Ge–Gelb

Geburten

→Einwohner/innen

Schweiz am Sonntag, Nr. 28 vom 14. Juli 2013, Nachrichten 7, von Fabienne Riklin
Kinder ja, Ehe nein
Noch nie kamen in der Schweiz so viele Babys in „wilder Ehe“ zur Welt – zugenommen haben auch die Vaterschaftstests

16’234 Väter haben letztes Jahr ein Kind anerkannt. Die Mehrheit von ihnen tat es schon vor der Geburt. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Zahl verfünffacht. – Verliebt, verlobt, verheiratet – das war einmal. Immer mehr Kinder kommen in der Schweiz unehelich zur Welt. Von insgesamt 82’164 Babys hatten vergangenes Jahr 14’268 eine ledige Mutter. Die Zahl steigt seit Jahren kontinuierlich an, während sich der Anteil der verheirateten Mütter eingependelt hat.

Wird ein Kind in ein Konkubinat geboren, muss der Vater vor oder nach der Geburt seine Vaterschaft auf dem Zivilstandsamt anerkennen. 16’234 Männer haben das 2012 gemacht – doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren. „Früher war es ein gesellschaftlicher Nachteil, unverheiratet ein Kind zu gebären. Nicht selten wurden Mütter sozial geächtet“, sagt Alexandra Rumo-Jungo, Familienrechtsexpertin an der Universität Freiburg. Diese Zeiten scheinen vorbei. „Es gibt zunehmend Paare, die sich bewusst entscheiden, nicht zu heiraten und trotzdem eine Familie zu gründen“. (…)

Geburten im Jahre 2012 in der Schweiz. Nach dem Zivilstand der Mutter:

65’587: Verheiratet; 14’268: Ledig; 2’309: Geschieden/Verwitwet/Übrige

Gefängnis des Vatikans

Für maximal 2 Personen in einem Kasernenteil der Gendarmerie für Einwohner/innen des Vatikans und Pilger/Touristen. Dieses Gefängnis wird sehr selten genutzt, weil die „Täter“ sofort von der italienischen Polizei in Gewahrsam genommen werden. Der Attentäter Mehmet Ali Agca von Johannes Paul II. war am 13.05.1981 nach dem Attentat nie im Vatikan (ausser auf dem Petersplatz). Straftaten siehe →Justiz

Die Schweizergarde führte intern bis in die Oberst-Franz-Pfyffer-Zeit (1972-82) ein  eigenes „Gefängnis“ (Napoli genannt), das dann aufgehoben wurde. „Harte“ Strafen in der Garde bedeuten heute: Zimmerarrest.

Sektionsmitteilungen Zürich Juli 2012, Stephan Vogler:
Nicht in einer Arrestzelle der Schweizergarde ist der ehemalige Kammerdiener von Papst Benedikt XVI., Paolo Gabriele, inhaftiert, sondern in einem Zimmer eines ehemaligen Schulgebäudes, welches unmittelbar in der Nachbarschaft des L’Osservatore Romano liegt. Gabriele verbringt seine Untersuchungshaft in einer „Zelle“, welcher nur 4 x 4 m2 klein ist. Die Ausstattung ist eher spartanisch: Fenster, Bett, Tisch, Stuhl, ein Kruzifix, kein Fernseher. Die „Zelle“ verfügt über ein Bad mit WC. Verpflegt wird er aus der Küche der Gendarmerie. Sein Essen ist also dasselbe wie das der vatikanischen Polizisten. Wenn er einen Gottesdienst besuchen möchte, wird dies gestattet, jedoch nur in Begleitung eines Gendarmen, Gabriele ohne Handschellen.
→Päpstliche Wohngemeinschaft

Geheimarchiv des Vatikans

Vatikan - Stato della Città del Vaticano

Mit Dokumenten, im Gegensatz zur Biblioteca (nebenan) mit Handschriften.
BaZ vom 24. Juli 2010, Ruedi Arnold:
Die Regale im Vatikanischen Geheimarchiv sind 85 km lang. Das Inhaltsverzeichnis hiezu umfasst über 1’000 Bände.

