
  1. Jede Diözese hat ein kirchliches Gericht, I. Instanz (ein Offizial übt die  Gerichtsbarkeit aus). Dieses Gericht führt das Eheannullierungs-Verfahren aus.
  2. II. Instanz für alle diözesanen Gerichte in der Schweiz ist das Interdiözesane    Schweizerische Gericht mit Sitz in Fribourg. Dieses ist den I. Instanzen nicht    übergeordnet, sondern nachgeordnet. Entscheidet ein Gericht in I. Instanz für die Ungültigkeit einer Ehe, wird dieses Urteil rechtswirksam mit der Bestätigung durch die II. Instanz.
  3. Gelangt die II. Instanz zu einem negativen Urteil, geht die Sache an das Gericht der Rota Romana nach Rom als III. Instanz.
  4. Die Parteien haben immer das Recht, selber ihr Verfahren beim Gericht der Rota Romana anhängig zu machen.
  5. Das Bistum Basel hält sich an die von der Schweizer Bischofskonferenz vorgegebene Kostenordnung. In der I. Instanz kostet das Verfahren CHF 400.00, in der II. Instanz  CHF 500.00, jeweils zu Lasten der klagenden Partei.
  6. Kosten für allfällige Sachverständigengutachten gehen zu Lasten der klagenden Partei.
  7. Die Kosten können bis Null reduziert werden, da niemand aus finanziellen Gründen vor einem solchen Verfahren abgehalten werden darf.
  8. Die nichtklagende Partei wird finanziell nicht belastet. Die Rota Romana, Rom, hatte im Jahre 2005  69 Ehen als ungültig erklärt (an jedem 4.Tag).

Kosten bei einer Zivilscheidung für eine Partei: CHF 2’500.00 bis CHF 5’000.00 Anwaltskosten, CHF 2’000.00 bis CHF 2’500.00 Gerichtskosten (Stand März 2012).

Österreich: rund 200 Annullierungen von katholischen Ehen im Jahr gegenüber 20’000 zivil geschiedenen Ehen. (2004: Annullierung der Ehe von Benita Ferrero-Waldner, ehemals Aussenministerin). Bistum Basel: pro Jahr rund 10 – 15 Annullierungen, davon die Hälfte als Grund: psychisch bedingte Eheführungsunfähigkeit.

Wenn Geschiedene zivil wiederverheiratet sind, befinden sie sich in einer Situation, die dem Gesetz Gottes objektiv widerspricht. Darum dürfen sie, solange die Situation andauert, nicht die Kommunion empfangen. Nur wenn sie völlig enthaltsam leben, können sie aber zur Kommunion hinzutreten.

Kirchliche Eheschliessung im Vatikan: mehrere Zeugen gefragt (St.-Anna-Gardisten mit Unterschrift, Kaplan gefragt, 4 Zeugen bei der Eheschliessung).

OR vom 05.02.2010 Nr.5:
Keine leichtfertigen Eheannullierungen zulassen

Papst Benedikt XVI. hat die Unauflöslichkeit der Ehe hervorgehoben und sich gegen eine leichtfertige Praxis von Nichtigkeitserklärungen „um jeden Preis“ ausgesprochen. Das Kirchenrecht und nicht persönliche Befindlichkeiten der Betroffenen müssten für eine kirchliche Annullierung des Ehebundes zwischen Mann und Frau ausschlaggebend sein, sagte der Heilige Vater bei der Audienz für die Mitarbeiter des Gerichtes der Römischen Rota. Anlass für die Begegnung war die Eröffnung des Gerichtsjahres. Die 20 Richter der Römischen Rota sind vornehmlich Berufungsinstanz für Ehenichtigkeitsentscheidungen von Kirchengerichten der Diözesen. In Verfahren über eine eventuelle Ehenichtigkeit könne das Wohl der Person nicht als getrennt von deren kirchenrechtlicher Stellung gesehen werden, hob der Papst weiter hervor. Dies gelte auch mit Blick auf die Wiederzulassung zum Kommunionempfang. Es wäre eine Scheinlösung, der es an Gerechtigkeit und Liebe mangelt, einen Katholiken ungeachtet seiner kirchenrechtlichen Situation zum Kommunionempfang zuzulassen.
→Homosexualität

Führung durch die Gerichtsgebäude Basel, 27.10.2011
Durch Verwaltungschef Dr. iur. Grolimund:

Ein schweizerischer Ehenichtigkeits-Prozess kennt nur einen Grund: eine/r der Verheirateten lebt noch in einer Erstehe (Ausländer/in). Er hat keinen Raum für die Eheannullierungs-Verfahren der römisch-katholischen Kirche.

BaZ vom 3. April 2012, Seite 13, Dina Sambar:
Mehr Kritik an Bischof Huonder: Pastoralkonferenz äussert sich

Binningen. Die Baselbieter Pastoralkonferenz distanziert sich explizit (ausdrücklich) von den Aussagen des Churer Bischofs Vitus Huonder. Dieser hatte in seinem Hirtenbrief dekretitiert (verordnet), dass  Geschiedene, die wieder heiraten, von den Sakramenten ausgeschlossen würden. Der Brief hatte für grosse Empörung innerhalb der katholischen Kirche gesorgt. Auch der Bischof von Basel bezeichnete diese Praxis als „absurd“. Trotzdem sei es wichtig, dass auch die Baselbieter Seelsorger klar Stellung bezogen, sagt Thierry Moosbrugger, Präsident der Pastoralkonferenz Baselland.

„Wir werden oft auf diesen Brief angesprochen. Es gibt auch Kirchenaustritte, bei denen dieser Brief als Tropfen bezeichnet wird, der das Fass zum Überlaufen brachte“, sagt Moosbrugger. Und er betont: „Die Meinung, die Huonder vertritt, ist die Meinung einer kleinen innerkatholischen Sekte. Die Mehrheit setzt sich genau für das Gegenteil ein“. (…)

Im Gegensatz zu Huonder sehen die Seelsorger die Forderung Jesu nach der Unauflösbarkeit der Ehe nicht als Gesetz, sondern als Ideal.

OR Nr. 18 vom 4. Mai 2012, S. 4:
Der Präfekt der Kongregation für die Interpretation von Gesetzestexten, Francesco Kardinal Coccopalmerio, hat eine strengere Handhabung von Ehenichtigkeitsverfahren gefordert. Es sei ein „Missbrauch“, wenn jemand die Ungültigkeit seiner Ehe entgegen den Fakten vortäusche, sagte der Kardinal gegenüber Radio Vatikan. Brautleute müssten besser auf die Ehe vorbereitet und die Zulassung zur kirchlichen Trauung strenger geprüft werden. Es dürfe keine „Zulassung zu ermässigten Konditionen“ geben, so der Kardinal. Der Präfekt verwies auf die Forderung von Papst Benedikt XVI., nicht einseitig nach Gesichtspunkten der Barmherzigkeit zu entscheiden. Die zuständigen vatikanischen Gerichtshöfe seien dem schon nachgekommen. Nun müssten auch die anderen Beteiligten dieser Mahnung folgen. Besonders die Kirchenanwälte seien zu Korrektheit verpflichtet und dürfen sich „in keiner Weise von möglichen Vorteilen, beispielsweise wirtschaftlichen, verleiten lassen“, so der Kardinal, der sich anlässlich einer Kirchenrechtstagung an der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom (WA: dem Opus Dei zugehörig)  äusserte.

Kath. Wochenzeitung Nr. 20 vom 18. Mai 2012, S. 5:
Beziehungsprobleme: „Wilde Ehe“ erhöht Scheidungsrisiko
US-Psychologin: Wer mit dem Zusammenleben wartet, ist im Vorteil

Dass Paare vor der Ehe ohne Trauschein zusammenleben, ist heute fast zur Norm geworden. Christen, die aus Glaubensgründen auf Sex vor der Ehe verzichten, gelten als Aussenseiter. Man müsse doch „ausprobieren“, ob man zusammenpasse, lautet ein häufig vorgebrachtes Argument. Nur so könne man einer späteren Scheidung vorbeugen. Doch weit gefehlt: Die Realität spricht eine andere Sprache, schreibt die US-amerikanische Psychologin Meg Jay in einem Leitartikel der „New York Times“. Nach Erkenntnissen der an der Universität von Virginia (Charlottesville) tätigen Wissenschaftlerin, erhöht das Zusammenleben sogar das Scheidungsrisiko. Nach ihren Angaben ist die Zahl der „Wilden Ehen“ in den vergangenen 50 Jahren enorm gewachsen. 1960 lebten in den USA etwa 450’000 Paare unverheiratet zusammen; heute seien es mehr als 7,5 Millionen – eine Steigerung um 1’500 Prozent. Doch Umfragen hätten gezeigt, dass Paare, die schon vor der Trennung zusammen leben, später weniger zufrieden mit ihrer Ehe seien und sich eher wieder scheiden lassen. Dies lasse sich nicht allein mit individuellen Faktoren wie Religion, Bildung oder politischer Einstellung erklären; vielmehr lägen die Ursachen auch im Zusammenleben selbst. Es führe beispielsweise dazu, ohne bewusste Entscheidung in einer Ehe hinein zu „gleiten“. Dies mache es aber viel schmerzhafter und schwieriger, sich später wieder aus der festen Beziehung zu lösen. (…)  Siehe Wiederverheiratete“

Kath. Wochenzeitung 19 vom 9. Mai 2014, S. 6
Glaubenspräfekt Müller: An Unauflöslichkeit der Ehe festhalten

Kurienkardinal in Interview „Frankfurter Allgemeine“: Ehe ist eine „von Gott gestiftete Realität und nicht nur ein menschliches Ideal“. Müller hat sich erneut gegen Überlegungen des Ehesakraments im Namen der Barmherzigkeit zu relativieren. Das Evangelium von der Unauflöslichkeit der Ehe dürfe „nicht zu einer abstrakten Theorie werden, die in der Praxis der Kirche keine Rolle mehr spielt.“ Dies sagte Kardinal Ludwig Müller der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die Ehe sei eine „von Gott gestiftete Realität und nicht nur ein menschliches Ideal, das man aus eigener Kraft anzielen oder auch verfehlen kann.“ (…)

OR Nrn. 32/33 vom 8. August 2014, S. 2
Vatikan prüft Verkürzung von Ehenichtigkeitsverfahren

Der Vatikan prüft konkrete Schritte für eine Verkürzung von kirchlichen Ehenichtigkeitsverfahren. Derzeit untersuche der Päpstliche Rat für die Interpretation von Gesetzestexten, ob künftig auch eine gerichtliche Instanz ausreichen könne, um die Ungültigkeit einer Ehe festzustellen, sagte dessen Präsident, Kurienkardinal Francesco Coccopalmerio, gegenüber unserer Zeitung. Eine weitere Option sei, dass nur noch ein Richter über die Ehenichtigkeit entscheide statt wie bislang ein Richterkollegium. Voraussichtlich werde der Ortsbischof auch die Möglichkeit erhalten, unmittelbar in die Verfahren einzugreifen, um deren Beschleunigung herbeizuführen, so der italienische Kardinal. Bislang lägen jedoch noch keine befriedigende Ergebnisse vor.
Die Straffung von Ehenichtigkeitsverfahren ist auch ein Thema der Weltbischofssynode über die Familie im Oktober. In einem Ehenichtigkeitsverfahren geht es um die amtliche Feststellung, ob eine gültige Ehe im katholischen Sinne besteht. Solche Verfahren können sich über mehrere Jahre hinziehen. Mögliche Gründe für eine ungültige Ehe können Formfehler bei der Eheschliessung sein. In der Regel werden jedoch sogenannte Willens- oder Erkenntnismängel geltend gemacht. Ein Willensmangel liegt etwa vor, wenn ein Partner von vornherein einen Kinderwunsch ausschliesst, ein Erkenntnismangel, wenn etwa einem der Partner nicht bewusst ist, dass eine Ehe nach katholischem Verständnis unauflöslich ist.
Bislang müssen in der Regel ein Diözesangericht und das Gericht der Kirchenprovinz übereinstimmend zu dem Ergebnis kommen, dass eine Ehe ungültig ist. Bei abweichenden Urteilen oder Unklarheiten müssen die Fälle der Römischen Rota vorgelegt werden, dem obersten Ehegericht im Vatikan. In der vatikanischen Umfrage zu Ehe, Familie und Sexualität war im Januar auch um eine Stellungnahme zur Straffung von Ehenichtigkeitsverfahren gebeten worden.

OR Nr. 39 vom 26.09.2014, S. 3

Papst Franziskus hat eine Kommission zur Reform der kirchlichen Ehenichtigkeitsverfahren eingesetzt. Das neue Gremium soll Vorschläge zur Vereinfachung und Straffung des Verfahrens erarbeiten, wie Radio Vatikan berichtete. Das Prinzip der Unauflöslichkeit der Ehe solle jedoch nicht angetastet werden. Vorsitzender der Kommission ist der Dekan des vatikanischen Ehegerichtes, der Römischen Rota, Pio Vito Pinto. Dem neuen Gremium gehört auch der österreichische Franziskanerpater Nikolaus Schöch an.
OR Nr. 5 vom 30.01.2015, S. 1: Papst Franziskus bestätigt am 24.01.2015 vor Kirchenrechtlern in der Universität Gregoriana Rom die Forderung zur Änderung des Kirchenrechtes, damit die Ehenichtigkeitsprozesse zügiger ablaufen.

