C

Calisto, San, Palazzo, Rom

(→Adressen San Calisto)

Piazza di San Calisto, Nr. 16 (links neben der Kirche S. Maria in Trastevere)

„Zweiter Vatikan“: Administration Hl. Stuhl:
Adressen und Telefon-Nummern aller Päpstlichen Räte:  →Räte

Camillo Don und Peppone  

→ Don

Campo Santo Teutonico neben der Peterskirche 

→ Deutscher Friedhof

Cancelleria in Rom

(→ Adressen)
Piazza della Cancelleria, 1

Canonica, Palazzo della

  • (hinter Petersdom-Sakristei, gleicher Bau)
    Sitz  des Vikariates des Staates der Vatikanstadt
  • Generalvikar Seiner Heiligkeit für die Vatikanstadt ) Personalchef
  • Erzpriester der Päpstlichen Basilika St. Peter        )  ein Kardinal, zzt.
  • Präsident der Dombauhütte von St. Peter             )   Angelo Comastri (08.2015)
    (Erzpriester: Stellvertreter des Bischofs an grossen Kirchen, „Personalchef“. In  unserem Falle hat er  vermutlich die meisten Bischöfe und Kardinäle  zu „betreuen“.)
  • Pfarramt St. Peter im Vatikan
  • Kanoniker-Wohnungen, die da sicher 10 bis 15 sind.

Nach den Lateranverträgen wurde die Jurisdiktion des Vatikangebietes von derjenigen der Diözese getrennt. Die Gläubigen, die auf diesem Territorium lebten, sollten von einem eigenen Vikariat (Generalvikar) betraut werden:

  • Ganzer Staat der Vatikanstadt (einschl. Mitarbeitende)
  • (Lateranpalast)
  • der Apostolische Palast von Castel Gandolfo
  • die Päpstlichen Villen Cybo und Barberini in Castel Gandolfo
  • die Peterskirche

Der Chirograph (direkte päpstliche Verfügung) vom 14.01.1991:
Die Seelsorge im Staat der Vatikanstadt wird von jetzt an dem jeweiligen Erzpriester der Vatikanbasilika übertragen, der somit auch Generalvikar für die Vatikanstadt und die Päpstlichen Villen in Castel Gandolfo wird. Ausgeschlossen aus seiner Jurisdiktion bleibt der Lateranpalast, der dagegen dem Kardinalvikar für die Diözese Rom untersteht. Weiter: Der Pfarrer von St. Anna wird auf Vorschlag des Generalpriors des Augustinerordens und des Erzpriesters vom Papst ernannt.

  • Pastorale Verfügungen vom Papst her an den Erzpriester:
  • Angemessene Katechese für die Menschen, die auf vatikanischem Territorium  wohnen oder jeden Tag der Arbeit nachgehen
  • Eine an die Zeiten im Jahreskreis angepasste Seelsorge, mit einer
    angemessenen Vorbereitung, vor allem an Höhepunkten des liturgischen
    Jahres wie Advent, Fastenzeit, Ostern oder den Marienfesten
  • Es sind geeignete Räumlichkeiten in der vatikanischen Canonica zu finden, in dem sich das General Vikariat der Vatikanstadt niederlassen kann

Der heutige Erzpriester sagt aus:

Der kleinen „Kirche“ der Vatikanstadt kommt die Aufgabe zu, den Pilgern gegenüber, die aus der ganzen Welt zum Ort des Martyriums und zur Grabstätte des Apostels Perus strömen, ein außergewöhnliches Zeugnis abzulegen. Die „vatikanische Christengemeinde“ ist für die Pilger sozusagen das Antlitz der Kirche.

Carlo San, Palazzo

Vatikanstaat, rechts von Domus Santa Marta, Eingang Perugino. Hier sind vorzufinden:

  • Filmarchiv und Kino (siehe dort)
  • Kartei des Informationsbüros über das Geheimarchiv
  • Päpstlicher Rat für soziale Kommunikationsmittel (einziges von 21 Dikasterien/Ministerien, das zum Teil auf vatikanischem Staatsgebiet liegt)
    Korrektur: ausgezogen, jetzt an der Via della Conciliazione
  • Jungeninternat (24 Betten), 1956 gegründet. Jungens mit Eltern zusammen, die den Priesterberuf erhoffen. Schule selbst an der Viale Vaticano 42, Rom  (1 Priester je Jahr). Siehe auch „Schulen“.
  • Wohnungen

Casino „Pius IV.“ in den Vatikanischen Gärten (mit Foto)

Vatikan - Stato della Città del Vaticano

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S.119:

Hinter einem geschmiedeten Eisenzaun ist unter wie Schirmpinien ein cremeweisses, ein wenig verschachteltes doch sehr verlockendes Renaissance-Lustschlösschen zu sehen. Das ist die Casina Pio IV. (1559-65), gebaut von demselben Architekten Pirro Ligorio, der in Tivoli die Villa d’Este entworfen hat. Wenn es im Vatikan einen Ort gibt, der dem Ideal des paradisus von Nikolaus V. (1447-55), entspricht, dann ist es hier. Man geht durch einen Torbogen „ad hortos vaticano“ (hortus = Garten, Park), wie es Gregor XVI. netterweise ausschildern liess, und vorbei an der Statue eines antiken Redners. Eigentlich sollte das Gebäude ein Haus der Einkehr und Meditation werden. Aber der Medici-Papst  Pius IV. erweiterte den Bau zu einem wahrhaftigen Schlösschen mit überdachter Loggia, Mosaiken, Wasserspielen und 2 Vestibülen. Das Innere prangt nur so von Fresken und antiken Statuen, Marmorböden und Stuckfigurinen (Nebenfiguren in Gips in Landschaftsgemälden). Der Boden ist mit handgemalten Kacheln ausgelegt. An den Wänden sind Medaillons mit mythischen (überlieferte Götter- und Dämonensagen) Szenen eingelassen, die schöne Diana (Göttin der Jagd), die Geburt der Venus (röm. Liebesgöttin), üppige weibliche Karyatiden (griech. weibliche Säulenfigur als Gebälkträgerin). Wer hier meditieren möchte, braucht gute Nerven. Dennoch sind in diesem Palazzino die Päpstlichen →Akademien für Wissenschaften und Sozialwissenschaften anzutreffen.

„Pontificia Academia Scientiarum“ steht auf dem glänzend geputzten Klingelschild am Eingang. Diese Wissenschaftsakademie hatte schon Galileo Galilei als Gründungsmitglied und ist bis heute eine der vornehmsten Einrichtungen der scientific community, die einzige internationale Akademie ihrer Art, ganz und gar dem reinen Wissen gewidmet. Wer hier keinen Nobelpreis vorweisen kann, muss sich ganz hinten anstellen. 30 Preisträger sind gegenwärtig Mitglied und dürfen sich damit „Exzellenzen“ von Papstes Gnaden nennen. Die Mikrobiologen Werner Arber (2011: jetzt deren Präsident) und Günter Blobel, die Physiker Stephen W. Hawking, Kai Siegbahn oder Aage Bohr. Papst Pius IX. (1846-78) bestimmte, dass es keinerlei rassistische oder religiöse Diskriminierung bei der Wahl der Akademiker geben dürfte. So finden sich unter den derzeit 91 Mitgliedern auch notorische Atheisten wie der Neurologe Wolf Joachim Singer, Protestanten und Muslime. Jedes Jahr wird ein Thema debattiert und keineswegs nur religionsrelevante. In den letzten Jahren gab es Konferenzen zur Geopolitik des Wassers und zu Grundsatzfragen der Mathematik. Die Exzellenzen sitzen dann wie Studenten in den engen Bankreihen des Auditoriums und lauschen den Diskussionspapieren und Gegenpapieren. Über die Themen befindet ein Ausschuss. Die Debatten werden bisweilen in aller Schärfe geführt. Als auf Anregung des ehemaligen Mitglieds Ratzinger über die Frage diskutiert wurde, ab welchem Zeitpunkt ein Mensch für tot zu erklären sei, ging es  so heiss her, dass im Konferenzbericht Minderheitsmeinungen und schriftliche Proteste abgedruckt werden mussten.