Alexander Smoltczyk, Vatikanistan, S. 128:
Im Cortile del Belvedere führt ein unscheinbarer Eingang in das Archivio Segreto Vaticano, das Vatikanische Geheimarchiv, untergebracht in Sixtus’ Querriegel des Palastes. Das Archiv ist ein niedriger, denkbar modern ausgestatteter heller Raum. Hinter den Anmeldetresen beginnen die 85 Regal-km Kirchengeschichte, zum Grossteil untergebracht in einem 200 m langen Tunnel unter dem Cortile della Pigna. Akten, Faszikel, Urkunden, die 2’467 Bände Bestand von vor dem Sacco di Roma, die Originalakten des Trienter Konzils, besiegelte Bullen, Breven und Schmierzettel, vom 9. Jahrhundert bis zu einem silbergrau gebundenen, schmalen Band „1237“, im untersten Regalfach des Indexsaales, einer sorgsam aufgeklebten Sammlung von Kassenbelegen aus der Warschauer Nuntiatur, aus dem Jahre 1939: das letzte erfasste Dokument.

Geheim ist das Archiv nicht, weil es keiner zu Gesicht bekommen dürfte, sondern weil es Privateigentum des Papstes ist.

OR Nr. 28 vom 15. Juli 2011:
Vatikanisches Geheimarchiv stellt Dokumente aus

Erstmals steht das Vatikanische Geheimarchiv im kommenden Jahr 100 ausgewählte Dokumente für eine Ausstellung zur Verfügung. Von Februar bis September 2012 sollen in den Kapitolinischen Museen in Rom unter anderem Akten aus dem Galileo-Galilei-Prozess (1616-33), die Absetzungsbulle Kaiser Friedrichs II. von 1245 und der Brief englischer Parlamentsmitglieder an Papst Clemens VII. (1523-34) gezeigt werden, der die Bitte um eine Annullierung der Ehe von König Heinrich VIII. und Katharina von Aragon enthält. Auch einige der bislang für die Forschung nicht zugänglichen Dokumente aus dem Pontifikat Pius’ XII. (1939-58) aus der Zeit des 2. Weltkrieges sollen gezeigt werden.  Dabei handele es sich um „bewegende“ Dokumente wie Fotografien und Tagebücher, sagte der Präfekt des Geheimarchivs, Bischof Sergio Pagano. Er kündigte zudem an, dass die bislang unter Verschluss gehaltenen Schriftstücke aus den Jahren des Pacelli-Pontifikates in 3 bis 4 Jahren für die Wissenschaft freigegeben werden könnten. Die Entscheidung über eine Freigabe sei jedoch dem Papst vorbehalten.

Kirche heute 4/2012:
Dokumente aus dem Geheimarchiv

Vom 1. März 2012 an werden in den Kapitolinischen Museen in Rom berühmte Schriftstücke der Kirchengeschichte gezeigt. Etwa die Bulle, mit der Martin Luther von Papst Leo X. im Jahre 1521 gebannt wurde, Akten aus dem Prozess gegen Galileo Galilei sowie ein Brief englischer Parlamentarier an Papst Klemens VII. mit der Bitte um eine Annullierung der Ehe König Heinrichs VIII. Die Ausstellung mit dem Titel „Lux in arcana – das Vatikanische Geheimarchiv präsentiert sich“ ist bis am 9. September 2012 geöffnet. Ihr Anlass ist die Gründung des päpstlichen Privatarchivs durch Paul V. im Jahr 1612.

Geheimgang (Passetto di Borgo) in Rom

Passetto Foto Stefan Meier k

Passetto (Geheimgang) auf der rechten Seite des Fotos: Durch ihn konnten die Päpste von ihrem Palast in die Engelsburg flüchten. Bestes Beispiel: Am 6. Mai 1527  flüchtete Papst Clemens VII. Medici, umgeben von Schweizergardisten, durch dieses Mauerwerk.

AS, Vatikanistan, S. 139:

Der Geheimgang verbindet die Engelsburg am Tiberufer mit dem apostolischen Palast (Dan Brown, Illuminati). Ein gedeckter Gang über hohem Mauerwerk, fast 900 Meter lang und mit Schiessscharten und Türmen versehen. Der Gang diente dem Borgia-Papst Alexander VI. (1492-1503, →Päpste) vor allem dazu, unentdeckt und flinken Fusses seine zahlreichen Konkubinen im Castel Sant’Angelo zu besuchen, wo die Räumlichkeiten auch entsprechend reizvoll bemalt sind. Der Passetto endet in einem Nebenzimmer der Präfektur des Staatssekretariates und wurde vor einigen Jahren zugemauert.

