Krip bis Kz

Krippe auf dem Petersplatz

G. Nuzzi,  Seine Heiligkeit, S. 77:

Viganò (Generalsekretär und Erzbischof des Governatorats, der hätte Ordnung schaffen sollen) hat für die letzten Jahre spektakuläre Erfolge vorzuweisen: Die Kosten für vergebene Aufträge haben sich fast halbiert – ein Trumpfkarte für ihn -, wobei ein Posten nach dem anderen gekürzt und bei jeder einzelnen Ausgabe Einschnitte vorgekommen worden sind. Ein Beispiel unter vielen: Hatte die Krippe auf dem Petersplatz 2009 noch gut 550’000 Euro gekostet, so wurden für das Jahr 2010 nur noch 300’000 Euro veranschlagt. (…)
→Finanzen

Krise der röm. kath. Kirche

HK, Ist die Kirche noch zu retten? S. 31:

Thomas von Mitschke-Collande, Director Emeritus der Unternehmensberatung McKinsey/Deutschland:

„Kirche – was nun? Die Identitätskrise der katholischen Kirche in Deutschland“.

Fünf Dimensionen des Problems greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig:

–          Die Glaubenskrise
–          Die Vertrauenskrise
–          Die Autoritätskrise
–          Die Führungskrise
–          Die Vermittlungskrise

Kath. Wochenzeitung Nr. 20 vom 18. Mai 2012:
Kardinal Brandmüller: Kirche in schwerster Krise seit der Reformation

Brandmüller in einer Predigt: Viele Katholiken legen auf Sakramente keine Werte mehr. Hunderte von Priestern bekämpfen den Glauben und die Ordnung der Kirche, selbst Gebildete sind religiös erschütternd unwissend. Predigt vom Sonntag, 29. April 2012 in Rom anlässlich des Stiftungsfestes der Studentenverbindung „Capitolina“. (…)

Kath. Wochenzeitung Baden 27/2017 Juni, S. 4
Nicola Bux: „Die Glaubenskrise hat uns voll erfasst“

Die gegenwärtige Verwirrung in der kirchlichen Lehre führe zur Spaltung. Aufgabe des Papstes sei es, die Einheit auf Grundlage der Wahrheit Christi sicherzustellen, sagt Msgr. Nicola Bux.
Um die derzeit herrschende „Anarchie in der Lehre“ zu beenden, müsse Papst Franziskus ein Bekenntnis zum Glauben abgeben, in dem er alles bestätige, was katholisch sei und seine „zweideutigen und fehlerhaften“ Formulierungen und Handlungen korrigieren. Mit diesem dramatischen Appell wandte sich Msgr. Nicola Bux, ehemaliger Konsultor der Glaubenskongregation an das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem Interview mit Edward Pentin vom „National Catholic Reporter“.
Die erste Auswirkung der gegenwärtigen Verwirrung sei die Spaltung der Kirche, verursacht durch die Abwendung vom Glauben. Wenn Kardinäle schweigen würden oder ihre Mitbrüder anklagen, wenn Bischöfe in ihrem Denken, Sprechen und Schreiben die katholische Lehre vertreten hätten, jetzt aber das Gegenteil behaupten würden, wenn Priester die liturgische Tradition der Kirche ablehnen würden, dann sei die Apostasie – die Abwendung vom katholischen Glauben – nicht mehr zu leugnen. Aufgabe des Lehramtes sei es, die Einheit der Kirche auf Grundlage der Wahrheit Christi zu sichern. Wörtlich sagte Bux: „Wenn der Papst nicht die Lehre schützt, kann er keine Disziplin verlangen.“
Es sei sonst „grotesk“ („überspannt, verzerrt“), gleichzeitig die Einheit mit nichtkatholischen Christen zu suchen und die Spaltung in der katholischen Kirche zuzulassen. Für viele Christen sei es unbegreiflich, dass der Papst die Bischöfe zum Dialog mit Andersdenkenden auffordere, aber selbst nicht bereit sei, sich mit den Kardinälen zu treffen, die seine wichtigsten Berater seien.
→Kirche       →Austritte       →Kirchenbesuche       →Missbrauchsfälle, Vertuschungen
→Homosexualität

Kritische Stimmen

→ Kirche

Kruzifixe

Kirche heute 2011:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte lässt Kruzifixe in Schulzimmern zu:

Kruzifixe in italienischen Klassenzimmern sind doch zulässig. Die Grosse Kammer des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in Strassburg hat eine anderslautende Meldung widerlegt.

k-tv Fernsehsender in Gossau CH

Fernsehen

Kuba

→Karfreitag

Kultur

→Rom

Künstliche Intelligenz

OR Nr. 8 vom 22.02.2019, S. 2
Nutzung künstlicher Intelligenz für das Gemeinwohl

Vatikanstadt. Papst Franziskus hat mit dem Microsoft-Präsidenten Brad Smith über die Einsatzmöglichkeiten und Herausforderungen der „künstlichen Intelligenz für das Gemeinwohl“ gesprochen. Auch die weltweit immer noch herrschende digitale Kluft war Thema der Audienz gewesen. Hintergrund des Treffens am Mittwoch, 15.02.2019, war die künftige Zusammenarbeit des Vatikans mit Microsoft, bei der ethische Projekte und Forschung zum Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) gefördert und ausgezeichnet werden sollen.
In einem Interview mit der Tagesausgabe unserer Zeitung (14. Februar) warnte Smith vor den Folgen der automatischen Gesichtserkennung für die Menschenrechte und Privatsphäre. Smith und Erzbischof Vincenzo Paglia, Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, hatten dem Papst einen internationalen Preis für Ethik der Künstlichen Intelligenz vorgestellt, den die Akademie und Microsoft künftig vergeben werden. Die Folgen der künstlichen Intelligenz werden auch Thema der Vollversammlung der Päpstlichen Akademie für das Leben im Jahre 2020 sein.
„Wenn wir hier nicht handeln, riskieren wir, in 5 Jahren aufzuwachen und zu erkennen, dass sich diese Technik auf eine Weise verbreitet hat, die soziale Probleme erheblich verschärft, warnte Smith, seit 2015 Präsident von Microsoft, im Osservatore Romano etwa vor den Folgen der automatischen Gesichtserkennung. Die technologische Entwicklung gehöre inzwischen zur Evolution des Menschen dazu, so der Microsoft-Chef. Damit aber künstliche Intelligenz zum Gemeinwohl beitragen könne, müsse sie durch ethische Reflexion (Betrachtung) und angemessene neue Gesetzgebung begleitet und gelenkt werden. Die Weltgemeinschaft müsse hier gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Aufgabe von Regierungen sei es einerseits, die Entwicklung von künstlicher Intelligenz zu fördern. Andererseits müsste sie effektive Strategien für den Schutz von persönlichen Daten und Privatsphäre entwickeln und implementieren (einführen). Dafür brauche es den ständigen Dialog zwischen Regierungen, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen sowie der Zivilgesellschaft, so der Microsoft-Chef.
Smith nahm auch an der Konferenz  „Robotik, Mensch, Maschine und Gesundheit“ teil, die vom 25. bis zum 27. Februar 2019 im Vatikan stattfindet.

