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Bibel

L’Osservatore Romano, deutsche Ausgabe, 20.06.2008

Die Bibel liegt bisher in 2’454 Sprachen vor. Damit sei sie noch immer nicht in den 3’000 Hauptsprachen der Welt verfügbar, sagte der Generalsekretär der Bischofssynode, Erzbischof Nikola Eterovic, bei der Vorstellung des „Instrumentum laboris“, des Arbeitspapiers der kommenden Weltbischofssynode im Vatikan. – Bei der im Oktober stattfindenden Versammlung der Bischöfe aus der ganzen Welt zum Thema „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“ müsse dieses Manko diskutiert werden, betonte der Erzbischof. Schliesslich gebe es weltweit rund 6’700 verschiedene Sprachen.

OR Nr. 2 vom 13.01.2012:
Oslo. Die neu übersetzte „Bibel 2011“ war im vergangenen Jahr in Norwegen der Bestseller. Sie wurde 79’000 Mal verkauft. Als Gründe werden das Marketing und die gute Lesbarkeit angegeben.  Statt der geplanten Auflage von 25’000 Bibeln seien bis zum Jahresende 79’000 Exemplare verkauft worden, was sie zum Bestseller im Land mit 4,9 Millionen Einwohnern gemacht habe, berichtete die Norwegische Bibelgesellschaft. Besonderes Gewicht haben die Marketingexperten darauf gelegt, wie das Buch vor allem Jugendliche und kirchenferne Menschen erreichen könnte.

OR Nr. 3 vom 20. Januar 2012:
Heilige Schrift jetzt als Bibel-App

Die Bibel in der katholischen Einheitsübersetzung gibt es jetzt auch als App für iPod und iPhone. Das neue App enthält den vollständigen Text der Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testaments. Eine eigens für das iPad optimierte Version sei in Planung, heisst es in einer Pressemitteilung. Herausgeber ist der Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart. Mit Hilfe einer einfachen Navigation ist jede Bibelstelle leicht zu finden. Das neue App beinhaltet u. a. auch eine Volltext-Suche. Ausserdem haben die Bibelleser die Möglichkeit, jedem Vers einen Kommentar anzufügen. Jeder Bibelvers kann zudem per SMS oder E-Mail mit anderen geteilt werden.

OR Nrn. 32/33 vom 9. August 2013, S. 21
Bibel vollständig in 484 Sprachen übersetzt

Stuttgart. Die komplette Bibel mit Altem und Neuem Testament liegt jetzt in 484 Sprachen vor – neun mehr als ein Jahr zuvor. Das teilte die evangelische Deutsche Bibelgesellschaft mit Sitz in Stuttgart mit. Der Schwerpunkt der neuen Sprachen liegt in Afrika: gesprochen werden sie in Kenia, Südsudan, der Elfenbeinküste, Südafrika, der Demokratischen Republik Kongo, Ghana und Eritrea. Hinzu kommen Tschetschenisch und eine Indiosprache aus Peru.

Laut der Statistik gibt es die Bibel jetzt vollständig in 189 afrikanischen, 146 asiatischen und 40 ozeanischen Sprachen. Hinzu kommen 63 Sprachen in Europa, 37 in Lateinamerika und 8 in Nordamerika. Die Heilige Schrift liegt auch in der Kunstsprache Esperanto vor. Zudem ist den Angaben nach das Neue Testament allein zusätzlich in 1’257 Sprachen übersetzt. Darüber hinaus sind Auszüge der Heiligen Schrift in weiteren 810 Sprachen erhältlich. Forscher gehen davon aus, dass es weltweit mehr als 6’500 Sprachen gibt. Zurzeit arbeiten die Bibelgesellschaften weltweit an rund 460 Übersetzungsprojekten. Der Weltverband der Bibelgesellschaften zählt 146 Mitglieder.

OR Nr. 15 vom 15.04.2016, S. 4
Komplette Bibel in 563 Sprachen

Die ganze Bibel ist mittlerweile vollständig in 563 Sprachen übersetzt. Dies sind 21 mehr als ein Jahr zuvor, wie die Deutsche Bibelgesellschaft unter  Berufung auf den Weltverband in Stuttgart mitteilte. Damit haben rund 5,1 Milliarden Menschen Zugang zu einer Übersetzung des Alten und Neuen Testaments in ihrer Muttersprache. Das entspricht etwas mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung (WA: rund 17 % der Weltbevölkerung gehören der röm. kath. Kirche an, d. h. jede 6. Person).
Das Neue Testament ist in weitere 1’334 Sprachen übertragen worden, einzelne Bibelteile stehen zusätzlich in 1’038 Sprachen zur Verfügung. Somit gibt es nach diesen Informationen in knapp 3’000 Sprachen mindestens ein Buch der Bibel.
Wissenschaftler gehen davon aus, dass weltweit 7’000 Sprachen genutzt werden. Wie die Bibelgesellschaft mitteilte, gibt es nun eine komplette Bibel in der Sprache der Sidama, die rund 3 Millionen Menschen im Südwesten Äthiopiens benutzen. In Blindenschrift liegen 44 Übersetzungen vor. Zurzeit arbeiten Bibelgesellschaften weltweit an rund 400 Projekten. Der Weltverband zählt 148 Mitglieder und ist in mehr als 200 Ländern aktiv.

OR Nr. 8 vom 24.02.2017, S. 3
Neue Bibelübersetzung voraussichtlich ab April als E-Book

Wien./Stuttgart. Der Zeitplan der digitalen Publikation der neuen Einheitsübersetzung der Bibel wird konkreter: Die revidierte Übersetzung der Heiligen Schrift soll voraussichtlich ab April 2017 als E-Book vorliegen, wie Joachim Traub, Geschäftsführer des Verlags Katholisches Bibelwerk in Stuttgart, gegenüber Kathpress mitteilte. Bis zum Sommer solle der neue Bibeltext zudem online auf der Website des Bibelwerkes verfügbar sein – die bisherige Einheitsübersetzung ist hier bereits kostenlos abrufbar. In der Planungsphase sei ausserdem eine App, die ab Herbst verfügbar sei dürfte, so Traub.

OR Nr. 19 vom 12.05.2017, S. 2
Stuttgart. Die Heilige Schrift ist jetzt vollständig in 648 Sprachen übersetzt. Wie die Deutsche Bibelgesellschaft in Stuttgart mitteilte, liegt die Bibel nun komplett auf Tartarisch vor. Die Turksprache wird von 5,2 Millionen Menschen benutzt, die vor allem in Russland leben. Auch in den chinesischen Sprachen Lisu und Yi kann die Heilige Schrift neuerdings ganz gelesen werden.

OR Nr. 28 vom 14.07.2017, S. 3
Stuttgart. Weltweit sind im vergangenen Jahr rund 34,3 Millionen Bibeln verbreitet worden. Das berichtete die evangelische Deutsche Bibelgesellschaft. Trotz eines leichten Rückganges im Vergleich zum Vorjahr bedeute das eine Zunahme von 15 % bei der Verbreitung von Vollbibeln (Altes und Neues Testament).

OR Nrn.  30/31 vom 28.07.2017, S. 3
Neue Einheitsübersetzung jetzt als E-Book erhältlich

Stuttgart. Die neue Einheitsübersetzung der Bibel ist ab sofort auch als E-Book erhältlich. Die revidierte Übersetzung der Heiligen Schrift für elektronische Lesegeräte kann über die handelsüblichen E-Book-Shops erworben werden, wie der Stuttgarter Verlag Katholisches Bibelwerk mitteilte. Das E-Book zum Preis von 8,99 Euro basiert laut Verlag auf der Taschenbibel, ist also einspaltig und zweifarbig und beinhaltet im Anhang ein Stichwort- und Personenregister, eine Zeittafel mit Erläuterungen sowie 9 Karten.

Biblioteca Vaticana 

(Biblioteca Apostolica)
u. a. Stradio ai giardini

Bestand: 150’000 Handschriften (75’000 aus dem Mittelalter oder aus der Zeit des Humanismus, 60’000 im lateinischen Alphabet, 5’000 im griechischen, 800 im hebräischen, 9’000 in anderen orientalischen Sprachen wie Arabisch, Koptisch, Syrisch, Armenisch und Äthiopisch, 2’000 in Chinesisch, Koreanisch und Japanisch). Alte Bücher, davon etwa 8 ’00 Inkunabeln (Wiegendrucke) aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Der Buchbestand umfasst etwa 1’650’000 Bände. Die wertvollsten Handschriften liegen in Faksimile vor, also in originalgetreuen Nachdrucken. Aufbewahrt werden die vatikanischen Handschriften im Keller in einem klimatisierten Tiefspeicher, den Anfang der 80er-Jahre die deutschen Bischöfe stifteten. Eine hochspezialisierte Buchrestaurierungswerkstatt ist angegliedert, übrigens die älteste Europas. Ort: westlicher Museumsteil Richtung Garten, Erd- und Untergeschoss. Siehe →Museum

Dass man hier vor allem religiöse Texte finden könnte, wie mancher vermutet, stimmt nur teilweise, denn das grösste Erbe, das hier verwahrt wird, sind die humanistischen Handschriften. Die Biblioteca wurde Mitte des 15. Jahrhundert (von Papst Nikolaus V.) für den Dienst an der Kultur gegründet, die Gelehrten aller Religionen, Kulturen und Nationen offen steht. Hier werden alle wichtigen Dokumente der Geschichte des Christentums aufbewahrt. In der Biblioteca, wie übrigens in zahlreichen anderen Bibliotheken, legen Unterlagen Zeugnis ab vom Leben Christi. Es gibt keine Gründungsurkunde aus dieser Zeit, aber ein Breve dokumentiert, dass die Bibliothek am 30. April 1451 bereits bestand. Es war von Anfang klar, dass man eine Universalbibliothek nach humanistischen Kriterien aufbauen wollte, die alle Fachbereiche abdecken sollte, einschliesslich der Literatur mit den lateinischen und griechischen Klassikern und der Naturwissenschaften mit Büchern über Medizin, Astronomie und Mathematik.

Die Vatikanische Apostolische Bibliothek verwahrt heute eine der grössten Handschriftensammlungen. Sie decken praktisch alle Bereiche des menschlichen Wissens ab: Literatur, Geschichte, Kunst, Recht, Astronomie, Mathematik, Naturwissenschaften, Medizin, Liturgie, Patristik (Schriften und Lehren der Kirchenväter), Theologie.

Die Bibliothek trägt den Namen „Apostolische Bibliothek“, nicht wie das Geheimarchiv des Vatikans, das für die Kurie unverzichtbar ist. An der Bibliothek arbeiten rund 100 Angestellte, im Geheimarchiv rund 80, dazu etwa 50 Teilzeitbeschäftigte. In der Vatikanischen Bibliothek gibt es nur drei Kleriker, die aber die wichtigsten Posten besetzen: der Kardinal (Archivar und Bibliothekar der Heiligen Römischen Kirche), der Präfekt und einer für Rechtsfragen.

In einem der grössten angegliederten Münzkabinette befinden sich über 300’000 Münzen und Medaillen.
→ Münzen               → Münzwerkstatt
→ Handschriften

OR Nr. 27 vom 6. Juli 2012, S. 12:
Die Sammeltätigkeit der Päpste

Die Vatikanische Apostolische Bibliothek ist ein Agglomerat (Anhäufung) verschiedener Bibliotheken, die im Laufe der Zeit den Päpsten zum Geschenk gemacht oder von ihnen erworben wurden. Ein erster wichtiger Zugang war die Bibliothek der Kurfürsten von der Pfalz („Biblioteca Palatina“) 1623: Maximilian I. von Bayern hatte sie während des Dreissigjährigen Krieges beschlagnahmt und Gregor XV. geschenkt. Im Laufe des 17. Jahrhunderts gelangten zwei weitere wichtige Sammlungen in die Vatikanbibliothek: 1657 die wertvolle Handschriftensammlung der Herzöge von Urbino sowie 1690 die Bibliothek der Königin Christine von Schweden. Auch die Bibliotheken der Familien Borghese, Barberini und Chigi werden im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts in den Vatikan gebracht, darüber hinaus zahlreiche Handschriften aus dem Orient.

Kirche heute 39-41 2010:
Renovierung abgeschlossen: Die Vatikanische Bibliothek wird nach 3-jähriger Renovierung am 20.09.2010 wiedereröffnet. Ziel der Massnahmen sei unter anderem gewesen, für bessere Arbeitsbedingungen und für eine zeitgemässe Konservierung und Sicherung der Bestände zu sorgen, sagte der päpstliche Bibliothekar Kardinal Raffaele Farina vor Journalisten. Die Kosten des jüngsten Renovierungsabschnittes bezifferte er mit rund 10 bis 11 Millionen Franken. Anlässlich der Neueröffnung findet vom 11. bis 13. November 2010 eine Fachtagung über die Rolle der Vatikanbibliothek in der Wissenschaft statt.

OR Nr. 13 vom 28.03.2014, S. 8
Meisterwerke, die bisher nur wenigen zugänglich war, sind nun für jedermann verfügbar. Es handelt sich um die Digitalisierung der Handschriften der Vatikanbibliothek.

3’000 Handschriften der Vatikanbibliothek werden digitalisiert und kostenlos online zugänglich gemacht. Das kündigte der Präfekt, Msgr. Cesare Pasini, unter Vorwegnahme eines Projekts an, das am 20.03.2014 im Presseamt des Vatikans vorgestellt wurde. Es ist schwer, aus den 80’000 Handschriften dieser Bibliothek Exemplare auszuwählen, die besonders wichtig und wertvoll sind.