Per motu proprio, also ganz aus eigenem Willen, erklärte Johannes Paul II. 1994 eine Akademie für Sozialwissenschaften, „Socialium Scientiarum“, für gegründet, ebenfalls in dem Palazzo angesiedelt. Zurzeit 35 auf Lebenszeit berufene katholische Wissenschaftler sollen hier die katholische Soziallehre weiterentwickeln und die Kurie vor wichtigen Fachdokumenten briefen. Der Papst hat sich mit den Akademien ein Instrumentarium geschaffen, das sein Lehramt vor Weltferne bewahren soll. Ein prominentes deutsches Mitglied ist der ehemalige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer. Daneben der Verfassungsrechtler Paul Kirchhof, der Pariser Politologe René Rémond oder die Nobelpreisträger Edmond Malinvaud, Joseph Stiglitz und Kenneth J. Arrow. Zu ihren Tagungen können die Weisen sich hochkarätige Gäste einladen, Weltbankpräsidenten oder Minister. Keinem wird ein Zimmer in einem der römischen Luxushotels bereitgestellt, allesamt müssen sie im vatikaneigenen und im Vatikanstaat gelegenen ***Hotel Domus Sanctae →Martae absteigen.
→Akademie…

Castel Gandolfo, Sommerresidenz des Papstes 

426 m ü. M. (gleich hoch wie die Wetterstation des Flughafens Zürich-Kloten), 9’000 Einwohner, 14 km2 Gemeindefläche

Castel Gandolfo Schweizersaal Rena

Schweizersaal in der Sommerresidenz. Hier stand bei Empfängen das Ehren-Detachement der Schweizergarde.

Palast: Tel. extern 0039 06 932 00 01, intern 63111
Ville Pontifice, Zentrale 06 698 631 11. Sekretariat 06 698 632 81
Das Hoheitsgebiet des Vatikanstaates in Castel Gandolfo (auf 5 verschiedenen Parzellen) umfasst eine Fläche von 0,55 km2, gleich gross wie beispielsweise die Überbauungsfläche der Schweizer Gemeinde Biberstein AG. Das Hoheitsgebiet ist also grösser als der Staat der Vatikanstadt selber (0,44 km2).
Die Sommerresidenz des Papstes steht auf geschichtsträchtigem Boden. Castel Gandolfo ist das aus der römischen Sage bekannte Alba Longa, das von Ascanius, dem Sohn des Aeneas, gegründet worden sein soll und von Tullius Hostilius, dem dritten König Roms, zerstört wurde. Die römischen Kaiser Claudius (41-54) und Domitian (81-96) liessen auf den Ruinen der Stadt prächtige Villen errichten. Im hohen Mittelalter bauten die Gandulfi, eine genuesische Familie, dort eine Burg. Die Festung ging später in den Besitz des römischen Adelsgeschlechtes der Savelli über. Im Jahre 1604 fiel sie an die Apostolische Kammer, die für die Begleichung einer hohen Schuld der aristokratischen Familie aufgekommen war. Der erste Papst, der sich in Castel Gandolfo aufhielt, war Urban VIII. (1623-1644). Schon lange vor seiner Wahl zum Nachfolger Petri hatte er sich häufig dorthin begeben, um Ruhe und Erholung zu finden. Am Albaner See besass er als Kardinal ein Haus und einen Weinberg. Hier fand er die Musse, lateinische Gedichte zu verfassen, ein Sonett widmete er  „der Lieblichkeit der Villa zu Castel Gandolfo“. (Ulrich Nersinger)

OR Nr.  25 vom 24.06.2011
Vor der Generalaudienz am 15. Juni 2011 segnete Papst Benedikt XVI. eine Glocke, die von der Glockengiesserei Marinelli in Agnone (Region Molise) angefertigt wurde. Sie wird demnächst in der Pfarrkirche „San Tomaso da Villanova“ in Castel Gandolfo erklingen. Die Glocke wurde zum freudigen Anlass des 60. Priesterjubiläums von Benedikt XVI. gegossen und trägt das Wappen und den Namen des Heiligen Vaters.

A. Gahlinger, Die neue Garde, S. 60:
So stand Pius XI. (1922-39) im Jahre 1929  nach dem Friedensschluss mit Italien im Lateranvertrag vor der Alternative: auf die Rückgabe von Castello zugunsten des Farnese-Schlosses von Caprarola zu verzichten,  oder aber an Stelle der alten, zerfallenen eine neue Villa  aufzubauen. Getreu seinem Grundsatze, das gute Alte beizubehalten und es mit zweckmässigem Neuem harmonisch zu verbinden, liess er die ganze Anlage von tüchtigen Architekten stilgerecht instand setzen. Die heutige Sommerresidenz ist somit sein Werk. Die Ingenieure Ratti und Castelli sowie der gegenwärtige Direktor der Anlage, Commendatore Bonomelli, haben dort Beweise ihres beruflichen Könnens hinterlassen. – WA: Caprarola liegt rund 60 km nordwestlich von Rom. Das Farnese-Schloss ist heute im Besitz der italienischen Republik. Casino und Gärten sind Residenzen des italienischen Staatspräsidenten, früher hielten sich dort die Thronerben des jungen italienischen Königreiches auf.

Eine grössere, umfassende Renovation wurde indessen bereits im Jahre 1945 wieder dringend notwendig. Die 3’000 bis 4’000 Flüchtlinge, welche die Villa während der ganzen Dauer des Krieges besetzen durften, haben naturgemäss die Räumlichkeiten stark abgenützt. In einem heftigen Bombenangriff wurde zudem das Bauerngut der Villa, einer der schönsten Musterbetriebe Mittelitaliens, teilweise dem Erdboden gleichgemacht.

Katholische Wochenzeitung  Nr. 28 vom 15. Juli 2011:
Eine neue Aussicht erwartet den Papst, wenn er in wenigen Tagen zu seinem Sommersitz Castel Gandolfo zurückkehrt: Nicht mehr ockerfarben, sondern fast strahlend weiss wird die Kirche „San Tommaso da Villanova“ ihn auf der Piazza della Liberta begrüssen. Am 15. August, Maria Himmelfahrt, wird Benedikt XVI. in der Bernini-Kirche (vatikanisches Hoheitsgebiet) mit der frisch renovierten Aussenfassade einen Gottesdienst feiern.

Feinkost- und Souvenirhändler Maurizio Carosi (Er soll morgens die erste Milch vom Bauernhof bekommen.) kann den Herkunftsort der Touristen in Castel Gandolfo am jeweiligen Wochentag festmachen: „Mittwochs und freitags legen in Civitavecchia Kreuzfahrtschiffe mit Amerikanern an, von denen viele einen Tagestrip durch die römischen Castelli machen und zu uns kommen. In einem Fotoalbum hat Carosi Bilder von Benedikt XVI. und Johannes Paul II., ebenso eine Schwarzweiss-Fotografie von Gläubigen, die Pius XI. (1922-39) begrüssen. Die Geschichte der Sommerresidenz geht jedoch viel weiter zurück. Seit 1628, nachdem Urban VIII. (1623-44) die Burg zu einem Papstpalast umbauen liess, entfliehen die Päpste zwischen Mitte Juli und Mitte September der römischen Sommerhitze nach Castel Gandolfo.

2. Weltkrieg: Papst Pius XII. (1939-58) hatte sein Refugium ein halbes Jahr bis zum Abzug der deutschen Besatzer aus Rom am 4. Juni 1944 für Verfolgte geöffnet. Rund 12’000 Menschen fanden damals in den Palästen und Gärten Zuflucht. Carosi deutet auf ein Bild, das Schwangere in aneinandergereihten Betten in den Privatgemächern zeigt. „Rund 40 Kinder sind damals im päpstlichen Schlafzimmer geboren worden“, erzählt er.