Kuppel St. Peter, Vatikan

→Peterskirche

Kurie, das Leben an der Kurie

(Kuriales Leben)
→Leben im Vatikan

Die Kurie wurde in ihren Grundzügen von Papst Sixtus V. (1585-90) entworfen, nach dem Trienter Konzil und lange vor dem 30-jährigen Krieg.  →Kurie, Römische

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, Seite 77:
Die Rede ist von der Kurie, dem fast allmächtigen Räderwerk im Dienste von Papst und Christenheit. Mit etwas bösem Willen kann man sich die Kurie auch als einen Hofstaat des 17. Jahrhunderts vorstellen, mit all dessen Schranzen  (Höflingen), Narren, Zeremonienmeistern, Gauklern und Eminenzen, Intrigen, Ritualen und über Jahre liebevoll gepflegten Feindschaften. Nichts ist hier wirklich einfach. Allein der Look eines Kardinals ist auf 31 Druckseiten minutiös geregelt.  →Kardinäle

Protokoll der Etikette müssen peinlich genau beachtet werden, um es nicht zum Skandal kommen zu lassen. Tatsächlich meint ein ausländischer Diplomat über sein erstes Jahr als Botschafter am vatikanischen Hof: „Die Kurie ist der letzte verbliebene klassische, zentralistische Hofstaat. Mit all den Mauscheleien (heimliches Aushandeln von Vorteilen, Geschäften), dem Gerede, den Intrigen, der Eifersucht. Jedes Wort spricht sich sofort herum. Ich bin heute sehr viel vorsichtiger in dem, was ich sage, als noch vor einem Jahr. Jeder will wissen, mit wem welcher Botschafter was besprochen hat. Der Neid und die Intrige gehen einem Kurialen noch lange nach. Man kann eben nicht um 17 Uhr das Büro verlassen und sich bei seiner Familie ausheulen oder alles vergessen. ‚Das arbeitet in einem noch lange, noch die ganze Nacht, und morgen geht es wieder los’, sagt einer.“

Für jeden Neuankömmling in der Kurie ist das Wichtigste, sich einen padrone zu suchen, der einen unter seine Fittiche nimmt. Einen Förderer, der einen nach vorne bringt. Frei schwebende Existenzen bringen nichts. Man braucht jemanden, zu dem man gehört und für den man arbeitet. Man muss 20, 30 Jahre lang erst einmal loyal sein, um vorwärtszukommen. Karrieren im Vatikan sind lang. Mancher wird erst dann etwas, wenn andere in seinem Alter längst in Rente sind.

„Die Kurie ist in weiten Teilen eine uritalienische Struktur“, sagt einer,  der seit Jahren die vatikanischen Mauern passiert. „Sie hat weitaus mehr mit den Mechanismen und Techniken florentinischen, ja neapoletanischen Hoflebens zu tun, als mit der Verwaltungshochschule Speyer. Das verstehen deutsche Geistliche erst sehr spät, wenn sie nach Rom kommen.“ Vorsicht, ausgekochte List und vor allem Geschmeidigkeit sind in der Kurie gefordert, dazu ein fein entwickeltes Gespür für Gesten und Grenzen. Es kann tödlich sein, sich  schnell profilieren zu wollen. Ein deutscher Neuling etwa machte den Fehler, zu seinem ersten Geburtstagsfest in Rom leibhaftige Kardinäle einzuladen. Er musste bald merken, wie wenig amüsiert man darüber war. Das macht man nicht. „In der Kurie“, sagt einer ihrer Kenner (der deswegen auch das Anonymat [Unbekanntheit des Namens] verlangt), „in der Kurie musst du geschmeidig sein und immer höflich. Das sind die Kardinaltugenden hier. Nie einen Streit führen, nie jemanden brüskieren oder beleidigen. Präpotenz  (Aufdringlichkeit) und Arroganz sind immer falsch.“ Anpassen ist erste Kurienpflicht.

Natürlich erzählt jede Charge gerne aus dem Innenleben des Vatikans, aber der Name darf um keinen Preis genannt werden. „Das Ideal des kurialen Funktionärs ist die graue Maus“, sagt Kardinal Walter Brandauer, alt Kanonikus des Petersdoms. „Keine Interviews, keine Artikel in Zeitschriften und sei es der Osservatore Romano. Ruhm ist keine Kategorie im Vatikan.“

Die Vereinssatzung der Kurie heisst „Regolamento Generale della Curia Romana“ und gilt in ihrer aktuellen Version seit dem 1. Juli 1999. In 146 Artikeln wird hier festgelegt, wie sich ein Kurialer zu benehmen hat und dass mehr als 10 Überstunden je Monat rechtzeitig vorher angekündigt werden müssen (Art. 49). Die Kurie ist in 10 verschiedenen Kasten aufgeteilt, genannt „Ebene“, die ähnlich durchlässig sind wie das indische Kastensystem. Untere Ebenen (1 bis 3) halten das Treueversprechen in einem Satz, fleissig zu sein, dem Papst treu zu sein und das Dienstgeheimnis zu wahren. Ab Ebene 4 wird ein Treueschwur verlangt. Ab Ebene 6 werden theologische Studien verlangt, ab 8 Lateinkenntnisse. Ab Ebene 11 beginnt das Reich der ad quinquennium (Jahrfünft), alle auf 5 Jahre ernannten Spitzenbeamten. Ab Ebene 3 wird das katholische Glaubensbekenntnis verlangt. – Jede Verletzung des Dienstgeheimnisses kann mit Entlassung bestraft werden (Art. 76). Theoretisch.

Im vergangenen Jahrhundert hat es allein 3 ernsthafte Versuche gegeben, die Kurie zu reformieren, von den Päpsten Pius X. 1908, Paul VI. 1967 und Johannes Paul II. 1988. Keiner hatte sonderlichen Erfolg. Der Vatikan funktioniert eben so wie der römische Senat in seinen besten Zeiten. Von den etwa 1’300 Angestellten der Kurie haben höchstens 150 auch etwas zu sagen. Es wird sogar behauptet, die katholische Kirche würde faktisch von 20 Männern regiert.

Alle 5 Jahre kommen die Bischöfe zum “ad limina“-Besuch in den Vatikan. Der Besuch gehört vielleicht zu dem Geheimnis, weshalb die Kurienbürokratie funktioniert. Und zwar oft besser und effizienter als die meisten Grossbürokratien der restlichen Welt. Im Vergleich zu anderen Multikulti-Bürokratien wie Unicef (Weltkinderhilfswerk der UNO) oder IOC (Internationales Olympisches Komitee) ist die römische Kurie jedenfalls ein Muster an Handlungsfähigkeit und Effizienz. „Das ist die einzige Internationale, die funktioniert „, sagte Charles Maurras 1914 zur Haltung des Vatikan im Ersten Weltkrieg.