OR Nr. 46 vom 18.11.2016, S. 4
Digitalisierung der Vatikanbibliothek schreitet voran

Die vatikanische Bibliothek hat ein wertvolles Vergil-Manuskript digitalisiert und nachgedruckt. Das „Folio XXII Recto“ aus der Handschriften-Sammlung „Virgilius Vaticanus“ ist laut Radio Vatikan eines der ältesten und kostbarsten Dokumente der Bibliothek. Das Blatt zeigt Aenas, der laut Vergils (70 bis 19 v. Chr.) Epos „Aeneis“ aus Troja floh und Rom gründete, sowie seine Frau Kreusa. Der „Virgilius Vaticanus“, der auf etwa 400 n. Chr. datiert wird, gilt als seltenes Beispiel für illustrierte spätantike Manuskripte und als eines der ältesten Zeugnisse der Aeneis. Das Aeneis-Manuskript wurrde demnach mit Hilfe japanischer Technik digitalisiert. Die Stiftung „Digita Vaticana“ will weitere 80’0000 Manuskripte auf diese Weise sichern. „Wir sind froh und glücklich, dass wir unsere Manuskripte digitalisieren und sie auch online stellen können, damit die ganze Welt Zugriff darauf haben kann“, sagte der Präfekt der Bibliothek, Cesare Pasini, bei der Vorstellung des Nachdrucks in Rom.

OR Nr. 24 vom 16.06.2017, S. 3
Vatikanbibliothek vernetzt digitale Handschriftenbestände

Die Vatikanische Apostolische Bibliothek hat einen weiteren Schritt für die wissenschaftliche Nutzung ihrer einzigartigen Handschriftenbestände vollzogen. Nachdem 14’000 der 80’000 teils in die Antike zurückreichenden Manuskripte digitalisiert sind, soll dieses elektronische Archiv in einen Verbund von rund 40 National- und Forschungsbibliotheken weltweit eingebettet werden. Wie der Präfekt der Bibliothek, Msgr. Cesare Pasini, in einem Artikel in der Tagesausgabe unserer Zeitung vom 5./6. Juni 2017 berichtete, können so Forscher auf der Basis eines gemeinsamen Internetprotokolls Handschriften direkt miteinander vergleichen.
Die entsprechenden Standards waren 2012 von der Universität Stanford entwickelt worden. Das  „International Image Interoperability Framework“ (IIIF) ermöglicht unabhängig von der Archivierungssoftware der jeweiligen Bibliothek  einen Austausch zwischen den Datenbanken. Zusammen mit hochauflösenden Bilddateien will die Vatikanische Bibliothek laut dem Bericht für eine Gruppe lateinischer Handschriften zudem Transkriptionen (Sprachen in Lateinschrift wiedergeben) sowie Informationen zu den Texten und Glossen (Erläuterungen zu einem Ausdruck), Miniaturen  (kleine Bilder), Schriftarten, Kopisten, Buchmalern und Besitzern bereitstellen. Ein entsprechendes, auf 3 Jahre angelegtes Projekt wurde im Oktober 2016 begonnen.
Der Vatikan war auch Gastgeber der Jahrestagung der Bibliotheken, die dem IIIF angeschlossen sind. Das Treffen fand vom 5. bis 9. Juni 2017 am Patristik-Institut ((Patristik = Wissenschaft von den Schriften und Lehren der Kirchenväter) „Augustinianum“ in Rom statt.

Billette für Audienzen im Vatikan

Kirche heute 37, 2008:

Die Präfektur des Päpstlichen Hauses, eine Art „Palast-Eventmanagement“  für Empfänge und Veranstaltungen des Kirchenoberhauptes, präsentiert sich im Internet mit einer eigenen Webseite. Der Auftritt, der sich auch optisch vom übrigen Informationsangebot des Vatikans abhebt, bietet Hinweise auf Generalaudienzen und Papstreisen. Ausserdem lässt sich ein Bestellformular für Eintrittskarten zu den wöchentlichen Audienzen herunterladen. Aufgaben der Präfektur sind die Dienste im Empfangsbereich und die Organisation der Besuche von Staatsoberhäuptern, auch anderen herausragenden Personen und Gruppen beim Papst:
www.vatican.va/various/prefettura/index_ge.html
Prefettura: 06 698 820 94 Sekretariat

Birett

Jürgen Erbacher, Der Vatikan, Das Lexikon, S. 67

Das Birett ist eine klerikale Kopfbedeckung, das je nach hierarchischem Rang des Trägers unterschiedliche Farben hat. Es entwickelte sich wohl aus einer Kopfbedeckung, die einer Baskenmütze ähnlich war und unter der Kapuze eines Umhangs (Birus) getragen wurde. Seit dem 15. Jahrhundert hat es die heutige Form als feste viereckige Kopfbedeckung, die mit drei (römisch) oder vier (deutsch, englisch, französisch) bogenförmigen Aufsätzen (lat. cornua, Horn) und einer Quaste oben ausläuft. Wenn es nur drei Hörner sind, fehlt das linke. Das Birett wird zum Talar (langes Amtskleid) getragen. Das Kardinalsbirett ist rot, ohne Quaste und überall mit drei Aufsätzen. Bischöfe tragen ein violettes Birett mit violetter Quaste (ebenso Apostolische Protonotare di Numero Partecipanti). Alle anderen tragen ein schwarzes Birett mit schwarzer Quaste (Ausnahme in einigen Regionen und Domherren und Dekane). Die Kardinäle erhalten ihr Birett beim Konsistorium aus der Hand des Papstes. Früher hatten in einigen Ländern (Frankreich, Spanien, Portugal, Italien) die Staatsoberhäupter das Recht, den neuen Kardinälen das Birett zu überreichen. Dazu wurde es von einem päpstlichen Legaten zum jeweiligen Bestimmungsort gebracht. Beispiel: General de Gaulle überreichte Kardinal Roncalli, später Johannes XXIII., das Birett in Paris.

Bischöfe

Sie  haben eine protokollarische Ordnung. Bischofssitz und Kirchenarbeit sind Massstab. „Bruder“ des Bischofs von Rom. Kardinäle: Söhne, Kreaturen des Papstes.
Nachstehend ein Versuch, die verschiedenen Bischoftitel aufzuzählen. Er erhebt keinen Anspruch auf die richtige, protokollarische Ordnung.

  1. Bischof-Koadjutor: Fester Nachfolger eines zum voraus bestimmten Bischofssitzes
  2. Weihbischof: Hilfsbischof des residierenden Bischofs ohne Recht auf seine Nachfolge. Hilfs- oder auch Auxiliarbischof genannt.
  3. Titularbischof: mit Titelkirche ohne Jurisdiktion. Z. B. ist jeder Weihbischof  auch Titularbischof. Titel eines untergegangenen Bistums
  4. Bischof: Vorsteher  eines Bistums (Diözese). Residierender Bischof
  5. Militärbischof: steht z. B. allen Feldpredigern eines Landes vor
    (z. B. in Italien, El Salvador usw.)
  6. Erzbischof: Amtstitel des regierenden Bischofs eines unmittelbar dem Hl. Stuhl unterstellten Erzbistums (geschichtlicher Nachweis, z. T. grosse alte Städte). Siehe →Kardinal (OR Nr. 26 vom 30.06.2017)
    Deutschland: 5 Erzbistümer: Bamberg, Freiburg,  Köln, München-Freising, Paderborn, Berlin, Hamburg.
  7. Metropolit (griechisch): Der erste Bischof oder Erzbischof einer Kirchenprovinz.
    Titel wird selten noch geführt. Kirchenprovinz: mehrere benachbarte Diözesen unter einem Erzbischof bzw. Metropolit, vorrangig sein Bistum. Die anderen Bistümer nennt man Suffragan-Bistümer (lat. suffraganeus = Weihbischof, suffragium = Abstimmung, Votum, Stimme, Wahlrecht, Stimmrecht, Zustimmung). Kirchliche Regionen: siehe unter Erzbischof.
  8. Metropolitan-Erzbischof. Siehe Metropolit.
  9. Patriarch (Ehrentitel). Aloys von Euw, Mit Bergschuhen geht man nicht in den Vatikan, S. 64: Dieser Ehrentitel wurde verliehen, weil ein Apostel oder Apostelschüler den Bischofssitz gegründet hatte, weil die Stadt in einem hohen politischen Range stand oder vielleicht, weil sie missionarisch grosse Ausstrahlung besass. So gibt es vier kleine Patriarchate: Venedig (seit 1451), Lissabon (1716), Coa (1886) für Ostindien. Und als vierter im Bund nennt sich der spanische Militärbischof für Westindien seit 1540 Patriarch. Die alte Kirche des Ostens rühmt sich 5 „grosser Patriarchensitze“. –  Der Papst ist „Patriarch des Abendlandes“.
  10. Titularerzbischof: Diese sind ohne jegliche Jurisdiktion: Delegaten, höhere Kurienbeamte. Jeder Nuntius trägt den Titularerzbischof-Titel.
  11. Grosserzbischof. Das Oberhaupt der syro-malabarischen Kirche (Indien) oder der
    griechisch-katholischen Kirche Rumäniens (S. Seligkeit) nennt sich Grosserzbischof.

Der Bischof hat

  • einen Generalvikar, der allgemein und ständige Vertreter des Bischofs. Vom Bischof gewählt
  • einen Offizial. Er bekommt die ordentliche Gerichtsgewalt. Vom Bischof gewählt
  • den Kanzler, der Vorsteher der bischöflichen Registratur

Ostkirche: oberster Priester: Patriarch mit der Anrede  „Seine Seligkeit“.
→ Ostkirche      → Kardinäle

OR Nr. 2 vom 15.01.2010 (Ulrich Nersinger):
Seit dem 9. Jahrhundert zeichneten die Päpste verdiente Bischöfe mit dem Titel eines „Päpstlichen Thronassistenten“ aus. Bei feierlichen Liturgien und Zeremonien waren diesen Oberhirten am Thron des Papstes besondere Aufgaben übertragen. Sie erfreuten sich einer Reihe von Privilegien und Ehrenrechten, darunter der Ernennung zum „Comes Romanus“ (Römischer Graf). Der Brauch, Bischöfe in den Rang von Päpstlichen Thronassistenten zu erheben, wurde bis in das Pontifikat Johannes Pauls II. (1978-2005) hinein beibehalten. In Deutschland war 1983 dem ehemaligen Bischof von Regensburg, Dr. Rudolf Graber, diese Würde verliehen worden.

Kath. Wochenzeitung 38/2010:
Papst: Ein Bischof muss mehr als nur ein Verwalter sein

Ein Bischof muss nach den Worten von Benedikt XVI. mehr als nur ein reiner Verwalter seiner Diözese sein. Seine Tätigkeit dürfe sich nicht einfach in die Rolle eines Regierenden, Bürokraten, Organisators oder Moderators des diözesanen Lebens beschränken, sagte der Papst vor rund 100 neu ernannten Bischöfen aus Europa und Amerika. Für einen Bischof gelte es, über die rein administrativen Belange hinaus, in erster Linie den Glauben zu verkünden. Diese Mission eines Oberhirten könne nicht allein nach den Massstäben von Leistung und Effizienz gemessen werden, hob das Kirchenoberhaupt am 13.09.2010 hervor. Ein guter Bischof regiere sein Bistum stets im brüderlichen Geiste und nehme zunächst eigene Mängel in den Blick, bevor er jene seiner Mitbrüder anspreche. Die Verbundenheit mit Christus ermögliche es dem Bischof zudem, ein Klima des Vertrauens und Angenommenseins sowie der Offenheit und Gerechtigkeit zu schaffen.

Basler Zeitung vom 12. Juli 2012, S. 9, Felix Lee, Peking:
Peking verschleppt den Bischof von Schanghai. Er erklärte während der Weihe seinen Austritt aus der Staatskirche

Es ist in den vergangenen Jahren sehr selten vorgekommen, dass sich Vatikan und Peking auf einen gemeinsamen Bischof verständigt haben. Die römisch-katholische Kirche anerkannte die von Chinas Führung auserkorenen Bischöfe meistens nicht. Die regierende Kommunistische Partei in der Volksrepublik wiederum duldete keinen Kandidaten, der sich ihr nicht unterstellte. Auf Thaddeus Ma Dagin hatten sich beide Seiten nach langem Gezerre geeinigt. Er wurde am vergangenen Samstag zum neuen Bischof des Bistums Schanghai geweiht. Womit die chinesische Führung nicht gerechnet hatte: Ma erklärte kurz nach seiner Weihe den Austritt aus der chinesischen Staatskirche. Seitdem ist der 44-Jährige verschwunden.

Wie das unabhängige katholische Nachrichtenportal „ucanews“ berichtet, sind chinesische Sicherheitskräfte nur wenige Stunden nach Mas Austrittserklärung vor der Sankt-Ignatius-Kathedrale im Schanghaier Stadtteil Xujiahui vorgefahren, haben ihn festgenommen und verschleppt. Offiziell verweigern die Behörden seitdem jede Auskunft. „ucanews“ vermutet, dass Ma im Priesterseminar von Shesham, rund 30 km von Schanghai entfernt, unter Hausarrest gehalten wird. (…)

SonntagsZeitung vom 3. März 2013, S. 18, Prof. Dr. Josef Imbach:
Jetzt braucht es den Protest der Bischöfe. Nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. ist der Zeitpunkt günstig, sich gegen den Gängelzug durch Rom zu wehren.