AS, Vatikanistan, S. 304:
Wandelgang der kaiserlichen Villa mit einem grossen Eisenkreuz. Auf dem Sockel des Kreuzes, einem korinthischen Säulenstumpf, stehen sonderbare Inschriften: mit Bleistift hingekrakelte Namen, dahinter Jahreszahlen aus den 1940ern. Letzte Spuren einer vergessenen Geschichte. Während der deutschen Besatzung Roms, im Januar 1944, liess der damalige Papst, Pius XII., seine Sommerresidenz samt Gärten für Flüchtlinge, Verfolgte und Anwohner öffnen. Von niemandem wurde der Taufschein oder der Parteiausweis verlangt. Die wenigen Schwarz-Weiss-Bilder aus jenen Tagen zeigen eine lange, schweigende Kolonne von Personen – beladen mit Matratzen und wenigen persönlichen Dingen – bei ihrem Einzug in den päpstlichen Palast durch das Tor, das auf den Marktplatz der Stadt blickt. In den schlimmsten Kriegsmonaten lebten hier, im exterritorialen Gebiet, zwischen 12’000 und 40’000 Menschen (die Quellenlage ist dünn). Sie kampierten in den Ruinen des römischen Kaisers, wuschen sich in den Zierbrunnen und ernährten sich von selbst gezogenem Gemüse. Und sie kritzelten ihre Namen auf die Steine, weil keiner sicher sein konnte, den Krieg zu überleben. Die päpstlichen Gemächer waren den Schwangeren reserviert, und so kamen in Castel Gandolfo 36 Kinder zur Welt – eine nie wieder erreichte Fruchtbarkeit in den Schlafzimmern eines Papstes. Fast alle Neugeborenen wurden Pio (Pius) oder Eugenio genannt, auch die der zahlreichen kommunistischen Eltern. Eine Geste der Dankbarkeit gegenüber Eugenio Pacelli, dem Papst Pius XII.
siehe „Gärten, Castel Gandolfo“

OR Nr. 37 vom 11.09.2015, S. 3
Die Päpstliche Sommerresidenz in Castel Gandolfo und der Bahnhof im Vatikan öffnen ab dem 12. September 2015 ihre Tore für Besucher. Künftig können Teile des museal aufbereiteten Papstpalastes besichtigt werden – nicht jedoch die Privaträume des Papstes, in denen sich jüngst noch Benedikt XVI. aufgehalten hatte. Die Entscheidung ist gefallen, nachdem Papst Franziskus auf die Nutzung der traditionellen Papstvilla in dem 25 Kilometer südöstlich von Rom gelegenen Ort in den Albaner Berger verzichtet hatte. Jeden Samstag können Touristen und Pilger von nun an mit dem Sonderzug vom Vatikan aus nach Castel Gandolfo fahren und dort einen grossen Teil der päpstlichen Villa, der vatikanischen Gärten und Museen ansehen. In den Museen sind neben liturgischen Artefakten ungefähr 50 Bilder von Päpsten der vergangenen 500 Jahre ausgestellt. Tickets können auf der Internetseite der Vatikanischen Museen für 40 Euro gebucht werden. (Tel. Museen: 0039 06 698 83 332)

CGandolfo Foto Stefan Meier k

Castel Gandolfo, ungefähr 25 km südlich von Rom, oberhalb des Albanersees mit Papstresidenz (Erholungsresidenz) und Dorfkirche.

Jürgen Erbacher, Der Vatikan, das Lexikon, S. 95
Die Päpstliche (Sommer-)Residenz Castel Gandolfo befindet sich etwa 26 km südöstlich von Rom in dem 9’000-Seelen-Dorf Castel Gandolfo in den Albaner Bergen. Dieses liegt in 426 m Höhe auf einem Kraterrand und eröffnet einen wunderbaren Blick auf den Albaner See. Mit 55 Hektar Fläche ist der Vatikan II, wie das Gelände gelegentlich genannt wird, grösser als die Vatikanstadt (44 Hektar).
Die Sommerresidenz ist Extraterritoriales Hoheitsgebiet des Vatikans. Das Gelände erstreckt sich über 2 Kilometer von Castel Gandolfo bis zum benachbarten Dorf Albano. An der breitesten Stelle misst es 500 m. Etwa die Hälfte der Fläche ist Gartenanlage, die andere Hälfte wird landwirtschaftlich vom Päpstlichen →Bauernhof genutzt.
Auf dem Gelände gibt es 3 grosse Villen sowie zahlreiche weitere Gebäude. Die grösste Villa ist der Apostolische Palast, der am nördlichen Ende des Territoriums liegt. Sie wurde 1596 von Papst Clemens VIII. (1592-16054) erworben und unter Urban VIII. (1623-1644) von Carlo Maderno (Capolago/Tessin, *1556, 1629) in den 20er-Jahren des 16. Jahrhunderts zur heutigen Grösse aus- und umgebaut. Unter Clemens IX. (1667-1669) kam die benachbarte Villa Cibo hinzu. Seit dem 17. Jahrhundert sind die Villen offiziell Sommerresidenz des Papstes. Mit den Lateranverträgen wurde schliesslich die Villa Barberini mit ihren grossen Liegenschaften dem Territorium hinzugefügt, in der heute die Verwaltung der Päpstlichen Villen untergebracht ist. Im Apostolischen Palast befand sich bis Frühsommer 2009 die Päpstliche →Sternwarte, bevor sie in ein ehemaliges Kloster am Südende des Territoriums umzog. Lediglich die Teleskope befinden sich noch auf dem Dach des Palastes. Dieser beherbergt die Wohnung des Papstes, die Unterkünfte einiger Angestellten, die Räume der Schweizergarde sowie Audienzräume.
Der Innenhof des Palastes bietet für 3’000 Personen Platz und wird bei Anwesenheit des Papstes für das sonntägliche Mittagsgebet sowie Audienzen und Konzerte genutzt. Seit Frühjahr 2008 schützt ein elektrisch aus- und einholbares Sonnensegel die Besucher vor Sonne und Regen. Der Haupteingang des schlichten Barockpalastes, bei Papstanwesenheit von der Schweizergarde bewacht,  führt direkt auf den zentralen Dorfplatz von Castel Gandolfo.
Der Palast ist über einen schmalen Gebäudetrakt mit den grossen Gartenanlagen verbunden, die sich in verschiedene Abschnitte einteilen. So gibt es Anlagen im italienischen und im französischen Stil. An vielen Stellen sind Teile einer antiken römischen Villa (Kaiser Domitian, 51-96 n. Chr.) zu sehen.

bz BASEL vom 15.10.2016, S. 15, Dominik Straub, Rom
Franziskus schafft Sommerresidenz ab

Der Papst macht seinen Sommersitz Castel Gandolfo zum öffentlichen Museum. (…) Das Schloss in den Albaner Bergen soll nun zum Museum und ab dem 21. Oktober 2016 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, berichteten gestern italienische Medien. Fast alle päpstlichen Gemächer sollen dem Publikum geöffnet werden, unter anderem die Bibliothek, das Studierzimmer, der Schweizersaal (benannt nach der Schweizergarde), der Saal des Konsistoriums – aber auch das Schlafzimmer mit Meerblick, wo sich fast alle Päpste der letzten 400 Jahre während der Sommerferien von den Strapazen ihres Amtes erholt hatten. In diesem Zimmer wurden übrigens während des 2. Weltkrieges rund 40 Kinder geboren.