Vatikanistan, Alexander Smoltczyk,  Seite 78:
Wie überall bei stark ritualisierten Herrschaftsformen, wie hier die Kurie, müssen Protokoll und Etikette peinlich genau beachtet werden, um es nicht zum Skandal kommen zu lassen. Tatsächlich meint ein ausländischer Diplomat über sein erstes Jahr als Botschafter am vatikanischen Hof: „Die Kurie ist der letzte verbliebene klassische, zentralistische Hofstaat. Mit all den Mauscheleien, dem Gerede, den Intrigen, der Eifersucht. Jedes Wort spricht sich sofort herum. Ich bin heute sehr viel vorsichtiger in dem, was ich sage, als noch vor einem Jahr. Jeder will wissen, mit wem welcher Botschafter was besprochen hat.

Prälat Georg Gänswein leidet besonders unter der notorischen Indiskretion der Kurie. „Es ist leider so, dass es bezüglich Ernennungen, Erarbeitung von Dokumenten, disziplinären Massnahmen etc. immer wieder poröse Stellen gibt“, sagte er einmal dem SZ-Magazin. „Das ist nicht nur ärgerlich. Darin liegt auch die Gefahr, dass von aussen bewusst Einfluss ausgeübt werden kann, der Irritationen nach sich zieht. Ein anderer Punkt: Überall dort, wo, wie in der römischen Kurie, eine internationale Besetzung am Werk ist,  gibt es unterschiedliche Mentalitäten, Arbeitsstile, Vorstellungen, Tempi und persönliche Charaktere, die aufeinandertreffen. Manchmal kann das auch zum Funkenschlag führen.“  Der Papstsekretär ist einer, der Missgunst am stärksten ausgesetzt ist. Der Vatikan muss manchmal die Hölle für ihn sein. Frei erfundene Nachreden über Besuche im Rotlichtviertel von Amsterdam wurden schon bis in die katholischen Lehrstühle Münster getragen. Gänswein spricht von „klerikalem Neid“. Man rede schlecht über ihn und verbreite, dass er sich nur in den Vordergrund stellen wolle: „Es gab, es gibt dummes negatives Gerede, teilweise wird schlichtweg gelogen. Aber darum kümmere ich mich nicht mehr“, vertraute er dem Papstbiografen Peter Seewald an. „Der Vatikan ist nun einmal auch ein Hofstaat. Und dort gibt’s Hofgeschwätz. Aber es gibt auch Pfeile, die ganz bewusst und gezielt abgeschossen werden. Ich musste erst lernen, damit umzugehen.“

AS, Seite 89: „In den mittleren und unteren Rängen der Kurie gibt als oberste Maxime: bloss nicht auffallen! Wenn man Karriere machen will, ist es angeraten, nicht gradlinig zu sein. Nur wer keine Fehler macht, wird gefördert, und nur wer nicht arbeitet, macht keine Fehler“, sagt ein Prälat der Glaubenskongregation. Seiner Erfahrung nach funktioniere Kirche nur in quasi privatisierter Form, wenn Einzelne sich für ein Projekt verantwortlich fühlen. Und sich aufopfern. Sobald Mietlinge auftreten, sagt er, entstehe ein Vakuum, in dem Kräfte der Beharrung wirkten. „Wenn etwas nicht passt, dann wird es geschoben, sagen wir. Man muss immer schieben, und dabei immer in der Position sein, sagen zu können: Ich war’s nicht.“ Es ist, mit anderen Worten, wie überall.

AS, Seite 91:
In einer Kongregation wie der des Glaubens (Glaubenskongregation), lebt man sehr anonym. Man grüsst sich im Aufzug, wechselt das Nötigste auf den Gängen und führt ansonsten ein ähnliches unauffälliges Leben wie in einem Neubaublock irgendeiner Vorstadt. „Wenn ich ein Doppelleben führten wollte“, sagt ein Bewohner des Sant’Uffizio, „wäre hier der ideale Ort. Ich kann zu jeder Nachtzeit nach Hause kommen, ohne die Schweizer passieren zu müssen. Ich habe einen Schlüssel fürs Haupttor.“ Und das Haupttor führt direkt nach draussen, nach Italien. (WA: Der Palast der Glaubenskongregation liegt auf italienischem Staatsgebiet, d. h. auf dem Hoheitsgebiet des Vatikanstaates.)

Von jedem Bürger des Vatikans, sofern er Geistlicher ist, wird erwartet, dass er einmal am Tag an der Messe teilnimmt. Wo, das bleibt ihm überlassen. – Zu viel Engagement hingegen ist völlig falsch. Nur nicht zu sichtbar sein, bloss nicht durch Exzentrizität auffallen und, wie manch ein Jugendpfarrer oder Kulturbeauftragter in Deutschland, grelle Schals tragen oder modische Schuhe. Man profiliert sich nicht, niemals. Das war der Fehler des brillanten Bischofs Crescenzio Sepe, der von Benedikt XVI.  in seiner ersten Amtshandlung in die Provinz geschickt wurde, nach Neapel als Erzbischof. Sepe hatte das Heilige Jahr 2000 organisiert. Er hatte es perfekt gemacht und auch nicht vergessen, sich immer ins rechte Licht zu setzen, und sei es mit einem ziemlich grossspurigen Gedenkstein vor dem Pilgerzentrum in der Via della Conciliazione. Ganz falsch. Man profiliert sich nicht.  Siehe aber:   →Skandale?

Wer seine Wohnung mit wertvollen Geschenken des Papstes vollstellt, muss sich auf gewisse Risiken einstellen. Pater John Magee, dem Sekretär von Paul VI., räumten Diebe die Wohnung komplett aus, als er gerade im Petersdom zum Bischof geweiht wurde. – „Natürlich ist es nicht verboten, einen Sportwagen zu fahren“, sagt Kanonikus (heute Kardinal) Brandmüller. „Aber es wäre gewiss Gegenstand von Kommentaren. Ein Porsche entspricht nicht dem klerikalen Stil. Ich fahre einen Audi  A4. Das ist die absolute Grenze.“ (WA: In den 60er-Jahren fuhr Msgr. Wüstenberg vom Staatssekretariat einen schwarzen Porsche.) Wie soll sich ausserdem ein Kurialer von seinem 2’000 Euro einen Porsche leisten können? Okay, das Benzin ist im Vatikan billig, wie sonst nur im Golfstaat Bahrain. Aber schon für Kost und Logis im Santa Marta gehen rund 1’000 Euro drauf.