Seit Monaten machen die österreichische und die deutsche Pfarrerinitiative von sich reden. Angesichts dieser Bestrebungen zeigen sich einige Bischöfe knallhart, andere setzen auf Dialog – ob ergebnisoffen oder nicht, ist schwer zu sagen. Nach dem Verzicht von Benedikt XVI. auf das Papstamt stehen wir vor einer völlig neuen Situation. Angesichts des gegenwärtigen Machtvakuums wäre endlich auch für die Bischöfe der Zeitpunkt gekommen, sich zu einer Bischofsinitiative zusammenzuschliessen und gegen die ihnen gegenüber seit Jahrzehnten praktizierte Gängelung seitens Roms zu protestieren. Immerhin sind Ansätze dazu wahrzunehmen – beispielsweise wenn der Basler Bischof Felix Gmür die undurchsichtige Politik der römischen Kurie mehr oder weniger offen kritisiert. „Eine Kurie, von der man nicht genau weiss, wie sie funktioniert, dient dem Papstamt nicht wirklich.“ (…) Heute sind die Bischöfe praktisch zu Handlangern Roms degradiert. (…) Indessen bräuchten wir wieder mehr Bischöfe vom Format eines Christian Caminada, welcher der Diözese Chur von 1941 bis 1962 vorstand und der einst öffentlich verlauten liess: „Es wird Zeit, dass ich wieder einmal nach Rom fahre und denen dort sage, wer in Chur Bischof ist.

Alfred Sellner, Latein im Alltag, S. 64
IN PARTIBUS INFIDELIUM

Wörtlich: im Gebiete der Ungläubigen. Als Zusatz zu einem Bischofstitel mit I.P.L. abgekürzt, wenn vormals christliche Landschaften durch Andersgläubige in Besitz genommen wurden, verzichtete die Kirche nicht auf die ehemals erworbenen Ansprüche; sie hielt sich dadurch fest, dass sie auch weiterhin Bischöfe weihte, die für derartige Bischofssitze, an denen gar nicht amtiert werden konnte, bestimmt waren. Daher die Institution der sogenannten Titularbischöfe, wie sie seit der Verordnung des Papstes Leo XIII. 1881 genannt wurden. Titularbischof ist also das Oberhaupt eines Bistums, das noch nicht oder nicht mehr besteht. Der Titel wird daher auch ironisch in der Bedeutung „ohne Funktion“ verwendet.

Katholische  Wochenzeitung Nr. 48 vom 29.11.2013, S. 14, H. Lang, Bern
Schamlose Lakaien-Bischöfe

Das Berner Tagblatt hat sich wieder einmal ein Husarenstück von besonders niederträchtigem antirömischem Effekt geleistet.  Der Studentenseelsorger Philipp geisselte darin nämlich viele Bischöfe der letzten beiden Päpste, die er wortwörtlich „schamlose Lakaien“ (Kriecher) und „stromlinienförmige, charakterschwache Karrieristen“ abstempelte. Dabei erwähnte er u. a. Erzbischof Haas. Auch Kardinal Meissner unterstellte er ohne jede Hemmung ein schändliches Verhalten. Und in unverkennbarer Weise beschuldigte er den Bischof von Chur als einen, der in menschlicher und seelsorgerischer Hinsicht nichts voranbringe und dessen törichte Aussagen das Ansehen der Christen immer wieder beschädige. Dann endete er mit der Feststellung, das auf diese Weise die Kirche ihre Bodenhaftung verliere.

Wer hier die Bodenhaltung verloren hat und selbst ein schamloser Lakaie, nämlich des Zeitgeistes, geworden ist, dürfte klar sein. Man kann sich gut vorstellen, wie viel Schaden ein solcher Seelsorger an den Studenten anrichtet. Wie kann dieser Mann so überheblich und vernichtend andere beurteilen und richten? Der Frust über die eigene enttäuschende Erfolgsbilanz dürfte vielleicht ein Grund sein. Mit dem erwähnten Artikel wurde aber der normale menschliche Anstand mit Füssen getreten, und dies ist eines Theologen und eines Pfarrblattes unwürdig. Wie kann man mit einer solchen Haltung in der Kirche arbeiten? Hoffen wir, dass die Vorgesetzten einschreiten.

OR Nr. 45 vom 14.11.2014, S. 4
Der Vatikan hat seine Vorschriften für den Rücktritt von Diözesanbischöfen und leitenden Kurienmitarbeitern präzisiert. Laut einem veröffentlichten Dokument sind ab sofort auch vatikanische Behördenchefs im Kardinalsrang und andere Kardinäle „verpflichtet, mit Vollendung des 75. Lebensjahres dem Papst ihren Amtsverzicht anzubieten“. Bislang waren sie nur „gebeten“, dies zu tun. Kurienleiter, die nicht im Kardinalsrang stehen sowie Sekretäre von Kurienbehörden und die übrigen Kurienbischöfe verlieren mit 75 Jahren automatisch ihre Ämter.  Weiter legt die Verfügung fest, dass Diözesanbischöfe, deren Rücktritt der Papst angenommen hat, auch „jedes andere Amt auf nationaler Ebene verlieren, das ihnen für die Dauer ihrer Leitungsaufgabe übertragen wurde“. Die in den 7 Artikeln genannten Verfahrensweisen waren bereits grösstenteils kirchliche Praxis. Die Regelung in Form eines sogenannten Reskripts (feierliche Rechtsentscheidung des Papstes oder Bischofs) schafft eine grössere Verbindlichkeit und dehnt Rücktrittsregelungen, die bisher für Diözesanbischöfe galten, auch auf Kardinäle aus.

OR Nr. 49 vom 5. Dezember 2014, S. 3
Schweizer Bischöfe beim Papst

Papst Franziskus hat sich gegen ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten ausgesprochen. „Wenn wir unter dem Vorwand eines gewissen Entgegenkommens unseren eucharistischen Glauben verbergen müssen, dann nehmen wir weder unseren eigenen Schatz noch unsere Gesprächspartner genügend ernst“, sagte er am 1. Dezember 2014 vor Schweizer Bischöfen im Vatikan. Gläubige jeder Konfession müssten die Möglichkeit haben, „ihren Glauben unmissverständlich und frei von Verwechslung zu leben und ohne die Unterschiede auf Kosten der Wahrheit wegzuretuschieren“. Die Bischöfe hielten sich in der vergangenen Woche in Rom auf, um dem Papst und der Römischen Kurie über die Lage in ihren Ortskirchen zu berichten. Der Heilige Vater rief die Bischöfe auch auf, den Unterschied zwischen Priestern und Laien nicht zu verwischen. Es sei gut, das Engagement der Laien zu fördern; allerdings müsse dies stets „unter klarer Wahrung des Unterschieds zwischen dem gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen und dem Priestertum des Dienstes“ erfolgen. (WA: Nach dem ersten Tag des Besuches im Vatikan kam die Mitteilung, dass Schweizergardekommandant Anrig ausgewechselt würde.)

Jürgen Erbacher, Der Vatikan, Das Lexikon, S. 68 (…)
Der Bischof

Ein Bischof ist Träger des höchsten Weiheamtes in der katholischen Kirche (der Papst wird durch die Annahme seiner Wahl Papst, ohne dass eine Weihe erfolgt.). Er ist geistlicher und administrativer Leiter (griech.: episkopos = Vorsteher, Wächter, Aufseher) einer territorial verstandenen Titelkirche, auch als Weihbischof oder Bischof an der Römischen Kurie. Der Bischof wird als Nachfolger der Apostel bezeichnet. Anforderungen für eine Bischofswahl: Mindestalter 35, wenigstens seit 5 Jahren Priester sowie eine Promotion (Dr.) in Theologie oder eine vergleichbare akademische Qualifikation. Dem Bischof obliegt die Leitungs-, Lehr- und Heiligungsgewalt. Er ist damit der erste Spender der Sakramente. Während die Weihespendung allein dem Bischof vorbehalten ist, können die übrigen Sakramente (Taufe, Firmung, Ehe, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung) in der Regel auch von Priestern oder in bestimmten Situationen von Laien gespendet werden. Seit den 1990er-Jahren wird die Firmung immer öfter an Priester delegiert. Der Bischof wird auf Lebenszeit ernannt. Eine Enthebung oder Versetzung kann nur der Papst verfügen. Laut Kirchenrecht müssen Bischöfe mit Vollendung des 75. Lebensjahres ihr Rücktrittsgesuch beim Papst einreichen. -Ein Bischof ist entweder Diözesanbischof (auch „Residierender Bischof“ oder Ortsbischof genannt) oder Titularbischof. Der Diözesanbischof, Vorsteher einer Diözese, ist nur dem Papst gegenüber verantwortlich. Die Bischofskonferenz stellt juristisch keine Zwischeninstanz dar und behindert diese Unmittelbarkeit zwischen Diözesanbischof und Papst nicht. Titularbischöfe sind Bischöfe, die nicht einer eigenen Diözese vorstehen; sie erhalten ein Titularbistum. Dabei handelt es sich um eine untergegangene, nicht mehr existierende Diözese. Titularbischöfe sind meist Weihbischöfe oder Kurienmitarbeiter (sogar Titularerzbischöfe).

Ein Erzbischof ist der Leiter einer Kirchenprovinz und steht damit in der kirchlichen Hierarchie über dem Diözesanbischof. Eine Kirchenprovinz ist der Zusammenschluss mehrerer benachbarter Bistümer u. a. zum Zweck der pastoralen Kooperation und Koordination. Die Kirchenprovinz wird auch Metropolie genannt: der Erzbischof als Vorsteher der Kirchenprovinz daher auch Metropolit. Die Bistümer, die neben dem Erzbischof zur Metropolie gehören, werden Suffraganbistümer (Suffragan = einem Erzbischof unterstellter Diözesanbischof) genannt. Der Metropolit hat gegenüber den Suffraganen vor allem Aufsichtsaufgaben zur Wahrung des Glaubens und der kirchlichen Disziplin, aber keine Leitungsgewalt. Als äusseres Zeichen erhält der Erzbischof ein Pallium (Schulterbinde). Manche Bischöfe tragen Ehrentitel, die oft historische Wurzeln haben.

Der Papst ist Bischof von Rom und besitzt als Nachfolger des Apostels Petrus den Jurisdiktionsprimat über die katholische Kirche. Institutionalisierte Zusammenarbeit unter den Bischöfen: Bischofskonferenz, Bischofssynode, Konzil. Als Kleidungsfarbe tragen die Bischöfe violett. Zu den Insignien des Bischofs gehören Mitra (haubenartige Kopfbedeckung), Krumm-Stab (beim Papst der Kreuzstab), Bischofsring und Brustkreuz.

Nach Angaben des Päpstlichen Jahrbuches 2009 gab es zum Stichtag 31.12.2008 weltweit 4’811 Bischöfe, davon 2’597 Diözesanbischöfe, 1’082 Titularbischöfe und 1’132 emeritierte (pensionierte) Bischöfe. Insgesamt gab es demnach 2’803 Diözesen, davon 2’170 Diözesen, 616 Erzdiözesen bzw. Metropolien, 13 Patriarchate und 4 Grosserzbistümer.

OR Nr. 1 vom 08.01.2016, S. 4
Im Vatikan denkt man offenbar über konkrete Möglichkeiten für eine Übertragung umfangreicherer Kompetenzen an die nationalen Bischofskonferenzen nach. Das Sekretariat der Bischofssynode wird im Februar ein Seminar mit Spezialisten aus den Bereichen Kirchenrecht und Ekklesiologie (Lehre von der Kirche) zum Thema Synodalität veranstalten, sagte dessen Generalsekretär, Kardinal Lorenzo Baldisseri, unserer Zeitung gegenüber. Damit wolle man zu einem tieferen Verständnis dieses Prinzips beitragen und weitere Studien  zu diesem Thema fördern.

OR Nr. 8 vom 26.02.2016, S. 4
Papst Franziskus erwartet von Bischöfen, die sexuellen Missbrauch durch Kleriker  vertuschen, den Rücktritt. Bei der Pressekonferenz auf dem Rückflug von Mexiko (Apostolische Reise) nach Rom sagte der Papst, ein Bischof, der einen Missbrauchstäter lediglich in eine andere Pfarrei versetze, zeige, dass er keine Ahnung davon habe, worum es gehe. Missbrauch sei ein „monströses (scheussliches) Verbrechen“. Ein Bischof, der darauf mit einer Versetzung des Täters reagiere, solle am besten seinen Rücktritt einreichen, forderte der Papst.

BaZ kompakt vom 07.06.2016, S. 11, -en
Der Bischof, der Vater wird

Im April 1994 war Hansjörg Vogel feierlich zum Bischof von Basel geweiht worden. Bereits Anfang Jun 1995 erklärte er seinen Rücktritt. Unter Tränen räumte der hohe Würdenträger der römisch-katholischen Kirche ein, nicht nur eine Geliebte zu haben, sondern mit dieser auch noch Nachwuchs zu erwarten.  Ein Bischof, der gleichzeitig hochoffizielle Vater ist, das ist noch heute unvorstellbar – und vor allem unvereinbar mit dem Kirchenrecht. 2 Tage später schon hatte Vogel seinen Palast in Solothurn geräumt. Der Medienrummel war riesig und die Debatte um das Zölibat hitzig. Vogel zog sich nach Deutschland zurück. Im September kam das Kind zur Welt – ein Töchterchen. Vogel kehrte später mit seiner Familie in die Schweiz zurück und war zunächst für das Schweizer Arbeiterhilfswerk tätig, dann für das Rote Kreuz und schliesslich arbeitete er bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung im Jahr 2011 als Ausländer- und Integrationsbeauftragter des Kantons Luzern. Vogels ungewöhnliche Liebesgeschichte und sein Ausstieg aus dem hohen Kirchenamt ermöglichten Kurt Koch den Einstieg in eine steile Karriere in der katholischen Kirche. Koch wurde zuerst Bischof von Basel und ist seit Ende 2010 Kardinal und Präsident eines Päpstlichen Rates an der Via della Conciliazione in Rom.
Um Hansjörg Vogel ist es seither ruhig geworden. Hingegen machte seine Tochter Franziska im Jahre 2014 Schlagzeilen: Sie gewann mit ihrer Maturaarbeit den Luzerner Religionspreis. Ihr Thema: das Zölibat.