OR Nr. 42 vom 21.10.2016, S. 4
Papst öffnet alle Räume von Castel Gandolfo für Besucher

Papst Franziskus öffnet alle Räume der Sommerresidenz Castel Gandolfo in den Albaner Bergen für Besucher. Die Anlage 30 Kilometer südlich von Rom, in der Päpste 4 Jahrhunderte lang ihre Sommerferien verbracht hatten, wird vollständig in ein Museum umgewandelt.
Die Gärten von Castel Gandolfo waren von Franziskus bereits vor einem Jahr für Besucher geöffnet worden. Ab dem 21. Oktober 2016 wird die päpstliche Wohnung Besuchern vollständig zugänglich sein. Die Eröffnung der Räumlichkeiten wird mit einem Konzert gefeiert.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Benedikt XVI., der den Sommer gern in Castel Gandolfo verbrachte, hat Franziskus ganz auf Urlaubstage in der Kleinstadt am Albaner See verzichtet. Er verbringt auch die heissen Sommermonate in Rom im Gästehaus des Vatikans. Seit dem 17. Jahrhundert befindet sich die Residenz im Besitz der Päpste. Papst Urban VIII. hatte das Anwesen zu seiner Sommerresidenz gemacht. Besucher werden künftig das Schlafzimmer der Päpste sowie die Privatkapelle, in denen sie in Stille beten konnten, besichtigen können. Zu sehen sind auch die Bibliothek und das Arbeitszimmer, in dem die Päpste im Sommer Gäste empfingen. Der Festakt zur Eröffnung am 21. Oktober besteht aus Ansprachen, Führungen und dem Konzert.

Chinesisches Dach in den Vatikanischen Gärten

Rechts neben dem Adlerbrunnen, am Anfang des Waldes in den Vatikanischen Gärten

Das chinesische Dach, ein Geschenk der Katholiken Chinas an Pius XI. zur 19. Jahrhundertfeier des Todes Christi im Jahre 1933.

Christen, Reformierte Christen

Kath. Wochenzeitung  Nr. 26 vom 1. Juli 2011:

Wenn sich der Trend fortsetzt, werde im Jahre 2050 der Anteil der westlichen Christen nur noch 20 % betragen. Religionsstatistiker Patrick Johnstone, Bulstrode/England
Das Christentum ist weltweit auf dem Vormarsch – nur nicht in der westlichen Welt. Während um 1900 noch mehr als 80 % aller Christen in Europa und Nordamerika sowie im Pazifik-Raum (Australien, Neuseeland) beheimatet waren, ist dieser Anteil um die Jahrtausendwende auf 40 % gesunken. Die meisten Christen lebten heute in Afrika, Asien und Lateinamerika. Schon bald gebe es auch in China mehr Christen als in Nordamerika. Geistliche Aufbrüche habe es auch in Algerien, Bangladesch, dem Iran und in Indonesien gegeben.

Gemessen an der Wachstumsrate der Weltbevölkerung (1,4 %), sei ein überproportionales Anwachsen protestantischer Kirchen (2,2 %) festzustellen. Dies sei auf ein Mitgliederplus bei evangelikalen (4,7 %) und charismatischen Kirchen (3,9 %) zurückzuführen. Der Zuwachs bei den Protestanten gehe grösstenteils auf Bekehrungen zurück.

Kirche heute 1/ 2 2013 Januar:
Christen sind grösste religiöse Gruppe

Von den 5,8 Milliarden bzw. 84 % der Menschen auf der Welt, die einer Religion angehören, sind 2,2 Milliarden Christen; die Hälfte von ihnen Katholiken. Christen stellen somit ein Drittel der Weltbevölkerung; das Christentum ist ausserdem die am stärksten über den Globus verbreitete Religion. Dies geht aus einer in Washington veröffentlichten Studie des Pew Research Center hervor. Dem Christentum als Religion mit den meisten Anhängern folgt der Islam mit 1,6 Milliarden Gläubigen. Danach kommen Hindus mit einer Milliarde, Buddhisten mit 500 Millionen und Juden mit 14 Millionen. 400 Millionen bzw. 6 % aller Menschen praktizieren regionale Glaubensformen. Die drittgrösste Gruppe aber bilden – neben Christen und Muslimen – jene 1,1 Milliarden Menschen, die keiner Religion angehören.

Kirche heute 24/2013 Juni, S. 2
Christen weltweit verfolgt

Bei einer Konferenz in Genf vergangene Woche äusserte sich der Vatikan-Diplomat Silvano Maria Tomasi besorgt über die Situation der Christen in einigen Teilen der Welt. Jährlich würden rund 100’000 Christen aufgrund ihres Glaubens getötet. Zudem müssten Christen unterschiedlicher Konfessionen die Zerstörung ihrer Kultstätten, Vergewaltigungen und Entführungen ihrer Leiter erleben.

Katholische Wochenzeitung 38/2013 September, S. 2

„Schaden für unsere Kirche kommt nicht von ihren Gegnern. Er kommt von den lauen Christen.“ Papst Benedikt XVI.

OR Nr. 42 vom 18. Oktober 2013, S. 3
Christen und Atheisten diskutieren im November in Berlin

Christen und Atheisten diskutieren Ende November 2013 in Berlin beim vatikanischen Dialogforum „Vorhof der Völker“. Unter dem Thema „Freiheitserfahrungen mit und ohne Gott“ wird es dazu vom 26. bis 28. November 2013 vier Diskussionsrunden mit Vertretern aus Kultur, Wissenschaft und Politik geben, wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, im Vatikan mitteilte. Die Freiheit des Menschen, vor allem in der Medizin und der Kunst, stehe heute vor bisher unbekannten Möglichkeiten, so der Erzbischof. Besonders die Gentechnik lasse eine „unabsehbare Steigerung ihrer Fähigkeiten“ erwarten.

OR Nr. 1 vom 08.01.2016, S. 10
Christenverfolgung hat 2015 deutlich zugenommen

2015 ist die Zahl der verfolgten Christen weltweit deutlich gestiegen. Das Hilfswerk Open Doors/Deutschland schätzt ihre Zahl angesichts der „jüngsten weltweiten und enorm temporeichen Entwicklung“ auf „sehr weit mehr als 100 Millionen“, wie Open-Doors-Analyst Thomas Müller sagte. – Sorgen bereitet ihm demnach besonders der Exodus der Christen aus Syrien und dem Irak, wo vor allem die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) die Existenz der Glaubensgemeinschaften bedroht. Dort, wo Christen vertrieben werden, gehe „eine Epoche zu Ende“, so Müller. – Im Irak ist laut Open Door die Anzahl der Christen von 1,1 Millionen beim Einmarsch der USA 2003 auf heute unter 300’000 gesunken. In Syrien sei sie von 1,7 Millionen vor dem Beginn des Aufstands gegen Präsident Bashar al Assad und dem folgenden Bürgerkrieg auf heute deutlich unter eine Million gefallen; darunter seien allerdings viele Binnenflüchtlinge. – Das Hilfswerk fordert die Politik auf, dass verfolgte Christen weltweit umgehend unterstützt werden, bevor sie, wie es in manchen Ländern drohe, „als wichtige Stimme der Versöhnung aber auch als Glaubensgemeinschaft vertrieben und ausgelöscht werden“. Diese Unterstützung sei bislang „nicht annähernd in dem Umfang geschehen, wie es nötig ist“.

OR Nr. 24 vom 17. Juni 2016, S. 3
Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen beim Papst

Papst Franziskus hat am Freitag, 10.062016, eine Delegation der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WRK) im Vatikan empfangen. Ziel der Begegnung war es, die Beziehungen zu römisch-katholischen Kirche zu vertiefen, teilte die Weltgeme3inschaft anschliessend mit. Die Gruppe unter Leitung des Präsidenten der Gemeinschaft, Jerry Pillay, und des Generalsekretärs, Chris Ferguson, hat zudem den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und den Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden besucht.
Ferguson bezeichnete die Begegnung mit Franziskus als dringlich, da „entschieden gemeinsam auf die Gefahren und Leiden der Welt und ihrer Bevölkerung“ Antworten gefunden werden müssten. Gleichzeitig sei das Treffen auch freudig, da „wir wissen, dass wir durch Busse und Dialog der Einheit näher kommen, die Christus seiner Kirche geschenkt hat“.
In den Gesprächen mit dem Päpstlichen Einheitsrat ging es um die nächsten Schritte im offiziellen Dialogprozess, der schon mehrere Jahre im Gang ist.