OR Nr. 37 vom 11.09.2015, S. 1
Motu proprio zur Vereinfachung von Ehenichtigkeitsverfahren

Papst Franziskus hat das Verfahren zur Prüfung der Gültigkeit von Ehen erheblich vereinfacht. In Zukunft soll das Urteil in sogenannten Ehenichtigkeitsprozessen bereits binnen einiger Wochen durch den Ortsbischof gefällt werden können. Dafür müssen bestimmte Bedingungen vorliegen, heisst es einem am Dienstag, 8. September 2015, veröffentlichten Päpstlichen Erlass. Das erstinstanzliche Urteil muss künftig nicht mehr von einer zweiten Instanz bestätigt werden. Bislang mussten solche Entscheidungen von einem Gremium aus 3 Kirchenrichtern getroffen werden und das Urteil wurde erst rechtskräftig, wenn die Bestätigung seitens eines zweiten Kirchengerichts erfolgte. Eine weitere wesentliche Neuerung ist, dass künftig ein einziger Richter einen Ehenichtigkeitsprozess führen kann. Die Maximaldauer eines Ehenichtigkeitsprozesses beträgt nun ein Jahr, wie der Präsident des Päpstlichen Rates für die Interpretation von Gesetzestexten, Kardinal Francesco Coccopalmerio, erklärte. – Mit dieser Reform des Kirchenrechts wolle der Heilige Vater jenen Katholiken entgegenkommen, die sich „aufgrund psychischer oder moralischer Distanz zu oft von den juristischen Strukturen der Kirche angewendet haben“, heisst es in dem Motu proprio. Die Barmherzigkeit erfordere es, schreibt der Papst Franziskus weiter, dass die Kirche diesen Menschen, die sich von ihr getrennt fühlten, nahe sei. Der Papst betonte zugleich, dass er mit seiner Reform nicht die Nichtigkeitserklärung von Ehen fördern, sondern lediglich die Prozessdauer verkürzen wolle.

OR Nr. 39 vom 25.09.2015, S. 4
Reform des kanonischen Verfahrens für Ehenichtigkeitsverfahren (in der „Wir-Form“), Auszüge

Can. 1672:
Für Ehenichtigkeitsprozesse , die dem Apostolischen Stuhl nicht vorbehalten sind, sind zuständig:

1° das Gericht des Eheschliessungsortes;
2° das Gericht des Wohnsitzes oder des Nebenwohnsitzes einer oder beider
.   Parteien;
3° das Gericht des Ortes, an dem  die meisten Beweise tatsächlich zu erheben
.   sind.

§ 3: Die Ehenichtigkeitsverfahren sind einem Kollegium von 3 Richtern vorbehalten. Diesem muss ein Richter, der Kleriker ist, vorstehen, die übrigen Richter können auch Laien sein.

II.: Der Eherichter unter der Verantwortung des Bischofs. – Die Einsetzung des Einzelrichters, der in jedem Fall Kleriker ist, wird für die erste Instanz der Verantwortung des Bischofs übertragen, der bei der pastoralen Ausübung der eigenen richterlichen Gewalt sicherstellen muss, dass man in keinerlei Laxismus verfalle (Laxismus: Haltungen, die zu rasch und leicht Meinungen gegen ein Gesetz als begründet und annehmbar ansehen).

Can. 1675: Bevor der Richter die Ehesache annimmt, muss er zur Überzeugung gelangt sein, dass die Ehe irreparabel (nicht wieder herstellbar) gescheitert ist, sodass das eheliche Zusammenleben nicht wiederhergestellt werden kann.

OR Nr. 51 vom 18.12.2015, S. 2
Ehenichtigkeitsverfahren im Vatikan künftig gebührenfrei

Ehenichtigkeitsverfahren vor dem vatikanischen Ehegericht sollen künftig gebührenfrei sein. Das ordnete Papst Franziskus in einem Erlass an. Die Römische Rota (im Palazzo Cancelleria in der Stadt Rom mit Vatikanhoheit), die oberste Instanz für Ehenichtigkeitsverfahren, beurteilte die Fälle nach dem Prinzip der „evangeliumsgemässen Unentgeltlichkeit“, heisst es darin. Dies entbinde die betroffenen Paare jedoch nicht von der „moralischen Verpflichtung“, eine Spende zugunsten Bedürftiger zu geben. – Bislang hat die Rota eine geringfügige Gebühr für die Prozesse erhoben. Der grösste Teil der Kosten für ein solches Verfahren entfällt in der Regel jedoch auf das Anwaltshonorar. Papst Franziskus hatte die Ehenichtigkeitsverfahren erheblich vereinfacht. Unter anderem schaffte er die verpflichtende Bestätigung eines Urteils durch eine zweite Instanz ab. Mit dem Erlass vom 7. Dezember 2015 setzte er diese neuen Regeln zugleich mit Beginn des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit am 8. Dezember in Kraft. – Ehenichtigkeitsverfahren prüfen im Nachhinein, ob eine gültige Eheschliessung zustande gekommen ist oder die Ehe von Anfang an nicht war. Gründe für eine Ehenichtigkeit können neben Formfehlern etwa der Ausschluss von Nachwuchs sein. Wird eine Ehe für nichtig erklärt, können die betreffenden Paare abermals kirchlich heiraten.

OR Nr. 11 vom 18.03.2016, S. 3
Papst will zügige Anwendung von neuen Ehenichtigkeitsverfahren

Papst Franziskus hat erneut eine zügige Anwendung seiner neuen Vorschriften für die Beschleunigung von Ehenichtigkeitsverfahren gefordert. Es sei wichtig, dass „die neuen Normen sowohl der Sache als auch ihrem Geist nach angenommen und vertieft werden“, sagte er vor Eherichtern aus aller Welt. Dies gelte vor allem für die Kirchengeschichte. Die Kirchenrechtler nahmen an einem Einführungskurs in die neuen Normen für Ehenichtigkeitsprozesse teil, den die Rota Romana, das vatikanische Ehegericht, organisiert hatten. (…)

OR Nr. 24 vom 17. Juni 2016, S. 4
Ehenichtigkeitsverfahren: Der Papst ermahnt Italiens Bischöfe

Papst Franziskus hat Italiens Bischöfe schriftlich zu einer zügigen und einheitlichen Anwendung der neuen Vorschriften für beschleunigte Ehenichtigkeitsverfahren aufgefordert. Die Italienische Bischofskonferenz (CEI) solle eine Arbeitsgruppe einsetzen, um die noch offenen Fragen der Auslegung und Praxis zu klären, heisst es in dem Päpstlichen Schreiben, das die CEI veröffentlichte. Koordinator des Gremiums soll nach dem Willen des Papstes CEI-Generalsekretär Bischof Nunzio Galantino sein. Der Heilige Vater hatte im vergangenen September neue Vorschriften für Ehenichtigkeitsverfahren erlassen und diese erheblich vereinfacht und gestrafft.  Eckpunkte sind die Abschaffung eines obligatorischen zweitinstanzlichen Urteils sowie die Einführung von Schnellverfahren durch den jeweiligen Ortsbischof. Nach den neuen Normen soll ein Ehenichtigkeitsprozess im Extremfall nur noch einen Monat dauern.
Der Papst, der als Bischof von Rom auch Primat Italiens ist, hat gegenüber der CEI besondere Vollmachten. Er ernennt unter anderem den Vorsitzenden und den Generalsekretär der CEI.

bz Basel vom 21. Juli 2016, S. 25, Julia Gohl
Zivile Trauung: So viel kostet das Ja-Wort

Eine zivile Trauung zweier Schweizer an einem Werktag auf dem Standesamt Arlesheim BL kostet 335 Franken. Teurer wird’s, wenn mindestens einer der Partner ausländischer Herkunft ist. Dann können etwa Kosten für Übersetzungen oder die Echtheitsprüfung von Dokumenten anfallen. Diese sind schwer zu beziffern, weil das Zivilstandsamt dabei oft von den Preisen der Herkunftsländer abhängig ist. Kosten bis zu 1’500 Franken seien theoretisch möglich, würden in der Praxis jedoch kaum anfallen. Wer samstags heiraten möchte, zahlt einen Aufpreis von 75 Franken. Trauungen an externen Orten wie etwa in einem Schloss oderr bei entsprechendem Angebot in der Wohngemeinde kosten mindestens 100 Franken für den Mehraufwand der Schloss- oder Hauswarte. 50 Franken fallen pauschal an für die Durchführung der Trauung ausserhalb der ordentlichen Lokale sowie 50 Franken pro angebrochene Halbestunde für die Fahrt der Beamten zum Trauungsort und zurück.

bz BASEL vom 23.09.2016, Seite 6
Ständerat CH: Trauzeugen werden nicht abgeschafft

Wer in der Schweiz heiratet, muss weiterhin zwei Trauzeugen oder -Zeuginnen auf das Zivilstandsamt mitnehmen. Während der Nationalrat das Trauzeugen-Obligatorium abschaffen wollte, will der Ständerat es behalten, wie er mit 25 zu 15 Stimmen entschied. Er behandelte eine Motion von Andrea Caroni (FDP/AR) mit dem Titel „Unbürokratisches Jawort“. Diese enthielt zwei Punkte: die Abschaffung der Pflicht, mit Trauzeugen zu heiraten und die Abschaffung der Wartefrist von 10 Tagen nach dem Ende des Ehevorbereitungsverfahrens. Der Ständerat wollte jedoch nur die Wartefrist abschaffen. Das Zivilgesetzbuch soll nun entsprechend abgeändert werden. (SDA)
→Familie       →Frauen

Eheannullierungen: wiederverheiratete Geschiedene

Diskussion um wiederverheiratete Geschiedene in Belgien
Kath. Wochenzeitung Nr. 45 vom 9. November 2012, S. 4:

Der Vorsitzende der Belgischen Bischofskonferenz, Erzbischof Andre-Joseph Leonard: Er würde befürworten, wenn wiederverheiratete Geschiedene keinen Religionsunterricht gäben und auch keine katholische Schule leiteten.

Der Vorsitzende der Belgischen Bischofskonferenz, Erzbischof Andre-Joseph Leonard, sieht für wiederverheiratete Geschiedene nur eingeschränkt Berufschancen im katholischen Bildungsbereich. Er würde befürworten, wenn wiederverheiratete Geschiedene keinen Religionsunterricht gäben und auch keine katholische Schule leiteten, schreibt der Erzbischof von Mechelen-Brüssel in der Oktoberausgabe der Bistumszeitung „Pastoralia“. Dies sei eine Gewissensentscheidung. Die Betroffenen sollten sich überlegen, ob es angemessen sei, unter solchen Lebensumständen eine Schlüsselposition bei der Vermittlung der christlichen Lehre zu bekleiden. Eine Scheidung entspreche nicht der Unauflöslichkeit der Ehe, die von Jesus gewollt sei. Gleichwohl wolle er niemanden verurteilen.

Katholische Schulvereinigungen wiesen das Anliegen des Erzbischofs zurück. Die Leiterin des flämischen Sekretariats für katholischen Unterricht, Micke Van Hecke, sagte, Leonards Position sei nicht zeitgemäss. Es gebe im katholischen Unterrichtswesen seit langem Scheidungsfälle. Dies könne er nun nicht infrage stellen. Das Generalsekretariat für französischsprachigen katholischen Unterricht erklärte, der Vorschlag sei nicht mit dem geltenden Arbeitsrecht vereinbar. Es dürfte bei der Einstellung von Lehrern keine Diskriminierung geben.

Erzbischof Leonard betonte weiter, wiederverheiratete Geschiedene dürften nicht marginalisiert (ins Abseits schieben) und ausgeschlossen werden. Es sei die Aufgabe der Kirche, ihnen zuzuhören und mit ihnen zu beten. Die Gemeinschaft der Gläubigen wisse, dass die Betroffenen darunter litten, vom Kommunionempfang ausgeschlossen zu sein.

OR Nr. 47 vom 25.11.2016, S. 3
„Seelenheil“ als Massstab in Eheprozessen

Kirchliche Eherechtsverfahren müssen ihren Massstab nach Meinung von Papst Franziskus stets am geistlichen Wohl der Betroffenen nehmen. „Mit Blick auf eine gesunde Beziehung zwischen Gerechtigkeit und Liebe darf das Kirchenrecht nicht vom Grundprinzip des Seelenheils absehen“, sagte der Papst am 18.11.2016 im römischen Kirchengericht für Ehefragen, der Rota. Kirchengerichte müssten ein „spürbarer Ausdruck eines diakonischen Dienstes des Rechts“ sein.
Franziskus äusserte sich vor Bischöfen, die in den vergangenen Tagen einen Kurs über das erneuerte Eheprozessrecht in Rom absolvierten. Er verwies auf die Mahnung seines Vorgängers Paul VI. (1963-78), die Kirche müsse sich mit ihrer Verkündigung „ins Konkrete der Lebenssituationen und der Menschen begeben“. Der Papst weiter: „Das Seelenheil der uns anvertrauten Personen stellt das Ziel jede pastoralen Handelns dar“.
Die Kirche sei jenen nahe, die „wegen des Scheiterns ihrer Ehe der Gemeinschaft der Kirche fernstehen oder sich selbst ausserhalb sehen“, so Franziskus. Solche Personen blieben als Getaufte weiter Glieder der Kirche. Den Bischöfen obliege „die schwere Verantwortung des Amtes, das wir von Jesus als dem Göttlichen Hirten, Arzt und Seelenrichter erhalten haben, sie nie als getrennt vom Leib Christi zu betrachten, der die Kirche ist“. Die Oberhirten müssten sich „ihnen und ihrer ungeregelten Situation zuwenden“, so Franziskus weiter.