Kirche heute 24/2016 Juni, S. 2
Nachlässigen Bischöfen droht Absetzung

Katholischen Bischöfen droht bei nachlässigem Umgang mit Missbrauchsfällen künftig die Entlassung aus dem Amt. Ein am 4. Juni 2016 veröffentlichter Erlass von Papst Franziskus sieht die Absetzung vor, wenn sich ein Bischof einer schweren Sorgfaltspflichtverletzung beim Vorgehen gegen Missbrauch Minderjähriger oder schutzbedürftiger Erwachsener schuldig macht. Auch bei andren groben Nachlässigkeiten – etwa im Umgang mit Finanzen – können Bischöfe bald ihren Posten verlieren.

OR Nr. 15/16 vom 14.04.2017, S. 3
(…) Die Zahl der Bischöfe vergrösserte sich im  Zeitraum 2010 bis 2015 um 3,9 % auf 5’304; überdurchschnittlich war der Zuwachs in Asien (5,4 %) und Europa (4,2 %), niedriger in Amerika (3,7 %) und Afrika (2,3 %). Im Verhältnis zur Gläubigenzahl weist Europa die meisten Bischöfe auf: 31,6 % aller Oberhirtensorgen sich um 22,2 % aller Katholiken. Hingegen stellt Süd- und Nordamerika mit 49 % der Gläubigen 37,4 % der Bischöfe zur Verfügung; in Afrika mit 17,3 % aller Katholiken sind es 13,4 % der Bischöfe. (…)

Bischöfinnen

Kirche heute 49/2013 Dezember, S. 2
Bischöfinnen in der anglikanischen Kirche

Die anglikanische Kirche in England möchte Frauen zum Bischofsamt zulassen. Bei der Generalsynode stimmten 378 Delegierte für und 8 gegen einen solchen Schritt. Ein Drittel des anglikanischen Klerus in England ist inzwischen weiblich. Die endgültige Entscheidung fällt in England erst im Juli 2014. Dann müssten alle drei Häuser der Synode – Bischöfe, Geistliche und Laien – mit einer Zweidrittelsmehrheit grünes Licht geben. Auch die anglikanische Kirche Australiens hat mit Sarah Macneil erstmals eine Frau zum Diözesanbischof gewählt.

Kirche heute 1/2 2014 – Dez. 2013
Generalsynode der Kirche von England sagt Ja zu Zulassung von Frauen zum Bischofsamt (Alexander Brüggemann, Kipa)

Seit mehreren Jahren diskutiert die Mutterkirche der Anglikaner darüber, ob sie Frauen zum Bischofsamt zulassen soll. Nun scheint es endlich zu klappen. Der endgültige Entscheid fällt im Juli 2014. (…)

NORDWESTSCHWEIZ vom 15. Juli 2014, S. 6
Kirche in England: Frauen dürfen Bischöfinnen werden

In der anglikanischen Kirche von England können künftig Frauen zu Bischöfen ernannt werden. Die Generalsynode stimmte gestern Montag in York mehrheitlich dafür, ein entsprechendes Gesetz auf den Weg zu bringen. Ein ähnlicher Vorstoss war im November 2012 am Widerstand der Laien im Kirchenparlament gescheitert. Ihnen war der Vorschlag nicht weit genug gegangen. Er hatte vorgesehen, dass Priester ein Vetorecht gegen die Ernennung von Frauen ausüben dürfen. – Die Kirche von England ist die Mutterkirche der anglikanischen Weltgemeinschaft.  In anderen Teilkirchen, etwa in Neuseeland und den USA, sind Bischöfinnen bereits seit Jahren üblich. (SDA)

Schweizerische Kirchenzeitung Nr. 44/2014 Oktober, S. 627
Ja

Das britische Oberhaus hat der Entscheidung der anglikanischen Kirche von England zur Freigabe des Bischofsamtes für Frauen zugestimmt. Jetzt fehlt noch das Votum des Unterhauses. Anschliessend kann die neue Regelung in Kraft treten – mutmasslich noch vor dem nächsten Treffen der Generalsynode der Anglikaner kommenden Monat in London. (kipa)

Kirche heute 1-3/2015 Dezember 14, S. 2 
Erste anglikanische Bischöfin Englands

Libby Lane ist am 17. Dezember 2014 zur ersten Bischöfin der anglikanischen Mutterkirche von England ernannt worden. Die 48-Jährige gehörte zu den ersten weiblichen Geistlichen der Kirche und ist nun Suffraganbischöfin (einem Erzbischof unterstellt) von Stockport in der nordenglischen Diözese Chester. Als Suffraganbischöfin hat sie keinen eigenen Bischofssitz und damit auch keine Kathedrale. In vielen anglikanischen Nationalkirchen, die nicht an die Weisungen der Mutterkirche gebunden sind, gibt es schon länger Bischöfinnen.

Bischofssynode

Was ist eine Bischofssynode?
OR Nr. 41 vom 12. Oktober 2012, S. 4, (…):

Die Bischofssynode ist eine ständige Einrichtung, die am 15. September 1965 von Papst Paul VI. ins Leben gerufen wurde. Er sagte: „Die Nachricht, die Wir gerne mit Euch teilen wollen, betrifft Unsere Absicht, eine Einrichtung ins Leben zu rufen, die von diesem Konzil selbst gewünscht wurde, nämlich eine „Bischofssynode“, die vorwiegend aus Bischöfen besteht, die mit unserer Zustimmung von den Bischofskonferenzen gewählt und vom Papst zu seiner Beratung und Mitarbeit zusammengerufen werden, wenn es ihm für das Wohl der Kirche geraten erscheint.

Damit wurde der Wunsch der Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils erfüllt, den *positiven Geist, der im Laufe des Konzils entstanden war, fortleben zu lassen. Das Wort „Synode“ leitet sich ab von den griechischen Wörtern „syn“, „gemeinsam“ und „hodos“, Strasse, Weg, also “sich treffen, sich versammeln“. Eine Synode ist ein religiöses Treffen oder eine religiöse Versammlung. Die Bischofssynode mit ihrem ständigen Generalsekretär ist nicht Teil der Römischen Kurie und ist nicht abhängig von ihr. Sie unterstützt direkt und nur den Heiligen Vater, mit dem sie verbunden ist in der Leitung der universalen Kirche.

*Hans Küng, Erkämpfte Freiheit, Erinnerungen (Konzil 1962-65):
S. 539: Die von der ersten Session an feststellbare Spannung zwischen dem fortschrittlichen Konzil selbst und der reaktionären Kurie hatte sich in der zweiten aufgeladen und jetzt in der dritten entladen – zugunsten der Kurie! Leider.

S. 540: Ich brauche hier die Entwicklung der Krise am Ende der dritten Session nicht im Einzelnen nacherzählen. Es genügt, summarisch aufzulisten, was Paul VI. in der schwarzen Woche höchstpersönlich zu verantworten hat: (…)

S. 541: Wen es interessiert, welchen kurialen Kabalen (Ränken) und Intrigen, Machenschaften und Ränkespielen das Konzil von Anfang bis Ende ausgesetzt war, der lese in Alberigos Geschichte des Vatikanum II (Band IV) die 66 Seiten, die L. A. G. Tagle aus Tagaytay (Philippinen) mit viel Mühe über den „Novembersturm“: die „schwarze Wolke“ geschrieben hat. – Ich muss bekennen: Noch mehr als damals fühle ich mich heute, wo ich manche Hintergründe sehr viel genauer kenne, abgestossen von diesem Spiel, das mit dem eigentlichen Christlichen wenig und (trotz aller Unterschiede) mit Hof und Mentalität der Cäsaren viel zu tun hat. Der Grossteil der Bischöfe zeigt sich schockiert, aber unfähig zu einer effektiven Reaktion. (…)

OR Nr. 27 vom 5. Juli 2013, S. 4

Die nächste Bischofssynode soll 2015 zusammentreten. Über das Thema der XIV. ordentlichen Generalversammlung wird noch entschieden. Üblicherweise finden diese Bischofstreffen immer im Herbst statt. Zuletzt hatten sich die Bischöfe im Oktober 2012 mit den Herausforderungen der Neuevangelisierung befasst.

OR Nr. 9 vom 28.02.2014, S. 4
Ernennung des Präsidiums der Bischofssynode im Oktober

Papst Franziskus hat die 3 Mitglieder des Präsidiums für die Bischofssynode über die Familie im Oktober ernannt. Die ausserordentliche Versammlung wird geleitet von den Kardinälen André Vingt-Trois (Paris), Luis Antonio Tagle (Manila) und Raymundo Damasceno Assis (Aparecida/Brasilien). Die Synode vom 5. bis 19. Oktober 2014 steht unter dem Titel „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung*.

OR Nr. 26 vom 27.06.2014, S. 4

Der Vatikan veröffentlichte am 26. Juni 2014 das Arbeitspapier für die Bischofssynode zu Familienfragen im Herbst. In das Dokument flossen die Ergebnisse einer weltweiten Umfrage zu Ehe, Familie und Sexualität ein. Das Papier, das den Bischöfen während der zweiwöchigen Beratungen als thematischer Leitfaden dient, wurde vom Generalsekretär der Bischofssynode, Lorenzo Kardinal Baldisseri sowie Kardinal Peter Erdö aus Budapest, Kardinal André Vingt-Trois aus Paris und dem italienischen Erzbischof Bruno Forte aus Chieti vorgestellt.

OR Nr. 27 vom 4. Juli 2014, S. 4

Der Vatikan hat Thema und Datum der Ordentlichen Bischofssynode im Herbst 2014 bekanntgegeben. Sie tagt demnach vom 4. bis 25. Oktober unter dem Titel: „Jesus Christus offenbart das Geheimnis und die Berufung der Familie“, wie der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, am 26. Juni 2014 mitteilote. Er äusserte sich bei der Vorstellung des Arbeitspapiers für die vorausgehende Ausserordentliche Versammlung der Bischofssynode, die Papst Franziskus für den 5. bis 19. Oktober dieses Jahres im Vatikan einberufen hat.

Kirche heute 44/2014 Oktober, S. 1, Bischofssynode Oktober 2014
„Die Diskussionen waren offen, ehrlich und auch heftig“
Schlusspapier der Bischofssynode ist Arbeitsgrundlage für die Synode im nächsten Jahr.

Die am Sonntag zu Ende gegangene Bischofssynode habe „schon vom Stil her“ einen Veränderungswillen bewiesen, erklärte Markus Büchel, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz am 18. Oktober 2014 in Rom. Konkrete Resultate durfte man nicht erwarten. Die Diskussionen werden nächstes Jahr an der Ordentlichen Bischofssynode fortgeführt. – Zum Abschluss der zweiwöchigen Beratungen haben die Synodenteilnehmer – Präsidenten nationaler Bischofskonferenzen und ausgewählte Kardinäle – eine 3-seitige Botschaft an die Öffentlichkeit und einen 60 Abschnitte umfassenden Abschlusstext verabschiedet. Letzterer soll Grundlage für das Weiterdenken und -diskutieren in den Diözesen bis im Herbst 2015 sein, wenn die nächste ordentliche Bischofssynode  (Synode = Kirchenversammlung) das Thema Familie wieder aufnimmt. Dieser Text hat 3 Teile. Im ersten geht es um die Realität, in der Familien heute leben. Dabei wird der Akzent auf positive Akzente gelegt. Die Schlussbotschaft nimmt diese auf, indem die Synodenväter „Bewunderung und Dank gegenüber dem täglichen Zeugnis der Treue, des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe“ bekunden, das Familien der Welt schenken. Der 2. Teil ist dem „Blick auf Christus“, den biblisch begründeten Grundaussagen zur Ehe gewidmet, der Unauflöslichkeit und der Offenheit für das Leben. Im 3. und längsten Teil geht es darum, wie Familien in ihren konkreten Situationen pastoral begegnet und wie ihnen die Frohe Botschaft verkündet werden kann. (…)

OR Nr. 43 vom 24.10.2014, S. 3
Kardinal Marx zog positive Bilanz der Bischofssynode

Eine trotz Abstrichen positive Gesamtbilanz der Bischofssynode in Rom zum Thema Ehe und Familie hat der Münchner Kardinal Reinhard Marx gezogen. Erstmals seit Jahrzehnten habe es eine offene Debatte über drängende Fragen zum Thema Ehe, Familie und Sexualität gegeben, und der Abschlusstext der Synode enthalte viele positive Elemente und sei eine Ermutigung, weiter zu diskutieren und voranzugehen, so der Erzbischof von München und Freising.

Kirche heute 45/2014 Oktober, S. 2
Dialog über Familiensynode

Zum Abschluss ihrer Bundesversammlung hat die Initiative „Wir sind Kirche“ die deutschen katholischen Bischöfe aufgefordert, den Dialog über die Themen der Familiensynode „so offen und angstfrei wie in Rom“ auch in Deutschland weiterzuführen. Man solle mit Theologinnen und Theologen sowie mit dem gesamten Kirchenvolk weiter diskutieren und rechtzeitig konkrete Ergebnisse zur zweiten Familiensynode 2015 vorlegen. Die engagierten Laien sollten dabei eine besondere Rolle spielen.