OR Nr. 28 vom 15.07.2016, S. 11
Papst begeht Reformationsgedenken in Schweden

Kurienkardinal Kurt Koch betont, dass Papst Franziskus das Reformationsgedenken Ende Oktober 2016 im schwedischen Lund begehen werde. Dies geschehe aufgrund einer Absprache mit dem Lutherischen Weltbund, sagte der Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen in einem gemeinsamen Interview der österreichischen Kirchenzeitungen. Der Weltbund habe unterstrichen, „dass das Reformationsgedenken keine allein deutsche Angelegenheit mehr ist, sondern eine universale“, sagte Koch auf die Frage, ob der Papst möglicherweise 2017 zum Reformationsgedenken nach Deutschland komme. Der Vorschlag mit Lund sei im Konsens angenommen worden.
Auf die Nachfrage nach einem möglichen ökumenischen Papstgottesdienst in Wittenberg sagte der Kardinal: „Das Reformationsgedenken mit den Lutheranern findet, wie gesagt, in Lund statt. Von daher könnte man auch argumentieren, dass es auch andere Zweige der Reformation in Deutschland und vor allem in der Schweiz gibt, wohin Papst Franziskus auch eingeladen worden ist.“
Zuletzt hatte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, betont, er schliesse einen Papstbesuch in Deutschland 2017 nicht ausdrücklich aus. Denn er wisse nicht, welche Dynamik das Treffen des Papstes mit dem Lutherischen Weltbund in Schweden hervorbringen werde, so Bedford-Strohm.

Kirche heute 3/2017 Januar, S. 2
Christen im Visier der IS

Die Christen in der Türkei blicken mit Sorge in die Zukunft. Ihre ohnehin schwierige Lage dürfte sich nach dem Terroranschlag des „Islamischen Staates“ (IS) auf den Istanbuler Nachtclub „Reina“ in den ersten Stunden des Neujahrstages weiter verschärfen. Der IS hatte in einem Bekennerschreiben ausdrücklich erklärt, dass die in dem Club feiernden „Nazarener“, also Christen, das Ziel der Attacke gewesen seien. Bei der Attacke waren 39 Menschen getötet und etwa 70 verletzt worden. Bisher hat der IS in den von ihm eroberten Gebieten im Nordirak Christen – anders als die kleine Glaubensgemeinschaft der Jesiden (Angehörige einer kurdischen Religionsgemeinschaft) – nicht gezielt getötet, sondern vor allem vertrieben.

OR Nr. 4 vom 27.01.2017, S. 2
Rom. 500 Jahre nach der Reformation kommt Martin Luther (1483-1546) auf eine Briefmarke des Vatikans. Der deutsche Reformator sei Motiv eines Postwertzeichens, das im Laufe des Jahres herausgegeben werde, bestätigte das vatikanische Amt für Philatelie und Numismatik. Anlass ist das gemeinsame Reformationsgedenken von Lutheranern und Katholiken. Nähere Angaben zum Motiv machte das Amt nicht. Auch ob die vatikanische Luther-Briefmarke den üblichen 95-Cent-Nennwert für Standardbriefe innerhalb Italiens erhält, ist offen.

OR Nr. 4 vom 27.01.2017, S. 2
Kardinal Koch dämpft überhöhte Erwartungen an Reformationsgedanken

Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, wendet sich gegen überhöhte Erwartungen an das gemeinsame Reformationsgedenken 2017. Die Hoffnung, dies könne zu einer baldigen Einheit von Katholiken und Lutheranern führen, sei „sicher nicht realistisch“, schreibt Koch in einem mehrseitigen Beitrag für die Tagesausgabe unserer Zeitung vom 18. Januar. Der Kurienkardinal sieht im gemeinsamen Reformationsgedenken jedoch eine Chance, „weitere Schritte hin zu einer bindenden kirchlichen Einheit“ zu machen.
Koch erinnert in diesem Artikel an das gemeinsame ökumenische Gebet von Papst Franziskus und dem Präsidenten des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Munib Younan, beim ökumenischen Reformationsgedenken Ende Oktober 2016 im schwedischen Lund. Damit dieses „vielversprechende ökumenische Zeichen“ Früchte tragen könne, sei eine eingehende Beschäftigung mit den Hintergründen des gemeinsamen Reformationsgedenkens nötig. Es gehe weder um ein „Abdriften des Katholizismus in Protestantismus“, wie katholische Kritiker fürchteten, noch um einen „Verrat der Reformation“, wie protestantische Kritiker unterstellten. Im Zeitalter der Ökumene seien solche polemische Töne früherer Zeiten überwunden, so der Kardinal in seinem Beitrag.

OR Nr. 4 vom 27.01.2017, S. 4
Papst Franziskus hat Katholiken und Lutheraner zu einer intensiveren Zusammenarbeit und zur Vertiefung des Dialogs aufgerufen. Dieser bleibe „wesentlich für die Versöhnung“ und müsse „mit unaufhörlichem Einsatz“ fortgeführt werden, sagte er am 19.01.2017 vor einer ökumenischen Delegation aus Finnland. Franziskus betonte zudem, dass der Reformator Martin Luther keine Spaltung der Kirche, sondern deren Erneuerung gewollt habe. Bei bestehenden Unterschieden in Lehre und Praxis könnten durch das Wirken des Heiligen Geistes weitere Übereinstimmungen erreicht werden. Eine weitere Annäherung auf dem Weg zu „immer grösserer und sichtbarer Einheit“ sei möglich, ermutigte Franziskus.

bz BASEL vom 27.02.2017, S. 7, Martin Gehlen, Kairo
„Haut ab oder ihr werdet sterben“

Ägypten: Der „Islamische Staat“ auf dem Sinai hat zum Krieg gegen die koptischen Christen (→Ostkirchen) aufgerufen. Nach mehreren Morden an Bewohnern fliehen die Christen in Scharen in Richtung Niltal.
Nach Einbruch der Dunkelheit stürmten Maskierte das Haus und knallten den Vater vor den Augen seiner entsetzten Familie ab. Einen Schuster traf es am helllichten Tag bei der Arbeit auf einem belebten Markt, einen Tierarzt vor der Tür seiner Praxis. Ein weiteres Opfer wurde bei lebendigem Leib verbrannt. Eine schwangere Frau musste mit ansehen, wie der Eindringling erst ihren Mann exekutierte, dann seelenruhig ein Pepsi trank, bevor er wieder verschwand.
Sieben koptische Christen wurden in den letzten Tagen auf dem Nordsinai durch Extremisten des „Islamischen Staates“ ermordet. Seitdem herrscht Panik unter der Minderheit, die sich von Polizei und Militär im Stich gelassen fühlt. „Niemand ist mehr sicher, lautet die Botschaft der Täter“, sagt Mina Thabet, der für die angesehene Menschenrechtsorganisation *Egyptian Commission for Rights and Freedoms“ arbeitet.
Ich werde nicht untätig auf meinen Tod warten – ich mache dicht und gehe“, erklärte eine Koptin, die in der Provinzhauptstadt El Arish ein kleines Restaurant besitzt. Seit Tagen läuft der Exodus der Christen in Richtung Niltal. Allein in der anglikanischen Pfarrei der Suez-Stadt Ismailia suchten bisher 250 Kopten Schutz. Hunderte weitere kamen bei Verwandten in Kairo unter. (…)