Die diversen Salons, Herrenabende, Jours fixes und Zirkel sind die Nachrichtenbörsen in der Kurie. Manche sind strikt „only clerics“, andere verstehen sich als Mixed zones, wo auch Politiker, Laien, Journalisten, ehemalige Doktoranden zugelassen sind. „Da sitzt man, neben sich einen Kardinal, gegenüber ein ehemaliger Ministerpräsident, im Rücken drückt das Bücherregal, und der Wein wird aus ehemaligen Senfgläsern getrunken“, sagt ein deutscher Römer. „Aber man redet erstaunlich frei von der Leber weg. Was nicht heisst, dass man damit am nächsten Morgen alle Dienstwege kurzschalten kann.“ – Urlaube macht man sehr konventionell, fährt in die Berge, nach Bozen, Südtirol oder an den Bodensee, nimmt sich ein gutbürgerliches Hotel und geht spazieren. Standesgemäss. Niemand würde auf den Gedanken kommen, nach Australien zum Trekking zu gehen. Für den Samstag im Juli gibt es in der Nähe Roms einen Klerikerstrand, wo man unter sich ist. Die Etikette beim Grüssen sollte auch am Strand unbedingt eingehalten werden, jedenfalls vom Grüssenden.

Hans Küng, 2011, Ist die Kirche noch zu retten? Seite 207:
Aber als äussere Organisation täuscht leicht darüber hinweg, dass der Vatikan noch immer im Kern ein „Hof“ geblieben ist, der Sitz eines absolutistisch regierenden Fürsten mit mittelalterlichen, barocken und modernen Kostümen und Gepflogenheiten. Zahllos die „Höflinge“ der verschiedenen Ränge von den Reverendi und Monsignori bis zu den Exzellenzen und Eminenzen – eine männlich-zölibatäre Hofgesellschaft mit einer ganz besonderen Etikette und Atmosphäre. Und je weiter einer in die Nähe des Fürsten aufsteigt, umso mehr kommt es nicht in erster Linie auf Kompetenz und Charakter an, sondern auf die Gunst des Fürsten: er bestimmt, wer persona grata oder non grata ist. Auch auf den unteren Stufen ist der Vatikan weithin eine „Günstlingswirtschaft“. Nach Duden bedeutet dies „die Besetzung von Stellen mit begünstigten statt mit befähigten Personen“.

Dass es sich noch heute so verhält, wird bestätigt durch neuestens veröffentlichte Wikileaks-Depeschen. Aus den 729 Berichten, welche amerikanische Diplomaten an das State Departement geschickt haben (vgl. Ulrich Schwarz, „Spiegel online“ vom 14.12.2010), wird klar, wie oft sie das Funktionieren des merkwürdigen vatikanischen Hofstaates erklären mussten. Diese Kirche sei „hochgradig hierarchisch“ und doch chaotisch, so eine Depesche von 2009. Meistens „wissen nur eine Handvoll von Experten von anstehenden Entscheidungen“. Und sie würden ihrem Chef dann in der Regel einfach zustimmen. Kaum jemand traue sich, den Papst zu kritisieren oder ihm schlechte Nachrichten zu überbringen. Unabhängige Berater seien selten. Der innerste Kreis des Vatikans bestehe fast ausschliesslich aus Italienern (im Übrigen durch die Kardinalsernennungen des Jahres 2010 erheblich gestärkt), die in schwer verständlichen Kurialjargon miteinander verkehren und die modernen Medien und die Informationstechnik nicht verstehen. Selbst der Kardinalstaatssekretär spreche nicht einmal Englisch und sei ohnehin ein „Ja-Sager“.
(Benedikt XVI. sprach die Bischöfe als „Brüder“ und die Kardinäle als „Söhne“ an.)

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 207:
Das Geheimnis, weshalb sich die Kurie diese Libertinage (Liederlichkeit, Zügellosigkeit bezüglich Sexualleben) und Toleranz leistet und leisten kann, ist wohl ihre schiere Präsenz, ihre Macht des Faktischen. Im 17. Jahrhundert ist hinter den Mauern etwas gewachsen, das gegen die Schwächen ihrer Mitglieder völlig immun ist. Die Kurie ist ein System, das dazu da ist, alle Erschütterungen der Weltgeschichte zu überdauern. Kontinente können untergehen, Weltreiche verschwinden, Kometen einschlagen, die Kurie muss weitermachen. Deswegen hat sie Mechanismen entwickelt, sich abzuschotten und alle Erschütterungen auszugleichen. Sie ist ein gigantischer Stossdämpfer gegen die Zeitläufe. Alles Persönliche, alles Moderne muss abprallen an ihr. Alkoholismus, Schwulsein, Exzesse und Neiderei ihrer Mitglieder werden ausgeglichen. Diese uralte Organisation fängt alles auf. Und sie macht das gut. Deswegen darf man die Institution nicht angreifen. Die Kurie hat ein gleichbleibendes Tempo, das von aussen betrachtet als Stillstand erscheint. Was hätte im 20. Jahrhundert alles mit der Kurie passieren können? Alles ist an ihr abgeprallt. Das System hat dieses blutige, verrückte Jahrhundert völlig unbeschadet, stoisch (unerschütterlich, gleichmütig) überdauert. Nichts ist heute wirklich anders als vor 100 Jahren.

Kath. Wochenzeitung 20/2019 Mai, S. 10
Kardinal G. Müller kritisiert Kurienreform: Theologische Ahnungslosigkeit

Bei der Beschreibung der Aufgaben der neuen Behörde für die Glaubenslehre zeige sich „eine erschütternde theologische Ahnungslosigkeit der Verfasser dieses Abschnitts.“
Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation (WA: von Papst Franziskus nicht mehr ernannt) hat den Entwurf für die römische Kurienreform scharf kritisiert. Im Interview mit der „Passauer Neuen Presse (PNP) spricht Müller von „theologischer Ahnungslosigkeit“. In den verschiedenen Medien sei „kein schlüssiges Konzept von Ursprung, Wesen und Sendung der Kirche erkennbar“. Statt sich deutlicher am Kirchenbegriff des Zweiten Vatikanischen Konzils zu orientieren, bleibe „die Kurie in einem, ortslosen Schwebezustand, weil sie nicht mehr eindeutig dem Dienst des Papstes für die Universalkirche zugeordnet“ werde. Das  Dokument war vom →Kardinalsrat des Papstes beschlossen worden und liegt derzeit bei  führenden Kirchenstellen zur Begutachtung vor. Kritisch sieht Müller auch, dass die Sonderrolle der Glaubenskongregation relativiert werden soll. „Im Entwurf handelt es sich um eine planlose Aneinanderreihung von 16 Ministerien, die irgendwie im Dienst des Papstes, der Einzelbischöfe und der Bischofskonferenz stehen.“ Die Evangelisierung komme „an erster Stelle, obwohl sie eine Aufgabe der ganzen Kirche und keine spezifische des Papstes ist“. Müller findet deutliche Worte: „Es handelt sich bei dieser Skizze für eine künftige Apostolische Konstitution um ein Konglomerat (ungegliederte Masse) von subjektiven Einzelideen, frommen Wünschen, moralischen Apellen mit einzelnen Zitaten aus Konzilstexten und Verlautbarungen des derzeitigen Papstes.“ Der ehemalige Regensburger Bischof kritisiert auch, dass der Entwurf zur Kurienreform „nicht klar“ zwischen den weltlichen und geistlichen Aufgaben des Papstes unterscheide. Die weltlichen Aufgaben seien „nur sekundär und keineswegs wesentlich mit dem Papsttum verbunden“. Die „höchste Mission des Papstes“ sei „sein Lehramt als Mitglied und Haupt des Bischofskollegiums“. Doch, obwohl „das universalkirchliche Lehramt der Existenzgrund des päpstlichen Primats“ sei, erscheine die Glaubenslehre nun nur noch als „beliebige Aufgabe des Papstes unter vielen anderen“.
Gerade bei der Beschreibung der Aufgaben der neuen Behörde für die Glaubenslehre zeige sich, so Müller, „eine erschütternde theologische Ahnungslosigkeit der Verfasser dieses Abschnitts“. So würden Grundbegriffe der katholischen Theologie wie „Offenbarung“, „Evangelium“ oder „Lehramt“ „falsch oder schief verwendet“. Es bleibe deshalb zu hoffen, „dass dieser Abschnitt von einem ausgewiesenen Theologen und Kanonisten von Grund auf neu formuliert wird“.