Von frömmeren Päpsten als Alexander VI. wurde der Passetto auch als Frauenknast verwendet. Ehebrecherinnen und andere öffentliche Sünderinnen wurden darin eingeschlossen und lebten von Almosen. Einige, weil sie verurteilt worden waren, andere nach freier Wahl zu immerwährender Busse.

Geheimnis 

→Dienstgeheimnis

Gelb – weiss  (Die Farben des Vatikans)  

Ulrich Nersinger, Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof, Seite 70
(→Fahnen und Farben, päpstliche)

Am 2. Februar 1808 drangen die Truppen Napoleon Bonapartes auf dem Marsch nach Neapel in die Ewige Stadt ein. Sie blieben dort und besetzten Rom, laut ihren Erklärungen „mit friedlichen Absichten“ – umgehend jedoch richteten sie ihre Kanonen auf den Quirinalspalast, in dem Papst Pius VII. (Chiaramonti, 1800-23) residierte. Um die Sympathien der Römer zu gewinnen, ordnete General Miollis, der Befehlshaber der französischen Heeresverbandes, die Eingliederung der päpstlichen Truppen in die kaiserliche Armee an. Um die „Verbrüderung“ zu fördern, befahl er den französischen Einheiten, die dreifache Kokarde (ein französisches Revolutionswort, nationales Zeichen an Uniform-Kopfbedeckungen) von ihren Hüten zu entfernen und sie durch die gelbrote der Päpstlichen zu ersetzen. Der Papst, der sich in seinem Palast eingeschlossen hatte, liess Miollis einen scharfen Protest überbringen und mitteilen, dass ein jeder bei den eigenen Farben zu bleiben habe. Der französische General beharrte auf seiner Order, und da Pius VII. nicht mehr über seine regulären Truppen verfügen konnte, gab er den wenigen, ihm in Rom verbliebenen Streitkräften – der Päpstlichen Nobelgarde, der Schweizergarde, der Stadtmiliz und Einheiten der Finanzwache – den Befehl, die gelbrote Kokarde mit der gelbweissen zu tauschen.

Kardinal-Pro-Staatssekretär Doria Pamphili teilte im Auftrag des Papstes dem Diplomatischen Korps diesen Entscheid in einer scharf formulierten Note mit. Der Heilige Vater protestierte mit ihr gegen die Einverleibung seiner Truppen in das französische Heer und betrachtete die Annahme der päpstlichen Kokarde durch die Franzosen als „eine Vergewaltigung Unserer Rechte“. Nur noch die Angehörigen der aristokratischen Leibgarde konnten den Befehl des Papstes ausführen. Ohne Widerspruch und unverzüglich nahmen sie die alte Kokarde ab und steckten die neue an. Mit den neuen Farben zeigten sie sich nicht nur in ihrem Quartier und im Apostolischen Palast, sondern auch in der Stadt. Durch dieses Verhalten aufgebracht, besetzten die Franzosen am 7. April 1808 das Quartier der Nobelgarde, das sich in der Nähe des Quirinals im Palast der Consulta befand. Sie verhafteten die adeligen Gardisten, um sie anschliessend in Ketten in die Engelsburg zu überführen. Am 6. Juli 1808 wurde dann auch die Schweizergarde (siehe Schweizergarde, →Armee) entwaffnet, sie trug auf Grund ihrer besonderen Tracht die neue Kokarde nicht ständig und nicht an jeder Uniform, und schliesslich der Papst gefangen genommen und nach Frankreich verschleppt. Als Pius VII. nach dem Sturz Napoleons in die Ewige Stadt zurückkehrte, ordnete er für alle seine Truppen die gelbweisse Kokarde an. Ein Grund, warum sich Pius VII. veranlasst sah, die Farben Geld und Weiss zu wählen, mag vielleicht durch den Umstand beeinflusst worden sein, dass durch sie seit altersher die Schlüssel des heiligen Petrus dargestellt wurden. Wenn die Päpste nach ihrer Krönung von der Lateranbasilika Besitz nahmen, erhielten sie stets 2 Schlüssel, einen goldenen und einen silbernen überreicht, die „die Macht zu lösen und zu binden“ darstellten. In der Heraldik entsprechen Gold und Silber den Farben Gelb und Weiss. Verlauf der Geschichte:
Siehe →Fahnen und Farben