Katholische Wochenzeitung 44/2014 Oktober, S. 4 – 6
Auszüge über die stattgefundene Bischofssynode Oktober 2014 in Rom

Kardinal Joachim Meisner, Seite 4
Kardinal Meisner, Köln, hat Kritik geübt, weil bei der Synode keine Vertreter des in Rom existierenden kirchlichen Instituts „Heiliger Johannes Paul II.* dabei sein durften. Dies wirke wie ein Ausschluss des heiligen Papstes von der stattgefundenen Synode. -Heiligsprechen und dann zu den „Akten“ legen? Meisner erinnerte dann, dass wenige Monate zuvor Johannes Paul II. in Rom heiliggesprochen wurde und dabei viele Pilger aus Polen dabei waren. „Für die Synodenorganisatoren scheint das ohne Bedeutung zu sein: „Vox populi – vox Dei!“ Die Stimme des Volkes Gottes war nicht erwünscht und scheint darum auch nicht gehört worden sein.“

Msgr. Christoph Casetti, Chur, S. 4
Glaubenskrise in der Bischofssynode. Weil die natürliche Empfängnisregelung in unserer Gesellschaft nicht greife, müsse die Kirche die Verhütung erlauben, meinen Bischöfe bei der Synode zu Ehe und Familie in Rom. Weil viele geschiedene Katholiken eine neue zivile Ehe eingehen, müsse die Kirche Wege suchen, diese unter bestimmten Bedingungen wieder zu den Sakramenten zulassen. Weil gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gesellschaftlich wie Ehen anerkannt werden, müsse sich die Kirche Gedanken machen, wie sie diese wertschätzen könne. – Diese Meinungen geben mindestens den Anschein, die bisherige Lehre und Praxis der Kirche in Frage zu stellen. Für mich steht dahinter die Glaubensfrage. Sind wir noch davon überzeugt, dass unser Glaube die Gesellschaft prägen, ja verändern kann? Oder wird umgekehrt unser Glaube zunehmend von den gesellschaftlichen Umständen geprägt? – Es scheint Synodenväter zu geben, welche den Nachvollzug des Zeitgeistes und seiner gesellschaftlichen Tendenzen für eine missionarische Seelsorge halten. – Sinngemäss sagte Kardinal Dolan an der Synode, die Kirche habe den Auftrag, die Welt zu verwandeln, nicht sich von ihr verwandeln zu lassen.

US-Erzbischof Chaput: Gesamt der Synodenbotschaften „konfus“. S. 5
Prominentester Kapuziner Amerikas übt scharfe Kritik an Debatten der Bischofssynode: Aus dem Gesamt der Berichte über die Synode trete „eine konfuse Botschaft“ hervor, „und ich denke, Verwirrung ist etwas, was vom Teufel kommt“. – Chaput hat nicht an der Bischofssynode teilgenommen. Er ist ein prononcierter Kritiker der US-Gesundheitsreform und der Legalisierung der „Homo-Ehe“. Er sei „sehr beunruhigt“ von den vatikanischen Diskussionen über die Lehren der Kirche zu Homosexualität und wiederverheirateten Geschiedenen. –  In den USA gibt es keine doppelten Trauungen. Priester fungieren auch als Standesbeamte. Caput schlägt vor, dass eine Verweigerung des katholischen Klerus bei der Registrierung standesamtlicher Trauungen angebracht wäre. Gleichgeschlechtliche Ehen sind mittlerweile in 30 Bundesstaaten zugelassen. – Skandalöser Zwischenbericht von Papstvertrauten redigiert? „Ich war sehr verstört von dem, was da passiert ist“, so Chaput über den Zwischenbericht.

Johannes Graf, Paul VI. hat Anbiederungen an den Zeitgeist eine klare Absage erteilt. Seite 6
Bei aller Rücksicht auf pastorale Anforderungen muss die Frage erlaubt sein, warum man kirchliche Randgruppen hofiert und gleichzeitig kirchentreue Gläubige verunsichert.
♦  Bruch zwischen Evangelium und Kultur. Paul VI. hat allen Anbiederungen an den Zeitgeist eine klare Absage erteilt. Für die Kirche gehe es darum, „dass durch die Kraft des Evangeliums die Urteilskriterien, die bestimmenden Werte, die Interessenpunkte, die Denkgewohnheiten,  die Quellen der Inspiration und die Lebensmodelle der Menschheit, die zum Wort Gottes und zum Heilsplan im Gegensatz stehen, umgewandelt werden.
♦  Es muss klar bleiben, was Sünde ist.  Gott hat seine Gebote nicht willkürlich erlassen, sondern weil sie den Menschen zum Heil führen, das in der Gemeinschaft mit ihm besteht.
♦  Synodenteilnehmer als Lobbyisten (jemand, der Abgeordnete für seine Interessen zu gewinnen versucht) pervertierten (verfälschten) Verhaltens? Etliche Wortmeldungen vor und während der Synode haben leider falsche Erwartungen ausgelöst und – besonders in der medialen Öffentlichkeit – zu einer Verengung des Blicks auf die Versammlung geführt. Einige Synodenteilnehmer haben mehr oder weniger subtil (zurückhaltend) versucht, in Richtung einer kirchlichen Akzeptanz (Zustimmung) für eine zweite zivilrechtliche Ehe oder gar eine homosexuelle Partnerschaft zu wirken.

Dr. theol. Hubert Windisch, em. Professor für Pastoraltheologie, S. 10
Die Dekonstruktion (das Zerlegen/die Auflösung) der katholischen Kirche
Man muss mit allem  Freimut und Respekt gegen die Vorgänge in Rom Widerstand leisten. Laien wie Priester. Denn es droht die Gefahr der Spaltung. Vorbemerkung der Redaktion: Prof. Hubert Windisch hat den nachfolgenden Artikel (WA: hier auszugsweise) unter dem Eindruck des skandalösen Zwischenberichts der Synode über die Familie geschrieben. Obwohl inzwischen ein etwas abgeschwächter, aber immer noch fragwürdiger Schlussbericht erschienen ist, veröffentlichen wir hier den Artikel dennoch, da die Ausführungen von Prof. Windisch von grundsätzlicher Bedeutung sind.  Dies ist um so mehr der Fall, als klar geworden ist, dass die Diskussionen und damit auch die Verwirrungen und die schädlichen Konfusionen (Durcheinander) unvermindert weiterbestehen, ja sogar von den Progressiven noch angeheizt werden. Herbert Meier. – Es geht um die Identität der katholischen Kirche. Der Zwischenbericht der Synode ist inzwischen als „eines der schlimmsten offiziellen Dokumente der Kirchengeschichte “ bezeichnet worden. Viele Gläubige, Laien wie Priester sind ratlos und erschüttert. Man traut seinen Augen und Ohren nicht mehr. – Unehrliche Sophistereien (Haarspaltereien/Spitzfindigkeiten): Zunächst fallen einige  sophistische Winkelzüge in etlichen Synodenbeiträgen auf. Nehmen wir z. B. Homosexualität. Abgesehen davon, dass es völlig unverständlich ist, auf einer Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie im Kontext von Evangelisierung derart von Homosexualität zu sprechen wie im Zwischenbericht geschehen, wird sophistisch suggeriert, dass sogenannte „homosexuelle Partnerschaften“ durch die Qualität der Dauer zu tolerablen Gegebenheiten werden könnten (z. B. durch Kardinal Schönborn! hm.) Was dabei ausgeblendet und womit der Zuhörer letztlich geblendet wird, ist das von der Bibel her geforderte zwingende Urteil, dass homosexuelles Miteinander eine objektive Unordnung darstellt. – Sophistisch führt man so durch Tricks zu einer positiven Sicht von Homosexualität. Dass das unter Theologen geschieht, ist nicht neu. Neu ist es auf einer Bischofssynode. -Braucht es noch Umkehr? So könnte man Beispiel um Beispiel aus dem Zwischenbericht anführen, um zu zeigen, vor welchem Abgrund die katholische Kirche steht. Es besteht die Gefahr, dass sie nicht auferbaut, sondern – um es philosophisch postmodern (verschiedene Strömungen der gegenwärtigen Kultur) – dekonstruiert wird. Was sind die Gründe für diese Gefahr? Wahrscheinlich sind es nicht einmal zuallererst einzelne Personen, obwohl so mancher Synodenteilnehmer vielleicht alte Rechnungen begleichen, verletzte Eitelkeiten pflegen oder gar persönliche Legitimation (Befugnis) durchsetzen will. Es ist ein bestimmter Geist, der hier vieles durcheinanderbringt. Seite 11: Man muss mit allem Freimut und Respekt gegen die Vorgänge in Rom Widerstand leisten. Laien wie Priester. Die Gefahr der Dekonstruktion der katholischen Kirche ist die Gefahr ihrer Spaltung. Wir dürfen hoffen, dass der Papst sich in den bevorstehenden Auseinandersetzungen in doktrineller (an einer Lehrmeinung starr festhaltend) Klarheit als Petrus, als Fels, erweisen wird, in seinem Amt ruhend und Kontinuität (Stetigkeit/Fortdauer) ausstrahlend für die Beantwortung der anstehenden Fragen, den Glauben und die Lehre der Kirche nicht nur über einige Jahre, sondern durch die Jahrtausende bewahrend. Wenn nicht, bräuchten wir einen neuen Papst.

OR Nr. 44 vom 31.10.2014, S. 7
Abschluss der III. Ausserordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode
Antworten finden auf die vielen Ermutigungen der Menschen
Ansprache von Papst Franziskus am 18. Oktober 2014 (auszugsweise)

Mit einem von Dankbarkeit und Anerkennung erfüllten Herzen möchte ich gemeinsam mit euch dem Herrn Dank sagen, der uns begleitet und uns in den vergangenen Tagen mit dem Licht des Heiligen Geistes geführt hat! – Ich danke Euch allen, liebe Synodenväter, Bruderdelegierte, Auditoren, Auditorinnen und Beisitzer, für eure aktive und fruchtbare Teilnahme. – Ich kann in aller Gelassenheit sagen, dass wir – im Geist der Kollegialität und der Synodalität – wahrhaft eine Erfahrung von „Synode“ erlebt haben: einen solidarischen Weg, ein „gemeinsames Gehen“. Da es „ein Weg“ war, gab es wie auf jedem Weg Momente des schnelles Laufens, als ob man die Zeit besiegen und das Ziel möglichst schnell erreichen wolle. Da waren andere Momente der Ermüdung, gleichsam der Wunsch zu sagen: es reicht. Es gab andere Momente der Begeisterung und des Eifers und Momente tiefen Trostes, als wir das Zeugnis wahrer Hirten (vgl. Joh 10 und Cann. 375, 386, 387) gehört haben, die die Freude und Tränen ihrer Gläubigen weise im Herzen tragen. – Und weil es ein Weg von Menschen war, gab es neben den Tröstungen auch andere Momente der Betrübnis, der Spannung und der Versuchung, unter denen man nennen könnte:

  1. Die Versuchung der feindseligen Verhärtung, das heisst die Tendenz, sich im Geschriebenen (dem Buchstaben) zu verschliessen und sich nicht von Gott überraschen zu lassen, vom Gott der Überraschungen (dem Geist); sich zu verschliessen im Gesetz, in der Gewissheit dessen, was wir kennen, und nicht dessen, was wir noch lernen und erreichen müssen.
  2. Die Versuchung des destruktiven Gutmenschentums, das im Namen einer irreführenden Barmherzigkeit die Wunden verbindet, ohne sie zuerst zu behandeln und medizinisch zu versorgen; das die Symptome behandelt und nicht Ursachen und Wurzeln.
  3. Die Versuchung, Stein in Brot zu verwandeln, um ein langes, anstrengendes und schmerzhaftes Fasten zu beenden und auch das Brot in Stein zu verwandeln, um diesen auf die Sünder, Schwachen und Kranken zu werfen, d. h., ihn in „unerträgliche Lasten“ zu verwandeln.
  4. Die Versuchung, vom Kreuz herabzusteigen, um die Menschen zufriedenzustellen, und nicht dort zu bleiben, um den Willen des Vaters zu erfüllen; sich dem weltlichen Geist zu beugen, anstatt ihn zu läutern und nach dem Geist Gottes zu formen.
  5. Die Versuchung, das „depositum fidei“ zu vernachlässigen und sich nicht als dessen Hüter, sondern als Eigentümer und Herren zu betrachten. Oder auf der anderen Seite die Versuchung, die Wirklichkeit zu übersehen durch die Verwendung einer minutiösen Sprache und einer geglätteten Ausdrucksweise, um viele Worte zu machen, ohne etwas zu sagen! Haarspalterei nennt man so etwas, glaube ich …
    Liebe Brüder und Schwestern! Versuchungen dürfen uns weder erschrecken noch verwirren und auch nicht entmutigen, denn kein Schüler ist grösser als der Meister. – Ich persönlich wäre sehr besorgt und traurig gewesen, hätte es diese Versuchungen und diese lebhaften Diskussionen nicht gegeben,  diese Regungen verschiedener Geister, wie sie der heilige Ignatius nennt. – Mit Freude  und Dankbarkeit habe ich dagegen Redebeiträge und Wortmeldungen voller Glauben gesehen und gehört, voller Einsatz für Pastoral und Lehre, voll Weisheit, Offenheit, Mut und Parrhesia. Und ich habe gespürt, dass uns das Wohl der Kirche, der Familien und die „suprema lex“, die „salus animarum“ vor Augen stand. Und das jederzeit, das haben wir in der Synodenaula gesagt -, ohne je die grundlegenden Wahrheiten des Ehesakramentes in Frage zu stellen: Unauflöslichkeit, Einheit, Treue und Zeugung von Nachkommenschaft, das heisst, die Offenheit für das Leben. – Und wie ich euch am Anfang zu sagen gewagt habe, war es notwendig, dies alles in Ruhe und innerem Frieden zu erleben, auch weil die Synode „cum Petro et sub Petro“ stattfindet und die Anwesenheit des Papstes für alle eine Garantie ist. –
    Liebe Brüder und Schwestern, jetzt bleibt uns noch ein Jahr, um die vorgeschlagenen Ideen mit wahrer geistlicher Unterscheidungsgabe reifen zu lassen und konkrete Lösungen für viele Schwierigkeiten und zahlreiche Herausforderungen zu finden, denen die Familien entgegentreten müssen, und um Antworten zu geben auf die vielen Entmutigungen, die die Familien umgeben und ersticken. Ein Jahr, um an der Relatio synodi zu arbeiten, der treuen und klaren Zusammenfassung all dessen, was in dieser Aula und in den Sprachgruppen gesagt und diskutiert worden ist. Sie wird den Bischofskonferenzen als „Lineamenta“ vorgelegt.