Kirche heute 50/2016 Dezember, S. 2
Patriarch zu Umgang mit Geschiedenen

In den Streit um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in der römisch-katholischen Kirche hat sich jetzt auch der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel ein geschaltet. Er rief dazu auf, einen Blick über Normen und Regeln hinauszuwerfen. Das Papstdokument „Amoris laetitia“, das eine Kontroverse innerhalb der Kirche auslöste, rufe „vor allem die Barmherzigkeit und das Mitleiden Gottes und nicht nur die moralischen Normen und kirchenrichtlichen Regeln von Menschen“ ins Bewusstsein, schreibt Bartholomaios I. in einem Gastbeitrag für die Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“. Bartholomaios I. ist der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel. Als Nachfolger des Apostels Andreas trägt er seit 1991 den Titel „Ökumenischer Patriarch“, der ihn zum Ehrenoberhaupt der orthodoxen Kirchen weltweit macht.

Kirche heute 1/23 2017 Dezember, S. 2
Kardinal Burke will Papst zurechtweisen

In der Debatte um den Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen könnte es zu einer neuen Eskalation kommen. Der frühere Kurienkardinal Raymond Leo Burke (WA: von Franziskus nach der Bischofssynode zurückgestuft: vom Präfekten [Kurienkardinal] der Apostolischen Signatur zum Kardinalpatron des Malteser-Ordens) kündigte in einem Interview mit dem amerikanischen Internetportal „LifeSiteNews“ eine formale Ermahnung von Papst Franziskus an, falls dieser seine Position nicht im Sinne der traditionellen katholischen Lehre präzisiere. Der Papst müsse auf das Schreiben antworten, in dem Burke und 3 weitere Kardinäle eine Klarstellung einiger Aussagen des Papstes verlangt hatten, sagte der amerikanische Kirchenjurist.
→Wiederverheiratete Geschiedene

Ehescheidung, zivilrechtliche

Katholische Wochenzeitung 43/2014 Oktober, S. 10
USA: Ehen sind stabiler, als die Statistik aussagt
Familienforscherin: Scheidungsrate liegt weit unter offiziellen Zahlen

In den USA wird keineswegs jede zweite Ehe geschieden, und Christen haben auch keine ebenso hohe Scheidungsrate wie Nichtchristen, sondern eine wesentlich niedrigere. Zu diesem Ergebnis kommt die Familienforscherin Shaunti Feldhahn (Nordcross/Bundesstaat Georgia) nach 8 Jahre währenden Nachforschungen. – Sie fand heraus, dass die seit Jahren kolportierte (gerüchteverbreitete) Scheidungsrate von 50 % auf falschen Voraussetzungen und Projektionen beruht. Das Statistische Bundesamt habe in den siebziger Jahren festgestellt, dass es in einem Jahr 2,4 Millionen Ehen und 1,2 Millionen Scheidungen gab. Doch dabei blieben die 54 Millionen bestehenden Ehen unberücksichtigt. In Wahrheit liege die Scheidungsrate bei 31 %, schreibt Feldhahn in ihrem Buch „The Good News About Marriage“ („Die gute Nachricht über die Ehe“). Über die Ergebnisse berichtet jetzt das Schweizer Magazin „Factum“ (Berneck).
Der Glaube schweisst zusammen. Demzufolge liegt die Scheidungsrate unter regelmässigen Kirchgängern bei 15 bis 20 %. Wenn Christen ihren Glauben zusammen mit ihrem Ehepartner praktizieren, halbiert sich die Scheidungswahrscheinlichkeit. Sie sinkt noch weiter bei Paaren, die vor der Ehe nicht zusammenleben.  – Das sei eine Ermutigung für alle, besonders aber für Christen. Die falsche Behauptung, dass die Scheidungsrate von Christen etwa genau so hoch sei wie unter Nichtchristen, habe eine demoralisierende Wirkung. Viele zögen daraus den Schluss, dass der Glaube keinen Unterschied ausmache. Wenn man mit einer hohen Wahrscheinlichkeit des Scheiterns der eigenen Ehe rechne, werde das Aufgeben zu einer leichteren Option. Ausserdem stelle es den Wert der Bibel in Frage, wenn es nach landläufiger Meinung nicht viel bringe, nach biblischen Massstäben zu leben.

bz BASEL vom 12.01.2015, S. 23, von Fabiana Seitz
Bis dass der Tod (oder das Gericht) uns scheidet.

Peter Naef, Leiter Zivilstandsaufsicht des Kantons Solothurn/CH, gibt Auskunft über Heirat und Scheidung von Frau und Herr Solothurner im Jahre 2014: (…)
2014: 1145 zivile Ehen geschlossen, 80 Ehen mehr als im Jahre 2013.
2014: 16 bei den gleichgeschlechtlichen Ehen, 2 mehr als im Vorjahr
In der Schweiz werden jedes Jahr um die 40’000 zivilrechtliche Bünde fürs Leben geschlossen, davon sind rund 700 zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren. Tendenz eher sinkend, wie das Bundesamt für Statistik verrät.

2014: zivilrechtliche Ehescheidungen im Kanton Solothurn: 530. Laut Bundesamt für Statistik sind vor allem junge Ehen scheidungsanfällig, jedoch ist auch ein Anstieg der Scheidungen nach einer längeren Ehedauer festzustellen. In Solothurn beträgt die durchschnittliche Ehedauer bei der Scheidung um die 15 Jahre. Gesamtschweizerisch betrachtet hat die Scheidungshäufigkeit in den letzten Jahren zugenommen. So lag die Scheidungsziffer 1970 noch bei 15 %, heute erreicht sie 42 %. Es gehen also 42 vom 100 Ehen in die Brüche.

Kirche heute 7/2107, Februar, S. 5, kath.ch/kh
Offene Türen für Wiederverheiratete

Deutsche Bischöfe legen „Amoris laetitia“ weit aus: Im Streit um den Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene in der katholischen Kirche sind die deutschen Bischöfe für eine grössere Öffnung in begründeten Einzelfällen. Die Schweizer Bischöfe werden sich mit der praktischen Umsetzung von „Amoris laetitia“ Anfang März 2017 beschaffen.
„Eine Entscheidung für den Sakramentenempfang gilt es zu respektieren“, heisst es in dem mit Spannung erwarteten Bischofswort zum Papstschreiben „Amoris laetitita“, das die Deutsche Bischofskonferenz am 1. Februar 2017 veröffentlicht hat. Im internationalen Vergleich liefern die deutschen Bischöfe damit eine relativ weit gefasste Auslegung des heftig diskutierten Papstschreibens zur Bischofssynode zu Ehe und Familie. (…)
→Familie

Eheschliessung im Vatikan

Kirchlich: Über das „Eheamt“ des Vatikans. Eheschliessung im Vatikan oder ausserhalb. Zivil: Über das „Eheamt“ des Vatikans und die Schweizer Botschaft in Rom. Kompliziert nach Aussagen der Gardisten.

Ehrentitel, Bischöfliche

Auszeichnungen, die der Bischof verleiht:

  • Geistlicher Rat: An verdiente Mitglieder des Klerus der jeweiligen Diözese.
  • Ehrendomherr (auch Ehrendomkapitular):  Aufgrund besonderer
    Verdienste um die Diözese. Dieser Titel wird auch an Angehörige anderer
    Diözesen verliehen.

Ehrentitel, Päpstliche

  • Päpstlicher Kaplan, auch Päpstlicher Ehrenkaplan, auch Kaplan, auch
    Ehrenkaplan Seiner Heiligkeit (rangtiefste Stufe): Ein Päpstlicher Kaplan
    wird mit „Monsignore“ angeredet und darf in und ausserhalb des
    Gottesdienstes einen schwarzen Talar (Rock) mit violetten Knöpfen und
    ein violettes Zingulum (einen Bauchgurt) tragen.
  • Päpstlicher Ehrenprälat, auch Prälat bzw. Ehrenprälat Seiner Heiligkeit
    (Prälat = Vorsteher), geistlicher Würdenträger der katholischen Kirche,
    dem eine bestimmte oberhirtliche Leitungsgewalt übertragen ist. Der
    Päpstliche Ehrenprälat darf im Gottesdienst die violette Chorkleidung und
    ausserhalb einen schwarzen Talar mit violetten Knöpfen und violettem
    Zingulum tragen. Die Anrede „Monsignore“ ist weiterhin korrekt, allerdings
    kann man wahlweise auch „Hochwürdigster Herr Prälat“ sagen.
  • Apostolischer Protonotar (höchste Stufe der Ehrentitel)  Ursprünglich
    waren es nur die sieben in der römischen Kurie tätigen Notare. Der Titel
    zählt noch zu den Ehrenprälaten. Der Apostolische Protonotar darf
    zusätzlich zur Kleidung des Päpstlichen Ehrenprälaten einen violetten
    seidenen Umhang tragen. Er ist Mitglied der Päpstlichen Familie.

Alle Träger dieser drei Ehrentitel werden im →Annuario Pontificio aufgeführt.

Eid

bz BASEL vom 18.05.2017, S. 6 Inland. Benjamin Rosch
Neid auf den Eid

Neues Zollgesetz: Derzeit werden sämtliche Grenzwächter und Zöllner auf das neue Zollgesetz eingeschworen – wortwörtlich.
Die Bundesräte tun es gaz bestimmt, von den Polizisten zumindest viele, Soldaten alle, wenn auch nur im Aktivdienst: Die Rede ist vom Schwören. Das Ablegen eines Eids hat eine lange Tradition in einem Land, das sich amtlich die Schweizerische Eidgenossenschaft nennt. Ausgerechnet den Grenzwächtern war diese feierliche Pflicht bisher verwehrt. Ausgerechnet dem grössten nationalen, zivilen Sicherheitsorgan. Die Grenzwächter kannten nur eine Brevetierung, mit der sie vom Rang des Aspiranten zum Mitglied des Korps aufstiegen.
Ein Umstand, der jetzt korrigiert wird. Denn die Einführung des neuen Zollgesetzes  vom vergangenen Sommer nimmt das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) zum Anlass, sämtliche 3’000 Grenzwächter auf das neue Gesetz schwören zu lassen. Doch nicht nur die: Vereidigt werden alle Mitarbeitende der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV), welche „polizeilichen Zwang oder polizeiliche Massnahmen“ anwenden, wie EZV-Sprecher David Marquis sagt.
Die Polizei war auch das Vorbild für diese neue Tradition. „Die Anpassung des Zollgesetzes ist eine Annäherung an die Gepflogenheiten bei anderen Polizeiorganen, namentlich an die Kantonspolizeikorps“, sagt Marquis. Die EZV verspricht sich davon, dass ihre Mitarbeitenden „die ihnen übertragenen Arbeiten mit Sorgfalt ausführen und die Interessen des Bundes wahren.“
Dazu werden nun an verschiedenen Orten in der Schweiz Vereidigungen durchgeführt. Das GWK nutzt diese Gelegenheit zu einer „schlichten Feier von rund 45 Minuten Dauer, bei welcher wenige interne Referenten auftreten. Danach finde ein einfacher, alkoholfreier Apéro statt. Die Aussagen eines Grenzwächters gegenüber der Nordwestschweiz, wonach für den zweistündigen Aufwand den Mitarbeitern ein Diensttag angerechnet würde, will Marquis hingegen nicht bestätigen; die Vereidigung erfolge während der Arbeitszeit.
Wer sich bei seinem Zeugnis auf das Gesetz im Übrigen jicht auf Gott beziehen will, der darf alternativ auch ein Gelöbnis ablegen. „Im Gegensatz zum Eid hat das Gelübde keinen religiösen Bezug. Vor dem Gesetz sind in der Schweiz Eid und Gelübde gleichwertig.“
→Schweizergarde, Eid

Eigeninteressen

Siehe unter „Korruption“

Einbalsamierung des Papstleichnams

→Konservierung

Eingänge/Ausgänge des Staates der Vatikanstadt

  1. Vicolo del Perugino: hinter S. Marta, besetzt durch das Korps der Gendarmerie SCV.  Güterverkehr, Autoverkehr Angestellte (Pietro Perugino, ital. Maler, * um 1448, + 1523, Lehrer Raffaels)
  2. Sant’ Uffizio auf italienischem Boden, aber auf vatikanischem Hoheitsgebiet:  Schweizergarde, allg. Autoverkehr,    Besucher/Angestellte
  3. Arco delle campane (Carlo Magno), Schweizergarde, Besucher Scavi (Ausgrabungen) und Campo Santo, Gärten, Vatikan, kein Autoverkehr
  4. Portone di Bonzo, Schweizergarde, Besucher nördliche Vatikanseite, Papstpalast, Audienzbillette, nur Fussgänger. Besucher Papstpalast. Jungverheiratete.
  5. St. Anna, Schweizergarde, regster Fussgänger- und  Autoverkehr. Morgens ab 05.45 ergiesst sich der Autoverkehr (Vatikanangestellte gehen an die Arbeit, Gütertransport  für Druckerei und Annona.). Besucher für den wirtschaftlichen Teil des Vatikans, Ärzte, Ambulatorium, Post, Apotheke, Annona. Bis 01.15 Uhr offen.
  6. Santa Rosa, Piazza Risorgimento, B. di Michelangelo.  Nur Angestellten-Ausgang zu Mittag und nach Feierabend, zzt. 2 x 2 Stunden geöffnet, 1230-1430, 1630-1830. Kein Eingang. Besetzt durch das Korps der Gendarmerie SCV

(Insgesamt sind 16 Türen im Mauerwerk der Vatikangrenze.)