→Leben/Arbeiten in der Monarchie „Vatikan“

Kurie, personelle Besetzung

Siehe unter „Organigramm Vatikan, Besetzung Kurie, Heraldik“ (sep. Reg.)

Kurie,  Römische

(dem Heiligen Stuhl zugehörig)
→Organigramm
Tel. 0039 06 698 839 13, III. Loggia

Sie ist ein Werkzeug in der Hand des Papstes, um die Geschäfte der Gesamtkirche zu vollziehen. Sie ist das Pendant zum Governatorat des Staates der Vatikanstadt. Jede Kongregation, jeder Rat ist ein Papstsekretariat mit spezifischem Bereich für sich.

„Oberstes“ Werkzeug der Römischen Kurie ist das Staatssekretariat, das General- und Zentralsekretariat des Papstes (1487 eingeführt, mit neuen Strukturen am 28.06.1988 versehen). Vorsitz: Kardinal-Staatssekretär. 2 Abteilungen: 1. Sektion (Innen-Ministerium der Kirche). Allgemeine Angelegenheiten. 2. Sektion (Aussen-Ministerium der Kirche). Beziehungen zu den anderen Staaten. Dem Staatssekretariat sind die Nuntiaturen und das Presseamt zugeordnet.

Die Römische Kurie umfasst des Weiteren 9 Kongregationen, 11 Päpstliche Räte, Päpstliche Kommissionen, 3 Gerichte, Päpstliche Akademien, Hochschulen, Kollegien und Institute. Weiter sonstige Organe wie das Radio und das Fernsehen.

Beim Heiligen Stuhl sind die wichtigsten Stellen international besetzt. Beim Staat der Vatikanstadt ist das Verhältnis umgekehrt. Der Vatikanstaat wird mehrheitlich durch Italiener „regiert“.

9 Kongregationen (Regierungsorgane), auch Ministerien und Dikasterien genannt

Kongregation für die Glaubenslehre, Orientalischen Kirchen, Gottesdienst und Sakramentenordnung, Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Bischöfe, Evangelisierung der Völker, Klerus, Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Katholisches Bildungswesen (für die Seminare und Studieneinrichtungen
Vorsteher: 9 Präfekten (Kardinäle)

11 Päpstliche Räte (Fördernde Funktionen)

Päpstlicher Rat für Laien, zur Förderung der Einheit der Christen (angeschlossen: Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum), für die Familie, für Gerechtigkeit und Frieden, Rat Cor Unum, Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, für die Interpretation von Gesetzestexten, für den Interreligiösen Dialog (angeschlossen:Kommission für die Beziehungen mit dem Islam, für die Kultur, für die sozialen Kommunikationsmittel (aufgelöst, neu: Kommissionssekretariat)
Vorsteher: 12 Präsidenten (Kardinäle und Erzbischöfe)

Päpstliche Kommissionen/Komitees

Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche, für sakrale Archäologie, Bibelkommission, Kommission Ecclesia Die, Theologenkommission, Komitee für die Internationalen Eucharistischen Kongresse, Komitee für Geschichtswissenschaften Vorsteher: Präsidenten (Kardinäle und Erzbischöfe)

3 Gerichtshöfe

Apostolische Pönitentiarie (Grosspönitentiar), Oberster Gerichtshof der Apostolischen Signatur (Präfekt), Gericht der Römischen Rota (Dekan).

→Organigramm     →Staatssekretariat

Hans Küng, Ist die Kirche noch zu retten? Seite 205:
Eine päpstliche, „römische“ Kurie im eigentlichen Sinn gibt es erst seit dem 11. Jahrhundert. Mit der durch die Gregorianische Reform von oben durchgesetzten zentralistischen Kirchenregierung im lateinischen Westen war sie notwendig geworden. Heutzutage ist nicht ihre Zerstörung, wohl aber eine radikale Reform erforderlich, die vom Anspruch des Evangeliums bestimmt sein muss:

  • Verzicht auf unbiblische Ehrentitel, die entweder nur Gott oder
    Christus der  allen Christen bzw. Bischöfen zukommen: Sanctissimus
    Dominus, Beatissimus Pater, Seine Heiligkeit, Heiliger Vater, Haupt
    der Kirche, Stellvertreter Christi
    →Telefonbuch
  • Evangelische Einfachheit: Keine unrealistische Armutsromantik, aber
    Verzicht auf den aus früheren Zeiten der Petrusmacht stammenden
    Pomp und Luxus
  • Evangelische Brüderlichkeit: Verzicht auf allen absolutistischen
    Regierungsstil, den imperialen Rede- und Dekretstil, die geheimen
    Verfahren
  • Evangelische Freiheit: Förderung der Selbständigkeit der Kirchen
    und Hirtendienste nach dem Subsidiaritätsprinzip (gegen den
    Zentralismus gerichtete Anschauung: ein Einzelner löst alleine ohne
    Gruppe, eine Gruppe arbeitet alleine ohne Bistumsmitarbeitende)

Statt Günstlingswirtschaft mehr kompetentes Fachpersonal: Der Machtapparat der Curia Romana ist komplex und durchorganisiert (→Organigramm). Die äussere Form täuscht leicht darüber hinweg, dass der Vatikan noch immer im Kern ein „Hof“ geblieben ist, der Sitz eines absolutistisch regierenden Fürsten mit mittelalterlichen, barocken und modernen Kostümen und Gepflogenheiten. Zahllos die „Höflinge“ der verschiedenen Ränge – eine männlich-zölibatäre Hofgesellschaft mit einer ganz besonderen Etikette und Atmosphäre. Auch auf den unteren Stufen ist der Vatikan weithin eine „Günstlingswirtschaft“. Nach Duden bedeutet dies „die Besetzung von Stellen mit begünstigten statt mit befähigten Personen“.