Kirche heute 22/2017 Mai, S. 2
Weltausstellung zur Reformation eröffnet

Mit einem Festgottesdienst auf dem Marktplatz der Lutherstadt Wittenberg ist am Samstag die „Weltausstellung Reformation“ eröffnet worden. Während der bis zum 10. September dauernden Veranstaltung, die unter dem Motto „Tore der Freiheit“ steht, soll es in den Wallanlagen und der Innenstadt Wittenbergs rund 2’000 Veranstaltungen in 16 Themenbereichen geben. Die frühere Landesbischöfin der Evangelischen Kirche Deutschlands, Margot Kässmann, sagte: „Menschen können für einen Tag kommen und miterleben, mitdiskutieren, miterdenken, was Reformation für die Menschen heute bedeutet – etwa mit Blick auf Spiritualität und Globalisierung oder mit Blick auf die Ökumene und den Dialog der Religionen oder hinsichtlich Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung.“

bz BASEL vom 29.05.2017, S. 2/3, Andreas Fahrländer
Montagsinterview mit Pfarrer Niklaus Peter, Pfarrer am Zürcher Fraumünster
„Ich warte auf kraftvolle, neue Reformatoren“

Der Pfarrer am Zürcher Fraumünster wünscht sich im Reformationsjahr mehr Leidenschaft und Ernsthaftigkeit in der Theologie – und keinen weichgespülten Zwingli.
2016 feiern die evangelischen Kirche das Reformationsjubiläum. Nach der Überlieferung hat Martin Luther vor 500 Jahren seine Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen. Luther löste mit seinen Schriften eine Erneuerungsbewegung aus, die sich von Deutschland aus über ganz Europa verbreitete (→Leo X.). In der Schweiz kämpften allen voran Zwingli in Zürich und Calvin in Genf für die „reformatio“, die Umgestaltung der Kirche und der Gesellschaft. Das Gespräch (Auszüge):

  • Huldrych Zwingli trat sein Amt als Pfarrer im Zürcher Fraumünster am 1. Januar 1519 an. Und trotzdem ist es sinnvoll, dass wir jetzt feiern. Man muss die Reformation als zusammenhängende Bewegung verstehen. Wir sollten keine Schweizer Sonderzüglein fahren.
  • Ich finde, die Reformation zu feiern, bedeutet nicht, sich als Reformierte selbst zu feiern. Sondern sich zu vergegenwärtigen, was damals angefangen hat und für uns heute immer noch wichtig ist. Luther war Professor der Theologie und Bibelwissenschafter, der den Römerbrief auslegte und plötzlich merkte: Es stimmt nicht, dass wir Gott Gerechtigkeit schulden. Paulus wollte im Römerbrief sagen dass wir von Gott Gerechtigkeit bekommen. Und dann spielt Gnade die Hauptrolle, nicht Moral …  Ein radikaler Gedanke.
  • Es waren 2 Reformbewegungen, die in der Schweiz zusammenkamen. Einerseits der Impuls von Erasmus von Rotterdam, der 1516 in Basel mit seinem „Novum Instrumentum“ erstmals das Neue Testament auf Griechisch als gedrucktes Buch herausgab. Andererseits Luthers Thesen von 1517 und seine Predigt über die Busse. Zwingli nahm diese Bewegungen auf und reformierte die Zürcher Kirche radikal.
  • Luther und Erasmus haben sich nicht gut verstanden. Zwingli war ein geistiger Schüler des Erasmus und dessen Freund. Konflikte kamen auf, als Erasmus – ein etwas abgehobener Intellektueller – nicht so mutig war wie die Reformatoren. Er wollte es sich mit mächtigen Leuten nicht verderben. Zwingli war anders. Er warf ein sehr kraftvoller Typ.
  • Es stimmt, dass wir Reformierten eine verknappte Liturgie haben. Die kann schnell einmal trocken werden. Während die katholische Liturgie voller Barock und Überfluss ist, ist die protestantische Liturgie von japanischer Knappheit. Sie muss ganz exakt und eindrücklich sein, wie bei den japanischen Tuschzeichnungen: Der Pinselstrich muss sitzen.

Baselland Woche vom 1. Juni 2017, S. 5, Redaktion
Ein „Comic-Held“ zum Reformationsjahr

Basel-Stadt gilt als „reformierter Kanton“. Im Jahre 1529 wurde die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt unter Mitwirkung des Basler Reformatoren Johannes Oekolampad begründet. An der Wiege dr reformierten Kirche unseres Kantons Basel-Stadt steht der Basler Reformator Johannes Oekolampad (1482-1531). Aus seinen Predigten vernehmen wir auch heute noch den leidenschaftlichen Ruf nach innerer Erneuerung. „Die Erhöhung der Kirche besteht nicht in Gold und Silber, in der üppigen Prachtentfaltung dieser Welt, sondern im Glauben, im Durchhalten, in der Liebe, in der Kraft der Werke, in lebendigen Taten, in Gaben und Gnade.“ Er war ein guter Freund von Ulrich Zwingli. Dieser verbrachte seine Studienjahre in Basel. Später verbanden ihn enge Freundschaften mit der Stadt am Rheinknie wie eben mit Johannes Oekolampad. Vor seiner reformatorischen Wende stand er besonders mit dem berühmten Erasmus von Rotterdam im Kontakt, der ebenfalls in Basel lebte und wirkte. Im Speziellen der Abendmahlsstreit zwischen Zwingli und Luther führte Oekolampad und den Reformator eng zusammen. Basel blieb lange Zeit auf Distanz zu den Reformationsbemühungen Zwinglis und stimmte erst nach langem Hin und Her dem Bekenntnis zur reformierten Kirche zu. Das Zwinglihaus erinnert mit seinem Namen an dieser Verbindungen.
Zum Anlass des 500-jährigen Jubiläums erscheint nun die spannende und exklusive Comic-Ausgabe „Zwingli – Ein Glaube versetzt Berge“ des Kinder- und Jugendmagazins „tut“. Ob als Lektüre oder Lehrmittel, der Comic taucht mit seiner Handlung in eine aufregende Zeit vor 500 Jahren ein. Er stellt eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Schweizer Geschichte in den Mittelpunkt. In spannenden Szenen werden Huldrych (Ulrich) Zwingli wichtige Lebenssituationen beschrieben. Wie lebte und wirkte dieser Mann, der die Schweiz mit seinen Ideen nachhaltig veränderte? Welchen Menschen begegnete er, wer inspirierte ihn, welche Ziele erreichte er, was oder wer liebte er? Eine unterhaltsame Kombination  aus Wort und Bild, die zeitgeschichtliche Hintergründe mit einschliesst, veranschaulicht die Bedeutung des Schweizer Reformators und – in gewissem Masse – auch „Revoluzzers“. Geeignet für Kinder, Jugendliche und alle Comic-Liebhaber, aber auch für den Einsatz im Schulunterricht oder in der Jugend- und Gemeindearbeit.
Bestellung und Info: Kinder- und Jugendmagazin tut, info@tut.ch, Tel. 041 410 19 60, www.tut.ch

Kirche heute 27-29/2017 Juni, S. 3, Regula Vogt-Kohler
Die Reformation ist vielfältiger, als wir es gelernt haben
Podium über die Bedeutung der Reformation – damals, heute und für die Zukunft

Was heisst Reformation – damals und jetzt? Für den katholischen Abt ist sie eine heilsame Katastrophe, für die reformierte Pfarrerin eine Befreiung. Der Historiker sieht sie in erster Linie als Ereignis, und der einstige Politiker plädiert für Freude an der Vielfalt.