Die Eingänge sind verschieden offen. Für Einlass Klingel läuten. Einige schliessen um 20.00 Uhr, St. Anna als letztes um 01.15 Uhr, ab 05.45 Uhr offen.
Die Garde führt an ihren 4 Eingängen ein Tages-Journal und beschreibt, was alles passiert. Auch alle Personen, die nach Torschluss   ein- und austreten, werden namentlich in das Journal eingetragen. Die Journale gehen dann an alle Gardeoffiziere und werden nachher archiviert. Früher mussten die Personen, die nach Schliessung der Tore eintraten (Priester), schriftlich an das Staatssekretariat gemeldet werden.

Neu: Neue Normen für die vatikanische Staatsbürgerschaft, zum Wohnrecht und zum Zugang zum SCV.
→Nebenregister  „Eingänge“ unter „E“

Einheit der Christen

Kirche heute 9/2016, Februar, S. 1, Alois Schuler
Christenverfolgung bringt Moskau und Rom zusammen. Erste Begegnung eines Patriarchen von Moskau mit einem Papst seit der Kirchenspaltung vor 1000 Jahren.

Die 14 selbstständigen orthodoxen Kirchen bilden mit rund 220 Millionen Mitgliedern die drittgrösste christliche Konfessionsfamilie nach den Katholiken und den Protestanten. Dem Moskauer Patriarchat unterstehen dabei rund drei Viertel aller Orthodoxen. Entsprechend bedeutsam ist das erste Zusammenkommen eines Papstes mit einem Patriarchen von Moskau. Patriarch Kyrill und Papst Franziskus trafen sich am 12. Februar 2016 im Flughafengebäude von Havanna/Chile. – Mit einer gegenseitigen Exkommunikation von Papst Leo IX. und Patriarch Michel I. von Konstantinopel trennten sich Ost- und Westkirche im Jahre 1054. Die gegenseitigen Bannsprüche wurden erst 1965 von Papst Paul VI. und Athenagoras, damals Patriarch von Konstantinopel, dem innerhalb der Orthodoxie ein Ehrenprimat zukommt, zurückgenommen. (…)

Einkaufsmöglichkeiten im Vatikan 

→Annona   →Bahnhof

Einwohner/innen des Vatikanstaates

Stichtag 31. Dezember 2005: Im Staat der Vatikanstadt leben 557 Einwohner/innen (Staatsbürger). Dabei handelt es sich um 58 Kardinäle, 293 Kleriker (Mitglieder von päpstlichen Einrichtungen), 62 weitere Kleriker, 101 Mitglieder der Schweizer Garde und 43 Laien. Dazu wohnen etwa 50 Residenti im Vatikanstaat; Personen ohne vatikanischen Arbeitsauftrag, wohl aber als Angestellte eines Vatikanbürgers. Beispiel: Eine Ordensschwester als Haushaltangestellte bei einem Kardinal (Papst Franziskus hat nichts übrig für Putzen und Bügeln von Ordensschwestern bei Würdenträgern).

Einwohner/innen: normalerweise zwischen 550 bis 650, was da sind: Schweizergarde, hohe Beamte und Priester vom Staat und dem heiligen Stuhl mit Servicepersonal.  Wenige Gendarmen, Campo santo teutonico, Berufe, die die Anwesenheit erfordert (z. B. Chef Gendarmerie, Besetzung  Ambulatorium, Apotheke) usf.
→Staatsbürgerschaft (unter Bürgerschaft), →Angestellte 2006  →Bürger

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan:
Das Staatsvolk des Vatikans bestand im Jahre 2007 aus 546 Bürgern, davon 56 Kardinäle, ein Papst, 298 Funktionäre des Heiligen Stuhles mit diplomatischem Status, 61 andere geistliche Würdenträger, 98 Schweizergarden und 41 Laien, davon 21 weiblichen Geschlechts. 249 Nichtbürger haben ebenfalls das Recht, im Vatikan zu wohnen. In den exterritorialen Gebieten ausserhalb der Mauer leben noch einmal 3’100 Menschen, Seminaristen, Dozenten, Hausmeister, Mönche oder Nonnen. Weil manche Besitzer eines SCV-Passes ausserhalb der Mauern Quartier genommen haben und die Nuntien sowieso im Ausland residieren, beträgt die Zahl der tatsächlich im Vatikan lebenden Menschen 467. Anders gesagt, mit einer Siedlungsdichte von 1061 Einwohnern pro km2 ist der Vatikan einer der dicht besiedeltsten Staaten der Erde. In der weltweiten Liste liegt er auf dem 7. Platz, gleich hinter Bangladesch. Die Geburtenrate liegt mit 0,0018 nur knapp über derjenigen der Antarktis. Seit 2005 wird durchschnittlich ein Kind pro Jahr geboren, allesamt von Unteroffiziers- und Offiziersfrauen der Schweizergarde.

OR Nr. 10 vom 11.03.2011:
Derzeit besitzen 572 Personen die vatikanische Staatsbürgerschaft, 221 Personen wohnen auf vatikanischem Gelände, ohne Staatsbürger zu sein.

Eisenbahn des Kirchenstaates

Siehe unter „Bahnhof“

Elektrofachgeschäft im Vatikan

→Kleidergeschäft    →Bahnhof

Elemosineria Apostolica  

→Almosenamt

Emblem des Heiligen Stuhles 

→Heraldik des Vatikans

England  

(König Heinrich VIII.)
→Geheimarchiv

Englisch Andreas: FRANZISKUS

Englisch Andreas, FRANZISKUS, Zeichen der Hoffnung
Vom Erbe Benedikts XVI. zur Revolution im Vatikan
1. Auflage 2015, btb, ISBN 978-3-442-74880-8
Auszüge mit Seitenangabe

Seite 21: Papstwahl von Franziskus
Das Oberhaupt der Kardinäle, Kardinal Giovanni Battista Re, fragt Bergoglio, ob er die Wahl annehme. Das tut er und gibt dann eine überraschende Antwort auf die Frage, wie er sich nennen wolle: „Franziskus.“ Noch nie hiess ein Papst Franziskus. Das ist ein Paukenschlag. Ausgerechnet ein Papst nennt sich nach dem Hungerleider aus Assisi. Was für eine kolossale Ohrfeige das für die Kurie bedeutet, versteht auf Anhieb jeder, der wenigstens im Kreis der Gäste gehörte, die in der Vergangenheit an den Festivitäten der Kurie teilnehmen durften. Der langjährige Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano, der die Kurie massgeblich prägte, liess etwa zur Feier des Beginns seiner Amtszeit ein komplettes Orchester zu einem prächtigen Fest in die Vatikanischen Gärten einfliegen. Den Kurienkardinälen, die ihre Mercedes-S-Klasse-Limousinen schätzen, schaudert bei der Vorstellung, was der neuer Papst in wenigen Minuten vor den Gläubigen wohl sagen wird.

Seite 30: Korruption
Korruption und Geldwäsche in Vatikan und Kirche
Das Unheil nimmt mit dem letzten Tag des Jahres 2011 seinen Lauf: Am 31. Dezember stirbt Don Luigi Maria Verzé im gesegneten Alter von 93 Jahren. Der charismatische Gründer des Grosskrankenhauses San Raffaele in Segrate bei Mailand galt viele Jahre als lein leuchtendes Beispiel für einen aufopferungsvollen Priester. Doch kurz nach dem Tod von Don Verzé brechen alle Dämme: Mitarbeiter und Weggefährten packen aus und verraten, wer der Priester wirklich war. Er soll mit regelrechten Mafiamethoden gearbeitet, Drohungen und Erpressungen eingesetzt haben, um Baugrundstücke zu erhalten, die an die Ländereien des Krankenhauses grenzten und deren Besitzer nicht verkaufen wollten. Im Jahre 1976 war Don Verzé wegen Anstiftung zu Korruption zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden, 1988 wegen Verstosses gegen das Baugesetz und Missachtung von Baugenehmigungen ein weiteres Mal. Doch damit nicht genug. Der Priester hatte ganz offensichtlich einen fatalen Hang zur Prasserei. Nach seinem Tod tauchten erste Fotos auf, die ihn in Feierlaune im Wellness-Schwimmbad eines Luxusressort in Brasilien zeigen. Er verbrachte dort keineswegs nur seinen Urlaub, die Anlage gehörte zu seinem Krankenhaus-Imperium. Um nicht die Unbequemlichkeiten eines Linienfluges nach Brasilien auf sich zu nehmen zu müssen, flog der Priester in einem Privatjet, um komfortabel in sein Resort zu gelangen.
Rettung der finanziellen Situation: Um Kardinalstaatssekretär Bertones Plan, das San-Raffael-Krankenhaus zu retten und in die Tat umsetzen zu können, benötigt er Geld, viel Geld. Mindestens jedoch sofort 200 Millionen Euro und dann weitere 800 Millionen. Auftreiben soll das Geld natürlich die Vatikanbank. (…)

Seite 33:
Der Aussenmister im Vatikan, Bischof Carlo Maria Viganò
Siehe unter Fa-Fi; Nebenregister „Finanzen  Heiliger Stuhl und Staat der Vatikanstadt“

Seite 59: Papst in den Favelas
Wie man das macht, sich in Südamerika an die Seite der Menschen zu stellen, hatte Karol Wojtyla mit einer geradezu unerhörten Geste gezeigt. Er hatte ein Armenviertel in Rio de Janeiro (Januarfluss) besucht, das nur ein paar hundert Meter von einem Luxushotel und dem berühmten Strand von Copacabana entfernt liegt. Angesichts der erschütternden Armut schenkte der Papst seinen Siegelring, den Ring des Fischers, einer alleinerziehenden Mutter und ihren Kindern. Das war ein Skandal für die Kurie, das war noch nie vorgekommen. Der Ring des Papstes, der Fischerring, ist das Zeichen der Würde des Papstes, er muss nach seinem Tod zerstört werden. Ihn wegzuschenken war undenkbar. Auch wenn die Kurie den rebellischen Papst aus Polen für diese Geste auf Jahre immer wieder rügen wird, bei den Menschen in Lateinamerika hinterlässt das einen gewaltigen Eindruck.
WA: Text mit Bild aus dem L’Osservatore Romano: „Papst Johannes Paul II. besuchte bei seinem ersten Pastoralbesuch in Brasilien im Jahre 1980 eine Familie, die in den „Favelas“ lebt. Tief beeindruckt von der Armut, in der die Menschen dort ihr Dasein fristen, schenkte er dem Pfarrer, Don Italo Coetho, seinen Ring, damit er mit dessen Verkaufserlös die Ärmsten unterstütze. Bild: Der Papst hält seinen übergebenen Ring an der rechten Hand des Pfarrers.

Seite 78: Einer der ohnmächtigsten und schwächsten aller Päpste
Ungewöhnlich ist an diesem Vormittag (11.02.2015, Eröffnung des Rücktritts von Benedikt XVI.) im Vatikan nur eines: die Präsenz des Oberhauptes, also des Dekans der Kardinäle und langjährigen Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano (*1927). Dass der alte Herr zu einer relativ banalen Versammlung kommt, bei der es um Seligsprechungen geht, erscheint von Anfang an bemerkenswert. Sodano hat sich rar gemacht in den zurückliegenden Jahren, aber jetzt steht er da in dem Raum, und unsicher sucht Papst Benedikt XVI. seinen Blick.  Später werden sich viele fragen, warum der liebe Gott Joseph Ratzinger diese letzte Schmach, diese letzte Prüfung, nicht erspart hat. Jeder Theologe im Vatikan wäre an diesem Tag, an dem Benedikt XVI. seinen Rücktritt erklärte, persönlich bis ins Mark erschüttert gewesen darüber, dass die Epoche der grossen Theologen auf dem Thron Petri jetzt zu Ende ging. Jeder Theologe hätte angesichts der Lebensleistung des Joseph Ratzinger alles getan, um ihm diesen Abschied so leicht wie möglich zu machen und ihm das Gefühl zu geben, einen der ganz grossen Denker in der Geschichte der katholischen Kirche gewesen zu sein. Aber Benedikt XVI. hat keinen Theologen vor sich, sondern einen Politiker, dem langjährigen Chef des Staatssekretariates, der wie kein anderer dafür gesorgt hat, dass dieser Papst aus Deutschland als einer der ohnmächtigsten und schwächsten aller Päpste in die Geschichte der Kirche eingehen wird. Benedikt XVI. muss an diesem Tag seinen Rücktritt dem Dekan der Kardinäle mitteilen, dass ab 28. Februar 2013, 20.00 Uhr, der Thron des Papstes frei sein wird.

Seite 98: Rücktritt Benedikt XVI. (Siehe auch: „Papstrücktritt“)
In den Stunden nach dem Rücktritt Benedikt XVI. meinte man unisolo, leicht zu erkennen zu können, warum der Papst zurückgetreten sei. Der Papst hatte zwei Gründe genannt, und auf den ersten stürzten sich nun alle Kommentatoren. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel beglückwünschte den Papst zu dem mutigen Schritt, angesichts des Schwindens seiner Kräfte zurückzutreten. Die ganze Welt schien sich auf die Tatsache geeinigt zu haben, dass der 85-jährige Papst zurückgetreten war, weil er sich einfach zu schwach gefühlt habe für sein Amt. Aber das stimmte nur zum Teil. Papst Benedikt XVI. hatte neben der körperlichen Schwäche noch einen zweiten Grund genannt, und der ist weit überraschender als der erste. Im lateinischen Originaltext heisst es, dass „vigor quidam corporis et animae necessarius est“, dass also eine gewisse Kraft des Körpers („corporis“) notwendig ist für ein schwieriges Amt, aber auch eine gewisse Kraft der Seele („animae“), die er nicht mehr habe. Das war die Kraft, die dem Papst abhandengekommen war, und sie war ihm abhandengekommen, weil er allein gelassen worden war. (…) Gemessen am körperlichen Zustand des Karol Wojtyla gegen Ende seines Pontifikates war Benedikt XVI. an seinem letzten Arbeitstag als Papst, am 28. Februar 2013, das blühende Leben.