Dass es sich noch heute so verhält, wird bestätigt durch neuestens veröffentlichte Wikileaks-Depeschen. Aus den 729 Berichten, welche amerikanische Diplomaten an das State Departemente geschickt haben (vgl. Ulrich Schwarz, „Spiegel online“ vom 11.12.2010) wird klar, wie oft sie das Funktionieren des merkwürdigen vatikanischen Hofstaates erklären mussten. Diese Kirche sei „hochgradig hierarchisch“ und doch chaotisch, so eine Depesche von 2009. Von der Gunst des Kirchenmonarchen abhängig sind namentlich die Hofbischöfe, deren Zahl leider durch eine Fehlentscheidung von Johannes XXIII. stark erhöht wurde. Er hatte sich von Kurialen dazu überreden lassen, sämtliche Sekretäre für Kongregationen, die bis dahin „Monsignore“ der verschiedenen Grade waren, ohne weitere Überprüfung zu Erzbischöfen zu machen.

Die vatikanische Bürokratie, die selbstverständlich auch nicht wenige fähige Mitarbeiter aufweist, könnte ohne weiteres auf die Hälfte zusammenschrumpfen, wenn man sie einerseits im Sinn des Subsidiaritätsprinzips von unnötigen Aufgaben entlastete und andererseits gerade die Spitzenpositionen mehr mit kompetenten Personen besetzte. Allerdings herrscht heute Mangel an hochqualifiziertem Nachwuchs.

HK, Ist die Kirche noch zu retten? S. 212:
An kompetentem Personal mangelt es also in der Kurie, allerdings nicht an „Karrieristen“. „Karrierismus“ in der Kurie, das rücksichtslose Streben nach Erfolg, nach einer schnellen Karriere, wurde sogar von Kardinal Joseph Ratzinger öffentlich angeprangert. Aber er hätte noch sehr viel deutlicher nennen können, was seit dem Mittelalter bis in unsere Tage hinein Kennzeichen des kurialen Systems geblieben sind: Nepotismus (Vetternwirtschaft), Begünstigung von Verwandten und Cliquenwirtschaft, Raffgier, Korruption, Vertuschung. Einen konkreten Einblick in das kuriale Leben heute mit vielen Beispielen von Missständen gibt das Buch „Via col vento in Vaticano“ („Vom Winde verweht im Vatikan“). Es wurde 1999 geschrieben vom 72jährigen (inzwischen verstorbenen) Msgr. Luigi Marinelli (Pseudonym „I Millenari“), langjähriges Mitglied der Kongregation für die Ostkirchen. Er berief sich auf 9 oder 10 Co-Autoren. Das Buch erreichte in 3 Wochen eine verkaufte Auflage von 100’000 Exemplaren. Marinelli erhielt im Jahre 2003 den Herbert-Haag-Preis „Für Freiheit in der Kirche“. In seinem Buch beschreibt er das römische System als ein verrottetes System, das auch in der Alltagsadministration dringend einer radikalen Reform bedürfte, allerdings noch mehr im vatikanischen Finanzwesen.

Kirche heute 37/2013 September, S. 2
Vatikan: Wichtige Personalentscheide

Papst Franziskus hat am 31. August wichtigste Kurienvertreter in ihren Ämtern bestätigt. Zu Ihnen gehört auch der deutsche Erzbischof Georg Gänswein, welcher weiterhin Präfekit des päpstlichen Hauses ist. Ausserdem hat Franziskus den italienischen Vatikan-Diplomaten Pietro Parolin zu seinem neuen Kardinalstaatssekretär ernannt. Parolin tritt am 15. Oktober die Nachfolge von Tarcisio Bertone an und ist fortan für die Leitung des zentralen Sekretariats, für die Koordination der Kurie sowie für die vatikanische Diplomatie zuständig. Der Posten ist das wichtigste Administrativamt. Generalsekretär des vatikanischen Governatorats wird der Spanier Fernando Vergez Alzage. Die Berufung der 32 Jahre alten Francesca Immacolata Chaouqui in die Kommission zur Neuordnung der wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhles vor 5 Wochen sorgt weiterhin für Unruhe.  →Wirtschaftliche Angelegenheiten

OR Nr. 37 vom 13.09.2013, S. 4
Diese Woche im Vatikan kurz und bündig

Papst Franziskus hat am Dienstag, 10. September 2013, die Spitzenvertreter der verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie getroffen. Er wollte mit den Leitern der vatikanischen Kongregationen und der Päpstlichen Räte eine Halbjahresbilanz seines Pontifikates ziehen.

OR Nr.  41 vom 11.10.2013, S. 2
Kurienreform ist eingeleitet

Der achtköpfige Kardinalsrat, der Papst Franziskus in Fragen der Kurienreform assistiert, hat in seinen Sitzungen als ersten konkreten Tagungspunkt den Ablauf von Bischofssynoden behandelt. Thematisch werde es bei der nächsten Synode 2015 im Vatikan um Familienseelsorge gehen, wobei unter anderem die Frage der Sakramente für wiederverheiratete Geschiedene zur Sprache kommen soll. Bereits in den nächsten Wochen müsse das Thema der nächsten Bischofssynode der Weltkirche zur gründlichen Vorbereitung zugeleitet werden. In diesem Zusammenhang habe man auch über Möglichkeiten einer effizienteren Arbeit und eines direkteren Austauschs anstelle der bislang aneinandergereihten Monologe beraten.  Am zweiten Arbeitstag wandten sich die Kardinäle den eigentlichen Fragen der Kurienreform zu – wie sollen die Behörden aufgebaut und strukturiert sein, wie das Verhältnis der Dikasterien zum Papst, wie stehen sie zueinander, wie sollte das Staatssekretariat funktionieren? Dies sei jedenfalls ein weites Themenfeld, zu dem erwartungsgemäss zahlreiche Anregungen und Vorschläge aus der Weltkirche eingetroffen seien. Weiter kam bei den Beratungen die Rolle der Laien im Vatikan zur Sprache. Es ging um den bestehenden Päpstlichen Rat für die Laien, aber generell auch um die Bedeutung und das Gewicht der Laien im Vatikan. Der Kardinalsrat setzt seine Beratungen vom 3. bis 5. Dezember 2013 fort. Ein weiteres Treffen sei für Februar 2014 vorgesehen.