OR Nr. 23 vom 09.06.2017, S. 1
Versöhnte Verschiedenheit

Mit Christen unterschiedlicher Konfessionen hat Papst Franziskus am Vorabend des Pfingstfestes eine Vigil gefeiert. Die Veranstaltung im römischen Circus maximus am Fuss des Palatin war ein Höhepunkt des Treffens der katholischen Charismatischen Erneuerung, die vom International Charismatic Renewal Service (Iccrs) und der Catholic Fraternity organisiert worden war. Gekommen waren Teilnehmer aus 127 Ländern, darunter auch Mitglieder protestantischer pentekostaler (pfingstlicher) Bewegungen, deren Leiter Franziskus am Vormittag in Audienz empfangen hatte. Zu den Vertretern aus dem deutschsprachigen Raum gehörte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Bei der Vigil bezeichnete der Papst die Entstehung der Charismatischen Erneuerung als ökumenisches Ereignis. Von dort sei ein „Strom der Gnade“ ausgegangen. Ausserdem verwies Franziskus auf die „Ökumene des Blutes“ und plädierte zugleich für das Konzept „versöhnter Verschiedenheit“. Der Prediger des päpstlichen Hauses, P. Raniero Cantalamessa, unterstrich, dass die Bewegung ein Weg zur Einheit der Christen darstelle. Die lehrmässigen Unterschiede zwischen den Kirchen müssten „mit Geduld gelöst werden“. Cantalamessa leitete auch das abschliessende Gebet um den Heiligen Geist. Die katholische Charismatische Erneuerung entstand 1967 als missionarische Studentenbewegung in den USA.

OR Nr. 23 vom 09.06.2017, S. 4
Der Vatikan hat zum Fastenmonat Ramadan die gemeinsame Verantwortung von Christen und Muslimen für den Klimaschutz betont. Papst Franziskus rufe daher in seiner Enzyklika Laudatio si‘ zu einem neuen Dialog über die Gestaltung der Zukunft der Erde auf, heisst es in einer vom Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog veröffentlichten Botschaft. Der Papst lenke den Blick auf „den Schaden, den unsere Lebensstile und Entscheidungen unserer Umwelt, uns selbst und unsren Mitmenschen zufügen“, heisst es weiter in dem von Kardinal Jean-Louis Tauran unterzeichneten Schreiben.

Katholische Wochenzeitung Baden 30-32/2017 Juli, S. 11
FAZ: Reformationsjubiläum „Pleite des Jahres“?

Die Besucherzahlen fast aller kirchlichen Grossveranstaltungen seien weit hinter den Voraussagen zurückgeblieben. Das Jubiläum „500 Jahre Reformation“ droht zur „Pleite des Jahres“ zu werden. Diese Befürchtung wird in einem Beitrag der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) geäussert, wie ‚idea‘ berichtet. Offensichtlich gibt es auf die grossangelegten Feiern viel weniger Resonanz (Zustimmung) als von den Kirchen erwartet. Die Besucherzahlen fast aller kirchlichen Grossveranstaltungen seien weit hinter den Voraussagen zurückgeblieben. Zur zentralen viermonatigen „Weltausstellung Reformation“ in der Lutherstadt Wittenberg – sie ist auf eine halbe Million Besucher ausgelegt – seien nach knapp 4 Wochen nur 40’000 gekommen. Den Deutschen Evangelischen Kirchentag Ende Mai in Berlin hätten nur 106’000 statt der 140’000 kalkulierten Dauergäste besucht. Der Schlussgottesdienst in Wittenberg zählte nach Angaben der Veranstalter 120’000 Teilnehmer. Geplant war das Treffen für 200’000. Am meisten auseinandergeklafft sind Voraussage und Wirklichkeit, so der Bericht, bei den „Kirchentagen auf dem Weg“ Ende Mai im mitteldeutschen Kerngebiet der Reformation. So seien in Leipzig nur 7’500 zahlende Besucher dabeigewesen, obwohl mit 50’000 Teilnehmern gerechnet worden war.

Austritte aus der Kirche            →Freikirchen

Christkatholische Kirche

Kath. Wochenzeitung 44/2013, S. 4, Martin Meier
Es gibt ja schon alles!

Etwas verborgen existiert neben der römisch-katholischen Kirche und der evangelisch-reformierten christlichen Gemeinschaft in der Schweiz eine dritte Konfession, die in vielen Kantonen als Landeskirche anerkannt wird. Es handelt sich um die christkatholische Kirche, eine Gemeinschaft, die sich 1876 von der römisch-katholischen Kirche abspaltete, weil sie mit den Beschlüssen des I. Vatikanischen Konzils, insbesondere mit der Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubensangelegenheiten, nicht einverstanden war. Im Zeitalter des Kulturkampfes förderten die liberalen und radikalen Kantonsregierungen diese Kirche, die sich bei der grossen Mehrheit der Gläubigen nie besonderer Beliebtheit erfreute. Immerhin, die Christkatholiken gibt es auch heute noch. In einer Werbebroschüre stellen sie sich wie folgt vor:

–  Wir sind eine katholische Kirche
–  Wir sind eine synodale Kirche
–  Wir sind eine geschwisterliche Kirche
–  Wir sind eine fehlbare Kirche
–  Wir sind eine menschliche Kirche
–  Wir sind eine kleine Kirche
–  Wir sind eine ökumenische Kirche
(Hier ohne Kommentar zu den Titeln)

Kirche heute 9/10 2014, Februar, S. 26, Kipa
Christkatholische Kirche (www.christkatholisch.ch)

Die christkatholische Kirche ist in einigen Schweizer Kantonen öffentlich-rechtlich anerkannt. Sie ist im Anschluss an das Erste Vatikanische Konzil von 1870 als Protest gegen die Unfehlbarkeit des Papstes (siehe dort) entstanden. Die grössten Kirchgemeinden der Christkatholiken befinden sich in den Kantonen Zürich, Aargau, Solothurn und Basel. Die Bischofskirche der Christkatholiken ist seit 1975 St. Peter und Paul in Bern. Die Mitgliederzahl in der Schweiz liegt laut eigenen Angaben bei etwas über 12’000. Auf internationaler Ebene sind die Altkatholiken – wie sie ausserhalb der Schweiz heissen  – seit 1889 in der Utrechter Union verbunden.

Schweizerische Kirchen-Zeitung 27-28/2017 Juli, S. 369, Martin Spilker
„Vielen Katholiken fehlt der Mut, zu konvertieren“

Annette Studer macht bei der „Gemeinschaft des heiligen Johannes des Täufers“ mit. Diese gehört zur Christkatholischen Kirche der Schweiz. Studer, Mitglied der ersten Stunde, erzählt im Interview mit kath.ch von der Glaubenspraxis der Gemeinschaft und den Sympathien von Katholiken für ihre Kirche. Am 1. Juli tagte in Olten das Generalkapitel der Johannes-Gemeinschaft. Editorial:

Das Verbindende sehen
Wenn dieses Jahr von Ökumene die Rede ist, dann richtet sich der Blick schnell auf die reformierten Kirchen. Auch in der Schweiz werden „500 Jahre Reformation“ nicht als Jubiläum der Trennung, sondern als „Frucht der Geschichte“ gesehen, wie es auf der entsprechenden Homepage heisst. Das kann, will und muss aber nicht über die bis heute trennenden Elemente hinwegtäuschen.

Differenzen standen
auch bei der Entstehung der christkatholischen Kirche Pate. Am I. Vatikanischen Konzil 1870 führten Entscheidungen über die Stellung des Papstes und die Unfehlbarkeit von Lehrmeinungen zu Glaubensinhalten zu einer weiteren Spaltung. Die danach ausgerufenen altkatholischen Bistümer pflegen einen engen Kontakt beispielsweise mit der anglikanischen und orthodoxen Kirche. Christliche Konfessionen, die es auch bei uns gibt.

Die Christkatholiken
sind in der Schweiz eine kleine Minderheit. Die Grösse einer Kirche allein dürfte mit Blick auf Glaubensfragen ja auch kein Kriterium sein. Deshalb lohnt es sich, trotz aller ansprechenden Veranstaltungen zu 500 Jahre Reformation, immer auch ein offenes Auge und Ohr für die Kirchen zu haben, die bei uns nicht so sehr im Rampenlicht stehen.