Seite 117: Petrus war selbstverständlich verheiratet
Siehe unter „Zölibat“

Seite 126: Sexmonster und Ordensgründer Marcial Maciel Degollado
Siehe auch unter „Skandale?“

Seite 126: Los Angeles: über 660 Millionen US-Dollar für Missbrauchs-Opfer bezahlt
Wenige Tage vor der Ankündigung des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. hatte der Erzbischof von Los Angeles eine Lawine losgetreten. Hätte er gewusst, dass Papst Benedikt XVI. kurz vor einem Rückzug stand und ein Konklave einberufen werden musste, hätte er diesen Schritt sicher nicht getan. Aber so entschloss sich Erzbischof José Gómez am 1. Februar 2013 in Los Angeles, der grössten Diözese der USA und einer der grössten der Welt,  zu einem beispiellosen Schritt. Statt sich wie üblich für das Lebenswerk seines Vorgängers Roger Michael Kardinal Mahony (*1936) zu bedanken, erklärte er, dass er seinen Vorgänger keineswegs verehre, sondern ihn wegen der Vertuschung von Fällen sexuellen Missbrauchs von allen Ämtern ausschliesse. Gleichzeitig warf Gómez den Weihbischof Thomas Curry hinaus. Curry hatte zusammen mit Mahony systematisch versucht, die Strafverfolgung von Priestern, die sich an Kindern und Jugendlichen sexuell vergangen hatten, zu vereiteln. Für den guten Erzbischof José Gómez war das ein mutiger Akt, er wollte endlich einen Schlussstrich ziehen, auch wenn dabei einer der bekanntesten amerikanischen Kardinäle sein Ansehen restlos verlieren würde. In Los Angeles waren 2007 schliesslich Entschädigungen an die Opfer in Höhe von über 660 Millionen US-Dollar gezahlt worden, was die Diözese an den Rand eines Bankrotts brachte.
(WA: Es sei Kardinal Mahony Schützenhilfe zu leisten: Das war die Philosophie von Papst Wojtyla und Kardinal Ratzinger, Glaubenskongregation, alle Missbräuche zu verschweigen und unter den Teppich zu kehren. Alle Kardinäle und Bischöfe hatten sich daran zu halten.)

Seite 262: Der politische Tiefpunkt von Benedikt XVI.
Der politische Tiefpunkt Papst Benedikt XVI. ist im Januar 2009 der Tag, an dem Israel mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Vatikan drohte, nachdem er einen Holocaust-Leugner rehabilitierte (das Ansehen wieder herstellen) und dessen Exkommunikation aufgehoben hatte. Israel nahm dem Papst aus Deutschland einfach nicht ab, dass er nicht wusste, dass Bischof Richard Williams im Visier der kanadischen Justiz  stand, weil er kategorisch den Holocaust (Tötung einer grossen Zahl von Menschen, besonders der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus 1933-45) in öffentlichen Ansprachen geleugnet hatte. Einem Papst aus Deutschland durfte das nicht passieren. Auch die Reise nach Israel im Mai 2009, vor allem Benedikts Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem (hebräisch: Denkmal und Name), sollte als Enttäuschung gewertet werden. In Gestalt von Papst Franziskus wird der Vatikan jetzt neu damit beginnen müssen, eine Brücke zu dem Land zu bauen, auf dessen Territorium der Jude Jesus von Nazareth gelebt und gewirkt hat.

Seite 289: Einer der grösster Skandale
Mit den ultrakonservativen Gruppen der Kirche (siehe unter „Gruppierungen“) hat Papst Franziskus nichts zu tun. Er kennt zwar die Bewegung der „Brüderschaft Pius X.“, die Anhänger von Marcel Lefebre, auch den Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson, der in Argentinien ein Seminar leitete und dessen Rehabilitierung durch Papst Benedikt XVI. einer der grössten Skandale des Pontifikates des Deutschen war. Aber Bergoglio stellte immer klar, dass er mit den Pius-Brüdern nicht zu tun haben wolle. Der Versuch des Joseph Ratzinger, die Lefebvrianer wieder in die Kirche zurückzuholen, dürfte mit der Wahl Bergoglios gescheitert sein. Auch eine andere Gruppe Ultrakonservativer hat Bergoglio bekämpft: Priester, die sich weigern, Kinder unverheirateter Mütter zu taufen. Er rief sie zur Ordnung und gemahnte sie daran, dass alle Kinder von Gott geliebt würden.

Seite 314: … dass der Druck auf Papst Benedikt, zurückzutreten, …
Die letzte, nicht veröffentlichte Enzyklika (3: Glaube, Hoffnung, Liebe) gibt ein grosses Rätsel auf. Entweder war die Schrift dem ehemaligen Papst egal, dann wäre er zurückgetreten in der Absicht, sie einfach verschwinden zu lassen, möglicherweise weil er sie für misslungen oder überflüssig hielt – oder aber diese Arbeit bedeutete ihm sehr viel. Aber warum war er dann Knall auf Fall zurückgetreten, ohne sich wenigstens die Zeit zu nehmen, die Enzyklika zu Ende zu schreiben und zu veröffentlichen, was kaum mehr als ein paar Wochen gedauert hätte? Die Enzyklika galt als der Beweis dafür, dass der Druck auf Papst Benedikt, zurückzutreten, so gross gewesen sein muss, dass er sogar in Kauf nahm, dass seine Arbeit an der geplanten Enzyklika vergeblich gewesen war.

Enzyklika

Was ist eine Enzyklika?

Kirche heute 36/2012 September, S. 2:

Ihr Lehramt üben die Päpste seit Mitte des 18. Jahrhunderts vor allem durch grössere „Rundschreiben“, Enzykliken, aus. Sie richten diese an die Bischöfe der ganzen Welt, an alle Gläubigen (Katholiken) oder aber, wie 1963 Johannes XXIII. in „Pacem in terris“, an alle Menschen guten Willens. Benannt werden die Lehrschreiben nach den ersten Worten des Textes. Besonders viel zu reden gab die 1968 von Paul VI. verfasste Enzyklika „Humanae Vitae“, die sogenannte „Pillenenzyklika“. Benedikt XVI. hat bisher drei Enzykliken verfasst, die jüngste 2009 über die ganzheitliche Entwicklung des Menschen „Caritas in veritate“. Alois Schuler

OR Nr. 7 vom 13.02.2015, S. 4

Die Gefahren durch den Klimawandel standen im Mittelpunkt einer Begegnung von Papst Franziskus mit dem Präsidenten von Kiribati, Anote Tong. Bei der Begegnung sei es um die besorgniserregenden Konsequenzen für das pazifische Insel-Atoll gegangen, heisst es in einer anschliessenden Pressemitteilung. Hoffnungen setzten Papst Franziskus und Präsident Tong demnach auf die internationale COP-21-Konferenz kommenden Dezember in Paris. Der Heilige Vater will seine Enzyklika zum Thema Klimawandel und Umweltschutz rechtzeitig vor dem UN-Weltklimagipfel in Paris bereits im Juni oder Juli 2015 veröffentlichen.

Kirche heute 27/2015 Juni, S. 2
Enzyklika wichtig für Orthodoxie

Die Umweltenzyklika von Papst Franziskus (Laudato si‘ – gelobt seist du) hat nach den Worten des Metropoliten von Pergamon, Ioannis-Zizioulas, auch für orthodoxe Christen grosse Bedeutung. Im Namen der Weltorthodoxie sprach Zizioulas dem Papst „tiefe Dankbarkeit“ dafür aus, dass Franziskus seine hohe moralische Autorität der Bewahrung der Schöpfung gewidmet hat.

OR Nr. 26 vom 26.06.2015, S. 4
Die soeben veröffentlichte Enzyklika „Laudato si'“ (Laudato si‘, mi‘ Signore – Gelobt seist du, mein Herr) wird am 2. und 3. Juli Thema einer hochrangigen internationalen Konferenz im Vatikan sein. Die politischen Prozesse rund um den Klimawandel, der zum Jahresende Thema beim Pariser UN-Gipfel ist, aber auch der Einsatz der Kirche in diesem Bereich, werden Thema der Veranstaltung sein, die vom Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden und dem Weltdachverband der katholischen Hilfswerke CIDSE organisiert wird. Rund 180 Teilnehmer aus allen Kontinenten werden zu dem „Gipfeltreffen“ im römischen Augustinianum (Via Paolo VI., 25, links neben Petersplatz)erwartet, wobei zu den Referenten Wissenschaftler, Politiker, Menschenrechtsaktivisten sowie Kirchenvertreter aus dem globalen Süden gehören. Als Vertreter der Römischen Kurie werden die Kardinäle Peter Turkson und Pietro Parolin Vorträge halten.

Etikette im Kirchenraum

Kath. Wochenzeitung Nr. 7 vom 17.02.2012:
Gute Manieren im Hause Gottes

Ein Priester in Mexiko City gibt Anleitungen zum angemessenen Verhalten  (Knigge) während der heiligen Messe. „Schaltet eure Mobiltelefone aus, zieht euch entsprechend an und kommt rechtzeitig in die Kirche“, empfiehlt er den Gläubigen. Wer diese Regeln beachte, könne die heilige Messe besser mitfeiern.

Viele Messbesucher hätten anscheinend vergessen, wo sie seien, schreibt Pater Sergio Roman in einem Artikel in der Zeitung der Erzdiözese Mexiko City. „Raucht nicht, esst nicht und trinkt nicht in der Kirche. Kaut keine Kaugummis und klebt sie nicht unter die Bänke“, fordert der Priester die Gläubigen auf.

Die heilige Messe  sei eine Feier, zu der man entsprechend erscheinen müsse, redet er den Gläubigen ins Gewissen. Konkret heisst das: „Nehmt ein Bad, nehmt eure Hüte ab und kleidet euch passend. Respektiert die liturgischen Haltungen.“

Familien mit kleinen Kindern hätten ein Recht, an der Messe teilzunehmen, auch wenn die Kinder weinen. Er ersucht die Eltern, in diesem Fall mit den Kindern kurz hinauszugehen, bis diese sich wieder beruhigt hätten. Sein Mesner sei auf diese Situation vorbereitet, schreibt er. Er hat „einen Korb mit Lutschern, die er an Kinder verteilt, die weinen.“ Im Lauf der Zeit würden die Kinder verstehen, dass sie während der heiligen Messe ihre besten Manieren an den Tag legen müssten.

Eucharistiefeier

Siehe unter „Messe, Heilige“

Euro des Vatikans

Kath. Wochenzeitung, Nr. 5 vom 03.02.2012:

Vor 10 Jahren wurde die neue Währung im Vatikan eingeführt.
Johannes Paul II. liess 2 Monate auf sich warten. Die niederländliche Königin Beatrix, Grossherzog Henri von Luxemburg und den Bundesadler; sie alle gab es schon auf der Rückseite der Euro-Münzen, nur das Konterfei (veraltet für Abbild, Bildnis) des Papstes verspätete sich. Offiziell wurde der Euro zwar auch im Vatikan am 1. Januar 2002 eingeführt, die ersten vatikanischen Münzen gab es jedoch erst am 1. März. Schuld daran war die italienische Prägeanstalt, die nicht rechtzeitig fertig wurde.

Die ersten vatikanischen Münzen wurden nicht am Schalter der Vatikanbank IOR ausgegeben, sondern vom Souvenirladen am Petersplatz. Und dieser Ort war durchaus bezeichnend: Denn bis zum vergangenen Jahr 2011 war der päpstliche Euro in erster Linie ein Sammlerobjekt und praktisch kein reguläres Zahlungsmittel, sein bevorzugter Aufbewahrungsort waren Holzschrank oder Glasvitrine, nicht das Portemonnaie.

Der Verkauf der Münzen bildete – und bildet – eine lukrative Einnahmequelle für den  Kirchenstaat.. Die ersten Sets mit einem Nennwert von 3,88 Euro (CHF 4.70) etwa wurden für 12 Euro (CHF 14.50) verkauft und waren schon nach wenigen Tagen vergriffen. Pilger und Touristen, die Geld nicht kaufen wollen, können sich erst seit Dezember 2010 grössere Hoffnungen auf eine Münze mit dem Konterfei des Papstes machen. Damals verpflichtete sich der Vatikanstaat in einem Abkommen mit der EU, mehr als die Hälfte seiner jährlich geprägten Münzen zu ihrem Nennwert in den regulären Zahlungsverkehr zu bringen. Dafür durfte der Vatikan nun Münzen im Gesamtwert von 2,3 Millionen Euro (CHF 2.8 Millionen) statt bislang 1,1 Millionen Euro (CHF 1.3 Millionen) prägen. Wer eine Münze mit dem Bildnis vom Papst in der Hand halten möchte, sollte Briefmarken der Vatikanpost kaufen und auf keinen Fall passend bezahlen

„Teuro“ im Kirchenstaat: Sonst bleibt nur die vage Hoffnung, dass sich irgendwann einmal eine vatikanische Münze auf Umwegen ins Portemonnaie verirrt – oder der Gang nach Canossa: In einem Münzgeschäft in der Nähe des Petersplatzes (WA: in Vatikanbesitz?) etwa kostet ein komplettes vatikanisches Münz-Set aus dem Jahr 2011, Nennwert 3,88 Euro (CHF 4.69), mittlerweile 75 Euro (CHF 91), für 208 sind es schon 150 Euro (CHF 181).