HK, Erlebte Menschlichkeit, S. 582

Nach der exakten Analyse des Rom-Korrespondenten des Londoner „Tablet“, Robert Mickens, vom 17. September 2011, sind von den 126 Spitzenfunktionären in der römischen Kurie (Staatssekretariat, 9 Kongregationen, 12 päpstliche Rate, 3 Gerichte) 99, also mehr als drei Viertel, von Benedikt XVI. ernannt worden. Davon sind 47 Italiener und 12 Spanier, aber nur 5 Franzosen und 3 Schweizer. Grossbritannien und Polen haben je 2, Portugal, Slowakei, Belgien, Irland und die Niederlande haben je einen Vertreter  Ganz Nordamerika hat 10, Lateinamerika (das immerhin rund die Hälfte der Katholiken der Welt aufweist) sogar nur 5, Afrika ebenfalls 5 und Asien nur 3. Das Erstaunliche: kein einziger Deutscher findet sich unter diesen kurialen Spitzenfunktionen, Ausdruck von Ratzingers Misstrauen gegenüber seinen zumeist kritischen Landsleuten. Erst 2012 ernennt er einen Gesinnungsgenossen, den erzkonservativen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, zum Präfekten der Glaubenskongregation. Hauptverantwortlich für die Re-Italianisierung ist der deutsche Papst, unter dem sich eine kleine vorwiegend italienische Clique von Jasagern an die Hebel der Macht setzen kann, die kein Verständnis für Reformforderungen haben. (…)

Martin Werlen, Heute im Blick, Herder 2014, S. 163
Verlogenheit gibt es nicht nur zwischen den Konfessionen, es gibt sie auch im eigenen Haus. Von mehreren Kardinälen habe ich über schlimme Zustände in der Kurie gehört. In der Öffentlichkeit aber stritten sie wiederholt eine Kurienreform als unnötig ab, wie alles problemlos laufe. Die angesprochenen Skandale seien Erfindungen der Medien. Bald nach der Wahl von Papst Franziskus sagten wiederum dieselben Leute, die dringliche Aufgabe des neuen Papstes sei die Kurienreform. Leider hat die angeblich ‚christlich-humanistische Kultur‘ im Vatikan solche Haltungen stark gefördert. Wären diese Kardinäle immer sich selbst treu geblieben, wären sie leider wohl nicht Kardinäle geworden. Und so wurden selbst hervorragende Persönlichkeiten zu Windfahnen. Bleibt zu hoffen für sie selbst und für die Kirche, dass sie zu ihrer gottgeschenkten Originalität zurückfinden. Auch Papst Franziskus liegt Aufrichtigkeit am Herzen.

OR Nr. 1/2 vom 9. Januar 2015, S. 10 (…)
Die Römische Kurie und der Leib Christi
Papstschelte am 22. Dezember 2014 in der Sala Clementina, Papstpalast, beim Weihnachtsempfang der Römischen Kurie.  Folgende 15 „Krankheiten“ hat Franziskus der Kurie vorgeworfen:

1
Die Krankheit, sich „unsterblich“, immun“ oder sogar „unentbehrlich zu fühlen“ und so die notwendigen und üblichen Kontrollen zu unterlassen. Eine Kurie, die keine Selbstkritik übt, die sich nicht fortbildet, die nicht versucht, sich zu bessern, isgt ein kranker Leibt. (…)

2
Eine weitere Krankheit ist der Martalismus (von „Marta“ abgeleitet), der übertriebene Fleiss: die Krankheit derer, die sich in die Arbeit versenken und dabei unvermeidlich „das Bessere“ vernachlässigen, nämlich sich Jesus zu Füssen zu setzen.(…)

3
Es gibt auch die Krankheit der geistigen und geistlichen „Versteinerung“: die Krankheit derer, die ein Herz von Stein haben und „halsstarrig“ sind; die unterwegs die innere Gelassenheit, die Lebendigkeit und die Kühnheit verlieren, die sich hinter den Schriftstücken verstecken und „Aktenbearbeitungsmaschinen“ werden anstatt „Gottesmänner“. (…)

4
Die Krankheit der Planungswut und des Funktionalismus: wenn der Apostel alles minutiös genau plant und glaubt, dass mit einer perfekten Planung die Dinge wirklich vorankommen, er aber auf diese Weise ein Buchhalter wird oder ein Betriebswirt. (…)

5
Die Krankheit der schlechten Koordination: wenn die Glieder nicht mehr gemeinschaftlich miteinander verbunden sind und der Leib seine harmonische Funktionsfähigkeit und sein Mass verliert. Dann wird er zu einem Orchester, das nur Lärm hervorbringt, weil seine Glieder nicht zusammenspielen und keinen Gemeinschafts- und Teamgeist leben. (…)

6
Es gibt auch die Krankheit des „geistlichen Alzheimer“: das Vergessen der eigenen „Heilsgeschichte“, der persönlichen Geschichte mit dem Herrn, der „ersten Liebe“. Es handelt sich um einen festschreitenden Verfall der spirituellen Fähigkeiten, der früher oder später zu schweren Behinderungen des Menschen führt und ihn unfähig werden lässt, autonom zu handeln. (…)

7
Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit: wenn die äussere Erscheinung, die Farbe der Talare und die Ehrenabzeichen zum vorrangigen Lebensziel werden und man die Worte des heiligen Paulus vergisst: „… dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut“. Sondern in Demut schätze einer den anderen höher ein als sich selbst. (…)

8
Die Krankheit der existenziellen Schizophrenie. Es ist die Krankheit derer, die ein Doppelleben führen, Frucht der typischen Heuchelei des Mittelmässigen und der fortschreitenden spirituellen Leere, die durch Diplome und akademische Titel nicht gefüllt werden kann. (…)

9
Die Krankheit des Geredes, des Gemunkels und des Tratschs. Von dieser Krankheit habe ich schon viele Male gesprochen, aber nie genug. Es ist eine schwere Krankheit, die ganz einfach beginnt – vielleicht nur, um ein kleines Schwätzchen zu halten – und sich dann des Menschen bemächtigen, ihn zum „Unfriedenstifter“ macht. (…)

10
Die Krankheit, die Vorgesetzten zu vergöttern: es ist die Krankheit jener, die ihre Oberen hofieren in der Hoffnung, deren Gunst zu erlangen. Sie sind Opfer des Karrierismus und des Opportunismus (prinzipienloses Anpassen an die jeweilige Lage; Handeln nach Zweckmässigkeit); sie ehren Menschen und nicht Gott. (…)

11
Die Krankheit der Gleichgültigkeit gegenüber den anderen: wenn einer nur an sich selber denkt und die Aufrichtigkeit und Herzlichkeit der menschlichen Beziehungen verliert. Wenn der mit der grössten Sachkenntnis sein Wissen nicht in den Dienst der weniger sachverständigen Kollegen stellt. (…)

12
Die Krankheit der Totengräbermiene. Es ist die Krankheit der Mürrischen und Griesgrämigen, die meinen, um seriös zu sein, müsse man ein trübsinniges, strenges Gesicht aufsetzen und die anderen – vor allem die, welche man niedriger einstuft – mit Strenge, Härte und Arroganz behandeln. (…)

13
Die Krankheit des Hortens: wenn der Apostel eine existenzielle Leere in seinem Herzen zu füllen sucht, indem er materielle Güter anhäuft, nicht aus Notwendigkeit, sondern nur, um sich seiner zu fühlen. In Wirklichkeit werden wir nichts Materielles mitnehmen können, denn „das Totenhemd hat keine Taschen“. (…)

14
Die Krankheit der geschlossenen Zirkel, wo die Zugehörigkeit zum Grüppchen stärker wird als die zum Leib und – in einigen Fällen – zu Christus selbst.