    OR Nr. 44 vom 31.10.2014, S. 7

    Kurz notiert

Der Direktor des vatikanischen Presseamtes, P. Federico Lombardi SJ, hat die Medienstrategie während der Bischofssynode über Ehe und Familie verteidigt. Es sei „absolut illusorisch“ zu glauben, man hätte angesichts von täglich mehr als 70 Redebeiträgen, die zudem noch uneinheitlich gewesen seien, die Stellungnahmen im Wortlaut veröffentlichen können, so Lombardi. Wer die Gegebenheiten im Sekretariat der Synode und im vatikanischen Presseamt kenne, wisse, dass ein solches Vorgehen „wenig realistisch“ war. Mit Blick auf die nächste Synode im kommenden Herbst stellte Lombardi jedoch in Aussicht, dass auch eine andere Vorgehensweise ohne weiteres möglich sei. (WA: Synoden-Zwischenbericht von den Papstvertrauten Erzbischof Bruno Forte und Erzbischof Victor Manuel Fernandez; unter www.dbk.de in Deutsch)

Katholische Wochenzeitung Baden/CH 46/2014 November, S. 10
Kardinal Müller: „Sogar Bischöfe haben sich blenden lassen“

(…) Leider habe es Vertreter der Kirche, darunter sogar Bischöfe, gegeben, die sich von der säkularisierten Gesellschaft hätten blenden lassen, sodass sie das Hauptthema oder die Lehre der Kirche aus den Augen verloren hätten. Sie hätten über verschiedene Möglichkeiten nachgedacht und dabei auf die Grundlage vergessen. Für die Bischöfe dürfe es immer nur eine Agenda geben, die Agenda der Kirche auf der Grundlage der göttlichen Offenbarung, sagte Kardinal Müller abschliessend.

Gleiche Zeitschriftennummer, Seite 11
Kardinal Burke: „Ich bete für das Ende der Verwirrung“

(…) Die ausserordentliche Synode habe viele innerhalb und ausserhalb der Kirche über eine mögliche Änderung der Lehre zu Ehe und Familie verwirrt. Die Lehre der Kirche sei unveränderlich, betont Kardinal Burke. Er bete für Klarheit, fügte er hinzu. (WA: 08.11.2014; Kardinal Raymond Burke wird Kardinalpatron des Malteserordens (Sitz: Via dei  Condotti 68, Rom, „Strasse der Gemeindeärzte“). Vorher war er Präfekt des Obersten Gerichtshofes der Apostolischen Signatur, d. h. Burke erfährt eine Absetzung/Degradierung und kann nicht mehr zur nächsten Bischofssynode.) Siehe auch unter „Malteser-Orden“.

Katholische Wochenzeitung Baden/CH, Nr. 48, 28.11.2014, S. 1
Dank und Solidarität für Kardinal Raymond Burke (* 30.06.1948, Wisconsin/USA)

Dankadresse an abgesetzten Kardinal Raymond Burke kann im  Internet unterzeichnet und online an ihn weitergeleitet werden.
Papst Franziskus hat Kardinal Raymond Burke als Kardinalpräfekt des Obersten Gerichtshofes der Apostolischen Signatur der Katholischen Kirche abgesetzt. Obwohl Burke einer der jüngsten Kardinäle an der Kurie war, wurde er in die Ehrenfunktion eines Kardinalpatrons des Souveränen Malteserordens wegbefördert. Eine besonders negative Folge dieses Entscheides: Mit seiner Entfernung aus der Kirchenregierung verliert Kardinal Burke das Recht, von Amtes wegen an der nächsten Bischofssynode über die Familie teilzunehmen. Während der Session im vergangenen Oktober wurde er zum wichtigsten Sprecher für die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe. Wer sich für den bisherigen Dienst von Kardinal Burke bedanken möchte, kann dies auf der eigens dafür eingerichteten Seite von „LifeSiteNews“ tun. Die Lebensrechtsseite hat die  Dankadresse „Thank Cardinal Burke for his Vatican service: sign the petition“ an den Kardinal ins Internet gestellt, die online unterzeichnet werden kann. Eine Dankadresse, aber gleichzeitig auch eine Form der Solidaritätsbekundung mit einem aufrechten Streiter für die Sache Gottes und der Kirche. Unterzeichnen Sie unter www.lifesitenews.com/petitions

Gleiche Nummer, S. 4
Kardinal Burke: Synode soll sich mit Verkündigung der Lehre befassen

Kardinal Burke empfahl Papst Franziskus, Themen wie Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene und homosexuelle Partnerschaften bei der Familiensynode 2015  nicht zu behandeln. Den Gläubigen schlug er vor, Briefe an den Papst zu schreiben. – Papst Franziskus sollte „heisse Eisen“ von der Tagesordnung der Bischofssynode zur Familie nehmen, die im Oktober 2014 stattfinden wird. Themen wie die Kommunion für zivilrechtlich wiederverheiratete Geschiedene, homosexuelle Partnerschaften und Zusammenleben ohne Trauschein hätten die Ausserordentliche Synode im Oktober dieses Jahres ausser Tritt gebracht. Dies sagte Kardinal Raymond Burke, der Kardinalpatron des Malteserordens auf einer Konferenz in Irland. Die ordentliche Synode sollte sich statt dessen damit befassen, wie die kirchliche Lehre zu Ehe und Familie besser verbreitet werden könnte, empfahl er. Dies berichtet die britische Zeitung „Catholic Herald“ in ihrer Online-Ausgabe. Sogar innerhalb der Kirche gebe es Personen, welche die Unauflöslichkeit der Ehe gerade im Namen der Barmherzigkeit verwässern möchten, warnte der Kardinal. Er selbst schloss eine Änderung des Kommunionsverbotes für wiederverheiratete Geschiedene aus, solange eine gültige Trauung bestehe. Burke schlug den Gläubigen vor, Briefe an Papst Franziskus, die zuständigen Stellen im Vatikan und die irische Kirche zu schreiben, um ihre Ansichten zu deponieren. In seinem Referat warnte Burke vor der lebensfeindlichen Verhütungsmentalität, den Gefahren der millionenschweren Pornoindustrie und der „unglaublich aggressiven Agenda der Homosexuellen“, berichtete die Zeitung. – Kurienkardinal Burke: Keine Sakramentenzulassung für wiederverheiratete Geschiedene, „wenn wir die Worte unseres Herrn ernstnehmen“.

OR Nr. 48 vom 28.11.2014, S. 10
Vorbereitung der Bischofssynode 2015 hat begonnen

Im Vatikan ist in den vergangenen Tagen vom Synodenrat die für Oktober 2015 angesetzte Bischofssynode zur Familienseelsorge vorbereitet worden. Thema dieser Synode wird – ebenso wie bei jener im vergangenen Oktober – Ehe und Familie sein. Auf der Agenda der Tagung stand die Auswertung der Ergebnisse von Oktober 2014 und die Vorbereitung der sogenannten „Lineamenta“ für 2015. Das Dokument soll Anfang Dezember als Diskussionsgrundlage an alle Bischofskonferenzen gesandt werden. Aus den eingehenden Antworten will der Synodenrat dann vor dem Sommer das Arbeitspapier für die Ordentliche Bischofssynode zur Familienseelsorge im Oktober 2015 erstellen, das sogenannte „Instrumentum laboris“. Die Diskussionsphase zwischen beiden Synoden bezeichnete der Rat als „sehr wichtig“ und beispiellos in der Geschichte der Bischofsversammlungen. Die Bischofskonferenzen sollten Möglichkeiten entwickeln, um alle Instanzen des kirchlichen Lebens daran zu beteiligen. Der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, lobte erneut die freie und brüderliche Diskussionsatmosphäre bei der Synode im vergangenen Oktober.

Katholische Wochenzeitung Baden/CH, 49/2014 Dezember, S. 1
Aktion B&B zur Synode 2015 – Jetzt reagieren die Familien!

kath.net startete Synoden-Aktion B&B: Schreiben Sie Papst Franziskus und Ihrem Bischof. Was wünschen Sie sich von der Synode? Was brauchen katholische Familien wirklich? Was wünschen Sie sich als katholische Familie von Ihrer Kirche? Die „Katholische Wochenzeitung“ schliesst sich dieser dringend notwendigen Aktion an! Mit Erstaunen haben viele katholische Familien Medienmeldungen über die Familiensynode im Herbst 2014 vernommen. (…) Wir wollen jetzt nicht mehr schweigen und starten bis zur kommenden Familiensynode 2015 in Rom die grosse Aktion B&B „Beten und Briefe schreiben“. (…) Machen Sie mit und beten Sie täglich mit uns ein Gesetzchen Rosenkranz für die Synode. Und bitte schreiben Sie in den nächsten Wochen einen Brief an Papst Franziskus und (!) an den Vorsitzenden Ihrer Bischofskonferenz. Was wünschen Sie sich als katholische Familie von der Kirche? Was erwarten Sie von der Synode 2015? Bitte schicken Sie auch eine Kopie Ihres Briefes per E-Mail (!!) an skwz@bluemail.ch. Unter allen Einsendungen verlosen wir schöne Buchpreise! Wir werden ab Januar 2015 regelmässige Briefe an Franziskus in der KWZ veröffentlichen. Nur Mut! Jetzt ist die Zeit des Gebetes und die Zeit des Handelns gekommen. (…Adressen)

Christkatholisch Nr. 25, 06.12.2014, S. 2, Bischof em. Hans Gerny
Bischofssynode: Erfolg oder Enttäuschung?
Gedanken zur römischen Bischofssynode über Ehe und Familie, Oktober 2014

Grosse Hoffnung wurden in die Bischofsversammlung gesetzt. Manche wurden erfüllt, andere nicht. Viel wurde in Bewegung gebracht. Die neue Offenheit ist eindrücklich. Aber noch hat Rom einen weiten Weg vor sich. Das weiss auch Franziskus. Bischofssynoden gab es in Rom schon viele. Aber die eben vergangene zur Frage von Ehe, Familie und Sexualität war grundsätzlich anders. Das begann bereits mit den Vorbereitungen. Der Papst bat die Bischöfe eindringlich, zu diesen Themen vorbehaltlos ihre Meinung zu sagen. Dass er das so betonte, zeigt deutlich, dass es im Vatikan nicht selbstverständlich ist, offen zu reden. Aber nicht nur die Meinung der Bischöfe interessiert ihn. Er will auch wissen, was die „gewöhnlichen“ Gläubigen denken. Er liess deshalb an alle Gläubigen Fragebogen zu diesen Themen austeilen. Diese wurden massenhaft beantwortet. Die Ergebnisse waren eindeutig. Das Verständnis von Ehe und Sexualität hat sich in vielen Ländern, auch bei kirchennahen Menschen, dramatisch verändert. So wird von vielen Gläubigen die kirchliche Lehre kaum mehr zur Kenntnis genommen. Und genau so stimmt auch die kirchliche Praxis in den Gemeinden mit der offiziellen Kirche immer weniger überein. Zwei Zahlen zeigen die gewaltigen Veränderungen. In Mexiko sind 80 % der Paare unverheiratet. In Rom sind 50 % der Eltern der Kommunionkinder nicht verheiratet. Damit nahm der Vatikan offiziell zur Kenntnis, was man schon wusste. Mehr noch: Er nimmt diese Entwicklung ernst. Im 14-seitigen Papier kommt das Wort „Sünde“ nicht ein einziges Mal vor. Man hat gelernt, dass Verdammen von Sünden nichts bringt. Von Verurteilen ist nicht mehr die Rede.
Nicht Verhandelbares wird verhandelt. Ein Vordenker der Synode, der deutsche Kardinal Reinhard Marx, hat es auf den Punkt gebracht. In der Synode sei über Themen diskutiert worden, „die bisher unverhandelbar waren“. Dazu gehören Homosexualität, wiederverheiratete Geschiedene, Polygamie (in Afrika noch eine Realität), vorehelicher Geschlechtsverkehr, uneheliche Kinder usw. Die Synode strebt einen modernen Katholizismus an. Sie sucht Wege, weg von gesetzestreuer Unbarmherzigkeit zu einer Theologie der Vergebung. Ein Beispiel: Im Kirchenrecht von 1917 werden wiederverheiratete Geschiedene als Bigamisten (in Doppelehe lebend)abgekanzelt. Dagegen heisst es im jetzigen Synodenpapier, dass gegenüber solchen Paaren „jede Ausdrucksweise oder Haltung vermieden werden soll, die als diskriminierend empfunden werden könnte“. Zur Vorbereitung der Synode liess der Papst den hochangesehenen deutschen Kardinal Walter Kasper das entscheidende Referat halten. Darin schlug dieser unter anderem vor, wiederverheiratete Geschiedene unter bestimmten Umständen, aber ohne billige Barmherzigkeit, zum Abendmahl zuzulassen. Er sagte: „Das erste Wort, das die Kirche an die Menschen richtet, muss immer ein Ja sein und kein Nein.“ Demonstrativ lobte Franziskus die reformfreudige Rede. Bei den Hardlinern regte sich unter der Führung des obersten Glaubenshüters, Kardinal Gerhard Müller, heftiger Widerstand. Aber nicht nur wegen den harten Traditionalisten gab es leidenschaftliche Diskussionen. Auch die verschiedenen Kulturen anderer Länder und Kontinente sorgen in diesen Fragen für schroffe Gegensätze. Das alles führte in der Bischofsversammlung zu offenen und harten Diskussionen – so offen wie man sie seit dem II. Vatikanischen Konzil (1962-65) kaum mehr erlebt hat. Der Papst mischte sich in die Diskussionen nicht ein. Franziskus war ein zuhörender und nicht dekretierender (richtender) Bischof von Rom. Das schuf die Voraussetzungen für eine neue Offenheit. Diese neue Rede- und Gedankenfreiheit öffnete neue Perspektiven, verhinderte aber auch rasche Entscheide.  Deshalb waren Beschlussfassungen von Anfang an erst für 2015 vorgesehen.
Traditionalisten blockieren. Die Traditionalisten vermochten die Neuerungen zu blockieren. Vor allem die fortschrittlichen Vorschläge für den Sakramentsempfang wiederverheirateter Geschiedener und für den Umgang mit Homosexuellen waren nicht durchzubringen. Die erforderliche Zweidrittelsmehrheit blieb unerreichbar. Das ist eine grosse Enttäuschung. Allerdings war die Zustimmung unter den Bischöfen zu diesen revolutionären Neuerungen so gross, dass an der nächsten Synode neue Entscheide fallen könnten. Immerhin werden die Homosexuellen nicht mehr als Sünder abgestempelt. „Sie müssen mit Achtung und Feingefühl aufgenommen werden.“ Das sind neue Töne. Bis zum nächsten Jahr sind weitere Vorarbeiten und harte Diskussionen zu erwarten. Zum Glück. Das gibt Hoffnung. Denn längerfristig sind die Reformer wohl am längeren Hebel. Und der Papst – der sich eines Primates (oberste Kirchengewalt des Papstes) sehr wohl bewusst ist – ist auf ihrer Seite. – Trotzdem sind zwei Dinge zu bedenken. Die Römisch-katholische Kirche ist wie ein Supertanker auf See. Sie ist nur langsam steuerbar. Ein Riesenschiff lässt sich nicht so rasch auf einen neuen Kurs bringen – wie unser altkatholisches Ruderboot es wäre.
Der Zentralismus stösst an Grenzen. Dann: diese harten theologischen und kulturellen Gegensätze machen einmal mehr deutlich, dass das zentralistische System Roms an Grenzen stösst. Es ist fast unmöglich, von einer Zentrale aus eine Weltkirche bis in alle Winkel zu steuern. Das weiss auch der Papst. Deshalb betont er gerade jetzt – und das ist neu – die Bedeutung der Ortskirchen und die Bedeutung der Laien. Und er versucht, der Synode ein grösseres Gewicht als je zu geben. Was am Schluss herauskommt, wird sich weisen. Der Zentralismus mag Vorteile haben. Aber in Wirklichkeit ist er doch ein Klotz am Bein. Der Papst hielt eine eindrückliche Schlusspredigt (WA: siehe vorne als Zusammenfassung), in welcher er den Bischöfen harte Warnungen auf den Weg mitgab. Er warnte vor Versuchungen, denen sie widerstehen müssen. (…)