Vatikan darf Geld drucken nach Bedarf. Dass Regierungen Geld nach Bedarf drucken lassen, gilt in Zeiten der Euro-Krise als Albtraum. Der Vatikan jedoch darf dies, und zwar in drei besonderen, von der EU genehmigten Fällen:

–          eine Vakanz des päpstlichen Stuhles (Sedisvakanz)
–          einem Heiligen Jahr oder
–          eines Konzils

Erlaubt ist allerdings jeweils nur eine Prägung mit einem Gesamtwert von Euro 300’000 (CHF 362’000).

Wie viel Vertrauen der Euro gegenwärtig im Vatikan geniesst, ist nicht bekannt. Im krisengeschüttelten Italien jedenfalls hat nach einer jüngsten Umfrage mittlerweile mehr als die Hälfte der Bürger das Vertrauen in die gemeinsame Währung verloren. Nur so viel steht fest: Auf der Gehaltsbescheinigung der Angestellten im Vatikan steht auch nach 10 Jahren immer noch 2 Beträge: einer in Euro, und einer in Lira.

Evangelische Kirche

Siehe auch unter „Christen“, unter „Frauen“

Katholische Wochenzeitung Baden CH, 45/2016 November, S. 4
Die evangelische Kirche feiert: Doch ihr Zustand ist „traurig“

„Welt am Sonntag“ fragt: „Warum glaubt die evangelische Kirche so wenig an sich?“ – Kirchen machten aus der Botschaft Jesu einen „Larifari-Glauben“ (Geschwätz, Unsinn): „Sie sind so liberal, dass sie oft schon belanglos sind.
Am 31. Oktober 2016 (Reformationstag) begannen die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation. Aus ihr ging die evangelische Kirche hervor. Sie befinde sich heute in einem „traurigen Zustand“. Man sehe eine „träge, ausgeblutete Truppe“. So heisst es in einem Kommentar der „Welt am Sonntag“ (Berlin). 270’000 Frauen und Männer hätten allein 2014 ihren Austritt erklärt. Wenn nicht gerade Weihnachten ist oder eine Trauung, seien die Kirchenbänke in der Regel lediglich vereinzelt besetzt. Das Luther-Lied „Eine feste Burg ist unser Gott“ erfülle die Kirchenräume nur noch mit dünnem Klang, schreibt die Autorin Claudia Becker unter der Überschrift „Allein es fehlt der Glaube“. Nach ihren Worten wäre es aber nicht gerecht, der Kirche allein die Schuld an ihrem „ausgemergelten Zustand“ zu geben. Sie trage das Erbe zweier totalitärer Systeme, die das Christentum als „undeutsch“ bzw. als „Opium für das Volk“ verunglimpft hätten. Zudem müsse die Kirche „mit einer schier unübersichtlichen Palette an weltanschaulichen Alternativen konkurrieren, die von fernöstlich geprägten esoterischen Bewegungen bis zum Atheismus reichen“. Man dürfe die Kirche aber nicht aus ihrer Verantwortung entlassen.
Die Kirchen machen aus der Botschaft Jesu einen „Larifari-Glauben“. Die Autorin fragt: „Warum glaubt die evangelische Kirche so wenig an sich?“ Schliesslich „hatte Jesu tolle Ideen“. Er habe von Vergebung, Toleranz, Liebe und Freundschaft gesprochen. „Er hat den Menschen so viele Werte vermittelt, die ein gutes Leben mit sich und den anderen ermöglichen. Er könnte ein grosses Vorbild sien. Gerade heute.“ Aber die Kirchen machten aus der Botschaft Jesu einen „Larifari-Glauben“: „Sie sind so liberal, dass sie oft schon belanglos sind.“ Von Leidenschaft, von einem Glauben, für den man brenne, davon könne kaum die Rede sein. Die Kommentatorin macht auch die Pfarrerschaft für die Krise verantwortlich: „Fragt man einen Pfarrer, wie es eigentlich ist mit dem Leben nach dem Tod, guckt er ganz erschrocken, als hätte man etwas Unanständiges gesagt.“ Die Pfarrer sollten „nicht immer so selbstmitleidig tun, dass sie angeblich keiner will“. Die Autorin empfiehlt, die kirchlichen Möglichkeiten besser zu nutzen. Im Blick auf Geburten fragt sie: „Warum guckt da nicht grundsätzlich die Krankenhausseelsorgerin vorbei, für ein Lächeln, ein Gespräch, für ein „Hallo“ zum Geschenk des Himmels?“ Warum komme der Pfarrer nicht wenigstens einmal die Woche mit Gitarre und Kinderbibel in den evangelischen Kindergarten? Natürlich gebe es auch „die anderen, die engagierten Pfarrerinnen und Pfarrer“, die sich aufrichtig bemühten, mit ihren Konfirmandinnen und Konfirmanden die Essenz christlicher Lehre herauszuarbeiten.
Mehr von der Lebendigkeit der Freikirchen „herüberbringen“. Es müsste, so Becker, noch viel mehr von denen geben, „die nicht den Eindruck vermitteln, Dienst nach Vorschrift zu tun – die etwas mehr von der Lebendigkeit der Freikirchen herüberbringen, jener Bewegung, die gerade in der traditionell kirchenfernen Gruppe der Grossstadtmenschen an Zulauf gewinnen“. Beispiele, wo es der evangelischen Kirche gelinge, Menschen in der Moderne etwas zum Leben zu geben, seien „die viel besuchten Bildungsangebote der Evangelischen Akademien, die grossartigen Kirchenkonzerte, die evangelischen Schulen, die nach wie vor zu den beliebtesten in Deutschland gehören“. Dass die Kirche Massen begeistern könne, davon zeugten auch die Kirchentage, in denen über Politik diskutiert werde. Hier zeige der Protestantismus, „dass er durchaus mitreden kann“.

EWTN Fernsehen

Sie unter „Fernsehsender“

Ex Cathedra Petri

Wörtlich: vom Lehrstuhl des Petrus aus. Bezeichnet einen Ausspruch des Papstes, der nach dem 1870 verkündeten Dogma (I. Vatikanisches Konzil) als „unfehlbar“ und allgemein verbindlich gilt. Im weiteren Sinn spricht man von „Ex-Cathedra-Entscheidungen“ bei Verkündungen von massgebender Stelle aus, also bei verbindlichen Lehrsätzen. Nach „Alfred Sellner, Latein im Alltag“, S. 43

Exkommunikation

Exkommunikation bedeutet den Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinde durch den Bischof oder Papst, nicht jedoch aus der Kirche selbst, da die Aufnahme in die Kirche durch die Taufe unwiderruflich ist. Eine Exkommunikation erfolgt aufgrund eines bestimmten Vergehens, z. B. Häresie (Kätzerei, Irrlehre). Der Exkommunizierte verliert alle kirchlichen Rechte, darf keine Sakramente empfangen oder spenden, weder aktiv noch passiv am Gottesdienst teilnehmen und erhält kein kirchliches Begräbnis.

Exkommunikation bzw. Kirchenbann hatte im Mittelalter die weltliche Reichsacht (Acht, die für das ganze Reich galt und nur vom König oder den königlichen Gerichten ausgesprochen werden konnte. Acht = Friedloserklärung eines Verbrechers mit Einziehung seines Vermögens). Der Geächtete galt als „vogelfrei“. Das bedeutete, er durfte kein Eigentum besitzen, war nicht mehr durch Recht und Gesetz geschützt und konnte sogar ungestraft getötet werden.

Exorzismus

Erie Vandeville, Glanz und Geheimnis des Vatikan, RvR Verlag, S. 144:

Die Exorzisten des Vatikan
Es ist offiziell: der Teufel existiert!

Das wird im Dekret „Neuer Ritus für Exorzismen“ bestätigt, das am 26. Januar 1999 vom Vatikan veröffentlicht wurde. Das Dokument verkündet die Existenz des Teufels und damit die Notwendigkeit, in Ausnahmefällen exorzistische Massnahmen einzuleiten. Es bezieht sich auf zahlreiche Passagen des Alten Testaments, die Satan erwähnen, und erinnert an die Definition des Vierten Laterankonzils von 1215: „Der Teufel und die anderen Dämonen sind von Gott der Natur nach gut erschaffen, aber durch sich selbst böse geworden [….]“. Der Exorzist, ein Priester, der vom Bischof seiner Diözese ernannt wird, muss äusserst behutsam vorgehen. Er muss prüfen, ob es sich um eine tatsächliche Besessenheit oder um eine psychische Störung der Person handelt. Anzeichen für eine Besessenheit sind: Sprechen unbekannter Sprachen, Wissen um die Vergangenheit, eine nicht dem Alter und dem Gesundheitszustand entsprechende physische Kraft oder tiefe Abscheu gegen Gott, Jesus oder die Muttergottes. Msgr. Corrado Balducci, einer der weltweit bedeutendsten Experten für Exorzismus und Dämonologie, erklärt: „Die Besessenheit vom Teufel ist sehr selten. Von 1’000 Personen, die als besessen bezeichnet werden, leiden 90 % an psychischen Störungen. Von den übrigen 10 % zeigen die meisten eine Mischung aus psychiatrischen und parapsychologischen  (Psychologie der okkulten [verborgenen, heimlichen, geheimen] seelischen Erscheinungen) Phänomenen. Schliesslich bleiben höchstens 5 oder 6 Personen, die tatsächlich vom Teufel besessen sind.“

„Ich spreche jeden Tag mit dem Teufel.“

Pater Amorth ist seit 50 Jahren Priester und übt sein Amt in der Diözese Rom aus, in der 8 (acht) Exorzisten tätig sind, die vom Kardinalvikar ernannt wurden. Pater Amorth ist auch Ehrenpräsident auf Lebenszeit der „Internationalen Vereinigung der Exorzisten“. Klein, kahlköpfig und mit durchdringendem Blick erzählt der humorvolle 80-jährige. „Ich spreche jeden Tag mit dem Teufel. Ich spreche zu ihm im Latein, er antwortet mir auf Italienisch. Seit 20 Jahren kämpfe ich tagaus, tagein mit ihm. Jesus selbst hat Exorzismen vorgenommen. Er hat Dämonen vertrieben. Er hat Seelen von der Besessenheit des Teufels befreit und von ihm hat die Kirche die Macht und die Pflicht zur Teufelsaustreibung erhalten. Ein kleiner Exorzismus darf nur von einem vom Bischof beauftragten Priester vollzogen werden. Ich selbst habe mehr als 50’000 Exorzismen durchgeführt. Manchmal dauert es Minuten, manchmal mehrere Stunden, oft aber braucht es Jahre, um eine Person zu heilen. Es ist eine schwere Arbeit.“

Wie erkennt man einen Fall von Besessenheit? „Das ist nicht einfach. Es gibt zahlreiche Formen der Besessenheit. Der Teufel möchte nicht gesehen werden, deshalb gibt es besessene Menschen, die ihn verbergen können. Wichtig ist es, eine gewöhnliche Krankheit nicht mit Besessenheit zu verwechseln.“

Legende zum Bild Amorths: Pater Gabriele Amorth ist der bekannteste Exorzist des Vatikans. Er hat Tausende von Exorzismen durchgeführt und betont, dass er jeden Tag mit dem Teufel spricht.

Legende zum Bild Balduccis: Mgr. Corrado Balducci ist einer der weltweit erfahrensten Experten für Exorzismus und Dämonologie. Im Bild zeigt er das Dekret „Neuer Ritus für Exorzismen“, das 1999 vom Vatikan veröffentlicht wurde. Das Dokument verkündet die Existenz des Teufels und damit die Notwendigkeit seiner Austreibung.

Balduccis Bücher sind Bestseller. Um nur eines zu nennen: Priester, Magier, Psychopathen. Grenze zwischen Wahn und Teufel. Es ist 1982 auf Deutsch erschienen.

Dokumentarfilm in einem deutschen Fernsehsender, in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts:
Teufelaustreibungen in Räumen der St. Anna-Pfarrei im Vatikan (beim St. Anna-Eingang). Anscheinend besessene Personen kommen hierher, liegen flach und lassen sich austreiben: ein Priester mit einem Kruzifix, Weihwasser-Wedel und lauter Stimme. Ein/e Besessene/r, die/der sich langsam in krampfähnliche Darstellungen steigert. Da ist aus einem Besessenen eine tiefe Stimme zu hören. Angehörige stehen um das Bett und beten. Bei einem Besessenen sind 2 Priester anwesend. Keine/r der Besessenen spricht vor oder nach der Sitzung ins Mikrophon, nur Angehörige. Sie versuchen, die Geschichte des Besessenen zu erklären. Auch die Entwicklung nach den verschiedenen Sitzungen.
(OR Nr. 28 vom 10.07.2015, S. 5, Bernhard Hülsebusch) In der Pfarrei Santa Maria in Traspontina an der Via della Conciliazione, Rom, unweit des Petersplatzes, ist ein Karmelit, der Exorzist ist. Er empfängt dort jeden Tag Dutzende von leidenden Menschen, die nach eigener Überzeugung oder aufgrund gewisser Symptome vom Dämon besessen sind. Und jeden Mittwoch betet er (wie es der Schreiber dieser Zeilen am 20.05.2015 persönlich erlebte) in ihrer Präsenz, um sie vom Bösen zu befreien und sie zu heilen.