15
Und die letzte Krankheit, die des weltlichen Profits, der Zuschaustellung, wenn der Apostel seinen Dienst in Macht und seine Macht in Ware verwandelt, um weltlichen Nutzen oder mehr Einfluss zu gewinnen. (…)

Katholische Wochenzeitung Baden  41/2017 Oktober, S. 4
Kardinal Müller: In der Kurie herrscht ein Klima der Angst

Papst Franziskus ist von „Spionen“ und „falschen Freunden“ umgeben, sagt der emeritierte (WA: nicht mehr bestätigte) Präfekt der Glaubenskongregation.
In der römischen Kurie herrsche ein Klima der Angst. Ein kurzes oder harmloses Wort der Kritik sei oft ausreichend, um in Ungnade zu fallen. Diese Bemerkungen würden Papst Franziskus zugetragen, und die fälschlich beschuldigten Personen hätten keine Möglichkeit, sich zu verteidigen. Dies sei ihm aus verschiedenen Bereichen der römischen Kurie versichert worden, sagte Kardinal Müller in einem Interview mit Edward Pentin vom „National Catholic Register“. (ncregister.com)
Dieses Phänomen sei nicht auf den Vatikan beschränkt, ergänzte Müller. An Hochschulen und Universitäten sei es ähnlich. Jeder, der das nachsynodale päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ in Frage stelle, insbesondere die vieldiskutierte Fussnote 351, gefährde seine akademische Karriere, sagte er. (…)

Der Bund vom 21.12.2017 (fur/sda)
Papst bezeichnet römische Kurie als „Krebsgeschwür“

An der päpstlichen Weihnachtsansprache hat das Oberhaupt der katholischen Kirche zu einem Rundumschlag angesetzt. Er hat „Verräter“ in der römischen Kurie kritisiert und „Ehrgeiz und Ruhmsucht“ unter den Mitarbeitern angeprangert. In seiner traditionellen Weihnachtsansprache an die Leitungsebene der katholischen Kirche beschwerte sich der Pontifex auch über ehemalige Mitarbeiter, die sich als „Märtyrer“ darstellten statt ihre Schuld einzuräumen.
Über sein mühsames Reformvorhaben (→Kardinalsrat C8) sagte er am Donnerstag im Vatikan vor Kardinälen, Bischöfen und Priestern: „In Rom Reformen zu machen, ist wie die ägyptische Sphinx mit einer Zahnbürste zu putzen“. (…)
Er nannte „Personen, die sorgfältig ausgewählt werden, um der Reform grössere Kraft zu geben, aber die Grösse ihrer Verantwortung nicht verstehen und sich von Ehrgeiz und Ruhmsucht korrumpieren (verderben/bestechen) lassen“. „Und wenn sie sanft aus ihrem Amt entfernt werden, erklären sie sich zu Märtyrern des Systems, des „schlecht informierten Papstes“ und einer „alten Garde“, anstatt „mea culpa („durch meine Schuld“) zu sagen“. (…)

OR Nr. 1 vom 05.01.2018, S. 7
Weihnachtsempfang für die Römische Kurie
Auszug

(…) Die Sinne helfen uns, die Wirklichkeit aufzunehmen und ebenso unseren Platz in der Wirklichkeit einzunehmen. Nicht zufällig kam der heilige Ignatius von Loyola bei seiner Betrachtung der Geheimnisse des Lebens Christi und der Wahrheit auf die Sinne zu sprechen.
Dies ist sehr wichtig, um die unausgewogene und verwerfliche Mentalität von Verschwörungen oder kleinen Zirkeln zu überwinden. Diese stellen nämlich in Wirklichkeit trotz aller Rechtfertigungen und guten Absichten ein Krebsgeschwür dar, das zur Selbstbezogenheit führt und auch vor Organismen der Kirche als solchen und insbesondere vor den Menschen, die dort arbeiten, nicht Halt macht. (…)

OR Nr. 7 vom 16.02.2018, S. 1
Geistliche Exerzitien für die Römische Kurie

„Lobrede auf den Durst“ lautet das Thema der diesjährigen Exerzitien des Papstes und der Kurie. Sie finden vom 18. bis 23. Februar in Ariccia südöstlich von Rom statt. Geleitet werden sie vom portugiesischen Priester José Tolentino de Mendonca. Er ist Vizerektor der Katholischen Universität Lissabon und Mitglied des Päpstlichen Rats für die Kultur. Zudem ist der 1965 geborene Theologe auch Dichter: 2014 vertrat er sein Land offiziell bei dem von der UNNESCO veranstalteten Welttag der Poesie. In seinen Betrachtungen werde er über die verschiedenen Aspekte geistigen Durstes und der Sehnsucht sprechen. Zum täglichen Programm der Einkehrtage gehören die morgendliche heilige Messe um 07.30 Uhr sowie eine Meditation am Vormittag und eine weitere Meditation von José Tolentino am Nachmittag. Der Tag endet mit dem Gebet der Vesper und Eucharistischer Anbetung. Während der fünftägigen Exerzitien entfallen alle offiziellen Termine des Papstes.

OR Nr. 47 vom 22.11.2019, S. 3
Römische Kurie soll Einsatz von Laien fördern

Vatikanstadt. Papst Franziskus will eine Stärkung von Laiengläubigen durch die Römische Kurie bewirken. Es gelte, ihnen zu helfen, „erwachsen“ zu werden und sich „furchtlos und mutig“ ins Freie zu wagen.  Die Kirche wolle wie „jede Mutter, dass ihre Kinder wachsen und autonom, kreativ und unternehmend werden“, so der Papst am Samstag, 16.11.2019, vor Mitarbeitern des vatikanischen Dikasteriums für Laien, Familie und Leben. Laien sollten ihre Talente in Gesellschaft, Kultur und Politik einbringen.
Mit Blick auf die Herausforderungen der Glaubensweitergabe sagte Franziskus, man dürfe „keine Angst haben, den Laien selbst die Begleitung anderer Laien im geistlichen Leben anzuvertrauen“. Weiter betonte er, die Kirche müsse auch Traditionen bewahren. Erster Wunsch der Kirche sei „Eintracht unter allen ihren Kindern“ ohne Bevorzugung und Vorlieben.
Nachdrücklich wandte sich der Papst gegen eine „Klerikalisierung von Laien mit bestimmten Aufgaben in der Kirche. In diesem Zusammenhang äusserte er sich auch kritisch über den liturgischen Dienst ständiger Diakone. Diakone dürften keine „Messdiener erster Klasse oder Priester zweiter Klasse“ sein. Zur Frage von Führungspositionen von Frauen sagte er, man müsse in der Kurie noch weitere Frauen „auf Beraterposten, auch auf Leitungsposten“ bringen.
Anlass der Papstaudienz war die erste Vollversammlung des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben (Platziert im Palast S. Callisto, Trastevere). Die Behörde entstand im Zuge einer Umstrukturierung im Herbst 2016. Präsident ist der US-amerikanische Kardinal Kevin Farrell.

→Kurie, das Leben an der Kurie       →Kurie, das Leben an der Kurie

Kurienreform

→Kardinalsrat C8 (K9-Rat)