Trennungen und Spaltungen
sind Früchte der Geschichte. Aber heute? „Die Aufgabe ist, sich immer näherzukkommen, indem wir Christus näherkommen“, sagt der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch, gefragt nach einem Ideal von Ökumene. Wenn Christkatholiken der „Gemeinschaft des heiligen Johannes des Täufers“ mit Kapuzinerinnen beten und feiern, ist das ein starkes Zeichen für ein solches Näherkommen. Und es lenkt den Blick darauf, was Christus unterschiedliche Konfessionen verbindet.
→Konzil

Christusstatue in Rio de Janeiro

Kath. Wochenzeitung Nr. 3 vom 18. Januar 2013, S. 9:

Im Jahre 2012 wurde ein neuer Besucherrekord auf dem Corcovado (710 m hoch)aufgestellt: 2,2 Millionen Personen besichtigten die Christusfigur, eine halbe Million mehr als im Vorjahr. Der katholische Weltjugendtag in Rio de Janeiro findet vom 23. bis 289. Juli statt. Mit Sicherheit wird der Papst mit einem Helikopter eine Runde um den Christus drehen, sagte Erzbischof Orani Joao Tempesta. Geplant sei, dass sich ständig 25 bis 30 Jugendliche während der Jugendtage auf der Aussichtsplattform der Statue sowie in einer kleinen Kapelle im Sockel des Monumentes aufhalten. Die Gebetswachen sollen rund um die Uhr stattfinden.

Circus Maximus im alten Rom

Diese grösste Rennbahn des Römischen Reiches hatte folgende Masse: ca. 620 x 150 m, Rennbahn selber 580 x 79 m. Die Wagenrennen liefen über 7 Runden, d. h. das ergab rund 8 km. Mit 2er-, 3er- und 4er-Gespan. Die Runden wurden jeweils angezeigt durch Kugeln oder Delphine. In diesem Circus hätte die Peterskirche in der Rennbahn gut 3mal Platz gehabt (mit 187 m Länge. Ebenso das Kolosseum 3mal mit einer Länge von 188 m). Die Zuschauerkapazität betrug 150’000 bis 200’000 Personen, anderen Angaben zufolge bis 350’000. Auch Frauen hatten ohne weiteres Zutritt und es gab, im Gegensatz zum Kolosseum, keine Rangordnung. Man vergleiche: Das grösste Fussballstadion der Welt, es heisst  „1. Mai“ (Stand März 2013), ist in Pjöngjang (Nordkorea) mit 150’000 Zuschauerkapazität, das zweitgrösste „Yuba Bharati Krirangan“ befindet sich in Kalkutta/Indien mit 120’000 Zuschauern.

Die sich den ganzen Tag konkurrenzierenden Renngruppen hatten weiss, blau, rot und grün als Kennzeichen. Ein Wagenfahrer, der im Verlaufe seiner Karriere über 1’000 Siege verbuchen konnte, war sicher Millionär. Ein erfolgreicher Gladiator im Kolosseum stand ähnlich da, er wurde nach 3 Jahren ununterbrochenen Siegens sogar frei.

OR Nrn. 32/33 vom 8. August 2014, S. 5
Circus Maximus war angeblich nicht grösste römische Arena

Der Circus Maximus in Rom (unterhalb des Palatin, hinter der Kirche S. Maria in Cosmedin) ist nach neuesten archäologischen Erkenntnissen nicht die grösste Arena für Wagenrennen im Römischen Reich gewesen. Ausgrabungen an der Kirche „Santa Croce in Gerusalemme“ (hinter dem Bahnhof Termini bzw. der Porta Maggiore) in Rom ergaben, dass der sogenannte Circus Varianus grösser war als bislang angenommen. Mit 630 Metern sei die unter Kaiser Caracalla (211-217) begonnene Anlage 9 Meter länger als der Circus Maximus gewesen, sagte die Leiterin der römischen Antikenbehörde gegenüber der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“. – Der Circus Varianus ist nach dem Nachfolger Caracallas, Kaiser Elagabal (218-222), benannt, der den Bau vollendete (Sein Name: Marcus Varius Avitus Bassianus Aurelius Antoninus Heliogabalus). Die Arena war Teil des sogenannten Sessoriums, einer palastartigen Villenanlage im Südosten der antiken Stadt. In der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts wurde die Aurelianische Mauer, die antike Befestigung Roms, mitten durch die Zuschauerränge gebaut. Die Überreste des Circus Varianus können ab 27. Juli 2014 besichtigt werden. Die Führungen beginnen jeweils um 19 Uhr. – Das letzte Rennen im Circus Maximus fand 549 unter dem Ostgotenkönig Totila statt. Die Ruinen der Rennbahn bestehen heute hauptsächlich aus den starken Stützmauern, auf denen sich einst die Sitzreihen befanden.

Heinrich Nauer, 1300 Jahre Rom, Seite 102:
Elagabal (218-222). Ohne die Anerkennung des Senats abzuwarten, legte sich der 14-jährige Kaiser die Beinamen Pius Felix Augustus bei, was von den späteren Kaisern nachgeahmt wurde.  Da er sich auf den Münzen „Priester des Sonnengottes Elagabal“ nennen liess, ging er als Kaiser Elagabal in die Geschichte ein. Er war ein Lüstling, der derart geschmückt und geschminkt auf dem Palatin einzog, dass sich die Römer entsetzten. Die Regierung überliess er der Grossmutter und der Mutter, die beide als Augustae („Die Erhabene“. Der Kaiser konnte seiner Grossmutter, seiner Mutter, seiner Schwester, seinen Töchtern oder seinen weiblichen Verwandten diese Ehrenbezeichnung verleihen.) im Senat ihre Plätze einnahmen. Seinem Gott Baal (semit. Wetter- und Himmelsgott), den er zum obersten Gott Roms erklärte, liess der Kaiser zwei Tempel errichten, einen auf dem Palatin und den anderen bei der heutigen Porta Maggiore. Nachdem sich Elagabal von seiner ersten Frau Julia Paula getrennt hatte, heiratete er Aquila Severa, eine Vestalin (jungfräuliche Priesterin, die das ewige Feuer  mit anderen fünf im Forum Romanum hütete und zur Keuschheit verpflichtet war). Diese Heirat erregte den Unwillen des Volkes. So liess er sich wieder scheiden. Zum Gardepräfekt ernannte der Kaiser einen Tänzer, zum Präfekten der Wache einen Wagenlenker und zum Präfekten der Kornversorgung einen Haarschneider! Wer sich zu Ausschweifungen auszeichnete, gelangte zu Ehren. Der Kaiser feierte auch die unglaublichsten Feste: er spannte Löwen, Tiger und Elefanten, ja sogar nackte Mädchen vor seinen Wagen und liess sich im Gewand der Gottheit durch Rom fahren. – Inzwischen war auch sein Vetter Alexianus zum Kaiser erhoben worden. Elagabal suchte ihn zu beseitigen, was ihm aber nicht gelang. Da der Senat auf der Seite von Alexianus stand, jagte er alle Senatoren aus der Stadt. Die Garde selbst setzte dem unsinnigen Treiben ein Ende; am 1. Januar 222 wurde er samt seiner Mutter enthauptet; ihre Leichen wurden durch die Strassen geschleift und in den Tiber geworfen. Mit Elagabal musste auch sein Gott aus Rom verschwinden. Nach dem Tod Elagabals übernahm sein Vetter Alexianus die Regierung. Sein Name: Marcus Aurelius Alexander Severus (222-235).

→Obelisk        →Kolosseum           →Petersdom/-kuppel

Conciliazione, Via della

→“Conciliazione“ und „Papstbote“ unter dem Register „Vatikan“

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C8 Kardinalsrat

siehe unter Kardinalsrat