Kath. Wochenzeitung Nr. 8 vom 24.02.2012:
Fürchtet sich die Kirche vor dem Teufel?

Texanischer Bischof: Ziel des Teufels ist es, den Menschen in völlige Verzweiflung zu stürzen. Als Gegenmittel empfiehlt er die Sakramente, Gebet und Weihwasser.

„Nein, weil wir an den Triumph der Barmherzigkeit Gottes  im Blute Christi am Kreuz glauben.“ Diese Antwort gab Daniel Flores, Bischof der Diözese Brownsville im US-Bundesstaat Texas. Bischof Flores sprach zum Thema „Exorzismus: Hollywood und die Wirklichkeit unterscheiden“ vor mehr als 100 Besuchern im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Theologie vom Fass“.

„Bis heute üben Themen wie der Teufel und das Böse eine Faszination aus“, stellte Bischof Flores fest. Das gelte auch für Menschen, die sich sonst wenig mit religiösen Fragen beschäftigen würden. Hollywood habe sich dieser Faszination in vielen Horrorfilmen bedient.

Flores stellte anschliessend die Lehre der katholischen Kirche über den Teufel und den Exorzismus dar. Man könne Besessenheit nicht einfach als psychische Störung wegerklären, wie es moderne Tendenzen gerne täten, betonte er. Er erläuterte die biblische Basis für den Exorzismus, an welchen Zeichen eine Besessenheit erkannt werden könnte und wie potentielle Fälle untersucht werden, um sie von seelischen Störungen zu unterscheiden.

Das letzte Ziel des Teufels bestehe darin, den Menschen in völlige Verzweiflung zu stürzen. Er wolle ihn in einen Zustand bringen, „in dem er glaubt, dass ihm niemand helfen kann, nicht einmal Gott.“ Als Gegenmittel empfahl Bischof Flores seinen Zuhörern, „die Sakramente zu leben“, ihr Gebetsleben zu pflegen und Weihwasser und geweihte Gegenstände in der Nähe zu haben.

Kath. Wochenzeitung Nr. 38 vom 21.09.2012, S. 2:
Mehr Exorzisten in Polen

Die Zahl der Exorzisten in Polen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Wie der katholische Priester Aleksander Posacki, Experte für kirchliche Dämonenaustreibungen in Warschau erklärte, gibt es landesweit derzeit 120 Exorzisten. Vor 15 Jahren seien es vier gewesen. Polen sei damit neben Italien das einzige Land in Europa mit einer nahmhaften Zahl von Exorzisten.
Posacki, Mitglied der Internationalen Vereinigung der Exorzisten, äusserte sich bei der Vorstellung der neuen polnischen Monatszeitschrift „Der Exorzist“. Die Polnische Bischofskonferenz hatte 2011 erstmals einen Bischof zum Exorzismus-Beauftragten ernannt.

Beim „Grossen Exorzismus“ betet ein Priester für einen Kranken um Befreiung von Mächten des Bösen durch die Kraft Christi. Das Ritual muss jeweils von einem Bischof genehmigt werden. Nur eigens beauftragte Priester dürfen es ausführen. Der „Kleine Exorzismus“ wird beispielsweise bei der Taufe vollzogen, wenn für den Schutz des Kindes vor dem Satan gebetet wird. Die 1999 vom Vatikan überarbeitete Neufassung des Rituals sieht vor, dass auch Fachleute aus Medizin und Psychiatrie beratend hinzugezogen werden.

Fernsehen 3sat, 24. Oktober 2012, 20.15 Uhr:
Exorzismus  (Kurze Zusammenfassung)

Diese „Teufelsbesessenheit“ zeigt beim Patienten psychische Mechanismen und  Störungen, sogar schizophrene Störungen. Patienten riechen Schwefeldünste der Hölle. Die Kirche glaubt an eine Kette von Krankheiten, öfters seien Geldschwierigkeiten dahinter. Durch den Exorzismus werde die Tatsache war: der Patient ist besessen. Das Haus des „Besessenen“ sei auch durchdrungen. Man müsse alles segnen und Weihrauch benutzen.

In Rom führt die röm. kath. Kirche einen Studiengang an einer Universität für Priester mit dem Titel „Exorzismus“. In verschiedenen Diözesen Italiens werden Exorzismus-Zentren geführt. Der Teufel sei eine Person, ein Individuum.

Eugen Drewermann, Deutschland, Theologe und Psychotherapeut: Kein Platz für Exorzismus. Jesus sei falsch vorgegangen, indem er sagte, den Teufel auszutreiben. Erst im zweiten Schritt hätte es geklappt, indem er frug: Wer bist Du? Mit dem Exorzistendienst kann man den Teufel nicht austreiben. Wie nimmt man diesen Menschen die Angst weg? Dies sei die Hauptfrage.

Ein Wiener Theologe und Psychotherapeut: Wir nennen unser Exorzistenzentrum „Befreiungsdienst“. Die Leute, die uns aufsuchen, schicken uns die Ärzte. Diese Menschen beschreiben etwas, das nicht greifbar, fassbar sei. In Deutschland und Rumänien seien je ein Mädchen während des Exorzistendienstes gestorben. Die Störungen treten auf durch übernatürliche Kräfte. Esoterik hier ins Spiel zu bringen sei gefährlich. – Ein Spezialarzt für Epilepsie behauptet, man könne bei Epilepsie-Patienten Reizungen auslösen, die dann behaupteten, es sei z. B. jemand im Raum oder es rede jemand. Die Hirnfunktionen könne man hier beeinflussen.

Der Wiener Theologe und Psychotherapeut erklärt seine Praxis: Wir nehmen Leute nur vom Arzt und machen maximal 4 Sitzungen. Wenn sie ohne Erfolg sind, weisen wir die Leute an den Psychiater.

OR Nr. 28 vom 11. Juli 2014, S. 4
Der Vatikan hat die Internationale Vereinigung der Exorzisten offiziell anerkannt. Die Kongregation für den Klerus hat deren Statuten am 13. Juni 2014 gebilligt. Der Vereinigung gehören demnach rund 250 Exorzisten aus 30 Ländern an. Sie hat nun den kirchenrechtlichen Status eines „privaten Vereins von Gläubigen“ und ist eine eigene Rechtspersönlichkeit, das heisst, sie kann als Verein Rechte und Pflichten übernehmen. Sie hat damit keinen amtlichen Charakter und tritt nicht „im Namen der Kirche“ auf. Der internationale Zusammenschluss von Exorzisten wurde 1994 auf Initiative von P. Gabriele Amorth gegründet, dem früheren Exorzisten des Bistums Rom.

Katholische Wochenzeitung Baden CH, 26/2015 Juni, S. 9
Vampir-Filme lassen das Böse „sexy“ erscheinen

Exorzisten warnen vor dämonischer Verführung durch Medien – Nach Einschätzung der Exorzisten-Experten sind Filme, die das Okkulte positiv darstellen, mitverantwortlich dafür, dass die Nachfrage nach Teufelsaustreibungen steigt. –  Vor den Gefahren von Filmen, die das Okkulte positiv darstellen, haben Exorzisten bei einem katholischen Kongress in Rom gewarnt. Diese Medienproduktionen könnten besonders Jugendliche verführen, sich mit dämonischen Mächten einzulassen. Zu den fragwürdigen Produktionen zählten etwa der Vampir-Film „Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“ oder die US-Fernsehserie „True Blood“ (Wahres Blut). Nach Einschätzung der Exorzismus-Experten sind solche Filme mitverantwortlich dafür, dass die Nachfrage nach Teufelsaustreibungen steigt. An dem sechstätigen Schulungskongress an der katholischen Universität „Regina Apostolorum“ nahmen Mitte April etwa 170 Fachleute aus über 30 Ländern teil. Spielfilme über Teufelsaustreibungen verzeichnen nach ihrer Ansicht das Phänomen dämonischer Besessenheit; sie könnten besonders für junge Zuschauer das Böse als „sexy“ darstellen. Jugendliche würden auch durch Musikstile wie Hardrock oder Heavy Metal, die satanische Botschaften verbreiten, zum Okkultismus verführt, so der italienische Religionssoziologe Prof. Giuseppe Ferrari. Nach seinen Erkenntnissen wächst die Zahl der Vampir-Gruppen, die Menschenblut trinken. Diese Gemeinschaften verleiteten auch zu speziellen sexuellen Praktiken, um dadurch besondere Kräfte zu erlangen.
Die Nachfrage nach Exorzismus wächst. Weltweit wächst die Nachfrage nach Teufels- und Dämonenaustreibungen. So suchen jedes Jahr schätzungsweise rund 500’000 Italiener, die sich für besessen halten, Exorzisten auf. Ähnliches wird aus anderen Ländern berichtet, etwa dem ebenfalls katholisch geprägten Polen, aber auch aus Grossbritannien. Für den Präsidenten der Internationalen Vereinigung der Exorzisten, Pater Francesco Bamonte (Rom), ist die Teufelsaustreibung eine Form der Nächstenliebe. Das Phänomen der Besessenheit werde oft unterschätzt. Betroffen seien geistig völlig gesunde Männer und Frauen, die aber, wenn sie wirklich vom Teufel besessen seien, unvorstellbar litten.
Teufelsaustreibungen auch bei Evangelikalen. Im Katholizismus ist der Exorzismus ein Ritus, bei dem ein Priester für einen Kranken um Befreiung von Mächten des Bösen durch die Kraft Christi betet. Das Ritual muss von einem Bischof genehmigt sein, und nur eigene beauftragte Priester dürfen es ausführen. Im Protestantismus wird die Befreiung von dämonischen oder satanischen Mächten durch Gebet vor allem in Pfingstkirchen und der Charismatischen Bewegung praktiziert. Kritiker warnen davor, psychische Erkrankungen vorschnell auf angebliche dämonische Einflüsse zurückzuführen. In Deutschland werden nach Expertenschätzungen pro Tag zwei bis drei Teufelsaustreibungen in der Katholischen Kirche durchgeführt; in der evangelischen Strömung soll es etwa ein halbes Dutzend sein.

Katholische Wochenzeitung Baden/CH, 34/2015 August, S. 11
Dämonische Mächte unserer Zeit
Diskussion über ein mysteriöses Thema

In diesem Werk berichtet der amtierende Chefexorzist des Vatikans, Don Gabriele Amorth, über ein Treffen mit renommierten Psy-Wissenschaftlern (Psychiatern, Psychologen etc.). Die Differenzierung von normalen und paranormalen (übersinnlichen) Phänomenen (Naturerscheinungen, seltene Ereignisse) steht im Vordergrund, insbesondere im Kontext (inhaltlicher Zusammenhang)  von teuflischer Besessenheit. Es werden Merkmale ausgearbeitet, an denen auch ein Laie Verdachtsmomente von dämonischen Einflüssen erkennen und bekämpfen kann. – Aus dieser Perspektive ist das Buch eine sehr grosse Lebenshilfe. Fragestellungen seitens der Psy-Wissenschaftlern werden an Don Gabriele auf vielfältige Weise herangetragen. Das Spektrum reicht von Glaubensinhalten über praktische Lösungen bis hin zu philosophischen Erörterungen. Ein Detail, das besonders bemerkenswert erscheint, ist die Tatsache, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahre 1994 Besessenheit durch Geister als ein real existierendes Phänomen anerkannt hat. Allein diesbezüglich ist das Buch lesenswert. Eine hervorragende, den Glauben bestärkende Lektüre, die innerhalb eines Abends gelesen werden kann.
Dämonische Mächte unserer Zeit. Autor: Gabriele Amorth. Broschiert: 66 Seiten. Verlag: Unio Verlag; Auflage: 1 (19.11.2003)

Kirche heute 39/2016 September, S. 2
Bekanntester Exorzist gestorben

Der bekannteste Exorzist der katholischen Kirche ist tot. Gabriele Amorth, langjähriger Exorzist des Bistums Rom, starb am 16. September 2006 im Alter von 91 Jahren in einem Krankenhaus in Rom. Der im norditalienischen Modena geborene Geistliche wurde durch zahlreiche Bücher, Interviews und Seminare über Teufelsaustreibungen weltweit bekannt. Von seiner Berufung zum Exorzisten des Bistums Rom im Jahre 1986 bis 2000 hat er nach eigenen Angaben mehr als 50’000 Exorzismen vorgenommen. 1994 gründete der Ordensmann die „Internationale Exorzisten-Vereinigung“, die er bis 2000 leitete. Der Vatikan erkannte den Zusammenschluss 2014 offiziell an. Bis zuletzt blieb Amorth ein streitbarer Anwalt dieser auch innerhalb der katholischen Kirche teilweise kontrovers (umstritten) debattierten Praxis.