Katholische Wochenzeitung Baden/CH 1-2/2015 Januar, S. 9
Werden diese „Bastionen“ geschleift, dann ist die Bresche geschlagen

Kardinal Brandmüller zur Familien-Synode: „Dass in Lehre und Praxis der Kirche von heute wahr sein könnte, was gestern Irrtum war, ist undenkbar, wenn wir an das Wirken des Heiligen Geistes glauben, der die Kirche in alle Wahrheit einführt“. – Walter Kardinal Brandmüller hat in einem Interview mit der „Tagespost“ Kritik daran geübt, dass Randfragen wie die Bewertung homosexueller Partnerschaften und der Kommunionzulassung von wiederverheirateten Geschiedenen als Hauptprobleme einer Synode transportiert wurden. „Es mutet merkwürdig an, wenn man sieht, wie sehr diese beiden Probleme die Diskussion um die Synode, vielleicht mehr noch als in der Synode, beherrscht haben. Sowohl die Zahl homosexueller Personen, als auch die wiederverheirateter geschiedener katholischer Kirchgänger ist ausserordentlich gering. Wenn 30 % aller Ehen geschieden werden, dann sind davon nur weniger als 15 % katholisch und davon wiederum nur 10 %, die am Leben der Kirche teilnehmen“, stellte Brandmüller klar und verwies auch darauf, dass es sich mit homosexuellen Katholiken ähnlich verhalte. Ihm dränge sich der Eindruck auf, dass sich diese beiden Fälle wegen der „erheblichen Aufmerksamkeit, die ihnen in der Öffentlichkeit“ zukomme, als Hebel eignen, mit dem man noch mehr aus den Angeln heben könnte. Wörtlich meinte Brandmüller: „Werden diese ‚Bastionen‘ geschleift, dann ist die Bresche geschlagen, um über die Abschaffung des Zölibats und das Weiheamt für die Frauen das sakramental hierarchische Gefüge der Kirche zum Einsturz zu bringen. (…)

Katholische Wochenzeitung Baden CH, Nr.17/2015 April, S. 6
500 englische Priester fordern von Synode Treue zu überlieferter Ehelehre und Praxis

Rund 500 katholische Priester von England und Wales haben sich mit einer Petition an die Bischofssynode über die Familie gewandt, die im kommenden Oktober in Rom tagen wird. Sie fordern von den Synodalen, dass die Glaubenslehre und die pastorale Praxis „fest und untrennbar in Übereinstimmung bleiben“. Die Petition wurde vom „Catholic Herald“ veröffentlicht. – 500 Priester sagen klares Nein zu Kasper-Vorschlag und zum Vorschlag von Kardinal Walter Kasper. Sie erklären in der Petition, dass sie sich von der Synode „eine klare und eindeutige Erklärung“ erwarten, mit der die kirchliche Ehelehre bekräftigt wird. „Wir wünschen als katholische Priester unsere unerschütterliche Treue zur überlieferten Ehelehre und der wahren Bedeutung der menschlichen Sexualität zu bekräftigen, die auf dem Wort Gottes beruhen und die zwei Jahrtausende durch das Lehramt der Kirche belehrt wurden.“ Laut „Catholic Herald“ handelt es sich um eine in der Geschichte der katholischen Kirche von England und Wales nie dagewesene Situation. „Wir bekräftigen die Wichtigkeit, die überlieferte Disziplin der Kirche für den Empfang der Sakramente beizubehalten und, dass diese Lehre und die pastorale Praxis fest und untrennbar übereinstimmen“. Einer der Unterzeichner sagte der katholischen Wochenzeitung, dass Druck auf die Priester ausgeübt worden sei, damit sie die Petition „nicht unterschreiben“.  Durch „einige hohe Prälaten“ sei eine „regelrechte Form der Einschüchterung“ versucht worden. Zu den bekanntesten Unterzeichnern gehören Priestertheologen wie Aidan Nichols und John Saward (beide lehren in Oxford) und Andrew Pinsent, ebenso bekannte Prälaten wie Robert Billing, Tim Finnigan und Julian Large. (…)

Kath. Wochenzeitung 38/2015 September, S. 11
US-Kardinal Burke warnt vor „teuflischem Angriff auf die Ehe“

Kardinal Raymond Burke sieht die Ehe einem „teuflischen Angriff“ durch die Gesellschaft und bestimmte katholische Kreise ausgesetzt. Selbst innerhalb der Kirche zögen manche vor, „im Namen der Toleranz zum Angriff auf die Gültigkeit der Ehe zu schweigen“, sagte der US-Kardinal bei einem Vortrag in der Franziskaner-Universität Steubenville in Ohio. Der Kardinal sagte mit Blick auf die im Oktober tagende Synode im Vatikan, die Bischöfe müssten „zu leiden bereit sein, um die heilige Ehe zu ehren und zu stärken“. Dabei verwies er laut dem Pressedienst auf Heilige, die „Märtyrer für die Ehe“ gewesen seien. Die Synodenteilnehmer sollten diese Heiligen um Hilfe anrufen „angesichts der Konfusion und des Irrtums, die Satan in der Gesellschaft und in der Kirche sät“. Burke gilt als einer der profiliertesten Gegner von Veränderungen in der katholischen Ehelehre. Während der letzten Bischofssynode im Oktober 2014 machte er mit prononcierten Stellungnahmen von sich reden. Im November versetzte der Papst Burke von seinem Posten als Leiter des obersten kirchlichen Gerichtshofes im Vatikan auf das repräsentative, aber kirchenpolitisch wenig einflussreiche Amt des Kardinalpatrons des Malteserordens. Franziskus widersprach der Deutung, es handle sich um eine Strafversetzung. Zuletzt empfing er Burke zu einer Privataudienz im Juni. Inhalte wurden nicht bekannt.

Kirche heute 45/2015 Oktober, S. 3
Abschlussdokument lässt Papst Franziskus Spielraum
Familiensynode ging am Sonntag nach 3-wöchiger Beratung zu Ende

Am Samstag, 24.10.2015, verabschiedeten die rund 270 Teilnehmer der Weltbischofssynode über Ehe und Familie nach 3-wöchigen Beratungen das Schlussdokument. Dieses ist insgesamt sehr offen gehalten und lässt Papst Franziskus grossen Spielraum. Normalerweise verfasst der Papst ein nachsynodales Schreiben.

Die Bischofssynode ist ein Beratungsorgan des Papstes. In das Schlussdokument kommen Formulierungen, die eine Zweidrittelsmehrheit finden. Unter anderem sprechen sich die Synodalteilnehmer nun für eine stärkere Integration wiederverheirateter Geschiedener in die kirchliche Gemeinschaft aus. Die Betroffenen dürften nicht alleingelassen werden und sich keinesfalls exkommuniziert fühlen, heisst es. Die Frage, ob sie wieder zur Kommunion gehen dürfen, wird in dem Dokument nicht ausdrücklich erwähnt. – An anderer Stelle wenden sich die Bischöfe gegen jede Diskriminierung Homosexueller, aber auch gegen Gesetzesvorstösse, die homosexuelle Verbindungen mit der Ehe von Mann und Frau gleichstellen. Unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung verdiene jede Person Würde und Respekt. Aber es gebe „kein Fundament dafür, zwischen homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes für Ehe und Familie Ähnlichkeiten oder Analogien (entsprechend diesem Fall) herzustellen.“ – Die Bischöfe fordern zudem, sorgfältig unterschiedlichen Situationen beim Scheitern einer Ehe Rechnung zu tragen. Es sei ein Unterschied, ob jemand trotz ehrlichen Bemühens, die erste Ehe zu retten, zu Unrecht verlassen wurde, oder ob jemand durch schwere Schuld einer kirchenrechtliche gültige Ehe zerstört hat. Papst Franziskus forderte die Bischöfe im Abschlussgottesdienst zu mehr Realitätssinn auf. Sie müssten das sehen, „was wirklich los ist“, und nicht nur das, was sie sehen wollten. Besonders heute sei die Kirche zur Barmherzigkeit gegenüber den Menschen aufgerufen, betonte er. – Zugleich sprach sich Franziskus für dezentrale Lösungen im Umgang mit Ehe und Familie aus. „Jedes allgemeine Prinzip muss in die jeweilige Kultur übertragen werden, wenn es eingehalten und angewendet werden soll“, sagte der Papst am Samstag vor den Synodenteilnehmern. Die Versammlung habe gezeigt, dass etwas, das dem Bischof eines Kontinents normal erscheine, für den Bischof eines anderen Kontinents als „Skandal“ gelten könne. Franziskus betonte, dass die kirchliche Lehre nicht geändert werden solle. Eine „Inkulturation“ des Glaubens aber schwäche nicht dessen Werte, sondern zeige ihre Stärke und mache sie authentisch (glaubwürdig). (Kath.ch)

Christkatholisch 21/2015, S. 4, Bischof Emeritus Hans Gerny
Enttäuschte Roms Bischofssynode 2015? (Auszüge)

Menschen aus vielen Kirchen haben von der Bischofssynode in Rom zu Fragen von Ehe und Familie sensationelle Beschlüsse erwartet. Zu Unrecht. Denn die römisch-katholische Kirche ist ein komplexes Gebilde, das in verschiedensten Kulturen und Lebensumständen auf der ganzen Erde bestehen können muss:
Die Gläubigen wurden gefragt: Schon die Vorgeschichte zeigt Erstaunliches. Mit Fragebogen sind alle Gläubigen gefragt worden, welche Fragen, Sorgen und Wünsche sie in ihrer Lebenssituation haben.
Der päpstliche Primat: Entscheidend ist die Meinung des Papstes zu seinem Primat. Johannes Paul II. hat den Zentralismus mit seinen unzähligen „Pilgerreisen“, die natürlich auch Inspektionsreisen waren, massiv gestärkt. Jetzt hat Franziskus in einer grossen Rede diesen Zentralismus seiner Kirche relativiert und eine Kirche des gemeinsamen Weges, Suchens und des gegenseitigen Zuhörens gefordert. – Franziskus hat deshalb betont, dass die Bischöfe und die einzelnen Länder mehr Befugnisse erhalten müssen. Rom soll nicht mehr alles entscheiden. Das ist eine aufsehenerregende Entwicklung. Ein Theologe: Auf der Synode herrschte vollkommene Freiheit des Worts.
Barmherzigkeit. Bedeutend ist die Aussage der Synode, dass es nicht die erste Aufgabe der Kirche sei, zu verurteilen, sondern Barmherzigkeit zu üben.
Keine Lösung gefunden. Zur Homosexualität äussert sich die Synode kaum. Zu gross sind die Gegensätze in den verschiedensten Kulturen, als dass man sich hätte einigen können. Immerhin fordert der Papst Akzeptanz und würdige Behandlung für besondere Veranlagungen. Die selben Probleme haben ja auch die Anglikaner.
Der Ball liegt jetzt beim Papst. Der ganze Synodentext ist nur eine Empfehlung an den Papst. Er entscheidet endgültig, was gelten soll. Das wird schwierig sein. – Ruf und Ansehen der Römisch-katholischen Kirche – welche nach wie vor die stärkste spirituelle Kraft der Welt ist – färbt auf alle Kirchen ab, auch auf die unsrige. Deshalb sollten auch wir für das Gelingen beten.

Kath. Wochenzeitung Baden CH, 3/2017, Januar, S. 3
Kardinal Burke: Zeitplan für Papst-Zurechtweisung

Die Correctio Fraterna könnte noch im Januar kommen. Kardinal Raymond Leo Burke möchte eine formale Zurechtweisung von Papst Franziskus. Dies berichtet „Radio Vatikan“ unter Verweis auf „LifeSiteNews“. Burke hatte gemeinsam mit anderen Kardinälen dem Papst einen Brief geschrieben und diesen dann veröffentlicht. In einem Interview mit „LifeSiteNews“ bekräftigte der Kardinal seine Kritik an der Tatsache, dass Franziskus auf den Brief nicht geantwortet habe.
Dem Portal deutete er weiterhin einen konkreten Zeitplan für eine formale Zurechtweisung – eine sogenannte „Correctio Fraterna“, Brüderliche Zurechtweisung – des Papstes an. Diese „wäre direkt“, aber nicht wie der Brief als Fragen formuliert, sondern würde „die verwirrenden Aussagen von „Amoris Laetitia“ mit dem konfrontieren, was immer Lehre und Praxis der Kirche war, und dadurch „Amoris Laetitia“ korrigieren.“ Auf der Webseite steht weiter, dass solche Zurechtweisungen zwar selten seien, aber nicht neu, und es wird ein Fall aus dem 4. Jahrhundert zitiert.

OR Nr. 3 vom 20.01.2017, S. 3
„Amoris laetitia“ wird positiv aufgenommen

Vatikanstadt. 9 Monate nach der Veröffentlichung von „Amoris laetitia“ hat sich der Generalsekretär der Weltbischofssynode zufrieden über die Aufnahme des päpstlichen ⇒Schreibens zu Ehe und Familie in der Weltkirche geäussert. Das Dokument sei in vielen Diözesen positiv rezipiert (vom Betrachter übernommen) worden und entwickle sich zu einem hervorragenden Instrument für die seelsorgerische Erneuerung, die sich die Synodenteilnehmer und der Papst gewünscht hätten, sagte Kardinal Lorenzo Baldisseri in einem Interview mit der Tagesausgabe unserer Zeitung.

Kath. Wochenzeitung Baden CH 4/2017 Januar, S. 10
Kardinal Burke und die Krise des Heiligen Stuhles: „Kein Ultimatum an den Papst, aber der Glaube ist in Gefahr“

„Es gibt kein Ultimatum an den Papst, aber wir  ‚zweifelnden‘ Kardinäle sind deutlich mehr als 4 und werden weitergehen.“ Dies sagte Kardinal Raymond Leo Burke, einer der 4 Unterzeichner der Dubia (Zweifel) gegen das umstrittene nachsydonale Schreiben „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus, in einem Interview mit der neuen italienischen Tageszeitung „La Verità“ (Die Wahrheit).
Der bekannte Kirchenrechtler widersprach darin erneut Glaubenspräfekt Müller, ohne ihn zu erwähnen, der am 8. Januar 2017 in einem Fernsehinterview eine eventuelle „brüderliche Zurechtweisung“ des Papstes durch die Kardinäle mit der Begründung „weit weg“ rückte, dass „der Glaube nicht in Gefahr“ sei. Ganz anderer Ansicht ist Kardinal Burke: *Der Glaube ist in Gefahr“, so seine Aussage gegenüber „La Verità“.
Kardinal, Burke wird wegen seiner hohen Intelligenz, Integrität (Unbescholtenheit) und als brillanter Kirchenjurist von den einen geschätzt und den anderen um so mehr gefürchtet. Im Umfeld des Papstes gilt der Farmersohn aus Wisconsin als „gefährlichster“ Gegenspieler. (…)

OR Nr. 8 vom 24.02.2017, S. 3
Buch von Kurienkardinal über „Amoris laetitia“ wird Bestseller

Bücher von Kirchenrechtlern sind eigentlich nicht bestsellerverdächtig, auch innerhalb der katholischen Kirche nicht. Eine Ausnahme bildet offenbar das neue Buch von Kurienkardinal Francesco Cocopalmerio über das päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“. Bereits wenige Tage nach seinem Erscheinen ist das Werk vergriffen, wie italienische Medien am Sonntag, 19.02.2017, berichteten.
„Wir haben Anfragen aus der ganzen Welt erhalten. Das ist eine unglaubliche Sache“, zitierten sie den Leiter des vatikanischen Verlages, Don Giuseppe Costa. Kardinal Cocopalmerio, Präsident des Päpstlichen Rates für Gesetzestexte, geht in seinem Buch auf das umstrittene achte Kapitel des Schreibens „Amoris laetitia“ ein, das Papst Franziskus im April 2016 veröffentlichte. Der italienische Kardinal erläutert darin, unter welchen Umständen Katholiken, die nach einer Scheidung wieder heiraten, zum Kommunionempfang zugelassen werden können. Zudem legt er dar, dass eine solche Praxis in vollem Einklang mit der kirchlichen Lehre und Tradition stehe.

Kath. Wochenzeitung Baden CH, 12/2017 März, S. 4
„Franziskus kann Johannes Paul II. nicht widersprechen“

Das Evangelium und die bereits existenten Aussagen des kirchlichen Lehramtes seien massgebend für die Interpretation von „Amoris laetitia“, sagt Charles Chaput, der Erzbischof von Philadelphia.
Charles Chaput, der Erzbischof von Philadelphia, geistlicher Leiter von EWTN (→Fernsehen) und einer der bekanntesten Oberhirten der USA, empfiehlt Papst Franziskus, die 5 Fragen („dubia“) der Kardinäle Meisner, Caffarra, Burke und Brandmüller zu beantworten. In einem Interview mit dem katholischen Portal Crux betont er die Klarheit des Evangeliums zu Scheidung und Wiederheirat. Es sei für die Kirche unmöglich, den Worten Jesu zu widersprechen. Genau so unmöglich sei es, dass etwas, das vor 20 Jahren wahr gewesen sei, heute nicht mehr wahr sei, wenn es sich um das päpstliche Lehramt handle, sagt Erzbischof Chaput.
Papst Franziskus könne daher Johannes Paul II. nicht widersprechen, wenn es sich um Fragen der Lehre handle. „Amoris laetitia“ sei daher im Lichte dessen zu interpretieren, was dem Dokument vorausgegangen sei. Da sei in erster Linie die Verkündigung Jesu, aber in zweiter Linie das Lehramt der Kirche. Es sei daher nicht möglich, dass Personen die Kommunion empfangen dürften, die in einer ehebrecherischen Verbindung leben würden, bekräftigt Erzbischof Chaput.

Katholische Wochenzeitung Baden CH Nr. 23/2017 Juni, S. 6
Kardinal Müller an die Bischofskonferenzen: „Amoris laetitia“ ist im Kontext der vollständigen katholischen Tradition zu lesen.

Einen Tag nach dem Hirtenbrief der belgischen Bischöfe, mit dem sie wiederverheirateten Geschiedenen die Zulassung zu den Sakramenten gewährten, meldete sich Kardinal Gerhard Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation, zu Wort und kritisierte das Vorgehen mancher Bischöfe und Bischofskonferenzen.
Unter Berufung auf „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus erklärten die Bischöfe Belgiens am 24. Mai 2017 die Entscheidung, ob wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zugelassen sind, zur Gewissensfrage. Sie nehmen dabei für sich in Anspruch, „mit Papst Franziskus zu sein“.
Am 25. Mai veröffentlichte EWTN ein Interview mit Glaubenspräfekt Müller, das Raymond Arroyo führte. Arroyo befragt den Kardinal nicht konkret zum Vorgehen der belgischen Bischöfe, aber zu den konträren Auslegungen des umstrittenen nachsydonalen Schreibens „Amoris laetitia“ durch die verschiedenen Diözesanbischöfe und Bischofskonferenzen. Der Hirtenbrief der belgischen Bischöfe dürfte zum Zeitpunkt des Interwies weder Kardinal Müller noch Raymond Arroyo bekannt gewesen sein. Besonders zum VIII. Kapitel klafft die Praxis in der Kirche immer weiter auseinander, weil ein Teil der Bischöfe an der bisherigen Praxis festhält, während ein anderer Teil, darunter die belgischen Bischöfe, unter Berufung auf Papst Franziskus einen Bruch vollzieht und die objektiven Gründe, die von den Sakramenten ausschliessen, durch eine Entscheidung des subjektiven Gewissens des Individuums ersetzt. Die belgischen Bischöfe leugnen in ihrem Hirtenbrief die bisherige Praxis der Kirche, dass sich Sünder durch ihr sündhaftes Verhalten selbst aus der Gemeinschaft (Communio) der Kirche ausschliessen. Belgiens Bischöfe behaupten, dass jede Situation ihre „Besonderheiten“ habe, weshalb nicht per Dekret über alle entschieden werden könne. Damit entziehen sie potentiell jede Situation einer kirchlichen Entscheidung und lösen objektive Kriterien, wie den Tatbestand des permanenten Ehebruchs bei wiederverheirateten Geschiedenen, in subjektiver Willkür auf. Gegen ein solches Vorgehen durch Bischöfe wehrt sich Kardinal Müller. Auf die Behauptung der Bischöfe, die wiederverheiratete Geschiedene zu den Sakramenten zulassen, sie würde damit die Lehre von Papst Franziskus folgen (so sagen es auch die belgischen Bischöfe), antwortet der Kardinal: „Die Ehe zwischen getauften Personen ist ein Sakrament. Es ist absolut unmöglich, dass der Papst als Nachfolger des Petrus und Stellvertreter Christi für die Weltkirche eine  Lehre vertritt, die eindeutig gegen die Worte Jesu Christi ist.“ (…)

Kirche heute 40-42/2017 September, S. 2
62 Kritiker werfen Papst „Irrlehren“ vor

In einem am 24.09.2017 im Internet veröffentlichten Schreiben bezichtigen die Unterzeichner Papst Franziskus, er habe „direkt oder indirekt“ häretische (ketzerische) Standpunkte zu Ehe, Moral und Sakramentenlehre gefördert. Die Unterzeichnerliste umfasst 62 Laien, Ordensleute und Priester, ein Kardinal ist nicht darunter. Der einzige Bischof auf der Liste ist der Generalobere der traditionalistischen →Piusbruderschaft, Bernard Fellay. Zentraler Auslöser für den Vorstoss ist das päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ von 2016. Darin hatte Franziskus angedeutet, dass Katholiken, die nach einer Scheidung zivil erneut geheiratet haben, im Einzelfall zur Kommunion zugelassen werden könnten.

Katholische Wochenzeitung Baden 43/2017 Oktober, S. 4
Beifall der veröffentlichten Meinung ist kein theologisches Kriterium

Kardinal Müller kritisiert mehrere nationale Bischofskonferenzen wie die von Malta und den Philippinen, die aus dem Papstschreiben eine unter bestimmten Umständen mögliche Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion ableiten.
Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat in einem Interview mit der *Tagespost“ für einen Dialog im Streit um die Auslegung des Papstschreibens „Amoris laetitia“ zu Ehe und Familie geworben. Laut des bisherigen Präfekten der Glaubenskongregation habe sich eine Schere zwischen heftigsten Kritikern und bissigsten Verteidigern aufgetan. „Den Streit kann man weder aussitzen noch durch einen versuchten K.O.-Schlag lösen.“ An der Unauflöslichkeit der Ehe könne nicht gerüttelt werden.
Müller kritisierte in dem Zusammenhang auch mehrere nationale Bischofskonferenzen wie die von Malta und den Philippinen, die aus dem Papstschreiben eine unter bestimmten Umständen mögliche Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zur Kommunion ableiten. Für den früheren Präfekten der Glaubenskongregation stelle der Beifall der veröffentlichten Meinung aber „gar keine theologisches Kriterium“ dar.

OR Nr. 47 vom 24.11.2017, S. 4
Ernennungen für die Bischofssynode

18.11.2017: Der Papst hat für die XV. Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode, die vom 3. bis 28. Oktober 2018 im Vatikan zum Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“ stattfinden wird, die folgenden Ernennungen vorgenommen:
Generalrelator: Kardinal Sérgio da Rocha, Erzbischof von Brasilia und Präsident der brasilianischen Bischofskonferenz;
Sondersekretäre: P. Giacomo Costa SJ; Don Rossano Sala SDB

Bischofssynode: siehe auch „Voreheliches Zusammenleben“
Nachsydonales Schreiben „Amoris Laetitia“ im Anschluss an die beiden Bischofssynoden: →Familie

Bistum

siehe unter „Diözese“

Blumen- und Gemüsegarten im Vatikan

Nähe Tennisplätze und Kinderspielplatz in den Vatikanischen Gärten, in der Nähe des Museum-Eingangs

Blumen für Papst- und Kardinalstaatssekretären-Wohnung und nach Bedarf.
Gemüse: Tomaten, Salat, Kartoffeln usf.