Kath. Wochenzeitung Baden CH, 39/2016 September, S. 10, Barbara Ludwig
Churer Bischofsvikar Christoph Casetti: „Besessenheit kann eine Realität sein“

Bischofsvikar Chr. Casetti hat den verstorbenen italienischen Exorzisten Gabriele Amorth gewürdigt. „Ich halte ihn für einen grossen Fachmann auf diesem Gebiet. Ich schätzte seine nüchterne Art“, sagte Casetti, der Amorth nicht persönlich kannte, auf Anfrage gegenüber kath.ch. Der Bischofsvikar ist im Bistum Chur erste Ansprechperson für Menschen, die sich vom Dämon besessen fühlen. (…) Casetti sagte gegenüber kath.ch, er habe die Bücher von Amorth, in denen dessen „riesige Erfahrung“ zum Ausdruck komme, als „hilfreich“ empfunden. (…)
Casetti betet immer wieder mit Betroffenen: Im Gespräch mit den Betroffenen versuche er zu klären, worumes geht, ob die Person bereits in medizinischer Behandlung ist, ob allenfalls „etwas auf geistlicher Ebene“ vorliegt. Jeder Fall sei ein Einzelfall. „Wenn man sieht, die Person ist krank, motiviert man sie zu einem Arztbesuch“, betonte Casetti. Er arbeite auch mit Psychiatern zusammen. In der Schweiz pflegen laut Casetti Priester, Theologen, Ärzte, Psychologen und Psychiater, die sich mit dem Thema befassen, den Erfahrungsaustausch. (…)

bz BASEL vom 05.12.2016, S. 9
Vatikan: Es gibt zu wenige Teufelsaustreiber

Den weltweit rund 400 speziell ausgebildeten katholischen Priestern im Internationalen Exorzisten-Verband AIE steht eine wachsende Zahl von Klienten gegenüber. Die steigende Nachfrage hängt immer mit verbreiteteren okkulten (heimlichen, geheimen) und satanistischen (teuflischen) Praktiken zusammen, wie der Mediendienst der italienischen Bischofskonferenz mitteilte. Erschwerend komme hinzu, dass die „Kämpfer gegen das Böse“ auf dem Globus ungleich verteilt sind: Von den 404 Priestern des Exorzisten-Verbands und 124 Hilfskräften – geschulten Laien – arbeiteten allein 240 Priester und 62 Helfer in Italien. In der Schweiz sind den Angaben zufolge 2 Exorzisten der Organisation tätig. In ganz Afrika zählt der Verband gerade einmal 6 Mitglieder, 2 davon in Simbabwe. Hinsichtlich der Berufsstandards sei „eine ernsthafte und ständige Bildung“ nötig, sagte Verbandspräsident Francesco Bamonte. (SDA)

bz BASEL vom 21.04.2017, S. 13, Thomas Paul
6 Jahre Haft für „Dämonenaustreiberin“

Deutschland: Ihre Cousine starb bei einem versuchten Exorzismus – 4 Helfer ebenfalls verurteilt. Eine Frau erstickt an einem Handtuch und einem Kleiderbügel, weil ihre Verwandten Dämonen aus ihr vertreiben wollen. Der bizarre (seltsame) Fall hat deutschlandweit für Aufsehen gesorgt. Nun ist das Urteil gefallen. Das Landgericht verhängte am Montag gegen die 44 Jahre alte Cousine des Opfers 6 Jahre Freiheitsstrafe. Die Richter belangten sie wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge.
Nach der tödlichen Teufelsaustreibung in einem Hotelzimmer in Frankfurt am Main muss von den 4 Beteiligten allerdings nur die Cousine ins Gefängnis. Die 4 mitangeklagten Mitglieder einer südkoreanischen Familie wurden zu Bewährungsstrafen zwischen eineinhalb und zwei Jahren verurteilt.
Nach Auffassung der Jugendstrafkammer trug vor allem die 44 Jahre alte Hauptangeklagte die  Verantwortung für die Tat. „Sie war die Erwachsene in der Gruppe und bestimmte das Geschehen“, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Erlbruch. Und; „Darüber hinaus hatte sie nach 2 vorausgegangenen Teufelsaustreibungen die entsprechende Erfahrung und musste als gelernte Krankenschwester auch von der Gefährlichkeit ihres Handelns wissen.“
In der Nacht zum 5. Dezember 2015 hatte die 44-Jährige in dem Hotelzimmer dem 41-jährigen Opfer zunächst ein Handtuch und später einen Kleiderbügel in den Mund gesteckt, an dem die Frau qualvoll erstickte. „Mit dem Tuch sollte vor allem verhindert werden, dass die Schreie des Opfers nach draussen gelangten“, sagte Erlbruch. „Ohne ihre entscheidende Rolle wäre es nicht zu dem schrecklichen Geschehen gekommen.“ (…)

Katholische Wochenzeitung Baden  15/2107 April, S. 11
Churer Bischofsvikar: „Besessenheit kann eine Realität sein“

Christoph Casetti, Bischofsvikar in der Diözese Chur, hat den 2016 verstorbenen italienischen Exorzisten Gabriele Amorth gewürdigt. „Ich halte  ihn für einen grossen Fachmann auf diesem Gebiet. Ich schätzte seine nüchterne Art“, sagte Casetti, der Amorth nicht persönlich kannte, auf Anfrage gegenüber kath.ch. Der Bischofsvikar ist im Bistum Chur erste Ansprechperson für Menschen, die sich von Dämonen besessen fühlen.
(…) Der Ordensmann Amorth sei auch an einer Zusammenarbeit mit Psychiatern interessiert gewesen. Amorth hat nach eigenen Angaben zwischen 1986 und 2000 mehr als 50’000 Exorzismen vorgenommen. – Die offizielle katholische Kirche, und auch die orthodoxe Kirche, rechne mit der „Präsenz von Dämonen“ und gehe davon aus, dass „Besessenheit eine Realität sein kann“. – Für Menschen, die sich von Dämonen besessen fühlen, ist Casetti seit längerem eine wichtige Adresse. Er werde oft angesprochen, weil er im Internet auffindbar sei. Das Thema „Exorzismus“ sei ein Bereich, der im Theologiestudium kaum behandelt werde. – Manchmal delegiert Casetti Anfragen von Betroffenen an andere Priester im Bistum Chur, die dann Heilungs- und/oder Befreiungsgebete durchführen können.
Anfragen aus Deutschland: Wie oft er den sogenannten „Grossen Exorzismus“ durchführe, für den es die Zustimmung des Bischofs braucht, wollte Casetti nicht sagen. „Ich führe keine Statistik. Es kommt immer mal wieder vor, aber nicht jeden Tag.“
Der Bischofsvikar bekommt öfters auch Anfragen aus Deutschland, „weil es dort fast keine Exorzisten gibt“. Als Hauptgrund für die Zurückhaltung der deutschen Bischöfe in Sachen Exorzismus nennt Casetti den Fall „Anneliese Michel“, die 1976 im Zusammenhang von Exorzismen starb.

Katholische Wochenzeitung Baden CH, 20/2017 Mai, S. 4
Kardinal Amato: „Unkritische Offenheit für satanische Aktionen“

Der Präfekt der vatikanischen Heiligsprechungskongregation eröffnete Exorzismus-Kurs in Rom. Amato: Marienerscheinungen von Fatima waren „Kontrapunkt zu den satanischen geistigen und körperlichen Abirrungen im vergangenen Jahrhundert“.
Verfolgungen gegen die Kirche sind nach Worten von Kardinal Angelo Amato „nichts anderes als eine Manifestation des Bösen“. Obwohl die gegenwärtige Zeit aufgeklärt und entzaubert sei, werde sie vom Satan stärker versucht als in der Vergangenheit, sagte der Präfekt zur Eröffnung eines Exorzismus-Kurses in Rom. So werde einerseits die Existenz des Teufels geleugnet, während es andererseits eine „unkritische Offenheit für satanische Unterfangen“ gebe, zitierten italienische Kirchenmedien den Kardinal.
Zu den Marienerscheinungen von Fatima sagte Amato, diese seien ein „Kontrapunkt zu den satanischen geistigen und körperlichen Abirrungen im vergangenen Jahrhundert“ gewesen. Nahe dem portugiesischen Fatima hatten 3 Hirtenkinder erstmals am 13. Mai 1917 eine Erscheinung der Muttergottes erlebt. Papst Franziskus reiste nach Portugal, um an dieses Ereignis zu erinnern und 2 der Seherkinder heiligzusprechen.
An der päpstlichen Hochschule Regina Apostolorum tagte zudem ein Kurs zum Thema „Exorzismus und Gebet um Befreiung“. Laut Medienberichten nehmen daran 240 Priester und Laien aus 40 Ländern teil. Der Kurs fand zum 12. Mal statt.
(Ateneo Pontificio Regina Apostolorum, Via Degli Aldobrandeschi 190, 00163 Roma, Tel. 06 91 68 91)

Katholische Wochenzeitung Nr. 25/2017 Juni, S. 11
Der Teufel existiere, widerspricht ein Exorzist dem Jesuitengeneral Sosa

Der emeritierte „Gregoriana“-Professor und Exorzist der Diözese Padua, Sante Babolin, hat Kritik an Aussagen des Jesuiten-Generals Pater Arturo Sosa über das Böse und die Existenz des Teufels geübt. Sosa hatte von einer „symbolischen Gestalt“ gesprochen. Dem widersprach Babolin, wie die „Catholic News Agenny (CNA) berichtete. „Der Teufel, Satan, existiert“, betonte er. Das Böse sei keineswegs nur eine Abstraktion (nur begrifflich gedacht). (…)
Verweis auf Papst Paul VI.  Babolin verwies auf 2 Reden von Papst Paul VI. von 1972, in denen dieser die Existenz des Teufels „den Gläubigen, die dazu neigen, die Existenz Satans zu bezweifeln“, in Erinnerung rief, ebenso „Seine Präsenz und sein Tun“. – Am 29. Juni 1972 sagte der heutige selige Papst in einer Predigt, mit Blick auf die Lage der Kirche in jenen Jahren, dass es scheine, der „Rauch Satans“ sei in den Tempel Gottes eingedrungen. Auch der Katechismus der Katholischen Kirche, so Pater Babolin, lehre, dass der Teufel in Wirklichkeit existiert, nicht als Abstraktion. (kap)

Exterritoriale Gebiete

des Staates der Vatikanstadt  (bzw. des Hl. Stuhles)

Gemäss Lateranvertrag vom 11.02.1929 gehören Paläste folgende Hoheitsgebiete zum Vatikanstaat bzw. Hl. Stuhl:

  1. Castel Gandolfo (Palast, Gärten, Villen, Bauernhof)
  2. S. Giovanni in Lateran (Kirche, Palast, Universität, Heilige Treppe usw.)
  3. S. Maria Maggiore und entsprechende Häuser
  4. S. Paolo fuori le mura und entsprechende Häuser
  5. Cancelleria-Palast (Corso Vittorio Emanuele, Piazza della Cancelleria)
  6. Palazzo di Propaganda Fides  (Piazza di Spagna)
  7. Palazzo di S. Calisto in Trastevere
  8. Palazzo del Sant’Offizio (Glaubenslehre, links neben Petersplatz)
  9. Palazzo dei Convertendi (Via della Conciliazione 34, Kongregation für die     orientalische Kirche)
  10. Palazzo Maffei o del Vicariato (Piazza di S. Giovanni in L./Via della Pigna)
  11. Palazzo delle Congregazioni ai Propilei (Piazza Pio XII.)
  12. Palazzo Pio (seit 1979 exterritoriales Gebiet):Via della Conciliazione 4, ganz unten rechts mit Auditorium. Der Palazzo della Dataria (Quirinal) ist nicht mehr im Besitz des Hl. Stuhles.
  13. Päpstl. Seminar Romano Minore (mit Sportplätzen, hinter dem Vatikan)
  14. Immobilien auf dem Gianicolo: Päpstl. Kolleg Pio Romeno, Päpstl. Kolleg Ucraino di S.Giosafat, Päpstl. Kolleg Americano Nord, Spital Bambino Gesù, Kirche S. Onofrio und Kloster, Päpstl. Universität Urbaniana, Area di Servizi Tecnici della Santa Sede (Tankstelle), Internationales Kolleg S. Monica, Curia Generalizia della Compagna di Gesù, Kirche S. Michele e Magno, Edificio delle Suore Calasanziane, Basilica di San Apollinare mit Universität Santa Croce (hinter Piazza  Navona Richtung Tiber)
  15. Immobilien im Borgo Santo Spirito 4 (Jesuiten)
  16. Palazzo Courtial (links unmittelbar neben Petersplatz); Institut, Regionalzentrum der Augustiner usf., ehemals Augustinerkloster (Via Paolo VI. 25), mit Hotel
  17. Centri di Ospitalità (Vatikanische Hotels und Pensionen auf vatikanischem Hoheitsgebiet):
    – Centro Giovanni Paolo II.; Via Cassia 1200
    – Hotel Domus Mariae; Via Aurelia 481
    – Hotel Domus Pacis; Via di Torre Rossa 94
    – Institut Maria SS. Bambina; Via Paolo VI. 21
    – Chiesa ed Ospizio di S. Stanislao V. M.; Via della Bottegha
    . Oscure 15
    – Padri Trinitari; Piazza S. Maria alle Fornaci 27
    – Suore della S. Famiglia; Viale Vaticano 92
    – Suore di Ravasco; Via della Stazione di S. Pietro 37
    – Suore Francescane dell’Addolorata, Casa d’Accoglienza
    . Santo Spirito;
    . Borgo S. Spirito 41
    – Casa Bonus Pastor; Via Aurelia 208
    – Hotel Paolo VI.; Via Paolo VI. 25
    – 4-Stern-Hotel Columbus an der Vai della Conciliazione 33
    .  (Ritter vom Hl. Grab)

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Siehe auch →Immobilien